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Full text of "0610 Historische Tatsachen Nr. 47 Udo Walendy Luegen Um Heinrich Himmler 2. Teil ( 1991, 40 S., Scan)"

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I)iftonftI)c Catfarljcn flv. 47 


Dipl. Pol. Udo Walendy 


Lügen um Heinrich Himmler 

II. Teil 



Heinrich Himmler 
begrüßt Offiziere euro- 
päischer Freiwilliger, 
die in der deutschen 
Wehrmacht gegen den 
Bolschewismus kämp- 
fen. 


Heinrich Himmler 
inspiziert 1944 in den 
Niederlanden europäi- 
sche Freiwillige der 
Waffen-SS während 
ihrer Kampfausbildung. 



Fotoi: Bunde «reim Koblenz 




Historische Tatsachen Nr. 47 


- Wissenschaftliches Sammelwerk - 


Dipl. Pol. Udo Walendy 


Lügen um Heinrich Himmler 

- II. Teil - 


Dieses Heft ist vor Drucklegung juristisch dahinge- 
hend überprüft worden, daß weder Inhalt noch Aufma- 
chung irgendwelche BRD-Strafgesetze verletzen oder 
sozialethische Verwirrung unter Jugendlichen auslosen. 


Verfasser und Verleger geben aus besonderer Veranlagung der 
neuen Straf rcchtslage hiermit kund, keinerlei Zweifel Ober das Gesche- 
hen in Auschwitz oder anderswo zu äußern, sondern lediglich unter 
Bezugnahme auf das der Presse /nstehende Recht auf freie Informator 
für historische Chronisten unter Maßgahc strenger wissenschaftlicher 
Maü.Ubc zu berichten. 

Im übrigen stehen Verfasser ♦ Verleger grundsätzlich auf dem 
Standpunkt, daß cs töricht wäre, an wirklich Geschehenem zu zweifeln, 
daß cs aber zur ersten Pflicht eines Historiker, gehört, die Bcwcislage 
nach allen Seiten umfassend zu prüfen. 


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Interview von Radio Free America am 4. Ja-^ 
nuar 1990 in der nächtlichen call-in talk show | 
mit dem bri titschen Historiker David Irving: 

Interviewen 

"So haben Sie in all den Jahren Ihrer For- 
schung in Tagebüchern, Archiven und allen 
anderen offiziellen Dokumenten niemals eine Spur 
von Nachweis entdeckt, die beweist, daß Hitler 
'von Auschwitz gewußt hat? 

Irving: 

" Das ist korrekt. Und in der Tat, ich möchte 
sogar noch weiter gehen als dies. Ich möchte 
sagen, daß ich niemals irgendeinen Beleg darü- 
ber gefunden habe, daß Hitler vom Holocaust' 
etwas gewußt hat, ganz gleich, was man darun- 
ter verstehen mag." 

Spotlight, Washington, 26. Februar 1990. S. 14. 


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^ Nötigung ^ 

"Ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Berlins, ” 
welches in leichtfertiger Weise als Entlastungs- ■ 
zeuge im Entnazißzierungsverfahren entlastende m 
Erklärungen abgibt, oder es unterläßt, sich gege- ■ 
benenfalls als Belastungszeuge zu melden, kann . 
durch Beschluß des Vorstandes von der sozialen ■ 
Fürsorge ausgeschlossen werden. " ■ 

Rhruuithrr Merkur, 27. September 1946. ■ 


"Die Verbände der ehemals politisch Internierten und J 
der Opfer des Naziregimes haben unter den damaligen Vcr- . 
schickten einen Feldzug der Einschüchterung organisiert, JJ 
um sie am Aussagen zu hindern. Diese Tatsache wurde von ■ 
Dr. Alfred Seidl in seinem Plädoyer für den Ingenieur J 
Walter Dürrfeld vor dem Militärgericht No. VI festgestellt . 
(Verhandlungsstenogramm S. 50 -51): ■ 

Die eigentlichen Schwierigkeiten der Verteidi- ■ 
gung haben sich in besonders scharfer Art bei den B 
ehemaligen Internierten, die im Werk Auschwitz der» 
I.G. Farben arbeiteten, bemerkbar gemacht. Soweit, 
es sich um politische Internierte handelte, waren die ■ 
Schwierigkeiten unüberwindlich und Zeugenaus- B 
sagen unmöglich, denn die Organisation der -Ver- ■ 
folgten des Naziregimes* verboten ihren Mitglie- B 
dem. für die Angeklagten zu sprechen. Ebenso ist es ■ 
vorgekommen, daß Mitglieder, die trotzdem ausge- B 
sagt oder eidesstattliche Versicherungen abgegeben ■ 
hatten, seitens anderer Mitglieder unter Druck ge- B 
setzt wurden, um sie zum Widerruf ihrer Aussagen ■ 
zu zwingen. Es ist klar, daß es unter diesen ümstän- B 
den unmöglich ist, die Wahrheit zu Finden.' ' J 

Mauncc Bardiche. ‘Nürnberg oder die Falschmünzer. ■ 

Wiesbaden 1957 S. 93 - 94. ? 


Copyright 

by 

Verlag für Volkstum und Zeitfieschichtsforschung 
D 4973 Vlotho * Postfach 1643 
1991 


ISSN 0176 - 4144 

Konten des Verlages: Postscheck Essen 116162 -433 (BLZ 360 100 43) 

Kreissparkassc Herford 250 00 2532 (BLZ 494 501 20) „ „ 4<VV( 

K Druck: Kölle Druck D.- 4994 Pr.Oldcndorf 


2 



Bisherige "Bewältigung” 


Die "Lügen um Heinrich Himmler" sind auch in ei- 
nem zweiten Teil nicht abzuschließen, da sich - 
abgesehen von Adolf Hitler - um den RFSS die mei- 
sten jener Ereignisse konzentriert haben, die speziell 
im Osten Europas während des Zweiten Weltkrieges 
mit freiwilligen und Zwangsumsiedlungen, Sicher- 
heits-, Zwangsarbeitsmaßnahmen, Repressalien, be- 
schlagnahmten Vermögenswerten, Konzentrationsla- 
gern, Bandenbekämpfung zu umschreiben und mit 
tatsächlichen Verbrechen verbunden sind. 

Doch wer definiert "Verbrechen" in einem Krieg, 
den der Gegner ganz offiziell zur Ausrottung des deut- 
schen Herrschaftssystems, ja, wie durch vielfältige of- 
fizielle Bekundungen und in der militärischen Praxis 
belegt ist, zur Vernichtung des deutschen Volkes führ- 
te?” Jahrelang haben Staatsmänner der Alliierten in 
Ost und West proklamiert, daß es in diesem Krieg 
keine unerlaubten Mittel gäbe, sondern es nur gelte, 
"so viel Deutsche wie möglich - auch Frauen und 
Kinder! - umzubringen gewaltige Teile deutschen 
Landes zu entvölkern und zu rauben, Kultur- und Ver- 
mögenswerte, alle Existenzgrundlagen zu zerstören 
und zur Durchsetzung dieser Ziele die Wahrheit auf 
den Kopf zu stellen und "die Weltöffentlichkeit von den 
alliierten Schreckenstaten durch verstärkte Greuelpro- 
paganda gegen die Achsenpartner abzulenken "'. ® 

Bitte noch einmal die Frage zu beantworten: Wer 
definiert "Verbrechen" in einem solchen Kriege? 

Die rechtliche und moralische Bewertung der Kriegs- 
verbrechen beginnt mit der sachgerechten Analyse der 
Kriegsschuld, der Kriegsziele und der ersten Kriegs- 
verbrechen. Danach ist auch die örtlich Vorgefundene 
Situation, die unmittelbare Gefahrenlage für die eige- 
ne Truppe und Bevölkerung, freilich auch die Verhält- 
nismäßigkeit der Mittel zu berücksichtigen. Eine kei- 
neswegs leichte Aufgabe, die nicht mit parteiischen 
Schlagworten vom "heiligen Krieg" oder den "guten' 
und den "schlechteil" Völkern oder Regierungssyste- 
men zu meistern ist. 

Die bisherige Bewältigungsliteratur hat lediglich 
global das deutsche Volk, die NSDAP, ihre Organisa- 
tionen und Millionen Mitglieder, die deutsche Wehr- 
macht, insbesondere SS- und Waffen-SS verunglimpft. 

1) Vgl. Historische Tatsachen Nr. 38, S. 18. 

2) Winston Churchill am 7.2.1945 auf der Jalta- Konferenz. - Die Jalu Doku- 
mente", Göuingcn 1966, S. 164, 166, 171; auch Franklin Delano Roosevelt S- 
55. + Russell Grenfell, "Bedingungsloser Haß?“, Tübingen 1956, S. % ♦ J.F.C. 

Füller, "Der Zweite Weltkrieg 1939 - 1945", Stuttgart - Wien 1950. S. 22. 

3) Edward Rozek, "Allied Wartime Diplomacy - A Pattem in Poland", London 
1958, S. 209 - 210. - Vgl. Historische Tatsachen Nr. 23. S. 40. 


Ihre unsachliche, egoistische Wertskala: 

a) Alle jene Ereignisse seien konsequent verbreche- 
rische Folgen eines von einem verbrecherischen Regi- 
me verbrecherisch begonnenen Krieges mit verbreche- 
rischer Zielsetzung bis hin zur Eroberung der Welt"; 

b) betroffen, geschädigt, umgekommen, ermordet 
seien allerorten nur friedliebende Bürger friedfertiger, 
überfallener Staaten, die zum Kampf für humanitäre 
Ziele gezwungen worden seien; 

C) selbst bei Nachweis gegen Deutschland gerichte- 
tater verbrecherischer -- d.h. den internationalen Kriegs- 
regeln widersprechender - Handlungen seien diese 
gerechtfertigt, amnestiert, nicht oder kaum erwähnens- 
wert; 

d) nach dem Text von Militärtribunal- und ander- 
weitigen Gerichtsentscheidungen der alliierten Sieger 
sowie deren "Dokumenten'-Vorlagen sei zu urteilen, 
die einseitig sortiert, gewichtet, großenteils sogar ge- 
fälscht wurden; 

e) Zeugen der Siegerseite seien glaubwürdig, jene 
der besiegten Nationen, sofern sie den gewünschten 
Klischees widersprechen, unglaubwürdig; 

f) die "rechtskräftigen" Militärtribunalurteile der 
Siegermächte sowie die Sprüche der unter ihrer Schutz- 
macht tätigen Gerichte der besiegten Nation hätten die 
Sachlagen umfassend, wahrheitsgemäß und auch mo- 
ralisch und rechtlich unumstößlich geklärt. 

Diese -- weltweit eingehaltenen - Prämissen der 
bisherigen offiziellen wie auch offiziösen Geschichts- 
schreibung und Politik sind jedoch falsch, weil Objekti- 
vität durch Parteilichkeit verdrängt, Auseinanderset- 
zungen in der Sache vordergründig einseitig geführt 
oder gänzlich verweigert und durch Machtsprüche er- 
setzt wurden. Dies betrifft die Vielzahl der politischen, 
historischen und völkerrechtlichen Problembereiche, 
angefangen vom Imperialismus allgemein, zur Schuld 
für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges, über die 
1919 in Versailles verfugte Völkerrechtsverwilderung 
bis zur jüngsten Kriegsschuldfrage. 

Der Verfasser hat sich in seinen zahlreichen Publi- 
kationen^ bereits mehrfach mit diesen einzelnen Punk- 
ten befaßt, so daß Wiederholungen nicht nötig sind. 
Dennoch ist dieser Vorspann für das anstehende The- 
* ma angebracht, da hier mehr als bei anderen Sachver- 
halten Emotionsfreiheit und Objektivität gefordert ist. 

4) "WjJutidi für Deutschland - Die Sdiuldfrage des Zweiten Weltkrieges", 

-Europa in Flammen 1939 - 1945" '{2 Bdc), "Bilddokumcnte' für dicGe- 

schkhtssschreibung?’, Schriftenreihe Historische Tatsachen. 


3 


"Ansprache Himmlers" an das Offizierskorps der 
Leibstandarte "Adolf Hitler" am 7. September 1940 


Damit keiner sagen kann, er habe nicht von Anfang 
an gewußt", was die Nazis im Schilde führten ', fehlen 
freilich auch nicht "die ganz offenen Worte'“ Himmlers 
so ziemlich gleich am Anfang des Krieges. Auch hier ist 
alles drin, was sich ein Greuelpropagandist nur wün- 
schen kann: Härte gegenüber den " Minderrassigen ", 
"Untermenschen" , der schon in den Friedensjahren "sy- 
stematisch vorbereitete Krieg", der Wille zur "Ausdeh- 
nung unseres Lebensraumes", ja zur "Beherrschung der 
Erde". Dabei ist angesichts der in Kriegszeiten notwen- 
digen Geheimhaltung mit der durchgängig verwende- 
ten Floskel, daß seine Zuhörer das alles zwar hören, 
aber schnell wieder vergessen sollten", Rechnung ge- 
tragen worden. Weitere Würze aus der bereits sattsam 
bekannten Giftküche durfte nicht fehlen, diesmal hat 
man reichlich davon hineingerührt: Blöd, irre mußte 
dieser "Kommandeur der Leibstandarte" sein, der noch 
nicht einmal merkte, daß er überhaupt nicht ihr Kom- 
mandeur war. 

Zitieren wir in Auszügen aus dem Nürnberger 1MT- 
"Dokument" 1918-PS (Bd. XXIX S. 98 - 110), von dem 
niemand zu belegen brauchte, woher dies überhaupt 
stammt: 

"... Wie lange im Einzelnen die Gefechtshandlungen auf 
irgend einem Teil der Erde staufinden - in England oder in 
den Kolonien von England - weil die erst geholt werden 
müssen, das wissen wir ebenfalls nicht... 

Denn der Winter bringt uns im Rahmen der Gesamt-SS 
eine ganze Anzahl Neuaufstellungen. ... Und dann wird wie- 
der aus der jetzigen Basis der Gesamt-WaJfen-SS herausge- 
nommen. ... 

Ich habe nun eine Erfahrung gemacht, und ich spreche 
zum Führercorps immer mit der letzten Offenheit auch über 
Dinge, die vielleicht besser anders gemacht werden, denn 
dazu sind wir ja Führer und dazu bin ich Ihr Kommandeur, 
dass ich alle Dinge offen ausspreche. ... 

Es war die Gefahr, dass wir in uns erstickt wären und 
deswegen, sehen Sic. hälfe ich die Gelegenheit der Mobil- 
machung und die Gelegenheit des Krieges - ich musste sie 
ergreifen, ich musste sie einfach aus innerpohiischen Grün- 
den ergreifen, denn irgend jemand hat ja dieses Polen, 
nachdem Division um Division herausgekommen ist. nieder- 
gehalten. die haben uns ja nicht geliebt nach diesem Krieg, 
das darf man sich nicht einbilden und um sonst. - das kann 
nuin hier auch ruhig einmal sagen, das sind alles Dinge, die 
man nicht an die Öffentlichkeit bringen kann — um sonst 
haben wir nicht im Durchschnitt im Monat 3 bis 4 tote Poli- 
zisten und SS-Männer drüben und ungefähr 6 oder 8 tote 
polnische Polizisten. Da drüben war in manchen Wochen 
und in manchen Monaten ein munterer Bandenkrieg, der 
lediglich viel, viel unangenehmer war wie ein offener Kampf 

^ Sehr oft sagt sich der Angehörige der Waffen-SS - uncL 


fliese Gedanken kamen mir heute so - wie ich da draussen\ 
diese sehr schwierige Tätigkeit ansah. die die Sicherheitspo- 
lizei unterstützt von Ihren Leuten, die Ihnen sehr gut helfen, 
halfen. - das llinausbringen dieses Volkes hier. Genau das- 
selbe hat bei 40° Kälte in Polen statt gefunden, wo wir lau- 
sende und zehntausende und hundertlausende wegtranspor- 
tieren mussten wo wir die Härte haben mussten — Sie 
sollen das hören und sollen das aber auch gleich wieder ver- 
gessen. - tausende von führenden Polen zu erschiessen. ... 

Wir müssen beginnen, auch in der G esaml- Waffen -SS, 
dass wir die übrige grosse Tätigkeit der Gesamt-SS und - 
Polizei erblicken und sehen, dass Sie die Tätigkeit, die der 
Mann im grünen Rock tut, genau so als wertvoll ansehen. 
wie die Tätigkeit, die Sie tun. Dass Sie die Tätigkeit, die der 
Mann des SD oder der Sicherheitspolizei tut, genau so als 
lebensnotwendiges Stück unserer Gesamitäligkeil arischen 
wie das. dass Sie mit der Waffe marschieren können. Sie sind 
die Beneidenswerten, denn wenn Sie etwas tun, wenn eine 
Truppe sich einen Ruhm erwirbt, dann kann von Ruhm ge- 
sprochen werden und dann kann sie ausgezeichnet werden 
dafür. Viel schwerer ist an vielen Stellen, - und ich will 
damit Ihre Taten wirklich nicht herunter tun, ich bin der 
letzte. - alter viel schwerer ist, das glauben Sie mir, an vie- 
len Stellen dieses stille Tun-müssen, die stille Tätigkeit, 
dieses Postenstehen vorder Weltanschauung, dieses Konsc- 
quent-sein-müssen. Kompromisslos-sein -müssen, das ist an 
manchen Stellen viel, viel schwerer. Nun will ich Ihnen noch 
etwas sagen: Ich sprach vorhin davon, wir sind absolut in 
der Gefahr gewesen, dass wir in uns. im Führer corps, er- 
stickt waren, dass wir nicht mehr hinausgckonnl hätten, weil 
eben entweder, wären wir überaltert oder wir mussten zu 
früh die Menschen absägen. ... Überhaupt möge man sich 
darüber klar sein, dass der Ablauf der letzten 2 Jahre, die 
reine Kriegsjahre waren mit der Vorbereitung auf den Krieg, 
natürlich nicht der Friede ist. ... 

Ich glaube, dass Sie aus dem. was ich heute den Männern 
sagte. - Sie können als Führer sich noch ein Stück mehr 
dazu denken - sich vorstellen können, was diese Gesamt-SS 
in Bezug auf Sicherung unseres Reiches, ich meine jetzt vor 
allem in weltanschaulicher Hinsicht, in Bezug auf Sicherung 
des Blutes, durch Siedlung und durch Ausdehnung unseres 
Ixbensraumes, in Bezug auf Aufgaben in Kolonien und wir 
werden Garnisonen haben, weil im Süden von Afrika und wir 
werden Garnisonen haben im Polarwinter, wie jetzt in Kir- 
kenes. das ist am Nordkap oben, werden wir ebenfalls eine 
Garnison mit ein paar Bataillionen haben, wir werden Gar- 
nisonen haben am Bug und wir werden Garnisonen haben 
jetji im i. Westen, wobei Metz bestimmt nicht die äußerste 
W eslgrenze sein wird. ... Sie würden sich wundern, ... wenn 
ich das nach dem Krieg sofort mit Friedensbeginn ganz 
eisern durchführe. ... 

Ihr seid nicht denkbar ohne die allgemeine SS. diese ist 
nicht denkbar ohne Euch. Die Polizei ist nicht denkbar ohne 
^die SS . ... j 


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Im Frieden werde ich Wachbataillione bilden und die 

nur abkommandieren auf 3 Monate - lernen in dieser Zeit 
den Kampf mit dem Untermenschentum kennen und das 
wird nicht eine öde Wachtätigkeit, sondern wenn die Offi- 
ziere es richtig machen, den besten Unterricht über Unter- 
menschentum und über Minderrassenium noch erfahren. 
Diese Tätigkeit ist notwendig, wie ich Ihnen schon sagte. I. 
um dem deutschen Volk diese negativen Menschen wegzu- 
nehmen, 2. um sie einzuspannen noch einmal für die grosse 
Volksgemeinschaft, dass sie Steine brechen und Steine 
brennen, damit der Führer seine grossen Bauten wieder 
machen kann ... 

Das ist wieder notwendig, wenn nämlich dieses führen- 
de Blut in Deutschland, mit dem wir stehen und fallen, mit 
dem guten Blut, wenn das sich nicht vermehrt, werden wir 
die Erde nicht beherrschen können. ... Wenn wir einmal zu 
wenig Söhne hätten, würden die, die nach kommen, feige 
werden müssen . ... 

All die Dinge, die Ihnen manchmal fremd sind, weil an- 
dere Dinge vordringlicher waren in den letzten 2 Jahren, 
weil ich die Ihnen, den Führern nämlich, nicht genug nahe- 
bringen konnte, weil ich sie Ihnen manchmal auch deswe- 
gen nicht nahegebracht habe, um etwas, was im Entstehen 
begriffen ist, nicht so sehr in die Öffentlichkeit zu bringen, 
damit nicht ein zartes Pflänzchen von Menschen, die uns 
nicht so ganz wohl wollen, plötzlich mehr ausgerupft wird. 
Dafür habe ich lieber in Kauf genommen, dass manchmal 
meine eigene Truppe darüber nichts wusste und habe dann 
im Stillen dieses Pßänzchen mal zum kleinen Baum werden 
lassen 

Einen Orden zu schaffen, der diesen Gedanken des 
nordischen Blutes so verbreitet, dass wir alles nordische 
Blut in der Welt an uns heranziehen, unseren Gegnern das 
Blut wegnehmen, es uns einfüge n, damit niemals mehr jetzt 
in der ganzen grossen Politik gesehen, in grossen Mengen 
und in nennenswertem Umfange nordisches Blut, germani- 
sches Blut, gegen uns kämpft. Wir müssen es an uns neh- 
y men und - die anderen dürfen keines haben. ... " ^ 

Es lohnt nicht, den ganzen Unrat dieser angebli- 
chen Hede Satz für Satz nach Stil-, grammatikalischen 
und Schreibfehlern hin zu zerpflücken. Man hat hier 
einfach zu viel Blödsinn auf einen Haufen gekarrt, als 
daß es nicht bereits dem Dümmsten auffallen müßte. 

Er, der "die Gelegenheit der Mobilisierung, des Krieges 
ergriffen hat", ~ ohne vor den Offizieren der Leibstan- 
darte Adolf Hitler formulieren zu können, wofür ei- 
gentlich, 

a) verwendete Begriffe, die es nicht gab (" Gesamt- 
Waffen-SS ", " Gesamt-SS ", "Untermenschentum ’, wir 
wären in uns erstickt " usw.), 

b) stellte Behauptungen auf, die nicht stimmen: 
"Die allgemeine SS ist nicht denkbar ohne Euch (Waf- 
fen-SS)", bestand doch die Allgemeine SS 12 Jahre lang 
ohne Waffen-SS; "Die Polizei ist nicht denkbar ohne 
SS", - Polizei gab es schon Jahrhunderte früher ohne 
SS!; 

c) faselt völlig abwegig vom "Hinausbringen dieses 
Volkes hier" (in Metz, Frankreich/Lothringen), 

d) läßt "Posten stehen vor der Weltanschauung ", 
"beschließt das alles " selbst, und würde nach dem Krieg 


selbst " das alles durchführen und Wachbataillone ab- 
kommandieren ", 

e) füllt seine Rede vor dem Offizierskorps der Leib- 
standarte 28 mal mit dem Schnack "Ich möchte (noch) 
etwas sagen, "Ihnen nahebringen". 

Stil und Schwachsinn, Schreib- und grammatikali- 
sche Fehler sind — wie nahezu bei allen derartigen 
Greuelmärchen-Kreationen immer wieder die gleichen. 
Da diese "schwarzen ghost-writer"^ nach Kriegsende 
Sachkundiges nicht konkret darzulegen wußten, der 
deutschen Sprache nicht ganz mächtig waren, außer- 
dem unter gewissem Zeitdruck standen und im übrigen 
"viel zu tun hatten", konnte kaum etwas anderes als 
solch ein Kauderwelsch herauskommen. Erschütternd 
ist nur, daß "die Intelligenz der freien Welt" bisher 
solchen Unfug tatsächlich ernst genommen und dieses 
Niveau auf die SS bzw. Waffen-SS, ja auf das ganze 
deutsche Volk mit der implizierenden Folgerung über- 
tragen hat, sie seien solchen Schwachköpfen wie u.a. 
diesem sich spätestens seit 1940 durch seine Reden, 
Schriften und Anordnungen als schwachsinnig auswei- 
senden "Reichsführer-SS" jahrelang in Kenntnis der 
verbrecherischen Zielsetzung gefolgt. 

Diese ihr schon vor 1933, verstärkt seit 1939 und 
seit 1945 erneut immens gesteigert untergeschobenen 
"Dokumentationsgrundlagen" und Bewertungsmetho- 
den hat "die Intelligenz der freien Welt" beibehalten, 
obgleich bereits in Nürnberg auch ein solches Doku- 
ment", wie das soeben zitierte, von sachkundigen Offi- 
zieren als totale Fälschung ausgewiesen wurde. Frei- 
lich muß hierbei gesagt werden, daß man den sachkun- 
digen Offizieren der Waffen-SS nach Vorhalt der abar- 
tigen Rede-passagen recht schnell wieder das Wort 
entzog. Statt dessen konfrontierte man sie mit Massen- 
vernichtungen, Verwertung ganzer Ballenladungen von 
menschlichen Haaren in Auschwitz usw., sowie mit 
entsprechend aufgeputschen ausländischen "Zeugen” 
und einer Fülle weiterer gefälschter 'Dokumente". Auf 
diese Weise ließ man sie in einem haßgeschwängerten 
Kreuzverhör ohne Zugang zu authentischen Verteidi- 
gungsinformationen gar nicht richtig zur Besinnung 
kommen und nötigte oder zwang sie zudem zu meinei- 
digen Aussagen. 

Der Hauptabteilungsleiter im Ergänzungsamt der 
Waffen-SS, das für Einberufungen und Wehrüberwa- 
chung der Waffen-SS zuständig war, Robert Brill, er- 
klärte am 5. August 1946 im Hinblick auf die Vorhal- 
tungen zu der besagten Rede Himmlers unter Eid: 

"Ich war 12 Jahre lang bei der Waffen-SS, habe 1933 als 
einfacher Mann meinen Dienst in der Leibslandarte begonnen, 
bin dort Offizier geworden, bin dann 4 Jahre lang, mit Unter- 
brechung von Fronleinsätzen, im Ergänzungsamt der Waffen- 
SS gewesen. Zum Schliß} des Krieges war ich Ordonnanzoffizier 
in einer SS-Panzerdivision. ... 6I (S. 371) 

Ich habe in meiner Dienststelle Tausende und wieder Tau- 
sendern Einstellungsgesuchen gelesen. Ich kann sagen, daß 
bis 1939 hauptsächlich die Begeisterung für die SS. für ihr 
anständiges und sauberes Verhalten, der Hauptgrund für die 

5) "Schwarz" sicht für Lügenpropaganda laut Sefton Dclmcr, ’ Ghost-wnlcr'' für 
anonyme Schreiberlinge, die anderen etwas unterschieben. 

6) IMT Bd. XX S. 371 


5 


Freiwilligenmeldungen war. Daneben kamen aber auch viele 
Freiwillige aus beruflichen Gründen. ... (S. 374) 

MAJOR ELWYN JONES (US-Anklagevertreier): Himmler 
hat zu den Offizieren Ihres Regiments gesprochen, der SS- 
Leibstandane Adolf Hitler. Er sagte Ihnen, daß die Morde ein 
Werk der Sicherheitspolizei, nämlich Ihrer Leute, Leute Ihres 
Regiments, sein werden, das ist doch ganz klar? 

BRILL: Nein, das ist nicht klar, so etwas gibt es gar nicht. 
... erstens wußte ich das nicht, und zweitens, soviel ich jetzt 
gehört habe, haben nicht Angehörige der Waffen-SS das ge- 
macht. sondern Himmler sagte, 'Wir, wir’ - wer diese 'wir' 
sind, das weiß ich nicht, und das gehl auch, soviel ich jetzt 
gehört habe, nicht aus der Rede hervor. ... (S. 384 ) 

Unter Himmlers Befehl waren wir überhaupt nicht. Wir 
waren bis 1939 als SS-Verfügungstruppe unter Hitlers Befehl, 
und dann war die Waffen-SS ebenfalls unter Hitlers Befehl, und 
zwar als Oberstem Befehlshaber der Wehrmacht. ... 

Himmler halte Inspektionsrecht. Er hatte das Recht. Beför- 
derungen auszusprechen und bezüglich Verwaltung und Trup- 
penbetreuung und — soviel ich weiß — auch im Gerichtswesen 
hatte Himmler Einfluß, d.h. seine Hauptämter." (S. 391 ) 
Anschließend betrat SS-Oberstgruppcnführcr Paul 
H ausser den Nürnberger Zeugenstand und erklärte, 

"ein einheitliches SS-Oberkommando hat es während des 
Krieges nicht gegeben. Das Führungshauptamt in Berlin war 
zentrale Verwaltungsinstanz. Alle Divisionen der Waffen-SS 
sind in dms Heer einrangiert worden und kämpften unter Befehl 
und letzten Endes der Verwaltung des Heeres. Ich habe persön- 
lich in den 5‘/i Jahren des Krieges nur von Dienststellen des 
Heeres Befehle bekommen. ... Die Divisionen, die in das Heer 
einrangiert waren, unterstanden Heinrich Himmler nur in Fra- 
gen der Pcrsonalbesetzung und Ergänzung, in Gerichtsfragen 
und in grundsätzlichen Fragen der Organisation. (S. 396 - 397) 
Heinrich Himmler hat sicher versucht, im Frieden auf die 
kleine Verfügungstruppe einen Einfluß auszuüben. Im Kriege 
war das wenig oder gar nicht möglich. Truppenteile der Waf- 
fen-SS sprach er nicht. Er hat nur einige Male Kommandeure 
und Offiziere einzelner Divisonen im Felde gesprochen. Man 



Ankunft des Reichsführers-SS und Chef der Deutschen 
Polizei, Heinrich Himmler, am 18.10.1937 In Rom. Er folgte 
einer Einladung des Duce zum "Tag der italienischen Poli- 
zei". In seiner Begleitung befinden sich die Chefs der Haupt- 
ämter Ordnungs- und Sicherheitspolizei, General Dalugue 
(II. I. B.), und SS-Gruppenführer Heydrich (re). Zur Rechten 
des RFSS beim Verlassen des Bahnhofs der deutsche Bot- 
schafter in Rom, von Hasseil, aut der anderen Seite der 
Chef der Italienischen Polizei, Bocchlnl. 

