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Full text of "Allgemeiner Briefsteller, nebst einer kurzen Anweisung zu den nöthigsten schriftlichen Aufsätzen für das gemeine bürgerliche Geschäftsleben. Ein Handbuch zum Selbstunterricht für die mittlern und niedern Stände"

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Rüuslidhe, , Ä 
aufalle faft erdenkliche Fälle, nach den Erfordernifien 
des gegenwärtigen Zeitalters eingerichtete 


Briefe, 


nebſt einer 


Anweiſung zum Briefſchreiben 
und 


den dabei zu beobachtenden Wohlſtands⸗ und Klug⸗ 
heitsregeln, einem kleinen Verzeichniß, ſowohl der 


durch die Zeitereigniſſe veränderten, als der noch 


uͤblichen Titulaturen, und den dazu gehoͤrigen Auf⸗ 
ſchriften der Briefe; 
ingleichen 
einer ausfuͤhrlichen Anleitung zu verſchiedenen an⸗ 


dern ſchriftlichen Aufſaͤtzen, als: Bekanntmachungen 


‚in die oͤffentlichen Blaͤtter, Wechſelbriefen, Affigs 


. nationen , Obligationen, Quittungen, Kontrakten, 


Vollmachten, Zeugniſſen, nebft den dazu nöthigen 
Vorſchriften. 





Ein | 


Handbuch zum Selbſtunterricht 


fuͤr die mittlern und niedern Staͤnde. 





Vierzehnte, neu bearbeitete Auflage 


von . 
©. ©. Elaudius und Klette 





Leipzig, 1822. I 
Bet A. WiendbréeE. 


—A 


6. E. Claudius | 
allgemeine Brieffteller, 
nebft, u 


einer kurzen Anmeifüng zu den noͤthigſten 
ſchriftlichen Aufſaͤtzen 


fuͤr 


das gemeine bürgerliche Gefchäftsleben. 


Ks 
Handbuch zum Selbftunterricht 
‚fer... 


die mittleen und niedern Stände, 


Achte, durchaus umgearbeitete und verbefierte 
Auflage. 


. 1) 





Leipzig, 1822, 
Be 4 Biendra, 


AR. 


iv 
Die Ausbilduns anes Voits erſtreckt { 
“nie allein auf einen. Stand, fondern auf « 
insgeſammt: denn fie iſt nicht blos das. ängfli 
verwahrte Eigenehum einer einzelnen Kafle . 
Gelehrten; fondern fie wird durch Lehre ı 
Schrift nach allen Theilen gleichmäßig verbrei 
So finder auch der niedre Stand oft das ni 
mehr. genügend, was vor zehn und zwar 

Sahren feiner: Bildung augemeſſen war; nnder 
| fangt nach etwas. Befferm. — Bon der and 
Seite iſt ed die größte Pflicht des Volkfcheift| 
lers, wicht blos durch eine verſtaͤudliche Spre 
und einen gefaͤlligen Sipeengang:..feine Sch 
ten für die Faffungsgabe/ der ungebifbeten Stä 
einzurichten: fondern er muß. vor Allen da 
fehen, ‚daß feine Sähriften fuͤr fein Dublil 
bildend ſind, daß. er deſſen Ideenkreis bereich 
und es mit ſolchen Neuerungen vbekunnt ma 
die von den hoͤhern Staͤnden, namentlich vom 
lehrtenſtand angenommen, und durch. die Bü 
ſprache geheiligt find; en 

Diefen Anfichte folgte: 1.73 ats ne: 

Verleger diefed Buchs eine nerbeflernde Du 


og 
PP Da mir ber- eigentliche xehrerton 
fuͤr das Volk ſehr darin getroffen. gu: ſeyn ſcheint: 
ſo habe ich in Hinſicht auf die Sprache bis 
auf einige erthographiſche Berichtigungen wenig 
verbeſſert; dagegen find. einige theils auf bloge 
Zeitereignifle fich beziehende und. theils fuͤr dem 
Brieſſteller nicht vaſſende Briefe weggefallen; 
der Abſchnitt „Bon der Titulatur“ iſt gänzlich 
umgearbeitet, fo wie die von jeder Briefgattung - 
. fi) befindenden Anweiſungen. Ganz neu iſt der 
Abſchnitt, welcher von den kaufmaͤnniſchen Brie⸗ 
fen Handelt. Sie ſind nicht fuͤr dem eigentlichen 
Kaufmann berechnet; wohl aber für Handwer⸗ 
‘ter und Fabrifarbeiter jeder Art, welche fo oft 
in ihren Gefchäften in die Lage kommen, Sachen 
brieflich einzukaufen, Jemanden zur Kundſchaft 
aufzufordern, Waaren zu beſtellen u. dergl., und 
hierin einer Eurzen und deutlichen Anleitung be⸗ 
duͤrfen. Die Weitſchweifigkeit, mit der ſie ſich 
über. den Gegenſtand verbreiteten, das Analo⸗ 
giſche in ihrer Anordnung habe ich dabei in ſo 
weit zu vermeiden geſucht, als es mir die Gren⸗ 
zen meines Auftrags erlaubten. Eine bei einer 
| nr ber \_ 


vi 
der folgenden: Auflagen vorgenommene Durchficht 
wird gewiß noch ſo manche Maͤngel verbeſſern, 
und Died Buch. ſtets mehr feinem Zwecke naͤher 
fuͤhren; beſonders da dies des Herrn Berlegers | 
ernſtlicher Bille zu ſevn ſcheine. et 
Lelpzis, im Dftober naar. 
on u OO Klette. | 


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inhalt. 
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Inhalt 


Vorrede. 


Borerläntern nd. 
Don der. inneru Ein Geung der vriefe aber⸗ 
haupt W .Seite 
Die Aurede —. 4 0 * 
Der Vortrag . Ve 
Der Schluß . . 0 ⸗ 


Die ge 
Bon der äußerlichen Einrichtung det Briefe 
Bon der Titulatu 
Zieulatunen des weitligen Standes 
——— erkungen 
B. Titulaturen des aeifilichen Standes 
C. Zitulaturen der Frauen . 
D. Titulaturen in Briefen an Ditafterien, 
Kollegen und Departement? . 


I. reundſchaftliche Briefe. 


iſienß 


Ze cunen und Regeln — 
I— 56. ® 0 0 u 
"Familienbriefe, 
" Zoreinerungen . 0. 


Briefe Ar. 57 — 87 ©. 
1m. Bobifandsfgreiden, 


Borerianerungen 


riefe 
Beim Jahr echſei. Mr. — 06. 
- Bei Gedurtsfeſten. Rr. E98 100. 
Bei Nomenstagen. Nr. IoR, 202. 
Bei Enthindungen. Nr. 2103 — 805. 
Bei ehelichen Verbindungen. Rr. 206 — 213 — 
Bei Beförderungen. Rr. 114 — 119. — 
Nach uͤberſtandner — Rr.2190— 192 — 
Bei einer gig en, Zurl Di tunft, Rır. 
nm 2193 un: 8 9 [) . — 


41 


1x4 
15 
ebd. 
16 
19 


vir 


Mn einem guatden der in die Sremde geben 


Tr. 130. . 
Bei “em geendigten ‘Bro eb. Rr. 1. 
Beim Gewinne des großen Looſes im der - 
‚Lotterie. Re. asagg. 


IV. Rondolenzfhreiben. 
Worerinnerungen et 
' Briefe 


An einen von Adel, d der auf einer 283 


ae einen Tre bet dem Tode feines 
Baterd. Wr. 


233. 
An einem Bater bei dem ode feineb 


srollen net. 
en ra nn 
Tode feined Vaters Nr. a 


285: 
An einen Freund, defien Gattin von einen 
eubtgebernen Kinds entbunden worden. 


Pr eine Reuge Dame bei dem —2* 


ihres Gewahl 8. 137. 
An einen Vater, 
Schlachtfelde geblieben iſt. Nr. zug. 
An den Bruder e ied 4 \eictfunigen ca. 
mörderd. Nr. 


fahrt in (einen 


worfen, und dabei an Pi —— 
ſtark deſchaͤdiget —X— iſt. Re. 41. 

Bei einer ähnlichen —— 3 einen 
unferer guten Freunde, 


Un eine Witwe, die —S uriee I 


J FE — hinter einander be⸗ 


troffen baten. 
An * dr ne felttanger 
Zeit krank Rr. 2 


& Bo eßten fe einer 
en Re a San Inge 


an einen . uufand nid de X dem... . 


DT ein böf 

— Bar, 

Un einen P x Dusch 
— hen * großen 
erlitten bat. Nr 

Un einen Butäbefien "er fürsdh Eu 
terfihaden erlitten hat, 


eife 878. 
— 177 


— 178 
288 
_ 15% 
in 
— 236 
A? 


— 84 


Un einen Zreund/ der ne eine im in feier — * 


Nach⸗ 


Kr und Hof verloren bat. m „249. Gehe 306 
Un einen Sreund, deſſen Nahrung iı ge 











mehr und mehr verfällt. Pr. z 307 
IV. Einladungsfgzeide 
re . . — mw 
. _ a 
Peer me Re * — 
warterdriefe. Rr 260 — ı . -_ 
Einladungen sur‘ eenfng Nr. J 
178, 278 — 34 


Sinladungen 5: iss Geburtff Re.178, 17. 
Einladungen yum derneef. A. m 7 95 

Einledung:gw einer Reife. Nr. 177. — 3 
v. Bittfhreiben. 


BVorerinnerungen . mr — 39 
Suppliten. Re 178,170: . = _ 35 
Anfuchen. Rr, 180 — * ee — 358 
Bittfbreiben. Nr. 185 — 383 
VI. Bemerbungebtisfe, Senerkungöfäeien, 
NT aoe . — E32 
TH 
VI Enpfehlungefgreisen und Fürbieten. ‘ 
nn — — * 
vui. ———— 
Vorerinneruugen — 48 
A. Briefe w worin man um guten Da 
bittet. Nr.aro—ais. = 
B. ee. — was erteilt. wird, y 
— 414 
1X. Aufıräger Zehkungen, Anfragen. " 
Vorer innerungen — 419 
Briefe Nr, 5 220. 40 
x. Deraenfungssriefe 
Gruner . . — 17 
riefe Nr. aar — 24: 0 
xl. Bentiegunsätäteiden. . 
go hen — 44 
- 17 
zu: Sera Bormürfe, Grianerun . 
sn r — 
ort - ‘ — 
a 2 





AU. Entſchuldigungs⸗ und Rechtfertigungs⸗ 
. Bor kamen : Seite * 
XIV. enacrihtigende enable Sie. 


N Unigete Öre 8 00 — am — 23 
A zeigende e. 3 
u Benaqhrichtigende Briefe. Nr. a 206 
8 Erzaͤhlende Briefe. Nr. age, oe. 518 
AV. Kaufmaͤnniſche Briefe, 
Vorerinnerunge⸗7 — 516 


Briefe Nr. 283 — 288: — 517 . 


XVI. Amesbericte u und Berachten.. 

,‚ Borerinnerungen . — 598 
Briefe. Nr 290, 290. . — 524 

XVII. Antmwortigreiben 
gorerinherungen ER 
Briefe Rr. 9. 0 © . 


Anubauwe 4 
I. Abfaſſung öffentlicher Betanntmacungen. | 


- Vorerinnerungen 


529 
531 


. j | 


* 


en . .. — 
3) Anzeigen + eich eidg — 599 
3) Todefanzeigen — 543 
IL Bon Schuldverfehreibungen. 
1) Bon Wechfelbrisfen — 556 
‚ ») Bon —— oder. Uuesifungen — 573 
3) Bon Obligarlonen . ,. ee 573 


I Bon Kontraften. - . | 
Miethkoniraftt.— SR. 
Baukontrakt ⸗ J eo oo. ., oe’ .; 2 an 
Bebrfontrott . 

IV. Bon Reverfen Gezenverſchrelbnngem ⸗ 584 

V. Bon Eeffionen: IAbtretungsſcheiuen) — 656 

VI. Von Vollmachten o 0 J su 587 

VII Bon Daittungen : . 588 

VIII. Von Atteſtaten Bein. | — 693 


W Du 


TEN 





Vorerlaͤuterung. 





Bon der innern Eitirichtung der Briefe 
. überhaupt, | 


Ei Brief ift nichts anders, als eine fchriftliche 
Unterredung mit einer abweſenden Perſon. Was 
wir diefer mündlich fagen würden, wenn fie gegen: 
wärtig wäre, das ſchreiben wir ihr; Daraus folgt 
nun. ganz natürlich , daß die erfte und vornehmmite 
Regel für einen, Örieffchreider biefe ſeyn muß: 
Stelle Dir die Derfon, an welche Du ſchreiben 
winkt, fo lebhaft vor, als flünde fie wirklich vor. 
Dir. Haft Du diefes gethan, Haft Du Deinen 
Gegenſtand ſcharf ins. Auge gefaßt, haft Du uͤber⸗ 
legt, was Du ihr fagen willft, fo werden Dir 
‚auch gewiß die Worte beifallen, wodurh Du Die 
ihe verftändlih machen willſt. Mit einem Deiner 
dertrauteften Freunde fprihft Du ganz Anders, ald 
mit einem Fremden; mit einem Bekannten anders, 
als mit einem Unbekannten, und mit einem Voss 
nchmen wieder anders, ald mit einem Seringen. 
Deine UnterteRung wird fih niche nur quf den 
Stand beſchraͤnken; Du wirft gewiß auch dabei 
auf das Alter, auf das Temperament, auf den 
Charakter Raͤeſicht uchwen. Und ſo Bit Du 


‚Dich: anders gegen einen Greis, und anders wies 
der gegen einen Juͤngling; ganz anders gegen einm 
ernfthaften, als gegen einen fcherzbaften; anders . 
wieder gegen einen hitzigen, flolzen, eiteln, und _ 


"anders wieder gegen einen fanfsen, befcheidenm 


Mann ausdräden. Dieſelbe Vorſchrift wirft Du 


‚auch beim weiblihen Geſchlecht beobachten. 


Jedoch iſt dabei vorauszufegen, daß, ehe man 
gut und geordnet fprechen, oder mündlich ſich aus⸗ 
vrüden kann, man zuvor erſt gelernt haben muß, 
denken zu können. Wer das nicht kann, kann 
alfo auch Leinen Brief fchreiden lernen; und je 


beſſer, te lichtvoller oder deutlicher man denkt, einen 


deſto beſſern Brief wird man fchreiben. 

Oft glaubt man, fo viel denken zu koͤnnen, als 
zu‘ einem Briefe nöthig fey, wenn man einige 
flüchttge Gedanken aufgefaßt hat; man ergreift die 


Keder, um fie dem Papier Anzuvertrauen, und oft 


iſt es uns dann kaum möglih, auch nur einige 
zuſammenhaͤngende Worte niederzuſchreiben. Und 
nichts iſt gleichwol Schuld, als daß man nicht 
genug das durchdacht hat, was man ſchreiben will, 


 &o fange einer glaubt, er verſtehe, er wiſſe diefes 


oder jenes gut genug, er habe ed genau im Kopfe, 
nur inne er ſich daräßer nicht ausdräden; fo 
lange Hat er nur dunkle, und keine Plaren ober 
hellen Begriffe von einem Gegenftande; und dunkle 
Begriffe find Immer nicht viel beffer, als gar Feine, 


oft wohl gar noch fchlimmer. ' 


Ich whrde daher dem Ungeuübten rathen, fih 


erſtlich die. Hauptgegenftände der Reihe nah auf : 


ein befondere® Blatt Papier anzumerken, welche 
fein Brief enthalten foll; dieſe dumm zu ordnen, 
damit nicht einer derfelben am Ende des Briefe 
erwähnt werde, der natürlicher. Weife fchon beins 


/ Anfange hätte aufgeführe werden ſollen. Iſt dieſes 
eſqhehen, dann denke man über jeden vinzeinen 


Gegen⸗ 


ri 
d 


Gegenftand noch indbefondere genau nah, und - 
fhhreibe ebenfalls jeden Gedanken wieder einzeln 
Bin. Iſt man damit zu Stande, fo lefe man das 
GSefchrrebene mit firenger Präfung wieder durch; 
bald trägt eine veränderte Stellung diefes: oder jenes 
Gedankens, bald die Wahl eines andern Worts 
zur fchnelleen Verſtaͤndlichkeit ſehr viel bei.“ Ein 
foiher En:wurf wird gewiß als Leitfaden zu eince 
großen Erleichterung dienen; und hat man fh 
deffen eine Zeitlang bedtenet, fo wird man durch 
eine ſolche Uebung nah und nad) dahin gelangen, 
daß man. biefer Beihülfe endlich nicht mehr noͤthig 
hat. Wan muß fhon fehr geübt feyn, wenn mar 
einen Brief, ohne fi vorher einen Entwurf das 
von niedergefchrieben zu haben, abfenden will. Auch 
der geübteite Brieffchreiber verſieht es, und vers 
ſchreibt fich, oder vergiße etwas nothwendiges, oder 
wählt nicht den ſchicklichſten Ausdruck für die Sache, 
Bill er ein Wort ausftreihen und es zuͤber das 
bereits hingefchriebene flellen: fo entſteht dadurch 
ein Uebelſtand, der höchftens nur in einem freunds 
fehaftischen Briefe geduldet wird. Was muß er 
dann aber thun? Er muß den Drief umichreiben 5 
und har er dadurch, flatt eine Mühe weniger 
zu haben, nicht eine mehr? u 
Um den Entwurf Deines Briefs, den Du für 
Did gemacht haſt, zu prüfen, 0b Du mu ihm 
zufrieden feyn kannſt, mußt Du daher zuvor fol⸗ 
gende Forderungen an ibn machen können: Iſt 
erftlich alles darin gehoͤrig geordnet? zweitens, 
biſt Du auch deutlich und verftändlih genug im 
Deinen Ausdruͤcken gewefen? gibt jedes Wort den 
Sinn der Sache und. Deiner. Gedanken richtig: 
an? — Um aber bdeutlih und verſtaͤndlich zu 
ſeyn, muß nicht nur jedes Wort deutlich gedacht, 
fondeen auch ebenfalls vichtig geſchrieben fen. 
Darauf komme fehr wiel au, denn. ein falich oes 
—— . Us. ehriede⸗ 


\ 


[U ) 4 —, 
ſchriebener Buchſtabe kann leicht den Sinn eines 
Worts gar ſehr veraͤndern, wie es denn in der 
deutſchen Sprache ſolcher Woͤrter eine große Menge 
zibt. So ſchrieb vor einiger Zeit ein Leipziger 

terie⸗Hauptkollekteur an einen feiner auswaͤrti⸗ 
gen Sinterefienten: „Es thut mir recht ſehr leid, 


daß Sie, wie ich gehöre, krank find. Uebermors _ 


sen werde ich Sie aber befichen, und werde Sie 
fo Beräudern, daß Die fih wundern, und, 
wenn ich nicht irre, fogar wieder gefund werben 
ſoſllen.“ „Iſt der. Mann toll? fragte der Ems 


Sänger des Briefe, und verbot den Seinen, daß. 


fie diefen Menfchen ja nicht mit feinem Näuchens 


pulver zu ihm laflen follten. ‚Der Kollefteur kam, 


brachte einem tächrigen Beutel voll. Geld mit, Man 
wollte ihn. nicht zu dem Patienten laſſen. Dem 
Kolletteur war es —B warum er ſeinen 


Intereſſenten nicht ſprechen ſolle. Er hatte ſich 


ringebildet, mit "Freuden empfangen zu werben, 
und nun wollte man ihn ſogar abweiſen. Er 


wollte ſeine Luſtreiſe doch nicht vergebens gemacht 


haben; da dergleichen Leute ſo gern, und faſt im⸗ 
mer nur auf ihrer Intereſſenten Koſten zu reiſen 
pflegen. Durch. vieles Zureden gelang es ihm end⸗ 
lich, vorgelaſſen zu werden. Da der Kranke den 


großen Geldbeutel entdeckte, rufte er mit freudis 


‚gem Stil: „Ah! wenn Sie mich fo bereichern 

—* da ſollen Sie mir angenehmer Mann 
ſeyn. Ich denke, Ste haben etwa ein quackſalbe⸗ 
riſches Raͤucherpulver und wollen mir dadurch das 
Meißen in meinen Gliedern vertreiben.“ Haͤtte 
der Eollecteur ſtatt beräuhern — bereichern 
gefbeisben,. ſo hätte biefer Irrthum nicht entſtehen 


.: ——— niche nur die richtige Wortſchreibung, 
ſondern anch die richtige Anwendung der Unterſchei⸗ 
.dungezeichen, des Komma, Semikolons, Kolons, 


Paunk⸗ 


u BB \ mim 

Punktum u. f w. trägt vorzüglich zur fehnellen 
Verftändlichkeit und Deutlichkeit bei. Es würde 
“ außerordentlich laͤſtig ſeyn, einen Brief, fo wie 
überhaupt jeden gefchriebenen oder gedruckten Aufs 
ſatz, ohne dieſe Zeichen zu leſen, es wuͤrde fehr 
ſchwer werden, ihn verficehen zu können. Eben fo 
kaun eine falfhe Wortftellung einen Doppelfinn‘ 
geben; fo lieſt man bisweilen: ,, Obgleich ich die 
Ehre Habe, Sie nicht zu kennen‘ flatt „„Obs 
gleich ich nicht Die Ehre habe, Sie zu kennen. 

Auch gibt zu Zweideutigkeiten, woraus leicht 
Mißverſtaͤndniſſe entfichen Fännen, der unrichtige 
Gebrauch der beſtimmenden und beztehens 
den Fürwörter (pronom. demonstrat. und rela. 
tiv.) befonders dadurch Anlaß, wenn der im Plus 


ral gleichlautende Nominativ und Akkuſ. von wels 


her, und der vom Aftivo und nicht vom Paſſivo 
begleitet wird. Einige Beifpiele werden diefes Deuts 
licher machen. Sage ober fihreibe ih: ‚‚ Die Frans 
zofen haben bie Engländer geſchlagen,“ fo iſt es 
unbeſtimmt, ob die Engländer die Franzoſen geſchla⸗ 
gen haben, oder ob die Franzofen von den Engläns 
dern gefchlagen worden find. Sage ich aber: ‚die 
Engländer find von den Franzoſen,“ über „die Fran⸗ 
ofen find von’ den Engländern gefchlagen worden,’ 
fo Hat man fi beſtimmter ausgedrädt, und matt 
kann nicht mißverfianden werden. So würde man 
nicht willen, wer der leidende und mer der hans 


deinde Theil geweſen fey, wenn man fih ausdruͤckte: 


„Geſtern fah ih die Bauern, welche die Diebe 
ergriffen Hatten.” Würde man nicht fragen künnen: 
baben die Bauern die Diebe, oder die Diebe die 
Bauern ergriffen? Sage ich aber: „geſtern fah ich 
die Bauern, von’ welchen bie Diebe ergriffen more 
den find,’ oder iſt es umgekehrt: „geſtern fah ich die 
Bauern, welche von den Dieben ergriffen wurden,‘ 
fo kann niemand einen Zweifel weiter haben. Auch 

dor 


4 


— 6 —. t 
das Wörtchen er verurfacht nicht ſelten eine Zwei⸗ 
deutigkeit, Sage ich; „Heute meldete mir Ludwigs ' 
Freund, daß er eine reiche Erbichaft getban habe ;’’ 
fo kann Ludwig fo gut, als deſſen Freund die große 
Erbſchaft gethan Haben. Hat man fagen wollen, 
daß Ludwigs Freund die Erbfchaft gethan babe, fo - 
wird man fich beſtimmter - fo susdrüden: ‚Heute 
- meldete mir Ludwig von deinen greunb⸗ e, ‚daß 
derfelbe, oder daß dieſer eine reihezc. Man 
mache es, ſich aljo zur Regel, wenn das beftimmte 
Fuͤrwort er Unbeftimintheit oder Undeutlichkeit vers 
anlaflen koͤnnte, Lieber flatt des er, dafür ders 
Jelbe oder dieſer zu gebrauchen. 


Du kannſt dieſes Alles genau befolgt haben, 
und doch kann es immer noch dem Leſer ſchwer 
werden, Deinen Brief zu verſtehen. Dann liegt 

der Fehler vielleicht darin, daß Du entweder einige 
unndthige Huͤlfswoͤrter ganz ausgelaſſen haſt, ſo 
wie ſich viele beim muͤndlichen Geſpraͤch dieſes Feh⸗ 
lers ſchuldig machen, wenn ſie ſich uͤber etwas recht 
ſchnell und in moͤglichſter Kuͤrze ausdruͤcken wollen; 
oder Du haſt ein Huͤlfswort an das Ende ‚eines 
langen, aus.-mehrern kleinen Abtheilungen beftes 
Senden Satzes geftelt, welches beim Anfang oder, 
in der Mitte deſſelben hätte ftehen ſollen, und alfo 
durch diefe falſche Stellung den Sinn aufhält und 
Dadurch erſchwert; oder Du Haft eine Menge Säge 
‚ in ‚einander gefchoben und zu einem einzigen vers 
bunden, da doc jeder für ſich felbfifkändig genug 

war, Ein folder unndchiger Weife lang geformter 
Satz gleicht einem Srrgartn, wo man fi nur 
durch langes Suchen erſt zurecht finden kann. Doc 


= zur genauern Erläuterung des Kiergefagten ein Bei⸗ 


tell... Monhalte folgende zwei Briefe zuſammen, 
beide heben ⸗ einen und denſelben nal. | u 


„Mein 


2: " ' 1 


— 7 _ 
7, Mein Herr! *) Auf die mie durch einen 
. am ı6ten letztverwichnen Monats von Ihnen au 
mich abgelaffenen und Beute erſt, als deu ten des 
laujenten, eingetroffenen Brief, den Einkauf von 
50 Pfand Kaffee und eben fo viel Zuder, dab 
Dfund Kaffee zu ı2 Gr. und das Pfund Zuder 
3u-9 &r. anbelangend, die ich dem Landfuhrmanne, 
Adolph Bierlich aus Oberälänig zu verladen geben 
folk, aufgeaebene Beſtellung diene hoͤſtichermaßen 
in erwiedernder Antwort, daß beide Artikel dermas 
Ben duch die Konkurrenz der Zeitläufte, die ber 
leidige Krieg der Kranzofen und Engländer, welder 
bereits nun ausgebrochen, und die Eibe gänzlich 
gefpertt Bat, herbeigeführt, im Preiße gefttegen 
find, daß ich Ahnen den von Ihnen beorderten 
Kaffee jetzt wicht mehr für 12 Gr. fordern für 
ı5 Sr. laflen kann. Auch ift ebenfalls der Zucker 


um einen Groſchen theurer geworden. Habe nicht 


ermangeln wollen , Ihnen diefes zuvor zu melden ® 
erwarte deshalb Ihre gütigen Aufträge und darf 


Ihnen verfihern, daß der Preiß beiden Artikel 


batd no Höher ſteigen wird u. em.” — Wie 
laͤſtig, wie unverſtaͤndlich iſt nicht dieſer Brief beim 
erſten Durchleſen! Und wo ruͤhrt ˖dieſes Laͤſtige, 
dieſe Umnwerſtaͤndlichkeit anders her, ats von dem 
Ineinanderſchieben einzelner Saͤtze, die, getrennt, 
verftändlicher fenn würden ? wo anders her, als 
durch das zu weit zuruͤckgedraͤngte Huͤlfswort, das 
den Sinn zu” lange aufhält? Wird dieſer Brief 
nicht fogteich verfiändlich und daher beſſer feyn, 
wenn ex fo lautet: „Mein Herr! Ihre gütige 
Zufchrift vom »6ten vorigen Monate babe ‘ erſt 

eute, 


0) Dieſer Brief liegt wirklich im Originale vor des 
Verfaſſerẽ Augen, und iſt von einer angeſehenen 
Handlung in einer großen Handelsſtadt im Jahre 
2803 gefrhriebin worden. 


— 
4% 


vd 


\ 


l . . 


Beute, den aten: September, erhalten. Sie haben 
bei mir die Beſtellung auf 50 Pfund Kaffee umd - 
eben fo viel Zucker, und zwar nah ben alten 

Preißen gemacht, und mir aufgetragen, beides 
dem Fuhrmanne A. B. a. O. zum. Verladen zu 


geben. Allein ich babe die Ehre, Ihnen zu mels 


ben, daB der Preiß des Kaſſees und des Zuders 
bedeutend geftiegen iſt, woran die Konkurrenz der 
Zeitlaͤufte Schuld iſt. Der Krieg zwiſchen den 


Gnglaͤndern und Franzoſen tft ausgebrochen, und 


die Elbe iſt geſperrt. Die Sorte Kaffee, die Sie 
yor Kurzem noch für 12 Gr. befamen, koſtet jetzt 
156©r., und das Pfund Zucker, was jüngft noch 
g&r. galt, gilt jetzt ın Gr. Ich Habe Ahnen: 
dieſes aunor meiden wollen, und erwarte Ihren 


‚ baldigen Befehl. Schwerlich wird. jest diefer Preiß 
fallen ;. vielmebe. muß- man fürchten, daß er mächs 


ſtens noch hoͤher ſteigen wird, Der ich die Ehre 


Babe au ſeyn ge. f 


Ob zwaxr nun gleich ein Brief die Stelle eines 


muͤndiichen Unterredung vertreten ſoll und kann, ſo 


unterſcheidet ee ſich doch von dem mündlichen Ges 
ſpraͤche dadurch, daß der Empfänger des Briefs 
wit auf der. Stelle den Schreiber deſſelben fragen 
kann, wenn er eins oder das andere im Briefe 


. wich verfichet,, wie dad der Fall beim mändlichen 


Geſpraͤche iſt. Da ferner der Brief nur eine Rede 


iſt, die keine Zwiſchenrede, wie das mündliche Ges 
ſpraͤch, zulaͤßt fo folgt ganz natüclidh daraus, daß 
- fi der Briefſchreiber die moͤglichſte Deutlichkeit zur 


Pflicht md . . ! Bu 
Noch find folgende: Regeln des. Wohlſtandes 
zu henbahten. — | 

Es if fehon beim mündlichen Gefpräch eine 
unerlaßliche Forderung, menn man anders auf den 
Namen eines gefitteten Menfchen Anſpruch machen 
will, daß man aͤußerſt artig, gefällig, auvorfonns 
. * oo me d, 


4, 


— — 9 — 


mend, hoͤflich in feinen Ausdruͤcken fey: wie viel 
mehr wird man dieſe Forderung an unſern Brief 
machen? Wie behutſam wirſt Du daher ſeyn miüͤf⸗ 
fen, um auch nicht einmal in Kleinigkeiten dages 
gen anzuftoßen: denn ein gefprochenes Wort vert 
fiegt ſchnell wieder , und. wird Leicht vergeſſen; ein 
gefchriebenes aber haftet länger. Wenn ich z. B. 
an einen guten Freund ſchriebe: „Ihren Brief 
Babe ich durch den Boten richtig empfangen. Eh 
war mie fehr angenehm. Empfehlen ie. mid 
Ihrer Frau und Kindern befiens. Ich bin She 
ergebener Freund,‘ fo wirft Du diefen Brief zwar 
verſtaͤndlich, auch ganz natürlich hi.sgefchrieben fins 
den; aber Du wirft.fühlen, daß er fo ganz gerade 
Hin, und nicht mit Artigkeit, nicht ‚gefällig ges 
fchrieben if. Wir. wollen aber zu einigen Wörs 
tern diefes Briefs gewiſſe gefällige Beiwoͤrter und 
Zufäge flellen, fo wird er gewiß ein freundfichereg 
Anfehen befommen, z. B. 

„Ihren lieben, freundfejaftlichen Brief Habe 
ih durch den Boten richtig empfangen. Sie koͤn⸗ 
nen verfichert feyn, daß er mir recht fehr viel rende 
gemacht hat. Nehmen Sie dafür meinen beften 
Dant, und machen Ste mir bald wieder ein Ahnlis 
ches Vergnügen; Sch follte mir. diefe Forderung 
zwar nicht erlauben, denn fie verräch etwas Eigens 
nutz; doch ich kenne Ihre gütigen Gefinnungen, 
und fürchte nicht von Ihnen verkannt zu werden, 
Empfehlen Ste mich Ihrer vortrefflihen Gattin 
und Ihren liebensmfrdigen Kindern zu geneigten 
Wohlwollen, und bleiben Sie mein Freund, fg 
wie ich unaufhoͤrlich bin der 

Shrige 
"N. 


Dy kannſt fogat durch eine artigere Wendun 
das Unangenehmfte wenigſtens fo ſagen, daß Mr 
| WMyd 


a « [ 
\ . , " ⸗ 


Richt beleidigen kann. Du haͤtteſt z. B. an einen 
Vornehmen einen Mahnbrief zu ſchreiben, and 
Su wollteſt an..ihn ſchreiben: „Ih. habe Em. 
Snaden nun eine Rechnung zwei Mal fchon eins 

geiiätt, aber auf meine- Briefe zur Zeit weder 
Geld noch Antwort erhalten. Sie wiſſen vielleicht 
it‘, wie nothwendig ein fo armer Handwerks⸗ 
inann, als ich bin, fein Geld zufammen nehmen, . 
und wie das ihn drüden muß, wenn ihm ſolche 
Doften zuruͤckbleiben. Ich bitte Sie baher gehors 
famft, an mid zu. denken, und wir den Betrag 
meiner Rechnung. à ı5 Rthlr. 8 Sr. mit naͤchſter 
Poft zu Übermahen, worüber ih Ihnen dann 


> figleidh Die Quittungeinfenden werde, Der ich die 


Ehre Habe zu ſeyn ec.” — Würde diefer Brief 
nicht beleidigen? Würde er aber noch beleidigen 
können, wenn Du ihn fo eingerichter haͤtteſt? 
„Ew. Gnaden verzeihen, wenn Ich es ‚wage, 
Ihnen mit Ddiefer meiner Zufchrift laͤſtig zu wers 
den. Ich Habe das gute Zutrauen a u Ihrem mens 
‚fhenfreundlihen Charakter, daß Sie aus dieſer 
meiner Zudringlichkeit auf meine dringende Lage 
ſchließen, und mir Ihr Mitleid nicht verſagen wers 
den. Der Betrag meiner kleinen Rechnung, die 
ich Ihnen jüngft auf Ihren Befehl zugefendee 
Babe, konnte mie in meiner jegigen tranrigen' £age 
eine bedeutende Huͤlfe leiften,; und mich aus einer - 
großen Verlegenheit reißen; erlauben Ste mir da⸗ 
ber, mich Ihnen unterthänig in. Erinnerung zu 
bringen. Rechnen ie. diefe weine Bitte, die ich 
mit ſchwerem Herzen wiederhole, nicht einem Mans. 
"get an der Ew. Gnaden ſchuldigen Ehrerbietung, 
fondern einzig meiner dreingendfien Noch zu, und 
erlauben ®ie mir ferner noch, was ih mir zur 
befondern Gnade rechnen werde, mich nennen au 

Dürfen ıc. 
Zu dem Antdrucke der in den Briefen zu 

beobach: 


besbachtenden Böflichleitääuferung , Die Ach ‚einiger: 


mafen von der des mündlichen Geſpraͤchs unters 
fiheidet , gehören auch noch folgente Kieinigkeiten, 
die Du aber, ſo geringfügig fie auch feheinen moͤe 
gen, uidt vernachlaͤſſigen darfſt; denn oft beleidis 
gen dergleichen Dinge wicht weniger, als die wich⸗ 
-tigten. So mußt Du alles, was die PDerfon bes 
trıffr und angebet, an weiche Du Deinen Brief 
richteſt. allererfi erwähnen, und nur dann erfi von 
Deinen eigenen Angelegenheiten [prehen. — Wußt 
Du Did ſelbſt und zugleich auch die Perſon nens 
nen, an die Du fchreibft, fo mußt Du dieſe cher, 
als Did, nennen. So darfk Du 3. B. nicht 
fehreiben: ,, Deeine Schwefter fahe es voraus, daß 
dieſe Nachricht mir eben fo lied ſeyn würde, als 


Ihnen;“ fondern: „Meine Schweſter ſah vor“ 


aus, daß Ihnmen diefe Nachricht eben fo lieb feyn 
würde, ald mtr. Ehedem war es nicht erlaubt, 
Weder den Brief ſelbſt noch irgend einen Satz def 
ſelben, wenn man an Höhere oder Vornehmere 
ſchrieb, mit dem Fürmworte ‚, Sch’ anzufangen, 
Diefe Überfpannte Höflichleitsregel legte dem Brief⸗ 
Schreiber eine große Laft auf; man fünftelte, und 
die Briefe befamen dadurch ein fteifes , aͤngſtliches 
Weſen. est, da man das Natürliche höher 
ſchaͤtzt, als ehedem, befolge man diefe Regel nicht 
mehr fo genau; fo lange ſich jedach folche ohne 
Zwang Beobachten läßt, muß man fie in Ehren hals 
ten. Wenn man in der Mitte eines Briefes oder 
gegen das Ende einen Sag mit „„. Ich" anfängt, fo 
wird es weniger zu bedeuten haben; wollte man aber 
einen Brief mit dem lieben Jh anfangen, fo 
würde das auffallen In vielen Bällen laͤßt ſich 
Das ſehr gut vermeiden. 3. B. der Sagt „Ich 
Habe es Ihnen einzig zu verdanken, daß 20.’ laͤßt 
fih fehe leicht fo ordnen: „Ihnen habe ich es 
einzig. zu verdanken, daß ih u 


4 


Serum 


— 12 — 


Kerner if es eine. Hoͤflichkeitsregel, erwahnſt 
Du ih Deinem Briefe die Gattin und Familie 
hefien , an den Dein Brief gerichtet iſt, daß Du 


bei der Benennung bderfelben noch ein ſchickliches 


Beiwort hinzufeßeft, was Deine Achtung gegen- fie 
in hoherm Grade ausdrückt. Schreibe daher nie: 
„Ihre Gattin, Ihre Kinder, Ahr Bruder, Ihre 
Familie,“ fondern etwa: „Ihre verehrungswuͤrdige, 
achtungswuͤrdige, denswuͤrdige Gattin, Ihre lies 
benswuͤrdigen Kinder, Ihr werther, wertheftee 
Here Bruder, Ihre werthgeſchaͤtzte Familie.“ Dei 
dieſen Beiwoͤrtern Haft. Din jedoch genan auf die 
Verhaͤltniſſe zu ſehen, worin Du mit folden Pers 
fonen ſteheſt, damit Du nicht gegen Die Schicklich⸗ 
Leit verſtoͤßeſt. Wenn 3. ©. ein Schreiber an feis 
nen Herrn fchreiben wollte: „Auch wage Ich es, . 
mich zur fortdauernden Gnade Derfelben reizens 
den Frau Gemahlin zu empfehlen,‘ fo würde 
man glauben , der Menfch fey närrifch geworden. — 

Auch gehört es ebenfall& zu den Hoͤflichkeitsregeln, 
daß Du die Frauen der mittleen Stände in Deir 
nem Briefe nicht Frau, fondeen Gattin nenneſt; 
tt fie hoͤhern Standes, fo heißt fie Frau Gemah⸗ 
iin. Wollteſt Du die Framen aus den mittlern 
Ständen Gemahlinen nennen, fo wuͤrdeſt 
Du fie doch, flatt fie zu ehren, und wenn fie 
es auch gern, hörten, doc endlich nur lächerlich 
mahen. Den Frauen der niedern und ungebildes 
ten Stände gibt man fchickliher die Benennung 
„, grau,’ als wenn. man. fie Gattinen nennen 
wollte. Die Ausdruͤcke: „Ihr Herr Liebſter, Jhre 
Fran Liebſte““ find leider aus der Mode gekommen, 
und werden nicht mehr gebraucht. In einem Briefe 
an eine Frau nennt. man ihren Mann — Gatte, 
und iſt er von vornehmen Range — Gemahl. 
Vertraute, herzliche Freunde nennen den Mann — 
Dann, die Frau. Frau, und fegen ein te 
woͤrt⸗ 


— 35 u — 


woͤrtchen vor, z. B. ‚grüßen Sie Ihre lieir gute 
Frau; "grüßen Sie Ihren braven , biedern Dann 
von mir, . 


Wenn Du die Deinigen in einem. Briefe eis 
waͤhnſt, fo muß es mit. der größten Beſcheidenheit 
geſch en, und Du mußt alle Beimörter, 3. B. 
meine gute Tochter, mein fleißiger Sohn, beſon⸗ 
ders. in den Briefen an Vornehmere vermeiden, 
Es ift in ſolchen Fällen nicht einmal ſchicklich, zu 
fagen.: „, mein feliger Water, mein feliger Sohn,’ 
fondern: „mein verfiorbener Water, mein verſtor⸗ 
bener Sohn.” In den Briefen an vertrautere 
Sreunde kann man der Sprache des. Herzens ihren 
Willen laſſen. Aber das Herr und Frau muß 
durchaus mwesfallen, wenn wir von den Unſrigen 
reden, man fage daher: „Mein Sohn, meine To 
ter, mein Vater, meine Mutter,’ nicht: „ a 
Herr Sohn, meine Frau Tochter, nein Hert Va⸗ 
ter, meine Frau Mutter.“ 

Noch will ich Dich ſchluͤßlich auf die Regel 
aufmerkfam machen, keine fremden Wörter in Deis 
nen Brief zu mifchen,, wenn Du flatt diefer Deuts 
fhe Wörter Haft, die der Sprachgebtaud) billige. 
So ſchreibe nicht: „Erlauben Sie, daß ich Sie 
mit einem Kompliment an Ihren Monſieur 
Bruder intommodire;’ fondern: ‚, Erlauben 
Sie, daß ih Sie mit einer Empfehlung an Ihren 
Herrn Bruder beläftige.’ 

Haft Du nun allen diefer Forderungen im 
den Entwurfe zu Deinem Briefe Genuͤge geleifter, 
findeft Du nichts mehr darin zu Andern, dann 
ſchreibe ihn erft reinlich ab, 

So viel uͤber die Erforderniffe eined Briefe 
überhaupt, als fchriftlicher Auffag genommen; num - 
noch einige. Bemerkungen insbeſondere Aber die Ein⸗ 

richtum der Briefe af, m 


— 46 — 


das Herzliche fehlt, ſo macht er meiſtentheils einen 
entgegengeſetzten Eindruck. Bei denjenigen, Die 
wir nicht genau kennen, oder deren Verhaͤltniſſe 
fi weit über die unſrigen erheben, find bet der 
Schlußformel mehr Umftänds noͤthig. Es gibt fos 
gar hier gewiſſe beſtimmte und eingeführte Redens⸗ 
arten, die den Titulaturen genau nachgumeflen find, 
die jene vorpehmern Perfonen führen. So tft die 
Schlußformel eines Schreibens an eine fuͤrſtliche 
Perſon, unſern Landesheren, folgende: „Ich erſterbe 
in tieffter Unterthaͤnigkeit, (oder: Ehrfurcht, Des 
muth, Unterwauͤrfigkeit),“ an eine fuͤrſtliche Pers 
. fon: „Ich erſterbe in tiefer Unterthaͤnigkeit, [Eher 
furcht, ·Unterwuͤrfigkeit), .an einen Vorgeſetzten 
von Range, auch an Srafen: „Ich erſterbe in tiefer 
Ehrerbietung (mit unbeſchraͤnkter hoͤchſter Vereh⸗ 
rung),“ an Vornehme nicht fo hohen Ranges, 
z. ©. ar Barone, Edellente, Buͤrgerliche in vors 
nehmen Aemtern und Würden: „Ich habe bie Ehre 
in (mit) vollkommenſter Ehrerbietung (Verehrung) 
zu verharren,“ oder: ‚„der ich die Ehre Habe, in 
volitoinmenfter Ehrerbierting (Verehrung) zu feine,“ 
- An. Diejenigen, die fi durch ihren Rang nicht zu 
iweit uͤber uns erheben! „Ich verharre (verbleibe) 
mit. der vollkommenſten (ungeheuchelteſten, a 
tigſten) Hocha htung (Hochſchaͤzung/ Achtung, Eis 
gebenheit ).“ *) 


Von der Unterfchrift. 


Auch die Unterſchrift hat ihre eigenen Regeln, 
| und richtet ih nach den Verhaͤltniſſen, die Li 
| n 


6 Wie dergieichen Schlut formein gebtidet werden, ders; 
mian am beften durch das Lefen vieler Briefe. Da 
J dieſer Briefſteller uber 300, und von allen Urten 
> Mehrere Briefe enthält; fo dürfte fh auch bier fin 
aufmertſame Leſer Gelegenheit genug deigen- 


— 17 — 


ſchen dem Briefſchreibenden und dem Empfänger bes 
Driefs Statt finden. Ehedem wiederholte man: 
die völlige Anrede am Schluſſe des Briefes, z. B. 
Ich verharre mit hoͤchſter Verehrung 
’ KHochmwohigeborner Kerr 
Snädiger. Here Geheimer: Kath 
Ew. Hochwohlgeb. 
ganz unterthaͤniger ıc. 
Dder: ı 
Ew. Hochwohlgeb. 
Meines gnädigen Heren Geheimen Raths 
ganz umterthäniger ıc. 


Man Hat aber dieſe Weitläuftigkeiten abges 
ſchafft, und faßt fih nun kürzer. Sept fegt man 
nur: Em. Hochwohlgeb. (Em. Wohlgeb. ꝛc. Hoch⸗ 
edeigeb. ꝛc.) unterthäniger oder gehorſamſter -ıc. 
Den Grad der Unterfhrift beſtimmt dad Verhaͤlt⸗ 
nif. Hat der Brieffchreiber vermöge: feiner Ders 
haͤltniſſe im Zuſammenhange des Briefs fih des 
Ausdruds, 3. B. an feinen Fürften, allergnaͤ⸗ 
digſt bedient, fo unterjchreibt er -fih allerums 
thaͤmigſtgehorſamſter; harter aber an einen 
Fuͤrſten, deflen Unterthan er nicht ift, den Auds 
druck gnaͤdigſt gebraucht, fo unterfhreißt er fich 
untertbänigfier. Bisweilen fegt man auch 
noch das Wort Knecht Hinzu; doch iſt diefes nicht 
nothwendig. Hoͤchſtens bedienen fi deſſen nur 
die PDerfonen der niedrigften Stände gegen ihren 
Landesheren. Frauenzimmern iſt es geſtattet, ſich 
ſtatt unterthänigfte — demuͤthigſte Dienerin, 
zu unterfchreiben. — Ferner: auf anddig — folge 
unterthänig, wenn es gegen einen von dem 
hoͤhern Adel, der zugleih über uns zu befehlen 
hat, gebraucht worden iſt; wird es aber blos gegen 
einen Adeligen gebraucht, welden man Des. Kers 
tommens halber gnädiger Ders ueunt, fo iſt «% 

® | genug, 


genug, wenn man ſich gehorfamer Diener unters 
ſchreibt. — Auf Höhftgeehrt folgt gemeinig⸗ 
ih gehorfamft — oder braucht man es gegen ſei⸗ 
nen Vorgeſetzten, fo fanı man auch zur Auszeichs 
nung — ganz gehorfamft ſetzen. Man pflegt auch 
wohl noch das Wort ‚,‚ Diener’ Hinzuzufügen; 
man kann es aber auch weglaſſen. Gegen Perfos 
nen, die in Hinficke ihres Standes nicht fo weit 
über uns hinausragen , bedient inan fich folgender 
Unterföhriften: ergebenſter, dienſtwilliger, dienſt⸗ 
willigſter; zu dem: ergebenſter Diener kann man 
auch noch, wenn es die Verhaͤltniſſe und Umſtaͤnde 
erlauben, „Freund“ ſetzen. Aus dem bereits 
Angefuͤhrten wird man leicht ſchließen koͤnnen, daß 
man mit dem Worten, unterthaͤnig““ und „gehor⸗ 

famft” amer umgehen müfle, als es fo oft 

nicht — Auch die Unterſchrift muß gedacht, 
- fe darf nie rin leeres Kompliment ſeyn, wovon 
"man glaube, daß es nichts zu fagen, nichts zu 
. bedeuten habe. Dean beobachte Äberhanpt bet den 
Unterfhriften, daß fie nicht Stolz oder eine ges 
wiffe Anmaßung verrathen; das würde dann fo 
z. B. heraustommen, wenn man fi als „‚befter, 
teeufter, zärtlichfler Freund “ unterichreiben ‚wollte; 
das dürfen fir von uns nicht ſeibſt fagen, das 
muͤſſen wir andern überlaffen, und wir müllen es 
erft abwarten, 05 fie uns dafür. hatten. Wenn 
Jene es fagen ſo iſt es ehrenvoll; nur uns kommt 
Hes nicht zu, Über uns zu urtheilen. So taugen 
die Unterſchreften: „Ihr eignier” ,, Ihr ergebens 
fler "auch nicht ſonderlich sie, Erſtere gibt we⸗ 
nigſtens einen: Doppelſinn. Sol fle einen Gedan⸗ 
ten haben, fo muß fie heißen: Ihr Ahnen. eiger 
ner; fo auch! Ihr Ihnen ergebenfter Freund und 
Diener, Letztens vermeide man auch bei den Un⸗ 
terfchriften veraltete Ausdruͤcke, wie 3. B. Dienfts 
gelitener , Dienftveflifiener ; wicht minder mel 


x 


« 


— 29 — 


auch alle aus fremden Sprachen entlehnte Wörter, 
.4- B. obligantefter Diener u. ſ. w. 
So viel von der innern Einrichtung dee 
‚ Briefe. .: 
Ä Da fi) die Briefe in verfchiedene Gattungen 
eintheilen, und eine jede derfelben noch ihre befons 
bern Regeln für Ach bat, fo find dieſe bei den 
Briefen , die biefe &egenftände umfaflen , im 
einer eigenen Anleitung vor denſelben aufgeführt 
worden. . 
Bon der Außerlichen Einrichtung ber Briefe, 

- Gegen einen guten Freund nimmt man ed 
nicht fo genau, wenn man auch bisweilen in einem 
weniger feftlihen Heide vor ihm erfcheint; macht 
man aber einen Staatsbeſuch, dann MAMuß man 
ſchon auf da6 Aeußerliche. mehr Sorgfalt menden. 
Und fo kann man denn auch, wenn man an einen 
guten Freund fchreibt, zwar fein, fchiechtes, aber 
Doch auch kein ganz ſchoͤnes Dapier nehmen; ſchreibt 
man hingegen an einen vornehmen Mann, oder an 

» eine elegante Dame, fo wird man fon für ein 
feines hollaͤndiſches Papier befürge feyn muͤſſen. Zu 
Suppliten, Promemorias, Eingaben, nimmt man - 
einen feinen großen Foliobbdgen. An vornehme 
Leute ſchreibt mar -auf einen. kleinen Foliobogen, 
auch auf einen fogenannten groͤßern Quarts hol⸗ 
ländifchen Briefbogen. Bei Freunden wähle man 
hingegen ein doppeltes Blatz, das ein gemeinet 
Quartformat  ausmaht; auch kann man biswei⸗ 
len ein, jedoch. etwas großes, Oktavformat dazu 
sehmen. „Auf ein einfaches Blatt zu fchreiben If 
nicht nur unſchicklich, fondern. auch. desivegen nicht 
tathfam ; weil es leicht geſchehen kann, daß durch 
das Siegel bei Erbtechen einige Stelle des Briefß, 
Ve Tagsangabe ;obsp:. Unterſchriſt verletzt werden 
— DB: tinnn, 


| 5. B. 


— 20 — 

konnen, nicht minder dringen die Scheiftzuͤge leicht 
durch, und ein ſolcher Brief kann oft, ohne daß 

man ihn zu erbrechen braucht, von Stelle zu Stelle 
geleſen werden. = 
j Berner iſt es Hauptregel, auf jeden Gall das 
Blatt, worauf man.einen Brief ſchreibt, zu bes 
fchneiden, und zwar ehe man darauf ſchreibt; ſonſt 
kann man leicht einen falfchen Schnitt wir der 

Schere thun, und dem ganzen Brief: verderben, 
Die Anzeige des Tages und des Wohnorts, 
wenn und wo der Brief gefchrieben worden ift, tft 
brittens ein Außerft unerlaßlihes Haupterfordert 
niß eins Briefs. Schreibt man an gute Freunde 
and Gefannte, fo fegt man den Ors und Ken Tag, 
woher der Brief fommt. und wem er gefchrieben 
ft, :oben an das Blatt rechter Hand, ungefähe 
eitren Eiger breit vom Rande ab, in sine Zeile, - 


Wien, ben ı2. Sepibr. 1813. 


In Briefen an Vornehmere wuͤrde dieß aber 
für unanſtaͤndig gehalten werden; man ſetzt daher 
beides, Ort und Zeit, am Schluſſe des Briefs 
linker Hand, der Unterfchrift gegenüber, Jedoch in 
7 bei Zeilen, z. B. | | | 


. nn Ew. Wohlgeb. 
Berlin, en 
den igten Septembre *  gehörfanifter Diener 
‚Tas. | Adelph Ehrlich. 


Schreibt man an einen Gelannten, oder at 
einen ; der mi nuns in gleichem Range oder tiefer 
fiehet, und ber mit. ans in’ einem und demfelben 
Wohnorte lebt, ſo ſchreibt man Äber den Anfang 
des Brief: - V. H. (Vom Kaufe) nnd fest fos 
glei den Tagıkne: das Jahr dazu. Nach der Au⸗ 

geige des Ortö.und ‚der Zeit folge die Anrede des 
BSri⸗eſo. Diele wird unhefaͤhr oren Btnger  boele 

a eG Ä 


von 


v 


— 21 — N 


von dem obern Rande bes Blatts hingeſetzt, iM 


unſer Brief an eine vornehme Perſon gerichtet; 


bei guten Freunden: aber iſt ein Platz ungefaͤhr 
von zwei Fingern breit hinlaͤnglich. Beſteht die 
‚Anrede, wis gewoͤhnlich, aus zwei Zeilen, wenn 
man an Wornehme fchreist, fo wird die zweite . 


Zeile ungefähr fo weit: von ber erften abgeruͤckt, 
als der Zwifchenraum der Zeilen beträgt, der in 
dem Briefe feibft Statt haben folL Zwifchen der 
Anrede und zwiſchen der erften Zeile, womit ber 
Brief anfängt, wird .Raum gelaflen. Der Rang 
der Perfon, an die man ſchreibt, und die Vers 


hältniffe, worin man mit ihr’ ſtehet, beftimmen Die. 


Weite des Plages ebenfalls wieder , den man bier 
leer läßt. Bet Ereunden iſt ein zwei Binger breit 
ter leer gelaflener Raum Hinlänglich genug. In 
den Briefen an Perfonen.vom erfien Range dürfen 
auf der erften Seite des Briefs kauni fechs Bis 
acht Zeilen zu fliehen kommen. Auf der Briefſeite 


" inter Rand wird die Länge hinunter ebenfalls ein 


leeree Platz, in Briefen an Vornehme auf einem 


großen Holländifchen Bogen ungefähr ein und ein 


| 


| 


l 


halber Zoll, auf einem großen Foliobogen hingegen 
wohl zwei Zoll, bei guten Freunden aber hoͤchſtens 
ein Zoll breit weiß gelaſſen. Man muß behutſam 
ſchreiben, daß Zeile auf Zeile gerade unter einander 
zu fliehen komme, damit nicht bald eine Sylbe 
der einen Zeile weiter hervortage und die in der 
andern tiefer eingeruͤckt erſcheine. Man hat vorges 


fhlagen , eine Linie zum Maßſtabe der Länge. binab 


mit einem Bleiftifte zu ziehen. Ich widerrathe es 
aber. Soll die Linie ſtehen bleiben, fo ficht es 
gar zu fchullnabenmäßig aus; will man fie aber 


wegwiſchen, und wenn man auch dazu Besina 


elastica nimmt, fo treibt fih das Papier, wenn 


Wes befonderd etwas wollig ift, rauch; will man es 


R 


mit einem elfenbeinernen oder hornenen Streicher 


woreder 


„um 28 | 


wleder glätten, ſo wird bie gduſtelel doch Ahtbar 
Bleiben, und dad Papier. wird nie feine natürliche 
Glaͤtte wieder erhalten. Beſſer iſt es, man ges 


vwoͤhnt fi gleich. fo, daß ‚man feine Zuflucht zu 


ſolchen Huͤlfemitteln niche zu nehmen braucht. Auf 
der zweiten Seite des Blattes fängt man ungefähr, 
alfenfalis auch eine Zeile tiefer, da wieder an zu 
ſchreiben, wo auf der erften Seite die zweite Zeile 
der Anrede fland. Mit dem Schluſſe des Briefes 
muß ‚man in Hinſicht des Raums behutfem fern, 
daß er nicht zu tief an das Ende der. Seite gerache; 
damit ebenfalls zmwifchen der leuten Zeile des Brier 
ſes, und der darunter. ſtehenden erſten Schlußan⸗ 
rede, und zwiſchen den zwei legten Zeilen der Un⸗ 
terſchrift eben fo viel Raum bleibe, als man zwi—⸗ 
ſchen der Anrede und dem Anfange des Briefs ges 
Iafien hat. Bei guten Zreunden hingegen nimmt 
man alle. bieſe Dinge nicht fo genau. Die Unter 
ſchrift feines Namens fehreibe man vorzüglich deuts 


ih; auch füge man den Charakter oder dad Ser 


werde, was. man betreibt, hinzu, wenn man an 
Prrſonen fehreibt , welchen man noch nicht befannt 
iſt. — Moftkeripte oder Nachſchriften, fo wie der 
Zuſatz? „in Eil,“Yerner das Einſchalten ausge⸗ 
laſſener Worte, ſind hoͤchſtens in freundſchaftlichen 


Briefen zu dulden. Daſſelbe gilt aucd von dem - 


Beſtreuen des Briefes mit Sand. Daß Aberhaupt 
die aͤußerſte Reinlichkeit ſowohl in bem Briefe felbft, 


ale auch auf dem Umſchlage deſſeiben Berrfchen‘ 
muͤſſe, will ich nicht erſt erwähnen, da ih das 


von: Abſr verſteht. 

Was das Zufammendtechen der Briefe betrifft, 
fo find auch bier wieder verfhiedene Regeln zu 
beobachten. Briefe an Höhere Derfonen legt man 


fo zufammen , daB das Format besfelben nicht zu 


x 


Hein’ ausfehe; auch ſchließt man fie in einen Ums 
Ä Aölag (Konvert). Das Kouvert muß von geöbern | 


Papier | 


Papier als der Brief felbft ſeyn, es muß ihn feft 
umſchließen, fo.daB es ihn unbeichädtgt erhalt. Es 
wird beſonders für jeden Brief nöthig, der auf 


mehr als zwei Seiten befchrieben ift, und zwar muß 


Das Papier fo ſtark feyn, daß die Schrift des Briefes 
nicht durchſcheint. Beim. Auftragen des Siegels 
muß man.mit dem Siegellack weder zu verfchwens 
. berifch,, noch zu ſparſam, umgehen. Im erftern 
Galle fpringt das Siegeliach menn es zu dick aufs 
geklebt wird, wieder ab; im letztern druͤckt ſich dag 
Petſchaft nicht deutlich ans. Das Siegel muß abs 
gemefien in der Mitte ſtehen. Dan drüde das 
Merfchaft niche verfehre auf. An vornehmere Pers 
fonen. muß man fi eines feinen Siegellads ;; an 
‚Kreunde hingegen. fann man fich auch des Mund: 
Tas oder der Oblaten bedienen, Bet Todesfällen, 
wo wie Trauer anlegen, iſt es gebräuchlich, . mit 
ſchwarzem Siegellack zu fiegeln; ſchreibt man aber 
während feiner Familientrauer an vornehme Perfos 
nen, deren Rang fich weit Über den unfrigen ers 
hebt, fo fiegelt man roch und nicht ſchwarz. 

Bei der Ueberfchrift, Auffchrife (Adreſſe) des 
Briefs beobachte man folgendes. Man mache feine 


franzöfifhen Auffchriften; denn eine franzoͤſiſche Adreſſe 


auf einem deutſchen Briefe iſt Unſinn. Auch iſt 
es von den Brieftraͤgern nicht zu. verlangen, daß 
fie der franzoͤſiſchen Sprache kundig ſeyn ſollen. 
Dieſelbe Titulatur, deren man ſich im Briefe ſelbſt 
bedtente, muß auch von außen auf der Aufſchrift 
wieder Statt haben. Es wuͤrde eine große Unſchick⸗ 
lichkett ſeyn, und eine ſtarke Nachlaͤſſigkeit verrathen, 
wollte man Jemanden auf dem Umſchlage des Briefs 
„Wohlgeb.“ tituliren, wenn man ihn im Briefe 
nur mit „Hochedelgeb.“ angereder hätte. Noch will 
ih anzeigen, daß es ‚bei der Auffchrift eines Briefe 
niche üblich fey, die Verwandtfchaft und Privatver⸗ 
bindung zu erwähnen, worin man mit dem Em⸗ 

pfaͤnger 


— EV — 
pfaͤnger des Briefs ſtehet. Man füge alfo nicht : 
», An Seren N. meinen lieben Vater, meinen lieben 
Bruder , meinen lieben Herrn Gevatter.“ Es .tft 
genug, wenn der Name und das Amt, oder das 
Handwerk oder das Gefchäft, das det Empfänger 
bekleidet oder treibt, angeführt if. Die Auffchrife 
des Briefs muß. deutlich geſchrieben werden; bie 
Urfache, Warum? "tft leicht zu denken. Der Ort, 
wohin der Brief laufen fol, muß nicht nur deut⸗ 
lich gefchrieben, fondern auh beſtimmt anges 
geben fen. Man Bat drei, vier Derter, bie - 
einerlei Namen führen; wenn tum der Kreis 
oder das Land nicht genau beſtimmt' iſt, worin 
Diefer Ort liegt, und wodurch er fih von feinen 
Namensbruͤdern unterſcheidet: wird da nicht ber 
Brief fehr leicht an einen falfchen Platz gerathen 
innen? Boll der Brief: in ein Meines unbekann⸗ 
tes Städtchen, oder in ein Dorf abgehen, worin 
ein Jhoßamt befindlich iſt, ſo benennt, man auf 
der Auffchrift eine der größern Städte, in deren 
Nähe das Staͤdtchen oder das Dorf liege. Auch 
zeige man den Charakter , befonders aber bei Kauf: 
leuten und Profeffioniften die Vornamen beſtimmt 
und ausgefchrieben an; denn oft leben in einem 
Orte mehrere Familien und Männer von einerfei 
Zunamen. Giebt es Anverwandte,, die fogar einers 
lei Vornamen führen und einerlet Gewerbe treiben, 
fo fchreibe man entweder: „An Herrn N. den 
WVater, den Sohn; oder man fchteiße: „der 
ältere, der jüngere ‘dazu. Dicht weniger ift es . 
nothwendig, daß die Straße und das Haus anges 
zeigt werde, worin der Empfänger zu treffen fey. — 
. Kat man einem Briefe Dokumente, Wechfel ıc. 
- beigelegt, fo zeige man deren Werth außen anf 
Der Auffchrift des Brief an. Muß man aud) 
etwas mehr Dorto bezahlen, fo iſt man doch alsı 
dann gefihere, daß man, im Fall der Brief vers 

oren 


uns 25 u , 


loren ginge, nichts verlieren: kann, weil man dann 
auf Schadenerfaß Anfprud) machen darf. Hat man 
Seid’ in feinem Briefe mit der Poft abgeſchickt, fo 
laͤßt nian fih einen Poftfchein darüber geben. Dies 
fen bewahrt man fo. lange auf, Bis Brief. und 
Seld beſtimmt an Ort und Stelle angelangt find 
Diefee Schein dient uns zum Belege, im Fall’ der 
Brief und dad Geld verloren gegangen, die Wies 
bererftattung -des Geldes von dem Poſtamte ven 
langen zu fönnen. 

Viele fichen in dem Wahne daß der Brief, 
wenn fie anf die Auffartft „„cito, citissime“ 
ſchreiben, geſchwinder fortkonime. Sie irren’ fi. 
Der Poſtmeiſter tößt ſich das Eito bezahlen; der 
Brief kommt aber nicht geſchwinder an Ort und 
Sielle, als feine Übrigen Retfegefellfchafter , ben 
Sein Cito auf die Stirne gefchrieben fteht. 
Briefe an Vornehme, an gute Freunde, fü —* 
auch an Alle, denen wir Aufträge ertheilen, mers 
den frankirt; nur diejenigen darf man unfranfirt 
fortſchicken, die eine Antwort an Perfonen .enthals‘ 
ten, die wie nicht kennen, und die fih mit uns 
verfhänter Dreiftigkeit uns aufdringen ; ferner bet 
fremden Angelegenheiten von Perfonen, mit mels 
hen wir in keinen nähern Verhaͤltniſſen und Ders 
Bindungen fliehen. Wollen. wir ihnen jedoch einige 
Achtung bezeigen, fo bezahlen wir auch in folchen 
Fällen das Poſtgeld. Noch will ich erinnern, daß 
man fi den Tag genau anmerke, an welchem 
man einen Brief auf die Poft gibt. Sollte der 
abgefendete Brief nicht angekommen ſeyn, fo kann 
man dann Auf dem Poſtamte nachſchlagen laflen, 
und fich erfundigen, was die Schuld geweſen iſt, 
daß dieſer Brief entweder zar nicht abgefendet wor⸗ 
den, öder wo er liegen geblieben fey. 


1 Uon 





ing 6 m 


DEU Von der Titulatun 


Die Titulatur, welche wir Jemandem zu ge 
Sen haben, richtet fi nach dem Range, weichen 
er entweder durch feinen Stand .oder durch feine 
Beburt in der bürgerlichen Geſellſchaft behauptet. 
Kein Wort iſt in diefer Hinſicht eigenfinniger als 
das Deutſche, und es würde und entweder für: 
unberufne Vorlautheit oder für Unwiſſenheit auss 
gelegt werden, wenn wir diefe Formen wernachläfs 
Agen"wollten. Das angeführte Regiſter von. Tieus 
latnren wird für die meiſten Fälle genügen ,. und 
ſeſoſt da, wo man fich nicht näher nach den beftes 
Senden Formen eines einzelnen Landes, einer ein- 
jet nen Provinz oder Stadt bei Sachverſtaͤndigen 
tundigen kann, wenigſtens große Mißgriffe vers 
Hindern. Doch erlauben. wie uns zuvoͤrderſt fol⸗ 
gende zwei Bemerkungen. 

Wenn wir bie gehörigen Titulaturen einem 
Briefe beifügen wollen ,: fo muͤſſen wir überhaupt 
- auf vier Dinge Rüdfihe nehmen: 1) auf die 
 Meberfhrife im Briefe, 2) auf die Ans 
zede im Briefe ſelbſt, 3) auf die Unter⸗ 
ſchrift, 4) anf Me Außere Auffhrift 
(Adreſſe). 

Zweitens aber Tann man fich bei den Anreden 
im Briefe ſelbſt, um eine laͤſtige Eintönigkeit zu - 
wermeiden, der Abwechfelung bedienen, und flate 
der Wiederholung des Ew. Kaiferl. oder Königl. 
Majeſtaͤt, oder Em. Hochwohlgeb. u. f. w., bei 
Kaiſern, Königen und Sroßherzögen: Allerhächfts _ 
Diefelben, bet Herzoͤgen, Kürften. und Prinzen: 
Hoͤchſtdieſelben, bei Perfonen von hohem 
Adel: Hochdiefelbenu, bei Derfonen des niedren : 
Adels, des vornehmen Bürderflandes und in dem 
Verhaͤltniß von Untergebenen: Diefelben ſetzen. 
vei 4 gebildeten Perſonen kann man, namentlich wenn 
;“. man 


— 27 — 


man mit ihnen auf einer gleichen Stufe ſteht, das 
Em. Wohigeb. und Em. Hochehsigeb. mit. Sie 
ond Ihnen wechſeln laſſen. 


r 





A. Titnlaturen des weltlichen Standes. 
Titulatur eines Katfers. 
Anrede: Allerduchlauctigfter , Undberwindii@ 

ftee Kaiſer, 
Allergnädigfter Kaiſer und Herr. 
‚Im Briefe felpft: Ew. Katf. Majeſtaͤt. Ode 
zur Abwechfelung: Allerhöchſtdieſeiben. 
Unterfhrife: Allerunterthaͤnigſt gehorſamſter. 
Aufſchrift: Dem Allerdurchlauchtigſten, Groß⸗ 
maͤchtigſten Fuͤrſten und Herrn, Kern Franz 
dem Erſten, Kaiſer von Oeſtreich, ‚König. 
Ungarn, Böhmen und Gallizien u. ſ. f. 
Meinem Allerinadigſten Kaiſer und Herrn. 
Wien. 
| Eines kaiſerlichen Prinzen. 
Anrede: Durdiauchtigfter Prinz CEröpeing, 
| ur Kronprinz), 
Gnaͤdigſter Prinz und Kerr. 
Sm Briefe ſelbſt: Ew. Kaiferl. Hoheit, 
Unterfhrift: Unterthänigft gehorfamiter. 
Auffhrife Sr. KRaiferi. Hoheit, dem Durch⸗ 
lauchtigſten Fürften und Herrn, Herrn Karl 
Ludwig, Kaiſerl. Prinzen von Oeſtreich, Koͤnigl. 
Drinzen von Ungarn u. fe w., Erzherzog zu 
Oeſtreich. 
Eines Königs. 
Anrede: Mer uräiaugtigfer, Grobmacheigſter J 


oͤni 
Alergnädigfter Herr. 
Sa. 


⁊ 


Im Btiefe fechR: Ew. Könige. Majeſtaͤt. 
Unterſchrift: Allerunterthaͤnigſt gehorſamſter. 
Aufſchrift: Dem Alierdurchlauchtigſten, Groß⸗ 
maͤchtigſten Fuͤrſten und Herrn, Friedrich Auguſt, 

Könige von Sachfen ıc. 

Meinem Allergnaͤdigſten Herrn. 
Eines konigl. Prinzen. 
| Ihrede:- Durchlauchtigſter Prinz (Kronprinj 
oder Erbprinz), 
BGunaͤdigſter Prinz und Kar. 
Am Briefe: Ew. Könige. Hoheit. 
- MU nterſchrift: Unterthänigfter. 

— f FALANR or. Kenisl. Ooheit dem Sronprinzen | 
in. dr Ber des Königs vor Gadfen. 
Antede: : Durchlanhtioßer Prinz, 

 . Öndpigker Prinz und Herr. 
Im Briefe ſelbſt: Em. Königl. Hoheit. 
un nterfhrift: Untierthaͤnigſter. 

. Eines Großherzogs. 

* nrede: Allerdurchlauchtigſter Großherzog, 
Gnaͤdigſter Bürft und. Herr. 

Im Briefe: Em. Großherzogl. Durchlaucht. 

Untetfhrift: Unterthaͤnigſt gehorſamſter. 


I a uffhrift: An Seine Königl. Sodeit,. dem Broßs 


|  berzog zu N. 
A Eines Herzogs. 
Anrede: Durchlauchtigſter Herzog, 

Bnaͤdigſter Herzog und Herr. 
Im Briefe: Ew. Herzogl. Durchlaucht. 
Un eerfrift: Unterthänigft gehörfamfter. 
Auffhrift: An- Seine Durchlaucht, dem regle⸗ 
genden Herzog von N: N. | u 
— nes 


‚Eines Zarſten. 
Anrede: ha fee Furſt, 
naͤdigſter Fuͤrſt und Herr. 
Im Briefe: ‚Em. Fürftt,, auch: Em. Hochfaͤrſtl. 
Durchlaucht. 
Unterf 9 rif t Unterthaͤnig gehorſamſter. 
AIufſchrife: Dem Durchlauchtigſten Kärften und 
Herrn, regierenden darſten zu N. N. 


- Eines Strafen. 

Anrede: Soßgesumer Straf, . 

“ Snädiger Graf und Herr. 

Sm Briefe Felbſt: Em. Hochgraͤfliche Snaden 

(oder auch. einfacher: Ew. Hochgeb.). 

Unterfchetft: Ganz gehorſamſter (auch nad 

Verhältniffen. unterthäniger). 

Aufſchrift: Sr. Hochgeboren dem Grafen N.N, 
(IR der Graf aus einer alten Familie, namen 
lich wenn feine Vorfahren Neichsgrafen waren, 
fo erhält er den Titel Ew. Erlaucdt, und 
auf der Auffhrift: Br. Erlaucht. Bekleidet er 
eine Staatswärde, fo wird dieſe —— z. —* 


An den Konig. ——— Stantsniinifter, Or 


fen an: ‚N; Excellenz). 


Eines gie heren. 
Anrede: (anhmoblgeherner Hrr Büeihene Waren], 
nädiger Herr ıc. 
Im Briefen Ew. Hochwohlgeb. Freiherri. San 
den (oder auch: Ew. Freiherri. Guaden). 
Unterfchrift: Ganz geher ſam ſter (anch nach 
Verhaͤltniſſen: unterthaͤniger) 


TER wohn) nn „Dem Herrn Frei⸗ 


Eine & 


Sam 30 — . ” 


Ä Eines Adeligem, 
Anrede: Hochwohlgeborner Herr. ' | 
Sm Briefe feld: Em. Sochwohlges. Bosten 
Cauch wohl nur: Ew. Gnaden). 
Unterſchrift: Gehorſamſter Diener Candy wohl 
blos: geborfamfier). 
Aufſchrift: Sr. Hochwohlgeb. ‚dem Seren N. N, 
Erblehn⸗ und Gerichtsheren. 

(Bekleidet er eine Militaͤr: oder eine bürgerliche 
Staatswürde, fo wird folde vor feinem Namen- 
erwähnt, 3. B.: Br. Hochwohlgeb. dem Kern 
Major von N. N. Herru auf u. f-W.). 


Eine Staatsminiſters. ” 


a Anrede: Kohmwohlgeberner: Herr, 


Hochgebietender Hert Onatsuniße, 
| Gnaͤdiger Herr. 

Am Briefe felbfl: Em. Ercellenz.. 
Aue A ': zn den — * Eines 
min egs⸗, Juſtiz ⸗, ni 
Herxn von N. N Epeelleng ie iſer) 
Eines —— | 
Unsiber Hochwohigeborner H 
| der Sam — * Arten) 


eral, 
Guddigſter Herr. 
Im Briefe fribe Exw. Ereelenp;t.. | 
Unterfärift: Sehorſamſter. 
Aufſchrifte An den Konigl. Preuß,‘ —* 
ltenonant Herrn N. N. Excellen as N.“ 


EU I. Sun Öberften.. .. —9 | u 
a nrede: een Herr, 
rter —— and Konz 


Im 


a 
ir 


| — Ten | 
Im Braͤefe ſelbſt: Ew. Hochwohlgeb. 
Aufſchrift: Sr. Hochwohlgeb. dem Keren N: 


Königl. Sachſifchen Oberfleh und Kommandeur. 
‚des Wataillons N. zu N. 


| Mit den noͤthigen Abanderungen, erhalten 
auf gleiche Weife Major, Hauptmann, Rittmei⸗ 

fer , Lieutenant und Zähnrich ihre Titulatur. Ob 
die Offiziere: jedes Grades vom Faͤhnrich an, wie 
im Preußifchen, Hochwohlgeb. erhalten, oder. nur 
Wohlgeb., das entfcheidet der übliche Gebrauch 
jedes Landes). ’ 


mochige Machbemertungen. | 
Die Titulatur: „Ew. Excellenz“ komme den 


©tagtsminiftern und Generallieutenants zu, und . 


ift außerdem noch mit.den Rittern mancher Orden, 
z. B. in Preußen mit denen des rothen und ſchwar⸗ 
zen Adlerordens erſter Klaffe verbunden, fo wie 
auch mit befondern Aemten, wie in Sachſen 
mit dem Amte. eines wirklichen Geheimen = Nathes. 
Ew. Hochwohlgeb. kommt den Edelleuten , ven 
Präfidenten und Raͤthen des erfien Ranges zu; 
Ew. Wohlged. den NRärhen, Doktoren, Profeflos 
zen, vornehmen Bürgern und Kaufleuten; auch 
den Gubalternen der hoͤhern Kollegin, fo wie 
meiftentheild Allen denen, die fludirt haben, oder 
die doch einen Rang in der bürgerlihen Welt bes 
haupten , der Bildung vorausfest. — Die Titula⸗ 
ne. Hochedelgeb. iſt jegt durch Ew. Wohlgeb. fehe . 
verdrängt worden; der Vorgeſetzte ertheilt ſie noch 
bisweilen an die fubaltern Staarsdtener , z. ©. an 
: die Sekretaͤren, Inſpektoren, Raizelifien u.f w, 
fo wie fie auch meiftens Kaufleute und Fabrikans 
ten, die einem geringen Geſchaͤftskreis vorſte⸗ 
ben, erhalten; im Algemeinen abes erhält jeder, 

— | | a \ \\ 


⸗ 


2 


Ew. Io 


dem ma una genite Bildung, zuſchreiben kann: 
geb 
Die Kaufleute haben Unter einander alle Titus 


laturen abgefchafft. Auch Hat: die jeßige Sitte die 


weitern Abſtufungen, wie: Wohledelgeborner, Hoch⸗ 


J edler Wohledler, faſt ganz abgeſchafft. 


Schreibt man an Jemanden, der eine Stelle 
bekleidet, fo iſt die Meberfchrift fo, daß man in, 
die erſte Zeile, Wohlgeborner Herr, oder, nach 
Maßgabe der Titnlatur der Perſonen, Hochedel⸗ 
gebornet: Herr, und nur in bie arte Zeile ben 


Titel feines Amtes fegt, alfo 3. 


MWohlgeborner Herr 
Hochgeehrter Herr Hofrath! 


Die Anrede Ew. Wohlgeb. oder Ew. Hoch⸗ 


edelged. wechfelt im Briefe felöft mit Ste und Ihr 


nen .ab. Die Unterfchrift richtet fich fehr nad dem- 
Werhaͤltniſſe, in dem der Örieffchreiber mit dem 
Empfänger ſteht. Die gewoͤhnlichſte Art, den Brief 
zu ſchließen, ift die, daß man ſchreibt: Mit aller 
Be | | 
Ihr 
genen. Diener 


— 


er: Ich verbleibe mit der groͤßten b hachtung. 
Auch laͤßt man gegen ſolche, die einen niedern Rang 
haben dies: „mit aller Hochachtung “ weg, und 


reibt nur: ‘ 
“ Ergebenſt 


2. Di 6: mie aler tung 


N nn ergebener 
en | Fa Lu 


“ Dir Aufn des ‚Veiefes beftcht aus der 


—* Nennung 


— nn a 


> 


. Mennung des Namens, des Titels und der Hinzu⸗ 


fügung ber Anrede, weiche ihm zukommt, alfo : 
©r. Wo 


des Herrn —* N. N. zu. N. 
Dder: | 
Bin. 
erten Fat 
* Wohlgeb. au N. 








B. Titulatur des geiftlihen Standes, 

Die Setftlihen des erften Ranges, ale Kar—⸗ 
dinaͤle, Erzbiſchoͤfe, Biſchoͤfe, gefürftete Achte und . 
Proͤpſte erhalten den Titel Hohmwärbdigfte, und. 
in der Anrede Ew. Hoch würden mit Ausnahme 
des Kardinal, welher mit: Ew. Eminenz 
angeredert wird. Pröpfte und’ Dombderren, Aebte 
and Nitter geiftlicher Orden , Doktören und ordents 
lihe Profeſſer der Theofogie, Generalfüperintendens 
ten und Oberhofprediger , fo wie alle Geiſtliche der 
Tacholifchen Kirche erhalten den Titel Hoch wuͤr⸗ 


. dige, und die Übrigen Geiſtlichen, Prediger, Pfars 


ter: Hoche hrwuͤrdige; geringe Landgeiſtliche 


and Dorfprediger, ſonſt: Sohwohlehrwärs 


dige, jegt aber finder kein Unterſchied zwiichen 


Stadt:⸗ und Landgeifllihen Statt. Einige Beh 
ſiele follen die Anwendung zeigen. 


An einen Propf. 


%s ure de: Hochwuͤrdiger Herr, 


— u Be 


Hochzuverehrender Herr Propfl. 


3m Briefe ſelbſt: Ew. Hochwuͤrden; tim Zu⸗/ 


ſammenhang: Diefelben. 


Aufſchrift: An Seine Pooworden, don un. 


Propf des Otifts N. gem n 
M 


t 


1] — 34 — 
An einen Prediger: 
et nrede: Kocehrwürdiger Herr, 
| Hoch zuverehrender Herr Prediger. 
Am Briefe ſelbſt: Ew. Hochehrwuͤrden. 
Aufſchrift: Sr. Hochehrwuͤrden, dem Herrn Pre⸗ 
diger N. zu N. 
Die geiſtlichen Würden gehen. den weltlichen 


vor, ſo daß, wer beide bekieidet, den Titel dee 
erſtern erhaͤt. 


C. Titulatur der Frauen. 

Die Frauen erhalten den Titel ihres Mannes, 
fo daß alfo, wenn dieſer: Hochwohlgeboren, Wohl⸗ 
eboren und Hochedelgeboren bekommt, auch dem 
—*8 dieſer Titel zuſteht. Die adeligen Damen . 
erhalten in der Antede den Titel: Gnaͤdig, ſowohl 
verheitathete als unverheirathete,, alfo 3. ®.: 
u eberſchrift: Sucwehlgeborne Grau, 

| Gnaͤdige Frau. 

Im Briefe ſeibſt: Ihro Gnaden 


us Vesfgrift: Sodmehtarbons Fraͤulein, 
ulein. 
J :Yaßerdem erhalten die Frauen den Titel des 
—* das ihre Männer bekleiden; alſe z. B. 
Ueberſchrift: Wohlgeborne Frau, 
Hochgeehrteſte Frau Bauͤrgemeiſterin. 
Im Briefe ſelbſt: Em. Wohlgeboren. 
J Die Sitte, unverheirarhete-Franenzimmer buͤr⸗ 
gerlichen Standes ſtatt des franzöfifchen Demoiſelle 
oder Mademoiſelle mit Fraͤulein anzureden, dem 
man Hochgeehrtes oder Hoqhgerhrießtes beifügt, wird 
| Immer daußser 3 BD us 
eber⸗ 


Ueberſchrift: Hochgeehrteſtes Eräulein, .- - 
oder auch: 
Wohlgebornes Fraͤulein, 
Hochgeehrteſtes Fraͤulein. 
Im Briefe: Em. Wohlgeboren. | 

Die Frauenzimmer haben’ jedoch Leinen Antheii 
an den Titeln geiſtlicher Wuͤrden ber Maͤnner, fons 
dern erhalten ftatt Hochwürden und Hochehrwuͤrden 
nad) Verhälting Wohlgeboren und Sochedelgeboren. 
Dagegen erhalten die Frauenzimmer, welche felft 
geiftliche Würden bekleiden, z. B. die einer Aebtiiſin, 
eines Sriftsfräuleins uf. w., die Titulatur chres 
Amtes, alfo z. 

. un eine Aebtiffin. 
An rede: Hochwuͤrdigr, | 
Hochwohlgeborne Frau, 
Snädige Frau. 
Im Briefe ſelbſt: Ihro Hochwurden Sna 
den ober‘ Em. Hochwuͤrden. 
Aufſchrift: An die Hochwuͤrdge, Hochwohige⸗ 
borne Frau N. N., des Kloſters zu N. Aebtiſſtu. 
An ein Stiftsfeäulein. “ 
Anrede: Hochwuͤrdiges, 
Hochwohlgebornes Fräulein, 
Snädiges Fräulein. 
Im Briefe ſelbeſt und bie Aufſchrift wie 
vorher. 

Sind dieſe geiſtlichen Damen nicht von Adel, 
ſo erhalten ſie ſtatt: Hochwohlgeboren nur Wohl⸗ 
geboren. 

Frauen, die aus einem höhern, z. ©. dem 
- ablichen Stande, in einen geringern, 3. ð. den 

büuͤrgerlichen Stande heirathen, erhalten den Titel, 
\ vode ihnen der Geburt nach zukommt. Haͤtte 

B. ein Sraulrin einen Dreviger geheirathet, fo 
u | gebührt 


4 


gesäger Ihe: SKohwohgeh. Bean. Bnögerhuf ä 


Caber nicht: Gnaͤdige) Frau Paftori 


Zürftinen und Prinzeffinen von "regierenden | 


. Häufern werden Tran gern, wenn fie auch nicht 
verheirathe find, z. 
A Prinzeffin, 
—— Prinzeſſin und Frau. 





D. <itnlaturen in Briefen am’ Ditaſtetien 
Kollegien und Departements. | 
In Anfehung diefer , Herrfchen in Deutfchland 


in jedem einzelnen Sande verichiedene Gebräuche, . 
weiche der Landeseinmohner durch Erkundigung bei 
* Sachverftändigen kennen lernen muß. Im Algen 


meinen iſt zu bemerken, daß man zuerſt die eigens 
thämfiche Venennung oder Birma der Obers oder 


Unter ». Behörde kennen lernen muß, welcher u 


nad) Verhaͤltniß das Prädikat: Hoc, 


Hoch | 
- ih, Hochverordnet, Hochloͤblich, Bohttsätie ins 
zufägt. Erſtrecket ih der Wirkungstreis des Kolle⸗ 


gium über den ganzen Staat, fo erhält es Hoch, 
Hochpreislich oder Hochverordnet. Erſtreckt fich der 
Wirkungskreis Über.eine einzelne Provinz, ſo tft 


das Praͤdikat des Kollegium: Hochloͤblich. Amt⸗⸗ 


behoͤrden endlich erhalten die Titulatur: Wohlloͤblich. 


a“ 


Iſt es ein geiftliches. Kollegium, an das man ſchreibt, 
ein Konſiſtorium oder Kicchenminifterium, ein Stift 
oder eine Propftei, -fo fegt man: Hochwuͤrdig oder 


Hochehrwuͤrdig. Zu merken iſt noch, daß es in 


Schreiben an Rollegien überall nie ber Anrede . 


mb Sqlaglormei bedarf. 





L Freund⸗ 


j om 0 
Freundſchaftliche Briefe. 





Beſondere Vorerinuerungen and. Regels. 


Das 38 dieſer Driefgattrſag alle Briefe gehören, 
die Breunde in allen #',cen Verhältnifien und Um 
fänden an einand;e zu ſchreiben pflegen, zeigt bie 
Beuennung „Freundſchaftliche Briefe” 
an und für ich fehon deutlich genug an. — 

Die Sprache tr dieſer Gattung von Briefen, 
muß durchaus herzlich und wahr ſeyn. Bittet 
mau um die Freundſchaft eines andern, fo_müfler® 


wir freilich mehr Ruͤckſicht auf aͤußere Verhaͤltniſſe 


nehmen , und vorflihtiger in der Wahl unfrer Auss 


drücke feyn, als in den Briefen an einen fchen 


laͤngſt gekannten Freund. Man deute ihm, jedoch 
nicht mit Äbertricehenen , Eobfprüchen an; was uns 


“ Sefonder& derwegk, ihn um feine Srenndfchaft zu 


erfuchen. Wahre Zuneigung, redliche Abfichten, 
Sreimüchigkeit und Herzlichkeit müflen die Reber ' 


führen; romanhafte Verfiherungen , gezierte und. 


füßliche Ausdräde, Betheuerungen in prunkhafs 


-ven Redensarten, laſſen nicht auf den Ernfi bes 


Schreibers ſchließen, und machen diefen lächerlich. 


Noch meniger aber dürfen wir dem Empfänger des 


Briefes unfee Freundſchaft aufbringen wollen * 
_. € 


— 38 — 


fie zu hoch an ( | | 
—* ſchlagen; denn beides waͤre Unbe⸗ 


| In folden Briefen aber, worin Man einen 
Freund um Die Fortſetzung feiner Freundſchaft bits 
tet, oder feinen Freund einer fortdauernden Freund⸗ 
ſchaft verſichert, oder die Überhaupt Verfiherungen 
des Wohlwollens enthalten, kann der Ausdrud 
ſchon etwas vertrauter feyn. Je mehr eine biedere 
Herzlichkeit, gutmuͤthige Offenheit, je mehr eine 
gewiſſe Leichtigdett , "Natürlichkeit ,. Ungeziwungens 
beit, Munterkeit, die fogar -bei fihiclichen Fäls 
len in einen anftänvigen Scherz übergehen Tann, 
in dieſen · verrulichern Briefen herefchen,. von einer 
defto iangenehmer? Wirkung werden fie ſeyn, defto 
Ateber .wird man fig lefen.. So vertraut aber auch 
unſer freundfchaftlicher Orlefwechſel ſeyn mag, fo 
Darf uns diefes doch nie ver.eiten,. der Sittlichkeit, 
ber Artigkeit und der Hoͤflichteit auch das kleinſte 
ihrer Rechte dabei vergeben zu wollin. Enthalten 
die freundſchaftlichen Briefe Aufträge, Eriundigun⸗ 
gen, Rarhfchläge, Narhrichten, Erzähtungen u. |. w., 
wie ſie das Verhaͤltniß zwifchen Freunden oft. mit 
ih bringt, fo muͤſſen wit beforiders auf Ordnung, 
Kürze und Beſtimmtheit fehen. Wir dürs 
- fen dem Freunde weder zumuthen, verworrene in 
unbeffimmten Ausdruͤcken, die ihn in Fee | 
en, geichriebene Briefe zu leſen, noch auf : 
eihe,- die vol der kleinſten und unbedeutendflen 
‚ Dinge find, und fo weitſchweifig erzählt, dab wer 
ri den: ganzen Brief, hätten enthalten - 
nnen, 


. Schreiben wir zum erften Male an Jemanden, 
deſſen nähere freundfchaftliche Verbindung wir wüns 
ſchen, fo müfen wir ihm feinen vollen Titel geben, 
und ihn nicht etwa, wie dies wohl gefchieht, mit 
Hebfter , befter. Freund anreden. Kat der Empfäns | 

> ger 


„er — 


— 39 — 


ger keinen beſondern Titel, und follte dad ‚, Hoc, 
edeigeborner ‘” oder gegen Höhere ‚, Wohlgeborne 
zu fremd und kalt uns erfcheinen,, fo wird es rath⸗ 
fam ſeyn, ihn mit ‚, Hochgeehrter““ ober „Hoͤchft⸗ 
geehrter Herr“ anzureben. Schreibt man dagegen 
an einen Zreund, den man genauer kennt, und 
mit weichem Man länger umgegangen iſt, fo kann 
man ihn mit Hinweglaſſung aller jonft ihm zufoms 
menden Tieulaturen, 3 DB. Wohlgehorner, Hochs 
edeigeborner, Hochehrwuͤrdiger u. f. mw. , blos mit 
Verehrungswuͤrdiger, Werthgeſchaͤtzter, Lieber, Befter, 
Guͤtiger u. ſ. w. und dem hinzugefegten Worte Herr, 

und dem Titel, den man ihm nad feinem Amte 

gewoͤhnlich gibt, 3. B. Werthgeſchaͤtzter Herr Par 

Kor ; Lieber Herr Muſikdirektor; Befter Here-Vers 

walter u. f. w. anreden. Iſt er ein Gelehrter, 

ber in keinem öffentlichen Amte ſteht, oder etw 
Känftter, ein Kaufmann, ein Fabrikant, ein Hands 
werksmann, fo ſetzt man: Lieber Herr Hinkel, 
nicht: Lieber Herr Maier Hinkel; Lieber Herr Boͤtt⸗ 
der , nicht: Lieber Herr Kupferſtecher Böttcher ; Lies 
ber Her Möller, nicht: Lieber Herr Kaufmann 
Müller ; Lieber Herr Teich, nicht: Lieber Herr Wachss 
fabrifant Teich Lieber Herr Hofmann, nit: Kies 
ber Herr Tifchlermeifter Hofmann. Bet einem Hands 
werksmanne geht es allenfalls an, daß man ihn 
„Weber Meifter Hofmann‘ anreden darf. Da aber 
in unſerm titelfüchtigen Zeitalter auch die Hands 
werker Heber Herren genannt, ale Meiſter ſehn 

Wellen, fo wird man auf jeden Fall kiüger und 
Seffer thun, wenn man ſich an die erfiere Regel 
haͤlt. Man gebe in dem gemeinen Leben genan Acht, 
wie ſich Männer von verſchiedenen Ständen unters 
einander zu behandeln und zu nennen pflegen, und 
sach diefen Wahrnehmungen tichte man die Anre— 
den in feinen riefen. ein, dann wird man gegen 

das Schickliche, wie es in unfern Tagen gebräuchs 
id 


Pa iſt und gefordert wird, gewiß nicht Leicht ans . 
oßen. 

Det den -freundfchaftlichen Briefen ſowohl, ‚als 
auch überhaupt bei allen andern Briefen, die man 
an Frauen oder Mädchen fchreibt, überlege man 
zuvor wohl, ob fich die Frau nicht licher Madame, 
und Das Maͤbchen ſich nicht lieber Mamſell (Made- 
moiselle, Demoiselle ) als Jungfer nennen. höre, 
und darnach richte man feine Anrede ein. Es gibt 
indeß noch viele rechtliche Frauen und Mädchen in 
. dem. Sürgerflande , ‚die ziemlich ungehalten werden, 
wenn man fie Madame und Mamfell titulirt. 

„ Bei den vertraulichen Briefen, kann auch wohl 
die Anrede, aber nie der Schluß berfelben wegs 
‚ fallen. Erſtere kann man ſchicklich und gut mit 
. dem Anfange des Briefs verbinden, und es iſt nicht 

nöchig , daß man fie alle Mal Über den Brief ſetzt. 
So kann man z. ©. feinen Brief anfangen: 2 

Ste innen fi, lieber Freund, die Freude _ 
nicht lebhaft genug vorftellen, die mir Ihr under: 
vie Brief gemacht Hat ıc , 
| a 


N 


machen mir über mein langes Stillſchwei⸗ 

en ven 8 ar daß ih. Sie wohl gar vergeflen 

ben muͤſſe. Freund, ‚wie können Sie das von 
mir denten! ic. 


Noch will ich ſchlußlich rathen, die Beiwoͤrter: 
guter, lieber, beſter, werthgeſchaͤtzter u. ſ. w. genau 
zu prüfen, ob fie auch auf den Freund, nach uns 
ſern Verhättniffen mie ihm, ſchicklich anzumenden 
find. Das Beiwort sbeurer, theuerſter, wähle 
ich wenigftens nie, weil der Nebenbegriff., den ſich 
nicht felten diejenigen dabei machen, die gern fpöts 
teln und dem Sinn jedes Worts aufs ſtrengſte neh⸗ 
"men, zu Geitenbemerfungen Anlaß geben kann, 


Anch das Wort Mein, wie man es bisweilen vor 


tens 


4i u. 

. 

tbeurer, Befter, u. f. w. feget, kann bei einem 
luſtigen Kopfe Nebenbedeutungen hervorbringen, 
woran der Verfaſſer des Briefs gewiß ‚nicht gedacht 
Hatte. So batie jängft ein Student einen Schneider in 
feinem Briefe: mein theurer Freund angeredet, 
worin er ihm bekannt machte, daß es ihm unmoͤg⸗ 
lich ſey, bezahlen zu koͤnnen. „Hm!“ Tfagte der 
Schneider: „was will er mit feinem theuern 
Sreund fagen? Er iſt mir und ih nide ihm 
theuer genug zu flehen gekommen, denn feine Bes 
kauntſchaft, das fehe ich nun wohl ein, koſtet 
mir dreißig Thaler." — So ſchrieb ein anderes. 
Mal ein armer Schulmeifter an den Verwalter eines 
Benachbarten Ritterguts, und redete ihn: mein 
befter Verwalter! an. Der Verwalter ants- 
wortete ihm: „Recht fehr angenehm. follte mir es 
feyn, wenn ich unter Ihren Verwaltern der befte 
ſeyn follte: aber fogen Ste mir nur erfi, wo Ihre 
Güter liegen, und auf weichem ich fchon entweder 
- hr Verwalter bin, wovon ich wenigſtens noch nichts 
weiß, oder in Zukunft erfl werden fol?” Der 
Schulmeifter wußte Anfangs nicht, wie er fich das 
erklaͤren follte ; endlich fiel ihm feine Anrede: mein 
Beſter Herr Verwaner „ ein, und er huͤtete ſich 
kuͤnftig, ihn wieder ſo anzureden. 

Dieſen Vorerinnerungen und Regeln ſollen nun | 

einige Beifpiele freundfchaftlicher Briefe nachfolgen. 
Es hat dabei eine Auswahl unter den unzählbaren 
Faͤllen getroffen werden müflen, die zu einem freunds 
fhaftlichen Briefwechfel Veranlaſſung geben können, 
weil es unmöglich feyn würde, für einen jeden eins 
zelnen Gall. einen Brief zur Nachbilbung aufſtellen 
in tonnen. 





1. 


'u N. dittet um die Freund ſchaft eines 8 Mannet, 
von welchern er fehr viel Gutes gehoͤret hat, 
"and mie welchem er aähte befannt au werben 

* wuͤnſchet. DE | 


Heded albzeboiner i 
Hochgeehrter Hal. 

. et langer Zeis bin sch Thon mit mir gm Sathe 
gegangen, ob es nicht einer faſt unverzeihlichen 
Zudringlichkeit ahnlich ſcheinen möchte, wenn ich 
dem Verlangen meines Herzens nachgeben, und 
Ihnen ſchriftlich meine Ergebenheit bezeigen würde, 
Endlich aber beſiegte der Wunſch, mit Ihnen naͤher 
bekannt zu werden, jede Bedenklichkeit, und ich 
ſchmeichle mir deswegen von Ihren edlen Geſinnun⸗ 
gen eher eine guͤtige Nachſicht, als Unwillen und 
Mißfallen. So viel darf-ich Ihnen aufrichtig vers 
ſichern, daß weder eine. eigennäßige, noch irgent 
eine andere fivafbare Nebenabſicht den Gedanken im 
mir erweckte: Möchteft du doch das Gluͤck haben, 
die. die Neigung eines Mannes erwerben zu koͤn⸗ 
nen , deſſen vortrefflicher Charakter, deffen mannichd 
faltige Verdienſte ſo innigſt von dir geſchaͤtzt und 
verehrt werben. Wie viel Freude würden Sie mie 


nicht durch die Gewährung meiner Bitte medien: 


wenigfiens "würde ich von - meiner Seite alles ans 
wenden, was mich Ihrer gütigen Befinnungen und 
Ihrer freundfhaftlihen Theilnahme würdig machen 
tann, Ware es nicht unbeſcheiden, fo würde ich 
Sie ergebenſt erſuchen, mich, den Ihnen noch per⸗ 
ſonlich Unbekannten, auch Ihrer verehrungswuͤrdi⸗ 
gen Gattin und Ihrer liebenswuͤrdigen Familie ges 
faͤlligſt zu einem guͤtigen Wohlwollen zu empfehlen. 
Peslüden Sie mich bald mit einer Beinen Zus 

rift, 


Zn — 43 


ſarift, ba ich mir es eben fo: f ſehr zur Ehe, als 
um Bergnägen ae ‚ mich nennen zu dürfen 
Ew. Hochedelgeboren 
(oder auch Ihren) 
ganz ergeenfen. = 


% 2. „. em 


antmirifareisen., 


Hochedelgeborner, 
Hochgeehrteſter Her! \ 
Sie würden mid mit allem Rechte eines: Ans | 
rechts befchuldigen Finnen, wenn ich Ihnen wiche 
gegentheild verfiherte, wie angenehm mie es iſt, 
Ihre Bekanntſchaft gemacht zu haben. Sollte id 
auch die guͤtigen Geſinnungen, bie Sie in Ihrem 
mir ſchaͤtzbaren Briefe gegen mich aͤußern, noch 
nicht ganz verdienen, fo wird Sie doch die Zukunft 
gewiß Heiehren, daß Ste Ihr Zutrauen keineswe⸗ 
ges an einen Unwuͤrdigen verſchwendet haben: "Was 
ich dazu PR kann, dieſes neue Freundſchafts⸗ 
baud fo feſt als möglich zu knuͤpfen, das ſoll von 
meiner Seite jederzeit recht gern geſchehen. Wenn 
ich Ihnen im irgend einer Sache dienen, Ihnen 
trgend womit gefällig werden kann, fo zögern Sie 
nicht, mir es befannt zu machen, und Überzeugen 
Ste fih, daß mir. die Wünfche- meiner Freunde fo 
nah am Herzen liegen, ald meine rigenen. Meine 
‚Grau und Kinder freuen ſich über dieſe neue anges 
"nehme Bekanntſchaft, und. wir Alle empfehlen ung 
zu Ihrem gütigen. Wohlwollen. Erhalte: ich bald 
wieder einige Nachricht von Ihnen und den lieben 
Ihrigen, fo wird diefes ala einen neuen Beweis 
Ihres fortbaueruben end anfehen 


- -Shnen say ergebenftee 


= 4 — 
ADODie Aurede bleibe im Werfolge des Briefwech⸗ 
fel& noch immer bie vorige, weil es doch zu vors 
eilig feyn wärbe, möge es auch noch fo herzlich ges 
> meine ſeyn, ſich fogleich des vertrauteren Tones - 
anmaßen ‘zu wollen, ald auch barauf irgend eine 
gefällige Antwort zuruckgekommen feyn mag. Gelbfk 
die vertrauteſte Freundſchaft muß fich in den Gren⸗ 
gen der zarteften Beſcheidenheit erhalten. Nur wenn 
‚bie Perfon, an. dte ih unfer Geſuch, unſre Bitte 
„wendete, zuerfl den vertrauteren Ton nice nur im 
| Briefe ſelbſt —— uud A in vr Anrede ans 
Weaiſte fortzufahten. W 


Ein junger Handwerksmann bittet um die Freunde 
ſchaft eines andern, ebenfalls jungen, doch an 

einem entfernten Drte lebenden Handwerks⸗ 
Zu 711.7: ö 
Mein lieber Herr Schertelt 

Dder auch: Lieber Meifter Schere! 

- Da ih die Ehre (das Vergnügen) noch nicht 
Gabe, mit Ihnen perföntih bekannt au feun, fo 
. Bitte ih Sie um Verzeihung, daß ich fo frei Bin, 
an Bis - zu: fehreiben. Die Urfache dieſes meines 
Briefes iſt keine andere, ald Ihnen fchriftlih zu - 
ſagen, da ich Sie perſoͤnlich nicht fprechen kann, wie 
ſehr ich mich uͤber den: guten Ruf freue, worin. 
Sie nicht allein in Ihrem Wohnorte, fondern auch 
in unferer Gegend bei Jedermann, ſowohl bei vor 
“ nehmen, als geringen Leuten ſtehen. Man rühmt 
fowohl Ihre Geſchicklichkeit, als auch Ihre Billige 
teit allgemein, und ſchaͤtzt dabei zugleich Ihr ſehr 
artiges Betragen. Mein Herz kennet jenen niedris 
sen Neid niche, den man gemeiniglich dem Rande 
ı Ä wer 


\ 


werkeneid menmet; ich Babe vielmehr ein Ichhaftee 
Bergnügen baräber , wenn ich fehe, daB man ME 
Geſchicklichkeit eines Andern zu fchägen weiß, und 
nah Verdienſt belohnet. Um Gie ganz zu "übers 
zeugen, ‚wie aufeichtig mein Herz iſt, fo Sitte ich 
Sie Hierdurch um Ihre mir fehr angenehme Freunde 
ſchaft. Kann ich Ihnen in irgend einem Balle, 
Sei irgend, einer Gelegenheit dienen , fo wenden Gie 


. ſich ohne elle Umftände an mich, ich werde Ihnen 


gewiß immer, wenn Ihre Wünfche wicht meine 


Kräfte überfieigen, mit aller Bereitwilligkeit ent⸗ 


gegen kommen. Leben Ste wohl. Se —* 
Pi feyn werden, deſto herzlicher wird ſich daruͤber 
euen 


sr © aufeichtig. ſqat· nder 


a 
Antwortk. 


Nehmen Sie meinen beſten Dank für die 
freundſchaftlichen Geſinnungen, womit Ihre gütige 
Bufehrift mich fo angenehm überrafcht har, Es 
seiche mir nie nur zur geoßen Ehre, daß 
mich ihres ſchaͤtzbaren Beifalls nicht unwerth hals 
sen, fondern es foll mir auch zur Ermunterung dies 
nen, meine Arbeiten immer noch vollkommener * 
liefern, und alles zu thun, was ich vermag, um 
wir nicht nur die Zufriedenheit aller derer zu ers 
werben, die mich mit ihren Aufträgen Gechren, ſon⸗ 
deru um mich auch der Ihrigen in Zukunft noch 
mehr verfihert Halten zu kͤnnen. Unterſtuͤtzen Oi⸗ 
mich mir Ihren mir fchon laͤngſt bekannten und fe 
mannichfaltigen Erfahrungen, die ich mit innigſter 

Achtung verehre; verhehlen Sie mie die Fehler und 
das Diangeldafte an meinen Arbeiten nicht, 8 


— “— 


ich werde Ihnen dafür Nicht weniger: verbunden 
ſeyn, ald für die guͤtige Nachficht, mit weicher Ste 
mich ‚feither beurtheilten. Auch Ihr Beifall. wird 
mtr zu einer befandern Empfehlung dienen, und 
gewiß: meine. Kundſchaſt vermehren; ich bitte Sie 
alfo aufetchtigft am Ihre Freundſchaft Beyn te 
verſichert, daß ich Ihre Guͤte mir lebhaftem Dank 


erkennen, und ſolche in gleichen Fällen ſehr geru 


erwiedern werde. Bleiben Sie mit fernerhin ges 
wogen; Wahre Freundfchaft zu ſchatzen, iſt die ans 
vertatı Pflicht und das hoͤchſte Bergnt gen | 


W ee Inn Cochener u 


Ein funger Dekonom wänfehe Die Frundſchaft 
eines nachbarlichen Verwalters. 


Hoche relgebornet Herr, 
Werthgefchägter Herr Nachbar! (Herr. Verwalter ) | 


Es wird Ihnen nicht unbekannt geblieben feyn, 
daß mir der Here Baron von Kronau die Verwal 
terſtelle auf feinen Gütern .anvertranuet has. Erlau⸗ 
ben: Sie mir daher, daB Ih mich zu Ihrem nad 
. barlihen Wohlwollen empfehlen darf. Ihre ausges 
. geichneten Rennmille ,: Ihre gepräften Erfahrungen, 
Die‘ in der ganzen Gegend umher fo allgemein ges 
ſchatzt find, haden in meinem Herzen den Wunſch 
nach einer nähern Bekanntſchaft mit Ihnen zu lebe 
Haft roge gemacht, als daß ich folchen länger ‚hätte 
unterdrücken können. Wie: glücklich würde ich mich 
fehägen,, wenn Oie mich Ihres gürigen Gegenzu⸗ 
trauens wuͤrdig achten. wollten. Man har Sie mir 
wicht nur als einen gefchichten und erfahrnen Dekor 
MOM ‚fonbern auch als: einen gar: lieben a Dr 

eund 


— 41 .- 


freund gefchildert. Sch, ein Fremdling in: biefer 
Gegend, lebe wie ein Einfamer ; follte es nicht vers 
zeihlich feyn, wenn fih mein Herz nach einem fo 
angenehmen. und gewiß fehr Ichrreihen Umgange 
fehnt? Täglich. zeigen ſich neue Fälle, wo ich des - 
Raths eines erfahrenen, auftichtisen und der biefls 
gen Sitte kundigen Mannes bedarf, und bei wen 
wärde ich das Alles finden, was nice nur meine 
Berhaͤltniſſe, fondern auch mein Herz befriedigen 
koͤnnte, ale bei Ihnen? Diefes iſt die Gprathe 
der Aufrichtigkeitz die der Schmeichelei kenne ich 
nicht. Daß Site mich aber gewiß nicht unter die 
undantdaren Ihrer Freunde zählen follen, wenn 
Sie mih Ihres guͤtigen, Ichrreihen Umgangs 
das darf ich Ihnen unverbrüchlich vers 
dern, J 


kLaͤngſt Kor hätte fr Ahnen gern meinen de 
fuch abgeftattet; allein Ste werden wiſſen, wie n®' 
thig die Gegenwart eines Mannes ift, der überall’ 
neue Einrichtungen zu treffen hat; überdieß erwarte" 
ich auch feit acht Tagen ſchon meine gnädige Herr⸗ 
(haft. Aus diefen Uefahen darf: ih gewiß auf 
Ihre Verzeihung Inſzu⸗ machen, wenn ich jetzt 
ſchriftlich thun muß, Was ich freilich lieber perſoͤn⸗ 
lich gethan haͤtte. Erlauben Sie mir es, ſo werde 
ih gewiß den:.erfien Tag, der mir nur eini⸗ 

germafßen eine Erholung von meinen bringends 
ſten Geichäften verflattet, dazu anwenden, Sie 
von meiner wahren Ergebenheit. mündlich zu Abe‘ 
jengen. 

Empfehlen Sie mid Ihrer ſchaͤtzbaren Gattinc 
und. Ihren lichen Kindern ergebenft, und verfis‘ 
chern Sie auch diefen, daß ich der glüdlichen Stunde 
mie großem Verlangen entgegen fehe, worin ich Sie 
insgefamme um ibre Freundſchaft, die ich fo fehns 
lich wanſche, werde ditten und Ihnen ſagen koͤn⸗ 
un, 


nen, daß nur durch Ihre Theilnahme ganz zufriez 
den und gluͤcklich feyn wird - 
{ e 
Ihnen ganz gegebener Diener 
De 6: on 
Antwort des alten, aufrichtigen und noch fehr 
muntern Bermwalterd auf dem Rittergute “ri 
. Mein lieber Here Nachbar! 

| Laffen Ste mich lieber meinen Brief mit Herz⸗ 
lichkeit, als mit weitiduftigen Titulaturen und Roms 
plimenten anfangen. Sie werben mir das zu Gute . 
Halten, und mich alten Dann beftens entſchuldi⸗ 
gen. Und nun fogleih zu meinem aufrichtigen Bes 
kenntniß. Es fol mir recht fehr angenehm feyn, . 
wenn Sie uns Ihre Freundfchaft gönnen, und mit . 
uns in einem guten nachbarlichen Verſtaͤndniſſe leben 
wollen. Binden Sie, wenn wir uns werden näher 
kennen gelernt Haben, daB ih Ihnen mit Rah _ 
and That beiftehen kann, fo Öffnen Ste mir Ihr 
Herz. Vielleicht ift die gute Meinung, bie man 
Ihnen von mie beigebracht Bat, größer, als meine 
Berdienfte, meine Einfichten und Erfahrungen; und 
waͤre dieß der Fall, fo follen Sie fi doch wenig 
8 in meinem guten Willen nicht getäufche fehen. 
Laͤndlich, ſittlich; fo heißt ed in der ganzen Welt, 
das willen Ste! Doch If ein kleines Dörfchen 
oft weit firenger in feinen Gewohnheiten, als bie . 
größte Stadt. Indeß iſt mie für Ste, Ifeber Herr . 
Kollege, zur Zeit noch nicht bange; denn in unfes 
ger ganzen Gegend umher fpriht man jest von weis. 
ser keinem Menfchen, als von dem neuen, guten, 
artigen,, bilfigen Herrn Verwalter, und man iſt 
snerfchöpftich in feinen Lobeserhebungen. Jh wüns 


Fe Ihnen dazu aufrichtig Gluͤck; denn die Erfah⸗ 
| aL FUN 





* 


rung hat mich gelehrt, daß auf die erſte Aufnahme 
Bei den Landleuten ganz vorzüglich alles ankomme, 
und daß dieſe gemeiniglich beftimme, was wir in 
Zukunft von ihnen zu erwarten haben. Wer fie 
ſchon Bei der erften Bekanntſchaft zum Unwillen 
reizt, — und wie Leiche iſt dieß geſchehen! — wer nicht 
gleich den erſten Funken von Mißdeutungen zu uns 
terdruͤcken weiß, der hat große Noth, ehe er fi 
ihre Liebe und ihr Zutrauen wieder erwirbt. Wer 
fie aber einmal gewonnen bat, der fann ſich auch 
auf fie verlaffen; und wer wird nicht gern alsdann 
das gute Einverftändniß mit diefen Menfihen zu 
snterhalten fuchen, mit denen er leben muß, und 
die Ihm jede Stunde zu einem Himmel, aber auch 
zur Se machen können. Alſo noch Ein Mai: 
ih freue mi, daß Sie dieſen Berg fo glücklich 
Aberſtiegen Haben. Rommen Sie bald, recht bald 
zu und; und gefällt e8 Ihnen bei uns, nun dann 
kommen ®ie fo oft wieder, ald Sie wollen. Sie 
follen von mir und den Meinigen wohl empfangen 
‚und gut aufgenommen feyn. Zfdar werden Sie 
kaum einige Mal bei uns gewefen feyn, fo wird 
es heißen: ,‚, Se! werden die Beſuche des netten, 
artigen , huͤbſchen Verwalters nicht dem alten Herrn 
gelten! Man müßte ganz einfältig fenn, wenn man 
das glauben wollte; ”’ denn Sie mäflen nur wiſſen, 
daß ich Water von zwei Töchtern bin, wovon die 
eine zwanzig, die andere achtzehn Jahre alt if, und 
die beide, wie man fagt, nicht die haͤßlichſten Maͤd⸗ 
Ken umd dabei ziemlich lebhaft und wirthſchaftlich 
ſeyn follen. Aber kehren Sie fich nicht daran, und 
kommen Sie nur; ich werde ed am beſten wiflen, 
wem Ahr Befuh gilt. Gie werten über meine 
Bemerkung laden; fie kann Ahnen fogar etwas 
fonderbar vorfommen; aber zärnen Gie nicht bars 
über , ih wollte Ihnen gern einen Beweis meiner 
Offenherzigkeit geben, woraud ‚Sie [liegen follten, 
. j wir 


4 
- 80 — - 


wie ſehr auch. ich wuͤnſche, hr Freund zu werben. 
Ueberdieß werden Sie ja auch willen, wie alte 


Leute zu feyn pflegen, und wie die Welt zu meis . 


ner Zeit war, fo ſcheint fie mir in dergleichen Dins 

gen auch jetzt noch zu feyn. Aber wie gefagt, das 
Pen Sie ſich nicht kümmern, das fol unferer 
— freundſchaftlichen Verbindung keineswegs 


im Wege ſtehen. Schluͤßlich will ich nur noch be⸗ 


merken, ed möge Sie nicht befremden, tvegn mors 
gen oder Übermorgen ſchon, vieleicht aber auch in 
Bänftigee Woche erſt, ein alter Wann von fechszig 


Zahren, von Pleiner unterfegter Statur, mie einem. 
zunden Hute auf feinem Kopfe ,.in feinem eigenen- 


Saar, das nur ein kleines Zöpfchen zuſammenhaͤlt, 


aber nicht. mehr fo überzählig ift, daß es entweder 
einen Hahnekamm oder einen firuppigen, fürchters 


. Hichee Backenbart nach der neueſten Mode hergeben - 


‚Eönnte, in einem grauen fchlichten Ueberrocke, auf 
einem alten, faſt ftetfen Fuchſe, dem man es aber 
mit jedem Schritt anfieht,, daß et mit feinem alten 


dankbaren Herrn recht vertraut und zufrieden iſt, 


in Ihren Hof hinein reitet, und nach allen dieſen 


‚Anzeichen einen alten deutichen Degentnopf verräth; .. 


denn willen Sie nur voraus, daß diefer niemand 


anders feyn wird, als 
. She 
. Ihnen jegt De fehe gewogen Freund 


® am Ehrenthal. 





. \ 7. 

N. der Freund eines jungen angenehmen Mans 

“ned münfche mit defien Bater in Verbindung 
au konnnen. 


Hochedelgeborner, 
Hochgeehrteſter Herr! 

Seit einem Jahre habe ich faſt taͤglich die Ehre ) 
(das Vergnuͤgen), mit Ihrem wärdigen Seren 
Gohne in Geſellſchaft zu feyn, und fchmeichle ich 
wie niche zu ‚viel, ſo darf ich feine gütigen Aeuße⸗ 
sungen f?r. die Kennzeihen feiner mir fehr fchägs 
baren Freundſchaft halten. Oft entftand ſchon der 
Wunſch in mir, daß auch der Water diefes meines 
verehrten jungen Freundes mich feiner nähern Ber 
kanntſchaft würdigen, und mir daflelbe Zutrauen 
ſchenken möchte, deſſen ich mich von feinem Herrn 
Sohne verfihert halten darf. Ganz narärlich vers 
ſchwieg ich diefe Empfindungen meinem Freuũde 
sicht, und er gab mir die Erlaubniß, Ihnen fhrifts 
ih meine innigfle Ergebenheit zu bezeigen. Jh 
eile alfe, von diefer Erlaubniß Gebrauch zu machen, 
und Ihnen meine vollkommenſte Hochachtung zu 
verfihern. Bin ih fo gluͤcklich, von Ihnen der 
Erfüllung diefer meiner aufrichtigen Birte werth ges 
achtet zu werden, o fo darf ich Ihnen berheuern, 
daß es die liebſte Angelegenheit meines Herzens feyn 
fu, mich Ihres mir fo unſchaͤtzbaren Zutrauens zu 
jeder Zeit um fo wärdiger zu machen. Mit heißem 
Berlangen fehe ich daher jeder Gelegenheit entgegen, 

| um 
*, Iſt die Yerfon, an welche man in dergleichen Faͤl⸗ 

Ion ſchreibt, Alter oder vornehmer, fo feßt man gern 

„Ehre und Vergnügen‘ zugleich; iſt fie mie uns 

gleiches Standes und Alters, oder hat Re einen etwas 

seringern Rang, fo iſt es genug, wenn man fagt: 

ih Habe, oder id aeninhe Dat Berguägen u. 

. 8 4 





- 8 _. 


um Gig davon auf das lebhafteſte zu Überzeugen. 
Könnte es nicht zudringlich fheinen, fo. würde ich 
diefer Bitte noch den Wunſch Hinzufügen, daß. Ste 
die Guͤtigkeit Haben möchten, mid) Ihrer verehrungsa 
würdigen Sattin*) und Familie zu geneigtem Wohls 
wollen zu empfehlen. Unausfprehlih wird meine 
Freude feyn, wenn id, von Ihnen durch eine güs 
tige Zufchrife die Erlaubniß erhalte, mich nennen 


30 dücfen 
| Em. SHochedelgeborn Ä 
ergebenen Diener 


8. 
Antwort auf obigen Brief. 

(Die Anrede iſt diefelde). 

Ihr guͤtiges Zuvorkommen hat mich faſt ſcham⸗ 
roth gemacht. In jedem ſeiner Briefe ruͤhmt mein 
‚Sohn mie dankbarer Lebhaftigkeit das Vergnuͤgen, 
das er in Ihrem faſt taͤglichen Umgange empfindet. 
Sollte ich es Ihnen wohl erſt noch verſichern Dürs 
fen, daß. es mir als Vater fehr angenichm feyn muß, 
meinen Sohn in fü guter Geſellſchaft zu willen? 
Ich freue midy nicht nur über diefe feine Wahl, 
da fie ihm Ehre macht; fondern ich felbit wuͤnſche, 
dab der Freund meines Sohnes auch der meintige 
feyn möge. Rechnen Sie auf meinen waͤrmſten 
Dank, und geben Sie mir recht bald Gelegenheit, 
Sie fo vollkommen von der Aufrichtigkeit meiner. 
Sefinnungen zu überzeugen , ale Ste es wuͤnſchen. 
Dieſelben Empfindungen äußerten auch die Meints . 
. — gen, 
7.9) Viele treiben ihre ſonderbare Ueberhöflichkeit: fo weit, . 

dab fie wohl gar die Frauen der mittleren Stände .. 
- Gewaplinen nennen: Wer nur einigermaßen Ach⸗ 

sung für ſich ſelbſt und feine Freunde hegt, wird | 
dieſe Mebertreibung vermeiten. . 


. 53 


gm, als ich Ihren Brief Ihnen vorlas. Meine Fran 
und Rinder empfehlen fi Ihnen ergebenft, danken 
Ihnen für Ihr Wohlwollen, und bitten Sie mit 
mir vereint um bie Fortdauer deſſelben. Bleiben 
©ie auch meinem Sohne mit unauflösbarer Freunds 
fhaft- gewogen; Ich darf es feinem Herzen zutrauen, 
daß es für die guten Sefinnungen,, die Sie fafl 
täglich gegen ihn zu dußern die Guͤte haben, nicht 
gefuͤhllos feyn wird. Recht ſehr werden Sie das 


durch verbinden | 
Em. Hochedelgeboren | 
ergebenften Oreund und Diener 


9% | 

. 8. hat 9. gebeten, einen ihm von feinen Freunde 
O. ertbeilten Auftrag zu beforgen. U. giebt 
Herrn D. davon Nachricht, und empfiehlt ich 

zugleich zu feinem geneigten Wohlmollen. 

Hochedelgeborner, 

Sehr werthgeſchaͤtzter Herr ! Ä 
Herr B., der die Ehre Ihres freundfchaftlichen 
Zutrauens genießt, bat mir aufgetragen, Ihnen 
zu berichten, daß ihn eine nöthige Reife verhindert 
habe , Ahnen diefes ſelbſt zu melden, und bittet 
Ste durch mich ergebenft, daß Sie ihn deshalb ent⸗ 
ſchuldigen möchten. Mit Vergnügen habe ich es 
äbersommen, während feiner Abwefenheit feine Ans. 
geiegenheit zu beforgen. Sch bin daher fo frei, 
Ihnen hiermit die gewuͤnſchten Kattun: und Tuchs 
Proben einzufenden. Der Mannichfaltigkeit wegen, 
und um Ihre Wahl niche zu fehr zu befchränten, 
habe ich mir foldhe aus verfchicdenen der beften hie— 
gen Handlungen geben laflen. Ich wuͤnſche recht 
she, daß Ste Ihren Beifall erhalten, und daß 
Bie finden mögen, was Sie ſuchen und wuͤnſchen. 
Aus noͤthiger Vorſicht habe ich diefe Proben, ſowohl 
Ä Ä m . 


— ⸗ 


von dem Kattune, als dem Tuche, in einzelne Paͤkt⸗ 
ben gelegt; jedes iſt mit dem, Namen ber Hand⸗ 
kung oder Fabrik bezeichnet, aus weicher ich die 
MProben entnommen habe. Legen Sie gefaͤlligſt ſolche 
ebenfalls in daſſelbe Paͤcktchen wieder, und bezeich⸗ 
nen Sie jede, die Ihnen gefaͤllt, mit einer Steck⸗ 
nadel. Dann werde ich nicht irren koͤnnen, wenn 
Sie mir —— Ihnen davon fo viel ein⸗ 
zufaufen,, als haben. Ach habe mid - 
nach den billigſten Den ertundige, und ſolche, 
wie Sie finden werden, genau bemerkt. Waͤre es 
Ihnen etwa erwuͤnſchter, die Zahlung, inſofern 
JIhnen etwas von dieſen Artikeln gefällig ſeyn Doch, 
An Goldkarolins oder Laubtbalern zu machen, fo bes 
merke ich nur noch, daß der Laubthaler zu ı Rthlr. 
13 Gr.*) genommen wird. Mächten meine Ges 
mäßungen fo- glücklich feyn, Ihnen nicht ganz zu 
mißfallen; möchte ih Sie wenigſtens überzeugt has 
ben, daß mir die Angelegenheiten meiner Breunde 
. 6 nahe am Herzen liegen, ajö meine eigenen! Zus 
gleich ift mie absr auch die Beforgung Ihres Aufı 
tags darum vorzüglich lieb, weil fich mir dadurch 
die Gelegenheit darbieter, Ihnen meine vollkom⸗ 
menfte Hochachtung verficheen zu können; dennlängft 
fchon wänfchte ich mir das Vergnügen: Ihrer naͤhe⸗ 
ren Belanntichaft, da das Gemälde zu reizend tft, 
welhes mie. mein Freund, fo oft er von Jhnen 
ſpricht, mit den lebhaftefien Farben zu entwerfen . 
pflegt. Ich erwarte Ihre Befehle, und werde mie 
die fchnellfie und genauefle Befolgung berfelben zur 
Pflicht machen, da ich ginen vorzuͤglichen Be 
darauf fege, in n nennen zu dürfen 
Em. Node een Ä 
dienſtwilligſten ergebenſten 
ro. Anter 
*) Ban gibt den Werth des Geldeh jederzeit nach dem 
Orte an, vom welchem aus man (dreibt. 


⸗ 


10. | 
| Yntvorkt 
Hecht fehr bin ich Ihnen verbunden, dag Sie 

Die Beforgung meines Auftrags an Herrn N., uns 
fern beiderfeitigen Freund, fo gärtg übernommen 
. Haben. Er hätte meine Angelegenheit feinen beſſern 

Händen anvertrauen können, als den Ahrigen, und . 
ich danke ihm, daß er mir dadurch die Gelegenheit . 
verſchafft Bat, mir einem fo wärdigen und gefälligem 
Manne befannt zu werden. Geben Sie mir bald 
Gelegenheit, Ihnen gegengefällig zu werben, und 
rechnen Sie bet jedem Ball auf meine innigſte und 
thätigfte Erkenntiichkeit. Die eingefendeten man⸗ 
utchfettigen Proben von den Tuchen fowoht, als 
den Kattunen, machen Ihrem Geſchmack Ehre, und 
faft jede feste mich in Hinſicht meiner zu treffens 
. ben Wahl in Verlegenheit. Es thut mir leid, daß 
Sie ſich fo viel Mühe gegeben haben. Da Ste 
mir gefälltgft erlauben, Ste ferner no mit meis ' 
nen Aufträgen: beläfligen zu dürfen, fo made ich 
davon Gebrauch, und bitte Sie, mir 6 Ellen von 
dem.-Tuche und ı2 Ellen von dem Kattune nach 
den bezeichneten Proben einzufaufen. Ich fende 
Ihnen zugleih den Berrag des Werthes dafür in 
Lausthalern, da Sie fo gütig feyn, und den Laubs 
thaler zu ı Rthlr. 13 Gr. anbringen wollen. Die 
Botenfrau wird Hei Ihnen in einigen Tagen anfras 
gen, und mir, was Sie ihre mitgeben werden, gut 
behalten” zuſtellen. Faͤr Ihre gütige Muͤhwaltung 
Bleibe ich Ihnen mit meinem beſten Dante verbuns 
den , der leider I dieß Mat nur in Worten befteht; 
doch feun Sie überzeugt, daß ich jede Gelegenheit 
ergreifen werde, um Ihnen zu beweiſen, wie fehr 
dieſes auch shätiger zeigen moͤchte 

Em. Hochedelgeboren 


verbundenen ergebenfter 


er Mav 


En. 56 — 


J — D reund t⸗e 
Man eipfet ſich PB Ar Dame inf ſchaft⸗ 


wa *) 
Die guͤtigen Geſinnungen, die Sie uͤber mich 

gegen. Herrn... **) geäußert haben, verpflichten 
. mich zu dem lebhafleſten Dante. Entfernt zu glaus 
ben, daß ich Ihrer fchon würdig. fey, bin ich viel- 
mehr überzeugt , daß. ich Ihr gütiges Urtheil einzig 
and allein Ihrer mehr als freundfchaftlichen. Nach⸗ 
ſicht zugufchreiben Habe; doch darf ich Ihnen vers 
fihern, daß. ich alles thun werde, Ihre gute Meis 
nung von mir wenigſtens nicht finfen zu machen. 
Der Gedanke an ihr mir fo fchäßbares Wohlwollen 
wird mich dabei.am ficherften unterflügen,, und ich 
werde es mir nicht nur zur befondern Ehre, fons 
dern auch zu dem angenehmſten Vergnügen machen, 
- wenn th recht oft Selegenheit babe, Ihnen bes 
theuern zu koͤrnen, wie groß die Verehrung iſt, 
wornit ich zeitlebens Iepu erde 


Seen sanı ergebenfter 


12. Ant⸗ 


.e) Dan wird ſich bei den. Anreden an Frauensimmer 
nach den Verbältniffen richten muͤſſen, die swifchen 
Ahnen und und Gtatt haben. . Iſt die Dame an einen 
Mann wit einem öffentlichen Charakter . verheirathet, 
fo erhält We diefen, wie ſchon oben in der Einleitung 
"Bei den Vorfchriften zu den Anreden bemerkt wor⸗ 
den ift. Um das fchon Wefagte hier nicht. zu wieder» 
holen, fo verweife ich hier Ein fur alle Mat darauf, 
weil ich glauben darf, daß dafelbft für Blink 
und Vollſtaͤndigkeit binlänglich geforgt worden ifl. 

”*) Oefter auch: gegen einige meiner Freunde ıc. 





— 17 — 


12. 
Antwort anf obigen Brief. 


Hochedelgeborner, 
Hochgeehrteſter Kerr! 
(Dder auch nur: Lieber Herr Walter! oder wie derze⸗ 
nige beißen mag, an den man fchreißt. ) 

Ihre Aeußerung dat mir wirklich Freude ges 
mache, daß Ihnen die Hochachtung, die ich für 
Sie Babe, weder ganz unbedeutend noch gleichgültig 
fey. Gern von jeder andern Abſicht, als der, dem 
wahren Werdienfie Gerechtigkeit widerfahten zu lafs 
fen , verfichere ich Ihnen die Fortdauer meines aufı 
richtigen Wohlwollens, und es wird nun bei Ihnen 
fiehen, wie. lange Ste biefe unfere angefangene 
Bekanntſchaft unterhalten wollen. Diefes Geftänds 
miß wird Ihnen einftweilen genug fem, ohne daß 
ih mir den Vorwurf machen dürfte, die Gränzen 
überfchritten au haben, die mir mein Geſchlecht york 
ſchreibt. | 

Ä Ihre 
aufrichtige Verehrerin. 


13. 

Ein junger Menſch ſchreibt in einem etwas zu⸗ 
traulichern, ungezwungenern Tone an eier 
junges. Srauenzinmer, die Freundin feiner 
Aa und empfieble fich ihrer Freund⸗ 

a 


Liebe Mamſell! 


Erſchrecken Sie nur nicht, noch weniger kome 
men Eıe vor Berwunderung über die fcheinbare Uns 
verfhämtheit einer jungen Mannsperfon außer fi, 
die es wagen kann, ohne Dazu erſt Ihre er 


\ 


, 
— 58 [ 


niß erhalten zu haben, einen Brief an Sie zu 
fchreiben. Es iſt ein wentg ſtark, das muß ich 
freilich ſelbſt geſtehen; allein ih und meine Schwer 
fier lieben einander fo zärtlich, daß ich der quten 
Hoffnung lebe, die ſpaͤteſte Nachwelt foll uns noch, 
wenn fie anders etwas von uns erfährt, als das 
hoͤchſte Beiſpiel ber Sefchwifterkiebe der Jugend zu 
Plug und Frommen aufftellen. Daß ein’ folcher 
Bruder und eine folhe Schwelter alles gemeinſchaft⸗ 
dh mis einander haben muͤſſen, und daß fie die 
kleinſte ihrer Freuden, wie die größte mit einander 
theilen,, das läßt fi) vermuthen: und fo machen 
Sie gätigft felsft daraus den Schluß, wenn ich 
Ihnen fage, daß meine Schwelter von keinem Mens 
ſchen in der Welt fo lebhaft fpricht, als von Ihnen 
und von Ihrer beiderfeitigen Freundſchaft. Sie 
find , liebe Mamſell, ſchon eintgemal in Gefahr ges 
weſen, daß wir Ihr Herz unter einander theilen 
wollten: aber da fiel uns ein, daß es keine kleine 
Ungerechtigkeit ſeyn würde, wenn wir das thun 
würden, ohne erft bei Ihnen anzufragen, ob auch 
"Ste das zufrieden feyn wollten. Zürnen Sie alfe 
nicht, wenn ich es Ihnen ganz offenherzig fage, 
- wie fehr ih Ste fhäge und verehte, und wenn ich 
Idhnen meinen Wunſch nicht länger verhehlen kann, 
Daß die Freundin meiner Schweſter auch die mei⸗ 
nige werden möchte. Glauben Sie etwa, daß 


Ste zu viel mit mir wagen würden, wenn Sie 


meine Bitte Statt finden laffen wollten; fo fragen 
Sie nur meine Schweſter um anten Rath. Allens 
falls kann auch dieſe, wie ich glaube, für: mich 
Buaͤrgſchaft leiten. Was für Wunderdinge könnte 
sh Ihnen nicht von meiner Freundſchaft verfpres 
den. Da ich aber weiß, daß man denjenigen ims 
mer am, wenigſten traut, die zu raſch und zu viel 
verſprechen: fo will ich ganz demüthig fhweigen, 
und Ihnen nur noch in ganz einzeinen, sen 
Ä Ä orten 


- 


m 59 m. 


Werten ſagen, daß ich wenisfens Immer 
leiben werde 


ſeyn und 
N. 


14. 
Antwort auf den vorigen Brief. 


Mein wertber Freund! 

Stauden Sie immer , daß ich ein wenig furcht⸗ 
fam bin, und baß ich ganz gewiß erſchrocken ſeyn 
würte, wenn ich die Unterſchrift einer mir unbe⸗ 
Sannten Wannsperfon unter Ihrem Briefe gefuns 
den hätte. Aber Site, der zärtlich geliebte Bruder 
meiner herzlichſten Freundin, Sie können mir uns 
möglich. ein Fremdling geblieben feyn. Recht ches 


nehmend babe ich mid, jederzeit Über das ſchöne 


Einverkändniß zwiſchen Ihnen und Ihrer lieben 
Schweſter gefrenet, und beiden. babe ich dazu. Gluͤck 
gewuͤnſcht. Ihre Aeußerungen verrathen, daß Ihnen 
meine Freundſchaft nicht ganz gleichgültig feyn würde, 
and ich finde gar kein Bedenken , Ihnen meine ins 
nigſte Achtung zu verfihern. Mit Vergnügen trete 


ich in Ihre Mitte, und geftehe ganz offenherzig, 


daß mir das Pläschen zwifhen Ihnen und Ihrer 
guten Schweſter gar nicht mißfällig if. Sie fpres 
chen zwar von einer Buͤrgſchaft, die meine Freun⸗ 


din für Ste leiften fol; — zur Zeit babe th es 


aber noch auf Ihr eigenes Wort wagen wollen: — 
ſollte ich. jedoch von diefer Bürgfchaft in der Zukunft 
noch Gebrauch machen müflen, fo dürfte es dann 
nicht ganz gut mie Ihnen ſtehen; denn wer — nach 
meinen Grundſaͤtzen wenigſtens — einen Bürger 
Srancht, if ſchon halb und Halb ein verlorner Mann, 
Das habe ih Ihnen ganz freundfchaftlich ein wenig 
voraus. verrachen wollen, ohne bie Amtsmiene aus 


a 


y 


\ 


suhehmen, und Ahnen ein: Wonach fi gu achten ! 
zuzurufen. Und fo glauben Sie mie, wenn ich 
Ihnen verfichere, daß ich recht gern feyn, und wenn 
©te es huͤbſch darnach machen, auch bleiben will 

Ä ve 


gute Freundin‘ 
N 


a 
An einen Freund, deffen nähere Bekanntſchaft man 
feit einiger Zeit gemachte hat. 


Werthgeſchaͤtzter Freund! 

Sie verzeihen, wenn ich alles Ceremoniel, das 
nirgends laͤſtiger, als unter guten Freunden iſt, bei 
Cette ſetze, und nur die Sprache des Herzens rede. 
Dankbar ſegne ich die felige Stunde, worin wir 
ans wechlelfeitig unfere Gefühle geſtanden; Heilig 
fofen mir die Zuſicherungen feyn, die wir fo freis 
willig einander gaben, und die einzig nur aus dem 
Einverfländniffe unferee Kerzen und unferer Grund⸗ 
fäge entfprangen. Der Ausfpruch eines alten Wei: 
fen, der ſich zu einem allgemeinen Sprichworte ger 
eignet hat: daß man niemanden einen wahren Freund 
nennen koͤnne, wenn man nicht wenigſtens einen 
Sccheffel Salz mit ihm gegeffen babe, kann zwar 
für Diele als Regel gelten; aber auf uns darf fic 
Beinen Bezug haben. Sollten wir uns nicht Beide 
Mann genug feyn ? Sollten wir erft Die ganze Feuer⸗ 
pꝓrobe des Schickſals aushalten müflen, ehe wir es: 
“ uns einander beſtimmt zufagen dürften, daß wir 
uns wechfelfeitig die treueften,, unerfchütterlichften- 
Sreunde ſeyn wollen ? Nichts tft der wahren Freund⸗ 
ſchaft nachtheiliger, als Mißtrauen und Anforderuns 
- gen, die uns durch die Unmöglichkeit, ſolchen Ger 
süge zu leiſten, in eine peinigende Verlegenheit 


Sagen muͤſſen. Ich glaube vielmehr, daß das * 


en _ 64 — 


fuͤhl der Freundſchaft nicht minder zart ſey, als das 
der Liebe, und daß fie beide mit gleicher Schonung 
behandelt werden muͤſſen. Doc, wo gerathe ich 
hir? Verzeihen Sie, und nehmen Sie diefes Ser 
ftaͤndniß für das Glaubensbekenntniß Ihres Freun⸗ 

des an, dem er ewig treu bleiben wird. Da wie 

niche fo glädlich find, an einem Orte mit einander 

zu leben,-und da wir uns einander alfo nicht fo 

‚oft genießen koͤnnen, als wir wünfchen: o fo erfüäls. 
fen Ste meine Bitte, und laſſen Sie uns dieſen 

Verluft durch einen frenndfchaftfichen Briefwechfel 

erfegen. Es iſt mir gleihfam zum Beduͤrfniß ges 

worden, recht viel, und wäre es möglih, täglich 

etwas von Ihnen hören zu wollen. Keine meiner 

Frenden tft vollfommen, denn- th fühle nur zu 

fehr dabei, daB &te mir fehlen; und wie oft frage 

ich nicht täglich: mie wird fi bein Freund befins 

den ? ift er gefund? iſt er vergnäge? — Vefriedts 

gen Ste die verzeihlihe Sehnſucht Ihres Freundes, . 
und beantworten Sie diefe Fragen nah meinen 

Wanſchen, fobald Sie fih ein Ständchen von Ih⸗ 

ren Geſchaͤften abmüßigen können. Hoͤre ih, daß 

es Ihnen wohl gehet, daß Sie ungeftört die Zreus 

den des Zamiltenvarers in dem Schooße der Ihri⸗ 

gen, denen ich mich allen beftens zu empfehlen bitte, 

im vollſten Maaße gentefen: wie ſehr fol mich das 

freuen! Wollen Sie wiffen, wie ih mich mit den 

Meinigen befinde? Recht aut, recht wohl; befons 

ders. wenn ich mid des Gluͤcks verfichert Halten 

Tann, daß Ste unveränderlich der Freund bleiben 

wollen 

| Ihres 


‚ aufri 
wahren ge chtigen 





16. ints 


— 


— 62 — 


⸗ | , 16. 
yYııywork 
Suter, herzlicher Freaud! u 
So' dringend meine Geſchaͤfte find, fo will ich 
mich doch ein Stuͤndchen lang losreißen, um Ihnen 
meine Freude über Ihren lieben Brief zu erkennen 
an geben. Wie undankbar, wie gefühllos müßte ich 


ſeyn, wenn mich nicht jedes Wort, wodurch fich 


ve Herzlichkeit fo innig ausſpricht, zu gleichen 
pfindungen aufgefordert hätte Ich bin ganz 
Ihrer Meinung, daß nur in manchen Fällen jener 
gute Alte Recht haben kann, man folle nicht eher 


"genau beflimmen, wie viel ein Freund werth fey, 


bevor man nicht einen Scheffel. Salz mir ihm auf 
gegeflen babe; bei uns aber leidet dieſe Regel gewiß 


- eine Ausnahme. Viele fegen den Werih eines Freuns 


des darein, daß er alle Pflichten gegen fich ſelbſt 
und die Seinigen vergefien mälfe, um nur feinem 
Freunde genug zu thun; ihre Borderungen find uns 
gebeuer,. und fie kuͤmmern fich wenig darum , wenn- 
auch ihr Freund barüber in Verlegenheit gerathen 
follte, kommen fie nur aus der ihrigen. Und in 
wel sinem veränderten Lichte zeigen fie fih dann, 
wenn es nicht in unferer Macht ſtehet, das Unmoͤg⸗ 
liche möglich mahen zu können? — Wohl uns! 
daß uns Beide edlere Grundſaͤtze befeelen, als daß 
wir je die heiligeren Sefühle der wahren Freundſchaft 


. fo tief entwürdigen und zur Triebfeder des Eigen⸗ 


nuges machen follten, | 
Wie viel Hätte ih Ihnen zu fagen, fchägbarer 


| Preeund! wenn ih Ihnen alles fagen ſollte, was 


Aider If, wenn man zu viel Worte von ſeinem 


mein Herz für Sie empfindet! Theils fühle ich 
aber dazu meine Worte zu ſchwach; theils weiß ich 
auch, daß es einem wahrhaft gebildeten Manne zus 


Lobe 


Ai 


Lobe macht, weil fein beleibigtes Zartgefühl barans 
ahnden muß, daß man entweder in fein Gerz, oder 
in feinen Verſtand ein unberechtigtes Mißtrauen 
feße, und daß men in dem falihen Wahne von 
ihm ſtehe, es fey ein großer Aufwand von Worten 
nörhig, um feine fchwachen Einfichten zu flärten; 
oder daß man ihm fehmercheln und außerordentliche 
‚Dinge von ihm fagen müfle, weil er ein zu eitler 
Mann fey, der erkünftelte Schmeicheleien höher 
. achte, als die aufrichtige Sprache der Natur und 
der abfichtiofen Herzlichkeit — Aus dieſer Ueber⸗ 
einflimmang unferer Srundfäge werden Sie alfo 
ſchließen können, mie lieb mir Jhre Briefe feyn 
wählen, und wie mir diefe nur den Verluſt Ihres 
Yerföntichen Umganas, fo viel das durch Briefe ges 
."fhehen kann, wenigfiens — erträglicher machen 
- Binnen | 


Jdahren Ste fort, mir recht oft zu ſchreiben, 
ich Bitte Ste dringend darum. Sollte ich aber bis⸗ 
Wellen nicht ſogleich antworten , fo entſchuldigen, fo 
bedauern Sie mid, und legen Sie einzig die Schuld 
auf den Drang meiner Gefchäfte, die nicht felten 


fo überhäuft And, daß ich unter ihrem Druck en | 


liegen möchte. Ich darf es von Ihrer Billigkeit 
erwarten, daß Sie darauf Rädficht nehmen, un 

mir’ das Vergnuͤgen nicht entziehen werden, ſſx r 
son Ihnen etwas zu lefen, als es Ihnen Ihre Ges 
febäfte erlauben, und ats Ihnen Ihr freundfchafts 
licher Hang zu mir die Feder in die Hand führen 


wid. Schreiben Sie mir, was Sie wollen, was 


Ihnen Ihr Herz eingibt; mas taufend Menfchen 
unbedeutend feyn kann, das kann zwei Freunde 
ſehr dedeutend und willlommen ſeyn *). 