Foto: Bundwatihiv Kohlen/ 

wußte, daß Heinrich Himmler, der wohl nur ein Jahr mal Soldat 
gewesen ist, absolut truppenfremd war, daß er die militärischen 
Aufgaben und ihre Arbeit unterschätzte. Er lieble cs, den star- 
ken Mann durch Übertreibungen und Superlative zu markieren. 
Das lehnt der Frontsoldat wohl auf allen Seiten ab, wenn ihm 
einer mit großen Worten kommt. " (S. 403) 


"Der Generalplan Ost" 


Der mysteriöse "Generalplan Ost’ wird Heinrich 
Himmler zwar nicht persönlich unterstellt (schließlich 
kann er nicht alles selbst geschrieben haben), doch sei 
er der "Anreger", "Auftraggeber". In den Führungsspit- 
zen seiner Hauptämter entstanden und gefördert, sei 
dieser "Plan" schließlich "zu einem realen Bestandteil 
der Ostpolitik des Deutschen Reiches geworden ". 71 

Er enthält wieder alles, was sich Gegner Deutsch- 
lands nur träumen und wünschen könnten, um der 
Mär von der "angestrebten deutschen Weltherrschaft' 
noch weitere Gruselgeschichten beizupacken. 

7) Virrteljahnheflr für Zeitgeschichte, herausgegeben vom Inslitul für Zeitge- 
schichte in München. 1958. S. 281 - 325, hier S. 285 * 289. - Nachfolgende 
Seitenangaben beziehen sich auf diese Publikation. 


"Bereits die Vorzeichen der kommenden Ereignisse setzten 
die Schar der Ostplaner in Bewegung, rechnete man doch mit 
einem Blitzsieg über die Sowjetunion " (S. 282), 
womit für den Autoren Helmut Heiber die Frage nach 
der Schuld am Rußlandfeldzug schon beantwortet ist. 

Diese 'Ostplaner" stammten von der Dienststelle 
Reichsführer-SS/Reichskommissar für die Festigung 
deutschen Volkstums (RFSS/RKF), war doch Himmler 
bereits im Oktober 1939 zum ' Reichskommissar für 
die Festigung des deutschen Volkstums" ernannt und 
mit der gesamten Rück-, An-, Aus- und Umsiedlung im 
Osten beauftragt worden. Soweit richtig? Nein, zumin- 
dest ist auf den Fehler aufmerksam zu machen, daß 
die angesprochene Dienststelle keine Dienststelle der 


6 



SS, also auch nicht des RSHA war, sondern eine staatli- 
che, dem Innenministerium unterstehende, ebenso wie 
jene "Volksdeutsche Mittelstelle", die ohne Hinweis auf 
SS in ihrem Briefkopf die Mittel aus der Reichskasse 
für jene Rück- und Umsiedlungen zur Verfügung stell- 
te. Doch statt des eigentlichen Anliegens (deutsches 
Besitztum in Polen, das deutschen Menschen wider- 
rechtlich seit 1918 durch Polen geraubt worden war, 
wiederherzustellen, Umsiedlungen von Polen, die sich 
seit 1918 gewaltsam in deutschem Besitztum angesie- 
delt hatten, durchzuführen und Balten- wie Wolhy- 
niendeutsche heim ins Reich zu holen und in dem deut- 
schen Westpreußen anzusiedeln) soll daraus "nach der 
Formulierung eines Angehörigen von Himmlers Amt" 
folgendes entwickelt worden sein: 

"Die Befriedung des Riesenraumes, die nach Hitlers sorg- 
fältig befolgten Direktiven am besten dadurch geschehen sollte, 
daß man jeden, der nur schief schaue, lotschieße .' K 

Vor dem Weiterlesen schaue man sich zunächst die 
Halbinsel Krim auf dem Atlas an; sie liegt im Norden 
des Schwarzen Meeres. Überhaupt dürfte es angebracht 
sein, Deutschland auf dem Globus zu suchen und mit 
Rußland zu vergleichen. Nach dieser geografischen 
Zielfindung nun das "Dokument": 

" Bereits im August 1941 hatte Hitler für dieses Gebiet per- 
sönlich die Aussiedlung der dortigen (Krim-) Bevölkerung verlangt. 

- 'wohin, ist mir ganz wurscht, Rußland ist groß ge- 
nug'." (S. 291 - "Beweis”: Eine Aufzeichnung nach Mitteilung 
eines anderen!) 

"Krim-Generalkommissar Frauenfeld 'plante, dort die Süd- 
tiroler anzusetzen', was ' bei Hitler und Himmler freundliches 
Interesse fand. 'Für Burgund’, so kommentierte letzterer groß- 
zügig, ' werden wir dann eben einen anderen Volksstamm oder 
eine andere Bevölkerung finden'. Die Kriegsereignisse hinder- 
ten zwar den Reichsführer daran, ... ein 'SS -Krimkommando’ 
bereitete an Ort und Stelle aber buchstäblich bis zur Räumung 
im April 1944 die deutsche Besiedlung vor. verfolgte 'die Spu- 
ren der Goten', erörterte 'Methoden der Klimasteuerung', erar- 
beitete eine 'Bewässerungsplanung' und was es an derartigen, 
im Kriege so vordringlichen Aufgaben noch alles gab. " ( S . 291 ) 
Man verweist auf weitere "Dokumente": 

"Abschrift, Geheime Reichssache 

Bereits im November 1941 wurde mir bekannt, daß das 
RSHA an einer Generalplanung für den Osten arbeitete. Der 
zuständige Sachbearbeiter im RSHA, Standartenführer Ehlich 
nannte mir damals schon die im Plan erwähnte Ziffer von 3 1 
Millionen auszusiedelnder Fremdvölkischer." (S. 297) 

"Unter diesen Umständen muß davon aus ge gangen werden, 
daß die Zahl der Fremdvölkischen in diesen Gebieten weitaus 
höher als 51 Millionen anzusetzen sein wird. Die Zahl wird 
zwischen 60 und 65 Mill. liegen ... wie der Plan vorsieht, so 
müßten demgemäß 46 bis 51 Mill. Menschen ausgesiedelt wer- 
den. Die Zahl 31 Mill. auszusiedelnder Menschen, die der Plan 
angibt, dürfte nicht zutreffen." (S. 300 - 301) 

"Der Plan sieht nun die Aussiedlung von 80-85 % Polen 
vor, d.h. es kommen je ob man von 20 oder 24 Millionen Polen 
ausgeht, 16 bis 20,4 Millionen Polen zur Aussiedlung, während 
3 - 4,8 Millionen Polen im deutschen Siedlungsraum verbleiben 

8) Vierteljahrs hefte für Zeitgeschichte 1958 S. 284 unter Berufung 
auf das Nümberg-"Dokumenf 221 - L. 


sollen. Diese vom RSHA genannten Zahlen stehen im Gegensatz 
zu den Ziffern, die vom Reichskommissar für die Festigung des 
deutschen Volkstums als Prozentsatz der eindeutschungsfähi- 
gen, rassisch erwünschten Polen angegeben werden (3%)." (S. 

306) 

Im Ostministerium interessiert nun aber ganz besonders 
die Frage, wo die rassisch unerwünschten Polen verbleiben 
sollen. Mehr oder minder 20 Millionen Polen in Westsibirien 
zwangsweise geschlossen anzusetzen, bedeutet zweifellos eine 
ständige, kompakte Gefahr des sibirischen Raumes, ein Herd 
ständigen Aufruhrs gegen die deutsche Ordnungsmacht. " (S. 

307) 

"Bereits im März 1941 hat der Unterzeichnete in einer 
Denkschrift den Standpunkt vertreten, die Polenfrage zum Teil 
auch durch mehr oder minder freiwillige Auswanderung nach 
Übersee zu lösen (immer wieder diese "Lösung der Fra- 
ge", das stößt übel aufi, - d. Verf.). Wie dem Unterzeichne- 
ten ferner bekannt geworden ist, steht das Auswärtige Amt dem 
Gedanken einer eventuellen teilweisen Lösung der Polenfrage 
in Südamerika, insbesondere in Brasilien, nicht uninteressiert 
gegenüber . ... 

Wir müssen mit allen Mitteln versuchen, die Masse der 
Südamerikadeutschen vor dem Aufgang im Südamerikaner tum 
zu bewahren. Das einzige wirkliche Mittel ist nur die Zurück- 
führun g. Eine Verbreitung des Polentums in Südamerika dürfte, 
insbesondere, wenn sich die Auswanderung nach Brasilien er- 
strecken sollte, keine erhebliche politische Gefahr bedeuten, da 
dem fanatischen katholischen Klerus in Brasilien verhältnismä- 
ßig leicht die Umvolkung der katholischen Polen gelingen 
sollte." (S. 308) 

"Nach dem Plan des RSHA sollen auch die Wcstukrainer in 
den sibirischen Raum überführt werden. Es wird dabei ein 
Prozentsatz von 65% genannt." (S. 309 ) 

" Eine weitere Frage ist noch die, wohin später die Weißru- 
thenen. die aus rassischen Gründen für eine Eindeutschung 
nicht in Betracht kommen, umgesiedelt werden sollen. Der 
Generalplan sieht auch für sie Westsibirien vor. " (S. 312) 

"Abel sah unter diesen Umständen nur folgende Lösungs- 
möglichkeiten: Entweder die Ausrottung des russischen Volkes 
oder aber die Eindeutschung des nordisch bestimmten Teils des 
russischen Volkes. ... 

Der von Abel evt. vor geschlagene Weg. das Russentum zu 
liquidieren, kommt, abgesehen davon, daß die Durchführung 
kaum möglich ist, auch aus politischen und wirtschaftlichen 
Gründen nicht in Betracht." (S. 313 - "doch diese Frage 
wird erörtert!") 

"Es muß dahin kommen, in diesen Gebieten die russische 
Sprache als Verwaltungs- bzw. als Verkehrssprache möglichst 
auszuschalten ...Der Gedanke ist durchaus zu erwägen, evt. als 
die die einzelnen Völker verbindende Sprache das Deutsche 
einzuführen." (S. 314 - 315) 

"Der Gedanke, diesen ( nordrussischen ) Raum als zukünfti- 
gen großgermanischen Kolonialraum zu gestalten, erscheint ... 
nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen."( 315) 

"Man kann zS. Hebammen oder Feldsc herinnen zu Abir ei- 
berinnen ausbilden. Je sachgemäßer die Abtreibungen vorge- 
nommen werden, desto mehr wird die Bevölkerung hierzu Ver- 
trauen gewinnen. Auch der Arzt muß selbstverständlich zu 
diesen Handlungen befugt sein, ohne daß hier ein Verstoß 
gegen die ärztliche Standesehre in Betracht kommt. Die frei- 


7 


willige Sterilisierung ist ebenfalls zu propagandieren Die 
Säuglingssterblichkeit darf nicht bekämpft werden. Auch Auf- 
klärung der Müller über Säuglingsfürsorge und Kinderkrank- 
heiten darf nicht erfolgen." (S. 318 ) 

"Zur Tschechenfrage: Nach den heule vorhandenen Auffas- 
sungen soll ein großer Teil der Tschechen, soweit er rassisch 
nicht bedenklich erscheint, zur Eindeutschung gelangen. Man 
rechnet hier mit ungefähr 50% der tschechischen Bevölkerung, 
die hierfür in Betracht kommt. Gehl man von diesen Zahlen aus. 
würden etwa 3Z Millionen Tschechen übrigbleiben, die. da ihre 
Eindeutschung nicht vorgesehen ist, allmählich aus dem Reichs- 
gebiet entfernt werden müßten . ... Man wird hier den Weg 
vorziehen müssen . der auch bei der unerwünschten polnischen 
Intelligenz angebracht zu sein scheint, den Weg der Auswande- 
rung nach Übersee." (S. 319 ) 

"Alle die Artfremden, sowie die artfremden Mischlinge deut- 
scher Staatsangehörigkeit sind im Reichsgebiet ja nur Men- 
schen zweiten Ranges. Sie bilden eine dauernde rassenbiologi- 
sche Gefahr, zumal sie den starken Sexualtrieb ihrer artfrem- 
den Elternteile geerbt haben. " (S. 323 ) 

Himmler angeblich am 12. Juni 1942 aus dem "Füh- 
rer-Hauptquartier" dazu: 

"In einem Punkt bin ich. glaube ich. falsch verstanden 
worden. In diesem Zwanzigjahresplan muß die totale Eindeut- 
schung von Estland und Lettland sowie des gesamten General- 
gouvernements mit enthalten sein ... Wir müssen vielmehr die 
Gesamtbesiedlung ins Auge fassen . ... Heil Hitler Ihr HH " (S. 
325) 

Der RFSS "ergänzte" am 12.1.1943 aus der "Feld- 
Kommandostelle": 

"Lieber Meyer! Bei der ersten Durchsicht des Generalbe- 
siedlungsplanes möchte ich Ihre Frage, die Sie bei Ihrem letz- 
ten Besuch noch stellen wollten, beantworten. 

In den Ostsiedlungsraum ist Litauen. Lettland. Estland. 
Weißruthcnien und Ingermanland ebenso wie die ganze Krim 
und Taurien einzubeziehen. ... N.S. diese genannten Gebiete 
müssen total eingedeutscht bzw. total besiedelt werden." 

Die Frage, die Meyer "stellen wollte", kannte Himm- 
ler anscheinend auch ohne, daß dieser sie gestellt 
hatte . Hellseherische Fähigkeiten, gleichzeitig jedoch 
irre: ' tählliL Besiedlung, totale Eindeutschung "! 

Woher stammt das alles? Nun, die berüchtigten Nürn- 
berger "NO-Nummern-Dokumente”, die zumeist nur in 
unbeglaubigten Kopien unbeglaubigter Schreibmaschi- 
nen- Abschriften bisher nicht überprüfter "Originale", 
deren Verwahrungsort unbekannt ist, vorliegen, fin- 
den sich in US-Mikrofilmen wieder (hier: T 175, Roll 
68; einfache Schreibmaschinenseiten). 

Welche Hauptämter der SS mit diesen Ausarbei- 
tungen befaßt waren, 'ist heute kaum mehr festzu- 
stellen", dann wiederum ist etwas "zu vermuten", 
auch "hören wir, und dies ist nicht uninteressant 
"Federführend aber war das RSHA". ( S . 285) 

"... so stoßen wir auf eine umfangreiche Ausarbeitung, die 
unter dem Titel 'Generalplan Ost' wohl Ende 1941 in der 
Gruppe III B des RSHA entstanden ist. Der Text ist allem 
Anschein nach verloren gegangen, jedoch finden wir den In- 
halt umfassend und wohl authentisch gespiegelt in der kriti- 
schen Behandlung durch zwei Aufzeichnungen des Ostministe- 
riums. Einmal handelt es sich dabei um das Gedächtnisproto- 


koll einer Sitzung über 'Fragen der Eindeutschung', zu der sich 
Vertreter von Dienststellen des Ostministeriums und der SS am 
4. Februar 1942 zusammengefunden hatten, zum anderen um 
eine ausführliche Niederschrift vom 27. April des gleichen 
Jahres, die sich speziell und gründlich mit der RSHA-Konzep- 
tion befaßt: 'Stellungnahme und Gedanken zum Gene- 
ralplan Ost des Reichsführers SS' (Dok. NG - 2325). Ver- 
fasser ist in beiden Fällen der rassenpolitische Dezernent des 
Ostministeriums. Amtsgerichtsrai Dr. Erhard Wetzel." (S. 285 - 
286) 

Wir stehen hier wiederum vor einer der ' Wannsee- 
Konferenz vom 20.1.1942" analogen Sachlage: ein ge- 
heimnisvolles, von niemandem bestätigtes "Gedächt- 
nisprotokoll" eines inzwischen Toten und eine ebenso 
geheimnisvolle Niederschrift eines "nach dem Kriege 
Verschollenen". Bekanntlich haben - angeführt vom 
"alten Gauner" Sefton Delmer (so nannte er sich selbst!) 9 
- die alliierten Greuelpropagandisten diese Methode 
als besonders wirksam angesehen, "einem Toten etwas 
in den Mund zu legen", denn ein solcher kann sich 
nicht mehr verteidigen. 

Dann gibt es noch eine "Denkschrift", von Prof. 
Dr. Konrad Meyer, Leiter der Hauptabteilung II Pla- 
nung (später Amt VI) und Direktor des Instituts für 
Agrarwesen und Agrarpolitik der Universität Berlin, 
SS-Standartenführer (1942 Oberführer) vom 15. Juli 
1941 (Nürnberg "Dok." NO - 3348): 

"Denkschrift 'Generalplan Ost - Rechtliche, wirtschaft- 
liche und räumliche Grundlagen des Ostaufbaus". Diese 
Ausarbeitung selbst ist nicht greifbar, da sie in dem von den 
Amerikanern als Beweismaterial gegen Meyer zusammenge- 
stellten Dokumcntenbündel fehlt, wohl aber existiert eine da- 
mals als Anlage 2 beigefügte 6-seitige Zusammenfassung der 
wichtigsten Ergebnisse des Haupt lextes." (S. 289) 

Wer hat da wohl wieder die "Dokumente bearbei- 
tet”? Für Institut-für-Zeitgeschichts-forscher Helmut 
Heiber ist diese mysteriöse Quellenlage jedoch keines- 
wegs Anlaß zu Vorbehalten, selbst wenn der Inhalt 
dieser Papiere im diametralen Gegensatz zur durchge- 
führten Politik - Rückführung der Balten-, Galizien- 
und Wolhyniendeutschen ins Reichsgebiet und nicht 
umgekehrt! - steht! 

Prof. Konrad Meyer ist von den Alliierten in Nürn- 
berg freigesprochen worden und hat seine Professur 
wiedererhalten. Wäre sein "Generalplan Ost" heutzu- 
tage nicht "volkspädagogisch unerwünscht", so wäre 
dieser wohl nicht verschwunden. Ob es wohl mit "der 6- 
seitigen Zusammenfassung ” seine Richtigkeit hat? Wir 
halten das nicht für möglich. 

Bedenkt man bei dieser Quellenlage, daß in der 
internationalen Literatur der "Generalplan-Ost" u.a. 
(also abgesehen von Russen, Ukrainern, Zigeunern, 
Juden) auch als ein "indirektes Eingeständnis für den 
Ausrottungswillen von 95 - 97% der Polen" als "Plan 
zur Endlösung des polnischen, ja slawischen Volkes" 
rforgestellt wird, 1 ® so wird die Ungeheuerlichkeit 
der globalen und systematischen Diffamierung 
Deutschlan ds auch an diesem Beispiel deutlich! 

9) Sefton Dehner “Die Deutschen und ich”. Hamburg 1961, S. 488 + 549 + 631 

10) Jan Tomasz Gross. "Polish Sodäy under German Occupauon -- The Gene- 
ralgouvernement 1939 - 1949'. Princeton Univcnity Press New Jersey 1979. 

S. 75. . 


8 


"... daß wir Island einmal wieder haben müssen" 


Nachfolgende 'Dokumente'' sind US-amerikanischen 
Mikrofilmen entnommen, in denen ' erbeutete deutsche 
Dokumente" für die Zukunft festgehalten sind. Die Sie- 
germacht USA hat diese Filme ohne jegliche neutrale 
Kontrolle im eigenen Regierungsauftrag -- zumeist erst 
in den 50iger und 60iger Jahren - hergestellt. Wie 
unseriös hierbei vorgegangen worden ist, belegen die 
nachfolgenden Analysen. 

Wie unkritisch diese US-Mikrofilme von der Weltöf- 
fentlichkeit übernommen worden sind und weiterhin 
zitiert werden, dafür ist das Buch von Helmut Heiber n> 
ein typisches Beispiel. Wir zitieren daher für die nach- 
folgenden Dokumente beide Quellen. Der Leser ver- 
mag sie auf diese Weise besser zu überprüfen. 

Die mit R. (Rolle) ..., S. (Seite) ..." bezeichnten 
Belege sind Vermerke in den "Guides to German Re- 
cords Microfilmed at Alexandria, VA." Nr. 32 und 33 
(sowie 39). Sie beziehen sich auf die Mikrofilme der 
Serie T-175. Wir zitieren entsprechend. 

Zunächst: R. 33. S. 1230 bzw. Heiber">, 'Dok'. 96, 
S. 102: 

"Reichsführer an SS-Oberführer Prof. Dr. 
Werner Gerlach, Deutscher Generalkonsul 
in Island, am 3.2.1942": 

"Mein lieber Gerlach ! 

Meinen herzlichen Dank für Ihren Brief vom 5.1 .1941 
und ebenfalls meinen Dank für den ausgezeichneten Bericht 
über Island. 

Klar ist mir. daß wir Island einmal wieder haben müs- 
sen. und klar ist mir ferner, daß wir dann das immerhin 
wertvolle isländische Volk retten müssen. Es wird absolut 
möglich sein, diese wertvolle Blutsubstanz in eine bessere 
Form zu bringen, das Land mit seinen heißen Quellen und 
seinen Wasser- und damit seinen Energiequellen zu ent- 
wickeln und es zu einer waffen ge schul zieh Bastion Europas 
auszubauen. Um all das zu erkennen, gibt Ihr Bericht die 
besten Anhaltspunkte. 

Mit Freude habe ich gehört, daß Sie nunmehr nach dem 
^Protektorat kommen, wo Sie ja mit SS-Obergruppenführer J 





lleydrich sicherlich sehr viel in Berührung kommen wer- 
den. Der frische, wirklich nationalsozialistische Zug wird 
Ihnen sehr gut gefallen. 

Mit großer Freude übersende ich Ihnen nochmals mein 
Bild und wünsche zugleich Ihnen. Ihrer lieben Frau und 
Ihren Töchtern abermals sehr herzlich alles Gute für das 
bereits reichlich angebrochene neue Jahr: 

Heil Hitler! 

Ihr getreuer HH" 

Dieser angebliche Brief enthält die typisch sich wie- 
derholenden Fälschungsphrasen: 

"Klar ist mir, daß wir Island einmal wieder haben 
müssen, ... das isländische Volk retten müssen. Es wird, 
absolut möglich sein, diese wertvolle Blutsubstanz in 
eine bessere Form zu bringen.' 

Island hat nie zu Deutschland gehört, daher konnte 
Himmler auch nicht schreiben, daß wir es "wieder ha- 
ben" (zu deutsch: "wiederhaben ") müssen. Man sprach 
und spricht in Deutschland auch nicht vom isländi- 
schen Volk, sondern von den Bewohnern, der Bevölke- 
rung Islands (ca. 200.000 Menschen). Warum und wie 
sollte Deutschland "das isländische Volk retten müs- 
sen"? 

In einem Satz = 2 x "müssen”, im nächsten Absatz 
innerhalb eines Satzes = 2 x ''kommen" ist in Deutsch- 
land unüblich. 

Eine bereits "wertvolle Blutsubstanz" bedarf keiner 
"besseren Form"! Was sind das überhaupt für unpas- 
sende Vokabeln! 

Was hat sich der Reichsführer-SS nach dem verlust- 
reichen Kältewinter 1941/1942 an der schwer ange- 
schlagenen Ostfront um die — offenbar "von uns" — in 
Gang zu bringende "Entwicklung Islands" zu kümmern, 
einer hinter England liegenden und seit dem 14. Juli 
194 1 von den US-Amerikanern besetzten Insel? Er war 
weder Außenminister, noch befugt, darüber zu befin- 
den, was Deutschland "haben oder wieder haben muß". 
Auch konnte er solche "politischen Perspektiven" nicht 
in so dümmliche Phrasen einkleiden, die typisch für die 
• ••••••••• meisten Fälschungen dieser 


Empfang 
1938 Im Hotel 
Kaisertiof In Ber- 
lin: Der britische 
Botschafter Sir 
Neville Hender- 
son Im Gespräch 
mH RFSS Himm- 
ler und Reichs- 
lelter Alfred Ro- 
senberg. 

Folo: Bundesarchiv 
Koblenz 


Art sind! 

In Island war bereits seit 
langem ein europäischer 
Wirtschafte- und Kulturstil 
vorhanden; somit wäre dort 
für Deutschland gar kein 
Nachholbedarf "zw entwick- 
eln gewesen, schon gar 
nicht mitten im Krieg! Da 
der "Brief in sich unsinnig 
ist, kann ihn Himmler auch 
nicht geschrieben haben! 


1 1) Helmut Heiber (HrcgVRcichrfflhra! ... Briefe an und von Himm- 
ler", Deutsche Verlagsansult Stuttgart, 1968. 


9 



Ohlendorf informiert seinen Chef 
über den " Sektor 'Koloniale Planung 1 "? 


'Dok." R. 122, S. 7921/22 bzw. Heiber "Dok." 1 16. 
S. 122- 123: 

Absender SS-Oberf. Otto Ohlendorf. Chef Amt III 
(SD-Inland)/RSHA. -- Empfänger Reichsführer, Datum: 
10.7.1942: 

"Betr.: Einschaltung höherer SS-Führer in die Kolonial 
Planung. 

Vor einiger Zeit sind auf dem Sektor der kolonialen Pla- 
nung die Organisation Sisal und die Organisation Bananen 
aufgestellt worden. Diese beiden Bezeichnungen sind Tar- 
nungen für den Einsatzstab Ostafrika (Sisal) und den Ein - 
salzstab Westafrika (Bananen). Als Uiter der Organisation 
Sisal ist Reichsleiter SS-Ober gruppenführer Bouhlcr (Phil- 
ipp Bouhler. Chef der Kanzlei des Führers der NSDAP. - 
Fußnote) vorgesehen, der später Generalgouvcrneur von 
Ostafrika werden soll. Der Uiter der Organisation Bananen 
ist der Stabsamtsleiter von Gauleiter Bohle (Ernst Wilhelm 
Bohle. A uslandsorganisalion der NSDAP. - Fußnote) in der 
AO. SS-Brigadefiihrer Ruhlferg. Die Einsatzslähe haben bereits 
mit den Vorarbeiten begonnen. U.a. erstreckte sich die Ar- 
beit für Kamerun darauf, die bisherige Bezirksverwaltung in 
Kamerun in der Planung in eine Provinzialverwaltung um- 
zuändern. Aus etwa 20 Bezirken sollen etwa 5 Provinzen 
werden, die eine Unterteilung in Bezirke oder Stationen er- 
halten. Durch diese Einteilung hofft man. die wirtschaftliche 
Gesamtplanung zu erleichtern. Man hat dabei nach engli- 
schem Vorbild gehandelt, das sich sehr bewährt hat. 

Zur Vorgeschichte des Obengesagten wird folgendes mit- 
geteilt: Reichsleiter Bouhler und Reichsleiter Bormann ha- 
ben seinerzeit gewisse Meinungsverschiedenheiten über die 
Zuständigkeit der Partei-Kanzlei und der Kanzlei des Füh- 
rers gehabt. Es ist nunmehr entschieden worden, daß im we- 
sentlichen die Partei-Kanzlei maßgebend ist und daß bei 
Bouhler im allgemeinen nur noch die Gnadengesuche erle- 
digt werden. Für alle anderen einlaufenden Sachen sind die 
zuständigen Stellen maßgebend. Bouhler hat diese Regelung 
als eine Art von Ausschaltung empfunden und sich nunmehr 
völlig auf den kolonialen Sektor geworfen. Man nimmt in 
maßgebenden Kreisen an. daß Bouhler nicht Generalgou- 
verneur von Ostafrika bleiben wird, sondern daß er. nach- 
dem er draußen in den Kolonien praktische Erfahrungen 
gesammelt hat. den General Ritter von Epp als Kolonialmi- 
nister ablöst. 

Reichsleiter Bor mann, der ein Interesse daran hat. daß 
auch die restlichen Dinge, die in der Kanzlei des Führers 
erledigt werden, als Abteilung der Partei-Kanzlei angeglie- 
dert werden, unterstützt neuerdings Bouhler. weil er der An- 
sicht ist, daß Bouhler mit dem neuen kolonialen Arbeitsge 


biet das Interesse an seinem früheren Arbeitsgebiet verliert. 

Außerordentlich interessiert an dieser Entwicklung ist 
Gauleiter Bohle, der in der Ernennung Bouhlers eine gewis- 
se Gefahr für das Vorrecht der AO (Auslandsorganisation, - 
- d. Verf.). die Menschenführung in den Kolonien zu haben, 
sieht. Er hält es für ausgeschlossen, daß die AO,, neben 
einem Reichsleiter als Generalgouverneur , gewissermaßen 
zur Kontrolle der weltanschaulichen Ausrichtung, einen 
lumdesgruppenleiter der AO einsetzt. Damit wäre aber die 
AO.. zum wenigsten in Ostafrika, mit einem ihr seinerzeit 
verliehenen Recht zur Menschenführung in den Kolonien 
ausgeschaltet. 

I V. Ohlendorf 

^ SS-Oberführer" y 

Auch dieser angebliche "Brief " besteht nur aus 
Blödsinn! 

( 1 ) 

Der Brief' weist einen "Betreff aus: "Einschaltung 
höherer SS-Führer in die Kolonialplanung" , - der in 
den Ausführungen gar nicht behandelt wird. 

( 2 ) 

Einen "Sektor der kolonialen Planung ” gab es in 
Deutschland weder vor dem Krieg noch während des 
Krieges, auch niemals eine "Organisation Sisal" oder 
" Organisation Bananen". "Tarnnamen" sollen das ge- 
wesen sein? Schon ein Trottel würde Sisal und Bana- 
nen mit Afrika in Verbindung bringen. Was soll wohl 
ein solcher "Tarnname" für einen Sinn haben? Das ist 
doch reif für den Kindergarten! Auch stellt man in 
Deutschland nicht "auf dem Sektor einer Planung Or- 
ganisationen auf'. 

(3) 

Da der offensichtlich total uninformierte Heinrich 
Himmler von seinem Untergebenen Ohlendorf in die- 
ses Neuland eingeführt wird, wäre es sicherlich not- 
wendig gewesen, ihn darüber aufzuklären, wo und von 
wem "auf diesem Sektor der kolonialen Planung die Or- 
ganisation Sisal und Bananen mit ihren Leitern 
aufgestellt worden sein sollen. Doch das wußten typi- 
scherweise die Fälscher selber nicht, daher blieb das 
anonym. 

(4) 

. Als Leiter der "Organisation Sisal" sei Philipp Bouh- 
ler vorgesehen, der später "Generalgouverneur von 
Ostafrika werden soll". 

Philipp Bouhler, der zwar keinerlei Kenntnisse von 
Afrika und Kolonialpolitik "hatte, soll sogar "General 
Ritter von Epp als Kolonialminister ablösen". Dies "nimmt 


10 


man in maßgebenden Kreisen an". Wer eigentlich sind 
diese "maßgebenden Kreise '? Gehörte nicht Himmler 
auch dazu? Und er wußte gar nichts davon? 

Einen " Kolonialminister " gab es im Dritten Reich 
überhaupt nicht! Ohlendorf konnte somit einen solchen 
Unsinn nicht an den Reich sführer-SS geschrieben ha- 
ben. Auch Himmler wußte, daß Ritter von Epp seit Mai 
1934 das kolonialpolitische Amt der NSDAP leitete, 
sein Einfluß aber frühzeitig zurückgegangen war. 

(5) 

"Die Einsatzstäbe haben bereits mit den Vorarbeiten begon- 
nen" 

Ein SS-Obergruppenführer und ein SS-Brigadefiih- 
rer sind da angeblich ernannt und stürzen sich bereits 
auf die "Vorarbeiten'', als deren offenbar wichtigste 
eine Verwaltungsreform in Kamerun ‘nach englischem 
Vorbild" sei, — und Ohlendorf geht wie selbstverständ- 
lich davon aus, daß der Reichsführer-SS, der fiir Er- 
nennung und Beförderung seiner Offiziere, zumal der 
Generale zuständig ist, gar nichts davon weiß?! Kom- 
plett unsinnig! 

( 6 ) 

"Es ist nunmehr entschieden worden, daß im wesentlichen 
die Partei-Kanzlei maßgebend ist und daß bei Bouhler ( Kanzlei 
des Führers der NSDAP) nur noch die Gnadengesuche erledigt 
werden. Für alle anderen einlaufenden Sachen sind die zustän- 
digen Stellen maßgebend. Bouhler hat diese Regelung als eine 
Art Ausschaltung empfunden.“ 

"Es ist nunmehr entschieden worden" muß sich dem 
Schreiben zufolge auf Juni 1942 beziehen. Dies aber 
enthüllt bereits den Unsinn. Denn dieser Zustand 
herrschte bereits seit 1933! Im Organisationsbuch der 
NSDAP aus dem Jahre 1937 (München) heißt es auf 
Seite 152: 

"ln der Kanzlei des Führers der NSDAP wird Bearbeitung 
aller beim Führer direkt einlaufenden Partciangelcgenheilcn 
vorgenommen ( soweit zur Bearbeitung nicht andere Dienststel- 
len zuständig sind), insbesondere Behandlung der die Partei- 
mitglieder betreffenden Gnadensachen (Spruche öffentlicher 
Gerichte und von Parteigerichten)." 

Da Bouhler als Chef der Kanzlei des Führers der 
NSDAP auch in den Kriegsjahren weiterhin den "Schutz 
des nationalsozialistischen Schrifttums" parteiamtlich 
zu gewährleisten bzw. das Schrifttum daraufhin zu 
überwachen hatte, daß nicht unter Berufung auf die 
NSDAP unautorisierte Sachverhalte publiziert werden, 
er im übrigen Mitarbeiter im Völkischen Beobachter 
war, hatte er von Anfang an, auch während des Krieges 
reichlich zu tun und konnte sich gar nicht ausgeschal- 
tet fühlen. Außerdem war er bis Kriegsende Mitglied 
des Reichstages und des Reichskultursenats. Daß sich 
Philipp Bouhler 1942 ” völlig auf den kolonialen Sektor 
geworfen hat", ist durch nichts belegt, sondern frei er- 
funden! Ohlendorf konnte solches seinem Chef niemals 
mitgeteilt haben! 

(7) 

Da ist wieder einmal - typisch für die Fälschungs- 
korrespondenz! -jemand "außerordentlich interessiert": 
Gauleiter Bohle, der in der "Ernennung Bouhlers" (die- 


se "Ernennung zum Leiter der Organisation Sisal" ist 
reine Erfindung!) "eine Gefahr sieht" und zwar "für das 
Vorrecht der Auslandsorganisation der NSDAP (AO), 
die Menschenfuhrung in den Kolonien zu haben". Schon 
der Ausdruck ist wieder einmal absonderlich, wie vor- 
her "maßgebend ... maßgebend". Der Inhalt dieser "Mit- 
teilung an den Reichsführer" ist noch absonderlicher. 
Niemals konnte die AO damit liebäugeln, "die Men- 
schenfuhrung in den Kolonien zu haben", war sie doch 
von Anbeginn an ausschließlich zuständig für auslands- 
deutsche Parteimitglieder. Über "Aufgaben und Zustän- 
digkeiten" heißt es in dem Organisationsbuch der NSDAP 
(München 1937) auf Seite 143: 

"Die Auslandsorganisation hat die Aufgabe, die Reichsdeut- 
schen im Ausland und in der Seeschiffahrt für die nationalsozia- 
listische Weltanschauung zu gewinnen und die Volksgemein- 
schafts ge danken über alle Klassen. Stände und Konfessionen 
hinweg in jedem einzelnen Ausländsdeutschen lebendig zu er- 
halten. Von allen nicht-deutschen Angelegenheiten hält sich die 
AO fern." 

Von "Menschenfuhrung in den Ländern" ist keine 
Rede, im Gegenteil, es ist der AO ausdrücklich unter- 
sagt, sich um nicht-deutsche Angelegenheiten zu küm- 
mern! 

Unter der Rubrik "Kolonialpolitisches Amt" heißt es 
im Organisationsbuch der NSDAP auf Seite 327: 

"Für die Behandlung aller kolonialpolilischen und kolonial- 
wirtschaftlichen Fragen innerhalb der nationalsozialistischen 
Bewegung und ihrer Presse gibt lediglich das Kolonialpoliti- 
sche Amt Richtlinien und Weisungen." 

Typischerweise erwähnt Ohlendorf dieses Kolonial- 
politische Amt überhaupt nicht. Die Fälscher wußten 
darüber zu wenig bzw. nichts. 

Wenn Ohlendorf zum Abschluß "behauptet", 

"Damit wäre aber die AO. zum wenigsten in Ostafrika, mit 
einem ihr seinerzeit verliehenen Recht zur Menschenführung in 
den Kolonien ausgeschaltet", 

so ist mit diesem Satz der bisherige Unsinn um einen 
weiteren Zahn überdreht. Denn der AO war niemals 
"seinerzeit ein Recht zur Menschenfuhrung in den Kolo- 
nien verliehen " worden! Und Himmler wußte dies na- 
türlich. Kein deutscher Amtsträger konnte ihm somit 
einen solchen Blödsinn geschrieben haben! 

Dieses "Dokument" steht jedoch nicht isoliert. Es 
befindet sich in den Serien der us-amerikanischen Mi- 
krofilme, wurde von der Deutschen Verlagsanstalt Stutt- 
gart in die "Dokumentation" von Helmut Heiber, "Reichs- 
führer! ... - Briefe an und von Himmler", Stuttgart 1968 
übernommen und beweist damit die grundsätzliche 
Unzuverlässigkeit dieser Quellen. Es beweist damit 
erneut, daß sich langfristig vor Erstellung der US-Mi- 
krofilme die amtlichen britischen und US-Fälscherteams 
tüchtig ins Zeug gelegt haben und alles das in die deut- 
schen Dokumentenbestände hineingeschmuggelt haben, 
teils-mittels freier Erfindung, teils mittels Textverände- 
rungen, teils durch Aussortieren, was sie wollten, für 
ihre machtpolitischen Ziele als zweckvoll ansahen und 
was ihre Fantasie zu formulieren hergab. 

Doch auch dieses "Dokument" war nicht ihre letzte 
Kreation. 


11 


Südtiroler auf die Krim? 

1939 nach Bayern und Österreich vorgesehen, wohin 
bis zum Jahre 1943 = 70.000 eingebürgert worden 
waren. Von diesen gingen schließlich 25.000 wieder 
zurück. Grundsätzlich war die deutsche Umsiedlungs- 
politik darauf gerichtet, die zahlreichen, weit im Osten 
Europas verstreut lebenden deutschen Volksteile "heim 
ins Reich" zurückzuführen, um weiteren Konflikten zu 
entgehen und ihnen den Schutz des Reiches zu gewähr- 
leisten. Eine angebliche "Denkschrift über die Möglich- 
keit der geschlossenen Umsiedlung der Südtiroler nach 
der Krim , wie sie im US-Mikrofilm T 175/Roll 53 vor- 
liegt, kann daher nicht authentisch sein. 

Was schließlich hatte eine bis Kriegsende zurückge- 
stellte Umsiedlung der Südtiroler mit "Burgund'' zu 
tun, bzw. damit, daß wir für Burgund dann eben einen 
anderen Volksstamm oder eine andere Bevölkerung fin- 
den werden ? Burgund ist als historische Region in 
Frankreich zwischen Saöne und oberer Loire bekannt. 
Für diese Landschaft brauchte Deutschland im harten 
Kriegsjahr 1942 "keinen anderen Volksstamm oder eine 
Auch dieser Brief vom 10.7.1942" ist eine Erfin- andere Bevölkerung zu finden". Was ist das alles für ein 

düng alliierter Schwarzpropagandisten. unrealistisches, lediglich der Völkerverhetzung dienen- 

'... doch herrscht Einigkeit darüber, daß mit der Umsied- des Geschwafel! 
hing der Südtiroler erst nach Abschluß des Krieges begonnen Nichts scheint zu dumm zu sein, um es nicht der 
werden kann." Weltbevölkerung als "Dokumente aus deutschen Ak- 

In Wirklichkeit war Die Rückführung der Reichs- ten verkaufen zu können. Und diensteifrige deutsche 
und Volksdeutschen aus Südtirol" bereits gemäß "Erlaß Verleger und Historiker - um mit David Irving zu 

des Führers und Reichskanzlers" vom August 1939 sprechen - "fassen mit an", wenn es gilt, mit solchem 

sowie eines Abkommens mit Mussolini vom 21. Oktober Unrat das deutsche Volk zu beschuldigen und für ulle 

Z ukunft zu belas ten. 

Otto Ohlendorf erklärte mit Recht vor dem US-Tribunal in Nürnberg (Fall 9): 

"Es dürfte wohl einleuchten, daß eine Einsatzgruppe und Einsatzkommandos , die 10.000 freiwillige Krim-Tartaren für den 
hampj gegen den Bolschewismus werben, die 16 Freiwillige Tartaren-Selbstschutzkompanien aufstellen, bewaffnen und 
ausbilden zum Schutz ihrer eigenen Dörfer und für den Kampf gegen die Partisanen, daß diese Einheiten nicht Tartaren aus 
Kriegsgefangenenlagern aussondern und erschießen!"' 7 * 

- -und ihre Familien aus ihren Heim- 
stätten vertreiben, um Südtiroler anzu- 
sicdcln «, müßte man ergänzen. 

Alfred E. Frauenfeld, einst Wiener Gau- 
leiter, ab Okt. 1941 Generalkommissar für 
Taurien (Krim), schrieb nach dem Krieg ein 
eindrucksvolles und sachkundiges Buch über 
die damaligen Verhältnisse 13 ». In diesen "Er- 
innerungen und Aufzeichnungen" hat er kei- 
nerlei Kritik zu falschen Maßnahmen auf 
deutscher Seite zurückgehalten, doch von einer 
Planung oder gar nur Andeutung, Südtiroler 
auf der Krim anzusiedeln, hat er nichts ver- 
lauten lassen. Wohl schilderte er, daß in Tau- 
rien einschließlich der Krim einst 78.000 Volks- 
deutsche beheimatet waren, deren Männer 
die Sowjets vor ihrem Rückzug entweder 
ermordet ode r verschleppt haben. 

12) KV-Prozcssc Fall 9. Rep. 501 XXVI P 9. S. 76. 

13) Alfred E. Frauenfcld, 'Und trage keine Reu* ", Leoni 1978. 

12 



Dok. : Nürnberg NO - 2417 bzw. Heiber 'Dok.' 121 
S. 126: - Absender RF, Empfänger = Gauleiter Eduard 
Frauenfeld, designierter Generalkommissar für die Krim; 
Schreiben vom 10.7.1942: 


"Lieber Parteigenosse Frauenfeld! 

Besten Dank für Ihren Brief vom 10. Juni 1942 und Ihre 
Denkschrift über die Umsiedlung der Südtiroler nach der 
Krim. Ich halle gestern Gelegenheit, mit dem Führer darü- 
ber zu sprechen, der diesen Vorschlägen keineswegs ableh- 
nend gegenüber steht. Ich stehe ihnen auch nicht ablehnend 
gegenüber, doch herrscht Einigkeit darülter. daß nut der 
Umsiedlung der Südliroler erst nach Abschluß des Krieges 
begonnen werden kann. Für Burgund werden wir dann eben 
einen anderen Volksstamm oder eine andere Bevölkerung 
finden. Mit den Südtirolern bitte ich jedoch auf keinen Fall 
über dies Projekt schon zu sprechen. 

Heil Hitler! 

Ihr alter gez.: II. Himmler" 



" 1 .000 Jüdinnen am Tag zu sterilisieren" 


"Dok": Nürnberg NO - 213 bzw. Heiber "Dok." 122 

a, S. 127: 

Absender SS-Ostubaf. Dr. Brandt; Empfänger Prof. 

Dr. Carl Clauberg, Königshütte. Schreiben vom 1 0.7. 1 942 

^ "Sehr geehrter Herr Professor ! ^ 

Der Reichsführer hat mich heute beauftragt, an Sie zu 
schreiben und Ihnen seinen Wunsch zu übermitteln, doch 
einmal nach vorheriger Absprache mit SS-Obe r gruppe nfüh- 
rer Pohl und dem Lagerarzt des Frauenkonzentrationsla- 
gers in Ravensbrück nach Ravensbrück zu fahren, um dort 
die Sterilisierung von Jüdinnen nach Ihrem Verfahren durch- 
zuführen. 

Bevor Sie mit ihrer Arbeit beginnen, würde der Reichs- 
führer-SS noch Wert darauf legen, von Ihnen zu erfahren, 
welche Z eit etwa für die Sterilisierung von 1.000 Jüdinnen 
in Frage käme. Die Jüdinnen selbst sollen nichts wissen. Im 
Rahmen einer allgemeinen Untersuchung könnten Sie nach 
Ansicht des Reichsführers-SS die entsprechende Spritze ver- 
abreichen. 

Über die Wirksamkeit der erfolgten Sterilisierung müß- 
ten dann auch eingehende Versuche durchgeführt werden, 
größtenteils in der Art, daß nach einer bestimmten Zeit, die 
Sie dann bestimmen müßten, vielleicht durch Röntgenauf- 
nahmen, festgestellt wird, welche Veränderungen ein ge tre- 
ten sind. In dem einen oder anderen Fall dürfte aber auch 
ein praktischer Versuch in der Weise durchgeführt werden, 
daß man eine Jüdin mit einem Juden für eine gewisse Zeit 
zusammensperrt und dann sieht, welcher Erfolg dabei auf- 
tritt. 

Ich darf Sie bitten, mir zur Unterrichtung des Rcichsfüh- 
rers-SS Ihre Äußerung zu meinem Brief mitzuteilen.- 
Heil Hitler! 
gez. : Brandt 

^ SS-Obersturmbannführer" 


Zu diesem Thema wird ein Korrespondenzschwindel 
vorgelegt, den wir bereits in den Historischen Tatsa- 
chen Nr. 30, S. 18 - 22 z.T. analysiert haben. Er setzt 
sich aus einer Reihe angeblicher ' Briefe und Aktenver- 
merke” zusammen zwischen Heinrich Himmler, Prof. 
Dr. med. C. Clauberg, Chefarzt von Frauenkliniken in 
Oberschlesien, und Dr. Rudolf Brandt vom Persönli- 
chen Stab des Reichsfiihrers. 

So soll angeblich Prof. Dr. Clauberg am 10.7.1942 
über ein Verfahren zur Sterilisierung von Frauen mit- 
tels einer Spritze verfügt haben, das fach wissenschaft- 
lich freilich nicht offengelegt wird. Wiederum typisch: 
was sollten Fälscher dazu medizinisch auch beschrei- 
ben! 

Jedenfalls der Reichsführer scheint nur noch nicht 
zu wissen, wieviel Zeit dafür im einzelnen benötigt 
wird. Doch halt: "das Verfahren” ist wohl doch noch 
kein "Verfahren", denn der Reichsführer "weiß", daß 

” über die Wirksamkeit der erfolgten Sterilisierung dann 
noch eingehende Versuche durchgeführt werden müßten ... 
größtenteils in der Art, daß nach einer bestimmten Zeit, viel- 
leicht durch Röntgenaufnahmen, festgestellt wird, welche Ver- 
änderungen einge treten sind." 

Was ist das alles für ein sprachlicher und inhaltli- 
cher Unsinn! Entweder ist eine Sterilisierung erfolgt 
oder nicht. Ist sie erfolgt, dann ist sie auch wirksam 
und bedarf keiner Versuche. Röntgentests sind dafür 
sowieso völlig absurd. 

Und die in solchen Machwerken bereits gewohnten 
"animalischen Versuche", hier: "einen Juden mit einer 
Jüdin zusammenzusperren, um zu sehen, welcher Er- 
folg dabei au fl ritt", ist natürlich auch wieder eindrucks- 
voll plaziert. Als ob "ein Erfolg auftreten" kann, - nach 
"erfolgter SterULsierungl Er könnte noch nicht einmal 
filütreten", schon gar nicht auftreten! 

Aus derselben Giftküche stammt das "Folgedoku- 
ment". 


Methode erdacht ~ 2 Jüdinnen in 1 Minute" 


"Dok.": Nümberg NO - 212 bzw. Heiber "Dok." 122 
b. S. 127: 

Absender Prof. Dr. med. Clauberg. Empfänger RFSS. 
Schreiben vom 7.6.1943: 

"Sehr verehrter Reichsführer! 

Meiner Verpflichtung, Ihnen von Zeit zu Zeit über den 
Stand meiner Untersuchungen zu berichten, komme ich heute 
nach. Dabei halte ich mich wie früher daran, nur dann zu 
berichten, wenn es sich um Wesentliches handelt. Daß dies 
- nach meiner letzten Rücksprache im Juli 1942 - erst 
Jieute der Fall ist, liegt an zeitbedingten Einzel-Schwierig -j 


keiten, denen gegenüber ich selbst machtlos war und mit 
denen ich Sie, Reichsführer, nicht behelligen konnte. So 
bin ich zB. erst seit Februar 1943 im Besitze eines für 
meine Spezial-Untersuchungen einzig und allein vollwerti- 
gen Röntgen-Apparates. Trotz der kurzen Zeitspanne von 
eigentlich nur 4 Monaten ist es mir heute bereits möglich. 
Ihnen - Reichsführer — folgendes mitzuteilen: 

Die von mir erdachte Methode, ohne Operation eine 
Sterilisierung des weiblichen Organismus zu erzielen, ist 
so gut wie fertig ausgearbeitet. Sie erfolgt durch eine 
einzige Einspritzung vom Eingang der Gebärmutter her 
und kann bei der üblichen, jedem Arzt bekannten gynäkolo- 



gischen Untersuchung vorgenommen werden. - Wenn ich 
sage, die Methode ist 

'so gut wie fertig', 

so bedeutet das: 

1 . ) noch zu erarbeiten sind lediglich ihre Verfeinerun- 
gen, 

2. ) sie könnte bereits heute bei unseren üblichen eugeni - 
sehen Sterilisierungen anstelle der Operation regelrecht 
Anwendung finden und diese ersetzen. 

Was die Frage anlangt, die Sie, Reichsführer, mir vor 
fast Jahresfrist stellten, nämlich in welcher Zeit es etwa 
möglich sein würde, 1.000 Frauen auf diese Weise zu sterili- 
sieren, so kann ich diese heute voraussehend beantworten. 
Nämlich: 

Wenn die von mir durchge führten Untersuchungen so 
weiter ausgehen wie bisher - und es besteht kein Grund 
anzunehmen, daß sie es nicht tun - so ist der Augenblick 
nicht mehr sehr fern, wo ich sagen kann 

'uon einem entsprechend eingeübten Arzt an ei- 
ner entsprechend eingerichteten Stelle mit vielleicht 
10 Mann Hilfspersonal (die Zahl des Hilfspersonals 
der gewünschten Beschleunigung entsprechend) 
höchstwahrscheinlich mehrere hundert - wenn nicht 
gar 1.000 - an einem Tage'. 

Auf den anderen Teil meiner Untersuchungen (positive 
Bevölkerungspolitik) heule einzugehen, bitte ich aufschie- 
ben zu dürfen, da es dort noch dauern wird, bis Wesentliches 
zu sagen ist. 

Reichsführer! — Den Hauptgrund dafür. Ihnen gerade 
heute zu berichten (d.h. kurz vor der Möglichkeit noch 
endgültiger Feststellungen), wollen Sie bitte in folgendem 
suchen: 

Ich weiß, daß die Erledigung des letzten Restes für dieses 
eine Fragengebiet - im Gegensatz zu den äußeren Einflüs- 
sen beim bisherigen Verlaufe - zeitlich fast ausschließlich 
von mir selbst abhängig ist. Dazu wären einige an sich 
geringfügige, jedoch grundsätzliche Änderungen erforder- 
lich. die nur Sie. sehr verehrter Reichsführer, persönlich 
entscheidend lenken und anordnen könnten. Ich halte ge- 
hofft. Ihnen bei einem eventuellen Besuch Oberschlesiens 
diese Notwendigkeiten kurz persönlich schildern zu können. 
Da sich mir diese Möglichkeit bisher nicht ergeben hat. bitte 
ich heute auf diesem Wege um Ihren Bescheid. 

Zunächst möchte ich mir noch eine Bitte erlauben - SS- 
Brigadeführer Dr. Blumenreuter war es, der mir schließlich 
den einzig geeigneten Röntgen-Apparat besorgte. Ich würde 
dringend einen zweiten gleichen Apparat benötigen, wovon 
er im Februar nach seinen Angaben noch einen in Berlin im 
Depot hatte. Er wollte. ihn mir unter der Voraussetzung Ihres 
Einverständnisses, das ich einholen sollte, liefern. Darf ich 
Sie, Reichsführer, um dieses Einverständnis bitten? 

Heil Hitler! 

^ C lauberg" J 

( 1 ) 

Da "schreibt Prof. Clauberg" nur, "wenn es sich um 
Wesentliches handelt ', doch liest man "seinen Brief ', so 
hat er nichts "Wesentliches" zu berichten, sondern ge- 
steht sogar wenige Zeilen später, daß er erst "kurz vor 
der Möglichkeit noch endgültiger Feststellungen" ste- 
he. So fangt der Irrsinn bereits an. 


( 2 ) 

Als Facharzt weiß er nicht einmal, daß es keine 
'eugenischen Sterilisierungen" gibt, sondern allenfalls 
Sterilisierungen aus eugenischen, Erbgesundheits- 
Gründen. 

( 3 ) 

Clauberg entschuldigt sich weder, noch begründet 
er, warum er "einer Aufforderung Himmlers vom 
10.7.1942", also vor fast einem ganzen Jahr, nicht nach- 
gekommen ist, "nach Ravensbrück zu fahren, um dort 
die Sterilisierung von Jüdinnen nach seinem Verfah- 
ren durchzufuhren" . Er fragt auch nicht, ob diese "kriegs- 
wichtige Aufgabe" nicht etwa schon jemand anders in 
die Hand genommen hat. 14 ’ 

Auf die angebliche mündliche Absprache vom 
8.7.1942, in der Himmler ihm "das Lager Auschwitz als 
Versuchsstation für Anfangsversuche zur Verfügung 
gestellt" hat (vgl. den dieser "Korrespondenz" zu- 
geordneten Aktenvermerk vom 11.7.1942 BrafDr., Geh. 
Reichssache") iy , geht er überhaupt nicht ein, - Ravens- 
brück oder Auschwitz, das scheint er alles vergessen 
zu haben. Und dies, obgleich er sich bewußt ist, daß er 
eine "Verpflichtung hat, dem RFSS von Zeit zu Zeit 
über den Stand seiner Untersuchungen zu berichten" 
und noch ausdrücklich auf seine "letzte Rücksprache 
im Juli 1942" in seinem Brief Bezug nimmt. 

( 4 ) 

Da hat sich angeblich Prof. Clauberg eine "Methode 
erdacht" und sie "so gut wie fertig ausgearbeitet - 
lediglich ihre Verfeinerungen sind noch zu erarbeiten" 
- und es bedarf noch weiterer "durchge führter (?) Un- 
tersuchungen wie bisher". "Bisherige Untersuchungen " 
bedürfen keiner Erwähnung, daß sie "durchgeführt" 
sind. Sie" (Bezug: "Die von mir erdachte Methode") 
"erfolgt durch eine einzige Einspritzung vom Eingang 
der Gebärmutter her und kann bei der üblichen gynä- 
kologischen Untersuchung vorgenommen werden ". Dies, 
und auch ihre Eignung als Operationsersatz wird fest- 
gestellt, obgleich "ihre Verfeinerungen noch zu erarbei- 
ten sind und einige geringfügige, jedoch grundsätzliche 
Änderungen erforderlich sind". - Irre. 

Man vergleiche auch das in den Historischen Tat- 
sachen Nr. 30 S. 18 teilweise behandelte "Schreiben 
von Prof. Dr. Clauberg vom 30.5.1 942" 16> , in dem er fest- 
stellt, daß nunmehr "erst von Tierversuchen auf die 
ersten Versuche am Menschen (Fortpflanzungsunwür- 
dige) übergegangen werden muss". 

Obgleich sich das alles "noch nicht bewährt " hat, 
schickt der RFSS den Prof. Dr. med. Clauberg schon 
einen Monat später nach Auschwitz und Ravensbrück, 
"um dort die Sterilisierung von Jüdinnen nach Ihrem 
Verfahren durchzuführen: Doch, wie gesagt, Prof. Clau- 
berg vergißt das alles", denn ein Jahr später war er 
immer noch nicht dort. Auch Himmler wundert sich 
nicht. -- Die Fälscher haben ihre eigenen Kreationen 
nicht mehr übersehen, und merkten nicht einmal, wel- 
chen Unsinn sie da zusammenkratzten und daß sie für 
die ihnen übertragene Schwarzpropaganda" doch zu 

* 

14) Vgl. HUleriiche Tatuiehtn Nr. 30. S. 18 - 20. 

15) Bundesardiiv KoNeru. NS 19/1583. 


14 



dumm waren. 

(5) Prof. Clauberg kann auch heute schon etwas 
''voraussehend beantworten": "Der Augenblick ist nicht 
mehr sehr fern, wo" er sagen kann, daß "von einem ent- 
sprechend eingeübten Arzt und einer entsprechend ein- 
gerichteten Stelle 1.000 Jüdinnen an einem Tag" zu 
schaffen sind. 

Geht man davon aus, daß dieser Arzt binnen 24 
Stunden 10 Stunden Dienst hat, so sterilisiert er 1.000 
Jüdinnen in 10 Stunden, 100 in 1 Stunde, 3 in 2 Minu- 
ten "an einer entsprechend eingerichteten Stelle bei der 
üblichen, jedem Ar 2 t bekannten gynäkologischen Un- 
tersuchung", mit Hilfspersonal, versteht sich. Zeit zum 
Mittagessen bleibt ihm dabei allerdings nicht; diese ist 
für 3 Jüdinnen in den 2 Minuten inbegriffen — und die 
Jüdinnen "merken nichts". Beim 8-Stunden-Arbeitstag 
muß der Arzt noch einen Zahn zulegen: mehr als 2 Jü- 
dinnen in 1 Minute! 

(6) Da benötigt Prof. Clauberg dringend einen zwei- 
ten Röntgen-Apparat, der allerdings für seine "Metho- 


de, Einspritzung vom Eingang der Gebärmutter her" 
völlig bedeutungslos ist, bekommt auch im Februar 
einen Tip, daß sich ein solcher noch im Berliner Depot 
befinde und er ihn haben könne, wenn er sich die Ge- 
nehmigung des RFSS einhole, -- und wartet bis Juli, 
ehe er überhaupt darauf reagiert! Berücksichtigt man 
den dieser "Korrespondenz" beigegebenen "Aktenver- 
merk vom 8.7. 1942", so hatte Himmler dem arbeitseifri- 
gen Prof. Clauberg bereits damals in einem persönli- 
chen Gespräch zugesichert, daß er "alles entsprechende 
Material zur Verfügung gestellt bekommt ", -- und er 
kümmert sich gar nicht darum, sondern jammert noch 
ein Jahr später um einen zweiten Röntgen-Apparat! 

Dieser Schwachsinn schließt das " Wesentliche " ab, 
das Prof. Clauberg bewogen habe, überhaupt zu schrei- 
ben. Bedarf es weiterer Aufklärung über diesen Unrat, 
diesen Tiefstand geistiger Abnormität, der als "erbeute- 
tes deutsches Dokument" im US-Mikrofilm festgehal- 
ten ist? Sicher nicht! 


Ahnennachweis bis zum Dreißigjährigen Krieg -- 1648? 


"Dok." R. 23, S. 9041/42 bzw. Heiber "Dok." 62 a, S. 

75/76. - RFSS an Gefreiten Walter Küchlin vom 3.4.1940 

(Vgl. Heiber "Dok.- 27 sowie 46. 50. 264 . 288 mit Ihnlichen Inhalten). 

^ "Mein lieber Küchlin! ^ 

... In den Fragen des Blutes habe ich für die Schutzstaf- 
fel festgesetzt, daß das Ende des 30-jährigen Krieges der 
Stichtag ist, bis zu dem jeder verpflichtet ist. nachzufor- 
schen und von dem ab ich rechne. Ist nach diesem Stichtag 
ein jüdischer Ahne in der Ahnenreihe, so muß der Mann aus 
der SS ausscheiden. Milder rechne ich. wenn bei der Frau 
in der Ahnenreihe weil zurückliegend ein jüdischer Vorfah- 
re ist. Hier habe ich in manchen besonders gelagerten 
Fällen ... den Mann in der Staffel belassen, weil ja nicht er 
selbst Träger dieses Blutes ist. 

Ebenso offen, wie ich Ihnen nun sage, daß ich meine 
Entscheidung nicht ändern kann, ebenso offen sage ich 
Ihnen, daß ich Sie als einen außerhalb der Schutz Staffel 
stehenden SS-Mann ansehe, der zeitlebens in seinem Han- 
deln und Tun ein solcher sein wird, und der aus Treue und 
Gehorsam dieses Opfer bringt. ... 

Sicherlich könnten wir. die wir die Schüler und Zeitge- 
nossen des Führers sind, diese oder jene Ausnahme gestat- 
ten. Ich glaube, daß wir die Härte hätten, niemals hier zu 
weit zu gehen und die Ausnahme zur Regel werden zu 
lassen. ... 

In diesem Sinn können Sie auch völlig beruhigt sein, 
falls das Schicksal im Krieg entscheidet, daß Sie Ihr Leben 
für Deutschland lassen. Dann wird Ihre Frau und werden 
Ihre Kinder den Schulz und die Fürsorge der SS erhalten, 
als ob Sie auch äußerlich ihr noch angehören würden. 