Sie 


=) Statt des ſo gewoͤhnlichen: da kann zwei Freunde ins 
tereſſtren z oder: Bann zwei Freunden intereſſant (va. 


Ste wollen wiffen, wie ich mich mit den Weis 
nigen finde? Wir find gefund und zufrieden. 
Braucht man wohl mehr, um vergnügt, und folgs 
Kich auch gluͤcklich zu ſeyn? Diefelben Empfinduns 
gen, die Sie für mich hegen, herrſchen gleich ſtark 
in meinem Kerzen. Komme bee Morgen, fo frage 
ich: wie befinder .fidh dein Freund in H.? und ges 
het die Sonne unter, fo frage ich wieder: wird 
auch mein Breund den ganzen Tag fo heiter, fo 
gluͤcklich geweſen feyn, als du es ihm wuͤnſchteſt? 
Meine Frau erinnere fih Ihrer. oft und mit innis 
ger Hochachtung, und, bedenten Sie nur! ſogar 
zueine Rinder fragen: recht ſehr oft nach‘ Ihnen. 
Darf ih Ihnen mehr fagen, um Sie zu Äberzens 
gen, werth Sie fich meinem ganzen Haufe ge 
macht ‚Haben? NMur einige Zeilen wollte ich ſchrei⸗ 
ben , und ich erſchrecke, wie lang mein Brief ges 
worden if. Wie fchnell verſliegt die Zeit bei der 
angenehmen Unterhaltung mit unfern Sreunden, und 
: wie ſchwer wird. mir die Trennung von Ihnen? 
Und doch muß ih mich nun mit Gewalt von Ih⸗ 
nen, befler Freund, Losreißen. Deine Pflicht ges 
beut, und ich muß diefer mein Vergnügen aufopfern. 
Leben Ste wohl! Die Meinigen grüßen Sie und 
die Ihrigen Herzlich. Bleiben Sie mein Breund, 
ſo wie ich unaufhörlich feyn werde 


Ihr 
zaetlicher Freund 





1 Au 


— 65 — 


17. Br 
on einen entferuten Freund, ber eine fange Zeit 
von fich nichts hat Hören laffen. Ein Brief in 
einem vertrauten, ſcherzhaften Zone. 


> GSagen Sie mir doch, lieber Herzensfreund, 
was in aller Welt*) mit Ihnen vorgegangen feyn 
muß, daß Sie fett drei Monaten keine Sylbe von 
fi Hören ließen? Soll ich argwähnen,, daß Sie 
- eine gewifle Lauigkeit oder ſonſt fo etwas befallen 
Habe? Freund, das kann ih nicht, denn mein 
garizes Herz ſtraͤubt ſich dawider, weil es gern feine 
gute Meinung von Ihnen noch recht lange behaupten 
mödte. Geftorben koͤnnen Sie auch nicht feyn, 
denn Ihre Hinterlaſſenen hätten Ihren guten Freun⸗ 
den ganz gewiß einige Nachricht davon gegeben; und. 
wenn fie das auch vergeffen hätten, fo würden doch 
die Zeitungen nicht gefchtwiegen Haben, und ich hätte 
dann wenigftend in einer von den vielen Arten 
von Zeitungen, die id) lefe, eine Anzeige gefunden. 
Tode können Sie alfo, ich wette taufend gegen ein, 
auf. keinen Fall ſeyn; und Ste leben nicht nur, 
weil ich es wänfche und hoffe, fondern befinden ſich 
zugleich rechte munter, vergnügt, und fo geſund wie 
ein Fiſch im Waſſer. Ein Einfiedier können Sie 
auch nicht geworden feyn; benn ehe Ste fih ganz 
von 
#) Dergleichen Ausdruͤcke, wie dieſer, und einige ans 
dere, z. B. um des Himmels willen u. ſ. w. — dürs 
fen nur in den Briefen an unfere vertrauteften Freunde 
Statt haben, da fie aus der Sprache dad gemeinen 
Lebens hergenommen find. Go wenig fie auch, bis 
weiten auch wohl gar michts, fagen, fo-geben fie 
dad, weil man einmal: durch den täglichen Gebrauch 
an fie gemähnt worden ift, dem Ausdrufe diejenige 
Lebhaftigfeit, Nie in riefen Diefer Art felten ohne 
gute Wirkung bleibe. 


19%, z. 


| en | 
yon der Welt, ehe Sie fih von Ihren Freunden 
abſondern konnten, hätten Sie doch billiger Weife 
zuvor von und Allen Abſchied nehmen muͤſſen. Doc 
Scherz bei Seite! Glauben Sie nur, daß mir 
Ihr fo langes Stillſchweigen fehr wehe gethan hat, 
. und daß es mir bis jegt unerklärbar ift, was Sie 
dazu vermögen konnte. Ich weiß zwar von vorts 
gen Zeiten her, daß Sie nicht zu. den fchnellften 
VBrieffchreibern gehören; auch habe ich fchom einige 
Mai über Ihre Gaumfeligkeit gezürnt: aber fo 
lange, .wie jest, haben Ste doch noch nie geichwies 
en. Was no ſchlimmer! ich Habe drei Mal an 
&ir gefchrieben, und Habe auf keinen meiner Briefe 
von Ihnen eine Antwort erhalten. Ruͤhrt diefe Erin⸗ 
nerung Ihr Gewiſſen noch nicht, nun dann muͤſſen 
Gie der verſtockteſte Sänder auf Gottes ganzem Erd⸗ 
boden ſeyn. Haͤtten Ste doch wenigftend nur den 
letzten meiner Briefe beantwortet, oder hätten Sie 
ſich des Kunſtgriffs bedient, der bei zoͤgernden, faums 
feligen Brieffchreibern Leine Seltenheit ift, und Ihre 
Antwort einen Donate. zurück uͤberſchrieben. Trauen 
Sie es meiner Artigkeit zu, ich würde Ihren Zif⸗ 
fern aeglaubt, und die Schuld einzig und allein auf 
den Poſtwagen geſchoben Haben, auch hätte ich ges 
wiß gegen die Poftmeifter keine. Unterfuchung ans. 
. ftellen laſſen. Aber willen Sie, und wundern Bis 
ſich nicht daruͤber, was ich zuvor von Ihnen nicht 
erbirten fonnte, werde th nun — fodern, fireng 
fodern; und bekehren Sie fih auch darin noch nicht, 
fo machen Sie fih nur daranf gefaßt, daß Sie 
nächftens in das ſchwarze Regiſter feiner Freunde 

einfchreiben wird u W 
Ihnen noch zur Zeit mit unaufhoͤr⸗ 

licher Liebe ergebenen Sreund 


So rer | 


— 67 — 
18. 
Antwort auf dieſen Brief in demſelben Tone. 


In demſelben Augenblicke, als ih, mein lie 
ber Freund! Ihren Vrief geleſen Sale, ſetze ich mih 
auch ſchon an mein Schreibepult, und. antworte Ih⸗ 
nen. Können Sie fih einen ſchnellern Bricfichreis 
ber denten, als ich bin? Wäre es Ihnen vierzehn 
Tage. früher eingefallen, an mich zu fchreiben, fo 
hätten Ste boch nur erſt heute eine Antwort von 
mir erhalten ‚können; und was würden Ste dann 
von mir gedacht? was von mir gefagt haben? Die 
Meugierde ift zwar nicht mein größter Fehler; aber 


hoͤren Hätte ich es doch moͤgen! Und wer war der 


ſchuldige Theil? Ich wenigſtens nicht, und Sie — 


Sie freilich auch nicht. Geſtorben kann ich nicht 


ſeyn, da haben Sie ganz recht: aber keineswegs 
aus dem Grunde, weil noch in keiner Zeitung eine 
Anzeige von meinem Tode geſtanden, denn. es Tier: 
ben taufend Menfchen, und die Zeitungen ſchweigen, 
was gar wohl auch der Fall bei Ihrem Freunde 
feyn möchte, der bei feinen Lebzeiten zu gern.ein 
Freund der Ruhe und der Stille war, als daf er 
nad) feinem Tode in den Zeitungen noch erft anfaus 
gen follte, Lärm zu machen; fondern ich bin des; 
wegen noch nicht geftorben, und. habe auch bis ie 
noch aͤußerſt wenig Luft, und fogar nid;t einmal Zeit 
dazu, weil ich gern noch lange, noch fehr lange Sy 
guter Freund bleiben möchte. Auch Haben Ste 
darin Met, daß ih mich gefund, wohl 
und. munter wie ein Fiſch im Waffer des 
finde, und. das aus keiner andern Urſache, Als 
aus dieſer — — weil — weil — weil ich gewiß 
nicht anders , ald aufs Außerfle gezwungen, meinen 
Freunden Klagelieder vorfingen möchte. Einfieds 
Ver bin ich zur Zeit eben fo. wenig geworden: weil 
ich fühle, daß man in der Welt kein geößeyss Star 
. | E zT Tr chen 


- 


En - :68 _ —e 

machen kann, als wenn man uͤberzeugt ſeyn darf, 
von guten Menſchen geſchaͤtzt und geliebt zu wer⸗ 
den; denn tern. diefes Kleinod zu Theil geworden 
iſt, der hat gewiß den Schlüffel zu allen Heiligthuͤ⸗ 
mern der Freude gefunden, Aber , lieber Freund! 
‚bar Ihnen denn unter zehn andern Fällen wenig: 
ſtens diefer nicht in die Gedanken kommen Fins 
nen, daß es wohl möglich Tey, ich koͤnne verreift 
fen? Und wenn Ihnen das beigefallen wäre, fo 
‚Härten Ste fid) gewiß nicht geirtt. Freilich werden 
Sie nun wieder fagen, ih hätte Ihnen das zuvor 
ſchon ſchreiben follen, um Sie aus Ihrer Ungewiß⸗ 
helt zu reißen; und darüder muß ich Ihnen denn 
ſchon eine nähere Auskunft geben. Dringende Ges 


ſcchaͤfte nöthigten mic) zu einer Reife, welhe Ih in 


einem und demfelben Tage niche nur beſchließen, 
"Sondern auch ſchon antreten mußte. Kaum daß ich 
mit den Meinigen hinlängliche Nädfpradye nehmen, - 
kanm daß Ich das hoͤchſt Nothwendige für meine 
Familie und für meine Geſchaͤfte anordnen Fonnte, 
. War mir es VIER Mal wirklich unmdglih, an meine 
entfernten Freunde zu fihreiben, fo nahe fie au _ 
meinem Kerzen lagen. Auch während meiner Abs 
weſenheit Hatte ich nur, fo viel Zeit übrig, daß ih 
hoͤchſtens an Frau und Kinder fihreiben, und ihnen 
Die nöthigen Aufträge geben konnte. Glauben Oie 
‘ja nie, daß ich Sie vergefien habe, „wenn Gie 
auch feine Briefe von mir erhalten haben. So oft _ 
‘ih an meine Kran ſchrieb, Habe ich mid) meines lies . 
den Freundes erinnert, ich kann Ihnen diefes mie 
jenen Briefen beweifen, Härten Sie fih mit Ih⸗ 
rer gegen mich gerichtete Anklage an meine Frau 
| gewendet, fo bin ich überzeugt, fle würde Shnen .. 
usfunfe gegeben haben, fo ungern fie auch Briefe ’ 
ſchreibt. Ihre Briefe, beſter Freund! Habe ich alle . 
befommen, und ich danke Ihnen recht lebhaft das i 
für, Ich ſchmeichle mir, Ihnen nun das Raͤthſel 


ante 


u 609 — a 


aufgelöfet zus Baben. Zuͤrnen Sie nun noch mie 
mir? — Denn recht ſehr gezoͤrnt müffen Ste wohl 
Haben, da Sie in Ihrem letzten Driefe mir nicht, 
ein Wörtshen fagen, wie fich Ihre liebe Frau, Ihre 
guten Kinder befinden; und. Ste wiſſen doch, wie, 
ich dieſe liebe und (häße. Ich könnte Gleiches mis 
Gleichem vnergeiten; aber ich wid es nicht thun. 
San; puͤukttich will ich Ihnen daher anzeigen, daß 
ic mein braves Weib. und meine Kinder insgeſammt 
zecht gefund und munter bei meiner Zuruͤckkunft ans 
getroffen babe, und daß. fie fih Ihnen und Ihrer 


lieben Familie beftens erupfehlen lafleın. Um nicht: 


auf Ein Mal alles Verſaͤumte wieder nachzuholen, 
wiil ich Beute meinen Brief ſchließen. Ueberzeugen 


;  &te mich bald, daß Ihnen meine Briefe nicht gleichs 


gültiger geworden find, und daß fie Ihnen auch, 
noch ferner nicht ganz unwillkommen ſeyn werden. 
- Sobald Ste mich davon Äberzengt haben, fo. können 
Sie ſich darauf verlafien, daß Ihnen nädjitend wies 
der. fchreiben wird, fa ſehr fich auch während feiner. 
Abmefendeit feine Bee angehäuft haben, 


= 


von n Sr — Freund 


19. 

Ein Seief in aͤhnlicher Angelegenheit; aber et " 
zer und in einem ernfihafteren, auch weniger 
vertranten, ſcherzhaften Zone. 


"Mein ſehr werchgefchänter Freund! 


.  Zaufenderlet Sorgen babe ich mir über She 
feitheriges , fo ungewohntes Stillfchweigen gemacht. 
©Sollte Ahnen, oder font Zemandem in Ihrer mir 
fo lieben Bamilie ein Unfall begegnet feyn? Kaum 

aber iſt mir das denkbar; denn Sie wuͤrden es mir, 


R 


Eee Per 


Ihrem Freunde, gewiß in einigen Zeilen gemeldet 
haben ‚da Ste Piſſen, weichen herzlichen Antheil 
ich immer an Mich, mas Sie betraf, genommen 
habe. Oder folkten Sie krant geworden ſeyn ? Was 
der gütige Himmel doch nicht wolle! 


Wie Babe ich nicht umhergeſonnen, was bie ' 

liefadhe ſeyn möchte! Wie habe ich mich nicht aufs 

ſtrengſte geprüft, ob ich nicht irgend etwa durch eigene 

Verfhuldung dieſe Ihre'mir fo ſchwet aufs Herz 
gefällene Zurückhaltung veranlaßt haben koͤnne! — 
Aber'mein Herz ſpricht mich von jedem Vorwurfe frei. 
Heißen Ste mich, ich bitte Sie recht dringend, fo 
. bald ale möglich aus dieſer peinltchen Verlegenheit. 
Mit einigen Zeilen Antwort koͤnnen Sie mir eine 
geoße Freude machen.“ Empfehlen Sie mich den 
iteben Ihrigen beſtens, und beruhigen Sie fo bald 
ars moͤglich 


v 


Bee Er: * am Sie Serge Bruns 


y. DE 
8 


—20. 
le... \ 

Antwort auf diefen Brief. 
Erſchrecken Sie nicht, mein befter Freund! 
wenn Sie ſehen, daß diefer Vrief nicht- eigenhäns 
dig, geſchrieben : “Sind ed doch die Worte, die 
aus dem Herzen Ihres Freundes kommen, und an 
dieſen wird Ihnen mehr liegen, ale an den’ bloßen 
Schriftzügen. . Ich befand mich ſchon ſeit einiger 
Zeit. gar nicht wohl; doch that ich mir allen Zwang 
an, um dieſes den, Meinigen nicht wahrnehmen zu 
faffen. Es warb mir fehr ſchwer, meine Gefchäfte 
mit derjenigen Munterkeit zu betreiben, die mir 
dabei- fo noͤthig iſt ) jedoch die Hoffnung belebte 
Ei daß es bald beſſer werden koͤnne, weil ige 
einige 


en - 


einige Tage ‚Bintereinander gefünder und beſſer Ges 
fand. Aber ich Hatte mich geräufcht. Denn das 
‚verborgene Uebel trar mit Einem Male aus feinem - 
Hinterhalte hervor. Sch fiel in ein, heftiges Ner⸗ 
venfieber, und ſchwebte faft drei Wochen lang zwi⸗ 
fhen Leben und Tod. Die Hand des Herrn hat 
mich aber erhalten, und. mein Leben den Meinigen 
noch länger fchenten wollen. Ihm fey dafür Dank 
gejagt! Der Arzt verfihert, daß ich außer aller 
Gefahr ſey. Es wird. freilich lange dauern, ehe ich 
Die verlorenen Kräfte wieder erbaltes aber wer hat 
nicht gern Geduld, fobald er in eine giäclichere 
Zukunft fiebe? Nehmen Sie meinen herzlichſten 

Dank für Ihre Theilnahme, und mit diefem bet 
meinem Eintritt in ein gleihfam neues Leben meine 
aufrichtigſte Berfiherung für die Fortdauer unferer 
unzertzennlichen Breunbichaft. Bleiben Sie mir fers 
ner ſo gewogen, wie feither, und laffen Sie uns 
w.chfelsiveife alle die Freuden mit Dank und Ans 
betung gegen den Urheber derfelben genießen, die er 
uns ſchenken wird. Ich möchte Ihnen noch viel, 
recht fehr viel fagen; aber der Arzt verbietet mir 
immer noch jede anhaltende Anftrengung. Sch muß 
mir diefed Vergnügen: alfo auf die glauͤcklichern Zei⸗ 
ten meiner völligen Senefung vorbehalten. O wie 
freue ich mich ſchon im voraus darauf! Der Uns 
ende‘, die meine Gefahr den Meinigen verurfachte,. 
Der Angſt, in welcher fie alle ſchwebten, werden 
Sie es freundfchaftlich verzeihen, daß Sie feicher 
keine Nachricht von mir erhalten konnten. No 
zittert meine Hand zu fehr, als daß ih Ihnen 
ſelbſt ſchreiben könnte; ich Habe daher meinem Bohne 
diefe Worte vorgefprochen,, und er har fle ſtatt meis 
ner geichrieben. Entfchuldigen Sie diefes beftens. 
Habe ih Ste doch mit meinen eigenen Worten von 


meinen eigenen Empfindungen verfihern Löünnen, - ' 


wie lieb ih Sie Habe, Die Meinigen on 


— , 


um | 72 — 


fh Ihnen und Ihrem ganzen werthen Hauſe. Und 
nun glauben Sie doch ; daß ich immer noch bin 

r 
alter, aufrichtiger, unver⸗ 
aͤnderlicher Sreund ? 


21. 
Zaͤrtlichſter Freund! 


Wie, Sie waren krank? ſtanden ſogar ſchon 
an den Pforten des Todes? Weich eine Nachricht 
für mich! Soll ich Ihnen: meine Empfindungen - 
‚ darüber erſt mit Worten ausdrüden?: Und vermös. 
gen Worte das auszudruͤcken, was ein Freund für 
den andern in einer ſolchen Lage empfindet? Wäre 
es. im Rath der ewigen Weisheit beſchloſſer gewes 
fes; uns Ihr fo theures Leben nicht känger zu göns 
nen, und &ie von der Seite der Ihrigen und aus 

den Zirkel Ihrer Freunde zu reißen — o ich mag 
mir diefen traurigen Gedanken nicht ausdenten! 
Gott fey das hHeiligfte unferer Opfer für Ihre Ers 
Haltung aus unfern dankbarften Herzen dargebracht. 
Freund, ich beſchwoͤre Sie, beobachten Sie die Vor⸗ 
Schriften des Arztes auf das firengfie; ſchonen Sie 
fih fo viel als möglich, und fo lange, bis Sie ſich 
ganz vollkommen wieder hergeftellt fühlen. Der Ger 
nefende trage fi) immer mehr zu, als er follte; 
will fich .oft mehr anflrengen, als ihm gut ift;.glaubt 
fi) bei der. Öegierde, feinen Sefchäften’ wieder vors 
fiehen zu wollen, nicht felten, flärker,, als er wirk⸗ 
lich iſt, und zieht fi dadurch neue Uebel. oft weit. 
heftigere zu, ald die, die er fo eben überflanden 
Bat. Ich zitterte nicht wenig, als ich den langen 
Brief nochmals. uͤberſah, den Ste Ihrem guten 

Sohne in die Feder diktirt haben, und ale ich mich 
= "dabei in Ihre Lage dachte. Strengten Sie ſich Pin: 


m 75 — 


auch hier ſchon zu ſehr an? Freunb, das hatten 


Sie nicht thun ſollen! So hoch ich dieſen Beweis 


Ihrer Liebe ſchaͤtze, ſo werth mir auch "Ihre Brief 
war — ſo iſt und bleibt mir Ihre Geneſung doch 
gewiß weit wichtiger und wuͤnſchenswerther. Einige 
Zeilen von Ihrem Sohne ſollen mir genug ſeyn, 
und went. fie auch weiter. nichts enthalten, als: 
‚mein Vater befinder ſich geſtaͤrkter, kraͤftiger, und 


wird nun bald vollkommen wieder hergeſtellt fen. — 


Aber um dieſe wenigen Zeilen bitte ich dringendſt; 
denn ich laͤngne es nicht, mein Herz naͤhrt zwar 
die beſte Hoffnung, aber beruhiget, ganz beruhiget 
fühle es ſich nur dann erſt, wen es Sie ganz ˖voll⸗ 
kommen geſund wieder weiß. Ich bitte Gott täglich 
um die Erfuͤllung dieſes meines heißeſten Wunſches. 
Welch ein reizendes Schauſpiel muß es ſeyn, wenn 
ſich an dem Arm Ihrer lieben Gattin Ihre guten 
Kinder um Sie her draͤngen; wenn aus ihren Au⸗ 
gen die Freude uͤber die Geneſung ihres geliebten 
Vaters leuchtet, und ſich hun die Thraͤnen des fruͤ⸗ 
bern Jammers und der birterfien Klage in Bonner 


thräneli verwandeln! Keiner Ihrer Freunde kann 


einen lebhaftern Theil Daran nehmen, als 


[4 


inniger Freund 
IN 


a 22. 
Brief eines jungen Menſchen an feine junge Krems 
bin in Berlin, während einer Keife geſchkieben. 


- Dresden. 
Sie fehen, tie bald ih Ihm Erfaubniß bes 
nuße, Ihnen bisweilen von den Ruhepunkten meis 
ner kleinen Reife aus Nachricht von mir mittheilen 
zu dürfen. Gewiß lächeln Ste über meine Eile, 
denn Sie berechnen fich leicht, daß ich- erft einen 
| | Ä Tag 


* 
= 


Rang: mich in Dresden befinden kann; aber, thenerfte 
Freundin, wenn Sie wüßten , weiches Vergnügen 
de mir gewahrt, mit Ihnen die Erinnerung dieſes 
einen Tages zu theilen, Sie wuͤrden ſelbſt dieſe 
Eile entſchuldigen muͤſſen. Wir Menſchen fuͤhren 
es ſo oft, daß uns der Menſch doch ſtets das Liebſte 
iſt, und daß wir beinahe keine Freude recht empfins 
den koͤnnen, wenn nicht ein anderer theurer Menſch 
ſie mit uns theilt. 


. Die drei Tage meiner Wanderſchaft durch die 
fandige Mark und Niederiauſitz, und endlich durch 
bie. gefegneten turen des Meißnerlandes durchfliege 
ich mir Ihnen ohne Aufenthalt; wir finden nichts 
Merkwuͤrdiges, ald das Ihnen wohlbekannte flolze 
‚Potsdam , die weiland Nefidenz des einzinen Bries 
drichs. Die Dunkelheit har ſchon am dritten Tage, 
wo wir in Dresden einziehen, ihre Flügel über die 
hohe Konigsſtadt ausgebreitet, und huͤllt mit ihnen 

Ile die Herrlichkeiten ein, die mich baid entzuͤcken 

(ten. Die Morgenfonne,, welche klar in mein 
Fenſter ſchaute, weckte mich am folgenden. Tage 
durch ihren Glanz; ich- warf mich ſchnell im Die Klei⸗ 
ber, und eilte Über den Markt, durd) das Schloß 
Ber eloorüde zu. Himmel! welch ein erhabener 

nblie!. Im erſten Momente verfiummte id), 
und ungewiß, wo mein irrer Blick baften follte, 
ſah ich bald rechts und links nach beiden Seiten 

x Eibe hin, deren vergoldete Wellen beide Theile 

ee Stadt, die Alt: und Neuftadt trennen, und ſich 
am Horizont zwiſchen den lieblichſten Ufern verlies 
ren; bald nach der erhabenen katholiſchen Kirche und 
ber Terrafle dog, Brüblfchen Gartens, und bald in 
Die Neuftadt hinein, wo eine fchöne Allee zu einem 
Opajʒiergang einladet. Ertaffen Sie mir eine mweits 
laͤuftigere Schilderung, denn ich fühle, wie ſchwach 
Worte find, fol einen Eindruck miszucheilen. 


- — *5 — 


Was ih drum gegeben, wenn Sie, 
theuerfie Freundin, in diefem Augenblicke bei mie 
geftanden, und mit mir die Betrachtung diefes herr⸗ 
lichen Semäldes getheilt Hätten! Witten auf der 
Brücke fieht die in Dronce gegoflene koloſſale Bilds 
fäufe Augufts I. , Kurfürften von Sachfen, in deſſen 
feften Zügen man die Kraft des Körpers bewundert, 
welche ihn vor allen Zeitgenofien auszeichnete. Er 
figt zu Pferde in Römtfcher Kleidung, und am 
Fußgeſtell find die Nationen, die er beberrfchte, im, 
Feſſeln gefchlagen dargeſtellt. Inzwiſchen ward es 


lebhafter ; die fchönen Pläge und die Bruͤcke 


fülten ih mir Menſchen, und das Läuten der 
Soden verkündete den feſtlichen Sonntag. 


Sie können leicht denken, daß ich den katholi⸗ 
ſchen Sottesdienft niche verfäumte; Sie ſelbſt waren 
in Berlin öfters in der katholiſchen Kirche, und 
fennen die Teremonten der Driefter ; aber wie wärs 
den Ste fih im Innern erhoben fühlen, wenn Sie 
den herrlichen Sefang des Chors und der Solo⸗ 
flimmen mit der vollen Begleitung der Kapelle vers 
nahmen. Man merkt leicht, daß der Hof katholiſch 
ift, denn Alles ift Darauf verwendet, dieſen Got⸗— 
tesdienft ſo herrlich und glanzvoll wde möglich eins 
zurichten. Nie fahe ich eine Kirche, die wie diefe 
erhabene Einfachheit und Glanz vereinigt. Auch 
finden: Ste hier mehr. Ordnung , als in der Berl 
ner; die Nichtkarholiten fliehen zu beiden Seiten 
der Sitze zwifchen großen Säulen, während im ins 
nern Raume die Anhänger der Latholifchen Kirche 
figen. Der ehrmärdige König nebft feiner Familie 
war ebenfalls in der Kirche; denn er geht hierin 
feinem Volke ſtets mit dem beften Beiſpiel vor. 


Nachdem ich Ohr und Auge gehörig befriedigt 
Batte,_eilte ih nad Haufe, um mich mit leiblicher 


Nahrung zu flärfen. Ich erfuhr vom Wirth, 2 
% 


L 


die fchöne Welt Dresdens, fo wie der’ größte Theil 
der Fremden, fih im Linkſchen Bade zum Konzert 
den Nachmittag einfinden wuͤrde. Dieß reizte mich 
zu fehr, als daß ich den Weg einer guten halben 
©tunde hätte fcheuen follen. Sie haben von dies 
fem Bade eine deutliche Vorftellung, wenn Sie an 
die Zelte In Berlin denken, nur daß bier der herr⸗ 
liche Eibflug vor ihnen liege. Gehen Ste vom Bade 
aus links an feinem Ufer fort, fo fehen Sie eine 
ganze Reihe der ſchoͤnſten Weinberge vor ſich, an 
deren Buße er Mich hinſchlaͤngelt. Der Platz füllte 
ſich mehr und mehr , und ich mußte mich gluͤcklich 
fihägen, trotz der vielen Bänke und Tifche, ein Plaͤtz⸗ 
hen zu finden, wo ich ruhen fonnte.. Hier hoͤrte 
ih in Gemaͤchlichkeit bei einer Tafle Thee einige 
vom Mufitchor fehr gut ausgeführte Sachen, befons 
der& Ouvertüren, mit an; ſchaute nad) der Eibe 
din, in welcher fih die Strahlen ber ſinkenden 
Sonne dadeten. Nichts fehlte mir als eine gleiche 
geſtimmte Seele, die mit mir Biefen Genuß getheilt, 
und fo verdoppelt hätte. — Laſſen Sie mich hier 
ſchließen. Bald erhalten Sie einen neuen Brief, 
en Sie gewiß mit Nachſicht empfangen werden, da 
te willen, wie gluͤcklich Sie mich dadurch machen. 
Leben” Sie recht ſehr wohl, und erlauben Sie 
mie, wich nennen zu bärfen 
. ‚ Ihren DEE 
ergebenen Grennb und Diener 


23. 
An ein junges Frauenzimmer, deren Bekanntſchaft 
man. bei einer Hochzeit gemacht hat. 
Verehrte Freundin! 
Zu ben vergnägteften Tagen meines Lebens 


zähle ich auch den, der mich fo glücklich mag 
ir Sie 


⸗ 


REN 77 u _ . N 


te meine Freundin nennen zu dürfen. Wie gütig 
waren Ste gegen mi, der ih Ihnen nur ein 
Fremdling war! So lebhaft fih auch Die Freude 
bei dem SHochzeitfefte unferer beiberfeitigen Freunde 
äußerte, fo würde fie es für mich doch nicht in fo 
hohem Grade geweſen feyn, Hätte mich nicht She - 
gefälliges Wefen aufgeniuntert, und die Schuͤchtern⸗ 
heit von mir entfernet, die einem gewöhnlich ans 
haͤngt, wenn man fi in der Geſellſchaft von groͤß⸗ 
tentheild unbekannten Menichen zum erften Male 
Befindet, Es würde mich fehr ſchmerzen, wenn ich 
- fürchten follte, eine fo angenehme neue Bekannt. 
ſchaft eben fo ſchnell wieder aufgeben zu muͤſſen, 
ale Ih fie gemacht babe. Zwar wirft mie mein 
inneres Gefühl vor, daß ed ein wenig zudringlich . 
ſey, Ste fhon mit einem Briefe zu Veldfiigen; 
‚allein ein dankbares Herz bat auch feine Mechte, 
"und ich will Lieber etwas zudringlich, als undank⸗ 
bar fcheinen. Verzeihen te, wenn ich Ihnen noch⸗ 
"mals meine innigſte Hochachtung verfichere, und 
betheuere, daß der Wunſch, nice ganz aus Ihrem 
gätigen Andenken verdrängt au feyn, der angenehmſte 
meines Herzens ift. Empfehlen Sie mid) den lies 
den Ihrigen, die ich aufrichtig verehre, zu fernerem ' 
gürigen Wohlwollen, und erlauben Ste mir, mich 
- auch in ber a A zu dürfen‘ 

ten | 

ergebenften Sreund und Diener 


Ä 24. 
. Brief eined Freundes an ein junges Ehepaar, kurz 
nach deflen Hochzeit, wobei er zugegen war. ' 
Wundert Euch nur nicht, Ihr guten Tieben 
Freunde, wenn Ihr fo ſchnell fhon einen Brief 
von mir zu lefen befommt; denn wer könnte Euch 
ſo geſchwind vergeſſen, da man Euch fo manche feir 
. ner 


⸗ 78 u 


ner beiten Freuden zu verdanfen hat? Immer bin 
ich um und neben Euch, und Eure Zärtlichkeit, die 
Ihr gegen einander heget, und die, wie ich vers 
muthe, nicht wie in den Ehen nach ber neueften 
Mode, mit den erften Flitterwochen vorüber raufchen 
wird, gibt mir wirklich ein fehr reizendes Schaufpiel. 
Wie gehr es Euch? Geyd Ihr nun bald, eins 
gerichtet? Das läßt fi) wenigftens von der Thaͤ⸗ 
tiafeit meines Freundes, und von der Wirthlichkeit 
« feiner lieben Sattin vermuchen. Hoffentlich werdet 
Ihr nun endlih einmal zur Ruhe gefommen feyn; 
‚. denn die Hoͤflichkeitsbeſuche werden doch nad und 
nad abgenommen haben, und Ihr werdet Euch nun 
ſelbſt wieder leben koͤnnen. Schade! daß die Lufts 
"fehtfferet noch nicht fo vervollkommnet iſt, dag man 
ſich in einen Ballon eben fo leiht, wie auf einen 
Poſtwagen jeßen kann. 
Möchte ich doch recht bald die ermünfchteften 
Nachrichten von Euch Hören! Möchte jeder Eurer 
Wuaͤnſche in Erfuͤllung gehen, und Euch jede Freude 
einer vergnügten Ehe zu Theil werden! — Laͤchelt 
nun noch, zur Vollendung Eures Gluͤcks, vielleicht 
nach einem Jaͤhrchen fhon ein kleiner Liebling bald 
. dem Vater , bald der Wutter zu, wird dann — 
doch ich will abbrechen, denn ich fehe, Ihr Beide 
fchlagt verihämt die Augen nieder, ob Ihr gleich 
das Wohlgefallen nicht verbergen koͤnnet, was Euch 
SHefer angenehme Gedanke machen muß. 
Empfangt fchtäßlich meinen innigften Dank für 
das fehr angenehme Vergnügen, das mir Euer Ehren: 
sag. info vollem Maße gab. Glaubt, daf er auch mie 
unvergeßlich feyn wird. denn er knuͤpfte das Band unſe⸗ 
ver Freundfchaft enger. und kettete unfere Herzen feſter 
an einander. Ich a Euch freundfchaftlich und bleibe 
| uer 
theilnehmender, gufrichtiger Freund, 


| 25. Ein 


| 25. 
Ein Freund enıfchuldige fich bei feiner Freunde, 


daß er ohne Abfchied von ihm abgerciſt if, 


SGie werden zürnen, und mich vielleicht einer 
unverzeihlichen Unartigkeit befchulöigen, daß ich nach 
fo vielen genoffenen Gefälligkeiten von ** abreifte, 
ohne von Ihnen und Ihrer Iteben Familie förmlich - - 
Abſchied genommen zu haben. Zwar Batte ich das 
den Tag vor meiner Abreife feſt beſtimmt; allen 
Sie wiſſen ed gewiß aus eigener Erfahrung, wie 
der Beſchaͤftsmann, dem feine Sefchäfte am Herzen 
liegen, nie feine Zeit ganz ſicher voraus beſtimmen 
lann. Nur erft ſpaͤt in der Naht konnte ich mich 
son diefen lsetrennen; und Sie mit den lieben. 
Ihrigen fo ſpaͤt erft zu befuchen,, fehlen mir nicht 
neniger eine Unſchicklichkeit zu feyn , als wenn ich 
@ie feäh noch im Schlafe hätte fiären wollen‘, dA 
td mis meinen Befellfhaftern noch vor grauendem 
Dorgm abreifte. Mehmen Sie daher und Ihre 
thure Gattin, der ich mich, wie Ihren lieben Kin⸗ 
den , beftens zu empfehlen bitte, für die mir ers 
zegte ſehr freundfhaftiihe Aufnahme meinen innigs 
fin verbindlichften Dank, und feyn Sie völlte übers 
ugt, daß id mich in Ihren gegen mich gedußers _ 
n gütigen Geſinnungen fehe glüclich. fühle, und 
wiß keine Gelegenheit vorähergehen laflen werde, 
hnen diefes aufs thätigfte zu beweifen. Leben Ste 
ohl, und fo vergnaͤgt und gefund, wie ich es Ih⸗ 
em wünfhe. Daun kann ed Ihnen an nichts fehs 
n, und niemand wird ſich mehr darüber frenen als 
| | Ihr | 

Ihnen auft geigſt ergebener 
* uf 





26. Dan 


% 


26. 
an wuͤnſcht, einen Breund beſuchen gu bür 
‚und fragt bei ihn an: ob man ihm auch 
gelegener Zeit fommen werde. 


Können Sie fih es wohl einbilden, daß 
famme Weib und: Kindern einmäthig auf den € 
fall gefommen bin, Sie naͤchſtens, vielleicht. in 
fer Woche noch, zu defuhen? Sa beinahe Hät 
wir uns (don auf den Weg gemacht, ohne daß t 
ein Wort -zuvor davon erfahren hätten, wären n 
meiner Frau einige Bedenklichkeiten eingefallg, ı 

Sie willen ja — die Weiber haben immer Ne 
Sindefien — aufsefchoben. ift nicht aufgehoßn, | 
ein altes Sprichwort. Werden Sie uns wıhl g 
ſehen? follten wir allerdings erſt fragen: aler a 
Diefe Frage thun wie nicht; denn verficherem « 
uns nicht mehr als Ein Mal fhon, daß wir Ih 
jederzeit willlommen feyn follten? Aber nun Bd 
bei Seite! Freund, es if unfer. wahrer Er: 
daß wir uns das Vergnügen machen, und Stun 
ſtens befuchen wollen. Nur bitten wir Ste ım 
Sefälligkeit „ uns zuvor zu benachrichtigen, «5 
Ihnen jegt auch erwuͤnſcht kommen werden, 
Verlegenheit wollen wir Ste auf keinen Fall: ſetz 
die geringſte Umftändlichkeit würde unfer gehe| 
Vergnügen vermindern, das wir nur um fo ı 
kommner ‚genießen werden, je einfacher es ſich 
darbieten wird. Jede Freude. bört auf, Freud: 
ſeyn, wenn fid vermuthen läßt, daB man ei 
Andern läftig fallen fann. Hindern Sie Ihre 
ſchaͤfte, unſern Beſuch für dieß Mal annehmer 
können, fo thun Sie ſich, ich bitte ſehr ernf 
darum, feine Gewalt an. Wir hoffen noch le 
zu leben, hoffen voch lange gute Freunde zu 
Ben; und fo Yiöts auch noch immer Zeit gei 

nNehe a Ä j 


. 


u Br. um 


«ns eimanber Hefe Freude madjen zu innen, Ein. 


aufaeſpartes Vergnuͤgen belohnt nicht‘ — zwei⸗ 
ſach; und jemehr es uns uͤberraſcht, deſto mehr ges 


füüt es uns Offenherzigkeit verdient Gegenoffen⸗“ 


herzigkeit; und: fo erklaͤren Ste. ſich mir ohne alle 
Umſtaͤnde, und fürdten Sie nit, von Ihrem 
'Srennde mißverſtanden zu werden: Tauſend freunds 
ſſdaftliche Grüße an. alle die lieben Ihrigen von 
‚meiner Fran und von meinten Kindern. Ich bin 
«und Bleibe unveraͤnderlich u BE 
Zar Be |) 2 
DE $reund 
ee ne 
| BE 
Eatſchuſbigende Antwort auf den vorigen’ Brief, 
daß man des Freundes Beſuch wegen einer 
Geſchaͤftsreife nicht annehmen koͤnne. u 
So angenehm mir auch, mein werthgefchägter 


Sreund,, Ihr fo lieber, herzlicher Brief war, fo 


este er mich doch in einige Berleaenheit. Schon 


lange fahe ich Ihrem mır fo oft verfprochenen Ber 


fach vergebens entgegen; und jeßt, da Sie fich ent— 
Wließen, unfere Wänfche zu erfüllen — denn mein 
Mandy iſt auch der Wunſch meiner ganzen Fami⸗ 

—. serfümmert mie mein Mißgeſchick diefe Breude, 


wo nöthiger mich zu einer vierzgehntänigen wichti⸗ 
aber nicht ganz angenehmen Geſchaͤftsreiſe, die 


inen Tag Aufſchub leidet. Schelten Ste mich im⸗ 
werhin ein wenig eigennägig, daß auch ich an hs 


we mir: fo angen hmen Gegenwart Theil zu nehmen _ 


Muoſche; aber entfchuldinen Ste mid nun Auch, 
erwägen Sie, daß Ihr Beſuch für uns eine 
a große Seitenheit it, als daß ich ihn fo ganz 
tig entbehren koͤnnte. Sobald jenes Geſchaͤft 








iR, sehn. Ip Ihnen von meiner Zuchdtunk 
—— 5 Tate 


N 


Nachricht; und ich ſchmeichle mir zum voraus, Baß 
Sie diefen Ihren uns zugedachten und fo angenehs 
men Beſuch nur aufichieben , aber gewiß wicht aufs 
geben werben. Empfehlen Gie uns Ihrer lichen 
Sattin und Ihrer ganzen Familie beftens, mb vers 
fihern Sie ihnen, wie fehr wir uns freuen, Sie 
insgefammt bald bei une zu fehen, und ſeyn Sie 
überzeugt, daß ich meine Zuruͤckkunft möglichft Ges 
fäleunigen werde, um Ihnen perſoulich zu estennen 
zu geben, wie aufrichtig Ste liebt 


Ihr 
ec. „ffenferzige Sreund 
28. 
. Wihfahtende Antwort auf benfelben Brief. 
Seelenfreund! | 


So wollen Sie es doch endlich einmal wahr 
muchen, uns zu beſuchen? Tauſend, tauſend Dank 
für dte uns fo angenehme Nachricht. Ja, kommen 
Oie, kommen Sie mir all den lieben Ihrigen; ich 
. babe Plan genug, Sie alle. aufzunehmen, ohne. 
Ihre Bequemlichkeit einzufchränten. Kommen Ste 
ader bald, und ſchieben Sie die Erfüllung Ihres 
Berfprehens nicht auf, fonft möchte die fchöne Zeit 
entflieden,, die Ihnen auf dem Lande fo mande:, 
liebe Freude darbietet, die Sie In der Stadt niche 
genkeßen können. Ale meine Bäume in dem Gars 
ten biühen herrlich, voll und ſchoͤn; unfer kleinet 
Wald Heat Nachtigallen; die Finken ſchlagen; aus: 
den Gebuͤſchen tönt der mannichfaltigfte Geſang ver 


BVBoͤgel; unſere Wiefen grünen, und And mir hun⸗ 


derterlei Sattungen von Blumen gefhmädt: das 
Srün der hoffnungsvollen jungen Saar erquickt das 
Auge. Doc was will ih! Worte können das niche- 
auspräden ; tommın Sie, amd aberzengen m... 
elb 


um 83 iR j 
offenen Armen eiit Yhnen nub- Ben 
den Seinigen, die ſich Ihnen etw 





entgegen Ä 
| Int 
PP j 
Ein ‘Brief in derfelben Kugelrgenfeit. 


Werihgefhägter Breund I 

: We afe wiederholten Verfiherungen Ihrer gd; 
tigen Grewmdfchaft gegen mich fino mir zu lebhaft 
gegenwärtig, als daß ich anftehen jollte, Zhnen 
einen der -vorzäglicheren WBünfche meines Derzens 
zu erkennen zu geben. Man ſpricht Hier fehe viel 
und ſehr vortheilhaft von den Anſtalten, die hei 
Ihnen zum Empfang unfers guten Zärften gemacht 
wirden. Ich laͤugne es nicht, meine Biengierde 
iſt dadurch nicht weriig rege geworden, und ich trage 
* an dieſen Feierlichkeiten Theil zu neh⸗ 
Wenn ich überzeugt ſeyn dürfte, daß Ihnen 
| heine Begenwart nicht zu große Vefchwerlichkeiten 
"verurfachte , fo würde ich Sie bitten, mir guͤtiaſt, 
während diefer Feierlichkeiten, einen sen Aufents 
halt in Ihrem Haufe zu geftatten. Es läßt Ad 
Seit denken, daß bei diefer Gelegenheit faſt alle 
Ihre Freunde von Ihrer Gatigkeit werden Gebrauch 
machen wollen, und ich fuͤrchte faſt, daß fuͤr mich 
kein Plaͤtchen mehr übrig ſeyn wird; allein, ſollte 
Dieb der Fall in ſeyn, fo bitte ich Ste, fein Ber 
denken zu tragen, wir meine Bitte asaufiälastn. 

Mumie es aber möglich fenn, fo trauen Sie 
rer Beſcheidenheit zu, daß ich mir jede Einfchräns 
“Yung rocht gern gefallen laſſen werde, da ich es fehr 
mt weiß, wie fih bei ſolchen —— ganz 
uvorhergeſehene Dinge. an ira deangen, bie 
| ' æ ex 


— 34 — | 
es dem: freundſchaftlichſten Willen unmöglich machen, 
menierd: Baͤſten das ganz feyn-zu können, was wir 
wuͤnſchen. Ich bitte Sie um weiter nichts, als 
nur um Dach und Bach; für alles Uebrige feyn Sie 
fir: mich unbefämmert; den wechfelfeitigen Genuß 
unter una wollen wir auf eine ruhigere Zeit vers 
fsaren. Wie auch Ihre Antwort ausfallen möge, 
fo follen Sie doch Übergeugt Bleiben, daß fie auf 
mid Seinen andern Einfluß haben fol, als den, 
mich Immerfort zu nennen 


Shen ' 
u — 30. 
oo Antwort, 


Beſter Freund! W 
Ebaen als ich Ihren mir ſehr angenehmen Brief 
erhlelt, war. ich im Begriff, Sie zu unſern, Ihnen 
(hen. vorläufig bekannt ‚gewordenen Felerlichkeiten." 
fepriftlich einzuladen. . Sie können alfo daraus abs 
nehmen, wie willlommen Ihr licher Beſuch mie 
und den Meinigen feyn wird. Nur aber will ih 
"Ste recht ſehr bitten, fich nicht etwa eine gar. zu 
oße Vorftellung von unfern. Anflalten zu machen. 
n. wir hiefigen Einwohner alle haben es uns. 
‚ohne Ausnahme zum Gefeg gemacht, unfern vers ' 
eehrteſten Sürften bei diefer Gelegenheit lieber von 
unſern dankbaren, herzlichen und liebevollen Geſin⸗ 
nungen, als von unſerm Reichthum oder von einer 
Abertriebenen Eitelkeit zu uͤberzeugen. Auch wird 
es ſelbſt für Sie beſſer ſeyn, wenn Sie ſich unſre 
Anſtalten nicht groͤßer vorſtellen, als ſie ſeyn koͤn⸗ 
nen; denn dann find Sie nicht in Gefahr, ſich ger 
taͤuſcht zu haben; und entfpricht die. Ausführung 
unfers Pians Ihren billigen. Wuͤnſchen, ln : 
on Ihnen . 


Söhnen tiefe Ueberraccheng zn io annuehmer feras 
Auf jeden Aal wi ich Sie ichabies zu hatten Faber ; 
denn Sie werden sercrmmtbet einine Ihrer and 
. meiner Sremnde bei mir ſinden. Dach wer dire Freunde 
ind, das fage ich Ihnen nie. Sie werden auf 
biefen oder jenen ratben; bie techten aber treiffen- 
Sie gewiß nice. 

Den zwölften diefed Monats kommt nafer auie 
Fürſt Hei uns an. Wie lange cr fih aber aufban 
* ten wird, if unbeſtimmt. Richten Cie ſich aife- 
darauf ein, daß Sie den zehnten, höchſtens t x 
eilften bei uns eintreffen. Daß Ste Ihre Uche 
Srau und Ihre guten mitbringen muͤſſen, ver⸗ 


Vergnuͤgen entziehen wollten. Ich bin von Ihrer 
Nachſicht Überzeugt, daß Sie vorlieb nehmen wer⸗ 
den, wenn Sie ſich auch ein wenig einſchraͤnken 
muͤſſen. Es kann nicht fehlen, daß unſer Vergnuͤ⸗ 

gen vollkommener ſeyn muß, wenn wir es in der 
Mitte unferer Bamilien geniehen. Leben Sie wohl. 
Tauſend herzliche Grüße von den Meinigen an alle 
die Ihrigen. Mit Sehnſucht erwartet den Augen⸗ 
Hit, Ste umarmen zu — 


Freund 
N. 


5. 

‚ Ein Sreund- bittet feinen Freund, ihm eine Neß⸗ 

' | wohnung zu beforgen. 
Hochgeehrteſter Herr und Freund! F 
Meine Sefchäfte nöchigen mich wieder, dieſes 
Jahr die ** Mefie zu befuchen. Sie waren feits 
‚her. mein zu gätiger Freund, als daß ich es niche 
Wagen follte, Sie mit dem Auftrage zu beiafigen, 
mir 


— ⸗ 


urir ie Leipzig eine onflänbige Wohnung zu belee⸗ 
gen. Ich komme den Sonntag vor der Boͤttchor⸗ 
woche an, verweile nur acht, hoͤchſtens zehn Tage, 
und brauche nicht mehr, als eine geräumige Stube 
Fe einer Kammer oder einem Flebenftübchen, morin 
ich ſchlafen kann. Doch müßte ich gleich ans jener 
in dieſes som fönnen, und beide müßten in winem 
Verſchluſſe feyn. Ferner brauchte. th auch noch ein 
trocknes im Erdſtock befindliches Behaͤltniß, wohin 
2 meinte: eingekauften Waaren ſtellen, und worin 
ti ſolche zugleich auch derpacken koͤnate. Bern würde 
ich es ſehen, wenn ich während dieſer kurzen Zeit 
in einer ſur Einkäufer gelegenen Otraße wohnen 
tünnte, um mir bas Zuſammenbtingen meiner Waa⸗ 
von 'sinigermaßen zu erleichtern. Meine Wohnſtube 
würde ih mir am liebſten eine Treppe hoch wuͤn⸗ 
ſchen; aud würde ich mie es zwei Treppen hoch 
gefallen laſſen, nur höher nicht. Kann ich vorn 
Beraus wohnen, fo foll mir es lieb ſeyn; kann das 
nicht fenn, fo nehme ich. auch wohl mit einem Stuͤb⸗ 
den Im Hofe vorlied. Nur fey es belle und rein⸗ 
lich; vorzüglich muß es aber wohl verwahrt feyn, 
damit ich mich mit meinen Geldern nicht gefährdet 
beiten: darf. Auch bitte Ich, mir ein vollſtaͤndiges 
einmännifches Bert im der Kammer oder dem Nies 
benſtübchen beforgen zu laſſen; denn ich fehlafe nie, 
als zur hoͤchſten Noth, in der Stube, worin ich 
‚zu arbeiten pflege. Sollte jedoch eine derglieihen 
Wohnung jetzt fhwer zu: bekommen feyn, teil bie 
Zeit vielleicht zu kurz iſt: fo Werde. ich mich fchon: 
einfcheänten, und nur mit einem Stuͤbchen ohne 
Kammer oder Nebenſtube vorlieb nehmen möüflen, 
Ss Rd eine. bequemere Gelegenheit findet. 

Es iſt mir nicht unbekannt, wie übertrichen ' 
die Forderungen find, die jest die meiften ** Wirche 
an die Meßfremden machen; doch wenn Sie, gütts 
ger Freund, füe mid forgen, fo darf id) sr. 


- 6 — 


faͤrchten, daß ich mich uͤber gtoße Unbilligkeit zu 
beſchweren haben werde. Was rechtlich iſt, gebe ich 
gern; und ſtnd meine Wirthsleute nur einigermaßen 
billig, and für meine noͤthigſte Bequemlichkeit nicht 
ganz undeforgt, fb werde ich gewiß dafür noch be⸗ 
ſonders erkenntlich ſeyn. 


Wäre etwa ein Plänen in Ihrem Haufe leer, 
fo würde ich mich gewiß in Ihrer Nähe am gluͤck 
lichſten befinden, Doch auf diefe mir fo liebe Kofi 
nung muß ich wohl für dieß Mal Verzicht leiſten; 
benn ich weiß, daß auch, das Meinfte Plaͤtzchen bei 
In befent iſt, und daß der, wer Ein Wal bei 
Ihnen wohnt, nicht cher von Ihnen zieht, als bis 
er — gar feine Meßwohnung mehr braucht. 
Verzeihen Sie, Freund | daß ich Sie mit die⸗ 
fer Ditte belaͤſtigt habe; rechnen Ste auf meinen 
beſten Dank, und benachrichtigen Sie mich bald, 


Damit ich eine Sorge weniger habe. Empfehlen Sie 


‚mich Ihrem ganzen werthen Gaufe, und leben Sie 
wohl. Seyn Sie verfichert, daß ich unaufhoͤrlich 
mie der innigſten Hochachtung feyn werde 


Ihnen gan ergebenfter 


32. 
Unwort auf obigen Ariel. 
Werther Freund! 

Die Vergnügen habe ich Ihren Auftrag aber⸗ 
nommen, und es ſoll mir ſehr angenehm ſeyn, wenn 
es zu Ihrer Zufriedenheit geſchehen iſt. Fuͤr eine 
Wohnung in einer gelegenen Straße iſt geſorgt. Greis 
lich mäffen Sie dieies Wal mir einem Stäbchen im 
Hofe vorlieb nehmen, doch iſt es hei, xeinlich, füher, . : 
and ſelbſt das an die &tube anflo ns F 

u in \ 





B8 - 


Be iſt nicht Anker, und Bat eine gefunde ns: 
ch haben Sie nur eine Treppe zu fletaen, die 
nicht Goch und doch fehr Belle iſt. In eine geräus 
. mige, trockene Üliederlage auf dem Hofe im Erds 
ſtock können Sie Ihre Waaren fielen, und folche 
daſelbſt mie Bequemlichkeit einpadın. Auch mit 
reinlichen, guten und gefunden Betten follen Sie 
verforge’werden. Die Wirthsleute fliehen allgemein 
in dem Rufe der Nechtihaffenheit und Thätigkeit; - 
Befonders raͤhmt man noch ihre Gefaͤlligkeit und 
ihre durchaus eben fo billige, als artige Behandlung 
gegen ihre Fremden. Sie fordern für diefe Deefle 
acht Thaler; ein für jegige Zeiten ganz erträglicher 
Meets. Ich wollte Sie freilich gern noch beffer 
unterbringen; allein Sie werden erflaunen, wenn - 
ich Ihnen fage, dag man für eine Wohnſtab⸗ nebſt 
GSeitenſtuͤbchen vorn heraus am Markte für die 
Meſſe vierzig bis funfzig Thaler verlangt, und noch 
obendrein glaubt, daß man dabei etwas verfchente. 
Vermuthlich iſt es Ihnen nicht unangenehm, wenn 
ich Ihnen fage, daß das Haus, worin fi, diefe . 
Ihre neue Meßwohnung befindet, in der ** Straße, 
und zwar in der Machbarfchaft des ** Hanfes liegt-- 
Der Defiger des Hauſes iſt Herr **, und das Haus 
führt die Nummer **. Es iſt zwar Mein: aber 
gerade die Beſitzer der kleinen Haͤuſer find’ für die 
Fremden meiftentheils die billigſten und artigflen 
Wirche, und forgen für die beffere Bequemlichkeit 
ihrer Abmierher am angelegentlichften. Auch foll 
die Wirthin ihre Fremden die Meffe über an ihren 
frugalen Tifh nehmen; und wie ich von einem Frem⸗ 
den hörte, der ebenjalls da wohnet, fo ift fie eine-. 
Grave Köchin; man ſoll bei ihr nicht nur billig, 
fondern fogar auch beſſer eſſen, als felbft in den ans 
geſehenern Speifehäuiern. Da gerade diefe kleinern 
Meßwohnungen die gefuchteften find, fo Habe ich 
keinen Anſtand nehmen koͤnnen, mit den. Heute 
| euten 


89 - 


leuten Bewitzheit zu machen; Sie weiden bleſes 
hoffentlich billigen. 

Recht gern haͤtte ich Sie in meinen Hauſo 
aufgenommen; allein Sie kennen die Verbindungen 
ſchon, in weichen ih mit mernen Abmierhern: ſtehe. 
Indeß iſt es mir ſehr lieb, daß Sie Ihre Gefhäfte 
doch wieder In hoher eigener Pekſon nach Leipzig 
treiben, denn ſenſt hätten wir Wohl ſterben koͤnnen⸗ 
ohne uns je wieder gefehen zu baben.: 

Schluͤßlich erfuche ich Sie noch, bei Ihrer Antuafe 
in Leipzig in meinem Haufe abzufleigen, worauf id 
Sie dann ſelbſt in Ihr Logis einführen twerad. uü 

Meine Familie empfichle fi Ihnen insgefrtummb 
beſtens, und freenet fih, Sie wieder zu fehen. Pen 
men Sie gluͤcklich zu und; das iſt der Wunſch 


Speed - 
Bruns, 
N. 


| 353. | “ 

Erkundigungen nach einem gemiffen, unſerm Freue 
be vermuthlich bekannten Handelshauſe, wohis 
man feinen Sohn in die Lehre geben fol. 


Liebſter Freund! 

”. Ganz überzeugt von ber Aufrichtigkeit Ihrer 
guten Sefinnungen gegen mich bet -allen ſeitherigen 
- WBprfällen. meines Lebens, und - voll Vertrauen in 
u Ihre-richtigen Einfichten und bewährten Erfahruns 
gen wende ich mich in einer. fehr wichtigen Anger. 
legenheit an Sie. Mein Sohn iſt vierzehn Jahre 
alt geworden, wird in einigen Monaten die Schule 
verlaſſen, und Fi fih nun feine künftige Beſtim⸗ 
mung wählen. Er Hat einen außerordentiihen Hang 
ur ur und wuͤnſcht — Kaufmann zu wers 

in Ob ich es gleich gern geſehen Haben würde, 


A) 
— 0 — 


er Hätte licher ein Haubwerk gelernt und ſich dem 
meinigen gewidmet, fo will ich ihm doch keineswegs 
entgegen ſeyn, noch weniger will ich feine Neigung 
unterdrücken. Sch Habe es ihm gemiffenhaft vors 
geftellt, daß es nicht fa leicht fey, ein Kaufmann 
zu werden, als er ſich es vielleicht einbilde ; ich Habe 
ihm die große. Menge Schwierigkeiten aufgezählt, 
weiche mit diefecs Stande verknuͤpft find: babe es 
ihm mir vielen, fehe vielen Beiſpielen, wovon er 
ſeibſt niche wenige kenne, beibiefen, daß. nur wenige 
yon thuen eine glänzende Laufbahn machen, und 
Daß die Meiſten das Gluͤck nicht genießen, was ein 
arbeitfamer, geſchickter Handwerksmann leichter und 
Scherer machen ann; ih Habe ihn mit allen den 
tauſend Schwierigkeiten bekannt gemacht, die ſich fo 
Vielen in den Weg ſtellen, um zu ihrem Ziel ge⸗ 
langen zu koͤnnen; babe ihm niche verhehit, wie 
arbeitſam ein Kaufmann ſeyn muͤſſe; habe ihm vors 
geſtellt, daß dieſer Stand weit mehr unſichere und 


gefaͤhrliche, als glanzende Seiten habe: und doch 


bebarret er feft in feinem Entſchluſſe. Seine Lebs 
ger widı.. aAhen es ihm nicht, und baden mir bes 


thenert, daß fie ganz uͤberzengt wären, er habe alle 


die nöchigen Talente und vorzuͤglichen Eigenfchaften, 
die ihm befoͤrderlich ſeyn würden, diefem Stande 
einft (Ehre, und dabei fein Gluͤck zu machen. Er 
iſt anhaltend In feinem Fleiße, wie fie Jagen, und 
was ich auch ſelbſt feße; und ich darf alfo nach dies 
ſen Aeußerungen nicht fürchten, daß er diefen Stand 


wähle, um fich es leichter zu: mahen, als er es 
: Haben würde, wenn er ein Handwerk lernen wollte. 


Ohne mir den Vorwurf einer Äbergroßen Vorliebe 
wisinem Sohne zu machen, darf ich ihm das 
ongniß geben, daß er wohlgefittet, und was bei 
wir Aber alles geht, daß er noch unfchuldigen Her⸗ 
zeus iſt. Sie find ſeibſt Water, ich Hrauche es Ih⸗ 


‚ wew:alfo. nicht erſt zu. fogen, wie ſehr ich wuͤnſchen 


muß, 


—— st — 


muß, ihn gut unterzubtingen. Einer meiner Be: 
kannten hat mir. Herrn R... als einen vorzuͤglich 
guten Kaufmann , ber weitiänftige Seſchaͤfte made, 
empfohlen. Da mir nun daran liegt, daß mein Sohn 
nicht nur. ein geichiefter Kaufmann, fondern auch, 
- was mie noch lieber iſt, ein gebildeter und guter 
Menſch werde, und da ich weiß, wie fehr das Bei: 
ſpiel des Lehrheren auf feine Zöglinge wirkt; ſo habe 
ich keinen Anfland genommen, Sie zu bitten, mir 
über. diefed Haus, mic weichen Sie an einem .unb 
demfelben Orte leben, eine redliche. anfrichtige Aus⸗ 
kunft zu-geben. Ich betheure Ihnen bei unter 
Freundſchaft, die mir heilig iſt, daß das, was Sie 
mir fihreiben werden, ein Geheimniß bleiben fol, 
falle Ihre Entſcheidung auch aus, wie fie wel. 
Rennen Sie diefed Hans nicht ſelbſt genau, fo wird 
es Ihnen doc, ‚leicht, ſeyn, eine gewiſſenhafie Audı 
- Zunft von Andern erhalten zu können. Vorzüglich 
febe ich darauf, daß es in dem Rufe einer wahren 
Sittlichkeit ehe, mit gutem Veifpiel vorangebe, 
ben jungen Leuten nicht eine allzugroße Nachſicht 
zuiaffe, fie zus moͤglichſten Thätigfeit und zum Ger 
horſam anhaite, und ihnen. feine Gelegenheit gebe, 
Verſchwender werden zu können. 
Sort wird Ihnen für das Vergelter feyn, was 
Sie zur Erleichterung der Sorgen eines Vaterher⸗ 
6 beitragen wollen. Ich erwarte Ihre guͤtige 
—* Uebereilen Sie ſich aber nicht, damit 
Sie deſto gewiſſer in Ihren Nachrichten ſeyn koͤnnen. 
in wird für einen der größten greundſchaftebeweiſe | 
anſehen 


|| Zu 
\ ggewiß dankbarer Greund 
ia N. 





345 Ant⸗ 





) ul 98 wg i 


3 4. - Du 

Antwort auf obigen Brief. 
Werthgefgägter Freund! 

„Ihr lieber Brief gilt mie für den vollſten ve⸗ 

weis Ihres freundſchaftiichen Jutrauens. Mit Vers 

gnuͤgen und nach meinem beſten Wiſſen und Gewiſ⸗ 

ſen habe ich Ihren Auftrag beſorgt; möchte ich doch 


Idhren Bünfchen Genfge geleiftet Haben! Daß ich 


den lebhafteſten Anthril an Ihrer Vaterfreube nehme, 
Ihren Höffnungsnsllen Bohn fo weit herangezogen 
zu fehen, daß ernun feine künftige Beftimmungfelbft 
- wählen und darüber entfcheiden ann, brauche ich 
Ihnen gewiß nicht erſt au a verſichern; nicht minder 
feene ih mich und bezeige Ihnen Darüber meinen 
ganzen Beifall, daß Ste Ihrem Sohne den Kaufe 
mamnsſtand nicht nur von feiner glänzenden; ſondern 
auch von der entgegengefeßten Seite gezeigt haben, 
was in unferm Zeitalter um fo mehr nötbig ift, je 
weniger man ihn aus feinem wahren Geſichtspunkte 
zu beurtheilen geneigt iſt. Die Sucht, feine Kin⸗ 
der ſtudiren zu laſſen, har ſich zwar in neuern Zeis. 
ten etwas gemindert; aber an ihrer Stelle hat die 
foft noch gefährlichere Äberhand genommen, "daß Je⸗ 
der ein Kaufmann werden, lieber mit fremder Hände 
Arbeit Handlung treiben — als ſelbſt arbeiten wii. 


Köflen Sie Ihren Sohn in meinem Namen; Ä 
fagen Sie ihm, daß ich ihm zu feiner Wahl Sie 
wünfche, und daß ich von ihm voraus Überzeugt 
ſey, er werde feinen braven Aeltern Freude, und 
feinem Stande einft Ehre machen. | 

Nun zu Ihrem Auftrage ſelbſt. Ich kenne 
zwar den Heren R... nicht ganz genau; aber er 


ſtehet allgemein in. dem deſien Rufe, und wer von 


ihm und von feinen Sefchäften fpricht, ſpricht mit 
Achtung. Zwei meiner Breunde ſtehen mit dieſem 
. ne Handbels⸗ 


x 


— 95 — 


Handelshaufe in einer ziemlich genauen Verbindung: . 
ihnen vertranete ich: mich an, und ich darf mich auf 
ihre Nechtfehaffenheit verlaffen, daB .fie mir den reins 
fien Bein werden: eingefchenft Haben. Sie yerfichers‘ 
ten mich, daß es ein Gluͤck für jeden jungen Mens 
chen fey, der feine Lehrjahre bei Herrn R... Reben. 
ine. Er halte feine Lehrlinge nide nur zur. Ace 
beitſamkeit, zur nuͤtzlichen IThärigkeit an, fie wärs 
den bei ihm nicht nur mit den vorzuͤglichſten Ger 
genſtaͤnden des Handlungsweſens ‚bekannt, muͤßten 
dabei ſelbſt denken und unterſuchen lernen, um nicht 
dem bloßen Schlendrian zu folgen; ſondern er drings 
auch vorzuͤglich auf Sittlichkeit, guten Anſtand, und 
leite fe ſelbſt zur Menſchenkenntniß an, die dem 
beſſern Kaufmanne ſo unentbehrlich iſt; und was 
mir sorzäglich von Herrn WM... gefällt, er dringet 
darauf, daß die Seinigen nicht gegen die Retigton 
tetchgäftig werden dürfen, weil er die Religion fuͤr 
bie Quelle der Tugend und alles Suten haͤlt. Leis 
der , ein feltner Fall in unfern Tagen! — Denn 
je reicher, je vornehmer ein Theil der Wienfchen 
in ünferm Zeitalter iſt, defto kaltſinniger tft er ger 
gen die Religion; er glaubt fogar, er muͤſſe es ſeyn, 
weil man an diefem verßehrten Abzeichen einen aufs 
geklaͤrten, helldenkenden Kopf ertenne. “Auch bilder ” 
Her R... feine Zöglinge zur Sparfamkeit und zur 
Enthaltſamkeit, und verfümmert ihnen alle Mittel 
und Wege. zur Verſchwendung. Zwar überläßt er 
ihnen einiges Geld zur eignen Verwaltung; ‚aber 
fie muͤſſen ihm Rechnung darüber ablegen, und: ſein 
Blick iſt dann fo ſcharf, feine Unterfuchung fo ges 
wiflenhaft (oft ohne daß fie es bemerken, weil er 
fie auch ganz geheim beobachter), daß es nicht letche 
möglich iſt, ihn bintergehen zu koͤnnen. Doc foll - 
er es nichtrgern fehen, wenn ihm Aeltern oder Ans 
verwandte in biefer feiner verfländigen Behandlung 
‚ hinderlich feyn, und ihn durch Übelverflandene Guͤte 
7 oder 


bee Werzärtelung in" feinem Plane flören wollen. 
Und — zu all’ den zuten kehren, für alle die ſchoͤne 
Btidung feiner Pflegiinge, die er wie feine eigenen 
Kinder lieben (ol, gibt er ſelbſt dns mußlerhaftefte 


Borbilb. 


u Die gefällt Ihnen Herr N... Entfpricht er 
Ihreun Wäünfhen? Glauben Ste; daß Ihr Sohn 
unter 'einer folhen Anleitung den Grund zu feinem 
Fünftigen Stüde wird legen Fönnen? Ich follte es 
meinen. "Doch ich befchelde mich, auch wenn Sie 
einer andern Meinung ſeyn koͤnnten; denn -jeder 
Vater bat einen andern Plan für ſeine Kinder. 
BRollten Sie aud darauf etwas rechnen, daß ich 
imiE eo zum befondern Vergnügen maden würde, 
Ihren Sohn mit Der Erlaubniß feines Lehrherrn 
jo oft um mich zu baden, als es ihm in meinem 
Haufe geflele, fo verlaſſen Sie fih auf meine ins 
nigfte Theunahme. Ich Hin voller Erwartung uͤber 
SHre Entfheidung. Ep. wärde mir angenehm feyn, 
wenn Sie mit meiner Beforgung Ihres Auftrags 
nicht ganz unzufrieden wären, und wenn Sie foldye 
für einen Beweis annehmen wollten, wie werth 
mir die Ruhe Ihres Herzens und Ihr Gluͤck fey, 
Leben Ste wohl, und ſeyn Sie verfihert, daß ich 
nie aufhören werde zu feyn 


Ihr | 
Ihnen mit ganzer Seele ergebener 
N. — 


35. 
Gegenantwort auf den vorigen Brief. 
Herzensfreund! 
Dank, tauſend Dank für Ihre Vemahnng! 


. O welch ein Stein iſt nun von meinem Herzen weg⸗ 


| wär!" -Oie-felhf find Mater; Sie werden hs 
en, 


— 6 — 


(en, was ih Ahnen mit Worten nit fagen kann; ' 


Der R... tft nach Ihrer Schilderung ganz ‘dee 
Mann, tie. ich. mir den Lehrherrn meines Sohnes 
wünfche. Ich las meinen Karl Ihren Brief vor, 
und das Herz des jungen Menſchen klopfte Yse 
Sreude. Die Mutter weinte;. Zreund, Sie wiſſen 
ja, wie es Die Mütter machen, ‚Mein Sohn faßte 
fe fanft Het der Hand und bernhigte fie: -,, Gute 


Mutter,“ fagte er, ‚nun kann gewiß Ihre größte 


Sorge vorüber feyn. Sie zitterten über mein Loos, 


weil Sie meinten, man twoiffe nicht immer , unter 


was für Leute man gerathen, und mie leteht ich, 
oghne daß ich es glaubte, unglüditch werden können 
aber nun dÄrfen Sie mich ganz getroft von ſich ta 
fen, und Sie füllen nie eine Klage über mich Hören.“ 
Mich bat er, daß er augenblicklich fein Bündel ſchuin 
ven und nad ** abreifen bürfe; denn ee koͤnne 
mirs nicht genug fagen, wie fich fein Herz nach 
dem Herrn R... fehne. Und fo will Ich auch kei⸗ 
nen längern Anftand nehmen, feinen Wunſch zu 
erfüllen. Er iſt aut beſorgt, und fo binlänglich aus⸗ 
geftatter, daß er jeden. Augenblick das aͤlterliche Haus 


verlaflen kann. Ih habe an Herrn R... gufcheies 


ben, ihm den Tag der Ankunft meines Sohnes in.*.* 
gemeldet, und ihn zugleich gebeten, mir es zu ers 
lauten, daß ich mein Kind begleiien dürfe Ich 
wollte Anfangs eine Handfcheift von meinem Bohne 
and einige Verſuche beifügen, wie weit er es in 
der Rechenkunſt gebracht habe: diefer Einfall "wurde 
wir aber bald leid; denn ich dachte: was kann er 


baran ſehen? wenigſtens wird es nicht hinreichend . 


feyn, ihn genau zu Überzeugen, was dein Bohn 
wirklich leiſtet. R... fol ihn felbft prüfen, und 


babet wird er am beften finden, mas er vermag, 


and ob er Ropf, ob er Gegenwart des Geiſtes genug 
für den Stand habe, den er ſich ermähler hat. 


Binder er Das nicht bei ihm, was Dazu noͤthig r 0: 
» a... % b . v 


r 06 — 
fo mag ſich mein Sohn zu etwas. anderem beſtim⸗ 
men; denn tch. bin nicht der Meinung fo vieler,. bie. 
Sehaupten wollen: zu einem Kaufmanne bedürfe. e6 
nit fonderlich viel Kopf; babe er Geld md Süd, 
fo Eönne er den Berftand recht: gut entbehren. Mag 
es auch ehedem fo. geweſen feun; ' jet iſt es aber 

gewiß andere, Jh glaube vietmehr, daß einer fehe 
viel Kopf Haben muͤſſe, wenn er jebt bei dieſem 
Stände etwas vor ſich bringen will; und ich bin 
überzeugt, daß vorzuͤgliche Serftesfähigkeiten weit 
mehr werth find, als die größten Kapitale. Doch. 
davon mehr, wenn wir uns einander mündlich fpres 
Heu. Ah werde den- fechsten diefes Monats bei 

Ihnen eintreffen; Haben Ste die Gefaͤlligkeit, mie. 

in einem der vorzäglicheren Safthäufer eine Stube. 

wit zwei Betten zu beſorgen. Ihnen möchte ich 
nicht gern befchwerlich fallen. Da es unmöglich iſt, 
daß ich zuvor von Ihnen eine Antwort befommen 

Tann, fo erlauben Sie mir, bei meiner Ankunft 
Bei Ihnen abtreten zu dürfen, Meine Frau und 
Kinder empfehlen fih Ihnen, Ihrer guten Gattin. 

und Familie beſtens. Wie fehr ich mich freue, Sie. - 
bald von meiner Freundſchaft perſoͤnlich überzeugen. 
zu konnen, das können Sie verfihert ſeyn von 


Shrem 


alten, aufrichtigen. und erkennt | 
lichen Freunde 


N. 





36. Brief 


a —— —— — — 


36. m In a Br 
Brief eines Baterd, worin er ſeinen Jrennd vli⸗ 
ser, fich. ſeines Sohnes auf beriiiniverfichs 
anzunehmen. ee 
"Wehr hochgeſchaͤtrter Freund? 

Der junge Menſch, der Ihnen diefen Brief 
überreicher,, ift mein Sohn. Darf er hoffen, daß 
©ie die gürigen Sefinnungen, die Die feinem Bas 
ter ſchenkten, auch auf ihn überpflanzen werden, 


.fo wird er gluͤcklich ſeyn. Schmeichele ich mir nicht 


zu viel, fo iſt er einiges Zutrauens nicht ganz ne 
würdig. Was Ste an ibm thun werden, nehme 
ich für fo gut an, als fey es mir ſeibſt gefcdhehen, - 
Die Zeugniffe, die ihm feine, fettherigen Lehrer ges 
geben haben, dienen ihm zur Ermunterungs und 
ich Hirte Sort, daß er ihn ferner auf der Bahn 
fortleiten wolle, dte er feither mit fo gutem Erfolge 
betreten hat, Goͤnnen Sie ihm, werchefter Freund f 
bisweilen einen Zufluchtsort in Ihrem Sau e, und 
er wird in Ihrer angenehmen und belehrenden Ga 
fellſchaft ſich ausbilden Iernen. Ein junges Herz 
Br der Verführung gar zu leicht offen, und die 
en Menſchen pflegen leider nicht felten auch die 
fhwächften zn fern. Ein antes Beiſpiel vermag 
oft weit mehr , als die trefflichften Lehren, wert 
anders das junge Gemuͤth nicht ganz verderbt iſt; 
and, Freund! ein’ mufterhaftes Beiſpiel wird er alt 

Ihnen und Ihrer licbenswürdinen Familie finden, 
Möchte Ich Doch recht bald von Ihnen ein ent⸗ 
fiheidendes Lirkheil Aber meinen Sohn hörten! Zhre 
Otimme, Ihr Ausſpruch, das wiffen Sie von lau— 
gen Zeiten her, gile meinem Herzen Allee. Solle 
tn ih es wohl erft noch gute Freunde einanden 
wrlicheen muͤſſen, daf fie mit Vergnügen alles das 
awiedern werden, was vorn den andern zum fm 
en 


— 
um. 98 m 
Fi an 


fen gethan Hat? Ich ſchweige, und will hoffen, 
Daß Sie nnd defien gewiß von mir überzeugt halten 
Gürfei.: Leben Sie wohl, und glauben Sie, daß 
4 immer mit gleicher Verehrung und Liebe ſeyn 
und bleiben werde 


She; 
Ihnen mit ber innigſten —X 
— angerjanee Zreund 


In 
Ein Freund beklagt fich gegen einen andern greun, 
daß er ihn ſeit einiger Zeit nicht habe befuchen 
» Binnen, 
Ihr Vorwurf, daB ich gegen Sie gleichgätet . 


ger geworden ſey, hat mich, mein lieber Freund, 
wicht wenig. gekraͤnkt. Ich bin immer noch derſelbe, 


ger ich feit langen Zeiten gegen Gie war, das vers 


ere ich Ihnen, wenn ich Sie auch feither nicht 
j 8. oft befuchen konnte, als ich ed wünfchte, und 
"gie Sie: fräber es von mir gewohnt waren. Wären 
Sie von meinen Verhaͤltniſſen unterrichtet gewefen, 
gewiß Ste würden mic; recht gern entfchuldiget, for 
gar ein wenig bedauert haben. Sie wollen wiſſen, 
ws mich abhielt? Hören Siet 
Ein Schwarm weitlaͤuftiger Anverwandten, bie 
m in meinem Leben zum erften Male fah, befuchte 
‚meine Mutter. Es war Schuldigkeit, ihnen Geſell⸗ 
ft zu leiſten, und ich gerieth dadurch fo. ſeh 
dinen taͤglichen Strudel von Zerſtreuungen und 
rl daß ich mich kaum wieder heratısretten Connie 
dem Himmel fey Dank! ich habe Hoffnung, 
dieſes geraͤuſchvolle, mir nicht fehr angenehme Les 
Ben wird bald vorüber feyn, und es wird mich von 
Rem. ‚weit sshabneren, weit feligern. Benait der. 
euden 


— 99 — 


Sreuden der ſtillen Freundſchaft nicht lange m 
abhalten, und dann eile ich Ihnen wieder mit o 
ten Armen entgegen. Bis dahin verzeihen Sie 
Ihrem Sreunde, der fih.nun Bald, gewiß fehr bald 
vor Ahnen perfönlich. rechtfertigen. wird. Ich ums 
arme Sie, und verfichere Ihnen mit diefen wenis 
gen Zeilen da mir die Zeit nicht erlaubt, Ihnen 
mehr ſchreiben zu durfen, daß ich unveränbest im⸗ 
mer noch bin 

She 


i zrtlicher 
N. 


38. 
ainſtege au einen Freund um ein Darlehn zu 
| nn - einem Hausbau. 
Weller Freund! | 
. . &ie. haben. mich immer zu ‚fehe von. Ihrem 
feeund ſchaftlichen Wohlwollen uͤberzeugt, als daß ich 
mich nice in einer Hauptangelegenheit an Sie wens 
den follte, Mein Zutrauen zu Ihnen, daß Sie auch 7 
jegt noch dieſelben Sefinnungen gegen mich hegen 
werden, „deckt jeden. Fwetfel in mir nieder, und 
ich ſpreche nun, ohne erſt piel Umſchweife zu machen, 
ganz ‚geradezu an Ihr freundichaftliches Herz. Ich 
Beart emes Fleinen Kapitals zur Vollendung mes 
nes Hausbaues, der fo nöthig war, daß ich ihm 
auf Feine Weife länger verfchieben durfte, wollte t 
nicht einen weit größern Bau verfhulden. Ob t 
glei dem Bauanſchlage des Zimmermanns und des 
DMeanrermeifters nicht mehr Zutrauen ſchenkte, als 
I man, dergleichen ungewiſſen Anfchiänen gönnen darf; 
dich mir. auch. gleich die Koften des gemachten Anfchlags 
um ein Drittel höher dachte, und mich mit dem 
unthigen Geide verfah: fo erhöheten ſich diefe Kos- 
kn vo * um ein zut⸗ Toni, und mein. Bau. 
ommt 


— 1009 _ 


kowmt nun gerade noch einmal fo hoch zu Rechen, 
als der erſte Anfchlag geweien. Ich fehe alfo fehr 


beſtimmt voraus, daB ich wenigſtens noch hundert 


Thaler brauchen werde, wenn ich es nicht am Noth⸗ 
wendigften fehlen laffen, und den Bau beendigen will. 
Härten Ste wohl hundert Thaler in Ihrer Kafle 


vorraͤthig? Könnten Sie diefe wohl auf ein Jahr 
entbehren, und wollten Sie damit Ihrem Zreunde 


aushelfen? Nach einem Jahre zahle ih Ihnen’ 


das Kapital nebft den Intereſſen aufs dankbarſte 
zu, Diefe Ihre Sefälligkett würde mich der 
unangenehmen Verlegenheit Überheben, Geld von 
fremden Menfchen aufnehmen zu müflen. Letzteres 
thut man in meiner Lage nicht gern, wenn man 
“ befonders in feinem Wohnorte als ein nicht unbes 
mittelter Einwohner bekannt ifl. Verſchwiegen bleibt 
fo etwas nicht; und wird es allgemein bekannt, fo 
benügen übelgefinnte Menfchen vergleichen Nachrich⸗ 
ten, um eine enge Anekdoten und nachtheilige 


Gerüchte zu verbreiten, die auf nichts anders ads 


ztelen , als die Öffentliche gute Meinung von uns 
zu ſchwaͤchen, und. unferer Ehre zu fhaden; auch 


verurfacht die Aufnahme eines Meinen Kapitals bei- 


fremden Leuten gewoͤhnlich fo manche Schwierigkei⸗ 


ten, denen ich doch fo gern ausweichen wolle. 
Und; Preund! wärden Ste es wohl billigen, wenn ' 


ich einer fo Meinen Summe wegen ein hypothekari⸗ 


ſches Rapital aufnehmen wollte? Könnten Sie mie ' 


alfo dienen, fo würde mir es fehr angenehm feyn; 


jedoch müßte ich herzlich bitten, daß dieſes Kapital 
fhon binnen vierzehn Tagen zu meiner Dispoſition 


bereit liegen möchte. Iſt Ihnen das nicht möglich, 


fo fagen Sie mir es gerade heraus ab; nur jchmeis 


dein Ste mir nicht mie Hoffnungen , die für mich 


-» 


ungewiß feyn, und wich, wenn tch mich darauf vers 


laffen follte, in zWiefache Verlegenheit fegen därften. 


Verzeihen Sie meiner freundſchaftlichen Offenhers 
va zigkeit, 


Am 2301 PEN 


zigkett, und geben Sie mir mit naͤchſtem Poſttage 
eine. ſchriftliche beſtimmte Auskunft. Sollten Sie 
mir auch eine abſchlaͤgige Antwmort ertheilen mäfs 
fen; verlaſſen Sie ſich darauf, fo bleibe ich doch 


Seo Ku 
Sie aufeicheigft „sägender Zreunt 


Anfrage an einen Freund über das Darlehn eines 
I —* zur Verbeſſerung ſeiner Seſchaͤftsbe 


Werther Sreund! 

Durch einen Freund erfahre 6, daß die Ma⸗ 
terialien, welche ich in meiner Fabrik zu meinen 
Arbeiten aus, in kurzer Zeit ſehr hoch fleigen 
werben. Er. räch mir, mic jegt ungefäumt mit 
allem Norhwendigen zu ‚werforgen, weil der feithes 
eige Preis kaum noch acht Tage fliehen bleiben koͤnne. 
Haͤtte ich diefes nur einige Tage früher erfahren, 
ſo hätte ich mich darnadı einrichten, und Zahlungen 
: anterlaffen können, die ich erfi in ſechs Monaten‘ 
zu bezahlen fchuidig war. Es fchmerzt mich. ſehr, 
"wich nun fo zuruͤckgeſetzt zu fehen, daß ich von Dies 
‚fee vortheilhaften Gelegenheit und den ehrlichen Ans 
eebierungen meines Freundes feinen Gebrauch machen. 
kann. Es haͤlt ſchwer, daß man eben fo (nel, 
‚dis die Materialten zu unſern Arbeiten ſteigen, auch 
den Preis dieſer Arbeiten erhoͤhe; und ich ſehe den 
Verluſt voraus, der mich treffen muß, che es ſich 
ſe einrichten wird, daß auch wir mit unfern Preis 
eu werden nachfleigen können. Wäre ich der eins. 
‚Age, der diefe Waaren fertigte, fo hätte os nichts 
zu bedeuten; allein wie viele befchäftigen ſich nit 
damit, und einer fucht dem Andern, oft mit fei 

; nem 


1 
. 1) 15» RS 


nem eigenen Schaden, Abbruch zu thun. Ich Babe 
mit verfchiedenen Kandelshänfern zu hun, die mie 
einen berrächtlichen Vorſchuß gewiß nicht verweigern 
würden; aber - der Kaufmann benugt immer ' fein 
Geld aufs hoͤchſte, und nimmt bei folchen. Gefaͤllig⸗ 
feiten einzig auf feinen eigenen Vortheil Ruͤckſicht. 
Sch würde mir daher ,.: wenn ich mich folcher Ges 
legenheiten bedienen wollte, keinen großen Gewinn 
Schaffen; ich laſſe mich alfo lieber gar nichr darauf 
ein, als daß ih mid) in die Gefahr begebe, aus 
dem Regen. unter. die Traufe zu getathen. 

Die einzige Möglichkeit, zu meinem Zweck zu 
gelangen, und von den Nachrichten meines Zreuns 
des einigen Vortheil zu ziehen, wäre Diele, wenn 
Sie, geltebter Freund, ohne Ihren Nachtheil auf 
die kurze Frift von ſechs Monaten 2 bis Zoo Thas 
ler entbehren, und mir damit aushelfen koͤnnten. 

Ich weiß wohl, daB Ste kein Kapitalift find, -der, 
um davon zu leben, feine Gelder auf Sintereflen 
leiht; ich weiß’ auch, daß Ihre Gelder gemeiniglich 
töre fefte Beſtimmung fchon haben; allein ih weiß 
auch, daß Sie fhon mandhem Ihrer Freunde mit 
Bald Pleineren, bald größeren Summen ausaeholfen 
haben, und ihnen dadurch behätflih waren, ſich 
einigen Vortheil erwerben zu können. Sie dußers 
ten ſeit geraumer Zeit ein fehr nütiges Zutrauen zu 
mie; und id kenne Ihren redlihen Charakter zu 
‚gut, als daß ich fürchten müßte, diefe Ihre Vers 
derungen wären nur eitle Worte gewefen. Dieß 
flößte mir den Much ein, Ihnen mein Anliegen 
u vertrauen; und ich bin im Voraus uͤberzengt, 
daß ich keine Fehlbitte gethan Haben werde ; fobald 
es nur einigermaßen in. ihren Kräften ſtehet, mir 
beifen zu: koͤnnen. Eoflte es Ihnen aber nicht mögs 
lich fen, fo bleiben Ste mir wenigſtens mit. Ihrer 
 ferneren Freundfchaft gewogen, die ich höher fchäge, 
als das ‚Meine Kapital, womit ich mis einigen Se 
winn 


winn zu erwerben gedachte: nur 'Bitte ich, ‚ba Sta 


mis Ihren Entſchluß aufg baldigfte melden. : Der 


ich, unter der Berficherung meiner dankbarſten Geä 


— — doe aenm 


atmen, aufeidtiger Bu 


40. 
Aunfrage an einen Freund in Hinſicht des Darr 
lehus eines Kapitals für einen andern Freund. 


Es iſt allerdings eine ſehr mißliche Sache, fär 


Andere Kapitalien aufzunehmen. Und doch wage 
ich es, gefchägter Freund! mich. bet Ihnen für 
eisen meiner Freunde zu verwenden... Sie kennen 


meine Vorſicht, die ich mir bei allen meinen Ges - 


fchäften zur Pflicht made; Sie werden alfo daraus 
abnehmen können, daß ich nichs für einen Unwuͤr⸗ 
digen bitte. Es lebt in unferen Stadt ein junger 
Dann deſſen rechtfchaffener Eharafter überall Bei 
gu6 geſchaͤtzt, und deffen Einfichten fowohl,. al 
feine Thaͤtigkeit und ‚feine Sparſamkeit allgemein 
befannt find. ‚Eine biefige Fabrik fol verkauft 
Werden, die ehemals von einem weitläuftigen Ume 
fange war, und fehr anfehnliche Sefchäfte machter 
Dre Gründer diefer Fabrik ſtarb. Bein Nachfole 

ger. hatte weder die noͤthigen Einfihten, noch die 
. aforderliche Selbſtthaͤtigkeit, Die zu der glücklicher 
Betreibung diefes Werkes fo. unumgänglich nothe 
wendig waren; auch rechnete er nicht genau, und 


wachte einen größeren Aufwand, als die Sache 


trug; and was noch Über dieſes alles das Schlimmfle 
war; er. überließ ſich einzig ‚und allein nur frema 
- den Leuten, und entzog feinen Sefchäften feine fo 


hörhige : tägliche: verfialige Aufſcht. auf: —* 


Viſae Bam dieſe Fablik dergeſtait in Verfall, daß 
nun der ſeitherige Eigenthümer nicht laͤnger bes 
' ten - Sarin und fie verkaufen muß, wenn er 
yiche will, daß fie naͤchſtens gerichtlich, verfleigert *) 
- werden ſoll Mein junger Zreund bat, wie ich 
Ihnen fchon verfiher: habe, die allgemeine Stimme 
Min. ſich daß er ganz ber Mann, und ganz dazu 
*. ſey, dieſes hinſterbende Were aufs ſchnellſte 
wieder zu beleben. Es fehlt ihm nichts weiter 
dazu , als noch ein Kapital von 2000 Thalern, da 
5 ſelbſt ein eigenes Vermoͤgen von 6000 Thalern 
fitzt. Sie werden fragen, warum. ich mich. ges 
trade an Sie, und’ nicht an einen Freund. in mieis 
nem Wohnorte wende? Laſſen Sie mich darauf 
antworten. 

Kapitaliſten, die meinem Freunde mit 2000 
Thalern beizuſtehen im Stande wären, find hieſi⸗ 
gen Orts. felten; und bie, bie ihn imterflügen 
Bönnten, haben zu wenig Einſichten, als daß fie 
sin Zutrauen für ein ſolches Unternehmen fallen 
koͤnnten. Denn es feheint ihnen unter die Unmoͤg⸗ 
lichkeiten zu gehören, daß ein fo tief gefallenes 
Wert, wie dieſe Fabrik iſt, ſich wieder erheben 
— Ueberdieß kann es Ihnen nicht entgangen 
ſeyn, wie wenig Zutrauen jebt der Kapitaliſt felbfk 
zu den größern. Handelshäufern heat, da er durch 
fo manchen feit einiger Zeit erlittenen Verluſt fafk 
allzu furchtſam geworden iſt, flart daß er ehedem 
zu viel und: oft ohne Klugheit in den Tag hinein⸗ 
wagte. Wie gern würde ich felbft. dem jungen treffe 
Hihen Manne dienen, wenn ich Blingende Rapitalten 
haͤtte, und mein Vermögen, wie Sie ſelbſt wiſſen, 
nicht in liegenden Gruͤnden beflünde, 

Sehr angenehm würde es ihm ſeyn, wenn er 
ſich baidmoguicht ſeiner Sergen entledigen finnte- 


—— Str gehn Gornigene! (ge | 
betlater ı was fubhafttrt fagt. 


PORT is 
. — 


zu cos ur 


Es iR ihm ganz einerlet, ob Sie ihm Bas Kap 
tal gegen Wechſel oder gegen hypothekariſche Sicher⸗ 
auf dad ſchoͤne maffive, gerichtiich auf 4000 
ler gewärderte Haus, mir Einſchluß eines Ichös 
nen, geoßen Gartens, darleihen wollen. Im erflerk 
Balle trägt er kein Bedenken, Ihnen fünf für’s 
Hundert jährliche Intereſſen, im zweiten Falle abat 
ur vier zu bieten. Das Kapital ber er binnen 
Brei Monaten nöchig. - Könnte ee ein halbes Jahr 
damit anftehen, fo würde ibm ein biefiger Freund, 
dem die Verwaltung verſchiedener Mundeligeider 
Abertragen worden iſt, ſehr gern unter denſelben 
Bedingungen dienen. 
Haben Sie die Gefaͤlligkeit, mir mit nädfter 
Poſt zu antworten. Möchte mein Freund doch: fo 
städrich feyn, Ihr Zutrauen durch meine Fuͤrſprache 
onnen zu haben! Ueherzeugt, daß Ste dieſen 
atrag für nichts anders, als ein Kennzeichen mei 
ner redlichen Abfichten und siner gerechten Waͤrdie 
gung Ihres edeln menfchenfreundlichen Charakters 
anfehen werden, verfichere ih Bie nur ned 
meiner ununterbrochenen. Verehrung und Freundr 
ſchaft, und ich fühle mich gluͤcklich, mich neunten 
m bürfen 
u 0 Ihren 


ganz ergebenſten : 
N. 


41. | 
Auſras⸗ eines jungen Menſchen bei einem ſeiner 
achen Anverwandten in einer aͤhnlichen Anse⸗ 
lesgenheit. 
Hochgeehrteſter Herr Vetter! 
Sie ſind zu ſehr cin Menſchenfreund, haben 


von meiner. fruͤheſten Jugend an zu meinem befim 


um Zortkommen immer zu thaͤtig mitgewirkt, De 


“.- 
— 


— 106 — 


daß Sie niit’ der Erſte ſeyn follten , an’ weichen 


ich mich in einer der wichtigften Angelegenheiten 


ne“ 


meines Lebens wenden ſollte. Es ftehet‘in unferer 
Stadt ein ſehr ſchoͤnes Haus um einen billigen 
reis und unter. ſehr annehmlichen Bedingungen 
au verkaufen. Dieſes ift mir angeboten. worden, 
und der Verkäufer wii ſogar die Hälfte des Kaufs 


preiſes hypothekartſch darauf fliehen laflen. Der 


Dreis tft 8000 Thaler. Ich Habe berechnet, daß 


| ss fih anf 12000 Thaler intereffiren müßte, wenn 


mon die Miethen, die tagtäglich höher binauffteis 
gen, nur um ein Drittel erhoͤhete. Konnte ich 
dieſes Haus kaufen, fo getrauete ich mir eine ans 
ſehnliche Parthie zu machen. Ein ſchoͤnes, artiges, 
und dabei fchr reiches Maͤdchen liebe mid; es 
ſtoßt fih an weiter nichts, ihre Hand zn erhalten, 
als daß ich Ihren Aeltern zu arm bin, Die ganze 
Btadt behauptet „ daß dieſes liebenswuͤrdige Maͤd⸗ 
den. nach der. Aeltern Tode die Befigerin eines 


- Bermögens von 20000 Thalern werden muͤſſe. Ich 


Babe freilich nur 1000 Thaler im Vermögen, aber 
wenn 4000 Thaler auf dem Hauſe fliehen bleiben, 
ſe brauche ich nur noch 3000 Thaler, und ich bin 


dann Beliger des Hauſes, bin zeitlebens gluͤcklich, 


und dann kann mir das ſchoͤne, reiche Maͤdchen 


nicht entgehen. 


Sie, verehrteſter Herr Vetter, hat der Him⸗ 
mel mit einem ſehr anſehnlichen Vermoͤgen geſeg⸗ 
net, auch ruͤhmt man von Ihnen allgemein, daß 
GSie Ihre Kapitalien zu nichts lieber anwenden, 


als um. Ihre Mitmenſchen damit gluͤcklich zu mas 
chen. In diefer Hoffnung alfo wage ich. es, bei 


Ihnen gehorfamft anzufragen: ob Sie mir, der 
ih die Ehre Habe, . Ahnen fo nahe anverwandt 
au. feyn, guͤtigſt mit einem Kapitale von 3000 Thas 
fern. unter die Arme greifen mollten; damit ich 
wor immer ein Plackholz bleiben dürfe, and in 


t 


= 


—- 107 u 


lich aud erfahren möge, wie es gluͤcklichen Leuten 
u Muthe ſey. Ich fende Ihnen hiermit zugleich 
ben Aunfchlag des Hauſes, um Sie zu Überzeugen, 
daß einem nicht alle Tage dergleichen vorchellhafte 
Gelegenheiten vorkommen, und daß ſich mir viel⸗ 
leicht nie wieder ein ſoicher Gluͤcksſtern zeigen werde, 
als eben jetzt. Haͤtten Sie das Geld nicht fchon 
bereit liegen, woran ich jedoch faſt zweifle, fo würde 
ih mid ein’ halbes Jahr gedulden können; denw' 
der Verkäufer hat mir. es zugefagt,, Daß unfer Dans 
dei auch nach einem: halben Jahre noch, aber nur 
länger nicht; gültig: ſeyn fol, ſobald Sie fich ind 
Mittel ſchlagen, und es ihm fchriftiich verfihern 
wollen, :daß ich von Ihnen 3000 Thaler als ein 
Doriehn zu erwarten babe. Ich betheure Ihnen, 
Daß ich alles, alles thun Werde, mir Ihr Vers 
trauen zu erwerben, um Ihnen Brende und. Ehre 
zu machen. Taglich merde ich dann Gott auf mei⸗ 
wen Knieen bitten, daß er Ihnen ein Vetrgelter 
ſeyn möge für das, was Sie zu meinem Släde 
beigetragen haben. Ach, ich würde ber elendeſte 
Menſch, wätde ganz zu Boden gebrüdt werden, 
koͤnnten Sie mir eıne abfchlägige Antwort erthei⸗ 
Im; denn ich muß es Ihnen frei geſtehen, lieber 
mag ich nicht leben wollen, als ohne das geliebte 
Mädchen leben zu muͤſſen, das meine einzige 
Freude, mein hoͤchſter Stolz iſt. Doch was beun⸗— 
euhige ih mich! Sie werden gegen mich nicht fe 
graufeam ſeyn; ja Sie werden: cher «ein Hebriges 
thun, als mich ſinken laſſen. Ich lebe der ſchoͤnen 
Hoffnung ganz, daß mich Ihre guͤtige Antwort bald 
aus meiner Unruhe reißen, und mid) verpflichten 
Werde, mich ewig nennen. zu koͤnnen 
Ihren 
dankbaren Wetter ' 


Ar. Ant⸗ 


108 on 


no 4% 
Antwort anf ben acht und breißisfien Brief. Ges 
nehmigunt der freundſchaftlichen Anfrage. 


Mein ſehr lieber Freund! 

&s iſt mir recht herzlich angenehm, daß Ste 
ein fo gutes Zutrauen zu mir begen. Kaum würde 
üch es Ahnen vergeben haben, wenn Sie fih an 
einen andern Freund. gewendet hätten. Ich weiß 
yar wohl, wie die Bauanfchläge der Zimmerleute 
and Maurer befchaffen ſind; man würde ſchlimm 
zurechte kommen, wenn man ihnen aufs Wort 
‚glauben, und fih mit feinem Gelde bloß auf die 
son ihnen beftimmie Summe einfchränten - wollte, 
Die verlangten hundert Thater fichen Ahnen mit 
teten Vergnuͤgen zu Dienften. Ich fende Ihnen 
ſolche wit diefem Briefe. Sollten Sie noch hun⸗ 
dert Thaler brauchen, ſo foraen Sie nicht; auch 
Bife liegen: bei mir für Ste bereit. Was wäre ein 
Freund werth, wenn er ſeinem Freunde eine ſolche 
Kteinigkete abſchlagen koͤnnte! Schicken Ste mir 
einen. Empfangſchein Über dieſe mitfolgenden hun 
dert Thaler; ‚eine größere Sicherheit verlange ich 
niet. Sollte es Ihnen zu fchiwer werden, mir 
Diefes Meine Kapital nach einem Jahre wieder zus 
za zu bezahlen; fo Angftigen Sie fich deshalb 
micht, Sie können es noch ein Jahr länger behals 


m. Ach weiß, wie fehr einem ordentlichen und 


Xedlichen Manne fein Werfprechen. am Herzen Itegt; 
nuund - treten Hinderniſſe ein, welche die vorberges 
iſehene Möglichkeit zur Unmoͤglichkeit machen , u 
geraͤth man daruͤber in die peinlichſte Unruhe. Um 

Sie nun zu rechter Zeit in die Lage zu ſetzen, daß 
Sie in diefe Merlegenheit nicht gesathen koͤnnen: 
ſo fage ich es Ihnen lieber voraus, wie lange ich 
diefes Kapital bei Ihnen ohne meinen Negen 
‚tır % ehen 


PT 109 pr WEN) \ 
ſtehen laffen Tann. Eine Halbe Hulſe iſt weis 
ſtentheils nicht viel befier, als gar keine Huͤlfe. 
Wer bauer, hat viel Geduld und Geſundheit nöthig. 
Gott ſchenke Ihnen Beides ! Voͤllenden Sie giäds 
lich, was Ste angefangen haben; niemand we 
fich mehr daruͤber freuen, als 


Se 
‚ wahrer drennd 


43. 


Moßhlägige Autwort auf eine freundfchaftliche - 
Anfrage über denſelben Begenfland. | 
Schaͤcbarer Freund! 

Ihr guͤriges, freundſchaftliches Zutrauen hat 
mir von jeher viel Freude gemacht, Denken Gie 
ſich daher: meine Verlegenheit, denn tch darf mie 
ſchmeicheln, daB Ste mein Herz einer Zalfchheit 
für ganz unfähig halten werden, denken Sie ſich 
Daher meine Beſtuͤrzung, als ich es troß allen meis 
- nen Bemühungen endlich doch noch für unmöglich 
batten mußte, Ihren in Ihrem Briefe geäußerten‘ 
Wunfd befriedigen zu koͤnnen. Hätten ®te mich 
davon nur einige Tage früher benachrichriget ,„ ich 
würde mid anders eingerichtet, und diefe Hunderte 
Thaler von eininen eben nidyt ganz nothwendigen Jahr - 
lungen zuruͤckbehalten haben. Ach that alles, was 
ich fonute; ich wendete mich fogar an einen mels ' 
ner Freunde, und diefer Freund, ber, fo lange ich 
ihn kenne, immer bei einer ziemlichen Kaffe war, 
dieſer mußte gerade jetzt fo entblößt vom Gelde 
ſeyn, daß er. nicht einmal 50 Thaler ohne feinem: 
großen Nachtheil entbehren kann. Trauen Ste 
wir es zu, daß ich Ihnen diefes unbedeutende Ka⸗ 
Pal zu einer andern Zeit ſogleich und herzlich gern 

gegeben 


gegeben haben würde, Stellen Sie mich auf die 
Probe, fordern Ste ein größeres Opfer von mir, 
und Sie follen. fi) Überzeugen, fobald ed mır nur 
einigermaßen möglich iſt, mie. bereitwillia ich dazu 
ſeyn werde, Sie denken zu edel, als daß Ste mir 
nun deshalb Ihre Freundſchaft entziehen koͤnnten, 
und dieſes iſt die einzige Beruhigung 
Ihres 
Freundes 
N. 
Genehmigende Antwort auf den neun und drei 
i ßigſten Brief. | 
Mein guter Freund! | 
Wenn Sie fih mit einem Kleinen Kapital⸗ 

von. 300 Thalern einen betraͤchtlichen Nutzen ſchaf⸗ 
fen. können: fo freue ich mich, daß ich der Mann 
Bin, der Ahnen damis dienen ann. Ich jende 
Shnen daher diefe Summe mit der erften, beften Poft, 
damit Ihnen auch nicht einmal durch die kleinſte 
Verzögerung der beabfichiigte Wortheil geichmälert 
werde. Doch wollte ih Ahnen mohlmeinend ras 
then, daß Sie diefem Ihren Freunde, der Ihnen 
einen fo vortheilhaften Antrag gemacht hat, .. nicht 
fo ganz aufs Gerathewohl trauen möchten ; er müßte 
denn nicht bloß ein fogenannter. Handelsfreund, 
‚fondern ein wahrer Herzensfreund von. Ihnen ſeyn; 
denn der Kaufmann. hat, wie Sie willen, feine 
eigenen Marimen, Sch weiß es, Freund, Sie 
Branchen einen anfehnlichen Vorrath von Farbemas 
terialien, weil Ihre Faͤrberei die befchäftigfte, die 
geſuchteſte in ** iſt; es ift Ihnen alfo gar nicht. 
zu weretgen, daß Ste fih in Zeiten mit ſtarken 
MWorrächen verfehen, wenn Sie eine fihere Ahnung 
vs daß ſolche naͤchſtens im Preiſe ſteigen nu 


.* 


— 111 — 
ſen: aber die Beſorgniſſe der Kaufleute, daß bald 
theure Zeiten kommen möchten, find nur ſelten als 
here Merkmale anzuſehen, ſeilbſt wenn fie bes 
theuern, aus England, Holland oder Frankreich 
‚befimmte Nachrichten zu haben. Daß die Waas 
sen nach dieſen angegebenen Nachrichten, die nicht 
"gar felten nur erdichtet zu feyn pilegen, gan oft in 
ihren Preiſen fallen, ſtatt daß fie fleigen follen, 
davon habe ich ſelbſt fo manche Erfahrung gemacht. 
Und es laͤßt fich auch leicht denken, daß der Kaufr. 
mann, wenn er große Waarenvorräche bat, und 
von dem Steigen der Preife Nachricht empfängt, 
gewiß eher ſchweigen, als. davon ſprechen wird; 
denn er bandelte ja ganz offendar zu feinem Nachs 
theile. Weit ficherer wird er die Käufer in Furcht 
fegen, daß die Preife der Waaren fleigen, wen 
folhe gerade im Fallen find;: denn er muß forgen, 
daß er feine Vorräthe um den alten Preis loss. 
ſchlaͤgt, ehe’ es bekannt wird, daß folche betraͤchtlich 
geringer werden koͤnnen. Verzcihen Sie mir, Ites 
ber Freund, diefe Bemerkungen, die man nie vers 
gefien follte, wenn man mit Kaufleuten zu thun 
dat. Auch dem Handwerksmanne find die Augen 
aun heller geworden: yud kann das zu einer Zeit 
anders feyn; wo felbft den Landmann der Mandelds . 
geift ergriffen hat? 

®ind Sie von dieſer Seite voͤllig geſichert, 
und glauben Sie noch, ſich durch Anſchaffung noch 
gtoͤßerer Vorraͤthe und deren baldigen Verbrauch, 
ehe dieſe Artikel wieder im Preiſe geringer wer⸗ 
den möchten, einen beträchtlihen Worcheil zu vers 
Schaffen , fo ſtehet Ihnen allenfalls auch noch ein 
Bärkeres Kapital zu Dienften. Metden Sie mie 
mie naͤchſter Poſt den richtigen Empfang der Ihnen 
jetzt überfendeten Summe, und ſchicken Ste mie 
Sore ride Verfiherung mit ver fefigefehs 
| Beſtimmung, wenn, Sie das Kapital len 

zahlen 


on 218 zn 


zahlen wollen. Sie werden biefe Bedingung nicht 
für Mißtrauen balten, das bin ich von Ihnen 
überzeugt. Ich Habe dieſes um der guten Ordnung 
wilien gern, wenn der Fall eintreten follte, daß 
einer von uns unvermuthet und fchnell ſtuͤrbe. 
Leben Ste wohl, mein befter Freund, und 
wachen Sie gute Geſchaͤfte. Von Kerzen goͤnnet 
Ihnen dieſes | | 
Ihr 


N. 


Ad. 
Genehmigende Antwort auf den vierzigften 
. Brief, 


Wenn ih Ste, mein fchägbarer Freund, nicht 
fo fange Zeit fhon als einen eben fo erfahrenen, 
redlichen, als vorfichtigen Mann Lennte: "fo würde 
ich mich allerdings über Ihren Antrag wundern 
und gar fein Bedenken tragen, ®ie zu bitten, 
mi mit dergleihen Zumuthungen zu verfchonen, 
Da ich aber feinesweges von Ihnen fürchten darf, - 
daß Sie um den Gewinn einer neuen Äreundfchaff 
eine alte fo herzliche, als die unfrige, werden aufs 
opfern wollen; da ich ferner von Ihnen Überzruge 
Bin, daß Ste Ihren Freund ganz genau kennen, 
und wohl überlegt haben werden, wie oft bei ders 
. gleichen Sefchäften die beiten Zreunde, wenn man 
fein gegebenes Wort nicht hat erfüllen koͤnnen, zers 
fallen, und in die unangenehmen Verlegenheiten 
gerathen find: fo fiehe ich keinen Augenblick an, 
Dem Freunde, welchem Ste Ihr Vertrauen fchens 
Sen, auch das meinige zu gönnen, und ich boffe, 
daß er unfere beiderfeitige gute Meinung auf Leis 
nen Ball mißbrauchen werde. Sie follen alfo die 
bendthigten 2000 Thaler für Ihren Freund von 
wie erhalten, und Sie können Aber die Abfendung 

derſel⸗ 


derſelben Ihre Verfuͤgung treffen, tie und Wenn 


— — — — — 


Sie wollen. Nur erlauben Sie mir, daß ich die 
hypothekariſche Sicherheit auf das Grundſtuck einer 
Wechfelverfchreibung vorziehe. Ich hin Vater von 
vter Kindern, bin der Gatte eines braven Weibes, 
bas mir ein anfehnliches Vermoͤgen zugebracht hat. 
Ich tann--und darf mich daher nicht als den Eis 
genthüner dieſer Kapitalien‘,' fondern nur. als den 
Verwalter diefes mir anverträuten Gutes anfehen, 
wofür ich mit meiner Ehre, felsft mir der Ruhe 
meines Gewiſſens, und dem: ganzen SALE meines 
Lebens verantwortlich feyn muß. Zweitens muß 


. auch Ihrem Freunde; wenigſtens nah meinen Eins 


fihten , auf diefe Weife befler gedient feyn: denn 
er erſpart an: den Zinfen einige Prozente, und ein 
wahrer guter Wirch- muß auch den Gewinn von 
einigen. Thalern zu ſchaͤtzen wiſſen. Die nöthige 
Gexichtsverwilligung (den : gerichtlichen Conſens) 
kann Ihr Freund nad) feinem Gutbeſinden auf drei 
oder ſechs Jahre einrichten laflen ; ich bin es fogar 
zufrieden, daß er fich in demfelben voraus: bedingen 
darf, mir da6 Kapital von halbem Sabre zu. hala 
bem Sabre auffündigen zu können, Daß ich aber gegens 
theils verbunden feyn foll, die befiimmtegeit von drei. 
oder ſechs Jahren auszuhalten. Yuch will ih Ihrem 
Sreunde das Kapital mit vier vom Hundert jährlis 
der Berzinfung Überlaffen : doch ‚bitte ich, diefes ver⸗ 
(hwiegen zu halten; denn. tch- würde Werdruß haben, 
weil ich, alle meine übrigen Kapitalien nicht anders, 
«is mit fünfvom Hundert ablaſſe. Sind ihin ‚meine. 
Bedingungen, "die ihm wenigftens nicht unbillig ſchei⸗ 
nen koͤnnen, angenehm: fo melden Sie mir es, u 
erdnen Sie alles Uebrige nach, Ihrer Bequemlichkeit 
und zu dem Vortheile Ihres Freundes an. Was Sie 
Man ra. gm finden, wird fehr gern billigen 


* | anfsieeiger Freund 
9 | 46.Ant: 


1 14 


46. 
Antwort auf den ein und vierzigſten Brief. 

Mein’ lieber Wetter! | 
Dru weißt, daß ich von Deiner fruͤheſten Ju⸗ 
"gend au für Dein Wehe fo gut, als Dein leibli⸗ 
her Water heſorgt geweien bin, und geſtehſt mir 
dae ſeloſt in Deinem Briefe ein. Ich verſichere 
Dip auch, daß. ich Dir immer noch, wie. zuvor, 
it Liebe gegeben bin, und daB Dein Gluͤck mein 
hochſter Wunſch iſt; doch bie Bitte in Deinem 
letztan Briefe kann ich Die nicht gewähren. Hoͤre 


"meine Gruͤude! Ä 


WMit Vergnuͤgen wollte ich Die bad verlangte 
Kapital vorfihießen, wenn ich wüßte, daß ich Dich 
damit gluͤcklich machen koͤnnte, und wenn ich nicht 
dis ſonnenklarſte Urfache hätte, gerade. das Gegen⸗ 
heil fürchten zu müllen Denn erfilih, ich mag 
Die es gar nicht verbehlen, gefällt mir der Ion 
durchaus nicht, dee in Deinem Briefe herrſcht. Es 
it fo wenig Durchdachtes, fo wenig Ueberlegtes 
darin: vielmehr ſcheint es mir, als haͤtteſt Da mie 
dem jugendlichfien Leichtfinne‘, gleihfam auf den 
often Wurf, Deinen Einfall zu Papiere gebracht; 
hästefl nur den gegenwärtigen Augenblick vor Aus 
gen: gehabt, worin bie: Befriedigung Deiner Leis 
deufhaft Dein hoͤchſter Wunfh war, und: worin 
Du auch nicht mit einem einzigen Glide auf vie 
Yotumft Rackſicht nahm. Du liebft ein Maͤd⸗ 
den; Da glaubſt, daß diefes. Mädchen Dich wies 
dei Iteße ‚ giambft fogar, daß Du ohne dieſes Mad⸗ 
end Hand ungiädlich werden muͤſſeſt. Das find 
nun Menßerungen und Erſcheinungen, woruber ein 
o alter Dann, mie ih bin, mit anders, als 
hein darf. Du kann. mir aufs Wort trauen; 
ty lernte ſchon manden jungen Mann Frann, 
J er 


1} 


am .aı5 te 


ber ſteif und feſt glaubte, hachſt unglacklic wer⸗ 
den zu muͤſſen, wenn er das gewuͤnſchte Maͤdchen 
nicht zur Brau bekame, der aber ſehr, ſehr ums 
lucklich wurde, als das geliebte Madchen feins 
u getworden war. Die Aeltern des Maͤdchens 
merwetsern Dir die Hand ihrer Tochter, wei Du 
ibuen zn arm biſt? Iſt das nicht vielleicht Deine 
Schuld? Denn wenn Du Did ihnen durch ame 
dere Vorzüge empfohlen: haͤttoſt, Die niche ſeltes 
gewichtiger , als baares Vermoͤgen And; menn Du 
gewnßt hatteſt, Dir auf irgend eine ansaezeichnste 
Meiſe ihr Zurrauen zu verdienen: fo würden fig 
gewiß diefer Entſchuldigung nicht bediens hahen 
Die wie wenigftens nur eine leere Ausfluche zu feye 
Ä Werden fie Dir wohl ihre Tochter geben, 
wenn Du ein Haus beſaßeſt, Dad 8000 Thaler 
werth ſey, woran aber haͤchſtens nue tauſend Tha⸗ 
Dein Eigenthum wären? Schwertich! Ein 
‚ woran man kaum ben achten Theil Bat, 
int woran die übrigen’ fieben Theils dem Glaubi— 
gern gehören , dient mehr zum Werderben, als def 
es eine Wohlthat ſeyn, und ein Mittel werben kann, 
feine Umſtaͤnde zu verbefirn. Du meine, 08 
Ueße ſich leicht thun, daß man die Miethen erhöähe: 
ich meine aber, daß das ein gefaͤhrliches Wagsftäd 
ſey, wobet man ſehr leicht mehr verlieren... als gap 
winnen koͤnne; da men: feither ſchon Äber: Die-zu 


Weit wergeffen haben, dab Du das Mäpches: ums 
deſſen eltern hintergehen, und mit den Wahze 
AMaſchen wollteſt: dab: Du einen reichen Wetter Has 
Ge, der Die dan Beld ſchenken wolle, und dem 
Be gleichfam. bet Deinen Lebzeiten ſchon beerben 
| : fo muß ib Die nur ganz ofienhersig gan 

Beben, daß Du Did niche nur recht ſehr betrogen 
wärdeft fordern daß ich Dir auch diefen 

Beh nis, een wüsbe, Ueber⸗ 
, 2 


* 








lege, 


m 1346 ui. 


Coge, wie viel ich Ichen ſir Dich gethan Habe; und 
bedenke, dab Du nod zwei wnerzogene Brüder 
und eine Schweſter haſt, die meiner Veihätfe noͤ⸗ 
tiger bedürfen, als Du. Ich müßte der unge 
rechteſte Mann ſeyn, wenn ich von biefen meine 
Hand abziehen, und: Die, nur Dir Alles, was ich 
beſitze, zutheilen wollte... "Höre meine Warnung 
und meinen Rath. Liebt Dich das Mädchen red⸗ 
lich, und liebſt Du fie fo wieder, wie Du vors 
gie: fo zeige Dich als ein thätiger , arbeitfamer, 
fparfamer Wann, Deine Tugend und Deine Liebe 
muͤſſen dem Mädchen fo Heilig fen, daß es ihm - 
nicht ſchwer anfommen darf, Dich. nicht zu uͤber⸗ 
eilen ,. damit Du Dich durch Dich ſelbſt in den 
©taud fegeft, es einft als Deine Frau anftändig 
und gur unterhalten zu können. Durch ein folches 
Betragen wirft Du fogar: die Acltern des Maͤd⸗ 
chens gewinnen, und fle "werden Dir ihr Wort 
wicht verſagen. Findeſt Du, daß das Mädchen 
durch bieſen Vorſchlag kaltſinniger wird: o fo lafle 
Dich das nicht betruͤben; denn, verſagt fie Die 
unter ſolchen Umſtaͤnden ihre Hand und ihr Herz, 
fo haſt Du gewonnen und nichts verloren, wenn 
- "Du ihrer wieder los wirft. In Deinen Feherjahs 
zen glaubt man, daß es gar Fein Mädchen weiter 
in der: Schöpfung gebe, ale da6 - woran man 
zuerſt fein Herz hängt; die Zukunft zeigt uns aber 
‚gewöhnlich, daß man fich geirret bat, Gehe ich, 
daß: Dun diefem meinen vernänfttaen Vorfchlage Ges 
Hör gibſt, fo werde ich Die ferner nicht nur: mit 
meinem guten Rathe, fondern auch mit der That 
beiſtehen. Den Gedanken, Dir diefes Haus zu 
Baufen; wovon Du mir fchriebft, laß fahren. Soll⸗ 
teſt Dis voreilig. 'geplaudert haben, daß es Die 
wicht ‚fehlen könne, ‚und daß th Dir beiftchen 
werde; follreft Du gar in die Verlegenheit geras 
then feyn; daß Du Dich buch Deine ———— 
; J— ur reicher 


— 


— 


— — 


reicher zu ſcheinen, als Du wirklich biſt, laͤcherlich 
machen koͤnnteſt: fo erlaube ich Dir zu ſagen, daß 
Du mir zwar Deinen Wortrag gemacht haͤtteſt, 
daß ich Dir aber. verfihert habe, es fey von mir 
unlaͤngſt ein Plan entworfen worden, wobei Dis 
einen weit wichtigern Vortheil erlangen wuͤrdeſt. 
Vielleicht zeige fich eine Gelegenheit, daß ich nicht 
nur. das Mädchen, das Du fo heiß liebſt, und 
ohne weiches Du nicht gluͤcklich zu werden glanbft, 
mdern auch diefes Mädchens Aeltern näber kennen 
ernen werde; und bin ich im Stande, dann etwas 

für Di zu thun, fo fol es recht gern gefcheben. - 
...Veb diefer meiner Antwort, bie ganz anders 
audgefalfen ſeyn wird, als Du Die vorgefteltt haft, 
wirf- Da den Kopf ſchuͤtteln; Deine Schmeiche⸗ 
leien, die Du fo vergeblich am mid, verſchwendet 
haſt, werden Di dauern: aber — aber Vetter, - 
ih bitte Dich, vergiß Dich nicht zu fehr dabel, 
und fey auf Deiner Aut, daß Du Dich nicht zue 
Undankbarkeit verleiten laͤſſeſt; denn denkeſt Du an. 
die Vergangenheit zuruͤck, ſo wirſt Du mir ſelbſt 
das. Zeugniß geben muͤſſen, daß ich es nicht um 
.. Dich verdient baden kann. Du wuͤnſcheſt gluͤck⸗ 
(ich zu werden, da® wuͤnſche ich ebenfalld: aber 
wer fih gluͤcklich machen will, muß. den Sprößs. 
ling feines Gluͤcks niche übertreiben wollen, ſonſt 
gehet es ihm wie allen zarten Gewaͤchſen, die im 
Treishaufe zu ſchnell getrieben, nie volllommen ger. 
beiben werden. Und prüfe Du unpartdelifch, fo 
wirt Du aus diefem meinen Briefe erjehen koͤn⸗ 
nen, wie ich immer noch mit herzlicher Liebe und 
dem aufrichtigften Eenfte auch eanſtis nech⸗ wie 
ſeuber/ ſeyn moͤchte 


Dein 
mit vaͤterlicher Zaͤrtlichkeit FR Dein 
we belbsgtet Berter 


AT. Ein 


— 1 ig " 0 


oo. 475. 
Ein Freund Bietet ſeinem bebentend beſfohlenen 
Freunde freiwilig und unaufgelordert feine 
Hülfe. au. | 
Defter Freund! - | 

Durch) einen Zufall Höre ich die Nachricht von 
einem Ihnen zugeftößenen, Ungluͤck, die ich aber 
immer noch nicht glauben kann, de ich fie nicht 
von Ihnen ſelbſt gehöre Habe. Man erzähle Hier, 
daß Ste durch einen nächtlichen Einbruch fehr bes 
traͤchtlich beſtohlen worden wären. Freund, Sie 
wiffen, wie zärtlich, wie theilnehmend ich Sie 
liebe; Sie können ſich alfe vorftellen, in welche 
Unruhe ich verfegt werden mußte. Sch bitte Sie 
daher auf das dringendfle, melden Sie mir nur 
mit einigen Zeilen, woran ih mich eigentlich zu 
Halten Habe. Daß Sie diefe meine Anfrage nicht 
für eine bloße Neugierde halten werden, darf tch 
mir von Ihnen voraus verfprechen. Treiben Sie 
aber auch Ihr Zartgefühl nicht zu weit, und fagen 
Ste mir offenherzig, ob ih Ahnen, wie und 
womit Ib Ahnen dienen kann. : Mit Freuden 
Biete ich Ihnen meine Hand, mit Freuden will 
alles thun, was nur in meinen Kräften ſtehet. 
GSollte ich der legte Ihrer Freunde feyn, der her⸗ 
zueilt, Ihnen näglih zu werden, Ihnen helfen 
au wollen: wie weh folte das meinem Kerzen 
thin, da ich den Vorzug, einer der erftien Ihrer 


Greunde zu fern, um Beinen Preis hingeben würde, 


Wäre es aber doch der Fall, daß mir Andere zu⸗ 
vorgefommen wären, fo entihuldigen Sie mid). 
Sch glaube auf Ihre guten Gefinnungen rechnen 
zu dürfen, und ich bin Überzengt, daß Ste mein 
etwas verfpäteted Anerbieten nicht dem Mangel:an 
gutem’ Willen, nicht einer Fahrlaͤſſigkeit, nicht 
einem 


| ſtrafbaren Raltfinne, fonbern einzig nur allein 
mir fo fehe unangenehmen Bufalle zuſchreiben 
» daB ich erſt ſeit Beute von Ihrem gehab⸗ 
de unterrichtet worden bin. Mech ein 
! m Sie mich ans meiner Unruhe, und 
Sie das 


J 


5 


| 
F 


undes 
M ernten. 
einen Freund, der bei einer von feinen. 
fgreunde unverfääulderen Berbrüßlichkeit dies 
fem allem Auſfcheine nach feine Freundſchaft 
entzogen Hat. 


EGEefſchaͤtzter Freund! | 
Dein, länger kann I unmoͤglich ſchweigen, 
Tänger kann ich nicht In meiner Ungewißheit blet⸗ 
ben, die mir feither fo viele truͤbe Stunden ges 
macht bat. Sie willen, und können überzeugt 
ſeyn, wie hoch ich Ihre gegen mich geäußerte Freund⸗ 
fhaft ſchaͤze, mie aufrichtig, wie herziich mein 
Vunſch für die Fortdauer derfelden war. Denken 
Sie Sich daher in meine Stelle, wenn ich mid 
un mit einem Dale aus diefen meinen fchönen 
Hoffnungen herausgeriffen, meinen geliebten Freund 
fo zurückhaltend, fo kalt gegen mich ſehe. Sch 
betheure feierlich , daß ich mir über diefe eben fo 
ſchaefle, ale mir fehr Ichmerzhafte Veraͤnderung 
wenigſtens feinen wiſſentlichen Vorwurf zu machen 
abe: denn fireng habe ich mein Herz geprüft, ger. 
won alle meine Handlungen unterfucht. Gehoͤrte 
: mein Breund zu den gewhnlichen Menfchen , die 
: Ye kleinſten, unbedeutendftien Mißverſtaͤndniſſe ents 
ruſten, die entweder nicht unterfuchen wollen, * 
nicht 





zum we — “ 

nicht unterfuchen Kımeh,- was bei getsiffen Vor⸗ 
füllen nur Schein und: was Wahrheit ſey, und 
die fich alſo einzig. nur Ihrer Leidenſchaft preis ges 
ben: fo wuͤrde ich allerdings verlegen feyn. Aber 
Bein, mein Sreund iſt ebler; und wenn ihn auch: 
ber erſte Augenbii einer. kleinen Uebereilung fähig 
machen Bönnte, fo führe. ihn doc bald die nächfte 
Stunde wieder zu ſich ſelbſt zurock. Freund, follte 
es Ihnen etwa Ienderbat vorgefommen ſeyn, daß 
ich an demfeiben Tage einem andern. Freunde dier 
felbe Gefaͤlligkeit erwies, die ich Ihnen adfchlagen 
mußte? Wäre Dies der Fall, fo ‚glauben Sie meis 
ner heiligen Beiheuerung, daß ich dieſe Gefallig⸗ 


keit meinem Freunde laͤngſt mit Hand und Mund - 


weriprochen hatte. Und was würden Sie von Ih⸗ 
rem Freunde gehalten baben , der, um Ihnen dies 


men zu wollen, gegen einen andern, ihm nicht 


weniger fchägsaren Freund ein Wortbruͤchiger ge: 


worden: wäre? Es kann wohl feun, dag Anfangs 
der Schein ‚wider mich getvefen tft; es kann fogar 


fepn „ daß diefer oder: jener, ber Ahr Freund und 
auch der meinige fcheinen will, ziemlich geſchaͤftig 


geweien ſeyn mag, mich und meine Handelsweife 


bet Ihnen in ein. "Verdächtiges Licht zu fegen: aber’ 

ich fürchte nichts, denn ich verlaffe mich auf das 
AM meines Freundes und ich zuͤrne nicht, ſollte 
er mich auch eine kurze Zeit verkannt haben, wenn 
ich nur nicht ganz aus ſeinem Andenken verbannt 


Richterſpruch freuen. Dringend bitte ich Sie,“ 
Treund! geben Sie mir oft, recht fehr oft Gele⸗ 
genheit, Ihnen meine: thättgfte Liebe, meine ges 
nauefte Aufmerkſamkeit bezeigen zu können: jeders 
zeit werde ich Ihren Wuͤnſchen Genuͤge leiften , fo 
viel in meinen Kräften. ſtehet. An meinem beſten 
Willen fol es wenigfiens nie e feblen.. Reichen Sie 

mir 


% 


‚worden bin. Die Zeit wird zwifchen uns. entfcheis‘. 
den, und ich darf voraus mich ſchon auf diefen 


mm 122 au 


mir Shre Hand, verehrtee Freund, Taffen Si— 
unſre Herzen wieder feft an. einander ſich anfchites 
den, laſſen Ste uns ganz das wieder fen, was 
mir uns fon einander waren: und nie müfle ein 
Mißverſtaͤndniß uns wieder in die unangenehme 
Lane verſetzen, .die mir feither fo weh gerhan hat, 
Kurz, prüfen Sie mich aufs ſtrengſte, und Sie fols. 
ten Anden, daß ih unaufhoͤrlich ſeyn werde 


Ihr 
Sie aus nn deandſchet verehrender 


49. ” 

Ein Freund beklagt fich über eine vereltete 

Hoffnung. | 
Theilnehmender Freund! | 
Bir hängt doch oft von einem Kleinen, unbe 
dentenden Zeitraume die Beſtimmung unſers Schick— 
ſals ab! — Vor drei Wochen ſchrieb ich Ihnen, 
wie guͤnſtig mir die Hoffnung winke, und mir die 
ſchoͤnſten Ausfichten in die Zufunft zeige. Gchen 
glaubie ich meinem Gluͤcke näher als jemals zu 
ſeyn; ſah fchon alle meine Wünfche erfüllt, und wähnte 
nicht , daß ich etwas zu fürchten habe, was dieſen 
entgegen fen könne: und doc; — doch verwandelt 
fih ganz unvermuthet der Simmel über mir, feine 
ganze. Heiterkeit iſt verſchwunden, und mit ihm 
meine Ausfiht in eine nahe fehöne Zukunft. Iſt 
mie auch dadurch meine Hoffnung nicht gang vers 
eitelt,, fo ift mir die Erfüllung derfelben doch weit, 
sielletcht fehe weis binausgeftelle worden, 

Ich meldete Ihnen jüngft , wie fehr fi ve 
Herr Hofrath für mich verwende, daß ih die 
©telle , um welche ih, wie-&ie wiflen.,. vor eimi« 
ger Zeir anfuchte, erhalten folle. Nech mehr! En 

e 


u 77 — 


HIER wänfchte: mie fogar geſtern noch, als ich ihm 
meine Aufwartung machte, Gluͤck, und betheuerte 
wir, Daß er dad Wort aller berer babe, die dieſe 
Stelle zu vergeben Kästen. Heute läßt er mich zu 
ſich rufen; ich eile im froheſten Entzucken zu ihm, 
denn mir mar nichts gewiſſer, als daß cr mir nun 
die fihere Nachricht ertheilen werde, von welcher 
ich das Gluͤck imeiner kunftigen Tage erwartete. 
Er kam mir aber mit einem wehmuͤthigen Geſichte 
entgegen, bebauerte mich, entſchuldigte fi, und 
erklaͤrte, die mir verfprochene Stelle foy feit einem 
Sabre ſchon, ohne daß er diefes Habe ahnen fins 
nen, vom Minifter einem Andern zugefagt worden, 
. und daß fich dieſer bereits gemeldet Habe. Daß diefe 
Nachricht ein Donnerfchlag für mein Herz war, 
koͤnnen Sie fih denken; doch die Art, wie mir der 
Kerr Hofrath. „.. dieſe traurige Nachricht mits 
theilte, berubigte mich einigermaßen. Er verfprad) 
mir auf fein Ehrenwort, ich folle nichts dabel vers 
loren haben, und er werde ſichs angelegen ſeyn 
laſſen, mich gewiß mit einer einträglichern und befs 
foren Stelle zu verforgn. Ob ich nun gleich den 
Seren Hofrath ... . als einen der redlichfien Maͤn— 
nee verehre, der ſich ganz zu feinem NWortheile von. 
den meiſten ber: Größen unterſcheidet, die gemei⸗ 
niglich unfee Hoffnung in ſolchen Fällen, wie der 
meinige jeßt iſt, mit den glänzendflen Verſprechun⸗ 
gen zu tänfchen wiſſen, um unferer los zu werben: 
fo will ich mich doch . nicht auf die einzige Stutze 
verlafien; denn der Sinn der beſten Menſchen Ans 
dert ſich oft ſehr ſchnell. Und, lieber Freund! iſt 
diefer mein Gönner nicht eben fü gut flerbiich, ale 

ein jeder andere Merk? - — 
Was mich bei dieſem meinen traurigen Looſe 
bernhiget, iſt einzig die innere Ueberzeugung, daß 
ich nichts dabel verſchuldet, alſe mir ſelbſt darüber: 
fine Vorwuͤrfe zu machen babe. Beust mic —* 
eſe 


u ı25 “ — 


dteſe vereitelte Hoffnung ziemlich tief, fe folk doch 
mein Muth nicht ünken, das mir vorgeſteckte Ziel 
wit feſtem Auge zu verfolgen. Ich ‚werte mid 
nun um fo thaͤtiger zu meiner Lünftigen Beſtim⸗ 

mung vorbereifen, ‚werde mein Herz täglich vers. 


. waunngsvoli' si dem erheben, ber die Macht Über 


die Schickſale dee Menſchen in feiner Gewalt bat, 
uub Der «6 am beſten weiß, was uns nüget und’ 

was zu unferm Arieben dienet. Wiek, fehr viel; 
habe ich zwar Im dieſen Tagen verloren: iſt mie 
aber nur Ihrr Freundſchaft geblieben, 0 mein 
Freund, dann achte ich dieſen meinen Berluſt weit 
weniger. Denn welchen Verluſt erſetzt uns nicht das 
Herz eines redlichen, theilnehmenden Freunden ? 
Nur dieſe Hofſnung, bie mich nicht tauſchen wird, 
fol mich erheitern, da ich mich. nie gluͤcklicher fahle 
als wenn ich mir den Gedanken dente, mic nen⸗ 
nen zu konnen 


Ihren 
Ihnen ergebenen and redlihen Freund 


5o. 
Antwort auf obigen Brief. 


- Sedauernswerther Freund ! 

Necht ſehr Hat mich Ihre, nie fo ganz unter: 
wartete Nachricht medergeſchlagen! Wie freuete 
ich mi ſchon Ihres Gluͤcks, und wie.fo mandhen' 


Ban entwarf fi mein freundfchaftlihes Herz für: 


die Zukunft! Doch tb will alles thun, um an 
diefe ſchoͤnen und fo ſchnell verſchwundenen Träume‘ 
wiche mehr zu denken, damit ich nicht Ihren und 
meinen Schmerz aufs neue naͤhre. Die Art, wie 
®ie fih in Ihre vereitelten Ausfichten ergebe, 
bat. Sie mir nur um fo ſchaͤtzbarer gemacht. Wer 
als Beiſer und als Chriſt fein Geſchick ertnägt, 

ann 


kann nie ganz. unglücktich ſeyn; benn er erhebt ſich 
über jeden Zufall, und ‚feine Maßregein dienen ihm, 
ſich eines oft ganz unvermutheten ‚und baldigen 
Gluͤcks verfihern zu koͤnnen. Ich freue mich, daß 
Ste Ihren Muth nicht ſinken laſſen, daß Sie 
mit erneuetem : Vertrauen Ihrem Ziele entgegen 
gehen , und fi auf eine glücklichere Folgezeit vor: 
bereiten wollen, die Ihnen nit fehlen kann. 
Sinkt auch Ihre Stüge dahin: fo waltet doch 
noch ein höheres Weſen über Ihrem Schickſale, 
das endlih gewiß die Tugend belohnt; wenn fie. 
ausharret und im Guten nicht ermübdet. Wer weiß, 
05 Sie mir, wenn: Ihnen Ihre Wuͤnſche ganz ges 
langen wären, fo fchäßbar feyn würden, wie jegt, 
da. fi mir Ihr Herz in biefer Lage fo edel, fo 
groß gezeigt bat. Das Gluͤck trennt fehr oft die 
beften Freunde; Ungläd aber kettet fie nicht felten 
fefter an einander. Doch was fpreche.ich denk von 
Ungluͤck? Daß mein Freund diejenige Stelle nicht 
erbielt, auf die er feine feſteſte Rechnung ftellen 
konnte, und die ihm fo unbedingt verfprochen war — 
das kann ihn unmöglich unglädiih mahen War 
fie es denn einzig, wovon feine Ruhe, feine Zus 
friedenheit, wovon feine Wohlfahrt abhing? Ein 
verzögertes Gluͤck iſt noch lange kein Ungluͤck. 
Vielleicht war gar des Schickſals Wille dabei, Sie 
noch glädlicher zu machen, al6 Ste faum zu hof⸗ 
fen gewagt hatten. Und ſo ermuntere ‘ich Sie, 
mein lieber, fchägbarer Zreund , die rechte Zeit 
und Grunde mit weifer Selaffenheit zu erwarten, 
die Ihnen dann vielleicht den jegt erlittenen Vers 
luſt ‚doppelt erfegen wird. Bet jedem Kalle, in 
* jeden Lage werde ich Ihnen aber auf bie thaͤtigſte 
Weiſe eigen 7 daß ich unverändert bleiben werde 
r 


teuer, ‚ Serpäfe eeund 
5ı. Ein 


. > * 
" v.n'. Pen hr .. 


en Bi; .. an 
Ein Freund. fengt mit munterer Bene bei‘. ſei⸗ 

gem Breunde an; ob er © nicht bald beitanpen 
wolle. - - W 


Dein Heber Freunb! “ 
Im Monat Sal 


Ä Sollte I 16 es Ihnen wohl ef noch verfiherk 
dürfen , wie ſehr ich wüniche, daß Sie recht glack⸗ 
lich, recht ſehr gluͤcklich ſeyn möchten? 

. u Das: bin ich ja!“ rufen Sie mir zu, ab 
machen ‚eine Miene dabei, als wenn. Ahnen: am 

Ihrem Gluͤcke nichts, gar nichts mehr fehle. Und 
doch fehlt Ihnen noch etwas , und vorzüglich. das, 
was und jedes Gluͤck erſt recht reizend und genieße 
* machen muß.. Freund, es iſt gar traurig, wenn 

men gluͤcklich iſt, und man blickt um ſich ber, u 
wird niemanden gewahr, der ſich zugleich mit ‚un 
feuet um und aufs herzlichſte an unferm Gluͤck⸗ Theil 
mt. 


„Habe ih nicht Freunde, die mich lieben? 
bie: mir alles Gute wuͤnſchen? wollen Sie nicht 
ſeibſt einer von dieſen ſeyn?“ hoͤre ich Sie wieder 
feagen, und — ich muß Ihnen antworten: daß 
auch der. zaͤrtlichſte Freund Ihnen das nicht erſetzen 
kann, was Ihnen fehlet. Sie lächeln, und auf 
dieſem Laͤcheln errathe ich, daß Sie mich verſtehen. 
Ja, ja, mein Freund! ein häbfches, junges, tu⸗ 
gendhaftes, Sie Jaͤrtlich liebendes Weibchen fehle. 
Ihnen; und fo lange Sie diefes nicht haben, ſo 
ſagen Sie ja nicht, daß Sie vollkommen gluͤcklich 
find. Denn ich und tauſend Männer glauben. es 
Ihnen dod nicht, ‚und die häbfhen Mädchen und 
'  feibh bie Frauen würden es Ihnen auch nicht glans 
; Sie wÄrden es Ihnen fogar ins Geſicht fas F 
—* daß Sie ſich uf! das Gluͤcklichſeyn siem Bu. 





—— ira —E— 


ſchlecht verſtaͤnden, wenn Sie auf Ihrem Wahne 
beharren könnten, und dieſe Ihre Meinung Ihre 
"wahre Herzensmeinung ſeyn und bleiben ſollte. — 


EGs iſt allerdings wahr, die ſchoͤne buſchige Jas⸗ 
minlaube, die Sie ſich mit eignen Händen gepflanzt 
haben, macht Ihnen viel Freude, und macht noch 
jegt gleichfam Ihren Himmel auf Erden. Sie bits 
ten Ihre vertrauteften Freunde zu ſich, daf fie 
mit Ihnen is diefer Laube ein Pfeifchen rauchen 

len. Diefe Breunde kommen. Sie werden zwar 
ie; daß diefe- Laube eine fchöne-Laube fey, fie 
werden aber. Kaum einen ihrer Tabakszuͤge verfäus 
dien wollen, und werden die ganze ſchoͤne Herrliche 

Raube in eine Wolle verwandeln. Sie werden es 
Ihnen ganz fein zu verfiehen geben, daß Ihnen 
der Duft der friſchen Laube lieber ſey, als der ers 
ftickende Tabaksqualm; das werden diefe Herren 
ganz fonderbar finden. Wan wird Sie alsdann 
allein. ſitzen laflen, und nicht wieder fommen. Und 
was würde an biefer Stelle Ihr Weibchen thun 7 
Es würde bie Laube pflegen und warten; es würde 
Die verichlungenen Zweige forgfältig, um keinem 
wehe zu thun, aus einander biegen, damit Ihre 
Lieblingsausſicht erhalten werde, Sie wärden bar 
gen, würden Ihr Pfeifen ganz behaglich raus 
Gen; Ihr Weibchen wärde Ste bald mit einer an⸗ 

nehmen Liebfofung aufheitern ; bald mit eines 
—**— unterhalten, die Ihnen Vergnuͤgen 
machte; bald würde es Ihnen von einer gelunges 
den, nenen Einrihrung in Ihrem häuslichen Wes 
{en Nachricht geben , und würde dabei die Bemers 

ug machen, daß man biefe neue ſchoͤne Einrichs 
sung nur Ihnen einzig und allein zu verdanken - 
Babe , ob fie glei und nicht ihr. liedes Männchen 

"die Urheberin und Befoͤrderin derfelden war, und 
Der Herr des Hauſes nichts: weisen, ats haoͤchſtens 


den 


ame i27 


den roßen "Gedanken dazu angegeben: hatte. She 
jthleiche mit Ihnen Arm in Arm durch bie Felder, 
uud. frenet ſich des Gegens, ben Ihnen die fünf 
Sige Aerute geben wird; : fie lebt die ſchoͤne Flur, 
wu * ven glüctichen Erfolg Ihrer Auſtalten 
uns Werbefforungen:. ihr empfindfames Herz weiß. 
Ex af eine fehr einnehmende Weile auf mande 
Naturer ſcheinungen aufmerffam zu machen. : ins 
wenn der Tag vorüber iſt, fo wundern Sie N; 
daß ſlebzehn Stunden Ihnen jept weit fchnelli 


- md duch dabei vergnägter verfhwunden And, 


eine einzelne Stunde, Noch eins! Sie das 

etwas auf. dem Herzen, fehen umher, "wen 
Sie es anversranen follen, und. ind in Verlegen⸗ 
heit. — I, wer ein trenedſ, verſtaͤndiges, zaͤrt⸗ 
lches Witb hat, ber wird feite Sorgen bald los — 
er ſchttet ſolche in Das Herz dert Geitebten. Beid⸗ 
tragen fie geduldig mit einander, uund keinem wird 
die Laſt zu fhwer, weil ihrer Zwei. baun tragen, 
wos Eins nur tragen ſellte. — Sie werden krank, 
bedürfen der Pflege einer zärtlichen Sorgfalt, die 
Äh mancher Aufopferung unterwerfen muß; — 
handeln ©te in foihen Fällen gegen einen Micthling 
noch fo großmuͤthig, belohnen Sie, befriedigen Sie 
feine Forderungen noch fo. reichlich: vergebeust 
Sie gießen Waſſer in ein Sieb. Sie könnten 
zum armen Manne werden, und würden doch kaum 
einen Ihrer Bünfche zu Ihrem Vefferbefinden bes 
feiediget haben. Iſt das etiva der Fall nur, weni 
She trank ind? O Freund! auch in gefunden: 
und vergnügten Tagen kann Ihnen diefes Laos ww 

werben 


Ste wünfhen Ihren Haushalt einzuſcht Au⸗ 

—* — laſſen Sie dieſes in Ihrem Hausweſen 
merken, vertrauen Sie ſich einer Haushaͤlterin, 
der Sie alles in Ihrer haͤuslichen Einrichtung aus 
vertreven künnen? Beute wird das * 
vom 


1 
ns 228 ai 


Ihrem Herzen weg derſelhes avnartraut tm: und 
‚morgen iſt es ſchon, dee Megenſtanh fungsig 
Gefprähen „ die ale @te-Inänten und. Shrer, Ehre 
am; Ende ,nadıheilig werden Sinne... Vertrauen 
@iie.fich: aber, einem: anten.hranın. Weide, das Dis 
mebrhaft lichen ‚und bag Mile Meder... aufrichtig 
liebt: ..0: -Rrenppi: dann dann werden  @le den 
Unterfcied - eipfagen: ad ihnen, lernen. Gate 
aller dieſer Mißhandlangen, denas Zie ſeither aue⸗ 
Aſetz waren, wird nun Ihr Weibchen -für ‚Ihre 
Bude und far Ihr WVergnugen beſorgt ſeyn. — 
Und werum Ehre, Ruhe, Freude und, Zufrieden⸗ 
Sei: find antge Mann, und, Weib. vartheilt. Freund 
Der mit, ed: wird Ihnen immer zur Voll⸗ 
kommenheitIhres Gluͤckes erwas fehlen, ‚haben, 
Sinn an. ainem Weibchen Ihr zweites Ich — 
un vapu Die fesaln akt mise. Ann un. mög 
mr .,.—oen ee 


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be... ; 
gintwort auf obigen Brieß m. Densfefden. Tone: 
‚Lieber, für mid far zu fehr beforgeer. greund 
Wenn Sie es ſich vornehmen, einem —* 
wiſſen zu reden, ſo muß man ſich Überzeugen Jafe 
fen, man mag wollen oder nicht. Wirklich, der 
iſebe Eheſtand Hätte keinen eifrigeren Vertheidiger 
waͤhlen können, als Sie. Aber nun auch " 
ein Woͤrtchen ins Ohr. Wenn Sie glauben ,. ich 
fey ein Weiderfeind, fo irren Sie ſich recht ſehr z 
denn ich muß Ihnen nur geradezu das Gegentheil 
verfihern. Aber ſo leicht das Heirathen auf ber 
einen Seite fen. ‚mag, fo fchwer iR es doch uf 


der andern ein gutes Weib zu. befommen, mit weis .’ 
hera man fo gluͤcklich ſeyn kann, als es Ihr Brief: 
darſtellt. Ja, ja, lieber Freund! che man ein 
Weibchen findet, das uns die verflochtenen Zweige 
iu der Laube aus einander biegt, nm uns die Ause 
ſicht auf unjer Lıebiingsptägchen zu öffnen, verflech⸗ 
ten Dagegen: wohl ihrer zehn die Zweige, um dem 
Manne den Hang zur lieben Natur zu benehmen: 
denn, die Hand aufs Herz! wie viele unferer Maͤd⸗ 
Gen wanſchen es ernſtlich, wahrhaft natürlich zu: 
ſeyn? Sie fhwägen zwar viel davon, aber man 
braucht eben kein fonderlicher Menſchenkenner zw 
feyn , um es fogleich zu errathen, daß ihr liches : 
Darurgefüht nichts , als ein erfünfteltes gezwungen 
nes Weſen ift. Und was müßte ein Wann, wie 
zich, fuͤr Augen machen: wenn das theure Liebchen 
nad) ven Flitterwochen ber erſten Eheſtandszeit die 
Maske von fih ‚würfe, die liebe Einfachheit weis 
(inter Dand liegen blieb, und aegentheils rechter 
Hann kaum zu befrtedigende Wuͤnſche fih auf den 
Weg machten? anfangs zwar mit lauter füßen 
Schmeicheleien za täufchen ſuchte; fih aber bald 
in ihrer wahren Geftalt zeigte, wenn man den - 
Much Hätte, ihnen kein Sehör geben zu wollen, 
oder wenn man gar — offenderzig und bieder fas 
gen müßte, daß man fich gaͤt gewaltig geiret ade? - 
Breund! ich kenne vicle, fehr viele Frauen, die 
ih kein Bedenken daraus machten, ihren Dann 
ganz einfam auf feinem Krankenbette ſchmachten zu 
laſſen, während fie ſich, wohl gar an öffentlichen 
Dertern, recht wohl feyn ließen. Breund! ich kenne 
Weiber „ die duch ‚eine kleine Einfchränkung ihre 
Gäsiver . bätten vor Untergange retten koͤnnen 
aber fie trugen dazu bei, daß er fehneller unterfins 
ken mußte, ‚und fchärften noch obendrein feinen 
" Schmerz dur die unverdienseften und ungerechtes 
fen Worwuͤrfe. Lebte ur ‚in unfern Zeiten j ee 
würde . 


-= 2 — 


würde nicht mehr fo viel Larm Aber fein Weib 
waden, ais ehemals; er würde ſich ſtattlich wun⸗ 
dern, daß anchet Hiob unter: uns lebe, dem es 
Weit trübfellger gehe, und der gu aller ſeiner Her⸗ 
zenenorly‘ehte gute Miete: machen — wenigſtens 
doch fihtöriden muß. Jin Augenblick, wenn ein 
junger Wann ſich in ein "Mühen' veriebt, mag 
CH Engel halten, and ſo lang es dor 
um hin⸗ ſapft, mag eſs auch Immer noch 
din Ene ſanen / aber tete wird er nicht ſiau⸗ 
He wenn eoes endlich gehaſcht Hat, und nun ſo 
Veſthanu daß es nicht wieder von ihm feskommen 
anu an Tchtle er fich einen Blinden, und firht 
um An; daB der Engel nichts mehr und nichts 
wentger⸗/ als ein ganz gemeines weibliches Weſen — 
und wohl gar: nach einem Jahre das Gegentheil 
von ein⸗em “Engel iſt. Aus dieſem allen werden 
Sie ſeht leicht ſchließen Lönnen,’ daß ich fein Freund 
von Felgen Engeln bin, und daß ich, wenn ich 
wir mein Geſicht Hell und ſcharf erhalten will, was 
ih fo fehr wanſche, alle Dergleihen Wege forgfäls 
tig vermeiden muß, die mie Staub oder Sand in 
die Augen jagen könnten. „Wer zu ſtreng in feis 
mer Wahl if,’ werden Sie fagen, „ſetzt ſich der 
fahr, gatduſcht werden zu koönnen, ſehr oft eben 
0. gut aus, ald — wer zu leicht zügreift.”“ Da 
en Sie allerdings Recht: aber es gibt eine Mit ⸗ 
teiftraße, und von diefer will man wiſſen, daß’ fie 
die beſte fenn fol. „Gut Ding wili Weile Has 
ben,’ behauptet‘ ein altes Gprädwort;, und ſo 
Saffen Sie mir immer noch einwenig Zeit, daß ich 
wid, in der Welt, worin die Verliebten nichts als 
Engel erbliden, genauer umfehen mag, ob: für 
. ein ‚gutes, natürliches, unverdordnes Mad⸗ 
qen zu finden fey, weil ih, wie Sie num wiſſen, 
auf dieſer Heben, nur für Menſchen beftinmten . 
Ede, ſqhlechterdiage nichts mis folgen fooenannten 
J ngein 








ich ebenfalls nicht geru etwas zu fdaffen, * 
id.,auch an weihiihe. Teufel glaube): | 
Ad immer : Dieſes aure aa — — 


ce 2 = 





a 


tige Lifte aufselammelt,. mohnech ich fo nach und 


nad) auf die ung gekommen bin, daß wahre 
weibliche Tugend r yerbunnen, mit Artigkeit und 
wohl gar mit Sc —— weitem keine ſo 


große een 6 fen, 5 groß. u. das Geſchrei 
feyu mag, man Hier, bald dort mit ans 
Sören. maß. ‚Kommen, en ‚Befuc uchen. Sie mid;- 
und überjeugen Sie ſich * Ich will nicht we⸗ 
nig lächeln : bringe ich . dermaßen ins Ger 
Bränge,, Daß Sie vor Verlehſeuheit nicht wiſſen fols 
dm, vle ke Stemwieber herauskommen. Daß ich mit 
meinen habſchen de nicht zu Ihnen reifen 
Tann, das werden Ste fih wohl vorftellen können; 
und daß Sie, wenn Ste mich befuchen, Ihre 
Reiſe nicht. bedauern. folleg, das. darf ih Ihnen 
ganz "verfüchern, Unp. was ich nicht alles 
on für Sie gethan Haber'“ ch habe mit diefen - 
Mädchen fehr oft von Ihnen geſprechen; und wie 
ich von Ihnen gefprochen habe , das koͤnnen Sie 
ſich leicht denken, da Sie meine Beredtſamkeit von 
mn. Da konnte es denn gar ‚sicht fehlen; das 
eine dieſer lieben Madchen ſchlug beſcheiden feine 
Augen nieder, um wicht zu berrat n, was in feis 
mem Kerzen worging, daB andere lächelte ſchelmiſch, 
das dritte nannte mich. parabeiifch, — ‚aber Feine 
n allen. ſchien abgeneigt zu —28*— meinen su 
reund wentaſtene zu ſehen und zu ſprechen. 


Sn. vierzehn Tagen haben wir unfer —** 
großes Vogelſchießen, welches ſich gewähntich:mit 
einem Ball beſchließt. Kommen Ste und beſuchen 
Sie mid. - Niemand fol es. erfahren, wer Sie 
find; Sie follen unbemerkt beobachten und Ihre 
Bemerkungen fortfegen Binnen, Wenn Sie nicht 
ganz unbilig find: , fo muͤſſen Ste geftehen‘, Daß 
ih meine Sachen ſehr gut einzuleiten weiß; denn 
de Mädchen erforſchi man am fnellften und Fon 

eſten 


— 1352 — 


beſten del ſolchen Geht eiten, und vorzaglich He 
dem Tan dern" aha tie ſein genug’) lem 
dieſer das —* — BAR, fie micht die kieinfi⸗ 
BEN Ange nd Ad) März geil 

J * ae —8 mid, Bäder benehmen 
wire Num Di Slie datin erfahren! 





* en ——*— —— inir Ihr 

son Ihrem Wi ã * 
wblite ſich nice wie: Ihnen von gan; 

ie Ihe Slac fernen! Vien Shrt me aa a 
siögtängen haben mit recht: fehr gefallen; und dd 
tanmn nicht fehlen, daß ‚fe von ⸗mieuchtendem Nude 
de, und auf die. Wohlfahrt Ihrer „ehnretgeinen 
don einem Hedeutenden: Einfluß fen maſſen, wenn 
Sie in guknnſt fo thärtg; als ſeither, von dei‘ 
adsisen unterflügt werden, und dieſe den gutem 
fortbehalten, den ‚fie fetther für die gute 
Beet ie haben. Gern Sie denn. aber doch 
diefen gänftigeh Erſcheinungen etwas bes 
e bent der erſte Feueretfer erfalter im fols 
Betten :oft eben fo ſchull, als er entflammte; 
Eind Kieinigkent, die Ihnen oft nur darum ver⸗ 
werflich iſt/ weil ihnen der Nutzen vom der. Cache 
"At auf der Stelle einleuchter, reißt das Ger 
Hude wirder bie auf den Drund nieder, bei: 
mit 


m _ 4 — 


mit vieler Voerficht aufzebauet ind faſt vollendet 
datten. Sie werden fich des Jalles noch eutſin⸗ 
gelungen war, dig ki 3 em al} 
feiner Borfeßfta nit Kin Ihlergebernen über Kae 
umb Trift beizulegen. Was jene mit Gewalt und. 
mis Biwahg nicht eriangen konmen, ward dieſem 
durch gütliche Vorſtellungen zu Theil, wo eine auf 
Die andere leitete, und diehartnädigen unbemerkt 
xberaitete, ſich feine Worfchläge gefallen zu laſ⸗ 
Fin," die mit 3 
den f&lenen, fondern es auch Wirklich hätten, was 
fie und Ihre Vorfahren faſt ein halbes Jahrhun⸗ 
dere nicht hatten einfehenWeken.- Und doch machte 
eine: feine. Meberöilung dem, ganzen. ſhoͤnen Spiele 
ein Enpe. Der gute Mann ‚mollte. nicht nachgeben; 
‘Die Baueru grädelten, und grübeiteir endlich über 
‚Dinge nad,.an die fd andern Umfländen 
‚gewiß nicht gedacht habeh "würden... Das Peoreh 
firen ging ‚on, neuen’ Ios, Ind. der Verdruß ſcheint 
„non biefer Zeit ‚an für nfern zuten Nachbar zu 
einer :umverfiegbären "Suelle‘ geivorden zu ſeyn. 
Dchwerlich wird er gun feinen Endzwe erreichen. 
Auch muß der Werbefferet bei dem gemeinen Dichne 
worzfnlih darauf, ſehen, daß er nicht Alles auf 
ein Dal bezwingen wolle: : auf dem edelſten 
-Stanemie, auf dem beften Vatzme werben die Fracheo 
uur mach und nad, und nicht alle zu einer 
Stunde reif, Doch, was ſpreche ich noch zu einem 
Manne von, Dingen, die ihm gar nicht unbetaunt 
fen können, und det und von, feinen Einſichten, 
won feiner. Miugheit, von ſeiner Vorſicht fdhon -fo 
viele Beweiſe gegeben hat? Fahren Sie fatt,. mein 
Berund! das Sute zu befßedern,; und ſich felbft das 
durch Nuhe und: Zufriedenheit zu gewähren. Sie 
möflen. Aber zeugt ſeyn, wie groß und wie getecht 
unfere: Erwattungen wen „allen Ihren Unterneha 





mungen 


— [rt ur ze 


mungen: fap, und ‚wie mir. und immer voraus 
ne ine we ameachne Na chricht En Eu — anbere 
* * ae — hai. vere Daran nehmen, — 

* Darüber freuen wird, als 


‚eure, dreunt 


— 





En En 

Bath med Srof an einen Frennd, deſen Sohn 

» ben Hoffnungen ai pri, Die fi) der 
Be won ihm gemacht 

„ Vedauermetoikrbiger — “ 

"ihre ‚gerechten. Klagen ind mir tief ins Herz 

fühle Ihren Gchmerz lebhaſt, und 

ches den innigfen ‚Antheil an Ihrem traurigen 

anf. gm ee ah il 8 ———3 

5* , guter Rain, schen je Ihre Hoffe 


3% 
an dns Zuirauen zu Ihrem Sohne, daß er tier 
der ſeine Fehler einſehen, und 38 
war bereuen, qh and 


Sehr oft Thon iſt aus einem —E 
linge ein ſonnener, wackerer Mann gewor⸗ 
Da es Ihres Sohnes Veſtimmung nicht er⸗ 
„In Ihrer Nähe zu fen: k würden Gte 
‚tun, wenn Sie an deſſen Aufenthaltsorte 

Ihrer Vefannten erwäßlten, ber den Ver⸗ 

auf eine feine, ſchonend⸗ Weife auf den Weg 
zung hinieiten Bönnte- Doc müßte Ach 
Sohnes Freundſchaft, Achtung um 
nn num hoben Saat — erwerben 

Dewiß chut Die fee Haud der Freak 


Hi 


na 


⸗ 


— 136 ge 


auch jungen Wüftlingen-wohk,: and Viele: derſelben 
lernten Dur eine Solche; abe : far: freundliche, ‚ale: 
Überzeiaende Zur⸗tweiſung baid genug ihre Feha 
ler —e— in. —5 nölmgeng lehrte ſie 
ihre. ſeit u⸗ ften weiden und daun 
ernſtlich verachten. — muſſen Ste Geduld 
haben, und. aicht von dam ‚Augenblicke verlangen, 
was. ef mig. der. Zeit möglich werden kann. Staus 
ben ‚Sie- mir,..ein Verireren- ‚gleicht einem Kinde, 
Bas nur nach und nach erſt auf die Beine gebracht 
werden muß. Laſſen Ste vielmehe den Exchwans. 
kenden mit-Piebe ermuntern,„flößen-@ite ihm Muth 
: zu fi ſelbſt ein... baß ex dmsuer wahr und mehr, 
wenn. auch gleich nur allwähtig, auf dem Wege: der 
Tugend und Sittlichkeit vorwaͤrts ſchreite. Offen⸗ 
zuig geſtanden; mir iſt der Süngling werther, 
den Wegn ſainer Beſſerung it Bedacht und 
. betritt, als der, welcher leichtſinnig die 
fhnelifte Imänbsrung. eine ‚Jafanslänglihe Beſſes 
tung gelobt, and: ſein Wort, kaum einen MWonas 
Küns hält... Leider ift -06 Erfahrangsſab, daß die 
fäneäiten, Vetehrungen ‚oft. audyı Die -Eützeflen -won 
er find. .+ Med, was Siemir von Ihrem 
Anton erzähle. haben, find Merissungen des Were. 
ſtandes, und aus vielen feiner Vergehungen leuch⸗ 
tet immer noch ein gutes, gafuͤhlvolles, menſchen⸗ 
freundliches Herz hervor; ſo fehr: fie auch auf. dee 
einen Seite pr fehr viel Leichtfinn verrathen, und 
einen boͤſen Schein von fih geben... Er hat Schrl⸗ 
Beh gemacht ;.dad iſt wahr: er. hoͤtte ſie nicht Mma⸗ 
chen ſollen, das iſt auch wahr, deun Sie hatten 
ghtig genug für .fein gutes Auskommen geforgt. 
Indeß wünfchte ich doch nicht, Daß Sie ihn darüber 
wit allzugroßer Härte behandeln möchten, fo wenig 
ich Ihnen auch rathen mag, au nachſichtsvoll gegen 
ibn zu verfahren: dann im erflern Zalle macht man 
Die: taugen Gsmürher nicht felten verwogen, und 
gegen 


' 
— 137 - I 


wahres amt set, petit Ag 
Hionders. aunef hekabmwürdiger und der Öffeticke  ' 
A Verachtung priis: — ſehen qim letztern 
arme en "le in ihren "berfeßteen Uns 
twehmanuen. OR Beier im anf 
das (tacho Hei ihrer Aeltern "und Wohithater 
1a0,-and fo-werden. fie von Zeit zu Zeit leictſiu⸗ 
ade und kahner. Warren Cie Ihren Sohn, 
def er vom feinem feithetiaen Weſen ablaffe; ſiel⸗ 
les ©te ihm vor, daß er ſta ſewbſt durch ſeine 
Derſchwendung Ben’ größten Schaden aufüge, und, 
daß.eE ek serrde. Mangel teiven "ihflen, werte” 
er -fon jene fein’ Atteeriches Erbrheil'Werihlie; erine 
nem Sie ihn an vie Zukauft wie "eine Hit" Aler 
Serien auftvachen und thin wi m, 
RR 
hi end flin er! et 
u ſolche Vorſtellangen nicht an Kane I * 
wecht auf die varrrugen Warnungen, tee ar u 
Satten. feiner Wetter, feiner. Gefehtoiftet, Teitiek, 
Freunde — nun dahti beruhigen Ste Gh, oriee. 
bebauemmsmärdigen Vater !: Sie haben 'alles. gehan,” 
was Sie zu feiner "Nertung thun konnten; und 
mun.faßle er: der Erfahrung, der fiherften Eehrerin,, 
«so auch der · ſtrensſten Buchfmeifterin ariheim, "und" 
er kiage Mich dann ſeibſt an. Doch wie wollen zur 
Zeit das veſte noch hoffen. Ich kenne Ihren Sohn 
gemauı, din von ihm · Aberzeugt, daß er Achtung 
and VDiet⸗ zu mie hegt⸗ ich werde an ihn ſchreiben, 
werde ihm -aber- nicht · das Geringſte von den Kies 
genWshren- laffen , die -fein Vater gegen mich 2 
— hat. Vielleiht erroͤthet er durch dieſe Schee 
ung über-fich ſelbſt, worin er nur einzig den Freund 
und ‚nicht den Anklager entdecken foli; vielleicht 
ſchattet er feine-Geftändntife in mein Her: aut; 
und wir drüden dann den Werirrten an. Anfete 
Druſt, der nun. wieder gewonnen iſt, una Fo 
us 


, Xd 138 — 


feine Nettung mit Thraͤnen der Liebe danken wird. 

Der Blick in dieſe Ausſiche, Durch die beſte Hoff⸗ 
nung geleitet, thut meinen: Harzen zu wohl, ale 
daß ich dieſen Plan nicht Heute ſchon anefuͤhren 
ſollte. Vonnte ich Ihnen doch auch bei dieſer Ge⸗ 
logenheit einen Beweis geben, wie fo gern ich 
Ihnen immer zeigen moͤchte, daß Kb aus voller 


ne an a ergebenſter Freund 
E Far Sr * N. 

22 rd or . 86.. . Zn EEE 
N." bedauert ſehr, Daß er das Vergnugen nicht - 
haben kamn;“mit feiner Freuudin Gevatter zu 

ſiehen. Ba “ 

Leider! find dieſenigen Frenden immer die uns 
Aueh ‚want. ma: fir fange zuvor eine zu 
Beftimmterhoffuäng: macht. Weinahe möchte man 
‚es, meine ſchaͤhbare Freundin, verreden, fih auf 
etwas voraus zu freuen. Wie oft fprachen wie 
von biefem Vergnügen, als uns unfer lieber Freund 
verfihert hatte, niemand anders, als wir Veibe 
en die Pathen feines Erſtgebornen werden. Er 
Wort gehalten; auch Sie halten das Ihrige; 
und nur id) Hin fo unglädlih, es nicht halten zu 
EAnnen. Sch betheure ihnen, daß ich alles dußerſt 
forgfältig aus dem Wege räumte, was mir hinder⸗ 
Hich werden konnte, an einem Vergnügen :Theil zu 
wehmen, das ih fogar fchon für Pfliche hieit. 
Rein Geſchaͤft, kein Gewinn, kein Wetter hätte 
. mich abhalten follen: aber das. plögliche Erkrankten 
seiner guten Schweſter ſeſſelt mich, daß ich zu 
Kaufe bleiben, und für ihre Pflege beſorgt ſeyn 
wmß, da ber Arze verſichert, daß die anf De 
—X nach⸗ 


Fr 


*2. 









Be: 


—851 mir Were Im Bbhhen? Wenn ach 
28 —— —— u mei⸗ 
——— ——⏑ — 
3 Fr 1 ich 

en ſe rg mieten ferruieh 
Gutes erzeigt Bat, und die für mein Beſtes vft 
7 «is —— aA en veſorgt ‚war? Diefer 

g genug fheinen,, ‚und 
ee daß Sie mid bedanern 
werden. " Affen ans Sie mein Tiebes Pathchen. 
- Einer meiner Freunde, Herr D, in N. , wird in 
meinem Matgen erſcheinen und meine Gtelle ven. 
Was: eher Bananen 









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M. PIE U SE FIRTE rd En —3 


nn Pbrerinnerung | 
€ sAuchachtang , Offenheit, Herzlichkeit 
wären’ die Hauptzuͤge in den Oriefen ſeyn, bie 
Kinder an ihre Aeitern, unb juͤngere Anverwandte 
aw ihre Altoven ſchreiben. Ob ſie gleich nicht ſchwatz⸗ 
hafe; Abermaͤßig weitlaͤuftig und lang fenn därfen, 
für onfta ſie doch auch nicht "ge: kurz ſeyn. Dee 
Brief eines Kindes an feine Aeltern muß immer 
ausfährlidy ſeyn; es müßten denn dringende Unts- 
änss eintreten, daß es ſich kuxz faſſen, nnd zufrie⸗ 
deh ſeyn muͤſſe, nur einige wenige Worte zur Des 
ruhigung der Seinigen ſchreiben zu können. In 
dieſom letztern Falle haͤtte man jedoch zu bemerken, 
daß diefen wenigen Zeilen "Bald ein weitlaͤuftigerer 
Brief nachfeigen folle. Die meiften Aeltern find 
am ihre Sinder beſorgter, went folche in einiger 
Enffernung von ihnen leben, als fie ed waren, de 
fie fie in ihrer Nähe um ſich her Hatten: wie hart 
muß es Ahnen Nicht daher fallen, wenn fie endlich 
nad vielem Sorgen, Hoffen und Karren von dies. 
ſen ihren Biblitgem einen- Brief. von wenigen Zeilen - 
befommen, worin jede Sylbe verräth, wie flüchtig. 
fie aufs au hingeworfen worden fey, wie kurz 
‚Rp der Briefſchreiber gefaßt habe, um nur von 
tt! der 


7 


— 141 


der ihm laͤſtigen Arbeit loszukommen, und wie We 
nig er dabei an die Verlegenheit gedacht habe, 
worein er die Seinigen durch diefe kurzen, oft nur 
halb verftändlihen Zeilen: ſetzen könne, | 
Ich habe ferner’ an fo manchem jungen Diens 
ſchen eine —ãR bemerkt, die ich nicht mit 
Still ſchweigen uͤbergehen will, Nicht ſelten ſchrie⸗ 
den fie an ihre Aeltern, de aus geringem Stande 
waren, Briefe in hochtrabenden Worten „_ die dies 
ſen unverländkics ſeyn, Ssdte alſo init Wifete leſen 
mußten, woraus fie keinen deutlichen Sinn faſſen 
konnten, und nur dei einfichtövolleen Manne zum 
Beweis dienten, daß hier nicht das polle warme, 
offene Herz ſpreche, fondern daß mar hur die aus 
Romanen und Komaͤdten zuſammangerafften Sup 
chen ausktrame. Das Soͤhnchen, Aetder;oft auch 
daß ‚Tpchterchen, glaubte feine Snhen,iradht-Ihdm 
gemacht zu haben und hatte ſie gerade xocht fchäncht, . 
gemacht. Unverſtaͤndige, in ihre Kinder vernarrte 
Jeltern nennen zwar ſolche Briefe ;gennägriehet, 
vn R gegeben, ruͤhrend: wenn ſie ſte auch nicht 
* ‚ und zeigen fie andern Menſchen, damit 
Meſe den lieben Sohn bewundern ſollen. Sind 
um dieſe «ben fo unverſtaͤndig, als fie ſelbſt: fo 
ſtieimen fie in diefe Bewunderung mit ein, und 
preifen und loben, wie der Wtinde. die Farbe. 
Kommen fie aber zu einem verfländigen: rechtlichen 
Manne, dem es wehe thut, diefe ‚armen: verblen⸗ 
deten Menſchen über kurz oder lang laͤcherlich wer⸗ 
den zu ſehen, der oͤffnet ihnen die Augen, und 
ſagt es ihnen gerade heraus, daß ihr Sohn ent⸗ 
weher halb verwirrt: fen; oder daß er die Geinigen 
zum Beſten haben wolle. Und fo folgt dann ims, 
mer einer einfältigen Bewunderung die Befchämung 


. auf dem Fuße nach. 


Ye verſtandlicher, je einfacher, je aufrichtiger 
und Herzficher der Ausdeu in dem riefe ins 
. nde 


vo. m. 
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Eorieeri:s 3 . Offenheit, —— 
fen: die Hauptzuge in den riefen: ſeyn, bie 
Kinder An: ihre Aeitern; unb Yüngere Anverwandte 
arigte. ältosen ſchreiben Ob ſie gleich nicht ſchwat⸗ 
hafe; Abermaͤßig weitlaͤuftig? unb lang ſehn durfen, 
for aneftanſiesdoch auch ne pe kurz ſeyn. Dee 
Derief eines Mndes an ſeine Aektern muß immer“ 
ausführt: fen” es "müßten denn dringende Unn 
fans} eintedten, daß es ſſch kurz faſſen, und zufries 
deh ſeyn imäfle , nur einig wchige Worte zur Dei; 
ruhlgung oA" Seinigen ſchreiden zu koͤnnen. In 
dieſsn letztern Falle hätte nän jedoch zu —— 


daß Biefen: wenigen Zeilen bald ein weitlaͤuftigerer 


Brief nachfetzen ſolle. Die meiſten Aeltern And: 
um ihre Ninder beſorgter, wenn folche im einiger 
Enffernung von ihnen leben, als fie es waren, de 
fie fie in ihrer Naͤhe um fich her hatten: wie hart 
muß es AMnen wicht daher fallen, wenn fie endlich 
nach vielem: Sorgen, Hoffen und Harren von die⸗ 


ſen ihren Leeblingen einen Brief von wenigen Zeilen 


bekommen, worin jede Sylbe verraͤth, wie fluͤchtig 
ſie aufs ge Hinigetvorfen worden fey, wie kurz 
efſchreiber gefaßt habe, um nur von 


7 


— 141 — 


ber ihm laͤſtigen Arbeit loszukommen, und wie We 
nig er dabei an die Verlegenheit gedacht babe, 

worein er die Seinigen durch diefe Turzen, oft nur 
halb verftändlichen Zeilen: fegen koͤnne. | 
Ich Habe ferner’ an fo manchem jungen Diens 
fhen "eine andepe Unart bemerkt, die ich nicht mit 
Stillſchweigen übergehen will. Nicht felten fchries 
ben fie an ihre Aeltern, Pe aus geringem Stande 
waren, Briefe in hochtrabenden Worten „die dies 
ſen unverhlaͤndiich ſeyn, !rdtz alſo niſr Mörtte leſen 
mußten, woraus ſie keinen deutlichen Sinn faſſen 
konnten, und nur dem einfichtövolleen Manne zum 
Beweis dienten, daß hier. nicht d98 ;polle warme, 
offene Herz ſpreche, fondern daß mar nur die auß 
Romanen und Komadien zufenmangerafften- Luͤmps 
hen anstrame. Das Sähnden ,.leiterniaft;. auch 
daß Tichterchen, atmußte.. feine Sachen racht -Ihöm 
gemacht zu haben und hatte fie-gerade xccht fchämcht, 
gemacht. Unverſtaͤndige, in ihre Kinder vernarkte 
Kaltern nennen. zwar ſolche Briefe ;gunnägriehet, 
gegeben ,,. ruͤhrend: wenn ſie ſte auch nicht 
heben, unb zeigen fie andern Menſchen, damit 
dieſe den Lieben Sohn bewundern fellen, Sind 
nun diefe eben fo unverfländig,, als fie feläft: fo 
ſtiamen fie in dieſe Gewunderung. mit ein, und 
preifen und loben, wie der Blinde. die Garde. 
Keommen fie aber zu einem verſtaͤndigen rechtlichen 
Manne , dem es wehe thut, diefe ‚armen: verblens 
Beten Menſchen über kurz oder lang laͤcherlich were 
den zu fehen, der. Öffner ihnen die Augen, und 
fagt es ihnen gerade heraus, daß ihr Sohn emts 
weber halb verwirrt: fen; oder daß er die Seinigen 
zum Beſten haben wolle. Und fo folgt dann ime 
mer einer einfältigen Bewunderung die Befchämung 

auf dem Fuße. nad. 

Je verftändlicher, je einfacher, je aufrichtiger 
und Herzficher der Ausdruck in dem Driefe eins 
nde6 


— 42 — 


Kindes an:feine Aeltern IR, deſto ſchaner· deſto 
eindralicher wird. der :Krief. ſeyn. Die Jeltern 
‚ Werden im:pinem ſolchen Briofe ſogleich den. biedern, 
redlichen Einnisr das gute Herz Ihres Kindes wie ⸗ 
Serifindem;, nd was and. Dem Bun seiprogen 
war wird toisher au das Her treſfen. 
ar ke Eintichtung ind’ de —** aller Arts 
— ———— — nähern und weiclaufti⸗ 
— m rächen" ſich aach den Werhätts 
* ſie atet einander ſtehrn. Es 
alſo auch Valle” die Regeln wieder, die 
—3 ——— Ber ‚gesehen 





“ Be —* babe. ich auf Die Stunde gehe, 
Dhnen einige Nachricht von. mir‘ ertheiten zu fäns 
.men.; Fb Kann..mir es leicht vorſtelien, daß. Sie 
6 recht fehr um mich beſorgt geweſen And: als 
— einige Stunden nach. meiner Abssife 
ein; fürchterliches „Wetter ‚erhob, das fat zwei Tage 
mu0o poeh Pächte ununterbragen fortdauerte. Doc 
wan! ich muthvoll meine Straße, und kehrte 
‚gegen Abend in. T., ein, das erſte Srädschen, mas. 
mie auf meinem Wege auftieß. Ich fand. mehr , 
rere Handwerkebur ſche auf der Herberge, die maiſt 
en roh waren. Gern haͤtte ich mir Feder, Dinte 
. geben laſſen, um Ihnen zu u n 
. Dr} ich das böfe. Wetter gluͤclich Aberſtanden habe, N 
nd daß ich‘ mich wohl befinde: aber einige von i 
diefen herrioſon - ungedtidssen Mengen werten \ 


\ 


— us — 


wir es gleich an/ fo altklug th auch thun, amd:fo 
beherzt 46 auch ſcheturn weilte, daß biete Aus ſlucht 
meine‘ eufie ſey. ¶ Die der ſuchten ed; ſich mit wir 
ainen Spas zu machotz: aber 6’ gelang thuen nicht, 
ihren Plan auszuführen; denn? ich biteb "ihnen 
nichts ſchuldig te thaen kurg, jedoch ehae 
arzuͤglich zu werden oder aud. meiner Faſſuͤng zu 
*** 8 I ai AR n3 meine 
guten Aeltern geſcheieben Haben, fo. wäre Ich. gewiß 
oon ühuen mit den empfindlichſten Spouteden ges 
‚mißbanbelt worden... Es ward, mir, ſeht "fchiper, 
„meine Sanefigrungen unierbehrten „müffen,,. Öle 
den ganzeh Tag über In meinem Bi rege ges 
weien waren. Sch legte mid auf mein Lager, 
ſchioß meine guten Aeltern "tn mein Abendgebet ein, 
dankte ihnen nochmals und fegnete fie. 


DSDie ganze Made goß 04 Heichfahe vom Him⸗ 
mel’derab, und aw Morgen hörte es noch nicht 
auf ju tegnen. Deflen ungeachtet machte ich mich 
wieder auf meine Reiſe. Der Weg war feit geſtern 
Abend viel ſchlimmer geworden; doch. marſchirte ich. 
6. D., zwel Mellen von £+*. Da erfnheih . 
Bent, daß in 2** munter den Goſellen ‚meines 
Dandwerks eine grofie Gahrung Herefche, die auch 
derens zum Auebruche gefommen ſey. Diefe Nach⸗ 
zieht vereitelte den mie von Ihnen gemachten Plan, 
HR 2** Arbeit zu ſachen. Ich ſchlug mich daher 
-Unks, und ging Über: F. nah D. Sch würde es 
gern gefehen habay,, wenn td in 8. Hatte Arbeit 
vckommen können, deil id ladngſt wünfchte, mie 
Adaige Kenntnifie von doem Dergweſen zu eriverben, 

. nd. 8. dat ſchöne Bergwerko: allein mein Wunſch 
tounte nicht Sefeiedige werden. - Ich: mußte nach 
zwei Tagen weiter fortwandern. In diefer Zeit 
tonnte ich zwar nicht alles heſehen, aber doch vi— 
beirachten, wm mis wWenigfiend einige Bereit du 


maden. So lieb mir das Geld ift, fo find mir - 
doch nuͤtzliche Eenntniſſe noch lieber; und ich trug 
. Bein Bedenken, einige Groſchen mehr aufgehen zu 
laſſen. Is D glüdte es mir, daß ich Arbeit bes 
tom. Us ib die Begend um D. fah, war ich 
‚te bejaubert, denn eine ſchönere habe ich in meis 
zem leben noch nicht gefehen. Mein Meifter iſt 
ein geſchickier, arbeitfamer Dann, und gebet feis 
nen Geſellen und Lehrburichen mir ruͤhmlichem Bei⸗ 
foiele ven. Er Halt uns fehe gut in Effen und 
Zeinten , und wer das einige redlich thut, darf 
immer ein freundliches Geſicht von ihm erwarten. 
In feinem ganzen Haufe herrſcht Reinlichkeit und 
firenge Orsnung. Wenn ich Ihm in vierzehn Tas 
gen no fo gefalle,, wie er mir gefällt: fo moͤch⸗ 
‚ten wir wohl eine Zeit lang bei einander bleiben. 
Auf künftigen Sonntag will ich in die katholiſche 
Kirche gehen, um unfern guten Landesvater zu 
- Sehen, den wir alle mit kindlicher Liebe verehren. 
Ich würde mir es nie vergeben, wenn ich unfern 
ſo redlichen, fo aufrichtig geliebten Bürften nicht 
Igefehen haͤtte In den Nachmittagsilunden will 
ich mid alsdann mit den Straßen der Refidenz 
Kefannt machen. — Weiter kann ich vor der Hand 
meinen lieben Aeltern nichts Merkwuͤrdiges meiden: 
denn ich habe mir es feft vorgenommen, nmichts 
nachzuerzaͤhlen, was ich niche mit eigenen Augen 
gefehen habe. Leben Sie wohl, meine guten Ads 
tern; und feyn Ste von mir verfihert, daß ich 
mich jederzeit fo aufführen werde , daß Ste Freude 
an mir haben follen. Tragen Sie keine Sorge 
‚um mid, denn ich verlafle mich auf den Beiſtand 
Gottes, und Ihr Ergen wird mich begleiten. Meine 
Schweſtern grüßen Sie von mir, und zu meinen 
jüngern Bruͤdern fagen Sie, daß fie folgen und 
fleißig ſeyn follen, damit fie auch bald in die 
Brembe ‚gehen können. Denn einen in 
. 7. ens 


0 — 

Menſſthengibt es kaum auf dem ganzen Erdboden, 
wis: einen Handwerksburſchen, ber“ fig auf Gott, 
anf fein Herz, auf ſeine Juße und anf feinen Fleiß 
‚sertaffen kann: *Bald ſchreibe ich Ihnen wieder, 
meit ch kein größeren Bergnugen kenne, als wenn 
BE: utich mit den Metriigen unterhalten Fark. Tägs 
Dh fühle ich es ftärker nnd Iebhafter‘, wie viel ich 
Mhnver ſchuldig bin, und wie nur Die die Urheber 
meines Städs finds täglich ermeuerg Ich den —* 
Ihtuß; Nm mein Ende‘ iu bilden _ 


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Bhf e⸗ Sohnes. an feine Aeltern dent es in 
—8 Frewpye nicht LT) feinen, Wünfhen geht. 
Sr ge Liebe Aelteen! - 
iron: TER Sie — daß ich Ihnen (ei 
Wagen Jeit nicht geſchrieben habe. Worfäglich fchwieg 
Wr; weit Die ſich gewiß große Sorgen: um mid 
geucht haben würden, Hätten Sie gewußt, wi 
uäbfellg mir es geht. 
#72: Unmoͤglich fonnte ich meinen Lie (Anger 
Sehämpfen ‚ die Weit auch in ihrem weitern Um— 
Srets gu ſehen und kennen zu lernen. Zwar befand 
ich mich bei: meinem Meifter wohl, er war mit 
wie, ich mit ihm zufrieden: aber auf einmal treibt 
au drängt mich mein Inneres, und was mir ein 
ganzes Jahr lang gefallen Hatte, wollte mir nicht 
kinger behagen: Es war mir ſehr wahrſcheinlich, 
daß ich überall Brod finden muͤſſe, und ich dachte? 
ss fen doch ſchoͤn, wenn man die Welt geſehen 
und fich etwas verfucht habe. Ich nahm Abſchied, 
ſchnuͤrte mein Bündel, un dachte dabei, daß mie | 
Ä e 


es gar nicht fehlen könne, weil ich einige Thaler ' 
Geld aefpart hatte. Aber wie bin ich für meinen 
shörichten Wahn beftraft worden! Haͤtte ich doch 
meinem Dieter gefolgt; Bätte ich wenigſtens eine 
gänftigere Jahreszeit abgewarter! Zwölf Wochen 
terre ich umber, und an keinem Orte fand ich Ars 
beit. Die Witterung war äußerft rauf, unfreund⸗ 
ich und ungeſund, un) ich wurde durch die tägs 
chen. Otrapazen endlich toͤdtlich krank. So ſchlecht 
Die Verpflegung bei:meiner Krankheit war: fo ging 
doch mein ganzes kleines Vermögen darauf, und 
ich befand mach in der größten Verlegenheit. Non 
niemanden konnte ich einige Unterflügung erwar⸗ 
ten: denn ich war an einem fremden Orte, wo ich 
und wo mich keine Stele kannte. Sch mußte alles, 
was ich nur einigermaßen an Kleidern und Waͤſche 
entbehren konnte, veräußern. Selbſt meine Uhr 
mußte ich weggeben und unter dem Preife verfaus 
fen. Wte ſchwer mir das ankam, das werden Sie 
fich , liebe Aelteen , denken Tönnen : denn Sie wifs 
fen, wie ich mir alles ‚verfagte, um das Geld nad 
und nach zufammen zu Bringen, mir eine be 
Taufen zu fönnen. Und wo ift nun meine Freude? — 
Möchte Sie, meine gütige Aeltern, dieſes mei 
Elend rühren, und möchten Sie mir Ihren gütis 
gen Beiſtand in diefer meiner traurigen Lage niche 
verfagen. Ih bitte Sie, mih mit einigen Thas 
lern Geld, aber auch mit Leinwand zu einem hals. 
ben Dutzend Hemden, und wenn es feyn könnte, 
mie eingen Paar Otruͤmpfen zu unterſtuͤtzen. Mein 
Arzt behauptet, daß ich durch reinliche Waͤſche meine 
Geneſung vorzüglich befördern würde. Alte. Hems 
den und Strümpfe mag ich nicht kaufen: weil mat . 
niche weiß, ob fie nicht irgend einer getragen 
bat, der mit einer anfledenden Krankheit behaf⸗ 


36 


— 7; Zu 


Iqh habe Hoffnung, daß ich hieſigen Ders, fo 
Bald ich völlig gefund bin, Arbeit.befommen werde, 
Gewiß will ich in Zukunft ſehr ˖vorſichtig zu Werte 
gehen, damit ich nicht wieder in die traurige Lage 
gerathen möne, worin ich mid jetzt befinde. Mit 
dem lebhafteſten Dante werde ich die Wohlthaten 
erkennen, die mir Ihre gütigen Geſinnungen zu⸗ 
fließen laſſen werden; ja ich werde taͤglich darauf 
bedacht ſeyn, Ihnen das ehrlich wieder zu erſtat⸗ 
ten, was Sie jetzt an mir thun, ſobald ſich nur 
meine Umſtaͤnde werden einigermaßen verbeſſert 
haben. Denn ich weiß ja, wie ſauer es Ihnen wird, 
das zu erſchwingen, was Sie zur nothdaͤrftigſten 
Erhaltung und zur. Erziehung meiner noch unmäns 
digen Geſchwiſter bedürfen. Ah, ich armer Mer 
laſſener, wohin folte ih meine-Zuflucht nehmen s 
wenn ich mich nicht am meine fo guten Aeltern 
wenden ‚dürfte, die für mein Beſtes von meinen 
eeften Lebendtagen bis auf die heutige Stunde fo 
emfig und fo zärtlich beſorgt waren?! Wielleihe 

ilft mie Sort, daß ich Ihnen bald angenchmere 

schrichten von mir fehreiben kann. An meinem 
Bleiße , an meiner Sparſamkeit, kurz an meinem 
beften Willen und an meiner guten Aufführung 
foß wenigſtens die Schuld nicht liegen, wenn nie 
dieſes nicht. bald gelingt. Das, Mas mie Ihre 
Gatigkeit zufließen laffen wird, uͤberſchreiben Sie 
an mich, mit der Bemerkung, daß es auf unſrer 
biefigen Herberge abgegeben werden fol, Grüßen 
Die, guter Vater, meine liebe Mutter und meine 
Gefchwifter von mir auf das herzlichſte, und bieks 
bar Sie mit älterlicher Liebe gewogen £ 


Ihrem 
Ihnen bis in den Tod mit Liebe und 
Dankbarkeit goetenen Sohne 


1 | | 59. Antı 





it. 
Seit 


nn Belef 
-_ Dein Heben Sohn 
fmadji.. Gebe Sort, daß Deine Leiden nun vors 
Kern; and Deine veriornen Kraͤfte bald gänzs 
Ud wieder" zurücttehren mögen. Es 1f allerdings 
ei wenn wan Mid etwas in der Welt verſuchen 
⁊ aber man überlege ja.genau, man mag auch 
Frl Rs an will, ehe man feinen ges 
T flug ausführt , und man frage andere 
t und erfahrne Menſchen niche nur um 
Kath, Tondern befolge dieſen auch. Haͤtteſt Du 
Deines braven Meifters gute Lehren und Warnum 
gen zu fchägen demußt, fo wäre Dir gewiß ments 
ger Setzeletd twiderfahren.. Doch ich will Dir feine 
Vorwürfe mahen: da ich das gute Zutrauen zu 
Dir Habe, Dü werdet Dich nun ‘für die Zukunft 
Müger Benehmen, und nicht mehr Deinen erften 
Einfall füriden beften anerkennen und ausführen. 
Mimm Di wohl in Acht; ſchone Deinen Körper 
os he Se — 8* 
Jan gefänder und er zu len. 
m trinte ai Fr wozu m — haſt; denn 
au jadet man ſich oft, wenn man 
1% ala gu hun glaubt, 
Br, i9 und Deine Mutter, ſchicken Die 
Thaler. Du kennſt unfer kleines Vermögen, uub 
weißt, tie ſauer wir es ung werden laſſen inäffeit, 
am als ehrlihe und rechtſchaffene Menfchen durchs 
zukommen. - unten wir Die mehr geben, fo würs 
den wir es it Breuden thun: aber wir erliegen 
beinahe unter der Laſt der gehäuften Abgaben und 
bes Immer trauriger werdenden Zeit, Deine Muts 
a Par ter 


Vumort Veh, Wätird auf den votbergebenden 


Dein Gehe hat uns Ale recht ſehr traurig 


Pu 
— 149 — 


ter gab ihren letzten erſparten Pfennig her; und 
wenn .und- ui redlicher Machbar nicht 
nod) drei Thaler geborge Hätte, ſo hätien wi ‚Die 
and das Wenige nice ſchicken konnen. 
Wurst und ich haben Thranen vergoifen, als wie 
dem Nachbar Seyfert unfere Noch Masten. . Mir 
boffen, daß aus diefen Thränen. Gegen. für Dich 
tomme. „Gen fleißig, rechtfchaffen und fromm, habe 
Gott: ſtets vor Augen und im Herzen; ſo wmied es 
Die wohl gehen. Schreib⸗ uns RN wieder, und 
denke and Dann an-und, wenn. fi Deine Um 
tande "wieder verbeſſert haben: denn es hat. die 
Wautter mie wenig gefräntt.- daß Du ſeither fü 
faumfelth fin Brieffchreiden warft. Es verging. eine 
geraume Brit, che wir erfuhren, wo Du In Yes 
Beit ſtandeſt tind ob es Die gut ober ſchlecht 5 
Sie meinte, ‚in der Moch wateſt De fie ſͤneil 
genug zu finden; aber wenn. es Dir An niätl 


Mangele, dann ileßeſt Du Altern Aelıen iR, F 


und dädteft nur an Dich. 


"Aus beiliegendem Briefe "geb einem· 
Leinwand kannt, Du — wie — 
Deine altere Schwefter Mutter: und 
Deine Geſchwiſter Iaffen ern geäßen. ‚Gott. 
zegiere, Deinen Sinn, daß Da immer km Yar 
Sen, und, Deinen, alten ‚Nelseeu Beeude: mach 
5" Bleseinen gutem Namen für den arhbten 
um in der Welt halten, Wirft’Du_ das thuRz 
jannft Du Dich darauf verlaſſen, daB. ich ale" 
gen werde zu ſeyn 








gu 150 w 


60. 


Eine Schweſter ſchreibet an Ihren Bruder in ber 
Sremtde, der lange krauk darnieder. gelegen 
Sat, und von Seld, Kleidern und Waͤſche ſich 
entbloͤſt fieht: 


Beſter Bruder! 

Sie ſehr habe ich Dich bedauert, daß Du ſo 
Be krauk geweien bill. Wenn is mir vors 
was Du ausgeftanden haft, da es fo ſchwer 
if, in der Fremde krank zu ſeyn: fo gehen mie 
die Au Augen üßer. Hätte ich um Dich feyn Tännen, 
würde Did recht forgfältig gewartet und ges 
en haben. Sewiß würde Du um einige Wo⸗ 
chen fräher ‚gefuud geworden feyn: denn eine gute 
WBareuug iſt oft mehr wert, als Die Befte Arznei. 
So fagte wenigftend vor. einiger Zeit der Herr 
Doktor zu mie, als ich unfere gute Mutter bei 
Auer ſchüeren Krankheit gewartet und gepflegt hatte, 
Du armer Bruder, wie wehe muß es jeßt Deinen 
Herzen thun, wenn Du Did fo abgeriffen, und 
von ganzer. und netter Waͤſche entbloͤſt fiehft: de 
bech von Deiner net Kindheit an gute Kleider und rein⸗ 
‚Uche, ganze Waſche Deine vorzüpliche Sorge war 
gen; Ich ſchickt Dir ein halbes Schoͤck Ellen recht 
keinwand/ wozu ich das Bart‘ ſelbſt gefpons 
a habe, und, bie ich mir habe weben laſſen. Es 
wird au einem halben Dugend Hemden hinreichend 
Ich ſelbſt würde fie Die: genaͤhet Haben, 
alein Du kannſt nicht warten, "und ich kann * 

Dir nicht fo ſchnell liefern, als Du fie brauchſt, 
weil die ganze Hauswirthſchaft auf mir liegt, und 
unſete gute Mutter von Jahre zu Jahre immer 
waͤcher wird. Zwar brauchte auch ich ein halbes 
ugend neue Heniden recht ſehr nothwendig: aber 
ih kann mies leicht vorſtellen, daß Du a 


‘ . [3 ws. 


—* 


— 1dı m 


Hemde noch Haben magft, und aus dieſem Srunbe 
fol diefe Leinwand für Did beſtimmt ſeyn.Ich 

‚ wi, von beute an einige Stunden Länger, Tpinnen 
und die Nacht zu Hhlfe nehmen, und fo werde 
ich diefen Beriuft mir bald wieder erfegen. Weide 
in Diefew neuen Hemben recht munter und ſtatk, 
und zerreiße fie gefund. Ich will gar nichts.hafür 
Haben, als daß Du mir verſprichſt, wenigſtens alle 
vier oder ſechs Wochen an-uns zu fhreiden: denn 
Bas Herz blutet mir, wenn ich fehe, wie: die Mut - 

wer fi aͤngſtiget und haͤrmt, dab Die gar nichts 
von Dir hoͤren und fehen Täße. Oft fagte fier 
„So will ich ihn auch von meinem Herzen losrei⸗ 
Ben?“ ‘aber nach einigen gen fragte fie Do 
ſchon wieder recht fehntich: „ mag wohl heute 
uunfer Karl ſtecken?“ und bdabet- Hoffen: ihr ie 
Thraͤuen ſtromweiſe aus den Augen. Ich darf Die 
gewiß weiter nichts mehr fagen, um Di aufmerk⸗ 
ſamer auf Deine Schulbigkeit zu machen. Wirſt 
Du aber wieder fo nachlaͤſſig und pflichtvergeſſen 
ſeyn, Dich zu erinnern, daß: Du XAeltern und Ges 
ſchwiſter haſt: nun dann will id auch nicht weiter 
au Di denken, nichts, gar nichts für Did) thun, 
und follteft Du nadend in der Welt betumlaufen 
muͤſſen. Zur Zeit aber Tiebe ih Di noch, und 

_ gebe Die, was: ih im Blur und Leben habe. Dar 
aus erkenne aber auch, wie ſehr Ich bin und blei⸗ 
Gen möchte | 

Be Deine 

Arhch aufrichtig liebende Schweſter 

N. 





61, Brief 


u 153 u 


-6. “ 
Brief an einen Mender In ber Fremde, der ſich 
nicht gern lange an einem Drte aufhält, von 
Ort ıu Ort herumſtreift, und non Zeit zu 
Beit feine Aeltern und Geſchwiſter um Geld 
quält. 
Lieber Bruder j 


Du wirft Dich wundern, daß Du ſtatt einer 
Antwort von unferm Water ‚einen Brief von mir 
erhaͤliſt Es thut mir leid, Die fagen zu. müflen, 
daß der Vater aͤußerſt ungehalten auf Dich iſt. Es 
wiſifaͤlt ihm recht ſehr von Dir, daß Du an keinem 
Orte Dich aufhaͤltſt, und gewoͤhnlich fchon wieder 
ans der Arbeit gehſt; ehe. Dir noch recht zu arbeis 
ten angefangen haſt. Er ‚behauptet, die Urſache 
bavon Itege nicht etwa an Deiner Unge'chicklichkeit, 
fondern es mangele Dit: einzig am guten Willen, 
und das Herumſchlendern fey Dir lieber als das 
Arbeiten. „Mir kommt es vor, fagte er geſtern, 
als wenn Anton in dem Wahne ſtehe, der Water 
möffe ihm das Geld zu feinen Thorheiten ſchikt 
ten. Daß er fih aber darin geirre hat, das foll 
er von nun an fehen. -Keimen Groſchen ſoll er 
mehr von mir bekommen, inags Ihm gehen wie es 
wil,.Ht6. er nicht wentgftens Ein Jahr in einer 
Wertftelle geblieben ift, und ich Beweile: von feis 
nem Meifter habe, daß. ex fich rechtlich und fleißig 
berrane.” Die Mutter that alles, um den Vater 

aut eine gütigere Meinung zu (enin: aber er blieb 
dabei und fie mußte fchweigen, wenn fie ihn nicht 
. noch unmilliger machen wollte. Mein lieber Bru⸗ 
der, th bite. Dich, beruhige unfern Water bald 
möglihft, und vermetde das unnäthige, zweckloſe 
Wandern. Bekaͤmpfe Dih felbft; und Du wirft 
ſehen wenn Du nur erſt zwei, drei Monate in 
einer 


| 


einer und: bderſelbeu Werkſtelle gearbeitet haſt, daß 
Dein Bleiben Die endlich Versuägen machen wied. 
Ueberlege nur, daß Du bei Deinem mnaufhoͤrlichen 
Hinz pub Hertreiben der Arbeit entwoͤhnt wirſt, 
and fe hänger Du: dieſes treidſt, doſto ſaurer wird 
Die daun das Arbeiten anfommenz'ja: endlich wirſt 
Dun alle Fertinkeit verlieren, und es wird Dir fee 
mäffen,, als ſingſt Du von vorn wieder zu lexnen 
an. Das behauptet wenigſtens der Mater, und ich 


- glaube, Du ſelbſt. wirft es zugeben woöͤſſen, baß er 


dellkommen Recht‘ bat... Dieſen Brief habe ich DAR 
ohne Vorwiſſen unſerer Aeltern 4 ſJöoaar unſeren 
Schweſtern geſchrieben. Nimm: diefes: als ‚Feng 
zeichen meiner Lebe an, und: zurne nicht uͤbee 
meine Ofſenherzigkeit. Neues Bank: Ih. Dir nicht 
melden, denn es il bei mer: michtBi.voraefallen, 
Das Die wichtig fein könnte: Schluͤßlich wieder— 
Hole ih meine Bitte nochmals, daß Du an dent 
Water ſchreibſt, und ihn zu beruhtnen fuchft;. nue 
Hhalte dann. aber auch Wort. Du- weißt, er tft ankı 
2 gut: aber fo gut er iſt, fo ſreuage kann er auch 
Rebe‘ wohl, und liebe mich ferner, ſo ka 
Ds berruch 
en Dein | . | 
menge Neergchener Gruben 


63. or . | LE 


at eineb Sobne⸗ an feine Aeltern über ui 


: Wahl feinge.Ehnftigen Goktin. .. 1. 
” ‚Yunigß gelleüte Alien! de 


— ‚gehletei.feither zu Ihren PIE: 
fen , mich: nun auch an ber Seite einer Gattin 
w⸗ meinem: Deren Audit ya fen: Sit. mus 


ven 


m u. —E 


sen she gäch,. genng:,: bie Wahl derſelben lung 
und allein meinen Einſichten und meiner Neigung zu 
Überlaffen; aber: mein van fagt mir, daß ih bei 
biefer Angetegenheit , der wichtigſten meines. Lebens, 
auch fremden: Raths: bedarf‘, "und: daß man fi im 
dieſem Falle: nicht immer Hug .geuug iſt. An we 
konnte ich "mich aber beſſer, als uw: Sie wenden, 
De Ste es mit mie fo aut, und unter allen Mens 
(Sen am beſten meinen? ı 
Zwei fehr vortheilhafte etcheuhelten zeigen 
«es mie jetze mein Gluͤck machin:äu koͤnnen: aber 
thelcher ſoll ich deu: Vorzug geben, da ſie mir Beide 
gefallen? » Es Aebt: hier eine Witwe, die die Mut⸗ 
ser einer eimigen Tochter iſt, uud wie man ſagt, 
ein ziemlich⸗es Vermoͤgen befitzt. sie iſt die Toch⸗ 
ser zwar nicht; aber gut, ſeelengut⸗ wirthſchaftlich 
und von dem unbeſchoitenſten: Aufe. Ich darf mir 
ſchmeicheln, daß. ich ihr nicht ganz gleichgültig Bin. 
Sd vorſichtig fie iſt, wenn ich wmit ihr in Geſell⸗ 
ſchaft mehrerer jungen Leute bias fo fuͤhle ich es 
doch, daß fie mich mit Vorzug —— amd ihre 
Beinen faſt: unpemerkbaren Anfmetlfamteiten ſtellen 
mir ihren unſchuldigen, liebenswuͤrdigen Charakter 
in ein ſehr angenehmes Lt, So oſft ich fie und 
8 Mutter ae fo finde ich fie immer nuͤtzlich 
ſchaͤftiget. Koſtbaron Dup liebt fie nicht, auch 
macht ſie ar jede Mode zuerft mit; fle leidet 
ſich allezeit ſehr einfach, und ericheint zu Haufe 
nicht minder reinlih und nett, als wenn fie in 
— Sefelieafe. gebt. Be? Bu Ei (eb endet 
Ai 6 & ſo fittfam dabei | und 
Wenn min: * * hie 


— 
—R Beenden An find Ki die. ie en, — *2 


auch i 
—õE :fepn: : Und n Neem Sen 
fie ſelbſt da, wo fie eo gar nicht mörbigbdete, : * 
ane Uupwilen: weit weni⸗ 


w⸗ Diele ihre Brendel: 
ger 


L 


ps ı55 u J 


F zu 5 halten, und viel, viel mehr aufgehen 
laſſen wär 

Aud hehe ich noch in einer zweiten Bamilte 
Zutritt, deren Zierde drei liebenswuͤrdige Töchter ſind. 
Meine Freunde verſichern, daß die Aeltern derſeiben 
mie keineswegs entgegen ſeyn wuͤrden, wollte ich 
mir eine von ihnen zur Gattin erwaͤhlen; und 
meine Aseunde wollen ſogar wiſſen, daß mir Kor 
hen, die Ältere diefer drei Schweſtern, herzlich gut 
fey; und Kordchen,-ich geſtehe es aufrichttg, iſt auf 
deu erfien Anblic ein gar ſchoͤres Mädchen. Des 
allgemeinen Sage nach iſt fie faſt noch Einmal W 
zeich, als Julchen. Weine Freunde reden mir zu, 
Kordchen und nicht Juichen zu wählen, und ihre 
Gründe fheinen nicht nun gut gemeint, fonders 
auch ganz wohl durchdachte zu ſeyn. Korbdchen iß 
Aberdieß noch weit fehöner von Geſicht und Geſtalt, 
als Julchen: -aber fie ift nicht. fo fietfam „ nicht fo 
Herzlich gut, nicht fo wirthſchaftlich. Ich bin ver⸗ 
gnuͤgt, wenn ich bei Korbchen bin; aber: fo -moßf 
iſt mie nicht bei ihr, als Hei Julchen. Dort ifh 
mein Herz ruhiger, bei diefer aber fchlägt es nicht 
felten ſehr raſch und feurig. Und. wenn: ich. ihre 
Hand nehme, und diefe. dann in der meinigen rubet; 
fo habe ich eine Freude darüber , ats hätte ich das 
große Loos in der Lotterie gewonnen. Wie es fcheint, 
lebt Korbchen lieber außer ihrem, als in ihrem 
Daufe, und hängt den Hffentlichen Vergnuͤgungen 
nicht wenig nad. Sie putzt ſich außerordentlich 
gern, und fobald ſich nur eine neue Mode blicken 
laͤße, fo ift fie eine der erfien, bie fie nachmacht. 

fagt zwar , daß fie das alles wohlfetler haben 
Eine, als viele. Andere, ‚weit fie fih ihren Bü 
ſelbſt vwerfertige: aber es geht doch viel ‚Zeit -dabek 
auf. Auf ben Zeitverluft legt fie wenig Werth 
mir —— ‚iſt die Zeit das edelſte Kleined; de 
menfäligen kibens. a meine ich wie. 


BR | i56 ER 


für ein. Buͤrgermaͤdchen nicht wohl ſchicke, wenn 
es fih nur immer mit Putz befchäftiget:- denn vers 
laugt der Übttge Theil der Hauswirthſchaft nicht: 
- au feine Aufmetkſamkeit? Kordchen tft in allen 
andern Dingen fehr genau, und: man würde uns 
zecht thun ,- wenn: man von ihr fagen wollte, fie 
werfe etwas weg; gegentheils ift fie faſt gar zu genau. 
In ber. Woche, wo fie Die Küche zu Befotgen hat, 
geht alles knapper, als bei ihren Schweſtern; auch 
find die Opeiſen nicht fo ſchmackhaft gekocht, und 
Fe: gibt weniger Fleiſch dem Geſinde. Der Water 
iſt ſchonmanchmal darüder derdruͤßlich geworden, 
uud hat ihr den Vorwurf gemacht, daß ſie lieber 
deas: Geid an Pus und ſchoͤne Kleider verſchwende, 
als daß ſie der Wirthſchaft ihr Recht widerfahren 
laſſe. Dann redet fie ſich aber gemeiniglich damit 
aus, daß man niemandem in den Magen, aber wohl 
auf den Kragen ſehe. So allgemein dieſes Spruͤch⸗ 
vort iſt, ‚fo wahr os auch bisweilen ſeyn mag, fo 
gefallt mir doch Kordchens Weiſe nicht. Es würde 
mich kraͤnken, wenn es meine Frau bei den Geſel⸗ 
Ist und Burfchen: fehlen laſſen, und dieſe mit ges 
. Angerer Kofl abſpeiſen wWollte, als fie verdienen und 
fordern koͤnnen: doppelt aber wühde es mich kraͤn⸗ 
ken,, wenn: ihr eine neue ſchoͤne Haube oder ein 
neumodiſches Kleidungsſtuck beſſer gefallen koͤnnte, 
als die zufriedene Miene derer, die uns das Brot 
erwerben, und unſten Wohlſtand mit befördern hel⸗ 
fen muͤſſen. Dieſe Bemerkungen verhehle ih auch 
meinen Freunden nicht: aber fie wiſſen Kordchen fo 
gut zu vertheidigen, daß mir es. bisweilen vorkommt, 
als chue Ich ihr unrecht, » ®te veden mir zu, und 
befänpten, daß fich das bald anders machen werde, 
daß - ein. Maͤdchen ſich ſehr Teiche umandert, 
ent +6 Die Frau eines Mannes geworben fey, dei: 
es: aus Grund des Hetzens licht, und ihm feine“ 
ra ale Nebnabhqheen geyeben Yabe.: "De 


Das auch wahr ſeyn mag? ob auch ich fo gluͤcktich 
ſeyn würde? — ' I0 
Und nun, meine Aeltern, bitte ih Sie um 
Ihren guten Rath. Ihre Entiheidung, Ihren Aus⸗ 
foruch will ich am vorzuͤglichſten ehren, und zu mals 
ner figerften Leitung nehmen. Wie it die Wahl 
fo ſchwer: wenn man nicht mit’ Leichtfinn und aufs 
Gerathewohl einen Schritt wagen will, wobei man 
fo leicht ſtatt des gehofften Gluͤcks fo aͤußerſt um 
gluͤcklich werden, auf Lebenszeit feine Ruhe verlte 
ten kann! O daß ih fo weit von meinen Aeltern 
getrennt leben muß, daß ich nicht in Ihre Arme 
etten kann, daß mich Ihre weiſen Erfahrungen niche 
möndlich belehren koͤnnen; und daB ich fo einſam 
“und allein daftehen muß! Zwar nicht ohne Freunder 
aber was find. die beiten Freunde gegen unfere Ael⸗ 
teen? Was iſt der weitläuftigfte Brief gegen die 
Lürzefte mündliche Unterredung? So fehnlih ich 
Ahte Antwort erwarte, fo Übereilen Sie ſich doch 
sicht, denn Ihr Ausfpruch Toll Über das Gluͤck Ih⸗ 
res Sohnes für fein ganzes kuͤnftiges Leben ents 
Heiden. Sie waren von den erften Stunden mei⸗ 
nes Lebens an meine gütigen Erhalter, meine Wohl⸗ 
thäter , ſtehen fie auch bei diefer wichtigen Angeles 
genhett wit Ihrem aͤlterlichen Herzen bei. - 


Ihrem 
Sie zärtlihft und dankbar verehren⸗ 
ben Sohne N. 


6353 
Antwort des Vaters an den Sohn. 
Mein guter, mein lieber Sohn! . 
Du haſt uns Dein Herz offenbaret, und wir 
freuen uns innigſt über Dein Zutrauen. Allerdings 
iſt Der Sehritt ſehe wichtig, den Du. un wiähz 


un 


— iss — 


unb Du Ha Recht, wenn Du glaubſt, daß von 
hm das Wohl oder das Wehe Deiner ganzen künfs 
tigen. Lebenszeit abhange. Nimm meinen Gegen 
dafür, saß Du Dein Herz ‚vor jenem Leichtfinn 
bewahrteſt, der leider unter unferer jeßigen jungen 
Wels: bei der Wahl. ihrer Sattinen fo herrfchend 
geworden iſt. Man meint, man könne ſich eben 
fo ſchnell wieder trennen, als man. zufammengeloms 
men fep, und eine Eheſcheidung gehöre nicht mehr 
unter die Seltenheiten. Bei ſolchen Srundfägen 
werden Ehefcheiduugen freilich nicht, aber gute 
Ehen deſto mehr Seltenheiten feyn. Wie wird 
6 dann um die danernde Ruhe ber Gatten, wie um 
das. Gluͤck und die beſſere Erziehung der Kinder ſtehen ? 
Wo wird man noch Familienfreuden finden? 


Wohl Dir, mein Soßn, dag Du nicht auf die 
eifte- Deiner Empfindungen Deine Wahl und Des . 
nen Entſchluß gründen; wohl Dir, daß Du nicht 
allein auf die Stimme Deines Herzens und Deiner - 
Leidenſchaft Hören, fondern auch den Verſtand dabei 
zu Rathe ziehen will. Du bitteſt um die Ent 

ung Deiner Aeltern bei diefer wichtigen Anges 
egenheit; und ich fühle, daß das, was Du bars 
über Außerteft, Ernft und reined Gemuͤth, und 
nicht leere Worte waren. _ Ich bin überzeugt, Dis 
würdeft Deine Aeltern nicht uͤbergangen, würdeft 
Km. guten Rath gefragt haben, wenn auch die 

füße Dich dazu nicht. aufforderten. 


| In der Schilderung, die Du uns von Julchen 
machſt, liegt Dein Herz, Dein ganzes Herz, und 
Dein Verfiand leitet fie: fprichft Du aber von Kords 
hen, fo ſcheint mir, dag mehr Dein Verſtand, von 
Mebenabſichten aufgefordert, als Dein Herz dabek 
Bas Wert führe. Ich und Deine Mutter haben 
Julchen lieber gewonnen, als Kordchen, wir Iduge 
m es wiqht, und es kann 1 Fo daß wir ae 
Unrecht 


s 


m 159 — 


Unrecht hans aber verſchiedene Züge In Ihrem Cha⸗ 
zafter wollen uns ſchlechterdings nicht gefallen, 
Kordchen wird zwar einſt ein recht angelchenes, 
aber gewiß kein ruhiges, ſeine Freuden ſich ſelbſt 
verdankendes Haus machen. Während Julchen in 
ſtiller Zufriedenheit mit der großen Beruhigung, 
ihren ſchönen Beruf erfüllt zu haben, ihr Gluͤck 
tn ihrem Haufe an der Seite ihres Mannes und 


‚Kinder , wenn ihe Gott welche gibt, genießen | 


wird: wird fi Kordchen nur durch ein Heräuiche 
volles Leben befriedigt fühlen, worin Vergnuͤgen 
mit Vergnügen abwechfeln, und wobei nicht nup 
viel Seid , fondern auch wohl gar Sefundheit und - 
Nuhe verfihwendet werden kann, und wo man 
Bann, endlich geſaͤttiget, einen Ekel an der gans 
zen Welt, an fich ſelbſt empfindet, und fih und | 
andern laͤſtig wird; oder we Man, Wenn man 
nun ſein Vermögen gefhmolzen ſieht, in Schul⸗ 
den verſinkt, und oft ih zu Hulfemittein erniedri⸗ 
get; wovon die natürliche Folge eitie allgemeine Vers 
achtung feyn muß. Du darf nur um Dich Her 
blicken: und Du wirft auch in unferm Stande eine ' 
Menge Ramilien finden, die Dich von diefer traus 
Eigen: Wahrheit Überzeugen können. Wie mancher 
5Aßr feinen unvernänftigen Hochmuth, eine Zeit lang 
mit feiner galanten Fran Aufſehen und ein gläns 
zendes Hans gemacht zu baden, mit dem Bettel⸗ 
Rabe und wohlperdienter Verachtung! Ä 
So' viel ih aus Deinem Briefe wahrnehmen 

kann, wenn Du es auch nicht ausdruͤcklich aͤußerſt: 
fo liegt Die’ der Beſitz einer guten, häuslichen, 
wirchfchaftlichen und verfkändigen Frau mehr am 
Kerzen, als der Belis eines geſchmackvollen, veis 
hen Weibes. Die Zukunft. wied Dich belehren; 
daB Du diefen Grundſatz nicht zu bedauern babe 
wirſt. O die Wonne, bie. man empfinde: wenn 
man mit. feines Haͤnde Arbeit die. Seinigen ernähs 
sen 


zen; kann, bie:.und;: je ſaurer wir e6:un6 um fie 
werden laffen, nur deſto lieber werden! O diefe Wonne 
empfindet der nicht, der nme. in ben Geldſack greift, 
feine Leidenſchaften zu befriedigen, und. weiter nichts 
als dieles thut, und feine Sorge und feine Aufs 
apferung keunt. Der Reichthum eines Mannes ıfk 
nicht ſonaerlich viel werth, wein er ihn ein;ig ſei⸗ 
ner. Frau verdankt. Deine. Sefianungen find. auch 
die meinigen, wie Du ſiehſt; und. ich- freue nich 
jest noch ‚ daß ich fein veiches Mäpıhen zur Frau 
nahm. Ich und Deine Mutter Haben ‚herzhaft ger 
arbeitet, und Gott hat uns: geſegnet. 

Du wunſcheſt bei Deiner. Wahl meinen aufs 
gichtinen Nach zu hören? Man ˖ denn! Frage zus 
arſt Dich ſelbſt; dann nur erſt höre die Meinungen 
Deiner Freunde ,.präfe fie, vergieihe — und als⸗ 
dann entfiheide, Doch vertraue Dich nicht bald dien 
fen, bald jenem;: am:allerwenigfien aber ſuche weder 
Juichens noch Amnchens Dienfiboten :auf Deine 
©eite zu bringen, . Meift find dergleichen Leute ſehv 
turzfichtig , ſehr patthetiſch. Ziehe Überhaupt gar 
feine Ertundigungen: bei Leuten ein, von deren Ders 
zensguͤte und’. unbeſtechlicher Verſchwiegenheit Dis 
nicht uͤberzeugt biſt: Du koͤnnteſt ſonſt leicht miß⸗ 
gedeutet, und wie bald koͤnnte daher ein Herz vers 
foren werden, deſſen Du, und das Deiner- würdig 
war. Meint Du es gut mie Die: ſo wähle in 
diefer Angelegenheit Fein Frauenztmmer zu Deiner 
Bertrauten , ſelbſt wenn 6 Dir Veranlaſſung dazu 
geben , und ſogar Dir behilflich ſeyn welte, daß 
Dun Deine Abfichten ſchneller erreichen koͤnnteſt. 
Lafie Dich weder von dem Maͤdchen, dem Du Deine 
Sefinnungen von fetn-zu verſtehen gahß, no: von 
ihren Aeltern übesellen.: Die, weiche in Dich. Bineina 
: Wähle von den beiden Mädchen, welches Du 
wolle; dis Erwaͤhlte ſoll unfee liebe Tochter Im 
.. oo. t 


x 


* 
— 1641 ai. 


Fallt Deine Wahl auf Suchen, fo ſoll Biefe unfern 
Gegen doppelt haben: Wehr fagen und beſtimmter 
entfcheiden kännen wir nicht, das wirft Du ſeibſt 
einiehen : da wir beide Maͤdchen nicht genau tens 
ven, und uns einzig auf Deine Schilderung vers . 
laſſen muͤſſen. Grip dann würden wie nicht mehhr 
thun können, wenn wir auch in Deiner Nähe wären, 
Das eines guten verfländigen Sohnes muß 
in einer ſolchen Angelegenheit feine eigenen Rechte 
behalten. Aeltern, die wit Tyrannen ſeyn, oder 
. Ihre Abſichten nicht zur Sache ihres Sohnes machen 
wollen , können hoͤchſtens einen Wink geben; aber 
entfcheiden därfen ſie nicht. | Ä 
Nimm aus biefen Aenßerungen ab, wie innig 
wir Dich lieben, und wie nur Deine Zufriedenheit, 
Dein Sluͤck unfer hoͤchſter Wunfch iſt. Lebe wohl, - 
und. erfreue uns bald. mit angenehmen Nachrichten. 
Deine Dutter gruͤßt Di Herzlich, wuͤnſcht Die 
taufend Gutes, und von mir wirft Du überzeugt 
ſeyn können, wie fehr ich mit ganzer Seele bin 


Dan 
Di liebender Vater 
N. 


VN. benachrichtiget feine eltern, daß er Julchen 
gewählt, und ſich mit ihe verlobt Habe 

WMit eben fo viel Dank als Vergnägen babe ich, 
meine guten Aeltern, Ihren Rath. befolst. Jule. 
. den bar: mach einer firengen Prüfung die Oberhand 
‚ 1 meinem Kerzen behalten. So oft ich ihre gus 
ten Eigenſchaften mit Kordchens Eigenſchaften vers 
gich, ſo behauptete fie jedesmal unbedingt den Vor⸗ 


Der. Angenblick, als ih ihr mein Herz oft 4 
—2 C —* im Sveiſeyn ihrer — 


/ 


— 162 — 


wird mie immer heilig und unverqeßlich ſeyn. Tief 
säbhrten mich, als ich ausgeiprochen Hatte, ihrer 
Mutter Worte; und ed war nicht anders, ale 
wenn meine teiblihe Mutter zu mir vedete. Sch 
ließ ihr dans ben - Brief meiner guten eltern 
Isfen, — und Zulden, ab! liebe Acltern, ich 
kann es Ihnen mit Worten richt befchreiben , wie 
ſchoͤn Juichen bei dieſem Auftritte war; fo unfchufs 
dig! fo verſchaͤmt! ſo Herzlich! Die, ich und thre 
Mutter hatten: unſre Hände in einander gefchlofien, 
and unſte Augen ſtanden voll Thränen. „Nun 
wid ih ruhig flerben, fagte Die Mutter: denn 
meine Tochter wird giücktich feyn. Nur einen rechts 
ſchaffenen, chriſtlichen und fleißigen, nicht einen. 
angefehenen, reichen Mann wänfchte ich ihr, und 
Diefen meinen einzigen und hoͤchſten Wunfch bat 
Gott erbört. Bleibe fromm, Julchen, liebe dei⸗ 
sen Mann redlich, erleihtere ihm feine Sorgen: 
uud es wird ihm und die wohlgehen. Ein vers 
gnügtes , zufriedenes Herz iſt des Menſchen hoͤch⸗ 
ſter Reihehum. nn 

Ich bar diefe würdige Mutter, den Tag uns 
ſerer Verlobung zu beflimmen : bat, daß fie dieſen 
nicht zu lange hinaus verfchieben folltes fie ant⸗ 
wortete mir aber, daß. fie wünfche, wir möchten 
uns nicht Übereilen, ynd gab mir den Rath, mein 
heutiges Geſtaͤndniß noch einmal zu prüfen, und 
‚gegen keinen Menfchen au nur eine Sylbe davon 
‚zu erwähnen. Diefe mie fo unerwartete Aeußerung 
verſetzte mich wirklich in feine geringe Berlegenheit: 
denn ich wußte. mir Peine Urſache diefer ihrer plögs 
lichen Umänderung anzugeben: „Es iſt damit gar 
nicht ſchlimm gemeinet,“ fagte- fie, „aber man 
kann ſich bei dieſer wichtigen Angelegenheit nicht 
genau genug prüfen. Das erſte Gefuͤhl der Leidens 
ſhaft darf ſchlechterdings nicht der Maßſtab ſeyn, 

wong wir nicht etwa fuͤr den aczenwartizen Bngeos 


SHE, fondern für die Zukunfe unſer Gluck dauer 
haft gründen: wollen. Fuͤrchten Sie nichts von 
mir; diefe meine Bemerkung muß Ihnen vicimehr 
verrathen, daß ich Sie bach ſchaͤtze.““ Ich ſchwur 


der guten und bedenklichen Mutter, daß ich wich 


aufs genaueſte und ſtrengſte geprüft habe, daß id 
ulchen anfrichtig liebe, und daß in ihr alle meine 


Anſche befriediget wären. Durch die Aufrichtig⸗ 


keit und die Herzlichkeit meiner Worte geruͤhrt und 
Aberzengt, legte fie Julchens Hand in die meinige. 
„So ſey es denn tu Gottes Namen, ſprach fie, 
. amd. fo verlobe ich euch Beide nah euern Wuͤnſcheu 


in diefer Stunde ſchon.“ Sie ging hierauf im 


Die Nebenſtube, und kam fogleich wieder zuruͤck. 
Wie 308 ihren guten Ring von ihrer Hand, und 
ſteckte ihn an Julchens Finger, und an den meis 
nigen ſteckte fie ebenfalls einen Ring von nicht ges 


zingem Werthe. ,,Diefe Ringe, fagte fe zu Jul⸗ 


dien , Haren einft die Verlobungsringe deiner Aci⸗ 
teen. Ich ſchenke fie euch Beiden. Die Erinne 
sung, daß folche einft eure Acltern trugen, gebe 
ihnen in euren Augen einigen Werth. Sie waren 
niucklich durch die Lebereinftimmung ihrer Herzen, 
Hebren ſich und blieben fih einander treu bis % 
den Tod. Moͤchtet auch ihr fo feyn und bleiben, “ 
Dir waren diefen Abend fo ſelig, fo vergnägt ums 


ee uns, mein Herz war mir ſo ieicht, und um 


ausfprechlich meine Wonne. Am dritten Tage bat 


meine gute Schwiegermutter die verteauteften ihrer 
Bicunde zu fih, und erfläste unſte Verbinduns 


* 


un öffentlich. 


Unfern Hochzeittag follen Sie, meine gelieb⸗ 
sen Aeltern, ſeſiſetzen. Von ben. Empfindungen 


meiner lieben Braut und Ihrer guten Mutter wer 


den inliegende Briefe Sie uͤberzeugen. Was Sie 
hier leſen, iſt die angehenchau⸗ Genug nn 


. / j 

— 164 — 
| Wie autet Menſchen, die fle liebgewonnen haben 
nun bitten wir, ich und meine Braut, Sie, 
yerehrte Achern, um Shren Gegen, denn ohne 
bieſen würde auch meinem größten Gluͤcke feine 
Vollkommenheit fehlen. ie kennen mein Herz, 
das feine ſchoͤnſte Freude in der Dankbarkeit finder. 
Wie unansfpeehlih wohl wird mir Bet der Vor⸗ 
ſtellung, daß ich Ihnen nun bald perfänlich meine 
Braut zuführen werde. Bon Ihrer Beſtimmung, 
wenn dieſes gefchehen fol, haͤngt einzig nun bie 


u Bollendung meines Gluͤcks ab. Erfreuen ©te bald 


Ihren | 
| dankbaren Sohn 
N. 


65. 


Ein junger Dann fchreibt am die Großaͤltern 


ſeiner Braut. 


Verehrungswuͤrdige Großaͤltern! 
Verzeihen Ste, wenn ich mic ſchon jetzt dies 
fer Weberfchrife bediene. Sollte ich mic aber nicht 
dazu berechtigt fühlen: da ich fo gluͤcklich war, 
auch Ihre Zuffimmung zu meiner Verbindung mit 
Ihrer liebenswärdigen Enkelin zu. erhalten? Ems 
pfangen Sie nicht nur meinen wärmften Dank für 


Ihr gütiges Zutrauen, wodurd ich mich fo gläde 


lich fühle: fondern nehmen Sie auch von mir die 
MWerfiherung an, daß ich mich eifrigft beſtroben 
werde, mir die Fortdauer Ihrer gütigen Geſinnun⸗ 
gen zu erwerben. Ich werde als ein dankbarer 
Sohn, der die Ehre zu fhägen weiß, mit einer 


fo würdigen Familie fo nahe verbunden zu ſeyn, 


jede Belegenheit ergreifen, Ihnen Beweiſe zu ges 
ben, wie angenehm mis jede Erfüllung. meine 


* 


8 165 u 


kindlichen Pflichten iſt, und wie ich mich mit aufa 
richtiger —— — am gluͤcklichſten fühle, wenn 


ich mich nennen: da 
SH 
. ie mit Eindlicher Ehrfurcht verehrenden 
N, 


66. 


Ein Bruder meldet feiner Sawefter, daß er ſich 


verlobt habe. 


Gute Schweſter! 
Mit wem ſollte ich zuerſt die ſchönſt · Beeute 
meines Lebens theilen, als mit Dir, und wen 
koͤnnte meine Nachricht wichtiger und angenehmer 


feyn., als meiner geliebten Schweſter? Du wirft. 


es rei einiger Zeit meinen Briefen abgemerkt Has 

den, daß ich. Hier ein Mädchen im Stillen liebe, 
und wie glüflih der Mann von mir im voraus 
geſchaͤtzt wurde, dem einft biefes gute Mädchen 
ihre Hand und Ihe Herz ſchenken werde. Und 
nun denke Die meine Wonne! Dieſes Loos iſt 
mie gefallen, dirfer gluͤckliche Mann bin ich gewor⸗ 
den. Geſtern habe ich mit meiner lieben Auguſte 
‚ feierliche Verlobung gehabt, und ſchon in zwei os 
naten fol, nach ihrer Aeltern Willen, unfere Hochs 


jeit feun. Lebten meine gute Aeltern noch, ach, 
wie würde dies mein läd und meine Freude vers - 


. boppeln: denn es war, wie Du weißt, ihr fehns 
lichſter Wunſch, mich nod bei ihrer Lebenszeit vers 
heirathet und ganz gluͤcklich zu fehen. Aber bie 
Borſehung hatte es anders befchloflen; diefe Freude 
ſollten fie nicht erleben. Ich Habe es meiner Aus 


gufte verfprechen mäffen , fie Deinem fchwefterlihen 
Herzen beſtens zu empfehlen; und ich darf 


> 


- 666 — 


baß fie Deiner Gegenliebe gewiß würdig iſt. Ich 
will Dir keine Beſchreibung von ihr machen, denn 
Du wuͤrdeſt doch ſagen, daß ein Braͤutigam feine 
Braut mit ganz andern Augen anſehe, als die 
Adrigen Menſchen; auch will ich mich deshalb nicht 
nie Dir fireitn. Doc wollte ih wetten, daß 
ihr, Habe ihr euch einander nur erfi ein Paar 
©tunden lang gefehen und gefprochen , feeiengute 
Sreunde ſeyn werdet. Zuͤrne nicht, daB fie Dir 
nicht ſelbſt gefchrieben hat. Sie ift ein wenig fhüchs 
(een, weil fie faum mehr, als zwei Briefe in ih⸗ 
sem ganzen Leben gefchrieben bat. Werder ihe mit 
einander näher bekannt feun, fo wird fih das 
Fon 9 geben. Auch die Aeltern meinte Braut em⸗ 
ch Dir, und bitten Dich um Deine Liche 
ndſchaft. Sobald der Tag unferer Hoch— 
jet ——— ſeyn wird, fo biſt Du die erſte Ders 
die ich dazu feierüc einlade. Das ſage ich 
Die aber voraus, gaͤbſt Du mir eine abfchlägige 
Antwort: To würdet Du nicht nur mich, fondern 
Eu meine Braut und ihre Aeltern, die ſich fo 
innig darauf freuen, Dich perſoͤnlich kennen zu 
feenen , recht ſehr beleidigen. Kurz, Di wauͤrdeſt 
miir bdieſen für mich fo feſtlichen, ſo frohen Tag zu 
einem Trauertage machen. Und nicht wahr, das 
koͤnnteſt Du nicht Äber Dein Herz bringen? Au 
dann nicht, wenn Dich noch fo wichtige Verhinderun⸗ 
abhalten wollten ? Lebe wohl, Bald ſchreibe ich 

te wieder, Unverändert bin ich lebenslang 


Dein | u 
Did aufrichtig liebender Bruder 





67. Ein 


- 67. , a 
ur Sohn. fchreibt feinen Aeltern, dak es ihm 
in feiner Lehre wohlgehe, daß er losgeſprochen 
" am sum Gefellen gemacht worden ſep. 


Beſter Vater! Liebſte Mutter! 
.. Wie wahr es iſt, daß der Segen ber Aeltern 
das Glaͤck der Kinder baue, das werde auch ich 
an mir gewahr. O wie ſchlaͤgt mir das Herz vor 
SBieude, daß ich Ihnen eine ſehr angenehme Nachs 
richt von mir ertbeilen kann, und wie fehr fühle 
ich dabei, daß ich: es einzig nen zu verbanfen 
Babe, wenn mir es fo wohl gehet. 

j Gie wiſſen, daß ich ſechs Gehriahte ſtehen ſollte, 
weil es Ihnen unmoͤglich war, Lehrgeld geben zu 
Bönnen. Fünf Jahre Habe ich gluͤcklich Überflans 
Den; und ich bin mir. bewußt, daß Ste während 
Biefer fünf Sabre immer. nur beruhigende Nachrich⸗ 
ten und Aeußerungen der Zufriedenheit von meinen 
Sraven Lehrherrn erfahren Haben werden. Ich hatte 
mie durch Fleiß und Sparſamkeit einige Thaler 
Geld gefammelt, um Ihnen den Aufwand doch 
einigermaßen zu erleichtern, weichen mein Losfpres 
en erfordern würde. Denken Sie fih nun mein 
Erſtaunen, als mich mein Lehrherr vor drei Tas 
gen, es war am vergangenen Sonntage, nachdem 
wir gegefien hatten, zu fih rufen ließ und fols 
gendes zu-mir fagte: „Carl, du folltefk eigentlich, 
wie du weißt, ſechs Lehrjahre.bei mir aushalten. 
Da du dich aber fo gut aufgeführt Haft, da bu fo 
fleißig gewefen bift, und bir dadurch die Geſchicklich⸗ 
keit erworben haft, wie man fie von einem Gefels 
fen verlangen kann: fo will ich dich morgen, ba 
wir Quartal haben, fosfprehen und zum Gefellen 
machen lafien. Die Koften trage ih. Mir war 
dabei un ae, als wäre ich aus den a 

am. 


un 168 u - 


fallen... 34 wußte mich in mein Gluͤck beinahe 
nicht zu finden, denn es kam mir zu uͤberraſchend. 
Meine gute Beau Meiſterin ſchenkte mir ſchoͤnes 
Tuch zu einem licherrode und zwei neue Hemden, 
‚und der Meifter verehrte mir einen Stock, den. er 
feibft getragen hat. Es ift ein fchönes fpanifches 
NRohr mis einem fllbernen Knopfe. Mein Meifter 
t fih jedoch ausbedungen, daß ich noch zwei 
bre bei ihm arbeiten fol; dann ſoll ich in die 
Fremde gehen; und der Meifter hat mir verfpros 
Ken, Sorge zit tragen, daß mir dann meine Wans 
derſchaft nicht nur nuͤtzlicher ſeyn, fondern auch 
leichter werden ſolle. Ich hatte bei dem hieſigen 
Kaufmanne, Herrn Schröter , eine kleine Repara⸗ 
tur in Kaufe zu beforgen; und erzählte ibm, 
als er fih mit mir in ein Geſpraͤch einließ, was 
‚für einen gucen Meiſter und wie viel ih ihm zu 
verdanken habe. Da fagte Herr Schröter zu mir: 
„’ Run wenn er fortfäher,,. fo brav zu ſeyn, als 
feicher, fo will auch ich für ihn forgen. Kommt 
er aus der Bremde zuräd, fo will ich ihm ein Kas 
pital vorſchießen, daß er Meiſter werden kann.“ 
Here Schröter ft ein Mann, der fein Verſprechen 
puͤnktlich halt. Mein Meiſter haͤlt ihn für feinen 
beſten Kunden. Ich darf alfo niche fürchten, Herren 
Schröters Berforehungen werden leere Worte ſeyn. 
Der liebe Bott erhalte mir diefen Menſchenfteund. 
Er ift noch jung, und die wenigen Jahre bis das 
Bin werden gewiß auch vergehen, da mir die weit 
faurern Lehrjahre fo fehnell vergangen find, daß 
ich niche weiß‘, wo fie Hingefommen find. ’ 


‚Aber würde ich wohl fo glücklich feyn, wenn 
ih nicht von meinen lieben Aeltern eine fo gute 
Erziehung genoffen hätte? Ihnen nebft Gottes 
Segen verdanke ich dies. Gewiß werde ich .alles 
hun, mas in meinen geringen Kraſien Sohn, * 

nen 


-- 
[4 


| 168, wi 
Ihnen für ir älterliche Sorge doch einigermaßen 


Frende zu machen: da ic Ihnen dad gewiß nie, 
Sa ganz vergelten fann, was ie an mir gerhan 


Leben Si⸗ wohl, und Bleiben Sie dem mit - 
Ihrer Lebe ferner gewogen, der es ſich zur arößs 
ten Pflihe machen wird, unaufhoͤrlich für Sie zu 
beten und ſich zu zeigen als 


Ihren 
dankbaren Sehn 


68. 
Ein Sohn ſchreibt feinem Vater, daß es ihm in 
7 feiner Lehre ſchlecht sehe. 


Beſter Vater! Z— 

Sie werden auf mich zuͤrnen, daß ih Ahnen - 

feit einiger Zeit nicht gefchtieben habe. Gewiß glaube 
ten Ste fehon , ich fey krank, und Ste werden fi 
meinetwegen Sorge gemacht haben. Krank bin ich 
nicht geweien; aber viel ſchlimmer iſt es mir era 
gangen, als wenn ich noch fo krank geivefen wäre, 
SR man krank, fo befindet man ſich nur eine 
kurze Zeit nicht wohl; man wird wieber gefund, 
und alle Leiden find: vergeffen: aber in meiner Lage 
Hört das Uebeldefinden gar nicht auf. Mein Lehrs 
herr ift ein gar zu firenger Mann; bei.dem kleitn⸗ 
ſten Verſehen macht er einen. ganz erfhrediichen 
Lärm. Ich mag mich zufammennehmen, wie ich 
will: fo gelingt mir es doch nicht, ihn zu befriedis 
gen. Aber ich weiß recht gut, wer eigentlich daran 
Schuld iſt. Der Lehrburfche, der mit mir zugleich 
die Jahre ſtehet, ift ein Fuchsſchwaͤnzer; er bringe 
dem Lchrheren manche Unmwahrheit vor, um mid 
verhaßt und fich deſto beliebter zu machen. 5* 
— ter, 


m 370070 — 


Vater, Ste waren ja ebebem mit mir zufrieden, 
und hatten ferne Klage Über mich; trauen ie 
meinen Worten, wenn ich Ihnen verfidere, daß 
ih mich niche verichlimmert habe. Glauben Sie 
nur, es kraͤnket ſehr tief, wenn man alles thut, 
- was man kann, und wenn man body nichts recht 
und nichts ju Danke machen kann. Andere Leute 
feben es ein, daß mir meiftentheils Unrecht ges 
ſchieht, und wundern ſich, daß ich mir alles fo rus 
Big gefallen laſſe. Ich bitte Sie Daher, licher Bas 
Tor, Treiben Sie doc einige Zeilen an meinen 
Lehrheren, und bitten Sie ihn, daß er mich beffer 
behandle: denn wahrhaftig! wenn diefes Leben fo 
fortdauern follte, fo koͤnnte ichs nicht aushalten. 
Laſſen Sie fih nur einiges ‚erzählen. _ Die Lehr 
Burfche bei andern Herren rauchen, wenn fie für 
ſich allein find, und befonders wenn fie ſpazteren 
‚gehen, ein Pfeifchen Tabak. Das wollte ich ihnen denn 
ann. auch nachmachen, weil mich meine Kameraden 
‚zum Velten datten, wenn ich mis ihuen ging, und 
nicht mie ihnen rauchen konnte Mein Lebrhere 
Hatte es vermuthlich duch meinen Mebenlehrburs 
schen erfahren ; ich mußte die Pfeife und den Tas 
bat an ihn abgeben, und er verbot mir aufs ſchaͤrfſte, 
ſo lange. ich bei ihm in der Lehre ſtehe, den Tas 
Bel. Noch Eins! Ich Hatte mir einige Thaler 
gefpart, und kaufte mir ein Paar feidene Strümpfe. 
Stellen Sie fihs vor! Nun habe ih die ſchoͤnen 
OStruͤmpfe, und barf fie nicht tragen. 


Aus diefem Allen werden Sie fchließen Eins 
nen, wie fülavifch ich behandelt werde. Ihnen 
Liegt mein Wohl recht fehr am Kerzen, das bin 
ich von Ihnen Überzeugts; und ich darf alfo auch 
son Ahnen Hoffen, daß Sie gewiß alles thun 
werden „: mie einige Linderung zu verfchaffen. Ems 
pfehlen Sie mich meiner guten Mutter und meis 

nem 


— 171 — 
7 weawiſter, und gruͤßen Sie alle recht herz⸗ 


von 
u Ihrem — ——— 
gehorſamen Sohne und zaͤrtlichen Bruder 


69. 

Antwort bed Vaters auf ſeines Sohnes Brief, 
Mein Sohn! | u 
Du führer in Deinem Briefe zu bittere Klas 
sen, ale daß ich mich nicht ſogleich bei Deinem 
Lebrheren Hätte genauer erkundigen follen. Aber 
ich muß Dir nun fagen, daß die Schuld Deiner 
Unzufriedenheit nicht an ihm, fondern- an Dir fels 
ber Liegt. Wer Deinen Lehrheren kennt, giebt ihm 
das Zeugniß,, daß er zwar ein ſtrenger, aber das 


Bei ein gerechter und menfchenfeeundlicher Mann 


fen; und es tft allgemein defannt, daß er es vers 
ſteht, gute: Leute zu ziehen. Verſchiedene feiner 
Ausgelernten find bereits fchon Herren geworben, 


ſtehen in gutem Rufe, zeichnen ſich duch ihre ° 


Geſchicklichkeit aus, und befinden fich fehr wohl. 
Du thuſt dem jungen Menfchen, dee mit Dir zus 
gleich in der Lehre fiehet, gewiß Unrecht, wenn Du 
glaubſt, daß er Dich bei Deinem Lehrheren vers 
Heinere. Ein fo ernfier Wann, ale er, nimmt 
feine Klärfchereien an. Wozu hätte er das auch 
nöthig: da er eigene fcharfe Augen bat, und folche 
junge Menfchen, wie Did), mit einem Blicke Übers 
ehe. Es war mir fehr mißfällig von Dir, daß 
Du Did mit Deinen gewiß größtentheild unges 
zechten Klagen an fremde Menfchen gewendet haſt, 
an Menfchen,, die es in dem Augenblicke böfe mit 
Die meinten, als Du glaubtefl, fie gäben Dir den 


beſten Rath. Wollteſt Du diefen folgen... fo wine ä 





— 72° m 


deſt Da Die am meiſten ſchaden. Du wuͤrdeſt 
nicht nur das Zutrauen Deines Lehrherrn verſcher⸗ 
zen, ſondern auch mich dadurch ſehr kraͤnken und 
mein Herz erkalten laſſen. Daß Dir Dein Lehr⸗ 
herr den Tabak verbietet, dafuͤr danke ich ihm; und 
ich warne Dich, daß Du nicht etwa im Verborg⸗ 
nen Deine verbotene Luſt befriedigeſt, denn Du 
wuͤrdeſt auf immer mein Zutrauen verlieren. Du 
haſt es in dem Alterlichen Kaufe oft genug gehört, 
daß viele junge Menſchen, wenn fie fidh das Tas 
bakrauchen zu frühzeitig angewähnen, ihrer Ges, 
ſundheit fihaden, und oft erft im -fpäteften Al⸗ 
ter den Nachtheil erfahren, den fie ſich durch dieſe 
een unnüge Gewohnheit zugezogen haben. 

feine feldene Struͤmpfe tragen ˖darfſt, 
He ih nicht weniger. Ein Lehrburſche darf fich 
das nie erlauben , ‚was nur dem Diener und dem 
Deren zukommt. Eine der Haupturfahen von dem 
glänzenden Elende, das jetzt fo herrſchend gewor⸗ 
den iſt, bleibt immer die, daß man durchgaͤngig 
mehr ſcheinen will, als man iſt, und daß man 
mehr auf den äußern Putz, als auf die Ausbildung 


bes Geiſtes und des Herzens haͤlt. Troͤſte Dich 


damit, daß dieſe Gträmpfe nicht verderben koͤnnen, 
wenn ſie gehoͤrig aufbewahrt ſind, und daß Du ſie 
noch als Diener tragen kannſt, was recht gut ans 


gehen wird, wenn Du Dir einfarbige feidene Strüms 


pfe gekauft haft. Haft Du Die aber Strümpfe 
nach der neueften Mode gewählt, fo bedaure Dein 
Geld, weil fie bald genug aus der Diode kommen 
n. 
Du wöänfchteft, daß ich an Deinen Lehrherrn 
ſchreiben moͤchte. Das habe ich gethan. Er hat 
mir geantwortet. Sich bin Ihm großen Dank ſchul⸗ 


mg, und ich kann nicht umhin, Dich feiner ſchaͤr⸗ 


Aufſicht zu empfehlen. Statt die Schuld auf 
zu waͤtzen, wenn Dein Lehrhetr mit * 
nicht 


m 1753: m 


nicht zufrieden iſt, Mage Dich ſelbſt an. Vermehre 
Deinen Blelß, verdoppele Deine Aufmerkfantelt 

zeige dei allen, was Du unternimmfl, den —* 
Willen: und. Du wirft bald fehen, daß ſich das 


Detragen Deines Lehrherrn verdudern; und ep 


Die feine Zufriedenheit zu erkennen geben wird. 
Aber nur dann, wenn er mic Dir ganz zufrieden 
feyn wird, nur dann werde auch ich es mie Die 


ſeyn können. Geicher Hat Die bie Mutter, of 
‚sone wein Willen, etwas Gelb: gefhidt. Das " 


hört von nun an auf: weil ich fehe, Du weiße, 
und wenn Du Dich naech fparfamer duͤnkteſt, mit 
dem Beide nicht gut umzugehen; denn Du wuͤrdeſt 
Die fonft weder Tabak noch Pfeife, noch feidene 


©Stehmpfe getauft haben, da Du. wiſſen konnteſt, 


wenn Da ed nur wollteft, daß Dir keins von 

ben Dein Lehrherr erlauben werde. — 
Deine Unzufriedenheit mit Deinem Sthidfale 

ruͤhrt einzig davon her, daB Du von Deinen Were 

dieuſten eine zu große Einbildung haſt. Bleibt 

Du in dieſem Wahne, fo wirft Du über kurz oder 

lang den Nachtheil davon empfinden; und je dlten 


Du wirt, deſto faurer wird es Die werden, Dich 


überwinden zu koͤnnen. Gehorfamfi Du aber Dets 
zem Lehrherrn und Deinem Vater: fo wirft Dis 
uns gewiß unfere anfcheinende Härte einft danken, 
fo wenig fie Dir auch jetzt gefallen mag. Ich und 
Deine Mutter wünfchen, daß wir nächftens von Die 


. augenehmere Briefe befommen mögen; wenigftens 


verfchone uns mit Deinen Klagen. Denn wie werben 


nicht darauf achten, weil wir und überzeugt. haben, 
daß ſie ungerecht find. Deine Mutter und Deine Se⸗ 


ſchwiſter grüßen Di. Vergiß meine guten Lehren 
wicht, uud glaube, daß Ich, wenn Diedas auch wicht 
ſo ſcheinen wollte, nie aufhören werde zu feyn 


um Dein wahres Oefle Geforgter Water Ni 


I Ca * 


m 174 m 


70. 5 
Ein Sohn entſchuldiget ſich bei feinen Yeltern, 
, baß er ihnen feit einiger Zeit nicht gefchries 
ben babe, und melder ihnen, daß es ihm 


wobl gebe. 
. Verehrungswürbigfte Aeltern! u 
Weder Pflichtvergefienheit noch irgend eine ders 
gleichen Urſache waren daran Schuld, daß Sie ſeit 
zwei Monaten feinen Brief von. mir bekommen 
Baben.- Es gab feither bei und fo viel zu thun, 
Daß nicht einmal der Tag zulangen wollte; kaum 
Kin ich Die Woche zwei Mal ins Bett gekommen. 
Und sun mende ich die erften Stunden, die ich 
mir habe abmuͤßigen dürfen, dazu an, Ihnen einige 
Machricht von mir zu geben, da id fürdite, ein 
langeres Stillſchweigen koͤnnte Ihnen vielleicht einige 
Sorge um mich mahen. Sch befinde mich, Gott | 
fey Dank! recht wohl, und fehe nun ein, daß 
man von der Arbeit nicht flirbt. Etwas kann diefe 
‚wohl unfere Kräfte ſchwaͤchen; aber Indem die Ars 
beit unfere Kräfte ſchwaͤcht, fo flärkt fie folhe auf. . 
wieder. Sonſt konnte ich fieben bis acht Stunden 
afen, und ich hatte noch nicht ausgefchlafen. 
De ſchlafe ih hoͤchſtens fünf Stunden; und wenn 
4 erwache, fo fühle ih mich munterer und ge . 
‚ale wenn ich fonft fieben Stunden ſchlief. 


u. Mn einer einzigen Meßwoche lerne ‚ich weit mehr, . 


weit ich abwechfelndere und wichtigere Gegenſtaͤnde 
umter die Hände bekomme, als außer den Meſſen 
in ganzen Monaten und KWierteljahren; und das 
macht Luſt. Wer viel zu arbeiten dat, muß une : 
freoh dabei feyn, und es wird ihm nicht Kalb ſo 
fauer.. Wer mürrifh und unzufrieden bei dee Ari 
Beie iſt, wird fih und andern, die mit ihm arbeis ' 
. om follen, zur Laſt; und was das Schlimmſte bar | 


em 175 em 
bei iſt, Die Arbeit geber baun volienbt um wäle 


meun wir irgend etwas aßgehen ter 1 vonık ame 
Bunfch Haben follte. Ich beuuse die Beimenbuk, 
and bitte Ste, wir eine halbe Ele ren dem Dee 


daß Die Aermel derſelben ſebe ciche Karıiı“ wers 
den. Und das it aub der Zıl mr neun ae 
tue. Bon den mir won mens Dirieı widerks 
ten Trinkgeldern babe u mw sine Hndtide Urin 


naec? 


- . durch mein. Bor 


— ı76 um g 
matit und ein Wörterbuch gekauft. Sch will zufes 
Gen, 0b ich niche auch ohne Sprachmeiſter etwas 
fran zoͤſiſch lernen Tann: da es meine Armuch. nicht 
erlaubt ,. mir einen eigenen Lehrer zu halten, wozu 
wert mehr Seid noͤthig iſt⸗ ale ih babe. Es iſt 
Boch gar.zu hübſch, wenn ein junger Menſch etwas 
franzoͤſiſch kann. Der Lehrburfche unfers Nachbars, 
der Sohn reicher Aeltern, ein fehr guter Menſch 
und mein Freund, hat mir verfprochen, mir Sonns 
tags einige Anmwelfung zu geben, und will mie das 
Ä men erleichtern. Es ift viel von 
ihm) daß er Wis chun will. Ein anderer würde 
lieber fpazteren®gehen, und fih wenig um mich bes 
ammern.,.. id möchte franzöfifch lernen oder nicht, 
- der würde denfen, ich möchte es lernen, wo ich 
wollte. Ich werde gewiß alles thun, daß diefer 
junge Mann mein Freund bleibe, und daß ich ihm 
feine Muͤhe nicht zu ſchwer made. Bon der We⸗ 
gigleit, was mie von meinem erıparten Seide noch 
" Brig geblieben tft, Habe ich meiner guten Mutter 
nnd meinem Geichwiſter eine Feine Meſſe einges 
kauft. Bitten Ste fie, daß fie damit vorlıch nehs 
men. Ein Schelm gibt mehr, als er bat. Ders 
heſſern fih meine Umſtaͤnde, fo wid ich gern 
weh thun. | 
Kun leben Ste wohl, recht fehr wohl! Das 
iR mein Höchfter Wunſch, um defien Erfüllung ich 
GSott täglich bitte. Gruͤßen Ste meine liche Muts 
ser und meine Gefchwifter, und fagen Sie Allen, 
Bag. ich fie unausfprechlich liche, und daß ich ſtets 
mit Eindlicher Ehrfurcht und geſchwiſterlicher Liebe 
ſeyn und, bleiben werde en 


gehorſamer Sohn und teuer. Bruder 





. ’ . ” 


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> 2 — 


71. 
Antwort des vaters J 


Bei guter: Herzeneſohn! 


. Wie viel Freude haſt Du uns allen mit 

vu Drift gemachte! Wie danken wir Gott, 
Dein Herz; fo unſchuldig und rein erhalten 
8 Laſſe Dich nicht —— bleibe immer 63 
und es. wird Die wohlgehen. Du haft gang Recht: 
wenn Dau glaubſt, daß Arbeit * Kräfte des Koͤr⸗ 
gers vermehrte, und daB man, wenn man gleich 
glaubt, man verliere vor Muͤdigkeit ſeine Kräfte, 
doch unvermerkt. dabei ſtaͤrker und gefünder. Werde 
Werde wicht mißmuthig, wenn Du Die 6 auch 
noch ſo Auer werden laſſen mußt. . Glaube mie, 
daß diejenigen Menſchen, die es ſich am fauerfien 
werden laſſen müflen, am vergnuͤgteſten ind: Du 
rt nur Deinen Water und Deine Mutter beoßk 
achtet haben, und Du wirft diefe Erfahrung ‚auch 
an ihnen beſtaͤtigt finden, Denke Di zu uns zur 
she! Waren wir bei unſerem Pleinen Wermägen 
und. bei unſerer ſchweren Arbeit: nicht gefünder, 
ſtarker aAud vergnägter, als unfer. Nachbar , Dee 
von feinem Seide lebt, gar nicht zu arbeiten brauche, 
fi. der Kutſche fahren kann, umd Die herrlichſten 
Doeiſen und die Löfklichtten Setraͤnke aeuieht? De 
wärdeB Dir felbft am weheſten hun: wenn Di 
Di durch Deine Kameraden verleiten laſſen wolls 
* Ahriaſſiger in der Erfälung Deiner ſchuldi⸗ 
gen Pflichten zu werden; weil jene etwa beſſer bes 
Ishnt wurden, ald Du, ob fie ſchon nicht fo ſchwer 


: au arbeiten ‚hatten , und fich weit weniger anfizens 


gen mußten, als Du, Der Gedanke und die in⸗ 

Bere Beruhigung, das Seine redlich gethan zu has 
‚iR: sn weit arößerer. nd: ſchͤnerer Lohn ais 

Sn und Außerliche Ehre, Oi Bleibe nunmal; 
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watt? und ein Wörterbuch gekauft. Sch will zufes 
Yen, ob ich nice and ohne Sprachmeiſter etwas 
‚feanıöflich lernen kann: da es meine Armuth nicht 
erlaubt ,. mir einen eigenen Lehrer zu halten, wozu 
wrıt mehr Geid nöchig iflz‘ als ich Habe. Es iſt 
bdoch gar.zu Häbfch, wenn ein junger Menſch etwas 
ranzoͤſiſch kann. Der Lehrburſche unfers Machbars, 
der Bohn reicher Aeltern, ein fehr guter Menſch 
und mein:Sreund, hat mir verfprochen, mie Sonns 
tags einige Anweiſung zu geben, und will mir das 
durch mein. Vorgehmen erleichtern. Es ift viel von 
ihm) daß er thun wil. Ein anderer wuͤrde 
lieber ſoazter „ und ſich wenig um mich bes 
lammern, ich möchte franzöfifch lernen oder nicht, 
. gder würde denten, ich möchte es lernen, wo ich 
wollte. Ih werde gewiß alles thun, daß diefer 
junge Mann mein Freund bleibe, und daß ich ihm 
feine Muhe wicht zu ſchwer made. Bon der Wer 
nigkeit, was mir von meinem erıparten Selde noch 
Abrig geblieben ift, Habe ich meiner guten Mutter 
ı ad meinem Beichwifter eine Peine Meſſe einges 
kauft. Bitten Ste fie, daß fie damit vorlteb nehs 
men. Ein Schelm gibt mehr, als er bat. Ver—⸗ 
heſſern fih meine Umſtaͤnde, fo wid ich, gern 
mehr chun. | | 
Man, leben Ste wohl, vecht fehr wohl! Das 
i mein Höchfter Wunſch, um defien Erfüllung ich 
WGott täglich biste. Gruͤßen Sie meine liche Muss 
ser und meine Sefchwifter, und -fagen Sie Allen, 
das ich fie unausſprechlich liebe, und daß ich ſtets 
uie kindlicher Ehrfurcht und geſchwiſterlicher Liebe 
ſeyn und bleiben werde — 








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. ‚Antwort des Vaters. 


Dein guter: Herjensfohn! 
Wie viel Freude haft Du uns allen wit 
nem Vriefs gemacht! Wie danken wir Gore, 
Du Dein Herz. fo unfcbuldig und rein erbaiten 
haft! Laſſe Dich niche verführen, bleibe immer ſoz 
and es wird Die. wohlgehen. Du haft ganz Recht: 
wenn Du glaubſt, daß Arbeit die Kräfte bes Koͤr⸗ 
pers vetmehre, und dab man, Wenn man gleich 
glaubt, man verliere: vor Muͤdiakeit ſeine Krdfın, 
doch unvermerkt dabei: ſtaͤrker und: gefünder. Werd 


Werde wiht mißmuthig, wenn. Du Die es au 


noch ſo Auer werben laſſen mußt. . Glaube mie; 
daß Mejenigen Menſchen, die es fich am fauerfien 


werden laffen müffen, am vergnügteften find. Du 


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darf uur Deinen Water und Deine Mutter: beoßb 
achtet haben , und Du wirft: diefe Erfahrung auch 
an. ihnen befkätige finden, Denke Di zu uns zur 
she! Waren wir bei unſerem Pleinen Bi rmägen 
and Bei: unferer ſchweren Arbeit: nicht gefünder, 
Karker nun. vergnägter, als unſer Nachbar, der 
von feinem Geide lebt, gar nicht zu arbeiten braucht, 
der Kutſche fahren kann, und Die : herrlichfteg 
Byelfen und die Löftlichiten Metränke geuießt? Da 
würdiß Die. ſelbſt am weheſten chitn:. wenn Dis 
„durch Deine Kameraden verleiten laſſen wolls 
Achriäffiger in der Erfällung Deiner ſchuldi⸗ 
gen Pflichten zu werden ; weil jene etwa beſſer bes 
lohnt wurhben, ald: Du, ob fie ſchon nicht fo Ihe 
au arbeiten ‚hatten , und ſich weis weniger anftrens 
gen mußten, als Du. . Der Gedanke und die in⸗ 
nere Beruhigung, das Seine zedlich gerhan zu ha⸗ 
den, if;sin wait aroßerer and ihönsrer Lohn ais 
Geld und aͤußerliche Eh. Bleibe ———— 
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"man 178; je 


und wenn Du noch zwei Sabre ausgehalten haft, 
dan will ich Ion Deinen Lehrherrn bitten, daß 
er Dir erlaube, uns zu Deiner. Erholung auf acht 
Tage befuchen zu därfen.. Die befle Zeit wird 
dann Pfingften ſeyn. Gewöhnlich blühen danıt uns . 
ford Garten; und Da wirft eine große Freude über 
das Vianchen haben, das Du gepflanzet haſt, und 
das durch Die Wartung und Pflege Deiner Schwe⸗ 
ſter w vor allen une Bäumen’ auszeichnet. 
ur eine Sefchente Gaben Deiner Mutter Freus 
dentheänen ausgepreßt, und Deinem Geſchwiſter gros 
Ges Bergnügen gemacht. Du guter Sohn! Du mußt 
Dir es ſo ſauer werden laſſen, che Du Dir einige 
Groſchen erſparen kannſt; Du darbſt Dir es ſelbſt 
ab, um nur den Deinigen ein Vergnagen machen 
a. koͤnnen! Nicht nur Dein guter Wille mache 
em Herzen, fondern auch die Auswahl dieſer 
Bist: macht Deinem Verſtande Ehre. Dis 
kennſt Me Meigungen Deiner Brüder und Schwe⸗ 
Kern ſehr gut, und haſt fie doppelt uͤberraſcht, ins 
dem Du ihnen nicht nur eine Freude gemacht , fons 
dern auch ein Kleines‘ Beduͤrfniß von ihnen befrie⸗ 
- Diget: haft, wodurch Du ihnen zugleich nügtich ges 
worden biſt. Und wie uneigennägig. Du dabei ges 
t haſt! Du Haft gewiß Deinen legten Bros 
dabei aufgeopfert, und verlangft gleichwohl 
- Yon inte nichts weiter‘, als eine Salbe Elle Tuch, 
am Deinen Ueberrock ausbeflern laſſen zu koͤnnen. 
- Miefe: folgt. denn bier zugleich mit. Ich ‚glaube 
Y wohl, daß es bei Deinen Arbeiten über die Klei⸗ 
Ser ſehr Sergehen mag, und baß fie viel leiden 
- mäflen; es wendert uns baber@nicht wenig, . daß 
Du noch fo lhange Haft damir auskommen koͤnnen. 
. Do wir willen, daB Du ſchon von Kindheit auf 
fehr ordentlich warſt, und machten uns Immer die 
Sofaung —A Du einmal ein guter Wirth wers 
uͤrde 


I 


/ 
— 179 —2 | 
Gluͤcklicher Weiſe iſt mir eine Meine Schulb⸗ 


poſt bezahlet worden, die ich laͤnger als ſeit ſeche 
Jahren verloten gab. Ich wendere ſte dazu an; 


Dis Inch zu einem neuen Ueberrocke zu kaufen. 


Ich habe die Farbe gewaͤhlt, die ſonſt Deine Lieb⸗ 


lingeferbe war. Ich will Hoffen‘; daß fs es noch 


ſeyn wird. Auch ſchicke ich Dir zwei Thafer? baa⸗ 


zes Bed zum Macherlohn fuͤr den. Schneider.-. Zune 


brauchten Deine Geſchwiſter wohl auch verſchiedene 
Kieidungsfläde: aber keins wollte etwas Haben, 


‚afle ruften einmürhig ‚nein, nein, wir.: Wollen - 


nach warten! Bruder Karl muß zuerft einen neuen 
Ueberrock baden. Die Muster ſchickt Dir Zeuch 


zu Weſte und Beinkleidern; Deine: Schuuſtern 


—* Die zwei Paar weiße. baumwollene Struͤm⸗ 
fe; dis.ältere hat das Garn dazu gebonnen, und 
Die kleinere diefe Strümpfe geſtrickt 

Wchten Die diefe kleinen Sefchente: tot sieh 
Freude machen! Wenigftens find fe Dir son uns 
mit dem. größien Vergnügen. gegeben worden; und 
Du kanuſt fie als einen Beweis annehmen., wie 
Liebe Gegenliebe erzeugt. - Nimm, mein Sohn, 
unfern beften Segen. Bleibe fromm, rechtichaffen, 
gut und fleißig: fo wird es Die immer wohl ges 


.. Deine Mutter und, Deine Geſchwiſter geis 


in Di herzlich. :€6 vergehet faft Leine Grunde, 
worin wir wicht alle von Die. ſprochen, und Die 
. les Gute wünfchen. Lebe wohl, und laß uns nie. 
andere, als auge Nachrichten von Die Hören. Biete 
ans mein Ueber, guter Sohn, ie ich oo 
Dein 


trener Burn 5 
N.. 


[9 





. 2 


mein 


= 10 == 


-  j . ke au .r 
43 


\ 72. u 
Ein Beirbunfäe meldet - feinem Bater den — 


Beier Bart. 

3Beklagen Oie uieln "teauriges Ealeſal 5 Mein 
Lehrherr, den ich fo Innigfk verehrte, fo aufrichtig 
liebte, dem ich fo viel zu verdanken habe, und der 
au mie wie ein zweiter Water handelte, iſt am 
vorgefirigen Abend geftorben. Schon glaubten wir 
ihn von feinem heftigen Nervenſieber, woran er 
fett ſechs Wochen hart und feſt darniederlag, wies 
der hergeſtellt; und die Aerzte machten uns bie ges 
wre: Hoffnung, : daß nun nichts mehr zu fürchs 
sen fer:'als ihn wit einem Male und hoͤchſt uner⸗ 
wartet ein tödtlicder Schlag traf, und Ihn in wenig 
Stunddn unferk Armen entriß. Allem Bermuchen 
nach war eine ihm etwas unvorfichtig beigebrachte 
Nachricht, von-dem Balle einer Hamburgiſchen ans 

enen Handlung, an feinem fchnellen Tode 
Schuld :: denn er verliert durch dieſen —* 
wu ich Höre, den größten Theil feines Vermögens, 
und fein eigner Bankerott dürfte ſaſt unvermeids 
ws. fon, wie unſre Freunde verſichern wollen. 
Dan rät fogar ſeiner hinterlaffenen Gattin an, 
Behutfam und vorfichtig zu ſeyn, um no, we 
mbtglich, Ihr Eigenchum zu retten, das Aber unſtrei⸗ 
tig verloren ſeyn warde, "wenn fie fih der Bade 
unterziehen ;' und: die. Handlung fortfegen wollte. 
—— laͤßt ſich Teiche fü —* daß dieſe Hand⸗ 
eingeben, oder doch in fremde Hände kommen 
Diefe Ausfihe ſchlug mich aͤußerſt darnie⸗ 
ee D..., einer der erſten und ſolideſten 
S. uflou: hieſigen Orts, fand mich in tiefen Ge⸗ 
danken und ſehr niedergeſchlagen in unſerm Ge⸗ 
welbe Reben. Er nahm mich ſehr menſqenſrer 


I bei der Hand, und fagts zumie: „, Erheitenn Bite 
Ab, junger Daun! ich werde für Sie forgen. Sie 
haben Ad gut aufgeführt und verdienen es, daß 
‚men ih Ihrer annimmt.“ Er bar mid zu fi 
Seele. Gebr gluͤcklich wärde ich mich ſchaͤtzen: 
‚ aäbut’ er mich in feine Haudlung, meine Lehrjahre 
vollends bei ihm aus zuſtehen. Sc - würde dann 
eher gewonnen, als verloren Haben. 
Wollen Sie, lieber Water, nicht fo guͤtig ſeyn, 
amd - * mit umgehender Poſt einen Brief an 
Herrn D ſenden, worin Ste meine Wuͤnſche⸗ 
“mit den eigen unterfiögen? Die Bitten eines 
Baters würden‘ auf ihn, der ein. Menfhenfreund 
und felbft Water iſt, gewiß nicht ohne Eindrud 
Bleiben. Herr D... iſt ein [ehe beſcheidener Wann, 
und fait, wie es fcheint , große Lobeserhebungen . 
und Komplimente von Angefiht zu Angeficht ni 
gut leiden; wenigſtens Babe ich dieſes an ihm. bes 
merke, wenn er meinen verfiorhenen Prinzipal bes 
fuchte. Er zeigt zwar ein größeres Zutrauen zu 
den Merſchen, die höflich und artig ſich zu betra⸗ 
gen wiffen: aber die einfache, Herzliche Sprache If 
ihm doc, wie es fcheint, die liebfte, 
Wie gern Hätte ich Ihnen bdiefe Sorge um 
mich erſpart! Denn ich kann es mir leicht vorſtel⸗ 
(en , daß Sie diefe meine Lage, die uns Alle fo 
unerwartet und fo unvorbereitet Äberrafcht, eben⸗ 
falls in Werlegenheit fepen wird. Doc wir wols 
len nicht zu angſtlich forgens fondern lieber unfer 
Bertrauen auf Sort fegen, ohne defien Fuͤgung 
aus unfere größte Sorge eitel und vergebene ſeyn 
würde, Sollten mie auch bei Herrn D... meine 
dret bereits ansgeflandenen Eehrjahre nicht. ganz. zu 
gute gehen: fo will ich doch lieber in diefer Hand⸗ 
.. Ing drei Jahre länger lernen, als in einer andern 
eins, wo I weniger unter die Hände bekomme, 
und wꝙ 8* mie alſo auch weniger Kenntniſſe für 
weine 


pa zB? — 


meine kuͤnftige Beſtimmung wuͤrde einſammeln koͤn⸗ 
sen... Ih darf es yon Ihnen erwarten. daß Ste . 
Derſeiben Meinung‘ fepn werden. Doch bitte id) 
Sie licher Vater, dringendfl', mir Ihren Brief 
on Herrn D.... recht bald zu ſchicken, um mid 
allee Verlegenheit zu entzieheh. Leben Sie wohl, 
beſter Bater! Sch bin mit der aufrichtigſten kind⸗ 
lichen Liedbe She 


gehorjamfer Sohn 


73 
Pi newore 
Mein lieber Sohn! 

Die traurige Nachricht von Deines Lehrherrn 
Tode aitzhte mich Anfangs, wie Du Dir vorſtellen 
kannſt, in feine kleine Betruͤbniß. Wie gluͤcklich 
ſchaͤtzte ich mich, Dich in einem ſo guten Hauſe zu 

„wiſſen! Wie ſah ich der Zukunft fo ruhig entge⸗ 
gen! Dein verſtorbener Herr ſtand in großem Ans 
ſehen, hatte Verbindungen mit den angefehentten, 
wichtigſten Handelshaͤuſern; und es konnte nicht feh⸗ 
len, Du wuͤrdeſt Dein Gluͤck bei ihm gemacht bas 
ben, da er Dich liebte und fehr zufrieden mir Die 

war... Mein Sohn, nimm Dir bei diefer Selegens 

heit. die wichtige Lehre zu Herzen, daß ſich die 

Sechickſale der gluͤcklichſten Menfchen fehr leicht und 

fchnell ändern können. Diefe mir fo unerwartete 

Machticht würde mic jedoch noch mehr niederges 
fchlagen haben : Härte mich die Ausſicht nicht wieder 

berubiget, die fih Dir oͤffnet. Sch kenne zwar den 

Herrn .D..; nide,. auf ven Du Dein Vertrauen 

geſetzet haft: ich darf aber von Dir erwarten, daß 

Du bei diefer für Dich hoͤchſt bedeutenden Veraͤn⸗ 

derung mit Vorſicht zu Werke gehen wirft... ©ollte 

v.' indeß. der Plan der Gattin Deuies. ‚Febrheren 

noern, 


3 


nn. 183 u . 


intern; ſollte Re die Handlung doch noch fortfäßs 
zen wollen: fo eathe ich Dir,. bei ihe auszuhalten. 
- Denn wollte Du fie verlaffen: fo würde fie Dich 
Halb den Geſetzen dazu zwingen innen, Deine 
Schrjahre in ihrer Handlung auszuhalten, im Fall 
ide an Die etwas gelegen wäre. Und, lieber 
Sohn, Einntef Du 16 zur Undanfbarkeit vers 
leiten laſſen? Sey es auf welche Weife es ims 

ter wolle, felbft wenn Du einige nicht unwichtige 
Brände voraus hätteft: fo wärbe mich ein folcher 
Entſchluß ſehr kraͤnken. Denn nach meiner Ueber⸗ 


zeugung iſt ein undankbarer Menſch ein elender 


Menſch, wenn er: auch das größte Genie wäre, und 
die orten Kenneniffe der Welt beſaͤße. Suche daher 
nicht eher einen andern Lehrherrn, als bis es Mas 
dame ©. wuͤnſcht. Ich werde zwar nach Deinen 
Wuͤnſchen an Herrn D... ſchreiben, werde ihn aber 
aue um einen guten Rath bitten. Auf dieſe Weiſe 
Beletdige ih Madame D.. nicht, an welche Du ins 
Legenden Brief abgeben wiefk;- und Herr D.... kann 
meine Wuͤnſche errathen, wenn er fo gut gegen: 
Dich gefinnt if, wie Du Dir vorftellfi. Kühre‘ 


- Di während diefer Zeit, ald Du ohne Lehrherrn 


MER, ſehr gut auf; fen zuvorfommend gefällig gegen 
die Diener der Handlung; fen weder zu. vertraut, 
noch zu zurüchaltend gegen die Markthelfer; und - 
— Aberhaupt jetzt faſt mehr, als Du ſonſt char 

Das wied Dich in gutem Andenken erhalten; 
amd Du wirft Dir Freunde machen, die Du doch 
immer einmal wirft Brauchen können, wenn Die 
es jest auch nicht fo ſcheinen ſollte. Lebe wohl, 
und vergtß diefe gutgemeinten Lehren nicht. Deine 
" Matter und Dein Geihwifter grüßen Din. ‚ und 
id On mit treuer ee 


— * "De moßtmolender Vater | 


Brite 


— 184 — 


| a / | 
Brief eines Sohnes an feinen Bater, morin er 
ibn wegen eined begangenen Fehltruts, den 
er im einem Briefe‘ feiner Schwefler gemeldet 
Sat. am Verzeihung bittet. 


Beſter, guͤtigſter Vater! 

Wie frendig ſchiug fonft mein Herz, wenn ich 
an Die ſcheieb; und in weicher traurigen Lage bes 
inne ich mich jetzt! Ach, ich ‚vermag es nicht, 
weine Augen zu Ihnen aufzuheben! Sch fühle es, 
Uh. habe die Häcteften Vorwuͤrfe verdient; und ich 
wohede nicht über-. Ungerechtigkeit Hagen - -tönnen, 
wenn Ste mir Ihre Liebe ganz entzoͤgen. Was 
für ungläditche Folgen eine einzige lnbefonnens 
heit nach ſich ziehen kann, ach, das fühle wohl fein 
Menſch ftärker, ais ich in dieſem Augenblid. Sch 


darf die Schuld meiner VBergehungen keineswegs 


anf meine Unmiffenheis fehleben, denn ich war von 
Ihnen gewarnt worden; und fo lange ich Ihren 
Lehren treu blieb, war ich froh, heiter, guter 
- BDinge, zur Arbeit nie verbroffen, und jest bin 
ıh--- fo betruͤbt! Nichts freut mich mehr von 
Herzen, und felbft die Arbeit geht mir nicht fo gut 
son Otatten, als vor einiger Zeit. Ich bin von 
der Bahn Ihrer vArerlichen Warnung abgemwichen, 
ich babe mich durch ein Vergnügen. verleiten laffen, 
das mich tauſchte, und nun bat mein Leichtſinn mie 
Tagen voller Borge und’ mis fchlaflofen. Nächten 
dafür zu büßen. Meine. Schwefter wird Ihnen, 
gätiger Vater! die Sefchichte meiner Verirrung ers 
zaͤhlt, und Ihnen meinen Brief vorgelefen haben. 
Ich betheure Ihnen heilig, baß dieſes mein. Ges 
ſtandniß die reine Wahrheit iſt. Verzeihen Sie 
mir nur dieſes Mel; und ich verſpreche Ihnen bet 
dem sänzlicen Beiafe Ihrer Liebe, daß ich Ihnen 
in 


d 


in meltsem Beben micht wieder eine dergleichen keaͤn⸗ 
Lende Stunde machen will. Ich Have bereits ſchon 
weine Vellerung damit angefangen, daß ich mid 
Der Geſellſchaft gänzlich entzogen habe, Die mich Je 
dieſem verberblichän ‚Schritte verleitete. Nie, 
werde ich ſolcher Menſchen Lockungen wieder ande 
zen; ich werde die Werigen, die ih miı zu Freun⸗ 
den und Geſfellſchaftern erwählen werde, genauer 
prüfen. Es doten fi mie zwar mancherlei Geie⸗ 
genheiten dar, mir durch kleine Veruntreuungen, 
die. gewiß nicht Jo leicht bemerkt und entdeckt werden 


konnten, einiges Geld zn machen, um damit meine 


Schuiden zu bezahlen; einer meiner Geſellſchafter 
gab wir fogar Einfchläge, wie ih mir heifen folle: 
aber fo fehe er mir vorher gefiel, che er ſich diefe 
Aeußerungen erlaubte, fo fehr mußte ich ihn jege 
Verabſcheuen; und mein Herz empörte. ſich gegem 
Ben Bedanten, einen fchlechten Streich durch einen 
och weit fchiechteen verbefleen zu. wollen. Autrauen - 
und Liebe zu meinem Vater erhoben mich über jede 
Vurcht. Um keinen Preis wollte ih meine Ehrlich⸗ 
keit verfaufen ; lieber wollte ich die gröfiten Drangs 
te erduiden — und nie fol mein Herz dieſem Ents 
ſchluſſe unten werden. 

Gatiger Vater, ſtehen Sie mie nur dies Mat 
Bei, verlaſſen Ste mich nur dies Wal nicht! Ver⸗ 
zeihen Sie mir, und häben Sie die Guͤte, die 
Mechnung des Schneiders zu befriedigen, che er 
neh an Sie ſelbſt ſchreibt, damit Ihr Verdruß Über 





dieſe traurige Geſchichte nicht noch gar verdoppelt 


werde. Nicht eher wird mein Herz ruhig, als bis 
ich Ihre Verzeihung erhalten Habe: Und werde ih 
mich dieſer Verſicherung erfreuen, werde ich nicht 
mehr fürchten duͤrfen, Ihre Liebe ganz verloren zu 
‚Haben: o dann will Ich mir gewiß Ihr Iutrauen 
aufe nene verdienen. Dieß find keine leeren Ver⸗ 
* denn. in Disfer meines traurigen vr 


es 





— —— ‚186 u 


habe ich es fühlen kernen, welch ein —* ein 
unſchuldiges Herz iſt, ein Sen, das ſich —** 
Fahlt, feine Pflichten: tren und genau erfüllt zu 
Haben. Water! ich .wiederhole meine Bitte mit 
thranenvollen Augen, verzeihen Sie nur dies Mal 


Ihrem J 
efgebeugen, seen Sohne. 


— 


Die Schweſter benan daben ihren Bruder. 5 
(An ‚Beziehung auf. den-vorigen Brief.) 


Eeiänfaniget, und doch noch von mir geliebter 
Brüder! 


| Deine ſelbſt verſchuldete, ſo traurige Lage hat 
mir viele truͤbe Stunden gemacht. Anfangs ſetzte 
mich Dein Antrag nicht wenig in Verlegenheit: denn 
Du weißt, wie fehr Ich Dich liebe. "Du weißt aber 
auch, wie zärtlich mein Herz an unferm guten Vater 
haͤngt, und wie. ich mir Alles gern ‚gefallen , alles 
Aber mich ergehen falle, che ich ‚mich entſchließen 
Tann, ihm eine trübe Stunde oder nur den. keins 
ſten Berdruß zu: machen: Und mußte ich nicht vore 
ausızhen,; wie‘ tief. ihn. Dein Vergehen kraͤnken 
werde?" Mußte ich nicht fürchten, .er werde einen 
KThell feines Unwillens auch auf die Fürfprecherin 
werfen, die auf keinen Fall Dich ganz entfchuidigen 

fonate? - Deſſen ungeachtet Habe: id) es endlich über 
mid; geivontenz und es gelang mir wach und nach, 
alles fo. vorjübereisen , daß der Water. nicht zu hef⸗ 
tig. erſchrecken durfte, als ich mit der ganzen er 
ſchichte hervorruͤckte. Ich will mir es keineswegs 
als Verdienſt anrechnen, baß unſer guter Vater jetzt 
weniger unwillig auf Dich fi, als er geweſen ſeyn 
ie, hätte mm ein Andrer = Deine Decieranp befs 
w | ngen 


7 


Bringen ‚wollen, und wenn Du es ſelbſt gethan 
hatteſt: aber ich muß Die aufrichtig fagen, daß 
‚wie einen: folden Auftrag von Wiedef: 

men werde. . ‚Safle ‚Die das zur. Warnung dienen. 
Du glaub zwar auch, wie viele Deines Sleichen, 


daß wir —— in. ſolchen Faften fehr weiche . 


Derjen Babel: aber ber einer ahnlichen Seleaenheit 
wärdeft Du finden, daß ich hart, fehr hart ſeyn 
Tann , defonders wenn man unſern guten Water 
kraͤnken will; und Du würdeft mir es nicht werars 
‚gen innen, "wenn die Liebe zum- Water die Liebe 
zum zur über woͤge 
Der Schneidermeiſter H. bat wirtiih an den 
Water gefchrieben : ich hieit aber den Brief, den ich 
am Siegel erkannte, zurück, bis ich den Water vors 
Bereitet hatte. Ein Giuͤck war es, daß ich jetzt alte 
an den Vater geſchriebene Briefe zu übernehmen 
und. Bas Porto zu verlegen Habe; ſonſt hätte das 
nicht gefchehen können. Der Water ſchreibt fo eben 
an Di ,- und ſchickt dem Schneider das Geld, 
. "Aus dem Briefe des Vaters wirft Du fein aütiged, 
fein zärtliches Herz ertennen. Halte feine Warnuns 
gen und feine Lehren heilig, und folge nie wieder 
deraleichen Lockungen, fo reizend fie Die anfaͤnglich 
vorkommen mögen. Prüfe fie genau, damit Du. 
Dich nicht ind Elend ſtuͤrzeſt. Bruder, bit Du 
or nun an wieder bravs fo wird hiefer Dein 
Fehltritt gewiß vergeflen werden; Dir wirft auf des 
Baters Verzeihung Anſpruch machen duͤrfen, und 
feiguch auch auf die gaͤnzliche Verzeihung 
Deiner 


Dich tedlich liebenden Samte. 





. 06. Kar 


- BB — 
— 76. 
—— — "worin er. feinem verirrten 
Sohne Bereifung gewährt. 


Mein Copa. : 
Nur Dein, offenes Veſtandniß konnte bei mir 
Die Groͤße Deines. Fehltritte einigermaßen vermin⸗ 
dern. Sind Deins Werfiherungen gegründet, war 
jedes Wort Deines Wriefs ſowohl an mich, als an 
Deine Schweſter die. reine Sprache des Herzens; 
biſt Du von Dir ſelbſt heilig Überzeugt, daß Dis 
Dich bei Deiner Reue auch nicht der kleinſten Heus 
chelei ſchuldig machteſt: fo fol Dir für dies Mal 
‚verziehen ſeyn. Wie ft babe ich Dir die Lehre 
gegeben, zuvor nachzudenten, ehe Du handeln willſt. 
Waͤreſt Du von diefer Regel nicht abgewichen:. fo 
‚würde Dis gewiß fein Geld für ein fehe entbehrlis 
‚eb WBerguügen geborgt' haben; weil Dir es beifals 
len mußte, daß Du es nicht würde: wieder bezab⸗ 
len tönen, Dadurch würbeft Du gewiß fchon der 
af Verlegenheit ausgewichen fern. Und hätteft 

Du disfe vermieden , fo mürdeft Du Dich gewiß 
‚einer zweiten nichtansgefegt haben. Junger Menſch! 
‚weißt Du wohl, daß Du, ald Du das Geld für 
‚den Schneider angriffft, einen Diebflahl begingſt? 
Dies Geld war Dir nur anvertraut, und feines 
ah. Dein Eigenthum. Denke über diefen Gedan⸗ 

Een weiter nach, und Du wirft Deine Strafbarkeit 
um fo lebhafter einfehen. Wenn Du es redlich mit 
Die meineft: fo wirft Da Gore danken, daß Du 
‚ noch zu rechter Zeit von dem Abgrunde wegwicheſt, 
ws micht in das tiefſte Verderben zu flürzen. Wer. 
einmal ein Lafler liehgewinnen kann, wird gar 
leicht zu allen Äbrigen geneigt und fähig jeyn. Man 
wird nicht auf Einmal böfe, man wird es nur 
nah und sach; Anfangs verzeiht man fich en 
.7 e 


f 


—6Gy9 * 

Fehleeſtie nach und nach wird: Ma dreifter, and 
—*— bemerkt man e⸗ en ee wie tief 
man gefunten iſt. Du warft mie Deinem, ich ‘ges 


ſtehe es ſelbſt, Die Enapp zugeſchnittenen Tafhene 


gelde zufrieden und vergnfat: al® aber Deine vers: 
führerifchen Geſellſchafter den Trieb zu den Die 
ehedem unbekannten Vergnugungen und der daraus 
outſtandenen Verſchwendung einmal rege getnacht 
hatten; dann wollte es nicht mehe ansfangen,, und 
nun ließeſt Du Di zu ſtrafbarei Mittein verlets 
ten. Buoor. kannteſt Du Leine Sorge, hatteſt Die 


Beine :Wörwärfe zu machen: aber nun wird Die e@ - 


(der wirten, da Du einmal gekoſtet haft, Deine 
ft zu beſiegen. Du mußt Dich aber bekämpfen 
fernen, mein Sohn! mußt wieder zuräc in Dein 
altes Gleis, fo fauer es Dir auch ankommen mag, 
und and dieſem Sruride vermehre ich zur Zeit Dei 
Daſchengeld auch nicht um eimen einzigen Groſchen. 
Wirſt Du Die aber den Sieg abgewonnen haben, 
dann ſetze ich vielleicht etwas zu. Würde ich das 
jene chum fo müßte ich fürchten, Du ließeſt Dich 
uch meine Güte abermals, auf ſtrafdare Abwege 
verleiten; und dann würde ich nur ſchlimmer get 
macht haben, was ich Hätte gut. machen wollen! 
Alles wird von nun an auf Dich ankommen, met 
Sutrauen zu Die zu vermeßren, das Du jetzt ge 
(hät Haft, 


Deine Schuld Habe ich bereits an den Schnri⸗ 
der Bezahlt. Gehe nach dem Empfange diefes meineh 
Briefs zu ihm Hin, laffe Die eine Quittung geben, 
und ſchicke mir folche mit umgehender Poſt. No 
Habe ih Deine Ehre fhonen wollen, und ich hab 
nicht erwähnt, daß diefes Geld fchon laͤngſt an Did 
abgeſchickt gewefen war. Sollteſt Du noch anders 


| 


weitige Schulden haben, was ich nicht fürchten 
wit 2 fo sguftbe fir mie — — denn vn uk: 
| en \ “ 


Bis 


Hr sont Mn Den einen nen Orofhen, mehr ſchul⸗ 


12 ungeachtet meines 
wüteelichen Milde „ wir... verheimtichen , was und 
wie v1 Du jhuldig Diff: 10 wurdeſt Du endlich 
au den ‚Mapregelu, greifen ‚möffer, bie Dir Dein 
Bot Areundrangerathen bat. Dann, dann 
wärf Du ein verlgener ungläticher Denih! Deine 





Werführer. werden. noch allerhand. Verfuhe machen, « 


um wieder am ſich zu laden: fie mögen aber 
ac fo-gur, Zoch ſy anſchuidig feinen , jo weidhe 
men aus. Horſt Du fe.cein Mal, fo dirk Du 
öfter, und endlich ‚erreichen fie ihren Zwed.- 
dann 9 Hl kommen, —8 fie dann, wenn Du 
nen entferneft,, über Dich ſpotten, Dich 
us wadıen, Die einen Einfaltspinfel nennen 
Merten: laſſe fle aber fporten, laffe fie veden was 
je wollen... An ihrer Achtung, an ihrer Liebe, an 
wer Freundſchaft darf Dir nichts gelegen feyn: 
Senn nur der Beifall. und das Zutrauen guter Mens 
en kaun Did ehren. Es kann nicht fehlen, diefe 
n jungen Menſchen werden von einer ſchlech⸗ 
den en lange dur- andern fchreiten; anfangs wers 
den ihre fhlimmen Streiche und ſchlechten Gefins 
mungen. verborgen bleiben; endlich werden fle aber 
den Tag kommen, und man wird fie nun vers 
jten, wenn man fie aud vorher geſchaͤtzt hatte, 
de fir fich in ihrem wahren Charakter zeigten. Haft , 
Su dann noch. Umgang mit ihnen, und waͤrſt Du 
9 ſchuldioſer, warſt Du fogar weit befiee, als 
E fo würde man Dich doch ihnen gleih achten, 
jeil man, ‚befonders junge Menihen, nad ihrem 
mgange beurtheilt. Ich fchließe meinen Brief. 
Wohl oder das Wehe Deiner Lünftigen. Tage 
Ingt nun, von Dir ab; und je mehr Du auf 
eine Lehren achten und fie ausüben wieft, deſto 
—X wirft. Du ſeyn. Sey treu und redach 
in Deinem Detöfe, laß keine Gelegenheit u 
sehen, 


— 19 we 


gihen,; wo Du etwas Natlichn lernen Kann 
Waͤreſt Dis: auch der gefchichtefte Menſch, wäre 
aber nicht tugendhaft ‚dabei: ſo mürdeft Du:doch 
ein ungluͤcklicher Menſch ſeyn. Denn wer die Ach⸗ 






ung ſeiner edleren Mitmenſchen verloren hat „ fan 


nicht ſagen, dei er glüdiich ſey. Wache mir Freude! 


das Deißt eben fo viel, ald:. werde gut, nuͤtzlich, 
und bleibe redlich in: jeder Lage Deines Lebens. 


Dasa wird Dich mein Herz: ſegnen, und ich werde 
immer: ‚mehr und mehr Die nen, and Dir zeigen, 
wie e pie in . 