Sollten Sie einmal Urlaub haben und wollen Sie sich 
gern mit mir auch noch einmal mündlich aussprechen, so 
lassen Sie mich das wissen. Ich will Ihnen dann Ort und Zeit 
der Rücksprache mitte ilen lassen. 

Mit meinen herzlichen Grüßen und besten Wünschen für 
die nächsten Monate bin ich mit 

V Heil Hitler Ihr HH" . 


'Dok.' R. 23. S. 9034 bzw. Heiber "Dok.' 62 b, S. 
76. - RFSS an RuSHA 

"SS-Unterst urmführer Küchlin. ... schied vor einiger Zeit 
auf meine Veranlassung hin freiwillig aus der SS aus, weil 
in seiner Ahnentafel unter der Nummer 256 der in Baden in 
manchen Ahnentafeln bekannte frühere mosaische Abra- 
ham Reinau auftaucht. 

Ich habe mir Küchlin noch einmal kommen lassen und 
entschied wie folgt; 

1. ) Küchlin bleibt bis zur endgültigen Klärung in der SS 
mit alter SS-N ummer und altem Dienst rang. 

2. ) Die Ahnentafel Küchlin wird noch einnutl klar 
nachgeprüft.. vor allem, ob K. wirklich von mütterlicher Sei- 
te her von diesem Reinau abstammt. 

3. ) Da dieser Reinau in sehr vielen badischen Ahnenta- 

feln eine Rolle spielt, bitte ich um eine genaue Untersu- 
chung, ob R. wirklich Jude war. ..." j 

"Dok." R. 83. S. 9236/37 bzw. Heiber "Dok." 288 b 
S. 246 -- RFSS an SS.Obergruppenführer Hildebrandt 
vom 17. Dezember 1943: 

" ... Insgesamt neige ich aber der Meinung zu, dqßwir 
mindestens bei Neuaufnahmen oder Neuverheiratungen an 
dem Grundsatz, zunächst bis 1 750, dann nach dem Stand der 
Ahnenforschung bis 1700 und dann bis 1650 zurückzugehen 
und hier restlose Sauberkeit zu verlangen, festhallen müs- 
^ sen . Heil Hitler Ihr HH" j 

Derartige "Dokumente", die mit zahlreichen analo- 
gen Geschichten bis zur Bewertung der Ahnen im 17. 
und*18. Jahrhundert a la Grimms Märchen aufwarten, 
sind derart lächerlich realitätsfern, daß man sich nur 
über die Unverfrorenheit auch eines Herausgebers wie 
Helmut Heiber wundern und empören muß, solch 
dummes und mit vielfältigen "Stilblüten" 161 garniertes 
Geschwafel als "Dokumente" bzw. historische Tatbe- 


15 



stände auszuweisen. Freilich wurde bereits 1945/1946 
ein erstes dieser schwachsinnigen "Dokumente” als "1992 
(A) - PS' eingeführt, eine angebliche Ansprache Hein- 
rich Himmlers vom Januar 1937 in einem mysteriösen 
'nationalpolitischen Lehrgang der Wehrmacht 

"Wir verlangen heute von ihm (dem Bewerber für die 
Schutzstaffel, - d. Vcrf.) die Ahnentafel bis /750.” ,7> 

Das erste Personenstandsgesetz wurde im Reich 
erst 1876 geschaffen. Vor diesem Zeitpunkt gab es so- 
wieso, abgesehen vom Adel, keine Ahnennachweismög- 
lichkeiten. Erst mit der Judenemanzipation in Preußen 
1812 wurden die Juden gezwungen, bürgerliche Na- 
men anzunehmen (in Rußland 1804, in Frankreich 1808). 

Das folgende Dokument erweist sich nicht nur an 
Stil und Form als authentisch, sondern macht auch die 
Rolle Himmlers im Staate Adolf Hitlers deutlich. 

Erlaß des Führers über den Erwerb der deutschen Staats- 
angehörigkeit durch Einstellung in die deutsche Wehrmacht, 
die Waffen-SS, die deutsche Polizei oder die Organisation 
Todt vom 19. Mai 1943: 

"(I) Deutschstämmige Ausländer, die der deutschen Wehr- 
macht. der Waffen-SS, der deutschen Polizei oder der Organi- 
sation Todt angehören, erwerben mit der Verkündung dieses 
Erlasses die deutsche Staatsangehörigkeit. ... 

Das Nähere zur Durchführung und Ergänzung dieses Erlas- 
ses bestimmt der Reichsminister des Innern im Einvernehmen 


mit den beteiligten Stellen.'' 

Der Reichsfuhrer-SS hat hierzu folgende Anordnung 
erlassen: 

Auf Grund der mir erteilten Ermächtigung bestimme ich im 
Einvernehmen mit den beteiligten Stellen: 

... (2) Die deutsche Staatsangehörigkeit wird von den unter 
den Führ er er laß fallenden deutsch-stämmigen Ausländern kraft 
des Führererlasses erworben. Zu ihrer Geltendmachung bedarf 
es jedoch einer von Fall zu Fall zu treffenden Feststellung des 
Staatsangehörigkeitserwerbs durch die Einwanderer Zentralstel- 
le. Diese kann im Einzelfalle feststellen, daß der Staatsangehö- 
rige^ itserwerb nicht eingetreten ist. 

(3) Deutsch-stämmig sind Personen mit mindestens 2 deut- 
schen Großeltern: Personen mit artfremdem Blutseinschlag 
sind nicht deutsch-stämmig. 

(4) Der Führ er er laß bezieht sich nicht auf Frauen. 

(5) Der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit nach 
dem Führererlaß erstreckt sich nicht ohne weiteres auf Ehe- 
frauen und Kinder. 

Feldkommandostelle. den 23 J. 1944. 

Heinrich Himmler " W) 

Beachtlich an diesem Erlaß bleibt, daß deutschstäm- 
mige Ausländer ohne Ahnennachweis in die Waffen-SS 
übernommen wurden. Selbst in der Vorkriegszeit war 
dieser beschränkt auf die beiden Großeltern. 


"Die Durchführung dieser sehr schweren 
Aufgabe auf meine Schultern gelegt" 


"Do.": R. 122. S. 7443 bzw. Helber "Dok." 130, S. 134: 

Absender RFSS, Empfänger SS- Gruppenführer Gott- 
lob Berger. Chef des SSHA und (seit diesem Juli) Ver- 
bindungsführer zum Reichsminister für die besetzten 
Ostgebiete. Schreiben vom 28.7.1942: 

Lieber Berger! Zu Ihren Aktennotizen: ^ 

/ . Ich lasse dringend bitten, daß keine Verordnung über 
den Begriff »Jude« he raus kommt. Mit all diesen törichten 
Festlegungen binden wir uns ja nur selber die Hände. Die 
besetzten Ostgebiete werden judenfrei. Die Durchführung 
dieses sehr schweren Befehls hat der Führer auf meine 
Schultern gelegt. Die Verantwortung kann mir ohnedies 
niemand abnehmen. Also verbiete ich mir alles Mitreden. 
Aktennotiz Lamme rs erhalten Sie demnächst. 

2. Was soll eigentlich das Ehegesetz? Ich wünsche Vor- 
lage bei mir. Kann heule schon sagen, daß ich der Ansicht 
bin, daß die Verbindungen von Deutschen mit lumdesein- 
wohnerinnen zunächst gar nicht gesetzlich geregelt werden 
können. Insgesamt müßten sie verboten sein. Ausnahmen 
für Estland und Lettland müßten dort an zentralen Stellen 
anlaufen und einzeln nach rassischen Gesichtspunkten ent- 
schieden werden. Nach einem Jahr kann man dann die 
durch das Leben und die Praxis gesammelten Erfahrungen 
in die Form eines Gesetzes gießen. 

So wird regiert und nicht anders. 

Heil Hitler! Ihr HH" 

16) Z.B.: "von müuoiichcr Seile her* am uu 'müccritchenais'; 'milder recime 
ich” - beim Rechnen gib» cs keine Zahl "milde*; für Kinder wirc cs anerheblich, 
ob Vater oder Müller artfremde Vorfahren hat. -.ein Beleg dafür, wie unsinnig 
auch der Text vielfach ist. 

17) IMT. Bd. XXIX, S. 210. 


Trotz der Kürze dieses "Schreibens" ist die Fälschung 
eindeutig zu erkennen, da der Schwarzmagier wegen 
mangelnder Sachkenntnis nur Unsinn zu fantasieren 
wußte. 

(1) SS-Gruppenführer Gottlob Berger hatte mit 
Verordnungen über den Begriff »Jude«" überhaupt nichts 
zu tun. Verordnungen erließen der Führer über die 
Reichskanzlei, die Parteikanzlei der NSDAP oder die 
Reichsminister auf Grund oder im Rahmen bestehen- 
der Gesetze. Für Vorarbeiten hinsichtlich einer "Ver- 
ordnung über den Begriff »Jude«" wäre das Reichsinn- 
nenministerium zuständig gewesen, aber nicht ein SS- 
Gruppenfuhrer, der im Juli 1942 erst als Staatssekre- 
tär im Ostministerium tätig wurde. 

Auch hatte nicht der RFSS über das Reich betreffen- 
de Verordnungen oder darüber zu befinden, daß "so 
und nicht anders regiert wird". Am 28.7.1942 unter- 
stand Himmler noch dem Reichsinnenminister und war 
nicht etwa Regierungschef, der sich solche Sprüche 
hätte leisten können. 

(2) 'Die besetzten Ostgebiete werden judenfrei." 

Das hatte nicht Himmler zu verfugen. Und wenn er 
anschließend behauptet, Hitler hätte ihm "die Durch- 
führung dieses sehr schweren Befehls auf meine Schul- 
tern gelegt", so ist das besonders im Zusammenhang 
mit den übrigen Passagen dieses "Briefes” als unsinnig 
zu widerlegen: 

a) Wenn also die besetzten Ostgebiete "judenfrei" 
werden solle n, dann hätte er gerade u.a. seinem SS- 
18) US- Mikrofilm T 175. RoU 209. 


16 


Gruppenführer Gottlob Berger Anweisungen geben 
müssen, wer denn nun unter die Kategorie fallt, von 
der die besetzten Ostgebiete "rein" gemacht werden 
sollen. Darüber hätte doch so ein Mann wie Berger auf- 
geklärt werden müssen! 

Genau das Gegenteil kommt jedoch im Brief zum 
Ausdruck: er soll sich da heraushalten, Himmler "ver- 
bietet sich das Mitreden". 

b) Da der Führer ihm "die Durchführung dieses 
sehr schweren Befehls" aufseine Schultern gelegt habe, 
könne ihm "niemand die Verantwortung abnehmen". 
Was sind das fiir dumme Sprüche! 

Wenn sich jemand -- ob im Sinne einer Verordnung 
oder nicht - um eine Definierung des Personenkreises 
bemüht, den Himmler sich da angeblich vorzunehmen 
hatte, so tangiert das doch nicht die Verantwortung des 
Befehlsgebers. Wenn er so sehr auf seiner Verantwor- 
tung bedacht war, so hätte Himmler für den Praktiker 
am "Tatort" klare Anweisungen erteilen müssen. Doch 
solche Anweisungen des RFSS fehlen hierfür. 

c) Alles blieb unklar: die Begriffsdefinitionen, die 
(Nicht-)Informierung des Ostministeriums, der Wehr- 
macht, der Waffen-SS, die zeitliche Terminierung, die 
örtlichen Dispositionen, die Nach richten wege, die mit 
einer solchen "Aufgabe betrauten Einheiten". 

Die 4 Einsatzgruppen kamen für diese hier bezeich- 
nete gewaltige Aufgabe nicht in Frage, da ihre Mann- 
schaftsbestände mit jeweils 450 - 600 Mann, davon 
cirka die Hälfte Verwaltung und Troß, viel zu minimal 
und ihre Einsätze mit den Armeekommandos der Wehr- 
macht abzustimmen waren. Niemand hat bisher einen 
Beweis dafür geliefert, daß Himmler die Einsätze der 
Einsatzgruppen geleitet oder auch nur versucht hätte, 
Einfluß auf deren Führungsentscheidungen zu gewin- 
nen. 

d) Da Himmler nicht Träger der Vollzugsgewalt in 
den besetzten Ostgebieten war, er selbst keinerlei Trup- 
pen befehligte - jedenfalls nicht zwischen 1941 und 
1943 — und selbst die höheren SS- und Polizeiführer im 
besetzten Rußland "hinsichtlich ihres Marschweges" 
dem Heer unterstellt waren'® 1 , konnte ihm gar nicht 
"die Durchführung dieses sehr schweren Befehls auf 
die Schultern gelegt " worden sein! Wie sollte er denn im 
besetzten Rußland ohne Vollzugsorgane diese "Verant- 
wortung" wahrnehmen? 

( 3 ) 'Was soll eigentlich das Ehegesetz?" 

Für den Dokumentenfalscher ist dieser Briefpunkt 
2. eine Ablenkung von der "Juden-Vernichtung“ auf ein 
harmloses, glaubhaft erscheinendes und für die Schwarz- 
propaganda dennoch nutzbringendes Thema anderer 
Fluoreszenz. Schließlich soll das ja nicht immer so dick 
aufgetragen aussehen. 

Doch auch dieser Absatz stammt von demselben 
Romanschriftsteller. Weder hatte Gottlob Berger etwas 
mit der Formulierung von Gesetzen zu tun (dafür war 
Dr. H.H. Lammers als Chef der Reichskanzlei zustän- 
dig), noch kon nte er es als seine vordringliche Aufgabe 

19) Helmut Krausnick / Hans-Hcmrich Wilhelm, Die Truppe des Weltansduu- 
ungskneges - die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1938 - 
1942". Stuttgart 1981, S. 148 - 149. 


als neuemannter Staatssekretär im Ostministerium 
betrachten, sich mit Eheproblemen zu befassen, noch 
war Himmler dafür zuständig, beabsichtigte Gesetzes- 
texte vorher zur Begutachtung zu erhalten. Hier wer- 
den dem RFSS Kompetenzen mit der Fantasie eines 
Hitchcock unterschoben! 

( 4 ) 

Und dann der unmögliche Stil: 

"Ausnahmen für Estland und Lettland müßten dort an zen- 
tralen Stellen anlaufen." 

Man versuche einmal "Ausnahmen an zentralen 
Stellen anlaufen" zu lassen! 

( 5 ) 

So wird regiert und nicht anders!“ 

Wie regiert wird, hatte ja wohl nicht Himmler zu 
bestimmen! 

( 6 ) 

Warum wohl soll Litauen anders behandelt werden 
als die übrigen beiden baltischen Staaten? Am 8.9.1943 
klärt Himmler das RSHA auf und läßt Berger unter- 
richten": 

7. Ich bin dafür, daß das Verbot des Geschlechtsverkehrs 
für Esten und Letten sowie mit Esten und Leuen aufgehoben 
wird. 

2. Ich wünsche, daß das Verbot für alle Litauer und Litaue- 
rinnen aufrechterhallen bleibt. Die Litauer sind ein Volk, das 
sich dermaßen schlecht benimmt und auch solch einen schlech- 
ten rassischen Wert besitzt."* 01 

Abgesehen davon, daß weder der RFSS noch sonst 
jemand im Dritten Reich mit einem solchen Thema 
überhaupt befaßt war: ein "Verbot des Geschlechtsver- 
kehrs für Esten und Letten " ist so offenkundiger Blöd- 
sinn, daß man sich nur wundern muß, daß die Welt- 
mächte sich genötigt sahen, so tief in die Kloake zu 
greifen, um ihre Anklagen gegen Deutschland zu pro- 
duzieren. 

Man ersieht auch an diesem Beispiel die Überfülle 
der gefälschten Dokumente und die moralische Ver- 
kommenheit ihrer Fälscher. 

In diesem Fall waren die Lügenfabrikanten sicher- 
lich froh, wieder ein facettenreiches Stück ihrer "Kunst" 
fertiggebracht zu haben, doch fehlte ihnen der Sach- 
kenner, der dafür hätte sorgen müssen, wenigstens die 
dümmsten Sprüche wegzulassen. So ging das dann 
vorschnell seinen Gang in die amtliche alliierte Regi- 
stratur, dann in die Mikrofilme und konnte nicht mehr 
geändert oder entfernt werden. Nun, bei ruhigerer Be- 
trachtung und fachlichem Überblick wird enthüllt, mit 
welchen schauerlichen Methoden die alliierten Sieger- 
mächte ihren "Dreck ' 21 ' in die deutsche Geschichte ge- 
worfen haben. 

Dem geistigen Wirrwarr dieses "Briefes" ist es wohl 
zuzu sch reiben, daß sich bisher so gut wie kein einziger 
der Holocaust-Chronisten' auf dieses "Dokument" be- 
rufen hat, obgleich das, was sie in voluminösen Bü- 
chern den Völkern beizubringen versuchen, hier kurz 
und eindeutig in einem Satz formuliert zu finden wäre. 


20) -Dok.-: R 22. S. 7782 bzw. Heiber "Dok.- 268, S. 233. 

21) Schon Dehner. "Die Deutschen und ich", Hamburg 1962, S. 497. 


17 


"Himmler-Rede am 16. September 1942 
in der Feldkommandostelle Hegewald nahe 

Shitomir (Rußland)" 


"Meine alten SS-Führer! 

... Ich freue mich, daß ich Sie hier in meinem Quartier zu 
dieser Besprechung, die SS-Ober gruppenführer Pr ützmann. 
Ihr Höherer SS- und Polizeiführer abgehalten hat, als mei- 
ne Gäste begrüßen kann. Ich habe sehr gern zugestimmt und 
habe selbst den Vorschlag gemacht, daß Sie hierher kom- 
men, weil ich so Gelegenheit habe. Sie zu treffen, zu spre- 
chen und Ihnen auch einige Dinge zu sagen . ... 

Alle die Sorgen, das Blut, die Verantwortung, alle die 
Not und der Kummer, der sich in diesen Monaten und 
Jahren abgespielt hat, und der vor allem auch auf den 
Schultern des Führers lag. wird nicht vermerkt und er- 
wähnt. Zum Schluß registriert die Geschichte den Erfolg, 
das was erricht (!) wurde. Nach dem Kriege wird sie fest- 
steilen. daß ein großgermanisches Reich, das vor allem 
diesen Osten umfaßt, begründet worden ist . ... 

Hieraus müssen wir Folgerungen ziehen, die ich kurz 
zusammenfassen mochte: Dieses Vorfeld Asiens erobern 
wir jetzt. Was an gutem Blut überhaupt auf der Well vorhan- 
den ist, an germanischem Blut, das haben wir zusammenzu- 
holen. ... 

Jedes gute Blut - und das ist der erste Grundsatz, den 
Sie sich merken müssen das Sie irgendwo im Osten 
treffen, können Sie entweder gewinnen oder Sie müssen es 
totschlagen, ... 

Wo Sie ein gutes Blut finden, haben Sie es für Deutsch- 
land zu gewinnen oder Sie haben dafür zu sorgen, daß es 
nicht mehr existiert. Auf keinen Fall darf es auf der Seite 
unserer Gegner leben . ... 

Ich habe in diesen 3 Jahren erfahren, wenn man gewisse 
Deutsche zum Polen setzt, dann fühlen sie polnisch und 
denken, diese Polen sind mir vom Deutschen Reich anver- 
traut worden und dieses Hab und Gut muß ich gut behüten 
und vermehren. Tut man sie nach der Tschechei. dann wird 
man dort Obertscheche, kommt man nach Afrika, dann 
vertritt man mit Begeisterung die Interessen der Hottentot- 
ten, schickt man ihn zu den Lappen, so wird man Oberlappe. 
Wo dieser Typ hinkommt , da verwaltet er treu und bieder 
und denkt aber in seinem durch 300-jährige deutsche Einig- 
keit, Kleinstaaterei und Bürokratie eingetrockneten Ge- 
hir napparat nicht daran, daß es dem Deutschen Reich 
schadet, daß er den Gegner organisiert, statt daß er ihn be- 
herrscht und ihn ausnutzt für Deutschland. Wobei wir uns 
wirklich zugutehalten können, daß ein Sklave in Deutsch- 
land immer noch besser lebt, als ein Freier in Rußland: 
wenn er bei uns die letzte Knechtsarbeit verrichten darf, 
behandeln wir ihn immer noch besser, als z.B. Amerika 


seine Arbeiter oder Erwerbslosen. Es liegt uns Germanen 
und Deutschen nicht, das Tier zu quälen, es liegt uns noch 
viel weniger, den Menschen zu quälen. 

Das wäre die Aufgabe: Sie ausnutzen für Deutschland, 
sie klein hallen, damit sie uns nie schaden können und sie 
dann zu einem gegebenen Zeitpunkt abschieben, damit wir 
Deutsche dort ansiedeln können. Demgegenüber haben wir 
Deutschen die Sucht, gerade bei den slawischen Völkern, 
diese beglücken zu wollen und sie endlich einmal aufzurich- 
ten. ... 

Sie dürfen das nicht mitmachen, sondern Sie haben die 
ewigen Gesetze unseres Blutes und nur unseres Blutes zu 
wahren. Die meisten von Ihnen sind in der Kampfzeit dabei 
gewesen. Wir haben in der Kampfzeit nicht anders gespro- 
chen. ... Solange wir diesen Gesetzen gehorchen, solange 
wird es eine arische Menschheit geben: solange es sie gibt, 
wird die Erde schön sein. Wenn es die arische Menschheit 
nicht mehr gibt, dann wird unter dem Juden oder Untermen- 
schen die Welt allmählich veröden und verblöden; dann 
wird nach 2.000 Jahren noch dasselbe Kriegsschiff gebaut 
werden, das von einem Arier einmal vor konstruiert worden 
ist. Etwas neues wird nicht erfunden! ... Wenn das schöpfe- 
rische Blut nicht durch die Adern rollt, dann wird die Erde 
einmal leer werden. ... 

In Verfolg dieser Gedanken und in der Bewahrung die- 
ser Gesetze - dafür sind Sie mir die Garanten - haben Sie 
auf verschiedene Dinge aufzupassen: Ich sagte es Ihnen 
schon, alles germanische Blut gehört zu uns. ... Der Führer 
hat sich, aufmerksam gemacht durch einige Berichte, mit 
der Frage befaßt, daß in Rußland wohl rund 1 bis VA Millio- 
nen Kinder von deutschen Soldaten gezeugt worden sind. 
Vielleicht sind es etwas weniger, aber viele 100.000 oder 
fast 1 Million werden es sicher sein. Diese Kinder wären für 
das russische Volk, das heute einen großen Blutsverlust hat, 
mengenmäßig und vor allem rassisch-qualitativ ein uner- 
hörter Zuwachs. Der Führer hat mich deswegen gestern 
wissen lassen - ich bekomme dafür noch eine genaue Voll- 
macht und Anweisung daß wir, die SS. zunächst einmal 
festzustellen haben, wo alle diese Kinder sind und daß sie 
gemustert werden. Die rassisch wertvollen Kinder werden 
den Müttern weggenommen und nach Deutschland gebracht, 
oder T wenn die Mütter rassisch gut und in Ordnung sind, 
nehmen wir sie mit herüber. Die schlechtrassigen Kinder 
lassen wir zurück. Ich muß sagen, auch das ist noch ein 
Schaden. Denn selbst das Kind, das aus der Verbindung 
eines Deutschen mit einer schlechtrassigen Russin entspringt, 



18 


was plötzlich in der 3. 4.. 5.. 6. und noch späteren Genera- 
tion aus seinem Blut herauskommt, wenn es wieder einmal 
mit einem gleichgearteten Blutsteil zusammenkommt . ... 

Meine Ausführungen über die Entstehung der slawi- 
schen Völker habe ich nicht abgeschlossen. ... 

Bei all den Völkern, die wir vor uns haben, da wird alles, 
was in diesem Mischmasch - ob Pole. Ukrainer. Weißrusse 
usw. — an gutem Blut in diesem Riesenorganismus, wenn ich 
das Volk als Gesamtorganismus nehme, jeder herausdestil- 
lierte reine Blutstropfen herüber genommen oder, wenn er 
sich nicht mehr herübernehmen läßt, ausgelöscht. Deswe- 
gen dieser Auftrag, im Rahmen der polizeilichen Erfassung 
aller Deutschen, die wir in Alarmeinheiten zusammenfas- 
sen. Meldestellen für Kinder von Landeseinwohnerinnen, 
die von deutschen Soldaten stammen, zu schaffen, wobei ich 
hier ruhig einen Anreiz geben würde - was ich dem Führer 
vorschlagen will - 10 RM im Monat für dieses Kind zu 
zahlen. Dadurch würden wir wenigstens einmal die Anmel- 
dungen bekommen. Dann muß durch Männer des Rasse- 
und Siedlungshauptamtes - zunächst einmal im Groben - 
eine rassische Musterung stattfinden. eine Grobauslese, wo 
man gleich sagt: Die Mutter ist ganz unmöglich. In vielen 
Fällen werden wir den Vater garmcht feststellen können, 
sicherlich wird uns auch sehr ofi ein russisches Balg unter- 
geschoben. Es ist klar, daß das sehr schwierig ist. Darauf 
entsteht eben die blutliche Versauung der Völker. 

Allmählich kommen wir zu einer Feinauslese. 

Denn es ist doch eine reine Glücksache, daß ein Soldat 
ein gutrassiges oder ein schlechtrassiges Mädchen trifft, 
wobei es auch hier so sein wird, daß ein wirklich gutes Blut 
weniger mit einem Mann zusammengehl als das minderwer- 
tige. Wir haben uns in gar keiner Weise darum zu kümmern, 
und das verbiete ich der Polizei ganz ausdrücklich, sich um 
irgendeine Abtreibung, die eine Russin oder eine Ukraine- 
rin macht, zu kümmern. Das ist eine Sache, die uns gar- 
nichts angeht. Ich wünsche jeden Fall gemeldet zu bekom- 
men. wo irgendein deutsches Gericht sich vielleicht mit 
solchen Dingen befaßt. Der betreffende Richter bleibt nicht 
lange in seinem Amt und ui Freiheit, das können Sie ihm 
gleich verraten. 

Die Gesamtlinie ist absolut die: Wir haben diesem Volk 
keine Kultur zu bringen. Ich kann Ihnen wörtlich nur das 
wiederholen, was der Führer wünscht . ... 

Unsere Aufgabe ist. das. was gutrassig ist, herauszuho- 
len. ... Es braucht niemand Bedenken zu haben, daß wir 
damit, wenn wir in der SS diese Auslese durchführen, das 
Blut des deutschen Volkes verderben. ... 

Die Sprache des Herrn haben sie soweit zu lernen, daß 
sie » rechts um« und »links um« verstehen. In diel. Kompa- 
nie kommen diejenigen, die wir herausholen wollen in Ruß- 
land und auch sonst in ganz Europa - ich stelle mir das bei 
Frankreich genauso vor konsequent über hunderte von 
Jahren holen wir immer wieder, was auf der Well da ist. zu 
uns ins Mutterland herein. Wir werden dadurch stark und 
die anderen schwach und uns nie gefährlich. So wünsche ich 
das bei den Schulzmannschaften. Herausgeholt wird, was 
wirklich guten Blutes ist, was wir wirklich einmal assimilie- 
ren können. Die Zusammengeholten werden allmählich durch 
mehr Pflichten und Leistungen bevorrechtet. Ich wünsche 
nicht, daß die 1 . Kompanie, ich möchte sagen die germani- 


sche Kompanie, und die 2.. 3., 4. oder 5. Kompanie sehr gut 
miteinander stehen. Das ist nicht notwendig ! Wenn zwi- 
schen ihnen etwas Krach ist. gerade so, daß der Dienst nicht 
darunter leidet. ... dann ist das gut und richtig. Sie sollen 
nicht miteinander fraternisieren . ... 

Das Essen ist hier in Rußland insgesamt sehr gut. Im 
Norden Rußlands ist es etwas schlechter. Der SS-Führer ißt 
genau dasselbe, was der Mann ißt. Man kann auch die ein- 
fachste Suppe gut und schmackhaft zubereiten und sie in 
einer eines deutschen Kommandeurs würdigen Form auf den 
Tisch stellen. Hier gibt es viele ungenannte Kleinigkeiten: 
man kann ein Kommißbrotlaib auf den Tisch werfen oder auf 
einen Teller tun und ein Besteck dazu legen. ... 

Sie wissen selbst, daß das Gefährlichste und Lähmendste 
die Darmkrankheilen sind: Man kann sie durch Sauberkeit 
bekämpfen: man sorgt dafür, daß keine Fliege und kein 
anderes Insekt in das Haus kommen. Wenn es garniehl 
anders gehl, kann man ein Stck (!) Leinwand oder ein 
dünnes Gewebe vor das Fenster hängen, dann fliegen keine 
herein. Die Fliegen, die herinnen sind, werden totgeschla- 
gen: das kann irgendein kleiner Russenjunge tun -es laufe ri 
ja genug herum —, den Sie sich dafür anstellen. 

Weiterhin muß m dem Haus blitzblank aufgewischt sein, 
dafür haben Sie zu sorgen. ... 

Es gibt viele Gegenden, die wir wirklich erst einmal 
gründlich sanieren müssen. Meine Herren, gehen Sie sofort 
daran. In diesem Winter muß jeder überflüssige Misthaufen 
verschwinden, jeder überflüssige Lokus, den die Russen 
gebaut haben, zugeschüttet werden. Auf diese Weise bekom- 
men wir viele Brutstätten weg. ... 

Bei dem Saunabaden lassen Sie sich Zeit, man macht das 
nicht im westeuropäischen und Berliner Tempo. ... 

Ich komme nun zu einer Frage, die zum Anfang zurück- 
kommt und die wieder einmündet in den Rahmen der Bluts- 
frage. Die ersten Ansätze dieses Blutes sind hier die Volks- 
deutschen. Diese Volksdeutschen bitte ich, wo sie sind, zu 
pflegen und sie niemals zu verderben. Verderben können Sie 
sie damit, wenn Sie ihnen, die so lange gehungert haben, zu 
viel auf einmal geben, geistig und fürsorgemäßig . ... 

Schaffen wir es, daß jede SS-Familie 4 Söhne hat. kann 
sie in keinem Krieg aussterben: 4 Söhne bedeuten, daß sie 6 
- 7 Kinder haben wird. ... 

Das ist das 2. Problem. Das 1. war das Hereinholen der 
Germanen, das 2. die Niederringung des Christentums und 
die Frage vor Ahnen und Enkel, das wieder Heimischwerden 
der Ahnenverehrung und das Verantworten in diesem Maß 
und Sinn. ... 