7 


| Ein Bender ſcheeibt feinem -eöhtich krank danleber 
llegenden Bruder, und raͤth ihm an, rin ze 


 Kamieht sn machen 


n: Recht ſehr Hin ich Aber die anverumihei Naq⸗ 
richt erſchrocken, daß Du fd. hart und feſt danieder 
liegeſt: nach mehr erſchrak ich aber, da man mie 
Aa, Du feloft zweifelteft at Deinem Wiederau 
Es ift allerdings wahr, daß der Kran 
Pe * verlieren muß, wenn der Arzt keinen 
Glauben mehr an feine Kunſt hat, und ſich verpflich⸗ 
- tet fühle, dieſes dem Krauken ſewohl, wenn er fo 
gefaßt if, wie Du, als auch feinen Freunden bes 


Banne zu. machen. - Allein, mein lieber Bruder) 


gweifle nit an der Allmacht Gottes und an det 

Stärke der menfchlichen Watur. Ich könnte Die 
„wohl zehn Veifpiele anführen, wo dee Arzt den 
- Kanten Hoffsungslos verließ, und ihn. verloren gab; 

aber ſchon am nächiten Morgen. fand er ihn mie 
aur weis, beſſer, fonders feine. ganze Miene wong 
| Nx.. 


ur 


u 93 ms 


kandigte, daß ſegar ne’ baldige Wenefung feße 
wahrſcheinlich werde. Freilich thut jeder Kranke 
wohl: wenn er ih, . befonders in Deiner Lage, 
Yorfteit, daß es bald anders mie Ihm kommen, und 
daß fein Ende näher da ſeyn könne, als man glaube, 
®o troden und kalt Dir dieſe von mir hingeſchrie⸗ 
benen Worte ſcheinen mögen: fb warm ſchlaͤgt 
mein Het} dabei „. meinen Atsen entfließen heiße 
Thranen⸗Ich glaubte Dich wech einmal zu fehen, 
mein. brüdertiches Herz an das nige zu druͤk⸗ 
fen, — aber wie werden meine Erwartungen jetzt 
fo zweifelhaft! Statt der gehofften Freude nimme 
ein, banger Schtyerz ihre Stelle ein. Doc ich will 
: davon ſchweigen, und mich an den ſchoͤnen Troſt uns 
- ferer heiliden Religion balten. Dort, dort fehen 
wie und wieder! wenn «4 in Gottes Nach befchlofs 
fen iR, a wir uns jetzt ſchon — hier trennen 
Port: Gender! wenn Da für Deine unfterbiiche 
Gesia:seforgt haſt, wie Ich es völlig von Dir Übers 
zeugt bin: fo befchwoͤre ich Did, denke auch an.die 
Deinigen, und forge dafür, daß Ruhe, Eintraͤcht 
und Wohlwolien, wenn Du auch nicht. mehr biſt, 
unter ihnen bereichen koͤnne; mache ein: Teflamens, 
* den Forderungen eines Jeden ſeine Graͤn⸗ 
gen. Dieſer Dein letzter Wille wird den Deinigen 
Baum ein unverlepliches Geſetz ſeyn muͤſſen. Ach, 
wie viele, wie ſehr viele Familien wurden vurg 
Aroöoſtreitigkeiten die unverföhntichien Feinde, die 
ds vorher ſo zärtlich Itebten! Nach meiner Ueber⸗ 
‚Yugung follte man es nicht bis auf die lete Otunde 
\ n laflen, über das, was man nad feinem 
Rode hinteriäße, beſtimmt und unumwerflich zu 
derorduen. Wäre dieſes aber nun doch von Dir ges 
ſehen: fo zaudere ja nicht, wenn Da fürchten 
mußr, Dein Leben fey in Gefahr. Wer vurch Die 
Wernachläffioung: diefer leuten Pflicht ; geſchehe fie 
an einen Ueſehe, aue weicher es well, die Gele 

















nigen 


— 193 f 


4 
nigen nad) ſeinem Tode in Streit und Unruhe vers 
feßen kann, da diefe fo Teiche zu vermeiden waren, 
der wird gewiß feinem guten Andenken fchaden: und 
andere Thränen, als die der dankbaren Liebe, wer⸗ 
den auf fein Grab fallen. Zwar herrſcht der uns 
verzeihliche Aberglaube Immer noch unter uns: daß 
der, welcher auf dem Krankenbette ein Teftanent 
mache , fhwerlich wieder aufkomme; aber bei einis 
gem vorurtheilöfreien Nachdenken wird man fehr 
bald finden, daß eine fa vorfichtige Handlung weder 
zur Annäherung, noch zur Entfernung des Todes, 
weber zur Vermehrung, noch zur Verminderung bee 
Krankheit etwas beitragen kann. Welt eher wollte 
ih glauben, daß der Sterbende ruhiger werden, 
weit wentger feine Schmerzen empfinden muß, wenn -. 
ihn der Gedanke unterſtuͤtzt: Da haft nun das 
Deinegethan; dein Tod wird feinen Anlaß zu irgend 
- einem Familtenzwifte geben, er wird das gute Eins 
verſtaͤndniß nicht flören, das zwifchen dir und ihnen, 
und auch zwiſchen und unter ihnen felbft bei dei⸗ 
wen Lebzeiten geberrfcht Bat. | 

Zuͤrne nicht, mein guter Bruder, wenn ich Die 
biefe Gedanken ans Herz führe Ich hielt viefls 
füe meine brüderliche Pflicht; denn ih erinnere. 
mich, daß Du mir auf meine Frage: ob Du eine 
teftamentarifche Verordnung gemacht Habefl, ante 
worteteſt: daß das noch anftehen koͤnne. Wie, wenn 
- Du aus der Welt gingſt, udd durch die Werfäumung 
dieſer ſchuldigen Pflicht zwiefaches Leiden über bie 
Deinigen bringen würde? Ih will Dich nice 
beunruhigen, fondern nur aufmerkfam machen. Deine’ 
Sean, Deine Kinder werden es nicht wagen , dies 
fen Wunſch, deffen Erfüllung einen fo großen Eins 
Muß auf ihre ganze Lebenszeit Haben kann, gegen 
Dich laut werden zu laflen, und Deinen Freunden 
wird es entweder nicht einfallen, oder es wird ihnen 
ganz gleichgültig ſeyn. Ich hielt es für meine Pfllicht, 

| N - daräher 


Yv 


on 


barüber nicht ſchweigen zu bürfen; und Kin von 
Deinen edein Sefinnungen zu fehr überzeugt, als 
daß ich fürchten: düsfte, Du koͤnnteſt mic) mißvers 
fiehen. Möge Gottes weiſer Rathſchluß über Dich 
entfcheiden, wie er wolle. Haft Du nun aud) biefe 
Deine legte Pflicht erfüllt: fo kannſt Du mit ruht: 
gem Gewiſſen, mit heiterm Geifte dem Grabe ents ' 
gegen blicken. Stuͤndlich bete ich zu Gott, daß er 
Deine Leiden mindern, und daß er Dir Dein Leben 
noch auf lange Zeit friften möge, das uns Allen 
fo. theuer if, Wie will ih mich freuen: wenn 
Du diefen harten Sturm überfianden haben, und 
wieder gefund ſeyn wirft, was ich fo innig wünfche 
und faſt gewiß hoffe. Recht ſehr bin ich auf bals 
dige Nachrichten von Dir begierig. Gott gebe, daß 
fie ganz gluͤcklich, und für ung Alle angenehm feyn, 
und daß fich die Thränen unfers Schmerzes in Freus 
denthränen verwandeln mögen. Dies wänfcht zum 


Wohl der Deinigen und zu feiner eigenen Freude 


‚Dein | 
redlicher Bruder. 


78. 


N. N. meldet ſeinem entfernten Bruder, daß der 


Termin des Erbvergleichs über die Verlaffens. 


* ſchaft ihres Vaters gerichtlich anberaumt wor⸗ 


den ſep. 


Unſer Stadt s Kath hat es Dir entweder ſchon 
meldet, oder es wird in dieſen Tagen noch ge⸗ 
chehen, daß der Termin des Erbvergleichs uͤber die 
Verlaſſeuſchaft unſers ſeligen Vaters auf den zwane 
ziaſten kuͤnktigen Monats anberaumt worden ſey. 
Es iſt freilich viel, wenn Du wegen des kleinen 
Erbtheils eine Reiſe von achtzehn Meilen zu uns 
mathen ſolſt: aber Deine Mutter, ich un Dein 
viges 


—— — 


« ı 


— 1 05 mn 


üßeiges Geſchwiſter bitten Dich inftändig, daß Du . 


den Entihluß fallen, und uns bet dieſer Selegens 


heit befuchen moͤchteſt. Schlägt Dein Herz uns fe 


flark entgegen, als das unfrige dem Deinigen: fe 
thur Du gewiß ein Uebriges. Ueberlege nur, daß 
wir uns feit ı2 Jahren nicht gefehen Haben, daß 
Du fogar Deine beideh jüngeren Schweltern nicht 
einmal von Perfon kennſt. Du kannſt zwar einem 
biefigen Advokaren zur Abwartung diefes Termine 
Vollmacht eriheilen: aber der befte Bevollmächtigte 
tan bei foihen Angelegenheiten niche immer im 
den Innern Sinn der gegebenen Vollmacht eindrins 
gen, und muß fih nur einzig nad) dem ihm vers 
geſchriebenen Buchſtaben richten; woraus dann oft 
große Streitigkeiten entfliehen, die fo leicht Härten 
befeitiget Werden können. Der Sang der Sache wird 
aufgehalten , es koftet viel Hin⸗ und Herſchreiben, 
ehe man aufs Reine komme, wodurch die Koften 


bedeutend vermehrt werden. Mißverſtaͤndniſſe in 


foihen Lagen laffen nicht felten eın Herz gegen das 
andere erkalten, die fich doch fonft fo heiß, fo innig 
liebten. Erlaube mir, lieber Bruder, daß ih Dich 
mie den Umftänden und Verhältnifien unferer Zas 
mitte, die Dir feit fo langer Zeit faſt fremd ges 
worden iſt, etwas genauer befannt mache: damit 
Du Deinen Auftrag Deinem Bevollmächtiaten etwas 
beſtimmter geben kannſt, im Kal Du nicht ſelbſt 
erſcheinſt. Mach meinem Eradıren bat der felige 
Vater unfere gute Mutter nicht ganz fo bedache, 
als er es den Umſtaͤnden nad Härte thun follen, 
Was er ihr zur Erziehung unfrer füngften Schwes 
ſtern, von welchen die eine drei, die andere ſechs 
Sabre alt ift. ausgelegt hat, tft wirklich zu wenig. 


⸗ 


Es wuͤrde kaum auslangen, um die guten Maͤdchen 


nur mit trocknem Brode zu naͤhren, und fie nicht 
ganz nackt gehen zu laſſen. Und aehoͤrt denn zur 


Erziehung eines Menſchen nicht noch mehr, als 
| N 2 doh 


dad man ihn nicht nackt gehen, ihn nicht. verhun⸗ 
gern laͤßt? Muß er nicht Schulunterricht genießen? 
Und bat man dent diefen umfonft? — Well ich 
das eingefehen habe‘, fo Habe ich mich entfchloffen: 
der guten Mutter von meinem Erbthelle, das wie 
das Deinige 150 Thaler beträgt, 50 Thaler zu 
Gute gehen zu laffen. Ad Gott! Mit Freuden 
entfagte ich der ganzen Erbfchaft, wenn ich nur ein 
etwäs reichlicheres Austommen .bäfte! Ich bin im⸗ 
mer kraͤnklich; die Nahrung iſt ſchlecht; die Fabris 
ken liegen ganz danieder, und ein Häufchen Kinder 
Babe ich auch. Bedarf es mehr, als dieſer Um⸗— 
fände, um mich zu rechtfertigen? Die gute Mut— 
ter firäubte fih fehr, dieſes Eleine Opfer meiner . 
kindlichen Erkenntlichkeit anzunehmen. Da tch ihe 
aber Heilig berheuerte, daß ed, ganz ohne mir im 
geringften weh: zu thun, gefchehen könne: fo nahm 
fie diefe Beine Zubuße mit Thränen der Freunde 
auf. = - Auch vermutbe Ih, daß es bei diefem 
Termine nicht ganz ohne Streitigkeiten abgehen wird: 
da die Vormuͤnder unferer zwei unmündigen Schwer 
‚fern mancherlei Anfprühe zu machen für nöthig 
und. recht Halten; und, wie ich gehört- habe, mit. 
ihrem Geſuche nicht abgewieſen werden können. Was 
wuͤrde ſchon diefer Punkt für Weitläuftigkeiten mas 
hen: wenn Dein Sahmalter fi wirtlih an die 
Bormel feiner Vollmacht Halten wollte? Und würs 
deſt Du es nah einer folhen Anficht vermeiden - 
koͤnnen, wenn Du auch Deinem Sachwalter einen 
noch fo Heflimmten Auftrag ertheilteft „ daß niche- 
enttwedes Deine Anfprüche verkürzt, oder den Sechs 
sen Deiner Mutter und Deines unmändigen Ge⸗ 
ſchwiſters zu nahe getreten würde ? Meinem Erach⸗ 
ten nach muß bier mehr das Herz, als der Ver⸗ 
fland und das Geſetz entfcheiden; und wird Deinem: 
Sachwalter, auch wenn er der vortrefflichfte Mann 
ware, nicht iR eines Sohn⸗, eines re 
edlen 


- m 207 — 
| \ 

fehlen? Wied er ſich nicht, wenn er ein gefuͤhlvol⸗ 
fee Menſch if, in mancherlei Werlegenheit-befinden ? 
Ich wi Dir. keine Vorfchriften. machen, meine 
Mutter würde das kränfen; fie Bitter dringend, 
ide das aus ganz freiwilligem Kerzen zu geben, 
was wie ihr zu Gute geben Laflen wollen. Ich 
Babe meiner kindlichen Liebe und meiner bruͤderlichen 
Pflicht Genuͤge Leiften wollen: und fo wirft Du 
nicht auf mich zürnen oder glauben können, daß 
es aus irgend einen andern Abficht gefchehen fen. 
Ich wiederhoie daher meine Bitte. Iſt Dies nur 
einigermaßen möglich x fo komme felöft, Gefuche uns; 
genieße an unfern Kerzen die Freude bes Wieden 
febens, und uͤberzenge Did ſelbſt, wie lich, wie 
unaudfprechlich lieb wie Did haben. Unſere gute 
Mauatter, Deine Brüder, Deins Heinen guten, huͤb⸗ 
ſchen Schweſtern laſſen Dich: durch mich herzlich 
grüßen. Mit großer Sehnſucht fleht einer baldigen 
Antwort auf dieſen Brief entgegen 

Dein | 

Dich aufrichtig liebender Bruder 


& 


"wort des Bruders auf vorfiehenden Brief, 
7 moris er der Erbſchaft entfagt- 
Mein lieber Bruder! 

Ich Habe tief und innig gefühlt, was Du mir. 
is Deinem Briefe gefehrieden haſt. Glaube mit, 
daß Euch Alten mein Herz eben fo zärtlich entgegen 
ſchiagt, als mir das Eurige, Alle Jahre babe ih 
mie es vorgefegt, meine Aeltern und meim Geſchwi⸗ 
Mes zu fehen und zu fprechen, und nie hat es mir 
. gelingen koͤnnen, meinen Vorfag auszuführen. Der 
Gedanke. daß ich meinen uns unvergeßlichen, Sras 

0 v 


— 198 —86 
ven Vater nicht noch ein Mal vor ſeinem Tode ſpre⸗ 
chen konnte, macht mir ſeinen Verluſt wirklich mehr 
als doppelt empfindlich. Waͤre mir es moͤglich, Eure 
Waͤnſche Überhaupt, und die Deinigen insvbeſondere 
zu befriedigen ; und Euch von meiner Liebe perſoͤn⸗ 
Vi überzeugen zu koͤnnen: was wollte ich nicht dar⸗ 
um geben! Alletn ich kann von meiner Fabrik kaum 
einen Tag wegbleiben , geichweige daß ich eine fo 
Weite Retfe unternehmen könnte, die wenigftens fechs 
Hi6 acht Tage erfordern wuͤrde. Ich bin fogar ges 
awungen, mir einen Menfchen zw halten, der die 


Helfen für mich macht, die mit meinen Geſchaͤften 


bisweilen unzertrennlich verbunden find. Ich bes 
finde mi) zwar, Sort fey Dank! in fehr guten Um⸗ 
fländen , und der Himmel bat meine Arbeiten und 
meine Unternehmungen feither reichlich gefegnet: 
aber , lieber Bruder! ich bin dabei ein fehr gebuns 

dener Menſch, und muß oft auf Freuden und Zers 
- fireuungen Verzicht thun, die der Acrmfle. genießt. 
Kaum kann id mih in einem Zeittaume von vier 
Wochen einiger Stunden erfreuen, die ich frei nens 
nen, und worin ich mir ein ungeflörtes Vergnügen 
‚machen kann. Glaube nur, daß mir der Druck der 
faft zu uͤberhaͤuften Sefchäfte fehr oft zur Laſt wird, 
und daß ich mich nicht felten an die Stelle derer 
wönfche, die zwar meine Einfünfte nicht haben, die 
aber dafür ihr Leben ruhiger genießen fönnen, als ich. 
Da mir es nun nicht möglich iſt, bet Eurem Erb: 
versfeihstermin felbft zu erfeheinen : fo wüßte ich 
einen gemwifienhaftern Bevollmächtigten für mich, 
als Dich, wein lieber Bruder. Mein Entſchluß iſt 
folgender. Ich entfage der ganzen Erbichaft für . 
meinen Theil, und trete. dieſen an meine gute Mut⸗ 
ter ab. Es iſt Pflicht, für fie alles zu thun, was 
unfere Kräfte erlauben. Die Beilage meines Brieft 
enthäte meine fehriftliche und gerichtlich beglaubigte 
." Kobfagung. In einer zweiten Beilage findet * 
ne 


ITS 


— 


a 209 u 


eine Anwelfung auf Herrn Juſtus Winkler, einen 
der angefehenften und reichften Kaufleute Eures Orts. 
Diefer wird meiner guten Ürutter alle Jahre 
60 Thaler in vier Terminen , jeden zu 15 Thalern 
vierteljährtg , als naͤchſte Oſtern, Johannis, Mir 
chaelis und Weihnachten beflimme, baar und richtig 
auszaßlen. Sch freue mich, der guten Weutter dies 
fen Heinen Beitrag zur Erziehung meiner unmäns 
digen Schweſtern anbieten zu Finnen. Wie gern 
hätte ich ebenfalls meinem guten feligen Water thäs 
tigere. Beweife meiner Eindlichen Dankbarkeit geges 
den: aber Ihr wißt es, daß ich mich nur feit einem 
Jahre erſt in der Lage befinde, etwas für die Meis 

nigen. thun zu koͤnnen. | 
Ich Hatte mir vorgenommen, meiner guten 
Mutter einen recht ausführlichen Brief zu fhreiben: 
aber immer wollte es fih wegen Mangel an Zeit 
niche thun laſſen. Verſichere ihe meine kindliche 
Hochachtung, meine innigſte Liebe, meine unauft 
hoͤrliche Dankbarkeit muͤndlich, und ſage ihr, daß 
ich ihr bald recht ausfuͤhrlich ſchreiben werde. Wenn 
Ihr mit den Erbſchaftsangelegenheiten zu Stande 
gekommen ſeyd: ſo melde mir genau, wie Ihr ſie 
abgemacht Habt. Es iſt brav von Dir, daß Du 
. alles Unangenehme aus dem Wege räumen, und 
den Fürzeften Weg bei dieſer Angelegenheit wählen 
willft, um fo wenig Koften als möglich, zu machen. 
Verhuͤte alle Streitigkeiten, und jorge, daß alles 
. friedfertig hergehe, befonders daß unfere gute Muts 
ter weder gekraͤnkt noch verkürzt werde. Sollten 
die Herren Vormuͤnder, die oft bei den unbedeuten⸗ 
den Dingen einen großen Lärm machen und bei den 
wichtigftien zu ſchweigen pflegen, weil nicht felten 
ihre anfcheinfiche Gewiſſenhaftigkeit nur Härte oder 
Unverftand, oder auch wohl gar nur Eigennug tft, 
unnöthige Koften verurfachen; follten fie Zorderuns 
gen entweder an unfere gute Mutter, oder an Eins 
von 


s ee 309 — 


ven meinem Altern Geſchwiſter machen wellen:. fo 
findet Euch gaͤtlich wit ihnen ab, und ich will Euch, 
dazu verbinde Ich mich dur mein Ehrenwort, dieſe 
Kietnigkeiten und den geringen Berluft gern erfegen, 
den Ihe dabei leiden möchtet. Nach meinen Srunds 


"fügen muͤſſen wir, wenn wir auf.den Namen guter, 


‚bantbarer Kinder Anſpruch machen wollen, auch nach 
unfers Waters Tode feinem legten Willen Gehor⸗ 
fam und zärtliche Achtung leiſten; und beides wärs 


den wir nicht zeigen, wenn wie Anlaß zu Streis . 


tigkeiten entweder felbft gaͤben, ober die gegebenen 

ren und unterhalten wollten. Sich kann mich 
anf Deine Redlichkeit verlaffen, und Du wirft 
diefe meine Bitte auf das gemwiffenhaftefte erfüllen. 
Srüße unfere gute Mutter aufs herzlichfie von mir, 
verſichere meinem Geſchwiſter meine wahre brüders 
liche Liebe, kuͤſſe meine Beinen Schwellen, und 
fage ihnen, daß wir uns gewiß bald näher kennen 
fernen wollten: denn ich dringe darauf, daß mich 
gaͤchſtens meine Mutter mit diefen Kleinen beſuche. 
Bald gebe ih Dir darüber eine beftimmtere Auss 
"Zunft. Und nun lebe wohl, mein lieber Bruder; 
empfiehl miich. Deiner guten Scan, die ich leider 
auch nicht kenne, und die, zu denen unſere Familie 
gehoͤret, ‚die. ich gern kennen zu lernen wuͤnſche, 


und gewiß nun Bald perfänlich kennen lernen werde. 
‚ Dafletbe. gilt auch von Deinen Kindern. Liebe mid, - 
‚wie Dich von jeher lebte, und Di bis in den 


lieben wird | 
, . Dein “ 
aufrichtiger und rebficher Bruder 


. 


80, Ein 


rn 


. za gr 


80. 
Ein junger Soldat meldet feinem alten Better 
die Veränderung feines Gtandquartierd.  - 


- Lieber Herr Bete! 

Ihren Wuͤnſchen zufolge melde ih Ihnen, mie 
mie es zur Zeit gehet. Die Compagnie, bei. weis 
der ih bis jegt noch ald Gemeiner land, iſt vom. 
G. nad ©. verfest worden. Diefe Veränderung 
war mir nicht angenehm+ denn vorher war ich nur 
zwei Stunden von meinen guten eltern entferne, 
jetzt aber muß ih drei tüdtige Meilen machen, 
wenn ich fie befuchen, und meinen alten rechtſchafft 
nen Vater fprechen will, der von Tage zu Tage 
ſchwaͤcher wird. Sie wiflen es, daß ich nicht vorn _ 
woͤhnt und kein fogenanntes Mutterſoͤhnchen bin: 
alſo iſt nicht das verrufene Heimweh daran Schuld; 
wenn ich geftehe, daß es mir leid thut, bei mei» 
nen Aeltern jegt weniger zu ſeyn, als fonfl. Gern 
ſtuͤnde ich meinem Vater bei, wie biefes feither bite 
weiten gefchehen konnte; jegt muß ich darauf Ver⸗ 
zicht thun, und ich muß mid, darüber beruhigen, 
fo gut ih kann. Dies tft einmal das Schickſal 
des Solda::n. Auch iſt B. kein fo ntedliches, muns 
teres, nahrhaftes Oertchen als G. Die Tompagnte,, 
welche vor uns in B. ſtand, hat ſich nicht zw 
ihrem Vortheil ausgezeichnet, faſt alle Einwohner 
waren ſehr unzufrieden -Aber ihre Betragen. Die 
unfrige, fo fagen fie wenigſtens, flehe in einem: 
beſſern Rufe. Noch Haben fie zwar nicht ein volles 
Zutrauen zu uns gezeigt, daß wir beffer wären,. 
und es iſt ihnen auch nicht zu verdenken, denn: 
das Gprichwort fagt: Ein gebranntes Kind für 
tet fih vor dem Feuer; aber ich Habe die gute Hoff⸗i 
mung, daß es gar nicht lange dauern foll, jo fols 
Ten fie eines Beſſern überzeugt feyn. In G. Has 

‘ MEN 


* 


u 20% — 


man und ungern verloren. Davon haben die Ges 
meinen fo gut, als. die Offiziere, die deutlichſten 
Beweiſe. Die Leutchen, Sei denen ich jest im 
Quartier liege, find herzensgute Menfchen. Ich 
meine, daß es immer auf und ſelbſt, und vorzügs 
lich auf unfer Betragen anfomme, wie wir von 
anfern Mebenmenfchen behandelt werden follen. So 
nahrlos und wenig bevölkert auch ©. tft: fo theuer 
iſt doch alles Hier, und Mandies, mas ih in G. 
genießen konnte, weil es wohlfeil war, muß ich 
Hier entbehren. Man muß fich in die Zeit ſchicken 
lernen, und die Hoffnung nicht aufgeben, daß es 
batd Befler werden kann. Wenn ich anfange mißs 
muthig und ungeduldig zw werden: fo denke ich 
an die kurze Zeit, die ich noch zu dienen habe, und 
daß meine Kapitulation in zwei Jahren zu Ende 
sehe. Dann wird mirs leichter ums Herz, und der 
Dienſt fälle mie nicht mehr ſchwer. Meorgen fängt 
die Exerzierzeit an; da fest ed denn, wie Sie wifs 
ſen, manche Strapaze. Man wird fhon tn den 
Meorgenftunden fo angeflrengt, daß man für den 
ganzen Tag müde iſt; und hat man auch einige 
Freiſtunden, fo muß man fie aufs Putzen und 
. Reinmachen verwenden. Dazu kommt noch, daß 
wir feit acht Tagen faft alle Mächte ſchwere Gewit⸗ 
eb gehabt haben. Da muß man denn, wie Ihnen 
. ebenfalls: befannt tft, auf die Donnerwache; und 
fo iſt man Tag und Nacht geplagt. Deſſen unges 
achtet habe ich es, Tieber Here Vetter, nicht länger 
anitehen Iaffen wollen, Ihnen zu ſchreiben. Leben 
Sie töohl;, empfehlen Ste mich der Frau Muhme 

und Ihren lieben guten Kindern, und bleiben Sie 
. Alle mit Liebe gewogen Ä 

\ on Ihrem | 
J Sie hochſchaͤtzenden Vetter 
N 


81 Der 


Si. 
Der altdentſche Berrer autwortet. 
Mein lieber Better! 
Dos, freut mich von Sem, ber Er ſo aut. fe 
bean deufs und handeit. Wenn der Geidat nice 
ebreneoll bebandeut wırt, ais er ferdern kann: 
d licgıs 1edielih en ibn. D:e merken brirauem 
ſich gewäbntih fe, Baf man ihnen immer eber aus⸗ 
weicht, ald da man fie näher um Ad haben mag, 
ie glanben, wenn fie recht rod in die Ber bus 
einieben, uud alle die mifbandeln, bei denen fie 
ankommen, weil fie einfärig genug find, fich ver 
ihnen au fürchten: fo baben fie Keidenchuten ges 
tban, und eben dieſe unzcrfhämme Dreiſtigkeit made 
- le verheft. Bleib Er nur hübfch bei Seiner jeiss 
Serigen Weiſe, und laffe Er ſich nicht von Andern 
verführen. Ge tugendhafter und befcheidneg der 
Soidat iſt: defto hörer wird er ih von Allen, mit 
denen er leben muß, neachtet fehen, und man wird 
ibm freiwillig manches zu Gute thun. Wer die 
Suͤte Anderer erzwingen will, ſchadet ſich dadurch 
ſelbſt gewoͤhnlich am meiſten. Der Soldat iſt einer 
ſtrengen Subordination unterworfen, und hat ſeine 
Geſetze fo gut, als der Buͤrger und Bauer. Ueber⸗ 
tritt er dieſe: fo weiß man ſchon, wo man bins 


gehen muß, um ihn in fein beflimmtes Gleis zus 
süchzubringen. 


Er hat allerdings Recht, mein lieber Vetter, 
daß es für Seinen alten Vater, und auch für Ihn 
ſelbſt beffer war, als Er in ©, Im Quartiere 
fand. Das Lob muß man Ihm geben, daß Er 
Seinen alten eltern redlich beigeflanden hat. Aber 
wer kann wider Sein Schickſal? Ind wie ge 
fast, Soldatenſubordination ift ein hartes, ſpitzte 
ges Pflaſter. Beruhige Er fih deshalb um fe 


. med, 


„Alien. 


1 . - 
- mehr: da Ih Ihm verfihern Tann, daß Sein Bru⸗ 
der biunen vier Wochen aus der Fremde zurüds 


kommt. Mag der nun auch fo viel thun, als Er, 


mein licher Wetter, gethan Hat. Meiner Frau ents 
fhlüpfte ein recht wehmüthiger Seufzer: als fie 
bie Klagen in Geinem Briefe las, wie alle Les 
Bensmittel dort bei Ihm fo theuer wären, und 
Daß Er fih vieles verfagen mäfle, was Er fonft in: 
®. habe ‚genießen Binnen. „Ich daͤchte,“ fagte 
fie zu mir, „wit fehlten dem Better einige Les 
Bens ;** und ich verwehrte ihr es nicht, wie 
Er wohl vermuchen kann. Da hat fie Ihm denn 
einige Warſte, einen halben Schinken, etwas Erbs 
fen und Linfen,, auch einen Topf voll Butter eimı 
gepadt, die Ihm der Fuhrmann Haberkorn uͤberlie⸗ 
fern wied, Ich wünfche guten Empfang. An einem 
. freundliden. Sefihte von Ihm, dent ich, ſolls 
nicht dabei fehlen.- In meinem Briefe liegt ein 

rter Thaler. Trink Er bisweilen eine Kanne 

e auf. meine Sefundheit. Aber nur bisweilen 
and nicht alle Tage, damit Er das Waſſertrinken 
nicht verlernt: denn Er weiß ja, der alte Better 
ſchickt nicht oft Harte Thaler, weil er ihrer felöft 
nicht viel Hat. Meine Frau grüßt Ihn recht ſchoͤn. 
BVerzehr Er das, mas wir Ihm fhiden, fo ges 
fand, als mir es Ihm mit gutem Herzen geben, 
und melde Er kuͤnftighin immer gute Nachrichten 
son Seiner Aufführung, damit auch ferner Freude 

j 


an Ihm Haben mag 
‚alter redlicher Wetter 
m | N. 





‚82. Ein 


ge. 

- Ein tunger Soldat fragt. feinen Bater um Ratch, 

j ob er feine Kapitalation erneuern folle. 
Mein’ lieber Vater! 


Er wird ſichs vermurhlih zu erinnern willen, 
daß mit Lünftigem Jahre meine Kapitulation zw 
Ende gebt. Er kann fichs leicht vorfellen, daß ich 
‚mich auf den Tag meiner Eridfung freue, wie ein 
Sind anf den heiligen Chriſt. Und doc weiß ich 
nicht, was tch fo recht machen fell. Ich bitte Ihn 
Daher um Seinen väterlichen guten Rath. 

Mein Hauptmann, den ich aufrichtig liebe 
und hochachte, ließ mich geftern zu fih kommen. 
,. Anton, im Pünftigen Jahre geht Deine Kapitus ' 
fation zu Ende, ‘’ fagte er zu mir, und fragte 
mich zugleich, ob ich 108 wolle; und ich. geſtand 
offenherzig, daß ich gar Peine Luſt Hätte, laͤnger 
dienen zu wollen. „Es if Dir bei Deiner Ans 
. werbung verfprochen worden,’ erwiederte der Haupts 
mann, „daß man Dir Deine Kapftulation auf den 
Tag halten wolle, und ich breche das Dir gegebene 
ort tim 'geringften nicht. Doch muß ich Die geſte⸗ 
"pen, daß ih Did) ungern verliere. Ich will Die 
vicht gureden: aber lieb wäre mirs, wenn Du 

biiebſt. Erneuerft Da Deine Kapitulation: fo gebe 
ih Die fünf und zwanzig Thaler friſches Hande 
geld, und nach anderweitigen fehs Jahren follft 
Du beſtimmt Deinen Abichied Haben.” — Au 
der Stelle konnte, ich mich nicht dazu entfchließen, 
Ich bat mir vier Wochen Bedenkzeit aus, und 
dieſe geftattete er mir. _ 

Ich Habe mirs nun hin und Her äberlegt. 
NMehme ich meinen Abfchied jest, fo Habe ich kaum 

zehn Thaler Geld, und was mache ich damit? 
kann davan nice Meiſter, nicht Bürger werbers: - 
ee und 


‚ und ein Pfuſcher mag ich nicht fern. Diene ich 
aber ſechs Jahre noch: fo habe tch ſchoͤn jetzt Fünf 
amd zwanitg Thaler. Sch. verdiene mir vielleicht 
während diefer Zeit noch einige Thaler, und das 
mit ließe -fih alsdann ſchon eher etwas anfangen. 
Freilich wäre ih auch gern freis— aber th müßte 
läügen, wenn ich nicht faate, daß mir die erften 
Bapitnlitten zehn Jahre fo leicht vergangen wären, 
daß ich faſt nicht weiß, wo fie hingekommen find; 

auch müßte ichs lügen, wenn ich fanen wollte. ich 
hatte nur ein unfchänes Wort bekommen. Im Ger 
_ gentheil hat mir mein Hauptmann fehr oft einen 
halben, auch wohl gar einen ganzen Gulden Zus 
ſchuß gegeben, daß ich mir dafür ein Gätliches 
thun follte. 

Und nun frage ih Ihn, mein lieber Water, 
Was rich Er mir? Auf Seine Entfcheidung foll 
afles antommen.. Braucht Er mich zur Unterſtuͤtzung 
Bei Seiner Profeffion,, fo Lehre ich mit der hoͤch⸗ 
Ben Freude in das vaͤterliche Haus zuruͤck. Schreibe 
Er mir bald, daß ih mich darnach richten, und 
meinem guiten Hauptmanne fagen kann, woran er 

Zaufend freundlihe Grüße an meine liebe 
6. Unverändert bleibe ich lebenslang 


Sein | 
dankbarer reblicher Soße, 


83. . | 
Antwort des Vaters. 


0 Mein lieber Sohn! | 
. Recht gut weiß ih es, daß im Pünftigen 

Jahre Deine Kapitulation zu Ende gehet, und ich 

Habe mic, nicht weniger gefreuet ale Du, daß Du 


aun frei und wieder Dein eigener Het Mersen 
kannſt. 


d r 


— 807 m. 


fannft. Man mags bin und her aberlegen ſo 
bleibts doch ewig wahr, der GSaldatenſtand iſt ein 
ſchwerer Stand. Seiner Belohnungen in Friedens⸗ 
zeiten gibts leider wenig; Strapazen bat er aber 
faſt taͤglich. Ich habe mid) daher. nicht wenig ges 
wundert, daß Du nicht lieber los feyn, als fernens . 
Hin noch diehen will. Daß Du einen fp guten 
Hauptmann haft, das iſt allerdings wohl ‚gut: aber 
tann diefer gute Herr, den Du achtefl und liebſt, 
nicht verfegt werden? Und kann an feine Ste 
nicht ein Mann kommen, ber gerade dag Gegen: 
theil von ſeinem Vorgaͤnger iſt? Wie bald. der⸗ 
gleihen Verfegungen vorfallen, das braude ih Die 
nicht erfi au fasen, Du ‚wirft. das beſſer wiſſen, 
als ih. Auch tritt der Ball ein, daß der Offizier 
einen Burfchen befier leiden kann, als den andern, 
und daß ‘jeder feine eignen Lieblinge bat. Zwar -, 
muß Dir Jedermann das Zeugniß geben, daß. Die : 
Dich brav gehalten .und vor den meiften Burſchen u 
der Kompagnie Dich ausgezeichnet haft: aber ‘wen 
man einem fonft nicht Gerechtigkeit widerfahren 
laſſen will, fo gibts nirgends mehr Gelenenheit 
dazu, als bei den Soldaten, Es iſt wohl wahr; 
geheſt Du jest ab, und haft nichts weiter zum 
Beten, als Deinen gefchriebenen Abfchied, fo kannſt 

- Du nichts anfangen. Daß Du Meifles werden 
und den Vorzug benugen fannft, den gediente 
Soldaten vor andern Handwerksgeſellen voraus has 
ben, iſt allerdings wahr: dag aber dergleichen Meis- 
ftee fich ſehr kaͤrglich behelfen müflen, ehe fie ik: - 
Kundſchaft kommen, ift auh wahr. Ja Mandens, 
gelingts nicht einmal, und er bleibt ein Plackholz 

al fein Lebelang. Im Gegentheil muß ich aber. 
auch geftchen, daß jest die Nahrung ſchlecht gehet, 


und daß die Menfhen nur zu forgen haben, Daß: 


fie Drod, Butter, Fleiſch und Zugemüße erwerben, - 
am hochſten⸗ nothodebzis leben zu koͤngen. Unten, 


ſoichen J 


we. 
r 


ua 208 — 


ſolchen Umſtaͤnden tft alſo zwar ein nur fchlechter 
Merdienft zu erwärten. Iſt es aber dennoch nicht 
Beffer , frei leben und auf: befiere Zeiten Hoffen zu 
innen, als Soldat. bleiben und faſt in Sklaveret 
leben zu muͤſſen? Alle Vorzüge, die ber gemeine 
Soldat genießt, find nur ein glänzendes Elend, 
und mit feiner gepriefenen Freiheit iſts auch niche 
. weit ber. Da daͤchte ich denn nun doch, mein 
lieber Sohn, Du benußtefk jest das Ehrenwort 
Deines Hauptmanns, Dir den Abfchied nicht vors 
enthalten zu wollen, als dag Du Deine Kapitulas 
tion erneuerteſt. Du Haft den Feldzug am Rhein 
initgemacht,, und bift gut durchgelommen: es ſieht 
aber jegt gewiß. nicht fo aus, als wenn wir lange 
Srieden behalten würden. Und füllte ein neuer Krieg 
entfiehen: fo möchte es wohl ein böfer Krieg wer⸗ 
. Ben, das ftelle ich mir, als ein einfältiger Hands 


verksmann, vor. Und wie wirds dann? Im 


Kriege dentt man an feine Kapitulation. Jetzt 
Baf Du Deine gefunden Glieder: wirft Du fie 
ehalten? Wirft Du ein Kräppel: wer nimmt 
Ah Deiner an? Geſetzt, Du befämft Penfion — 
kannſt Du aber wohl von dieſen zwölf Thalern 
Jährlich leben? Du Haft zehn Jahre lang Deine 
Schuldigkeit gethan, Haft als Soldar fürs Vaters 
land mehr als einmal Dein Leben. gewagt: laffe 
aut auch Andere ihr Heil verfuchen. Es laufen 
. Zanfende von gefunden und flarfen Müßiggängern _ 


ta Baude berum, die man zu Soldaten nehmen 


. Bon, ohne daß einer etwas verliert: Du ‚aber 
verlierſt nun. Sch werde alle Tage Alter und ſchwaͤ⸗ 
der, und Dein Beiftand kann mir näglich wers 
den. Arbeitet Du einige Jakre fleißig bet Deis 
‚0m Water als Sefell, bift Du baushätterifh und 
ſparſam: fo kannſt Da Dir fo viel und noch mehr‘ 
verdienen, als was Deines Hauptmanns Handgeld 
ansträgt: Oterbe ih, fo bekommſt Da zeine 
a und» 


\ 
— 209 —. 


Kundſchaft. Und eigener Heerd bleibt Goldes werth, 
das iſt und bleibe gewiß wahr. Se länger Du als 
Soldat dienft, befto mehr wirft Du für die Pros 
feffion unbrauchbar. Wer nicht immer, und nur 
zu mancher Zeit acbeitet, verliert bie noͤthige Fer⸗ 
tigkeit; und. er hat Noth, ehe er wieder ins Zeuch 
kommt, twie man von ihm fordert. Jetzt bit Dis ., . 
acht und zwanzig Jahre alt. In ſechs Jahren wirſt 
Du vier und arelßig feyn, und diefer Unterſchied 
in der Lebenszeie ift gar fehr groß. J 
Das wäre fo meine Meinungs doch ich will 
Dich zu nichts überreden, denn der eigene Wille 
iſt dem Menſchen ein Königreih. Es kann wohl J 
ſeyn, daB Du blos deswegen Deinem Hauptmamg ' 
deu Gefallen thun und noch ſechs Jahre. dienen 
möchteft, weil er es wuͤnſcht, und weil Du ihm 
liebſt: aber ich denke, man bat auch gegen fi 
Pflichten, die man. den Pflichten der Freundſchaft 
vorziehen muß. Und follteft Du denn gegen Deine 
alten Acltern nicht auch Pflichten zu erfüllen haben? 
Sommft Du zu Deinem Vater: fo haft Du zwar 
nicht Ausfihten zu einem großen Gluͤcke; aber ein 
mäßiges Auskommen wirft Du doch immer haben, 
- Du haft als Soldat mit dem Wenigen auskommen 
konnen: fo wirft Du auch als Handwerksgeſell bei 
Deinem beftimmten Wochengelde Dein Austommen 
Haben. Und die. Ausficht für die Zukunft ik Die 
doch fiherer , wie ich Dir bereits vorgeſtellt habe. 
Deine Mutter laͤßt Di grüßen. Meine Meinung 
iſt die ihrige. Aber, wie gefagt, mache, was De . 
willſt. Sey auch Deine Entſcheidung, welche fie 
wolle: fo bleibe ic mit ganzer Geel⸗ | 


ein u on 
treuet llescwoller Vater 


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Gegenantwort des Sohned 
Beſter Vater! | 

Aus Seinem Briefe erfehe ich, wie fehr Er. 
mic liebt. Seine Vorſtellungen haben Grund, und 
ich. habe fie wohl erwogen. Ich zeigte Semen Brief 
meinem Hauptmanne. Als er ihn geleſen hatte, 
runzelte er die Stirn ein wenig. Ich ſetzte zn ſei⸗ 
ner Vorſtellung hinzu: daß ich der einzige Sohn 
ſey, und daß ich. tadelhaft handeln mürne, wenn 
ih lieber Soldat bleiben, als die Stuͤtze meines 


: alten, ſchwachen Vaters werden wollte, der ſich fett 


zehn Jahren mir fremden Gefellen habe herumplas 
gen müffen. Ich war glücklich genun, feine Gegen 
Sehnde zu widerlegen ; und endlich war er ganz wier 
Der der freundliche Mann, der er gewefen ift, fo 
lange als ich ihn kenne. Er klopfte mich auf bie: 
Achſel, umd fagte: ,‚, Deine Liebe zu deinen alten - 
Aelteen rührt mid. Du folift deinen. Abfchted, has 
ben, wenn es unterdeß nicht Krieg wird.” 
Sort gebe, daß Friede Bleibe. ’y würde mich 
zwar für. meine Perfon vor einem neuen Feldzuge 
nicht fehenen: aber ich darf, ich werde meinen gu⸗ 
ten, alten: Vater nicht verlaſſen. Werde ich bei 
Ihm ſeyn: dann ſoll Er ſich Überzeugen, wie dank⸗ 
bar mein Herz iſt, und daß jede Erleichterung, bie 
ih Ihm verfhaffen kann, mein hoͤchſtes Vergnügen - 
feyn fol. Wenn man zufrieden tft, fo iſt man glaͤck⸗ 
lich; und auf ein Leben, das nichts als Freude ger 
währe, mache ich eben fo wenig Anfprüche, als auf: 
Reichthuͤmer. Wenn man fi nur redlich eunährem- 
kann, mehr barf unfer einer nicht verlangen. Zwar . 
wird mir nun das halbe Jahr, das ich noch zu dienen 
Habe, laͤnger zu dauern fcheinen, als meine ganze 
Dienftzeit; doch Geduld! die Zeit bricht Nofen, und” 
ad dem Degen ſcheint die Sonne, . Auch art 


- 


u 11 — 


ich es dem Edelmuthe meines Hauptmanns zu, daß 
er mich kuͤnftig eben ſo gut behandeln wied, als 
ſeither. Komme es jedach, wie es wolle: fo muß 


es zu uͤberſtehen ſeyn. Ah, daß die Stunde ded 
: Wiederfehne [hen ba wäre! Ah, daß-ich.fchon 
meine guten Aeltern recht lebhaft überzeugen kounte, 
wie ich nie aufhoͤrte zu un 


Ihr 


— bautdarer Sohn 


N. 
85» 


Ein hunger Soldat meldet feinen Aeltern, va 


er zum Korporal avancirt fey. 


| Liebe Aeltern! 
Wer koͤnnte wohl in her. Welt einen größern 
Antheil nehmen, wenn mit es wohl geht, als Ihr, 
benen ich. mein Leben verdanke, und die Ihe mich 


won Jugend auf zum braven Mann erzogen habt! 


Wie betruͤbt warer Ihr nicht, als mich das Lens 
teaf, daß ih Soldat werden mußte; und ich ſelbſt 
»ſahe dies -für. ein Ungluͤck an: aber die Zeit Hat 
nich eines befleen belehrt, und ich fehe es tmmer 
mehr. und mehr ein, daß der Menſch in jedem 
Stande, bei jeder Lebensart fen Gluͤck machen 
fann , wenn er das Seinige redlich leifter und ſich 
brav aufführt. Und fo wiſſet denn, meine gutem 
Aeltern, daß ich ſeit acht: Tagen vom Gemeinen 
zum Korporal avantist bin. Es iſt zwar. ur eim 
Heiner Schritt, den ich zu meinem künftigen Gluͤcke 
gethan hause: aber der Seneral und der Oberft uns 


ſers Regiments haben mir verfprochen, daß fie vors 


zäglich auf mic, Nückfiche nehmen, und mich bald 
höher befördern wollen. Und bin ich nur erft Felds 


webel: dann ſol es gewiß Fi ſchwer Halten, er 


ur 17 ao 


sch mit der Zeit einmal fogar noch Lieutenant werde. 
Gute Acltern , was würdet Ihr empfinden: wenn 
Aber kurz oder lang Euer Brig als Lieutenant vor 
Euch ſtuͤnde! Recht fehr danke ich es, mein lies 
ber Water, Eurer Sorgfalt, daß ich gut Rechnen 
und Schreiben lernen mußte. Gchreiben und Res . 
sen fchienen wir damals ganz unnöthige Dinge zu 
ſeyn, und ich konnte mirs nicht erklären, warum 
der Sohn eines armen Bauers beides Lernen ſolle: — 
ats ich aber älter wurde, fand ich gar bald, dag 
einem jungen Menfchen Beides recht wohl zu flats 
ten komme und überaus nuͤtzlich ſey. Danket da⸗ 
De: unferm alten redlichen Schulmeifter in meinen 
ſtamen, dab er ſich fo viel Mühe mit mir geges 
- ben hat. Er wird gewiß eine große Breude Haben, 
daß ich bis zum Korporal geſtiegen bin. Nicht wes 
niger erzählt diefe meine Euch gegebene Nachricht 
. Allen, die mich kennen und die mie Gutes wuͤn⸗ 
ſchen, und verfichert ihnen babei die Fortdauer 
meiner Liebe und Freundſchaft. Ganz vorzüglich 
aber‘ meldet es meinem Gefchwiftr. Es komme 
mie faſt ein wenig eitel vor: wenn ich an Jedes 
einzeln fchreiben wollte, da fie mit Euch in bemfels 
den Dorfe wohnen. Ich bin von ihnen überzeugt, 
daß fie ſich über mein Gluͤck freuen werden: denn 
wenn es auch noch kein großes Gluͤck iſt; fo tft es 
doch ziemlich felten , daß der Sohn eines gemeinen 
Tageslöhners bei dem Militär über den gemeinen 
Diusterier Hinausfchreitet. Lebt wohl, meine gelieb⸗ 
ten eltern, und ſeyd von mie uͤberzeugt, daß ich 
nie aufhören werde zu feyn 


ec 
dankbarer Sohn 
N. 


ot . 


W. W 


| 5 — 
u einen Bruder, der um feinen Sohn Bei einer 
"allgemeinen Werbung in erber Sorge und 
Verlegenheit iſt. 


Lieber Bruder! 

Du forderſt mich in Deinem Briefe auf, Die 

Get der bevorftehenden allgemeinen Werbung in Hin⸗ 
ſicht Deines jüngften Sohnes meine Meinung zu 
erflären, um Die daraus einigen Rath zu erholen. 
Ich danke Dir für Dein gutes Zutrauen. Ob ich 
& fürchten muß, "daß meine Meinung mit der 
nigen nicht ganz uͤbereinkommen wird, was ih 

fo ziemlich aus Deinen Aeußerungen voraus vers. 
muthe: fo will ih Die doch folche.nicht vorenthalten. 
Meine Liebe ſowohl zu Die und Deinem Soßne, als 
auch mein Gewiſſen machen mir. diefes zur Pflicht... 
Etner Deiner. Freunde bat Dir es insgeheim 
vertraut, daß binnen acht Tagen ein landesherrli⸗ 
her Befehl zur allgemeinen Werbung öffentlich bes 
Bannt gemacht werden ſoll. Diefen Zeitpunkt willſt 
Du benugen, und Deinen Sohn indeß ins Ausland 
ſchicken, ihn alfo fo lange austreten laflen, bis fi 
der Sturm gelegt habe, und er fih.feiner Freiheit - 
verfihert halten kann. Das aber halte ich keines: 
wegs für gut gethan, und zwae aus folgenden Gruͤn⸗ 
den. Du kannſt Dich zwar mir der Abweſenheit 
Deines Sohnes entfchuldigen,, ‚wenn. dad. Werzeiche: 
niß der jungen Mannſchaft aufgenommen wirds 
aber follte Dir diefes etwas helfen? Keineswegs; 
man wird Die andenten, Deinen Sohn zurädzus 
zufen, und ihn binnen einer geſetzten Friſt vor Obrigs 
Leit zu ſtellen. Noch mehr! Man wird Dir ans 
deuten, daß man im Falle feines Ausbleibens fein. 
Erbtheil confisciren werde; und daß man hierin: 
ſtreug und pünktlich, Wort hält, weht auch Ari 
xv 


N 


— 214 — 


Reichern ein Exempel ſtatuirt, davon hat man ſeit 
vier Wochen bei uns zwei Beweiſe. Du meinſt fer⸗ 
ner, daf Du bei dem Bauͤrgermeiſter und Stadt⸗ 
richter Deines Orte wohlangefchrieben ſteheſt, und 
daß es vielleicht aefhehen könne, daß fie Deinen 
Sohn freilaffen wuͤrden, wenn Du ihnen anfehns 
liche Geſchenke machteft. Ich finde diefen Weg teis 
-Neöiwens ganz rathſam für Dieb. Bet folchen allges 


mieinen Werbungen gilt Die Macht und die Stimme 


des Militaͤrs mehr, als der Ausfpruch der buͤrger⸗ 
lichen Obrigkeit. Weite ſtimmen felten in folchen 
Fällen mir einander uͤberein; und der Bürgermetfter 
ſchweigt dann immer , ſobald ein General, Ober 
Ser Major feinen Ausfpruch gethan har. Auch tft 
in unfeen Zeiten der arme, der gemeine Mann went 
ger nachgiebig, als ehemals. Er fchreit uͤberlaut, 
and klagt über Ungerechtinteit: wenn er ficht, daß 


man den Weichen durchfchlüpfen läßt, und nur ben 


Aermern zum Soldaten nimmt. Und nah meinem 
Gefühle Hat er gar nicht Unrecht, wenn er darüber - 
laut wird: denn der Arme liebt feine Kinder eben 
fo. zärtlich, als der Reiche. Eben ſo wenig wellte 
ich Dir rathen , die Herren des Militärs , die das 
Hauptgeſchaͤft über die Werbung verwalten, mit. 
einem, anfzbnlihen Geſchenke beſtechen zu wollen. - 
Die Rocht ſchaffenen unter ihnen würden Dich fchnöde 
zur uͤckweiſen; und die, weiche ihr Pflicht verlegen 
konnten, würden Dich zu ihrer befkändigen Zwick⸗ 
mühle machen. Auch bleiben ‚dergleichen Dinge fels 
“ten verfhwiegen; und werden fie höheren Orts vers 
rathen und anaszelat, dann kommt man gewöhnlich 
. bei fothen Rällen ans dem Regen unter die Traufe, 
Diefelbe Geſchichte Habe ich vor einigen Jahren bei _ 
ung erlebt. Es wurde verrathen, daß ein reicher 

Mann dem Major 60 Städ Dukaten gegeben hatte, 
um feinen Bohn frei zu laffen. Dreißig arme Buͤr⸗ 
ger erfuhren es, und machten "eine: Bittſchrift an 
Ä den 


- ı N 
den Farten. Der Major bekam eine derbe Naſe; 


die 60 Dukaten waren verloren, und man kam um 
Mitternacht ganz unvermuthet, holte den jungen 


Deren, den manauf diefe Weife hatte losmachen wol⸗ 


im, aus beim Bette, und er mußte Soldat werden. 
-. Bolge mir.dahen, mein lieber Bruder! ehre das 
Sefes Deines Fürften, und.entziehe Deinen Sohn 
dem Vaterlande nicht, das die erſten Anſpruͤche am 
ihn hat. Der beguͤterte und dabei gebildete —* 
- wird allemal wackerer und tapferer für die Ruhe 
und &tcherheit feines Waterlandes fireiten , weil er 
zugleich für. fein Eigenchum und für die Seinigen 
fireitet,, als der, der nichts zu verlieren hat, oder 


4 


der, der nur ein Miethling und obendrein wohl gar 


ein Ausländer iſt. Ich Hin Überzeugt, daß ein fun⸗ 
ger Dann einen eben fo wichtigen als ſchoͤnen Bes 
ruf erfält, we et muchig fein Raterland verthei⸗ 


Digen hilft. Es iſt ja Überdies noch nicht ausges . 


macht, 0b es wirklich zum Krieg kommen werde. 
Dach den feitherigen Unterhandlungen läßt fidy eben 


fo viel Hoffen, als fürchten. Und hricht auch ber 
Krieg aus: fo weißt Du ja, dab nicht alle Kugeln 


‚treffen, Dein Sohn kann nicht mit ins Feld zies 
ben, und doch in der Bluͤthe feiner Jahre flerben 
möüflen. Ueberhaupt meine ih, daß Pulver und 


‘Blei und die unzähligen Strapazen, die man zur 


Kriegszeit ale Soldat auszuftehen hat, nicht fo vigl 
Menſchen umbringen, als die zuͤgelloſe Lebensart, 


weicher ſich jetzt faſt die meiſten unſerer jungen Leute 


preisgeben. Du weißt, ich bin zwoͤlf Jahre Sol⸗ 
dat geweſen, habe den ſiebenjaͤhrigen Krieg mitges 
macht; und ich freue mich noch immer darüber, 


Bei dem Vermögen, was wir von unfern Aeltern 


Hatten, war es nicht fehr druͤckend, Soldat zu feyn; 
und ob ich gleich meine Schuldigkeit chat, fo blieb 
mir doch manche Noch und manches Ungemach uns 
bekannt, wenigftens fühlte ich es nicht fo Mawer, 
: a 


— 216 — 


eis meine meiftentheils fehr armen: Kameraben. 


Dieſe Gründe, die ih Dir hier ganz Pürzlich mits 


getheilt habe, beivegen mich, meinen Alteften Sohn 
auf keinen Kal dem Vaterlande vorenthalten zu wols 
len: ob ich gleich fehr alt bin, eine Stuͤtze brauche, 


und mein sweiter Bohn erſt zwoͤlf Jahre alt if. 
Es iſt mie eine 


fühle: es gereiche einem jungen, träftigen Menſchen 


enwonne, dab mein Sohn es 


‚gun Ehre, für Jein Vaterland und für feiner Mit: 


x 


‚bürger Wohlfahrt fireiten zu können, Wollte Gott! 
daß alle Zänglinge, alle Bürger und Einwohner 


·ihres Vaterlandes dieſen Gedanken fühlten und thäs 


‚Big in Ausübung braten. Dann würde der Sols 
Batenfiand ſehr bald die Achtung gewinnen, die er 


verdient; dann würden unfere Armeen gewiß mit 


jener Nation wetteifern koͤnnen, die nun beinahe 
alle Armeen Europens. Aberwunden hat. “ 


Sollte Dir mein nad) meiner Ucherzeugung ges 
wiß fehr guter Rath nicht gefallen: fo verzeihe mir, 


\ daß ich fo rein weg vom Herzen’gefprochen habe. Ich 


zuͤrne gar nicht, wenn Du ihn verwirfſt; und be⸗ 
ſcheide mich gar gern darüber, weil ich weiß, daß 
eder Menſch feine eignen Anfihten und Gränbe 
Yet, in die nicht Jeder eindringen kann. So viel 
aber fcheint mir beſtimmt zu feyn, daß, wenn auch 


> mein Rath nicht der gefaͤlligſte, ſchmeichelhafteſte 


W, fo if er doch menigfiens der fiherfte, Kann 
ich Dich flärker von der Redlichkeit biefer meiner 
Gefinnung Überzeugen, als wenn tch Die ſelbſt mit 
meinem eigenen Beifpiele vorangehe? Auch im ents 
gegengefesten Falle glaube, daß ich mit wahrer Liebe _ 
und immer ans ben redlichſten heſten Abfichten Gin 

Dir lebenslang ergebener Bruder 


87. Ein 


— 217 — 


J 


IJ 87. 
Ein Bruder verweiſet feiner Schweſter ihre un⸗ 
uͤberlegte Liebe. 


Zartlich geliebte Schwerter! 
Nicht nur aus den Nachrichten meiner zreunde 
aus D.., ſondern auch ſelbſt aus Deinen letzten 
zwei Briefen ahne, ih, daß Deine Bekanntſchaft 
mit dem jungen Deren von €. nicht mehr ein freunds | 
fhaftliher Umgang, fandern in ein. fürmliches * | 
besverſtaͤndniß ausgeartet ſey. Gute Emilie, wie 
ſehr bedauere ih Dich! Du glaubft, dadurch Dein: 


SÄ zu machen, und Du eilſt Deinem fihern Uns . | 


glüde entgegen, Das täßt ſich ſehr gut vorausſe⸗ 
den ,. ohne ein Wahrfager zu ſeyn. Ich wundere 


mich gar nicht, daß Du diefen eben fo ſchoͤnen, als. \ 
edein und geiftuollen jungen Mann liebſt; auch Be - 


frembet es mich nicht , daß er Dich liebe, und daß 
er Die das oft genug geflanden haben mag: bie 


‚Vernunft aber und die genauere Erwägung fo mans - 


her unuͤberſteiglicher Hinderniffe, die Dir und: ihm 


von dem Schickſale in den Weg gelegt werden, 


‚hätten: in euch beiden die Gefühle der Freundfchaft 


nicht zur Leidenfchaft der Liebe anflammen follen. 


Herr v. E. if von altem Adel. Sein Vater Hält 
viel auf die Ahnen und auf die graue Hürde ſei⸗ 
nes Geſchlechts. Und obgleich fo viele Buͤrgerliche 
dieſe Feſtigkeit für ein Vorurtheil halten und etwas 
Lacherliches darin zu finden glauben: fo irren ſie 
fh allerdings, und beide Theile machen ſich in 
meinen Augen lächerlich. — Denn handeln nicht 
Beide AIhetle gleich? Der Adel will von der ihm 
einmal angemiefenen Stufe nicht herabſteigen, und 
: der Bürgerliche möchte gern hinauf. Der Water 
des jungen Herrn von E. wird alfo nie in eure 
Ehe willigen: Er Hat vieleicht ſchon on Din en 
RER 


i 


jenen Plan für feines Sohnes Gluͤck entworfen: . 
Hat diefem odes jenem Haufe Thon die angenehme 
Hoffnung. gemacht, durch feinen. Sohn mit ihm 
näher verbunden zu werden: wird er fich diefe Hoffs 
nung fo 'ganz gleichgültig vereiteln laſſen? Und 
koͤnnteſt Du fo unbefonnen handeln, daß Du Dich 
mit dem Herrn von ©. auch ohne feines Waters 
Einwilliaung.. vielleicht gar durch wine heimtiche 
‚Ehe zu verbinden wagteſt: o, in biefem Falle, Schwes 
fler! möchtet Da au noch fo vornehm und Teich 
werden, würde ich mich fchämen, Dein Bruder zu 
Beifen das ſchwoͤre ih Dir Heilig und .theuer zu. 
Du gibft vor, daß Du diefen jungen Mann uns 
ausfrrechlih Lieb, und daß eine Trennung von 
hm Die unmöglich fey. Nad meinen Srundfägen 
glaube ih, daß Du ihn nicht fo tngendhaft liebſt, 
als es Dir fcheinen mag: weil ich uͤberzeugt bin, 
daß man den Gegenſtand, den man wahr und edef 
liebt, auch fo gluͤcklich zu machen wuͤnſcht, als es 
nur moͤglich I — und kann Herr von E. unter 
den von mir angeführten Hmfländen an Deiner 
Seite glüdlic werden? Wollet ihr Beide eure Vers 
Bindung bis zu ſeines Waters Tode auffchieben, und. 
glaubt ihr und ftellt ihr euch das als etwas leichh 
tes vor: fo werdet ihr euch Beide fürchterlich taͤu⸗ 
- fen. Eure Liebe — gewiß die feinige,, wenn auch 
sicht die Deinige , wird nach einigen. Fahren: erfafs 
ten. Und hält er es für Pfliche, das Die gegebene 


WMort zu halten: wie fchmer wird es ihm dann 


ſeyn, dieſe, Pflicht zu erfüllen. Er wird Die dies 
ſes zwar zu verbergen ſuchen: aber iſt Dein Zarts 

defahl nicht ganz erloſchen; fo wirft Du dies ahnen 
möäflen„ und dieſe Empfindung wird Die taufende 
. Klgigen. heimlichen Sram verurfachen. Ihr werdet 
Eu zwar in der Folgezeit noch lieben: aber welch 
einen Abftand werdet ihr zwifchen Eurer jetzigen 


ne asien. dem Gefühte Eurer erften Liebe Anden! 
ure 


Pu 


Eure romanbafte Einbildung, von welcher ihr Seite 
. zur Zeit noch fo mächtig beherrſcht werdet, wird 
Euch zwar vorſpiegeln: es fey edel, groß, heidens 
möchig, alles fur einander zu wagen , aufzuopfern, 
zu dulden und zu leiden; the werdet Euch daher 


lieber auf emig zum ledigen Stande verurtheilen, 


als Eure Liebe. aufgeben und die Beflein wieder aufs 


idfen wollen, die Eure Herzen umfchlungen haben; 


aber, Emilie, ſchenke den tanfendfältigen Erfahruns 
gen bethörter Mädchen und Juͤnglinge Dein Vers 
trauen; und lerne endlich alauben, daß fich die heft 
tigſte Hiße bes Liebhabers ſchon nach einigen Jah⸗ 
. zen abfühlt, und die Schönheit des Münchens vers 


bluͤht. Nur dann erſt kommen ‚Beide von ihrer Vers. 
blendung zuräd, fehen fich ſchrecklich getäufcht, und . 
Eins gibt dem Andern fein. Ungiül Schuld. Ah, 


daß fich die melften Liebenden nicht durch die Beit 
fpiele ihrer Vorgänger warnen. laflen wollen! daß 
- fie fih bald edler und beſſer, bald Plüger duͤnken; 
Bald wieder fid für Guͤnſtlinge eines heſſern Schick 
e fals Halten; und fo Sange tn dem unglüdlihen Las 
- byrinthe umherirren, Bis dann für fie fein Ausgang 
mehr zu finden iſt! Willft Du wahrhaft groß ımb 
edel handeln, willft Du dem Geliebten den hoͤchſten 
Beweis Deiner Liebe geben: fo ſuche Dich nad 
und nach von ihm zu. entfernen; laſſe ihn Deine 
Gründe ahnen, aber mache darüber nicht viel Worte. 
Denn er würde Dich zu widerlegen ſuchen, würde 
alle Medners, alle Schmeicheltünfte aufbieten; und 


Du würdeft nicht Kräfte genug haben, ihm widers 


ftehen 34 können. Ich glaube wohl, daß dies Deis 
nem Herzen fehr wehe thun würde: allein iſt Deine 


Liebe edlerer Art; fo mußt Du Deine Leidenfhaft- 


beflegen , und Dein Städ dem Gluͤcke Deines Ges 
liedten aufopfern innen. Erwaͤge überdies noch, 
daß, je länger Du in der feitherigen Verbindang 


mit ihm verbleibft, deſto liebloſer werden die 4 
z ‚ N t 


- 


— 


N 
— en . m ” 


theife ber Welt ſeyn, die um Dich Ber lebt und 
Sich aufs firengfte beobachtet, Dich nach fi beur⸗ 
theilt , ohne auf Deine edlern Sreundfäge und Ems 
sfindungen die geringfte Nückficht zu nehmen. Zwar 
wirſt Du dem Urteile der Unedlern nicht entges 
hen, und man wird fogar fagen, Herr von E. habe 
Dich figen laffen s kuͤmmere Dich aber nicht barüber. 
Die Edlesen werden Di ſchaͤtzen, werden anders 
denken, und felbft Herr von ©. wird fie durch fein 
Benehmen eines Beſſern überführen. 


Zatrne nicht: ſchmerzt Dich auch meine Offens 
Herzigkeit, fo war ich doch nie mehr, als chen 


| Dein | | 
Dich veblich liebender Bruder 
N. ' 


a. Wohls 


ee 
Wohlſtandsſchreiben. 





Wohiſtand (Wohlanſtandigkeit) nennt 
man die Befolgung der durch daB Herkommen unter 
uns eingeführten Hoͤflichkeitsbezeigungen. Wohl⸗ 
ſtandsſchreiben werden alſo dieſenigen Vriefe 
Heißen, die wir bei gewiſſen, ſich bald mehr, balh 


weniger auszeichnenden Gelegenheiten und ae | 


Gerordentlihen Vor faͤllen zur Bezeigung unſerer 
Ehrfurcht oder Achtung theils an hohe und vorneh⸗ 
me Perſonen, unſere Goͤnner, theils aber auch 
aus Herzlichkeit und Liebe an unſere Anverwandten, 


Freunde und Bekannte zu ſchreiben pflegen. Die 


ſogenannten Wohlſtandsbriefe werden ſich da⸗ 
her zuvorderſt in Gluͤckwuͤnſchungsſchreiben (Gratu⸗ 
lationsbriefe) und in Kondolenzſchreiben (Trauer⸗ 
briefe, Beileidsbezeigungen) eintheilen. 


Zu den 
Glaͤkwänſchungsſchreiben 
geben gemeiniglich Gelegenheit: Geburtstages 
Namenstage; dee Neujahrstag; Vermähr 
dungen (eheliche Verbindungen); die Geburt 
eines Kindes; die Geneſung von einer ſchweren 
Krankheit; eine glaͤcklich zuruͤckgelegte Reiſe; 
gewiſſe Verbeſſerungen ber Glücksum⸗ 
ſtaͤnde, entweder duch Erhöhung des Rand 


ges, der Würde, aber durch die Wesmede 


ung 


— 222 — 


rung der Einkünfte; gelüngene Einricht un⸗ 
gen und Verbeſſerungen in dem Wirkungs⸗ 
kreiſe des unſeem Gönner anvertrauten Amtes; 
nicht minder andere gluͤckliche Zufaͤlle, als: bei dem 
erhaltenen Gewinne des großen Looſes in einer 
Lotterie; bei einer betraͤchtlichen Erbſchaft u. ſ. w. 
Doch konnen Gluͤckwuͤnſchungsſchreiben uͤber die bei⸗ 
den zuletzt erwaͤhnten Gluͤcksvorfaͤlle nur bei ver⸗ 
trauten Freunden und hoͤchſtens bei guten Bekann⸗ 
ten Statt haben. 

Bei diefer Sattung von Briefen wird es vor 
zuͤglich noͤthig feyn, die Perfon, an welche wir 
ſchreiben, zu berücfichtigen. Iſt dies ein Freund 
oder ein Verwandter von uns: fo herrſche Wahrs 
beit und Herzlichkeit in unfern Briefen, oder mit 
einem Worte — man fchreibe, wie man empfindet, 
Auch tft in diefem Fall ein Scherz in den Sränzen 
des Anftandes erlaubt, Behutſamer muͤſſen wir feyn, 
wenn wir einem Vornehmern Gluͤck wünfchen, und 
hauptſaͤchlich auch überlegen, ob fich dies für. uns 
- in dem vortommenden Fall ſchicke. Iſt der Vor— 
nehmere ein Vorgefegter von uns: fo iſt es oft 
eine ſchuldige Höflichleitsbezeigung‘, welche und Her⸗ 
tommen ald ein Opfer unferer Ehrfurcht vorſchreibt. 
Kürze, ohne der Deutlichleit zu nahe zu treten, 
muß der Hauptcharatter diefer Briefgattung feyn: - 
denn wir müflen bedenken, wie viel Briefe gleihen 
Inhalts unfer Vorgefegter in einem folchen Falle 
zu lefen hat. . Ohne eine gewiſſe Vertraulichkeit vers 
rathen zu wollen, drüde man die Gefühle feines 
Herzens unbefangen aus, und vor allen Dingen 
ohne hochtrabende Worte, die der Vornehmers bes 
lächeln wird: denn es tft irrig zu glauben, daß 
man zu Vornehmern auch in vornehmern Nedenss 
arten furechen muͤſſe. Daß man fich bei den ſchrift⸗ 
lichen Stüdwünfhen an Vornehmere beim Schiuffe 

derfelben zu hohem Wohlwollen, zu fortbanernder 
2 nade 


— 223 — 
Gnade u. ſ. w. empfehlen kann, iſt nicht nur er⸗ 
laubt, ſondern ſogar zu einer nothwendigen Formek 
geworden. Doch will ich wohlmeinend rathen, da⸗ 


bei, fo wie bei der Abfaſſung ſolcher Briefe uͤbers 


haupt, nidyt Bid zur Kriecherei herabzuſinken: weif 
man durch dergleichen elende, oft eben fo unbeſon⸗ 
nene, als Iügenhafte Schmeicheleien dem gebildeten 
Vornehmen keine Ehre erzeige, und fih ſelbſt zu: 
fehr entwuͤrdigt. Haben wir aber vielleicht in feds: 
bern Zeiten mit dem Vornehmern in näherer Be⸗ 
kanntſchaft geffanden : fo koͤnnen wir wohl die Gss- 
legenheie eines günftigen Ereigniſſes benusen, uns 
ihm in Erinnerung zu bringen, doch nur: mit der 
größten Beſcheidenheit, und befonders mit Werlafe' 
fung folder Dinge, an welche der Vornehmere niche 
gern erinnert werden will, wie z. B. an einen: 
feühern niedren Stand. Es iſt aber fehr dem Sen: 


ringeren zu rathen, daß er nicht anders, als dus 


Bert nothgedrungen, die Großen mit Zuſchriften 


und Briefen-beläflige: wenn er nicht ganz beffimme: ‘ 
zuvor überzeugt feyn kann, man werde feinen gutem: 


Willen wohl aufnehmen. Diele vornehme Familten“ 
haben zwar die ehedem ſtreng gewöhnlich gewefene: 
GSitte der mündlichen Gluͤckwuͤnſche ſowohl, als der 
fchriftlichen an den Neujahrstagen , fo. mie bei Ges 
burts⸗ und Namensfeſten abgefhafft: viele hängen: 
aber auch diefem alten Gebrauche noch fehr eifrig: 


— 


an. Darauf hat man denn in beiden Ballen vor⸗ 


zuͤglich Näckficht zu nehmen; und man muß bess 
halb, bei dem Mangel an: gehöriger Bekanntſchaft 
mit dergleichen Famtlien und Perſonen, Erkundi⸗ 
gung von Männern einziehen, die davon genauer 
unterrichter find. Denn von denen, die die Bitte 
der Gluͤckwuͤnſchungen bet folchen Gelegenheiten abs: 
gefchafft ‚haben, würde man für einen Ueberläftigen, 
Zudringiichen erklärt werden, wenn man ſolche betr 
behalten wollte; und bei Jenen, Die noch fell am: 


N 


\ 


— 224 — 


dem alten Herkoinmen haͤngen, twärde man ſich den 
Vorwurf der Unhoͤflichkeit zuziehen, wenn man 
bei foipen ihnen feierlichen Selegenheiten ſchweigen 
wollte, 
;  VBegelgt man irgend einem Manne, er fey num 
entweder höheren Standes, ald wir, oder er fey 
unfer Breund und Bekannter, bei gewiſſen Gluͤcks⸗ 
vorfällen und ähnlichen Gelegenheiten‘, als: Stans 
deserhoͤhung, Vermehrung der Einkünfte und des 
Danges u. f. w. feine Theilnahme; und man tft 
allgemein davon Überzeugt, daß er folche mehr dem 
Qufalle, feinem Reichthume, feiner Geburt, oder 
der Begänftigung geriffer Einfluß habender Perſo⸗ 
zen verdanke, als feinen eigenen wahren Verdien⸗ 
ſten: fo mäßige man feine Lobeserhebungen, vermeide 
unverdiente Schmeicheleien, und lege ihm nicht Vor⸗ 
zöge bei, die er nicht befist. Denn iſt er ein 
Mann von Ehrgefühl: fo werden ihn dergleichen 
Lobeserhebungen beleidigen, weit fie ihn ſchamroth 
machen müflen, Gegen den vornehmen Mann aber, 
der nur feinen Verdienſten allein feine Erhebung, 
fein tenderes Gluͤck zu verdanken hat, dußere 
man geradeweg feine Empfindung, daß weder Der 
Zufall, noch andere dergleichen Selegenheiten -an 
feinen glänzenden Schickſale Theil haben, fondern 
daß es ihm einzig durch die Vorzüge feines Geiſtes, 
feines Herzens, feiner Geſchicklichkeit, feiner Rechts 
ſchaffenheit, feiner unermüdeten Thaͤtigkeit zu Theil 
Ward... Auch befolge man diefe Regeln bei den 
Briefen an unfte Freunde, die wir ihnen bei Ges 
legenheit ihrer Standeserhöhung oder anderer gluͤck⸗ 
lichen Ereignifien ſchreiben. Immer behalte man 
dabei das Zweckmaͤßige im Auge, und opfere es nie 
Der Ochmeichelet auf. Alle Uebertreibungen, welcher 
Art fie ſeyn mögen, mißfallen dem befcheidenen 
verdienſtlichen Mann; weniger beleidiget es ihn, 
wenn man ihm von ben Außerlichen Sormalitäten 
o ’ etwa 


+‘; 


u 9 


Eu 


aae entzieht, bie ihm zukommen, ſobalb nur 
gutgemeinte Herzlichkeit, und nicht irgend ein vor⸗ 
ſaͤtzlich boͤſer Wille, dabet obwaltet. Wie wollen 
nun bei den nachfolgenden Beiſpielen, um gemädy 
Lcher von einer. Stufe zur andern. zu fleigen ,. mit 
den Briefen Liefer Ars in Ruͤckſicht der Familien⸗ 
verhäftnifie den Anfang machen. J V 





a Ge For 


mm" 


88. 


in Sohn ſchreibt beim Antritt eines nenen Sa 
red an feine Aeltern. 


Innigſt geliebte Aeltern! 

Gewiß wuͤrde ich mich des ſtrafbarſten = 
ſinns ſchuldig mahen: wenn ich an dieſem Ta 
nicht meinen wärmften Gegen ausfpräche, und Ion 
nicht für alles Liche und Gute, was ich 
verdanke, die beiligften meiner Wünfche zu erfens 
wen-gäbe: Moͤge Sie Gott; der Wergelter alles 
Guten, für Alles, was Sie. mir erwieſen Baben, 


. auf die ausgezeichnetfte Weiſe belohnen; möge er 


Ahnen. jede Freude des Lebens fehenten, die Si⸗ 
fh wuͤnſchen, und bie Ihnen wahrhaft nuͤtzltch 


. und erfprießlich feyn kann. Täglich foll es mir die 


heittgfte Pflicht feyn, alle meine Kräfte aufzubieten, - 
mich ihrer Lebe würdiger zu machen. Nicht nur 


dieſes Jahr, mein, bis zur höchſten Stufe bes 


menfchlichen Alters begleite Ste Gotteg Segen; und 
jeder Ihrer Pünftigen Tage fey von ber dauer 
bafteften Geſundheit und von der heitern Zufriedens 


beit bezeichnet, wodurch Ste fih Ihre Tage fo 


feoh zu machen wiſſen. Seyn Sie verfihert, dieſe 


Aeußerung firöme nicht aus einem eigennüßtgen Her⸗ 
zen; nein, feine Quelle iſt einzig kindliche Liebe 


. and Dantbarteit, bie rn einige: Jahre vor her 


— 206 — 


bens aufopfern wurs⸗ wenn ſie ſolche den Ihrigen 
zuſetzen tönnte. Schenken Sie mir ferner Ihre 
lteriiche Liebe und Zärtlichkeit. Kann Ih auch 
— nicht fo erwiedern, wie ich wuͤnſche: fo werde 

ih doch wie aufhören, mie Ihr Wohlgefallen, 
Zufriedenheit au verdienen. Ewig werde ich 


Ihr 
dankbarer Sohn 
rs + e. — 89. 
Antwort des Vaters. 
Mein Sohn! 


Ich und Deine Mutter danken Dir für Deu 

wen wohlgemeinten Gluͤckwunſch bei dem Antritt 
Diefes neuen Jahres herzlich; und wir find übers 
zeugt, daß er Deinem Herzen entfproffen, und nicht 
die Bolge der noch gebräuchlichen Sitte fey: Deis 
nen ſchönſten, Deinen beſten Dank wirſt Du aber 
gegen uns dadurch am beſten dußern: wenn Du 
Dich beftteben wirft, einft ein braver Mann zu 
‚werden. Gott fey auch In dieſem neuen Jahre 
wit Dir. Wandle in der Furcht des Herren. Dein 
arößter Reichthum, Dein hoͤchſtes Glaͤck ſey ein 
tugendbaftes Herz. Dann wird Dir es wohlgehen. 
Vervollkommne Dich mit jedem Tage, erfuͤlle jede 
Deiner Pflichten treu, genieße die Welt, aber ge⸗ 
mieße fie mäßig und mit reiner Herzensfreude, die 
der ſchoͤnſte Lohn der Tugend iſt. Wirſt Du Dein 
uns gegebenes Verſprechen erfüllen, wirft Du fers 
nerhin, wie feither, unfer guter Sohn feyn m 
Bleiben : fo kannſt Du Dich darauf verlaffen , 
wir Alles, Alles für Dich aufopfern werden, um 
Dig pp auaug zu machen, als wir koͤnnen. u 


— 227° — 


wird dann Deine Mutter aufhören, Dich zu lieben; 
nie werde ich aufhören zu feyn N 1 
u | ‚Dein | “ . . 
0 treuer und. zärtlicher Water. 
Ein unverheiratheter Bruder an feine verbeira« 
: .thete Schweofler, (ober. auch eine unverheiras 
there Schweſter an ihren verbeiratheten Brus 
" der) bei derſelben Gelegenheit: Ci | 


. Kiebe Schwerter! (Lieber ‚Brude®t) 

Wegen. es aud Miele lächerlich finden, ſich 
immer noch am Meujahrstage Gluͤck zu wuͤnſchen: 
fo kann fi mein Herz von diefer fo ehrwürdigen 
und fo alten Bitte dody nicht losſagen; denn es 
fühle ſich ſeibſt fo giäcdtich, wenn es Andern Gluͤck 
wuͤnſchen kann. Es ift Allerdings wahr, daß man 
den Seinigen nicht nur an einem dazu beſonders 
beftimmten Tage, fondern zu jeder Zeit alles Gute . 
wänfchen fol: aber wenn ich bedenke, daß ein eins 
ziger Tag fchon ein großer wichtiger Zeitraum für 
das wmenfchlihe Leben fey; um wie viel wichtiger 
muß uns ein Zeitraum von 365 Tagen ſeyn! 
Wie viel Eures können wir wahrend bdiefer Zeit 
von Sort empfangen, wie viel unangenehme Aufs 
tritte Binnen wir nicht Überlebt , wie viel Leiden 
gluͤcklich überftanden Haben: und folten wir und 
‚darüber nicht freuen ?— Ja, meine gute Schwelter, 
(mein guter Bruder,) wie wollen uns deflen freus - 
dig und dankbar erinnern, und Gott bitten, daß 
er uns auch in der Zukunft an feiner gütigen Was 
terhand leiten und führen möge. Und ob ich gleich 
allen Menfchen wuͤnſche, daB es ihnen wohl gebe: 
fo wanſche ich bob vn Die vorzägiih, Di, 
WMW 5. 


4 


m 238 u 


die Cden) ich To innig liebe. Go beginne denk 

mit diefem neuen Jahre eine neue aluͤckliche Lauft 
bahn, und genieße der Freuden bes Lebens fo Viele, 
als Du, Die wuͤnſcheſt und als Dir gut und 
nutzlich ſeyn "werden." Daffelbe wuͤnſche ich auch 
Deinem guten lieben Manne (Deiner guten lieben 
Grau), den (die) ich aufrichtig und bruͤderlich 
ſchaͤze. Von Euch Beiden erbitte ich mir die Forts 
darer Eurer Liebe‘; die meinem Herzen fehr ſchaͤtz⸗ 
bar tft — von der meinigen müßt Ihr fchon laͤngſt 
Aberzeugt feyn — und ich. .verfihere Euch auch heut 
aufs neue, daß ich nie aufhoͤrte, und nie aufhoͤren 


werde zu ſeyn 
Euer (Eure) 
Euch zärtlich liebender Seuder 
ULliebende Shwefle) 
N. 


x 


. 9% | J 
Ammon der . Söweher (oder des Bruders ww 


Suter Bruder! (Gute Schweſter!) 
Dieſelben Empfindungen, die ſich bei dem Au⸗ 
tritt eines neuen. Jahres Deines Herzens bemeis 
Maren, befeelen auch dad meintge. . Laß Andere 
tinmer bei der frommen Sitte unferer Vorfahren: 
lächeln, laß fie fogar darüber fpotten: wir wenige 
- Kent wollen ihr treu bleiben. Bern fey es von uns, 
daß uns diefe Bitte eine bloße Gewohnheit fey,. 
wobet die Schmeidjelet die vorzuͤglichſte Rolle ſpielt, 
und nur unfere Lippen befghäftiget,, leere gebantens. 
loſe Worte auszufprechen: nen; fie ſoll für uns 
ein. Felt des Herzens ſeyn, und ein Feſt unferer 
redlichſten Sefinnungen bleiben. Und fo wänfche 
tb. Die, guter Bruder, auch heute, fo wie ih 
Die täglich und ſtuͤndlich das fchönfte Loos des 
menſchuchen. Lebens waͤnſche, Geſundheit des Koͤr⸗ 
pers, 


⁊ 


— 219 ned 


ms; Heiterten Des Geiſtes, Zufriedenheit bes. 
Herzens. Jeder Deiner Wuͤnſche ſey erhoͤrt, und 
werde Dir ein Lohn Deiner Handlungen. In die⸗ 
ſen meinen aufrichtigen Wunſch ſtimmt auch mein 
Mann ein, von deſſen bruͤderlicher Liebe Du, ges 
win eben fo uͤberzeugt feyn kannſt, wie er von der 
Seinigen if. Moͤchteſt auch Du in dem neuanges | 
- Zretenen Jahre eine edle weiblihde Seele (einen 
Geliebten) finden , die (der) jede. Deiner Forderun⸗ 
gen befriedige, und Die die feligfte Ausfiche im 
eine glädliche und zufriedene Ehe gewähre. Glaube 
wir, denn ich fpreche aus Ueberzeugung, das Leben 
sehält. einen doppelten Reiz für uns, wenn wir es 
an der Brite eines braven Mannes (Weibes) ges 

nießen. Leichter erträgt fich ſelbſt das traurigſte 
Schickſal durch die Theilnahme unſers zweiten Ichs;3 
hoͤher ſteigt ſelbſt das unbedeutendſte Gluͤck und ſo 
manche Freude, die man dann erſt kennen, fühlen 
und ſchaͤtzen lernt. Wird uns dieſer Wunſch von 
dem Himmel gewaͤhrt, Dich auch auf dieſe Weiſe 
gluͤcklich zu wiſſen: dann iſt unſere ſchoͤnſte Hoff⸗ 
nung erfuͤllt. Mein Mann empfiehlt ſich Dir auf⸗ 
tichtigſt, und ich bin mit der auſcichtiaſten Liebe, 
ſo wie ich es jederzeit war, 
Deine 


zaͤrtliche und aufrichtige Schweſter, 

(oder: Dein zaͤrtlicher, Dich aufrichtig 
liebender Bender) 

N. 


e 92. 
An einen Lehrer beim Jahreswechſel. 


Verehrungswuͤrdigſter Lehrer ! 


| Mie undankbar und — muͤßte ich ſeyn: 
einneree I mich nicht bei eben Autritie DER 
\3 


— 100 — 


Sahres der unzähligen Wohlthaten, womit Sie 
mich. im verflöffenen Jahre faft. täglich uͤberhaͤuf⸗ 
ten. Mir der innigſten Ueberzeugung empfinde ich 
daſſelbe, was einft cin großer König geſtand, daß 
er feinen Aeltern zwar das Leben, feinem Lehrer 
aber Alles verdanfe, was ihn zu einem beflern, 
nüglihen Menſchen gemacht habe. Lohne Ihnen 
Gott alled das Ente, was ich Ihnen nah Würden 
zu beioßnen nicht im Stande bin; und nehmen 
Sie einftwellen mit Liebe den flilen Dank meines 
Herzens an. So viel verfprehe ih Ahnen heut 
feierlich, das Ihre mir ertheilten Lehren volle 
Frucht tragen follen, und baß Ahnen mein ganzes 
Leben beweifen fol, daß ich derfelben nicht unwuͤr⸗ 
Dig war. Nuͤtzen Sie noch lange Jahre der Zus 
gend durch Ihre vortrefflihen Anweiſungen unb 
Lehren, und bauen Sie dadurch derfelben ein Dauers 
Baftes Gluͤck. Zu den fo vielen Hunderten, die 
ſich Ihnen zur aufrichtigften Verehrung verpflichtet 
fühlen, gehört vorzuͤglich auch 
ZZ Ihr 
dankbarer Zoͤgling 
N. 


93. 
Dankbare Erinnerung eines Schülers, der laͤngſt 
die Schule verlaffen bat, an feinen vormaligen 
Lehrer beim Jahreswechſel. 


Schaͤtzbarſter, mir ewig unvergeßlicher Lehrer! 

- Bio vielen Dank ih Ihnen fehuldig bin, wie 
heilſam mie Ihre vortreffliche Erziehung war, fehe 
th jegt mehr ein, als zu der Zeit, da ich noch 
Ihren Unterricht genoß. Tief tft meinem Herzen 
She Andenken eingesraben, und täglich ſegne ich 
Sie in weiter Gerne. Daß mie 265 wohl vb 


ı r“ 


— 131 — 


iſt naͤchſt Gottes Beiſtand faſt: einzig Ihr Werk. 
Der Vergelter alles Guten erhalte Bte' noch lange, 
damit Sie noch viele Zöglinge der Tugend und dem 
Baterlande erziehen mögen; er befeltige Ihre Ges 
undheit nnd fröne Ihre Tage mie den ſchoͤnſten 
u des Lebens. Erfreuen Ste fich ungeftört 
der Früchte, die aus Ihrer Saat hervorkeimen 
muͤſſen. Nehmen Sie diefe meine Aeußerung. als 
den Ausbruch eines Ste hochverehrenden Herzens 
an; und die Zukunft foll es Ihnen beweifen , wie 
ſehr Ih das Gluͤck fchäge, mich nennen zu dürfen 


Ihren 
mit dankbarer Ehrfurcht Sie 
liebenden Zoͤgling 

.. N . 


FRE 


J 


Un einen vornehmen Goͤnner. 
Wohlgeborner, (Hochedelgeborner) 
Hochgeehrter Herr! 

Erlauben Sie, daß ich es wagen darf, Ihnen 
beſonders heute meine Hochachtung zu bezeigen und 
meinen aufrichtigen Gluͤckwunſch an den Tag zu 
legen. Die ewige guͤtige Vorſicht ſchuͤtze auch in 
dieſem neuen Sabre, fo wie ſeither, Ew. Wohl⸗ 
geb. theures Leben, das für uns Alle, die Sie 
mit Ihrem gütigen Zutrauen beglüden, der hoͤchſte 
Gegen if; fie erhalte Ste und Ihre verebrunges 
wuͤrdigſte Zamai⸗ bei dem dauerhafteſten Wohlſeyn, 
und belohne jede Ihrer fo guͤtigen als wohlthaͤtigen 
Seſinnungen gegen uns mit den reizendſten Freu⸗ 
den des Lebens. Unausſprechlich gluͤcklich wird mich 


bte Kortdauer Ihres gätigen Wohlwollens machen. 


Durchdrusgen und überzeugte von dem Werthe 
defielben, werde ich keine Gelegenheit vorüber ‚gehen 


(len, 


; 


- 


— 10 —- 


Sahres der. unzähligen Wohlthaten, womit Ste 
> mich. im verfloffenen Jahre faft. täglich uͤberhaͤuf⸗ 
ten. Mit’ der innigften Lieberzeugung empfinde ich 
daſſelbe, was einft cin großer König geſtand, daß 
er feinen Aeltern zwar dad Leben, feinem Lehrer 
aber Alles verdanke, was ihn zu einem beflern, 
nüglihen Menſchen gemacht habe. Lohne Ihnen 
Gott alles das Gute, was ich Ihnen nah Würden 
zu belohnen nicht im Stande bin; und nehmen 
Sie einſtweilen mit Liebe den fiillen Dant meines 
Herzens an. So viel verfprehe ich Ihnen heut 
feierlich, das Ihre mir ertbetlten Lehren volle 
Frucht tragen ſollen, und daß Ihnen mein ganzes 
Leben beweiſen ſoll, daß ich derfelben nicht unmwärs 
Dig war. MNüsen Sie noch lange Jahre der Zus 
gend duch Ihre vortrefflichen Anweiſungen und 
Lehren, und bauen Sie dadurch derfelben ein dauers 
Baftes Gluͤck. Zu den fo. vielen Hunderten, die 
fh Ihnen zur aufrichtigften Verehrung verpflichtet 
fühlen, gehört vorzüglich auch 
Ä Ihr | an 
dankbarer Ziglin 

N. 


93. 
Dankbare Erinnerung eines Schülers, der laͤngft 
die Schule verlaffen bat, an feinen vormaligen 
Lehrer beim Jahreswechſel. 


Schaͤtzbarſter, mir ewig unvergeßlicher Lehrer! 
Wie vielen Dank ich Ihnen ſchuldig bin, wie 
heilſam mie Ihre vortreffliche Erziehung war, ſehe 
ich jetzt mehr ein, als zu der Zeit, da ich noch 
Ihren Unterkicht genoß. Tief iſt meinem Herzen 
Ihr Andenken eingegraben, und ni foaue ich 


Sie in weiter Ferne. Daß mir 28 wohl 7* | 


ı 1* 


— 15310 — 


iſt naͤchſt Gottes Beiſtand faſt einzig Ihr Werk. 
Der Vergelter alles Guten erhalte Sie noch lange, 
damit Sie noch viele Zöglinge der Tugend: und dem 
Baterlande erziehen mögen; er befeitige Ihre Ges 
undbeit and kroͤne Ihre Tage mie den ſchoͤnſten 

eu. des Lebens. Erfreuen Sie ſich ungeflört 

dee Früchte, die aus Ihrer Saat hervorkeimen 
möffen. Nehmen Ste diefe meine Aeußerung als 
den Ausbruch eines Sie hochverehrenden Herzens ' 
an; und die Zukunft foll es Ihnen beweifen,, wie 
ſehr ih das Gluͤck fchäge, mich nennen zu bürfen 


E 
mit dankbarer Ehrfurcht Sie 
liebenden Zögling —- 

N . 


y- 


J 


Un einen vornehmen Goͤnner. 
Wohlgeborner, (Hochedelgeborner) 
Hochgeehrter Herr ! 

Erlauben Sie, daß ich es wagen darf, Ihnen 
Befonders Beute meine Hochachtung zu bezeigen und 
meinen aufrichtigen Gluͤckwunſch an den Tag zu 
legen. Die ewige gütige Vorſicht ſchuͤtze auch in 
dieſem neuen Sabre, fo wie feither, Em. Wohls 
ged. theures Leben, das für uns Alle, die Sie 
"mit Ihrem gütigen Zutrauen begluͤcken, der hoͤchſte 
Gegen iſt; fie erhalte Ste und Ihre verehrungss 
würdigfte Familie bei dem dauerhaftefien Wohlſeyn, 
. und belohne jede ihrer fo gütigen als wohlchätigen 
Sefinnungen gegen uns mit den reizendſten Freu⸗ 
den des Lebens. Unausſprechlich gluͤcklich wird ‚mich 
bie Kortbauer Ihres gätigen Wohlwollens mahen. 
Durchdrusgen und überzeugte von dem Werthe 
defielben, werde ich eine Gelegenheit vorüber schen 

| | W er, 


f 


\ - 12 — 


laſſen, mich’ deffen immer wurdiger zu machen, 
und Sie zu Überzeugen, wie ni meinem Herzen 
das Glaͤck liegt, mich ferner neußen zu dürfen 


En. Wohigeb. 
. san seine 
9%. 
J An einen hohen Vorgeſetzten vein n Jahreb⸗ 
wechſel. *) 
Hochwohlgeborner Herr, 
. Onädiger Herr Geheimer Rath! 
Mit dem lebhafteſten Gefühle der innigſten 
Ehrfurcht wage ich es, Ew. Hochwohlgeb. meinen 
unterthänigen Gluckwunſch bei dem feierlichen Jah⸗ 
reswechſel an den Tag zu legen. Die ewige Vor⸗ 
fiht erhalte Hochdenenſelben Ihr uns Allen fo 
theueres Leben auch -in dem angetretenen Jahre, 
und kroͤne Ihre Tage mit dem bauerhafteften Wohl⸗ 
‚feyn, jede Ihrer Stunden mit den würdigften und 
den Em. Hochwohlgeb. erhabenem wohithätigen Cha 
rakter erwuͤnſchten Freuden des Wellen, ‚des Pas 
trioten, de6 olcuchſten Gemabls und Waters gu 


28 &o fange daß fteife Eremeit, Eu talte 9; 
keitston.noch wicht allgemein abgeſch ‚nme 
Iange man fi) demfelben immer HR 
deutfchen Provinzen unterwerfen muß ſo lanı hr vr 
„eine Anleitung un Abfaflung, foiher Delete nie 
überfüffig, feyn. Das Mt Freilich traurig: aber 
{RR nun ’einmal fo. Wer dagegen handeln wire 
dorfte zwar Ken dab er Gejhinad befike: aber 

würde inem Selämate üßeraft Gerechtige 
Leit wiberfahten laflen? Wird ein Einziger das Banze 
umändern? Gciwerlih! &* Artd (con fo viele Vor⸗ 
fellungen in, öffentlichen Schriften. dagegen, aber 
allewıal vergebens , gethan:tworden: ei .mird: alfo_am 
feine — au ve feun, „fo lange die 
®roBen, deſont te Büren, bicue u 
aicht verbrängen den 


* 


ber: Seite ihrer Hohen Familie. Lange nach bleiben 
Sie die Freude unjers verehrten Fuͤrſten und ber 
‚Grolz Ihrer Untergebenen, deren hoͤchſtes Gluͤck 


die. Zuſicherung Ihrer Gnade und Zufriedenheit iſt. 


Sehr gluͤcklich werde auch ich mich fühlen: wenn 
mich Ew. Hochwohlgeb. der Fortdauer Ihrer Gnade 


würdig halten wollten. Ich bitte Hochdieſelben tm 
giefftee Unterthänigkeit darum. Stuͤndlich foll es 
mein einziges Beſtreben ſeyn, Hochdieſelben von 


meinen ehrfurchtsvollſter Empfindungen auf das . 


shätigfte und geherfamfte zu Überzeugen, und mie 
Hochderofſelben Beifall zu erwerben, fo viel es im 


weinen geringen Kräften Reber. Der ih ehefurgee 
vol aſterbe | 


Ew. Hochwohigeboren 


unterthaͤniger (oder: gang 


sehorfamftr) 

686. . 
Ein. Freund fchreibt zum neuen Jahre an feinen 
' Breund, weichen im verfloffenen Jahre mans 
cherlei Unglüdsfäle getroffen haben. 

- Mein Greusd! . on 

Schon ift wieder ein Jahr dahin! Ein gros 
Ber Zeitraum! Zwar tft in demfelden mancher 
unferer Wuͤnſche unerfült geblieben, zwar hat uns 
in deimfelben manches harte Schickſal getroffen: und 
doch muͤſſen wir noch immer bekennen, daß Bott 
uns feine Vaterhand nicht entzogen, daß uns feine 
Gnade nicht verlaffen: hat. Muß fih. auch in unfte 
Tpranen des Dante manches wehmüthige Gefühl 
mifchen: fo wollen wir doch unfern Blick von dem 
micht abwenden, der unfer Schicfal in feiner Hand 
Hat, und alles zum Beſten zu kehren weiß, Freund, 


« 


ih Sin von Ihrem Kerzen fowohl, als von Ihrem 
Verſtande und Ihren Erfahrungen vollkommen übers 
zeugt, daB auch Sie die Ihnen widerfahrenen 
Ungluͤcksfaͤlle nice: für eine Strafe von Sort hals 
ten, fondern feine weiſen Fuͤgungen in Ehrfurde 
anbeten werden, wenn Ste fie au nicht ergründen 
innen. Oft entwickelt die Zukunft, was der Ges 
genwart verborgen blieb, trocknet unfere Thränen, 
und erfreuet unfer Her; mit Zufriedenheit. Die 
Unſchuld, die uns von allen Selbſtvorwuͤrfen freis 
ſpricht, iſt ein ehernes Schild gegen alle Pfeile 
des Schickſals. Und mit diefen Empfindungen bes 
gruͤßen Sie, Itebiter Freund, den Anfang eines 
neuen Jahres, das Ihnen zur erfprießlichften Quelle 
der veinften Freuden und eines ungeflörten Gluͤcks 
werden: möge. Suchen Sie In der Religion, im 
Ihrer edlen Thätigkeit und in dem unermädeten 
Beſtreben, Ihre Pflichten zu erfüllen; ſuchen Sie 
in dem Arme der Freundfchaft Beruhigung und 
Troſt: und der Beifall Ihres Gottes, Ihres eigs 
nen Herzens, Ihrer Vorgefegten und die Liebe 
ihrer Breunde wird Ihren Mißmuth, Ihren Kum⸗ 
‚ wer verdrängen, und Ihnen des Lebens Stunden 
wieder froh und zufrieden machen. Sie find von 
langen Zeiten ber überzeugt, wie Hoch ich Ihre 
Freundſchaft fhäge: gönnen Sie foldhe auch fernes 
noch wie jeither | 

Ze Ze - Ihrem 

Ahnen fehr verbindlichen Gerune 





Ä ot, 97. Ein 


WW | 97. Ä | 
3 junger Menſch an feine fange Freundin bei 
u ihrem Geburtstage. | 
Meine liebe Freundin! 


Laffen Sie fichs erzählen, in welcher Verla 
genheit ih feit einigen Tagen wars und bedauern 
Sie mid, wenn es Ihnen moͤglich iſt. Sie wiſ⸗ 
fen doch, daß wir heute den ız2ten Februar ſchrei⸗ 
ben? und daß mir diefer Tag in Ihnen eine mie 
fo liebe Freundin gab? Da mollte ih mih num 
gewaltig angreifen, und Ihnen eine Freude machen, 
die, wie wir zu fagen pflegen, ins Weite gehen 
ſollte. Länger fon, als ſeit vier Wochen, erzog 
ich Ihnen zwei allerliehfte Hyazinthenſtbckchen. 
Dieſe lohnten mir denn auch meine Sorgfalt zu 
meinem Vergnuͤgen, und wollten, ſchon recht alles 
liebſt zu blühen anfangen. Aber denken Sie fih 
mein Ungluͤck! Geſtern benahmen fie mir einen 
Theil meiner fhönen Hoffnung ; und heute hängen 
Re die Köpfe ſchon fo tief, daB man fih mit ihnen 
vor "keinem teputirlihen Menſchen mehr fehen lafı 
fen Bann. Sch gerierh außer mir, und nun war 
guter Rath cheuer. Doch ich berubigte mich end» 
lich: weil ich weiß, daß Sie mtr verzeihen werden; 
wenn ich daranf befand, Ihnen lieber keine Bius 
men , al8 von fremden Händen erzogene, zu diefens 
fhönen Tage zu weihen. Nehmen fie daher bei⸗ 
folgendes kleine Tafehenbuch als ein geringes Ans . 
denken an. Erfülle es nur Einen Ihrer Wünfches 
fchöpfen Sie aus bemfelben nur eine Idee zur 
muntern Unterhaltung unfers Bleinen freundichafts 
Itchen Zirkel, von dem Sie immer die Seele was . 
zen: fo bin ich ſchon zufrieden. Nehmen Sie zus 
gleich mit diefem Meinem Geſchenke meinen aufrich⸗ 
tigſten Gluͤckwunſch an, der Ihnen alles wie 

’ —X 


pr? 


On 


— a36 — 


Gute goͤnnt. Otuͤnde es in meinen Kraͤften, Sie 
zu der Gluͤcklichſten Ihres Geſchlechts zu machen: 
* "follte, fo. mÄßte das recht ſehr gern gefchehen. 
Seyn Sie fernerhin.die Freude Ihres guten Vaters; 
entzuͤcken Sie täglich Ihre verehrungsiärdige Mut 
ter mit neuen ſchoͤnen Eigenſchaften, die in ihr die 
Hoffnung‘ recht lebhaft verftärken müflen, daß Sie 
ihr num bald zur dankbaren Pflege und Stüge wer⸗ 
den dienen kͤnnen. Werden Ste alle Tage, wenn 
das möglich iſt, noch huͤbſcher, als Ste ſchon find; 
und bleiben Ste Dabei die gütige Freundin | 
Ihres 
Sie aufrichtig ſchatenden breundes 


08. 
in Sehn an feine Mutter gu ihrem Gesursktag 


Berehrungswuͤrdigſte Mutter I 
- con feit meinen erften Kinderjahren war mir 
der heutige Tag ein Freudenfeſt: wie viel mehe 
muß er es jetzt ſeyn, da ich nun das, was ich ches 
mals nur dunkel empfand, deutlicher und klaͤrer 
überlegen, und darüber nachdenken kann! Und muß 
mir dieſer Tag nicht ein befonders feftlicher Tag 
feyn? Gab. er nicht meiner guten, frommen, für 
mein Wohl fo fehr beſorgten Mutter das Leben ? 
und ſchuf niche ihr Dafeyn das meinige, mein Gluͤck 
and meine Bildung? Ob ich gleich alle Tage in 
der Stille mit. dankbarem Herzen für die Erhaltung 
Ihres uns fo thenern Lebens zu Bott bete: fo ers 
lauben Ste mir doch, gute Mutter, daß ich Ihnen 
heute die Gefühle meiner kindlichen Liebe lauter an 
ben Tag legen "darf. Oft war ich ſchon fehr bes 
truͤbt: wenn mir der Bedankte einfiel, daß ich Ihnen 
och immer nur mit Worten, und wicht jo its 

no .. hban 


F | 


— 452 — 


danken konne, wie th wuͤnſchte. Aber heute ſtiegen 
mir die Freudenthraͤuen in die Augen, als ich Dachter: 
„was dn ſetzt noch nicht vermagſt, weil deine Kraͤſte 
Deinen Willen noch nicht erreichen: fönuien, das ſoilſt 
du, das mußt du in einiger Zeit bewerkſtelligen.“ 
Und, liebe Mutter, ich fing an, etwas auf mich! 
zu halten: als ich mir den: Heiligen Schwur leiſtete, 
alles zu hun, was in meinen Kräften ſtehe, Ihre 
Frenden nicht nur jet ſchon vermehren; fÜndern 
Ihnen auch einſt den: Abend: Ihres Lebens fo Hd. - 
verfhöneen zu helfen, als mir möglich ſey. 8 
..Bei dieſem meinen Briefe finden: Sie ein Melk 
nes Geſchenk, das fi mehr durch das Herz de 
Gebers, als durch feinen eigentlihen Werth empfehr 
fen muß. Nehmen Sie es mit Güte und Liebe aufs. 
Sa kann es Ihnen nit mit Worten: befchreiben,; 
mit, welcher unfäglihen Wonne Ih mein Kleines 
Taſchengeld zufammenfparte, um Ihnen diefen Dex 
"weis: meiner Liebe und meiner Aufmerkſamkeit gebem 
zu koͤnnen. Seyn Ste überzeugt, daß auch des; 
Meinfte eigennügige Gedanke: meinem Setzen dabei: 
feemd Bileh ‚und daß ich Leinen andern Wunſch 
Hatte ,. als daß Ihnen meine Wahl rur nicht ganz. 
mißfallen möchte: "Die einzige Bitte, die. ich Heute 
an Gie habe, iſt: gönnen Sie ferner Ihre Liebe 
und Ihren muͤtterlichen Segen - 
SHrem 
8 Sie zaͤrtlich vereßrenden Sohne 
| er 
| 00. J 
An einen Schwager bei feinem Geburtstage. 
Wertheſter Herr Schwager ! 


Wie gern wäre ich heute, an Ihrem Geburts⸗ 
tage, bei Ihnen! Sie willen von langen Zeiten 
her, wie lieb mis diefe Ihr Häusliches Feſt mar, 

. wa 


m SIE —— 


und daß ich dabei’ jede Freude mir. Ihnen aufs herz 
lichſte theilte. Dies Mal muß. ih .mid nur im 
Geiſt zu Ihnen denken: aber auch ſchon diefer Ge⸗ 
danke, und diefe meine Vorſtellung machen mir ein 
großes. Vergnügen: . iind fo fehe ich es denn recht 
iĩebhaft vor mir, wie meine gute Schweſter, Ihr 
liebes ‚Weibchen, Sie umarmt, wie ihr die Freu⸗ 
denthränen in den Augen ſtehen, wie fie Gott um 
nichts flehentlicher, als um eine lange, lange Reihe 
Sabre für Ihren Gatten bitter, und wie fie kein 
Sluͤck Höher ſchaͤtzet, ald das Gluͤck Ihrer haͤusli⸗ 
hen Ireude und Zufriedenheit. Da ſehe ih Ihre 
Kinder, vom größten bis zum Meinften, wie fie 
ſich an Sie andrängen, und jedes nach feinen Kräfs 
ten feine Freude und bie Wuͤnſche feines Herzens 
darbringt. Und dann rufe ich Ihnden, meiner Schwe⸗ 
ſter und’ Ihren Kleinen mit geruͤhrter Seele zu: 
Loffe, guͤtiger Sort, fie Alle ungeftört und unges 
trennt bis in das ſpaͤteſte Alter diefe Freude genies 
Ben, und fegne ihre Hoffuungen! — Nehmen Ete, 
Ueber Schwager, . zu dem heutigen Tage den Beinen 
Beitrag für Kühe und Keller, den ih Ihnen mie 
dieſem Briefe überfende, eben fo gut. auf,. als er 
Ihnen willig und herzlich von meiner. Seite geges 
Ben-wied. Was die Küche betrifft, fo wird meine 
Scchweſter damit fhon fertig werden — und was 
den Keller anbelangt, fo willen Sie nadı den Ers 
fahrungen, die ih gemacht habe, vorzüglich gut das 
mit umzugehen. Denken Ste meiner bei dem Ger 
auſſe mit Liebe, und bleiben Ste immer mein mie 
wohlwollender Schwager. Gruß und Kuß an ihre 
liebe Grau und guten Kinder. Unzertrennlich 
Ä re r 
redlicher dowager 


——— D ‚æ —— 


100. Ant⸗ 


— 289 — 


100. 
Ant wort. 

Ei, ei, mein allzuguͤtiger Herr Schwager, wie 
ſetzen Sie mich ſchon wieder tn eine nene Verlegen⸗ 
Beit! Das Ueberfendete tft zwar gluͤcklich angefoms 
men :..aber wie foll ich es erwiedern, da ich immer 
noch, und zwar feit fo langer Zeit ſchon, ein gros 
Ger Schuldner von Ihnen bin? Ich danke Ihnen 
indeß aufs innigſte dafür; und ih werde nun ernſt⸗ 
lich dafür forgen, daB ich die Nofe eines Beſchaͤm⸗ 
ten nicht länger behalten darf. Ihr gütiges Ges 
ſchenk für unfere Küche hat meiner guten Frau niche 
wenig Freude gemacht : weil fie gar fehr uͤberraſcht 
wurde, und weil fie gerade darin eins von meinen 
. Reibgerichten fand, das wir. hier nur aͤußerſt felten, 
und biefes Jahr ſelbſt für vieles Geld nicht einmal 
haben koͤnnen. Und was foll ih Ihnen von dem 
Vergnuͤgen fagen, das mir Ihre gütige Erinnerung 
an meinen Keller machte? Wir haben es und wader 
ſchmecken lafien. Bei jedem Safe ward das Wohl 
- unfers lieben Schwagers getrunken, und er als vor 
zäglicher Kenner des edeln Rebenſafts gerähmt. 
Tanfendmal vergnügter wären wir aber gewefen : 
haͤtten Sie unter uns ſeyn können, Es war eine 
ſjchmerzliche Empfindung: als wir Sie in nnferm 
Kreife vermißten, da Ste feit vielen Jahren an die) 
‚fem mir wichtigen Tage die Seele unfers kleinen 
haͤuslichen Feftes waren. Machen Sie es ja bald 
möglich, uns zu befuhen. Die Freude, die Ih— 
nen von uns Allen entgegen eilen wird, wird Si⸗ 
eben fo fehr von der Lebhaftigfeit, als von der ums 
geheuchelten Wahrheit und. Redlichkeit derſelben 
Aberzeugen. indem ich diefes fchreibe: verfammeln 
ſich meine Kinder um mich, und jedes beftellt einen 


! 


berzlichen Gruß an den lieben Kern Better, und 


Binder mis es aufs Leben ein, daß fie Alle Höfe, 


, Ät ° 


=, 240 — 


recht ſehr boͤſe ſeyn wuͤrden, wenn Sie uns nun nicht 
baid beſuchten. Es will ihnen noch immer nicht 
‚gefallen, daß fa ein Jahr verfireichen konnte, 
ohne Sie wenisftens ein Einziges, Mal gefehen 
zu haben. Meine gute Frau und wir Alle empfeh⸗ 
(en uns Ihrer bruͤderlichen Liebe. Leben Oie 
wohl und vergnuͤgt, das wuͤnſcht Ihnen von ganı 
zem Herzen I 


ge u | 
Ihnen ſehr verbindliker Schwager _ 
a - 101. 0 | 


7.7, Hm Namendinge eines Freundes. 
Judem Ich an Sie, mein licher Freund, fchreis 
ben wollte, und nicht deftimme wußte, od heute 
Die: ı5te oder a6te April fey: nehme ich meinen | 
Kalender in die Rand, fihlage nach und finde, daß 
morgen: Ihr Namenstag ſey. Morgen, dachte ich . 
augenblicklich, empfängt dein Freund diefen Brisf, 
den du Heute au ihn ſchreibſt: es würde alfo nicht 
halb Recht fen, wenn du ihm nicht wenigftens 
mit einigen Wörtchen deine Freude über dieſen 
gläklihen Fund, an den er vielleicht felbft nicht 
denkt, an den Tag legteft, und ihm Gluͤck wuͤnſch⸗ 
teſt. Es iſt felten, daß th mich nicht befinnen 
kann, umd nah dem Datum erft in den Kalender 
fehen muß. Ich läugne es auch nicht, daß es mie: 
Anfangs ärgerlich war, nad dem Kalender fuchen 
zu ſollen: aber nun iſt mir es lieb. Ob ich ſchon 
- weiß, daß der Taufname bei dem Menſchen weis 


ser nichts zu bedeuten bat, als daß er ein Unter—⸗ 


ſcheidungszeichen von andern Taufnamen feyn foll- 
. fo tft es doch angenehm, wenn uns auch diefer 
ame an einen Denn erinnert, der einft brav 

war, 


war und fi auszeichnete. Ihr 8 e Guſtaðs 
Adolph erinnere Sie täglih an guten und 
tapfern König Guſtav Adolph, der ein Freund der 
Wahrheit und ein Feind der Ungerechtigkeit war, 
und für. Beide den. Tod nicht fiheuete. Man barf 
eben. fein König fern, um ſich von dieſen Tugen⸗ 
den als ein treuer Verehrer zu zeigen; der kleinſte 
Familienzirkel bietet uns dazu Gelegenheiten an. 
Und Sie, lieber Freund, zeigen ſich immer in dem 
Ihrigen ſo, daß man Sie nicht anders, als mit 
Wergnägen beobachten, und Ihnen ſowohl, als den 
Ihrigen, mit dem aufrichtieften Herzen Gluͤck dazu 
wänfhen kann. Tragen Sie daher, mein Tiebet 
Freund, diefen Namen noch lange mit Ehren, den 
Sie mit einem großen Manne der Vorzeit gemein 

Nhaftlich führen. 
j Meine erfte Abſi A, an Sie zu ſchreiben, war 
eigentlich die, Ahnen zu jagen, daß ich mich mie 
den Meintgen wohl befinde, und daß ich &te aufs - 
fordern wollte, mir ebenfalls einige Nachricht von 
N zu geben. Denn es ift mir gar nicht, als wenn 
ich leben könnte: höre ich nicht von meinen Fream 
den bisweilen, wie fie fich befinden, und 06 es 
ihnen fo wohl gehe, wie ich es wünfhe, Nun mers 
Den Sie mir doch auch bald antworten? Gewiß 
würde ich recht fehr Höfe ſeyn: wenn Sie ſich wenige 
Mens für meinen breiten Gratulationsbrief nice 
bedanken wollten. Doch nein! ſchreiben Sie 
mir nur, wie es Ahnen mie den lieben Ihrigen 
gehet, und ob fi alles in Ihrem Kaufe wohl bes 
findet; den Dank für meine Gratulation will ich 
Ihnen erlaffen, weil Seinem Ihr und Ihrer Gas 
milie Wohl -mehr am Herzen liegt, als 

Ihrem 
Freunde 
N. 


N. . 102, Ein 


| En 243 — 


5 108, | 
Ein Bruder an feine Gchwefler, einige Tage 
Ä ach ihrem Ramensfelle. Ä 


Du weißt: es doch , gute Schweſter, daß ich 
immer viel, fehe viel zu thun habe, und daß ich 
mit taufenberlei Dingen befchäftiget bin, die ich tags 
taͤglich im Kopfe Haben muß. Bei einem folchen 
Trubel kann es einem Wanne, wte mir, gar leicht 
widerfahren ,„ daß. er einen Tag vorüberfchlüpfen . 


laͤßt, der den Vornamen eines feiner Lieben bezeichs 


net, und dabei vergißt, ihm Gluͤck zu wäniden 
Ron. Deinem fchwefterlicgen Herzen bin ich übers 

seugt, daß es mich emrfchuldigen wird, wenn ih 
es dieſes Mal feit langen Zeiten verfehen, und Dei⸗ 
nes Namenstages nicht gedacht babe. Sch elle, um 
Dih zu beruhigen; damit Du Dir keine irrige Vor⸗ 
fiellung machen, und mich weder für krank, noch 
für erkaltet in meiner.brüderlichen Liebe halten moͤgeſt. 
Ich Bin in meinen Gedanken täglih um und bei 
Die, und wuͤnſche Dir ftündlich alles Liebe und 

Sure, Was Dir begegnet, ift eben fo gut, ale. 
< begegne ed mie. Gott erhalte Dich, Deinen Mann 
und Deine Kinder zu meiner Freude noch lange, 
lange Sabre in dem beften Wohlfenn. Sey vers 

fächert , niemand kann an Deinem Gluͤcke größeren - 
. Antheil nehmen, als 


. Dein | 
Dich aufrichtig und zaͤrtlich 
Iebender Bruder | 
N, 


. r 





105. An 


9 


0. — 


4 09 105. 
An einen Freund bei der Geburt feines Erſt⸗ 
Ä gebornen. | 

Wie hoch Mopft mein Herz bei Ihrer mir 
Bußerft angenehmen Nachricht von der glädlichen 
Entbindung Ihrer guten lieben Gattin. Ich kann - 
mich recht Lebhaft in Shre Lage bei diefem frohen 
Bamilienereigniß denten. Habe ich nun Recht, wenn 


ich bisweilen zu Ihnen fagte: daß ed kein fchönes . | 


red, fein höheres Gefühl für den Menfchen gebe, 
als das Gefühl des erfien Augenblicks der Varer⸗ 
freude? Die Vorſicht ſchuͤtze Ihre gute Fran vor 
"jedem Zufalle, der Ihre Freude vermindern kann. 
Reden Sie ihre fanft zu, daß: fie behutſam fey, 
“and fich nicht für ganz gefund und volikräftig halte, 
wenn ihr dieſes auch ſchon in den erfien Tagen 
ihrer Niederkunft fo vorkommen follte. Die jungen 
Weibchen Haben es in der Art, fi leicht über 
Dinge hinwegzuſetzen, die nur ihre Unerfahrenheit 
für Kleinigkeiten halten kann: aber das Verſehen 
“ einer Woͤchnerin iſt oft, fogar felbft bei einer Klei⸗ 
nigkeit, von dem größten NMachtheile; und diefer 
Nachtheil zeige fich nicht immer auf der Stelle, fons 
deren er fchleicht im Körper langſam umher, bis er 
endlich Urſache zu Kraͤnklichkeiten wird, die dann 
ein Arzt mehr heilen kann. Oft filgen aber auch 
die Schmerzen dem Verfehen auf dem Fuße nach. 
Viele Wöchnerinen zogen fih durch Ihre Voreilig⸗ 
keit den Tod zu, Wie will ich mich freuen, und 
einen meiner liebſten Wünfche für erfülls Halten: 
wenn ich von Zeit zu Zeit Nachrichten von Ihnen 
bekomme, daß ſich die Woͤchnerin mit ihrem. Kinde 
rechte wohl befinde, und daß es dem Fleinen Ans. 
koͤmmlinge auf diefer unferer ihm noch fo neuen 
and fo unbekannten Welt eh ſehr gefalle. Bien 
8 a FB 3 


x 


— 244 BR 


Sie ihn zu Ihrer Freüde und zum Nutzen ber 
Welt groß, und genteßen Ste täglich Diefes erhas 
bene ſchoͤne Gefühl der Vaterfreude in feiner reis 
zendften Mannichfaltigkeit. Breund, was empfans 
den Sie, als die Wehmutter Ihnen zuflüfterte: 
es iſt ein Sohn! Es ift fonderbar, daß fich Die 
Vaͤter fo vorzüglich einen Sohn zn ihrem Erfiges 
bornen wünfdhen, und die Mütter eine Tochter, — 
Sreund, Ihr Wunfch iſt erfült: naͤchſtens werde 
nun aber auch der Wunfch der guten Mutter befries 
Biget. Line bunte Reihe gefäle uns am Tifche, 
auch als Familienvater am beften. 
Leben Ste wohl. Wuͤnſchen Sie der Wihne 
ein in meinem Namen Gluͤck, und bleiben Sie 
Beide überzeugt, „daR Niemand mehr. an Ihren 
hauslichen Freuden Theil nehmen kann, als 


Ihr | 
aufrichtiger 
. N. 


104. | . 
An einen Freund, deſſen Gattin zum fechften 
Male glücklich entbunden worden if. 


Brav, mein Freund! Sie halten fih wader 
bazu, ein ganz artiges Haͤufchen Hausfegen um ſich 
berumtrippeln zu haben. Ich wünfche Ihnen Gluͤckk 
bayu; Daß ſich Ihre gute Gattin fo tapfer dabei 
haͤlt⸗ gefund und vergnäge tft, kann mir, der Ih⸗ 
nen die ſchoͤnſten Freuden des Lebens fo herzlich 
gönnt, nicht anders, als ſehr angenehm feyn. Gott 
ſchenke der guten, edlen Kran noch lange dieſe 
Dauerhafte Geſundheit, diefe Feftigkeit ihres Körpers. 
Unter ſechs Kindern ift eine gefunde, rafche und - 
zufriedene Mutter fhlechterdings unentbehrlich ; und 
ed gehören Keäfte dazu, ein fo anfehnliches Haus⸗ 

| | weſen, 


weſen, wie das frige iſt regteren und leiten zu 
Binnen. . Den Meugebarnen fchüge bie —8 
. daß er wachfe, gedeihe und einſt Iran werde, Gluͤck⸗ 
lich wird er vor Vielen ſeyn, wenn er nut erſt 
etwas klaͤrer denken und empfinden wird: denn ee’ 
lebet in einem muntern Zirkel von Bruͤdern und 
Schweſtern, die ihn lieb Haben; und zärtlich. pfle⸗ 
gen wird ihn gewiß die Mutter auch, weil: fchon 
das Oprichwort fage: die fagenannten Mefthädchen 
wären gewoͤhnlich die erfiärten Lieblinge der Mut⸗ 
ter. Kaſſen Ste das kleine. Geſchoͤpf in. meinem 
Mamen. Es foll auch an mir einen Breund har _ 
ben. Glauben Sie, daß ich immer den größten 

Antheil an meiner „reunde Wehiſen un, und 

u. “ vorzüglich bin rg 
Be 


Ihnen en ebene u 
N... 


108. 


An eine junge Wittwe bei ihrer, zwei Monate 
wach ihres. Mannes Abſterben, erfolgten ‚glüd: 
lichen Niederkunft. 


Bürbigc Freundin ! 
Range war ic recht fehr um Sie beſorgt: 
Gott har aber alles zum Beſten gewendes, und 
feine Gnade bat Ahnen wicht mehr auferlegt, ale 
Ste tragen konnten. Ihm fey Dank, Preis und 


r 
Du Sie aͤberzeugt And, wie groß meine Theil 


nahme an allen Ihren Schickſalen tft: fo darf ich 
Ihnen nicht erft verfihern, wie groß meine Freude 
über Ihre glückliche Niederkunſt war. Wie viel 
fuͤrchteten wie unter den Ihnen feither zugeſtoße⸗ 

WW 


nen traurigen Umſtaͤnben! Aber die Macht ber Res - 
ligion Hat fie Ihnen muthig überfichen Helfen, und 
freudig rufe ich wem kleinen neugebornen Pflegling 
zu: Sey uns Allen, fey auch mir herzlich willkom⸗ 
men! Und indem ich ihn fo froh, fo innig begrüße: 
lege ich wir freiwillig die Pflicht auf, die mir Heis 
Hg ſeyn fol, und deren ich nie vergefien werde — 
fein Freund zu werden, wie ich einft ber Greund 
feines mir ewig ıheuern Waters war. Es ruhet 
viel, fehe viel auf Ihnen, meine Freundin! Gie 
- Saben, an dem lieben Kinde zwiefache Pflichten, 
nicht nur bie der Mutter, fondern auch die des 
Vaters zu erfüllen: aber Ich zage nicht; denn ich 
kenne ˖ Iht edles Streben, Ihre Thaͤtigkeit und 
Ihr Ausharren. Gewiß werden Sie mit doppel⸗ 
ter Liebe an Ihrem kleinen Lieblinge haͤngen, um 
ihm den ſo fruͤhzeitigen Verluſt ſeines Vaters, ſo 
viel Ihnen moͤglich iſt, zu erſetzen. Erhalten GSie 
ſich daher dem zur Zeit noch ſo huͤlfloſen kleinen 
Geſchoͤpfe. Erziehen Sie es mit dem muntern, 
frohen, chriſtlichen Sinne einer Mutter, die ihren 
erhabenen Beruf kennt; und blicken Ste bei dies 
for. gewiffenhaften Erfüllung Ihrer Mutterpflichten 
site Vertrauen zu dem, der ein Vater der Waiſen 
und der Troft der Wittwen iſt. Sorgen Ste aber 
auch nicht weniger für die Selbfterhaltung und die 
Geſundheit Ihres Körpers. . Vernichten Sie Ihre 
Kräfte nicht durch eine zu große und anhaltende. 
Anſtrengung, noch weniget durch au bange Sor—⸗ 
en für die Zukunft. Wie unglüdlich wäre Ihr 
kind: follte es nun auch feine einzige Stüge, feine - 
innigſte, feine größte Wohlchäterin verlieren, da 
„8 bereits ſchon feinen Water verloren bat! — 
Bird es Ihnen auch bisweilen ſehr fauer, (dies 
fer Fall kann eintreten) fich fo manchen Pflichten 
feiner Erziehung allein unterziehen zu muͤſſen, die 
fonſt gewöhnlich der Water zur Haͤlfte trägt —* 
werfen 


ER . nn 


— 247 7 

werfen Sie einen Blick in die Zukunft; und ſehen 
Sie, wie dankbar fih einſt der Juͤngling, und 
feloft der Mann noch, Ihrer Sorgfalt, Ihrer 
Aufopferung erinnern, wie er Sie mit: den anges 
nehmften Fruͤchten, die er einzig nur Ihrer Bil⸗ 


dung verdankt, erfrenen, jede Ihrer Hoffnungen: 
erfüllen, wie er es nie vergeffen wird, daß ie, - 


nur Sie die Schöpferin feines Gluͤcks waren. — 
D wärdige Freundin! wenn Sie fich dieſes recht 
lebhaft denken, wenn Sie dieſes recht lebhaft ems 
pfinden: dann, dann wird Ihnen gewiß die ſchwerſte 


Mühe leicht, ſehr leicht werden. - ind Sie übers. 


zeugt, daß ih Ihnen mir Rath oder That beifter 
Sen koͤnne: o fo bitte ich Sie na, 
verhehlen Die mir keinen Ihrer Wänfche, 

falſche VBefcheidenheit wird gemeiniglich die waͤrmſte 


Freundſchaft kalt. Verlaſſen Sie ih auf mih: ih . 


‚werde Ahnen ſtets beiftehen, und mit Wärme und 
Herzensfreudigkeit Ihnen in jedem Galle zeigen, 
wie [ehr ih bin 

Ihr 


bereitwilligſter, redlicher Freund 


8 


106 


Bei der bevorſtehenden ehelichen Verbindung 
eines Freundes. 


So iſt denn abermals, mein gluͤcklicher Freund, 
einer meiner liebſten Wuͤnſche erfuͤllt! Demoiſelle 
M. ſoll nun bald die Ihrige werden. Ihre Wahl 
freuet mi; und ich fchäge das liebenswuͤrdige Maͤd⸗ 
chen, daß es einem Manne, ber zugleich mein Freund 
ift, feine Hand reichte, der ihres Herzens, das bes 
Baupte ih aus Ueberzeugung, gewiß nicht unwuͤr⸗ 
dig if, und Ihre Liebe vor Hundert andern, or 

. - x: fa 


# 


urch 


- 


falls huͤbſchen Maͤmern verdient, Denn gut und 
brav ſeyn, iſt beſſer als huͤbſch ſeyn. Fühlen Eıe 
Beide gartz die Wonne einer eben fo herzlichen, als 
gufriedenen Ehe, Eine größere Gluͤckſeligkeit kann 
es wohl ſchwerlich auf der Welt geben, als die Vers 
einigung zweier Kerzen, Gluͤck und Unglüd, Freude 
und Schmerz mit einander gemeinfhaftlich zutrayen. - 
Durch beiderfeitige zärtliche Theilnahne wird ein 
kleines Gluͤck in Ihren Augen ein großes werden; 
‚und der bitterſte Schmerz wird ſich lindern, weif 
Eine das Andere beruhiget. Gewaͤhrt ung fon 
die Broundfchaft ein fo feliges Sefühl: um wie viel 
größer muß das Süd einer vergnügten Ehe feyn, 
die afle Freunden des menſchlichen Lebens übertrifft. 
Empfehlen Sie mi Ihrer fhönen Braut, und vers 
fibern Sie ihre meine innigfte Hochachtung. Sagen 
@ie ihre, daß ich fie zwar immer ſehr gefchäst habe, 
daß ich fie aber nun noch höher verehrte, da fie 
Hoffentlich einen meiner liebſten Freunde zu einem 


der glücdlichften und zufriedenftien Männer maden 


werde... Seyn Sie Beide Überzeugt, daß Ihnen 

Bei diefer Ihrer Verbindung niemand feinen Segen 
frendiger and herzlicher erteilen kann, ale 

Ihr 

Ihnen ergebenſter Freund 

u 10% Br oo 

Dei der Verbindung eines Freundes, wovon er 
ung aber Feine GSpibe gemeldet hat. 


Strafbarer Freund). 

Bie? Mir, Ihrem Freunde, auch nicht ein 
einziges: Woͤrtchen von Ihrer Verbindung mit Dey 
moiſelle N. zu ſchreiben? Ich frage Str auf Ihr 
ehedem fo zartfühlendes, freundichaftliches Gewiſſen: 
Können Sie das verantworten? Von mir dürfen | 
. . te . 


* 


Sie nicht glauben ; daß meine Freundſchaft erkaltet 
ſey; und daß ſich die. Ihrige vermindert habe, — 


das may ich wenigſtens jetzt noch nicht glauben. 


Allo was war die Schuld dieſer — ſoll ich es Her⸗ 
geßlichkeit, oder Saumfeligkeit, oder Vernachläſſt⸗ 
gung nennen? Horen Ste, wie Ste mein Herz. 
vertheidiget, und fühlen Sie dann, mie fehr ic. 
Ihr Freund bin. „Zuͤrne nicht über Deinen Freund,“. 


fagt es, „Die erſten Wochen eines ſich innigf lim. 


beuden jungen Ehepaars gleichen einem angenehmen 
Rauſche, wobei man einzig nur an ſich denket, nur 
mit dem geliebten Gegenſtande ſein ganzes Daſeyn, 
alle ſeine, auch ſelbſt die kleinſten und unbedeutend⸗ 
fen Empfindungen und jede Minute des Tages thei⸗ 
let, ihm, zur ihm lebt, und alles um ſich herum, 
ja faft die ganze Welt vergißt. Deshalb ſchaͤtzt man 
aber denn doch feine Freunde nicht weniger, als 


‚vorher, Man glaubt jegt zu einer Nachſicht gleiche - 


fam Berechtiges zu feyn, und fordert wenigſtens Ent’ 
ſchuldigung, wenn man auch eben nicht fo, und 


vielleicht etwas Billiger ſeyn ſollte.“ — Und wenn _ 


das nun eben fo bei Ihnen ift: fo will ib Ihnen 
nicht nur verzeihen, fohdern Ihnen fogar noch oben: 
drein vom Kerzen Süd wünfhen. Ihre Wahl 
kann nicht anders, als fehr gut feyn, das traue 
ich Ihnen nad) dem, wie id, Sie fenne, vollkom⸗ 
men zu; und ich würde mich gewiß fehr lebhaft 
Aber dieſe Ihre Verbindung gefreuet haben, wenn 
ich auch nicht von allen Orten und Enden eine fo 

ünftige Beſchreibung Ihres eben fo tugendhaften, 
— als ſchoͤnen Weibchens erhalten hätte, 


Um mich diefem beftens zu empfehlen, bedarf es 


wohl weiter nichts, als daß ih Ahr Freund bin. 
Und wenn Sie Ahrer Sattin das fagen wollen: 
fo kann ich ſchon uͤberzeugt feyn, daß fie dann von 
mir eine gute Meinung faflen, und mich wenigflend 


nicht in die ganz letzte Reihe Ihrer Breunde ſtellen 


werde. 


\ x 


* 
— 250 — 


tberbe. Könnten. merifchliche Wuͤnſche etwas über 
das Schieffal vermögen: Freund! dann mäßten Ste, 
ich wuͤrde nicht cher zu wuͤnſchen aufhören, der’ 
gluͤcklichſte Mann und Satte auf der Welt ſeyn. 
Wenigſtens will ih Ihnen und Ihrem lieben Weibs 
hen: alles Sure gönnen, wodurch Sie vorzüglich 
nach Ihrem Kerzen gluͤcklich ſeyn koͤnnen. Und 
ſollte der Zufall eintreten, daß auch ich Ihnen da⸗ 
zu beförderlich ſeyn koͤnnte: nun dann wenden Sie 
ſich getroſt an mich; und Sie ſollen ſich überzeugen, 
daß diefe Verſicherungen keine leeren Worte waren, 
denen von ganzer Seele feind iſt 


= aufrichtiger Freund 
N. 


, 108. 
Gluͤckwunſch zur Heirath eines Freundes, deffen 
Braut man noch nicht perfönlich kennt, nebſt 
einer abfchlägigen Antwort, daß man die Eins 
ladung zur Hochzeit nicht annehmen koͤnne. 


Beſter Freund ! 


Die Nachricht von Ihrer glädlichen Werbins 
dung hat mich fehr angenehm uͤberraſcht. Sie wife 
fen, wie .fehe mein Herz Sie licht, und wie inntg 
es an allen Ihren gluͤcklichen Ereigniſſen Theil 
nimmt. Bin ich gleich nicht fo gluͤcklich, Ihre liebe 

Braut perfönlich zu kennen: fo haben Sie mir Doc, - 

mein lieber Sreund, durch Ihre Schilderung ein 

fo lebhaftes Bild entworfen, daß ich völlig Übers . 

zeugt bin, die Wahl entfpreche den Wünfchen von 

beiden Seiten auf das volllommenfte, und es könne 
Ahnen nun nicht fehlen, ein recht glücklicher Gatte 

zu werden. : Was für Ausſichten öffnen fi Ihnen 

- für die Zukunft! Was für giädlichen Tagen a 

ie 


u Ze 1: | GE nn BE 


Sie nun .entgegen! Empfehlen Sie mid Ihrer 
: Hebenswärdigen Braut beſtens; und fagen Sie ihr, 
wie fehe ich fie auch unbekannter Welfe verehrte. 
So herzlich gern ich Ihre stigr Einladung zn Ihrem. 
Hochzeitfeſte annehmen wollte, fo geehrt ich mich 
auch durch dieſelbe fühle: ſo erlaubt mir es doch meine 
jetzige Lage nicht, Ihnen meinen Gluͤckwunſch an 
dieſem feierlichen Tage perſoͤnlich abſtatten zn koͤnnen. 
Bedauern Sie mid, und eutſchuldigen Sie mic 
beſtens. Doch Ste kennen meine Verhaͤltniſſe, und 
ich — Ihre billige Denkungsart. Gott laſſe Ihre 
‚Ehe. geſegnet und zur unverfiegbaren Quelle ber 
ſchoͤnſten und dauerhaftefien Freuden des Lebens - 
werden. Aufrichtigft bitte ich Ste um die Fortdauer 
Ihrer Freundſchaft; von mir feyn te verſichert, 
daß “ nie aufhören werde zu feyn 


Sie hochſchaaender Bra 


. 109, 

Gluͤckwunſch an eine Wittwe, mit welcher wir 
in Geſchaͤftsverbindungen ſtehen, bei ihrer zwei⸗ 
ten Verehelichung. 


Wertheſte Madam! 


Ihnen zu Ihrer vollzogenen und ſo erfreull⸗ 
chen Verehelichung mie Herrn N. aufrichtig Gluͤck 
zu wuͤnſchen, dazu fordert mich eben ſo ſehr meine 
Hochachtung und mein Herz auf, als unſere ſeit⸗ 
herige Geſchaͤfts⸗ und Handelsverbindung. Die Laſt 
und die Sorgen, die ſeither auf Ihnen allein ruhe⸗ 
ten, waren faſt zu ſchwer, als daß Sie ſich nicht 
nach einer Erleichterung haͤtten ſehnen ſollen. W 
lieben Kinder werden es Ahnen danken, daß. Si 
yon das Gluͤck gegenns, und chnen einen —* 
ar 


— Se — 


Water gegeben haben, der es ſich angelegen ſeyn 
laſſen wird, dieſen guten und einer vaͤterlichen Er⸗ 
ztehung noch ſo ſehr bendthigten jungen Menſchen 
den Verluſt zu erſetzen, den ſie allzüfruͤh erlitten 
haben. Die Vorſicht ſchenke Ihnen bei dieſer Ih⸗ 
ver gluͤcklichen Veränderung den gedeihlichſten Se⸗ 
gen, und erfülle Ihre beiderſeitigen Wuͤnſche zu 
Ihrer hoͤchſten Zufriedenheit: Ste verſichern mid) 
bei Ihrer guͤtigen Nachticht von dieſer augeneh⸗ 
men Begebenheit der Fortdauer ſowohl Ihrer, 
als Ihres lieben Gatten Freundſchaft. Dieſe Ver⸗ 
ſicherung iſt mir ſehr werth, und ich werde mich 
Ihres belderſeitigen fteundſchaftlichen Zutrauens 
immer wuͤrdiger zu machen ſuchen. Mit der innig⸗ 
ſten Hochachtung empfehle ich mich Ihnen und 
Ihrem lieben Gatten mit der redlichen Verſicherung, 
daß ich nie aufhören werde zu ſeyn 


Ihr 


ergebenfter Diener und Beeunb 
N. 


110, 


Sn eine junge Finderlofe Wittwe, die Pr sum 
zweiten Dale verbeiratbet bat. . 


Geehrteſte Freundin ! 
= Mein, niemand wird es. Shnen verdenten, 
daß Ste ihren fo einfamen Stand verlaſſen, und 
Ihre Hand und hr Herz einem Wanne gereicht 
Baben, der Ihrer Liebe und Ihres Zutrauens fo' 
ganz werth ifl. Sie fichen neh zu fehr in der 
Billihe Ihrer Jahre, als daß Ste auf fo viele 
der Lebensfreuden Verzicht leiften follten, wozu 
Ste die Natur und Ihr Herz einlader; und Ihre 
dabei gerroffene Wahl macht Ihren "Einfi chten, 


Ihrem Seſchnaæ und Ihrem edlen Charakter ae 
ve. 


Fan J 


Ehre. Erreichen Sie ferner Ihre guten Abſichten 
volltommen, fühlen Sie ganz das Gluͤck der zus. 
friedenften Ehe zum zweiten Male, und genießen 
Sie an der. Seite Ihres werthen Barren Ihr ins 
gendhaftes Leben bis in Ihr ſpaͤteſtes Alter. Won 
Ihrer Guͤte bin ich uͤberzeugt, daß Ste mich Ih⸗ 
rem lieben Gatten beſtens empfehlen werden; und 
ich werde e% ſehr zu ſchaͤtzen wiſſen, will auch er 
mich ſeiner Freundſchaſt werth achten, die ich in 
der Folgezeit zu: verdienen, gewiß keine Gelegenheit 
verabfäumen werde, fo. wie ich mir es gegenfeitig 
zur Ehre und zum dusgezeichaeteften Vergnügen 
machen werde, mich nennen zu dürfen 


Ihren 
Ihnen beiderſeits ergebenſten Freund 
und Diener | u 

N. 


Gluͤckwunſch an einen Freund, der ein armes 
Mädchen geheirather hat. 
Gecſchaͤtzter Freund! u | 
Ihr Entſchluß, nie nah Schönheit, nihe 
nah Reichthum, fondern einzig nur nach Ihrem 
Herzen diejenige zu heirathen und zu wählen, bes. 
zen Schönheit Unſchuld, deren Reichthum ein reis 
ner Tugendfinn, thätiges Beſtreben in der Erfuͤle 
lung ihrer Pflichten, Haͤuslichkeit und weibliche 
nuͤtzliche Geſchicklichkeit die trefflichſte Ausſtattung 
ſey, macht Ihren Geſinnungen eben ſo viel Ehre, 
als es Sie gluͤcklich machen wird: denn bei Reich⸗ 
thum und Schönheit finder man nicht” immer Tus 
gend, Freude und Zufriedenheit." Ich freue mid), - 
daß Ihre Geundſaͤtze auch die metnigen find. Mur 
dann ift man volffommen glücklich: wenn man es 
a : \ am 


— 254 1 


ganz nach feinem Kerzen iſt. Und fo eilen Sie 
denn, mein Freund, - einer Zukunft entgegen , die 
feinen Ihrer Wunſche unbefriedigt laͤßt. Moͤchte 
die ſchaͤtzbare Gefaͤhrtin Ihres Lebens auch meine 
Freundin werden, ſo wie Sie mein Freund ſind. 
Denken Sie Beide bei Ihren ſeligſten Stunden 
‚bisweilen auch an den, ber Sie innigſt hochſchaͤtzt, 

und ſichs zum Bergusart macht, au feyn | 


ergebenſter N. 
. 12 | nn 
An einen vornehmen Gönner. bei feiner Ders 
mählung. 


Hochwohlgeborner Herr, 
KHöchftzuverehrender Herr! 

Erlauben Sie Ihrem ganz gehorfamften Die 
ner, daß auch er es wagen darf, Ew. Hochwohlgeb. 
zu Derofelben hohen Vermaͤhlung feinen unterthäs 
nigen Gluͤckwunſch abzuftatten. Allgemein tft Die 
Freude über dieſe ſchoͤne Vollendung Ihres langſt 
gewuͤnſchten Gluͤcks; allgemein ſteigen die heißeſten 
Wuͤnſche zur Vorſicht empor, und erflehen von: ihr, 
daß fie Em Hochwohlgeb. mit den ſuͤßeſten und 
dauerhafteften Freuden fegnen, und Ew. Hochwohlgeb. 
allgemein verehrte Frau Gemahlin die hoͤchſte 
Wonne bes Lebens, die” der erhabene Preis ber 
Tugend iſt, an der Seite ihres liebenswuͤrdigen 
Gemahls bis in die fpäteften Sabre genießen laſ⸗ 
fen möge. Mit diefen allgemeinen Empfindungen 
der Ehrfurcht vereinige ich auch die meinigen, der 
4 die Ehre Habe mich, nennen zu dürfen 

Ew. Hochwohlgeb. 
unterthaͤnigen und ganz gehorſam⸗ 
ſten Diener 


113. Gluͤck⸗ 


Ä 113. 

Gluͤckwunſch eines nicht vornehmen Mannes an - 
eine adelige Date, die ihm bie Vermaͤhlung 
ihrer Tochter gemeldet hat. 