Das 3. Problem : Grund und Boden für die Menschen! In 
diesen 20 Jahren haben wir zu besiedeln die heutigen deut- 
schen Ostprovinzen, von Ostpreußen herunter bis Ober- 
schlesien, das gesamte Generalgouvernement; wir haben 
einzudeutschen und zu besiedeln Weißruthenien, Estland, 
Lettland, Litauen, Ingermarland (!) und die Krim. In den 
anderen Gebieten werden wir, so wie wir es hier anfangen, 
enttbng den Marschstraßen, an denen unsere Autobahnen, 
Eisenbahnen. Flugplätze liegen, geschützt durch unsere 
Gernisonen (!) kleine Städte von 15 - 20.000 Einwohnern 
entstehen und im Umkreis von 10 km deutsche Dörfer, sodaß 
sie immer in deutsches Leben \ eingebettet sind, die wir hier 
bis zum Don und zur Wolga - und ich hoffe bis zum Ural - 


19 


-v 

vortreiben. ... Dieser germanische 
Osten bis zum Ural muß und dafür 
arbeiten wir hier als SS-Männer in 
unseren Gedanken, unserem Leben 
und Erziehen, wie unsere Kamera- 
den draußen in ihrem Vor sterben dafür 
kämpfen, die Pflanzstätte des germa- 
nischen Blutes sein ... Wir haben dann 
ein bäuerliches Volk in einem ver- 
nünftigen Verhältnis von Stadl zu 
Land, eine Weite von Land, in der 
sich der Germane entwickeln kann, 
ohne Spießbürger zu werden wie in 
Klein-Deutschland. Dieses von uns 
geliebte nordische Blut, unser eige- 
nes germanisches Volk, von dem wir 
stammen und dem wir alles verdan- 
ken und das wirtklich das beste auf 
dieser Erde ist, das dieser Erde Sinn, 
Inhalt und Kultur gegeben hat, steigt 
in die Höhe durch Adolf Hitler und 
wir durften als des Reiches Mannen 
und Ritter, als SS-Männer daran 
milhelfen. 

Erfüllen Sie überall Ihre Aufgabe 
im Kleinen und Großen, dann haben 
Sie so gehandelt, wie das Gesetz es 
\befahl." 



Staatsakt für Generaloberst Eduard Dletl In Kleßhelm am 1. Juli 1944. Dietl 
war erster Elchenlaubtrftger der deutschen Wehrmacht (er erhielt diese Aus- 
zeichnung für seinen Kampfeinsatz 1940 In Norwegen/Narvik), seit Beginn des 
Rußlandfeldzuges Oberbefehlshaber der deutschen Truppen In Lappland/Finn- 
land, am 23.6.1944 Flugzeugabsturz bei Salzburg. 

1. Reihe von links: RFSS Heinrich Himmler, Generalfeldmarschall Wilhelm 
Keitel (Chef des Oberkommandos der Wehrmacht), Generalfeldmarschall Er- 
hard Milch (Staatssekretär Im Reichsluftfahrtministerium, leitete 1940 die Ope- 
rationen der Luftwaffe In Norwegen) und der letzte Stabschef der SA (seit 
9.11.1943) Wilhelm Schepmann. Foto: liimdeurdiiv Koblenz. 


Analyse dieser angeblichen "Rede" 


Dieses ohne genauen Herkunftsnachweis 2 » "erstmals" 
( "bisher unveröffentlicht ") von Professor Hans- Adolf Ja- 
cobsen und Werner Jochmann in "Ausgewählte Doku- 
mente zur Geschichte des Nationalsozialismus 1933 - 
1945' Bd. II, Bielefeld 1961 veröffentlichte "Dokument" 
gehört ebenfalls zu den kriminellen Machenschaften 
alliierter Kriegsgreuel Propagandisten. Es zeichnet sich 
durch uns bereits sattsam bekannte (1) Stil- und (2) 
Sachfehler und (3) lächerliche Realitätsfeme aus. Dabei 
wurde -- ebenfalls typisch - nichts vergessen (4), was 
die antideutschen Propagandamacher an aufhetzenden 
Schlagworten unter die Völker bringen wollten. 

Wir würden uns mit diesem Primitivprodukt nicht 
befassen, hätten nicht bundesdeutsche Professoren, 
Institutsleiter, Verleger und Politiker solchen Kram 
als "Dokumentation'' und damit als "wahren histori- 
schen Vorgang" publiziert. Dabei bleibt zu berücksichti- 
gen, daß hiermit den Studenten Grundlagen für Semi- 
nar-, Diplom- und Doktorarbeiten serviert werden und 
auf diese Weise eine unablässige Multiplikatorwirkung 
erzielt wird. Diese von Prof. Hans-Adolf Jacobsen und 
Werner Jochmann zu verantwortende Publikation ist 
dazu angetan, nicht nur die SS, sondern das gesamte 
deutsche Volk zu beleidigen und zu verunglimpfen. Denn 

22) Qucllcnhinwds: DGH/ Himmler File*. Washington. Institut für Zeitge- 
schichte. München, Mikrofilm; Reiüingcr. G-. "Die SS - Tragödie aner 
deutschen Epoche". München 1956. 


dieses Dokument" impliziert den Vorwurf, daß sie ei- 
nen solchen Schwachkopf, der da am 16. September 
1942 in Hegewald bei Shitomir seine Hirngespinste 
zum besten gab, zu einem ihrer Führer erkoren und 
ihren Kampf in Sowjetrußland um der dort "erläuter- 
ten Ziele" willen ausgetragen haben. 

Weil die Monotonie der uns vorgelegten "entarteten 
Kunst" jedweder Ernsthaftigkeit entbehrt, haben wir 
die zitierten Passagen auf 1/8 des eigentliches Textes 
gekürzt und unsere Analyse auf diesen Auszug be- 
schränkt 
( 1 ) 

Fremdländischer, in Deutschland unüblicher Stil 

Alle die Sorgen, das Blut, die Verantwortung, alle die Not 
und der Kummer, der sich in diesen Monaten und Jahren 
abgespielt hat, und der vor allem auch auf den Schultern des 
Führers lag, wird nicht vermerkt und erwähnt." 

Statt "wird" hätte es "werden” heißen müssen, statt 
der = die”, statt "hat " = "haben", statt "lag " = "lagen". 
Kummer und womöglich Sorgen, Blut, Verantwortung 
und Not können sich nicht "abgespielt" haben! Dieses 
Verb paßt überhaupt nicht. Wie kann sich "Blut abspie- 
len oder " Kummer " oder "Not", wie " Verantwortung ’? 

"Jedes gute Blut .... das Sie irgendwo im Osten treffen, 
können Sie entweder gewinnen ... oder Sie müssen es lotschla- 
gen." 


20 


Wie kann man "gutes Blut totschlagen '? - Abartiß 
solcher Ausdruck! 

”... daß wir. die SS. zunächst einmal festzustellen haben, wo 
alle diese Kinder sind und daß sie gemustert werden.“ 

Der Begriff " mustern " im Hinblick auf Kinder bzw. 
Kleinkinder ist völlig abwegig. Gemustert werden in 
Deutschland nur Wehrpflichtige. Die Einfügung des 2. 
Nebensatzes, "daß siegemustert werden" in den Neben- 
satz "daß wir festzustellen haben" ist sachlich und gram- 
matikalisch falsch. 

"...für die Russen ; ... denn wir wissen nicht, was plötzlich in 
einer ... späteren Generation aus seinem Blut herauskommt . 
wenn es wieder einmal mit einem gleichgearteten Blutsteil zu- 

sammenkommt." 

"aus seinem Blut in bezug auf "die Russen “ paßt 
nicht. Wie kann etwas aus seinem Blut herauskom- 
men. Ein solcher Ausdruck ist in Deutschland unbe- 
kannt, von herauskommen und Zusammenkommen von 
Blut in einem Satz ganz zu schweigen. 

Dann wird schon wieder 

"jeder herausdestillierte reine Blutstropfen herübergenom- 
men oder, wenn er sich nicht mehr herübernehmen läßt, ausge- 
löscht. 

Wir kennen diesen Schwachsinn bereits aus der 
gefälschten 'Denkschrift Himmlers’’ vom 25.5.1940. Wie 
kann man einen "reinen Blutstropfen herausdestillie- 
ren oder auslöschen"? 

"Deswegen dieser Auftrag, im Rahmen der polizeilichen 
Erfassung aller Deutschen, die wir in Alarmeinheiten zusam- 
menfassen. Meldestellen für Kinder ... 2U schaffen." 

Was ist das für ein grotesker Auftrag! 1942 sollen 
alle Deutschen polizeilich erfaßt und dann in Alarm- 
einheiten zusammengefaßt werden? Und "im Rahmen" 
dieser Erfassung sollen " Meldestellen für Kinder" ge- 
schaffen werden? Stil und Inhalt sind idiotisch! 

Dann gibt's wieder eine "rassische Musterung", "Grob- 
und Fcinauslese", "Kommißbrotlaib" statt "Kommiß- 
brot . 

" Die enen Ansätze dieses Blutes sind hier die Volksdeut- 
schen." 

Auch hier - wie auch für den nachfolgenden Satz - 
gilt in bezug auf Stil und Inhalt das Vorhergesagte. 

Wie unsere Kameraden draußen in ihrem Vorsterben dafür 
kämpfen ." 

Einen Begriff "Vorsterben" gibt es im Deutschen 
nicht. Und im "Vorsterben" kann man nicht für etwas 
kämpfen! Das alles ist eine Zumutung für den gesun- 
den Menschenverstand! 

( 2 ) 

Sachfehler 

"Meine allen SS-Führer" kann in der Situation, in 
der diese Rede ’ gehalten worden sein soll, nicht stim- 
men. Es dürften meist jüngere SS-Führer anwesend 
gewesen sein. 

Ich freue mich, daß Sie hier in meinem Quartier zu dieser - 
Besprechung, die SS-Ober gruppenführer Prützmann, Ihr Höhe- 
rer SS- und Polizeiführer abgehalten hat. als meine Gäste 
begrüßen kann. Ich habe sehr gern zugestimmt und habe selbst 
den Vorschlag gemacht, daß Sie hierher kommen ...” 

Dieser Satz ist reines Kauderwelsch! Weder konnte 


Himmler im russischen Feldquartier "Gäste zur Be- 
sprechung begrüßen ", noch konnte er "sehr gern zuge- 
stimmt' und gleichzeitig selbst den Vorschlag gemacht" 
haben. 

Wo Sie ein gutes Blut finden, haben Sie es für Deutschland 
zu gewinnen oder Sie haben dafür zu sorgen, daß es nicht mehr 
existiert." (Wiederholung dieses Schwachsinns) 

Weder gibt "Himmler" eine Definition dessen, was 
unter "gutem Blut verstanden werden soll, noch eine 
Anweisung dafür, was mit dem "schlechten Blut" ge- 
macht werden soll. Soll das "schlechte Blut" etwa nicht 
auch für Deutschland gewonnen werden? Warum ei- 
gentlich soll das "schlechte Blut", wenn es nicht für 
Deutschland gewonnen werden kann, im Gegensatz 
zum guten Blut" nicht "totgeschlagen" werden? - Das 
Ganze ist doch krankhaft! Aber paranoid soll der RFSS 
wohl auch erscheinen, das ist der in Auftrag gegebene 
Sinn dieser Romanschriftstellerei! 

Dann sollen die SS-Führer 

"die ewigen Gesetze nur unseres Blutes wahren, sonst wür- 
de die Welt veröden und verblöden! Sie haben dabei auf ver- 
schiedene Dinge aufzupassen : Alles germanische Blut gehört zu 
uns ” 

( = "1. Ding"). "2. Ding sind die "rund 1 bis V/z Mil- 
lionen Kinder, die in Rußland von deutschen Soldaten 
gezeugt sind". Niemand hat sie zwar bisher "erfaßt und 
gemustert - deshalb müssen "Meldestellen" her -, aber 
Heinrich Himmler "kennt” bereits die ungefähre Zahl! 

Fazit: Der deutsche Soldat hat im Rußlandkrieg - 
abgesehen von den andernorts behaupteten Massen- 
morden an Frauen und Kindern und dem "Exekutions- 
tourismus" an die Mordstätten (Staatsanwalt Willi Dre- 
ßen-°J - oftenbar Zeit und Sinn für Massenvergewalti- 
gungen und Wegnehmen von Kindern.- Infam! Auch 
der Gegner wußte, daß dem deutschen Soldaten bei 
Vergewaltigung die Todesstrafe drohte! 

"Meine Ausführungen über die Entstehung der slawischen 
Völker habe ich nicht abgeschlossen ." 

Auch dies ist Unsinn, denn er hatte bisher über "die 
Entstehung der slawischen Völker" überhaupt nichts 
gesagt! 

Sicherlich wird uns auch sehr oft ein russisches Balg unter- 
geschoben. Es ist klar, daß das sehr schwierig ist (das 
"Unterschieben"?). Darauf entsteht eben die blulliche Versau- 
ung der Völker.“ 

- Sachlich und sprachlich unmöglich. 

Ich wünsche in jedem Fall gemeldet zu bekommen, wo ein 
deutsches Gericht sich mit solchen Dingen (" Abtreibung , die 
eine Russin oder eine Ukrainerin macht") befaßt." 

Deutsche Gerichte waren dafür überhaupt nicht 
vorhanden, geschweige denn zuständig, - mitten im 
Krieg! So kann doch nur ein Irrer vor Irren formulie- 
ren! 

Jfln die 1. Kompanie kommen diejenigen, die wir 
herausholen wollen aus Rußland " (man lese die "An- 
weisungen für die anderen Kompanien im "Original- 
text nach!). - Weder in der Wehrmacht noch in der SS 
sind jemals K ompanien nach Kriterien dieser "Himm- 

23) Willi Dreßen, Emsl Klee. Volker Rieß, "Schöne Zeilen - Judenmord aus der 

Sicht der Täter und Gaffer". Frankfutt/M 1988, S. 122. 


ler-Rcde ' zusammengestellt worden! Das ist doch re- 
gelrechter Unsinn, der niemals höheren SS-Führern 
vorgetragen worden sein kann! 

. i*®" "^folgenden Unrat vom Essen in Rußland, 

age " V ° n FHegen ' dem Z“schütten jedes 
überflüssigen russischen Lokus ", den "3 Problemen " 
usw. ersparen wir uns, näher zu analysieren. Das alles 
ist pervers. 

(3) 

Realitätsferne 

Am 16. September 1942 stand die deutsche Wehr- 
macht zwar tief in Rußland, doch der Kampf an der 
i*ront und im russischen Hinterland war so unerbitt- 
lich hart und grausam, die Probleme jedweder Art und 
d,e Verluste für Truppe und Führung so ungeheuer- 
l.eh, die B^prechungszeit für höhere Offiziere so knapp, 
daß eine Rede des RFSS, in der von dieser militari 
sehen Lage und den durch sie gebotenen Konsequen- 
aen überhaupt nichts enthalten ist, schon aus diesem 
Gmnd eine Fälschung sein muß. Vergleicht man angc 
sichts dieses gewaltigen Geschehens im Sommer und 
Herbst nun den "Redetext', der von vorn bis 

hinten daherschwadronierten unrealistischen Blödsinn 

enthält, so wird einem übel bei dem Gedanken, daß 
deutsche Professoren, Institutsleiter, Verleger und Po 
litiker so etwas als wissenschaftlich abgesicherte Do- 


kumentation" feilbieten. 

(4) 

Alles ist enthalten, was sich ein "antifa"-Propa- 
gandasch wind ler wünschen mochte: 

Von Massenvergewaltigungen bis zum Massen-Kin- 
desraub, vom Ziel zur Vernichtung der osteuropäischen 
Intelligenz bis zum "Ansiedeln" Deutscher in Osteuro- 
pa emschließheh Ural und Krim, vom Eingeständnis, 
daß Wein-Deutschland von Spießbürgern mit einge- 
trocknetem Gehirnapparat" bewohnt sei, bei denen es 
allenfalls zum schädlichen "Obertschechen und Ober- 
lappen reiche, bis zum "Mischmasch" der osteuropäi- 
schen Völker und zum "Affenland" Rußland, von den 
beabsichtigten, Deutschland dienenden Sklaven bis zur 
Besiedlung "der heutigen deutschen Ostprovinzen, von 
Ostpreußen bis Oberschlesien" (als ob diese nicht be- 
reits seit 700 Jahren deutsch besiedelt und kultiviert 
worden wären!), von der Niederringung des Christen- 
tums bis zum gelegentlichen "Abschieben" der osteuro- 
päischen Völker und der bereits "dem polnischen Volk 
'weggenommenen Oberschicht". 

Damit sind wieder einmal alle Merkmale dabei, die 
auch die zahllosen anderen Fälschungen ausweisen! 
Erschütternd freilich bleibt das primitive Niveau, mit 
dem sich die alliierten Weltmächte gegenüber der Welt- 
öffentlichkeit auswiesen. 


■Dok V t? r ^ Utt »n Un9 °° n Bios y n - Ve 9etabil-Wurst an Häftlinge" 

Dok. . Nürnberg NO - 1610 bzw. Heiber 'Dok.' 256 S. 225: ' * 

Absender SS-Ogruf. Oswald Pohl. Chef des 
bchreiben vom 16.8.1943 

Der Erfindungsreichtum an Lügenpropaganda-The- 
men^hat wahrlich ein weitgestreutes Spektrum. 

Da soll der Chef des Wirtschafts- und Verwaltungs- 
lauptamtes (WVHA), SS-Obergruppenfuhrer Oswald 
Pohl, erst im August 1943 von Dr. Rudolf Brandt, dem 
Personalreferenten des RFSS, den ersten "Hinweis" 
darauf erhalten haben, daß sich der RFSS "die persön- 
liche Entscheidung über alle Versuche an Häftlingen 
Vorbehalten hat, die in den Konzentrationslagern durch- 
ge führt verden "r Schon dieser erste Satz ist unsinnig! 

Oswald Pohl hat die Leitung des WVHA bzw. seiner 
früheren Behörde seit dem 1.2.1934 inne, kannte seit- 
dem den gesamten internen Ablauf der KL einschließ- 
hch Gesetze und Ve rwal tu ngs Vorschriften, besprach 
mit Himmler seit Jahren alle wesentlichen Probleme 
persönlich. Er konnte sich somit nicht bei seinem "lie- 
hen Brandt" für einen solchen "Hinweis bedanken". 

Dies umso weniger, als es bei den angesprochenen Häft- 
lingsversuchen selbstverständlich gewesen wäre daß 
niemand anderes darüber hätte bestimmen können 

( 2 ) 

Auch hier "interessiert sich" wieder einmal jemand, 
und das ist angesichts dieser in zahllosen Dokumenten- 
fälschungen gleichbleibend wiederholten Phrase sofort 


22 


WVHA; Em pfänger SS-Ostubaf. Dr. Brandt. 

Mein Heber Brandt! N 

Ich danke Ihnen für Ihren Hinweis, daß der Reichsführer 
sich die persönliche Entscheidung über alle Versuche an 
Häftlingen Vorbehalten hat, die in den KL durchgeführt 
werden. 

An Untersuchungen, für die ich mich persönlich interes- 
siert habe, werden durchgeführt: 

1. ) die Groß-Ernährungsversuche in Mauthausen und 

2. ) die Verfülterung von Biosyn-Vegetabil-Wurst (Schie- 
ber). 

Die ersten wurden vom Reichsführcr-SS ausdrücklich 
befohlen und auch die Biosyn-Verfütterung geht auf seine 
Veranlassung zurück. Ursprünglich wollte der Reichsfüh- 
rer -SS. daß diese Eiweißwurst an alle Häftlinge verabreicht 
würde: da die ganze Angelegenheit aber noch nicht spruch- 
reif ist. habe ich vorsichtigerweise erst einmal die Verfülte- 
rung an 100 Häftlinge befohlen. Sollte es sich in dem Be- 
richt des Reichsarztes um andere als die genannten Unter- 
lagen handeln, so bitte ich um Mitteilung, damit ich eine 
Nachprüfung veranlassen kann. 

Übrigens wurde der Reichsarzt-SS über die Ernährungs- 
vejjuche persönlich durch den Ernährungsinspekteur, SS- 
Stur mbannführer Prof. Dr. Schenck. unterrichtet. Sie ste- 
hen unterdessen Oberleitung, werden also in Zusammenar- 
beit mit dem leitenden Arzt KL von dem dortigen Standort- 
arzt durchgeführt. Besten Grift), Heil Hitler! 

Ihr Pohl 

SS-Ober gruppenführer und General der Waffen-SS" y 


verdächtig: diesmal "interessiert sich" Pohl fiir "die (6) 

großen Ernährungsuersuche in Mauthausen" und die Anstatt seinem "lieben Brandt" - offenbar zur Wei- 
" Verfütterung von Biosyn - Vegetabil- Wurst terleitung an RFSS Himmler - Konkretes mitzuteilen, 
Der Begriff Verfütterung ist ein weiteres enthül- warum "die ganze Angelegenheit noch nicht spruch- 
lendes Etikett für das Giftprodukt aus der alliierten re if ; st un( j er dennoch "vorsichtigerweise die Verfütte- 
Propagandaküche. In Deutschland ist der Begriff "Ver- rung an jqq Häftlinge befohlen " habe, bleibt alles ano- 

fütterung so eindeutig und unverwechselbar auf die nym: warum 100 und nicht ein ganzes Lager für einen 
Tierhaltung bezogen, daß es geradezu abartig ist, ihn Tag oder eine Woche, welches Lager eigentlich? Wer ist 
für die Verpflegung von Menschen zu verwenden. So der Futterproduzent dieser nicht spruchreifen Angele- 
etwas - " Verfütterung an Häftlinge befohlen - kann gen heit? Wie ist es um die Qualität dieser mysteriösen 

einfach kein deutscher Amtsträger formuliert haben. Wurst bestellt, um die gegenwärtige und künftige Lie- 

(3) fermöglichkeit? Ernährungsversuche sollen das sein? 

Doch selbst wenn wir hiervon absehen, steigert sich Da die "Verfütterung" schon befohlen worden war, würde 
der Blödsinn noch: den RFSS doch sicher das Ergebnis interessieren, der 

"... auch die Biosyn-Verfütterung geht auf seine Veranlas - Ort, wo dies geschehen ist oder auch der Zeitpunkt, an 
sung zurück. Urspünglich wollte der Reichsführer-SS. daß diese dem über die Einstellung der noch nicht spruchreifen 

Eiweißwursi an alle Häftlinge verabreicht würde; da die ganze Angelegenheit oder eine "Verfütterung" im großen Stil 
Angelegenheit aber noch nicht spruchreif ist. habe ich vorsich - entschieden werden kann. 

tigerweise erst einmal die Verfütterung an 100 Häftlinge befoh- Fehlanzeige! Alle Fragen bleiben offen, - bis zum 
len." " leitenden Arzt KL (wer ist das?) und dem dortigen 

Wie kann Himmler so etwas "veranlaßt", "gewollt" Standortarzt" (wo ist "dortig"?, wie heißt dieser Arzt?), 
haben, wo doch die ganze (wirklich die "ganze“, nicht Prüft man nachträglich den Informationsanlaß die- 
die "halbe”) Angelegenheit noch nicht spruchreif war? ses ganzen Gefasels, so fuhrt die Schreibinitiative Pohls 
Gab es diese komische Wurst denn überhaupt? Uns ist auf den eingangs erwähnten, völlig irrealen "Hinweis" 
davon nichts bekannt. zurück, daß Himmler sich "alle Versuche an Häftlingen 

Aber selbst wenn man sich in Deutschland während selbst Vorbehalten " habe. Dies hat ihn angeblich jedoch 
des Krieges irgendwo Gedanken darüber gemacht ha- nicht gehindert, eigenmächtig "vorsichtigerweise die 
ben sollte - obgleich die Fleisch Versorgung bis Kriegs- Verfütterung an 100 Häftlinge" zu befehlen, 
ende gesichert war ~, eine Vegetarierwurst herzustel- Man mag hinschauen, wohin man will: alles wider- 
len, so wäre sie - ebenso wie Margarine und Kunstho- wärtiges, dummes Zeug! 
nig - in erster Linie an das Volk ausgeliefert wor- 
den. Die Häftlinge sind stets aus jenen allgemeinen 
Vorräten versorgt worden. 

(4) 

Auch der Ausdruck "verabreicht" ist falsch. Man 
'Verabreicht" eine Spritze oder ein Medikament, aber 
keine Wurst. Ein Deutscher, würde formulieren, 

"Wurst an Häftlinge ausgegeben" oder "mit Wurst 
versorgt" oder "Häftlingen Wurst zugeteilt". 

(5) 

"Die ganze Angelegenheit" ist zwar "noch nicht 
spruchreif’, dennoch habe Himmler bereits "veranlaßt" 
und Pohl habe bereits "vorsichtigerweise erst einmal 
die Verfütterung an WO Häftlinge befohlen". 

Das paßt doch überhaupt nicht zusammen! 

Führungsbesprechung nach dem britischen Landeuntemeh- 
men in DieppaFrankreich im August 1942. V.l.n.r.: Speer, Kuntze, 
Lehmann, Sepp Dietrich, Schönberger. Foto: Bundwarchiv Koblenz 

Rede des RFSS am 24. Oktober 1943 in Posen 

Im US-Mikrofilm T 175 Roll 17, Serial 17 wird zur Form ausgeführt: 

"Erste Seite, enthaltend wahrscheinlich die Verteilerliste, fehlt" und zum Inhalt: "Geheime Reichssache. Die 
Rede handelt von der deutschen Expansion nach dem Osten, Politik gegenüber den minderwertigen Rassen und 
Erhaltung des deutschen Blutes. Die Rede enthält die Erklärung, daß Deutschland sich zufrieden geben will mit der 
Eroberung im Osten und keine Absicht hat. England zu erobern." 

Form und Inhalt sprechen für sich.-und bedürfen angesichts der Kriegslage vom 23:“ Oktober 1943 keines die 
Fälschung belegenden Kommentares. 



23 



" Sippenhaft " 

-- aus der Rede am 3. August 1944 in Posen 


Auszug aus der Rede Heinrich Himmlers vor den 
vjauleitern am 3. August 1944: 2 « 

Diese vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ), Mün- 
chen erstmals im Jahre 1953 veröffentlichte Rede nach 
dem Attentat auf Adolf Hitler (einige Auszüge wurden 
schon 1952 publiziert) liegt uns lediglich in gedruckter 

^ VO r p7 Zu ; “" kunft dieses Dokumentes informiert 
uns das KZ, daß Martin Bormann als Leiter der Partei 
kanzlei jene Tagung in Posen einberufen habe und 
bemüht war, die wichtigsten politischen Vorkommnis 
se für eine spätere Geschichtsschreibung zu bewahren "• 
so se.en auch "Hitlers Tischgespräche" aufseine Initia- 
tive zuruckzuführen gewesen. 

,J r ? “ eft "° a t S,ändig K ° pie " mn ScbriftstBcken und 
Berichten die ihm für eine künftige Parteigeschichte geeignet 

zu sein schienen, dem Hauptarchiv der NSDAP zuleilen Einige 
dieser Stucke be finden sich jetzt im Archiv des IfZ München, 
zum I cd noch mit den von Bor mann selbst Unterzeichneten Be- 
^'“schreiben. Zu ihnen gehören auch die drei Posener Reden. 
Sie sind auf Schreibmaschinendurc hschlägen erhallen und mit 
vermutlich der Stenographen, versehen. Zwar 
fehlt gerade für diese drei Reden das Begleitschreiben; doch 
urgt der Zusammenhang mit den anderen »beglaubigten* Do- 
kumenten unter denen sie lagen, sowie das Aufbewahrungs- 
zeugnis für ihre Echtheit. Für die Echtheit der vorliegenden 
Rede spricht außerdem der unverwechselbare und kaum nach- 
zuahmende Stil. Man vergleiche sie nur mit der stilistisch typi- 
schen Rede Himmlers, die aus dem Dokument I9I8-PS in der 
»Blauen Serie« des IMl' ab gedruckt ist. Himmler arbeitete im 
allgemeinen seine Reden nicht aus. er notierte sich nur Stich- 
worte. (S. 358) 

Dieser Authentizitätsnachweis ist dürftig, vor al- 
em, wenn man die vielen amtlichen Fälschungsinitia- 
hven der allnerten Eroberer bedenkt, die auch bei den 
beiden anderen Reden deutlich ihre Spuren hinterlas- 
sen haben. Beachtlich ist, daß dem IfZ auch für diese 

m? t hen, ge g r, e,ge d Il nn ** fl " e ihre ~ keine 

authentische Unterschrift, sondern lediglich ein Schreib 

maschincndurchschlag zugrundelag. Daß derlei Papie- 

re alle zusammenlagen, ist kein Echtheitsbeweis, ist es 

doch Idar, daß ein Fälscher keinen Sinn darin sehen 

heid o e ' < F '. a r re ™ r5treut »belegen. Beachtlich 
be, dieser Feststellung des IfZ bleibt weiter, daß Martin 

Bormann als Leiter der Parteikanzlei bemüht war, alle 
Reden Hitlers und Himmlers und auch anderer NS- 
Frominenz, insbesondere jene, die vertraulich vor en- 
gen Fuhnmgskreisen gehalten wurden, für die Ge- 
schichtsschreibung aufzuzei^ bzw. aufzubewahren 
ohne daß er im voraus wissen konnte, welche Geheim- 
msse dort zur Sprache kommen würden. Sein Motiv 
h^" ZU u m, " dest nicht schlechtes Gewissen 

~ W ; der VV '. lle> ^°chst geheime Vorgänge unbedingt 
l^VienstjahrshefiefUr Zeügeschiclu«, München 1953. S. 357 - 394. *p«,cll 


mit ins Grab nehmen zu wollen", gewesen sein. Ange- 
sichts dieser Praxis ist es erstaunlich, daß man heute 
immer noch nach bestimmten Befehlen, Befehlswegen, 
Vollzugsmeldungen und Erfahrungsberichten sucht. 

Speziell für diese hier zu untersuchende Rede Himm- 
lers gilt, daß sie in den überwiegenden Passagen höchst- 
wahrscheinlich echt sein mag, daß jedoch zumindest 
die nachfolgend zitierten Absätze mit Sicherheit ge- 
fälscht sind. Wir werden dies mit Hilfe einiger anderer 
Dokumente beweisen. In der Fußnote 35 (S. 385) führt 
das IfZ aus, daß das nachfolgende Zitat offensichtlich 
der einzige Beleg für die "Institution der Sippenhaft” 
sei, die hier von einem der höchsten Parteifunktionäre 
offiziell zugegeben wird". 

Der RFSS soll also am 3. August 1943 in Posen u.a. 
gesagt haben (Be/jffemng der Abturc durch Vcrf): 


Dann werden wir als Zweites hier eine absolute Sip- 
penhaftung einführen. Wir sind danach schon vorgegangen 
und haben danach schon gehandelt. Ich stehe nämlich auf 
folgendem Standpunkt. 

» 2 • 

Wenn ein Mann sich besonders aus zeichnet, sei es als 
kleiner oder großer Soldat oder als kleiner oder großer 
Mann im Staate, wird er von unserem Staate und wurde er 
auch früher überhaupt vom deutschen, vom österreichi- 
schen Staate belohnt durch eine Siedlerstelle. Wir haben 
unsere Siedlerstcllcn in der großzügigsten Form für den 
Frontsoldaten vor. Er bekommt einen Bauernhof von 30 ha. 
kein Butterbrot, immerhin recht anständig, mit einer mini- 
malen Belastung, fast schuldenfrei. Irgendein großer Feld- 
herr. irgendein großer Soldat bekommt seine Dotation, ein 
Gut mit recht respektablen Größen. Wenn diese Männer 
das bekommen, ob der kleine Mann oder der große Feld- 
herr, dann bekommt ja nicht nur der das Gut. der sich aus- 
gezeichnet hat, sondern das Gut gehl ja in den Familienbe- 
suz über. Also auch seine Frau und Kinder bekommen cs, 
und dieses Gut und Besitztum vererbt sich. Wenn die Fami- 
lie weiterlebt, hat die Sippe es in 4 oder .5 Generationen 
immer noch. Also wird die ganze Sippe damit ausgezeich- 
net und die ganze Sippe damit in ihrer Wohlhabenheit und 
in ihrem Vermögen gestärkt. 

» 3 • 

Wenn ein Ritterkreuzträger fällt, bekommt er auf Befehl 
des l ührers heule schon außer der normalen Versorgung, 
die das Deutsche Reich ja großzügig auswirft, noch eine 
besonders wohlwollende Pflege von seilen der Adjudantur 
dts Führers: Die Witwe, die Familie oder die Ellern des 
Ritterkreuzträgers werden in einer besonderen Form finan- 
ziell. materiell und sonst gestellt. 

»4« 

Wenn wir das nach der positiven Seite tun, sind wir 
meines Erachtens absolut verpflichtet, es ebenso nach der 


24 


negativen Seite hin zu tun. Es soll uns ja niemand kommet 
und sagen: das ist bolschewistisch, was Sie da machen. 
Nein, nehmen Sie es mir nicht übel, das ist gar nicht 
bolschewistisch, sondern sehr alt und bei unseren Vorfah- 
ren gebräuchlich gewesen. Sie brauchen bloß die germani- 
schen Sagas nachzulesen. Wenn sie eine Familie in die 
Acht taten und für vogelfrei erklärten oder wenn eine 
Blutrache in einer Familie war, dann war man maßlos 
konsequent. 

» 5 « 

Wenn die Familie vogelfrei erklärt wird und in Acht 
und Bann getan wird, sagten sie: Dieser Mann hat Verrat 
geübt, das Blut ist schlecht, da ist Verräterblut drin, das 
wird ausgerottet. Und bei der Blutrache wurde ausgerotlet 
bis zum letzten Glied in der ganzen Sippe. 

» 6 • 

Die Familie Graf Stauffenberg wird ausgelöscht wer- 
den bis ins letzte Glied. 

(Beifall) 

Denn das muß ein einmaliges warnendes Beispiel sein. 

Außerdem wird man dann allen in Deutschland freistel- 
len. die Stauffenberg heißen, überhaupt allen, die unglück- 
seligerweise Namen tragen, die in diesen Verratsprozeß 
verwickelt sind, daß sie beantragen können, ihre Namen zu 
ändern, weil man ihnen nicht zumuten kann, den Namen 
eines Schuftes und Verräters weiter zu tragen. 

Wir werden aber - und das ist sehr wichtig - bei allen 
den Familien, von denen ein Glied maßgeblich an dieser 
Verschwörung und an dieser Untreue und Meuterei betei- 
ligt war, ihr Eigentum, ihren Grundbesitz einziehen, ihnen 
den nehmen. 

»7 « 

Ich darf Sie hier um Einverständnis bitten. Das muß - 
ich möchte einmal den ostmärkuschen Ausdruck nehmen - 
aber optisch tadellos sein. Es darf nicht so sein: Wunder- 
bar, eine feine Hitlerjugend-Herberge, oder eine wunder- 
bare Gauschulungsburg. Nein, das dürfen wir nicht ma- 
chen, sondern das wird eingezogen für das großdeutsche 


Reich, für den Reichskommissar für die Siedlung. Es wird 
ausdrücklich feslgelegl als Siedlungsgrund für verdiente 
Soldaten dieses Krieges. Verwaltet wird es werden ~ und 
das ist meine Bitte an den Reichsernährungsminister - vom 
Reichsernährungsministerium. so daß es nach außen unta- 
delig ist. Nicht, daß jemand sagt: Aha, da nimmt die Partei 
oder irgendein Parteigenosse, irgendeine Gliederung per- 
sönliche Vorteile davon, das ist natürlich die Rache. Nein, 
für Frontsoldaten tun wir das. 

Wenn man jetzt 30 oder 40 solche Güter einzieht, dann 
werden wir so etwas an Treue und Loyalität erleben! ... 

Drittens werde ich folgendes machen. ..." 





Der RF-SS im Gespräch mit höheren Luftwaffen-, Heeres- und Polizeioffizieren 
In Minsk 1942. Meinungsverschiedenheiten sind nicht erkennbar. 

Foto: Bundesarchiv Koblenz 


Analyse 

- 1 - Eine absolute Sippenhaftung" ist ein falscher 
Ausdruck; es hätte allenfalls "durchgreifende Sippen- 
hafl ' heißen müssen. Das Wort "absolut " wird im Fremd- 
wörterlexikon definiert mit: " unabhängig , losgelöst, ohne 
Bezugssystem, unbeschränkt, völlig, unbedingt, gänz- 
lich'. Eine "absolute Sippenhaftung" würde also eine 
unbeschränkte" sein, die sich also nicht nur auf Ehe- 
partner, Eltern und Kinder , sondern noch viel weiter 
auf alle Anverwandten ausdehnen würde. 

"Wir werden ... wir sind danach schon vorgegangen und 
haben danach schon gehandelt ." 

Das paßt nicht zusammen: - entweder Zukunft oder 
Vergangenheit. Aber beides gleichzeitig? Aber auch 
sachlich ist das widersinnig, denn bislang hat es keinen 
einzigen Fall von Sippenhaft im Nationalsozialismus 
gegeben, - und die zuhörenden Gauleiter wußten das 
sehr genau! 

"Ich stehe nämlich auf folgendem Standpunkt." 

Als ob es bei einer so gravierenden Entscheidung 
auf den Standpunkt Himmlers” angekommen wäre! 
Ohne den Führer und Reichskanzler, auf den sich der 
RFSS noch nicht einmal berufen hat, wäre da nichts zu 
verkünden gewesen, und auch dies wußten die Gaulei- 
ter sehr genau! 

- 2 •< Es ist purer Unsinn, wenn 
Himmler behauptet haben soll, daß 
vom Staat ausgezeichnete Perso- 
nen " mit einer Siedlerstelle 
belohnt " worden seien und künftig 
"belohnt werden". Niemals hatte 
es im Nationalsozialismus eine 
solche Idee gegeben! Auch solches 
zu entscheiden, wäre Himmler 
nicht befugt gewesen. Als ob sich 
dazu jeder eignet, als ob jeder 
Frontsoldat ein Landwirt ist, als 
ob es sich ein Staat leisten könn- 
te, seine qualifizierten Volksge- 
nossen hinter den Pflug zu stel- 
len und Kühe und Gänse heran- 
ziehen zu lassen! 

» 3 *< "Wenn ein Ritterkreuzträger 

fillC 


25 








kann er nichts mehr bekommen, auch keine "heute 
schon außer der normalen Versorgung besonders wohl- 
wollende Pflege von seiten der Adjudantur des Füh- 
rers . Auch der Ausdruck, 

"die Familie oder die Eltern w erden in einer besonderen 
/• orm finanziell, materiell und sonst gestellt," 
ist undeutsch. 

1. ) gehören die Eltern zur Familie, 

2. ) versteht man im Deutschen eine finanzielle als 
materielle Unterstützung. 

iiWasheißt " besondere Form und sonst gestellt"? 
Schließlich ist es grotesk, wenn der RFSS vor den 
Gauleitern die Ritterkreuzträger als die (einzigen) so- 
zial Bevorrechteten im Staat bezeichnet, was nie der 
hall war und den nationalsozialistischen Grundsätzen 
widersprach. Im Sozialverständnis des Nationalsozia- 
lismus gab es keine sozial Bevorrechteten auf Grund 
von Kriegsauszeichnungen. Auch eine "besondere Pfle- 
ge von seiten (statt allenfalls "seitens") der Adjudantur 
des Führers" muß - bezogen auf den Herbst 1944 als 
Hohn auf die Wirklichkeit und auf den zur Sprache ge- 
brachten Ritterkreuzträger" erscheinen. Welcher "Pfle- 
ger sollte da wie tätig werden? 

- 4 « Schon wieder das falsche Adverb "absolut ver - 
pflichtet . Auch hier gilt: Auf das "Erachten Himmlers " 
wäre es gar nicht angekommen. 

"Nein., las (Sippcnhafi) ist gar nicht bolschewistisch" 
Gerade das war sehr wohl bolschewistisch, und 
zwar sowohl die soziale Bevorrechtung verdienter Funk- 
tionäre als auch die Aufteilung der Güter zugunsten 
zunächst kleiner Siedlerstellen als auch Sippenhaft und 
Blutrache. Jeder Gauleiter wußte das sehr genau' 

Und das, was der RFSS angeblich über "unsere Vor- 
fahren berichtete, steigerte die bisherigen Grotesken 
noch. Weder konnte er ein einziges reales Beispiel an- 
fuhrcn ( er berief sich auf "Sagas" anstatt auf "Sa- 
gen ), noch gab es in den deutschen Sagen solche Bei- 
spiele, - im jüdischen Alten Testament hingegen 
»ehr wohl. Aber auch dort "war" nicht "eine Blutrache 
in einer Familie", zumal das keine sachgerechte oder 
gar deutsche Formulierung ist. 

» 5 - " Wenn die Familie vogelfrei erklärt wird" (Zukunft) 
und in Acht und Bann getan wird (Doppelung der Aussage und 
emeul Zukunft), sagten sie (Vergangenheit) .... ** 

Solch einen grammatikalischen Blödsinn kann Himm- 
ler nicht geäußert haben. Im Deutschen hieße es übri- 
gens iüz vogelfrei erklären". 

“ 6 « Derartige Formulierungen sind unwirklich, 
zumal sie auf keinen Führerbefehl verweisen. Niemals 
ist Derartiges gefordert worden, und auch kein Gaulei- 
ter hätte dazu Beifall geklatscht, weil ein solches An- 
sinnen deutschem Rechtsdenken grundsätzlich zuwi- 
der ist! 

* 7 * Himmler "bittet die Gauleiter um Ein- 
verständnis er, der eingangs " die Sippenhaftung ein- 
rühren und die Familie Stauffenberg auslöschen und 
Drittens folgendes machen will", .. ohne sich um das 
fc.nverstandnis der Gauleiter" bemüht zu haben? Das 
ist doch Seflon Delmer- und Hollywood-Niveau! 

Emen "Reiohskommissar für die Siedlung" gab 


es nicht, wohl einen - und dies war Himmler selbst - 
Rcichskommissar für die Festigung des deutschen Volks- 
tums". der sich auf das "Rasse- und Siedlungshauptamt" 
und dieses wiederum auf ein Strabshauptamt für die 
Siedlung und Aufbauplanung stützte. Der Leiter dieses 
Mabshauptamtes war für die Durchführung aller mit 
der Siedlung zusammenhängenden Vcrwaltungs- und 
Wirtschaftslagen verantwortlich.”» Ihm stand die "Volks- 
deutsche Miltclstellc" unter Leitung von SS-Obergrup- 
penführer Lorenz zwecks Beschaffung der finanziellen 
Mittel zur Seite. Das Rasse- und Siedlungshauptamt 
wurde bis 1938 vom Reichsminister für Ernährung und 
Landwirtschaft. Walter Darre geleitet, danach von Ober- 
gruppenführer Richard Hildebrandt, der jedoch mit dem 
Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft 
nichts zu tun hatte. 

Von einer Beschlagnahme durch den Reichskommissar für 
die Festigung des deutschen Volkstums oder gar die SS zugun- 
sten der Unterbringung von Rasse-deutschen oder zur Beloh- 
nung bewährter Nazis kann keine Rede sein, da die vom Reichs- 
kommissar für die Festigung des deutschen Volkstums ausgeüb- 
te Beschlagnahme nicht geeignet war, Land zur Ansiedlung zu 
beschaffen oder Landwirte von ihren Höfen zu vertreiben. 

Aus diesem Grunde ist auch durch den Reichskommissar für 
die Festigung des deutschen Volkstums jedwede Eigentum über- 
tragende Ansiedlung unterblieben. Es wurden lediglich bereits 
vorhandene Treuhänder auf verwaisten Höfen durch solche aus 
den Reihen der Umsiedler ersetzt. " v ' ) 

Himmler, nunmehr auch Reichsinnenminister und 
Befehlshaber des Ersatzheeres, wollte den Reichser- 
nährungsminister bitten ", die Verwaltung von enteig- 
neten Gütern zu übernehmen und diese als "Siedlungs- 
grund für verdiente Soldaten des Krieges " aufzuteilen? 
Was sind das alles für irre Hirngespinste, zumal ange- 
sichts der katastrophalen militärischen Lage in der 
letzten Phase des Krieges und zusammengebrochener 
Fronten im Osten und Westen! 

Auch hierbei muß man erschrocken sein über die 
Unverfrorenheit jener, die dem deutschen Volk und der 
Welt einen solchen Text als authentisch servieren! 

Sippenhaft wurde hingegen nach der deutschen Nie- 
derlage im weitesten Umfang betrieben! Nicht nur da- 
durch, daß z.B. Alfried Krupp von Bohlen und Haibach 
anstelle seines greisen Vaters Gustav angeklagt, verur- 
teilt und bis 1951 inhaftiert wurde. Vor allem die 
unvorstellbaren Vertreibungsverbrechen an der 
ostdeutschen Bevölkerung, die rücksichtslosen 
und rechtswidrigen Enteignungen jeglicher Ver- 
mögenswerte in der sowjetischen wie auch der 
westalliicrten Besatzungszone, die ganze Fami- 
lien ächteten und ins dauerhafte Elend stießen, 
der "Automatische Arrest" auch für Frauen, schließ- 
lich die jahrzehntelang nach Kriegsende unver- 
ändert anhaltende, ja verstärkt betriebene Greu- 
elpropaganda, -- alles dies sind das ganze deut- 
sche Volk in ständiger Sippenhaft haltende Ge- 
waltmaßnahmen der Siegermächte! 

25) IVTT Bd. IV, S. 250. 

26 ) j^ 6 XX1, S ' 670 ‘ ~ Pclckmann . Verteidiger der SS. Nürnberg am 


26 


Dokumente aus dem ÜS-Mikrofilm T 580, Roll 212 


Feldkommandostelle, den 5.9 . 1943 

^ Ver m erk- 

oc P* r Feichsführer-SS wünscht, daß beim Hauptamt 
bS- Gericht eine besondere Fürsorge stelle eingerichtet 
wird, welche ausschließlich dafür zu sorgen hat, dass 
m sämtlichen Strafsachen der SS - und Polizeigerichts- 
barkeit die Familie des Verurteilten keine Not leidet 
Der Reichs füh rer-SS ist gegebenenfalls bereit, für die 
Dauer von 3 Monaten nach Wegfall der Bezüge des Er- 
nährers für den Unterhalt der Familie aus Sonderkon- 
to-Mitteln zu sorgen. Die Hauptsache ist jedenfalls, daß 
Frauen und Kinder von Verurteilten keine Not zu lei- 
den haben. 

Dieserhalb soll ich mit dem Chef des Hauptamtes 
SS-Gericht persönlich Rücksprache nehmen. Dabei soll 
ich Gruf. Breithaupt auch im Aufträge des Reichsfüh- 
rers-SS eröffnen, dass dieser die SS- und Polizeigerich- 
te besser an den Zügel nehmen soll. 

2 . 

Wv. zur Fahrt nach München. 

handschriftlich gez. Bender 

SS-Obersturmbannführer 

handschriftlich ergänzt: Am 8/9. in München mit 
Gruf. Breithaupt mündlich besprochen - 9/9 Br. 


Der SS -Richter 
heim Reichsführer-SS und 
Chef der Deutschen Polizei 
Tgh. Nr. 220/43 Be/Wi. 

Feldkommandostelle, den 15.9.1943 
BjUIL: Unterstützung der Familien von gerichtlich bestraf- 
ten Angehörigen der SS und Polizei. 

fomg: Rücksprache zwischen Chef Hauptamt SS-Gericht 
und SS-Ostubaf Bender am 8.9.43 in München. 

An das 

Hauptamt SS-Gericht 

SS-Gruppenführer u . Generalleutnant der Waffen-SS 
Breithaupt 
München 

Sehr verehrter Gruppenführer! 

Unter Bezugnahme auf unsere obengenannte Rücksprache 
darf ich Ihnen nach neuerlichem Vortrag beim Reichsßhrer-SS 
folgendes milteilen: 

Der Reichsßhrer-SS wünscht, daß in Zukunft bei gerichtli- 
chen Verurteilungen von Angehörigen der SS und Polizei und 
bei Entfernung von hauptamtlichen Angehörigen der SS und 
Polizei aus diesen Verbänden im Disziplinarwege unter allen 


Umständen dafür gesorgt wird, dass die Familie des Betreffen- 
den keine Not leidet. Demzufolge hat der Reichsführer-SS fol- 
gende Anordnungen getroffen: 

1 . ) Innerhalb des Hauptamtes SS-Gericht wird eine beson- 
dere Dienststelle eingerichtet, welcher diese Unter stützungs- 
aufgabe übertragen wird. Das Hauptamt SS-Gericht wird damit 
dem Reichsführer-SS für die einwandfreie Durchführung der 
Unterstützungen verantwortlich. 

2. ) Die örtlichen Fürsorgeführer erhallen insoweit vom 
Hauptamt SS-Gericht unmittelbare Weisungen und sind diesem 
verantwortlich. Die näheren Vereinbarungen über diese Zu- 
sammenarbeit treffen die Chefs der R.u.S. -Hauptamtes und des 
Hauptamtes SS-Gericht umgehend. 

3. ) Unterstützung und Fürsorge für die Familie haben ein- 
zusetzen 

a) bei gerichtlichen Verurteilungen von Angehörigen der SS 
und Polizei, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob diese hauptbe- 
ruflich sind oder nicht und innerhalb der SS- und Polizeige- 
richtsbarkeit ab ge urteilt werden oder von anderen Gerichten, 

b) bei disziplinarischen Entfernungen aus der SS und Poli- 
zei, sofern es sich um hauptberufliche Angehörige dieser Ver- 
bände handelt. 

4. ) Grundsatz für die Fürsorge und Unterstützung ist, dass 
die Familie keine Not leiden darf. Die Bearbeitung dieser Fälle 
hat deshalb mit allergrößter Beschleunigung und in höflicher, 
menschlicher und anständiger Form zu erfolgen. Jede schema- 
tische oder bürokratische Bearbeitung hat unter allen Umstän- 
den zu unterbleiben. 

Die Fürsorge umfasst insbesondere beschleunigte Herbei- 
führung von gesetzlich begründeten Unterhaltszahlungen und 
der Zahlung von Unter stützungsbeiträgen durch die NSV oder 
andere Stellen, sofern Mittel vorhanden. Es gehört ferner hier- 
zu die Beschaffung einer geeigneten Arbeitsstelle. 

Sofern der notwendige Unterhalt unter keinen Umständen 
auf andere An beschaff werden kann, ist der Reichsführer-SS 
gewillt, aus Sonderkonto-Mitteln für die ersten 3 Monate nach 
Wegfall der Bezüge des Ernährers für die Familie zu sorgen. 
Das Hauptamt SS-Gericht prüft, ob diese Zahlung notwendig ist 
und macht dem Reichsführer-SS unter Berichterstattung ent- 
sprechenden Vorschlag. 

Ich wäre Ihnen dankbar, sehr verehrter Gruppenßher, wenn 
Sie mir über Ihre Vereinbarungen mit SS-Obergruppenführer 
Hildebrandt und über die von Ihnen gedachte Arbeitsweise 
diesenZentralstelle im Hauptamt SS-Gericht eine abschliessen- 
de Mitteilung zukommen lassen würden. 

Heil Hitler! 

Ihr sehr ergebener 

gez. Bender * 

SS-Stur mbannführ er . 


27 


Dokument aus dem GS-Mikrofilm 580, Roll 214 
- Vgl. auch Bundesarchiv: NS 7 / 394 - 


Der Reichsführ er -SS 

F eld- Kommando stelle. 27. August 1944. 

Sehr verehrter Parteigenosse Dr. Lämmer s! 

Auf meinen Vortrag hin hat der Führer genehmigt, dass die 
Hinterbliebenen der in den Volksgerichtshofverhandlungen 
Verurteilten des 20. Juli 1944 ihn ähnlicher Weise durch mo- 
natliche Gnadenzuwendungen vor dem Schlimmsten bewahrt 
und versorgt werden, wie vor 10 Jahren die Hinterbliebenen 
der Exekutierten des 30. Juni 1934. 

Ich habe mir dieser Aufgabe gemäss der in Durchschrift 
beiliegenden Vollmacht den SS-Obergruppenführer und Gene- 
ral der Waffen-SS Breithaupt betraut. 


Wegen der Zurverfügungstellung der Geldmittel, die ich 
einstweilen vorstrecke, darf ich zu gegebener Zeit an Sie heran- 
treten. Vielleicht haben wir auch noch Gelegenheit, mündlich 
über diese Fragen zu sprechen. 

Heil Hitler! 

Ihr 

sehr ergebener 
gez. H. Himmler 

1 Anlage 

F.dJi. handschriftlich gez. Brandt 
SS-Standartenführer 
SS-Standartenführer Bender z. Ktsn. 


Stellungnahme zu den "Einsatzgruppenberichten" 


Neben unzähligen "Zeugenaussagen" vor sowjeti- 
schen oder alliierten Militärtribunal-vertretem in Nürn- 
ber wurde in den Anklagen und Verurteilungen gegen 
deutsche Offiziere und Einsatzgruppcn-Angehörige den 
sogenannten Einsatzgruppenberichten” ein besonde- 
rer Dokumentationswert zugemessen. Die Ziffern von 2 
-2'/z Millionen erschossener Juden ab 22. Juni 1941 bis 
Ende 1942 fußen allein auf diesen Papieren, die im 
Aktenbestand des RS11A (Reichssicherheitshauptam- 
tes) gefunden worden waren. 

Für die historische Forschung ist daher sehr we- 
sentlich, zu prüfen, wie es um den Dokumentations- 
wert dieser Papiere bestellt ist. 

Der Verfasser hat im Bundesarchiv Koblenz diese 
Einsatzgruppenberichte eingesehen und sie als im 
wesentlichen authentisch befunden, wobei allerdings 
bei zahlreichen dort angegebenen Zahlen das nachträg- 
liche Einschieben von Nullen oder auch Veränderun- 
gen von Ziffern vermutet werden muß. Um eine exakte 
Bestätigung hierfür zu erlangen, bedarf es wissenschaft- 
licher Laboruntersuchungen, die der prüfende Histori- 
ker im Lesesaal eines staatlichen Archivs weder vor- 
nehmen darf noch kann. 

An diesem Beispiel zeigt sich erneut die besondere 
Verantwortung der Bundesregierung: sie hätte bereits 
seit 1 949 als eine ihrer ersten Aufgaben die Authentizi- 
tät aller jener Deutschland belastenden Dokumente 
mit kriminaltechnischen und wissenschaftlichen Me- 
thoden überprüfen müssen! Das ist unseres Wissens 
bisher in keinem einzigen Fall geschehen! Im Gegen- 
teil! Der Historiker stellt allerorten fest, daß jegliche 
Unterlagen, ganz gleich, mit welchem Schwachsinn sie 
inhaltlich auch angereichert sein mögen, amtlich als 
hochwillkommen gefördert werden, sofern sie gegen 
den Nationalsozialismus bzw.'das Dritte Reich ver- 


wendbar sind! Diese Grundsatzhaltung der Dokumen- 
tenlage gegenüber kennzeichnet - abgesehen von aller 
sonstigen Kritiklosigkeit gegenüber den Anschauun- 
gen, Maßstäben und Zielsetzungen der allierten Freun- 
de - die Struktur von Moral und Recht, in die man seit 
1945 die deutsche Politik eingebettet hat und die nur 
einen Bewertungsspielraum für die vorgegebenen In- 
teressen der Siegermächte zuläßt. 

Auch für die Einsatzgruppenberichte gilt im übri- 
gen, was grundsätzlich für alle Beweise mittels Papier 
(Schreibmaschinenseiten, Drucke, vielfach sogar Hand- 
schriften) zutrifft: ihr Inhalt muß durch Nachweise 
anderer Art (Funde am Tatort, technisch und logistisch 
mögliche Voraussetzungen u.a.) bestätigt werden kön- 
nen. 

So ließe sich z.B. die Richtigkeit der Feststellung in 
der Ereignismeldung UdSSR Nr. 90 der Einsatzgruppe 
B vom September 1941 (A 1 - B Nr. 1 B/41 - g Rs) 
vielfach überprüfen:* 75 

" ... 11. Nachrichtendienstliche Tätigkeit 
1a) Im Anschluß an die militärischen Operationen der Hee- 
resgruppe Mitte auf ihren nördlichen und südlichen Flügeln 
konnte in der Berichtszeit erstmalig auch das Gebiet von Weli- 
ki-Luki einerseits und Gomcl Tschernigow andererseits 
nachrichtendienstlich bearbeitet werden. Der einheitliche 
Gesamteindruck von diesen im Zuge der neuen Operationen 
besetzten Städte ist der. daß in einem viel stärkeren Maße als 
bisher eine planmäßige Evakuierung durch die Sowjetrussen 
vorbereitet und auch tatsächlich durchgeführt worden ist. 

Besonders auffallend ist die Tatsache, daß in diesen Städ- 
ten, von denen b esonders Gomel und Tschernigow vorher eine 

27) Z-B. durch Stalins Befehl zur Strategie der ' vcibranntcn Erde” unmittelbar 
rach Kncgsbcginn, zahlreiche sowjetische Veröffentlichungen über die 
weitgefächerte Evakuierung von Betrieben. Wirtschaftsgutein. rollendem 
Matcnal und Bevölkerungen; oder: Walter H. Sarming, "Die Auflösung 
des osteuropäischen Judentums". Tübingen 1983. 


28 




Otto Ohlendorf, 
Einsatzgruppe D 


Letter der 


Arthur Nebe, Chef der Kriminalpolizei, 
General der Waffen-SS, Befehlshaber 
der Einsatzgruppe B bis Ende Okt. 1941 


recht beachtliche jüdische Einwohnerschaft 
hatten - Gomel zß. von 100.000 Einwoh- 
nern 50% Juden — kaum noch ein Jude anzu- 
treffen ist. Wie festgestellt werden konnte, 
sind die Juden bei der bereits vor Wochen 
begonnenen Evakuierung der Bevölkerung 
bevorzugt evakuiert worden, wobei die kom- 
munistische Propaganda darauf hinweist, daß 
alle Juden sofort nach Besetzung der Stadt 
durch die Deutschen erschossen werden wür- 
den. 

Für Gomel war als Stichtag für die Eva- 
kuierung der 6. Juli angesetzt. Es wurden 
zunächst die Juden, die kommunistischen 
Funktionäre sowie die qualifizierten Arbeits- 
kräfte evakuiert. Gleichzeitig begann dann 
die planmäßige Fortschaffung aller wesentli- 
chen Betriebe mit ihrer Belegschaft. Soweit 
bekannt, ist die Evakuierung vor allem in 
Richtung Moskau, zum kleineren Teil auch in 
die Ostukraine erfolgt. In einzelnen Fällen 
ist die Evakuierung sogleich bis nach Sibi- 
rien durchgeführt worden. 

Die in den Städten zurüc.kbleibende Bevölkerung, die sich 
der Evakuierung zu entziehen suchte, war meistens starken 
Bedrückungen durch die Rotarmisten ausgesetzt, wobei, wie in 
Gomel, die Rotarmisten bewohnte Häuser in Brand steckten. 
Die Einwohner, die sich der Evakuierung zu entziehen suchten, 
flüchteten daher in die umliegenden Dörfer und Wälder, von 
wo sie jetzt nach der Besetzung der Städte allmählich zurück- 
kehren. An Wirtschaftswerten ist von den Roten Truppen fast 
alles, soweit es nicht schon vorher evakuiert worden war. ge- 
plündert oder zerstört worden. In Weliki-Luki haben die Bol- 
schewisten sogar die Eisenbahnschienen und -schwellen ent- 
fernt. 

Der Verteidiger für den Angeklagten Paul Blobel, 
Dr. Willi Heim, hat in seinem Closingbrief vom Januar 
1948 über Herkunft und Fehlerquellen der Einsatz- 
gruppenberichte u.a. ausgeführt: 2 * 

"Es soll und kann nicht bestritten werden, daß es sich bei 
den vorgelegten Dokumenten um echte Beweisstücke handelt, 
die tatsächlich vom RSHA abgefqßl worden sind. Das schließt 
aber die Feststellung nicht aus, daß die berichteten Tatsachen 
nicht der unlx’dingten Wahrheit entsprechen müssen. Und tat- 
sächlich haben auch fast alle bisher im Zeugenstand unter Eid 
vernommenen Angeklagten diese Ereignismeldungen und La- 
geberichte des RSIIA als höchst unzuverlässig, ungenau und 
fehlerhaft bezeichnet ; und zwar nicht nur in bezug auf die 
Zahlen, sondern auch in bezug auf den Inhalt und die Einzelfor- 
mulierung. ...(S. 2) 

Die als Anklagebeweisstücke vor gelegten Berichte wurden 
von dem Referat IV A I - Kommunismus, Kriegsverbrechen 
und Feindpropaganda - des Amtes IV im RSHA in Berlin 
hergestellt. Referat IV A 1 war bis etwa Ende April 1942 die 
Sammel- und Auswertungsstelle aller Meldungen und Berichte 
der in Rußland tätigen Einsatzgruppen. Die beim RSHA einlau- 
fenden Originalberichte wurden in fast täglicher Berichterstat- 
tung — nahez u 200 Exemplare von Juli 1941 bis April 1942 — 

28) Rep. 501 XXVI P. 9. V S. 83 - 84. - Staatsarchiv Nflmberg. 