Soegpſdigubern⸗ Frau, 
naͤdige Frau! | 

En. Hochwohlgeb. waren fo herablaſſend, mir 
die uns Allen ſo wichtige Nachricht von der vollzoge⸗ 
nen Vermaͤhlung Ihrer liebenswuͤrdigen Tochter, 
unſrer allgemein verehrten Fraͤulein Joſephine, 
eigenhaͤndig mitzutheilen. Wie lebhaft mein An⸗ 
theil an dieſem gluͤcklichen Ereigniß ſey, wodurch 
Ihnen ber angelegentlichſte Wunſch Ihres Herzens 
aufs vollkommenſte erfuͤllet worden iſt, darf ich 
Em. Hochwohlgeb. nicht erſt verſichern: da Ste von 
der Anhaͤnglichkeit eines Deroſelben hohen Familie 
ſeit fo langer Zeit ganz ergebenen alten Bekannten 
und Dieners hinlänglich uͤberzeugt feyn koͤnnen. 
Unausſprechlich erfreut uns num die Ausficht, Sie, 
meine gnädige. Frau, nun bald in dem Kreife lie⸗ 
Bevoller und dankbarer Enkel Ihre erhabenen Eis 
genfehaften bis auf die fpäteften Zeiten aufleben, und 
. auf die Nachwelt fortgepflanzt zu fehen. Iſt es 
nicht zu kühn: fo wage ich es, Ew. Hochwohlgeb. 
gehorfamft zu bitten, mid, dem neuvermäßlten hohen 
Ehepaare zu Snaden zu empfehlen, der ich mit der 
aufrichtigſten Verehrung verharre 


Ew. Hochwohlgeb. 
ganz gehorſamſter 


® 





ur, a | 11a ICE 


— 254 u 


ganz nach feinem Kerzen iſt. Und fo eilen Ste 
denn, mein Freund, einer Zukunft entgegen , bie 
feinen Ihrer Wanſche unbefriedigt laͤßt. Moͤchte 
die ſchaͤtzbare Gefaͤhrtin Ihres Lebens auch meine 
Freundin werden, fo wie Sie mein Freund find. 
Denten Ste Beide bei Ihren feligfien Stunden 
‚bisweilen auch an den, bee Sie innigft hochſchaͤtzt, 

und fie vum Vergng/n macht, am ſeyn | 


ergebenfter N. 
Ze ur 
An einen vornehmen Gönner. bei feiner Ver⸗ 
mählung. | 


Hochwohlgeborner Kerr, 
Hoͤchſtzuverehrender Herr! 

Srlauben Sie Ihrem ganz gehorfamften Dies 
ner, daß auch er es wagen darf, Ew. Hochwohlgeb. 
zu Derofelben hohen Vermaͤhlung feinen unterthäs 
nigen Gluͤckwunſch abzuflatten. Allgemein tft die 
Freude über dieſe ſchoͤne Wollendung Ihres laͤngſt 
gewuͤnſchten Gluͤcks; allgemein ſteigen die heißeſten 
Wuͤnſche zur Vorſicht empor, und erflehen von ihr, 
daß fie Em Hochwohlgeb. mit den ſuͤßeſten und 
dauerhafteften Freuden fegnen, und Ew. Hochwohlgeb. 
allgemein verehrte Frau Gemahlin die hoͤchſte 
Wonne des Lebens, die der erhabene Preis der 
Tugend fl, an der Seite ihres liebenswuͤrdigen 
Gemahls bis in die fpäteften Jahre genteßen laſ⸗ 
fen möge. Mit diefen allgemeinen Empfindungen 
. der Ehrfurcht vereinige ich auch die meinigen, der 
Ih die Ehre Habe mich, nennen zu dürfen 

Ew. Hochwohlgeb. 
unterthaͤnigen und ganz gehorſam⸗ 
| fien Diener 


113. Gluͤck⸗ 


113. 


Gluͤckwunſch eines nicht vornehmen Mannes an 
‚eine adelige Dame, die ihm die Vermaͤhluns 
ihrer Tochter gemeldet hat. 


. Hoch — Frau, 
naͤdige Frau! | 
Ew. — waren ſo herablaſſend, mir 
die und Allen fo wichtige Nachricht von der vollzoges 
nen Vermählung Ihrer liebenswuͤrdigen Tochter, 
unſrer allgemein verehrten Fräulein Sofephine, | 
eigenhändig mitzurheilen. Wie lebhaft mein An⸗ 
theil an dieſem gluͤcklichen Ereigniß fen, wodurch 
Ihnen ber angelegentlichfte Wunſch Ihres Herzens 
- aufs vollfommenfte erfüllee worden tft, darf ich 
Ew. Hochwohlgeb. nicht erft verfihern::da Ste von 
der Anhänglichkeit eines Deroſelben Hohen Familie 
feit fo langer Zeit ganz ergebenen alten bekannten 
und Dieners binlänglich überzeugt feyn koͤnnen. 
Unausfprechlich erfreut uns num die Ausficht, Sie, 
meine gnädige Frau, nun bald in dem Kreife lie⸗ 
Beroller und dankbarer Enkel Ihre erhabenen Eis 
genſchaften bls auf die fpäteften Zeiten aufleben, und 
. auf die Nachwelt fortgepflanzt zu fehen. Iſt es 
nicht zu kühn: fo wage ich es, Em. Hochwohlgeb. 
sehorfamft zu bitten, mid, dem neuvermäßlten hohen 
Ehepaare zu Snaden zu empfehlen, der ich mit der 
aufrichtigſten Verehrung verharre 


Ew. Hochwohlgeb. 
ganz gehorſamſter 


® 





ur, u RER TETR 


. 


ui —- 
| 114, 


Glaͤckwunſch an’ einen Freund, als er die em 


wünfchte Pfarrſtelle erhalten hatte. 
Verehrungswuͤrdiger Breund! _ 

GSo it Zähnen nun Ihr Wunſch gelungen, und. 

Sie Haben die einträglihe Pfartftelle zu D.. ers 

haften. Ich bezeige Ihnen darüber meine Freude 

mit dem theilnehmendften Herzen, und wuͤnſche vor⸗ 


“ gügfich Ihrer Gemeinde Süd. Ich wüßte nicht, 


was ich von diefer denken follte: dußerte fit nicht 
gegen Gie ihre völlige Zufriedenheit. Ueberzeugt 
von Ihrem menfidenfreundlihen Charakter, von 
ihrer Klugheit, die bald behutſamer, bald raſcher 
zur Erreihung mägticher Endzwecke ihre Mittel und 


WMaßregeln nehmen wird, freue ih mich ſchon 


voraus Über das glückliche Einverftändniß, das zwis 


. Shen Ihnen und Ihrer Gemeinde herrfchen wird, 


und wie Sie beide, wetteifernd mit einander, fo 
manches Gute, fo manches. Nuͤtzliche befördern wer⸗ 
den. Die Pfarre Haben: Sie nun; und nun will 


| ich Ihnen, nad dem Ausdrud des bekannten Sprich⸗ 


worte, auch eine Knarre wünfhen. Was gilt’s! - 
das Leben mit einer Haushaͤlterin, kurz Ihre jegige 
Wirthſchaft wird Ihnen kaum länger als einige 
Monate gefallen Finnen; und Ste werden es eins 
fehen lernen, daß eine Frau, eine gute, verſtaͤn⸗ 
dige und häusliche Fran, eine wahre Wohlthaͤt ſey. 
Sie werden dann Ihre Stiene weniger runzeln - 
dürfen, und werden fih von Tag zu Tage glüds‘ 

licher fühlen. Doch wie kann ich Ihnen gute Leis - 
ren geben wollen: da Sie felbft ein Lehrer des . 
Volks find. Iſt -aber dem fo: fo gehen Ste hin, 


und thun Sie danıı auch huͤbſch nach ihren Wor⸗ 


ten. Denn Ste wÄrden gewaltig anftoßen, hieße ed 


auch von Ihnen, wie von Vielen: Richtet euch 


noch 


* 


\ 


7 — 


nah meinen Worten imd nicht — Nach ineinen 
Thaten. Zugleich will ih aßer nur noch bemerken, 


daß Sie, was diefen Punkt betrifft, grundgelehrt 


ſeyn konnen: ich aber ſpreche aus Erfahrung — 
und Erfahrung iſt Goldeswetth. — Haben Ste 
nun noch nebſt der Pfarre die Knarre: dann will 


ich Ihnen ſchon wieder etwas wuͤnſchen, das Ihnen 
nicht weniger angenehm ſeyn fol. Aber es iſt nicht 


genug, daß man nur Andern Gluͤck wünfht, man 
muß auch ſich ſelbſt dedenken: und fo wuͤnſche ich 
mie und den Meintgen, die eben fo ſehr, mie ich, 
dem neuen Seren Paſtor alles Gute gönnen, die 


 Wortdauer Ihrer mir fo werthen Freundſchaft; und 


es bittet Oie Hiermit feleclich darum 


| Idd | 
© ägender,, und Sie zaͤrtl 
er Freund “ Hirt “ 
Bu N. 


218. 


Ä Blüctwünfhungsfägreiten eines tintergebenen an. 


‚einen Hohen Vorgefegten, bei deffen Beförderung 
zu einer der wichtigften Ehrenfiellen. 
Hochwohlgeborner Herr, 
Ä Snädtger Herr Geheimer Ray! 
Durkhdrungen von dem Gefühle der innigſten 
Ehrfurcht und Ergebenheit, flatte ih Em. Hoch⸗ 
wohlgeb. bei dem Antritte der ihnen von unferm 
gnaͤdigſten Fürften ertheilten Würde und der damit 


.. verbundenen Bekleidung eines der wichtigſten Aem⸗ 


. ter im Staate meinen unterthänigftien Gluͤckwunſch 


ab. Jeder patriotifchgefinute Unterthan fegnet feis 
nen Fuͤrſten für diefe weife Erwählung eines der 
edelſten Maͤnner zu einem der wichtigſten Aemter, 


wvxvon ein ſo großer Theil A Wohlfahrt des Etaates 


abhänet, 


— 


' , . 
— 258 u 


abhängt, und wuͤnſcht dem Lande Städ, in wel⸗ 
chem fo wichtige Sefchäfte in folchen Händen find. 
Ein fo 'erhabenes Vorbild muß felbit_ bis zu ben 
GSeringften der Ew. Hochwohlgeb. Untergebenen her⸗ 
abwirken, und dieſe ſtuͤndlich mit inniger Thaͤtig⸗ 
keit beſeelen, ſich ihres hohen Vorgeſetzten wuͤrdig 
zu machen. Die Vorſicht erhalte bis auf die ſpaͤ⸗ 
ar ee Hochwohlgeb. wohlthätiges Leben, und 
ſegne Diefelben täglich mit neuer Kraft, Erlauben 
Sie, gnädiger Here GSeheimer Rath, daß ich es 
auch bet diefer Gelegenheit wagen darf, mich zu 
Derofelben hoher Protektion und . der Rortdauer 
Ihrer Hohen Snade gehorfamft zu empfehlen. Mein 
Dienftetfer [ol wenigftens wie erkalten, meins Schul 
digkeit auf das genauefte zu erfüllen, und jederzeit. 
. Alles zu elften, was meine Kräfte vermögen. Der 
. Beifall meines hoͤchſtverehrten Vorgefegten , den ich 
die Gnade habe in Em. Hochwohlgeb. zu verehren, 
fol mein fchönftes Ziel und meine reichlichfte Beloh⸗ 
nung ſeyn. Der ich mit Höchfter Ehrfurcht erſterbe 
Ew. Hochwohlgeb. 
- ganz gehorſamſter Diener 


116, 
Slackwunſch an einen Bekaunten, der kuͤrzlich 
erſt die landesherrliche Erlaubniß erhalten hat, 
als Advokat prakticiren zu duͤrfen. In einem. 
ſcherzhaften Zone. 
Snochedelgeborner, 
HGochgeehrter Herr. Advokat! 
Sonſt fing ich meine Briefe gewoͤhnlich mit 
„Schaͤtzbarer, licher Freund’ an: nun muß man; 
aber ein wenig weiter ausholen; denn Ehre dem, 
dem ei gebuͤhret! Cie. find nun ein Advokat, an 


B — 259 — 
ich — Boch ſtill! ich fuͤhle mich — ich bin und 
bleibe Ihr Freund, und flatte Ihnen als dieſer 
meinen Gluͤckwunſch ab. Boͤſe Leute wollen zwar 
fügen, daß es jetzt mehr Advokaten als Prozeffe 
gebe: aber des Guten kann‘ doch unmoͤglich zu 
viel in der Welt ſeyn. Glauben Ste darum jedoch 

nicht, daß ih aͤlle Advokaten für etwas Gu⸗ 
tes halte: denn ich wuͤrde ein altes Gprichwort bei 

leidigen, das ich hier nicht gern anführen will; und 


auch Sie, mein licher Freund, dürfen mie es nit | 


verargen, wenn ich dieſe Herren nur für ein notha 
wendiges Uebel in ber Welt anfehe. Ich merke, 
Ihr Seſicht verzteht- fih. Zärnen Sie nice, ich 
will Sie mit einem zweiten Beftändniffe wieder. 
gut machen. Da nun nach ben jegigen Vethaͤltniſt 
fen, und bei der in mancher Hinſicht eben nicht 
Beffee getwordnen Denkungs⸗ und Handelsweiſe bie 
Abdvokaten ein unentbehrliches Uebel feyn und blei⸗ 
ben miüffen; und da die Verfiändigen, Uneigennuͤtzi⸗ 
gen, Redlichen unter ihnen, wie man fagt, eine 
Seltenheit fenn follen: fo muß man fi allerdings ' 
freuen, wenn man eine fihere Hoffnung hat, daß 
dieſe Meine Anzahl. — wenn auch nur bisweilen, 
wenigſtens durch einen vermehrt werden foll. Und 
wie lebhaft muß unfere Freude fen: wenn wir und 
üßerzengt fühlen und fagen können „Dieſer gute, 
fi auszeichnende Mann iſt dein Freund.’ Ver⸗ 
langen Sie num noch mehr von mir? Ich wände 
Ihre Beſcheidenheit beleidigen. Aufrichtig ſtatte 
ich Ihnen meinen Gluͤckwunſch ab; und müuͤſſen 
denn nun einmal Prozefle in der Welt feyn, fo 
ſollen Ste die einträglichften haben. Und da die 
miiſten Menſchen vor Prozeflen kaum fo ſicher 
Am, als — vor Rrankheiten; der Advokat alſo 
‚ sen fo nothwendig, als ber Arzt it: nun fo 
wi ich es Ihnen Im voraus verfiheen, daß, Im 
Vdall mich mein boͤſes Beier in einen Prourd 
er: 2 X 


J 


* 


— 


oo. - 


_ 2.60 — 


oder in eine andere wibrige Sache, wobei Sie 
mir dienen innen, verwideln folte, ih Ihr 
Kundmann fem will. Nicht genug! ich will. 
fogar allen meinen Bekannten beftens empfehlen. 
Denn daß. Sie keinen Ihrer Prozeffe verlieren 
werden, das boffe ich wenigſtens: weil ich mird . 
denfen kann, daß Sie bei Ihrer Redlichkeit nie 
einen annehmen werden, den Sie nicht gewinnen 
tönnen. Ob Sie nun gleich von Streitigkeiten 
leben muͤſſen: fo foll mir docd) Niemand — Sie 
aber am allerwenigften — Ihre Freundſchaft ftreitig 
madhen; und in dieſem Balle bin ich, darauf vers 
laſſen Sie fih, zuverfichtlih jebes Mal die ger 
winnende Parthei. Möchten auch Ste ferner fo 
gegen mid) gefinner bleiben, wie Sie es feither 
waren, bann freuet fich noch einmal fo ſehr Ä 
Ihr | 
ergebener Freund und Diener 
N. | 


. 11% . 
Leber denſelben Gegenſtand, in einem eruffhafe 
| ten Tone. 


Hochedelgeborner, | 

Hochzuverehrender Here Advofat! 
Da Sie von mir überzeugte feyn können, 
welchen Antheil ih daran nehme, wenn ®ie 
Ihrer fhönen Beflimmung immer näher nnd näs 
“Der. entgegeneilen: fo werden Sie ed fich. Teiche 
. vorfiellen, was ih für Freude über Ihre mir 
fo angenehme Nachricht Hatte, daß Ahnen auf 
Ihr Sefuh eine Advokatur anverteauet morben 
y. Daß ih Ihnen dazu Gluͤck wünfhe, vers 
eht fich von ſelbſt. Noch mehr! Ich weiß gewiß, 
Daß Ste fi auf Ihrer neuen Dahn gewiß auss 
dejchnen, und alle Hoffnungen, die wir en 
IE | nen, 


— 261 — — | 
annen feicher gemacht Haben, befriedigen Werben. 
iſt daher gewiß von Ihnen zu ertunrten, daß 
Sie. immer zum Beſten Ihrer Kitenten handeln, 
and Rechte und tigkeit Ihnen ein  unvers 
legliches Heiligthum Bleiben werden. Auch werd 
ben. Ste — dafür buͤrgt uns Ihr edler Charak⸗ 
ter — sie duch unnoͤthige Weitlaͤuftigkeiten den 
Bang der von Ihnen zu führenden Prozeffe auf. 
alten; ‚noch weniger aus. Eigennng das erſchwe⸗ 
zen, was fehr leicht abgemacht werden koͤnnte. 
Eben fo. wenig werden Sie fih von einer Gegen: 
parthei beſtechen laſſen, möge fie noch fo vornehm 
and reich feyn, um die Gerechtfame Ihres Kliens 
ven zu ſchmaͤlern. Nie werden Sie duch Ver 
nachlaſſtgung, nie durch eigene Schuld, das Glaͤck 
desjenigen, der ſich Ihnen anvertraut hat, aufs 
Spiel fegen: Ihr ehrliher Name wird Ihre 
hoͤchſte Zierde bieiden, und felbft Ihre Gegner 
werben das behaupten müffen. Das muthiillig 
anfgeopferte Recht ‚für einen nichtigen Gewinn 
— er ſcheine auch nody fo groß: fo wird er doch 
unter dieſen Limfländen nur fehr nichtig ſeyn — 
wird Ihnen nie zum Vorwurf gemacht werden 
können. Leider iſt diefes die Klippe, woran fehe 
Biele Ihrer Herren Kollegen ſcheitern, und wos 
ur fie ih — kann es anders feyn? — eben fo 
anglädtih, als verhaßt machen. Solchen gewiſe 
fenlofen Zwelaͤchslern iſt es einzig beizumeſſen: 
wenn der ehrwurdige Name eines Rechtsvertheidi⸗ 
gers, was jeder Advokat ſeyn ſollte, bisweilen zu 
Ainer Zweideutigkeit geworden tft, und bei einer 
fo. großen Anzahl Unmwärdiger von feiner ehemalis 
ger Würde viel verloren Hat. Won Ihnen darf 
man jedoch in diefer Hinſicht fiher das Gegen⸗ 
il erwarten; allgemeine Achtung und ein unges 
KHellted Zutrauen müflen Ihnen daher gewiß zu 


1 werden. Denken Sie Rh, wie ſtolz ich 
| (eur 


u 262 — , 


feun werde, höre ich: Sie gewannen bald diefe, Bald 
: jene Streitfache eines armen Ungluͤcklichen, trodne 
ten feine Thränen, und erleichterten ihm fein Leben, 
indem Sie ibm zur Aufrechthaltung feines entwe⸗ 
ber durch Li oder Mache verfürzten Rechts bes 
huͤlflich waren. Goͤnnen Sie mir fernerhin Ihre 
Freundſchaft; Sie willen, daß ich dieſe zu ſchaͤt⸗ 

zen weiß. Von meiner Seite verſpreche ich un⸗ 
aufhoͤrlich zu bleiben | Ä 
Ew. Hochedelgeb. 

ergebenſter Freund und Diener 


| 118. 5 
Un einen jungen Arze bei feiner erlangten 
| Doktoemfrde. 


Wohlgeborner, 
Hochgeehrter Herr Doktor! 

Gar micht überrafhend war mir. die Nach—⸗ 
richt, Ste hätten die Doftorwärde in der Arze 
neitunft erlangt: denn #8 war vorauszuſehen, daß 
hnen diefe Ehre, vermöge Ihrer fich erworbenen 
enntnifle und der Beweiſe, die Oie bereits ſchon 
abgelegt, und wodurch Sie ſich einen allgemeinen 
Deifall erworben haben, zu Theil werden mußte, 
. Daß mir aber deffen ungeachtet diefe Nachricht fehr 
„angenehm war , das können Sie fi denken; weil 
Sie wiſſen, wie lieb ich Sie habe, und wie hoch 
ich Sie ſchaͤtze. Erfülen Sie Ihren fchönen Bes 
euf mit dem größten Eifer, mit ber ſtrengſten 
Sewiſſenhaftigkeit, und aͤrnten Sie dafür den Dank, 
die Liehe und die Erkenntlichkeit aller Edlen und 
Verſtaͤndigen. Werden Sie ein Wohlthäter jedes 
an feiner Geſundheit Teidenden Menſchen, der fein 

Vertrauen :zu: ihnen hat, ohne Unterfchied der 
Merfon, er fen zeich oder arm, vornehm am gu 
sing. 


2645 — 
ring. Rotten Sie fo manchet Familie ihren Ere 


halter: den Kindern die Mutter; fo manches Kind 


feinen Aeltern. Bleiben Ste au noch bei fols 
‘ben Erfcheinungen, wobei der Arzt die höchſte 
Geduld, die größte Selbſtverlaͤugnung nöthig hat, 
der gefuͤhlvolle, gelaffene Mann, entfhuldigen und 
Bemitleiden Sie die Leidenden. Der Simmel wird 
es Ihnen vergelten, und Ihre Nebenmenfchen. 
werden nicht undankbar feyn. Und bei dieſem 
Ihren Städe vergönnen Sie mir noch lange, mich 
nennen zu dürfen 
| ergebenfien 
Ä | 10. 
An einen jungen Kaufmann. bei ſeinem Eta⸗ 
| bliffemene. . 

Schaͤttbarer Freund! . 

Oder: Hochgeehrter Kerr! . 

Die mir von Ihnen in Hinſicht der Erich 
tung eines neuen Handelshauſes ertheilte Nachricht 
uiſt mie fehr angenehm gewefen.- Möge diefe Ihre 
Unternehmung Ihren Hoffnungen völlig entfpres 
«hen ; dieß iſt mein aufrichtiger Wunſch. Rechnen 
Sie auf meine thätigfte Freundſchaft, fo wie ich 
Sie ebenfalls um die Ihrige bitte. Daß Sie mir 
einen Preistourant von Ihrem Waarenlager zuges' 
fender haben, dafür danke ih Ihnen ergebenfl. 
Allen Ste willen: ich Bin nicht Kaufmann, und 
Brauche von den meiften mir von Ihnen empfoßls 
an Warren für meine häusliche Einrihrung jährs 
lich nur eine Wenigkeit. Da ich aber verichtedene 
Sreunde und Bekannte habe, die in diefee Art 
einen bedeutenden Handelsverkehr treiben: fo werde 
ich es mir fehe angelogen ſeyn laflen, Sie Ems 
en 


— 466 — 


beſtens zu empfehlen, inſefern ich von der Vor⸗ 
zuglichkeit Ihrer Waaren, von Ihren billigen 
Preiſen und Ihrer prompten Bediennng voraus 
überzeugt bin. Wenn ich Sie bisweilen mit Bleis- -. 
nen Aufträgen -beläfliges fo verzeihen Sie mir, _ 
und nehmen es wenigſtens als einen Beweis meis 
nes guten Wilene auf, De ib die e Ehr⸗ babe. 
| boche htuagevog zu verharren J 
| Zu |.) 288 
ergebener drennd und Diener 
120, 
Bidet‘ an einen großen Herr bei feiner 
Wiedergeneſung von einer ſchweren Krankbeit. J 
öwohlgehpenir Here! 
* Gnaͤdiger Herr“ 
Aeußerſi fhmerxhaft mar zwar Allen, die 
das Gluͤck haben, Em. Hochwohlgeb. als Sören 
Vorgeſetzten verehren. zu dürfen, die traurige Nach⸗ 
richt von der Denenfelben- zugeſtoßenen —— 
Krankheit: vorzuͤglich aber beugte dieſe mich, der 
ih Ihnen fo unendlich viel, der ich Ihnen das 
Gluͤck und das Wohl meines Lebens zu verdanken‘ 
habe. . Traurig war unfer Blick in die Sukuuft, . 
und die tieffie Wehmuth bemächtiste ſich unſeret 
Herzen. Gott hat aber unfet heißes Ziehen, unſer 
innigftes Gebet erhört, und unfere Herzen mit Der 
Hoffnung erfreuet, Ew. Hochwohlgeb, uun bald: . 
wieder vollfommen gefund zu fehen, Unansſprech⸗ 
lich if unfere Wanne; und wir alle vereinigen. 
unfere Wuͤnſche, dab nun Ihre Kräfte Ründiich 
zunehmen, und daß Ahr vollkommenes Wohlbefine 
den nicht nur bald hergeficht, fondern auch vor 
ber laͤngſten Dayer ſeyn möge. Auf die ſpaͤteſten 
alten noch muͤſſe Ihre Geſundheit art 
eiben 


€ u 


\ u 265; wi’ 


bleiben! Lange, lange muͤſſen Sie noch, gnaͤdiger 
Herr! die Wonne empfinden, das BGlauͤck Ihrer 
“hohen Familie und Ihrer Untergebenen zu ſeyn! 
Lange müſſe auch ich Sie als den Gruͤnder meines 
Gluͤcks verehren, der ich in Unterthaͤnigkeit und 
tiefſter Ehrfurcht bis an vr legten Haug meines 

Lehens verharte oo «. 
Em "Sogmohtge. 


san geher au ſter Düne u 


121. 
An einen Freund, bei ſeiner Wiedergenelam 
von einer ſchweren Krankheit. 


So ſehr mich die Nachricht von Ihret ploͤt⸗ 
lichen ſchweren Krankheit  erfchätterte, fo aͤngſtlich 
ich ſeit vierzehn Tagen fuͤr Ihr Leben beſorgt war: 
fo herzerhebend war mir die heut erhaltene a 
ſchaft, daß man Sie nun außer Gefahr glaube, und 
daß Sie ſich täglich immer beffer und beſſer befinden 
werten, Dank fey der Borſicht für Ihre Erhats 
ung. Wie unendlich, wis unerſetzlich viel hätten 
Ihre Sattin und Ihre Kinder, wie viel haͤtten 
an Ihnen Ihre Freunde verloren! Gott fchäge 
@te vor jedem NRädfalle, und bie Folge von Ihrer 
Hberfiandenen Krankheit fey bie dauerhafteſte Ges 
fundheit. Wie groß wird unfere Freude feyn, 
wenn uns allen dieſer Wunſch erfüle feyn wird: 
da wir Sie fo Herzlich lieben. Ich empfehle mich 
“ner Fortdauer Ihrer Freundfchaft und dem Wohle . 

mollen der Lieben Ihrigen. Des ich mit ber auft 
richtigſten Innigkeit verharee 


wahrer guter Seennd 


122. Slüds 


" I 
u 266 — 
beſtens zu empfehlen, inſefers ich von der Vor⸗ 
zuͤglichkeit Ihrer Warren, von. Ihren billigen 
Preiſen und Ihrer prompten Bedienung voraus 
Aberzeugt bin. Wenn ich Sie bisweilen mit kleits 
nen Aufträgen belaͤſtige: ſo verzeihen Gie mir, 
und nehmen es wenigſtens als einen Beweis meis 
nes guten Willens auf. Dei ich die Ehre habe 


u | bochachtungsuoll zu verharten 


Ihr | | 
ergebener Freund und Diener 
|. 


W 120. 
Sluͤckwuuſch an einen großen Herrn bei feiner 
Miedergenefung von einer ſchweren Krankheit. 
schwohlgeberner Kerr! | 
* Onddiger Herr! °- 
Aeußerſt ſchmerzhaft war zwar Allen, die 
das Gluͤck haben, Em. Hochwohlgeb. als Ihren 
Vorgeſetzten verehrten. zu dürfen, die traurige Nach⸗ 
gicht von der Denenfelben- zugefloßenen fdrweren 
Krankheit: vorzüglich aber beugte diefe mich, der 
ih Ihnen fo unendlich vief, der ich Ihnen das: 
Gluͤck und das Wohl meines Lebens zu verdanken‘ 
habe. Traurig war unfer Blick in die Zukunft, : 
und die tieffie Wehmuth bemächtigte ſich unſerer 
Herzen. Gott hat aber unfer heißes Ziehen, nufer 
innigftes Geber erhärt, und unfere Herzen mit ber 
Hoffnung esfrenet, Em. Hochwohlgeb. nun bald: . 
wieder. vollfommen gefund zu ſehen. Unausſprech⸗ 
lieh if unfere Wanne; und wie alle vereinigen: 
unfere -Wönfche,, dab nun Ihre Kräfte ſtuͤndlich 
zunehmen, und daß Ahr vollkommenes Wahlbefins 
den nicht nur bald hergeſtellt, fondern auch von 
Ber laͤngſten Dayer feyn möge. Auf die ſpaͤteſten 
Zeiten noch muͤſſe Ihre Geſundheit — 
= e 


€ nu 


\ u 265 — 


bleiben! Lange, lange muͤſſen Sie noch, gnaͤdiger 
Herr! die Wonne empfinden, das BGlaͤck Ihrer 
Shohen Familie und Ihrer Untergebenen zu ſeyn! 
Lange müſſe auch ich Gie als den Gruͤnder meines 
Gluͤcks verehren, der ich im Unterthaͤnigkeit und 
tiefſter Ehrfurcht Bis an vr gen Hauc meines 
Lebens verharte | — 
| em Hochwohigeb. 


ganz gehorſamſter Dinge E 
N. : 


121. 
An einen Freund, bei ſeiner Wiedergeneſung 
von einer ſchweren Krankheit. 


So ſehr mich die Nachricht von Ihret ploͤt⸗ 
lichen ſchweren Krankheit erſchuͤtterte, fo aͤngſtlich 
ich ſeit vierzehn Tagen für Ihr Leben beſorgt wars 
fo herzerhebend war mir die heut erhaltene Bots 
Ihaft, daß mas Sie nun außer Gefahr glaube, und 
daß Ste ſich täglich immer beffer und beſſer befinden 
—— Dank ſey der Borſicht für Ihre Erhali 

Wie unendlich, wie unerſetzlich viel haͤtten 
ee Sattin und Ihre Kinder, wie viel hätten - 
an Ihnen Ihre Freunde verloren) Gott fehäge 
Sie vor jedem NRädfalle, und die Folge von Ihrer 

Aberſtandenen Krankheit fen bie dauerhafteſte Bes 
ſundheit. Wie groß wird unfere Freude feyn, 
wenn uns allen diefen Wunſch erfuͤllt ſeyn wird: 
da wir Sie fo Berzlich lieben. Ich empfehle mich 
ner Fortdauer Ihrer Freundſchaft und dem Wohle 
mollen der Lieben Ihrigen. Des ich mis ber auft 
richtigſten Innigkeit verharee 


wahrer guter Zreund 


122. Glauͤck⸗ 


— *866 — 


122. | 
Gluͤckwuͤnſchungsſchreiben der Gemeinde zu N. 
. an ihren Guröheren bei feiner Wiedergenes 
- fung vom einer ſchweren Krankheit. 


ochwohlgeborner Freiherr! 
#& Gönädiger Here! . 

Verzeihen Sie, gnädiger Herr: wenn wir 
unfere Freude über Ihre gluͤckliche Wiedergenefung 
nicht länger in uns verfchliefen innen. Wir was 
gen es, Ihnen diefe durch einen Abgeordneten 
von unferer Gemeine ‚hiermit an den Tag legen 
zu faffen: 05 wir uns gleih Alle, Alle gern um. 
Ste Her verfammelt, und Ihnen die Beweiſe uns 
ſerer Ehrfurcht bezeigt hätten. 

Wie waren wie fo ſchwer, fo ‘tief gebeugk: 
als uns die traurige Nachricht von der Gefahr ge) 
meider wurde, worin, gnäbigee Herr! Ihr uns 
allen fo theures Leben ſchwebte! Aber um wie 
Berzlicher iſt nun auch unfer Dank gegen Bott für 
. Shre Erhaltung! Und koͤnnte unfern Herzen wohl 
ein Wunſch wichtiger feyn, als Sie, die Sie uns 
ſerGluͤck gleihfam für Ihr eigenes Gluͤck anfehen, 
noch fange Jahre als unfern Gutsherrn, der uns 
aoch mehr als ein Gutsherr, der unfer zweiter 
Water iſt, verehren und lieben zu können? Allges 
meine Freude herrſcht nun in unfern Huͤtten, und 
äußert fi von dem diteften Greiſe Hi zu dem uns 
muͤndigen Kinde lebhaft und aufrichtis. Die ss 
"ige Worfehung erhalte Ihre von uns allen verehrte 

-Srau Gemahlin nebft Shrer hohen Familie, und 
wende kuͤnftig jedes traurige Schickſal ab, das 
. She allerfeitiges Gluͤck nur einigermaßen unterbres 
hen könnte, Immer ſoll es unfer erftes Beſtreben 
ſeyn, gnädiger Herr, uns Ihre Zufriedenheit zu 
erwerben. Wir alle bitten ganz gehorfamft und 
5 ' unter⸗ 


— 267 — | 
unterthaͤnig um bie Fortdauet Ihres gnäbigen Wohl⸗ 
wollens, deſſen wir uns immer wuͤrdiger zu machen 
ſuchen werden; die wir bis in den Tod in dankbarer 

Liebe und aufrichtiger Ehrfurcht verharren 
| Ew. Hochwohlgeb. | 
Unſers guädigfien Herrn, 
unterthaͤntge und ganz sehorfanfe 
.. win Gemeinde zu N 


an einen Fremd, bei der alacklichen Zurüte Ä 
. funk nn Sohnes von einer langen und 


Mein Freund! 
| Hecht fehr lebhaft Habe ich mich in Ihre Bäge 
eftelle, und an Ihrer Vaterfreude den wärmiten 
ntheil genommen: nachdem Sie nun felt einer 
fo langen Zeit Ihren wärbigen Sohn zum Erſten 
Male wieder umarmten. Daß er fih auf feinen 
jahrelangen Reifen etwas verfucht, feine Kennts 
niffe vermehrt, feine Erfahrungen bald bereichert, 
Bald Berichtiget Habe, das konnte man voraus vers 
muthen:; weil uns fowohl fein Kopf, feine. Thaͤ⸗ 
tigkeit und fein fo zweckmaͤßiger Plan, wovon er 
ans bisweilen Nachricht gab, als auch insbeſon⸗ 
- Bere fein edles Herz und fein guter, feſter Cha⸗ 
rakter zu den beften Hoffnungen berechtigten. Welch 
eine füße Freude muß Sie Beide beleben: da Sie 
nun das Jängft gewuͤnſchte Ziel fo feft und ſicher ers 
geiht haben. Es fol mich freuen, wenn künftig 
Ihr von mir fehr gefchägter Sohn Biejenigen freund⸗ 
ſchaftlichen Seflnnungen gegen mich haben will, die 
mir fein alter wuͤrdiger Water eine fo geraume 
Zeit gegönne hat, Leben Gie wohl, und erfreuen 
Die bald wieder mit eben fo angenehmen Nachrichten 
Ihren 

Freund N. 
124. An 


— 268 — 


124. | 
An einen Freund, deffen Sohn bie Univerſitaͤts⸗ 
jahre beendigt Hat, und nun zu ihm zurück 
gekehrt if. | 
Sefhägter Freund! 

Sie melden mir, daß Ihr wuͤrdiger Sohn 
bereits feine Univerfitätsjahre beendiger bat, und 
belohnt mit dem größten Beifalle feiner Lehrer 
Aber feine erlangte Geſchicklichkeit, ins väterliche 
Haus zuruͤckgekehrt fen. Hat diefe Nachricht ſchon 
mie eine fo ausnehmende Freude gemacht: um 
wie viel größer muß erſt. Ihr Entzäden feyn! 
VWoehl Ahnen, daß Sort Sie diefe Freude hat ers 
leben laffen, und daß Ste nun für Ihre zärtlihe 
Sorgfalt und für den nicht unberrächtlihen Aufs 
wand, den Sie dabei hatten und haben mußten, fo 
niel herrliche Früchte einärnten. Es kann nicht fehs 
(en, daß fich nun ber junge Mann bald einer ihm ans _ 
gemefienen, anfehnlihen Verforgung verfihert hal⸗ 
ten darf: da ihm feine Wiffenfchaften und fein 
berrliches Talent auf der einen Geite die beſte 
Hoffnung geben müflen, und da ihn auf der am 
bern. Seite des Waters vielgeltende Empfehlung 
unterflügen wird. Ich wünfhe Shnen Beiden 
herzlich Gluͤck, daß Ste Ihr Ziel aufs baldigſt⸗ 
erreichen mögen, Empfehlen Sie mich in Ihres 
“ n Sohnes gätige Sreundfchaft, ‚und bleiben 

fernermgeiwogen, wie ſeither, 

Ihrem 
ergebenen Freunde 
N. 





7 | 125, An 


u einen in, einem sffentlichen Imre ſtehenden 
Freund, deffen Sohn feine Univerſitaͤtslabre 


‚surüdgeleget hat, und den et ſich nun enden | 


giren laffen will. ° 
Verehrter Freund! 
So iſt denn nun die ſchoͤne Zeit endlich da, 


die fo oft den Gegenſtand unferer freundfchaftlihen 


und verteauteften Geſpraͤche ausmachte! Nehmen 
Sie meinen innigſten Gluͤckwunſch für Ihre mie 
fo guͤtig gegebene erfreuliche Nachricht. Ich kenne 
»Ihre Strenge, Freund! Sie machen eine Aus: 


nahme von fo vielen Vaͤtern, die oft ga ihre 


Kinder zu nachſichtsvoll find. Finden Sie Ihren 
‚Sohn Ihrer Achtung werth, ſo iſt er auch gewiß 


derſelben von allen Edlen und Sachverſtaͤndigen 


wainrdig; und von Ihrer Gewiſſenhaftigkeit iſt man 


Aberzeugt, daß dann, wenn Sie es wünfchen, ihn 


an Ihrer Seite zu ſehen, det Mann nicht nur 
ein Amt, ſondern das Amt auch wirklich ſeinen 
Mann erhalten werde. Von Ihrem Sohne ers 
_ warte ich, daß er die Erfahrungen feines Waters 


benutzen wird: denn die größten Kenntniffe ohne 


“Erfahrungen feinen biswellen mehr Serlichter, 
‚als ein heller, fiher führender Leltftern zu feyn. 
Ich bitte Sie Beide, Water und Sohn, laſſen 


Sie mich noch lange ein glücklicher Zeuge Ihres ſo 


ſchoͤnen, näglichen und wohlthätigen Einverſtaͤnd⸗ 
niffes bei der Verwaltung Ihres Amtes ſeyn. Fine 
fanfte Stüße fey der Sohn dem Vater; ein gätiger, 
nachſichtsvoller Wegwetfer ſey ber Vater dem Sohne. 
Keiner Ihrer Freunde wird ſich bei dieſer Ausſicht in 
eine fo hoͤchſt engen‘ Zukunft mehr freuen, ei“ 


alter, tedlicher 
N. 


—* 


— U iis α 


— — 270 — 
| 128286. 
Giackwunſch an einen Vater bei der von dem⸗ 
felßen erhaltenen Nachricht, daß er feinen 
"Sohn ald Rompagnon In feine Handlung aufs 
genommen habe. | 


Wetthgeſchaͤtzter Freund! 
.. Nehmen Sie meinen wärmflen Dank für die - 
mir. ertheilte gätige Nachricht. Ihr Entſchluß hat 
mir wahre Freude gemacht, daß. Sie Ihren Herren 
Sohn zum Theilnehmen (Kompagnon) Ihrer Hands 
fung erwaͤhlt haben. Er iſt ein junger, chätiger, 
sechtfchaffener Mann, der fich durch ‚feine Kennes 
niſſe nnd deren richtige Anwendung vor dem gemels 
nen Schlendrian bequemer und alljueigennägiger 
Kaufleute zu feinem Vorteile auszeichnet. Und fo 
wird. er auch das Seine dazu beitragen, eine alte 
Handlung , die num faft hundert Jahre bluͤhet, im 
ihrem Anfehen zu erhalten. Verzeihen Ste mir: 
wenn ih Ste bitte, mid Ihrem Herrn Bohne 
beftens zu empfehlen. . Nothwendige Abhaltungen 


verhindern mich, ihm Beute meine Achtung befons 


ders bezeigen zu koͤnnen; der ich mit unvermins 
berger Hochachtung y, Freundſchaft verharre 
| Ä r — 


ergebener 
e.. N. 


127. | ur 
An einen Zreund, der fich eine weite Reiſe vor⸗ 
. genommen bat. ⸗ | 


Schaͤtzbarer Breund ! - 

Sie meiden mir, daß Sie in einigen Tagen . 

nah ** verreifen wollen. Ein weiter Weg! Reis - 
fen Ste gluͤcklich, und erreihen Ste Ihren Zweck, 
den Sie fi dei dieſer Reiſe vorgenommen haben, 
| eden 


J 


— 271 |, — 


eben. fo feicht und ſicher, ald Oie wänfhen... Der 


- Simmel bewahre Ste vor allem Ungluͤck, und ehr . 
- Halte Ste vorzüglich bei guter vollkommener Ges 


fundHeit. -Und da Ste willen, wie viel und wei⸗ 
Gen’ herzlichen Antheil ich an allen Ihren Begeg⸗ 


niſſen nehme: fo benachrichtigen Sie auch mid 
. bisweilen, wie und wo Sie fi befinden. ©s 


ſehr mid: jegt. die Trennung von Ahnen nahe gebt; 
fo innig und fo groß werden dann die Freuden. unfers 


— ſeyn. Leben Ste wohl, und behalten. 


- - 


Sr arq in Ihrer weiten Entfernung noch lieb 
x. X ; Ihren 


An einen Kaufmann, unfern. grund, 6 der von 


einer weiten Sefchäftöreife zurückgekehrt iſt. 
Hochgeehrter Herr und Freund! 


Es if allerdings wahr, daß Sie uns während 


Ihrer weiten Gefchäftsreife oft genug gefchrieben, 
‚und uns von Zeit zu Zeit die beſten Nachrichten 
von Shen Mohibefinden gegeben haben; auch 


war allen Ihren Freunden fehr angenehm, - 
Ihre ——— bald ans Holland, bald aus 


Englarid und Frankreich. zu hören: da fi aber 


Ihre Reife bis in das. dritte Jahr verlängern 


wollte; fo wurde uns die Zeit doch ein wenig zu 
lang, und wir wuͤnſchten Sie alle moͤglichſt bald 
in Ihr Vaterland zu den Ihrigen zuruͤck. Stel⸗ 


len Sie fi daher meine Freude vor: als ich ger 


fleen von Ihrem Herrn Bruder erfahre, daß Ihre 
-Müdkreife ganz unvermuthet erfolgt fey, und daß 
©te recht wohl, ame und zufrieden wieber ans 
gekommen find. ch nehme an dieſer Ueberra⸗ 


ſchung den —R Antheil. Ehehene ur 


— 


aufrichtigen Freund 


* 


m 273 — , 


ich Sie felbft davon perſoͤnlich Überzeugen. Gind 


Ihre Geſchaͤfte nach Ihrem Wunſche gelungen, iſt 


die Beeudigung Ihrer Reife nicht weniger gluͤck⸗ 
lich geweſen, als der Anfang derſelben war: ſo if 
auch mein Wunſch erfuͤllt. Mögen alle die Unbe⸗ 
quewlichkeiten, welchen Sie feither . unterworfen 
waren, Ihrer Geſundheit zum Bortheil gereichen? 
Leben Sie wohl! Auf balbiges Wiederſehen! Ich 


M Be u Ween eneierie 


NR 


120. | 
An’ einen Kommifſarins nach einer glücklich zus 
ruͤckgelegten Geſchaͤftsreiſe. | 

J Wohlgeborner, 


4 


Hoͤchſtgeehrter Kerr! 


Es iſt ſehr leicht zu glauben, daß Ihnen end⸗ | 


lich das ewige Kins uud Herreiſen zur Lap fällen 
muß. Sie find drei Monate lang von den Ihri⸗ 


gen getrennt geweſen, baben oft weder Ihre gms 


wohnte Ordnung noch Ihre Bequemlichkeit haben 


konnen; Arbeit und Zerfireuung tweahlelten nicht 


immer in gieihem Maße; und dazu nun die uns . 


unterbrochenen Gaflereien, denen man nicht afle 


Mat ausweichen kann. — O, wie angenehm muß: 
Ihnen das Gefühl des Wiederfehens Ihrer Fan. . 


milie, des Micberfindeng der ſchoͤnen Ordnung in 
Ihrem Hausweſen, ‚der Ruhe und der beftinumsen ' 


Arbeit geweſen ſeyn! Baft muͤſſen Cie glauben, 


Sie befänden ſich in einer neuen Schöpfung: te 


Sm 


dönnen daher: Aberzeugt ſeyn, daß ich mich zeche . 


fehe über die gluͤckliche Beendigung Ihrer fo bes. 
ſchwerlichen efchäftsreife frene. Genießen Bie 


- un an der Gsite der. Ihrigen al das Werguügen . 
\ doppelt, ' 


deppelt, was Ste fo lange Zeit entbehren mußten, 
und die fo lang entbehrte Familienfreude" beiohne 
Ihnen die feither fo mühfam geweſenen Tage, und 
erneuere Ihre Kräfte. Empfehlen Sie mich Ihrer 
ſchaͤtzbaren Familie, und Taffen Sie fernerhin die 
beften Nachrichten von Shrem allerfeitigen Wohl⸗ 
befinden birm | 

nu Ihrem 


ergebenften Freunde und Diener 
. N 


J — 130. 
An einen jungen, aͤlternloſen Menſchen, der in 
die Fremde gehen will. Von ſeinem Pathen. 
Mein lieber Pathe! 


Da meldeſt mir in Deinem letzten Briefe, 
daß Du nun Deine Lehrjahre gluͤcklich uͤberſtanden 
haſt, losgeſprochen und bereits zum Geſellen ges 
macht worden biſt. Ich freue mich daruͤber, und 
wuͤnſche Dir Gluͤck, beſonders da ich auch von 
Andern gute Zeugniſſe, uͤber Deine Auffuͤhrung ſo⸗ 
wohl, als auch uͤber Deine erlangte Geſchicklichkeit 
eingezogen have. Du haſt Dir vorgeſetzt, in die 
Beemde zu gehen. Du. thuſt wohl daran. Ein 
junger Menſch muß fi etwas in der Welt. vers 
ſuchen. In der Fremde ſieht man Viel, was man 
zu Daufe weder gefehen noch erfahren hätte. Auch 
lernt man bet dieſer Gelegenheit die Wenichen nes 
nauer, und den Lnterfchied Yon den taucheriet Ge⸗ 

en der Bieit kennen. Bet allem aber, was 
Dir feemd vorkommen wird, außere weder fogleich 

ein entfcheidendes Urtheil, noch lafle Deine Ems 
Windungen, und Gedanken zu laut darüber wer 
ba. Dutch voreiliges Weſen macht man nice 
Men andern große Unluſt: fich ſelbſt aber zieht 
mau Nachtheil zu, und macht fi disweilen ſogat 
Ä © | lagers 


! 


ß 


— 274 — | | 
lächerlich, dabei. Schicke Dich bet dergleichen Gelei 
genheiten in Zeit und Umflände, und vergiß dasalte - 
‚wahre Wort nicht: laͤndlich, fittlih. Sey nice 
leichtſinnig, und ziehe nicht nach Deinen Laus. 
nen, je nachdem Dir diefe ankommen, von einem 
Drte zum andern. - Nimm auf Deine Meifter 
Ruͤckſicht; und Halte es für eine Dich entehrende 
Handlung, wenn Di ihnen aus bloßem Muth⸗ 
willen, oder aus. einem nicht minder firafdaren 
Duͤnkel, oder unüberlegtem Starrſinn, oder auch 
aus einem mißverflandenen oder mifgedeuteten Hands 
werksgebrauch, einigen Tort oder Schaden zufügen 
wollteſt. Fuͤhle Dich zu edel, als dab Du Did im 
das Joch fo. maucher Mißbraͤuche eintreiben laſſen 
konnteſt. Sage in ſolchen vorkommenden Faͤllen 
fein Wort; mache weder eine ſpoͤttiſche Miene, noch 
fordere Andere, die niche Deine innigften Vertrau⸗ 
ten find, dazu auf, tait Dir gemeinſchaftliche Sache 
zu machen. Behutſamkeit fey Dir ein unerlaßlis 
ches Geſetz, auch bei der Ausführung Deiner edel 
fien Abfichten. Achte befonders bei Deiner Wans 
derichaft auf Deine Geſundheit. Trinke im heißen 
Sommer, ‚wenn Du unterwegs biſt, nie auf die 
Hitze; im Winter aber glaube nie, daß Du Die 
Bei heftigom Frofte und Wetter gätlich chuft, wenn 
Du ein Glaͤſschen Brandwein aufs andere trinkſt. — 
Tanze bisweilen: aber nicht alle Sonntage; denn 
uͤbermaͤßiges Tanzen ſchadet der Geſundheit eben fo, 
‚viel, als dem Geldbeutel, Lafle Dir rathen, und : 
‚Halte immer auf einige Srofchen Geld. Stoͤßt Die 
Mangel an Arbeit oder eine Krankheit zu, fo weißt 
Du Die dann doc) zu helfen. Wer fih muthwil⸗ 
lig in Noth begiebt, komme beicht darin um. Huͤte 
Di vor dem weiblichen Geſchlechte, befonders vor 
den Dienſtmaͤdchen; laſſe Dich mit ihnen in feine, 
Verbindung ein, woraus ein Liebesverfländniß ent⸗ 
Reben kann. E⸗ iſt ein ſchaͤndlicher Gedanke (und 
leider 


leider hegen ihn jet fo viele Handwerksburſche): 
wenn man glanbt, es babe nichts auf fih, wenn 
- man Die Unerfahrenhett eines jungen Mädchens mißs 
brauche , und ihm zum Gchein, damit man um fo 
eher feinen Zwed erreichen , und feine Lüfte befries 
digen koͤnne, die Ehe verfprehe. Wie oft ſtraft 
nie das Herz den böfen Verführer in demſelben 
Augenblide ſchon Lügen, als. das fhändliche Vers 
fprechen über feine Lippen eilt. Wehe dem Juͤng⸗ 
linge, der ein fo ſchwaches Sefchöpf durch leichtſin⸗ 
nige Verſprechungen täufhen, und es feiner Ans 
ſchuld, feines hoͤchſten Kleinods, berauben: zehnfas 
ches Weh aber uͤber ihn, wenn er es dann in ſeiner 
Entehrung huͤlflos oder der Schmach und dem Elende 
Aberlaſſen kann! Einſt wird ſein Gewiſſen erwa⸗ 
. den, wenn es nicht ganz verſtockt iſt; und nach 
langen Zeiten noch werden die peinigenden Vorwuͤrfe 
deſſelben ſeine beſten Freuden verbittern. 
Eile nicht, Meiſter zu werden, Vor dem Zoſten 
Jahre nimm Dir es wenigſtens nicht vor. Ein 
junger Laͤppiſch hat immer als Meiſter nicht viel 
Zutrauen. Ueberhaͤuften ihn aber fo junge Gacken, 
als er ſelbſt ift, mit Arbeit: fo wird das nicht von 
Beſtand feyn; denn wer tft jetzt veraͤnderlicher, als 
unfere junge vorncehme Welt? Ein Meifter bat 
viel Sorgen. Soll ſich nun fhon ein fo junger 
Mann in diefes harte Joch fehmiegen: fo ſinkt er 
vor der Zeit zufammen , und wird in feinen beſten 
Jahren ein freudenlofer Greis. Fruͤchte, die vor 
der Zeit reif werden, haben feine Dauer, Das 
iſt fo im. Treibhaufe, und eben fo iſt es in der 
übrigen Welt. unge Menfchen glauben, wenn 
fie Meifter geworden find, Sreiherren geworden zu 
feyn: nach einigen Sjahren finden fie das aber ganz 
anders; und wie fehnlich wuͤnſchen fie fih dann 
. im ihre fchöne Jugendzeit zuruͤck, die ihnen ehedem 
fo laͤſtig vorkam! 
6: En '\\ 3 


— 276 — 


Wirſt Du dieſen Vorſchriften treulichſt nach⸗ 
fommen: fo ſoll Dich mein Gegen begleiten. Ich 
werde dann etwas auf Dih Halten, und Did, 
wenn meine rechte Zeit und Stunde gekommen feyn 
wird, zu unterflügen Sorge tragen. Ich ſchicke 
Dir eine Wentgkeit zum Beweis meiner Liebe. 
Sich dieſes Geld als einen Nothpfennig an, und 
vergreife Dich nicht eher an demfelben, bis Deine 
Noth aufs hoͤchſte geftiegen tft, und Du nirgends 
eine Unterflägung finder. Thuſt Du bei Deinen 
Meiftern gut; bift Du eben fo willig als fleißig; 
arbeitet Du ſtets mit Bedacht, Vorſicht und Ges 
wiſſenhaftigkeit; vermehrſt Du täglich, Deine Ser 
ſchicklichkeit; arbeiteſt Du allezeit fertig und ges 
wandte; machſt Du nicht allzugroße Forberungen, 
wenn Du entdedft, daß Du vorzüglichere Arbeit, 
als ein Anderer, lieferſt; biſt Du Billig; haͤltſt Du 
auf Deine Ehre; Hift Du immer reinlih in Deis 
ner Waͤſche; trägft Du Dich wohlgelieider und nach - 
Deinem Stande: nun dann darfſt Du dreift ers 
warten, daß Did Deine Meiſter zu fchägen wiſ⸗ 
fon werden. Man wird Dih fuchen, Dich gern 
behalten, und es wird Dir nie an Arbeit fehlen. 
Haft Du Arbeit: fo wird Dirs nie an Brod mans . 
sein; und haft Du Brod, fo brauchft Du nie fer 
ten zu gehen. She nennet freilich dad Betteln 
Behten: aber es if nur ein anderes Wort und 
die Sache bleibt diefelde. Ein Handwerksburſche, 
ber immer fechten muß, hört auf, ein Handwerks; 
hurſche zu feyn, und iſt dann nichts mehr und 
nichts weniger, als jeder andere Bettler. Und wie 
nniederträchtig muß ein folcher Menſch feyn, der arbeis 
. sen kann, und nicht arbeiten will, fondern lieber 
: Betteln geht! 


Sch Habe es für meine Pathenpflicht gehalten, 
Dich, ale einen noch unerfahrnen Süngling, auf 
. NER 3 


\ 


r — 277 — 


alles dieſes aufmertſam zu machen: möchten dieſe 
. meine Lehren auf ein gutes Land gefallen feyn! 


Schreibe mir, fo oft Dich Dein Herz dazu ' 


anteeibt. Das Poſtgeld für Deine Briefe will ich 
‚gern bezahlen. Erwarteft Du aber immer nur Ants 
worten in Blingender Muͤnze von mir: fo wirft Du 
Dich fehr täufchen. Von mir erhälft Du keinen 
Kreuzer wieder, bevor ich mich nicht ganz übers 
zeugt habe, daß Du ihn zur aͤußerſten Noth brauchſt. 
Ein Dändwerkgburfhe muß und kann fi immer, 
wenn er fleißig iſt, einige Thaler mehr verdienen, 
als er braucht. 

So ziehe denn In Gottes Namen und unter 
defien Schng und Geleite hin. Wandle muchig 
Deinen Weg, und übe gemwiflenhaft jede Deiner 
Dichten. Verzage nicht fogleih, wenn Dir ein 
kleiner Unfall zuſtoͤßt. Wertraue auf Gott, und 
er wird Dich niche verlaflen. Meine Frau und 
meine Kinder grüßen Dich beſtens. Auch fie wuͤn⸗ 
ſchen Dir Gluͤck zu Deiner Reiſe, und freuen ſich 
ſchon voraus auf Deine Nachrichten, die nad) ihrer 
Meinung nicht anders, als gut ausfallen können. 
Lebe wohl. Unaufhoͤrlich bin 9, wenn Du Di 
darnach auffuͤhreſt, 

Dein 
treuer beſorgter Pathe 


131. 
Slidckwunſch bei einem geendigten Vrojeß. 
Hochgeehrter Here! 

Wer Ihr ruhiges, friedfertiges Herz ſo gut 
kennt, wie ich, dem wird es glaublich ſeyn, wie 
vielen Verdruß Ihnen feither der Prozeß mit... 
verurſacht haben muß. Sch war Zeuge, wie fhtwer 
es Ihnen wurde, ehe Sie es zu einge fo re 





= 2768 — 


digen Streitigkeit kommen Tleßen; und es iſt nur 
zu befannt, wie willig ®te Ihre Hand zu einem - 
Vergleiche darbieten wollten, obgleich das Recht ein: 
sig und allein anf Ihrer Geite war. Doch Ihr 
hartnaͤckiger Gegner wollte e6 nicht anders; und 
Sie wurden zu dem Schritte gezwungen, Ihre 
Serechtfame auf das fchärffte zu behaupten. Die 
Art und Weiſe, wie Sie fih bei der legten Ent: 
ſcheibung der Geſetze gegen Ihren Gegner benoms 
men Baden, macht ihrem Herzen Ehre: denn diefer 
wäre ein ungluͤklicher Menſch geworben, wenn 
Sie mit ihm nach Strenge hätten verfahren wollen. 
Benießen Sie nun Ihre mit fo vielem Verdruß 
- eedämpfte Gerechtſame in der ungeftärteftien Rufe, 
und bleiben Sie fernerhin dem gewogen, ber ſich 
recht herzlich über den slädlihen Ausgang biefer 
langwierigen Streitfache freuer, und fih mit aufs 
richtiger - Freundſchaft nenner | 
| Ihren 

ergebenſten 

N. 
. 15%. N 

An einen Freund, ber das ganze Loos in ber 
Lotterie gewonnen hat. (In einem ſcherzhaf⸗ 
ten Tone). 0 | 


Wie, mein Freund, Sie haben 30000 Thaler 
in der Lotterie gewonnen? Und Sie Haben biefen 
Sewinn, Ste haben diefe 30000 Thaler annehmen 
können? Wiſſen Sie denn nichts von dem, mas 
in unferer. allerneueften Welt vorgehet? Haben Sie 
nicht gehoͤrt, daß ber große Königsberger Philoſoph 
Kant gefagt Haben fell: es fey einem moraliſchen, 
tugendhaften Menſchen nicht erlaubt, 30000 Thas 
ler anzunehmen, wenn er fie in einer Lotterie ges 
wonnen babe? Ich felbft habe es zwar nicht Du 

en, 


_ 279 L 


fen, denn Leute von meinen Einfichten verſtehen 
dergleichen Schriften nicht, wie die des Herrn Kant; 
und wer fie nicht verfichen kann, der thut beſſer 
er lieſt fie nicht, denn es ift nuͤtzlicher, ein Buch 
gar nicht zu leſen, als es verkehrt zu verfichen. 
Aber einer meiner gelehrten Freunde bat das Buch 
gelefen, worin dtefe Behaupiung mit Maren Worten 
Befindlich feyn fol, und ift der Meinung, daß alles, 
mas. Here Kant fage, wahr fey. Lnfer Einer muß 
alfo um fo eher das glauben, was alle Gelehrte 
glauben. — Eigentlich ſcheint mir nun wohl Herr 
Kant die Pferde Hinter den Wagen gefpannt zu 
haben: denn ehe man behaupten kann, daß ein 
rechtlicher Mann den Gewinn des großen Loofes 
in einer Lotterie nicht annehmen und fi auszahlen 
laſſen dürfe; muß man doch wohl vorher beftimmt 
Baden, ob ein rechtlicher Mann. in die Lotterie 
fegen koͤnne? Denn ich fchliefe fo: wer nicht. in 
die Lotterie feßt, kann auch im der. Lotterie nicht 
gewinnen, und wer es einmal für'rechtlih hält, 
in eine Lotterie Geld zu feßen, ber muß ed auch 
für rechtlich Halten, fi das Geld, was er in der 
, Zotterie gewinnt, auszahlen zu laffen. Die meiften 
von Deutfchlands Fürften- erlauben es nicht nur, 
sondern fie ſcheinen es fogae zu wollen, daß ihre 
Unterthanen in die eine oder in die andere der von 
ihnen begünftigten Lotterien fegen möchten, wenn 
fie ihr Geld zu andern Dingen nichs nöthiger braus 
Ken: alfo muß es auch erlaubt ſeyn, daß man daß, 
was man darin getvonnen bat, annimmt; weil 
man das, was man hineinſetzte, durch eine Miete 
verlieren kann. : Und warum follte man es aud) 
nicht annehmen? Doch nicht etwa darum, weil 
Andere dazu haben feuern und mitwirken müflen ? 
Iſt es denn aber nicht in der ganzen Welt fo, daß 
zwanzig Hände mit arbeiten müflen, ehe der Eine 


oder der Andere etwas Vorzuͤgliches gewinnen nn 


2 — 280 — 


Wie viele Bauern muͤſſen wohl ackern, eggen, ſaͤen, 
pflügen, pflanzen und aͤrnten, um einen einzigen 
Paſtor — gefehweige denn um einen einzigen ‘Pros 
feffoe auf einer Univerſitaͤt, was viel mehr fagen 
wit — erhalten und ernähren zu können? So 
denkt unfer Einer mit feinem natürlichen Hausvers 
ſtande. Aber viele Gelehrte, befonders die Philo⸗ 
fophen , follen-jegt Öftere ganz anders denfen, es 
doch in demfelben Augenblide, als ih Ihnen einen 
Vorwurf machen wollte, daß Sie diefen Gewinn 
annehmen koͤnnten, finde. ich endfih troß allem, 
wos Herr Kant herausgeklägelt Hat, daß Sie Necht 
baran thaten, das Geld zu nehmen, und daß es 
Ahnen nicht zu verdenten iſt, wenn Sie fih dar⸗ 
Über freuen, auf eine fo leichte Weiſe ein ziemlich 
reicher Mann geworden zu feyn. Auch kann ich es 
gar wicht laͤugnen; wäre th an Ihrer Stelle, ich 
würde nicht anders gehandelt haben, und würde 
auch nie anders handeln, nur müßte ich erfi — das 
hroße Loos gewinnen, Bon Ihrem Herzen bin ich 
Aberzeugt, daß Sie duch Ihr Gluͤck auch Andere 
gluͤcklich machen werden; Ihre an Andern gemach⸗ 
gen Erfahrungen und Zhre Vorſicht find mir aber 
pie daß an Ahnen das Sprichwort nicht zur. 
abermaligen Wahrheit werden kann: wie gemonnen, 
ſo zerronnen, Benutzen Sie daher, mein Freund, 
das erlangte Vermögen zu Ihrer volllommenen, 
anunterbrochenen Zufriedenheit, bei den geſundeſten 
Kraͤften, und bleiben Sie auch als ein reicher Dann 
noch immer. der alte gute Freund 
Ihres 
ergebenen 


Kondos 


r 


Kondotenzfehreiben (ſchriftliche Beileidobezei⸗ 
| gungen.) | 


! 





Kondolenzſchreiben find Beileidsbezeigungen bei 
Zobesfällen. u 

Die läfige Sitte, Todesfälle, die in einer 
Familie erfolgt And, jedem nähern Verwandten und 
Freunde, ja fogar falt jedem Bekannten des‘ Ders 
fiorbenen duch befondere Trauerbriefe (Notiſika⸗ 
tionsſchreiben) mitzutheilen, iſt jest groͤßtentheils 


abgeſchafft. Man zeige jetzt in den oͤffentlichen Zei⸗ 


tungen den erfolgten Todesfall den entfernten Ans 
verwandten, Freunden, und allen denen an, die 


mit dem Verſtorbenen in Verbindung geflanden oder 


ihn fonft näher gekannt haben, und verbitter ſich, 
von ihrer Theilnahme überzeugt, alle weitere ſchrift⸗ 
liche Beileidsbezeigungen. Indeß pflegen fchriftliche 
Betleidsbezeigungen in folgenden Fällen noch ges 
braͤuchlich, und bisweilen Schuldigkeit zu ſeyn; 
erfilth, wenn man uns von dem erfolgten Tor 
desfalle eines Anverwandten, Freundes oder Bes 
fannten, Sönners u, f. w. in den öffentlichen Blaͤt⸗ 
tern Nachricht ertheilt, wobei Die Beileidsbezeigung 
wicht verbeten worden iſt; zweitens, bei nahen 
Anverwandten , vertrautern Freunden, fo wie bei 
Allen, mit denen wir in genaueren Verbindungen 


and Verhältniffen ſtehen, oder denen mir eine bes’ 


fondere Aufmerkſamkeit und Hochachtung fchuldig 
find. Im letzteren Falle giebt man feine Theil: 
nahme felb dann noch zu erfennen, wenn uns 


auch der erfolgte Todesfall nicht beſonders augezeigt 


worden ift. 
Slauben wir, baß es nöthig fey, «ine Dei 
loidsbezeigung an einen Vornehmen zu richten: fo 


muB eine Verfiherung unferer Theilnahme genügen 
' ;X 


>| 


FE 


‚und die. Teoftgeünde der Beruhigung Megfallen ; da 


wir vorausfepen können, daß er fie eben fo gut 


kennt, wie wir. Schreibt man hingegen an Ans 
verwandte und Freunde, fo kann unfer Mitgefühl 
ſich lebhafter dußern; und indem wir uns felbft im 
Seifte ir die Lage: des Leldtragenden verſetzen, koͤn⸗ 
nen wir ihm die Teoftgeände mittheilen, von denen 
wir glauben, daß fie ihn am meiften beruhigen 
können. Die Erwähnung der erhabenen Wahrheis 
ten unferer Religion von der Unſterblichkeit der 
Gerle, von Gottes weifen .Abfihten und dem Wie— 
derfehen nach dem Tode find vorzüglich zweckmaͤßig. 
Sollten wir freilih glauben, daß ber Empfänger 
unfees Briefs ganz andere Empfindungen bei dem 
Todesfall gehabt hat: fo. würden unfre Troffgrände 
laͤcherlich erfcheinen. Wer wird 3. B. an einen 


jungen Dienfchen bei dem längft. erwänfchten Tode. 


des reihen Onkels fehreiben, daß fein Schmerz 
‚gerecht ſey? Auch muͤſſen unfere Beruhigungsgruͤnde 
:nicht fo vorgetragen ſeyn, daß wir einen falſchen 


Erfolg vorausfehen innen, indem fie dem Tempe 


ramente, der Denk⸗ und Empfindungsweife: des 
Leidtragenden durchaus widerfprechen. Iſt fein Ges 


. müth weich und empfindfam, fo muß man biefes 


ſchonen und es fanft behandeln; haͤrtere Gemuͤther 
vertragen eher eine Erſchuͤtterung; und iſt in bei⸗ 
ben Källen bet dem. Leidtragenden eine innere Stärke 
der Seele vorhanden, Die durch Ungluͤcksfaͤlle ſchon 
gepruͤft äft, fo made man ihn darauf aufmerffam, 
und fordere ihn zu gleicher Kraft in dem gegenwär« 
tigen Leidfalle auf. Auch Yermeide man vorzüglich 
Bochtrabende, auf Stelzen daher fchreitende Worte, 
Altäglihe Beruhigung, in einen großen Works 
ſchwall eingekleivet, machen den Tröfter laͤſtig — 


eine Thräne des Mitgefühl, der ftille Ausdruck 


unfers theilnehmenden Herzens find dem Leidenden 
erquickendee. 


— 268 — 


Auch verſchiebe man feine Beileibsbezeigung 


sber die - Antwort auf die Benachrichtigung ‚des - 


Trauerfalles nicht von Tage zu Tage: denn theils 
möüffen wie befürchten, daß dieß als Seringfchägung 
- ausgelegt werde ;: theils ift es unangenehm, eine 
Wunde, Die ſchon zu verharrfchen anfing , wieder 
aufzureifen. In allen Fällen muß der Ton diefer 
Briefgattung ernft und feierlich ſeyn. Die lebhafte 
Sprache des Sefühls iſt nicht ausgefchloflen; um 
fo mehr aber bie des. Scherges, durch den man 
vielleicht den Leidenden zu zerfirenen denkt. „Dem 
wirklich Treauernden erregt der. Scherz ein Mißbe⸗ 
Hagen: ba bdiefer fo fehr gegen feine Gemuͤthsſtim⸗ 
mung fireitet. J F 
Nicht nur bei Todess, ſondern auch bei ans 


dern Ungluͤcksfaͤllen äußert man gegen feine Freunde 
und VBelannten, z. B. bei einer fie betroffenen . 
Beuersbrunft, bei Wetterfchaden, bei wancherlei 


eingetretenen koͤrperlichen Uebeln, bei fehlgefchlas 
genen Hoffnungen ꝛc., feine fchriftliche Theilnahme, 
Die Haupttheile folher Briefe find erſtlich: eine 
kurze Berührung des traurigen Vorfalls, der uns 


"entweder von dem Ungluͤcklichen fel6ft, oder von - 


andern glaubwürdigen Perſonen erzählt worden iſt, 
und die Aeußerung unferer aufrichtigen Theilnahme 
bei demſelben; zweitens: Hinweiſung auf die weiſe 
Megierung Gottes, die Alles zum Beſten lenke, ob 
uns gleich unſere ſchwachen Einſichten zur Zeit die 
Urſachen davon nicht ergruͤnden laſſen. Dabei kann 
man, nachdem die Gelegenheit und die Umſtaͤnde 
es darbieten, in Erwaͤgung bringen, daß uns oft 
ein Ungluͤck im Augenblick, wo es uns begegnet, 
groͤßer ſcheine, als es wirklich ſey, und daß ſchon 
unendliche Beiſpiele es erwieſen haben, daß man⸗ 
ches Ungluͤck nur ein Scheinungluͤck geweſen, und 
in der Folge fogar die Urſache zu einem nicht uns 


bedeutenden Glaͤcke geworden fey. Miche minder ' 
Rome 


„ Ir Ei 2 on 
j u 


r. 


» . 
tann man die Wermuthung aͤußern; ob uns viel⸗ 
leicht auch der längere Beſitz des fo eben verlornen 
Slauͤcks fo zufrieden und froh gemacht haben würde, 
«is wir uns verfprodhen und wie wir gehofft hats 
ten: 06 man wicht bei dem laͤngern Genufle des 
feiben endlich doch noch einem andern beträchtlichen 
Nachtheile Hätte audgefegt werden können, Drit⸗ 
‚tens verfühert ‚man feine Bereitwilligkeit, wenn 
‚man etwas zur Beruhigung des Leidenden oder zur 
‚Verminderung feines: Unglüͤcks ‚beitragen könne. 
Auch wird man bei ähnlichen Gelegenheiten den 

nehmern feine Theilnahme bezeigen dürfen; nur 
muß man babst- die Sänger des Schicklichen ges 
- ian. beobachten, und anf die Verhaͤltniſſe, in wals 
„Yen man mit ihnen ftehet, ganz befonders Ruͤckſicht 
.nebmeni. Alle: oben über die wirklichen Kondolenzs 
beiefe gegebenen Vorſchriften find auch hier giltig. 





133, | | 
an einen Freund bei dem Tode feines Vaters. 


Innigſt gellebter Freupdl 
. So iſt ‚denn dar laͤngſt vermuthete fuͤrchter⸗ 
liche Schlag geſchehen! hr, guter Vater it nicht 
‚mehr. Wenn wir auch —* ſein langwieriges 
Krankenlager auf dieſen traurigen Fall laͤngſt vor⸗ 
bereitet ſeyn konnten: fo fommt uns dieſer Verluſt 
doch immer noch zu fruͤh, und wir koͤnnen uns 
kaum faſſen. Freund, Sie haben einen Varer, 
einen fo zärtlich geliebten. Vater, und ich einen 
meiner beften Freunde verloren ,. deflen redliches 
Wohlwollen mir unvergeßlich bleiben, und dem 
mein Herz ein ewiges Denkmal der Liebe errichten 
wird, 

Ueberlegen wir jedoch genau, und lafien wir 
uns durch unſern Schmerz nicht zur Ungerecheigs 
' eit 


Beit verleiten: fo muͤſſen wir es der ewigen Gürb 
danken, daß fie bes edeln Dulders Leiden verkürzte, 
Ein fo langwieriges Krankenlager, unter fo vielen 
fat augenblicklichen Schmerzen — welch' eine harte 
Pruͤfung mußte es felbft für den gelafienften allen 
Menſchen fun! — Ihm, Ihrem guten Vater, 
ihm, meinem Freunde, iſt nun wohl, fehr wohl, 
und er genießt ‚feinen Lohn in der hoͤchſten Ruhe 
der Beligen. Diefee Gedanke muß uns zur Beru⸗ 
Bigung dienen. Wir find nur eine kurze Zeit von 
ihm getrennt. Wie bald entellen die Tage des Les 
Gens, und dann finden wir uns dort wieder. O die 
Sreuden des Wiederfehens jenfeit de6 Grades, wo 
feine Trennung mehr tft, wie erheben, wie erfüß 
len Sie unfer Herz mit einem Trofte, dem‘ feine 
gleicht, und der die fetigfte Empfindung des Chris 
ſten ift! Laſſen Ste uns Immer fo handeln, als 
wandelte der Selige unter uns, und wir werden 
uns feiner wuͤrdiger machen. Zugleich wird diefes 
der deutlichſte Beweis ſeyn, wie viel er uns war, 
und wie innig wir ihn verehrten. 


Kann ih Ihnen in Ihrer gegenwärtigen Lage 
durch meinen Beiftand, durch Nach und That nuͤtz⸗ 
fh werden, bin ih im Stande, Ihnen einige 
&rleichterung zu fchaffen: fo wenden Sie fidh ohne - 
das geringfte Bedenken an mid; mit Vergnügen 
werde ih Ahnen zeigen, daß ich mit der redlich⸗ 
ſten und zärtlichften Theilnahme unveränderlich bin 
und bleibe 


aufeichtigee Freund. 
N. 


138. Un 


— 286 — 


134. 
An einen Vater bei dem Tode ſeines hoffnungs⸗ 
vollen Sohnes. J 
Hochedelgeborner, . on 
Hochgeehrter Here und Freund! 

Kann irgend ein Schmerz dem Echmerze eines- 
Vaters gleichen, der feinen Sohn in der. fchönften ' 
Bluͤthe verwelten, ihn fo früh ſchon auf der ehrens 
vollften. Laufbahn feiner. Tage: verſchwinden ſehen 


| ‚muß? Ah, ih fühle, ich fühle ihn ganz, den 


Verluſt, den Ste, bedauernswuͤrdiger Freund,“ erlits 
.. ten haben. Wo find fie nun. hin, die fhönen 
. Hoffnungen? Wo tft fie nun bin, die Vollendung 
Ihrer liebſten Entwürfe? Wo find fie nun hin, 
die heiligften Freuden, zu denen Sie berechtiget 
waren? Was. müßte aus dem Menſchen in einer. 
ſolchen traurigen Lage werden: hielt ihn nicht die . 
Macht der Religion aufrecht? Sie Elagen viels 
Teiche, ehtwuͤrdiger Freund, und können es nicht 
begreifen, warum Sie in einem fo hohen Alter 
den Tod Ihres Sohnes, des blühendften jungen 
Mannes, erleben mäflen. — O mildern Sie diefe 
Ihre Klagen, und vertrauen Sie, als Chriſt, 
einzig und alein auf die unergründliche Weisheit - 
deſſen, der das Schickſal der ganzen Welt regiert, . 
and deſſen Anordnungen nie etwas anderes, als 
unfer Heil: zur Abficht Haben. Ihr Sohn hat 
fhon-jest ben Plan vollendet, zu dem ihn Gore ' 
in die. Welt berufen hatte; — und Ihnen bleibt 
ja. ſtets det feinem frühzeltigen Tod das fchöne Ger 
fuͤhl, daß er Ihnen einfl Dort dankbar entgegens _ 
eilen, Sie dort empfangen und in die Wohnungen 
der Seligen einführen werde. 
.. Freund, blicken Sie auf Yhre noch lebenden 
Kinder! Sehen Sie, wie fie unter einander wett 


ten 


eifern, Ihnen dieſen Verluſt zu erſetzen! — Moͤcht 


— 


— 2687 — 


ten Sie dieſem meinem Zurufe einige Aufmerkſam⸗ 
keit gönnen! Der Verluſt des Einen darf Sie 
gegen die Uebrigen nicht ungerecht werben laſſen. 
Halten Sie diefe Aeußerungen nicht etwa für ein 
Kennzeichen des Mangels an thätiger Theilnahıne, 
nehmen Sie fie vielmehr für den Beweis der innigs 
fien Freundſchaft. Gott erleichtere Ihren Schmerz, 
. und heile Ihre tiefgefchlagene Wunde. — Was 
von sined Menfhen Kräften erwartet werden kann, 
. wi ih Ihnen gern leiften, um Sie ganz au 
überzeugen, wie ſehr ich bin 
Ihe 
aufrichtiger theilnehmender Freund 


⸗ 158. | 
Ein Sohn an feine Mutter bei dem Tode feines 
Barerd. 
Beſte Mutter ! | 
So ift ed denn wahr, daß mein Water nicht 

mehr tft, daB er uns verwaift verlaflen bat, ohne 
daß mir. das Gluͤck zu Theil wurde, ihn noch 
einmal zu fehen. Kaum konnte ich die Gewißheit 
faſſen, und wie einen böfen Traum wollte ich den 
Gedanken, daß er todt fey, von mir verſcheuchen. 
Doch vergebens! Der unglüdtiihe Brief lag ja 
vor mir, und ließ mir keinen Troft, Leine Hoffs 
nung, ja er verdoppelte durch den Gedanken an 
GSie, theuerfie Mutter, meinen Schmerz. Ich 
fah Ihren Jammer und Ihre Thränen, welche 
Ihre Standhaftigkeit und die Stärke Ihres Slaus 
bens an die Vorjehung, die Ste bei andern Uns 
gluͤcksfaͤllen zeigten, und wodurd Sie uns Alfen 
das fo lehrreiche Beiſpiel gaben, niche fiillen, nur 
fanfter fließen ließen. Ja laflen Sie uns mit eins 
ander fo gerechte Thränen weinen, und das — 
| nr 


! 


Auge zu dem erheben, deſſen Fuͤgungen der Menſch 
nicht durch Toben oder Zaghaftigkeit entbeitigen fol. 
Ich Habe viel, allerdings fehr viel verldren: aber 
ich habe doch Noch eine Mutter. Barmherziger 
Gott! erhalte mir nur dieſe noch lange Jahre! 
Dann bin ih nicht ganz ungluͤcklich. Sure Mut⸗ 
tee! 0 ich bitte Sie, bleiben Sie mir gewogen: 
und Sie follen Breude an mie: Baben. Es fol 


mein feltgfteß Beſtreben ſeyn, Ihre Ihränen zu 


trocknen, und Ihnen deu Verluſt zu erfegen, dee 
Sie fo tief fhmerzt, wenn anders ſelbſt der dants 
barſte Sohn feiner Mutter den Verluſt feines Das 
ters, Ihres beften Freundes und Ihrer ficherften 
‚Stäge erfegen fann. Mit klopfendem Herzen ſtrecke 
ich meine Arme nach Ihnen aus, und ſchwoͤre Ih⸗ 
nen, ſo lange ich lebe und empfinden kann, mit 
der heiligſten Treue. in der Erfuͤllung aller meiner 
Pflichten zu ſeyn und zu bleiben 
| | Ihr 


gehorſamer Sohn 


136. 
An einen Freund, deſſen Gattin von einem todt⸗ 
gebornen Kinde entbunden worden. 

Liebſter Freund! | J 
Weecht ſehr ſchmerzhaft hat mich Ihre traurige 
Nachricht von der Entbindung Ihrer lieben Gattin 
mit einem todtgebornen Sohne überrafcht. Es war 
wirklich ſeither eine meiner liebſten Vorſtellungen, 
‚wenn ich mir. Sie in der lebhaften Freude dachte, 
Sie zum zweiten Male Vater werden zu fehen, 
Ste gaben mir dazu die beflen Hoffnungen; und 


ich Höre nichts lieber von Ihnen, als die Verfis- 
. Gerung, daß fih Ihr gutes Weibchen recht wohl 


. befinde Ab, daß uns fo oft im menfchlichen eu 
, | en. 


EN 


— 


269 — 


ben das traurige Loos fallen muß, unfere beſten 
und fchönften Hoffnungen fo ſchnell und fo unvers 
muther vereitelt zu fehen. Laſſen Ste uns indeß 
. Sort für die Erhaltung der Mutter danken, deren 
Leben in keiner geringen Gefahr ſchwebte. Moͤge 
fie bald die verfornen Kräfte wieter erlangen, und 
durch die vollkommenſte Sefundheit She Leben froh 
und glädlich ſeyn. Sie find Beide noch jungs 
es läßt fih von Ihnen erwarten, daß Ihnen der 
Seht erlittene Verluſt bald wieder erfegt werden 
kann, was ich ‚aus dem Grunde meines Herzens 
winfhe Der Simmel erhalte Ihnen den Kleinen 
gettebten Erftling , und lafie Sie folhen zur Ehre 
- &attes, der Welt zum, Mugen, und fich ſelbſt 
zur angenehmften Freude erziehen. Lieben Ste, 
und das münfche ich mir. aud von Ihrer lieben 
SBartin,, fernerhin, wie feither 

Ihren 

aaufrichtigen Freund 
u | N. 


— 


| 133. 
An eine adelige Dame bei dem Tode ihres Ge⸗ 
| mahls. | 


Hochwohlgeborne, 

ur Snädige Fran ! | 

Verzeihen Ste, wenn ich es, vom tiefften 
Schmerz durchdrungen, wage, Ihnen bei dem fo 
ſchnell erfolgten Iodesfalle Ihres verehrungswuͤr⸗ 
digſten Deren Gemahls meine innigfte Theilnahme 
an den Tag zu legen. Sort! fo früh mußte er 
Ahnen fchon von der Seite geriflen, fo bald ſchon 
das Band wieder aufgelöfer werden, das Ihre; 
Tage fo zufrieden, fo heiter, ſo glücklich machte! 
Ach! Sie a dr {dm den — a 
‘sen, den treueſten Freund; Ihre Kinder den sa 
ee ⁊ a "Sun 


_ 290 — 


lichſten Vater; die Tugend einen ihrer eifeisfien 
VLerehrer die Welt den thaͤtigſten Befoͤrderer des 
wahren Ünenf@engiüds. Und was, und wie wie 
war er auch mie! — Doc die Ehrfurcht gebies 
tet mir, ‚meinen Schmerz in mich zu verfchließen. 
Sein Andenken wird allen Edeln Heilig feyn; weh⸗ 
muthevoll werden aud meine Thraͤnen, fo lange 
ich denken und empfinden fann, Ihm, meinem 
Goͤnner und Wohlthaͤter, fließen. 

Möge die ewige und weiſe Vorſehung den 
Schmerz Ihres leidenden Herzens lindern, und 
die Religion Ihre wirkſamſte Tröfterin feun. Goͤn⸗ 
nen Sie mir die Fortdaner Ihres gnaͤdigen Wohle 
wollens, der ich mit inniger Ehrfurcht und Node 

achtung vo | 
Ew. Wohlgeboren 


untertbäniger Diese 
N ® 


138. 
u einen Batet, deſſen Bohn anf dem Snlate 
felde geblieben iſt. 


Berehrungswärbigfier Freund! | 
Wer ein gefühlvolles Herz hat, wird Sie 
beklagen, und ar sen ee Se Sohnes Tode 
gerecht nennen. Möchte Doch der Gedanke in Ihe 
ser Seele recht 3 werden: daß fein Tod 
ſchoͤner und ehrenvoller fey, als der Tod in feinem: 
Berufe. Vielleicht kͤunten Ste fich dadurch beit, 
als durch irgend einen andern Troſtgrund beruhigen. 
She braver Sohn flarb den Tod für's MWaterland,. 
für feinew Sürften und feine Mitbruͤder. Er iſt 
dadurch unfern Herzen unvergeßlich und werth ges. 
worden, und fein Andenken wied noch bei der Nacht 
weit in Ehren bleiben. Dem menfhlichen Leben I 
. sen Ziel geſetzt. Tauſend graue Krieger kehrten 
«Watts 


— 291 — 


zwanzig und dreißig Dal aus dem wildeften Schlacht 
getümmel gefund und unverlegt zuruͤck, und ein 
SZüngling muß fein Leben zum Opfer bringen. Auch 
folche Erfahrungen muͤſſen uns erkennen iaſſen, daß 
eine höhere Macht über uns berriche; und die Mes 
Ligion des Ehriften muß uns lehren, die Zügungen 
diefer hoͤhern Wacht anzubeten. Zwar ifl ein fchnels 
lee Todesfall derer, die wir lieben, fehr erfchäts 
teend; aber nur den Sinterlaffenen, dem @terbens 
den iſt er eine Wohlthat. Wer auf dem Schlaͤcht⸗ 
felde feinen Tod findet, ging feinem traurigen 
Schickſale gewiß nicht unvorbereitet entgegen. Jede 
Der vorbereitenden Anſtalten zu einer Schlacht mußte 
ihn, wenn er nicht ganz leichtfinnig war, mit einem 
en Schauer erfüllen; die Ewigkeit und die 
Kung feiner Pflihe mußten feine felerlichfien 
Gedanken und Gefühle bleiben: und kann ein Tod 
fegensvoller feyn, als wenn uns diefer große Gy - 
danke, feine erhabene Beſtimmung erfüllt zu haben, 
vor der Seele [hwebt? — Laflen Sie uns feinen 
frühen Verluſt bedauern, faffen Sie uns feinem 
Andenken die heißeften Thränen ber Liebe ſchenken: 
aber laſſen Sie uns bei diefen Beweiſen unferer 
Liebe und nnfers Schmerzes unfer Vertrauen jauf 
das hoͤchſte Weſen nicht verlieren. Nur in feinen 
Leiden zeigt der Menſch die hoͤchſte Bewährtheit 
feiner Tugend und feiner Seelengroͤße. Die Zeit 
wird Shren Schmerz lindern, und Ihnen flets 
Dee Gedanke bleiben: der Water eines Sohnes zu 
ſeyn, der die Ehre feiner Nation und ein vorzägs 
liches Beiſpiel des unerfchrocdenfien Wuchs war, 
ſich für fein Vaterland, für feinen Bürften, für 
das Wohl feiner Mitbruͤder aufzuopfern. Ja 
Freund, dieſer edle Stolz, dieſes große Bewußt⸗ 
ſeyn, einen ſo braven Sohn gebildet und erzogen 
zu haben, muß viel, ſehr viel dazu beitragen, daß 
Ihre Wunde nicht länger alu, daß Ihre Thraͤ⸗ 
" 2 X 


— 292 — 


nen bald vertrocknen und Ihr Herz ſich wieder 
erhebe. Thraͤnen ſind oft nichts weiter, als die 
Kennzeichen eines ſich ſelbſt verlaſſenden Herzens; 
ruhige Ergebung in unſer trauriges Schickſal ehrt 
das Andenken des Verſtorbenen weit mehr, als die 
oft wiederholte Wehklage. Sie willen, wie ſehr 
ich Ihr Freund bin. Moͤchten Ihnen dieſe meine 
Empfindungen ein neuer - Beweis‘ meiner Freund⸗ 
Matt ſeyn, der Wh unveränderlic bleiben werde 


Vhnen aufeichtigt ergebener 


- 140, 
An den Bruder eines leichtfinnigen Selbſtmoͤrders. 
Mein ſchaͤtzbarer Freund! 

Keineswegs würde ich der Freundſchaft werth - 
ſeyn, die unfere Herzen feit fo langer Zeit aufrichs 
tig und zärtlich verband: wenn mich nicht Ihre 
Nachricht von dem traurigen Ende Ihres Bruders 
tief, fehr tief erfchüttere Hätte. Ad, es war beis 
nahe vorauszuſehen, daß es mit diefem Unglück 
lichen nicht anders enden konnte. Sie, befter 
VWreund, und Ihre" ganze werthe Familie, haben 
nicht den entfernteſten Antheil an feinem Ungluͤcke, 
haben ſich aud nicht den kleinſten Vorwurf dass 
über zu machen: denn an Sshren brüderlichen Zus 
gechtweifungen, an Ihren fauften Ermahnungen, 
ſelbſt an der Bereitwilligkeit, ihn durch fehr bedens 
tende Aufopferungen aus feinem Labyrinthe heraus⸗ 
zureißen, bat es wenigſtens nie gefehle. Gott, 
wie .weit kann es der Leichtfinn bei einem Mens 
ſchen bringen! Seiner Erziehung, von der erſten 
Kindheit auf, kann Feine Schuld beigemeſſen wers 
den: denn an den befleren Ueberzeugungen mans 
gelte es ihm nicht, das geftand .er felbit. Aber 

feine Detgung, oft zu Deenfchen' von den een 
. —XX 


, 7.98 — 


deſten Geſinnungen, zu Menſchen, bie bei ben 
Rechtſchaffenen alle Achtung verloren hatten, bie 
- aber feine Leidenfchaften in volle Flammen zu brins 
gen verfianden, ihm feine beſſer gefinnten Freunde 
verdächtig zu machen, und wenn die Befinnung 
in ihm erwachte, die edleren Abfichten endlich fefts 
zubalten, ihn von bdiefem Ziele wieder zurüuͤckzu—⸗ 
floßen wußten — dieß zufammengenommen machte 
fein Ungluͤck. Und find wir überzeugt, daß wie 
- weder an den ſchlechten Sefinnungen, noch an den 
Folgen der gefegwidrigen Handlungen eines folchen 
- Unglädlihen Schuld Haben: o fo muß uns allets 
dings unfer eigenes redlihes Bewußtfeyn, und in 
diefem die Stimme der Redlihen, die ein falfcher 
Wahn nicht, Blenden kann, volllommen rechtfertigen: 
and in diefer Rechtfertigung muß unfere Beruhi⸗ 
gung liegen. Sie klagen zwar in Ihrem Briefe 
fehr, daß Ihr Bruder Ihnen und Shrer Familie 
eine folhe Schande Habe zufügen. können: aber, 
lieber Freund, feyn Sie ja nicht ungerecht gegen 
ſich felöft, quälen Sie fih nicht mie Vorſtellungen, 


dte Ihren Schmerz nur um fo herber machen müffen. 


Sie und Ihre nanze würdige Familie ſtehen bet 
Allen, die Sie kennen, in dem beften Rufe; und 
ſelbſt diejenigen, die Sie nicht perſoͤnlich kennen, 
ſchaͤtzen Sie hoch, dein es bleibt nie verfhwiegen, 
was und wie viel wir durch die Erfüllung unferer 
Pflichten bewirken. Und welher Menſch wäre 
nicht. dem Schickſale ausgefegt, von Einigen vers 
kannt zu werden? fo allgemein auch die Stimme 
und das Urtheil der Edleren diefe zu ihrer Beſchaͤ⸗ 
‚mung überzeugen koͤnnte. Aber kann uns unedler 
Menfhen Urtheil fhaden? Kann ihr Urtheil einen 
Einfluß auf die befieren Seelen haben? — Die 
Forderung wäre zu groß: wenn wir verlangen 

wolten, daß unfer Schickſal einzig feyn, und es 
uns anders ergeben folle, als jedem andern Mens 
. (deu. 


ſchen. Die Erfahrung belehrt uns leiber: daß 
über die beſten Menſchen die ſchaͤrfſten Urtheils— 
ſpruͤche gefaͤllt werden; denn theils ſind ſolche Beur⸗ 
theiler zu ſchwach, um uns genauer zu pruͤfen, 
und fle nehmen den Maßſtab, wonach fie uns 
meflen, bloß nach ſich; theils verleitet fie aber 
auch ihre Lieblofigkeie und die Schlechtheit ihrer 
Herzen zu diefer Unbilligkeit. Man erkennt ihre 
Gründe und ihre Urfachen nur zu leicht, als daß 
. le andere, die nidye eben fo ſchwach, die nicht eben 
fo lieblos find, wie fie, verführen und zu einer 
Beipflihtung vermögen koͤnnten. Alſo Kreund, 
bas sraurige Ende .Sihres Bruders wird keineswegs 
auf die, deren Achtung Ahnen allerdings etwas 
wert ſeyn muß, einen andern Einfluß baden, als 
daß Sie fie redlich bedauern, und Ihre guten Eis 
genſchaften nur um fo höher fchäßen werden, da 
ſolche von den Sefinnungen des Ungluͤcklichen fo 
ſehr verfchieden find, ob fie gleich Beide leibliche 
Brüder, Eshne einer und derfelben Mutter, waren, 
Beide Ihre Erziehung einem und demfelben allges 
mein gefchägten Water zu verdanken hatten. Kräns 
kend, fehr kraͤnkend iſt es für jeden gutdentenden 
Menfchen: wenn er einen feiner Mitbrüder fo tief 
finten ſehen muß, daß er fich ſelbſt vernichten, 
wiche nur fich ſelbſt, fundern durch ſich vielleicht 
eine Reihe von beflimmten Handlungen zerftären 
kann, die für die Welt und den Lauf der Dinge 
nöthig waren. Aber lich Gott diefes Ungluͤck zus 
fo mußte feine Weisheit, feine Allwiſſenheit Gruͤnde 
dazu haben; da kein Sperling ohne fein Zuchun 
vom Dache fallen kann. Und da alles, was in 
der Welt und in dem Menfchenleben gefchieht, eine 
ewige Kette bleibt: fo muͤſſen wir ſtill ſtehen, und 
auf die Gnade des eben fo Guͤtigen als Gerechten 
vertrauen, die dem Ungluͤcklichen, dem Gefallenen 
verzeihen kann, Erwägen Ste diefes A mein . 

eund, 





— 295 — 


Frennd, genan: und Ihr Schmerz; wird wilder 
 , werden. Liebe und Achtung wird Ihnen und Ih—⸗ 

rer wertbgefchägten äbrigen Bamilie von allen guten 
Menſchen begegnen, keiner wird Ihnen das Uns 
gluͤck Ihres Brnders zurechnen, das betheure ich 
Ihnen nochmals; und man wird um Ihretwillen 
und aus Achtung für feine Familie den Unglück 
lichen bemitleiten, und feine legte That, wie fets 
nen Leichtſinn, worans dieſe entfprießen mußte, 
menfdenfreundlich bedecken und baldigft zu vergefs 
u fuden, Dieß ift die aufrichtige tröflende Ber 


Ihres 
redlichen und Sie hochſchaͤtzenden Freundes 
N 


141. 
An einen von Adel, der auf einer Spaierfahrt 
in feinem eigenen Wagen umgeworfen, uud 
dabel an feinem Körper flarf befchädigt wor⸗ 
den iſt. | * 
Hochwohlgeborner Herr, 
Gnaͤdiger Herr! 

Ew. Hochwohlgeb. darf ich gewiß nicht erſt 
verfihern, was für einen tiefen Eindruck die erhal⸗ 
gene Machricht von dem Ihnen widerfahenen Ins 
gluͤck auch auf mich gehabt haben muß. Wie groß 
war die Gefahr, worin, gnädiger Herr, Ihr Leben 
ſchwebte; wie nahe war es daran, daß Sie den Tod 
auf der Stelle finden konnten! Barum muß id 
boch in dem menfchlichen Leben fo manches Unglüd 
ereignen, dem auch die moͤglichſte Behutſamkeit, die 
größte Vorficht nicht ausweichen kann I Möchte es 
dem Arzte baldigſt gelingen, Ihre für uns Alle fo 


wichtige Sefundheit volllommen wieder herzuftellen ! 
WMochte 


⸗ 


un 206 — — 


Möchte kein neues Uebel hinzutreten, das Ihre, 
Schmerzen vermehren, und unſere Hoffnungen in 
nene Furcht verwandeln könnte! Das ift gewiß ber 
tebhaftefte Wunſch aller derer, die Ew. Hochwohlgeb. 
näher zu kennen, und Ihre allgemein verehrten Vers 
dienfte-zu bewundern das Gluͤck haben. Ich fühle 
mich ſtolz, mich darunter zählen zu dürfen, der ich 
bis an den legten Hauch meines Lebens im gehors 
ſamſter Unterthaͤnigkeit erſterbe 


Ew. Hochwohlgeb. 


ehrfurchts vollſter J 


| 142. 
Bei einer aͤhnlichen Gelegenheit an einen unſerer 
guten Bekannten. 


Hochgeehrter Herr und Freund! 

So eben erfahre ich von einem meiner Freunde, 

der von L.. kommt, das Ungluͤck, welches Ihnen 
vor einigen Tagen begegnet iſt. Faſt moͤchte ich voll 
Verwunderung ausrufen, wie das moͤglich ſey: da 
ich Ihre Vorſicht kenne, und gewiß weiß, daß 
Sie ſich keinem Geſchirr und keinem Kutſcher an⸗ 
vertrauen, wobei Sie nur die kleinſte Gefahr zu 
befürchten Haben könnten. Aber wenn ein Ungluͤck 
ſeyn fol: .fo muß ſich alles ſchicken. Sch wünfche 
recht fehr, mein Freund! daß bie erlittene Ders 
legung an Ihrem Arme von feinen ſchlimmen Kols 
gen fey, daß wenigſtens die Geſchicklichkeit des Arz⸗ 
tes diefen vorbeugen möge. Recht fehr foll mich es 
freuen, wenn id) naͤchſtens angenehmere Nachrich⸗ 
ten von Ahnen höres doppelt wird aber meine 
Freude ſeyn, wenn ich recht bald Ihre volllommen 
erlangte Wiedergenefung von Ihnen felbft erfahre. 
Es thut mir und den Meinigen fehr leid, daß nie 
n nie 


| wicht. in Ihrer Nähe find, um Ahnen und den 


Ihrigen unſere Willfährtgkeit auf das thätigfte bes 
werfen zu können. Im Fall aber, daß wir Ihnen, 
fen ed womit es wolle, dienen können: fo melden 
Sie mir es ohne die geringften Umftände, felbft 


da, wenn Ihnen unfere perfänlichen Dienfte nuͤtz⸗ 


Ud) werden könnten. Ich und die Meinigen wers 
ben diefe Aeußerung für ein befonderes Kennzeichen 
des vollen Zutrauens Ihrer wahren Sreundfchaft hals 
ten, und jede Gelegenheit ergreifen, Ihren Wüns 
fhen entgegen zu kommen. Dies iſt die. aufrich> 


tige Bitte j 
30 Ihres 
ercebenften Freundes und Dieners 
N 
I 
143. 


An eine Wittwe, die mancherlei traurige Schick⸗ 


. 


ſale ſchnell hintereinander betroffen haben. 


Würdige Freundin! 


Ihr Brief hat mic) ſehr traurig gemacht. Ein 
Ungluͤcksfall folgt auf den andern, um Ahr Herz 
und Ihren Stauden an Gott aufs hoͤchſte zu prär 
fen. Raum war Ihnen Ihe geltebter Mann von 
der Seite geriffen: fo ſtirbt Ihre Tochter, die Ihnen 
fo gut zur Hand gehen, Ihnen fo manche Mühe 
erleichtern konnte, die Ihre einzige Freude und 
Ihres vorzäglichen Zutrauens fo würdig war. Und 
Faum war bdiefe Wunde einigermaßen verhartfcht : 
fo beweiſet ein treulofer Freund die ſchaͤndlichſte 
Tide on Ahnen; und Sucht, nachdem er Sie durch 
feine Schmeicheleien gewonnen hatte, von Ihrer 
Seelenguͤte den niederträdhtigften Mißbrauch zu mar 
hen, um fid) einen Nutzen zu Schafen, und Sie 


Dagegen in Schaden zu feßen. Schon einer dieſe 


Sera 


9 


-— — 
Schlaͤge war fühle, das ſtandhafteſte Herz zu er⸗ 


ſchuͤttern: und Sie hatten deren drei auszuhalten! 


Freundin, fo hart Ihnen das Alles auch ſcheinen 
mag : fo bitte ih Sie doch, weichen ie von dem 
Vertrauen auf Sort nicht, das Sie feither durch 
Ihre anhaltende Tugend fo chriſtlich bewieſen has 
ben. Ihren Ereunden werden Sie gewiß dur 
Ihre traurigen Schickſale noch fchägbarer werden, 
und auf jenen hinterliſtigen Menſchen, dein Sie 
Ihr Zutrauen ſchenkten, und der es fo fchändlich zus 
Ihrem Nachtheil anwendet, wird alle Schmach fals 
len. Seder, wer Sie, liebe Freundin, kennt, 


— und Sie haben wirkitch mehr aufrichtige, wahre, 


gute Sreunde, als Sie vielleicht felbft glauben — wird 
Ihnen nicht nur mit feinem beften Rache dienen 
wolen; er wird Sie auch gern mit Allem aufs 
thaͤtigſte unterflügen , fo viel nur feine Kräfte vers 
mögen. Laflen Sie fih Ihren Schmerz nicht uͤber⸗ 
wältigen: damit ee Sie nicht aus der ruhigen Fafs 
fung ringe, bie ficherfien und gefhwindeften Maps 
regeln nehmen zu Pönnen, um Ihren Verluſt mes 
nigftens zu vermindern, da es nicht in Ihrer Macht 
ſtehet, ihn, ungefhehen zu mahen. Wenn Sie 
überzeugt find, daß ich etwas für Ihre Ruhe thus 
kann: fo offenbaren Sie mir Ihre Wuͤnſche. Uns 
aufgefordert forge ich jetzt fhon, mich für Sie, 
wenigſtens nach meinen Kräften, auf das thaͤtigſte 
zu verwenden, und folde Auſtalten zu treffen, wie 
fie nach meiner Einfihe von guten Folgen feyn koͤn⸗ 
nen: wie viel mehr werde ich. alles thun; wenn 
Sie mir einige Anleitung geben wollen, Ihren 
Endzweck nah Ihren Wuͤnſchen erreichen zu koͤn⸗ 
nen. Seyn Sie feſt uaͤberzeugt, daß mir dieſe Un⸗ 
ternehmungen nie Mühe, wohl aber Vergnuͤgen, 
fehr viel Vergnügen machen, und nie eine Laft ſeyn 
werden. Zürnen würde ich ganz gewiß über Sie: 


wenn Ich jene Befcheidenheit an Ihnen wahrneh⸗ 
men 


„ VRR, 


8 299 


men ſollte, die lieber tm Stillen leidet, als daB fie 
zu ihren Sreunden das gerechte Zutrauen faßt, und 
ihnen bekennt, wie es und was in ihrer Macht 
ehe, Ihrer traurigen Lüge, abheifen zu können. 
Laſſen Sie diefe meine Bitte Statt finden, um fich 
ganz zu Überzeugen, wie ich von jeder Mebenabficht, 
am meiften von allem Eigennug entfernt, mit der 
seblichften Herzlichkeit unausgefeht und unveraͤnder 
Yin und Bleibe % | Ä 
: She 


? 


144. 


An eine Tochter, deren Mutter ſeit langer Zeit 


Erauf liegt, und immer noch zu ihrer Benefung 
wenig Hoffnung giebt. - 


Liebe Rreundin ! 


Noch immer höre ih, daß es fih mit Ihrer 


guten Mutter Krankheit nicht zum Bellen wenden 
will, Wie ſchwer muß es Ihrem kindlichen Herzen 
werben, der Zeuge einer fo langwierigen Krankheit, 
fo mannichfaltiger und fchmerzhafter Leiden einer 
guten Mutter zu feyn, die Sie fo innigſt lichen ! 
Wie beruhigend muß es Ahnen aber auch ſeyn, der 
armen Leidenden fo zärtlich beiftehen zu können ! 
ie geben der Belt durch Ihr geduldiges Aushars 
zen die fchönften Beweiſe Ihres vortrefflichen Her⸗ 
zens; und wer es fühle, was und wie viel @ie 
an Ihrer Mutter chun, wird Sie als ein Muſter 
kindlicher Liebe verehren. @ie entfagen jedem Vers 
gnügen , jeder Zerfireuung, ja faſt jeder Erholung ; 
um nicht von dem Krankenbette Ihrer lieben Mut⸗ 
tee weichen zu dürfen. Der fchönfte Lohn wird 
Ihnen dafür werden; Ihre fromme und bantbare 

utter 


redlicher, dienſtwilliger Freund 
N. 


u 


. Muttet wird nen dafür ven beſten Segen von 
Sort erfiehen. Es tft für den Sterblichen zu vers 


wegen, bei folhen unverfhuldeten ſchweren Leiden - 


in die Urfachen der weifen Vorfehung eindringen zu 
wollen; genug? daß der tugendhafte Chrift überzeugt 
ift, daß Gottes Fügung Gnade und Liebe zur Abs 
fiht bat. Gewiß. wird auch Ste diefee Gedanke 
beruhigen und Ihre Wehmuth lindern, Und, Freuns 
din, fol und kann uns nicht auch ein langwieriges 


Krantenlager unferer Lieben fehr Ichrreich werden? 


Erfahrungen , die wir von daher gewinnen, können 
uns für unfer ganzes Leben ſehr nüglich werden : 
weil fie und unvergeßlich bleiben. Und dann, liebe 


Freundin, follte es vielleicht Sorte nicht fehr gue 


mit Ihnen meinen: indem er Ste durch diefes 
Iangwierige Rranfenlager Ihrer guten Mutter Kadh 
und nach zu der fchweren Stunde vorbereiten will, 
weihe Sie Beide für diefes Leben: von eitander 
trennen fol? Wie viel würde Ahr Herz gelitten 
haben, wie unendlich wärde Ihr Schmerz gemwefen 
feyn : wäre Ihnen ganz unvermutbet diefe edle Mut⸗ 
ter von bir Seite geriffen worden? Harcen Ste 
‚aus. Die Ueberzeugung, daß Ste der armen Leidens 


den die zärtlichfte Pflegerin, die Heilfamfte Tröfterin 


bis zu ihrem legten Augenblicke waren, wird für 
Ihr aanzes Leben eins der fchönften Gefühle feyn. 
Wuͤnſchen Sie diefer guten Mutter auch von mit, 
ihrem Freunde, die gegründetfte Hoffnung zu einer 
dauerhaften Befferung. Sagen Sie ihr in meinem 
‚Samen , was ihr tröftend feyn und was angenehme 
Empfindungen in ihr bervorbringen kann; und jede 
Sylbe wird aus meiner Seele gefprochen feyn. Gott 


etleichtere Ihnen Beiderfeits die langen fo ſchwer aufs 


erlegten Leiden. Dies ift der herzliche Wunſch 
‘ Idyhres | 
sedlien Freundes 
145. An 


» 


— 308 — 


— 15 
An einen Dorgefeßten bei feiner langwierigen 
J Krankheit. | 


Hochwohlgeborner Herr, 
 Höäftwerehrter Here Kammerrath! 
Wie ſehnlich fah auch ich feit geraumer Zeit, 
vereint mit allen denen, die wir das Glück Haben, 
Sie als unfern Worgefegten zu verehrten, dem ftos 
hen Augenblick entgegen, Ew. Hochwohlgeb. meine 
innigſte Freude über Ihre Geneſung von einer fü 
hartnaͤckigen Krankheit an den Tag legen zu koͤnnent 


aber wie niedergefchlagen find wir alle, daß mie 
N uns bei unfern täglichen gehorſamſten Erkundigum 


gen zwar immer noch mit der beften Hoffnung ges 
troͤſtet fühlen, jedoch unfern Wunfch noch nit ganz 
volllommen erfüllt, unfer tägliches Gebet noch nicht 
erhoͤrt ſehen. Moͤge doch die gätige Worfehung den 
‚angewendeten Heilmitteln des Arztes die befle Ges 


genskraft ertheilen, und Ihre Gefundheit Bald. und 


völlig wieder herfiellen. Wie lebhaft wird dann 
unſer Entzüden, wie feurig unfere Thaͤtigkeit und 
unfer Fleiß feyns wenn wir Ew. Hochwohlgeboren 
in unferer Dienftpflicht die aufrichtigften Beweiſe 
unſerer Ehrfurcht wieder werden darbringen koͤnnen. 
GSott erhalte She wuͤrdiges Leben noch lange zut 
‚Beeude Dero Hohen Familie, und zum Gegen der 
Menfhheit! Der ich die Ehre Habe, mich im tiefs 
ſter solltommenfter Ehrerbietung zu nennen 
Ew. Hochwohlgeboren 
ganz gehorfamften 
N, 2 





ug. un 


Kae, 


5302 — 
| 146. | | 
An einen unfchuldigen Freund, von bem die Ver⸗ 
laͤumdung ein böfed Geruͤcht verbreitet bat.“ 


Sie fragen mich, ſchaͤtzbarer Freund, ob ich 
nicht von einer übeln Nachrede gegen Sie gehört 
Babe. Allerdings ift fie mie nicht verfchtwiegen ges 
blieben. Konnte ed auch wohl anders feyn? Uns 
fere innige Freundſchaft iſt kein Geheimniß: follten 
daher boshafte Menſchen nicht darauf ſinnen, auch 
den Freunden deſſen wehe zu thun, den ſie ſich 
zum Opfer ihrer Niedertraͤchtigkeit erwähle haben? 
Das foll uns aber eben fo wenig befrembden, ats 
wehe thun. Denn das Innere Gefühl unfrer Uns 
chuld muß die Sösgefinnten endlich Doch beſchaͤmen. 

eund,, Sie werden zwar behaupten wollen, daß 
Menſchen diefer Art des Schaamgefühls nicht fähig. 
find; und Ihr Einwurf iſt wenigfiens nicht gang 
ungegrändet. Allein finden ſich aud Einige, bie, 
weil fie niche viel beſſer find als jene ſtrafbaren 
SBerläumder , an folchen elenden Klatfchereien Ver⸗ 
gnuͤgen finden, und Lügen für Wahrheiten Kalten 
fönnen: fo haben Oie doch immer noch Freunde ger 
nug, die Ihren guten Ruf in Schus nehmen wer 
den. Was und wie der Pöbel von uns denkt, 
das darf uns niche zu nahe ans Herz gehen: und 
Allen recht zu thun, das fleher in keines Menſchen 
Gewalt, fey er, wer er fey. Dürfen wir auf bie 
Achtung der Edleren Anfpruch machen: fo hält uns 
der Beifall diefer gewiß ſchadlos. Endlich fliegt die 
Wahrheit, und die Berläumdung muß fich zuruͤck⸗ 
ziehen. Man har ihre boͤſen Adfichten gewürdiger, 
und Verachtung wird ihr wohlverdienter Lohn ſeyn. 
So würde Ich in Ihren Verhältnifien denken; auch 
habe ich gar keinen Zweifel, daß diefe Geſinnungen 
die Ihrigen ſeyn werden. Gollten Sie es für noͤthig 
aqchten, Einige der Wiedererzaͤhler jener falſchen, 
J “ | vorehrete 


m 5057 — | 
entehrenden Machrede vor die Obrigkeit fordern zu 
laffen, um ſolchen durch ‘die Gewalt der Gefege . 
Stillſchweigen aufzulegen: fo gehen Sie jedoch ganz . 
behutſam. Verſchonen Sie die Meinen unbeholfnen 
Schreier, und blicken Ste großrhächig auf fie herab: 
denen aber zeigen Sie fih in Ihrem ſtrengſten 
Ernſte, die in dem Wahne ſtehen, Sie ungeftraft 
Beletdigen zu Finnen. » Wollten Ste auch gegen diefe 
Nachſicht haben: fo würden Ste fich gewiß einen 
Gedeutenden Nachtheil zuztehen. Gicht der Gerins 
gere , daß der Srößere geſtraft wird: fo erkenne 
er fein: Unrecht um fo fchnellee und beftimmter, 
Doch wollte ih Ihnen rathen, daß Sie dieſen 
Schritt nicht anders, als hoͤchſt nothgedrungen thun 
möchten. Boͤſe Nachteden haften nie: fobald der, 
den fie treffen, ein gerechter Mann iſt. Seyn Sie 
Aberzeugt , die Licbelgefinnten mögen über Sie ur⸗ 
theiten wie fie wollen: fo find Sie doch vor mie 
und vor jedem edein Menſchen gerechtfertiget , ber 
ie genau kennt, und der von Ihren beflern Bes 
Armungen und Handlungen überzeugt if. Dies 
un Ihr Selöftgefäht müflen Ihre Schadloshaltung 
feyn. Kraͤnkend tft es allerdings, wenn man fich 
“dem Urtheile ſolcher Webelgefinnten ausgeſetzt ſieht: 
‚aber die Freude, ſich von den beſſern Menſchen ges 
ſehaͤtzt zu willen, muß jeden Gchmerz mindern. 
Nirgends zeigt fih die Erhabenheit unferer Befins 
sungen größer , als in folhen Fällen. Nach meiner 
redlichſten Ueberzeugung kann ich es Ihnen nicht 
ſtaͤrker, als durch diefe Grundſaͤtze verfihern, wie 
angelegen es mir iſt und wie hoch ich es ſchaͤtze, 
mich nennen au koͤnnen 
i Ihren 


wahren und auftichtigen Freuud 
N. | 





Lan. En 


mm 304 FE ad 


147. . 
An einen Pachter, welcher durch Hagelfchaden 
einen fehr großen Verluſt erlitten hat. . 


Wie fehr bedaure ich Sie, lieber Freund, daß 
Sie in voriger Woche durch das fchredliche Hagel 
wetter einen fo beträchtlichen Schaden erlitten Haben, 
Ach kann mir vorflellen,, was Sie empfinden muͤſ⸗ 
fen, wenn Sie jest duch Ihre verheerten Fluren 
wandeln. Wohin Sie nur vor einigen Tagen no 
Ihre Augen wendeten, blidte Ihnen der vollſte 


Gegen entgegen; alles ftand fo Herrlich, und bereche 


L 


tigte Sie zu den Hoffnungen einer fehr reichlichen 


Aernte: und ach, wie fchnel! wurden Ihnen biefe 


Ausfichten vereitelt! Leider t. nun für diefes Jahr 
felöft die kleinſte Ihrer Hoffnungen vernichtet. Ns 


fen Ste mit jenem frommen Dulder in chriſtlicher 


Ergebung ans: Der Herr hat es gegeben, der 


Here hat es genommen! Blicken Sie voll Vewe 
trauen zu dem hinauf, dem nichts unmöglich iſt, 


und der Ihnen, wenn auch nicht auf den Auges 
blick und gleihfam durch ein Wunder, doch gewiß 
zu: feiner Zeit, Ihren erlittenen Schaden wieder 


erfegen kann. KWielleiht geben Ahnen fchon - im - 


nächften Jahre Ihre Felder einen neuen Beweis, 
wie reich die Natur und Gottes Gegen feyn, und 


wie er Ihnen zwiefach vergelten kann, was &e . 


jest für verloren halten. Sch habe zu Ihrem : 


Pachtherrn das gerechte Zutrauen, daß er Ihnen 
eine Ihrem Verluſte angemeflene Vergütung zutoms 
men laſſen :wird. Auch bat Ihnen Ihre Bereits 
willigkeit, andern zu dienen, zu viel Freunde erwort 
ben, als daß nicht einer mit dem andern metteifern 


ſollte, Ihnen Hülfreihen Beiftand zu leiften. Ganz 


gewiß tft das aufrichtige Mitgefühl edler Menfchen . 


bei unferm Ungluͤtke eine fehr ergiebige Quelle für 
unjere Beruhigung. Kann ich Sie beſſer oe 
FE Ä ie 


‚vr 


— 


fe kennen mein Sera; ich darf es Ihnen daher 
ht. erſt wiederholt verfichern, mie auch ich alles 
un werde, Ihnen aufs thätigfte zu beweiſen, wie 
he ich tinansgefegt Din — 
IE 

redlicher, theilnehmender Freund 


148. . 
n. einen Gutsbeſitzer, der kuͤrzlich Wetterſchaden 
erlitten hat. u | 
Geehrteſter Freund! \ 
- Wie fehr ‚freuete ich: mich: wenn ich feither 
sfere Fluren betrachtete, und fich überall die fpres 
sndften Hoffnungen für eine der reichften Aernten 
igten ! Noch angenehmer wurdediefes Gefühl: wenn 
mich im Geiſt in Ihre Gegenden verfegte, und 
mir felbft frohlockend zurief: wie gefegnet 
(ed diefes Jahr auch Deinem Freunde feyn! — 
nd wie ſchrecklich truͤmmerte eine einzige fürchters 
de Stunde diefe Hoffnungen mit Einem Male nies 
ei Traurig und oͤde flefen bie Fluren under, 
o ſonſt der bluͤhendſte Segen auf jedem Halme, 
ıf jeder Pflanze, auf jedem Zweige herrſchte; und 
jerall verbreiter fih — eine Verwuͤſtung. Bo 
98 indeß diefer Verluſt, fo ſchmerzhaft er Ihnen 
ich feyn muß: fo bin ich doch von Ihnen übers. 
not, daß Sie fich werden faflen können. Dank⸗ 
w-fehen Ste gewiß auf die verfloffenen Jahre 
wäh, die Sie fo reichlich ſegneten, preifen Gott 
je das genofiene Gute, und ertragen den diesjäßs 
gen Werluft ohne Murren. Wie glüuͤcklich Mind 
te Immer noch gegen Taufende der armern Lande 
ute, die ein ſolches Ungluͤck vielleicht lebenslaͤng⸗ 
h in. Kummer und Ein ſtuͤrzt. Können *8 | 

| TT 


1 


auch dieſes Jahr nicht ſelbſt fo fröhlich Arnten, wie 
es in den übrigen. Gegenden in Ihrer Nähe zu 
erwarten ſteht: To wird fi) doch gewiß Ihr edles 
Herz über den Segen Anderer frenen, und auf 
in diefer Freude wird für Sie ein hoher Genuß 
liegen, - Wöge Ihnen der Himmel Ihren erlittenen - 
großen Verluſt auf eine andere Weife erfegen, und 
Sie und Ihre werthe Familie vor jedem künftigen 
Unglüd gefichert feyn laffen. Geben Ste mir Selegens 
heit, Ste zu überzeugen, wie innig meine Theilnahme 
fey: und Sie follen flets finden; wie fehr ich bin 
r 


redlicher Freund 
N. 


| 149. . 

: Yin einen Freund, der durch eine in feiner Nach⸗ 
barſchaft ausgebrochene Feuersbrunſt Hans und 
Hof verloren bat. | | 

Tief, ſehr tief dat mih die Nachricht von 

Ihrem lUngläd gebengt. Ad, wei kann es vor 

ausfagen , was ihm in der nähften Stunde begegs 

nen wird! Doc ich will Ihre Wunde nicht durch 
neue Klagen aufreiien. Wohl Ihnen, daß Sie 


dieſes Ungluͤck nicht verfehuldeten! Moͤge Sie der 


Troſt und die Hoffnung der Religion nicht verlaſſen, 
daß der Gott, der dieſes ſchwere Schickſal uͤber 
Sie verhängte, Ihnen auch bald ein reichlicher 
Wohlthaͤter werden kann! Möge dieſer Schrecken 
Ihrer Geſundheit nicht nachtheilig werden! Seyn 
Sie für. die Erhaltung derſeiden moͤglichſt Eeſorgt: 
"denn Sie müfen. überzeugt ſeyn, daß viel auf 
Ihnen beruht. Sie find Gatte, Sie find Vater! — 
Glauben Sie nicht, daß es leere —— 
ſind: wenn Ih Ihnen meine thatigſte Huͤlfe anbiere. 
Melden Sie mir, ich bitte Ste darum, melden 
GSie mie es recht Bald, womit Ihnen am. beften 
| | * 


- ! 


- 317 — 


gedient werden, wodurch ich Ihnen am nuͤtzlichſten 
ſeyn kann; mit dem bereitwilligſten Herzen eile ich 
Ihnen entgegen. Sowohl Ihre Liebe zu mir, als 
auch Ihr wuͤrdiges Betragen, wodurch Sie ſich 
nicht nur mir, ſondern allen denen, die Sie ken—⸗ 
nen, fo ſchaͤtzbar gemacht Haben, fordert uns zu 
der ſchnellſten Unterfiigung auf. Ein Freund ers 
. wärmt den andern für Sie, um Ihnen Ihr Uns 
Zluͤck erträglicher zu machen. Gott beruhige Ihr 
Herz! Bleiben Sie im vollften Vertrauen mein 
Freund, wie ih Er .. 
. ‚der Ihrige 
N, 

” 150, .: iR ri u 
An einen Freund‘, deffen Nahrung immer mehr 
| amd mehr verfällt. a 
Armer, guter -Greund!. . 
Ihre Klagen zeugen von: einem fehr ſchwer⸗ 
muthsvollen Kerzen, und verrathen beinahe, daß 
das Vertrauen auf eine gätige, weiſe und. gerechte 
Werfehung Gte kaum mehr aufrecht zu erhalten 
vermag. — O Freund! alle folhe fürchterliche 
Gedanken muͤſſen Sie fchlechterdings aus Ihrer 
GSeele verbannen: denn Sie werden dadurch muth⸗ 
los, und dann "können fie gar zu leicht in der Auss 
Abung Ihrer fehuldigen Pflicht laß werden und ers 
muũden. Ein unzufriedenes Herz ergreift gewoͤhnlich 
Die verkehrteſten Mittel, feine ungluͤckliche Lage zu 
verbeſſern: da fich gegentheild einem ruhigen Sinne 
ſehr oft eine ganz unverhoffte Gelegenheit darbietet, 
die er faßt, und wodurch er fih ſchnaller und beſſer 
Helfen kann, als er zuvor geglaubt harte. Die Um 
aufriedenheit veranlaßt nicht. felten eine zu eigens 
Ainnige Wahl in denjenigen Hälfsmitteln, die fi 
nabe genug um uns herum befinden; und verleitet 
uns zu Anfprüchen und Borereungen, die uns doc 
an. 2 X 


_ 308 — 


‚nis gewähren koͤnnen, mas wir wünfchen. Lieber, 
guter Freund! kehren Sie fchnell von diefen Wege 
zuruͤck. Blicken Sie um ſich her: und Ihre eigne 
Erfahrung, vorzüglich aber die Gefchichte Anderer, 
wird Ihnen Beifpiele genug von Menſchen aufs 
. fielen, denen es noch weit fchlimmer ging als 
Ihnen, und deren trauriges Schickſal fi unvers . 
muthet änderte. Wäre es in, meinem Vermögen, 
Sie zufrieden und ganz fo glücklich zu machen, wie 
Sie es wuͤnſchen: ich betbeure Ihnen, ich würde 
alles chun. Zagen Ste nicht! Was diejenigen Men⸗ 
ſchen nicht bewirken können, die für Sie den beften 
Willen haben, das wird endlich eine ewig gütige, 
weiſe und gerechte Vorſehung gewiß zu Ihrem Ber 
ſter wenden. Sie Hagen. ferner, dab Manche Ih⸗ 
ger Bekannten, ohne daß Sie es verdienen, die 
gluͤcklichſten Tage verleben, daß diefen alles Hohl 
von flatten gehe, was fie thun und wuͤnſchen; da 
Ste dagegen troß aller Ihrer Anſtrengung und bei 
der gewifienhafteften Erfüllung Ihrer Pflichten, mit 
allem Ihren anhaltenden. Fleiße, mit aller Ihrer 
Sparfamteit, mit allee Ihrer Geſchicklichkeit, mit 
dem artigſten Betragen nichts vor ſich bringen, und 
‘oft kaum: das eriverben können, was zu Ihrer Les 
bensnochdurft unentbehrlich. if. Aber, Freund! 
ſind jene Menſchen aud fo gluͤcklich, wie ſie fcheis 
nen? Sf ihr Gluͤck ach von Dauer? Kann eb 
nicht vielmehr eine Urfache zu ihrem fchnelleren 
Falle werden? — Ach, wie Viele, bie fich heute: 
dünten, feſt zu fliehen, flürzen morgen vieleicht _ 
(dom! ‚Und leben wir nur darum in der Welt, 

um gluͤcklich, nach thoͤrichten Wünfchen zu feyn: 
weil Gluͤcklichſeyn bei Vielen nichts anders heißt, 
als alles vollauf zu haben, womit man feine Leidens 
fchaften befriedigen könne? Nein, wie bereiten uns 
in diefee Welt zu einem höheren Leben vor. Dort 
wird uns werben, was mir hier verdient — 
on eiden 


J 


Leiden und traurige Tage beſſern den Menſchen; | 


und je beffer der Menſch Hier wird, deſto veredelter 
- wird er feiner Fünftigen Beſtimmung entgegen get 
ben. Nur leichsfinnige Menfchen achten eine folche 
Beruhigung gering: aber fie.verrathen auch dadurch 
ihre ſchwaches, leidenſchaftliches Herz. Und, mein 
Freund, tft denn das Gefühl gar nichts werth, 
wenn man überzeugt und mit inniger Beruhigung 
zu fih fagen kann: du Fa jede ‚deiner Pflichten, 


wie du ſollſt, erfüllt. : O, biefe innere Lieberzeus 


sung kann den Armen y feiner Beinen elenden 
Hütte üder den Fürften erheben. Faſt fürchte ich, 


‚geltehter Freund, Ahnen durch diefe Bemerkungen - 


laͤſtig geworden zu ſeyn: denn Sie fchmachten nach 
Huͤlfe — und nicht nach einem Troſte, der nur in 
guten: Lehren und Erinnerungen beſtehet. Doch, 


ich kenne Ihr Herz. Es feheint fih nur ein we⸗ | 


nig von fich ſelbſt verloren zu haben ; ich lebe: daher 
‚der guten Hoffnung, es wird fi bald wieder iu» 
ſich felbft zurück finden. Sie werden dann gewiß 


zufriedener werden, und ber Zukunft mit getroſtem | 


Muthe entgegen gehen, die fih Ihnen vielleiche 


fchneller erheitern wird, als Sie vermuthen. Hal⸗ 


ten Sie aus! Die Tage der Prüfung bleiben nie 
für gute Menfchen ohne Gegen. Was ich zu Ih⸗ 
rer Zufriedenheit beitragen kann, geſchieht, ohne 
daß Sie mich darum bitten. Leider kann ich nicht 
fo viel thun, als ich wünfchte: ich darf mir aber 
| emeichen daß Sie mir das Zeugniß geben wer⸗ 

Ihnen wenigſtens nach meinem Vermoͤgen 
Bei geweſen zu feyn. Verlaſſen Sie ſich dar⸗ 
auf, daß dieſes auch fernerhin noch mit dem Innige 
fien Vergnuͤgen — wird von 

rem 


— Freunde: 





N. Eins 


F F J 
Rüi 


f: 
@ . 


Zn w. 
Einladungsbriefe. 


Y 
’ 





| N die Einladungsbriefe eben ſo gut zu den Wohl⸗ 
ſandss⸗, als zu den Bittſchreiben gerechnet 


werden können: fo babe ich Ihnen lieber: einen eige⸗ 


nen Plag eineäumen wollen. . 


Auch bei dieſer Gattung von. Briefen bat man 


„ auf Umflände. und Gelegenheiten, vorzägs 


lich ober auf die Verhältniffe, die zwiſchen dem 
Empfänger und dem vriefſchreiber obwalten, Ruͤck⸗ 
ſicht zu nehmen. | 
Bei erfreutigen Selegenheiten , z. B. bei 


Hochreiten, Kindtaufen, bei gewiſſen andern Feier⸗ 


„ Itchleiten, als Geburtstagen, Aerntefeſten, Kirch⸗ 
weihen, Meſſen u. ſ. w., wird ein heiterer, freund⸗ 
licher Ton der ſchiclichſt ſeyn; bei einer Einla⸗ 

dung aber zu einem geichenbegängniffe muß der 
. Yustrug eruſthaft ſeyn. 

Iſt derjenige, welchen wir einladen, ein Freund 
von und: ſo kann ber Ton bei erfreulichen Gele 
genheiten herzlich, vertraut, bald heiterer, bald 
ernfthafter , oft fogar feherzhaft fen. Man wird, 
dann viele der Regeln anwenden können, bie oben 
Bei’ dem Auffage von den freundſchaftlichen 
Briefen gegeben worden find. Sind aber dielenis | 
gen, an die wir bei dergleichen Gelegenheiten ſchren 


x 


— 31 — 


ben wollen, vornehmer, als wir, find fie uns 


fere Sönner, unfere Wohlchäter, unfere Vorgeſetzte: 
fo wird zwar unfer Ausdrud herzlich ſeyn können, 
wenn anders unfere Bitte etwas mehr als ein les 
res Kompliment feyn foll; aber deſſen ungeachtet 
wird durch diefe SDerzlichkeit unfere Achtung, uns 
fere Ehrfurcht vorzüglich durchſchimmern . müflen. 
Eine artige Schmeichelei kann dabei bisweilen recht 


.. gut angebracht werden; und iſt fie uns gelungen, 


fo wird fie gewiß von keiner uͤbeln Wirkung ſeyn. 
‚Die Einrichtung folder Briefe ift gewöhnlich 
folgende. Dan erwähnt im Eingange berfeiben - 


| die Gelegenheit, die uns zu dieſer unferer Bitte 


veranlaßt; dann Außert man feinen Wunſch, 
wie angenehm, oder welch eine Ehre es uns feyn 

würde, wollte man uns, mit feiner angenehmen 
Segenwart beehren; verfichert,, wie lebhaft dadurch 


‚ unfer Vergnügen vermehrt, und wie unangenehm 


Cauch wohl, wie niederfchlagend) es für uns ſeyn 


würde, follte man eine abfihlägige Antwort echals 
. ten; warn befürchte diefe aber nicht, wenn es nur 


h 


irgend möglich ſey, unſern Wunſch erfüllen zu koͤn⸗ 
nen. Und mit diefer-legten Aeußerung verbindet 


man zugleich den Schluß des Brief. Auch kann 


man feinen. Brief mit der Aeuferung anfangen, 
dag man von der Sreundfchaft deflen, dem man 
den Eiuladungsbrief ſendet, zu ſehr überzeugt fey, 
als daß man fürchten dürfe, er werde und dieſe 
Bitte abfchlagen. Dann erHärt man ſich, bet wel 
cher Gelegenheit man fich feine angenehme Gegens 
wart, wänfchet ; und verfichert ihm, für fein Ver⸗ 
gnägen fo viel, als möglich, zu forgen, und daß 


man eine gewährende Antwort für einen ganz bes 


- fondern Beweis von Freundfchaft erkennen werde. 


Schluͤßlich will ih noch erinnern, daß diefe 
Briefe weder allzu lang, noch auch zu kurz feyn 
möffen. Im erftern Falle wärde man ermüden, 
u im 


— 


Einladungsbriefe. 


N‘ 
y 
2 





D. bie Einladumgebriefe eben fo gut zu den Wo hl⸗ 


—8 


ſtands⸗, als zu den Bittſchreiben gerechnet 
werden koͤnnen: fo babe ich Ihnen lieber: einen eige⸗ 


nen Platz einräumen wollen. 


Auch bei dieſer Gattung von. Briefen hat man 
auf Umſtaͤnde und Selegenhriten, vorakgs 
Lich aber auf bie MVerhältnifle, ‘die zwiſchen dem 
Empfänger und dem Briefſchreiber obwalten, Auck⸗ 
fihe zu nehmen. -- : « u 
Bei erfreulichen Gelegenheiten, z⸗ ©. bet 
Hochzeiten, Kindtaufen, bei gewiflen andern Beters 


llchkeiten, als Geburtätagen, Aerntefeſten, Kirch⸗ 


weihen, Meſſen u. f. w., wird ein heiterer, freund⸗ 
licher Ton der ſchicklichſte ſeyn; bei einer Einla⸗ 
dung aber jn einem Eeichenbegängniffe muß der 
Ansorud eruſthaft ſeyn. 
Iſt derjenige, em wir einladen, ein Freund 
von und: fo kann der Ton bei erfreulichen Gele— 
genheiten herzlich, vertraut, bald heiterer, bald 
ernſthafter, oft fogar feherzhaft fern. Man wird, 
dans viele der Regeln anwenden können, die oben 
bei dem Auffage von den freundfhaftlihen 
Briefen gegeben worden find. Sind aber Biejent 
gen, an bie wit bei dergleichen Selegenheiten ſchren 


Dr a 


- zu 


‚ben wollen, vornehmer, als wir, find fie uns 


fere Goͤnner, unfere Wohlchäter, unſere Vorgeſetzte: 
fo wird zwar unfer Ausdruck herzlich ſeyn können, 
wenn anders unfere Bitte etwas mehr als ein le 
tes Kompliment ſeyn foll; aber defien ungeachtet 

wird durch diefe Herzlichkeit unſere Achtung, uns 
fere Ehrfurcht vorzüglich durchfchimmern muͤſſen. 
Eine. artige Schmeichelei kann dabei bisweilen recht 


.. gut angebrachte werden; und tft fie uns gelungen, 


fo wird fie gewiß von keiner uͤbeln Wirkung feyn. 
‚Die Einrichtung folcher Briefe ift gewöhnlich 
folgende. Man erwähnt im Eingange derſelben 
die Gelegenheit, die uns zu diefer unferer Bitte 
veranlaßt; dann Außer man feinen Wunfdh, 
wie angenehm, oder welch eine Ehre es uns feyn 
würde, wollte man uns mit feiner angenehmen 
Gegenwart beehren; verfichert,, wie lebhaft dadurch 
unfer Vergnügen vermehrt, und wie unangenehm 


Cauch wohl, wie niederfchlagend) es für uns feyn 
warde, follte man eine abfchlägige Antwort erhals 


ten; wan befürchte diefe aber nicht, wenn es nur 


irgend möglich fey, unfern Wunſch erfüllen zu koͤn⸗ 


4 


an. Und mit diefer-Iegten Aeußerung verbindet 

man ‚zugleich den Schluß des Brief. Aud kann 
mar feinen Brief mit der Aeußerung anfangen, 
daß man von der Sreundfchaft defien, dem man 
de Einladungsbrief fendet, zu fehr überzeugt fey, 
als daß man fürchten dürfe, er werde uns diefe 
Bitte abſchlagen. Dann erfiärt man ſich, bet wel 
cher Gelegenheit man fich feine angenehme Gegen⸗ 
wart. wuͤnſchet; und verfichert ihm, für fein Ver⸗ 
gnuͤgen fo viel, als möglich, zu forgen, und daß 


man eine gewährende Antwort für einen ganz bes 


. fondern Beweis von Freundſchaft erfennen werde, 


Schluͤßlich will ich noch erinnern, daß dieſe 


. Briefe weder allzu lang, noch auch zu kurz feyn 


muͤſſen. Im erſtern alle würde man ermüben, 


m 


— S10. — 


tms zweiten VFalle aber koͤnnte man in den, vielleicht 
anverfchuldeten Verdacht gerathen,, daß unfere Bitte 
Mangel an Achtung zeige, und nur ein kaltes Eh⸗ 
renwort fey. Sf man in der Lage, mas fo oft 
der Ball if, jemanden ein ſolches Ehrenwort vers 
gönnen zu muͤſſen, weil es die Verhaͤltniſſe und 
Ulmſtaͤnde nicht anders zulaſſen: fo verrathe man 
. feine. eigentlichen Empfindungen fo wenig als mögs 
lich; man fey artiger, als es uns ums Herz ifl, 
und bringe dem Wohlftande diefe Opfer. Derglels 
hen Perfonen find oft fehr empfindlich; fle ſchlagen 
sine folhe kalt gefchehene Bitte zwar höflich - ab, 
vergeflen aber diefe Geringſchaͤtzung felten, und fus 
hm oft lange Zeit hinterher noch Gelegenheit, uns 
diefe ihnen, wie fie glauben, angethane Beleidigung 
aufs möglichfte entgelten zu laffen. So erhielt der 
Pachter einer adeligen Dame einen aͤußerſt erträgs 
lichen Pacht blos aus der Urſache; weil er ideen 
etwas unartigen und einfältigen Junker zu jeden‘ 
Aerntefefte, zu jeder Kirchweih, und zu jeder amt 
dern feiner häuslichen Vergnuͤgungen hoͤflichſt eins‘ 
Ind, und feinen bisweilen dummen Streichen zufaßs 
da hingegen der Verwalter anf einen ander ihren 
Guͤter mancher ſchweren Stunde, mandem Ver⸗ 
:deufle ausgefegt wars weil er den Junker nie bat. 
Alles fommt Hierbei darauf an, ob uns dergleichen 
Menſchen entbehrlich find, ob fle und nuͤtzlich oder 
Schädlih werben koͤnnen. Bu 
Einige Beifpiele in folgenden Briefen werben 
vermuthlich die Regeln dieſer Worerinnerung Aber 
die Einladungsſchreiben noch mehr verdentlichen. 





ısı. Eins 


. — 315 uns J 


| ern | 
Eintabungsfäreiben eines Untergebenen Lode 
eines Geringern) .an ſeinen hohen Vorgeſetzten 


Coder an einen Vornehmen), mit weichem ee 


„in Verbindung feet. 


Hochwohlgeborner (Wohlgeborner) Her, 
Onädiger (Hoͤchſtgeehrter) ner! \ 
Bor kurzem Hatte ich. die Ehre, Em. Hoch⸗ 
er (Wohlgeb. ) ganz gehörfamft anzuzeigeit, 
ich mich mit der älteſten Tochter des hieſigen 
—5* — Alberti verlobt habe, Em. —— 

ge. (Wohlgeb.) gnädige (gättge) Theilnahme, die 
ie darüber aͤußerten, rechtfertiget mich einigers 
maßen: wenn ich es wage, Hochdieſelben 
‚ CDiefelden) nebft Ihrer verehrungswuͤrdigſten 
Frau Gemahlin and Familie, zu meinem Hochzeits⸗ 
Lage auf den zoften diefes Monats, unterthaͤnig 
‚(ganz geborfamft) einzuladen. Mit Worten wfrbde: | 
ich das Gefühl meiner ehrfurchtsvollſten (innigſten) 
Hreude und Dankbarkeit kaum auszudräden vo 
mögend ſeyn: wenn Ew. Hochwohlgeb. ( Wohlgeb. ) 
Diefer ‚meiner unterthaͤnigſten Cherzlichfien) Bitte 


eine gnaͤdige Zufage zu verſtatten geruben wollten, . 


Ceine geneigte Zufage verftatten wollten). Hoch⸗ 
Derofelben (Dero) hoͤchſtverehrte (ſchaͤtzbarſte) Bes 
genwart wuͤrde nicht nur dieſen mir fo feierlichen 
Tag auf das ſer ſaften⸗ verherrlichen; ich würde 
fle audy zugleich als einen neuen Verweis von Em. . . 
Kochmohlgeb: (Wohlgeb.) gnädigem (gütigem) Wohle 
wollen anſehen muͤſſen. VBefcheiden nahe fih u - 
Ew. Hochwohlgeb. (Wohlgeb.) meine Braut, und. 
wagt, es, ihre und ihrer Aeltern untertbänige 
(sehorfamfte) Bitte mit der meinigen zu vereinigen 
(Voll des innigſten Vertrauens magt es auch meine 


Draw, ihre und ihrer Acktern Bitten mit den: 


wenks . 


— 34. — 


meinigen zu vereinigen); nicht minder wuͤrden auch 
meine Aeltern Thraͤnen der ehrfurchtsvollſten (ruͤh⸗ 
rendſten) Freude uͤber Ew. Hochwohlgeb. (Wohlgeb.) 
gnaͤdige (guͤtige) Herablaſſung vergießen. Um Ew. 
Dochwohlgeb. (Wohlgeb.) durch unbeſcheidene Zus 
dringlichkeit nicht laͤſtig zu werden, wage ich es 
nicht, dieſer meiner unterthaͤnigen Bitte ‘weiter 
ein Wort hinzuzuſetzen. Erlauben Sie mir daher, 
Denenſelben nur noch verſichern zu duͤrfen, wie 
unbegraͤnzt meine Ehrfurcht ſey, womit ich mich 
nenne (Sollte ih wohl noch etwas hinzuſetzen, 

bdürfen, um Sie zu Überzeugen, wie aufrichtig. dies 
fee mein Wunſch ift: da ich keine größere Ehre, 
kein größeres Vergnügen‘ kenne, als mich nennen 


zu bärfen) 
| Ew. Hochwohlgeb. (Wohlgeb. ), 
unterthänigen {ganz gehorfamften) Dienee 


| N. 
Tage, | 
Einlodungöfchreiben zur Hpchzeit an einen Wohls 
. thaͤter. 
Hochedelgeborner, 


oo Verehrungswuͤrdiger Wohlthäter! 

u. Em. Hochedelgeb. waren von jeher der Schöpfer 
‚meines Gluͤcks; und haben zu viel zu meinem befs 

.. fern Fortkommen beigetragen, als daß. ich fürchten - 


- follte, Ihnen durch gegenwärtige Nachricht über 


"meine Lage mißfällig zu werden. Der Drang meis 
ner täglidy mehr zunehmenden Geſchaͤfte nöthigte 
mich endlich zu dem Entfchluß, mir eine Frau zu 
wählen, die mir in meinem Hausweſen ſowohl, 
als auch in meinen übrigen Gefchäften mit aufrichs 


u tiger Liebe beiftehe. In der Tochter Meifter Schers 


nigens, eines hieſigen Boͤttchermeiſters, hoffe ich 
Er | den 


. — ‚515 um 


— 


den‘ Segenftand gefunden zu haben, der mit einer 


- zärtlihen Neigung zu mir alle die Eigenfchaften 


verbindet, die mich zu dem Ziele meiner Wuͤnſche 
gelangen laflen werden, Könnte auch. das Urtheil 
eines Tehenedgenslichen Bräutigams etwas parteiiſch 


fo darf ich: mich doch auf das ale 


meine — und auf die Achtung berufen, die 


ſchaftlichkeit, Fleiß und Thaͤtigkeit, und vorzuͤglich 
die Abneigung gegen den uͤbermaͤßigen, jetzt ſo all⸗ 
gemein herrſchenden Lurus find die Vorzage, die 


dieſes gute Mädchen von allen, die es kennen, ges 


nießt. Religioͤſer Sinn, Unbefgoltenheit, Wirth⸗ 


ihr mein Herz gewonnen haben. Reichthuͤmet bes 


% 


fist fie zwar nicht: aber jene Tugenden find Schaͤtze 
genug, wodurch eine Frau ihren Mann wahrhaft 
gluͤcklich, froh und zufrieden machen kann. Vor 


vier Wochen haben wir Verlobung gehabt, umd der 


fegnung öffentlich verbunden werden ſollen. Werzets 
ben Sie daher: wenn ich fo frei bin, Sie, Ihre 
Hebe Sattin und Ihre werthe Familie zu diefem 


- meinen feflihen Tage ganz gehorfanift einzuladen, 


Meine Braut und deren Aeltern, die fi ‚Ihnen 


uch unbekannter Weife zu: gütigem Wohlwollen 


empfehlen, vereinen fich mie mir, Sie inſtaͤndigſt 
zu erfuchen, uns diefe Bitte nicht: abzufchlagen. 


Denn follten wir Ihre und Ihrer werchgefchägten 


Familie Gegenwart an unferm Ehrentage vermiſſen: 


o ſo würde uns viel, fehr viel, wo nicht Alles zur 


Boliftändigkeit unferer Freude fehlen. : Mit ‚offenen 
Armen werden wir Ihnen entgegen ellen; was uns 


nur möglich iſt, Ihnen Bequemlichkeit und Ders 


gnuͤgen zu verfchaffen, fol Ihnen unfer Feines Haus⸗ 
wefen darbieten; und find wir auch nicht im Stande, 
te ganz fo zu Hedienen, wie Sie es gewohnt 
find, fo follen Sie doch an uns Allen uufeen De 

en 


‚ uächftlommende 2oſte Mai foll der. feierlihe Ing 
‚für uns ſeyn, wo. wir. durch‘ die prieſterliche Eins 


u 3:6 mb 
j ' 


ften Willen wahrnehmen. Ad, wie fehntih Has 
ten meine Braut nebſt Ihren Aeltern- der glücklichen 

Stunde entgeget,, Ihnen, Shrek verehrungswers. 
then Gattin und Familie ihre Hochachtung zu ber 
zeigen; und wie bach wird dann das Herz desjenis - 
‚ gen (lagen, der fih Ihnen fo innigft verbunden 
ſahn, und ſich lebenelaͤnglich nennt | 


Ew. Hohhdelgeberen 
ganz ergebenften' Die 


‘ N. 
155. 
Sqriftuiche Hochzeitbitte an einen Freund. 
Wecerthgeſchaͤtzter Freund! 