29) KV- Prozesse Fall 9, E 6. Rep. 501 XXVI, Staatsarchiv Nürnberg. 


zu den sog. Ereignismeldungen UdSSR zusammenge stellt. Die 
mit der Bearbeitung der Ostberichtc beschäftigten Personen 
waren der Referatsleiter Linden und als Mitarbeiter Dr. Kno- 
bloch und Fumy. Nach Berlin berichteten lediglich die Einsatz- 
gruppen und zwar auf dem Funk- oder schriftlichen Wege. Die 
Berichte der Einsatzgruppen, die an das Referat IV A 1 zur 
Auswertung gelangten, waren sowohl solche der Sachgebiete 
III ( Lebensgebiete ) als auch IV ( Exekutive ). 

Schon dieser Umstand, daß das Spezialistenreferat der Exe- 
kutive im RSHA (IV) damit gezwungen war, ihm völlig fremde 
und zudem noch äußerst umfangreiche Gebiete mitzubearbei- 
ten. mußte zu Unzulänglichkeiten und Mängeln führen. Dazu 
kommt, daß das Referat IV A I mit seiner geringen Personalbe- 
setzung einer derart umfangreichen zusätzlichen Aufgabe nicht 
gewachsen war und außerdem die technischen Mittel fehlten, 
die es gestattet hätten, im Zweifelsfalle eine Karte zu Rate zu 
ziehen oder bei der berichtenden Stelle Rückfrage zu halten. 

Als weitere Fehlerquelle kann die Unzulänglichkeit der 
Nachrichtenverbindungen nicht unerwähnt bleiben. Die Stand- 
orte und Einsatzräume waren von Berlin vielfach weit über 
1.000 km entfernt und die Übermittlung dadurch bedeutend 
erschwert. Es ist richtig, daß ein Bericht mittels Funkspruch 
oder Kurierweg deshalb seinen Inhalt nicht verändern wird, 
weil er um mehrere hundert km weiter gesendet wird oder 
vielleicht 2 Wochen länger unterwegs ist. Das Entscheidende 
ist hier aber, daß Fehlerquellen bei Funksprüchen erfahrungs- 
gemäß nicht völlig auszuschallen sind und daß die Beförderung 
schriftlicher Meldungen den Zufälligkeiten von mehr oder we- 
niger rasch funktionierenden Verkehrsverbindungen in erheb- 
lichem Maße ausgesetzt ist. 

Der dadurch bedingte unregelmäßige Eingang der Berichte 
maßte zü bemerkenswerten Überschneidungen und Entstellun- 
gen führen. Dabei bestand auch die Möglichkeit, daß Berichte 
durch Funkspruch und die gleichen Berichte später nochmals 
durch Kurier eintrafen. Die Beweisaufnahme hat mehrfach Bei- 
spiele dafür aufgezeigt, daß Berichte mit späterem Datum frü- 
her erfaßt wurden als Berichte, die infolge einer längeren 


29 


" 5 ' VerSPä “' ^ K ~ HrAu^rzung^lU ge - 

J, m , 7 r fe> *?' l l “* r ““ an «ewa/ verwerten und 
jedenfalls stets die höhere. Keineswegs durften die Einsatz- 

sHd P Z T ‘Z en Kommandos “Hecht abschneiden, denn 
schließlich wurden die Berichte im RSIIA auf Befehl Heydrichs 

ZIZZIZZ u aß J de,ar,iB ‘ "“Häuslichkeiten die Be- 
weiserhebhchkeit der daraus resultierenden Dokumente we- 
sentlich einschränken, sollte augenscheinlich .sein. 

Aber auch ein psychologisches Moment darf dabei nicht 
berschen werden. Diese unzureichenden Bedingungen die 
endlich im April 1942 zu einer grundlegenden Änderung in der 
Auswertung der Berichte führten, waren den Sachbearbeitern 
durchaus bekannt. Kann es dabei Wunder nehmen, daß diese 

n en mit völliger Klarheit, daß doch nur eine halbe Sache hm - 
zustellen war, einfach resignierten? Ein Risiko, daß sachlich 

^entnr^^ “*****'*''”* ^Wirkungen 
entstehen konnten, gingen sie ja ... nicht ein, Rußland lag weit 


emtreffenden Berichte auszuwerten, beklagte jedoch 
sogleich den Arbeitskräftemangel, die auf 'Vereinfa- 
chung abzielenden organisatorischen Änderungen und 
die damit verbundene "immer größer werdende Flüch- 
tigkeit in der Sachbearbeitung". 

In der allerersten Zeit war es überwiegend so, daß der 
AmtschefN, Müller, das gesamte Material selbst überarbeitete 
und die Einzelstücke mit seinen üblichen kurzen Anweisungen 
versah. Die ersten vom RSf/A jeweils gebrachten Ereignismel- 
dungen UdSSR sind von ihm selbst verfaßt oder zum mindesten 
nach seinen genauen Anweisungen zusammengestellt worden. 
Auch später hat Müller sich gerade dieser Berichte sehr ange- 
nommen und selbst nicht selten ganz wesentliche Abänderun- 
gen darin vor genommen. Er hat dabei auch - wie man im Lauf 
er Ae U feststellen konnte - immer politischen Spannungen 
Rectmung getragen, indem er Meldungen, die eine andere ober- 
ste Reichsstelle belasten oder erfreuen konnte, je nach der au- 
genblicklichen Situation besser her aus gestellt oder ganz gestri- 
Chen * . . * 


. Wer He Meldungen überprüfen und wer soll 

sic h beschweren? Drille hauen keinen Einblick, und der F.ü 
Saugruppenführer mü seinen Kommandoführern haue andre 

deZZ ,7 w ' "" ihnc " '‘nen Gefalle, 

denn bei Beförderungen und Ordensverleihungen sollte kein, 

zu kurz kommen. Aber an sich gleichgültig, welche Motive ein, 
ZT r* Brr,ch ‘"'‘a"ung auch gewesen sein mochten: fr 

H f‘ m Zi ‘ iert Vc rlauf seiner weiteren Ausfall 

Stäb 8 mh^r°H p Urmbannrührer Dr H » ff ">«>nn 
von Dr R K . E,n “ te * r “PP« C und Stellvertrete 
p°" ° r Ra9ch - der hauptsächlich die Berichte jene 

Ä* " ! UCh der An * ekla gte Paul Blobe 

Hoffman 1 "“a naCh J verfaBt hat Weser Dr 

Hoffmann wurde von den Angeklagten durchgängig ah 

Zrh™?, ‘ eer ’ U Z aufrich “8* r ünd maßlos ehrgetei 

Tr oen TZ , r , S Z Chi i der ‘- d ' rzud *m wegen seiner In 
Ingen überall gefürchtet war". (S. 12) Dieser Dr. Hoff 

e m nt «": U n rd llf^ 8Päterhin 8US der Sicherheitspolizei 
entlassen. Ähnliche menschliche Unzulänglichkeiten 

eTsUmerT^ f f, d ! e . übri « e " Einsatagrup^n-bericht- 
erstatte r zu berücksichtigen haben. 

Beaehtlich bei aUem bleibt, daß die Original- 

“" Ben T RUßland “ icht vorhanden sind, 
sondern nur das. was man im Amt IV A 1 in Berlin 
daraus gemacht hat. Somit ist eine Überprüfung die- 

nnd » 8 t" ® m ?* te 1 ,nit den Originalen nicht möglich, 
und es erhebt sich die Frage, inwiefern haben nicht 
hier wie dort womöglich "heimliche Widerstandskämp- 
fer etwas m die Papiere geschmuggelt, um dem Kem- 
me zu schaden, sich selbst aber im Falle eines negati- 
ven Kriegsverlaufs bei den Siegern einen "Persilschein" 

ben Z w n sth S ° lcherart Wid <*stand geleistet zu ha- 
ben hat sich sogar ein Staatssekretär im Auswärtigen 

A p “?” e " s Ernst von Weizsäcker gerühmt. 

Rudolf Fumy, Kriminalrat im Referat IV A 1 des 
RSHA ergänzte am 23. Oktober 1947 im Gefangenenla- 

unter Eid b / r8 R d,e ‘T“ 8 geschilderten Sachverhalte 
unter Eid. Zu Beginn des Rußlandfeldzuges hatte er die 


Der Anfall von Meldungen war erdrückend groß. Die zur 
Durcharbeitung zur Verfügung stehende Zeit war in den selten- 
sten Fallen ausreichend; meistens war es so. daß nur eine ganz 
fluchtige Sichtung und /Msammenstellung des vorliegenden 
Berichtsmaier ials möglich war. Der Umfang der Berichterstat- 
tung war auf einige Seiten begrenzt. Bei großem M ater ialanf all 
mußten also die Meldungen zusammengestrichen und unterein- 
ander verbunden werden. Alle diese Umstände lassen es erklär- 
lieh ansehen daß für die Richtigkeit der >1 Ereignismeldungen « 
keine Gewahr gegeben werden konnte. Mehrfach hat es auch 
z B wegen Darstellungen, die von den berichtetenden Stellen 
als falsch bezeichnet wurden, schwere Auftritte gegeben. Bei 
™ lc ™ n Anlässen wurde der Amtschef jedesmal auf die Unhalt- 
baren der Berichterstattung aufmerksam gemacht. Es wurde, 
darauf hingewiesen, daß es mitunter 2 - 3 Wochen dauert, bis 
eine Meldung, die auf dem Kurierweg vor gelegt wurde, ins Amt 
kam. daß Funksprüche und Fernschreiben so und so oft ver- 
stümmelt ankamen, daß es arbeitsmäßig unmöglich sei, das vor- 
hegende Material in einem Zeitraum von 1 oder 2 Stunden 
(mehr stand so und so oft nicht zur Verfügung) in der richtigen 
Reihenfolge und ohne andere redaktionelle Mängel in einen 
Bericht zusammenzubauen, daß bei der Hetzerei beim Diktieren 
oder Abschreiben Fehler unterlaufen .... 

Viete Unstimmigkeiten und Unklarheiten entstanden bei 
russischen Bezeichnungen ... 

Der Vollständigkeit halber muß ich erwähnen, daß vielfach 
aktuelle Kurzmeldungen mit der Weisung zur Aufnahme in den 
nächsten Informationsbericht versehen waren, die bei näherer 
Überzeugung unmöglich dem tatsächlichen Sachverhalt ent- 
sprechen konnten oder unrichtig erschienen. Mangels einer 
Möglichkeit der Nachprüfung mußten sie daher im gleichen 
1 ext wiedergegeben werden. 

Abschließend ist festzustellen, daß die »Informationsberich- 
te« in Einzelheiten nicht als eine genaue Darstellung der richti- 
gen Ereignisse gewertet und auch nur in ganz beschränktem 
Umfang- als wörtliche Wiederholung der Ursprungs berichte 
anzusehen sind ." M) 


M> 5o V , xx^P j F4jl 9 ' Dot ° hlcnd0rf Nr ‘ 32( Dok " Buch ,a S - 20 - 23 * R <* 


30 



Interessant in diesem Zusammenhang ist die Feststellung, daß die "Quellenüberlieferung" , sprich "Beweislage" 
über die Tätigkeit der Einsatzgruppen "fast ganz etwa zugleich mit dem Aussetzen der » Ereignismeldungen 
UdSSR« im April 1942 versiegt. ... 

Die gängigen Opfer-Bilanzen basieren fast alle auf den SS-Zählungen, nicht etwa auf hieb - und stichfesten 
statistischen Erhebungen, die von ordentlichen Behörden in der Nachkriegszeit vorgenommen worden wären. " 3a 


Verteidiger Dr. Laternser 


Verteidiger Dr. Laternser zitierte in seinem Plädo- 
yer für Generalfeldmarschall Albert Kesselring Pre- 
mier Winston Churchill, dessen Krieg gegen Deutsch- 
land schon 1914 begann und bis 1945 andauerte: 31 * 

"Die Truppen und die Polizei trugen die Schmerzen des 
Meuchelmordes, für den naturgemäß kaum jemand vor Gericht 
gestellt wurde, lange Zeit mit außerordentlicher Geduld. Aber 
schließlich führte sie ihre Wut und Verzweiflung dazu, das 
Gesetz in ihre Hände zu nehmen. Soldaten, deren Kameraden 
ermordet wurden, zerstörten Geschäfte und Wohnungen von 
Personen in der Nachbarschaft des Verbrechens, und die Poli- 
zei übte hier und dort unautorisierte Vergehung gegenüber 
verdächtigen Personen, Eine große Zahl von Leuten in Eng- 
land, die keinerlei Gefahr ausgesetzt waren, waren angesichts 
solchen Verhaltens offensichtlich geschockt. Doch wird es immer 
sehr schwierig sein, bewaffnete Einheiten von Männern zu 
ül>erreden, passiv zu verweilen, wenn sie über lange Zeit einer 
nach dem anderen gejagd und ermordet werden." 3 * 

Churchills Worte bezogen sich freilich auf britische 
Soldaten, die einem hinterhältigen Kampf in Irland 
ausgesetzt waren. Doch Laternser folgerte: 

"Wenn so etwas unter Soldaten vorkommt, die eine Auslese 
darstellen und ein friedliches Hinterland hinter sich wissen, um 
wieviel mehr sind Affekthandlungen dieser Art bei Männern zu 
erwarten, die durch ständige Hiobsbotschaften aus der Heimat 
schwerstem seelischen Druck ausgesetzt sind? In der Zeit, in 
der die behaupteten Ausschreitungen vor gekommen sein sollen, 
halle der Luftkrieg mit dem Angriff auf Dresden und seinen 
200.000 Toten innerhalb 4$ Stunden seinen Höhepunkt zwar 
noch nicht erreicht. Es waren aber immerhin schon Großan- 
griffe auf Hamburg, Wuppertal, Düsseldorf, Köln usw. erfolgt 
und halten innerhalb weniger Stunden ganze Stadtviertel ver- 
nichtet und Zehntausende von Frauen und Kindern einem schreck- 
lichen Tode überantwortet. Täglich trafen I rauer nachrichten 
lyei der Truppe ein. Bald waren einem Soldaten Frau und 
Kinder, bald die Eltern oder Geschwister getötet worden. Ist es 
daher zu verwundern, daß diesen Männern unter dem Druck 
solcher Nachrichten manchmal die Nerven durchgingen, wenn 
sie ihre Kameraden aus dem Hinterhalt erschossen vor fanden? 
Wer so Schweres erleben muß, wie damals die deutschen Solda- 
ten, dem darf man es wohl nicht allzu hoch anrechnen, wenn er 
bei Schüssen aus dem Hinterhalt nicht immer den Befehl von 
oben zur Richtschnur seines Verhaltens macht, und wenn er das 
tut, was ihm im gegebenen Augenblick gerade richtig erscheint. 
So etwas kann kein Oberbefehlshaber verhindern, und so. wie 

31) Churchill betrachtete den Zweiten Wcltkncg als "30jährlxen Krieg gegen 
deutschen Angriff, beginnend mit dem Jahre 1914”.- "Schriftwechsel 
zwischen Roosevelt. Churchill und Stalin 1941 - \945~. Moskau 1957 

Bd. I, S. 204: Schreiben OiurchiUs an Sulm vom 27.2 1944 

32) Winston Churchill. "The World Crisis. The Aftermath*. London 1924 


man für die Ereignisse in Irland keinen der britischen Ober- 
kommandierenden verantwortlich machen konnte, so läßt sich 
Feldmarschall Kesselring mit ihnen nicht bclasten.." M) 

Rechtsanwalt Laternser an anderer Stelle vor dem 
Nürnberger Militärtribunal: 

"Die russischen Anweisungen für den Partisanenkrieg sind 
hierfür ein deutlicher Beweis. Die Partisanen konnten infolge- 
dessen die Schutzbe Stimmung der Artikel I und 2 der Haager 
Landkriegsordnung nicht für sich in Anspruch nehmen. Durch- 
greifende deutsche Gegenmaßnahmen in der Form von Repres- 
salien waren somit 'durch die Erfordernisse des Krieges er- 
heischt’. So wurden deutscherseits 1942 und in einer Neuausga- 
be von 1944 entsprechende Vorschriften für die Partisanenbe- 
kämpfung herausgegeben. Auch die sonst hierzu erlassenen 
Befehle, in denen von 'schärfstem Durchgreifen' oder der 'Ver- 
nichtung des Gegners', d.h. der Vernichtung seiner Kampfkraft 
gesprochen wird, waren die Folge der heimtückischen Kamp- 
fesweise der Partisanen: sie meinten nur militärisch erlaubtes 
scharfes Durchgreifen, nicht aber Grausamkeiten und Willkür. 
Daß sich Ausschreitungen auch der deutschen Truppen in Ein- 
zelfällen ereigneten, war eine unvermeidbare Reaktion auf be- 
stialische Ermordungen deutscher Soldaten. 

Wenn die Anklage darüber hinaus behauptet, daß die militä- 
rischen Führer den Partisanenkampf dazu benutzt hätten, die 
Zivilbevölkerung der besetzten Gebiete auszurotten, so entbehrt 
diese Behauptung jeder Grundlage."*® 

"Die Meldungen über angeblich durchgeführte Erschießun- 
gen sind im übrigen in keiner Weise ein zuverlässiges Beweis- 
mittel dafür, daß Kommissare nach ihrer Gefangennahme auch 
tatsächlich erschossen worden sind. Die Anklagebehördc hat 
nicht einen einzigen Fall einer Erschießung eines Kommissars 
auf Grund des Kommissarbefehls bewiesen. Die von der Ankla- 
gebehörde vorgelegten Meldungen beziehen sich zum Teil auf 
Kommissare, die im Kampf gefallen waren und die man. um der 
angeordneten Berichtspflichi nachzukommen, als erschossen 
meldete. Ich habe dies für die in der Sammelmeldung des 
XXXIX Armeekorps vom 16.11.1941 als erschossen gemeldeten 
22 Kommissare durch das Affidavit des General v. Natzmer 
bewiesen. Ganz allgemein ist diese Übung, im Kampf gefallene 
Kommissare als erschossen zu melden, durch die Aussage der 
Zeugen Oberst Jessel und General v. Gersdorff bestätigt wor- 
den. Ab Ic-Bear beiter der Heeresgruppen Nord bzw. Mitte 
warm diese beiden Zeugen die Sachbearbeiter, die für die in 

33) Uwe Backe. Eckhard Jesse. Rainer Znehnann (Hrsg.). "Die Schatten der 

Vergangenheit", Berlin - Frankfun/M 1990, S. 404 + 415, Beitrag Hans- 

Heinrich Wilhelm “Offene Fragen der Holocaustforschung'. 

34) Hans Laternser. "Verteidigung deutscher Soldaten", Hamburg 1950. S. 102 - 

103 

35) IMT, Bd. XXII, S. 94 


31 


F'age stehenden Meldungen zuständig waren. 

Der zweite Umstand, der diese Meldungen als Beweismutei 
für die Erschießung von Kommissaren wertlos macht, liegt 
darin, daß die angegebenen Zahlen zum anderen Teil frei erfun- 
den waren. Auch dies ist durch die Aussage des Oberst Jessel 
bewiesen. Es waren Fantasiezahlen, die als solche von den 
Sachbearbeitern bei den Vorgesetzten Dienststellen gewertet 


wurden. Man kam mit ihnen formell der Berichtspflicht nach 
und verdeckte durch sie die stillschweigende Sabotage des 
Kommissarbefehls, an der alle Dienststellen einschließlich des 
OKU beteiligt waren. Oberst Jessel hat geschildert. wie derar- 
tige Zahlen mit den der Heeresgruppe unterstellten Dienststel- 
len regelrecht aus ge handelt wurden."™ 


Verteidiger Dr. Horst Pelckmann 


Am 20. + 21. August 1946«' hat Dr. Pelckmann als 
Verteidiger der SS - obgleich er gravierende Anklage- 
punkte der Militartribunalrichter, wie z.B. die Kriegs- 
schuld Hitlers u.a. übernahm - in seinem Schlußplädo- 
yer Sachverhalte vorgetragen, die vom IMT negiert 
wurden und seitdem der Vergessenheit anheimgege- 
ben sind. Sie sind jedoch von der Geschichtsforschung 
wieder aufzugreifen. Daher sei auszugsweise erwähnt: 

(1) Dok. SS-80, 81 + 82 belegen, daß weder SA noch 
SS Waffen oder WafTenausbildung oder sonstige militä- 
rische Schulungen erhalten hatten. Die Reichsregie- 
rung hatte am 16. April 1934 der britischen Regierung 
eine Kontrolle über diesen Sachverhalt angeboten. Bis 
Kriegsbeginn hat sich daran nichts geändert. Dienst- 
grade der Allgemeinen SS wurden in der Wehrmacht 
nicht anerkannt. Militärische Planspiele, taktische 
Erörterungen u.ä. waren verboten. In einem Führerer- 
laß vom 17. August 1938 ist festgelegt, daß die SS als 
eine politische Organisation der NSDAP keine militäri- 
sche Gliederung sei, unbewaffnet bleibe und im Kriegs- 
fall nach den Bestimmungen des Wehrgesetzes, d.h. für 
die Wehrmacht zur Verfügung stehe. 

(2) An Ausschreitungen des 9. November 1938 war 
die SS nicht beteiligt, Himmler hatte nach Kenntnis- 
nahme jener Vorgänge sofort Befehl erlassen, alles zu 
tun, um jüdisches Eigentum zu schützen. (S. 391 - 392) 

( 3 ) Dok SS-84 weist nach, daß die SS-Verfugungs- 
truppe und die SS-Totenkopfverbände nicht zur Allge- 
meinen SS, zu der jemand außerhalb seines Berufes 
freiwillig beitreten konnte, gehörten; deren Angehörige 
waren Staatsangestellte, ihr Dienstherr der Reichsin- 
nenminister. (S. 383) 

( 4 ) Die Dok. SS-8, 9, 10, 11, 42 weisen nach: Die 
Waffen-SS Angehörigen wurden stets darüber belehrt, 
anständig, ritterlich za kämpfen, sich keiner strafba- 
ren Handlung in F eindesland gegenüber der Zivilbevöl- 
kerung schuldig zu machen, das internationale Kriegs- 
recht einzuhalten und die Kriegsgefangenen sowie Ge- 
fallene zu achten. 

Die Masse der SS-Angehörigen kann nur von einem guten 
Verhältnis zur Zivilbevölkerung der besetzten Gebiete berich- 
ten. ln keinem Affidavit wird von der Beteiligung der SS an der 
Aussiedlung oder an Verschleppungen zur Sklavenarbeit ge- 
sprochen." (S. 409 ) 

Dr. Pelckmann legte dem Tribunal. 136.213 eides- 


stattliche Versicherungen von Waffen-SS Angehörigen 
aus zahlreichen west-alliierten Internierungslagern vor, 
in denen mehr oder weniger ausführlich zu den Ankla- 
gekomplexen der Siegermächte Stellung genommen 
worden ist. Die zusammenfassenden Auswertungen be- 
nannte Dr. Pelckmann als Dok. SS-119 - 122. ' 

Diese Stellungnahmen sind seit Aushändigung 
an das Alliierte Militärtribunal verschollen, nir- 
gends, auch nicht in Auszügen publiziert. Unsere 
diesbezüglichen Erkundigungen in den Archiven 
blieben ergebnislos. 

Von diesen 136.213 Affidavits (S. 387) beschäftigten 
sich 55.303 u.a. mit der Schulung innerhalb der SS und 
bestätigten, daß keinerlei Anhaltspunkte Vorlagen, die 
auf eine verbrecherische Zielsetzung schließen ließen, 
weder auf einen Angriffskrieg noch auf Verbrechen 
anderer Art. Im Gegenteil seien die SS-Männer zur 
charakterlichen Sauberkeit, vorbildlichen Lebensfüh- 
rung und Kameradschaft erzogen worden. 

Die Rassenlehre war nicht auf Rassenhaß, schon 
gar nicht auf Vernichtung anderer Rassen aufgebaut 
gewesen. Kolonisierung oder Germanisierung war in 
keinem dieser Affidavits als Schulungsthema erwähnt 
worden. SS oder Waffen-SS waren damit auch nicht 
befaßt. 

Zur Frage der psychologischen Kriegsvorbereitungen be- 
stätigen 3.304 Affidavits, daß sic weder an Krieg gedacht noch 
geglaubt haben. Auf den J unkcrschulcn - wird in verschiede- 
nen Affidavits erklärt — wurde die Ablehnung des Krieges 
gelehrt, der eine sogenannte 'negative Auslese' schaffe . ... 

Über die Erziehung der SS-Männer berichten 2.674 Affida- 
vits. In 3.138 Affidavits wird versichert, daß Befehle gegen die 
Menschlichkeit ihnen nicht bekannt geworden sind, geschwei- 
ge denn gegeben wurden." (S. 407) 

(5) Einberufung zur Waffen-SS: 

Hinsichtlich der Einziehung zur Waffen-SS liegen 4.042 
Äußerungen vor. Davon 1.806 Volksdeutsche und 1.806 von 
anderen Wehrmachtsteilen oder Polizei zur Waffen-SS Versetz- 
te. also zwangsweise Kommandierte. Interessant ist die Frage 
der Zugehörigkeit zur Allgemeinen SS bei Waffcn-SS-Mitglie- 
dern. Die Leute der Waffen-SS sind nach dieser Statistik - es 
sind 246 Waffen-SS-Mitglieder - zur Waffen-SS eingezogen 
worden, und zwar durch das Wehrbezirkskommando, also durch 

die Bezirkskommandos der normalen Wehrmacht Bereits 

1939 nahmen Wehrbezirkskommandos zwangsweise Einziehun- 


36) IMT, Bd. XXI, S. 383 ff.. Nachfolgende -Seueaangabo, beziehen skh hinauf. 37) Hans Lauser. 'Vertagung deuuehe Soldaten". Bonn 1 950, S. 308. 

32 


gen zur Waffen-SS vor. .. Und ebenso Wehrbezirkskommandos 
nahmen Einziehungen zur Bewachung der Konzentrationslager 
vor durch Einberufung zur Waffen-SS. Weiter zwangsweise 
Übernahme von Mitgliedern des Reichsarbeitsdienstes zur Waffen- 
SS. Auf eine andere Art wurde die Konzentrationslagerbewa- 
chung seitens des Arbeitsamtes gestellt. Durch sogenannte Not- 
dienstverpflichtung brachte das Arbeitsamt die Leute zur Kon- 
zentrationslagerbewachung und von dort wurden sie zwangs- 
weise in die Waffen-SS übernommen." (S. 405 - 406) 

(6) Von einer Judenvemichtung, ’Endlösung’ und 
damit im Zusammenhang stehender Anklagethemen 
hatten die meisten, die sich dazu äußerten, keine Kennt- 
nis. Ein Judenreferat unter Adolf Eichmann kannten 


sie nicht; selbst die Angehörigen der Einsatzgruppen 
standen zu ihm in keinerlei Beziehung. Näheres zu die- 
sem Komplex kann ohne die Möglichkeit, diese Affida- 
vits einzusehen, hier nicht ausgeführt werden. Der 
Masse der SS-Angehörigen war jedenfalls die ihrer 
Truppe bzw. dem Nationalsozialismus zur Last geleg- 
ten Verbrechen vor der Kapitulation nicht bekannt. 

"Sie sagen das allgemein und sagen es aber auch in beson- 
derer Stellungnahme zu den allgemeinen Verbrechenskomple- 
xen." (S. 410) 

Wie sollte es auch anders gewesen sein, da allzu 
viele Vorhaltungen schlichtweg alliierte Propaganda- 
lügen waren? 


Verteidiger Dr. Rudolf Aschenauer 


Der Leiter der Einsatzgruppe D, Otto Ohlendorf 
verwies vor dem US-Tribunal Nürnberg auf Himm- 
lers strenge Eingrenzung der "nach genauen Ermitt- 
lungen festgestellten, die Sicherheit der Truppe gefähr- 
denden Elemente 

"Ich selbst habe bis 1941 hinein in einzelnen Fällen gehol- 
fen, wo z.B. Vertreter der IG-Farben an mich herantraten, um 
Schwierigkeiten bei der Staatspolizei zu überwinden, wenn sie 
beabsichtigten, auch sogenannte Geheimnisträger zur Emigra- 
tion zu bringen. Und mir Lu bis zuletzt durchaus gelungen, 
solche Unterstützungen durchzusetzen. So halte ich bei Beginn 
des Rußlandfeldzuges keinerlei Anlaß anzunehmen, daß mit 
dem I öl ungsbefe hl, den wir bekamen, in irgendeiner Form ein 
Beginn einer Ausrottung geplant oder durchgesetzt werden 
sollte. 

Ich habe während meiner Zeit in Rußland eine große Anzahl 
Berichte an den Chef der Sicherheitspolizei und des SD ge- 
sandt, in denen ich über die gute Zusammenarbeit mit der 
russischen Bevölkerung berichtet habe. Ich habe nie eine Bean- 
standung bekommen. 

Auch als Himmler Anfang Oktober 1941 in Nikolajew war. 
hat er weder Vorwürfe in dieser Beziehung erhoben oder mir 
entsprechend Weisung gegeben. Ich bin vielmehr überzeugt, 
daß, wo später solche Ausrottungspolitik betrieben worden ist. 
sie nicht auf Befehl zentraler Stellen erfolgt ist. sondern das 
Werk einzelner Personen war. ... 

Ich weiß aber ganz bestimmt, daß mir niemals irgendeine 
Liste von ausgesonderten Menschen Vorgelegen ist und ich 
niemals solche Listen nach der in diesem Dokument vorgesehe- 
nen Weisung 391 bestätigt oder abgelehnt habe. Ich habe niemals 
solche Listen gesehen“* 0 ' 

38) Vgl. hierzu die verschiedenen Aussagen der Angeklagten im Zeugensund 

- i>ok. Ohlendorf Nr. 32. Dok.- Buch I a, S. 20 - 24. - Rep. 501 XXVI P. 9 

S. 67 - 68 * 70. (Staatsarchiv Nürnberg) - Vgl. auch Historisch r Tatsa- 
chen Nr. 45 S. 19. 

39) Operationsbefehl Nr. 14 vom 29.10.1941 zur Durchkämmung von Kriegs- 
gefangenenlagern und Durchgangslagern nach Kommunisten und Partei- 
funktionären und deren Aussonderung. 

40) Rep. 501 XXVI P. 9 S. 65 - 84* 140- 140 a. 