Wer außer Ihnen konnte von allen meinen 


Freunden der Erſte ſeyn, dem ich eine Machricht 


mitzutheilen hätte, die Sie hoffentlich keinem Au⸗ 
dern geglaubt haben wuͤrden? Sie ſehen mich Bes - 
denklich an, und wiſſen fich dieſen fonderbaren Eins 
sang meines Briefs nicht zu deuten. — Nun 
denn, fo wiſſen Sie Hiermit, was noch keiner von 
meinen Freunden weiß, wiſſen Sie alfo — daß ich 
feit achtzehn Stunden aufs foͤrmlichſte Braͤutigam 
geworden bin. Aber was gilts, nun werden 
auch wiffen wollen, wer die Braut fen? Auch das 
follen Sie erfahren... Meine Braut ift ein. liebes, 
gutes Mädchen; und müßte ein Bräutigam: nicht - 
Befcjeiden ſeyn, fo würde ich fie ſogar ein ſchoͤnes 
Mädchen nennen. Denn hätte fih Ihr Freund wohl 
eirwa⸗ anders, als etwas Schönes waͤhlen koͤnnen? — 
Sie ſtammt aus einer hieſigen ſehr angeſehenen 
Samilie;, der Kaufmann Adler iſt the Vater. Darf 
ich hnen noch mehr fagen? Sie hat noch. zwei 
liebeuswärbige Schweſtern, die eine iſt aͤlter als 
meine Braut, bie andere aber iſt juͤnger. ae 


Auch. . \ 


| 517 

die mittlere?” — Allerdings. ‚, Warum nicht die 
ältere?’ fangen Ste, fchütteln den Kopf, und 
ſcheinen zu verrathen, daß ich auf diefe Weife gegen 
das Herkommen verſtoßen habe. Beruhigen Sie 
ih aber. Die ältere konnte ich nicht wählen: denn 
dieſe iſt ſchon ſeit zwei- Jahren und zwar fehr gluͤck⸗ 
ih an.den biefigen Poftmeifter Wollmann verheis 
rather. — Ob man gleich allgemein behauptet, daß 
die Bermögensumftände meines alten biedern Schwies 
gervaters gar nicht unbedeutend feyn follen: fo muß 
ich Ihnen doc betheuern, daß bei biefer meiner 
Wahl auch nicht die geringfte eigennügige Abſicht 
zum Grunde lag; denn nur die Tugend meiner 
Emilie, ihre Unfchuld, ihre herzliche Neigung zu 
mir, ihre Erfahrungen Im haͤuslichen Weſen, ihre 
anermüdete Thaͤtigkeit und ihr veredelter Geſchmack, 
der. mich aber gewiß nicht zum Opfer jenes Luxus 
machen. wird, welchem fo viele junge Männer unters 
liegen müflen , waren die fchönen Eigenfchaften,, die 


ihr. meine Liebe ertvarben, und ungerheilt mein Herz 


an fie fefielten. Wünfchen Ste mir Gluͤck; aber nicht 
fohriftlih, nein, mündlich follen und müflen Ste dies 
fes und zwar an meinem Kochzeittage thun, welcher 
auf den a5 ften dieſes Monate feftgefegtift. Ich melde 
ihnen diefes fo geraume Zeit voraus, ‚damit Gie 
fih darauf einrichten, und alle Htndernifle aus dem 
Weg räumen können, um meinen Wunfc zu ers 
fügen. Auch meine Braut bittet Sie darum , die, 


ohne daß Sie es willen, Ihre Freundin gewor⸗ 
den iſt. Denn ich Habe Ihe bei jeder Gelegenheit al 


das Liebe und Gute gerühmt, wodurch Sie meinem 
Kerzen fo werth geworden, daß fie darauf befichet, 
Sie müßten ſchlechterdings bei unferm Ehrentage 

unfer Lieber Saft feyn. Iſt Ihnen bdiefe einfache. 
" Einladung nicht genug: fo wollen wir Ihnen von 
unferm- Kantor einen recht zierlichen Hochzeitbrief 
verfestigen laſſen. Thut es auch dieſer nicht: nun 

5 | Wä 


* 


1 & “ 
18 — 


gut! ſo ſchicken wir Ihnen einen feierlichſt zuge⸗ 
ſtutzten und wohlangeputzten Hochzeitbitter zu. Sie 
ſehen wohl, Sie mögen es anfangen wie Ste-wols 
(em, fo tommen Sie nicht los. Fuͤrchten Sie abet 
‚nicht, daß wie Sie mit einem fleifen, abgeſchmackten 
Hochzeitfefte belaͤſtigen werden. Mein ſchoͤnſter Tag 
fol nicht ein fogenannter Ehrentag, wobei ſoͤ 
manche läftige Sitte nicht immer zu vermeiden ft; 
nein,. er fol ein Famtlientag feyn, mo Liebe 
und Freundſchaft, Scherz und biedere Offenherzigs 
keit, von allem Zwang entfernt, unter und berrs 
ſchen follen. Auch fol dafür gefprgt werden, daß 
wie und den Magen nicht verderben koͤnnen, Das 
mit unfer Geift heiter bleibe. Jeder Saft fol 
mein Freund ſeyn; und jeder wird dazu beitragen 
helfen, den alten Satz zu beftätigen, daß diefe Welt 
die beſte fey. Zugleich Babe ich den Auftrag von 
meinen Schwiegeraͤltern, Ihnen zu verfihern,. wie _ 
ſehr fie ſich darauf freuen, Ihre Bekanntſchaft zus 
machen, und wie fie Ihnen fchon voraus mit Ihrer 
herzlichſten Breundfchaft entgegen eilen. Und, Sreund, 
die‘ Hand auf das Herz! — auch ‚meine Schwiegeri 
ältern , gute, biedere,. deutſche Menſchen, werden 
Ihnen niche miͤfallen. 

Nuun frage ich Ste noch auf Ihr Gewiſſen, wärs 
den Sie wohl mein Freund ſeyn können, wenn biefe 
fo herzitchen,, fo wohlgemeinten Verfihernngen Sie 
wicht vermögen ſollten, meine, meiner Braut, kurz, 
unſer aller Wuͤnſche zu befriedigen? — Ich Iede Ih | 
zer Antwort mit dem naͤchſten Poſttage entgegen. 

ſchlaͤgig darffte auf feinen Fall ſeyn: denn die Braut 
würde ſchmollen, und die Schwiegeraͤltern würden zuͤr⸗ 
nen. nd mer würde dabei in der größeften Verle⸗ 
genheit ſeyn? Gewiß, or gewiß der Bräutigam, 

4 * 


Freund 


* 
.5, . 


&6. | 


— 539 — 


184 De 
N Yormular zu einem gewoͤhnlichen Hochteltbrlefe. 
Hoche delgeborner, 
Hochgeehrter Heer! I i 
Ew. Hochedelgeb. haben mir jederzeit zu wiel 
deweife Ihrer gütigen Gefinnungen gegeben, 3 
Din Saulledrern auf dem Lande / den Klftern oder 
cr vocheit · und Kindtaufendistern in den Städten, 
# die läftige Fertigung der Hochzeit « und Gevatter · 
‚‚Briefs aufgebürdet, und Der feine Ertrag davon gu 
m Yurtseinfunften gefchlagen. Da viele von dene 
” "ed fühlen und einfeben, daß fie wegen der 
R ſchritte der Zeit mit ihren ehemaligen Formulmen 
megt länger befteben konnen, ohne ſich läcdertih zu 
> in: fo feßt ſie Diefes_in einige Berlegenheit. 
möchten ihnen daher Diefe Berfuche nicht gang unan⸗ 
jemehım feyn: da ihnen die Durch Die Lage der üm⸗ 
: fände nöthigen Veränderungen Dabei gewiß miat 
fallen werden. Den Gelbtern ſollen diefe 
weine‘ Verſuche keineswegs ald Mufter dienenz ich 
beſcheide mich gern, fo bald_fle ihnen nur Geoff zum: 
eignen Nachdenken geben. Diefelde Erinnerung gitt 
- auch bei den Bevatterbriefen u. f, w. Es wisd alfe 
nicht möthig feun, ſie dort du wiederholen. In ‚mans 
Gegenden tragen entweder felbft oder fenden die 
hulmeifter, Küfter, Hochzeit» und Kindtaufendite 
—X at und tee un 
wünfchte, da fe Herren rei er er nac 
fen möchten; et würde ihnen nicht entgeben, ıote 
abgeichmadt diefe Bitte ſey. Dergleihen — 
‚und Geyatterbriefe fehen nicht anders als die Neifen 
’ je, Kundſchaften, Bleitd, und Paffirgertsi aut. 
Un wie unongenehm ‚müflen ſoiche gedruchte Mriefe 
den Eingeladenen feyn:; wenn es ihmen einfällt, daB 
der Brief, den man ihnen fendete, Hunderten fon 
7 im gleichen Ausdrüden zuge ſchiat worden fey; wenn 
je den Inhalt und die Worse firenger prüfen, «6 
nn gewiß bald bemerken, daß diefer Brief fir Dies 
fen oder jenen andern Etand, nur nice für fie eins 
geriet 2 ; und, nun daraus une EM u 
igung ziehen, oder — den ganzen cherli 
Anden, Und wen trifft dann der Werra wen Ale 
Ede? — 


, 


* — 321 — 
141 


? - N 
FHormular zu einem gewöhnlichen Hochzeitbriefe 
an einen Vornehmen, worin zugleich die Bitte 
enthalten if, die Stelle eines Brautfuͤhrers 
Hochwohlgeborner ( Wohlgeborner) Herr, - 
Gnaͤdiger (Hoͤchſtgeehrter) Kerr ! | 
"Mor einiger Zeit Harte ich die Ehre, Ew. Wohl⸗ 
geboren (Ihnen) meine Verlobung mit Jungfer 
Maria Trautvetter, der zweiten Tochter des hieſt⸗ 
gen Saftwirths, bekannt zu machen. Erlauben Sie 
‚mir, Ihnen nun auch (gedorfamft) melden zu duͤr⸗ 
fen, daß der ı2t€ des künftigen Monats zu unferer 
öffentlichen Verbindung unter priefterlicher. Einfegs 
nung in biefiger. Nikolaikirche, Vormittags um 
10 Uhr, fefgefegt worden iſt. Vereint mit meiner 
Braut und meinen Schwiegerältern wage ich es, 
Ew. Wohlgeb. (Ste) Hochderofelben Fran Gemah⸗ 
lin (Ihre liebe Gattin) und fdmmtliche (liebens⸗ 
waͤrdige) Familie nicht nur zu dirſem uns fo feier 
lichen Tage einzuladen , fondern noch die befondere 
"Sitte an Hochdieſelben (Ste) ergehen zu laflen, 
daß Sie, Hochwohlgeborner (Wohlgeborner) Herr, 
und Hochdervſelben Fran Gemahlin (Ihre theure 
Gattin) uns die Gnade (Ehre) erzeigen, und die 
Stellen der Brautführer (guͤtigſt) übernehmen mischt 
ten Es iſt nicht in meiner Macht, meine Se 
fühle mir. Worten auszudrüäden: wenn Ew. Wohls . 
geboren diefe meine unterthäntge Biete niche für eine 
- m große Vermwegenheit halten, und uns diefes Gluͤck 
goͤnnen wollten, das wir als eine befondere Snade 
verehren würden. (Kaum würden wir im Stande 
ſeyn, Ihnen unfer Vergnügen mit Worten augzu⸗ 
druͤcken: wenn Sie diefer unferer gemeinfchaftlichen 
Bitte sine geneigte Winſaheuus zuſagen woliten 
| \ x. 


D 1 " 


die wir für eine Sefondere Ehre erkennen würden). 
Ew. Hochwohlgeb. ( Ihnen) einiges aergnügen zu 
‚nahen, fo viel in unfern geringen Kräften: ſtehet, 
ſoll unfere angelegentlichfte Bemühung: feyn; woraus 
‚Überzeugt, daß Hochdiefelben nach Ihrem allgemein 
verehrten menfhenfreundlichen Charakter wenigſtens 
mit unſerm guten Willen vorlieb nehmen werben, 
wenn wir auch unfere Wünfche nicht ganz erreichen 
fodten. Der ih bie Ehre babe, mich mit den 
inntoften Gefühlen der aufrichtigften —— 
lebenslang nennen zu dürfen (Der. ich die Ehee 
habe, mich mit der veinften Gegenliebe nennen J 
duͤrfen) 
| Ew. Hochwohlgeb. (Em. Wohlgeb.) 
ganz seherfamften Diener (ganz ne 
benften Diener) - on 
N. W 


156. 
Meifter Wolf bittet feinen Freund und witua 
ſter, weicher ſich in einer entfernten Stadt: 
aufhält, zur Hochzeit. 


Schaͤtzbarſter Freund! 
Vollkommen von Ihrer mir ſo werthen Zreuub⸗ 
ſchaft uͤberzeugt, halte ich es fuͤr meine Schuldig⸗ 
keit, Ihnen meinen Entſchluß/ mich mit Jungfer 
Eliſabeth Rothir ehelich zu verbinden, bekanut zu 
machen. Meine liebe Braut iſt die einzige Tochter 
des biefigen -angefehenen Bürgers und Ztangießers 
Metfter Rothens; und diefe Wahl ſoll, wie id 
Hoffe, mit Gottes Hülfe weder mich, noch meine 
liebe Braut gerenen. Den gten fünftigen Wauats 
haben: wir zu unferm SHochzeittage beſtimmt, as 
weichen in den Mittagsſtunden zwiſchen eilf un | 
zwölf Uhr in Hiefiger Marienkirche unter p 
Iner Einjegnung anfte Öffentliche. Bebkmung = 
2 \ u 


Kan: 


— 323 — 


folgen. ſoll. Ich und meine. Braut nebſt ‚meinen 
lieben Schwiegeraͤltern find daher fo frei, an Sie, 
werthgeſchaͤtzter Freund, unfere ergebenfle Witte er⸗ 
gehen zu laffen, uns bei dieſer unferer erfreulichen 
Verbindung mit Ihrer und Ihrer lieben Frau nebft 
Bamilie Gegenwart zuͤtigſt zu beehren, uns ben 
göttlichen Beiftand zu unfern wichtigen Unterneh⸗ 
men erbitten zu helfen, und fich es. darauf bei einem 
Heinen Hochzeitmahle gütigft bei uns gefallen zu 
laſſen. Gewiß werden wir die Erfüllung biefes 


unſers herzlichen Wunſches als ein befonderes Werks 


mal Ihrer gütigen Sreundfchaft erfennenz auch find 
wir von Ihren gätigen Gefinnungen gegen uns 
voraus überzeugt, daß Ste mir unferm guten Wil⸗ 
len, Ihnen Ihren Aufenthalt. bei uns fo angenehm 
als möglich zu machen, beſtens vorlich nehmen wer⸗ 
den. Unter nochmaliger Verſicherung der innigſten 
Hochachtung von meiner Sraut und ihren lieben 
Aeltern, die fehnlich dem Augenblide, Ihre pers 
fönliche Bekanntfchaft zu machen, entgegen fehen, 
verharre ich ganz befonders mit der aufrichtigfien 
Breundſchaft 

| Ihr (Dero) 


ergebenfter Freund 
N. . . 


" " j 157. , 
Ein Berwolter bittet feine Herrſchaft zur Hochzeit. 
Hochwohlgeborner Kerr, j 
Gnädiger Kerr! Ä 
Em. Hochwohlgeb. bezeigten Ihr gnäbiges Wohl⸗ 
gefallen über die getroffene Wahl meines Herzens, 
wich mit Jungfer Eleonore Schnorr ehelich. zu vers 
Naben. üeberzeugt von Em. Hochwohlgeb. erha⸗ 
benems menfchenfreundlichem Charakter wage ich es 
Daher yuterchänig, Sie, fo wie Hochderoſelben Fran 
X 2 Sem 


DZ 


0} 


zu 324 in 


Gemahlin und die gnädigen Fraͤulein Töchter zu mels 
nem Hochzeittage einzuladen, welcher den 17ten dies 
fes Monats beſtimmt il. Wie ſehr würde ich bie 
ſes Stäc zu verehren willen: wenn Hochdieſelben 
meine unterthänige Bitte einer gnädigen Zufage wuͤr⸗ 
digen wollten. So wichtig mir diefer Tag ſeyn 
muß: um fo felerlichere und febenslänglich unver 
geßlih würde er mir bleiben; zeichnete Ihn Shre 
Hohe Gegenwart aus, die ich für den hoͤchſterwuͤnſch⸗ 
seften Beweis Ihres gnaͤdigen Wohlwollens anzus 
erkennen , die größte Urfache haben würde. Nice | 
weniger erfreulich würde diefe Ihre gnädige Herab⸗ 
laſſung auch für die Meinigen feyn, die ich zu 
Ew. wohlgeb. und Hochderoſelben verehrunge 
wuͤrdigſten Familie gnaͤdigem Wohlmwollen unterthä: 
zu empfehlen wage. Ihre hohe Gegenwart 
gürde uns Alle mit dem" thärigften Eifer beſeelen, 
und unausgefegt diefer vorzüglichen Gnade würdig 
zu maden, der ich mic, befonders von dem Gläde 

durchdrungen fühle, mich nennen zu dürfen - 
Ew. Hochwohlgeb. 
unterthaͤnigen Diener 


158. 
Hochzeiteinladung an einen Bekannten, von wel⸗ 
chem man voraus vermuthen kann, daß es ihm 
wegen feiner weiten Entfernung unmöglich ſeyn 
dürfte, die an ihn gethane Bitte erfüllen zu 
fönnen. 
Werthgeſchaͤtzter Herr und Freund! 
Daß ich mich mit Jungfer Dorothen Ausberg 
ſeit zwei Monaten verlobt habe, davon haben Sie 
bereits meine freundſchaftliche Nachricht erhalten. 
Ich erachte es nun aber auch für meine beiondere 
HH, Ihnen zu melden, daß auf den Bten nah | 
** en 


u 


— 


— 325 wor 


ſten Monats unfere öffentliche Verbindung durch die 
peiefterliche Einſegnung tn ' diefiger Stadtkirche ers 
gen fol. Ih ‚und meine Braut, nebſt ihren 
- Altern, find. fo frei, Sie, Ihre liebe Gattigg: und 
‚ Bamilie (Brau und Kinder) zu dieſem und fo feiers 
lichen Tage aufs freundfchaftlichfte einzuladen. Zwar 
fuͤrchten wir voraus, eine Fehlbitte zu chun: da «® 
Ihnen viel zue Unmödglichkelt werden duͤrfte, 
uns wegen Ihrer faſt allzumweiten Entfernung mit 
Idhrer werthen Gegenwart beehren zu können. Koftete 
Ihnuen jedöch die Erfüllung unferer freundſchaftli⸗ 
‚ den Bitte keine zu große Aufopferung: fo. würden 
Sie uns duch Ihre Gegenwart eine unendliche 
Sreude machen. Sollte biefes jedoch nicht geſchehen 
kannen: fo feyn Sie verfihert, daß wir 44 RB 
dieſem uns feierlichen" Tage oft und lebhaft gebens 
ten werden. Auch find wie von Ihrem gütigen 
Herzen _Aberzeugt, daß Sie uns Ihren freundfchafts 
lichen Segen nicht verfagen, und auch in der Ferne: 
ums von Gott den Beiſtand zu diefem wichtigen - 
Vorhaben erflehen Helfen werden. B 
Müßten wir auch jegt die Freude Ihrer Se 
genwart entbehren: fo fehen wir doch einer gänftis 
gern Zeit baldigft entgegen, und betheuren Ihnen, 
‚daß uns zu jeder Stunde Ihr gütiger Beſuch aͤußerſt 
angenehm feyn wird. Weine Braut unb meine 
Sqhwiegeraͤltern empfehlen fih Ihnen, rer wer⸗ 
chen Sattin und Bamilie (lieben Frau und Kindern) 
herzlichſt zu den freundfchaftlichften Andenken ‚: dev 
ich unter der Verfiherung meiner redlichfien Segens . 
liebe zeitlebens verharre 
u She | 
san, see 


- 159. j 


dw 326 — 


oo. 189. Ä 
Hodreltelnlabung an einen vertranteren Freund, 
mil der Ditte, daß er die Stelle eines Braut 
Führers uͤbernehme. 


»  Kochgefchägter Freund! 

Sie werden fih es leicht vorftellen konnen, 
wie angenehm mir die Pflicht iſt, Sie, Ihre liebe 
Frau und Familie zu meinem Hochzeittage einlaben 
u dürfen.‘ Am zoften biefes fol meine äffentliche 

erbindung in den Vormittagsſtunden in Bieflger 
St. Aunenkicche unter priefterlicher Einfegnung voll⸗ 
sogen werden. Könnten Sie aber wohl mir ‚und 
meiner Braut, die Sie und Ihre liebe Frau, auch 
unbelannter Weiſe, fhon fo innig hochſchaͤtzt, noch 
eine zweite Bitte abſchlagen? Kaum laͤßt ſich das 
befürchten. Wir erſuchen Sie daher, daß Sie 
Beide ſo gefaͤllig ſeyn, und die Brautfuͤhrerſtelle an 
unſerm Ehrentage freundſchaftlichſt ͤbernehmen möͤch⸗ 
ten, Aufrichtig muß ich Ihnen geſtehen, daß. wie 
uns ganz vorzüglich. geehrt fuͤhlen werden: führten 
Sie uns zudem Traualtare! Ja mir mürden uns is 
Ihret Mitte ſchmeicheln, zu den gluͤcklichſten Vor⸗ 
Bedeutungen berechtiget zu ſeyn. Mit einem laͤſti⸗ 
gen Hochzeitmahle will ich keinesweges weder Ihnen, 
noch uns die angenehmen Stunden Ihrer ſchaͤtz⸗ 
baren Gegenwart verkuͤmmern; nur ein Meines Gaſtt 


gebot in dem Kreiſe der gewaͤhlteren Freunde ſoll 


unſere Freude erhoͤhen, und alle aͤngſtliche Sitte, 
die an ſolchen Tagen ſo oft die herrſchende zu ſeyn 
pfleget, ſoll von uns entfernt bleiben. Schlagen 
GSie mir dieſen uns fo angelegnen Wunſch, wir alle 
bitten Sie nochmals aufs inſtaͤndigſte darum, nicht 
ab; und ſeyn Sie uͤberzeugt, daß Sie dadurch die 
Achtung noch mehr erhoͤhen werden, die ich Ihnen 
jederzeit ſo gern ſchuldig war, und daß Sie 1a 
1 cu 


dem aufs nene dadurch aufs freundſchaftlichſte vor 
binden, der ſich es fo ganz zur Ehre und zum: Bars 
gnügen macht, fih neunen zu dürfen 
ER: |.) ı ı WE er ee 
’ u ergebenften 
J “ ” N. ' 
—BGeovatz err briefe. 

An eine nicht welt entfernte gute Freundin. Im 

angeswungeneren freundfehaftlichen Ton. 


0. I Werthgefchägte Freundin! u 
Habe ich es Ihnen nicht vorausgeſagt, daß aus 
Spas ſehr leicht Ernſt werden kann? Sie haben 
es ſich einzig luzuſchreiben: wenn ich, da Sie mie 
einmal einen Finger gaben, die ganze Hand nehme. 
Hören Ste nur! Meine Fran iſt geſtern mit einem 
jefunden, bausbädigen Mädchen glüdlich nieberges 
ommen. Daraus erfölgt dem ganz natärlich, daß 
Ih Sie bitten muß, bei dem Pleinen muntern Aus 
koinmlinge die Dathenftelle zu Abernehmen. Man 
will behaupten, daß freundliche muntere Pathen 
auf des Kindes künftigen Charakter einen -großem 
Einfluß haben, und ihnen nicht feltem nacharten fols 
len; und da ich mir nun nicht getraue, Das Gegen⸗ 
Theil zu beweiſen, fo habe ich es Für kluͤger erach⸗ 
u £ , tet, 
*) Man erlaubt ih In den gersößnlichen Gevatterbriee 
‘fen, diejenige Perfon, die man erft zur Gewatter- 
Melle sinlader, fchon in der Ueberſchrift nut „ 
ger ’’ anzureden. Dieſes ift aber in den meiften Zäls. 
fen hoͤchſt ungereimt: denn Tann nicht der Gebetene 
die ihm zugedachte Ehre ablehnen und ausichlagen? — 
Manche wollen diefe Umgereimtheit etwas vermindern, 
und nennen den Eingeladenen: gufünftiger S)er Ges 
‚vonter. Es Bleibe aber eben fo ungereims wie jenes. 


tet; bieſe alte Gage lieber in allen Ehren zu hal⸗ 
ten, als vergebens dawider zu flreiten. Als Water, 
das können Sie fih einbilden, muß hie das Wohl 
meines Kindes am Herzen liegen; und fo babe ich 
mir die liebenswuͤrdigſte unſerer Freundinen zur 
Taufzeugin auserwählt, um einft mich einer muns 
tern, liebenswürdigen Tochter erfreuen zu könn 

Um te nicht allzufehr zu uͤberraſchen, Haben wie. 
beſchloſſen, erft in vier Tagen, ald den Sten dieſes 
Monats, das Fleine unmuͤndige Geſchoͤpf zur Taufe 
bringen zu Lafien. Ste haben daher, wie ich glaube, 
Zeit genug, um für Ihren Putz beforgt feyn au kon⸗ 
nen: denn ich kenne die Empfindlichkeit der Frauen⸗ 
‚zimmer, wenn man ihnen in folchen Fällen zu eilig 
auf den Naden kommt. Ich fende Ihnen meinen 
Wagen. Gie Reigen bei uns ab, und ich bitte Ste, 
deshalb Feine Umſtaͤnde zu machen. Ich kann Ihnen 
aufrichtig verfihern, daß uns Ihre gütige Gegen⸗ 
wart auch nicht die geringften Umſtaͤnde verurfachen 
wird. Gegentheils würde ed meiner Frau fehr uns 
. angenehm ſeyn: wenn Ste nur die geringfte Eins 
wendung äußern würden, und einer Wöchnerin, das 
wiffen Sie, muß man den Willen thun. Zugleich. 
beſtehen wir darauf, daß Sie Ihren lieben Maun 
mitdringen: denn ohne ihn, dad muß ich Ihnen doch 
geftehen , fo lieb th Sie auch babe, würde unfere 
Sreude gewiß wicht ganz volllommen feyn. Weine 
liebe Frau, die fih nach ihren Umftänden aͤußerſt 
wohl, und munter befindet, empfiehlt fich Ihnen und 
Ihrem lieben Wanne. Sie freuet fich herzlich auf 
den Augenblick, Sie zu fehen und Ihnen ihren 
Danf zu verfihern. Und wie fehnlich auch ich Dies 
fee Stunde entgegen harre, das können. Sie Übers 
jougt ſeyn von 


hrem 
Ihnen ganz ergebenſten 
161. An 


— 3259 — 


6i.2* 
an einen 1 Brei, S hen eat den 
| lichen Tone. 


2 Seht Hohgephägter Fremd us 
: Ge find zu ſehr mein Freund, als def & 
nicht añ meiner vermehrten Vaterfreube Derzlichen Ans 
theil nehmen ſollten. Geſtern ift durch Gottes guͤti⸗ 
gen Beiſtand meine liebe Frauvon einem geſunden 
und muntern Knaben gluͤcklich entbunden worden. 
Zwar befuͤrchtete ich, daß ihre Niederkunft nach einis 
gen ihr ſeither zugeſtoßenen, mir manche Beſorgniß 
verurſachenden Zufaͤllen, wenigſtens nicht fo ganz 
ohne Gefahr voruͤbergehen wuͤrde: die guͤtige Vor⸗ 
ſehung hat aber mein Gebet erhoͤret, und hat ihr 
dieſen ſchweren Stand weit mehr erleichtert, ale wir . 
Hoffen konnten. Sie befinder fih nad ihren Um⸗ 
fländen fehe wohl, und weit beſſer noͤch, als vor 
einigen Wochen. Gott fey dafür Preis und Dank 
gebracht! Wir haben uns entfchloffen, nächften Sonns 
tag unfern Fleinen Liebling in die Verſammlung der 
Cheiſten durch die heilige Taufe aufs und annehmen 


au lafien; und Bitten Sie Hierdurch freundſchaftlichſtt, 


Die: Stelle eines Taufzeugen bei dieſer feierlichen 
Handlung zu vertreten. Ich und meine Frau haben 
Bas befondere Zutrauen zu Ihnen, daß Ihnen unfere . 
Bitte nicht Täftig feyn wird; und ermarten daher 
von Ihnen die gütige Erfälung unferse Wunſches. 
Unbedingt aus einem andern Grunde, als aus der 
wahrften Hochachtung, haben wir und an Ste, unfern 
laͤngſt bewährten Freund, gewendet; und wir bitten 
Sie, fih nicht in die kleinſten Untoften zu fchlagen, 
wenn Sie unfere Freude nicht vermindern wollen. 
. Zugleich erfuche ih Sie, Ihre liebe Battin in unſerm 
Damen zu bitten, uns ebenfalls dad Vergnügen ihrer 
Begenwart zu ſchenken, und durch ihre angenehme 
Sefellfehaft die ‚Srende und lebhafte unterhauun⸗ 


— 330 
des Meinen freundſchaftlichen Zirkels erhöhen zu hel⸗ 
fen... Diefe Ihre beiderfeitige Sefälligkeit würde mir 
und meiner Frau, bie fih Ihnen beftens empfiehlt, 
als ein thätiger Beweis Ihrer guͤtigkn Sefinnuns 
gen gelten; und wie werden auf keine Weiſe irgend 
eine Gelegenheit voräbergehen laſſen, um Sie zu 
überzeugen ,„ wie ſehr wir Shre Freundſchaft 
ſchaͤhen. Der ich mit der aufrichtiaſten Achtung 
wi zeitlebens nenne 

Idren 

egehonſten Beruns and Diener 


u | | 162. | 
Bevatterbeit an einen Freund, der, durch feine 
weite Entfernung verhindert, die Parpenfiele 

nicht ſelbſt vertreten fann. - | 


Hochedelgeborner, | 
Sochgeehrter Herr! 

Verzeihen Ste: wenn Ih mir bie Freihelt 
nehme, Ihnen zu melden, daß geſtern, als den 
Gten dieſes Monats, meine Frau mit einem mun⸗ 
tern, gefunden Sohne niedergekommen iſt, und fich 
nebft ihrem Kinde zu meiner. Freude recht fehr wohl 
Befindet. Noch mehr werde ich Sie aber um Ber 
zeihung bitten müflen: da tch Ihnen den innigften 
Wunſch meines Herzens befannt mache, daß Sie die. 
Gute Haben und Pathenftelle bei diefem meinen neus 
yo Kinde vertreten möchten. Ihre zu weite 

Entfernung wird es zwar nicht zulaflen, und die, 
Ehre Ihrer perfönlichen Gegenwart zu gönnen: fo 
tief uns aber dieſes auch fchmerzt; fo fühlen wie- 
dach eine lebhafte Ereude, daß unfer Sohn unfern 
innigſt geliebten Freund zum Pathen haben fol. 
Unſer Herz Stadtrichter Ehrlich hat ſich geneigt fins 
den laſſen Ihre Stelle als Taufzenge zu vertreten: 

da 


u 331, — 
da Abermergen fon unſer Kind zur Taufe gebracht 
werden ſoll. Seren wir uns nicht: fo wird Ihnen 
diefe unfere Wahl nicht ganz mißfaͤllig ſeyn. Aus 
keiner andern Abficht, ald aus der reinften nneigene 
nägisfien Hochachtung, glaubten wir, unfeem Kinde 
Beinen wuͤrdigern Pathen wählen zu koͤnnen, als 
©ie; und wollen Ste ihn, warum wir, feine. Ael⸗ 
teen, Sie innigft bitten, mie Ihrem güsigen: BI: 
wollen beshren, fo würden wie. ihm bet feinen Eins 
tsitte in die Welt kein wichtigeres Geſchenk Haben 
machen können. Auguft Friedrich follen feine Zaufı: 
namen, und der biefige Stadtſchreiber Herr Harn: 
und Madame Kilos, eine jungs hieſige angefehene 
Kaufmannsfrau, follen die übrigen Pathen ſeyn. 
Wir Hitten Ste nochmals: em © Sie diefes unfer 
Zutrauen beftens aus; und nehmen Sie die aufrich⸗ 
tigfte Verficherung unferer unveränbderlichen Liebe für 
die guͤtige Willfahrung unferes angelegentlichfien Wun⸗ 
ſches, als den redlihfien Dank unſerer Herzen an: 
Ihrer liebenswuͤrdigen Gattin und fämmtlichen Gas 
milie empftehle fi meine Frau zum freundfchafts 
lichſten Wohlwollen. Sie befinder fi mit ihrem 
Saugling gefund und wohl. Nehmen Sie ſchluͤßlich 
. von mir die ungeheuchelte Verfiherung an, daß ich 
keinen größern Wunſch hege, als mich lebenslang 
nennen zu dürfen 
Ihren Ä 
ganz eraebenfen 


163. 
Bevatterbrief einer Witwe, bie nach Ihres Man ⸗ 
ned Tode mit einem Gohne- entbunden worden 
AR, an ihren Freund. 
Hoͤchſtgeehrter Here und Freund! 
Su wen follte ich in meiner beträbten Lage 
ein größeres Zutrauen Baden, als zu Ihnen, & 
. 8 


— 388 — 
Ainde. + Sind gleich dieſe Schriftzüge nicht mit meh . 
ner eigenen Hand gefchrieben :: — doch jede 
Sylbe aus meinem geruͤhrten Herzen; und kaum 
darf ih Ihnen mehr verſichern, als daB ich mich 
‚mit unveränderter Hochachtung und Freundſchaft zeit⸗ 
Lebens nennen: werde — 
Ihre ee 
ergebenſte Freundin und Dieneriu 
| N. 


264. . 
Gevatterbrief eined Vaters an einen feiner Freunde 
für feine Tochter, die nach dem Tode ihres 
Mannes mit einem Mädchen entbunden iſt. 
Hochgeehrter Here und Freund! 
Icch bin fo frei, Ihnen bie. geftern gluͤcklich 
erfolgte Miederkunft meiner Tochter (Schweſter), 
. der verwittweten Grau Berner, feenndfchaftlichft ans 
auzeigen. Sie Bat mir den Auftrag gegeben, Ihnen - 
in ihrem Namen Ihre vollkommenſte Hochachtung zu 
serfihern; und von Shrem gegenſeitigenWohlwol⸗ 
len überzeugt, faßt fie das gute Zutrauen, Sie zu 
Bitten, daß Sie aus Freundſchaft und befonderer 
Mienfchentiche bei ihrem Kinde übermorgen Nach⸗ 
mittags um drei Uhr in hieſiger St. Petrikirche die 
. Stelle eines Taufzeugen übernehmen möchten. So 
teantig ihr auch die Ruͤckerinnerung an den in die 
fer ihrer jegigen Lage zwiefach fuͤhlbaren Verluſt 
ihres fo gelichten und unvergeßlihen Wrannes ſeyn 
muß: fo wird fie doch der Gedanke aufrecht erhals 
ven, daß fie fih des Gluͤcks erfreuen darf, Freunde 
zu Sefisen, die ihr ihre edle Theilnahme nicht vers 
ſagen, und ihr dadurch Beruhigung, und durch Diefe 
tröftende Beruhigung die möglichfte Erleichterung des 
- währen. Darf ih Ihren mehr fagen, um Sie, 
Hochgeehrter Herr, zu Überzengen, wie daukbar ſie 


rn 


Sshenslang für diefe erſte Wohlthat feyn Wird , die 
Bie ihrem Kinde erweifen werden? Nachdem id 
mich ihres zweiten Auftrags entlebigt babe, fie zum 
fortdanernden Wohlwollen Ihrer wertheſten Gattin 
aud lieben Familie zu empfehlen: verſichere ich Ihnen 
noch beſonders meine Hochachtung, mit. walchep. 1qh 
unausgeſetzt verharre ee 
Ihr 


aufrichtig ergebeüſter 
| N. 
⸗ 168. | BER 
Gevatterbrief an. einen Vornehmen . von einem 
aus den geringern Staͤnden. | 


Hochwohlgeborner Kerr, 
.BGunaͤdiger Here! WB 
Verzeihen Ew. Hochwohlgeboren meine De 
keit, Hochdenenſelben eine der angelegentlichſten Big 
sen meines Herzens vortragen zu dürfen. Geſtern 
erfreuete mich meine Frau mit einem gefunden, muns 
teen Sohne. Als Water liegt mir Die Pflihe ab, - 
schon bei den erflen Lebensſtunden meines. Kinder 
für feine Wohlfahrt möglichft beſorgt zu ſeyn: koͤnnt⸗ 
ihm aber wohl ein größeres Gluͤck zu Theil wers 
den, als wenn ich ihm diefelbe Gnade meines ver⸗ 
ehrungsmwürdigfien Goͤnners zufihern dürfte, wer 
durch fich fein Water fo geehrt und gluͤcklich fühle? 
Und würde ich ihm eine größere Hoffnung dazu 
machen Finnen, als wenn ich mir ſchmeicheln dürfte, 
Ew. Hohmohlgeboren würden es nicht ungnaͤdig 
aufnehnen, wenn ich es tagte, Dieſelben ganz .ges 
horfamft zu bitten, den Neugebornen bes befondern 
Borzugs zu würdigen, Pathenftelle bei ihm: zu vers 
tgeten ? Die gnädige Zufage der Erhörung diefer 
meiner etwas kuͤhnen Witte würde uns Aeltern anf 
das gluͤclichſte aͤberraſchen, und Dem Fatömmlinge 


m 35 m 


in dieſer Welt die retzendſten Ausſichten in die Zu 
kunft gewaͤhren. Den Tauftag ſowohl, als bie 
Stunde dieſer chriſtlichen Handlung, werden Ew. 
Hochwohlgeh. gnaͤdigſt ſelbſt beſtimmen. Wie glück 
lich würde ich mich fühlen, Hei dieſer Gelegenheit, 
vereint ‚mit meiner Grau, die ſich Em. Hochwohigeh, 


zu Snaden empfiehlt, Hochdenenſelben die Gefühle 


meiner dankbarſten Ehrfurcht mündlid an den Tag 
legen zu dürfen, mit welcher ich bis an den letzten 
Hauch. meines Lebens feyn werde | 
Ew. Hohmohlgebuen 
unterthaͤniger Diener 
A N. 
. 166. J 
Ein Untergebener an ſeinen Vorgeſetzten, der ſich 
ſelbſt zur Pathenſtelle angetragen hat. 
Hochwohlgeborner Herr, 
| Gnaͤdiger Herr! 
. . Kaum würde ich es gewagt haben, Ew. Hoch⸗ 
wohlgeb. ganz gehorſamſt anzuzeigen, daß geftern 
meine Frau mit einem gefunden Sohne entbunden 
worden ift: hätte mich. niche Em. Hochwohlgeb. gnaͤ⸗ 
diger Befehl dazu aufgefordert. Erlauben Sie das 
Her, daß ich fo frei ſeyn darf, Diefelden an Ihr 
hohes und gnädiges Verfprechen unterthäntgft zu ers 
innern, Pathenftelle bei meinem neugebornen Kinde 
vertreten zu wollen. Diefe hohe Gnade wird ein 
nener Beweis von Ew. Hochwohlgeb. erhabenem - 
menfchenfreundlichen Charakter feyn, der fi zur 
Bewunderung aller derer, die das Gluͤck haben, fich 
in Ihrer Nähe zu befinyen, fo einzia auszeichnet. 
Konnte meinem Kinde wohl ein günftigerer Gluͤcks⸗ 
ſtern ſcheinen, als daß fih Ew. Hochwohlgeb. feis _ 
ner ſchon in den erſten Tagen feines ‚Lebens ‚fü 
hoaldreich aunehmen wollen? Möge er ſich —* | 
"er 


—486 — 


dieſer Hohen Snade ganz wuͤrdig zu machen wiſſen! 
Venigſtens will ich dei feiner Erziehung nichts vers 
ſaumen, was dazn beltragen Tann, die dankbaren 
Befuͤhle der innigſten Ehrfurcht auf ſein Herz üben. 
zupflanzen, die das Sluͤck feines Waters durch das 
gnädige Zutrauen beſoͤrderten, deſſen mich Ew. Hoch⸗ 
wohlgeb. auf die herablaſſenſte Weiſe würdig achte⸗ 
ten. Auch fühle ih mich zu unfaͤhig, diejenigen 


auszuwählen, denen es ſo angelegen ſeyn könnte, 


als Em. Hochwohlgeb. das Gluͤck der Fünftigen Tage 
meines Kindes befördern zu wollen. Sch wage es 


daher, Ew. Hochwohlgeb. unterthaͤnigſt zu bitten, 


daß firh Hochdieſelben gnädigft für mich verwenden, 


amd die übrigen Taufzengen zu beftimmen geruben 
möchten. Noch weniger unterfiche ich mich, den 
Zauftag meines Sohnes zu beflimmen, und erwarte 
Deshald Ew. Hochwohlgeb. gnädigen Befehl, Mochte 
mie es gelungen ſeyn, Ew, Hochwohlgeboren ſtets 


überzeugt zu haben, wie es mein einziges Beſtreben 


fey, mich Hochderoſelben gnädigen Gefinnungen ims 
mer würdiger und wuͤrdiger zu machen, und daß ich 


ein größeren Glück Tenne, als mich Iehenslängiih 


nennen zu dürfen Ä 
| Ew. Hochwohlgeb. 


* 


167. 


Allgemeines Formular zu einem Gevatterbriefe an 


einen bekaunten Freund. 
Hochzuchrender Here und Freund! 


Ueberzeugt von Ihrer freundſchaftlichen Theil⸗ 
— ——— 


giſtern von einem gefunden Knaben gluͤcklich ent⸗ | 


bunden worden iſt, welcher Übermorgen Nachmittäge 
in hieſiger St. —* Kirche durch die Taufe in 
die 


unterthaͤnig geh eeſauſten Dienet | 


— 337 — 

die Gemeinſchaft der Chriſten aufgenommen werden 
ſoll. Ich habe daher das gute Zutrauen, vereine 
- mit meiner Gran, zu Ihrer gütigen Freundfchafe, 
daß Sie unfere Bitte nicht ungeneigt aufnehmen: 
werden , bei'diefem unfern neugebornen Kinde die 
Stelle eines Taufzeugen ımd Pathen gütigft zu vers 
treten. So innig wir fhon laͤngſt Ihre Freunds 
fehaft verehrten: fo wird doch diefe Ihre Zufage 
unferer Bitte, die und zu dem lebhafteften Dante 
verpflichtet, unſete Herzen noch feuriger erwärmen; 
und wir werden keine Gelegenheit vorüber gehen laſ⸗ 
fen, Ihnen unfere aufrichtigften Sefinnungen- durdy 
Die thätigfte Gegengefaͤlligkeit an ben Tag zu legen, 
Wir ‚bitten Sie und Ihre Itebe Sattin, der wir 
uns zu dem geneigteften Wohlwallen empfehlen, fi 
es nach vollzogener Taufhandlung bei uns guͤtigſt 
gefallen zu laffen, und mit uns verlieh zu nehmen, 
Seyn Sie verfichert, daß dieſes unfer Zutrauen aus 
. der wahrften Hochachtung entfproffen tft, und daß ich 
die Ehre zu fhägen weiß, mid nennen zu dürfen 
Ew. Hochedelgeboren 

ergebenſten 
N. 
168. a 
. Ein gleiched an einen Bekannten, mit dem wi 
bei diefer Gelegenheit in nähere Verbindung 

zu kommen münfthen. 


Hochedelgeborner, 

H.ochgeehrter Herr! 
Ew. Hochedelgeb. menſchenfreundlicher Chara*ss 
ter laͤßt mich kaum fuͤrchten, Ihnen zu mißfallen: 
. wenn ich mich mir erner Bitte an Die wage. Durch 
die Huͤlfe Gottes iſt meine Frau neftern von einer, 
gefunden muntern Tochter entbunden worden: und 
Wir Deide Haben das euch Zuttauen zu Shen, 

. - 3 


⸗ 338 — 


Sie werden es und nicht abſchlagen, wenn wie wuͤn⸗ 
ſchen, daß Sie unſre kleine Tochter aus der Taufe 
heben, und Pathenſtelle bei ihr vertreten moͤchten. 
»  Diefe feierliche Handlung fol morgen in hieſiger 
Domkirche Nachmittags um vier Uhr, wie gewähns 
lich, vollzogen werden. Längft ſchon nährten wie 
den Wunſch, die Ehre einer nähern Bekanntſchaft 
mis Ihnen zu gentefen: möchte er uns bei dieſer 
Gelegenheit in Erfüllung gehen! Wir erfuchen Sie 
‚daher und Ihre geliebte Gattin, daß Sie fih es 
beiderſeits nach vollgogener. Taufhandlung in unferer 
Wohnung gätigft gefallen laſſen, Sie von den Ges 
fühlen unferer innigften Achtung auf das herzlichſte 
u Überzeugen. Meine Frau, die ſich, Gore fey 
and, fehr gefund befindet, empfiehlt fih zu Ihrem 
geneigten Wohlwollen. Nochmals erfuche ich Sie, 
diefe Bitte einzig nur für ein Kennzeichen meiner 
Hochachtung anzunehmen, mit welcher ich zeitlebens 
zu feyn wuͤnſche er | 
2 Ew. Hochedelgeb. 
ganz ergebenſter 


v 


169. 
*) Formular eines Gevatterbriefs für Landſchul⸗ 
lehrer an Landleute oder Einwohner in kleinen 
Stäaädten. -- 
Werthgeſchaͤtzter Freund! ! 
Es hat der guͤtigen Vorſehung gefallen, mein 
liebe Ehefrau durch eine gluͤckliche Niedertunſt mit 
nem 


*) Daß der Schulmeiſter eines Dorfs die Gevbatterdriefe 
—XC ‚ iſt loblich; da fo viele Landleute kaum 
hre Namen, geſchweige denn einen Brief ſchreiben 
koͤnnen: daß er aber nicht nur des Pfarrers, 


ondern 
auch fogar, und namentlich dei Kindtaufen, — chzei⸗ 
ven, Keleubeghngnifien, des Garne bez * 
nt m meinte 


- 9. — 


gefunden *) Sohne (einer gefunden Tochter) zu 
erfreuen; und wie find entfhloflen, dieſen (dieſe) 
morgenden Tages nach chriſtlicher Aeltern Pflicht zur 
Beiligen Taufe bringen zu laffen. . Da ich nun zu 
Eu (zu: Ihm, Ihnen) mein innigfies Vertrauen 
Babe, daß Ihr (Er, Sie) es uns nit abfchlagen' 
werdet Cwird, werden): fo bitten wie Euch (Yhı, * 


Sie), 


meinde ſeyn muß, das iſt in unſerm Zeitalter, das 
ſich fo aufgeklaͤrt dünft, all 6 fehr auffallend. 
So lange indeb das Schreiben und Tragen der Ges 
Satterdriefe gleichſam eine Art Beſoldung der Schul 
- . wmeifter ausmacht: fo darf ed nicht befremden, wenn 
auch fie verjährte Gebräuche als Heiligthinmer behan⸗ 
deln und ganz behutſam dabei au Werte sehen m 
“fen, fobald fie nur die kleinſte Beränderung, fey 
auch noch fo vernünftig, wagen wollen. Wollten 
auf ein Mal eine Reform vornehmen : fo wirden 
großen Widerfpruch finden; und damit würde es nicht 
allein gethan feun, fie würden vielleicht viel Verach⸗ 
tung aussufteben Haben, wohl gar für ihren gutem 
Willen ſchmachten müflen. Da der Bauer und der 
Landmann fi ſchon in die Seuche nach der neueften 
Mode Lleiders fo wird er auch die alten, fchiwerfäle 
Ligen Gevatterbriefe nicht mehr Lieben, Da es aber 
teichter ift, fich in neumodifche Zeuche zu leiden, als 
wahrhaft aufgelärt und vernünftig au ſeyn — fo 
werden die Schulmeifter vorfichtig fenn, und die Bas 
vatterbriefe zwar nicht mehr fo altfräntifch wie ehedem 
einrichten; fie werden aber nicht uber die Schnur bine 
außgeben dürfen, die das Worurtbeil gezogen bat 
Das immer noch Vorurtheil bleibe, wenn es au 
nicht mebr fo ſcheinen will. Vielleicht autzt ibnen 
obenftebendes Kormular, dad nach meinen Wünfden 
Die Mittelſtraße zwiſchen dem Altfränkifchen und den 
allerneueſten Borderungen halten Toll. Möchte man 
auf diefe meine Erklärung gütige Rüde nehmen! . 


©) Dean dediene fich ftatt des fonft gewöhntihen Söhne 
leins und Töchterleins — Sohn und Tochter: 
denn Soͤhnchen und Toͤchterchen küngt abgeſchmackt; 
abgeſchmaäckter iſt aber noch junges Sobnlein 
oder Toͤchterlein — denn dab ein Eöhnlein und 
Toͤchter lein jung ſeyn muß. verſtehet Ach von ſeldſt. 
2 


— 3409 Le, L 


Sie), diefes chriſtliche Wert vollziehen. zu Helfen, 
fi morgen in hiefigem Sotteshanfe einzufinden, und 
die Pathenftelle bei unferm Kinde zu vertreten, ſich 
es auch nad) gefchehene Taufe in unferer Wohnung 
Beftens gefallen zu laffen, und mit unferer freunds 
Schaftlihften Aufnahme und Bewirchung“ nach uns 
feem (geringen) Vermögen mit den lieben Eurigen 
(Geinigen, Ihrigen) (auf einen oder zwei Tage) 
voriteb zu nehmen. *) Wir werden diefes als. eine 
befondere Liebe anſehen, und diefen Freundſchafts⸗ 
dienft in allen Gegenfällen mit größter Bereitwil⸗ 
ligkeit zu ertwiedern fuhen. Der ich unter freunds 
fchaftlicher Begrüßung von meiner Frau zeitiebens - 


verharre u u 
Euer (Sein, Ihr) 
aufricptiger Sreund 


* 


170. a 

Einladung zu einem Kindtaufenfchmanfe au einen 
fogenannten Altgevatter oder an einen andern 
guten Freund. 


(Geehrteſter Herr und Freund!) a 
Geehrieſter Herr Gevatter und Freund! 


Zu meiner nicht geringen Freude iſt geſtern 
meine Frau von einem gefunden muntern Knaben 


entbunden worden. Die Woͤchnerin befinder ſich, 
Gott 


*) Es herrſcht noch auf den Dörfern außerordentlich 
aufig die faſt ſunloſe Stite, die der Wochnerin das 
eben, weniaftens ihre Geſundheit koſten kann, Kinds 

tanfen von zwei, Drei und noch mehr Tagen zu geben, 
je nachdem man ein großer Bauer beiken, und das 
durch feinen Vermoͤgenszuſtand auf das giängendfie 
darthun will, wobei man es denn im Eſſen und Trin⸗ 
. Ben niche felten bis zur Ausfchweifung, treibt. Daß 
der Shulmeifter und Prarrer nichts aͤndern 
werden , fo lange der Kindtaufenvater auf feinem 

Kopfe befteben dark, das Lahr AG denten, 


1.0. 


— 35341 — 4 


Gott fey Dank, wohl und vergnuͤgt. Deine Bu 


terfteude ift zu groß, als daß ich den Tauftag dies 
fes meines zweiten (dritten u. f. w.) Kindes ſtill 
voräbergehen laflen könnte, ohne meine Freunde bei 
mir zu feben, von denen ich weiß, daß fie fich mie 


wir freuen, und mir zur Vermehrung meiner Familie 


aufrichtig Gluͤck wuͤnſchen. Vorzuͤglich baten bie Altı 
gedattern herkoͤmmlich auf unfere fortdauernde, und 


bei diefer Gelegenheit oͤffentlich zu erueuernde Ach⸗ 


tung und dankbarlichſte Erinnerung die gegruͤndetſten 
- Anfprüche zu machen. Sich lade Sie daher ein, und 
zu bdiefee Bitte vereinigt ſich zugleich meine Sram, 
die Sie herzlich grüßt, Ach morgen Nachmittags nad 
gefhöhener Taufe nebſt Ihrem lieben Weibchen tm 
meiner Wohnung einzufinden,, und fi es bei uns 


guͤtigſt gefallen zu laffen. ine abfchlägige Antwort . 


befüͤrchte ich von Ihnen beiderfeits keinesweges: da 
Sie überzeugt feyn muͤſſen, daß mir dieſer Freuden⸗ 


. tag. ohne Ihre angenehme Gegenwart weniger vers. 


gnuͤgt feyn würde. Der ich unter der⸗Verſicherung, 
daß ich Ihre Zufage für einen neuen Beweis von 
Ihrer gegenfeitigen Breundfchaft und Liebe halten 
werde, mit der lebhaftefien Hochachtung verharte 

r 


u | mn | 
Freundfchaftliche Bitte zur Leichenbeflattung eines 
N Ä Vaters. | 


Verehrungswärbiger Freund ) 
Geſtern ſchlug die fürchterliche Stunde für mich, 
die mir meinen guten Water entriß. So vorbereis 
ter ich auch durch fein langwieriges Krankenlager 
und dutch die Nachrichten des Arztes feyn fonnte: 
fo überrafchte mich deſſes ungeachtet fein Tod noch 
viel zu früh. Ich bin von Ihnen Überzeugt, Fir 


Ihnen ergebenfker Sevatter und Freund 


unch 343 — 


Sie an dieſem meinen Verluſte gewiß Herzlichen Aus 
theil nehmen: da Sie dem Verſtorbenen bei feinen 

Lebzeiten die Ehre Ihrer Freundſchaft ſchenkten. 
Uebermorgen in der Nachmittagsftunde um — Uhe 
fol fein entſeelter Körper zur Erde beſtattet werben. 
Ich bitte Ste daher, meinem Water gättgft Diele 
legte Ehre erzeigen,, und ihn zu feinem Brabe bes 
gleiten zu helfen. Diefee Beweis Ihrer Achtung 
wird meinen betruͤbten Kerzen. zu einem großen 
Trofte gereihen , und Sie werden dadurch zu den 
dankbarſten Geſinnungen verbinden 


| regedenften Freund und Diene Ä 


172. u 
Ein Brief in ähnlichen Falle von einem Gerin⸗ 
gern an einen Vornehmern oder Borgefegten. - 
Wohlgeborner, 
Hachſtgeehrter Herr! “ 
Es iſt meine Schuldigkeit, Ew. Wohlgeb. ben 
geſtern erfolgten Tod meines Waters ganz gehorſamſt 
anzuzeigen: da ich weiß, daB er das Gluͤck gensß, 
fi) der güttgften Gefinnungen von Ihnen rühmen 
zu dürfen. Weberzeugt, daß diefes Ihr Wohlwol⸗ 
Ion ihm nod) in der Erde ein fprechendes Zeuguiß. 
für feine geringen Verdienfte feyn muß, wage ich «6, 
Ew. Wohlged. zu deſſen Leichenbeflattung , melde 
Äbermorgen Nachmittags um vier Uhr erfolgen fol, . 
ganz gehorfamft einzuladen. Diefe gütige Auszeiche 


. - nung, bie dem Verblichenen zu einem befonderh 


Nachruhm, und ung feinen Sinterlaffenen zum inntgs 
Men Troſte gereihen wäÄrde, würden wir aufs leb⸗ 
baftefte zu fhägen willen. Der ich die Ehre Habe 
mich nennen zu dürfen 
Em, Wohlgeb. | u 
b gehorfamften N. 
k | 173 


I 
u 3 — 


Einladung au. bem Beburtöfefte eineh Vaters an 
deffen Vorgeſetzten. 
Hochedelgeborner | 
Snädiger Hart! | 
Zu laut fprechen die Aeußerungen Ihres gnda 
digen Wohlwollens gegen meinen Vater, als daß 
diefer ein hoͤheres Gluͤck kennen follte, als Ihrer 
gnädigen Sefinnungen von Zeit zu Zeit noch wärs . 
Diger zu werden: Den ı7ten dieſes feiert er feinen 
Gtzſten Seburtstag. Seine Familie wuͤnſchte laͤngſt 
ſchon, dieſen ihr fo wichtigen Tag ausgezeichnet feier⸗ 
Lich zu begehen; und fie hat ſich entfchloffen, durch 
Meine Leitung, an dem erwähnten Tage ihren Plan 
auszuführen. Moͤchten wir dem alten verdienten 


Greis ein noch fo wichtiges Geſchenk verehren: fo -. 


. würde doch diefes wenig Werth gegen die Gnade 
Haben, die Sie Ihm und feinem ganzen Kaufe ers 
zeigen würden, wenn Sie dieſes unfer Feſt mit 
Ihrer Hohen Gegenwart begluͤcken wollten. Wie 
wagen es daher, Ew. Wohlgeb. zu einem für unfern 
‚Bater in den Abendfiunden beflimmten Ehrenmaßle 
aAntershaͤnigſt einzuladen, und bitten wegen unferer 

Kuͤhnheit um Verzeifung. Wir würden nicht fo 
dreiſt gewefen ſeyn, uns an Hochdieſelben zu wagen: 
belebte uns nicht die Hoffnung, die wir auf Ew. Hoch⸗ 
wohlgeboren allgemein verehrten menfchenfreundlis 
. Yen Charakter fegen, eine gnaͤdige Zufage von Hoch⸗ 
denenſelben gewärtigen zu dürfen. Diefes Gluͤck 
wuͤrde unferm alten Water Thraͤnen der geruͤhrteſten 
und ber frömmflen Ehrfurcht. entloden, und wie 
mit ihm, würden diefen Tag zu den ſchoͤnſten unfers 
Lebens zählen. Der ich unter den reinften | 
len der Bi zeitlebens verharre 


Wohlgeb. 
ganz acherſanter = 


174. 4— 
Einladung an einen Freund zu einem Geburis 
feſte, dad die Kinder ‚ihrer Rutter zu Ehren 
feiern wollen. j - 
Liebſter, beſter Freund! . u 
Auf naͤchſtkuͤnftigen ı6ten Mai fälle umfere 
zuten Mutter Geburtstag, wobei wir dieſe gern . 
mie einer. heimlichen Freude zu uͤberraſchen wuͤnſch⸗ 
ten. Sie kennen ihe für ihre Freunde fo gefuͤhl⸗ 
volles Herz, und willen, daß fie nirgends vergnügs 
ter, als in einem folhen Zirkel ik. Würde alfe 
an diefem Tage Ihe Vergnügen volllommen feyn! . 
. wenn Ste, befter Freund, dabei fehlen follten? Ich 
Iade ie daher und Ihr liehenswärdiges Weibchen 
zu dieſem unfern kleinen Zamilienfefte aufs j 
lichſte ein! und bitte Sie, bei uns mit einem kiei⸗ 
nen Abendeflen vortieb zu nehmen. Laſſen Ste fi 
aber gegen keinen, - weder von Ihren, noch wog 
anfern Freunden etwas merken: denn unfere Mut— 
tee fol und darf durchaus nichts von unfern Vor⸗ 
Bereitungen erfahren , wenn wir unfern Zweck «es 
reihen wollen. Einer fol nach dem andern auf . 
ihrem Zimmer erfcheinen. Anfangs wird fie Dad. 
zwar etwas fonderbar finden, daß Immer einer na 
dem andern berbeigefchlichen kommt: angenehm wird 
Ah ihr aber gewiß das Nächfel -auflöfen; wenn. wie 
fie in ihrem Hauskleidchen in ein: zweites Zimmer. . 
führen, das einem kleinen Zreudentempel gleichem : 
. fol. Unfere Entfernung von einander macht hoͤch⸗ 
ſtens einen Weg von, drei mäßigen Stunden auk, . 
Dieſe Pleine Beſchwerde wird Ste aifo keineswegs abs 
. alten koͤnnen, unfere Bitte zu erfüllen: weil Si— 
unfer Vergnügen Dadurch um fo lebhafter machen 
. werden. Wie aber, wenn unfreundlihe Witterung: 
einfallen follte? O wir find ſicher, unfere Freunde _ 
oo. werden 


Ä 
4 


oo. 
.: ee 345 — 


werben ſich dadurch nicht abhalten Laffen: ba Sie . 
wiſſen, wie viel auf Ihnen beruher; und da fie 
eben fo gern andern eine Freude machen, als fie 
ſich felbft freuen. Freund, richten Ste fi fo ein, 


‚daß Sie gegen Abend, ungefähr um fünf Uhr, Hei 
- „und eintreffen können. Meine Frau und meine Ger 


ſchwiſter empfehlen fih Ihnen beiderfeits. Sie ber 


fiehen darauf, daß Sie unfere gemeinſchaftliche Sitte 
wicht abfchlagen dürfen. Leben Sie wohl. Auf bals 


diges und gluͤckliches Wiederſehn! Unveränderlih 


Be 


der Ihrige 
N. 


* 


175. | 


2 "Einladung. zu einem Heuntefeit an einen Freund 


in der Stadt, 


Hochgeſchaͤtzter Freund - 
Gott hat uns dieſes Jahr vorzuͤglich geſegnet. 


\ 


| Unfere Scheuern . ind voll; die Brüchte aller Art 


And nad unfern beften Wünfchen geraden. Wir 
alle fühlen uns zu dem lebhafteften Dante: gegen 


Wort, den Geber alles Guten, verpflichtet: muß 
daher unfer Aerntefeft niche das Feſt einer allgemeis 


‚nen Freude feyn ? Kommen ®ie, berzlichft verehr⸗ 


ter Zreund, mit Ihrer ganzen lieben Familie kuͤnfe 


tigen Sonntag zu uns nach Langendorf, und nehmen 
Sie an. unſerm Gluͤcke Ihren aufrichtigen Antheil. 
Mit offenen Armen empfangen wir Sie, und alle 
tinſere Kräfte follen fich vereinigen, Ihnen Vergnüs 
‚gen zu machen. Auch dem feinempfindenden Staͤdter 
ann unfere ländliche Freude nicht ohne allen. Metz 


Aeyn. Gehlagen Sie mir daher biefe meine Bitte 


micht ad. Ich und die Meinigen würden gewiß nicht 
‚ganz froh feyn; wenn wir Sie nicht bei uns ſehen 


. follten: denn ach, wie viel verliers jede. Freude, 
, wenn wir fie nicht andern miitheilen können! Em⸗ 


gehen - 


pfehfen Sier mich und mein ganzes, Haus Ihrer 
wertben Familie, und kommen Sie recht wohl um 


gluͤcklich an dei 
| Ihrem 
Idhnen ergebenen Freunde 
N. 


176. 


Der Berwalter 9. an den Pachter 8. bei ber 
felben Gelegenheit. | 
Liebſter Freund! | 

Unfer Here Paftoe hat mir keinen kleinen Ges 
fallen gethan, daß er unfer Aerntefeft einen Sony 
tag früher angefegt bat, als «6 bei Ihnen gefelet 
werden fol. Eine lange Reihe von Jahren trafen 
Ihr und unfer Aerntefeft auf Einen Genntag’ zus 
fammen; und feiner von uns fonnte an des Aw 
bern Freude perföntih Antheil nehmen, weil jeder 
für fi zu thun, und fein Häufchen@äfte zu bewie⸗ 
shen hatte. Diefes Mal triffts aber beſſer; und ich 
- denke nun, bdiefen Tag in ber Sefellfhaft ueiner 
Freunde, werunter Ste vorzüglich gehören, recht 
vergnuͤgt zu feleen. Ich bitte Ste daher, lieber 
Freund, daß Sie mit Ihreg Weibchen und Ihren 
Kindern nächftlommenden Sonntag bei früher guter 
Zeit bei mir eintreffen mögen. Zuvor wollen wie. 
Gott in der Kirche danken, und dann bis im bie 
fintende Nacht unter einander fröhlich und vergnägt 
fein. Sie richten fih ein, daß Sie Aber Nacht 
Set mir bleiben : denn von einem Freunde, den man 
fo fetten genießt, trennt man ſich nicht gern ſogleich 
wieder. Auf große Traftamente kann ich Sie freie 
lich nicht bitten: aber vergnügte Freunde nehmen 
auch mit wenigem vorlteb; und fatt, das hoffe ich, 
"wollen wir werden. Weit feeundfchaftlichfiem Her⸗ 
zen erwarte ich Sie alfo, und zähle ſchon die Stun⸗ 
on , den 


- 397: — 


den unfers Wiederſehens. Denn wie fange iſt es, 
daß wir uns nicht geſehen haben? Mein Weib und 


meine Kinder: gruüͤßen Ste und alle die Ihrigen 


Herzlich, und fe freuen ſich eben ſe ſehr auf dieſen 
frohen ‚Tag, als | 


Ihr | 
alter redlicher Freund, 


. der Verwalter Ehrenthel. 


u 177: 
Einladung zu einer Reife nach D. an den Paſtor 
mM. in D. 
Hochehrwuͤrdiger, 
Hochgeehrter Herr Paſtor! 
Seie waͤnſchten vor einiger Belt bald einmal 
wieder mit einer guten Gelegenheit nach Dresden 
zu reifen. Da ich num in meinen Sefchäften naͤch⸗ 
ſtens eine Reife dahin unternehmen muß: fo bin 
ih fo frei, Ste aufzufordern, ſich jetzt, wenn es 
. anders Ihre Amtsgefhäfte erlauben, dieſes längft 
getwünfchte Vergnägen zu gewähren, und mir in meis 
vem Wagen Sefellfchaft zu leiften. Die-Witterung 


‚ (heine uns vorzüglich günftig zu werden; die Baums . 


bluͤthe tritt bereits fchon ein; kaum dürften wir den 
Fruͤhling angenehmer finden, als in der lieblichen 
Gegend von Meißen nah Dresden. Den Tag uns 
ſerer Abreiſe folen Sie beftimmen, weil ih mid 
ganz nach Ihnen einrichten kann; nur muß ich 
nothwendig den zwölften Mat in Dresden gegenwärs 
eig ſeyn. Ich Habe Ihnen deshalb ſchon fo fruͤhzei⸗ 
tig dieſe Nachricht mitgetheilt: damit Sie Zeit ge⸗ 
winnen moͤchten, ganz nah Ihrer Bequemlichkeit 
Ihren Plan entwerfen zu Bnnen. Mein Aufenes 
. Halt in Dresden iſt zwar nur auf. acht Tage berechs 
net: wuͤnſchen Sie aber noch einige Tage Vängee 
30 verweilen, fo fol das auf Ihnen beruhen. Mit 


— U 0— 


dem groͤßten Vergnuͤgen werde ich mich in Allem 
nach Ihnen richten. Haben Sie nur die Befälligs 
. tele, mir darüber eine baldige Auskunft zu geben. 

In Ihrer angenedmen Geſellſchaft wuͤrde diefe Neife 
einen doppelten Netz für mich haben: da Sie übers 
zeugt feyn koͤnnen, wie hoch ich das Vergnügen 
fhäge, mid nennen zu dürfen | 


r Ew. Hochehrwuͤrden | 
ergebenften Diener 
Nur... 


V. * on 


n oder Bittfchriften, 


[4 


Bon Vittſchreibe 





Dir Gattung von Briefen theilt ſich theils in 
Bittſchriften oder Bitefhreiben, und in Anfus 
Aungsichreiben ein. Auf den Bewegungsgründen, 

. worauf wir unfere Hoffnung ‚oder unferı Wunſch 
gruͤnden, daB und das Verlangte bewilliget werden 
möchte, beruhet der Unterfchled unter Beiden. Der 
Bittende fühlt feine Abhängigkeit, und gründer 
fein Verlangen auf gar kein Rede; fondern blos 
auf fein Bedärfniß und die Gätigkeit des 
Gebers: derjenige aber, der um etwas anfucht, 
barf vorausfegen, daß er. ein gewiſſes Recht Habe, 
eine Sache zu verlangen, und darum zu bitten; er 

. darf die Erfüllung ‚feines Werlangens von der Ver) 
bindlichkeit des Gebers erwarten, die zwar 
nie erzwungen werden Tann, aber doch auf 
den Srundfägen der Billigkeit berufet. Der Ausı 
deud Anſuch en wird alfo in allen folhen ſchrift⸗ 
lichen Xorftellungen gebraucht: wenn man. etwas 
verlangt, worauf man mehr oder weniger gegräns 
dete Anfprühe machen kann. Go bitten; B. 
eine arme Wittwe um einen Önadengehaft:; ein alter 
Diener des Staats, den Alter und Schwachheit zuk 
Erfülung feiner Dienfipfliht unvermdgend machen, 
ſucht bingegen um feine Dienftentlaffung an. — 
Um die Erthetlung einer Stelle, eines Amtes Bits 
1.33 


. 


druck erſuchen. 


— 360 — 


tet man, ſo lange man kein beſonderes Recht hat, 
es zu begehren. Kat man aber ſchon auf gewiff 
Weiſe fich verdient gemacht, wodurch man gleichfam 
unmtderfegliche Gründe vor fid) hat, dieſe Gtee, 
Btefes Amt verlangen zu Bönnen: fo ſucht man nm 
daſſelbe an. Oft verknüpft man in einem Bittſchre⸗ 
ben, beſonders an den Landesherrn, die beiden Autı ' 
druͤcke bitten und flehen, wobei der erflere dann 
ein. demuͤthiges Begehren, der zineite Ausdruck aber 
die dringende und tiefe Noth bezeichnet, worin A 
der Bittende befindet. Im gefelligen Umgangs ober 
in der: Sprache. dee Freundſchaft bedient man id 
des Ausdrucks bitten; wenn man einen höheren - 
oder größeren Dienſt von jemandes Liebe verlangt; 
bei kleinern Gefaͤlligkeiten aber wählt man den Aus 
Diie weſentlichen Eigenſchaften eines guten Bits 
fchreibens find: 1) eine beflimmte, ‚zwar ausfäh 
liche, keineswegs aber mir unnsthiden Nebendin⸗ 
gen überladene Darftellung des Zuftandes oder der 
Lage des Bitteniden ; 2) die Anführung der Brände, 
die uns zu diefer Bitte nöthigten, nicht minder ahdb 
derjenigen, die uns Muth, Hoffnung und Zutrauen 
einfläßten, und die man von den edlen Eigen 
herleitet, wodurch fich derjenige, am weichen wie 
ans mit unferer Bitte wenden, auszeichnet. Es ik | 
uns allerdings erlaubt, alles anzuwenden, mas ben 
Empfänger geneigte machen Bann, unferee Witte, 
unferm Geſuche zu willfahren: jedoch muß unfere 
Darftellung der ſtrengſten Wahrheit tren bleiben, und 
die Bitte ſelbſt mit möglichfter Beſcheidenheit vors 
getragen werden; damit wir uns nicht den Vor⸗ 
wurf der Unverfhäntheit zuzichen. Wer auf die _ 
Großmuth, Wohlthätigkeit ꝛc. Anderer gleichfam 
Sturm zu laufen verfucht, muß meiftentheits. unvers 
richteter Sache wieder abziehen; und hat dies dann 
feiner Undeſcheidenheit zuzuſchreiben, welche ſelbſt 
| | | die 


bie Sarechigkeit ſeiner Bitte nicht rechtfertigen kanu. 
3) Die Sprache muß kraͤftig und bändig ſeyn, in 
einem edlern Style, jedoch fern von Kuͤnſteleien. 

In einem Birtfchreiben an eine vornehme Pers 
fon, welcher man noch niche ſelbſt perfäntich Bekannt - 
iſt, oder mie welcher man vorher noch In keiner 
- wäßern Verbindung fand, muß man fih im Eins 
gange feines Briefs entfhuldigen, daß man 
es wage, fih mit einer Bitte an fie zu wenden. 
De Srund, der uns dazu beivogen babe, fey vors- 
züglich der Muf des menfchenfreundlichen Charak⸗ 
ters, wodurch fie ſich eine allgemeine Verehrung 
ersehen habe. Dann führt man feine Bitte, jedoch 

mit größter Beſcheidenheit und mit Artigkeit an. 
Sind wir aber mit dem Vornehmen, an den wie ' 
uns mit unfrer Bitte wenden, befannt: fo. fpres 
de man am Eingange von den Beweiſen des Wohl⸗ 
wollens oder der Gnade, deren wir feither von 
ihr gewuͤrdiget worden find, ruͤhme fie mit banks 
barem Herzen; [hüse fich jedoch mit Vor ſicht gegen 
den Vorwurf, daß man ſolche durch gegenwaͤrtige 
Bitte mißbrauchen wolle. Mand übertreide aber 
feine Artigkeit nicht bis zur Kriecherci: denn durch 
diefe beleidiget man fein s und edelfühlende Herzen 
oft mehr, als daß man ihnen eine angenehme Ems 

yfindung verurſacht. Man fey aber auch gegentheils 
nicht zu dreiſt, damit man nicht für unverſchaͤmt 
gehalten werden koͤnne. In den Briefen an unfere 
vertrauteren Freunde wird man jedoch eines ſolchen 
Eingangs überhoben feyn können: da von ihnen 
au erwarten fteher, daß fie das gern für uns thun 
werden, wodurch uns ein Dienft gefcheben, und uns 
fer Beſtes befördert werden kann.” 

Ein Bitefchreiben oder eine Bittſchrift, worin 
ein Unterthan feinem Landes s oder auch einem auss 
märtigen Zürften fen Gefuch oder feine Bitte vors 
trägt, wird vine Sappiit genannt; fie mas un 
. unmite 


- = — 


unmittelbar an ben Färſten ſelbſt, oder mies. 
teilbar an deffen Departements oder Kol⸗ 
legten gerichter feyn. Bei ben W 
Suppliken an den Fuͤrſten ſelbſt, oder an die 
von demſelben bevollmaͤchtigten höheren Des’ 
partements und Kollegien 
WIR ich vorzüglich bemerken, daß es nicht Abel ger‘ 
. zathen fen wird, wenn man fich folde von einemn 
Sachkundigen entwerfen laͤßt. Jede Landestegies. 
rung bat beinahe hierin eine eigene Einrichtung, - 
und fehreibt den an fie zu richtenden: Bittſchreiben 
bie zu befsigenden Maßregein. und Kormen ver. 
Man mende fi, um deſto geficherter vor - einem. 
Verſehen zu feyn, an einen Secretair u. f. mw. ded 
Kollegiums oder an einen Rechtsanwald, (Advoka⸗ 
sun) *), Da indeß doch Fälle eintreten können, 
wo man feine Bitte geheim zu halten fart geztonms 
gen iſt, und Schaden leiden könnte, wenn folde 
zuvor einem andern, ald dem bekannt würde, au: 
den man fie richten muß: fo will ih Hier einige. 
Regeln anführen, dte man bei dem Entwurfe der⸗ 
felden zu befolgen hat. ‘Leber. die äußere Ein: 
richtung, als Über die Form des Bittſchreibens 
*) Lußt man ih von einer dieſer Perſonen eine Bitte 

I ſchrift entwerfen: fo unterrichte man fie ganz genam 
don der Wichtigkeit feiner Abficht ımd von dem Rute 
n, der dadurch für das Beſte des Landes und des 
en, fo wie fir das allgemeine Befte u. f- we 
erreiche werden Tönnte. Betrifft e8 aber nur umferg 
eigenen Vortheil und unfer eigened Befte: fer gehe 


man Die Gründe an, Lie uns zu diefer gerechten Bitte . 
vermocht baben. Ohne diefe beſtimmte Auscinander⸗ 
ſezung würde der Verfaſſer einer ſolchen Bittſchrift 
nur in allgemeinen Ausdruͤcken ſprechen können, und - 
feine Bitifehrift wirrde ohne Wirkung bleiben müſſen. 
Vorzuglich gile dieſes dann, wenn man beim Yandesa - 
bern um Vorfhuß und Unterſtützung, oder um ein 
re über ein gemeinnuͤhiget Unternehmen 
anſucht. 


= 


— 355 — 


und der Titulaturſu, ſ. w. erkundige man ſich 
zilvor genau bei Perſonen, die ich eben genanne 
Gabe, und die eine hinlaͤngliche Auskunft geben koͤn⸗ 
nen. Denn indeß der König von Preußen, Fries 
drich II., alle Dtisfchreiben‘ und ſchriftiiche Aufſaͤtze, 
die an ihn gerichtet ſeyn ſollten, mit der ˖einfachen 
Inſchtift: an den König, verlangte, fordert oft 
ein kleiner Fürft eine Geitenlange Titulatur, und 
jedes Schreiben wird ſogar zuruckgewieſen, wenn 
une ein sc. nach der gegebenen Vorſchrift ausgelaſt 
fen worden iſt. — Man .erfundige fih ferner auch, 
ob unfer einyureichendes Schreiben ganz in Form 
eines Öriefs abgefaßt, oder nur auf die. Hälfte eines 
in Me Länge zufammengebrodhenen Vogens gefchries 
ben werden muͤſſe. | 

Hat man bei den Ork sobrigkeiten ein 
SGSeſuch oder eine Bitte anzubringen: fo wird ſolche 
An den meiſten Fällen ald Üiemortat, oder als ein 
Pro Memoria eingereicht, wo dann bei der Anrede 
Katt der weitläuftigeren Titulatur, ein „„gehora 
ſamſtes, auch ganz gehorfamftes P. M.“ (Pro: 
Memoria) hinlaͤnglich iſt. Das Beiwort: gehor⸗ 
ſamſtes, ganz gehorſamſtes, oder auch wohl. 
Unterthäntges, hängt von ben Verhaltnif⸗ 
fen ab, und es wird wohlgerachen feyn, ſich nach 
jedesmaligen Befinden der. Umſtaͤnde bei ben Erpes 
ditionen, Aftuaeten „ Stadtſchreibern ic. der Orts⸗ 
obrigkeiten, oder dei irgend einem ehrlichen rebe. 
lien Rechtsanwald zu erfundigen, wie es Sitte 
and Vorſchrift fey. 

In den Bittſchreiben an den Landesfürften, 
(wenn man nämlich um Vorfhuß, oder um ein 
ausfchließendes Privilegium, oder auch um eine 
gewiffe Vergftigung, mit einem Worte um eine 
- -fsgenannte Begnadigung anhält) berufe man 
fig nach geſchehener Anrede in dem Eingange der 
Bittſchrift auf die vaterlich⸗ Eandess Fuͤrſorge deſſen, 


— 24 — 


an ben die Bittſchrift gerichtet iſt, und führe dieſe 
als den Grund an, worauf man fein Vertrauen ge 
bauet bat, fich mit feiner unterthänigften Bitte zu 


ihm naben zn dürfen. Dann träge man bie Bitte 


ſelbſt vor”), und unterftügt fie mit wöhlübderlegten 
Stränden, die uns hoffen laflen, daß unfer gemeins 
nüßiges Unternehmen, unfere Erfindung , unfere 
Verbeſſerung ıc. dem Intereſſe des Fuͤrſten nicht zu 
nahe treten, und dem Lande zum Beſten gereichen 
werde *). Zur Beglaubigung diefer Vorſtellung 
beruft man fi auf die Zeugnifie und Gutachten 
ſachverſtaͤndiger Männer, die von Einfluß ſeyn mäfs 
fen, und denen man ein richtiges, geprüftes Un - 
thetl zutrauen kann. Dan legt diefe der Bittſchrift 
bei. Sind ihrer mehr als eins: fo bezeichnet man 
ſolche mit A. B. n. f. w., und führt ſolche in ber 
—— unter dieſen Zeichen an. Am Schluſſe 

Bittſchrift verfichert man feine lebhafteſte Dauk⸗ 
—8* und verſpricht die unermuͤdlichſte Thaͤtigkeit, 
ſich des gnaͤdigen Zutrauens nach allen feinen Kräfs 
wen immer würdiger zu machen, 

Diefe Borerinnerung will ich durch einige Bei⸗ 
ſpiele erläutern, I. Hei den Suppliken anfangen, 
dann II. einige fogenannte P. M. in Form eines 
Bittſchreibens nachfolgen Taflen, und dann LIT. eine . 
Anzahl: von gewoͤhnlichen Bittfchreißen, nach den 
angegebenen Bemerkungen beifügen. 

e Zeilen, welche die Bitte enthalten, tverden ung 
ya 
Per en , gingezogen, amı 
ſogleich ii die Aug en le u —X — werde 
7 Es wird el der Klugbeit angemeſſen ſeyn 
ihn fo viel als möglich zu hbergeugen su fuchen, *3 
ein eigenes Intereſſe oder das Beſſe des Landes 
san Fang — RE der vo : de: 0 
Rn auf den Gedan en Mm 
6 nur Eigennug die Quelle int Gefuchd-fey ’ 








— 355 — 

| ,178& | 
Subppllk des Töpfermeifterd 11. an feinen Fuͤr⸗ 
u fien, worin er bittet, ihm einige Unterſtuͤtzung 
und ein Privilegium über feine Erfindung einer 
neuen Glaſur des irdenen Befchirrd zu gen 
währen. - | | 

Durchlauchttigſter Fuͤrſt, 

Gnaͤdigſter Fuͤrſt und Kerr! 
Seit einiger Zeit Haben die Aerzte und andere 
ſachverſtaͤndige Männer in ‚Sffentlihen Blättern auf: 
Die: gewöhnliche Töpferglafur des tedenen Sefchirrs 
aufmerkſam gemacht, und den bedeutenden Schaden, 
denh diefe der menfchlichen Sefundheit zufügen muß, . 
- Märlich dargethan. Sobald au Ich mid, daven 
Aberzeugt Hatte: gab ich mir die möglichfte Mühe, 
Die fettherige Glaſur zu verbeſſern; ‚und ich darf. 
mir fchmeicheln, eine neue erfunden zu haben, die 
nicht nur an Haltbarkeit und Schönheit die gewähns 
liche Äbertrifft, fondern auch der Geſundheit im mins 
deften nicht nachtheilig tft. Ein löbliches Sanitätds 
Kollegium Hat mein fabricirtes Geſchirr und Die 
, neuerfundene Glaſur defielden genau geprüft, und mie 
durch ein Beugniß, welches ich Hierdurch Em. Hochs 
fürftt. Durchl. zu Fuͤßen lege, feine Zufriedenheit 
an erkennen gegeben. Weberzeugt und voll Vertrauen 
auf die erhabene und allgemeine Vorſorge, welche 
Ew. Hochfürftl. Durchl. für die Wohlfahrt des gan⸗ 
zen Landes und Hoͤchſtderoſelben Unterthanen tras 
gen, wage ic es, tn tieffter Ehrfurcht Hoͤchſtdie⸗ 
ſelben unterthäntgft anzuflehen , 

‚mir. ein gnädiges Privilegtum über diefe meing 
der Menſchheit nuͤtzliche Erfindung, und einen: 
Vorſchuß von 500 Br anf ſechs Jahre zu 

2 ur 


— 356 — 


verleihen, welche ich mit drei vom Hundert zu 
verzinſen, und nach Verlauf der beſtimmten Jahre 
ſolche zuruͤckzuzahlen mich verbindlich mache. 


Die vielfaͤltigen Verſuche, ehe ich die Mittel zu 


dieſer neuen unſchaͤdlichen Glaſur ausfindig machte, 
haben beinahe mein kleines Vermoͤgen erſchoͤpft. 
Duͤrfte ich mich nun nicht der erbetenen Unterſtuͤtzung 
meines gnaͤdigſten Fuͤrſten und Landesvaters ſchmei⸗ 
Sein: fo würde ich meine gemeinnuͤtzige Erfiudung 
auf feine Weiſe vollenden koͤnnen; da meine felts 
berigen Verfuche nur in Meinen Parthieen geliefert 
werden konnten. Indem nur das Beſte meiner 


Mirmenfchen, und wicht ber Eigennus die Trieb⸗ 
feder meiner Bemuͤhungen war: fo darf ih um ſo 


weniger an der gnädigen Erfüllung meiner unters 
thänigften Bitte zweifeln. Diefe hohe Iandesväters 
liche Huld und Gnade wird meinen Eifer auf das 
thaͤtigſte beleben, mich derfelben ſtets immer wärs 
diger zu machen. Der ich mit der tisfften Ver⸗ 
ebrung erfterbe 

| Ew. Hochfuͤrſtlichen Durchlauchte 


6G. | 
den — 132 — antertfäntgfter Knecht 


179. | 
Supplik eined armen Greifed an den König**, 
"am Befreiung feined einzigen Sohnes von 
dem Kriegsdienfte. 
Allerdurchlauchtigſter, 
Großmaͤchtigſter Koͤnig, 
Allergnaͤdtgſter König und Herr! 
Dreißig jahre lang Habe ich der Gnade mich «er: 
frenet, Ew. Köntgtichen Majeftät als Soldat zu dienen. 


Mach meiner erbetenen. Entlaffung lebe ich als Lands - 


mann auf. einem ‚Meinen unbedeutenden Landgufe, 
' das 


- 37. — 


das mir fparfam mein Brod reihe. Von meinen 
‚zwei Söhnen gab ich ebenfalls den diteften mit 
Freuden dem Vaterlande und meinem König. Der - 
- jüngere follte indeß die Stüße und der Pfleger 
feines nisen Vaters ſeyn, und feinem ältern Bru⸗ 
. der nachfolgen , fobald deffen Dienftzeit verfloffen 
fen. Dieſer tft aber, vor einem. Jahre geftorben, 
ohne dieſe ſchoͤne Pflicht fuͤr ſein Vaterland und 
ſeinen König erfüllen gu koͤnnen. Kraftlos und 
einſam ſtehe ih nun in meinem Alter da, ohne 
Huͤlfe. Sc flebe daher, durch Noch und Kummer 
über die Ausfichten für meine künftigen Tage ges -. 
drungen,. Ew. Majeſtaͤt unterthaͤnigſt an, 
dieſen meinen aͤlteſten Sohn, ber ſchon funfzehn 
Jahre lang in Ew. Majeſtaͤt Dienſten ſtand, ſei⸗ 
rnes Dienſtes gnaͤdigſt zu entlaſſen, um feinem 
alten kraftloſen Vater beiſtehen zu koͤnnen. 


Ich getröfte mich der Gnade meines Königs, 
deſſen menfhenfreundliches Herz der er feiner, 
Untertbanen ift, und erflerbe als 


Ew Majeſtaͤt 


unterthaͤnigſter Knecht 
N, 





— U — 


u. 


180. 


Bittſchreiben des Buͤrgers N. für feinen vier⸗ 
zehnjaͤhrigen Sohn, an den Stadtrath zu K., 
weicher die Stelle in einer der Landesſchulen 
zu vergeben bat. ' 

Die Ueberſchrift iſt entweder: 

Wohl⸗ und Hochedelgeborne, 

Veſt und Hochgelehrte, Hochweiſe, 
Hochgeehrteſte Herten! 
oder: 
Gehorſamſtes P. M. 

Da in einem halben Jahre die Stelle auf der 
Landesſchule zu ©. erlediget wird, fo wage ich es, 
Ew. Wohls und Hochedelgeboren gehorfamfl zu bit⸗ 
een, folche meinem dflteften Sohne, der fidy dem 
gelehrten Stande widmen will, gütigft zu verleihen, 
Ueber feine dazu erforderlichen Geiſtesanlagen wage 
ich nicht zu entfcheiden; diefes Habe ich feinen Lehr 
rern überlafien. Ich füge daher meiner gehorfams 
ften Bitte die Zeugniffe derſelben ſowohl Aber feine 
Seiftesfähigkeiten und die Kenntniſſe, die er ſich 
feither erworben Bat, als auch uͤber feine ſittliche 
Auffährung bei. Recht fehr würden Ew. Wohl⸗ 
und Hochedelgeb. mich zu der innigften Dankbarkeit 
verpflichten: wenn Dieſelben meine Bitte genetgtek 
gewähren wollten; da ic, die Erfüllung berfelden . 
für eine Wohlthat anſehen würde, indem meine 
Vermögensumftände nicht zureichen, meine Kinder 
ſtudieren laflen zu fönnen. Weberzeugt, an die alls 
gemein verehrten Vaͤter dieſer Stadt Leine Fehlbitte 
gerhan zu haben, verharre ich unter der Merfiches 

zung 


ed 359 Samen . 


zung meiner lebhafteſten Dankbarkeit und der innig ⸗ 
ſten Hochachtung u Ä 
Em. Wohl⸗ und Hochedelgeboren 
Meiner Hochgeehrteften Herren | 
ganz gehorfamfter N. 
Bürger und Sattlermeißer. 
| 18. u 
Bittſchreiben des Schueidermeiſters D. an feine 
Gtadtobrigkeit, um einigen Erlaß feiner ſchul⸗ 
big. gewordenen Steuern und Abgaben. | 
(Die Titulatur iſt wie im vorigen Briefe.)- 
Seit ein und vierzig Jahren habe ich die Ehre; 
ein Bürger dieſer Stadt zu feyn. Der Wahrbeit 
gemäß darf ih mich, ohne der Beſcheidenheit zu 
nahe zu treten, auf das Zeugniß meiner Mitbtr⸗ 
ger und Aller derer, die mich kennen, berufen, daß 
ich mich jederzeit rechtlich betragen, und. wir Fleiß, 
Thaͤtigkeit und Sparſamkeit zur Pflicht gemacht 
Habe. Deffen ungeachtet bin ich feit einigen Jah⸗ 
ren in meiner Nahrung ohne mein Seldftverfhuls - 
den fo fehr zuruͤckgekommen, wozu theils die tägs 
. liche Steigerung der nöthigen Lebensbedürfniffe, theils 
aber auch mein Hohes Alter, und die für biefige 
Gtadt zu große Menge meiner Mitmeiſter, die geößs 
tentheils jünger find, und von denen man glauft, 
Daß fie die alle Monate fi verändernden Moden - 
geſchickter fertigen können, das Meiſte beigetragen 
Haben , daß ich feicher die. mir auferlegten Steuern 


und Gaben nicht Habe fo ordentlich abtragen fönnen, . : 


wie ich follte, und wie ich folche in meinen Jüngern 
Jahren, und bei meinen beſſern Umftänden abzutras: 
gen, mir zur angenehmen Pflicht machte. Nicht 
ohne Kummer muß ich jährlich in dieſer Ruͤckſicht 
‚bie Schuldenlaſt ‚meiner bürgerlichen angaben Fried 

. el: 


—3 


u 360 — 


fAwellen, und mich in bie unangenehme Lage verſetzt 
—— Em, Wohl: und Hochedelgeb. gehorſamſt ans 
mir einigen Erlaß wegen der ſchuldig gewordenen 
Steuern und Abgaben gütlgft angedeihen zu lafs 
fen, ingleihen mtr auch eine Verminderung der 

- für die Zufunft noch zu entrichtenden Abgaben 
au gewähren. , | ‘ 
Ueberzeugt yon der väterlichen Vorſorge Em, ' 


Wohle und Hochedelgeboren für das Beſte Ihren 


Bürger, ſchmeichle ich mir, Beine Fehlbitte gethan 
zu haben; ba mich ein wirkliches Unvermögen zu 
biefem Schritte auffordert, Auch in meinen geauen 
Haaren noch und in meinem hohen Alter werde ic 
meine wenigen Kräfte woͤglichſt aufbieten, zu lei⸗ 
Ren, was eines rechtlichen Bürgers Pflicht und 
Schuldigkeit iſt; um dadurch meiner verehrten Obrigs 
keit zu zeigen, wie ſehr ich von dem Gluͤcke und der 
Ehre Äberzeuge bin, mich nennen zu dürfen 

Em, Wohl s und Hochedelgeboren 
w gehorfamftr I.E,0O,, 

Bürger und Schneidermeifter. 


Der Bürger 3. fucht bei dem Nathe bed klei⸗ 
nen Staͤdtchens W. um dad feiner Familie 
durch ein Geſtift ausgeſetzte Stipendium an, 

Hochedelgeborne, 
Hochgaehrteſte Herren! , Eu 
Mach voraus eingehofter a illernne Ad 


bei dem Narbe zu W. durch Karen 


ein Geſtiſt zur Erleichterung derer ersichtes worden, 
die aus deſſen Familie abſtammen, fich der Gelehr⸗ 
ſamkeit widmen, anf der Schnie zu N. den Anz 
fang Ihres Studierens machen, and anf der Unis 

ver⸗ 


ð* 


.- 3561 — 


verſitaͤt N... ſolches fortfegen und beendigen wollen: 
ſo nehme ich mir die Freiheit, Ihnen zu melden, 
daß mein Sohn ſich ſo eben auf der Schule zu N. 
beſfindet, und nach zwei Jahren auf die Univerſi⸗ 
taͤt nad ... zu gehen gedenkt, — ich um 
dieſes Stipendium hierdurch ganz ergebenſt anſuche. 
Dieſem meinen billigen Anſuchen habe ich nicht nur 
meines Sohnes Bittſchreiben, von ihm ſelbſt ents 
werfen, fondern auch alle Übrige noͤthige Bewede, 
das Taufpeugniß , fo wie das Zeusniß feiner Leh⸗ 
rer Aber fein firtliches Betragen, feine Geiſtesan⸗ 
lagen und die Hoffnungen, zu denen er berechtis 
get, beigefügt. Da von melrier Seite - alles’ beis 
gebracht iſt, was die Grundgeſetze des Geſtifts 
zur Zrwewiugten erfordern: fo darf ich mir ſchmei⸗ 
cheln, von E. E. Rathe zu W. das Noͤthige bal⸗ 
digſt verfuͤgt zu fehen, der ich mit der ſchuldigen 
Verehrung dankbarlichſt verharre 


Ew. Wohlgeb. u . 
nt ganz gehorfamfter 
N., d. 482 re =... MR 
“ 183, 

Zieiſchreiben des auswaͤrtigen Bürgers O., an 
den Baron von B., um die Erlaubniß, ſich 
in dem Städtchen R., wovon Diefer der Be⸗ 
figer iſt, niederlaſſen zu dürfen. | 

Hochwohlgeborner Freiherr, 
oo. Gnädiger Herr! = 
Laͤngſt fehon hegte ich den Wunfch, mic unter 
Ew. Hochwohlgeb. Unterthanen, insbefondere aber 
-zu den Einwohnern von I}. zählen zu dürfen. Exs 

Jauben Ew. Hochwohlgeb. daher, da ic) mich nun⸗ 

mehr in den Stand gefeßt habe, dieſen Plan aus⸗ 

anführen , die gehorfame Bitte, mic in N. ir 


— 362 PN 


lich ——* ‚ und eine Fabrik daſelbſt errichten 
zu dürfen. Unterſtuͤtzt von einem. hinreichenden 
Kapitale ſowohl, als auch von den zu meinem Uns 
ternehmen nöthigen Kenntniffen, ſchmeichle ich mie 
von Hochdenenfelben eine geneigte Aufnahme. Da 
ih die Ehre nit babe, Ew. Hochwohlgeb. pers 
ſonlich befannt zu ſeyn: fo berufe ich mich auf die 
Bier Heigefügten Zeugniffe der Ortsohrigkeit meines 
feicherigen Aufenthalts. Es wird mie zu einem. 
Sefonbern Vergnuͤgen gereichen,, die einem thätigen 
und geborfamen Unterthan zukommenden Pflichten 
aufs genauefte zu befolgen, und Hochdenenſelben alle 
mögliche Beweiſe zu geben, wie groß die Vereh⸗ 
rung fey, mit welcher ich unveränderlich ſeyn werde 
Em. Hochwohlgeb. 
gehorfamfter Diener 
der Fabrikant A. F. O., 
zur Zeit noch wohnhaft in 8. 


184. 
Der Pachter des Herrn von B. ſucht um eini⸗ 
| gen Erlaß des Pachtgeldes, wegen gebabten 
Wetterſchadens an. 
Hochwohlgeborner Herr, 
Gnaͤdiger Herr! 

Am funfzehnten diefes Monats zog ein fürs 
terliches Wetter auf, und wüthete, von dem ſchreck⸗ 
lichſten Hagel begleitet, indem die Schloßen unges 
wöhnlich groß fielen, fo heftig, daß die Früchte 


aller Art in einem Bezirk von zwei Meilen ringe - 


umher verwuͤſtet worden find. So angenehm und 
Heffnungsvoll meine Ausfichten zu einer gefegneten. - 
Jernte waren, fo groß tft nun ber Schade, den. 
ich erlitten babe. Aus beiliegendem Verzeichniß 
Bpecifitation ) werden Ew. Hochwohlgeb. erſehen 





was ich ausgefäet Babe, und die Beſcheinigung ‚ber 
‚ gerichtlihen Beſichtigung wird mie bezeugen, daß 
ih nicht den vierten Theil meiner Ausſaat wieder 
erhalten, geſchweige denn fo viel Nutzen ziehen 
. werde, um ald ein ehrlicher Mann beftehen zu 
Tonnen. Ich Habe zu Ew. Hochwohlgeb. das ger. 
rechte Zutrauen, Diefelden werben ‚meine Bitte 
GStatt finden laflen, und mie einen billigen Erlaß 
an meinem biesjährigen Pachtzins gewähren. So⸗ 
bald fih Ew. Hochwohlgeb. genauer überzeugt has 
ben werden: fo darf ih auf Ew. Gnaden Billige 
keit das gerechtefte Zutrauen fegen, Sie werden 
-auf mein Beſtes menſchenfreundlich Ruͤckſicht neh⸗ 
men, und es nicht geſchehen laſſen, daß mich dies 
ſes fo traurige Schickſal fo ganz zum unglüdlichen 
Mann mache. Die Willfahrung diefer meiner ganz 


‚ gehorfamften Bitte wird meinen Much aufs neue . 


beleben, und die regſte Thaͤtigkeit In mir erwecken, 
das Beſte der mir von Ihnen anvertrauten und 
Ihnen zugehörigen Sutsdefigungen mit dem umuns ' 
terbrocheniften Eifer zu beforgen. Der ich in tiefſter 
Unterthänigkeit die Gnade Habe, mid zu. nennen, 

Ew. Hochwohlgeb. Ä 
ganz g horſamſten 


III. 
185. a 
Der Tuchfabrikant N. bittet einen General, ihm 
Die Lieferung des Tuchs zur Montirung deflen 
inhabenden Regiments zu vergönnen. 
Hochwohlgeborner Herr! 


Hochgebietender Herr General! 
Snädiger Herr! 


Ew. Excellenz haben fih durch Ihren erhabe⸗ 
benen menfhenfreundlichen Charakter bie ur 
ere 


— 56 — 


Verehrung aller derer erworben, bie das Gluͤck 
haben, Ihnen bekannt zu werden. Diefes het 
meinen Muth befeuert, mid an Ew. Ercellenz mit 
der unterthänigen Bitte zu wagen, mir, als einem 
jungen Anfänger, Ihre gnädige Unterflägung zu 
gönnen, und mir die diesjährige Lieferung ber 
Tuche zur Montirung Ihres inhabenden Regiments 
gürigft (gnaͤdig) anzuvertrauen. Sch darf mir 
ſchmeichein, daß ich dieſes guädigen Zutrauens nidt 
unwuͤrdig feyn, und mid auf das thätigfte bemuͤ⸗ 
ben werde, Ihren Hohen Beifall zu verdienen: 
indem ich diefelben nicht nur mit fehr guter, unter 
meiner befondern Aufficht verfertigten Waare, fon 
dern folhe auch um den billigften Preis liefern 
werde, weil mir daran gelegen fern muß, mid 
anfs beſte zu empfehlen, um zu meinem tünftis 
gen beſſern Fortkommen den Grund zu legen. Diele 
Gnade Zhres mid vorzüglich ehrenden Wohlwels 
lens werde ich mit der innigften Dankbarkeit zeits 
(ebens erkennen und verehrten, und mich derfelben. . 

jederzeit wÄrdiger zu machen ſuchen. Der ich mit 
der tiefften Ehrerbietung verhatre - a 
Em. Ercellenz 
\. unterehänigfter Diener 
N. 

186. ‘ - 
Der Handwerfögefel 3. bittet den Paſtor M. 
um ein Taufzengniß. 0 
Hochehrwuͤrdiger, | 

Hochgeſchaͤtzter Herr Paftor ! . 
| Da zur Erhebung einer Meinen Erbfchaft von 
der biefigen Obrigkeit mein Taufzeugniß nothwens _ 
dig iſt: fo erfuhe ih Em. Hochehrwuͤrden, mir 
ſolches gütisft aus dem Kirchenbuche der Kirche zu 
St, Nikolai auszufertigen. Ich bin zu N. den 
0. ı4ten 


— 365 — 


14ten December 1763; geboren. Mein Water war 
er Schuhmachermeifter 3. Diefe Angaben werden 


Ew. Hochehrmürden die Mühe des Suchens wenige 


Bene einigeumaßen erleichtern. Sinftändigft erfuche 


N 


ich Diefelben aber, mir diefes Zeugniß mit nächiter 
Doft unfranfirt und unter der Auffchrift (Adreſſe) 
zuzufchicden: An den Schuhmadhergefellen H 3. 3. 
abzugeben bei dem Schuhmachermeifter Heinrich Loͤb⸗ 


lich in F.*) Zugleich bitte ih Ste auch, mir ans 
zuzeigen, was ich Ihnen an Gebühren dafür ſchul⸗ 
- Mg bin, die ich fogleich berichtigen merde, der. ich 


die Ehre Habe, mit fchuldiger Hochachtung zu ſeyn 
Ew. Hochehrwuͤrden 
| ergebenfter Diener 


: 187. “ 
Der Bürger 2. meldet dem Paſtor U. feine Vers 
lobung, und bittet ihn um ein dreimaliges 


Aufgeb ot. 


Hochehrwuͤrbiger, 
Hoͤchſtgeehrter Herr Paſtor! | 
Sch habe mich mit Jungfer Marianen Wels 


ker, des hiefigen Tifchlermeifter Welker jüngften 


Toch⸗ 
*) Beſſer thut man: wenn man die Gebühren, die, 
. wenn fie auch nicht an einem Orte, wie an dem. 
andern, dieſeiben find, an. feinem aber von. einem. 
. bedeutenden Unterſchied feyn fonnen, dem Briefe‘ 
ſosgleich, und um nicht irre zu geben, etwas mehr, als 
gersöhntit üblich iſt, beilegt. Wan vermeidet da⸗ 
urch alle Umſtaͤndlichkeiten, die, fich bier und. da 
bei allzuvorfihtigen oder eigennüßigen Geiftlichen 
ereignen fonnten, die gewöhnlich das Zeugniß nicht 
eher auszuliefern pflegen, Bi fie völlig befriediget . 
find. Legt man die Gebühren bei, fo ſchreibt man: 
360 lege meinem Briefe einen Thaler, (oder: ſo 
und fo diel) be. zolte died für die ſchuldigen 
Behühren nicht hinreichend feyas fo baten Eis die - 
Gefaͤliigkeit, mir es anzuzeigen, worauf Ih dab 
Fehlende fogleich berichtigen werde. . 


— 366 — 


Tochter, verlobt; und wir ſind geſonnen, uns 
hieſigen Orts auf kuͤnftigen Sonntag uͤber vier⸗ 
zehn Tage drei Mal hintereinander oͤffentlich auf⸗ 
bieten , und dann trauen zu laffen. Diefe meine 
ehelihe Verbindung gefchieht mit meiner Braut Ael⸗ 
tern beiderfeitiger Bewilligung. Daß meine Aeltern 
in ©. felt zehn Jahren. fchon geflorben find, wird _ 
Ihnen bekannt feyn. Da ich aber nur erfk feit 
drei Jahren meinen Geburtsort verlaflen babe: fe 
findet der hieſige Here Paſtor U. es noͤthig, daß ich 
mich zugleih auch an diefem aufbieten laſſe. Ich 
erſuche alfo Ew. Hochehrwuͤrden gehorfamft. um ein 
dreimaliges Aufgebot, mit der Bitte: daß es das 
erfte Mat ſchon naͤchſten Sonntag Über acht Tage, 
als den ... sefchehen möge, alfo acht Tage fruͤher 
als zu L., dem Orte meines jeßigen Aufenthalts, 
damit wir dann an dem Sonntage, wenn bier das 
dritte Aufgebot erfolge iſt, ungehindert unter pries 
fterficher Einfegnung zufammen gegeben werden fin 
nen. Des Herrn Paftors U. Zuſchrift an Em. Hoch⸗ 
ehrwärden über die Einwilligung der Aeltern meis 
ner Braut, wird vermuthlih alle Bedenklichkeiten 
heben, die Ste ohne dieſe vielleicht Haben koͤnn⸗ 
sen: ich wuͤnſche mir daher um beflimmte Ze 
eine guͤtige Nachricht von Ihnen. Die zu erflate 
senden Gebühren werde ich mit: ber ergebenften 
Dankbarkeit dem hiefigen Herrn Paſtor U. zuſtel⸗ 
Im, der Ihnen folhe dann gebbiß einhaͤndigen 
Wird. Ihrem priefterlichen Gegen. und Ihrem 
Gebet empfehle ich mich und meine Braut ganz _ 

gebenft, und verharte mit der vollkommenſten 


ochachtung 
Ew. Hochehrwuͤrden 
J ergebenſter Diener 





188. 


1 


188. 
Bittſchreiben des auswärtigen Buͤrgers C. an 
den Stadtſchreiber D. zu E., um die abſchrift⸗ 
liche Mittheilung eines bei den Stadtgerichten 
zu E. niedergelegten Teſtaments. 
Hochedelgeborner, 
Hochgeehrter Herr Stadtfchreiber ! 


Die am ſechszehuten diefes zu X. verfiorbene 


- Wittwe, Frau Eliſabeth Dorothea Gruner, foll, 
wie ich für gewiß erfahren Habe, bei ihren Lebzels 
- gen ein Teftament gamacht, und foldhes in dem 
Stadtgerichten zu 8. niedergelegt haben. Da. ich 
nun ein Schwefterfohn der Verftorbenen, und folgs 
ih ein fehr naher Erbe bin, indem fie, foviel 
ib weiß, keine Kinder Hinterlaffen bat, und von 
ihrem Geſchwiſter keins mehr am Leben ift: fo 
Bitte ich Ew. Hochedelgeb., für mich eine geriches - 
Uch beglaubigte (vidimirte oder eine mit dem ges 
richtlichen Zeugnifle verfehene Abfchrift, daß ſolche 
mit der Urfchrift von Wort zu Wort gleichlautend 
ſey) Abſchrift nehmen zu laſſen, und mir folche 
gefäaͤlligſt zuzuſchicken. Ich babe dem Chirurgus 
Seren Adolph M., der Em. Hochedelgeb. diefe 
- meine ergebenfte fchriftliche Bitte einreichen wird, 
den Auftrag gegeben, den Koflendetrag dafür zu 
erftatten, welcher zugleich auch Yon mir bevolls 
mächtige worden tft, die Abfchrift des Teſtaments 
in Empfang zu nehmen. Unter Bezeigung meis- 
‚ nee volllommenften Verehrung verharre ich 
Ew. Hochedelgeboren 
ganz ergebenſter 
. J. C. 
Bürger und Drechslermeiſter In M. 





199 


— 368 — 


189. u 

Der ehemalige Defonomieverwalter der Fran 
v. H. bittet nach feiner Entlaffung um ein 

ſchriftliches Zeugniß feined Wohlverhaltens. 
Hochwohlgeborne Frau, Ä 

Gnädige Frau! ’ 

Ihro Gnaden aͤußerten mit der gütigften Theil⸗ 
nahme bei meiner Entlaſſung aus Ihren Dienſten, 
mir zu meinem fernern Fortkommen behüulflich zu 
feyn, und mich dur Ihre gnädige Fuͤrſprache bes 
ſtens zu unterflügen. Da nun. der Herr 
v. 8. geneigte iſt, mid in feine Dienfte zu neh⸗ 
men, zuvor Aber ein Zeugnig meines ſittlichen 
Charakters und Wohlverhaltens von meiner legten 
Herrſchaft verlangt: fo wage ich es, meine guds 
dige Frau, Sie unterthänig zu bitten, mir diefes 

Zeugniß fobald als möglich zu ertheilen; da 4 

ſchon in vierzehn Tagen den Dienft antreten fo 
Ih darf von Ihro Gnaden menfchenfreundlicdyen, 
ebein Sefinnungen vollfommen überzeugt feyn, daß 
Sie mir Ihre gegebene gnädige Zufage nun erfüß 
len, und mir zu meinem fernern guten Zortloms. 
men gewiß mehr förderlih als Hinderlich fenk : 
werden: da ich mir fchmeicheln darf, meine Oblie 
genheiten und Pflichten jederzeit eben fo treu, afd 
mit unermüdetem Eifer erfüllt zu haben; der ich 
au nie aufhören werde, es für eine ganz befons 

dere Gnade zu ſchaͤtzen, mid nennen zu dürfen 
Idhro Hochwohlgeb. 
ganz geherſamſten Diener 


190. 


v 


Zu | . 190, , 
Bittſchreiben des Bürgerd M. am- bie gnädige 
- rau von H., um ein Darlehn von 500 Tha⸗ 
lern auf fein Grundſtüͤck. 33 


Hochwohlgeborne Frau, 
Gnaͤdige Frau! on | 

Sowohl Ihro Hochwohlgeb. menſchenfreundli⸗ 
cher Charakter uͤberhaupt, als auch insbeſondere die 
gnaͤdigen Geſinnungen, die Dieſelben ſeit gerau⸗ 
mer Zeit gegen mich und meine Familie geaͤußert 
haben, machen mich ſo kuͤhn, eine unterthaͤnige 
Bitte- an Dieſelben zu Wagen. | 

Mein ältefter Sohn wänfcdht Bürger und Mei⸗ 
ker zu werden; und ich würde ungerecht handeln, 
wenn Ich. ihm Hinderlich ſeyn, und ihn Davon abs. 
halten wollte. da er, diefes Zeugniß kann ich ihm 
mie gewiffenhaftem Herzen ertheilen, niche nur die 
reifen Sabre, fondern. auch die noͤthige Geſchick⸗ 
lichkeit und Kenntrliffe dazu hat. Er Hat fein Mut⸗ 
dertheil von mir zu fordern, das ih ihm nach dem 
egten Willen meiner verftorbenen Frau fogleich, als 
m Bürger und Meifter zu werden im Stande fey, 
zuszuzahlen fchuldig bin. Da ich dazu eines Ras 
Htals von 500 Thalern bendthiget bin: fo frage 
h Hei Ihnen, meine gnädtge Frau, gehorſamſt 
in, ob Sie mir das gute Zurtauen gönnen, unb 
nich mit diefer Summe gegen hypothekariſche Si⸗ 
herheit auf meine Grundſtuͤcke und vier. vom Huns 
yert jährliche Zinfen, zu unterflügen die Gnade haben: 
vollen. Der Werth diefer Grundſtuͤcke beträgt nach 
ver gerichtlichen Schägung (Taration) 6000 Thas 
er, wovon fih Ihro Gnaden felbft durch die Bes 
age A. Überzeugen können. Sie werden daraus 
rfehen, daß auf biefem meinen Grundſtuͤcke keine 
veitern Schulden haften, und daß Sie feine Ge⸗ 

oo. "Ar fahr 


«um 370 N 


fahr zu beſorgen haben. Ich werde diefe Gnade 
nicht nur .mit dem febhaftefien Dante ertennen, 
fondern ich darf anch Diefelden verſichern, daß ich 
mir eine puͤnktliche Abtragung der Zinſen zum ſtreng⸗ 
ſten Geſetz machen werde. Darf ich wohl ſo frei 
ſeyn, mir binnen vierzehn Tagen eine gnaͤdige Ant⸗ 
wort auszubitten? weil ich nicht laͤnger anſtehen 

"darf, dieſes Kapital anderswo aufzunehmen, im 
Fali Diefelben meinen Wunſch nicht erfüllen koͤnnten. 
Der ich mit der tiefften Hochachtung verbarte 

Meiner gnädigen Frau 


Ihr 
gehorfamfter Diener 


191. J 
Bitte um Nachſicht an einen Kaufmann wegen 
keiſtung einer fälligen Zahlung. 


Hochgeehrter Here! 

In vierzehn Tagen fol ich Ihnen die Zahlung 
meiner an Sie fchuldig gewordenen Rechnung Iels 
fien. Ich fehe mich aber dringehd genäthiger, Su 

zu erſuchen, mie bis auf naͤchſte Meile Ihre sa 
tige Nachſicht zu gönnen, wo ich dann mit band 
barem Kerzen meine Schuld abtragen werde. Jqh 
glaube einer weitläuftigen Entfihuldigung bei Ihnen. 
überhoben zu feyn: da ich jederzeit pänkelich in meis- 
nen Geſchaͤften geivefen bin, und auch jetzt nach 
ſtreng auf Ordnung Halte. Leider iſt aber in fe: 
eden verfloßner Dieffe nicht der vierte Theil meiner 
ansfiehenden Gelder eingegangen, und der Abſatz 
meiner Waaren war fo gering, daß ich faum fo viel 
eingenommen Babe, als was die allernäthigften Meß⸗ 
untoften betrugen. Unfere Artikel mußten den Kaͤu 
fern zu theuer feyn, das fahen wir alle ein: aber . 
wir konnten fie doch auch nicht mit Graben ven 
" aufen, 


« 


EN 57. — 


taufen; ba alle die Zethaten, die wie: beauchen, fat 
. um bie Saite ihres ehemaligen Preiſes geftiegen 
find: Ich will indeß die Hoffnung ‚auf beflere Zeis 
sen nicht aufgeben, und alles leiſten, was nur im 
meinen Kräften ſtehet. Ihre girtige Nachſicht werde 
ich Ihnen billigſt vergfiten, und Ihnen thaͤtig zu bes “ 
. weifen ſuchen, wie viel mir datan gelegen tft, unfere 
Geſchaͤfte mit einander länger fortzteden,t und mich 
nennen a tönnen _ 
Ihren 
Ihnen aufrichtig ergebenen Die 
N 


198 
| Blitſchrift des alten verungluͤckten Bandnerters R. 
an ſeinen Wohlthaͤter. 


Hochedelgeborner Kerr, 
roßmüthiger Menfhenfeeund! R 
. & haben mir felther fo viele Beweiſe Ihrer 
Guͤtigkeit gegeben, haben mich fo fehr. mie Wohl⸗ 
thaten überhäuft, daß ich mich durch mein thaͤtig⸗ 
led Beſtreben zu ſchwach fühle, Ihnen folde nad 
Würden vergelten zu können. — Schon fah ich mich. 
- dur Ihre menfchenfreundliche Unterftügung in den 
Stand geſetzt, wenigftens doch die unentbehrlichften 
Lebensbeduͤrfniſſe fuͤr mich und die Meinigen erſchwin⸗ 
gen zu koͤnnen: als mic wieder Ungluck auf Um 
glück ohne mein Verſchulden verfolgt. Nach einer 
vierwoͤchentlichen harten Krankheit flarb mir mein 
treues, redliches, thaͤtiges Weib. Ad) Gott, wie 
viel Habe ich verloren! Wie fuchte fie mir durch 
ihre Zuredungen, durch ihre chriftitchen Tröftungen 
meine traurigen Schieffale zu erleichtern! Und ins 
dem ich ihren Tod beweine, prüft mich Gott fchon 
swieder durch neue bittere Leiden, Meine drei Kin⸗ 
der ru vom Sqharlachſieter fi nn vier Tagen before 
' \ ‘ ww -. 


fen worden, und fchweben jetzt zwifchen Leben und 
Tod. Ih alter Mann muß einzig ihre Pfleger feyn, 
und ihre Wartung beſorgen; und fo fehr ich allen 
unnöthigen Aufwand zu erfparen fuchte, fo Bin ih 
doch nun von allem Beide entbloͤßt. So eben greife 
ich meinen legten, von mie aͤngſtlich au rten 
Gulden an. Bald wird auch dieſer ausgegeben ſeyn; 
und dann bin ich ohne Brod und ohne Huͤlfe, wenn 
ich mich nicht auf Gott und auf Sie, edler Mens 
fchenfreund, verlaffen darf. Nichte ohne Schamräthe 
wage ich mich vor She Angeficht, und flehe Sie 
mit blutendem Herzen an, Ihre gütige Hand nicht 
son mir abzuziehen, die mich feit Jahren aufrecht 
erbielt, wenn ich vor Verzweiflung und Elend dar⸗ 
sieder finfen wollte. Wehe mir! wenn ich es ohnc 
die dringendfle Nothwendigkeit wagen könnte, Ihe 
gefühlvolles Herz aufs neue anzufprechen; wehe mir! 
wenn ich je Ihre Süte mißbrauchen koͤnnte. Meine 
Thränen firdömen auf dies Papier; heiße Seufzer 
fleigen aus meiner Gruft. Erbarmen Sie fih meis 
ner! Seyn Ste noch dies Mal mein Schugengelt 
Sott wird ein Vergelter ſeyn. Stuͤndlich wird ’für 

Sie und Ihrer lichen Familie Wohlfahrt betend auf 
feinen Knieen Itegen WBRb 
der ungluͤckliche 
N. | 





Vl.Bewer⸗ 


Bewerbungsbriefe, Bewerbungsſchreiben. 





Men bewirbt fich um irgend etwas: Wenn man 
ſich Muͤhe giebt, durch fchiekliche Mittel zu dem Bes 
fige defielben zu gelangen, und ſich deswegen Ders 
jenigen Perfon mittelbar oder unmittelbar. gefällig 

u machen fücht, von welcher man die Erfüllung 
eines Wunſches zu hoffen und zu erwarten hat. 
Aus dieſen Begriffen erhellet zwar allerdings, daß 
diefe Gattung von Briefen in die Klafle ber Bitt⸗ 
ſchreiben zu ftellen fey, fich jedoch von diefen Dadurch 
anterfchetde, daß man die befondern Eigenfchaften 
und Fähigkeiten, welche zur würdigen Erlangung 
and Behauptung defien, warum man fich bewirbt, 
erforderlich find, darlegt, fo daß derjenige, von dem 
wir wuͤnſchen, daß er fein Augenmerk auf uns richte, 
in den Stand gefege wird, über uns ein günfliges 
Urtheil zu fällen, und unſern Wunſch zu befriedigen, 
wenn dieſes in feiner Willführ und unbebingten 
Gewalt fiehet. So bittet man z. B. um eine 
Sulage, eine Wohlthat ıc.: aber um die Hand eines 
Mädchens, um Kundfhaft zu erhaltenze,, reicht man 
Sein Bittſchreiben ein, fondern man bes 
wirbt fih darum, | 

Redlichkeit, Aufrichtigkeit und Befchetdenheit 
muͤſſen daher die KHaupterforderniffe des Vortrags 
Liefer Briefe ſeyn. Bent man erftere hintenan, und 

vers 


\ 


- 3% — 


vergeht Mich fo fehr, daß die Mittel, die man, fe 
nen Zweck zu erlangen, anwendet, nicht fireng 
zedlich find, wenn fie auch noch fo ſchicklich und 
fogar nicht ganz miderrechtlich feym follten : fo verfcherzt 
man fi, fobald dieſes entdeckt wird, die Achtung, 
Die uns nur allein das nöthige Zutrauen gewinnen 
kann, and verleger fein Gewiſſen. So wie uns nur 
Die wahre Befcheidenheit liebenswärdig macht: fo 
wird man fl gegentheils durch Anmaßlichkeit ver⸗ 
aͤchtlich machen, und ſich ſelbſt von dem Kerzen ſei⸗ 
ner Goͤnner zuruͤckſtoßen. Doch darf die Beſchei⸗ 
denheit nie in Kriechere i ausarten: denn duch 
diefe beleidiget mau feine Selbſtwuͤrde, und verlſen 
die Achtung der beſſern Menſchen; fo wie men ba 
durch den Stolzen um fo mehr anteizt, ſich ben 
thig zu erheben, und uns, er gewäßre unfern Wunſch 
oder nicht, fehr empfindlich zu demuͤthigen. 
Uebrigens find alle oben bet den Bittſchreihen 
gegebenen Regeln auch Hier wieder anwendbar. 





195, 
Schreiben ded Verwalterd A. an ben Brafen 
von H., daß er ihm bie auf dem gräflichen Gute 
erledigte Berwalterfielle anvertrauen möge, 


Hochgeborner Reichsgraf, 
Gnaͤdiger Reichsgraf und Herr! 

Zwoͤlf Jahre lang ‚hatte ich die Guade, als 
Verwalter auf den Sütern des Deren Sammerheren 
v. P. angeftellt zu fepn. -Der Here Kammerherr, 
mein gnädiger Goͤnner, bat aber, wie Em. Hochs 
reichsgraͤflichen Gnaden bekannt feyn wird, feine 
Güter in S. verfauft, und die neue Serrfchaft iſt ges 
fonnen, diefe zu verpachten, und folche ferner nicht 
verwalten zu laſſen. Em. Hochreichsgraͤfl. Gnaden 
haben auf Hochderoſelben Gute zu W., wie. “ pr 
u fah⸗ 


- 10. 


Erfahrung gebracht Habe, eine Veraͤnderung mit 
Ihrem feitherigen Verwalter befchloflen ; dien macht 
mich fo kuͤhn, Em. Hchreichägräfl. Gnaden meine 
unterthaͤnigen Dienſte anzutragen. Da ich aber die 
Gnade nicht genieße, Hochdenenſelben genau bekannt 
zu ſeyn: fo. wage ich es, mich. der Erlaubniß des 
Kerzen. Kammerheren v. P. zu Bedienen, und. mid) 
auf deſſen bereits bei Em. Hochreichsgraͤft. Snaden 
- für mich eingelegtes empfehlendes Fuͤrwort, als auch 
insbeſondere auf das von dem Herrn Kammerherru 
. eigenhändig ſchriftlich mir ertheilte guͤnſtige Zeugniß 
zu beziehen, welches ich dieſer meiner unterchänigen 

"Bitte hier beizufügen ‚mich unterfianden habe. Wäre 
. I fo gluͤcklich Ew. Hochreichsgräfl. Gnaden Begiädten 
Des Zuftrauen zu erhalten: fo wärde ich diefen Bors 
‚jug mit der tiefften Verehrung zu erkennen mir zue . 
wichtigſten meiner Pflichten machen; und alle meine 
Kraͤfte anfbieten , diefes gnädigen Wohlwollens fo 
würdig als möglich zu werden: Mon dem, was ich 
zu leiften im Stande bin, gebietet mie die Be 
fcheibenheit zu fchweigen: da tch mich auf die Zus 
friedenheit, deren ich mich Yon dem Seren Kam⸗ 
merberen zwölf Jahre lang ununterbrochen erfreute, 
Berufen darf. So glücklich ich auch in meinen ches 
maligen Verhältniffen war: fo wuͤrde ich doch deu 
Höchften meiner Wuͤnſche erzielet Haben; erlaubten 
GSit mir gnaͤdiger Here Reichsgraf, mit der tief 
ſten Ehrerbietung mich nennen zu dürfen “ 

Em. Hochreichsgräfl. Gnaden 


unterthaͤnigen Diener 
N. oo 





- 376 - 


J 9 194. | u 
Der Schreiber 2; bitter den Amtmann D., he 
ald Kopien im Amte anzuſtellen. 


Wohlgeborner, 
Hoͤchſtgeehrter Herr Amtmann! 

Seit neun Jahren ſtehe ich in des hieſtgen 
Rechtskonſulenten des Herrn Doktor Ewalde D 
ſten als Schreiber. Jetzt, da die Stelle des rl 
piften in dem Amte zu W. erledige worden iſt, wage 
ih es, an Em. Wohlgeb. meine gehorfanfte Site 
gelangen zu laſſen, mich dieſer Stelle zu würdigen. 
Usber meine Bähigkeit.fowohl, als Aber mein fitts 
liches Betragen ſchmeichle ich mir von dem Herrn 
Doktor Ewald ein für mic gänfliges ‚Zeugniß ers. 
haiten zu können: da er mir fehr oft verfichert Hat, 
zu meinem beſſern künftigen Fortkommen alles beis 
tragen zu wollen, was in feinen Kräften flche. 
Mit der inuigften Dankbarkeit würde ih Ew. Wohl 
geboren als den Beförberer meines Gluͤcks verehren, 

und Ihre Zufriedenheit duch die firengfte Erfuͤl⸗ 

Iung meiner Pflicht. zu. verdienen, mein einziges. 

Beſtreben ſeyn laſſen, dee ich mit der aufrichtigfien 
werehruns mich nenne 

Ew. Wohlgeb: u 

ganz sehorfaniften | 


195. 
Ein ‚junger Menſch bietet fih Herrn A., dee 
weitlaͤuftige Gefchäfte zu beforgen hat, als 
Rechnungsfuͤhrer an. 
Hochedelgeborner, | 
Hochgeehrter Herr! 
Em. Hochedelgeb. fuchen für Ihre ausgebreites 


ten Geſchaͤfte einen Rechnungsfuͤhrer, der zugleich 
einen 


— 3m — 


einen Theil Ihrer Korrefpondenz ine folf,. ° 
würde zu viel von mir gewagt feyn, Ihnen * € 
ergebenften Dienſte anzubieten; da ich die. ‚Ehre 
nicht habe, Ihnen näher bekannt zu feyn: wenn 
ich mich nicht auf die Empfehlung des Herrn O. 
Berufen duͤrfte; und ich fhmeichle mir, daß Ihnen 
defien Zeugniß von einiger Siltigkeit ſeyn wird. 
Treue, Pünktlichkeit und Bleiß darf ih Ihnen von 
mir verfprechen; nicht minder werde ich: mir die 
moͤglichſte Aufmerkſamkeit zu meiner angelegentlichs 
fen Pflicht machen, um Ihnen das zu leiſten, was 
Sie von mir verlangen werden. Nicht aus eigens 
nuͤtziger Schmeichelei; fondern aus einem aufrich⸗ 
en Herzen ſtroͤmt mein Geſtaͤndniß hervor, daß 
* mir es zu einer beſondern Ehre anrechnen wuͤrde, 
Könnte ich fo gluͤcklich ſeyn, mich nennen zu bücfen 
Ew. Hochedelgeboren 


geherſamſten Diener 


| u 106, \ \ 
Der Schneidermeiſter * bewirbt ſich bei dem Bas 
ron v. F. um deſſen Kundſchaft und Arbeit. 
Hochwohlgeborner Herr, 
BGbnaͤdiger Herr Baron! 


Geit achte Tagen iſt der hieſige Schneidermei⸗ 
ſter L., welcher die Gnade hatte, für Em. Hoch⸗ 
wohlgedoren zu arbeiten, mit Tode abgegangen. 


WVerzeihen Ew. Gnaden daher: wenn ic) es wage, 


mich Denenfelben bei diefer Gelegenheit unterthänig 
zu empfehlen. Inwiefern ich im Stande feyn kann, 
Ihren Befehlen Genuͤge zu leiften, muß ich freis 
ich der Zutunft und Ew. Hochwohlgeb. gnaͤdigem 
Zutrauen überlaffen: doch barf ich mir fchmeicheln, 
ohne die Beſcheidenheit zu ‚beleidigen, Ihres gnäs 
digen Zutrauens nicht ganz unwuͤrdig zu ron; t Ins 


m 318 — 


vom Ih felt einigen Jahren ſchon die Guabe 
niefe, für den Grafen von W., für 
n Baron 4., und für neh rere 
ſchaften zu arbeiten. Durch bie ſchnefſte 
derung und geſchmackvollſte Nettigkeit bei der 
Guaden zu lieferuden Arbeit, verbunden 
moͤglichſten Billigkett, werde ih mir Em. 
Zufrietenheit zu erwerben fuhen. Der id | 
fer Ehrerbietung erflerbe " 
ET Em. Hochwohlges. 
unterthänigftee Dienst 
N. 


SEES 


she 


. 197. 

Die Wittwe des Schueidermeiſters B. an den Sur 
ftizamtmann 3. Sie bewirbt fih um bie Fort 
Dauer feiner Kundfchaft nach dem erfolgten 
Abſterben ihres Mannes. 

Wohlgeborner Herr, . 

Hoͤchſtgeehrter Here Amtmann ! 

Mug tiefſter Wehmuth zeige ih Ew. Wohlgeb. 
den am fünften dieſes erfolgten Tod meines Diam 
nes an. Ich wärde untröfttich ſeyn: dürfte Ich 
mir nicht ſchmeicheln, Daß die verehrungsiwärbigen 
Goͤnner des Verſtorbenen, mir, feiner binterlaffenen 
Wittwe, Ihr gätiges, ehrenvolles Zutrauen no 
ferner ſchenken würden. Deshalb bin ich fo frei, 
Ew. Wohlgeb gehorfamft zu bitten, mich ferner 
noch, wie Sei meines fellgen Mannes Lebzeiten, 
mir Ihren gütigen Aufträgen zu beebren: indem 
mich ınein Sohn, der die Zufriedenheit feines Was 
ters fich längft erworben, und feit geraumer Zeit 
als Geſelle an feiner Seite gearbeitet bat, unters 
lügen, und alles für mich thun wird, um uns dies 
fer Ihrer uns gegoͤnnten gütigen Aufmerkfamkelt 
fo würdig zu machen, als in unfern Kräften rede. 


— 51 — 


Dieſelbe tuͤchtige Arbeit, dieſelbe Billigkeit, dieſelbe 
ſchnelle Förderung und Genauigkeit in der Erfüls 
Iung Ihrer Aufträge, wie Ste folge feicher von 
uns gewohne waren, follen auch fernerbin unfre 
angelsgentlichfie Pflicht feyn. In der angenehmen 
Erwartung, daß meine Bitte einer geneigten Er⸗ 
hoͤrung gewärtig ſeyn darf, verbleibe ich mit der 
tiefſten Verehrung | 
Ew. Wohlgeb. 
ganz geborfamfte, . 
die Wittwe Joh. Gottf. Werners. 


498. 
Ein junger Handwerksmann bewirbt ſich um die 
— der Tochter eines auswaͤrtigen Mei⸗ 


rs.*) 


Werthgeſchaͤtzte Freundin! . 

Zuͤrnen Ste nicht uͤber meine Freiheit, daß ich 

es wage, an Sie zu ſchreiben. Gern haͤtte ich es 
fhon gewagt, ald ich das lege: Mal das Vergnuͤ⸗ 
gen datte, in Ihrer Sefellfchaft au feyn, Ihnen 


| mänds 
*) Möchte doc bei den Briefen diefer Urt nur einzig 
die Sprache des Nergens und der wahren —* 
dung das Wort führen. Leider aber verleitet die 
unfelige Romanenieferei, die nun auch zur Seuche 
der niedrigften Stände gewurden iſt, fehr oft die 
„ jungen Münner zu Ausdrüden und Wendungen, die 
faft an Narrheit gränzen. Moͤchten Re doch glauben 
iernen, daß, meinen fie ed wahrhaft redlich, eine eins 
fache ungefünftelte Sprache ihren Charakter beſſer 
und treuer darftellen werde, als aller erborgte bunte 
Schmuck, den fie oft fo verfehrt anbringen, und der 
Be in den Augen gebildeter Menſchen lächerlih mar 
hen muß. Möchten doch alle junge Männer in dies 
fer Lage genau erwägen, dab fie durch dergleichen 
ünfteleien ſowohl einen Betrug an fie felbit,, is 
auch an dem Gegenflande begeben, der wenigfiens 
von ihnen Wahrheit fordern kann, da fie von ibm 
ungebeuchllte Treue und Aufrichtigkeit verlangen, mo⸗ 
von beide Theile einzig das Bl, Die Freuden gnd die 
" Bufriedenheit ihrer Tage erwarten fonnen, 


, 
— 380 — 


muͤndlich die Verehrung zu erkennen zu geben, die 
ſeit geraumer Zeit, und von dem Augenblicke an, 
als ich Sie kennen lernte, mein Herz fuͤr Sie fuͤhlte. 
Theils hielt mich aber eine gewiſſe Schuͤchternheit, 
theils auch meine innere Achtung vor Ihnen zuruͤck, 
um Ihr Zartgefuͤhl nicht zu beleidigen. Was einem 
indes zu ſchwer wird, muͤndlich zu ſagen, das laͤßt 
ſich oft leichter ſchreiben. Zwar fehlen mir die 
Worte, mich ſo auszudruͤcken, wie ich wuͤnſchte: ich 
bin aber von Ihrer Seelenguͤte fo ſehr uͤberzeugt, 
als daß ich fürchten ſollte, mir Ihr Mißfallen zus 
zuziehen, wenn ich Ihnen ein Geſtaͤndniß eröffne, 
das den Gegenſtand meiner hoͤchſten Wünfche ums 
faßt. Meine Häusliche Einrichtung erfordert: eine 
Gefaͤhrtin, die mit Liche und Treue, vereint mit 
mir, die [hönen Freuden des Bürgerglüds fchäße, 
und mit mir auf einen Zweck ihre edles Beſtreben 

Binrihte. Mein Herz. fagt mir, daß ich Diefes 
Stüds nur dann erſt theilhaftig werden kann, wenn 
Sie, verehrte Freundin, eine gleiche Neigung‘ zu 
mir ‚fühlen, und mich zu dem zufriedenften der 
Männer machen wollten. Ich Habe, Gott fey Dank! 
mein gutes Auskommen, und verlange von derjents 
gen, die mich begluͤcken kann, nichts, als ein Herz 
soll Liebe. Weber meine Denkungsart und meinen 
Charakter darf ih Ihnen nichts fagen: aber das 
darf ich Ihnen dreift verfprechen, daß ich das Gluͤck, 
von Ihnen wieder geliebt zu werden, über alle Guͤ⸗— 
ter der Welt feßen, und es mit dem heißeften Dante 
erkennen und verehren würde. Geben Sie mir das 
zu einige Hoffnung (am fchäsbarfien wäre mie 
eine Erklärung von Ihnen felbft): o dann follen 
Sie ſich gewiß Überzeugen, wie wichtig mir. der 
Wunſch feyn, und es durch mein ganzes Leben bleis 
ben wird, Ihre Liebe und Ihr Zutrauen immer 
mehr und mehr zu verdienen. Glauben Ste nber, 
daß es rathſamer fey, mir Ihre Erkiärung duch 
; Zu einen 


U) 38 ı aukiin 


einen dritten Mann zu eröffnen: fo bitte ich Sie 
ergebenft, Ihren mir fo ehrwuͤrdigen Vater dazu 
audzuerwählen, dem ich mein Herz offenbart habe? 
und der Ihnen dieſen Brief von mir einhändigen 
wird. Mit Bitten will ih Ihr edles Herz nicht 
beſtuͤrmen; Lieber wollte ich ungluͤcklich feyn, als 
daß ich mir den Vorwurf’ machen follte, Sie zu 
einem Schritte überredet zu haben, von dem da& 
Wohl oder Wehe aller unfter Lebenstage abhängt. 
Kann fi) Ihre Liebe, von der ih-wänfhe, daß 
fie mehr das Wert einer ruhigen Ueberlegung , ale 
einiger leidenſchaftlichen Augenblide feyn möchte, 
freimuthig für mich erklären ; glauben Ste, daß ih 
der Dann. fey, mit dem Sie eben fo gut die Leis 
den des Lebens, ‚von welchen Bein Menſch befreite 
iſt, als dte Freuden deflelben rragen könnten: wohlan ! 
fo thun Sie ed, und rehnen Ste auf meine dank⸗ 
barſte Freude. Sollte aber Ihr Herz in meine 
Waͤnſche nicht ſtimmen Binnen: o fo bitte ich Ste, 
mir diefe für mich harte Entfcheibung nicht zu lange 
vorzuenthalten; um mich nicht in einer Ungewißheit 
zu laflen, die peinlicher für mich, als die fchnellfte 
. abfchlägige Antwort feyn würde. Kalten Sie ſich 
‚auf keinen Fall an die gefahruolle Hoffnung, daß 
Ah einft noch wohl Ihre Meigung für mich erklaͤ⸗ 
ten könnte: denn leider täufcht fich das Herz im 
keinem Falle ftärker, als in diefem. Iſt es Ihnen 
unmöglich, die liebevolle Gefährtin meiner Tage 
werden zu können: fo halten Ste mich wenigftens 
Shrer fernen Freundſchaft würdig; auch diefe fchon 
werde ich für ein bedeutendes Städt halten. Ver⸗ 
zeihen Ste diefer meiner Offenherzigkeit, ich bitte 
Sie nochmals darum: ich hielt fie aber für die 
Pflicht eines revlihen Mannes, der ſtolz darauf 
tft, ih wentgfiens nennen zu dürfen 


ven 
aufrichtigen Verehrer N. 
189. 


un g 
F 38 


.. 290. 
Derſelbe junge Handwerksmann ſchreibt an den 
Vater der Tochter, um deren Hanb er fich 
bewirbt. 


Hochedler, 

Hochgeehrter Herr! 

Das freundſchaftliche Zutrauen, das Sie gegen 

mich aͤußerten, als ih noch in O. war, we id 
manche frohe Stunde an Ihrer Seite verliebte, giebt 
mir Much, Ihnen mein Herz zu eröffnen. Daß 
mie das Meifterrecht Hiefigen Orts ertheilt worden 
iſt, Habe ich Ihnen bereits gemeldet. Daß ich mie 
ein ganz artiges Häuschen gekauft babe, und daß 
ich in eine ſtarke Kundfchaft gekommen bin, zeige 
ich Ihnen jest an: da ich aͤberzeugt bin, wie gätig 
Sie an meinem guten Fortkommen Theil nehmen, 
Allein um mein Gluͤck ganz zu vollenden, fehle mie 
doch noch immer ein Etwas, dis — doch Sie wer 
den .fehr leicht errathen, was ich auf dem Herzen 
habe. Von Mode zu Woche werde ih es mehr 
und mehr gewahr, daß eine Wirthſchaft, wie bie 
meinige,, ohne Tran kaum beftehen kann; und ich 
fühle mich in bis Nothwendigkeit verfegt, mir eine 
- Gattin zu fuchen. So viele artige Mädchen es hier 
gu Lande gibe: fo hegt doch mein Herz gegen keins 
eine innige Zuneigung, gegen keins eine Wahre 
Liebe. Vielmehr überzenge ich mich täglich ſtaͤrker, 
daß ich an keines Mädchens Seite fo glücklich ſeyn 
würde, ald an der — Ihrer liebenswürbigen , von 
mir innigft verehrten, diteflen Jungfer Tochter. 
Es iM mir unmöglich, diefes Geſtaͤndniß länger auf 
meinem Herzen zu behalten, und ich bin fo frei, «6 
Ahnen anzuversrauen. Veiltegender Brief, ben ich 
aus guten Abſichten nicht verfiegelt habe, erklärt 
Ihrer Lieben Tochter die Empfindungen, bie mein 


ne 


N 


— 383 — 


detz für ie erfüllen. Fuͤr meine’ Liebe burge 


Ihnen und ihr; für ein gutes Austommeh eben⸗ 
falls. Aut rechne Ich auf keine reichliche Mitgift: 
. ba, Sort fey Dank, mein Hausweſen ziemlich vol. 
. fändig eingerichtet ifl. Aber Sie werden Vedehz 
Pen tragen, Ihre liche Tochter fo weit von fidy 
ziehen zu laſſen; und ih ninf freilich ſchweigen 
wenn nicht die Liebe für mich ein Woͤrtchen fpricht. 


gern fey es von mir, Ihnen durch große Ver. 


ſoprechungen zureden zu wollen; eben fo fern fey es 
"von mir , Sie zu vermögen, Ihrer Tochter Herz 
für’ mich durch Zuredungen einzunehmen. Kann fie 
mir ihre Liebe nicht mit dem freieften Willen und 
der tnnigften Zuneigung 'getvähren: fo will ich lies 
Ber. anf den: Beſitz ihrer Hand, fo ſchwer mir dies 
ſes auch werden müßte, auf immer. Verzicht Leiften, 
Sie find ein eben fo guter, als verfändiger Va⸗ 
ter; gi nen empfehle ich mein Schickſal beſtens. 
e Sie auch diefe angelegentlichfte Sache meines 
_ Herzens, und biefe meine: hoͤchſten Wänfche leiten‘ 
werden: fo follen Sie doch jederzeit meines tunie:' 
ſten Danks verfihert feyn. Uebereilen Sie fich nicht: 
aber Halten Sie mich auch nicht mit ungemiflen: 
Hoffnungen Hin; went Sie fi) uͤberzeugt haben, 
Daß entweder Ihrer lieben Tochter Herz einem ans: 
Bern ſchon gehöre, oder daß fie für mich die innige 
ung nicht empfinde, die einzig nur eine Ehe- 
Haft zufrieden und gläcdich machen kann. Sie 
beleidigen mich nicht, falle auch Ihr Jueſpruq aus, 
wie er wolle. Sollte Ihnen meine Bitte nicht 
annehmbar ſeyn: fo verſpreche ich mir doch von 
Ihren guͤtigen Geſinnungen, daß Sie wenigiteh®- 
meinen Ihnen anvertrauten Wunfch nicht gegen ats 
dere werden laut werden laflen, die davon Miß⸗ 


Brauch machen könnten. Wenigſtens fürchte ich von - 


- 


Ihnen nicht, daß Sie auf eine folde Weiſe meine 


Ehre kraͤnken Finnsen. Empfehlen Ste mid Ih 
oo ar 


zer würdigen guten Fran auf das befle. Gott, was 
koͤnnte wohl über die Freude gehen :. wenn mir mein 
Wunſch gewährt wärde, und ich Sie und Shre von 
mir verehrte Gattin Aeltern nennen dürfte! Leben 
Sie. wohl, und nehmen Sie meine innigfte Be— 
theurung an, daB mich nur die redlichſten Abſich⸗ 
ten bei dieſer meiner Bitte leiten; und daß ich 
mit der wahreſten Hochachtung mich zeitlebens nens 
.. Sem . 
| dankbar ergebenften 
| 200, 

Ein junger Wittwer bewirbt. fih um. bie 
eines ledigen Frauenzimmers. a 


Werthgeſchaͤtzte Mamſell! — 

Es iſt Ihnen gewiß bekannt, daß ih ſeit 
einem Jahre fo ungluͤcklich war, meine liebe Fran 
ſehr frühzeitig durch den Tod zu verlieren. &s 
traurig diefer Verluſt für mich war: fo noͤthigen 
mich jedoch meine häuslichen Beduͤrfniſſe, mir eine, 
zweite Sefährtin zu wählen, von deren edeln Ges 
finnungen ich Äberzeuge feyn kann, und. von dee. 
ich es erwarten darf, daß fie die Freuden meiner 
Tage wieder herftellen, und die Beförderin und Er⸗ 
Halterin meines feitherigen Wohlftandes feyn werde, 
Und auf wen koͤnnte meine Wahl glücklicher fab 
In, als auf Sie, die ich Längft fchon im Stillen 
mit vedlicher Liebe verehrte? Verzeihen Sie mei— 
nee Offenherzigkeit, die Ihnen ohne Umſchweife 
verräth,, was in meinem Herzen vorgeht. Zwar 
fehe ich fo manche Bedenklichkeiten voraus, die ſich 
meiner Bitte von Ihrer Seite entgegenftellen wer⸗ 
den, worunter jeboch diefe die größte ſeyn möchte, 
daß Sie. ſchon Mutterſtelle an zwei Kindern vers 
treten 


ten follen: aber erlauben © mie, daß ich eine = 


age an Ihr gefühlvolles Herz wagen darf. Sollte 
: Gedanke, eine Wohlthaͤterin an zwei fo unfchuls 
en Sefchöpfen werden zu können, wovon das eine 


i, and das andere noch nicht zwei Jahr alt iſt, 


be die Beſorgniß über Beine Unbequemlichkeiten 
en koͤnnen? Sind nicht die Seelen dieſer Kin⸗ 

noch ſo zart, daͤß ſie dem Wachſe gleichen, das 
m Eindruck annimmt? Sollten Ste alſo wohl dei _ 
er. guten Erziehung ‚. die Sie ihnen’ gewiß geben 
tden, von ihnen einft Undank für. Ihre Wohl⸗ 


ten befürchten dfrfen? So. glüclich mich die. - 
be einer Gattin machen würde: fo ſehr Bunte 


mein Stück erhöhen, wenn fie mich zugleich als 
hithaterin an meinen Kindern, und Diefes iſt 
rechtſchaffene Erzieherin, verbinden wuͤrde. Ich 
heure Ihnen, kein Opfer würde für mich zu groß 
s ihr meinen ledhafteften Dank dafür zu erken⸗ 
s 38 geben. Zürnen Sie nicht Über mein inni⸗ 
‚Buteauen, das ich für. Ste, hoͤchſtgeſchaͤtzte Mam⸗ 
„ aufrichtigft hege: würdigen Sie es vielmehr 
er genauen Prüfung. Und fiele Ihre Entfcheis 
ig zu meinem Vortheile aus: wie gluͤcklich wollte 
mich ſchaͤtzen! Ich fchweige, um einft mehr lei⸗ 
r zu können, als ich jegt verſprach; Ich ſchweige — 
mir wicht den Vorwurf machen zu dürfen, Sie 
6 meine Ueberredungen gewonnen zu haben. In 
ſen Worten liegt mein Herz und mein Charakter; 
sten diefe Aeußerungen Sie Überzeugen , wie 
ig und mit dem aufrichtigften Herzen ich ſey 
Ihr 


wahrer Bade 





"5° Men 


vıL | 
Von Eunpfetungsfgueien und Fuͤrbitten. 


Auq diefe gehören eigentlich in die Klaſſe der 
Bittſchreiben: denn die Abſicht derfelden tft, einen 
von unfern bekannten Freunden xc. in das Woßb 
"wollen eines Dritten zu empfehlen, von deffen güs 
tigen Sefinnungen wir voraus überzeugt ſeyn kon⸗ 
nen, daß unfere Vorftellungen von einigem Gewichte 
bei ihm feyn werden. Daraus folgt nun ganz natär 
lich, daß wir die Perſon, die wir empfehlen unb 
für die wir Bitten wollen, genau kennen und vor 
ihr uͤberzeugt ſeyn mäflen, baß fie diejenigen guten 
Eigenſchaften wirklich befige, wodurch fie fh die 
Sunf und das Wohlwollen unfrer Freunde umd - 
Goͤnner erwerben fol. Wer jemanden empfiehlt 
macht fi) verantwortlich, Daß der Empfohlene das 
Ieifte,, was man vom ihm verfprochen Hat. Leiſtet 
er es nicht: fo ſetzt man ſich in die Gefahr, daß 
man darüber in Anfpruch genommen wird. - 
wird daraus ganz natürlich einfehen, wie behutſam 
man bei jeder Empfehlung zu Werke gehen muͤſſe. 
Eden fo genau muͤſſen wir aber auch denjenigen Pens 
nen, an welchen wir uns mit unferer Empfehlung 
wenden. Empfehlungsfhreiben finden eigentlich nur 
unter guten Freunden Statt, und find dem Serins . 
gern nie gegen den Vornehmern erlaubt; ausgenoms 
men der  Bornehmere habe den Geringern dazu Pi 
gefor⸗ 


3 


397 u 


gefordert, oder eine nähere Verbindung bes Vor⸗ 
nehmern mit dem Geringern geftatte ihm dieſe ohne 
alle Bedenklichkeit. Der Seringere würde für fehr 
unhöflich von dem Wornehmern gehalten werden, der 
es wagen wollte, ehne diefem genauer und vortheils 
daft bekannt zu feyn, ihn mit den Empfehlungen 
eines Andern zu beläfligen,, den er eben fo wenig 
kennt. Statt des gehofften glücklichen Erfolgs würde 
er ganz gewiß einen nachdruͤcklichen Berweis zu ers 
warten haben. Wenn 3. B. der Banquier R. ind, 
Ben. Kaufmanne und Kommerzienrath H. in ®. für 
deſſen Komptoir einen jungen Menfchen empfiehlt: 
ſo wird ihm das weder für eine Beleidigung, noch 
für eine Alnfchicktichkeit ausgelegt werden koͤnnen. 
Wollte aber der Schuhmachermeifter Kneif feinen 
Pathen dem Herrn Kommerzienrathe enipfehlen, ohne 


. daB der Kommerzienrath den Meifter Kneif und 


deſſen Pathen zuvor genauer gekannt hätte: fo würde 
Bas: mehr als lächerlich feyn. — Berner Hüte man 
ſich, das Lob defien, den man empfehlen will, zu 
üdertreiben : denn man geräth dadurıh gar leicht in 
den Berdacht der Partheilichkeit; auch erſchwert man 
es dem Empfohlnen, den von ihm erregten Erwars 
tungen Genüge zu leiften. Und wie leicht kann 
man Ihm auf folche Welle ſchaden! Beſſer iſt es, 
man fpricht ganz befchetden von Ihm. ‚Leiflet er dann 
mehr, als man durch unfere Brfprache von ihm zu 
sewarten berechtiget war: fo wird der Vortheil ber 


ſtimmt auf feiner Seite feyn. 


Alles, was hier über die Empfehlungsfchreißen 

gefagt worden ift, gilt auch von den Fuͤrbitten. Wenn: 
en Geringerer an einen Vornehmern für einen 
Dritten eine Fürbitte wagt, ohne daß Ihn diefer 


genau kennt: fo wird es ihm uͤbel ausgelegt werden," 
nud wenn feine Abſicht noch fo gut, und der Anı 


trag noch fo ehrend wäre. Insgemein haͤlt man 


Inder I: fogar auch die un für Unglauͤckliche | 
er 2 


Air 


= 
—* 


e 


(4 


u - z888— 

(ehe oft für eine umverfchAmte Bettelet. Wenn die 
Empfehlungsfchreiden in einem aͤußerſt gemäßigten 
Zone abgefaßt werden müflen: fo erlauben bie Bär 


Sitten hingegen eine etwas lebhaftere Darftellumg, 
befonders wenn Scenen des unverfchuldesen Ungläds 


und Eiends den Gegenfiand. derfelben ausmachen. 


Mur nehme man auch bier wieder auf das Tems 
perament und den fittlichen Charakter desjenigen 
Ruͤckſicht, an welchen man fich mir feiner Vorftel⸗ 
(ung wendet, und befolge die Erinnerungen ‚:: Die 


bei Belegenheit der Birrfchreiben mitgetheilt wors - 


den find. Nicht minder find die meiften in ber 
Borerinnerung über Bittſchreiben gegebenen Regeln 


‚ bier ebenfalls wieder anwendbar. — 


\. nt 
⸗ 


201. 
Der Fabrikant P. empfiehlt dem Kaufmanne H. 
ſeinem Handelsfreunde, einen jungen Menſchen 
fuͤr feine. Handlung. 
Hochgeehrter Herr und Freund! 


Von Ihren gütigen Geſinnungen gegen mich 
überzeugt, erfuͤlle ich den Wunſch eines meiner fehe 


guten Freunde, bei Ihnen, da er ein ganz befom 


deres Zutrauen zu Ihnen hat, ergebenſt anzufra⸗ 
gen: ob Sie ſich wohl geneigt finden laſſen würden, 
feinen Sohn als Lehrling in- Ihrer Handlung ans 
zunehmen. Kennte ich den jungen Menfchen nicht 
eben fo genau wie feinen Water: fo würde ich. ©te 
mit dieſer Anfrage auf jeden Fall verfchone haben, 
Da ich Ihnen aber gewiſſenhaft verfihern kaun, 
daß dieſer wohlerzogene und geiftvolle junge Menſch. 


der zum Kaufmannsſtande einen ganz vorzüglichen. 


Trieb bat, Ihrer Aufmerkfamkeit nicht unwaͤrdig 
ſeyn duͤrfte; ſo hahe ich 


4 er 
„4 


— 


keinen Auſtand genommen, 
ae ‚Ionen 


J 


ghaen ſolchen beſtens zu empfehlen. Er IR vier⸗ 
zehn Jahr alt, hat einen guten Wuchs, iſt geſund 
und vortheilhaft gebildet. Er fchreibt eine recht 


: niedlihe Hand, dte fi gewiß: fehr bald bei mehr: - 


Webung vorzüglich auszeichnen wird; er rechnet brav 
für fein Alter, und dabei zugleich auch geſchwind; 


auch ift er der franzöfifchen und .englifhen Sprache - 


nicht ganz unfundig. Bei einer guten Anleitung: 
und unter einer verfländigen Aufſicht wird er gewi 
: feinem erwählten Stande einft Ehre machen. Un 
wo koͤnnte er eine beflere Anleitung, als bei Ihnen 
erhalten? Der Vater verſteht fi rechte gern zw 
einigem Lehrgelde , und bedauert nur, daß er, da - 


or noch für drei Kinder zu forgen hat, wovon der 


von mir empfohlene Knabe das Altefte iſt, niche 
noch mehr für diefen thun kann. Voraus darf ich 
Ihnen, werther Freund, verfprechen, daß Sie dies 
fen braven Vater Ihrer Achtung wuͤrdig halten ' 
‚werden, fobald Sie ihn näher werden kennen ge 
ferne haben. Non dem jungen Menichen ſelbſt bin 
ich Überzeugt, daß er feine der von ihm geheaten 


Doffnungen zu Schanden mahen wird. Jh ers . 


Warte darüber Ihre gütige Beflimmung; und giaube, 
daß mir diefe Empfehlung nie zum Vorwurfe ger 
- zeichen foll, des ich Übrigens mit volltommen ſter 


NHochachtung verharre 
Ihr | 
ergebenſter Freund und Diener 


N“ 





202. 


. 208; u 
Meiſter 3. empfiehlt dem Meiſter D. einen jun 
. gen Menfchen aus einer angefehenen Familie 
‚zum Lehrburſchen. 


Lieber Meiſter D., 
Werthgeſchaͤtzter Freund! 

Sie aͤußerten juͤngſt, daß Sie einen guten 
Lehrburſchen au haben wuͤnſchten, und forderten 
mich auf, Ihnen dazu behuͤlflich zu ſeyn. Sch Habe 
mir die mögliche Mühe gegeben; und freue mid 
un, Ihrem Wunfd , fo viel ich dabei vermachte, 
Genuge leiften zu können. Der ättefte Sohn uns 
fees Herrn Rathsſchreibers, ein Knabe von vier 


zehn Jahren, wuͤnſcht ein Handwerk zu lernen: da 


er weder zum Studieren Luft hat, noch auch ein 
Kaufmann werden will. Der Vater läßt ihn feine 

Meigung, Ich wandte mich deshalb an denfelden; 
und zu meiner großen Freude finde ich, daß diefer 
junge Menſch zu Ihrem Handwerk die meiſte Luſt 
äußert. Der Water, der ein befonderes Zutrauen 
au Ihnen bat, würde es daher recht gern fehen: 
wenn Sie feinen Sohn in die Lehre nehmen weil 
ten. Kehren Sie ſich nicht daran, daß diefer ein 
vornehmer Dann tft; th kenne ihn genau und 


Babe mich volltommen überzeugt, daß er, fern vor 


allem Stolz, den Menfhen mehr nach feinem Ins 
nern Werth, als nad feinen Aäußerlichen Verhaͤlt⸗ 
niſſen ſchaͤtzt, und Deswegen jeden Stand in Ehren 
Hält, Kraft und Geſundheit zeichnen des jungen 


Menfchen gewandten Körper, guter Wille und - 


Tugend fein Herz aus. Auch bat der Vater die 
von feinem Bohne felbft erwählte künftige Beſtim⸗ 
mung nie aus den Augen gelafien; nnd es tft kei⸗ 
neswegs zu fürchten, daß er ihn verzärtelt haben 
ſollte. Ueber die Bedingungen, unter welden Sie 


feinen | 


— — 


aid 591 „— 


feinen Sohn im bie dehr⸗ zu nehmen twänfchten, 

würde fich noch fprechen laflen; und ich Hoffe, beide 
Theile werden zufrieden geftellt werden können. ' Ha⸗ 
Ken Die das Zutrauen zu mir, baß ich mit dem 
Herrn Rathsſchreiber darüber näher ſprechen ſoll: 
fo geben Ste mir Ihre Meinung beſtimmt zu ers 
kennen; und verlaflen Sie fi) darauf, daß ich Ihnen 
auch bei diefer Gelegenheit zeigen werde, wie. fehr 
ich mie es zum Vergnügen mache, Ihnen dienen 
und beweiſen zu können, wie ſehr ich ſtets wuͤnſche 


9 feyn 
| She 
aufrichtiger Freund und Diener 


203. 
Enpfehiungs (reiben an einen guten Freund 
für einen jungen Menſchen, mit der Bitte, 
dieſen bei feiner Reife durch D. wohl aufzu⸗ 
- nehmen, ihn den Aufenthalt dafelöft fo anges 
nehm ald möglich, und ihn mit allen Merks 
würdigfeiten der Stadt und der umliegenden 
„Gegend bekannt zu machen. 


Schaͤtzbarer Freund! 

Der junge Itebenswürdige Leberbringer diefes 
DBriefs iſt der Sohn meines innigften Freundes. 
Sehr lange ſchon wuͤnſchte er, D. und die Merk 
wuͤrdigkeiten diefer Stade nebft der umliegenden Ges 
gend zu fehen. Sept freuet er ſich, bei diefer Ge⸗ 
legenheit feinen Wunſch befriedigen zu können. Da 
es ihm aber, als einem Sremden in D., an 
Sannıfdaft fehlen muß: fo bin ich fo frei, Ihnen 
‚benfelben beſtens zu empfehlen. Wäre ich nicht ganz 

gewiß, daß er Ihrer Achtung und Aufmerkfamfeit 
würdig fey: fo würde ich Sie mit diefer Die be 
1* 0B ont 


/ 


— 2390 — 


⸗ 


20% u 
meiſter 3. empfiehlt deu Meifter D. einen jun 


. gen Menfchen aus einer angefehenen Familie 
.. zum Lehrburſchen. 


Lieber Meiſter D., 
Werthgeſchaͤtzter Freund! 

Ste dußerten juͤngſt, daß Sie einem guten 
Lehrburſchen au Haben mwänfchten, und forderten 
mich auf, Ihnen dazu behälflich zu ſeyn. Sch Habe 
mir die mögliche Wrähe gegeben; und freue mid 
un, Ihrem Wunfch , fo viel ich dabei vermochte, 
: Genüge leiften zu können. Der ditefte Sohn uns 


fees Heren Rathsfihreibers, ein Knabe von vier⸗ 


zehn Zahren, wuͤnſcht ein Handwerk zu lernen: da 
ee weder zum Studieren Luft bat, noch au ein 
Kaufmann werden will, Der Vater läßt ihm feine 
Neigung, Ih wandte mich deshalb an denfelden; 
und zu meiner großen Freude finde ich, daß diefer 
junge Menfh zu Ihrem Handwerk die meifte Lu 
äußert. Der Water, der ein befonderes Zutrauen 
zu Ihnen bat, würde es daher recht gern fehen: 
wenn Sie feinen Sohn in die Lehre nehmen weil 
ten. Kehren Sie ſich nicht daran, daß dieſer ein 
vornehmer Wann iſt; ich kenne ihn genau und 


Habe mich volltommen überzeugt, daß er, fern von 


allem Stolz, den Menſchen mehe nach feinem Ins 
nern Werth, als nah feinen dußerlichen Verhaͤlt⸗ 
niſſen fchägt, und Deswegen jeden Stand in Ehren 
Hält, Kraft und Geſundheit zeichnen des jungen 


Menfhen gewandten Körper, guter Wille und - 


Tugend fein Herz aus. Auch Hat ber Water bie 
von feinem Bohne ſelbſt erwählte künftige Beſtim⸗ 
mung nie aus den Augen gelaflen; und es ift kei⸗ 
neswegs zu fürchten, daß er ihn verzärtsit Gaben 
follte, Ueber die Bedingungen, unter welchen Sie 


feinen | 


_.- 


— 391 — 


feinen Sohn im die Lehre zu nehmen wänfchten, 
würde ſich noch fprechen laſſen; und sch Hoffe, Heide 
Theile werden zufrieden geftellt werden können. ' Has 
Ken Sie das Zutrauen zu mir, daß ich mit dem 
Herrn NRathöfchreiber darüber näher fprechen ſoll: 
fo geben Ste mir Ihre Meinung beſtimmt zu ers 
Tennen; und verlafien Sie ſich Darauf, daß ich Ihnen 
auch bei diefer Gelegenheit zeigen werde, wie ſehr 
ich mie es zum Vergnuͤgen mache, Ihnen dienen 
und beweiſen zu können, wie fehr Ich ſtets wuͤuſche 
1m ſeyn ' 

aufrichtiger Freund und Diener 


. ' 203. | | 
Empfehlungsfchreiben an einen guten Freund 
fuͤr einen jungen Menſchen, mit der Bitte, 
‚ biefen bei feiner Reife durch D. wohl aufzu⸗ 
nehmen, Ihn den Aufenthalt dafelöft fo anges 

nehm ald möglih, und ihn mit allen Merks 

würdigfeiten der Stadt und der umliegenden 
Gegend bekannt zu machen. 


Schägbarer Freund! 

Der junge liebenswuͤrdige Leberbringer diefes 
Briefe iſt der Sohn meines: innigften Freundes. 
Sehr lange ſchon wänfchte er, D. und die Merk 
wurdigkeiten diefer Stade nebft Der umliegenden Ges 
gend zu fehen. Jetzt freuet er fich, bei diefer Ge⸗ 
legenheit feinen Wunſch befriedigen zu können. Da 
6 ihm aber, als einem Fremden in D., an Be⸗ 
Launtſchaft fehlen muß: fo bin ich fo frei, Ihnen 
Denfelben beſtens zu empfehlen. Wäre ich nicht ganz 
gewiß ‚daß er Ihrer Achtung .und Aufmerkfamteit 
wuͤrdig ſey: fo würde ich Sie mit diefer Di en 
ÊL ont 


- 598 — 


ſchont Haben. Ohne die Beſcheidenheit zu beleitb 
gen, ohne mich des Vorwurfs einer Zudringlichkeie 
und einer zu großen Zumuthung fehuldig zu machen, - 
glaube ich Ihnen verfprechen zu dürfen, daß 
der Eurze Umgang mit diefem jungen Mann aus 
genehm feyn, und Ihnen den Wuncch ablocken wird, 
daß er länger in Ihrer Sefelifchaft verweilen möchte, 
als ihm feine Beſtimmung erlaubt. Freund! jede 
Sefälligkeit, ‚die Ste ihm erzeigen, erjeigen Sie 
mir; und fo ſehr Sie ihn felhft dadurch verpllichh 
ten werden, fo fehr machen Sie auch mich Ihnen 
verbindlich. Jede Gelegenheit wird mir willkom⸗ 
men feyn, Ihnen meinen lebhaften Dank dafür der 
zeigen zu Binnen. Sollte er irgend noch einen am 
dern Wunfch, als den, feine Wißbegierde zu befrtes 
digen, äußern: fo gewähren Sie ihm. auch dieſen, 
wenn Sie ihm dazu vehuͤlflich ſeyn Finnen. Sollte - 
er fogar mit feinem Gelde nicht ausreikhen : fo geben - 
®ie ihm für meine Rechnung fo viel, als er bes 
darf. Nicht nur mit Dankbarkeit, fondern au 
durch den pünktlichften Erfag jeder Art wird Ihnen 
dafür verbunden [un - 
\ j Ihr 
Ihnen ergebenſter Freund 


> 


oo. 020%. \ 
Der Foͤrſter 2. empfiehlt dem Kammerrath v. R 
| | einen Jäger. on 
Hochwohlgeborner Herr, 
Gnaͤdiger Herr Kammerrath! 

Auf den von Ew. Gnaden erhaltenen Befehl, 
Ihnen einen guten Jäger für Ihre Dienſte vor⸗ 
zuſchlagen, freue ich mich, Em. Hochwohlgeb. einen 

Mann empfehlen zu koͤnnen, der, wie ich glaube, 
Ihrer mir gegebenen Vorſchrift entſprechen vr 
u n 


tigften Verehrung verharre 
5. — 


—. 295 . 
In Hin ſicht derjenigen Kenntniffe und geitigteiten; | 


die man von einem tüchtigen Jäger verlangen kann, 


Hat er mich, nach oft wiederholten Prüfungen, volls 


Sammen zufrieden geftelle: was aber fein fittliches 


— und ſein Wohlverhalten anbetrifft, ſo habe 
ich auf die glaubhaften Zeugniſſe ſeiner vori⸗ 


en erefchaft verlafien, wovon Ew. Gnaden hoͤchſt⸗ 


rſcheinlich die meiſten perſoͤnlich kennen werden. 
bin fo frei, Ihnen dieſe Zeugniſſe zu einer 


. nähern Durchſicht und Präfung‘ ganz gehorſamſt 
vorzulegen; und erwarte nun Ew. Hochwohlgeb. 


Befehl, 06 diefer Johann Melzer, dies iſt der 
Name des jungen Menſchen, der ein und jwanzig 
Jahr alt, gefund und von einer guten Bildung iſt, 
die Bnade haben foll, fi Ihnen perfönlich vor 
ſtellen zu dürfen. Möchte ich fo glücklich feyn, mie 
auch dei dieſer Selegenheit Em. Gnaden Zufriedens 
beit erwerben zu koͤnnen, der ich mit der aufeiehe | 


ochwohlgeb. 
unterthänigfter Diener 
der Börfter Andreas 2, 


2085. 
NMeiſter H. empfieble feinem Freunde einen Rechts⸗ 


£onfulenten in. einer wichtigen Streitſache. 

“7 Liebfier Meiſter OQ.! 
In Ihrem letzten Briefe erzählten Sie mie 

Bas fchreiende LUnrecht, was Sie von Ihrem Nach⸗ 
Bar Baden erfahren mÄflen. Ich und jeder Unpar⸗ 


thetifche, wenn er Sie auch nicht perfönlich kennen 


follte, bedauert Ste, und niemand wird es Ahnen 


verdenken, wenn Sie Ihr Recht auf das firengfie 


au behaupten ſuchen. Da Ihr Nachbar ein Mach⸗ 
tigeter ift, als Sie; und Ihnen keiner der Adyee 
Baten in Ihrem Wohnorte, aus Furcht, fi dee 
Nache Ihres Deleidigers auszuſetzen, dienen u 

o 


’ . O 
u 594 u 

fo trage ich kein Bedenken, Ihnen einen hieſigen 
Rechtskonfulenten, den Herrn D. M., freundfchafts 
lichſt vorzufchlagen. Sch Habe demfelden Ihren Brief 
gezeigt, und haben Ste in diefem Leinen Umſtand 
Abdergangen, weicher Ihrem Gegner zum Vortheil 
ber Ste dienen könne, verhält ſich alles nach der 
ſtrengſten Wahrheit, wie Sie es angeführt Haben 
fo behauptet der Herr D. M., daß Sie auf jeden 
Vall Ihren Prozeß gewinnen müßten ; auch ließ er 
Ah durch meine Bitten geneigt finden, diefe Sache 
‚zu Übernehmen. Und daß unfer Here D. M. ein 
von aller Welt anerkannt rechtfchaffuerr Mann iſt, 
daß er weder auf das Anfehn der Perfon, noch anf 
Verſprechungen Rädfihe nimmt, und das Recht 
eines Jeden gegen einen Jeden, fey er auch, wer 

- er wolle, vertritt, das darf id Ihnen auf mein 
Gewiſſen verfihern. Sollten jedoch andre Umſtaͤnde 
eintreten, wovon Ihr Brief nichts vermuthen läßt; 
foßte Ihe Recht nur ein Scheinrecht feyn: fo wird 
er es Ihnen aufrichtig ſagen; und Sie find dann 
nicht in Gefahr, mit vielen Koften wenig oder nichts 
auszurichten. Prüfen Sie fi) daher nochmals ges - 
nau, ob Sie auch von ihren Gerechtfamen genau 
unterrichter find; fehreiben Sie dann felbft an den 
Herrn Doktor, wenn es Ihnen nicht möglich iſt, 
ihn perjönlich fprechen zu können, und fügen 
Ihrem Briefe alle Belege bei, woraus Sie Ihre 
.:@&erechtfame herleiten. Ob e6 gleich bei dem Deren 
Doktor keiner weitern Fürfpeache bedarf, wenn er 
einmal eine Gache übernommen hat: fo werde ich 
Sie doch. von Zeit zu Zeit bei ihm in Erinnerung 
zu bringen fuchen; da er unaufhoͤrlich aͤußerſt viel 
zuthun hat. Erkennen Sie aus diefer meiner Thells 
nahme, wie tief mich das Ihnen zugefügte Unrecht 
kraͤnkt, und wie ſehr ich bin 5 \ 


r 
aufrichtiger redlicher Freund N. 
| Ä 206, 


- 
n Bater ‚bittet für; feinen Sohn, deſſen Lehre 
herr Klage über denfelben geſuͤhrt hat. 


Hochedelgeborner, 
Hochgeehrteſter Herr! 


Mit tiefer Wehmuth Hat mich Ihre Nachricht 
n meines Sohnes Aufführung erfüllt: da ich be⸗ 
werd von der fhonenden Nachſicht überzeugt bin, 
t weldher Sie ihn jederzeit behandelt haben. Sch 
be Ihm deswegen ‚die. dringendften Worftellungen 
macht; und es fcheint, wenn ich feinen fchriftlis 
in Werficherungen trauen darf, als ſey mir es 
ungen, ihn endlich zu einer befiern Einfiche und 
berzeugung gebracht zu haben. Sollte er mich 
er auch died Dial durch leere Werfprechungen täus 
en Wollen, follte feine Beſſerung ihm nicht wahr 
xErnſt feyn: nun dann weiß er, was er zu ers 
weten bat. 4 Ä 


::&o viel ich vermuthen kann, fcheint er mie 
ehr durch Teichtfinnige Sefellfchaft verführt, als 
m -felbft auf den betretenen boͤſen Weg gerathen 
-feyn. Auch kann ihm wohl das von mir bewils 
jte, obwohl fehr geringe Monatsgeld einige Ges 
genheit dazu gegeben haben. Da ihn das Wenige 
bon zu Ausfchweifungen verleiten konnte: fo glaube 
b nicht Unrecht zu handeln, wenn ich ihm auch 
eſes entziehe, und ihm von nun an gar kein Geld 
ehe zum freien Gebrauch anvertrane. Würden 
He daher wohl fo gätig ſeyn, und dem Verlag für 
ine nothwendigften kleinern Beduͤrfniſſe über ſich 
shnen? Mit Vergnügen werde: ih Ihnen dieſen 
derzeit wieder erfkatten. Er mag fühlen, wie fehe 
» fi unfers beiderfeitigen Zutrauens unwuͤrdig 
mache Hat: wenn er Ihnen für jeden Grofiaen 

. Me 


| — 396 — 
die genaueſte Rechnung ablegen muß, und es einzig. 
von {ihrer Güte abhängt, wie viel er zu feinem. 
Vergnügen, das Ste ihm zu feiner Erholling goͤn⸗ 
nen wollen, an Seide .erbalten fol. Zugleich bin 
ih von Ihrer einem jungen Wenfchen fo mwohlthäs 
tigen Aufmerkſamkeit überzeugt, daß Sie ihn fehr 
genau werden beobadhten taflen, damit er nicht, 
durch feine feitherige Sefellfchafter angereist, auf 
noch fchlimmere Wege gerathe, als die find, wovon 
wir ihn abzubringen wunſchen. Ich darf mich über 
diefe meine Verfügung Ihres Betfalls gewiß vers 
fihert halten: da mich einige Stellen Ihres freunde‘ 
ſchaftlichen Briefs vermuthen laflen, daß diefe Ges 
finnung auch der Ihrigen entiprerhen werde. Viel⸗ 
- leicht gewinnen wir tiefen Berirrten wieder; viels 
leicht iſt er feinem Verſprechen treu,. daß er fi 
ernftlich beſſern, und alles thun und leiften weile, 
wodurch er fi Ihre Zufriedenheit wieder erwerben 
lönne: und nur im diefer Hinſicht wage ich’ eine 
Gürbitte für ihn an Sie, bochgeehrter Herr, ihm 
gärgft zu verzeihen. Rechnen Site für Ihre freund⸗ 
ſchaftliche Sorgfalt auf meine thaͤtigſte Erkenntlich⸗ 
keit; und glauben Sie nit, daß ich mich je der 
Verzärtelung meines Sohnes ſchuldig machen werde: 
Ich wenigftens werde nie eine feiner Klagen anhds 
zen, ihn nie durch unzeitige Entfchuldigungen im 
feinem gefährlihen Wahne unterflügen. Und fo 
wie ich denke und wie ich handle, denkt und bans 
beit auch feine-Mutter. Jeder. meiner Briefe fol 
os meinem Sohne immer näher an das Herz legen, 
wie bedeutend. das. Gluͤck für einen Züngling fey, 
von einem fo erfahrnen guͤtigen Lehrherrn für bie 
Welt und feine künftige Beſtimmung erzogen zu 
werden. Einſt wird er Ihnen gewiß alles verdan⸗ 
ten, wozu feine jegigen Einfichten vielleicht noch zu - 
ſchwach find. Erlauden Sie mir fchläßlich noch, 
auch mich ber Fortdauer Ihres Veenne ER 
R u obls 


— 8597. — a 


Dehlwollens zu empfehlen, der dh mit der intige 
Ben Hocheqtuns verharre 


En. Hochedelged. no 


gay ergebenſter 
, N. 
207. j 
bitte für die Abgebrannten des (off 9 ganz eins 

‚ geäfcherten Städtchens***, an einen entfern⸗ 

ten Breund. u 

Hochgeſchaͤtzter Freund! — 
EGemwiß haben auch Sie ſchon in Ihrer Gegend 
von der ſchrecklichen Feuersbrunſt gehört, weiche‘ 
‚unfer gutes *** bis auf wenige Haͤuſer iu einen 
Schutthaufen verwandelt hat; Mir zitteenden Haͤn⸗ 
den ergreife ich die Feder, und ſchwer wird mie - 
06, meine Gedanken zu fammeln. Noch rauchen mie 
Die Benerfellen entgegen, und täglich vermehrt ſich 
wie Anzahl der Ungluͤcklichen, deren IJammergefchrek " 
bie Luͤfte erfuͤllt. Menſchen, die vor zwei‘ Tagen 

the leidliches Auskommen noch hatten, ſehen der 

| PArteriihfien Zukunft entgegen. 
Hier fichen die Vaͤter, drüden ihre Rinder 
en ihre⸗ Herzen und fragen: wo ſollen wie Bred 

hernehmen? wovon werden wir euch erziehen: koͤn⸗ 
nen? Dort weinen die Mütter Thränen der Vers 
zweiflung auf. ihre Säuglinge, und willen nicht, 
womit fie fie bedecken follen; legen fle. vol Zuver⸗ 
ſicht an thre Bruſt, und werden mit Schaudern ges 
wahr, daß ihr Ungluͤck auch den Kleinen ihre Nah⸗ 
zung geraubt hatte. - 

Viele der Einwohner, die ihr fehötied und gw. 
wäumiges Haus und eine wohleingerichtete Hause 
haltung harten, danken Sort: wenn ſie jegt nut 
ein: Obbach finden koͤnnen, ertragen die druͤckendſte 
Unbequemlichksit, da ihrer mehr ale awanzi mie 


w 


⸗ — 898 — 


Beis und Kindern in einem Heinen Etäbchen bei 
ſammen wohnen, mit ber größten GSeduld, ohne 
den Nachthen zu ahnen, welchen biefe plögliche Vers 
änderung auf ihre Geſundheit Haben muf. 

Viele, viele, die ehedem mit Vergnügen ihre 
leidenden Diithrüder unterflügten, muͤſſen jegt auf 
die oͤffentlichen Wohlthaten edelgefinnzer Menſchen 
rechnen. — Doc, warum ſchildere ich Ihrem vor 
trefflichen Kerzen dieſe Auftritte, die fo leicht bei 
einem ſolchen Ungläd denkbar ſeyn muͤſſen. Auch 
ih war ſchon aus meinem Haufe gefluͤchtet, und 
Batte gerettet, was ich mit ben Meinigen fortbriw 
gen konnte; denn allem Anſcheine nad mußte mein 
Saus und Hof ebenfalls die Beute der Flamme 
werden, die um und neben mie wäthete: aber bie 
Hand des Herrn hat mich befhägt. lnd wenn id 
auch, wie Sie fich leicht denken koͤnnen, beträchtlichen 
Schaden batte: fo befinde ich mich doch in einer 
weit beſſern Lage, als der größte Theil meiner Mit⸗ 
Bürger. Gott weiß es, mit Freuden habe ich mit 
dieſen getheilet, mas mir übrig geblieben war. Aber 
Beinahe fehe ich mich nun felhR von dem Nothbuͤrf⸗ 
tigften entblößt. Verzeihen Ste daher: wenn id 
mich an Sie, edelmüthiger Freund, wende, und Sie 
im: Damen dee Menſchheit bitte, Ihre Mitbruder, 
beten gefühlvolle Herzen Ste kennen, und welche 
die Vorſicht vor die andern gefegnet bat, zum Mit⸗ 
leid aufzuforden, foviel ihnen möglich iſt, betzutra⸗ 
gen, das große Ungluͤck der unverfchufdet Leidenden 
zu mildern. Ich weiß, Ste haben wichtige Bes 
kanntſchaften, und Ihre Verwendung wird von Eins 
fluß feyn. Mit den Heißeften Thränen des Gegend 
werben meine Mitbrüder die Meinfte Wohlthat fegs 
nen, und der Lohn der Gottheit wird Ihnen dafüe 
nicht ausbleiben. Was Sie fammeln, fenden Sie 
an mich; ich will die Wohlchaten der Edeln gewif 
fendaft, und nur vor der Hand an bieienigen Nie 

zuͤgli 


= 39: = 


zůglich verteilen, die einer ſchnellen Hülfe am be⸗ 


abſtattet 


dürftigften find. Nehmen Sie im voraus den Dank 
der Ungluͤcklichen, den Ihnen in ihren Namen 


Sr 
dankbarer sage Brenn m 


Bar im einem äpnlichen gale an einen reis 


hen Bone. 
Hochwohlgeborner, 
Gunaͤdiger Herr! 
‚Werden Ew. Hochwohlgeboren mie es verzel⸗ 
Ben: wenn ich durch Ihre mir ſeither erwieſene 


Gnade aufgemuntert, es wage, mich für einige 
meiner leidenden Mitbuͤrger bei Ew. Hochwohlge⸗ 


\ 


boren zu verwenden? Doch Ihre erhabenen, edein, 
menſchenfreundlichen Sefinnungen laſſen mich hoffen, 
daß ich bei Ihnen keine Fehlbitte chun werde. Mor 


acht Tagen kam hier zue Mitternachtszeit, als alle 


Einwohner der Stadt im tiefften Schlafe lagen, bei 
einem armen Tuchmacher in der Annengafle Feuer 


"ans. So gut auch die Geueranftalten zum Löfchen 


waren: fo erhob ſich doch ein fo. erſchrecklicher Sturm, 


daß alle Huͤlfe vergebens wor, und funfzehn Haͤu⸗ 


fer, worin faft Die Armften Leute der Stade wohns 
sen, zum Afchenhaufen werden mußten. Drei dies 


‚ger armen abgebrannten Familien find als Die beſten 


Menfchen bekannt, und verdienen, nach dem alige⸗ 


nmeinen Zeugniß, das herzlichſte Mitleid. Sie find 


zu defcheiden, als daß ihnen ihr Zartgefühl irgend 


eine Zudringlichkeit erlauben könnte. Bei folchen 
Gelegenheiten gewinnen immer die am meiften, die 
Buch lautes Wehllagen die Herzen anderer zu era 
ſchuͤttern willen; und fo haben diejenigen, die fich 
dieſes Kunſtgriffs bedienten, vn bie te 

e 


Milde mehr gewonnen, als verloren, indeß dieſe 
drei Famitten nur eine geringe Unterflügung genoß 
fen. Beſonders verdient der Hausvater einer bie 
fer Familien, Andreas Börner, alle Achtung. Er 
feioft har ſechs Kinder, für die er kaum hinlaͤuglich 
Drod bar; und doch nahm er ein fiebentes au 
Kindes Start auf, das bösliher Weile von feinen 
Aeltern, die fih Biefigen Orts einige Tage aufge 
Balten hatten, verlaffen worden war. — darf 
ich mir ſchmeicheln, daß ſchon dieſer Zug in dem 
Charakter dieſes durchaus fo braven Mannes Ew. 
Hochwohlgeboren Achtung verdienet, und daß Sie 
ihn Ihrer gnaͤdigen Unterſtuͤtzung nicht unwuͤrdig 
finden werden. Auch die Abrigen zwei Unglücklichen, 
für die th Ew. Hochmohlgeb. um Gnade anflehe, 
And Ihres Mitleids würdig; und ich darf von keb 
nem befürchten, daß fie Ew. Hochwohlgeb. Da. mente 
feeundliches Zutrauen mißbrauchen werden. 

Ich war oft genug ein Augenzeuge, wie Ste, 
anädiger Herr, in der Erfüllung der ſchoͤnen Pflicht 
menfchenfreundficher Wohlthaͤtigkeit Ihr koſtiichſtes 
BWergnügen fanden; und diefe Ueberzeugung made 
mich fo dreifl, Ahnen diefe Unglädtichen unterchäs 
migft zu empfehlen. Täglich werden diefe Verlaß⸗ 
nen auf ihren Knieen in dem beißeften Gebete. den 

Segen für Sie und Ihre hohe Familte von dem 
KBergelter alles Guten erflehen; und Ew. Hochwohl⸗ 
geboren werden die erhabene Seelenfreude im vols 
Im Maaße genießen, viel dazu beigetragen zu haben, 
daß drei Kamilien von ihrem unverfchuldeten Untere 
gange geretter wurden. Nochmals bitte ich unters 
thaͤnigſt, meine Freiheit zu entfchuldigen, und mie 
Ihre Nachſicht, follte ich zu viel gewagt haben, 
dätigft zu vergönnen, ber ich mit der innigflen Eon 
erbietung reinehen mich nennen werde 

Ew. Hochedelgeb. 
ganz gehorſamſten Diener N. 


— 401 — 


⸗ 


J 


i 
209. 


ZArbitte eines gemeinen Mannes für einen Un⸗ 
ſchuldigen, feinen Anverwandten , an } befien 
Herrn, einen Vornehmen. | 


‚0 geborner, u 
Hochgeehrter Kerr. Votter! 
So ſehr ich: mie es zur Ehre rechnete, fo ins 
aigſt ic ‚freuete, daß mein Vetter das Gluͤck 
genoß, tn Ew. Wohlgeb. Dienſten zu ſtehen: ſo— 
* kraͤnkt es mich, erfahren zu muͤſſen, daß dies 
Ihres fernern Zutrauens nicht mehr wärdig 
5 fol. Ich bin uͤberzeugt, daß ich über das Herz 
dieſes jungen Menſchen etwas vermag: ich Babe 
mie Deswegen alle mögliche Mähe gegeben , dei und 
einem ſichern Geſtaͤndniß zu bringen. Er Bat mi 
aber betbsuert, daß zwar durch den Schein einiger 
Merbache wider ihn entfianden fey, daß er aber feine 
Unſchuld feierlich beſchwoͤren könne; und er Be nn 
vet darauf, Daß fich dieſer Vorfall gewiß no 
feines entwickeln werde. Da er fih nie de 


allerkleinſte Untreue, ſelbſt von feinen zarteſten Kin 


berjaßren an, zu Schuiden hat kommen laffen; da 
ich ihm verſprochen habe, daß, im Fall er gefehlt 
haͤtte ihm alles vergeben ſeyn folle; und da er au 

da noch bei den Berheuerungen feiner Unfchuld bes 
harrte: fo halte ich ihm ſelbſt für unſchuldig, und 
biste &te gehorfamfl, den ganzen Vorgang noch rin 
* genan zu unterſuchen, und beſonders dabei 
anf. Ihre Hausaufwaͤrterin einige Aufmerkſamkeit 
zu richten. Mein Vetter, wenn Sie 06 erlauben, 
and wenn Sie ihn hoͤren wollen, wird Ihnen des⸗ 
halb einiges Licht geben. Die Gefahr, feine Ehre 
due einen ungegründeten Verdacht verlieren zu 
konnen, verfegt ihn in die Nothwendiakeit, über 
vn Dinge zu ſprecen pr — es unter be 
R 


— 40 — 


ſtaͤnden gewiß verſchwiegen haben würde. Erhoͤren 
Sie meine Bitte, und entfernen Ste dieſen jungen 
Menſchen wenigſtens Bei einer folchen Lage der Dinge 
nicht eher .aus Ihrem Hauſe, als bis er für wich 
ih ſchuldig befunden worden iſt. Ein guter Name - 


lſt fein einziger und fein größter Reichthum. Ver—⸗ 


ISre er diefen: fo wäre er zeitlebens ungluͤcklich. 
Ich Babe den ganzen Vorgang feinem alten wärs 
digen Water verfchwiegen: denn ich; fürchte, der 
. Sram würde ihn tödten; und fein Leben iſt doch 
feiner noch unverforgten und zum Theil unerzoges 
nen Familie fo unentbehrlich, und ihre einzige Stutze 
und Huͤlfe. Baft mit Zuverficht darf ich mir ſchmei⸗ 
ein, daß Sie, findet meine Vorſtellung bei Ihnen 
Statt, diefe Schonung gewiß nicht bereuen. werben, 
womit ich meinen Vetter zur Zeit noch zu behan⸗ 
dein ganz ergebenft bitte. Auch, mich würden ie 
dadurch recht fahr. verbinden; und ich wuͤrde mir es 
gewiß angelegen feyn laſſen, Sie zu Überzeugen, wie 
ſehr auch ich wuͤnſche, mid nennen zu bürfen 
Ew. Wohlgeboren 


ergelenſte Diener 


- 
ur 


— — — 


777 ME 


. om. 
u Berathſchlagungsbriefe. 
Ri biefen riefen wied entweder um einen uten 





Bash gebeten, oder es Wird darin ein guter Rath 
erthel 


it. Es laͤßt fi daraus leichte und natärlich 
bdeſtimmen, daß diefe Briefe gewöhnlich nur unter 
. guten Srennden und Bekannten Statt finden. 


Gleichwohl kann auch der Geringere den Vor⸗ 


nehmern um einen guten Rath fragen: wenn er 


mit ihm in naͤherer Verbindung ſteht; oder wenn 


dies nicht ſeyn ſollte, dech von feinem menſchen⸗ 

freundlichen Charakter erwarten kann, daß er dies 
nicht Übel deuten wird. Sehr unklug aber wuͤrde 
ein Seringerer oder Untergebener handeln: wenn 
er einem Vornehmern oder feinem Vorgefeßten, ohne 
von diefem aufgefordert zu feyn, einen 
guten Rath ertbeilen wollte. Bittet man Jemand 
ſchriftlich um feinen Rath: fo muß man den Ges 
genfland genau und anfrichtig darkellen, und 
ſelbſt Nebendinge erwähnen, welche auf die Sache 
Einfluß Haben. Man muß nicht blos vollfommen 
von der Rechtſchaffenheit des Rathgebers Überzeugt 


feyn, fondern auch von feinen Einfichten und fets 


nem guten Willen: weshalb es nicht in einer Gage 
Ä € 2 fegn 


— 44 — | 
ſeyn muß, worin er felöft oder ein genauer Freund 
von ihm intereffirt iſt. Auch iſt es nicht rathſam, 
‚mehrere zugleih um Rath zu bitten: da jeber uns - 
leicht einen verfchledenen Kath geben fönnte, und 
. wir in den nämlihen Zweifel gefegt werden. Sollte 
es indeſſen nöchig feyn, fih an mehrere zu wenden: 
fo ift es flets der Klugheit gemäß, ihnen dies nicht 
merken zu laffen. Noch weniger aber binde man 
fih durch ein vorelliges DVerfprechen an die Ents 
ſcheidung des Nathgebenden: well es dieſen leicht 
beleidigen: koͤnnte, wenn man gleichwohl feinen Rath 
nicht befolge. Beſſer iſt es daher auf jeden Ball: 
wenn man blos verfpricht, den Rath mit dem ins 
nigſten Danke anzunehmen , und ihn zum Gegens 
ſtande feiner gemwifienhafteften Ueberlegung zu mas 
hen. Bei ernften Gegenftänden erlaube man fig 
keine ſcherzhaften Einfälle: weil dann der Befragte 
Teiche glauben kann, daß die Sache ſelbſt nicht fo 
wichtig fey; mas ihn denn natürlicher Weiſe vers 
anlaffen dürfte, feiner erften Einfall für. den beſten 
zu halten. Aud wird er dann gar kein Bedenken 
tragen, uns in demfelben Tone zu antworten, wie 
‚ wir ihm gefchrieben haben. oo 
Oft erbittet man fih auch in verfchtednen äh 
‚ len von Sreunden und Befannten, Vornehmen wohl 
gar, einen guten Rath, um diefen, wie man fi 
gewöhnlich. ausdrädt, das Ehrenwort zu vergöns . 
nen. In einer folchen Lage fucht man feine Bir 
fo einzuleiten, daB man uns faft keinen andern 
Rath, als eben den, weichen wir wänfchen, ertheü 
len kann. Würden wir das unterlaffen: fo koͤnn⸗ 
ten fie uns einen Vorfchlag thun, der unfern Wun⸗ 
Shen ganz entgegengefegt fen, und uns in die uns - 
‚angenehme Lage bringen koͤnnte, entweder etwas 
thun zu muͤſſen, was uns nachtheilig feyn “oder was 
und, wenn wir Diefen gutgemeinten Rath nicht_des _ 
folgen wollten, ihren Unwillen anziehen ir. . 
es 


— 465 — 


Derjenige, der einen guten Rath ers 
tbeilen ſoll, hat mie mehr Schwierigkeiten zu 
Tämpfen, als der, der den guten Rath verlangt. 
Zolgende Regeln wird jetiee auf alle Faͤlle zu beobs 
achten haben. Erftlih muß er feinen guten . 
Rath niemanden eher ertheilen wollen, als bis er. 
beſtimmt und ausdruͤcklich dazu aufgefordert worden ' 
if. Wir würden fonft als zudringlich erſcheinen, 
und das Sprichwort erfahren. mäffen: ',, Wer uns 
Berufen zu einer Arbeit geht, geht unbelohnt das 
von.“ Nur in dem Falle, wo wir überzeugt find, 

Daß ein vertrauter Freund von. und gänzlid vers 
Lehrte Mittel ergreift, um zu feinem Zwecke zu 
gelangen, wird es uns zur Pfliht, ibm, felbft 
unaufgefordert, zu rathen. Hier iſt die größte Wors - 
ſicht noͤthig. Man untsrrichte ſich zuvor genau von 
Ber. Sache ſelbſt, prüfe fih, ob man bie zur Bes 
. setheilung nöthigen Kenntnifie habe, und fpreche 
zu ihm in freundlichem, herzlichem Zone; tie Has 
ſtigkeit und übereilte Strenge richten felten etwas 
aus, und verhindern meiftens die Annahme des 
Rathes: Ueberhaupt iſt es ſtets nöthig, der Schein 
zu vermeiden, ald wolle man fich, wenn man einen 
„Math ertheilt, eine gewiſſe Herrfchaft über den Vers 
fand feines Sreundes anmaßen. Den meiſten Men⸗ 
en erfcheint die entweder als ein unerträglidher 
ang, den fie ſelbſt mie ihrem Schaden vermeiden 
wollen; ober es beleidigt. die Eitelkeit, welche ihnen 
fagt ,. daß fie ſelbſt Klugheit genug befigen, um 
nicht der fo eingefleideten Meinung des Freundes uns 
Bedingt folgen zu müflen. Vielmehr leite man den 
Bang feiner Gruͤnde fo, daß unfer Freund glaubt, 
er handele nach feinem eignen freien Willen wenn 
er unſre Gruͤnde annimmt. | 
Sb aber auh Zweitens darauf, ob man 
bie, wenn man di um deinen guten Rath bit⸗ 
tet, die Wahrheit mittheilts damit du dir nicht 
einen 


einen Rath enilocken läßt, auf den ſich der Andere 
berufen könnte. Rathe lieber gar nicht: wenn de 
es merken follteft, daß man dir nicht reinen Wein 
einſchenkt; oder füge deinem Rathe Hinzu, daß er 
ſelbſt Schuld fen werde, wenn du ihm zu ſeinem 
Nachtheil rietheſt. 

Haſt du drittens deinem Freunde bei ſehe 
verwickelten (intrikaten) Gegenſtaͤnden eine Ent 
ſcheidung mitzutheilen, die ihm unerwartet und folg⸗ 
lich unangenehm ſeyn muß: ſo verwahrſt du ihn 
und dich ſelbſt am beſten; wenn du aͤußerſt gewiß 

ſenhaft deine Gruͤnde und auch die Ssgengründe fo 
aufſtellſt, daß deine Entſcheidung ebenfalls die Ent⸗ 
ſcheidung deines Freundes iverden muß. 
Biertens muß ſich ein unpartheilfcher Rath⸗ 
geder nie zu letdenfchaftliher Wärme ver 
leiten Laffen, wonn er über Menſchen enticheiben 
fol, gegen die er ehedem einigen Groll gehegt Hat 
oder noch best; ſelbſt auch dann nicht, wenn fie 
feinen gerechten Unmillen verdient hätten, Mie muß 
in folhen Verhaͤltniſſen die Perſon, einzig nur 
Die Wahrheit berüchichtigt werden. — Mußt bu 
über jemand in einem Briefe. ein nachtheiliges Urs 
ade! fällen : fo fprich jedes deiner Worte, jede dei⸗ 

Behauptungen mit der firengften Gewiſſenhaf⸗ 

tigkeit aus; — fielle die vor, dein Brief komme 
in fremde Hände, und was du gefagt habeſt, muͤſſe 
vor Gericht vertreten merden. And Haft du über 
unedle Menfhen ein Urtheil au fprechen: fo dräde 
dich, wenn du auch jede Sylbe vor Gericht verant 
. werten koͤnnteſt, deffen ungeachtet fehr fehonend — .- 
wenigſtens fchr kalt ans; denn ein leidenſchaftli⸗ 
Ger hitziger Ausdruck natt nichts und. kann viel 


Bet dieſer Gelegenheit kann ich es unmöglich 
unterlaffen, etwas über die anonymen Briefe (ohne 
Ramensunterfärift) zu ſeen. Wer einen Sir 

tie 


— vꝛ BE 


Brief erhält, Hüte ih wohl, hm ohne die ſtrengſte 
Pruͤfung zu trauen: denn unter ihnen finden ſich 
Häufig ſolche, Die den Zweck Haben, durch niedrige, 
geheime Verlaͤumdung das Gluͤck einer Familie, die. 
- zarteften Bande der Blutsfreundſchaft zu trennen. 
Man kann wohl in der Regel annehmen, daß fie 
aus unlauterer Quelle herruͤhren: denn es giebt 
wenig Bälle, wo der redliche Mann nicht offenkuns _ 
dig feinen Mamen .fagen kann, wenn es darauf 
ankommt, feinen Nebenmenſchen zu warnen und - 
durch Rath zukechtzufuͤhren. Nur die wichtigſten 
Gründe dürfen uns daher bewegen, dergleichen Briefe - 
zu ſchreiben, wie 3. B. wenn wir für gewiß wils 
fen, daß Jemand, ber Macht genug bat, etwas 
Unrechtes begehen will, den wir durch einen ſolchen 
Brief watt mehr Erfolg abzurathen hoffen, als. wenn 
wir unfern Mame: darunter feben, was ohnehin 
' heindſchaſt gegen uns erwecen würde. 








A. Briefe, worin man um einen guten Nach 
bitte. | 


310, 


Ein junger Menſch aus geringem Stande bittet 
ſeinen vornehmen Wohlchäter und Goͤnner über 
bie Wahl ded Drtd, mo er ſich nlederlaſſen 
ſoll, um guten Rath. 


Wohigeborner Herr, 
Verehrungswuͤrdigſter Goͤnner! 
Ew. Wohlgeb. verdanke ich einzig mein ſeit⸗ 
heriges beſſeres Fortkommen. Ihre ſo thaͤtige Un⸗ 
terflügung., Ihre fo menſchenfreundlichen Ermah⸗ 
nungen, Vorſchriften und Zurechtweiſungen leiteren 


8 


ee 408 — 
wich auf den Weg meines Städt. Ohne Sie, by 
von überzeuge ich mid immer mehr und mehr, 
. „würde der junge huͤlfloſe Menſch ganz gewiß dem 
etraurigſten Gchiefate Preis gegeben worden fern. 
Ich würde ganz gewiß fehr wider mich ſelbſt Haus 
- bein: vertrauete ich mich Ihnen nicht von ganzem 
Herzen. Und wenn hätte ich wohl Ihres einſichts⸗ 
vollen Raths mehr, als jegt bedurft: da fich mir 
zwei Gelegenheiten zeigen, wo mir jede eine Auss 
ſicht in eine gluͤckliche Zukunft öffner?. Ein edler 
Menſchenfreund erbietet fih, mir ein bedeutendes 
Kapital vorzufchießen: wenn ich hiefigen Orts Buͤr⸗ 


ger und Meifter werden will. So klein und unbe 


deutend diefes Städtchen iſt: fo liegt es doch einer 
großen Handelsftadt fehe nahe, und man koͤnnte 
fi) eines guten Abfages feiner gefertigten Waaren 
allerdings. verfichert halten. Allein die Menge der 
Meifter waͤchſt zu fehr an; und es ift faſt voraus⸗ 
zufeben, daß, wenn die Sefchäfte in den Wellen 
überhaupt, und befonders in dieſen Artikeln abneh⸗ 
men follten, ‚ein Meifter fobann dem andern zum 
Trog arbeiten, und feine Waare beinahe verfchlews 
dern. würde, um fich durch einen defto. fchnelleren 
Abfag einigermaßen vor Schaden zu fichern. | 

Die zweite Selegenheit, die mir mein Gluͤck 
barbictet, ift folgende. In C., ſechs Meilen von 
bier, lebt ein Fabrikant, Meifter F., der ſich duch 
VFleiß und Sparſamkeit ein anfebuliched Kapital 
srtosrhen hat, ob er. gleich anfangs drmer war, 
als ih. ‚Diefer gute Mann hat nur eine einzige 
Tochter und keinen Sohn. Er wuͤnſcht, daß fein 
wohlangefangenes Wert, wobei ihn Gott zwanzig 
Jahre lang gefegnet bat, auch nach feinem Zode 
fortdauern möge; und. fucht daher einen Schwies 
gerfohn , der dieſes fo thätig fortfege, wie er eb _ 
feither betrieben hat. ch habe diefes braven Mans 
nes Tochter kennen gelernt; und ich geftehe —8 

richtig, 


stchtig, daß ich fie fehr liedenswuoͤrdig finde. Doc 
gehe ich fo behutſam dabei als möglih: da mir die 
Regel noch zu lebhaft im Andenken ift, welche Em. 
Wohtgeb. einſt gegen mich aͤußerten; daß naͤmlich 
ein junger Mann nie. nad den erſten Eindruͤcken 
‚handeln muͤſſe, die auf. fein. Herz wirken; daß das 
en lang, die erfien Empfindungen zwar anfangs 
Beftig zu ſeyn, aber dagegen auch um defto fchnels 
‚ige voräber zu raufchen pflegen, fo wie aud ein 
anfänglich fehr Hlendendes Gluͤck öfters. mehr Schein 
als Wahrheit Habe. Da ich mich in der Folge von . 
der Wahrheit diefer Srundfäge immer mehr und 
mehr überzeugte, und dadurch vorfichliger wurde: 
ſollte ich mich wohl jegt, bei ber’ wichtigften Anges 
Legenheit meines Lebens, einer Uebereilung ſchuldig 
machen? Gewiß nicht. Ich babe mich und jeden - 
Umftand genau gepräft; und ſo ſchwer ich, mir es 
ſelbſt machte, fo muß ich ‚gefichen, ich würde mit 
dieſem Mädchen gewiß auch dann noch ſehr gluͤck⸗ 
lich leben, wenn es gleich noch fo arm wäre. Mag 
auch das Vermögen, was mir jegt duch des Maͤd⸗ 
chens Vater zu Theil werden kann, nicht beträchts 
lich fen: fo weiß' ich Doch zuverlaͤſſig, daß ein fleis 
Biger redliher Mann an der Seite eines Häuslis 
hen Weibes, das ihn liebt, und dem keine Aufs 
spferung zu groß für ihn wäre, feineswegs vers 
derben kann. Ich will niche in Abrede ſeyn, daß 
ſich auch an dem jegigen Orte meines Aufenthalts, 
wenn ich eine Fabrik errichtete, ſehr vorcheilhafte 
“ Ausfihten zeigen koͤnnten, und daß ich Hier viels 
leicht ein bedeutenderes Gluͤck machen würde, als 
in C.: aber würde ich hier auch fo zufrieden leben, 

wie dort? - : " 
Ich Bitte Ew. Wohlgeb. gehorfamft, mich in 
diefer fo wichtigen Angelegenheit mit Ihrem guten 
Rathe zu ‚unterftägen. Sie haben ſchon eine fo 
lange Reihe von Jahren mein Gluͤck durch She | 

det 


⸗ 


410 sn N) * 


Leitung aufs großmuͤthigſte beſordert: ziehen Sie 
daher Ihre Hand nicht von mir ab, um es zu 
vollenden. Nur Ihre Entſcheidung wird einzig meine 
Wahl beſtimmen. Wie, nie werde ich aufhören, 
Ihre mir erwiefenen Wohlthaten zu verehren, und 
a. dem innigſten, dem —* Gefuͤhle zu . 


Ew Wohlgeb. 
aanthette Diener 


Der junge 5. wuͤnſcht, die Tochter des Sattler 
meifters J. in 3. zu heirathen, und bittet fels 
nen daſelbſt wohnenden Freund um einen guten. 
Bath. 

Verehrter Freund! 
Sie Haben mir feit geraumer Zeit (don zu viel 

Beweiſe Ihrer Freundſchaft gegeben, als daß ich 

Sie erft lange noch um Verzeihung bitten follte: 


wenn ich mich bet Ihnen um einen guten Rath 
in der wichtigften Angelegenheit meines Herzens ber 


: frage. Die 3. aus B. befuchte ihre Frau Muh—⸗ 


me M., und hielt fi bei uns füft den ganzen Som⸗ 
mer auf.: Ich batte das Vergnügen, oft mit ihr 
in Geſellſchaft zu feyn; und Ahnen ,- verrrauter 
Rreeund, darf ich geliehen, daß mir das liebe Maͤd⸗ 


“hen außerordentlich gefallen, und mein ganzes Her; 


an ſich gefefiele hat. Sich Habe zwar meine Empfins 
dungen fo viel als möglich zu verbergen gefucht, 
um nicht zu verrathen, was in mir vorging: aber 


. wer iſt auch ſelbſt bei ter firengften Vorſicht Kerr 


genug Über. ſich? Doc glaube ich ganz gewiß, das 
-Rartgefühl des guten Mädchens gefchont, und Beinen 


Anlaß zw irgend einer Vermuihung gegeben zu haben. 
Wenn 


®. 
nn du —— 


Wenn ich mich anders genau genug kenne: fo Kauf 
ich mir fchmeicheln,, nicht: zu fehr von der Eigene 
stehe geftraft worden zu ſeyn. Dies vorausgefegt; 
fo glaube ich einige Hofinung Haben zu bürfen, daß 
ich der Sungfer J. nicht ganz gleichgältig Bin. Meine 
. häuslichen Linrichtungen verlangen, daß ich heis 
rathen muß. Sie willen lange, Freund! daB bie 
Wirchfchaft eines Tedigen Mannes nicht viel taugen 
ann, wenn er ſich den Launen weiblicher Dienſt⸗ 
boten Üüberlaffen muß. Sch trachte nach feinem Ver⸗ 
‘mögen; und werde mid) glüdlich fhägen, wenn ih. 

ein Weibchen finde, das mich aufrichtig liebt, und _ 
das um nnjerer gegenfeitigen Liebe willen die Freu 
den unfers Lebens mit theilnehmendem, gütigem 
Herzen, und die Leiden, denen auch das gluͤcklichſte 
Leben nicht entgehen kann, mit Ergebung und fanfs _ 

ter Duldung zu ertragen weiß, Ein Staatspuͤpp⸗ 
hen, was leider jetzt fo viele Baͤrgerstoͤchter feyn 
wollen, ohne daß fie dabei erröthen, koͤnnte mir 
auf keine. Weife dienen; meine Frau muß haͤuslich 
ſeyn, und mit Verfiand und Thätigfeit meiner nice 
unbedeutenden Wirthſchaft vorſtehen koͤnnen. Dem 
Anſcheine nad darf ich alle dieſe ſchoͤnen Eigen⸗ 
ſchaften von der Jungfer J. erwarten, ſo weit ich 
fie naͤmlich in dem Hauſe ihrer Muhme beobachten 
konnte: ob ich gleich weiß, daß die Maͤdchen und 
Frauen nicht ſelten in fremder Geſellſchaft beſſer 
erſcheinen, als daheim in ihrem haͤuslichen, ihnen 
beſtimmt angewieſenen Zirkel. 
Ich haͤtte Ihnen alſo hierdurch mein Geſtaͤnd⸗ 
mb ganz offenherzig abgelegt; und verſpreche mir 
» son Ihren Einfichten und Erfaßrungen durch Ihre 
‚ götige Freundfchaft einen gewiß beichrenden gutem. 
Rath. Ihre Gruͤnde follen mir hoͤchſt ſchaͤtzbar ſeyn. 
Sie moͤgen mir nun dazu oder davon rathen: ſo 
leiſten Sie mir, wenn Sie ſich meiner in dieſer 
wichtigen Angelegenheit beſtens annehmen wollen; 
‚einen 


_ 4ı8 u 


einen außerordentlichen Dienft, und verbinden mid 
dadurch zu der hoͤchſten Freundſchaft, mit welcher 
ich zeitlebens feyn und bleiben werde | 


Ihr 
ergebenſter Freund 
N. | 


. 212. 

Meiſter k. bittet. Herrn M. in D., den Rektor 
des dortigen Gymnaſiums, über die Fünftige 
Beſtimmung ſeines Sohnes um Rath zu fragen. 


Hochedelgeborner Herr, 
Guͤtiger Freund und Goͤnner! 
Verzeihen Sie beſtens: wenn ich es jetzt wage, 

von Ihren wiederholt gegen mich geaͤußerten, und 
fo menſchenfreundlichen Geſinnungen einigen Ge 
brauch zu mahen. Die Angelegenheit, in welcher 
ih mid an Sie wende, betrifft die künftige Bes 
fimmung meines Kindes, — und koͤnnte irgend 
eine andere einem Vaterherzen näher liegen? . 
Mein aͤlteſter Sohn Hat fein dreizehntes Jahr 
angetreten; und es wird nun Seit, für -feine Lünfs 
tige Beſtimmung beforgt zu ſeyn. So fehr er mid 
feither Hoffen ließ, er würde fih dem Kaufmanns 
flande widmen, was mir allerdings fehr lich ges 
weſen feyn würde, da ihn mein Bruder, ein bie 
figer Kaufmann, in die Lehre nehmen wollte: fo 
bat ee doch diefe Neigung mit einem Male wieder 
verloren, und beharrt darauf, ftudieren zu wollen, 
Ich habe mich deshalb mit feinen feitherigen Leh⸗ 
sern befpeochen. Diefe geben ihm das Zeugniß, 
Daß er die dazu nöthigen Geiſtestalente beſitze, und 
daß man Hoffen koͤnne, wende er dieſe ferner gehös 
sig an, er werde einft dem gelehrten Stande keine 
Schande maden. Leider langen aber meine Vers 


möägensumftände nicht dahin, ihn ganz fo Ale 


\ 


— 


— “is — 


ſtuͤtzen zu koͤnnen, wie es noͤthig ſeyn mächte, daß 
er nicht anf der Univerſitaͤt Noth leide. So lange 
er anf dem Gymnaſium bleibt, würde ich ihm recht 
gut forthelfen können; aber wie dann? — ‚Mein 
Bruder könnte zwar fehr viel für ihn thun; denn 


er ift ein fehr Hemittelter Want; und hat keine Kins 


der: dieſer zuͤrnt aber Über des jungen Menfchen 


Entſchluß, und will von nun an nichts mehr von . 
ihm wifien. Ich will es Ihnen nicht verhehlen, daß 


ich, deshalb in einer fo großen Verlegenheit bin, 
daß ich mir. weder zu rathen noch zu heifen weiß. 
Der Herr Rektor Ar, Ihr Freund, ift, fo viel 
ich weiß, "ein erfahrener, menfchenfreundliher Mann; 
fein Ausfpruch, den vr gewiß durch die beften Gruͤnde 
unterflügen wird, könnte einzig hierin entfcheiden, 
und dies würde mir zu einer großen Beruhigung 
dienen: Wollten Sie thin in meinem Namen um - 
feinen guten Rath fragen: weich eine Wohlthat 


würden Ste mir erzeigen! Sagen Ste ihm, daß  ' 


er ſich durch diefe Güte einen für das Wohl feines 
Kindes beſorgten Vater aͤußerſt verbindlih machen, 
und daß diefer es nie vergefien werde, wie wichtig 
ihm fein Rath gewefen ſey. Wie leicht koͤnnte ich 
den rechten Geſichtspunkt verfehlen, wollte ich in 
diefer Lage nach meinen geringen Einfihten hans 
dein; und wollte ih mein Kind zwingen, meines 
Bruders Willen zu erfüllen, fo würde ich für mein 
ganzes Leben die bitterſten Vorwürfe zu befürchten. 
Haben. Der Herr Rektor wird zwar fragen, wa⸗ 
rum ich mich nicht: an die Hiefigen Lehrer meines 
Sohnes gewendet habe, Die Urfache iſt, daß ich 
feinen von diefen in Verlegenheit habe feßen: wol⸗ 
in: da fie Beide die Freunde meines Bruders find, 


"und bei ihren geringen Einkünften auf die nice 


unbedeutenden Lnterftügungen rechnen muͤſſen, die 


dieſer Ihnen von Zeit zu Zeit zufließen laͤßt. Ich 


würde ſelbſt an den Herrn Rektor geſchrieben haben: 
oo N 1 Hefte Ä 


— 


m 414 m 


Bielte mich nicht meine Schuͤchternheit zurüd. Sie, 
mein Freund, bitte ich recht fehr um Verzeihung 
daß ich Ste mir dieſem Auftrage beläftiger habe, 
Melden Ste mir ohne alle Umftände was Ihr Freund, 

der Here Rektor, deshalb geäußert bat; und red 
nen Sie auf meine Vereitwilligleit, Ihnen dage⸗ 
gen jede Gefaͤlligkeit zu leiten, und Sie meines - 
innigften Dante zu verfihern, der Ich nie aufhören 
werde zu ſeyn Bu BE 

Ew. Hochedelgeboren 

- ganz ergebenſter 


B. Briefe, worin Nach ertheilt wird. 
213 | 
Antwort äufden sııten Brief. 


Lieber Freund! Ä 

Ste haben volllommen Recht, wenn Gie glam 
Gen, daß th mit ganzer Seele Ihr Freund-bin: 
aber wenn Sie fo ganz aufs Gerathewohl bei einer 
fo wichtigen Angelegenheit: einen guten Rath ‘von 
inte verlangen, fordern Sie nicht ein wenig zu viel 
son mir? — Haͤtte ſich der Zufall nicht dabei ins 
Spiel gemiſcht, Treund! Ste würden mid In eine 
große Verlegenheit gefegt haben. Gluͤcklicher Weile 
muß ich aber den Vater der Jungfer J. fehr gut 
kennen, muß in feinem Haufe den freundfhaftlihe 
fen Zugang , und von ihm und feiner Familie ein 
unge: „eiltes Zutrauen genießen: und fo freue id 
mi denn, daß ich dadurch Ihren Wunſch wenig 
Rens zum Theil zu befriedigen im Stande Kin. 
SGewiſſenhaft kann ich Ihnen verfichern, daß die 
Jungfer J. ein waderes Mädchen iſt; und man 
Darf vorausſetzen, daß ein nicht weniger — 
ann, 


": 


ı 46 — ZZ 


Mann, wenn fie ſich beide ſonſt innigſt Lieben, mit 


the gluͤcklich ſeyn wird. Sie iſt wirthſchaftlich und 
gut erzogen; und ich bin Aberzeugt, daß fie. jedem 
Dausweſen mit Ehren vorſtehen kann. &te hat 


das beſte Gemuͤth. In ihrem ganzen Wiſen äußert 


ſich zwar viel, aber immer nur eine beſonnene Thaͤ⸗ 
tigkeit. Ihr Ruf iſt unbeſcholten. Jeder, wer fie 
keunt, ſchaͤtzt ſie; man mag hören, wen man will, 
fo ertheilt man ihr ‚das befte Lob. Ihr Vater if 
fein armer, aber auch kein reicher Wann: auf eine 
anfehnliche Mitgife dürfte Daher wohl niche zu rech⸗ 
ven ſeyn. Auch darf ich Ihnen verfiheen, daß 


Sie, Ueber Freund! won der Zungfer. J. hochge⸗ 


fhägt werden; in meinem Beifeyn Fam einige Mal 


die Rebe. auf Ste, und fie fprach mit vieler Ag 


tung von Ihnen. Glauben Sie aber ja nicht, dag 


ich die Gelegenheit dazu gegeben habe: vielmehr 


Babe ich ale Petrus von fern geflanden, ohne mei⸗ 


. neu Freund verläugnet zu ‚haben; habe nicht gebäre 
‚und doch gehört; habe nicht gefehen und doch — 


Mehe will ich Ahnen vor der Hand nicht fagen : 
Boch glaube Ich, daß Sie Dadurch Über bie an mich 
getbanen Fragen binlängtid, beruhigt feyn können, 


Ihnen muß e6 nun allein uͤberlaſſen bleiben, was 


Sie ferner thun wollen, und wozu Sie fih ent 


ſchließen werden. Unſer eignes Herz muß in fols 
chen Fällen der befte Rathgeber feyn: weil ſeibſt 


der  auftichtigfte Freund dabei firaucheln kann, fo 


ſchuldlos auch feine Abfichten feyn mögen. Sich glaube, 
hiermit meine Pflicht erfüllt, und Ihnen auch Bier - 
gezeigt zu haben, wie angelegen mir es iſt, mich 


. ferner nennen zu können | 


⸗ redlichen Freund 


a14. 


—— 41565 — 


IV 
Herr M. theilt dem Meifter 2. den Rath bed 
Her Rektors in D. mit. 
Antwort auf den zızien Brief 


Mein licher Meile LI r.. :° 

Ich felbſt Hin Water; daraus können Sie leicht 
Schließen, daß ih die Wichtigkeit Ihres Auftrags . 
‚an mid zu fhägen weiß. Recht fehr danke ich 
Ihnen für Ihr guͤtiges Zutrauen, und ich werde 
mie auch fernerhin Ihre Zufriedenheit zu. erwerben 
ſuchen. Mit dem Herrn Rettor habe ich gefprechen, 
und fo theile ich Ihnen hiermit feine Aeußerungen 
affeihtig mit. Da er Ihren lieben Sohn. nicht 
genau Sennt: fo wagte er es nicht, ganz beſtiiumt 
zu entfcheiden. _ Er empfiehlt fih Ihnen beftens, 
und laͤßt Ahnen dutch mic) fagen: daß er wohl 
wiffe, wie die Kinder in ihren erften Lebensjahren: " 
nach ihren einfältigen Anfichten zu wählen pflegte, 
und fich diefem oder jenem Stande zu widmen wänfde 
ten; meift aber handelten fie Dabei nicht immer für 
ſich ſelbſt, fondern diefe ihre Wahl ſey durch um 
verſtaͤndige Kinderwaͤrterinnen, oft ſogar durch ‚bie 
Aeltern ſelbſt veranlaßt worden. Daher kaͤme es 
denn, daß viele Knaben, ‚gelangten fie zu einer veis 
fen Erkenntniß, in. ihrem zwölften, dreizehnten, 
vierzehnten Jahre gerade das Gegentheil von dem 
zu erwaͤhlen pflegten, was ihnen in ihren fruhern 
Sahren das liebſte geweſen ſey. Der Herr Rektor 
fragt, ob dies nicht auch derſelbe Fall mit Ihrem- 
Sohn feyn koͤnne. Ihr Herr Bruder habe viels 
leicht etwas zu laut gewuͤnſcht, das einft der kleine 
Vetter ein Kaufmann werden möchte; habe ihm zu 
Weihnachten und. bet andern Gelegenheiten vielleicht 
Spiele gefchentt, die auf den Kaufmannsſtand Bes 
ziehung hatten, 3. B. Heine Kaufmannsladen, Zahl⸗ 
pfennige, 


’ 


— 4. — 


ꝓfennige, die die Stelle des baaren Geldes vertre⸗ 
sen ſoliten u. ſ. w. — Micht falten erwecket man auf 
ſolche Weiſe in jungen Seelen die: verkehrteſten Vor⸗ 
Ftellungen; und: fo habe vielleicht Ihr Sohn, als 
Rind, geglaubt, der Kaufmann ſey der reichſte, der 
angeſehenſte Menſch, er koͤnne ſich ſo viel Vergnuͤgen 
machen, als er wolle, ihm ſey nichts. zu thenern.f. m. _ 
Freilich flugten dann felche: junge Menfchen nicht 
wenig: wenn: fie Alter wurden, mit eigenen Augen 
jeden . lernten; und nun fanden, daß. dem nice 
durchaus fo fey, was man. ihnen vorgeſchwatzt Babe, 
Rielleicht Habe jest ihre Sohn einſehen Lernen, daß 
auch der Kaufmann große Beſchwerde zu ertragen 
Babe, viel lernen und viel arbeiten muͤſſe; und —* 

Roönne zur Umaͤnderung feines vorigen Oinnes bet⸗ 
getragen haben. Er ſchlage Ihnen Daher vor, daß 
Sie Ihren Sohn: recht genau exforſchen möchten, 
ob er nicht etwa jetzt ban gelehrten Stand dem 
Kaufmannsſtande darum vorziehe, weil jener ein 
euhigeres, dem Anſcheine näch weniger muͤhſames 
Leben zu führen pflege. Nicht minder empfiehlt er 
ihnen, daß Ste Ihrem Gohne manderlei Schwie⸗ 
rigkeiten entgegenfegen, ihm das Mühfame des . 

Studierens recht lebhaft vor die Augen ftellen, und 
ihn mit den eben nicht immer erfreulichen Ausſich⸗ 
ten ded Gelehrten bekannt mashen möchten. Bes 
kaͤmpfe er diefe Schwierigkeiten mit einem frohen, 
Unerfchrocdenen Sinne; Überzeuge er Ste, daß nur 
Vorliebe zur Gelehrfamkeit diefen feinen Entſchluß 
bei ihm aufrecht erhalte; bezeugten feine feitherigen 
Lehrer gewifienhaft, daß er Genie, daß er Fleiß 
und Anhaltſamkeit genug, und vorzüglich ein edles 
zmenfchenfteundliches Herz befige: dann, meint er, 
follten Sie ihn ganz ruhig fludieren, und alle 

Sorgen fahren laflen, ob Ste ihn auch auf der Unis . 
verficdt gehörig möchten unterflägen können. Denn 
nad) feiner Ueberzeugung var der gewiß genägfam 
ee au 


— 418 — 


zu ſeyn, und mit Wenigem auszukommen, wer aus 
reinen wahrhaft edlen Gruͤnden, wer aus eigenem 
Triebe die Gelehrſamkeit erwähle Habe, nnd dieſe 
für die zärtliche Mutter der Weisheit Halte, Fer⸗ 
ner troͤſtet Ste mein Freund noch mit der täglichen 
Erfahrung, daß oft der weniger Begoͤterte ein ans 
genehmeres, vergnügteres Leben anf ber Univerfitde 
führe, als der, dem alle Gchäge offen ſtuͤnden. 
MNicht felten entferne der Reichthum den Studie 
genden von feiner edleren Beſtimmung. Auch fey 
es auf jeden Ball erfprießlicher, ein unvermögender . 
. Gelehrter, als ein — unvermögender Kaufmann zu 


n. 

m Nun noch ein Wörthen von mir. Wird She | 
lieber Sohn auf diefer von ihm ſelbſt erwaͤhlten 
Bahn unfern Hoffnungen entfprechen: fo wird ge 
wiß auch Ihr Herr Bruder gegen ihn nicht unge 
recht ſeyn Finnen. Davon iſt völlig überzeugt 
| Idhr 

aufrichtiger Freund 
N. 


L. Aufſ⸗ 








E Ä x. 
Aufträge, Beſtellungen, Anfragen, 





Meiste über biefe Gegenſtaͤnde gehören zwar zu 
den, eigentlichen Sefchäftsbriefen ;. deflen ungeachtet 
Balte ich es für noͤthig, auch hier einige Aumels 
fung. darüber zu geben. Kürze des Vortrags und 
»orzüglich eine genaue Beſtimmtheit defien, was 
man verlangt und wo und wie das Werlangte gefucht 
und beſorgt werden koͤnne, damit man dem. der 
uns einen Gefallen erzeigen fol, nicht zu viel Muͤhe 
mache, dies werden die Hauptregeln bei diefer Briefr . 
gattung ſeyn. Der Vortrag folder Briefe richte 
fih nach unfern Verhaͤltniſſen. Geben wir einem 
Breunde einen Auftrag: fo werden wir nicht viel 
Umftändlichtetten zu machen Haben, vorausgefegt, 
baß auch ein Freund gegen den Andern die Gefege 
der Artigkeie in Ehren Balten muß. Stehet bie 
Perſon aber, der wir einen Auftrag geben wollen, 
mit uns in Leinen genauen Verbältnifien, iſt fie 
uns wohl gar von andern empfohlen worden : fo iſt 
es ſchicklich, daß man fih über die Freiheit, die 
man. fi jest erlauben will, entfchuldige und um 
Wergeihung bitte. — Hat man irgend an Jemand 
einen unangenehmen Auftrag auszurichten: fo fey . 
man in der Ertheilung deſſelben behutſam, damit 
man uns nicht den Vorwurf der Unvorſichtigkeit 
und der Unartigkeit zu machen Habe, 


Dd e iR. 


215 
Dee Hausverwalter N. hat von feinem ‚Herrn, 
dem Baron v. H., den Auftrag erhalten, an 
den Maler N. in 2. zu fchreiben, daß dieſer 
die beftellte. Arbeit zur beſtimmten Zeit liefern 
möffe, weil man fie ſonſt nicht brauchen kͤnne. 
Hochgeehrter Herr! 
Der Herr Baron v. 5. iſt verreiſet, und Kat 
mir den Auftrag gegeben, Ihnen zu melden, daß 
die bet Ihnen beſtellte Arbeit auf jeden Ball in 
vierzehn Tagen fertig feyn muͤſſe, zu welcher ge 
er beſtimmt und. gewiß anf fein Gut wieder zurüds 
kehren wird. Sollten Sie zü fehr mit Arbeit üben 
Hänft ſeyn, daß Sie Ihr Verſprechen nicht Kalten 
tönnten: fo follen Sle es mir fogleich melden, damit 
ich mich noch zu. rechter Zeit an einen andern Maler 
wenden, und ihm diefe Arbeit Übertragen könne. Ich 


fhmeichle mir, daß Ste dem Herrn Baron entweder 


zur beſtimmten Zeit die verfprochene Arbeit liefern, 


oder folche abſagen, ihm aber auf keinen Fall Ger 


legenheit zum Unwillen geben werden. Indeß I 
aifo durch den Voten, den th in dieſer Angelegen) 
heit an Sie abgeſchickt habe, Ihren heſtimmien 
fepriftlichen Entſchluß erwarte, verbleibe Ich mit wah 
ver Hochachtung Den 
oo. Ew. Hochedeln on . 
ergebenfter N., 


KHantvermalter des Herrn Barons ne 


- 


. 
DE u De 


Ay u N | 216, 





an gi 0 


216. 
Der Muſikus 8. giebt ſeinem, ſich auf der Meſſe 
30 2. befindenden Freunde den Auftrag, ihm 
Biolinfaiten mitzubringen Ä 
Schaͤtzbarer Freund! Fe 
Sie verzeihen, daß ich Sie mit einem kleinen 
Aufteage befäftige: da ich vorausfehen farin, wie. 
. wenig Zeit Ihnen Ihre Geſchaͤfte Abrig laflen. Doc 
Sie find mein Freund; und darauf verlaffe ich mich, 
daß Ste mich beftens entfchuldigen, und nicht mit 
Mißvergnügen biefe meine Bitte erfüllen werben. 
3° merke, daß mein Saiten-Vorrath abnimmt. 
aben Sie doch die Gefaͤlligkeit, mie drei Dugend 
Violin⸗Quinten und ein Dügend Quarten einzu 
Laufen. . Sie finden ſolche in der Noftifchen Hands 
lung in Auerbachsı Hofe nicht nur am beften, fons 
dern auch am billigften; auch verfichert man, ‚daß: 
dieſe Saiten aͤcht romanifche feyn follen. Sonſt Babe 
ich für das. Dutzend achtzehn Groſchen bezahlet; 
es kann leicht kommen, daß fie jetzt theurer find, 
Es macht aber nichts aus, und ſollte der Preis 
Bbis zu einem Thaler geſtiegen ſeyn. Vermuthlich 
wird ſich in Ihrem Koffer ein Plaͤtzchen finden, 
am ſolche gut einpacken zu Tönnen, damit fie keis 
nem Schäden leiden. Mit meiner möglichften Bes 
reitwilligkeit fiehe ich Ihnen in andern Fällen wies 
- der zu Dienften. Bleiben Sie mein Freund, und 
—* Sie recht gute Gefchäfte. Dies wuͤnſchet 


te 
SEE: SRG 
ergebenfier Ereund und Diener 


6 


% . 
. ’ ! 


‘27. j 


ua 422 — 


217. 
Auftrag an einen Kaufmann zur Befkelung eines 
Stuͤcks Kattun. 


Hochgeehrter Herr! | 

Dein Freund, Herr A., bat Ihnen in eben 
verfloffener Meſſe ein Stuͤck Kattun abgekauft, deb 
fen Muſter mir außerordentlich gefallen hat. Leis 
der habe ich aber gehört, daß Ihnen diefer Artikel 
ausgegangen fey, doch wären Sie entfchlofien, diefes 
Mufter wieder druden zu laſſen, wenn Sie von 
der Abnahme deſſelben uͤberzeugt feyn könnten. Da 
fh nun vorausfehen läßt, daß es dazu an Lich 
Habern nicht fehlen wird, id) aber nicht wieder zu 
ſpaͤt kommen moͤchte: fo bitte th Sie, auf mid 
Beftens Ruͤckſicht zu nehmen, und für mich ein Stuͤck 
zu beftellen. Melden Sie mir es gütigft, ſobald dies’ 
fer Kattun angekommen feyn wird. Fügen Sie die 
fer Nachricht zugleich eine Rechnung bei, damit id 
den Betrag dafür fogleih entrichten kann. Wollen 
Sie aber auf die Zahlung hieſigen Orts anweiſen: 
— fol mie es ebenfalls genehm ſeyn. Mit wah⸗ 

er Achtung 
Ihr 


ergebenſter 

ais. 
Aufrage, wo man das fuͤr einen unſerer Freunde 

N. beforgte Klavier gekauft Habe. 


Kochedelgeborner, 
Ä Hochgeehrter Herr! 

Als ih jüngft Herrn R. in D. befuchte: fand 
ich bei ihm ein Klavier, das mir außerordentlich 
gefiel. Ich fragte nach, wer der Verſertigen ur 

elben 


ſelben fey: mein Freund konnte mir biefe Frage aber 
nicht beantworten; da-er nicht muſikaliſch iſt/ und 
die Snfteumentenmacher ihn alfo auch nicht intereſſi⸗ 
zen koͤnnen. Leider war fein Sohn nicht au Hanſe, 
Der mir gewiß Auskunft gegeben haben würde, &o. ' 
viel bat mir indeß mein Freund gefagt, daß Ste’ 
. fo gätig geweſen wären, und ihm diefed Klavier 
beſorgt Hätten, Da ich nun recht fehr wuͤnſche, 


ein Ähnliches zu befigen: fo Hin ich fo frei, mich | 


an Sie zu wenden, um mie gefälligft daruͤber Aus⸗ 
kunft zu geben. Zugleich bitte ich Sie, mir dem. 
Preis zu melden. Verzeihen Ste, daß ich Ihnen, 


als ein Unbekannter , mit meiner Bitte laͤſtig falle. 


Ihr und mein Freund Here R. hat mir aber zu 
. viel Ruͤhmliches von Ihrer Gefälligkeit gefags, «als 
daß ich Hätte Bedenken tragen ſollen, Ihnen mei⸗ 
nen Wunſch ‚zu eröffnen. Mit Wergnügen werde 
ich mich zu jeder Segengefälligkeit bereitwillig fine 
‚den laſſen, und verharre mit vollkommenſter Hochs: 


achtung 

Ew, Hochedelgeboren 

| ergebenfter 
W 219. | 
H. sieht dem Magiſter 3. Auftrag, ihm ein 


Gedicht auf. die Hochzeit eines feiner guten. - 


Freunde zu beforgen. 


Hochedelgeborner, 
Hochgeehrter Herr Magiſter! 

Mehrere Freunde haben mir das Vergnuͤgen 
gemacht, mir die von Ew. Hochedelgeboren theils 
fuͤr die kleinen geſelligen Freuden, theils bei andern 

Gelegenheiten verfaßten Gedichte mitzutheilen; und 
» th darf Ihnen frei geſtehen, daß mir ſolche Au 
en 


— 


N 


— M — 


gefallen Haben. Erlauben Sie daher, daß 

Pe in ‘einer ähnlichen Angelegenheit an Ste 
wenden darf. Einer meiner Freunde, ein junger 
froͤhlicher Burgersmann, hat in vierzehn Tagen 
Hochzeit, und heirarher ein junges, fehr huͤbſches 
Mähchen. Ich wänfhe Velden zu ihrer gewiß 
ſehr gluͤcklichen Verbindung meine Herzlichfte Theil⸗ 
nahme an den Tag zu legen. Gern wuͤrde ich es 
ſehen: wenn Sie dieſes Gedicht in einem muntern, 
ſcherzhaften Tone abfaſſen wollten. Die Wahl des 
Stoffs und deſſen Ausführung überlaffe ich Ihnen; 
nut wollte ich Sie bitten, daß Sie dabei auf unfern 
Grand, als gute ehrliche Buͤrgersleute, alfo vors 
zuͤglich auf Gemeinverſtaͤndlichkeit Ruͤckſicht nehmen 
möchten. Könnte das Gedicht nach einer allgemein 
. bekannten Melodie, z. B.: Bteut euch des Lebens, 
oder: Bekraͤnzt mit Laub, oder: Nun find die 
Gelder alle leer ꝛe. gefungen werden? fo wuͤrde, es 
gewiß. die Freude durch -allgeneinere Theilnahme 
erhböhen*). Den breizehnten dieſes ift Die Hoch⸗ 
zeit, weshalb ich mie das Gedicht fhon am. achten 
von. Ihnen erbitte, damit es moch gedruckt werden 
Bann. Verzeihen Sie, daß ich fo dringend Bin; 
doch Hoffe ich von Ihrer Muſe und bekannten Tas 
Ienten, daß Ahnen die.- Erfüllung meiner Witte 
feine Unmöglichkeie feyn wird. Meinen lebhafteſten 
Dank verfihere ih Ihnen voraus, dem ich alsdann 
meine Erkenntlichtete mit: vielem Vergnuͤgen nachs 

u folgen 


*) Wohl wird men tbun: wenn kan: dem Dichter üı 
die ſich heibathenden Perfonen moͤglichſt aid ae 
. rihten mircpelit 3 „barit er arq ven einem Bann, 
N ® 8 D | | . 
den Maͤdchen, wie von einer Srosle, mat —X 
bewahrter Unſchuld ſoreche, indem die ganze Scabt 
vom Gegentheil uberzeugt iſt. Leicht koͤnnen durch 
"BBeife, begangen Ficinen Defiähe amsrhu 4b 
’ en 1 
Beleidigungen beiviskt werden, ‚anbot alte 


— Mi — 

Selen Taffeny a jebergeit mit fe 2 
WERE Cs, — Roteblätsren | 

— u en: ‚dan. chelenten — 


u und 
Hete eure Herru A. den Auftrag, ſeinem 
Freunde O. zu verſichern, daß es unmoͤglich 
fey, ihm: ınie dem erbetenen Darlehn dienen 


zu können. Zugleich sieht er ibm noch andere . 


Aufträge. 


Hochgeehrtet Herr und Greund 


Herr ©. hat fih am mich gewendet, und Beh _ » 


mir um ein Kapital von zoo Thalern angefucht. 

Er bezieht fih in feinem Briefe auf Sie, um 
vermucthlich einen nähern Eingang zu finden, und 
ſchmeichelt ih, Ste für feinen wahren Freund Hals 
ten zu dürfen. Sch Eenne zwar den guten Mann 
nicht: kennte ich ihn aber auch noch fo genau, und 
wollte ich ihm auch noch fo gern dienen, weil er 
ſich anf Sie beruft; fo wäre ich es doch jest nicht 
‚sm Stande, da ich nicht bei Kafle bin. Er bitter 
zugleich um eine Ichleunige Antwort. Da ich aber 
in dem Augenblide, wo ih feinen Brief erhalte, 


auf vierzehn Tage verreifen muß, und die Pferde 


bereits ſchon angefpannt daftehen: fo muß ih Sie 
erſuchen, Ihrem Freunde, Herrn O., in meinem 
Namen mein Bedauern erfennen zu geben, daß 
ich ihm dies Mal nicht willfahren koͤnne. Sie wers 
den mich daher beftens entfchuldigen, damit er mie 
es nicht Übel deute, daß tch nicht felbft an ihn ges 
ſchrieben habe, Eine vierzehntägige Verzögerung 
- meiner Antwort Hätte ihn Leicht in Verlegenheit 
ſeten kdanen. 


Ad 


& 


— en 


Auch fende ih Ihnen hierdurch zehn Thale. 
Pranumeriren Sie damit bei dem — n. 
auf zwei Exemplare von Leonbardis Geographie won 
GSachſen. Seyn Sie verſichert, daß ich für alle Ihre 
GSefaͤlligkeiten erkenntlichſeyn werde, als 


5112 
.Idhnen ergebemer Freund 


- N 


. . OR . 
Beſchenkungsbriefe. 


v nn. 





Wir man jemandem ein mit einem Briefe Ges 
gleitetes Geſchenk machen: fo müflen wir zuvoͤrderſt 
unterfcheiden, ob der Zweck deflelben reines Wohl⸗ 
wollen oder Artigkeit ſey, oder ob der. Schenker 
Nebenabſichten dabei hat, um ſelbſt einen Vortheil 
dadurch zu gewinnen. Im erftern Falle muß dis 
Sprache unferes Briefes ſchlicht und Herzlich feyn, 
felöft wenn das Geſchenk an Vornehmere und Reis 
here gerichtet iſt. Oft ift das Geſchenk fo befchafs 
fen, daß es ohne großen Werth an fih zu Haben, 
durch irgend eine Beziehung dem Empfänger werth 
wird. Hier müflen wir uns oft einer feinern Wiens 
dung bedienen ‚_ wobei ſelbſt die Sprache der muns - 
‘tern Laune, befonders in Briefen an Freunde, nicht 
ausgefchloffen ift, obwohl fie nicht die Grenzen des 
.-Anftandes ÜHerfchreiten darf. . 
Beoſchenkt man aber Große und Vornehme, 
um fih den Weg zu ihrer Gunſt zu Bahnen: fo 
maß man mit der zarteften Schonung dabei vers 
fahren, und fo fehr wie möglich die Abſicht unfers 
Geſchenks verdeden. Oft hut man befler, fih am 
den Liebling eines Großen zu wenden, und dieſen 
für unfere Sache zu gewinnen. Diefer hat Selen 
gendeit, die Sache einzuleiten, den günftigen Augens \ 
blick abzumarten, und uns anf diefe Weiſe “m 
| t 


— “ 49 — 


Fr man nur. fich ſelbſt die Freude machen wolle, 


dem Empfänger unſere Liebe, unfere Achtung, unfere 
guten he zu bezeugen. ine uͤbermuͤthige 
Aeußerung wird: jedem. fein fühlenden Empfänger 


drädender noch, als ein Vormurf fen, und fid - 


wird In feinen Augen ben Werth des Gefchents 
Herabfegen. Oft, fehr oft tritt der Tal ein, daß 
auch ein: Seringerer einem Vornehmen ine. Wohl⸗ 
that zu erzeigen im Stande til. Er .Übschehe ſich 
nicht dabei ,. lafle. diefen nichts. Kon dem: Abflande 
ihrer beiderfeitigen Verhaͤitniſſe fühlen. Wer das 
traurige Loos eines Geſunkenen durch Harte Wors 
wöürfe nach druͤckender machen kann, finkt tiefer, 
als diefer. Wer in das verwundete Herz bei ſolchen 

Gelegenheiten einen Borwurf mit dem Stachel des 
Wiges oder Spottes druͤcken kann, weil. er. ſicher 
iſt, daß der Ungluͤckliche ſich dieſe niedrige Behand⸗ 
lung gefallen laſſen muß, und weil er dieſe fhreds 


liche Hälfe von ihm braucht, verfündigt ſich an der 


. gefanimten Menſchheit; und kein Edler, ſey er ‚aus 
weicher Nation und wes Glaubens er. auch: immer 
ſeyn wolle, wird bie That ohne Erfhütterung 
hören. 
Wenn man nach geleiſteten nuͤtzlich geweſenen 
Dienſten eine Perſon beſchenkt: ſo darf man ganz 
‚- angezwungen den Dank ſeines Herzens zu erkennen 
geben, heſonders wenn wir uͤberzeugt ſeyn duͤrfen, 
. daß unſere Belohnung dem geleiſteten Dienſte an⸗ 
gemeſſen ſey. Wer aber einen dergleichen Dienſt 
nicht nach Würden zu belohnen im Stande iſt, 


—V 


entſchuldige ſich mit ſeinem Unvermoͤgen, und ſuche 


wenigſtens feine biedern Geſinnungen, jedoch ‚fo ars 
ſpruchslos als moͤglich, auszudruͤcken. 
Alle Briefe dieſer Aut muͤſſen in ganz einfachen, 


ganz natuͤrlichen Ausdruͤcken und aͤußerſt ungekuͤn 


ſtelt geſchrieben werden. Zugleich muß mn n dabei 
alle Umftändlichkeiten vermeiden, und die Kürze “ 
zu 


— 430 — 


zum Geſetz machen. Wer ſich über eine Kleinigkelt 
viel Worte erlaubt, ſchadet ſich und reizt den Ems 
pfänger, weit weniger von dem. erkpfangenen "Ges 
ſchenk zu halten, als es wirklich werch iſt. _ 





1 


A. Briefe zur Begleitung ſolcher Geſchenke, 
‚Die ans Artigkeit und ohne alle eigennuͤtzige 
Nebenabſichten gemacht werben, 

2223. 


Der Gärtner H. ſchickt dem Kauftnanne 2. die 
Genfer einiger feltenen Nelkenarten. 


Ew. Hochedelgeb. erzeigten mir vor einiger Zeit 
. die Ehre Ihres Beſuchs in meinem Garten, und 
äußerten bet dieſer Gelegenheit Ihren Beifall über 
meine Deltenflur. Einige feltene Arten genoflen 
Ihrer vorzüglichen Aufmerkfamteit. Sie ſind nicht 
nur Liebhaber, Ihre Bemerkungen verriethen den 
Kenner. Aus diefen Gründen mache ih: mir es 
zum befonderen Vergnügen, Ihnen einige eingefebte : 
Senker von den Stöcden zu fenden, die Ihnen am 
vorzuglichſten gefielen. _ Moͤgen andere auch einen: _ 
gewiſſen Runfteigenfinn behaupten, und glauben, daß 
es ihnen zur Ehre gereihe, wenn fie diefen oder 
jeuen Blumenſchatz ausfchließend befigen, werauf - 
Andere Verzicht leiſten muͤſſen: ich. meines Theils 
glaube, daß die Blumenkultur nur dadurch befoͤr⸗ 
dert werden und gewinnen fönne: wenn einer dem 
Andern das, was er als einen Vorzug beſitzt, mits 
theilt, damit auch diefer feine Erfahrungen fanıs 
mein könne und augereizt werde, feine Bemuͤhun⸗ 
gen für das Beſte der Wiſſenſchaft fortzufegen. Es 
fol mich daher fehe freuen: wenn diefe Blumens 
gattung auch ferner noch einen Freund an Ihnen 
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I Herr! 

„on — erzeigten mir 32 N 

wmetnen Speten.au befucdhen. -Unter’meiner-Canitis. 

u son ten, die Ew. Gnaden in der B 

Se 
weg 

| Ay Aw. Hochwohlgeb. dieſen Stock angenblicktich * 


fſcdon Aber die Hälfte werbläher, woven Cie ip . 
—82 ſelbſt Aberzengten. Erlauben Si⸗ daher, daß 
Ih. Ihnen Hierdurch einige, nach meiner Ueberzeu⸗ 
fehr gute Center, von diefein Stocke übefent 
* ſehr wollte ich mich freuen: wenn meine Ho, - 
nung nicht getäufcht würde, und Ihmen Diefe.Zägs : 
""Sipige. einft daſſelbe Vognuͤgen machten, TB fs 
. Semi. die Stammaltern erfreuten. De iq mie. { 
En tnnlaften Verehrung. erfterhe 


0 Ein, Bochwohigeb. FE 
run 8anʒ gchorſatnſter © 
BL Beam dr Rate. . 
. \ . * ans, 


di 


223. 
9 aus m. 0. d. D. ſendet dem Baufmamne und d San: 
aule ** in Leipzig, ein Schock großeKrammetsvoͤgel. 
Hochedelgeborner, 
| Hoͤchſtgeehrter Here und Freund! 

As ich in der Michaelismeſſe die Ehre hatte, 
in Ew. Hochedelgeb. Familie zu ſpeiſen, ine Aus 
zeichnung, deren ich mich immer noch mit dem leb⸗ 
"Dafteften Vergnügen erinnere: dußerten Sie tie 
Meinung, dab die Krammetsvägel nach Ihrem Ges 
fhmade den Leipziger Lerhen. den Rang 
Breitig machten. Ich fühle mich verbunden, . 
dieſe Art Wögel meiner vaterländifchen Gegend bet 
Ihrem Beifalle zu erhalten; und ſende Ihnen Hier 
durch eine Schachtel voll durch die Poſt. Ich habe 
alles gethan, um Ihnen ſolche wenigſtens ſo gut 
und. friſch als möglich zu Überltefern. Moͤchte es 
mie gelungen fen, und möchte ich Ahnen dadurch 
das Vergnügen nur zum dritten Theile damit machen, 
was ich in den mir fo unvergeßlich gluͤcklichen Stun⸗ 
den in Ihrer und Ihrer liebens wuͤrdigen Familie 
Geſellſchaft genoſſen Habe. Sie find zu guͤtig, An 
menfchenfreundlich, als daß Sie zürnen koͤun 
daß ich mir dieſes erlauben konnte. Ich fühle 7 
zu gut, daß ein Gericht Leipziger Lerchen, in einer 
ſo allerliebſten Familie genoſſen, weit mehr werth 
ſey, als unſere lieblichſte Koſt: doch habe ich nicht 
ermangeln wollen, Ihnen wenigſtens meinen guten 
Willen zu zeigen. Nehmen Sie beſtens vorlieb, 
und halten Sie dieſen guten Willen fuͤr die That 
ſelbſt. Empfehlen Sie mich Ihrer verehrungswuͤr⸗ 
digſten Familie, und danken Sie dieſer in meinem 
Namen fuͤr die mir erwieſene Ehre und das mir ges 
machte Vergnügen wähtend meines Aufenthalts in L. 
Nehmen auch Sie den innigſten Dank dafür von 

Em. Hochedelgeb. 
egebenfign Diener 


224. 


— 435 — 


“ 224. 
Sr. ## mache N. (beide find noch jung und unver⸗ 
heirathet) ein ſcherzhaftes Reujahrögefipent *). 
Liebſter Freund! 

Im Augeunblick, wo ih Ihr Weihnachtegelchent 
erhielt, ſendete ich Ihnen das meinige ab. Sie 
werden verzeihen, daß ich fuͤr Sie ebenfalls auch 
ein liebes gutes Mädchen beſtimmt hatte. Auf dey 
Mädchen beruhet nun ein Mal alle unſere künftige 
Gluͤckſeligkeit. Das niedliche Gefhöpfehen, das Sie 
mir indeß zugedacht haben, iſt allerdings bezgaubernd - 
ſchoͤn, und, freiherzig geflanden, es iſt faſt zu. 
fhön für. mich. Es if fo weich, daß es, wenn 
- man ed der Sonne nur eine Stunde fang ausſetzen 
wollte, zerfließen mäßte. . Ein fo weiches Weibchen 
kann einen deutfchen Dann von echter Art und 
Geſinnung nicht gluͤcklich machen. Das Geſchoͤpf⸗ 
chen, das Ihnen hierbei bey Moflträger in einer 
Schachtel wohlverwahrt überbringen wird, durfte 
dem deutſchen Charakter angemeſſener ſeyn; wenige 
ſtens werden Sie damit nicht ſo aͤußerſt behutſam 
ſeyn dürfen, als ich mit dem Ihrigen. Moͤge unſer 
gutes Geſchick Über uns walten, und uns, da wie 
Beide des lieben heiligen Eheſtandes Kandidaten 
find, das finden laſſen, was uns nicht nur auf 
‚ die kurze Zeit der Flitterwochen der Eich, fondern 

zeitlebens glüädlih machen kann. Dies "wönfcet 
vor der Hand und zugleich beim Antritt des neuen’ 


Sehres 
Ihr | 
Ahnen ergebenfter 
N, 





B. Briefe 


. 8 klei 
— ge vi 


— 44 —— 


B. Briefe zur Begleitung gewiſſer Geſchenke 
ans Dankbarkeit. 


228. | 
U, an ‚feinen Advofaten oder Gachwalter, der 
ihm in einer verwicelten Sache zu feinem 
Vortheile zu dienen verſprochen bat, und fich 
dieſer redlich annimmt. u 
Hochedelgeborner Kerr, J 
Hochzuverehrender Herr Finanzkommiſſaͤr! 
Ew. Hochedelgeb. haben ſich das Beſte meincr 
Ihnen uͤbergebenen Streitſache fo ſehr zu meinem 
Vottheil angelegen ſeyn laſſen, daß ich mich bei⸗ 
nahe zu ſchwach fuͤhle, Ihnen meine Erkenntlich⸗ 
keit nach Wuͤrden bezeigen zu koͤnnen. Moͤchte Ihnen 
indeß die Inlage dieſes Briefs wenigſtens als ein 
kleiner Beweis meines Zutrauens dienen. Sie ſind 
zu guͤtig, als daß Sie blos den aͤußern Werth defs 
ſelben berechnen follten: vielmehr bin ich von Ihnen 
überzeugt, daB Sie mehr auf die innern Empfins 
dungen meines dankbaren Herzens rechnen werden, 
Sch ſelbſt würde mich zi tief herabſetzen, wollte 
ich glauben, Ihren Eifer dadurch für mich befenern 
zu fönnen: da ich zu fehr von Ew. Hochedelgeb. 
edlem Charakter Äberzeugt bin, als daß dergleichen 
Ermunterungen auf Sie von einigem Einfluffe fen 
koͤnnten. Recht innigft Bitte ich Sie, mir von Zeit 
zu Zeit Gelegenheit zu geben, Sie Überzeugem zu 
Binnen, wie fehr auch ich Ihte Nechrfchäffenheit - 
und allgemein bewunderten Talente verehre.. Nie 
follen Sie befürchten dürfen, daß Ihrer unwuͤrdig 
handeln wird 


Ihnen ergebenfter Verehrer und Klient, 
| N. RD RXliiem 


226. 


‚226. 
B. fender 5. ein Geſchenk für feine gehabten 
Bemühungen. | Ä 


Verehrungswürdiger Herr und Freund! 
Ganz gewiß würde ih mich zu den undankbar⸗ 
ſten Menfchen rochnen mäflen: wenn ich gegen die 
mir von Ihnen erwiefenen gefälligen Dienfte uners 
kenntlich fenn wollte. Längft aber bin ich fchom mit 
mir zu Rathe gegangen, auf weiche Weife ich Ihnen 


meine Erkenntlichkeit bezeigen könnte; und bei meis - 


nem beften Willen fand ich immer noch meine Kräfte 
zu ſchwach. Möchte es mir indeß gelungen ſeyn, 

Ihnen durch beiliegende Kleinigkeit nicht ganz miß⸗ 
faͤlig zu werden; moͤchte ich wenigſtens Ihrem ſo 
edlen Zartgefuͤhle nicht zu nahe getreten ſeyn i Reche 
ſehr gkuͤcklich würde ich mich ſchaͤtzen; ſollte das 
Ueberſchickte Ihnen nicht ganz unangenehm. ſeyn? 
noch gluͤcklicher wuͤrde ich mich aber fuͤhlen; woll⸗ 
ten Sie mir nur einen Wink geben, wie und auf 
welche Weiſe ich Ihnen ein Vergnügen machen koͤnnte. 

Ste ſollten ſich ſehr bald. aͤberzeugen, wie bereite. 
willig dazu ſeyn wuͤrde | . 


Ihe 
Ihnen verbundenfier und ergebenfise 
M. 
— — —— 
Ee— 12 


‚227. _ 

5. ſchickt dem Arzte feines Sohnes ein Anden⸗ 
fen für ben demſelben erwiefenen glücklichen 
Beiſtand *). 


Wohlgeborner, 
> Höchftgeehrtee Herr Doktor ! 

Ben verdante ich wohl mehr die Freuden und 
Se Hoffnungen meines Alters als Ihnen? Sch bin 
Aberzeugt, wären Sie weniger beforgt, wären Sie 
nicht fo aufmerkfam, fo thätig, fo gefällig gewefen: 
ich würde trofiios durch den Verluſt meines einzigen 
Sohnes geweien fem. Sie wollten meinen Bitten 
nicht nachgeben, und mir beftimmen, was ich Ihnen 
ſchuldig ſey. Dadurch machen Ste mid zu Ihrem 
großen Schuldner, and ſetzen mich in eine nicht ges 
ringe Verlegenheit: da. ich es fühle, wie viel ich 
Ihnen verdanke. Ste dußerten jüngft ein befons 
deres Wohlgefallen Aber ein Meines Service unter 
dem Geſchirr meines nicht bedeutenden Haushalits. 
Ich bin fo gluͤcklich gemefen, daflelbe in der Fabrik, 
die das meinige verfertigt Hatte, wieder zu finden, 
Möckte es Ihnen doch auch jest noch die Freude 
machen und Ihren Betfall erhalten, wie vor einb 
ger Zeit. Zärnen Sie nice, wenn Sie an bee 


einen Taſſe meinen Namen finden: ich wollte 


Ihnen dadurch nur andenten, wie fehr ich überzeugt 
fey, daß ich lebenslang Ihr großer Schuldner Bleibe, 
Empfangen Sie hierdurch meine wiederholte Ver⸗ 
pflichtung, daß nie mein Dank und meine innigfte 


Den 


D Dr. 2, hatte fein Wohlgefallen der ein Kaffeefers 
vice gedußert, das Äh im Haushalt des Herrn N. 
nd. batte nach der Geneſung feines Sohnes 
den -Dr. £ gebeten, ihm zu beflimmen, was er ihin 
Die than, Mate rs eialg nur der Bilkhipe des 
N nus der 
Hrn, 32. iderlafen malen, j j 


Verehrung veridſchen wird, und daß ich kein groͤ⸗ 


ßeres Vergnuͤgen in der Welt kennen werde, ale 


wenn Ste mir Gelegenheit geben wollen, Ihnen 
meine dankbaren Empfindungen noch deutlicher am 
den Tag legen zu können, der ich mir es zum hoͤchſten 
Vergnügen mache, mich unveränderlich nennen zu 


viren 
Ew. Wohlgeb. 
| ganz ergebenſten Diener 


228. 


G. ſendet dem Lehrer ſeiner Rinder ein Weih⸗ 


nachts⸗ oder Reujahrsgeſchenk. 
Schäsbarfter Breund! 
Es kann Ihnen nicht unbemerkt geblleben ſeyn, 


wie hoch ich Ihre Bemühungen für die Wohlfahrt 


meines Kinder fchäge, und das ich überzeugt bin, 
wie viel Ihnen diefe fehuldig find. Es ſollte mir 


zur größten Freude gereichen: wenn ich Ihnen das, 


PR 


was Sie diefen und dadurch uns, ihren Aeltern, 


erweiſen, fo reichlich vergelten könnte, als ich wuͤnſchte. 


Drehinen Ste indeß diefe Wenigkeit zu einem klei⸗ 


mnen Andenken, und. zugleich für einen Beweis unſe⸗ 
zer inninften Achtung an.‘ Bleiben Ste. auch: kuͤnf⸗ 


tig der Freund meiner Kinder, mein und meines 


Hauſes Freund. Nie werden wir aufhören, uns 


Ahnen: durh den, innigften Dank verpflichtet zu 
fühlen; und was in unferm Vermögen ſtehet, Ihnen 
Diefen auf das thätigfle zu bezeigen, das wollen 


wir Ihnen vom Grunde unfter Herzen gern gewähs 


"zen. Ich würde heute einigermafien in Verlegens 


beit feyn: kennte ich Ihre edlen Sefinnungen nicht 
genau genug, daß Ste das Gute einzig nur um 


des Guten willen, entfernt von allen eigennügigen 


Nebenabſichten, hun. Möchten Sie doch vl 


— 438 — 


Aüuberzeugter werden, daß ich den Lehrer meiner Kin 
der für ihren größten Wohithäter halte. Nach dies 
fen. meinen Grundſaͤtzen richten Ste mich, und ſchlie⸗ 
Gen Sie daraus, wie fehr ich wuͤnſche, unaufhoͤt⸗ 
lich zu feyn . 

Ihr 


Ihnen ergebenſter Freund 


“ 


220. | 
4. (endet an F. ein Geſchenk für eine ihm erzeigte 
bedeutende Sefälligkeit. | 
Hochedelgeborner, 
Hochgeehrteſter Herr! 
Ihre Guͤte hat mich zu Ihrem großen Schulb⸗ 


ger gemacht. Senn Sie überzeugt, daß ich es 


fühle, wie gefällig Sie gegen mich find, und wie 
Sie zu meiner höchften Zufriedenheit meine: fett 
berigen Aufträge beforgt haben. Mit Vergnuͤgen 
fende ich Ihnen die. für mich gehabten Auslagen, 
Sch bin fo frei geweſen, diefen noch eine Kleinig⸗ 
keit beizulegen. Erkennen Ste, wenigſtens meinen 
guten Willen daraus: da ich volllommen überzeugt 
bin, daß die mir von Ihnen geleifteten Dienfte 
meine Kräfte weit üÜberfieigen. Indeß werde ih 
- eine Gelegenheit vorübergehen laſſen, um Sie jeder: 
zeit au Überzeugen, daß ich nie aufböre zu feyn 
*. Ew. Hochedelgeb. 

verbundenſter 

N. 


C. Sriefe 


\ 


uuin 439 —X2 J 


C. Briefe zur Begleitung eines Hochrit⸗ ot oder‘ 
Patpengefchenfs, 
230. 
Bei ueberſendung eines Hochzeitgeſchents. An 
eine Pathe. 
Meine liebe Jungfer Pathe! 
Recht ſehr angenehm wuͤrde es mir ſeyn; koͤnnte 
ich das Vergnuͤgen haben, bei Ihrem Zeqhzeifeſt⸗ 
gegenwärtig zu ſeyn, um Ihnen mündlich zu vers, 
- fihern, wie lebhaft ich an Ihrem Gluͤck und an 
Ihrer Freude Theil nehme. Leider aber Balten 
mich unvermeidliche Hinderniſſe ab. Ich bin von 
Ihren guten. Geſinnungen überzeugt, daß Ste uf 
mich deshalb nicht zürnen, fondern mich beftens ent⸗ 
fhuldigen werden. Wenn ih auch an dieſem feiers 
lichen Tage nicht perfänlich bei Ihnen erfcheine: fo ' 
werde ich doch im Geiſte um und neben Ihnen feyn, 
und mein Gebet um den Segen des Himmels wird 
ſich mie dem Shrigen vereinigen. Bott laſſe es 
Ahnen und Ihrem lieben Bräutigam wohl gehen. 
. Zu einem PMleigen Andenken. überfchicke ich Ihnen 
- ein geringes Hochzeitgeſchenk. Moͤchte es Ihnen eben 
fo angenehm feyn, als ich es Ihnen gern und mit 
Sreude gebe. Behalten Sie mid ferner lieb, und - 
empfehlen Ste mich Ihrem guten Bräutigam. Sagen 
Sie ihm zugleich, daß ich ihn hochſchaͤtze und liebe, 
. und daß ich mich freuen wuͤrde, wenn ich mich ſei⸗ 
ner Segenfreundfchaft verfichert haften dürfte. Won 
mir können Sie überzeugt ſeyn, daß ich nie auf 
bören werde zu Teyn 
Ihr 
Ihnen mit dem aufrichtigſten Herzen 
ergebener Pathe und Freund 
N. 

231. - 


nn 
Ein Brief an einen Bekannten, begleitet von 


einem Hochzeitgeſchenke. 


Hochgeehrter Herr und Freund! 

Nehmen Ste meinen innigfien Dank fär bie 
tige Einladung zu Ihrem Hochzeitfeſte. So fehr 
AH mir es zum ausgezeichneten Vergnügen machen 
würde, ein perfönlicher Zeuge von Ihrem Gläcdke 
zu ſeyn: fo Halten mid) dod wichtige Hinderniſſe 
ab, die ich, meinem befien Willen zuwider, zu ber 
feitigen durchaus niht im Stande bin. Bom Grunde 
‚ meines Herzens wuͤnſche ich Ihnen zu Ihrer Wer 


"Bindung Gluͤck. Der Himmel fröne Ihre Wuͤnſche, 


und die zufriedenfte Ehe fey bis in das fpätefte Alter 
Ihr gefegnetes Loos, Leben Sie an der Seite Ihrer 
lieben Auserwählten froh und frei yon Allem, -mas 
Ihr Gluͤck ſtoͤren Fönnte. "Empfehlen Sie mid) ihr 
zu gütigem Wohlwollen, und verfihern Sie fie meis 


. ner aufrichtigſtei Achtung. Zum Andenken dieſes 
. auch für mich feierlihen und angenehmen Tages, 


da ich dad Gluͤck meiner Freunde fo Hochfchäge mie 
. mein eigenes, nehmen Sie beiderfeitd von mir beis . 
liegende Kleinigkeit mit Liebe und Freundfcaft an; 
und denken Sie dabei, daß fie aus den Händen 
Ihres N. kommt. Zugleich Bitte ich Sie um die 
Bortdaner Ihrer mir ſo ſchaͤtzbaren beiderfettigen. 
reumöfgaft, in welcher fih wahrhaft geſchaͤtzt 
t 


Ihr 
Ihnen ergebenſter 
| N. 





232, 


— Al _ 


232, 
Bei Ueberfendung eines Vathengeſchenks. 

(Antwort auf Nr. 108. diefer Briefe.) 

Wertheſter Herr Gevatter! | 
Ihre gütige Zuneigung, mich zum Pathen Ihres 
lieben, am Gten diefes yebornen Sohnes zu erı 
wählen, rechne ih mir zur befpndern Ehre, und ih 
danke Ahnen Herzlich dafür. Es thut mir leid, 
wie Sie auch ſchon voraus eingefehen haben, daß 
es mir wegen unferer weiten Entfernung unmögtich 
war, perfönlich. gegenwärtig feyn zu können. Em⸗ 
pfehlen Sie mich daher dem KHerin Stadtrichter 


Ehrlich, und verfihern Sie ihm, daß ich ihr rechte _ 


ſehr verbunden bin, meine Stelle einſtweilen gütigft 
- vertreten zu haben. Für meinen Pathen, den ich um 
- feiner mir fo ſchaͤtzbaren Aeltern willen voraus ſchon 
särtlichft Liebe, und von dem ih die Hefte Hoffnung 


| bege, lege ich ein kleines Angebinde mit dem Wunſche 
- Bei, da5 Ste, mein guter Herr Gevatter, und Ihre 


liebenswärdige Sattin mehr auf des Gebers Herz, 
als auf den unbedeutenden Werth diefes Geſchent⸗ 
Rackſicht nehmen moͤgen. Gott ſegne meinen klei⸗ 
nen Pathen, und laſſe ihn zur Freude ſeiner Ael⸗ 
tern aufwachſen! Ich werde mich feiner, fo Tange 
ich lebe, mit Vergnügen erinnern; und zweifle gar 
nicht, daß er fih einft der allgemeinen Achtung, 
die feine Familie genteßt, ebenfalls würdig machen 
werde. Ein inniges Vergnügen foll mir es feyn: 
. geben Ste mir von Zeit zu Zeit von Ihrer theuern 
- Gattin, insbefondere auch von meinem einen Par 
then, fo wie von Ihrem Wohlbefinden die angenehm: 
ſten Nachrichten. Der ich mit wahrer Hochachtung 
verharre 


Ihr 
aufrichtiger Bevgeter und Freund 


D. Stiete 


‘ 


r 


D. Briefe bei der Gelegenheit, wenn man ein 


Geſchent aus Wohlthaͤtigkeit ertheilt. 
233. 


%. an M. nach der ſchrecklichen Feuersbrunft 


in **. M. war unter den Verungluͤckten nicht 
mitbegriffen, er harte fich aber bei allen feinen 


vermögenden Kreunden für die Abgebrannten | 


beſtens verwendet. 


Mein guter lieber M.! 


Sie dürfen es von meinem Herzen unbedingt 
erwarten, daß mich die Nachricht von der in Ihrem 
Wohnorte entftandenen ſchrecklichen Feliersbrunſt tief, 
ſehr tief erſchuͤttert hat. Wenn ih auch dem Him⸗ 
mel danke, daß Sie von dem ſchrecklichen Ungluͤck 
befreit geblieben find, das fo viele Ihrer Mitbuͤr 
ger betroffen bat: fo fordern mich doch meine Leben 
zeugungen und meine Gefühle auf, für Ihre les 
denden Mitbrüder, die aud) die meinigen find,. alles 
zu thun, was nur in meinen Kräften ſtehet. Ich 
danke Ihnen daher aufrichtig für Ihr gütiges Zus 
trauen. Wer fchnell giebt, giebt doppelt. Freund, 


nehmen Sie einftweilen diefe 25 Thaler, die id : 
Ihnen ſende, und vertheilen Sie folche unter die, 


welhe am meiften Roth leiden. Sich werde mid 
fortdauernd für die Ungläclichen der guten Eins 
wohner in ** bei meinen wohltbätigen Sreunden 


verwenden. Zwar will ich nicht allzuviel vorand, : 


verfprechen: doch wird fich keiner von denfelben aus 
fhließen ,. wenigflens etwas zur Milderung ihres 
Elends zu thun. Bald Hoffe ih, Ihnen mehr ein 
fenden zu können. Ich babe an das Herz unfers 
8. gefprochen. Er bat, mie Sie wiſſen, einen gro 
.Ben Einfluß, und ihm fchläge man nicht Teicht eine: 
Bitte ab. Inſtaͤndigſt aber bitte ich Sie, Sana 

amen 





N 


— 445 — 
Namen in den oͤffentlichen Blaͤttern dieſer Kleinige 


keit halber nicht aufzuführen; ich bitte, ihn ſelbſt 


denjenigen zu verſchweigen, denen Ste diefe Wenig⸗ 
keit von mir einreichen. Wenn ih nur etwas zue 
Milderung ihres Elends beitrage :! fo din tch belohnt 
genug. Ich kann das Unweſen in den sffentlichen 
Blättern nicht wohl leiden: wenn für jede Kleinigs 
keit ein großer Lärm geblafen wird. Leider iſt es 
aber oft nöchig: denn viele Geber halten mehr auf 
die Hffentlichen Anzeigen, um darin ihre Namen 
prangen zu fehen, als auf das edlere Gefühl, etwas 
zur Milderung des Elends beigetragen zu haben. 


Auch mag eine äffentlihe Anzeige aus.dem Grunde 


bisweilen noͤthig ſeyn, damit der Geber überzeugt 
werde, feine Beiſteuer fey wirklich zu dem beſtimm⸗ 


gen Zweck verwendet worden: da fi) Fälle ereignet 


Haben, daß unberufene Einfammier die oͤffentliche 
Mohichätigkeit mehr zu ihrem Vortheile, als zur 
Unterſtuͤtzung der empfohlnen Unglädlichen benugs 
ten. Wohl uns Unter die erwähnte Klafle gehört 
feiner von uns beiden. Möge Sort mein Gebet 
erhören, und das Wentge, was ich thun kann, tans 


ſendfaͤltig fegnen. Wäre ich reicher, Herzlich gern 


würde ich mehr thun. Schluͤßlich danke ich Ihnen 
für She gütiges Zutrauen und für die Gelegenheit, 
einen meiner angelegentlichften Wünfche befriedigen 
zu koͤnnen. Mehmen Sie dabei: die Verſicherung, 
daß ich mit umgetheiltem Herzen bin | 
Ihr 
N. 


zäh 


- Mk — 


234. 
Derſelbe ſchreibt zum zweiten Dale am feinen 
Freund, und ſchickt ihm die eingefammelten Seh 
träge für die Abgebrannten gu **. 


Sreund ! 

Wie unausſprechlich iſt die Freude, mit weils - 

her ich Ihnen abermals einige Beiträge für die 
armen Ungläcklihen zu ** überfenden kann. Zreund 
8. bat fih auf eine fehr edle Arı verwendet. Weber 
das, was er felbft gegeben Hat, ‘verlangt er keine 
- Erwähnung, und verbitter fich folche ernſtlich. Leber 
die Summe aber, die er von Andern eingefender bat, 


wuͤnſcht er eine öffentliche Quittung in den Leipgiger 


politifchen Zeitungen. Viele Namen diefer Wohl⸗ 
thätigen finden Ste audgefchrieben, diefe kaffen Sie 
bduchſtaͤblich abbrucken, über die Gründe babe ich 
Zonen ſchon in meinem vorigen Briefe wenigſtens 
meine Meinung unverhohlen geäußert. Man lafle 
ihnen ihren Willen, und halte fih deswegen nicht 
üder fie auf. Wenn nur Gutres gethan wird: mag 
es doch aus noch andern Abfichıen gethan werden, 
ſobald dieje nur nicht fchädlich find oder zu Lacher 
lichkeiten Anlaß geben. Gott fegne jeden guten Wil 
len! Beben Sie diefe Beiträge ebenfalld an dies 
jenigen der Abgebrännten, die nirgends eine, Bel 
Hälfe zum: Erfag ihres Verluſtes zu hoffen haben, 
Leben Ste. wohl, mein Freund. Laflen Sie uns 
gemeinschaftlich für das Beſte unferer unglädtichen 
Mitbürger auch fernerhin noch beſorgt ſeyn. Dur 
die Erfüllung einer fo fchönen Pflicht befeſtiget fid 
die Sreundfchaft der beffern Menfchen immer mehr 
und mehr. Davon iſt fo gut wie Sie überzeugt 


dr 
Ste zärtlich liebender Freund . 
N. 
23% 


= 235. nn 
3. an feine ehemalige Köchin, bie lange “Fahre 
in feiner Bamilte gedient bat, und jegt ‚alt, 
kraftlos und Eränftich iſt. | 
> 2 Meine liebe Rofine! 


Mit Wehmuth babe ich gehört, daß Si⸗e ſich 
ſeit einiger Zeit nicht wohl, faſt taͤglich kraftloſer 
und in der traurigen Lage befinde, faſt Noth Is 
den zu mäflen. Nehme Sie deshalb die kleine Unter⸗ 
ſtuͤtzung von mir mit gutem Kerzen an, und fey - 
Sie verfichert, daß ich auch ferner noch für Sie 
forgen werde, Es bleibe mir unvergeßlich, daß Sie 
‚meiner Familie fo lange Jahre die treneften Dienſte 
gefeiftet hat; und ich halte es aus dieſer Urſache für 
meine Pflicht, auch jege noch dafür erfenntlich zır. 
ſeyn. Hat Ste fonft noch einen. billigen Wunſch 
auf Ihrem Herzen, deflen Vefriedigung von mie: 
. gewährt werden Bann: fo wende Sie ſich ungeſcheut 
an mich. Vertraue Ste ferner auf Gott in Ihren 
Leiden, und quäle Ste ſich nicht mir zu ängftlichen 
Sorgen. Ich Habe den Doktor N. gebeten, daß: 
ee Sie befuchen fol. Beine Bemühung und die 
Arznei bezahle ih. Halte Sie fih aber auch nur 
gut, und befolge Ste feine Vorſchriften pünktlich. 
Meine Frau und meine Kinder grüßen Ste insge⸗ 
fämmt, und wuͤnſchen Ihr baldige gute Beſſerung. 
3% verbleibe wie immer 


erfenntlicher 


p 


236. 


| 236. 
Der junge K. au die ehemalige Wärterin feiner 
Kinderjahre, 


Taufend Mal Habe ih an Ste, meine liebe 
Chrifttane gedacht: denn ich habe es nie vergeffen, 
. wie viel Gutes Ste mir in meinen erflen SKinbers' 
‚jahren ertwiefen hat. Shrer guten ZBartung, Und 
Ihrer Vorfiht verdanfe ich meine gefunden Glied⸗ 
maßen; und ich kann wohl fagen, daß Ste es eigents 
fh war, die mich auf die Beine gebracht bat. 
Noch immer erinnere ih mich fo manches Vergnuͤ⸗ 
gens:, wag Sie mir machte, und wie viel Geduld 


Ste mit meinen Unarten hatte, ohne mid) deswegen. 


zu verziehen. Mit recht großer Freude habe ich 
gehörer, dab Ste ih an den Meifter P. in M. 


verheirathet bat, und daß Sie mit ihm vergnuͤgt lebt. . 
Leider forl aber, wie ich böre, Ahr alter Water an. 


der Sicht hart darnieder liegen, und feine Krank⸗ 
heit foll Ihr oft einen Koſtenaufwand machen, der 
Sie bisweilen in Verlegenheit fege. Möge. Bott 


Ihr diefe ſchwere Laft bald erleichtern. Webers - 


zeugt, daß Sie auch an meinem Schickfale Antheil 
nimmt, melde id) Ihr, daß ich. mich recht wohl 
befinde, und mein fehr gutes Austommen habe, Als 
ein Kennzeihen meiner Dankbarkeit habe ich diefem 
Briefe ein Meines Andenken beigelegt. Nehme Sie 
damit einfiwetlen vorlieb. Haͤtte Ste noch irgend 
einen Wunſch, den ich zu befriedigen im Stande 
Senn kann: fo offendare Ste mir Ihr Herz. Ich 
werde immer fo viel für Ste thun, als mir möglich 
iſt. Gruͤße Ste Ihren lieben Mann unbelannter 
Weiſe von mir, und lebe Sie ferner mit ihm zufries 
den und gluͤcklich. Dies guuſqhet vom Herzen 
| 


Freund 
N. 


— 


237. 


23 
⸗ 


- U — 


237. 

Der Bürger O. fickt dem Tageloͤhner R. eine 
milde Gabe, der ehedem in ſeinen Dienſten 
geſtanden, und ſich jetzt an ihn gewendet hat, 
nachdem er durch ſeine eigene Saul an den 
Bettelſtab gerathen iſt. 

Armer X.! 

Ich bedaure ſehr, daß Er ſic in einer fo. trau⸗ | 
tigen Lage befindet. Er Hat das gute Zirtrauen zu 
mir, und bittet mich, Ihn mit einer kleinen Gabe 

u unterflügen. Sch.will es gern thun, und ſchicke 

Kom vor der Hand zwar nur eine Wenigkeit; aber 

es wird nur auf Ihn ſelbſt ankommen, wenn ich 

in Zukunft noch mehr für Ihn chun fol. Was 
unter und ehedem vorgefallen. it, foll vergeben und 
vergeſſen ſeyn. Ach Hoffe, daß Er im fich gehen 
und mir Gelegenheit geben wird ; ınich wieder über 

Ihn freuen zu können. Gen Er künftigrecht ordent⸗ 

lich, fleißig , frarfam und befcheiden: und Er wird 

ſich bald von den guten Folgen Überzeugen, die Ihm 
eine gute Aufführung bringen wird. _ 


“ 


3. ſchickt dem kungen. F ‚der fein Vermögen 
verſchwendet hat, und nun Andern durch Bitt⸗ 
briefe auf eine faſt unverfchämte Weife laͤſtig 
fälle, abermals ein Geſchenk; und giebt ihm 
zu erkennen, daß er ibn Eünftis mic feinen 
Briefen verſchonen möge. 

Mein Freund! 
So gern id Morhleidenden beiftehe: ſo wols 
len es doch meine Umfiände nicht erlauben, fo viel 
au thun, ale ich wuͤnſche. Wie bereitwillig nn 


— 448 — 


Ihren Wuͤnſchen nachzugeben, davon werden Sie 
ſich gewiß ſeither uͤberzeugt Haben. Dies Mai kann 
ich Ihnen aber nur eine Kleinigkeit anbieten; und 
ich fuͤrchte von Ihrer Beſcheidenheit nicht, daß Sie 
deshalb auf mich zuͤrnen werden. Wenn es Ihnen 
auch nicht glaubhaft ſeyn ſollte: ſo verſichere ich 
Ihnen jedoch theuer, daß mein Unvermoͤgen mehr, 
als mein guter Wille davon die Urſache iſt. Aber 
auch dies Wenige werde ich in Zukunft nicht mehr 
fuͤr Sie thun koͤnnen: denn ich habe einige ſehr 
arıne Anverwandte, und unter meinen übrigen Bes 
Tannten befinder fih mancher alte Mann, beflen 
Schwaͤchlichkeit mich zur Pflicht der mir möglichen 
Unterftügung auffordert. Sie werden daher gewiß 
‘fo gütig fern, mid mit. fernern Aufträgen dieſer 
Art.zu verfhonen: da mir es wehe thun mürde, 
Ihnen eine abihlägige Antwort ertheilen zu müflen, 
06 ich‘ mir gleich nicht anders heifen könnte, Der 
ich mit Aufrichtigkeit verharre 

. ergebener 
N. 

| 239. | 

Der Jabrikant H. ſchickt als ein unbekannt 
ſeyn Wollender dem ungluͤcklichen, in unver⸗ 
ſchuldete Armuth gerathenen Fraͤulein v. &, 
ein fuͤr ſeine Vermoͤgensumſtaͤnde nie unde⸗ 
deutendes Gefthent. 

Gnadiges /Fraͤulein! | 
. Zürnen Sie nicht auf den Ihnen Unbefannten, 
der es wagt, Ihnen Hiermit einen Pleinen Beweis 
feiner innigſten Verehrung zu geben. Ihr Zarts 
gefühl wird feine. guten Abſichten nicht zu feinem 
Machtheile deuten; und er bofft,. von Ihnen nie 


verfannt zu werden, wenn er auch bitten muß, 
Ihnen 


- 5 


‚ıd 


y ı | . 
| — “9 — a 
Ihnen füe immer unbekannt bleiben gu darfen. Mit 
der innigſten Empfindung wuͤnſcht er, daß ſich Ihr 
trauriges Schickſal, das Sie fo unverdient berrofs 
fen bat, bald in Freude verwandeln, und daß eine 
güdtihere Zukunft Ihrem edlen Charakter die uns _ 
bebingtefte Gerechtigkeit widerfahren laſſen möge, 
Wie groß würde dann bie Thellnabme feyn des 
U Sie 


| ochſch enden und hter Ach 
| lt ‚nicht an hip . 


E. Beſchenkungsbriefe zur Erreichung gewiſ⸗ 

fer Abſichten und Vortheile. 
E77 

Ein Kattunfabrikant an den Präfibenten der von 


dem Fuͤrſten errichteten vaterländifchen Unters i 


Kögungsanflale ( Kommerziendeputation). 
Hochwohlgeborner Herr, 
| Gnaͤdiger Kerr Praͤſident! 


Ueberzeugt von dem edlen Patriotiemus, wu 


" den Em. Hochwohlgeb. für die vaterlaͤndiſchen Mas 


nufattwren fo thätig Außer, woge Ich «6, Hode. .. ' 


denenſelben zwei Stuͤcke Kartum von unferer Arbeit 
unterthänigfi, als einen geringen Beweis unferer 


Ehrfurcht, zu überreichen. Möchte diefer neue Vers. - 
ſuch Ew. Hochwohlgeb. guddigen Beifglis: nicht uns . . 


würdig feyn! Gewiß wuͤrde dadurch unfer Eifer 
nur noch höher fleigen, den vortrefflihern Englaͤne 
biſchen Produkten diefer Art immer näher uud näher 
su kommen. Gtönden wir biefen auch noch zur 
Zeit durch das gefällige aͤußere Anſehen nach; weil 
der Geſchmack oft fehr wunderlich iſt, und in Sachen 
bdes Geha Indem as Urtheil — 
31 ** 


J — 480 — 
muß: fo ſchmeicheln wir uns doch, daß ſich die 
innere Guͤte dieſer Artikel auf jeden Fall mit jenen 
auslaͤndiſchen Waaren vergleichen laſſen kann. Ob 
mie zwar gleich Bein Opfer zu groß iſt, unfern Ver⸗ 
fuhen die möglichfte Vollkommenheit zu geben: ſe 
fühle ich aber doch, dag die Kräfte eines Privan 
mannes nicht ausreichen, feinen Einfichten und Wan⸗ 
fhen gemäß das leiften zu können, was er bei einer 
bedeutenderen Unterflügung leiften würde. Wenn 
es wahr und erwieſen iſt, daß vorireffliche Manu⸗ 
fakturen und. Fabriken der Segen und die Ehre 
eines Bandes ſind: fo darf ih von Ew. Hochwohl⸗ 

eboren gnaͤdigen Geſinnungen füt das Befte unfers 

Landes erwarten, Hochdieſelben werden thaͤtigſt unſern 


Eifer zur Emporhebung der vaterlaͤndiſchen Manu⸗ 


fakturen durch Ihre gnaͤdige Verwendung bei. Sr. 
Fuͤrſtl. Durchl. beſtens unterſtuͤtzen, um das anges 
fangene Werk zu einer hoͤhern Vollkommenheit zu 
bringen. Mit der redlichſten Gewiſſenhaftigkeit darf 
ich betheuern, daß ih Ew. Hochwohlgeb. vielgelten⸗ 
den Fuͤrſpruch mit dem unterthaͤnigſten und lebhaft 
teſten Dante erkenne, und mic bemühen werde, 
dieſer vorzügfichen Gnade: mich: flets würdiger zu 
zeigen, der ich mit den Gefühlen der inntgſten Ehr⸗ 
erbietung erſterbe | u 

Ew. Hochwohigeb. 

unterthäniger Diener 
“N. | 


.. 241. 
Au den Sekretaͤr des Generals von **. 
Hochedelgeborner, 
BHochgeehrter Herr Sekretaͤr! 
Daß Ew. Hochedelgeb. Färwort bei Sr. Excel⸗ 
lenz, dem Herrn General, von bedeutendem Einfluſſe 


fo, bin ich volltomnmen aberzeugt. An wen sur 


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ich wich daher wohl mit mehr offannz . as an u 


Sie menden, dieſes mein unterthänigites Bktefihreii - 
bew dem Seren General zu überreichen? &6 beteiffe 
‚ die Losgebung meines einzigen. Sohnes vom Mitte 
taͤr, nachdem er zfoanzig. Fahre lang gedienet hat. 
Ich bin ein after fuͤnf und ſiebenzig jähriger Mann, 
werde von Tage zu Tage kraftloſer, und warde Man⸗ 
gel und Kummer leiden muͤſſen, wärde mir die Haife 
meines Sohnes verſagt, von welchem ich einzig une. 
den mir nöchigen Beiſtand in meinem fo —* 
erwarten fan. Em. Hochebelgeb. haben zu 
miein den guten Ruf des vortrefflichſten 
freunbes für, fi, als daß ich fürchten dAufte,. ı 
Ihrer Pflicht etwas Ungebührliches zuzumuthen ind 
Fehlbitte zu thun: vielmehr verfpreche ich mir. vors 
aus, daß Oie mich kraͤftigſt unterügen, und Se... 
Excellenz den Hetrn General zum Gehen eines leie 
benden Sreifes zu gewinnen füchen ‚werben... Mit 
ohne Erröthen haͤbe ich es gewagt, diefem meinen, 
‚“ Briefe eine a für Ew. Hochebelgeboren Muͤh⸗ 
waltung, die ich Ihnen werurfache, Heizufegen, um u 
Ihnen doch einigermaßen mein daukbares Her; zu er 
hennen zu geben. Wirkten mir. Ew. Hochedelgeb. die 
Greilaſſung meines Sohnes auf: 0 gewiß der erfreuete — | 
alte Vater des guten Sohnes, auf den er als er 
". Gtüge rechnet, würde auch ferner alle feine Kräfıı 
‚ aufbieten, Ihnen die lebhafteſten Beiweiſe feiner 


kengtlichteit auf das thaͤtigſte je geben. Der 3 
mit der innigſten —— verharr u 5 
u sehrrfemen. 
l — — 4 
- = . far ER I 
. a 


x. Driefe, von einem Geſchenk begleitet, faͤr 
geleiſtere Gefaͤlligkeit und Dienſte. 


242. 


Hededelgeborner Herr, 
Sehr ſchaͤtzbarer Freund und Goͤnner! 


Ihre Site hat mich Beinahe ſchamroth gemacht. 