Zu ergänzen ist, daß auch Ohlendorf in ausdrückli- 
chen Befehlen angeordnet hat, daß zur Schuldfeststel- 
lung nicht Verdacht genügen darf, sondern dem Ver- 
dächtigen Tat oder echte Gefährdung der Sicherheit 
nachgewiesen werden müssen. Einfache kommunisti- 
sche Parteimitglieder wurden nicht verfolgt, auch blie- 
ben örtliche Verwaltungsfachleute in ihren Ämtern. M) 

Verteidiger Dr. Rudolf Aschenauer ergänzte: 

"... Wenn der Auszug aus dem »Handbuch für General- 
stabsoffiziere- - vorgelegt im Dok.-Buch II Sandberger - be- 
sagt. daß der Ic der Armee der Gestapo befiehlt, so ist das die 
einfachste Feststellung ßr die Aufgabe und Stellung der Ein- 
satzgruppen und Einsatzkommandos im Rahmen der Heeresver- 
bände. Sie waren Hilfsorganisationen des Ic- Apparates dieser 
Verbände. 

Der Angeklagte Ohlendorf hat sich im Zeugenstand einge- 
hend darüber verbreitet. Die Schwierigkeiten, die er ßr die Zeit 
seiner Tätigkeit bei der 11. Armee geschildert hat, ließen klar 
erkennen, daß er gewertet wurde wie ein unterstellter Batail- 
lonskommandeur. . .. 

Hitler hat die Oberbefehlshaber der Heeresgruppen für den 
Rußlandfeldzug über alle Maßnahmen unterrichtet, die er ßr 
notwendig erachtete und in die auch die Tätigkeiten der Ein- 
satzgruppen einbezogen waren. Die vorgelegten Dokumente 
haben erwiesen, daß gerade auch der besondere Führerbefehl 
über die Tötung von die Sicherheit gefährdenden Elementen 
der Wehrmacht als Ganzem gegeben war. 

Niemals ist während der ganzen Beweisaufnahme auch nur 
einmal eine Situation zur Sprache gekommen, in der ein Ein- 
satzkommando oder die Einsatzgruppe D einen Initialivbefchl 
für eine konkrete räumliche Bereinigungsaklion durch Hey- 
drich bekommen hätte. ... Soweit während der Beweisaufnahme 
konkrete lnitiativbefehle zu Hinrichtungen zur Sprache gekom- 
men sind, waren es lediglich Befehle, die von der Armee an die 
Einsalzkommandos gegeben wurden.... 

Die Einsatzgruppen waren aus sachlichen Gründen vom 
Chef der Sipo und des SD aufgestellt und mit Fachkräften 
versehen. Sie waren aber aufgestellt, um den Heeresverbänden 
für ihre Aufgaben unterstellt zu werden. ... (S. 83 - 84) i0> 


33 


Die Exekution wird dadurch, daß sie allein aus einer Ereig- 
nismeldung vor gelegt wird, sachlich isoliert herausgestellt, d.h. 
aus dem sie begründenden Zusammenhang der tatsächlichen 
Ereignisse und Lage herausgenommen und zu einem einzigen 
Mittelpunkt und Zweck der Tätigkeit der Einsatzgruppen em- 
porgehoben. Es fehlt so die Umwelt, das Geschehen an der 
Front, die dauernde Gefährdung der Kommandoangehörigen, 
der deutschen Truppe und der friedliebenden russischen Bevöl- 
kerung durch Partisanen. Terroristen und Saboteure, die immer 
wieder gegebene Wahrnehmung des beherrschenden jüdischen 
Anteils an der sowjetischen Führung und im Partisane nt um. 
das immer wieder von der Bevölkerung an die Kommandoange- 
hörigen herangetragene Wissen um den beherrschenden An- 
teil des Judentums an der rücksichtslosen Durchsetzung des 
Kommunismus in Rußland und an den Massenliquidierungen 
der Kulaken, Eigentümer und Intelligenzler. Ebenso fehlt das 
tatsächliche Bild der Gesamitätigkeii der Einsatzkommandos, 
das überwiegend auf eine positive Befriedung der russischen 
Räume gerichtet ist, aufbauende und fördernde Maßnahmen für 
die Bevölkerung umgreift. Diese ausschnittweise geführte Do- 
kumentation verzerrt so also häufig das Kernproblem der ur- 
sprünglichen Berichterstattung und verhindert auch. Fehler in 
den Einzelheiten aus dem Gesamtzusammenhang zu erkennen 
... (S. 98) 

Es ist weiter von Bedeutung, inwieweit bei den Angeklagten 
bereits vor Kriegsausbruch ein Bild der Zusammenarbeit des 
russischen Judentums mit dem Bolschewismus entstanden war 
und sich dann in dem Raum ihres Einsatzes in Rußland bestätig- 
te. 


Durch historisch-soziologische Rußlandforschung ist im Laufe 



"Kinder von Kamin-Kashirsk, Junge Partisanen; rechts der 
später bekannt gewordene Yaakov Shuster Tel Aviv. " 

Jack N'usan Porter. "Jcwish Partisans - A Documenta ry of Jewish Resistan- 
ce the Soviel Union Dünn* World War II". Vol. II. Univerrity Press of Ameri- 
ca. Inc. Lanham, MD 20706 USA. 1982 - in Zusammenarbeit mit Yad Vashcm 
Memorial Institute Jerusalem. 

"Einen beträchtlichen Anteil an der Verteidigung der UdSSR 
kann dem sowjetischen Judentum zugeschrieben werden. Es ist 
Tatsache, daß 123.822 jüdischen Soldaten und Offizieren militäri- 
sche Orden und Titel verliehen wurden und 105 Juden für ihre Tap- 
ferkeit und ihr Heldentum gegen die deutschen Eindringlinge die 
höchste Auszeichnung » Held der Sowjetunion - erhalten haben. 
Verglichen mit der Zahl der Soldaten, denen Auszeichnungen ver- 
liehen wurden, rangierten die Juden am 4. oder 5. Platz nach den 
Russen, Ukrainern und Weißrussen." (J. N. Porter aaO. Vol. 1, S. 
220 ) 


der letzten Jahrzehnte zweifelsfrei festgestelll worden, daß der 
Anteil der jüdischen Bevölkerung in politischen, kulturellen 
und wissenschaftlichen Schlüsselstellungen innerhalb der So- 
wjetunion ungewöhnlich hoch ist. Das beruht nicht auf deut- 
schen Forschungen, sondern auf sowjetrussischen und jüdi- 
schen Angaben. So erreichte die Durchsetzung der Behörden 
mit Juden im Durchschnitt etwa 20%. Bei den Parteistellen war 
er erheblich höher; zß. das Außenhandelsministerium mit sei- 
nen Auslandsvertretungen war in besonders hohem Maße eine 
jüdische Domäne. Ähnliches gilt für die Ministerien für Inne- 
res, für Staatssicherheit und für die Mehrzahl der wirtschaftli- 
chen Ministerien. Innerhalb der Roten Armee ist der jüdische 
Anteil besonders groß in der sog. politischen Verwaltung. In 
höheren Spitzenstellungen erreichte er bis zu 65%. Diese- und 
ähnliche Feststellungen waren in der Presse lange Jahre vor 
dem Krieg bereits täglicher Lesestoff und gehörten damit auch 
zur Überzeugungswell der Angeklagten. 

Der deutsche Soldat mußte dann während des Krieges fest- 
stellen, daß tatsächlich die Mehrzahl der Ämter, insbesondere 
aber die Ressorts, die in der breiten Masse eine besondere 
Unpopularität genossen, wie die Wirtschaftsbehörden und vor 
allem die politische Polizei (NKWD), in hohem Maße jüdisch 
durchsetzt waren. 

Hinzu kommt, daß auch, zwar regional verschieden, aus 
diesen Gründen ein unmißverständlicher Antisemitismus in al- 
len Teilen Rußlands angetroffen wurde. Und schließlich war 
sehr bald festzustellen. daß die Juden in der Widerstandsbewe- 
gung und insbesondere in der unterirdischen Organisation der 
Partisanenbewegung eine besondere Rolle spielten. Szenen, 
wie die Juden mit Hochrufen auf Stalin und unter Absingen der 
Internationale in den Tod gingen, beweisen auch diese Behaup- 
tung. Unter diesen Umständen mußte man im Juden den Leiter 
des Widerstandes und der Sabotage sehen. .../" (S. I40) i(n 


"Die Partisanengruppe unter meinem Befehl, die gegen 
Ende 1942 per Fallschirm über den Yelin Wäldern in der 
Gegend von C her nigov (Ukraine) unmittelbar hinter der Front 
abgesetzt wurde, betrug lediglich 30 Männer. Ihr Auftreten 
hinter den feindlichen Linien brachte uns jeden Tag neue Frei- 
willige. Im März 1943 betrug meine Gruppe ungefähr 300 
Leute. Zwei Monate später wurde ich Kommandeur einer gro- 
ßen Einheit. 

Die Einheit setzte sich aus 4 Kompanien zusammen, hatte 
beträchtliche militärische Vorräte und Ausrüstungen, eine gro- 
ße Menge Waffen und sogar Kanonen. Wie dies auch bei ande- 
ren Partisanen der Fall war, kam unsere Ausrüstung von den 
Deutschen. Wir durchkämmten über 2J00 km hinter den feind- 
lichen Linien. Wir waren aktiv in den Distrikten von Chernigov, 
Orio. Shitomir ( Kiew-Gebiet ). Pollava ( Charkov-Gegend ) und 
Polesia. Wir sprengten 76 deutsche Armee-Transporte mit Waffen 
und militärischer Ausrüstung. Wir zerstörten 38 Panzer, 173 
Fahrzeuge und 31 Kanonen. Als Ergebnis unserer militärischen 
Operationen wurden 17 Garnisonen und 31 Polizeislationen 
vernichtet. In den Kämpfen mit unserer Einheit verloren die 
_ Deutschen ungefähr 9.000 Soldaten, fast eine ganze Division. 

Von Anbeginn an bestand unsere Einheit aus Männern ver- 
schiedener Nationalitäten. Ihre 13 Organisatoren schlossen 
Russen. Ukrainer, Weißrussen und Juden ein." (J. N. Porter 
aaO. Vol. 11 S. 14). ' 


34 



Das Nachkriegsschicksal des SS-Generals 

Oswald Pohl 


Letzte Aufzeichnungen 

"Ich bin am 30. Juni 1892 zu Duisburg geboren. Von 1912 
bis 1934 diente ich in der Kriegsmarine (Verwaltung). Am 1. 
Februar 1934 trat ich auf Drängen Himmlers als Kapitan- 
leutnant des Verwaltungswesons aus der Kriegsmarine aus, 
um in der Reichsführung SS den Aufbau der Verwaltung zu 
übernehmen, in Sonderheit derjenigen der Waffen-SS. 

Im Jahr 1938 wurde ich zum Ministerialdirektor im Reichs- 
innenministerium ernannt, 1940 zum Generalleutnant der 
Waffen-SS und 1942 zum General der Waffen-SS befördert. 
Als solcher war ich Chef des Wirtschafts- Verwaltungshaupt- 
amtes (WV1IA), das eines der 12 Hauptämter der Reichsfüh- 
rung SS war. In dieser Dienststellung hatte ich weder militä- 
rische Befehlsgewalt noch Exekutivbefugnisse. Mein Aufga- 
bengebiet war das gleiche wie dasjenige des Chefs des Hee- 
res- Verwaltungsamtes, dem ich dienstgradmäßig gleichge- 
stellt war (General). Seit 1926 gehörte ich der NSDAP an. Ich 
war Inhaber des goldenen Parteiabzeichens. 

Am 3. März 1942 wurde mir als wirtschaftliche Aufgabe 
die Überwachung des Arbeitseinsatzes der KZ- Insassen für 
die Rüstungsindustrie als Ministerialinstanz übertragen. In 
dieser Tutigkeit hatte ich in Zusammenarbeit mit dem Mini- 
sterium Speer die von der Rüstungsindustrie eingehenden 
Anträge um Gestellung von KZ-Insassen zu entscheiden. Die 
Aufgabe erlosch gegen Ende 1944. Andere als diese KZ- 
Insassen berührenden Aufträge hatte ich nicht, da hierfür 
ausschließlich das Reichssicherheitshauptamt (Geheime 
Staatspolizei) allein zuständig war. In Sonderheit hatte ich 
als Verwaltungschef nichts mit der Durchführung der Eutha- 
nasie und der Ausrottung der Juden zu tun. 

Ich habe mich nach der Kapitulation 1945 kurze Zeit bei 
meiner Familie in der Nahe von Rosenhoim/Obb. aufgehalten 
und die folgende Zeit bis zu meiner Ergreifung am 27. Mai 
1945 bei meinen Verwandten in Norddeutschland. 

An diesem Tage wurde ich in der Nähe von Verden (Aller) 
festgenommen und gefesselt in einem Kraftwagen nach Min- 
den in das Gefängnis des englischen Secret Service (Tomato) 
verbracht. Die Festnahme erfolgte durch einen deutschen 
Kriminalbeamten, auf den abseits ein englischer Offizier in 
Begleitung eines Polen wartete. 

Bei der Festnahme wurden mir durch den englischen 
Offizier alle Wertsachen abgenommen, auch die Armband- 
uhr. Die Geldbörse mit -300.- RM Inhalt nahm ein anderer 
englischer Offizier im Mindener Gefängnis an sich. Er ver- 
wies mich wegen einer Quittung an den englischen Posten, 
von welchem ich sie jedoch nie erhalten habe. In Minden 
(Tomato) war ich in einer Zelle untergebracht. Schlafgelegen- 
heit Pritsche ohne Decken. Ich blieb Tag und Nacht gefesselt. 
Nach 1 Yt Tagen wurde ich zum War Crime Headquarter in 
Bad Nenndorf bei Hannover abtransportiert. 

Die Behandlung durch die Engländer in Nenndorf war 
unmenschlich. Ich wurde allein in eine Zelle eingesperrt, in 
welcher 4 Holzpritschen standen. Die Handfesseln wurden 
mir selbst in der abgeschlossenen und bewachten Zelle weder 
bei Tag noch bei Nacht, auch nicht zum Essen und zur 
Notdurft, abgenommen. Ja, ich wurde abends, mit gefessel- 


ten Händen auf der Pritsche liegend, durch eine zweite Fes- 
sel an den Pfosten der Pritsche gefesselt, so daß ich mich 
nicht bewegen konnte und infolgedessen keinen Schlaf fand. 

Zu den Verhören wurde ich durch einen langen Korridor 
zum Vernehmungszimmer gehetzt, indem einige der Wach- 
mannschaften hinter mir herjagten, andere, die seitwärts 
postiert waren, mich durch Tritte und Beinstellen einige 
Male heftig zu Fall brachten. Vor der Tür des Vemehmungs- 
zimmers mußte ich bis zum Beginn des Verhörs Laufschritt 
auf der Stelle machen, was die Wachposten durch-Tritte ins 
Gesäß und mit Geschimpfe und Gefluche zu immer höherem 
Tempo zu steigern versuchten. Das alles geschah unter den 
Augen des in der Nähe zuschauenden Feldwebels. Der Rück- 
weg zur Zelle gestaltete sich zu dem gleichen Spießrutenlau- 
fen, wobei ich einige Male durch Beinstellen der Posten zu 
Fall kam und heftig gegen die Wand schlug. 

Am Nachmittag des zweiten Tages wurde ein Stuhl in die 
Zelle gebracht. Ich mußte mich setzen, um "rasiert" zu wer- 
den. Obwohl ich gefesselt war, hielten mich zwei Posten auf 
dem Stuhl fest, während ein dritter meinen Kopf an don 
Haaren unbarmherzig nach hinten riß, so daß ich einige Male 
nach hinten umkippte. 

Ein vierter Posten beschmierte mir nun das Gesicht mit 
einer wie Säure brennenden Masse, wobei er mich fortgesetzt 
mit der flachen Hand ohrfeigte. Nachdem er mich gründlich 
eingeaeift“ hatte, kratzte er mit einem stumpfen Rasierap- 
parat das Gesicht so rücksichtslos ab, daß das Blut auf die 
Jacke tropfte. Wahrend dieser Prozedur spuckten seine Ge- 
hilfen mir unter wilden Flüchen und Beschimpfungen fortge- 
setzt ins Gesicht. 

Schließlich stürzten sich wie auf Kommando alle anwe- 
senden Posten -- es befanden sich etwa 8-10 Personen in der 
Zelle -- auf mich, rissen mich hoch und schlugen blindlings 
auf mich ein, der ich wehrlos gefesselt war. Es hagelte Faust- 
schlage gegen den Kopf und Fußtritte gegen alle Körperteile. 
Ich taumelte, mich mühsam auf den Beinen haltend, von 
einer Ecke in die andere, bis ich unter einem gewaltigen 
Schlag oder Fußtritt in die Magengegend besinnungslos zu- 
sammensackte. 

Als ich erwachte, war es still und leer in der Zelle. Ich lag 
auf einer Pritsche und bemerkte, daß zwei Ärzte sich um 
mich bemühten, von denen einer meinen Puls beobachtete. 
Die Handfessel war abgenommen. Ich fiel bald wieder in 
Ohnmacht. 

Wie lange dieser ganze Vorgang gedauert hat, konnte ich 
nur nach dem Tageslicht schätzen. Da es bei meinem Erwa- 
chen schon fast dunkel war, mochte es 20 Uhr gewesen sein, 
bei Beginn der Mißhandlungen etwa 17 Uhr. Es wurde mir 
ein starker Kaffee gereicht, und dann wurde ich zum letzten 
Verhör gebracht, diesmal ohne Spießrutenlaufen. Dieses Verhör 
dauerte biß tief nach Mitternacht. Der Vemehmungsoffizier, 
dem mein Zustand auffiel, erkundigte sich nach der Ursache. 
Ich berichtete ihm kurz das Vorgefallene. Er stand empört 
auf und entschuldigte sich "im Namen der britischen Armee". 
Dann verließ er für geraume Zeit das Zimmer, um - wie er 
mir versprach — den Kommandanten wegen Bestrafung der 
Schuldigen aufzusuchen. Bei der brutalen Mißhandlung ist 


35 



worden'” B “ ken ' U " d & h"««ezahn ausgeschlagen digt hat. 

ein Ara J lSc 2 ,sten Morgen gegen 7 Uhr wurde ich gefesselt in l, i!“ '"„‘f 1 ’ Nürnberg zwar nicht wie in Nenndorf 
emen, Kraftwagen nach Nürnberg gebracht, weichen 9 u3f , m,8h “ nde,t <Wenn ich von d " ™natelangen 
Uhr m das Gefängnis des Justizpalastes eingeliefen wurde ”“ dfessel “ n g ahsehe) - dazu war das ganze Milieu wohl zu 

WeiRh rP ^" 8 u e !' hielt ' Ch Wr den S“"“n Tafzwei Scheitln »khe M^L“" Z "1 Augen und ° h ™ da, denen eine 

Weißbrot, jedoch kein Getränk. solche Methode nicht verborgen gebheben wäre man wand- 

. i? N '” rnbe ^ »” d « ich in einer Einzelzelle untergebracht. Meü^T ^ unauifallige und in ihrer Art viel brutalere 

durch deren Turluk mich Tag und Nacht ~ w Meth ,°d e “ehscher Quälereien an. 

iskretesten Verrichtungen - ein amerikanischer plstn een r “ lcW " ,pfa " d ich die "Vorstellung des damali- 

beobacht Tr, - Fobl * n gen Gefangnisdirektors Colonel Andrews, der bei seinen 


u i , . T . : - ein amen kan 

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(14 1946^ Am M TT Einlieferun ß war ein Sonntag 

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T* ”? unverhohlener Wollu« die “ m H * h - in<ta " * — 


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unter Begleüung^inwi'^^B^vul^e'ich^zum^^ndimunmf 

SulZll r* ie ; hn Wildo *«• im Sw™, von ihrem 


hiu.fi™.« R ü f L ^uurews, aer Del seinen 

häufigen Besuchsfuhrungen stets vor meiner Zellentür ver- 
harrte und seinen Gästen mein von ihm erdachtes Sündenre- 
gister erklärte wobei er mich stets als "Chef der Konzentra- 

Ü°M T'i. U S SCCOnd man after Himm,er " vorstellte, ob- 
wom ich beides me gewesen bin. Häufig aber quittierten 

m E ? larUng de8 001 Andfews mit einer un" 


q» Q n... ’ . "»-re im Zirkus von ihrem «... • . . ^ ,oa un ^oKumenton, 

a uslX n ZUr en , a benutzen ’ ein Entweichen also völlig * nd ~ ’ daß ihre unwahr 

£2? t'TZl: '"-'“«f^^-^soiung gar kern ersieh. 8 E “ h “T* IS«“?» E'cfan tonhaut 


gierig die Nase durchs Türluk steckten. 

Noch gemeiner war die Methode meiner Vemehmer (z.B. 
des Herrn Rapp) 30 Millionen Menschen haben Sie unwe- 
cacht , 3 Millionen Menschen haben Sie sterilisiert!“ Mit 
solchen und ähnlichen Behauptungen mühten sich die Ver- 
nehmer, mich m den Verhören weich zu machen, obwohl sie 

faTenT» ^ "k n ü. Sie bC8aöen j “ a,,OS ßn Dokumenten, 
und VXl'trS unwahr 


” , , ,nv ^"»cne Elefantenhaut 

besitze, verfehlten solche teuflischen Einschüchterungen ihre 

w^tT* t ^ dl ? Vornphn "’ r ächten da», was sie 
wollten nicht der Wahrheit, sondern ihren Zwecken entspre- 

n UCh j n Mitt W*u«.n blieb ich in der 

^enkan^h Uh ^ ,gt ‘ ^ ^ anfan * 8 läglich - e ^ien ein 

amenkamscher Offizier (eindeutig Jude), der mich anschei- 

nend psychologisch bearbeiten mußte. Da ich aus der gan- 
zen Methode nicht schlau wurde und anscheinend auf die In- 
tentionen dieser IW" nicht einging, ergoß .ich wieder eine 

Über mich ” ,c 

Vorhmrher verfluchter Lügner ’ -Halunke u.a.m. Ich war 
zu jener Zeit immer noch General der deutschen Wehrmacht 

( m f ‘ 1 n 41 K nt Uaailni. .^.1^ . ..... 


~ , "ui . »enuizen, ein Entweichen also völliß 

lichor Grundwort nr * **** *" Ur diese Pp aselung gar kein ersicht- 
^ Auch wahrend der Vornohmungon wurde mir dio Fessel 

ÄrÄ“ m(ch unter Bew “ hu " g 

v* * ?. ^ortung mir meist nur infolge ihrer suggestiven v -1 ^ ,,cr • u.a.m. ich war 

Ich wurde in diesen Verhören *™ * ‘ “ 

ül>er die subtilsten Einzelheiten aus 
einem Zeitraum von 10 - 15 Jahren 
befragt, ohne daß es mir trotz be- 
sten Willens möglich war, mich so 
unzähliger Einzelheiten überhaupt 
zu ennnern, zumal mir nicht eine 
einzige aktenmäßige Unterlage zur 
Verfügung stand noch gestellt wur- 
de, und ich infolge hermetischer 
Absperrung in Einzelhaft weder mit 
einem meiner Mitarbeiter sprechen 
konnte noch mir erlaubt wurde, Rat 
und Hilfe eines Anwaltes in An- 
spruch nehmen zu dürfen. Mit ei- 
nem Anwalt durfte ich erst nach 7 
Monaten, nämlich nach Erhebung 
der Anklage gegen mich und meine 
Mitarbeiter des WVHA, welche am 
13. 1.1 947 erfolgte, erstmalig in 

Verbindung treten. Es war der ________ _ _ 


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unter der täglichen Zurschaustellung als gefesselter Verbre- 
cher, unter der Versagung jeglicher Hilfe, der Trennung von 
meiner Familie (meine Frau durfte ich erstmals nach 16-mo- 
natiger Haft in Nürnberg sprechen) habe ich seelisch schwer 
gelitten und leide heute noch. Von körperlicher Mißhandlung 
oder Bedrohung in Nürnberg ist mir nur der Fall des frühe- 
ren Standartenführers Maurer, eines meiner früheren Mit- 
arbeiter, bekannt geworden. Einzelheiten hierüber sind in 
dem Hilfegesuch Maurers an den us-amerikanischen Ge- 
richtspräsidenten in Nürnberg namens Thomas enthalten, 
der dieses Gesuch jedoch ignorierte. 

ri du -ak e l st^ Ka p i ta l bei der Dur cMi ^ n in g 

der von der Aaklagehrhönk durch geführten 

Diese haben wohl nicht nur im Prozeß gegen das WVHA 
eine unheilvolle, düstere Rolle gespielt. 

Wo die echten Unterlagen (Akten, Dokumente 
u.ä.) der Anklagebehörde nicht in den Kram paß- 
ten oder zur Erreichung der von ihr erstrebten 
Verurteilung nicht genügten, wurden "Affidavits" 
zusammengeschustert. Das Auffallende an diesen 
merkwürdigen Prozeßunterlagen ist, daß die Ange- 
klagten in ihnen sich oft selbst beschuldigten. Ver- 
ständlich ist das nur demjenigen, der die Technik 
des Zustandekommens solcher Affidavits” selbst 
erlebt und kenncngelernt hat. 

So wurden mir im April 1947 kurz vor Beginn 
meines Prozesses und auch sogar noch während 
meines Prozesses AfTidavits zur Unterschrift vorge- 
legt, die nicht etwa von mir diktiert waren, sondern 
welche die Anklagebehörde aus den Protokollen 
meiner 10 Monate vorher begonnenen zahlreichen 
Vernehmungen zusammengestellt hatte! Ich wurde 
aufgefordert, diese sogenannten AfTidavits zu un- 
terschreiben. Ich habe mich gewehrt, so gut ich 
konnte, dies zu tun, weil ich auf Grund meines 
Dokumentcnstudiums (die Dokumente wurden uns 
nach Erhebung der Anklage am 13.1.1947 allmäh- 
lich zugänglich gemacht) erkannte, daß ich mich in 
vielen wesentlichen Punkten geirrt und unbewußt 
unwahre Angaben gemacht hatte. Der Verhörer 
aber ließ eine Berichtigung nur in für die Anklage- 
behörde unwesentlichen Punkten zu und zwang 
mich unter Hinweis darauf, daß ich vor Monaten so 
ausgesagt habe, zur Unterschrift. In meiner dama- 
ligen seelischen Verfassung bin ich diesem Druck 
erlegen. Bei den letzten auf diese Weise erpreßten 
Affidavits nahm ich meinen Verteidiger zur Hilfe 
mit, der bezeugen kann, wie die Anklagebehörde 
operiert hat. Mein Hinweis, daß ich mich zur Zeit 
der zahlreichen Vernehmungen in einem anorma- 
len seelischen Zustand befunden habe und durch 
damals nicht erkannte geschickte Suggestiv- und 
Führungsfragen zu den von der Anklagebehörde 
erstrebten Aussagen irregeführt worden sei, wurde 
geflissentlich übersehen. Der Gerichtshof tat das 
gleiche, als ich bei Vorlage dieser Prozeßunterlagen 
Einwendungen zu machen versuchte. Er beschränk- 
te sich dabei auf die formale Feststellung, daß ich 


Gelegenheit gehabt hätte, Änderungen in den Affi- 
davits vorzunehmen, ohne im geringsten darauf 
einzugehen, in welcher Weise mich die Anklagebe- 
hörde an der Wahrung meines Rechtes gehindert 
hatte. 

Auf diese Weise sind Affidavits zustandegekom- 
men und eingeführt worden, die tatsächlich erwie- 
sene Unrichtigkeiten in wesentlichen Punkten ent- 
halten und in denen sich - wie im Prozeßverlauf 
sich zeigte - Angeklagte mit z.T. gar nicht zutref- 
fenden, also unwahren Aussagen selbst belastet 
haben! 

Mit solcher Art Affidavits hat die Anklagebe- 
hörde die Angeklagten erschlagen. Dabei verfügte 
sie über einen unvorstellbaren Akten- und Doku- 
mentenschatz, der in jedem korrekten Verfahren 
vollauf genügt hatte, die Wahrheit zu ermitteln. 
Welches Unheil aber mit diesen teuflischen Affida- 
vits angerichtet worden ist und wie sie selbst dazu 
mißbraucht worden sind, die Wahrheit zu verdun- 
keln, das vermag nur der Eingeweihte zu erken- 




nen. 


Wo aber selbst dieses Machwerk nicht den von 
der Anklagebehörde erstrebten Erfolg sicherte, ließ 
sie ihre sogenannten 'Kronzeugen!' (auf deutsch: 
gekaufte Zeugen) aufmarschieren. Es hat -- zur 
Schande des deutschen Wesens muß es gesagt 
werden - auch in Nürnberg eine ganze Reihe die- 
ser dunklen, traurigen Gestalten ihr erbärmliches 
Spiel getrieben. In ihren Reihen befanden sich hohe 
Regierungsbeamte, Generäle und Intellektuelle, 
ebenso wie Zuchthäusler, Geisteskranke und echte 
Schwerverbrecher. Diese Kreaturen, die durch- 
weg genau so schuldig im Sinne des Siegers waren 
wie die von ihnen belasteten deutschen Kamera- 
den, verkauften Ehre und Gewissen bedenkenlos 
gegen das Linsengericht, von einer Anklage freizu- 
kommen. Sie wurden nett behandelt, wie der Nutz- 
nießer Verräter zu behandeln pflegt, solange er sie 
gebraucht, konnten sogar zwischendurch auch mal 
auf Urlaub fahren. 

Im Prozeß gegen das WVHA trat als Kronzeu 
ge" ein gewisser Otto auf, der aus einem Irrenhaus 
entsprungen war und dessen Vorleben jedem zünf- 
tigen Verbrecher zur Ehre gereicht hätte. Das glei- 
che gilt von dem Anklagezeugen Krusial, der dem 
Gericht unter Eid die tollsten Schauermärchen 
auftischte und natürlich auch Glauben fand. Das 
hohe Gericht schien in diesem Glauben auch dann 
nicht erschüttert, als dieser edle" Zeuge, der das 
Gericht nach Strich und Faden belogen hatte, von 
einem deutschen Verteidiger auf Grund des Straf- 
registers als schwerer Krimineller im In- und Aus- 
land wiederholt bestrafter Verbrecher und Zucht- 
häusler entlarvt wurde. Das Gericht nahm zwar 
den Strafantrag des deutschen Verteidigers gegen 
diesen Verbrecher wegen Meineides an, veranlaßte 
aber nichts, sondern entließ diesen "Zeugen" in Eh- 


ren. 


Damit ist die Reihe der von der Anklagebehörde 


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