* Ne angelegen haben Ste fi in meiner Sache 
und zu welchen Gegengefaͤlligkeiten verr 


—— &ie mich dadurch! Nehmen Ste einfiweis 


In ng beiliegender Wenigkeit vorlich, und ſeyn 
Sie verihert,, daß id mis aller Aufmerkfamksit 


| ‚  Navanf bedacht feyn werde, Ihnen auf eine thätigere 


Beife : meine Erkenntlichkeit on den Tag legen zu 
innen. Doch werde ich immer noch, dies fühle ih 
auch. bei meinem beften Willen, in Ihrer Schafd 


Heiden. Ein großes Vergnuͤgen würden Sie mir 


wachen: gäben Sie mir bald feldft eine Gelegenheit, 
Sie von den Gefühlen meines Herzens mäher zu übers 


= wugen, wit welchen ich unaufhoͤrlich bin und Heide Ä 


She. 


verbundeafer Diener . 


| ng | 
Der Bürger U. beſchenkt den Holberwalter J. 
weil er ihm bei der genaueren Unterſuchung 
eines Bauerguts, das er kaufen wollte, mit 


Rath und That beigeſtanden, und ihm den 


Kauf defſſelben abgerathen hat. 
Lieber Herr Verwalter! | 
Sie Haben ſich es recht ſehr angelegen feyn 
kaffen, mich durd Ihren freundfchaftlichen guten 
Math fowohl, als durch die mufterhafte Gewiſſen⸗ 


haftigkeit, womit Sr bei der nähern air \ 


4’ 


u l J 5 —468 m J 
des Bauergute in D. in pas Innere enjudringen . 
‚bemüht waren, auf das Innigſte zu’ verpflichten, 
AIch ſchatze Ihre Freundſchaft: da mir Ihre Graͤude 
nun vollkonmen einleüchtend find, ob ich folche [don 
‚anfangs nicht Mar genug einzuſehen Im Stande war. | 
Sätten Sie mich nicht ſo freundſchaftlich —A . 
ich würde vielleicht einen Verluft von faſt mehr. als 
 taufend Thalern erlitten haben; da, wie es Ihnen 
nicht entgangen feyn Ban „ meine Vorliebe zu: dies 

em Ankaufe feſt entſchieden war. Ich Din bei Dies 


he Gelegenheit von den Sefinnungen Ihest biebern ö ne 


Charakters und Ihrer trefflichen — aufs neue 
ſehr lebhaft uͤberzengt wyrden. So ſehr mich auch 
mein Herz auffordert, Ihnen deswegen meinen —* Bu 
Ken, meinen thätigfen Dank zu brzeigen: fe Si ' 


#6 06 in Berisgmbeit, ig vier Bilde gu | 


entledigen, wie ich, wuͤnſchte. Nehmen Ste beilles 

. gende. Kleinigkeit als ein geringes ——— a. 
‚betrachten Gie: ſolche aber nicht als eine 32 

andern als das —& eines Herzens, das 3 Om 


y Ihren 
em und Erfahrungen fo en feine. Achtung: | De 
beweiſen ſtrebt/ fo unvermögend ich mich auch fühle,“ 
dieſen meinen Wänfchen vollommene Genfige zu fir - 
“fen. Doch Sie find zu ahtig, meins oier Abe: , 
zu vortennen: wiehmehe ſchmeichle ich ee Ar ©ie: : 
darans abnehmen —— ws 2“ nd 
. mid nennen zu Dürfen. DEE 














’ Ä u : “ . > 
IJ antbar veifundenfin‘ .. 
nt N: 100.3 


xt. Ä 
Dankfagungsfgreiden. 


| 


Ehdlangen⸗ Wohlthaten, uUnterſtütungen, Halfe | 
leiſtungen, Gefaͤlligkeits⸗, ſogar Hoͤflichkeitsbezeie⸗ 
gungen fordern an und fuͤr ſich ſchon unſer ſittliches 
Gefühl zur Dankbarkeit auf: daß wir aber mit der 
Aecußerung unfers Danks nicht leichtſinnig zögetn fols 
. Sem, gebietet der Wohlſtand. Ein verzögerter Dauk 
En une leiche im ‚den Verdacht der undankbarkeit 


et ſchriftlichen Dankſagungen beobachte man 
folgende Regeln genau.‘ Segen Vornehme oder 
Große, die unfere Sinner und Wohlthäter find, - 
muß das Gefühl der Ehrfurcht der vorberrfihende 
Ton unfers WVortrags, jedoch: aber,. ohne deshalb 
in ängftliche Ziereret zu fallen, herzlich und natür⸗ 
lich ſeyn. Dicht weniger muß man auf dem flttlis 
chen Charakter diefer Perfon Ruͤckficht nehmen. Viele 
der Sroßen find eitel, ſtolz, ehrfüchtig; und vers 
langen oft für Beine, unbedeutende Haͤlfsleiſtungen 
den groͤßten Dank in den ehrfurchtsvollſten Ausdruͤk⸗ 
ken, ſo daß es einem faſt ſchwer wird, ihnen ohne 
Verlaͤugnung des eigenen Ehrgefuͤhls, Genuͤge zu 
leiſten. Kennt man nun die hochgeſpannten Ans. 
pruͤche folder Menſchen: fo thue man zwar eher - 

J v J ‚iu 


— 488 . 


zu viel, als gu wenig, jeboch unter der unerlaßli⸗ 
hen Bedingung, daß man fi ich dabei nicht ſelbſt ent; 
wuͤrdige. 2 
Der wahre, gebildete Große und Vornehme 
iſt beſcheiden. Gegen dieſen äußere man 4war ſei⸗ 
nen Dank ebenfalls mit Ehrfurcht, Zeineswegsd aber“ 
übertrieben, fondern nur kurz und herzlich, und je 


natuͤrlicher, defto beffer. Er fähle fich belohnt genug: 


wenn er andre glücklich macht, und erwarten darf, 
daB man feiner gütigen Theilnahme würdig ſeyn 
werde. : Denn was fann " geradherzige, unbefans. 
gene Menfchen ekelhafter feyn, als leere Worte 
zu leſen, fo fchön fie immer gefagt feyn mögen; und- 
was enthalten gemeinhin. Danffaqungsfchreiben ans 
ders, wenn fie nichts mehr, als ein erſtickender 
Weihrauch und geſchraubte Komplimente ſeyn fols 
len? — — An Freunde oder Perfohen, "die mit 
uns gleiches Standes find, fehreibe man herzlich 
und natürlich. Beides kann neben einander beſtehen, 
‚ohne der Artigkeit Eintrag zu thun. 
Ferner prüfe man, ob die Gefälligkeit, Huͤlfs⸗ 
Yeifung , oder Wohlthat demjenigen, der fie uns 
erzeigte, Schwierigkeit gemacht, oder wohl gar Auf 
opferungen gekoftet. Habe, oder ob es ihm Teiche 
wurde, unfere Bitte, unfern Wunfch zu erfüllen. 
Hricht weniger nehme man auf den Werth derſelhen 
Ruͤckſicht. Denn würde man für eine Kleinigkeit in 
übertriebenen Ausdruͤcken danken: fo. fönnte man . 
fih, befönders in freundſchaftlichen Briefen, in das 
nachtheilige Licht eines unverfhänten Schmeichlers 
oder Heuchlers ſtellen; der Empfänger des Briefs 
tönnte fogar ärgwähnen, daß ihn fein Freund zum- 
Beſten haben wolle. Zwar giebt es Fälle, mo Kleis 
nigfeiten uns fehr erfprießfich feyn und große Dienfte: _ 
fetften koͤnnen: dann aber führe man feine Gründe . 
an, vermöge welcher fih unfer Dant und unfte \ 
Ereude fo lebhaft zu aͤußern ſtrebt. 
Sollte 


N, 7% | N: 
nes — 

Sdollte es im Gegentheil geſchehen, daß uns 
fegend eine Gefaͤlligkeit oder Külfsieiftung erwieſen 
worden fey, die unſerm Wunſche nicht ganz ents 


ſpraͤche: fo laſſe man fich diefes keineswegs abmers 
ten; fehe behurfam fey man dann befonderd gegen - 


vornehme oder empfindliche Freunde, wenn fie wents 
ger leiſteten, als fie Hätten leiſten können. Oft 
(don brachte ein gutmuͤthiger, Herzlicher Dank die 
gute Wirkung hervor, daß man es einfah, man 
hätte mehr Ieiften können, und man that dann bins 
teeher mehr, als vorber gebeten oder gewuͤnſcht 
Worden war; flatt daß ein kalter, zu fireng abges 


mieſſener Dank meiflentheils zuruͤckfcheucht, ſogar 
. öfters erbittert, und uns, vielleicht nicht ganz unver 


dienter Weife, den Vorwurf ber Grobheit zuzieht. 

Es kann wohl der Fall kommen, daß bie, dem 
Dankfagungen an Vornehmere, beigefuͤgte Formel: 
„man werde diefe uns erzeigte Wöhlchar zu erwies 
‚been fuchen, und zu aller Segengefälligkeit bereit 
ſeyn,“ (wie man dies fogar in neuern Briefſtel⸗ 
lern finder) den Empfänger des Briefs beleidigt: 
da er fie leicht für einen verſteckten Vorwurf ers 
klaͤren kann, als hielte der Dankſchreiber ihn des 
Eigennuges fähig, der doppelt zurüderwartet, was 
er giebt, oder auch, ale wäre es dem Dankſchrei⸗ 
der laͤſtig, ihm verbindlich zu feyn. ‘ 

Schlaͤßlich will ich noch bemerten: Sollte man 
duch Krankheit oder durch andere wichtige Lms 
ftände feine Dankfagung auf einige Zeit haben vers 
ſchieben muͤſſen: fo entfchuldige man fih damit, und 
bitte um Verzeihung. 





47 — 


Dankſagung fuͤr erwieſene Gefaͤlligkeiten bei einem 
freundſchaftlichen Beſuche. 
Werthgeſchaͤtzter Freund! | 

Die genoß ich die Freuden der Näderinnerung _ 
lebhafter, als in dieſen Augenblicken. Immer lebe 
und webe ih noch in Ihrer mir fo angenehmen 
: Gefellfchaft, immer. verfege ich mich noch im. Geifk 
in den Ztekel. der lieben Ihrigen und Ihrer Freunde. 
Nehmen Sie daher meinen innigften Dane für 
Ihre freundliche Aufnahme und die mir gewährt 
ten fo gluͤcklichen Stunden und vergnügten Tage. 
Danten Ste ‚ebenfalls in meinen Namen Spree 
lieben Bartin und allen Ihren Freunden fü Das das 
viele Gute, was Ich bei Ihnen genoſſen habe. 
lieber Freund, erfüllen Ste nun, auch meine. Sie 
und befuchen Sie auch uns mit Ihrer ſaͤmmtlichen 
Samtlie: denn Ste haben ſich meinem Herzen ſo 
unentbehrlich gemacht, daß ich mit Sehnſucht der | 
Stunde entgegenblide, wo Ich Gie wieder umarmen 
werde. Zwar fehle. ed uns Hier an: der ſchoͤnen 
Gegend, die mi um und bet N. entzüdte; zwar 
mangelt es uns an fo mancher Gelegenheit, uns 
außerhalb unfers Maufes zu verghügen, an fo mans 
cher Abwechfelung, woran Ste faft Ueberfluß Haben: 
laffen Ste fi aber deshalb nicht abſchrecken, und 
kommen Sie nur getroſt zu uns, unfere Liebe und 
unfere Freundſchaft wird "dafür forgen, daß Ste 
wenisftens keine Langeweile haben follen. Empfehr 
ten Sie mich Ihrem lieben Weibchen, Ihren guten 
Kindern zum geneigten Andenken; fagen Sie ihnen, . 
wie tch fo ganz mit dankbarer Erinnerung an Ihnen. 
Allen hänge, und wie es mein größtes Vergnuͤgen 
fey, mich nennen zu Shunen, befter Freund 

den 
, aufrichtig argebevlten ha 
u - 249% 


— 458 — 


2482 J 
Dankſagung für ein freundſchaftliches Geburts⸗ 
tagsangebinde. ⸗ 
Innigſt geliebter Freund! 
Wie ſehr haben Sie mich durch Ihr angeneh⸗ 
mes Geſchenk an meinem Geburtstage uͤberraſcht! 
Noch betrachte ich es immer mir neuem Vergnügen; 
und finde mich jedes Mal in einer neuen Verlegen 
Beit, 06 ich mehr Ihre Wahl und Ihren vortrefis 
lichen Geſchmack bewundern, oder ob ich mich mehr 
Aber Ihre zärtliche Theilnahme freuen ſoll. Nicht 
leicht konnte ich mir es vorſtellen, daß einer meiner 
taͤngſt genaͤhrten Lieblingswuͤnſche fo trefflich und fo 
ſchnell befriedigt werden koͤnnte. Nehmen Ste daher 
meinen wärmisen Dank ſowohl fuͤr diefe hoͤchſt am 
genehme Ueberrafhung, als auch Insbefondere für 
die diefem lieben Andenken beigefügten herzlichen 
Bünfhe. Möge fie der Himmel erfüllen! Sehens. 
ten Ste mir aber vor allen Dingen auch in mei⸗ 
nem neuen Lebensjahre Ihre Freundfchaft, wie bier 
Ber; damit ich immer meht d das Süd fühle, mich 
nennen zu duͤrfen 
Ihren - 


zietlichen redlichen terund 
N. 


246. 


Dankſagung an eine Verwandte, für ein unſern | 


Kindern gefendetes Weihnachtsgeſchenk. 


Beſte Frau Muhme! 

Was Sie uns allen fuͤr eine Freude gemacht 
haben, das geht weit über ‚meine Befchreibung. 
Wir Hatten unfern Kindern verfchiedene Kleidungss 
ſtuͤcke geſchenkt; fie waren ihnen lieb: aber: dieſe 


Zreude glich bei weitem dem lauten Entzuͤcken nicht, 
waͤs 


was fie Aber die. von Ihnen erhaltenen Geſchenke 
Außerten. Was kümmerte meinen Karl ber fchöne 
- Meberrod und das neue KBE Buch, das auf dem 
Tifche lag: ſobald er die Soldaten gewahr wurde, 
dte Ste ihm gefchickt Karten! Und was hat Lorchen 
für Freude über die ſchoͤne Puppe, die nun ihre 
“Alles iſt! Da meine Kinder noch nicht im Stande 
find, ihren Dank, wie er in ihrer Seele liest, felbft 
ausdrücen au können: fo erlauben Ste mir, für 
fie fprechen, und Ihnen verfihern zu dürfen, daB _ 
: fie nicht aufhören, ihre liebe Stan Drydıne zu er⸗ 
waͤhnen, die ihnen dieſe ſchoͤnen Sachen geſchenkt 
hat. Sie haben uns zu oft ſchon burch ſo manche 
ausgezeichnete Freude uͤberraſcht, daß wir wirklich 
erroͤthen und uns beſchaͤmt fuͤhlen muͤſfen. Kennten 
wir Ihre ſchoͤnen Empfindungen nicht, daß Ihnen 


mehr an der Freude, die Sie Andern zu machen 


wänfchen, als an dem Dante liege; ben diefe Ihnen 
dafuͤr ſchuldig finds ich wuͤrde mich im einer. großen 
Derlegenheit befinden. Wüßten wir nur, womtt 
wir Ihnen ebenfalls. eine Freude machen könnten: 
mit dem größten Vergnügen würden wie jede Ges 
legenheit ergreifen. Ihre gütigen Geſinnungen lafs 
fen mid und meine Frau' hoffen, dag Sie nice 
zuͤrnen werden: wenn meine vierjähtige Tochter, 
Ihre Pathe Lorchen, es wagt, Ihnen ein. Paar 
Strumpfbaͤnder zu uͤberſchicken, die fie ſelbſt geſtrickt 
hat. Sie iſt faſt ſtolz darauf, das erſte Opfer 
ihres Fleißes ihrer lieben Frau Pathe widmen zu 
koͤnnen. Nehmen Sie, beſte Frau Muhme, dieſe 
unbedeutende Kleinigkeit wenigſtens als einen Ber . 
weis Ihres Kleinen ‚Lieblings an, wie innig er Sie 
. Webt, wie fehr er wuͤnſcht, Ihnen zeigen zu koͤn⸗ 
nen, dankbar zu feyn, und wie er ſich beſtreben 
- wird, . Ihrer Zufriedenheit künftig noch waͤrdiger zu 
* werden. Leben Sie wohl, und nehmen: Sie ‚von 
uns allen die innigfte Werfiherung an, daß wie 
u ung. 


“ — 469 — 


uns nie glaͤcklicher fühlen, als wenn wir pns and 
‚ferner uoch Ihrer Liebe würdig halten’ dürfen, und 


daß ich es zu meinen angenehmften Freuden zähle, 


Sören . 


mich zu nennen 
Ahnen lebenslang verbindlichſten 


| 247. | 
Dankſagungsſchreiben für ein erhaltenes Hoch⸗ 


| zeitgeſchenk. 
Zochgerhrter Freund! 


Sie wuͤrden mich durch Ihr liebes freundſchaft 


liches Andenken ganz gewiß in Verlegenheit geſetzt 
Baben: waͤre ich von Ihrem und Ihrer lieben Gat⸗ 
tin geneigtem Wohlwollen, ſeitdem wir uns einan⸗ 
"der kennen, nicht fo unzählige Mal mit guͤtigem 
Auvorkommen .überrafcht worden. Sch und meine 
Frau (Braut) danken Ihnen werbindlichft für das 
uns gefendete angenehme Hochzeitgeſchenk, und vers 
eehren es als einen neuen Beweis Ihrer unauflöss 
 Üchen, Kreundfchaft. - Bir werden: es als ein heili⸗ 
ges Denkmal aufbewahren, und fo oft wir es ers 
ölicken, Ihre gütigen Gefinnungen gegen uns fegs 
, wen; ja es fol als ein Zeugniß bei unfern fpäteflen 
Nachkommen bleiben, daß wir fo glücklich waren, 
Ihrer Liebe und Ihrer Hufmerkfamkeit gewürdigt 


-yu werden. Möchten Sie aus diefen Gefühlen bie 


"Größe und die Aufrichtigkeie unfers Dante abneh⸗ 
men, und fich Überzeugen, wie fehr wir, ich und 
meine liebe Frau (Braut), es ung zur angelegents 
lichſten Sache unfers Herzens machen werden, Ihnen 
auf Das thaͤtigſte zu zeigen, wie fehr wir uns durch 
are feeandichaftliche Theilnahme geehrt fühlen. 

pfehlen- Sie uns Ihrer lieben Gattin und Fa⸗ 
milte, und bleiben Sie ferner dem mit Ihrer 


Liebe 


Liebe gewogen, der das Wergnügen Bat, ſich zu 
u dankbar obenſen | 


248. 


Dantfagungsfchreiben in einent ähnlichen Falle 
an einen Vornehmen. 
‚Soqmoßtgeboene, | 
Gnaͤdiger Herr! 
Emw. Hochwohlgeb. gnaͤdige Geſinnungen, die 
Dieſelben auch jetzt wieder fo großmuͤthig gegen 
wich und meine Grant geäußert. Yabın, fordern 
mich zu dem innigften Dante anf. s uns übers 
(endete fehr reichäche —— ſoll uns ein 
immerwaͤhrendes Denkmal Ihrer Gnade bleiben, 
und es ſoll uns u ermuntern, derſelben wuͤr⸗ 
diger zu werden. Die Zukunft ſoll und rechefers . 
tigen, und. Ei. Guaden Aberzeugen, wie hoch wie 
die Gnade fhägen, Ihrer Aufmerkſamkeit ſeithet 
nicht ganz unwuͤrdig geweſen zu ſeyn, und wie ich 
insbeſondere mich unauſhoͤrlich beeifern werde, ſer⸗ 
ner mich nennen zu dürfen | 
Ew. Hochwohtzeh. on 
unterthanigen | 
u io, 
Ä Dantfagungsfchreiben fir ein erfaftenes Barhıne 
geſchenk. 
(Antwort auf den 232ſten Brief, u 
Theuerſter Here Sevatter! 
Es war ſchon ein auszeichnendes Side für 


mein Re, daß Ste fe gütig waren, bie Otelle 
eines 


_ 462 — 
eines Taufzeugen vertreten zu wollen: wie ſehr 


haͤufen Sie daher unſre Schuld, daß Sie Ihren 
kleinen Pathen noch obendrein mit einem fo anfehns 


lichen Geſchenke beehren. Es ift nicht nur meine . 


Pflicht, Ihnen dafür zu danfen: nein, ich werde 
meinem Sohne diefed Kennzeichen Ihres Wohlwols 
Iens heilig aufbewahren; damit er es, wenn er 


einft erwachfen und des Gebrauchs deflelben fähig . 


feyn wird, als ein Andenken verehre, und als eine 
Aufmunterung betrachte, feines Herrn Pathens fi 
anf das dankbarſte zu erinnern, und der guten Meis 
ung würdig zu werden, die Sie von ihm ſchon 
in feinen erfien Lebenstagen besten. Meine Fran 


empfiehlt -fich Ihrem lieben Herrn Sevatter, und ich 
‚mache mir es zu einem beſondern Vergnügen, mit 


wahrhafter Aufrichtigteit zu feyn 
an Ihr 


ganz ergebenfter Gevatter und Freund 


250. 


Dankſagungsſchreiben an einen Vornehmen, der 


unfern Sohn anjehnlih unterflügt hat. 
Wohlgeborner, 
Hoͤchſtgeehrter Herr Kammerrrath! 
Mit den Empfindungen der ehrerbietigſten Dank⸗ 
barkeit ruͤhmt mein Sohn von Poſttage zu Poſt⸗ 


tage die erhabene Unterſtuͤtzung, deren Ew. Wohl⸗ 
geboren ihn wuͤrdig zu achten, die Guͤte haben. 
Mit der tiefften Ruͤhrung hoͤre ich dieſe dem Her⸗ 


zen eines Vaters ſo erfreuliche Nachricht; und meine 
Hand und meine Augen erheben ſich zum Himmel, 


- Am heißeſten Gebet die Gottheit anzuflehen, daß 


fie den edelmuͤthigen Wohlthaͤter meines „Sohnes 


| - taufendfältig. dafür fegne. Wenn mir mein Sohn - 
fein Leben dantes fü verdankt er Ew. Wohlgeb. fein 


 Borts 


x 


Fortkommen und feine Bildung, welches welt mehr 
werth if, als alles, was th ihm geben kant, 
Ich muͤßte mid ganz in ihm irren: dürfte ich nicht 
von. ihm Hoffen, daß er diefe Wohlthat gehörig zu 


ſchaͤtzen wiſſen, undalle feine Kräfte aufbieten werde, : 


fih Ihrer würdig zu machen. Erhören Sie meine 
Bitte, ihm auch ferner noch Ihre gätige Unters 
ſtuͤtzung zu gönnen, worauf das Stück feines Lebens - 
beruhet ; und gerzeihen Ste feinem Vater, wenn 
er gedrungen durch die Empfindungen feiner Dans 
barfeit nicht länger anftchen konnte, Ihnen bie 
Hochachtung und Verehrung zu bezeigen, die er 
Ew. Wohlgeb. ſchuldig iſt; erlauben Ste ihm - zus 
gleich, Ihnen zu verfihern, daß er für fein hoͤch⸗ 
fies Gluͤck Halt, fih bis an den letten Hauch ww 
nes Lehens zu nennen. -- 

Ew. Wohlgeb. 


— 


dankber verbundenſten 
N. | 


251. 
Dankfagung Über die erhörte Fuͤrbitte für ing 
Nothleidende. 
(Zu dem Briefe Nr. 208. gehoͤrig.) 
Snochedelgeborner , 
Verehrungswürdigfter Gönner! 


Mein Herz fagte mir es gleich, daß meine 
Fuͤrbitte für die Ihrer Wohlehätigkeit von mte 
empfohlnen drei leidenden Familten nicht ohne Ers 
Hörung zuräcktommen würde. Sie haben, theuers 
ſter Sönner, Ihre milde Hand reichlich aufgerhan, 
und meine Hoffnung bei weitem übertroffen: da ich 
weiß, diefe Armen find nicht die ingigen die fih 
Ihrer Wohlthaten zu erfreuen haben. Mit ſtren⸗ 
ger Gewiſſenhaftigkeit habe ich Ihre Morfchriften 

- befolge, weshalb. ih Ihnen hiermit bie are j 

, es . 


— bi — 
Beſcheinigungen' ſchuldigerweiſe beilege. O Sie 
. Hätten die Thraͤnen der Freude ſehen, Sie haͤiten 
die frommen Wuͤnſche und Gebete der Uugluͤcklichen 
Sören ſollen, die fie für die ihnen gereichte Wohl⸗ 
that zu dem ewigen Vergelter mit der. hoͤchſten Ins 
nigkeit fendeten!. Doc, ich kenne Ihr vortrefflihes 
Herz — Ich will Ihnen daher nicht mit weitlaͤuf⸗ 
tigen Befchreibungen diefer herzerichütternden Scenen 
tätig fallen: da nur Ihr einziger. hoͤchſter Zweck 
‚ Sutes zu thun; und da Sie zufrieden find, 
— 8 etrocknet zu haben, ohne auf den Dank 
der Sererteten einige Ruͤckſicht zu nehmen. Ans 
dieſen Gruͤnden bedarf ich auch Feiner langen Ent⸗ 
ſchuldigung meiner Zudringlichkeit : doch davon kann 
ich mich nicht losfprehen, Ihnen meine Hochach⸗ 
tung zu bezeigen, und Sie zu verfihern, daß ich flolg 
darauf bin, mich nennen zu bürfen | 
Fe Ew. Hocedelgeboren 
| Ä innigften Verehrer 
S nt 282. a 
Daukſagung au unfern Gönner, der und zu einem 
beffern Fortkommen behuͤlflich geweſen iſt. 
Wohlgeborner, — 
Hoͤchſtgeehrter Herr Kammerrath 
Mit der lebhafteſten Ruͤhrung ſtatte ich Ew. 
Wohlgeb. meinen verbindlichſten Danf für die gärige 
Berwendung zu meinem beflern Fortkommen "ab, 
Denfelben bin’ ich vs einzig ſchuldig, daß ich ruhiger 
in die Zukunft ſchauen kann, und daß mich num 
niche Anger Sorge und Kummer quälen, und mein 
Herz nicht mehr mit jener Unruhe erfüllen, die mid 
nicht felten unfählg machte, meinen Pflichten fo 
nachzukommen, wie ich wuͤnſchte. Ich kann meinen 
Dank nicht kuͤrzer zuſammendraͤngen, als menu ich 
J Em, 


— ME.” Ä 
w. Wohlgeb. verfihere, daß Sie durch die Er⸗ 
jeung meiner Bitte eine ganze Familte glücklich 
macht haben. Mit welchem Frohgefuͤhl werde td) 
ın ein neues Leben beginnen: da Tage voll Kums 
ers, wie die meinigen waren, bitterer,, als ſelbſt 
2 Tod find. Der Anbruch des Morgens wird mich 
muntern,, alle meine Kräfte aufzubieten, mir den 
eifall Ew. Wohlgeb., meines gütigen Goͤnners, zu 
werben; und bei dem Sinken der Sonne werde 
» mich fireng prüfen, ob ich diefen meinen Vorfag 
ısgeführe und meinen Zweck erreicht habe. Was. 
) vermag, foll nur dahin gerichtet ſeyn, mir Ew. 
zohlgeb. ferneres gütiges' Zutrauen zu erwerben’: 
ı ich Bein größeres Gluͤck kenne, als mich nennen 
darf — u 

| Ew. Wohlgeb. no 

| ganz gehorſamſten N. 


2383. | . 
Yanffagung für eine für und eingelegte, Fürbitte, 
Wohlgeborner, 
Gnaͤdiger Herr] 
Verzeihen Ew. Wohlgeb., daß Ich es wage, 
yenenfelben das gluͤckliche Eveigniß zn melden, was 
h einzig und allein Ew. Wohlgeb. anädiger Fürs 
zache zu verdanken Babe. Es iſt mir gelungen, 
nd mein Geſuch ift nicht nur beſtens aufgenommen, 
ndern Auch Über. daſſelbe auf das Vortheilhafteſte 
\e mich entfchteden worden. Dieſe Ihre gnädige 
zerwendung wird mein Herz befeuern, mich Ihres 
ohen Zutrauens ganz würdig au machen. Em. Wohl⸗ 
sboren gütiger Beifall fol mein einziges, mein 
Schftes Ziel feyn, nad welchem ich ringen werde, 
er ich Bein größeres Gluͤck, ald die Gnade kenne, 
sich mie tiefſter Ehrerbietung zu nennen 


Ew. Wohlgeb. Be 
‚ganz gehotſamſten N. 
5° U Wie 


— HM — 
254. 

Dankfagung an einen Dichter für ein gefersigtes 
Gedicht, welcher man zugleich feine ſchuldige 
Erkenntlichkeit beigefügt Hat. 

(Zu dem Briefe arg. gehörig.) 


Hochedelgeborner, 
Hochgeehrter Herr! 

Sie haben abermals durch Ihre gluͤckliche Muſe 
die geſellige Freude eines nicht unbedeutenden Zirkels 
vermehrt. So viel mie aber Ihr Gedicht Vergnuͤ⸗ 
gen gemacht hat: ſo hat mich doch Ihre Zuſchrift in 
Verlegenheit geſetzt; da Sie nicht beſtimmt haben, 
was ich Ihnen für Ihre guͤtige Beſorgung ſchuldig 
bin. Erlauben Ste daher, daß ich Ihnen nicht nur 
Berzlichft danke, . fondern Ihnen auch durch beit 
gende drei Species meine Erkenntlichkeit bezeigen 
darf. Sollten diefe nicht genug feyn: fo melden 
Sie mir es, und ich werde mit Vergnügen‘ Ihren 
Forderungen Genuͤge leiften. Schreiben Sie es meis 
ner Unkunde, und nicht dem Mangel an gutem Wil⸗ 
len zu: wenn ich gefehlt haben ſollte. Auf jeden 


Ball ſeyn Ste aber uͤberzengt, daß ich mich will 


Vergnügen nenne 
ganz ergebenften Verehrer 
N. . 








XI. 


Verweiſe, Vorwuͤrfe, Erinnerungen, 


Mahnbriefe. 


Prafe dich, ob du nicht zu jener Art yon Men⸗ 
ſchen gehöreft‘,. die über eine Kleinigkeit einen ger 
waltigen Lärm erheben, während- fie Anderen zus 
mathen, daß -diefe. Ach von üthnen Alls gefallin 
laſſen ſollen; und made einem cher Vorwuͤrfe, 


gieb Niemanden eher Verweiſe, bebor du niche - 


genau unterfücht Haft, ob du nicht felbft an der die 
unangenehmen, auch wohl gar nachtheiligen Hans 
delsweife deiner "Greunde oder Bekannten, Urfache 
gewefen ſeyn, oder wenigſtens Veranlaſſung dazu 


gegeben haben kannſt. Fuͤhlſt du Lich jedoch zu Vor⸗ 


würfen oder Verweiſen bevechtiget: fo nimm darauf 
Ruͤckſicht, ob dir die Beleidigung aus einem wirkd 


lich boͤſen Willen und mit voller Meberlegung zuges 
fügt worden, oder ob es nur aus Uebereilung ge⸗ 


fohehen fey. Wenn du auch dem boshaften und bes 
fonnenen Beleidiger deine Ahndung fühärfer Fühlen 
laſſen darfft: fo behandle dagegen den Uebereilten 


mit einiger Schonung ; denn oft: iſt diefer der Wers 


zeifung eines gebildeten Geiftes und gefühlvollen 

Herzens nicht unwuͤrdig. Sieh ferner auf die Lage 

desjenigen,, der dich beleidiger oder in Verlegenheit 

gefegt Hat. Entſchuldigen ihn Umflände, denen er 
92 


nike 


— 


— 80 - 


nicht ausweichen konnte: fo ſey nicht Hart gegen ihn. 
Reite ihn fanfe zur Einfiche feines Vergehens und 
feiner Reue: feine Beflerung wird beine ſchoͤnſte 
Genugthuung ſeyn. Wärft du auch noch fo tief 
geträntt, noch fo hart beleidiget: fo vermeide im 
deinen Briefen alle Schmähs oder Schimpfworte, 
Es tft kaum zu entfchuldigen: wenn man fid) beim 
mändlihen Geſpraͤch auf diefe Art übereilt: ganz 
unverzeihlich ift es aber, wenn man fich biefes bei 
ſchrijtlichen Auflägen erlaubt. | 


Daß fih der Geringere gegen den Vornehmen 
feiner Vorwürfe bedienen darf, wenn diefer befons- 
ders fein Worgefegter iſt, oder fonft in Verhaͤls 
niffen mit ihm ftehet, bedarf keiner Erwähnung. 


Dieeſer Kaffe von Briefen will ich zugleich auch 
- de Erinnerungsfhreidben und Mahns 
briefe anreihen: da diefe. Gattungen von Briefen 
- gewöhnlich mir einander verwandt zu ſeyn pflegen. — 
anert der Seringere einen Vornehmern an ein ges 
thanes Werfprechen : fo fey er dabei aͤußerſt artig; doch 
hole er dabei nicht zu weit aus, denn man wird Dur 
ein überhöfliches Wefen gemeiniglich laͤſtig. Dat man 
- aber von vornehmen Perſonen Schuldforderungen eins 
zuteeiben : fo fen man dabei äußerfi vorfichtig ; denn bei, 
Reiner Gelegenheit läßt man leichter au, als bei dieſer. 
Es tft nicht zu laͤugnen, daß manche vornehme Pers 
fonen dem Handwerksmanne den verdienten Lohn oft 
lange vorenthalten, und sleichfam verlangen, daß er 
Ah nad) ihren Launen richten, und es ruhig abwars 
sen folle, wenn oder wie fie die Gnade Haben 
werden, fich feiner erinnern zu wollen, fo einleuche 
tend es auch feyn mag, daß das, was fie zu thun 
haben, nihe made, fondeen Pflicht ſey. Es 
thut mir leid, auch fo Manche der - weniger Wors 
nehmen und Reichen in diefe Klaſſe ftellen zu muͤß 
fen. Rathſam wird es für ihn feyn, feinem u 
. . eie 


j L 
# 


— 469. — | 
Briefe eine folhe Wendung zu geben, daß man 
foihen niht geradezu für einen Mahnbrief zu 


halten habe. Mean kann fih z. B. aufs neue zu 
(onddigem) geneigtem Wohlwollen empfehlen, und 


Beforgniffe äußern, daß man felt langer Zeit feine 


neuen Aufträge erhalten habe. Fruchtet diefer erſte 
Verſuch nicht: fo wage man einen zweiten mit 
derfelben -Artigkeit. Man Plage über fchlechte Zeitem, 
über das Steigen der Beduͤrfniſſe; und überlaffe 
die Schlußfolge feinem Schuldner, die er von ſelbſt 
aus folhen Aeußerungen ziehen wird, wenn er ans 
ders billige Sefinnungen best. Fruchtet auch diefes 
nicht: fo mache man einen dritten Verſuch, und 
bitte um einen kleinen Vorſchuß zur Anfchaffung - 
fehr nöthiger Handwerksmaterialien. Sollten alle - 


dieſe Verfuche mißlingen: nun — dann räde man. 


mit der Oprache deutlicher, -doch immer noch mit 
der möglichften Befcheidenheit heraus. Freilich If 
es ſchlimm, daß man oft in einem einzigen Nora. 
nehmen ‚ vermöge ihrer Verbindungen unter einam 
ber, Mehrere zugleich beleidigen kann: deswegen 
überlege man es zuͤvor wohl, ehe man zu dem erns 
ften Schritte übergeht, 0b man, wenn man audı . 
für den gegenwärtigen Augenblick feinen Zweck ers 
zeicht, fich nicht für die Zukunft einen größern Schas 
den zuziehe. Man vergeffe nie, daß oft ſchon die 
Empfehlung eines einzigen Vornehmen oder Neichen 
den Grundſtein zum Gluͤck manches Handwerksman⸗ 
nes legte. So lange man in ſolchen Faͤllen den 
vornehmen Schuldner perſoͤnlich ſprechen kann: ſo 
lange wende man ſich nicht ſchriftlich an ihn, 
weil ihn auch der beſcheidenſte Brief beleidigen wird. 
Wird dem Schuldner zu dem Vornehmen der Zus 
tritt erſchwert: fo wende man ſich mit feiner Bitte 
an den, oder die von feinen Dienftleuten, die von 
ihm feines vorzüglichen Zutrauens gewuͤrdiget wer⸗ 
den. Solche Leute koͤnnen oft viel thun. en 

. u e 


-. 40: —- 


fie aber zu eigermügig ſeyn: nun dann ergreife man 
die Feder und wende fih an die Herrſchaft ſelbſt; 
‚ doch erwähne man bes Wegs, welchen man zuvor 
‘gewählt hatte, mit keiner Sylbe. | 





255. | 
Herr 9. verweiſet ed dem Herrn N., daß er fels 
nen ungerathenen Sohn bei fich aufhält. 


Hochgeehrter Herr! 

So eben erfahre ich, daß mein ungerathener 
leichtſinniger Sohn ſeit vierzehn Tagen eine Freu 
flatt bei Ihnen gefunden haben fol. So fehr mir 

fein Aufenthalt bei Ihnen unter andern Umftäns 
den Freude machen würde: fo fegt mid Doch Jhre 
Güte in dem jetzigen Kalle in die größte Verlegen⸗ 
heit. Sie erlauben ihm dieſes vieleicht aus Ads 
tung. für mich: aber leider muß ich fürchten, daß 
er Yhre gute Meinung mißbrauchen, und alle Ihre 
ihm erwiefene Freundſchaſt mit Undank belohnen 
wird. Sie wifien, wie unzufrieden ich mit ihm 
Bin, wie er mein Leben verbittert, und mir ein 
forgenvolles Alter vorbereitet, ‚weil noch kein Ber 
ſuch bat gelingen wollen, ihn von feinem Leichtfinne 
zuruͤckzubringen, der ihn gewiß in Eurzer Zeit in 
ein unvermeibliches Elend flürzen wird. Ich wagte 
das Letzte mir ihm, 309 meine Hand von ihm ab, 
wollte ihn fich ſelbſt überlafien, und glaubte, ihn 
dadurch zur Beſonnenheit und zu fich ſelbſt zuruͤck⸗ 
zufüßren: und nun gelingt es ihm, fi unter - 
Ihren Schu zu begeben, wo er hinter dem RU . 
ken des Vaters lächeln, und feinen betretenen Weg 
ungeftdrt wieder fortfegen wird. Ich mache Ihnen, 

Hochgeehrter Kerr, darüber keine Vorwuͤrfe, noch 

Wweniger will ich ausdruͤcklich bie Beranlaflung * 

u 


N 


ee 


durch gegeben haben, daB fie meinen Sohn fogleih 
son ſich entfernen follen: denn wuͤrde er dieſes ges 
wahr; fe möchte er dies als eine Gelegenheit ans 
fehen , feinen Water aufs neue, wie er fchon oft 
gethan hat, für einen ungerechten Mann auszu⸗ 

ſchreien. Können Ste etwas ‚zu meines Sohnes 
DBeflerung beitragen: o fo rechnen Sie auf meinen 
innigften Dank, und ich werde nie aufhören, Ste 
als feinen Retter zu verehrten. Sollte ihn ater Ihre 
Site in feinem hoͤchſt tadeluswaͤrdigen Wandei vers 
ſtaͤrken: o dann — doch ich wollte Ihnen. feine Boss 
mwürfe machen. Verzeihen Sie dem Schmerz cines ' 
fchr tief gefränkten Vaters, und laffen Sie dieſe 
Bitte und Warnung an Ihr Herz geſprochen fe | 


von 

Ihrem 
ergebenen Freund und Dierer 
J N. 


N 256. . 
N. macht einem feiner Befannten Vorwürfe, dag 
er fein Zutrauen gemißbraucht Habe. 
Mein Herr! 


Verzeihen Sie: wenn ich Sie in diefem mei⸗ 
nen. Briefe nicht mit ‚, Freund!“ antede, wie das 
feither unter ‚uns gewöhnlich war. Faſt muß ich 
aber glauben, daß Ihnen dieſer, mwenigftens mir 
wichtige. Name nicht mehr fo heilig am Kerzen 
liege, als ehedem: denn würden GSie font nicht Bes 
denken getragen haben, Die Gefchichte des Herrn S., 
die ich Ihnen unter dem Verſprechen der heiligſten 
Verſchwiegenheit anvertraute, fo unbedachtſam auss 
zuplaudern, daß fie nun der Gegenfland aller ger’ 
‚fellfchaftlihen Unterredungen in der Otadt gewors 
. den iſt? Natürlicher Weiſe Hat mir daraus ein 
großer Verdruß erwachfen muͤſſen. So unangenedm 

| mir 


mie auch diefer iſt: fo kraͤnkt mich doch meine gute 

Meinung, die ich von Ihrer Freundſchaft gehabt 
habe, weit tiefer; denn wie hätte ich mie einbilden 
tönnen, daß Sie mich fo graufam täufchen würden ? 
Hätten Ste dieſe Sefchichte nur an eigem einzigen 
Orte wiedererzäblt: fo würde ich glauben, Ste haͤt⸗ 
. ten ed aus Uebereilung gethan. So äber gaben Sie 
foihe Jedem Preis, der fie hören wollte; und das 


5 läßt mich vermutben, daß Sie dazu mehr ein vors 


. fäglicher Wille — als Leihifinn verleitet haben muͤſſe. 
Leider Bin ich von diefer Sehe ganz falſch unters 
richtet gewefen. Sch babe mit Herrn S. nun felbft 
. darüber gefprochen ; er tft. mit mir ausgeföhnt, und 
bedauert ‚mich, daß mein gutes Zutrauen von einem 
_ meiner ehemaligen Freunde auf eine folhe Weife 
bintergangen worden iſt. Sie, mein Kerr, fordere 
ich nunmehr auf, dieſes Maͤhrchen an allen den Orı 
ten, wo Sie ſolches ausgebracht Haben, unverzüglich als 
ungegründer zu widerrufen. Sind Sie ein billiger 
- Mann: fo werden Sie eilen, diefes ohne alle Zus 
fügung neuer Beleidigungen zu thun, Sollten Ste 


= aber anftehen ; fo werde ich für mich und Herrn ©. 


an Serichtäftelle von Ihnen Genugthuung zu vers 
langen gezwungen ſeyn, wozu Sie «4 ſedoch nicht 
werden kommen laſſen wollen. 

N. 


0 257. = 
3, macht dem Schuhmachermeiſter W. Vorwuͤrfe 
uͤber ſchlecht gelieferte Arbeit. 


- Mein lieber Herr W.! 

Es wird Ihnen noch erinnerlich ſeyn, wie un⸗ 
zufrieden ich vor drei Monaten mit der an mich 
von Ihnen gelieferten Arbeit war. Kaum hatte 
Ih meine Schuhe zwei Dial angezogen: fo brach 

ſchon das Oberleder derſelben. Nich viel beſſer 
“ng 


ging es meinen Kindern mit den ihrigen. Sch ent 
ſchuldigte Sie, und glaubte, daß Sie mit dem Les 
ber. betrogen ſeyn koͤnnten. Sie verfprachen mir, 
mich künftig beſſer zu ver mahren Aber, lieber 
Kerr W.! Sie haben fehr fchleche Wort gehalten. 
Die neuen Stiefeln, die. Sie für mich fett acht 
Tagen gearbeitet Haben, find noch weit fchlechter, 
als die Schuhe vor zwei Monaten waren. Das 
Dberleder ift nicht nur noch fchlechter, fondern auch 
die Arbeit datan iſt fo Tiederlih, daB die Sohlen 
bereits ſchon abgetrennt find. Ich muß Ihnen ' 
fagen, daß Ihre Behandlung mein gutes Sutrauen 


au Ihnen recht fehr vermindert hat, und daß ich 


mid an einen andern Schuhmacher wenden werde, 
der feine Kunden beſſer zu beforgen pflest. Ich 
habe Ihnen jederzeit pünktlich und redlich und auch 
gern bezahlt, was Sie gefordert haben: alfo wers 
den Sie mir es nicht verdenten koͤnnen, wenn ich - 
gute und tächtige Arbeit von Ihnen verlange, Kein 
Menſch wird es fi gefallen lafien, daß er auf 
dieſe Wetfe gleihfem fein Geld zum Fenſter hinaus⸗ 
werfen fol. Sie Haben noch einige Paar Schuhe 
für meine Kinder zum Beſohlen bei fih; ſchicken 
Sie mir ſolche mit dem Boten zuräcl, Sch glaube, 
daß ich Ihnen nichts ſchuldig Bin. Sollte ich feboch 
noch etwas an Sie zu bezahlen haben: fo fagen 
Sie es dem Ueberbringer meines Briefe, der Ste 
fogleich befriedigen wird. Leben Sie wohl, N 


258. " 
Erinnerung eined Gärtnerd an feinen Herrn, 
wegen eines ihm gethanen Verſprechens. 

Hochwohlgeborner Herr, 

_  Bnädiger Herr! 
Ew. Hochwohigeb. waren fo gnaͤdig, mir dei 
Ihrem Hiefigen. kurzen Aufenıhalse zu meiner * 
ung 


- ATS: — 
weile a an ben Tag zu legen, wie ſehr ich das one 
ſchaͤtze, mich nennen zu dürfen 
Ew Hochwohigeb. 
> ganz gehorſamſten Diener | 
N 


260. 


Des Soneidermelſters U. zweite Erinnerung an 
den Kammerherrn v. X., als auf ſeine erſte 
keine Antwort erfolgte. 


(Veberfchrift wie bei dem vorigen Briefe, N . 


Em. Hochwohlgeb. Stillſchweigen auf meinen 
juͤngſt an Dieſelben erlaſſenen Brief, laͤßt mich vers 
muthen, daß Ste entweder mein rief nicht ges 
teoffen bat, oder daß Em. Hochwohlgeb. vielleicht 
von einer Unpäßlichfeit überfallen worden fehn kins 
nen. Möchte der Himmel wollen, daß der zweite 
Salt nicht Statt findet! Ew. Hochwohlgeb. haben 


mir ehedem befohlen, daß ich Ihnen von den neues - 


fien Tuͤchern von Meffe zu Mefle Proben einſchik⸗ 
ken follte; ich Habe mir es aͤußerſt angelegen feyn 
laſſen, Ew. Gnaden dieſe fogleich von bevarftehens 
der Meſſe, ſowohl aus den fremden, als auch aus 
den hieſigen angeſehenſten Handlungen aufzuſuchen; 
auch habe ich Ihnen zugleich die Preiſe angemerkt, 


da ich mir ſchmeichle, daß Ihnen einiges gefallen 


wird, und ich von Ihnen vermutblich einige Aufs .' 

‚träge erhalten dürfte. Um Ihnen die Anfihe zu - 
. erleichtern, wie viel der eine oder der andere Artis 
tel im Preife gefliegen oder ob er noch in demfeld 
ben Werthe geblieben fey, habe ich mich unterflans 
den, Ew. Gnaden bie Rechnung von, verganges 
ner Meſſe nochmals unterthänigft beizulegen, im 
Ball Ste fagche nicht ſogleich bei dir Hand - 

i ö 


ey 

foßlten*). Moͤchte mie es gelungen feyn, Ew. Bna⸗ 
den von meiner Ihnen fo gern fchuldigen Aufmerks 
famtett überzeugt, und Denenfelben einen neuen 
Beweis gegeben zu haben, wie glädlih ich mich 
fühle, wenn Diefeiden mir erlauben wollen, mic 
ferner nennen zu dürfen 

Ew. Hochwohlgeb. | 
gen geheramſten Diener 


261. 


Der Herr Rammerherr v. X. bat bie Rechnung de | 


Schneidermeifters noch nicht bezahlt, und mw 
thet diefem zu, neue Arbeit für ihn zu fertigen; 
und ſaͤmmtlichen Verlag zu uͤbernehmen. 

(Die ueberſchrift wie bei dem obigen Briefe.) 


Mit der innigfien Freude flatte ich Ew. Hoch⸗ 
wohlgeboren meinen unterthaͤnigen Dank fuͤr das 
mir erzeigte gnaͤdige Zutrauen ab; und betheure 





Ihnen, daß ich alles leiſten werde, was in meinen 


geringen Kräften ſtehet, mir die Fortdauer Ihrer 
nade zu erhalten. Jedoch verzeihen Ste beftens: 
wenn ich eine ganz gehorfamfte Bitte an Diefelben 
wage, Trotz meiner Thaͤtigkeit drücken mich doch 
die ſchweren Zeiten, und werden mir hinderlich, daß 


dh niche fo vorwärts kommen kann, wie ih wünfche 


und mich befitebe. Auch find mir feit einiger Zeit 
viele Selber ausgeblieben „ fo ficher ich zuvor 
feit fangen Yahren auf diefe rechnen konnte. Das 
duch fühle ich mich fo zuruͤckgeſetzt, daß ich mich 
nothgedrungen ſehe, Ew. Hochwohlgeb. unterthaͤnigſt 
zu 

9— Es wird Handwerksleuten, Kuͤnſtlern u. ſ. w. nicht 
:  fdiber werden, dergleichen Wendungen, die ihren . 

erbätinifien augemeſſen find, au finden, mom “ 

33 Erinnerungen verſchleiern, und ihnen ein ge 

ers Anfehen geben Tonnen. 


— 477 — 


zu bitten, den Verlag zu den mie gegebenen Auf⸗ 
teägen beftreiten zu. können, mich mit einigem Nor 
fhuß zu unterflügen. Es wird Ihnen nicht unbe 
kannt feyn, daß man bei dem Kaufmanne vorcheils 
Bafter kaufe, wenn man gleich Baar bezahlt, als 
wenn man die ausgenommenen Waaren notiren läßt. 


Ich Habe zu Em. Hochwohlgeb. edelm Charaftee 


das Zutrauen,, daß Diefelben über meine OÖffenhers 
zigkeit nicht zärnen, und mir Ihr gnädiges Wohl⸗ 
wollen nicht entziehen werden. Hoch und theuer vers 
fihere ich Ihnen, daß ih mir die größte Mühe 
geben Werbe, Diefelben dureh meine Arbeit aufs. 
möglichfte zufrieden zu fielen, um Ihnen durch die 
That zu beweifen, wie hoch ich die Gnade ſchaͤtze, 

wid nennen zu dürfen Ä 
Em. Hochwohlgeb. 
gehoffamften Diener 
N. 

| 262, nn 
Der Bürger D. erinnert den Hofrath L., fein 
Berfprechen zu erfüllen, das ibm geliehene 
Kapital zuruͤckzuzahlen. 


Mohlgeborner Herr, 
Hochgeehrter Here Hofrath! 

GSo ſchwer mir es wird, Ew. Wohlgeb. an 
Bas mir gethane Verfprechen zu erinnern: fo zwingt 
mid) doch die Berlegenpete dazu, in weicher ich mich - 
fo eben befinde. Diefelben verfpradhen mir, das 
Ihnen gelichene Kapital ſchon am verflofienen Ofters - 
quartale zuruͤckzuzahlen: entfchuldigten fich aber bald 
darauf, daß es Ihnen unmöglich fey, und vertrös 
fieten mich, daß Sie es zu Michaelis gewiß abe 
teagen wollten. Michaelis ift ebenfalls wieder vers 
sangen, und ich ſehe noch immer der Erfüllung ↄb 
es 





- iM — 


Verſprechens vergebens entgegen. Ich bitte Em. 
Wohlgeb daher nochmals dringend, an meine Bes 
friedigung ernfllich zu den!en: da ich ganz außer 
- Stand gefest bin, ed Ihnen länger als bis zu naͤch⸗ 
ſtem Neujahr, hoͤchſtens bis zum achten Januar 
laſſen zu koͤnnen. Seyn Sie Äüberzeugt, wäre ich 
nicht ſelbſt in der groͤßten Verlegenheit, ich wuͤrde 
mir es zum Vergnuͤgen machen, dies Kapital laͤn⸗ 
ger bei Ihnen ſtehen zu laſſen: da ih es nicht 
Teiche in ficherern Händen willen koͤnnte. Um fo 
mehr können Sie daraus fchließen, wie aͤnßerſt uns 
angenehm es mir werden müßte: follte ich mich 
genäthiget fehen, Ihr Dokument aus meinen Haͤn⸗ 
Den Zu geben. Ew. Wohlgeb. denken zu Billig, als 
bo Sie mich. einer Unbilligkeit fähig halten wers 
den; vielmehr fehmeichle th mir, daß Bte aus 
meinem bisherigen Verfahren werden abnehmen koͤn⸗ 
nen, wie fo innig ich wuͤnſche, nicht nur jegt, fons 
dern auch fernerhin noch ſeyn zu koͤnnen 
Ew. Wohfgeb. 
ganz ergebenſter Diener 


263. 
In aͤhnlicher Angelegenheit an einen guten Be⸗ 
kannten. | 
Hochgeehrter Herr und Freund! 

Fragen Sie ſich ſelbſt, ob ich nicht die gerech⸗ 
teſte Urſache Hätte, auf Sie zuͤrnen zu konnen. 
Mehr als drei Mal haben Sie mir beſtimmt ver⸗ 
ſprochen, die mir ſchuldig gewordene kleine Summe 
abzutragen, und nie haben Sie Wort gehalten. 
Slauben Ste une, daß ich gewiß nicht fo dringend 
feyn würde: wenn ich diefes Geld nicht Höchft noths 
wendig brauchte. Sie denken mohl gar, Daß es 
‚eine Stille von mir fey, und halte mich viele 


| 


. für reicher, als ich wirkiih bin. Sch kann Ahnen 
aber berheuern, daß Sie ſich irren. Wüßte ih mir - 
zu helfen, würde ih ie gewiß mit der Strenge 
verfchonen, der ih nun nicht mehr ausweichen kann. 
Jene Auswege, von welchen Sie glauben, daß ich 
mich ihrer bedienen koͤnnte, find mir wenigfiens 
unzugaͤnglich. Ih muß Sie alfo ernftlich auffors 
dern, dieſen Fleinen Poften, von heute am gerech⸗ 
net, längftens in vier Wochen an mich abzubezah⸗ 
len. So fehr ih Ihre Ehre fchonen, fo wenig 
ih Ihnen auch MWerdräßfichkeiten machen moͤchte: 
ſo wuͤrde es jedoch nicht anders gefchehen koͤnnen, 
erfüllten Ste meine fo dringende Bitte nicht. Es 
ſollte mich fehr kraͤnken: wenn &te es dahin kom⸗ 
men laflen wollten, daß ein Dritter erführe, in‘ 
pelchen Verbindungen wir ſeither mit einander ges 
flanden Haben, Zeigen Sie jest, daB meine fo 
Billige Vorftelung bei Ihnen gefruchtet bat: fo vers 
laſſen Sie fih darauf, daß ich immer wieder bereit 
fenn werde, Ihnen neue Gefälligkeiten zu erzeigen, 
und Ihnen zu beweifen, daß ich auch ferner noch 
zu ſeyn wuͤnſche 
Ihr | 
dienſtwilligſter Freund 


264. 
Mahnbrief an einen boͤſen Schuldner, der nicht 


einmal auf die an ihm erlaßnen Briefe geant⸗ 
wortet bat. " 


Kaum kann ich begreifen; wie es möglich iſt, 
daß Sie auf keinen meiner Briefe, die ih Ihnen 
feit Jahr und Tag gefchrieben habe, um Ste an 
Ihre Schuldigkeit zu erinnern, geantwortet haben. 
IH muß daraus fchliefen, daß es für Sie eine 
angenehme Empfindung iſt, fih mahnen u ve 

ı re . 


a 


\ 


u 480 u 


Ihre Schuldigkeit erinnern zu laſſen, und daß es 
Ihnen am Ende wohl gar ein Wergnügen macht, 
meine Geduld aufs Höchfte zu prüfen. Ich verfichere 
Ihnen aber, daß Ste ſich recht fehr irren,. wen 
Sie glauben, daß fih meine Langmuch noch laͤn⸗ 
ger Binhalten laffen wird. Werben Sie daher nicht 
son beute an in drei Wochen die Zahlung au. 
mich einfenden, die Sie mir auf die Ihnen drei 
Mal -zugefchichte Rechnung ſchuldig find : fo können 
Sie ſich darauf verlaffen, daß ich ein Mittel wähs 
len werde, das Ste zur Erfüllung Ihrer Schuis 
digkeit ernſtlicher anhalten wird.. Glauben Sie nur, 
daß ich mich mit einer leeren Entfchuldigung werde 
abweifen laffen , und daß Ich auf keinen Fall. cher 
ruhen werde, als bis ich meinen Endzweck erreicht, 
und mein Geld von Ihnen werde erhalten Baden, 
Urbeigens verbleibe ich mis aller Achtung 


Ihr 
aigebenſter Dien⸗ 
| N 


| Xu. on 
Entfchuldigungs » und Rechtfertigungs 
| DT 





x j " ; 


Man entſchuldiget ſich: wenn mai Die Geunde 
anführt, nach denen man gehandelt hat, win ente 
weder eine Befchuldigung von ich ganz abzulehnen, - 
oder doch twenigftens die uns gemachten Vorwürfe 
zu ſchwaͤchen, und det Gegner zur Verzeihung zu 
vermögen, Man rechtfertigt fih aber: wenn 
man die Gründe angiebt, die unſere Unſchuld Ges 
weiſen. Gehört derjenige, gegen den mir uns ent 
fchuldiden oder rechtfertigen, zu unſern Befannten 
und Freunden :- ſo koͤnnen wie ſchon etwas freihers 
ziger und in einem traulichen Tone fprehen. Doch 
muß man aud Hier die Strände oder den Gang 
der Begebenheiten, die diefe unfere Entfhuldigung 
oder Rechtfertigung nöchig machen, in einer gute 
Ordnung und in bändiger Kürze aufftellen,, und 
mit Artigkeit und Klugheit vortragen. Hat man 
fich gegen vornehmere Perfonen, die wohl gar unſere 

Vorgefegten find, zu entfhuldigen:-fo mäfen 
wir aͤußerſt befcheiden feyn, und nur bistend vor 
ihnen erſchelnen. Muͤſſen wir uns vor ihnen recht⸗ 
fertigen: fo dürfen wir ſchlechterdings unfere Ein⸗ 
ꝓfindlichkeit daruͤber ‚nicht gi oder god. aus 


N 


‘ 


u 482 — 


daß uns unrecht gefchehen fey. Man ftelle die Gründe 
und Beweife ruhig und kalt auf, die und von dem 
gegen uns erregten Verdachte frei fprechen müffen; 
nnd führe am Ende des Briefs an, daB man für - 
wohl vor der Gerechtigkeitsliebe, als von den Eins 
fihten deſſen, an den man fohreibt, ganz gewiß 
überzeugt ſey, er werde uns frei fprechen und Ges 
rechtigkeit widerfahren laflen. Man vermeide gegen 
Vornehme in diefem Falle alles, was fie zu offen⸗ 
Bar befhämen muß. Dan mag fi aber zu ent⸗ 
ſchuldigen oder zu rechtfertigen haben: fo fey man 
auf das ſtrengſte wahrhaft, und nur ans diefer 
Quelle fließe jeder unferer Gründe Man rede bie 
Sprache der reinen Weberzeugung, und gebe fid 
Lieber gefangen, wenn man fich menigftens zum Theil 
ſchuldig finder, als daB man verſuche, durch feine 
und wigige Ausflüchte zu täufchen. Leber kurz oder 
lang kommt die Wahrheit Boch an den Tag; und 
man dat dann zu fürchten, daß man für die Zus 
Zunft alles Zutrauen verlieren werde. 
Das man am Ende feiner Entſchuldigung um 
Verzeihung bitte, laͤßt fich von ſelbſt denken. Auch 
kann man ſeitten Brief mit dieſer Bitte anfangen. 





| 265. 

Der Jaͤger U. entfchuldiger fich bei’feinem Herrn 
über das gegen den Häusler R. ausgeuͤbte 
harte Verfahren. 

Hochwohlgeborner Herr, 
Gnaͤdiger Herr! 
Der Haͤusler R. hat gegen Ew. Hochwohlgeb. 
über mich Beſchwerde geführt, So * rs a 


klage iſt: fo Sitte ich doch ganz gehorfemfk,: mir 
m 


D 


— 468 — 
zu erlauben, folgendes zu meiner Entſchuldigung 


anzuführen. Ich hatte den Häusler R. verfchiedene 
Mate in der berefchaftlihen Waldung getroffen, und 


ihn auf der That ertappt, daß er dem herrfchafte 


lichen Befehle entgegen, die jungen Aeſte von ben 
Stämmen gefchlagen, und fich nicht mit der Gnade 
begnuͤgt hatte, das duͤrre Holz auflefen zu dürfen. 
Das vorletzte Mal, als ich ihn wieder traf, warnte 
ich ihn, fiellte ihm ganz gelaſſen das Ungluͤck vor, 
was er fich zuziehen würde, und deutete ihm an: 
infofern ich ihn’ wieder auf dieſem Wege ergriffe, 


ihn arretiren zu müflen. Vor vier Tagen ließ er 


ſich jedoch ſchon wieder betreffen. Sch fand abers 
mals friſch abgehauene ältere und größere, auch 
abgebrochene junge Aefte auf dee Erde liegen, und 
glaubte , auf ihn den gerechten Verdacht werfen zu 
muͤſſen, daß er der Thäter fey. Ich ſprach ihn Hark 


‘ 


an, und er bezeigte fich fehr grob, ſtritt mir das 


Gegentheil ins Geſicht, und derief fi) darauf, wie 


er biefe Aeſte Habe abbauen können, ba er doch feine. 


Art bei fich habe. Sch aber bemerkte in dem nahen 
Geſtraͤuch eine Art, zog fle hervor, und glaubte nun 


den Beweis in den Händen zu haben. Er laͤugnete 


aber, daß diefe Ast ihm zugehöre, ob ich gleich. im 


derfelben den Buchflaben R. eingebrannt wahrnahm. 


Als er ſich nicht. helfen Eonnte: ſtieß er gegen mich 


bald die heftigften Reden und Srobheiten aus, bald 


beletdigte er mich mit den anzüglichften Stichelreden. 
Die Hige Übereilte. mich, und ich verfegte ihm mit 
dem Kolben meiner. Heinen Buͤchſe einige Otoͤße, ohne 
ihn jedoch dadurch blutrinſtig gefchlagen zu haben, wie 
- ee zwar angegeben. hat, wovon aber der hiefige Kelds 
fcheer Oehme das Gegentheil bezeugt, der ihn, bes. 


fihtigen und üunterfuchen mußte. Ich befenne, daß 


ich allerdings gefehlt Habe: doch fürchte ich nicht, 


daß mie Em. Hochwohlgeb. unter dieſen Umſtaͤnden 


Se Gnade u ennuden Wehen, 39 ** 


— 484 — 


alles thun, um mir Em. Gnaden Zufriedenheit zu 
erwerben, und meine Uebereilung vergeſſen zu machen; 
der ich mit der tiefſten Ehrerbietung die Gnade zu 
verdienen ſuchen werde, mich ferner nennen zu 
dürfen | 
Ew. Hochwohlgeb. 
ganz unterthänigen 


266. 


Der Tuchmacher K. entfchuldige fich über das 
an D. gelieferte Tuch, daS die Farbe nicht 
gehalten hat. 


Hochgeehrter Her! 

Ich bin außerſt Betreten, daß das Ihnen —* 
son mir gelieferte Stuͤck Tuch nicht zu Ihrer Zus 
friedenheit ausgefallen iſt: fo ſehr ich auch wuͤnſchte, 
Det Ihnen Ehre damit einzulegen. Es iſt mir uns 
begreiflich, mie es in der Farbe verfehen ſeyn mas: 
da tb Ihnen aufd Wort verfihern kann, daß ich 
‘es meinem beften und gewiſſenhafteſten Faͤrber ans 
vertraner habe, der feit Jahr und Tag wohl vier 
zig Scäc diefer Art gefaͤrbt hat, woräber mir auch 
nicht eine einzige Klage zu Ohren gekommen iſt. 
Ich werde ihn deshalb zu Rede fegen; und er, ber 
den Schatten eat bat, mag ihn nun auch 
tragen: Won Ihrer billigen Denkungsart darf ich 

feft überzeugt ſeyn, —— Ste mich entſchuldigen 
— weil ich gewiß. bin, daß Ste immer au 
mir einen redltchen "Men Werden gefunden haben. 
Ich werde auch jegt alles thun, um Sie zu’ cher 
fehädigen. Entstehen Ste mir Vertrauen nicht, 
und vertafen a Ah auf mei Verſichreumg 


— 488 — 


Ab mich beſtreben werde, nederreit Syren Beifall 
a. erhalten, und zu ſeyn . 


She 
enfeihegr Bean und Dei 


267. 


Hert A. rechtfertiget fich gegen den Vorwarf d des 
Herrn B., daß er feine Waare verſchleudere. 


Hochgeehrter Herr! 

Sie haben mir in Ihrem letzten Briefe unſtrei⸗ 
tig ſehr unrecht gethan: wenn Sie mir Schuld 
geben, daß ich meine Fabrikwaaren im Einzelnen 
eben fo wohlfeil verkaufe, als ich fle denen ablafie, 
die mir folhe im Ganzen abnehmen, und damit 
zu handeln pflegen. Sch verfichere Sie auf meine 
Ehre, daß das in meiner Handlung nie der. Fall 
war, und nie feyn wird. Vielleicht brachten Sie 
einige, die bet Ihnen kauften, auf diefen falfchen 
Wahn. Erlauben Sie mir aber, Ste auf die tägs 
lihe Erfahrung zurückzuführen, wie der Käufer alle 
Mittel verfucht, möglichft wohlfeil einzukaufen, und 
daß er bald diefen, bald jenen Kaufmann nennt, 
welcher diefe Waaren billiger verkaufe. Wollte man 
‚die Sache genau unterfuchen: fo würde man nicht 
felten das Gegentheil finden. Bringen Ste mir 
nur einen einzigen Käufer, der mir es ins Seficht 


fagen Tann, daß er bei mir im Einzelnen eben fo. - 


wohlfeil gefauft habe, als bei Ahnen im Ganzen: 
jo will ich mich fchuldig finden laſſen. Es bleibt 
für mid) eine unumftögliche Regel, dag felbft mein 
vertratitefter Freund, fogar mein Bruder, meine Waa⸗ 
ren nicht wohlfellee bet mir einkaufen ſoll, als fie 
ihm eine jede billige Ausſchnitthandlung ablaffen 
kann. Ich glaube, Sie nun von dem mir anges 

. fhus 


ſchuldigten Lnvechte "Wenigftens fo lange überzeugt 
zu haben, als Sie mir nicht das Gegentheil erweis 
ſen koͤnnen; und darf von Ihrer Billigkeit ver⸗ 
muthen, daß Sie mich fernerhin mit dieſem kraͤn⸗ 
kenden Vorwurfe verfhonen werben, um Ihnen 
jederzeit beweiſen zu num, wie unveränderlich 


ich bin 
‚... ‚aufeichtiger, redlicher Freund 
\ ‚ J „Ne " 
Fo 
a — 





* 
I. XIV. 


XIV. 
Benachrichtigende, erzaͤhlende Briefe . 





Min men Semanden mit tegend einem Vorfall/ 
eines Begebenheit oder gewiffen Umftänden 
befannt. machen: fo gefchieht das bald kürzer, 
Bald wetrläuftiger. Faßt man fid nur kurz, 
und deutet gleihfam nur das Sefchehene oder 
noch gefchehen Sollende an: fo heißt das eine Ans 
zeige. Handelt man hingegen von etwas mettläuftis - 
ger, dringt man indie Umſtaͤnde und Verhaͤltniſſe tiefer 
ein, erörtert oder erläutert dieſe genauer : fo heißt eine 
ſolche Darftellung eine Erzählung Man mache 
aber jemanden eine blöße Anzeige: wenn ‚man vors 
ausfesen kann, daß ihn diefe Belanntmadung näher 
. ongehe, daß. er einen befondern Antheil daran nehme; 
es fey nun, um feine bloße Meugierde zu befriedi⸗ 
gen, oder um ihm einen Wink zu geben, ſich einen 
Vortheil daraus zu ziehen, oder im Gegentheil 
einen Schaden, Nachtheil zu vermeiden oder zu 
vermindern. Giebt man aber Jemanden über irgend 


- einen Gegenſtand eine fo ausführliche Auskunft, daß . 


er ſich darnach Tichten inne, um genauer zu 
beſtimmen, zu entfcheilden, oder zu wählen: fo heißt - 
eine folhe Bekanntmachung, wie das Wort von 
ſelbſt ſchon andeutet, eine Nachricht. Eine an 
zzeige 


ı 4 ⸗ 
— 488 — 


zeige wird alſo ihre Schuldigkeit erfuͤllt haben, wenn 
ſie meldet, daß irgend etwas ſchon geſchehen ſey, 
oder noch geſchehen ſoll; eine Nachricht hingegen wird 
genauer beſtimmen muͤſſen, wie irgend etwas geſchehen 
iſt, oder auf welche Art es geſchehen ſoll; wird alſo Ur⸗ 
ſache und Folge, mit Verhaͤltniß zu einander, aufſtellen, 
und den Leſer in den Stand ſetzen, eine genaue Einſicht 
erlangen zu koͤnnen, um ein beſtimmtes Urtheil zu 
fällen, So iſt dies z. B. eine Anzeige: wenn man 
Jemanden, dem daran gelegen iſt, meldet, dieſer 
oder jener berühmte große Mann, Fuͤrſt ꝛc. werde 
on dem oder dem Tage in der Nähe eintreffen. 
Zur Nachricht wird diefe Anzeige aber: wenn man . 
nicht nur meldet, daß derſelbe eintreffen wird, fons 
dern auch ausführlicher ſchreibt, was für Anſtalten 
man zu deflen Empfang mache, welches ber bekannt 
gemorbene Endzwed der Reiſe deſſelben ſey, was 
man von ihm erwarte, hoffe ıc.; oder wenn ee 
ſchon durchgereiſt iſt, Die Feierlichkeiten ſchildert, 
womit man ihn empfangen, und wie ſie derſelbe 
aufgenommen, wie er ſich geaͤußert hat. 

Se nachdem nun eine ſolche Nachricht anges 
nehm oder unangenehm, gleichgältig 
oder wichtiger iſt: je nachdem wird man aud 
») die Ars feines Vortrags einzurichten haben. 
Mollte man eine traurige Nachricht in fcherahaften 
Ausdrücken ertheilen: fo würde man feinen Ver⸗ 
ſtand, weit mehr aber noch fein Herz, verdächtig 
An” und fih des Leſers gerechten Unwilſen zu 
ziehen. Ä 
Micht weniger bat man au 2) die Perfon 3% 
beruͤckſichtigen, an welche unfere Machricht gelans 
gen fol. Bet Vornehmen muß der Ton ernithaft, 
bed Segenftandes wuͤrdig, die Nachricht vollftändig, 
aber doch kurz gefaßt ſeyn; Die Begebenheiten muͤſ⸗ 
fen in der natdrlichen Folge, wie fie ſich ereignet 
haben, und in der gehörigen Ordnung vorgetragen 

“ werden; 


— 4859 — 


werben... Denn es iſt ſehr laͤſtig, hinterher das an: 
gefuͤhrt zu leſen, was man zuvor haͤtte erwaͤhnen 
ſollen. Auch muß man 3) in den Nachrichten an 
Vornehme ſehr vorſichtig ſeyn, und nichts mitthei⸗ 
len, was nicht durch Die ſtrengſte Wahrheit. vers 
bürge iſt. Iſt man vielleiht als Untergebener von 
unſerm Vorgefegten aufgefordert, über Alles Auss 
kunft zu geben: fo decke man fi ja, Wenn man 
etwas nur vom Sagenhoͤren weiß, duch die Bes 
merkung: „ſo fagt man, ”’ oder: „dieſe Nachricht iſt 
jedody nicht zu verbürgen, weil die Auellen, bie 
dieſe Sefchichte ind Publikum gebracht haben, zur 
Zeit noch nicht genug geläutert zu ſeyn fcheinen ıc. '“ 
Bei Serächten, bie fich von felbft miderlegen,: nenne 
man die Sache zwar, aber nicht dic Gründe, warum 
fie wider die Wahrheit fireiten. Denn wenn dies 
jeder allgemeine Üienfchenverftand, jede gefunde Vers 
nunft einfehen kann: fo mürde man durch eine weitg 
laͤuftigere Auselnanderfegung nichts andere amdesa 
sen, als daß man in Zweifel fiehe: ob auch der 
vornehme Empfänger unſers Briefs allgemeinen ges 
funden Menſchenverſtand beſitze. Hat man aber 
von irgend einem Gerüchte Meldung zu thun, dag 
zum Machtheil eines Andern im Umlauf iſt, und 
man kann zur Entſchuldigung defielben etwas beis 
seagen s fo iſt man biefes dem guten Namen unferg 
Mitmenfhen fo lange, ale wir uns nicht dadurch 
in ein nachtheiliges Licht ſtellen, durchaus. [huldig ; 
wir mögen nun näher mit ihm bekannt feyn oder 
nicht. Bet Bemerkungen dieſer Art fey man aber 
fo kurz und bündig, als möglih, und arte befons 
ders in den Briefen an Wornehme nicht in eine 
Breite Verteidigung aus. Bet ſolchen Nachrichten, 
wo man an Vornehme etwas zum Nachtheil ıhrer 
Freunde, Anverwandten, oder zum Xortheil ihrer 
Beinde, und folcher Perſonen, mit weichen fie auf 
gefpanntem Buß leben, zu. melden Bas; fey F 
no 


»* 


noch ‚ganz befonders.Gehutfam und vorfichtig. Kann 
es nur einigermaßen gefchehen: fo ſchweige man 
lieber. Kann man aber nit umbin: fo fehreiße 
man die nackte Wahrheit, ohne daß man darüber 
fih ein Urtheil erlaube, oder ſonſt irgend eine Sa 
merkung einfchiebe. 

Aeußerſt vorfihtig fey man 4) beſonders zu 
Kriegszeiten in den Nachrichten an Vornehmere oder 
an Freunde, welche öffentliche Angelegenheiten bes 
treffen. Man ladet leicht den Verdacht auf fi, 
ald fey man ein Spion: wenn Briefe dieſer Art 
in feindliche Hände gerathen. Iſt man aber dazu 
gensthigt: fo beriihte man mit duͤrren Worten, obne 
Dlebenurtheile, und namentlich ohne Verfiherung von 
Patriotismus und Empörung gegen feindliches Joch. 
Ueberhaupt vertraue. man: in Kriegszeiten nicht zu 
fer auf die anerkannte LIlnverleglichkeit der den 
öffentlichen Poften anvertraueten Briefe: denn es 
liegt unbezweifele am Tage, daß in nenern Zeiten 
der Poſt übergebene Briefe durch eigne dazu ange 
ſtellte Behörden geöffnet wurden. 

Schreiben wir 5) an unfere Freunde, um ihnen 
Nachricht mitzuthellen: fo dürfen wir und mit mehr 
Freiheit ausprüden, und uns fogar In vielen Faͤl⸗ 
fen der Sprache der Empfindung bedienen. Doch 

Hüte man ſich bei Nachrichten, welche auf den Ems 
pfaͤnger einen heftigen Eindruck machen, zu fehr 
das Gemuͤth deſſelben zu erfchüttern, beſonders wenn 
dieſer leicht veizbar und an fi weih if. Man 
falle bei Berichtung tranriger Ereigniffe nicht gleich 
mit der Thür ins Haus, wie man zu fügen pflegt: 
fondern bereite den Empfänger nad) und nach vor, 
und fehreite nur langſam zu der gaͤnzlichen Eroͤff⸗ 
nung des Vorfalls. 

Da die erzaͤhlenden Briefe ebenfalls, aber nur 
vollſtaͤndigere, ausfuͤhrlichere und lebhaftere Nach⸗ 
richten uͤber irgend eine Begebenheit, Geſchichte * 

enthal⸗ 


— 491 un 


enthalten: fo werden auch bei dieſen größtentheifs 
Diefelben Regeln gelten, welche ich bei den benadhs 
eichtigenden Briefen angeführt habe. Ob nun glei 
ein erzäßlender Brief vollftändiger und lebhafter als 
eine bloße Nachricht ſeyn foll: fo hat man doch dars 
auf zu fehen, daß diefe Vollſtaͤndtakeit nice in 
Weitſchweifigkelt ausarte. Dies gefchieht 
namentlich dadurch, daß man Dinge anführt,- die 
fih von felbft verftehen, lange Bemerkungen uͤber 
unbedeutende Segenftände der Erzählung hinzufügt, 
und fih in Einzelbeiten ( Details) einläßt, welche 
das Intereſſe des Lefers nicht erregen können. 

Ferner gehört zu einer guten Erzählung, baß 
fie wohlgeordner fey: weil nur durch eine gute 
Drdnung die fleigende Thellnahme an einer Bes 
gebenheit ıc. befördert werden kann. Alles wird 
uns merfwärdiger, ſpannt unfee Aufmerkſamkeit, 
erhöht unfere Theilnahme: wenn e6 vor unfern 
Augen von Stufe zu Stufe His zu feinem endlis . 
chen Zweck fortfchreitet, und wir das, mas gefchehen 
fol, gleihfam nach und nach dazu werden fehen. 
Daß dies aber nicht durch Seitens, Vor⸗ oder Hin⸗ 
terfprünge zu bewirken fey, wird man von felbfk 
einfehen; weswegen ed auch fo verdrüflih und uns 
angenehm ift, das nachgeholt oder eingefchoben zu 
Iefen, was man früher haͤtte wiſſen follen. Aus 
dieſer Regel wird eine zweite entfiehen, daß man 
nichts wieder erzähle, was man nicht genau gefaßt 
Habe. Daher eriwäge man, ehe man zu erzählen 
anfängt, ja zuvor ſowohl den Anfang ald auch das 
Mittel und Ende der Geſchichte, und fege nie eher 
die Feder an, bevor man nicht daruͤber mit fich 
felöft einig if. Sollte man jedoh der Sprache 
"nicht mächtig feyn, und auch im Uebrigen der Eigens 
fchaften eines guten Erzählere entbehren: fo wird 
man beffer thun, wenn man die Sache ganz ein⸗ 
fa ohne alle Ausſchmuͤckung erzählt. PR 

er 


—42 — 


Der Ton bed Vortrags muß ſich natuͤrlich nach 

dem Segenftand der Erzählung richten. Doch barf 
Man auch bei der Schilderung ungluͤcklicher Ereig⸗ 
ntffe jeder Art, um das Herz zu rühren, und fchnelle 
Theilnahme und Unterkügung zu bewirken, nicht 
zu lebhaft in feinen Schilderungen werden, damit 
uns ber Empfänger nicht. zurufe: „Trauſt du mir 
ſo wenig Gefühl zu, daß du mich erfi durch und 
durch erfchättern willſt ?“ Wer aber eine traurige, 
ruͤhrende Sefchichte auf komiſche Art erzähle, macht 
feinen Verſtand wie fein Herz verdaͤchtig. Am mets 
ſten häte man fich, feinem Wige auf Koſten Andrer 
feeten Lauf zu Taffen. Kann er fi) vielleicht auch 
anfangs eines Laͤchelns erfreuen: fo iſt doch gemähns 
lich Verachtung und eine gewiffe Schen vor ihm, 
ſeine gerechte Strafe. 
Moch duͤrften auch bie Ungebildeten in ihren 
muͤndlichen, wie bet den fcheiftlihen Erzählungen, 
auf die Unart aufmerkſam zu machen feyn, daß fie 
fo gern ihre „da fagte er, Da harter gefagt, 
da fagteih, da Habe ich gefagt’ zu ofe 
wiederhofen, und dadurch nicht allein den Gang der 
Erzählung hemmen, fondern noch Überdies fich widrig 
und nicht felten dabei lächerlich madhen. Wie aufs 
fallend das ift, wird ein befonderer Brief in dev 
Bolge zeigen, der nach einem Original hier mitge 
theilt werden fol. 


—— — —— — — 


A, An⸗ 


— "De ——— 
A Anzeigende Briefe, | 
| | 268. | 


Nachrichten eines Untergebenen an feinen hoben 


Borgefesten, über verfchiedene merkwürdige Er⸗ 
eignifle. 


Hochgeborner Herr Neichsgraf, 
Gnaͤdiger Graf und Herr! 

Auf Ew. Hochreichsgraͤſt. Gnaden ausdruͤckli⸗ 
chen Befehl, Hochdenenſelben von Zeit zu Zeit die 
merftwärdigften Öffenttichen Ereigniffe aus der Reſi— 
denz zu melden, zeige: ih Ihnen unterthbänig an, 
daß vorgeftern der Herr Staatskanzler von S. nad 

m kurzen Krantenlager mit Tode abgegangen tft. 
Die Beftärzung der hinterlaffenen Bamilte iſt außer 
ordentlich groß; befonders fol Ihro Escelenz, bie 
Frau Stantsfanzlerin, unteöftlich darüber feyn. Des 
Hausarzt fürchtet, Daß der unerwartete Schreck auf 
ihre Sefunpheit von einer fehr nachtheiligen Wtes 
kung ſeyn könne. Seit geftern läßt fie ſich nicht 
forechen, und kaum foll fie einige Stunden lang 
außer dem Bette aufdauern koͤnnen. Morgen gegen 
Abend foll der entfeelte Leichnam in aller Stille 
nah M. in das Erbbegräbniß der hochgräflichen 
Familie abgeführt und beigefegt Werden. 

Den 23flen December wird der ruſſiſch kaiſer⸗ 
liche Sefandte das Gebnrrsfeft feines Monarchen 
durch einen glänzenden Ball feiern, wozu die Word 
nehmften vom Hofe eingeladen find. Abends iſt 
Beuerwert,, wobei zugleih das Palais des Heren 
Sefandten und der daran gränzende Garten erleuch⸗ 
tet werden ſoll. 

Micht minder habe ich die Gnade, Em. Hoch⸗ 
veichsgräfl. Gnaden zu melden, Daß die Zinsgelder 
von dem Kaufmanns O, bei mir richtig er 

"N, 


. 


find, und zu Ew. Hocreihsgräfl. Gnaden ander 
foeitiger Verfügung Bereit liegen, tworäber ich Hochs 
derofelben onädigen Befehl erwarte. Der ich in 
tiefſter Unterwuͤrfigkeit verharre *) 
Ew. Hochreichsgraͤfl. Gnaden 
unterthaͤnigſter Diener 
N. 


29. | 

Anzeige des Verwalterd M. an feinen in der 

Stadt lebenden Gutsherrn, über ein bedeuten 
des Hagelwetter, das ihn betroffen bat. 


Hochwohlgeborner Herr, 
Snädiger Here Kammerrath! 

Seftern in den Nachmittagsftunden zwiſchen 
vier und fünf Uhr Hatte unfere Gegend das Un⸗ 
gluͤck, daß fih ein fuͤrchterliches Gemitter zufams 
menzog, welches zugleih von einem ſtarken Hagel 
Begleiter wurde. Es kam fo ſchnell, daB auch Die 
eiligfte Vorſicht nichts auszurichten vermochte. Non 
der Seite, wo das Wetter herkam, find beinahe 
alle Fenſter des herrſchaftlichen Schlofies zerſchmet⸗ 
gert worden ; nicht minder batte der anhaltende 
"außerordentliche heftige Regenguß unfere beiden Baͤche 
fo vollgefüle, daß ihr reißender Strom beide Bruͤk⸗ 
ten weggeriſſen bat, wodurch die gemeinfchaftlis 
he Verbindung unferd Dorfs mit den benachbars 
ten Dörfern und der Stadt auf einige Zeit unters 
brochen bleiben wird. Der Schade auf Em. Hoch⸗ 
wohlgeboren weitläuftigen Keldern iſt auf der mits 
2) Dei den Briefen, ‚worin man mehrere Nachrichten 
xziu Artheilen hat, meldet man die wichtigflen gern 

net, und die weniger wichtigen nad) einer gewiſ⸗ 

un tufenfolge zuleßt; worüber jedoch Teine gang des 
ſtimmte Regel gegeben werden kann, weil die Drds 
nung derfelden dem Nachdenken und Gefühle eine 
« jeden nach feiner Lage und feinen Verhaͤltniſſen iiber» 
kaflen werden mub. 


Mn 


täglichen Seite am ſtaͤrkſten. Ich Balte es für 
meine Schuldigkeit, Ew. Gnaden dies jegt nur vors 
laͤufig anzuzeigen. In einigen Tagen glaube ich 
eine beftimmtere Nachricht geben zu können. Da 
die baldigfte Herſtellung der Brüden unumgänglich 
nothwendig ‘war: fo babe ich bereits einige Vorkeh⸗ 
rungen: getroffen, und die Gemeinde zufammen bes 
rufen laſſen, welche die Hälfte des Baues zu tras 
gen Hat. Sch erwarte deshalb Em. Gnaden Bes 
fehle und weitere Verfügungen, der ich in ſchul⸗ 
diger Ehrfurcht verharre | 
unterthäniger ganz geborfamfter 
N. 


270, "m | 

Anzeige über den Einkauf verſchiedener haͤusli⸗ 

cher Bedürfniffe und Obſtarten. Ein Brief von 
der Leipziger Michaelismeſſe. 


Wohlgeborne, 
Verehrungswärdige Frau Doktorin! 
Auf Ihre guͤtige Bufchrift Habe ich die Ehre, 
Ahnen anzuzeigen, daß der Preis des Flachſes in 
dieſem Sjahre bedeutend geftiegen iſt. Man fagt 
allgemein, daß die Aernte mißrathen ſey: fo gefegs 
net auch unfre Ausfichten nur noch vor- einiger Zeit 
waren. Die Urſache davon mögen die erſtaunlichen 
Ueberſchwemmungen feyn, die einen großen Theil 
derjenigen Gegenden, wo man vorzüglich Flachs 
baut, verwuͤſtet Haben follen. Dadurch iſt denn 
nun auch der Preis der Leinwand nach allen ihren 
Sorten verhälmtßmäßig geftiegen.: Die Webe, wor 
für fle vor einiger Zeit nur 30 Thaler bezahlten, 
£oftet Heuer 36. Dagegen find die Preife des Zuckers 
und Kaffees betraͤchtlich gefallen: jedoch vefigen 
. . ß 


— 496 


die Kaufleute, daß der eine wie der andre Artikel 
in kurzer Zeit wieder höher fteinen werde; fo wenig 
man ihnen auch dermalen Glauben beimeflen darf, 
da fih die Zeiten (1815) fo gewaltig verändert 
haben. Die Borſtorfer Aepfel fcheinen aber dieſes 
Jahr wider alles Vermuthen fo gut geraten zu 
fern „ ald man ſich es feit langer Zeit nicht erim 
neen kann. Das She Mitteläpfel, wofür wie 
vor dem Jahre zwei bis drei Thaler bezahlten, 
bietet man jetzt nicht Äber einen Thaler. elleicht 
fällt der Preis noch tiefer: da es dieſer Gatturng von 
Aepfein diefes Jahr fo ungeheuer viel giebt, was die 
Berkäufer bei der fo wenigen Abnahme aus Mans 
gel an baarem Gelde gewiß zu einer noch größern 
Wohlfeilheit nöthigen wird. Ich bleibe noch viers 
zehn Tage in Leipzig, und erwarte nun von Ihnen 
Ihre befimmten Befehle und Aufträge.- Daß, id 
mir es zum Vergnügen mache, Ihren Wanſchen 
jederzeit mit der größten Bereitwilligkeit entgegen⸗ 
zukommen, Das werden Sie ohne Zuſicherunzen 
überzeugt ſeyn von Ä | 
Idhrem 

ganz ergebenſten Diener 

N. or 





B. Beunachrichtigende Briefe 
271. na 
Meiſter Ehrlich giebt Meiſter Wackern eine aus 

fuͤhrliche Nachricht von deſſen aͤlterem Bruder. 
Lieber Meiſter Wacker! 
€ iſt mir lieb, daß ich Ihren Wunſch wenig⸗ 
—* zum Theil befriedigen, und Ihnen auf Ihre 
Anftage einige Aubkunſt geben kann. Es iſt 
u 


ne 


dings wahr, daß ich Ihren lieben Bruder feit mehr 
als zwölf Jahren gekannt, und ‚meiftenchells mit 
ihm auf meiner Wanderfchaft an einem und dems 
felben Orte gearbeitet habe. Es würde theils zu 
weitläuftig feyn, wenn ih Ihnen Alles erzählen 
wollte, was feit unfter Bekanntſchaft vorgefallen 
ift; theils aber wuͤrde Ihnen das auch nicht viel 
nutzen. Es ſcheint mir, daß Ihnen vorzüglich nur 
daran gelegen ſey, zu willen, mas ich. Ihnen für 
Nachrichten feit der legtern Zeit geben könne, als 
ich mit ihm perſoͤnlich umging. In Hamburg Iernte 
ich ihn zuerft fennen, Sechs Jahre lang arbeiteten 
wir neben einander. Hier bekam er die Machricht 
von feines Waters Tode, Diefe griff ihn fo fehe 
ar, daß es Ihm gar nicht mehr im Deuefchland ges 
fallen wollte. So fehr ich ihm zuredete: fo blieb 
er doch Hei dem Entſchluſſe, Hamburg zu verlaflen. 
Ungern verlor ihn fein Meifter: denw er mar ein 
eben fo gefchickter, als fleißiger Arbeiter, und fein 
Betragen hatte ihn allgemein beließt gemacht. Er 
wanderte nach Kopenhagen. Nah einem Sjahre 
manderte auch ich dahin, und wir fanden uns dort 
wieder. Meifter Held, bei dem er arbeitete, und 
der ihn um feiner Geſchicklichkeit willen vorzüglich 
liebte, Hatte eine Tochter. Wacker liebte die Jungs 
fee Held, und fie ihn gewiß nicht weniger, Allem 
Anſcheine nach glaubte ich, daß aus Beiden mit der 
Zeit ein Paar werden könnte. Die Frau Meifterin 
war aber eine von ben verrufenen Weibern, die in 
das Sefchlecht der Zantippe gehören, und verfolgte 
ihre Tochter aufs Härtefte, daß fie Ihres Mannes 
braven Geſellen liebte. Nicht weniger mißhanbelte 
fie den Sefellen, daß er endlich Hätte ungeduldig wer⸗ 
den mögen. Die Liebeaber, die diefer zu feinem Mei⸗ 
ſter und deffen Tochter hegte, ließ ihn alles geduls 
dig ertragen. Bor zwei Jahren reifete ich von Kos 
penhagen ad, und nah meiner Voterſtadt. Samos 

 g- 


D I 


— 48 — 


lag die Frau Meiſterin Hart danieder; und ich hege 
deswegen die Hoffnung, weil ihr Wiedernauflommen 
ſelbſt von dem Arzte unbedingt bezweifelt wurde, 
daß mit ihrem bereitd vermuchlih erfolgten Tode 
alle KHinderniffe für Freund Wackers Gluͤck nun 
aus dem Wege geräumt: feyn werden. . Ich habe 
feither bei meinem Meiflerwerben in meinem Haus 
wefen und bei meiner Einrichtung Überhaupt fo viel 
zu denken und zu thun gehabt, daß ich nicht nad 
Kopenhagen habe ai Finnen; ich würde 
mich font nach Ihrem Bruder genauer erkuns 
diget haben. Bei dem Gattlermeifter Held in der 
** Straße zu ‚Kopenhagen, glaube ich, werden 
Sie, mein lieber Meifter Wacker , ganz gewiß einen 
nähern Beſcheid und beflimmtere Auskunft erfahren. 
„Sollte ich das Mädchen nicht zum Weide bekommen:“ 
fagte damals mein guter Freund, Ihr Bruder, zu 
mir, „ſo gche ih nah Surinam.) In Paras 
maribo Babe ich einen Wetter, der twird gewiß mein 
Gluͤck machen. In Amerika will ih dann mein. 
beutfches Baterland und mein Maͤdchen vergeſſen.“ 
Könnten Sie, lieber Meifter Mader, in Kopen⸗ 
Hagen von Ahrem Bruder keine Auskunft erlangen: 
° fo -wärden Sie wohl thun, wenn Sie an JIhren 
Vetter in Paramaribo einen Brief laufen ließen. - 
Dies tft alles, was ich von Ihres Bruders Aufs 
enthalt und von feinen Entfchläffen weiß. Es fol 
mir lieb feyn: wenn Ihnen diefer Wink genügen 
Nkann, Ihre Abflchten zu erreichen. Benutzen Sie 
dieſe: ſo wuͤrde ich Sie voraus bitten, einen herz⸗ 
lichen Gruß an ihn von mir zu beſtellen, und mir, 
-wenn Sie von Ihrem Bruder, entweder von ihm. 
ſelbſt, oder durch Andre Nachricht erhalten, ſodann 
einige Nachricht ertheilten. Ich wuͤnſche uͤbrigens 


.. "> Dit, in der Laudſchaft Guiang in Sudame⸗ 
1w a. | 


wohl zu leben, und verbleibe mie innigſter Er⸗ 
gedenheit | 
u 


bienſtwiligſter Freund, 
Meiſter Ehrlich. 
. 978. 

De Wirth aus dem Gaſthofe gm | dem drei Kro⸗ 
nen in D. giebt dem Kaufmanne 2. in B. 
Nachricht, daß deffen Freund, der Kaufmann A. 
.. während feiner Durchreife gefährlich krank ges 

worden fey, und bei ihm wohne. 


Hochedelgeborner, 
Hochgeehrter Herr! , 
Seit acht Tagen Hält ſich Kerr A. aus B. 
bei mir auf. Zwar wollte er ſchon den Tag nad 
feiner Ankunft von bier wieder abreifen: ‚allein in 
der Nacht. vom Sten diefes bis zum 6ten überſtel 
ihn ein fehr Heftiges Fieber. Er ward mit einem 
Male‘ fo matt, daß. er das Bett nicht verfaflen 
konnte. sch bat {hir , mir zu erlauben, daß ich 
einen unferer geſchickteſten Aerzte rufen laflen dürfe, 
Died geſchah. Der Arzt erklärte, daß Kern A—$ 
Krankheit fehr bedenklich fey; und da es fcheint, 
daß fich folche eher verfchlimmern, als abnehmen 
werde, fo bin ich fo frei, Ihnen davon eiligſt Nach⸗ 
gicht zu ertheilen. Aus den unzuſammenhangenden 
Reden des Kranken konnte ich ziemlich beſtimmt 
ſchließen, daß er Ste für feinen liebſten und vers 
traureften Freund halte. Madame A. foll, wie ich 
höre, eine ſehr empfindfame Dame feyn. - ch 
wänfche nicht, daß fie dieſe traurige ‚Nachricht zu 
ſchnell uͤberraſchen möchte: weil fie dadurch zu, Fark 
erfchättert werben könnte; mas nicht ausbleiben 
wurde, wenn ſie ſolche rn durch mich, ua 
ihr 


u 5090 Prey 


the Unbekannten, erfahren follte. Meberzeugt, daß 
Sie ihr folche weit behutfamer und vorteilhafter 
beibringen können, als mirs kaum möglich feyn 
wuͤrde, biste ich Ste darum. Seyn Sie überzeugt, 
daß alles, was zur gewifienhafteften, zärtlichften 
Pflege und Wartung des Kranken erforderlich If, 
son mir und den Meintgen mit dem bereitwilligften 
Herzen geleiftet wird. Im Vertrauen darf ich Ihnen, 
fagen, daß der Arzt des Herrn A., der Herr Hof⸗ 
vath P., wenig Hoffnung zur Wiedergenefung giebt. 
Den Koffer des Herrn A. nebft allen Schrifen 
Habe ich im Beiſeyn eines gerichtlichen Notars vers 
fiegein laffen: da ſich vermuthen laͤßt, daß im dems 
felben wichtige Dokumente vorhanden feyn koͤnnen. 
Diefe Vorficht ſchien mir für mich und Herrn 2. 
nothwendig zu ſeyn; und ich darf hoffen, dag Sie 
ſowohl, ald Madame A., damit niche unzufrieden 
ſeyn, und meine gute Abſicht nicht mißdeuten wer⸗ 
den. Der ih im Erwartung Ihrer anderweitigen 
Verfügungen, nachdem ih mid auch Madame A, 
zu geneigtem Wohlwollen empfohlen habe, mit aufs 
richtigſter Hochachtung verhatte i 
Em. Hochedelgeb. | | 
. ganz ergebenfter Diener 


er 7; | 
Nachricht an einen Kandidaten Über die Befegung 
. der Pfarrſtelle zu N. 
Hochedelgeborner, 
Hochgeehrter Herr Kandidat! 

Mit Vergnuͤgen entledige ich mich Ihres ſchaͤtz⸗ 
baren Anftrags, und eile, Ihnen —33 A 
ſetzung der erledigten Pfarrſtelle zu N., beftimmte 
Nachricht zu geben. | 

Mehr als zwanzig Kandidaten haben ben der 

rau 


— 6501 — 
Frau Gräfin von H., welche, wie Gie wiſſen, 
dieſe Stelle zu beſetzen hat, ſchriftlich angeſucht: 
aber nur ſechſen, die beſondere und ſehr wichtige 
Empfehlungen hatten, hat ſie erlaubt, Gaſtpredig⸗ 
ten in N. zu halten. Und da ihr die Wahl unzer 
diefen fechfen fchon ſchwer wird, die ihr alle vor⸗ 
zuͤglich wohlgefallen haben: fo wird es ihr nice 
zu. verdenfen feyn, wenn fie jeder. Gelegenheit aus⸗ 
zumeichen ſucht, die fie in neue DVerlegenheit fegen 
Bönnte. Aus dieſen Umfländen werden Sie erfehey, 
daß es nicht ganz rathſam feyn wuͤrde, wenn 
Sie ſich jegt noch bei der Frau Gräfin. eine. Gaſt⸗ 
predigt erbitten wollten. Auch Bat der Here M. W,, 
der. Erzieher der Kinder des Herrn Hofraths pon De, 
unfers nächften Sutsnachbars, der Brau G Zu⸗ 
ſage ſo gut als gewiß, ob es gleich noch nicht oͤffent⸗ 
lich bekannt gemacht aiſt; und zwar aus dem Grunde, 
weil fih die Gemeinde zu M., die den Herten M. W. 
vorzüglich ſchaͤtzt, in. einem zecht Herzlichen Schrei⸗ 
ben an die Frau Gräfin gewendet hat. Ich wuͤnſche 
indeß, daß Ste nicht alle Hoffnung für bie Zus 
Tunft aufgeben möchten. Der Pfarrer au O. f 
ein fehr alter Eränklicher Mann, und biefe Ste 
Hat die Frau Gräfin v. H. ebenfalls zu vergeben. 
Schicken Sie ihr, fie tft eine Kennerin geiftreicher 
Schriften, Ihre im Druck erfhienene Schrift. Ich 
zweifle nicht, daß Sie fih dadurch einen Weg in 
das oräflihe Haus bahnen. werden. Aus allem, 
was ih Ihnen Hiermit melde, werden Sie erſehen 
koͤnnen, wig fehr ich. Ihre Werdienfte ſchaͤtze, und 
wie fehr ih wanſche, mich Ihres gätigen Ver⸗ 
trauens würdig zu machen, der ich mit Gefonderer 
Hochachtung verharre 
Ew. Hochedelgebß. 
= ganz ergebenſter 
_ N . 
b6 274. 


onen einige Nechert wegen der eriedigten Pfarts 
ſtelle zu N. zu ertbeilen. 
Daß bie Frau Sriün 2. H. bieſe 

ſetzt, iſt Ihnen bekanumt; auch würde ih Ihnen 
rathen, eine Bittſchrift au Iher Hocgräfl. Snaden 
eimzureichen, wenn nicht dirſe Seeke ſchon ſeit acht 
Tagen vergeben wäre. Ser XL S. bat ſolche er 
Halten, und ift von der Fran Sei 
als zwanzig Kompetenten gewählt worten. Da aber 
Die n noch einige Pfarrficlen zu vers 
geben hat, und der Paſtor zu ©. ein fehr alter, 
kraͤnklicher Dann tfi: fo würden Sit fi viel 
leicht durch eine Gaſtpredigt in O. der Frau Gräs 
fin empfehlen tönnen , da fie ſich künftigen 
Auguft dafelöft aufhalten wird. Mißfaͤllt Ihnen 
diefer Vorfchlag nicht: fo melden Sie mir es; und 
ih werbe alles fo einzuleiten ſuchen, daß Sie dan 
aus erfehen follen, wie angelegen mir es iſt, mid 


au ueunen 
Em, Hochedelgeb. 
ganz rgedeufin 


N 


- 275. j 

Ein Sohn meldet den Tod feine® Vaters au 

... einen Bönner oder Vorgefegten beffelben. 
Hochwohlgeborner Herr, .. 

Onädiger Herr geheimer Rath! 

Em. Hochwohlgeb. beehrten meinen Vater eine 
anſehnliche Reihe von Jahren hindurch mit den 
unverkeunbarſten Geſinnungen der ausgezeichnetften 
Gnade. Ich Halte es bader für meine a 
u nen 


’ 


ganz Fehorſamſt anzuzeigen. Er ſtarb an einer 
langſamen Entkraͤftung ſanft und bei vollem Be⸗ 


wußtſeyn. Geite letzten Worte waren die ruͤhrend⸗ 


ſten Segnungen und der lebhafteſte Dank an ſeinen 
hohen Wohlthaͤter und Goͤnner, deſſen gnaͤdiges 
Wohlwollen und Beifall den größten Theil des 
Gluͤcks feines Lebens ausmachte. Mein Verlüft 
würde unausfprechlich feyn: belebte mich nicht die 
Hoffnung, Ew. Hochwohlgeb. werben die gnädigen 
Sefinnungen, die Ste dem Verewigten ſchenkten, 
quf mich, den Hinterlaſſenen, forterbenlaffen ; warum 
ich Sie, gnädiger Herr geheimer Rath, ganz gehors 


famft zu Bitten wage, der ich mit dem größten Eifer 


diefes Gluͤcks mich täglich würdiger zu machen, und 
bis an den letzten Augenbli meines Lebens mit 
volltommenfter Chrerbietung verharren werde 
Ew. Hochwohlgeb. | 
gehorſamſter 


276. 


Ein Sohn meldet den ſchnellen Tod ſeines Vaters J 


an einen Freund. 


Freund! 
Denken Sie ſich meinen Schmerz! Geſtern 
verlor ich eben fo unvermuthet, als. ſchnell, meinen 


guten, meinen lieben Vater. Ein tödtlicher Ner⸗ 


venfchlag endete fein’ Leben, und raubte uns bie 


Hoffnung, ihn noch eine lange Reihe von Jahren 


unter uns haben zu können, wozu uns fein Alter 
zu berechtigen fehlen. Meine gute Mutter weiß 
fich nicht zu fallen; flundenlang liegt fie ohne Bes 
finnungstraft. : Ich foll tröften, und- bedarf ſelbſt 


des Troſtes fo fehr! Werzeihen Ste: wenn ih 


Ihnen jegt nicht ausführlich ſchreiben kann. Dein 
| En Herz 


X den geſtern erfolgten Ted bes guten Gteiſes 


— 


Herz iſt zu Beftig angegriffen, und mein cher; 
iſt ſtaͤrker als meine Worte. Auch Sie babım no 
einen Vater; Brennd*), möge ein folcher Nerluf, 
wie ber meinige, noch lange von Ihnen entfernt 

bleiben. Diss wänfhe Ihnen vom Kerzen ' 


Sr 
ee Sreund 


Pe 

Ein Vater meldet dem Gönner feines Sohrnes 

den Tod deſſelben, und danke ihm fuͤr die 
Wohlthaten und Unterſtuͤtzung, die fein Sohn 
von ihm genoflen Hat. 


Hochwohlgeborner Herr, 
Hochzuverehrender Herr Hofratht 

Mit tiefgebeugtem Herzen melde ich Ew. Hoch⸗ 
wohlgeboren das traurige Schickſal, was mich am 
Gten dieſes betroffen hat. Seit einigen Wochen kraͤn⸗ 
kelte mein Sohn, der das Gluͤck Ihres Wohlwol⸗ 
lens fo vorzuͤglich genoß, und deſſen hoͤchſtes Ent⸗ 
zucken das Beſtreben war, ſich dieſes Vorzugs immer 
wuͤrdiger und wuͤrdiger zu machen. Wir ſchmeichel⸗ 
ten uns zwar von Zeit zu Zeit, daß ſich das kleine 
Uebel heben werde: allein wir wurden in unſrer 
Hoffnung getäufet, fo lebhaft dieſe auch durch den 
Arzt von Tage zu Tage unterhalten wurde. Mit 
einem Male brach fein fchleichendes Fieber in, eine 
Beftige Nervenkrankheit aus. In nice vollen 
=. 24 Stun 
°) a bedient man fi der Formel: ,, Bott 

möge den € Dun langer des B por dergiei 
Traun erfällen Beh —* und ee “ ee “ 

Laer 


besteäte Redensart. — 
Tod Jeden trifft: fo ann zu a nur ſo erfl 
m 


feiner Kamille —X ‚ur 





[1 


n 6c5 un 


24 Stunden war er dad Opfer derſelben; und ich alter 
Mann muß nun meinen Sohn in. der Blüthe fein 
ner Sabre begraben fehen! Der einzige Teoft, den 
ih Habe , tft diefer, daß alle, die ihn kannten, fels 
nen: frähen Tod bedauern, und daß er ſich ihrer 
wohlthätigen Geſinnungen nie unwürdig machte. Zu 
biefen edeln Wenfchenfreunden zählte er ganz befons 
ders Ew. Hochwohlgeb. Hienieden Hat er Ihnen 
feinen Dank nicht fo lebhaft an den Tag legen koͤn⸗ 
nen, wie er wünfchte s befto felerlicher wird er in 
ber Ewigkeit die Wohlthaten preifen , die Sie ihm 
erwwiefen baden. Nehmen Gie indeß bie Gefühle 
feines dankbaren alten Waters als ein geringes Opfer 
an, und feyn Sie von. mir überzeugt, daß mit 
es unvergeßlich bleiben wird, was alles mein Sohn 
Ihnen fchuldig war. Gott vergelte Ihnen es taus 
fendfältig, und fegne Ste und Ihre hohe Familie 
dafür His in Ihr ſpaͤteſtes Alter mit den ununters 
brochenſten, fchönften Breuden des Lebens. _Exlaus 
ben Sie, daß ich mich Ihnen zu fernerem hoben 
Wohlwollen empfehlen darf, der ich mir es zur vor⸗ 
öäglichften Ehre sehn, mich nennen zu dürfen 
‚ganz gehorfamften 
' 276. 

Beriht an einen entfernten Arzt mit der Sitte, 
Daß er dem Kranken die woͤchlgen Heilmittel | 
verordnen möge. 

Wohlgeborner, 

Hochzuverehrender Herr Dokor! . 

Mein Zutranen iſt gegen Ew. Wohlgeboren zu 
groß, als daß ich Sänger anſtehen follte, mich bei 
einer mie zugeftoßenen Kraͤnklichkeit Ihres gutem 
Raths und Ihrer Huͤlfe zu bedienen. : Bes acht 

agen 


— 506 — 


Tagen mil: mir das Eſſen nicht mehr ſchmecken. 
Alles, was ich genieße, ſchmeckt mir nicht nur waͤh⸗ 
rend des Genuſſes, ſondern auch lange Zeit noch 
hintennach, gallenbitter. Auch empfinde ich eine 
fo ſtarke Mattigkeit in. meinen Gliedern, ‚dab ich 
mich. zu aller Arbeit. unfähig fühle Des Nachts 
ſchlafe ich: ſehr unruhig, und ſchwitze fo ſtark dabei, 
daß: ih am Morgen aͤußerſt entkraͤftet kaum das. 
Bett verlaſſen kann. Auch Habe ich bereits verſchie⸗ 
dene Hausmittel verfucht ; ich Babe. z. B. früh Mor⸗ 
gens und Abends einige Taſſen Fliederthee getruns 
ten, weil ich glaubte, daß ich mich irgend ein Mal 
det einer kleinen Erhitzung zu fehnell gelüftet, und 
dadurch die Ausduͤnſtung unterbrochen haben könnte: 
allein ih: Habe dadurch das Uebel eher verfiärkt, 
als geſchwaͤcht. Seither hatte ich immer noch des 
Tages ein. Mal, ‚und zwar am frühen Morgen, 
nad einer Stunde, wenn ich meinen Kaffee getrums 
Ben. hatte, die gewöhnliche Ausleerung, wie: in 
meinem gefunden Zuftande: allein feit einigen: Tagen: 
HE mein Leib verfchloffen , und ich fühle nun, daß . 
zu meinem feicherigen Liebelbefinden noch ein Heftiges: 
Kopfweh hinzukommt, das mich bisweilen faſt gedanı 
“ Tenlos macht. Einer meiner Nachbarn ſchlug mir eine 
£aranz vor. Ich habe fie genommen: fie that aber 
weder die gewänfchte Wirkung auf meine Krankheit 
überhaupt, noch minderte ſie meine Kopfſchmerzen. 
Verzeihen Sie, daB ih Ahnen fchriftlich zur 
Saft fallen muß: allein mein Ynvermögen iſt zu 
groß, daß ih kaum von mir zu meinem Nachbar, 
geſchweige denn eine Stunde weit von hier bis hr 
bie Stadt zu Ihnen gehen kann. Auch das Fah⸗ 
ren kann ich nicht vertragen, und es iſt mir immer 
. babei, ale müßte ich in Ohnmacht ſinken. Glaus 
ben Sie nun, daß mit: einigen Rezepten ‚diefe meine 
Unpaßlichkeit zu heben: fey,. oder finden Ste es.für 
noͤthig, „mic: perſonlich genauer zu. beobachten und 
| Ä zu 





FO 


um 507 — 


zu unterſuchen; alles dies ſey Ihnen ganz üÜberlafs 
fen. Erlauben Ste mir, Ihnen ſchluͤßlich zu vers 
ſichern, daß Sie an mir einen eben ſo folgſamen, 
als. dankbaren Patienten Haben werden. Der ih 
mich mit dem innigften Vertrauen und mit ber wahrs 
Hafteften Hochachtung unterfehreibe, lb 
1 Ew. Wohlgeb. . 0 
eergebenſten Diener 
N. 


BE 270%. 
Der Schneidermeiſter N. flattet ber Graͤfin H., 
von.ihr aufgefordert, den neueſten Modebe⸗ 
sicht ab. “ 
Hochgeborne Reichsgräfin., | 
Gnaͤdige Frau geheime Raͤthin! 

. Auf den mir ertheilten Befehl Habe ich bie 
Gnade, Ihro Excellenz unterthaͤnigſt zu melden, 
Daß die Damenfleidungen beim Anfange diefer “Meile 
Leine beſondern NWeränderungen erlitten haben, und 
vermuthlich nun auch nicht erleiden werden , da bie 
größere Hälfte der Meile vorüber, und der ange 
fehenere Theil der Fremden bereits von bier wieder 
abgereift if. Ihro Excellenz, die Gran Gräfin 
von A., beehrte die Meile mit ihrer Gegenwart, 
und erfchten im Konzert und Schanfpiel, auch am 
Mepfonntage in dem ** Garten. Allgemein wurde 
ihre Anzug bewundert? doch zeichnete ſich dieſer mehr 
durch innern Gehalt, als durch eine neue auffals 
(ende Form aus. Obgleich die Modejournale vers 
fhiedene neue Erfcheinungen bekannt machen, die 
fi neuerlich ſowohl in England, als in Frankreich 
Baben- bliden laſſen, Indem fi die Taillen abers 
mals verändern, und die kurzen in lange wieder . 
verwandeln follen: fo Kat diefe Mode doch Hier zur 
Seit noch keinen Beifall erhalten. Nur einige ve 

' lines 


u 508 ar 


linerinnen und einige Leipziger Damen“ wagten ben 
geſten Verfuh , und mißfielen. Die allerneueſten 
Modezeuche von verfchiedenen Arten Ihro Ercellen; 
einzureichen, rechne ich mir zur vorzuͤglichſten Gnade; 
wobei ich es zugleich. wage. Ihnen meine fernem 
weitigen unterthänigen Dieuſte anzubieten, da ich 
es für das bedentenfte Gluͤck meines Lebens fchäge, 
Hochdenenſelben gufwarten zu dürfen. Der ich in 
tiefer Ehtfurcht erſterbe — 
Idyhro Hochgeb. Reichsgraͤft. Gnaden, 
Ihro Ereellenz. un 


Leipzig, ' Ä 
don roten Ottobetr 1805.  - - 0 
| unterthaͤnigſter, 
| der Schneibermeifter. SB N. 
280. | 


Ein Vater benochrichtiget feinen Freund vpn ber 
Beförderung, bie fein Sohn erhalten hat. 


Werthgeſchaͤtzter Freund! nn 
Wuͤnſchen Sie mir Gluͤck, und nehmen Bis 
an der Breude eines vergnügten Vaters mit freunds 
tem Kerzen Antheil, Die lichfle und bie 

etliche Sorge der Aeltern bleibt Doch immer eins 
zig nur der Wohlfahrt ihrer Kinder gemipmer; und 
gelingen ihnen diefe Wuͤnſche, fehen fie ihre Muͤhe 
belohnt , o meld ein Segen gleicht dann dem ihri⸗ 
gen! Und Freund, in dieſer glädlichen Lage Per 
finde ih mid. Mein Sohn ift verforgt, ſehr ayt 
verforgt: worden. Er bat das einträglihe Paftoret 
in D. erhalten, und die Yet, wie er es-erchalten 
dat, iſt um fo ehrenvoller ehe ihn, 'Mnten zehn 
Mitbewerbern" wurde ‚nur er. ausgewählt: Ich bone 
Velegenheit, ihm zu vorzuͤglichen Empfehlungen her 
huͤtflich zu ſeyn: allein ex has wich Aringend, even 
einen 


5 — | 


keinen Gebrauch zu machen. „Habe Ich,  nächft 
Sott, einzig mie und meinen wenigen Verdienſten 
dieſe Stelle zu verdanken: ſagte er, „ſo darf ich 
nie vor mie ſelbſt erräthen, nie mir einen Vorwurf 
machen; was nicht ausbleiben würde, follte ich durch 
Empfehlungefchreiben Andern den Weg zu dieſem 
Amte vertreten, die vielleicht würdiger dazu fern 
koͤnnten, ale ich.“ Vor acht Tagen. hat er feine 
Anzugspredigt gehalten, und Liebe und Beifall find 
ihm zu Theil geworden. Gott gebe, daß er biefes 
Sluͤcks bis an die lebte Stunde feines Lebens wuͤre 
dig ſeyn, und fi defien in ungeflörtem Genuß 
erfreuen möge. Ich bin von Ihnen, befter Freund, 
Überzeugt, daß auch Ste ihm Gluͤck wunſchen, und 
alles Gute gönnen werden. "Bleiben Ste mir und 
Hy mi en freundſchaſtlichem Herzen gewogen. Dies 
iſt die 
Ihres 


Sn engeren 
M. 


231. 
Nachricht an einen Freund von dem Verfaſſer 
dieſes Briefſtellers auf eine ganz beſondere 
Anfrage. 

Werther gesund ! 3 

©te wundern fi, daß mein Brieffteller nicht 
mehr bei dem feitherigen Verleger Heten Heinz 
sich Graͤff in Leipzig, fonder in Reutlingen 
bei Johannes Grözinger zu haben ſey. Ihre Ans. 
frage ift zwar Ironie: die Sache ſelbſt Ift aber an - 
und für fib zu ern, als daß ich Sronie mie 

Ironie erwiedern darf. Willen Sie daher, das 

Exemplar, was Ste in Stuttgart fahen, tft etw 

Nachdruck von der dritten Auflage meines Briefs 

ſtellers. So ſeht der Nachdruck auf Der einem 

' te 


zu BIO 2 — 


Geite dem Verfaſſer fchmeicheln koͤnnte, wenn er ein 
eitler Menfch. tft; weil. jene unredlichen Teakben. nie. 
Schlechte Bücher nachzudrucken pflegen: fo fehe muß, 
es ihn auf der andern Seite fhmerzen, wenn er 
ein rechtlicher Mann if. Sch. kenne zwar die Scheins. 
gründe, zu denen gemeinhin die Diebsbande ber 
Nahdruder ihre Zuflucht nimmt, indem fie vors 
ſchuͤtzt, daß der Preis manches Buchs zu ungeheuer 
fen, wodurch. es dem Publitum zu fchwer werde, 
ſich ſolches anzufaufen: aber wie würden die weiß 
lichen Sefeße in andern Bällen entfcheiden, wenn 
irgend ein ſo ſpitzbubiſcher, wohlthaͤtigſeynwollender 
Staatsbürger aus ber Urſache, weil die Materia⸗ 
lien im Preife fliegen, feine Mitbürger beſtehlen 
wollte, um dann fein Produkt etwas mohlfeiler 
verkaufen zu koͤnnen? Würden fie nicht einen fols 
hen Burſchen auf die Zeftung oder ins Zuchthaus 
ſchicken? Aber auch dieſe ſchaͤndliche Ausflucht gile 
ſogar nicht einmal bei dieſem Brieſſteller. Ich 
darf Ihnen heilig verſichern, daß ich ein aͤußerſt 
geringes Honorar nahm, damit mein Bud, dem 
ich wenigftens allgemeine Brauchbarkeit zutrauen 
durfte, wie es denn auch der, Erfolg beſtaͤtiget hat, 
wohifeller verkauft, werden konnte; und jeder Eins 
ſichtsvolle wird geſtehen mäflen, daB ber Verleger 
den Preis deſſelben aͤußerſt niedrig (fuͤr faſt Zwei 
Alphabet eng gedruckt zu 18 Gr., in Parthieen ju 
12 auf-Ein Mal für ı2 Gr.) feste, fo daß der 
Bogen kanm etwas über einen Dreier oder einen 
Kreuzer. zu fliehen fam. Und verkauft etwa ber 
zäuberifhe Nachdrucker dieſes Buch wohlfeiler? 
Nein! was die rechtmaͤßige Ausgabe gilt, das for⸗ 
dert auch er; den einzigen Vortheil, welchen der 
Kaͤufer genießt, iſt, daß er — in Geldſorten nach 
einem geringhaltigern Muͤnzfuß den Werth bezahlt. 
Aber wie groß kann dieſer Gewinn bei einer Summe 
von 12 Lis ı8 Gr. ſaͤchſiſch ſeyn? Sehr entrohus 
Kane Ä bigend 


—, 58144 — 
bigend iſt es daher, daß die Stuttgarter politiſche 
Zeitung die Anzeige eines ſolchen beiſpielloſen Nach⸗ 
drucks verbreitete und verbreiten durfte: doch 
noch weit entwuͤrdigender war es, daß ſogar ein 
Journal, der neue Landſchullehrer (Tübins 
gen, bei Heerbrand, 1807 in dem erſten Stüd des 
drieten Bandes), den Nachdruck als rechtmäßige Aufs 
Tage beurtheilte und bausbackig empfahl. Daffelde 
widerfuhr in demfelben Journale und in demfelden - 
Stuͤcke dem vortrefflihen Lehrbuche der hriftlichen 
Moral unfers verehrungswuͤrdigen Reinhards in 
Dresden. = ur 


Es würde ſchauderhaft feyn: wenn ein. folches 
Unmefen, das nicht einmal der Sicherheit des. Eigens 
thumes fehonet, noch länger in den Staaten deuts 
ſcher Fuͤrſten ungeſcheut getrieben werden dürfte, 


So eben wird an der fehften*) Auflage meis 
nes Briefſtellers gedruckt, welche den Nachdrucker 
Boffentlih in Verlegenheit fegen wird. Leben Sie 
wohl. Ganz ber | | 


Idhrige 


Leipzig, George Carl Claudius. 
am 3ten September 1807. 


e) Wahrend der bis jetzt 18153 verfloſſenen Zeit bat 
fib fogar ein zweiter Nachdrud eingefunden, und 
eine dritte Manier iſt nicht viel beſſer. In Prag 
ward der größte Theil der Briefe zu der zweiten 
Auflage von Michaelis Briefſteller aus dem meinis 

en entlebnt. Die Urtigkeit, die man dabei dem Ders 
afler fagte, koͤnnte über diefed Verfahren hoͤchſtens 
nus einen eiteln Dann bintergeben,. 


CEr⸗ 


m 513 — 


werde, als keins der drei (don erbauten. und eins 
gerichteten. Er befpricht fich darüber mit dem Mau⸗ 
rermeiſter. Diefer aber wendet dagegen eine Dienge 
Gründe ein; und verfichert, daß das Haus, wolle 
er biefen Plan ausführen, über den Kopf einſtuͤr⸗ 
zen koͤnne, da er zwei Hauptpfeiler wegnehmen 
. wüßte, worauf gleichſam das ganze Gebaͤude ruhe, 
Herr W. redet ihm zu, und macht ihm große Ver⸗ 
fprehungen. Der Maurermeifter überlegt es Big 
und her; finder endlich, DaB es wohl gehen muͤſſe, 
wenn er zwei Sefellen gewinnen koͤnne, bie Leben 
sder Tod dabei wagen wollten. Er fpricht mit ſei⸗ 
nen Leuten: aber keiner giebt ihm Gehör, fih um 
eines Meinen Scwinnftes willen der Gefahr feines 
Lebens auszufegen. Ein alter, fehr alter Mann 
mit feinem Sohne, beide Außerfi arm , laſſen ſich 
doch endlich von dem Merfprechen des Wauherre 
und des Maurermeifters verleiten. Der Alte Vater 
und fein Sohn wetteifeen mit einander; einer wi 
ſich dem andern aufopfetn, und beide unternehmeg 
das gefährliche Wagſtück. De edeimächige Sche 
entfernt feinen Vater von allen Stellen, wo es 
Gefahr Hat, als. fie die drohende Mauer — 
ßen, der Vater warnet den Sohn. Zwei 
lang hatten fie gearbeitet, und die Arbeit ging gli £ 
licher von flatten, als fie vermuther Hatten. Der 
Banherr befucht fie oft, und fordert fie durch neue 
Verfprechungen:zu neuem Muthe und zur Beharr⸗ 
lichkeit auf. „Vater,“ fagt der junge Mann, „, 
iſt nun die gefährlichfte Stelle. Hilft uns Gott hier 
duch, fo wirds weiter Beine Noch haben. Geher 
lieber jeufeits. Hin. Stuͤrzt auch bier der eine Theil, . . 
fa fend ihr doc dort ſicher. Ich wi ein andaich 
tiges Vaterunſer beten. Dann komm 26, wie eö. 
fe.’ - Der Alte wollte nicht pon feines Sobuek 
Bpie weichen. Der. Sohn ließ: nicht, mit. 


1'n0, 00 14 mm Baia mit. AR 






D | 


— 544 — . 


Sohn arbeitet herzhaft, und nach aller Verſtaͤndigen 
Ausſage aͤußerſt vorfihtig. Er kann aber feinem 
Schickſale nicht entgehen. Indem einer der gefähn 
lichſten Pfeiler weiche, flürzt ein huräebrlicher Theil 
der Mauer ein, und verſchuͤttet den Unglücklichen. 
Man konnte die über ihn Hereingefunfene Laſt nicht 
wegräumen: weil man in ber Gefahr war, daß 
noch mehr nachſtuͤrzen würde. Der arme Menſch 
mußte erftidten. Denn zerſchmettert war fein Körper F. 
nicht, als man ihn nach einigen Stunden todt bers 
ausgrud. Alle Mühe und alle Kunſt konnten fein F 
Leben nicht retten. — Boll Jammer war der Water, 
Hol Verzweiflung des Ungluͤcklichen Weib mit ihren 
ver unmündigen Kindern, wovon das jüngfte noch 
an ihrer Gruft liegt. Herr W., der Bauherr, 
Wurde zur Verantwortung gezogen. Bein Schade 
iſt ſehr beträchtlich. Der Water des Ungluͤcklichen 
ang in Herrn W., für feines erſchlagenen Seh⸗ 
nes Kinder iu forgen, und Herr W. machte Ham 
dert Ausflüchte. Che der darüber entflandene Pra 
zeß zu Ende geführet werden kann: möchte wohl 
der Alte mit feiner Schwiegertochter und Enkein 
verhungern muͤſſen. Ein Wenfchenfreund bar um 
eine milde Beifteuer durch eine, Herrn W. febe 
ſchonende Anzeige in den ©, Zeitungen." Und was 
that Herr W.? O, er hat ein großes Opfer dar⸗ 
gebracht! Er, der Mann, den man eine Halte 
Milton reich ſchaͤtzt, ſchickte dem mit dem Tode 
MAmpfenden Vater, und ber aͤußerſt armen und ver 
läffeuen Wittwe mir Ihren unmändisen Kindern, 
die ihren Erhalter verloren hatten, einen Halben 
Kronenthaler. Dies iſt der traurige, hoͤchſt unglück⸗ 
liche Vorfaͤll, wovon Sie in den Zeitungen geleſen 
Haben, und den ich Ihnen auf Ihre eigene Aufı 
forderung einfach und gewifienhaft zu erzählen ver 
Bunden war, Ich fake nichts als die Verficherung 
Bann, daß Ste wohl ſchwerlich Ihre en 
" 5 efins 





— 515 — 


Geſinnungen gegen beduͤrftigere und wuͤrdigere Per⸗ 
ſonen würden: aͤußern koͤnnen, als gegen dieſe. Ein 
Unbekannter ſuchte vor einigen Tagen dieſe ungluͤck⸗ 
liche Familie auf, uͤberzeugte ſich naͤher, und hin⸗ 
terließ einen, Brief mit dreißig Thalern. Die 
Witwe war außer fih, als fie den Brief erbrach. 
Zwei ihrer guten Breunde waren dabei zugegen. 
„Bitch Karl,“ fagte der eine zu dem äfteften fies 
benjährigen Sohne des Erfchlagenen, „wie reich 
she ſeyd!“ indem er das Geld ‚zählte. „Ach,“ 
fagte das Kind, „ich will dir das Alles, will die 
meinen neuen Rod, meine neuen Schuhe gerg, 
recht gern geben, die mir »geftern die Frag Hof⸗ 
raͤthin A. gefchenfe Hat; ich will im. Hemde und 
Barfuß gehen: gieb mir nur meinen guten Vater 
wieder. " — Doch ich wollte ja ſchweigen, wollte 
£eine diefer ruͤhrenden Anekdoten erzählen: weil ich 
Ihr edles Herz zu genau kenne, als daß es erſt auf 
ſolche Weiſe gerührt und erwärmt werden muͤſſe. 
Wollen Ste für die arme Familie etwas chun: fo 
will ich gern der gewillenhafte Ueberbringer feys; 
Sie lieben das Geraͤuſch in den Zeitungen nicht, 
eine flille Thraͤne ift Ihnen der Ichänfte Dank, das 
weiß ih; und darnach wird fich beſtmoͤglichſt zu 


sichten willen .. 
| Ew. Hochedelgeb. 
| ergebenfter 


8t a2 | gauf⸗ 


XV, 
Kaufmaͤnniſche Briefe. 


Oogleich, wie wir geſehen haben, überhaupt Deus | 


lichkeit und Kürze die allgemeinen Erforderniſſe einer 
guten Schreibart find: fo iſt doch die Beobachtung der 
erftern tn den kaufmaͤnniſchen Briefen um fo näthiger; 
da die Gegenſtaͤnde ber Verhandlung größtentheils 
ph wichtig find, und Undeutlichkeit zu Den größten 
nannehmlichfeiten Anlaß geben kann. Chen fo 
fehe aber müflen wir und hüten, in dem Fehler 
der Weitſchweifigkeit zu verfallen: denn da Kaufleute 
Shniih in einem ausgebreiteten Briefwechſel 
ben; fp dürfen wir ihnen nicht zumuthen, ſeiten⸗ 
nge Briefe voll leerer Worte zu leſen. Es if 
jetzt ganz gewöhnlich, daß in dieſer Gattung von 
Briefen das In den Abrigen gewöhnliche Zeremonie, 
‚alle Hoͤflichkeitsformeln, wegfallen, man 


beginnm ohne alle Einleitung mit der Sache ſelbſt, 


and ſchließt, nachdem man diefe fur; und Deutlid 
vorgetragen Bat, mit der Erklärung, daß man zu 


Gegendienften bereit fey, oder daB man volllommen . 


jedem Wunſche des Empfängers genügen werde, 
Uebrigens bemerkte ich noch, daß die angehäng 
ten Briefe weniger zur Belehrung des eigentlichen 
- Kaufmanns verfaßt find, denn dieſer bedarf einer 
eignen, volfländigeen Anleitung, ais vielmehr zur 
. j SBeieh⸗ 


57. — 


ʒelehrung bejenigen, der entweder die andres Su 
haͤft Gar, und nebenbei noch Handlungsgeſchaͤfte 
eibt, oder der Wabrikgefchäfte oder ein Handwerk 
ist, wo er oft in den Ball kommt, Sachen fchrifts 
& einzukaufen, die feintgen zu munfehlen, anzus 
ten und Veſtelungen zu machen. 


mWeelben des Söneidermeifters A. an den Tuch⸗ 
händler 8. 


Hochgeehrteſter Herr! | 
Da ich mit dem Kaufmann, von dem ich bie⸗ 
er meinen Bedarf an Tuͤchern bezog, nicht mehr 
ıfrieden bin: fo. frage ich bei Em. Hochedelgeb. 
3; ob Sie geneigt find, mit mir in Geſchaͤftaver⸗ 
ndung zu treten. Da ich mich einer fehr großen 
undfchaft erfreue: ſo tft mein Bedarf nicht gering. 
ch erſuche Sie daher , falls Ihnen mein Antrag 
mehm ift, mie eine Muſſerkarte, nebft. beigefügs 
n äußerfien Preiſen zu uͤbermachen, fo wie die 
dingungen der Zahlung. Da ich bisher ſtets 
albjaͤbrigen Kredit erhalten habe: fo hoffe ich, daß 
ich Sie mir diefen nicht verweigern werden. "In 
offnung baldiger Antwort verbleibe ich 
Ei. Hochedelgeb. 
‚ergebenfter 
N. " 


in Tuchfabrikant empfiehlt dem Kaufmann ©. 
feine Rundfchaft. 

* Kodhgeeheter Herr! | 

Ich nehme mir die Freiheit, Em. Heqedage. | 

del die Mufertarte meines Waarenlagers 3 Aber 

_ en, 


Un 


58 ,2 

ſchicken, mit ‚der ergebenfien Bitte, falls Ihnen 
die Güte der Tücher und die Preife derfelben genehm 

wären, mit .mir in fernere Gefchäfte zu treten. 
Auch erbiete ich mich Ihnen zu Aufträgen in Tuͤchern 
in jeder Guͤte und, jeder Farbe, weicher ich. mid 
gewif zu Ihrer Zufriedenheit ſtets entledisen werde. 
Ich verbleibe mit der hoͤchſten Achtung 

Ew. Hochedelgeb. 
blen ſtwitliaer Diener 

286. 
Der Eſſigbrauer U. an den Gaſtwirth X. 


Seit einem halben Jahre habe ich in: hieſiger 
Stadt eine Eſſigbrauerei angelegt, und habe bis 
jetzt die Freude gehabt, mein Unternehmen durch 
zahlreiche Kundſchaft beguͤnſtigt zu ſehen. Da Sie 
nun, Hochgeehrter Herr, in Ihrer ausgebreiteten 
Wirthſchaft jaͤhrlich viel von dieſem Artikel brauchen: 
fo bin ich fo frei, Ihnen meine Dienſte anzubieten. 
©ie werden fih Überzeugen, das Billtgkeit der Preife 
und genauefte Pünktlichkeit im Sefchäft mein Haupt⸗ 
beftzeben find; fa wie Ihnen die Beigelegten Drau - 
Ben die Bitte meines Fabrikats beweifen werden. In 
Hoffnung baldiger Beftellungen nenne ich mich | 
Ihm 

ersebenen Diene 


ur 


286. 

Shrelben des Sabaffabrifanten D. an den Kauf 
wmanug.. 
Ich gebe mir die Ehre; Em: Hodedelgeb. hier⸗ 
durch ergebenſt zu Benachtichtigen,, daß. ich eine 

Tabaks fabrik errichter habe, und daß von heute an 

alle Sorten von Rau) s und Schuupftabak air | 
vorzuͤg⸗ 


BL 


n x 
\ » X 2 
Ber 


row 


u sg =. 


nqagia- an. and zu- Avuugen greifen, deren Ver⸗ 


deichaße ich: beizulegen mir die Freiheit nehme, bei 


mir zu haben ſeyn warden. Wenn. Em, Hochedelgeh. 
geneigt ſind, mie mit in: Berbindung zu treten: 
ſo werden miteiche ‚Über. Bahlung und Termin 


einig werden. 


In jeder Hinßcht rd. ich mid: beſteeben, 


Ihnen zu zeigen „wie ſehr «4 Tate angenehin iſt 


wid ſtets nennen zu koͤnnen 


„ew. Gegebeiged. | 
J | bereitwilligen Diener 
| N. 


s v 


| 27. 
Aniwort des Gaſtwirth X. an den eſſigbrauer u. 


Sehr angenehm war mie Ihr Anerbieten: da 
ih Urfache Habe, mit dem Fabrikanten, der mid 
Bisher. mir Eifig verfah , unzufrieden zu ſeyn, und 
mir Ihre Übermachten Proben und die beigefügten 
Peeife wohl gefieten. Ich erfnce Sie daher, mis 
Orboft von der Probe Nr. 2. 
2 Orhoft von der Probe Ne. 2. 
1 3 Oxhoft von dee Probe Nr. 3. 
zu Aberſchicken. Anbei erhalten Sie eine innen 
ung auf den Kaufmann WR. in Ihrem Orte, der 
ihnen ben Betrag zahlen wird, 
.. He 
. ergebener 
"N. 


288. 
Der Schuhmachermeiſter F. an den Lederhaͤndler A. 


Hochgeehrteſter Herr! 
Wenn Sie meine Kundſchaft ferner beizubehal⸗ 
ten wuͤnſchen: fo erſuche ich Sie, mir bei der heu⸗— 


: Sgen Beſtellung Leder von beſſerer Qualitaͤt, u 
z — da 


- m — 


un 1 epte von * ir ſchecken. Der 
—* ee ng ; Folgendes :gepen 
hları Be Hung von. onen — au Toffeh 
a 
ee e ra Fe 
6 Dugend Kalbfelle, “ 2 Er 
8 Kelle‘ ſchwarzes Bockleder. 
| * Erwartung billiger Preiſe nenne J 
Ihrem 5 . 
egebenſten Diener 


xXxvyi. 





xXvI. 
Bon Antöbericten und outachen. 


DER dem erften Anſcheine nach dieſe Gattung 
ſchriftlicher Auffäge nicht unter die eigentlichen 
Briefe gehört: fo Mind fie doch im Grunde nichts 
anderes, ald Darfiellungen von Ereigniſſen, die ſich 
entweder ſchon ergeben Haben, oder ſich noch ergeben 
follen; und. werden daher bald an einzelne Perfonen, 
: Bald an ein Gericht, Dikafterium u. f. w. mittelfk 
eines Schreibens abgefaft, ‚das im Grunde do 
ste ein Brief bleibt, wenn auch in der aͤußern 
- Borm einige Peine Abänderungen, 3. B. in der 
Ueberfchrift und Unterfchrift Statt finden, und fols 
des nicht wie ein gewöhnlicher Brief zuſammen⸗ 
gelegt oder gebrochen wird. Da hier aber wie 
von der Außengeflalt, fondern von dem Geiſte, bee 
im Junern bereichen: fol, die Rede ift und fen 
tann: fo dürfte, wenn nicht das Zeremonialäbel - 
den Urtheilsſpruch ab;ufaflen hat, diefe Gattung nicht 
ganz unſchicklich Hier in der Folge der ſchrift⸗ 
ua uläte angerzibt worden feyn- | 
Bericht iſt alfo ein erzähtender ſchriftlicher 
Kun ‚ worin ein Untergebener feinem Vorgeſetz⸗ 
. gen, oder die niedere einer hoͤhern Behoͤrde übes 
ben einen oder den andern Vorfall ober Gegenſtand 
eins der Wahrheit gemäße Austunfe I‘ when 


fe 622 m 


Sat, um biefelbe in ben Stand zu fegen, über 
diefe Sache ein richtiges Urtheil fällen zu koͤnnen. 
3. B. wenn ein Unterthan höhern Orts ein Ger 
fuch oder eine Beſchwerde angebracht bat: fo träge 
die Höhere der niedern Behörde auf, ihre einen Ber 
sicht zu erſtatten, der fie in den Stand fegen foll, 
entfcheiden zu können, ob der Anfuchende verdiene, 
gehört zu werden, oder nicht, oder ob der bes 
fchwerdeführende Theil wahryafte Urfache dazu habe, 
und. wie feiner Beſchwerde abgehoͤlfen tderden Kädne, 
oder ob man ihn abweiſen müfle. 

Ber ſolchen Berichten überlege man vor allen 
Dingen, was man zu berichten habe, und ziehe 
aufs gewifienhaftefte die mönlichft genaue Erkundis 
gung ein. Wenn man alle Materialien beiſammen 
hat: Bann ordne man fie gehörig nach einem feften 
Plane, und nur dann erſt ergreife man.-die Feder 
jur Ausarbeitung Da bet dieſen Borträgen ' oft 
eines Menſchen Ehre, fein Gluͤck oder Unglück auf 
der Wagfchale liegt: fo bleibe man der Wahrheit 
getreu, ohne alle Partheilichkeit. - Zwar fey unfer 
Vortrag kurz und bündig, jedoch) ‚darf diefes ſchlech⸗ 
terdings wicht auf Koften der Deutlichkeit gefcheben ; 
zugleich iſt aber eine zu große Weitläuftigkeit nits 

gends täftiger , als bei diefen Auffäsen. ® 

"Berner wird ein Bericht entweder fr eiwils 
116, weit uns unfere Amtspflicht dazu auffordert; 
an die höhere Behoͤrde eingefendet; oder er wird 
uns von diefer adgefordert und anbefohlen. Geht 
oft verlange auch die höhere Behoͤrbe von ber. nies 
dern bei der Berichterſtattung noch ein Gutachten: 
weil erfiere der legtern zutrauet, daß fie die dazu 
nöthigen Kenntniſſe und die nähern Anfichten, indem 
ſie mit den oͤrtlichen Verhaͤltniſſen bekannter ſeyn 
inüffe, Haben konne. Ein ſolches Gutachten wird 
gewöhnlich an dem Schluſſe des Berichts aufgeführt: 

wenn ih der ‚Bericht nur. Aber eigen. —— 
erſtre 


‘ .ı. * * 
Kae! [EEE N 


— 523 _ 


erſtreckt. Enthält er aber mehrere Gegenſtaͤnbe: fo 
fest man ein jedes für ſich dahin, wohin es sigent« 
lich gehdͤret. Was man gewiflenhaft meine, und. 
wovon man nad vorhergegangener genauen Unter—⸗ 
fuhung und firengen Prüfung gewiß überzeugt iſt, 
das erfläre man mit ruhigem Ernfi, und wit 
der reinften Unpartheilichkeit, um fich für eintretende 
Säle, die der Zufall zur Enıhällung der geheimen 
Plaͤne Herbeiführen fan, forgfältig zu verwahren, 
deſſen ungeachtet aber mit moͤglichſter Beſcheiden⸗ 
heit, damit man fich nicht dem Vorwurfe ausfege, 
als wollte man der hoͤhern Behörde feine Meinung 
als einen Machtfpruch aufdringen. 

: ‚Da biefe Anleitung nur für den Morbbedarf 
der Nichtgelehrten, alfo nicht für. Juſtitiarien, Als 
tuarien u. fe w. beſtimmt tft: fo wird fie hinrei⸗ 
hend ſeyn, fich einen Begriff von der Abfaflung 
der Berichte zu bilden. Indeß will ich ruͤckſichtlich 


der Außern Form noch bemerken, ‚daß. man Amtes | 
berichte gewöhnlich auf das halbe Recht: des Bogens 


zu fchreiden, denſelben auch nicht die Titulatur ber 
Anrede vorzufegen , fondern, wenn dad Schreiben 
blos eine Anzeige oder kurzer Bericht feyn fol, 

BGehorſamſte Anzeige 

oder: 

BGehorſaumſter Beridt | 
über den Eingang zu fchreiden pflegt. Jedoch Hat 
man fich zuvor zu erkundigen, ob man nicht die 
Titulatur porzufegen habe: weil es. noch hier und 
da Bitte ſeyn foll, auch bei folchen kleinen Amts⸗ 


ſachen alle Gteifheiten des alten Zeremoniels aufs 


fitengfte beizubehalten, um ben Untergeordneten in 

den Hintergrund zu flellen, damit man um fo mehr 
in dem Sonnenſtrahl glänze. Zür diefen Fall wird 
das unten. folgende Beiſpiel ‚geeignet ſeyn. IE 
dieſe Weitlaͤuſtigkeit aber nice noͤthig, und ‚wich 


524 - 
die Kürze in ben Formalitäten erlaubt: fo feht 
man dafür blos das ‚, Sehorfamfte Anzeige, ’’ oder: 

Sehorfamfier Bericht darũuber. 


U 2 


289. 
Bericht eines Dorfrichterd an den Berichtöhalter 
über eine gefänglich eingezogene Diebsbande. 


Beohigeborner, . 
Hochgeehrter Kerr Gerichtödirektor ! 

Ew. Wohlgeb. zeige ich Hierdurch pflichtmaͤßig 
an, daß ich in verwichner Nacht eine Diebsbande 
von ſechs Derfonen gefänglich eingezogen babe. 

Um Mitternacht werte mich der Nachtmächter, 
und zeigte mir an, daß er in unferm Pfarrhofe ein 
leiſes Geraͤuſch gehört habe, und fo viel ee vermuthe, 
tönne ſolches von Dieben herräßren. Ich zog mid 
ſchnell an, und rief meine Knechte. Sie mußten 
Ah mir Heugabein und Stangen bewaffuen; und 
Hmm eilte ich wit ihnen nach der Pfarre zu, ſchickte 
aber zuvor zu den beiden Serichtsfchöppen Werner 
und Fahrmann, und ließ fie auffordern, mtr fogleich 
nachzufolgen, um mic, und die Meinigen zu unten 
- flügen. Als wie vor das Pfartthor famen : ' ents 
deckten wir ein dunkles Licht in den ‘zwei Obers 
flüben der Pfarrwohnung. Wir verhielten uns 
Anfangs ſtill, und befeßten ‚die Ausgänge, damit 
uns die Diebe nicht entkommen follten. Die Schoͤp⸗ 
pen blieben nicht lange aus, und brachten ihre Nach⸗ 
aut nebſt ihren Knechten, alle gut bewaffnet mit. 

Ein Theil von uns umzingelte die Wohnung von 


außen ber; ein Theil aber erbrach das Pfarrthor. 


Sander diefes geſchah, fiel ein flarker Schuß in 

des Heren Pfarrers Schlaflammer. Wir fanden 
von außen eine, geiter angelegt, Diefe nahmen wie 
weg, 


J — 825 — 
weg, und nun drangen wir, zwölf Mann ſtark, 
‚In das Haus. Zwoͤlf Mann blieben im Hofe, und 
funfzehn Dann befeßten die Ihüren und dte Mauer 
von außen. Drei Wann von den Dieben hatten 
einen fchredlihen Sprung aus dem erflen Stock⸗ 
werke gewagt. Trotz daß fie große Saͤdel umge 
ſchnallt hatten, wären fie doch von der Mannichaft, 
welche die Außenfeite der Pfarre befegt hatte, uͤber⸗ 
wältigt, und von diefer mit Siricken gebunden wors 
den, fo daß fie fih nicht von der Stelle rühren 
fonnten. Wir drangen in jede Stube zugleich ein, 
In der einen fanden wir die arme Frau Paſtorin 
gelnebelt auf der Erde liegen. Wir hielten fie faſt 
für code, und fchieften nach dem Barbier, um ihr 
fo fchnel wie möglich Hülfe zu fchaflen. In ber 
andern Grube Fämpfte der Herr Paftor noch mit 
einem von den Dieben, der mit einem fürdhterlichen 
. Pallafch bald nach uns, bald nad) dem Herrn Paftor 
Dieb. Einige. leihte Wunden machten uns nicht 
muthlos; und es gelang uns, daß wir, ohne daß 
einer von und zuruͤckgewichen wäre, den Kerl Übers 
mwältigten. Wie fragten den Deren Pfarrer, wer 
geichoflen Habe: und er erflärte uns, daß er, weiß 
fein Leben gefährdet geweſen fey, noch zu rechter 
Zeit ein geladenes Pifkol ergriffen, uud nad dems 
jenigen von den Räubern geichofien Babe, der ihm 
einen Strick um den Hals babe werfen wollen. 
Er bemerkte dabei, daß fich diefer davon gefchlichen 
Baben muͤſſe, weil er ihn nicht mehr fehe und Höre, 
ob, er ihn getroffen oder nicht getroffen Habe, daß 
wife er nie anzugeben. Wie durchſuchten 
das Haus fogleih, und fanden bald die Opur, 
Der Verwundete lag in Blut gebabet auf dem 
Dherboden. Noch wagte er es, fih auf das hart⸗ 
nädigfte gegen uns zu wehren: doch bemächtigten 
wir ung ſeiner, und brachten darauf die fünf Dann 
in Verwahrung. Da unfer Gefaͤngniß kaum für 

3008 


gwei Dann Raum bat, und ohnedies nicht feſt 
und fiher genug zu ſeyn fcheint: fo Habe ich die 
Verbrecher in die große Wirthsſtube des hieſigen 
Schenkwirths Meier gebracht. Ih ließ nicht ne 
Die Kleider der Verbrecher durchſuchen, fondern ließ 
fie audy Bis aufs Hemd ausziehen: und da fand es 
fi, daß jeder drei bis viererlei Paͤſſe unter ver 
ſchiedenen Namen und manderlet Vorgeben bei fi 
Batte. Auch fanden wir Dietrihe, und in bes 
einen Taſche, die fehr groß war, feuerfangenve 
Materien. Gegen Morgen brachte der Nachtwaͤch⸗ 
ger noch ein Weibsbild mit einem Korbe, worin 
ebenfalls Schwefel, Pech und dergleichen zundbare 
Sachen befindlih waren. So fehr fie laͤugnete, zu 
jenet Sande zu gehören, fo wenig die Diebe fie 
auch kennen wollten, fo verfing fie fi doch mit 
Dedensarten; und es liegt deutlich genug am Tage, 
Daß fie zufammengehören, und nur Eine Bande 
ausmachen. Den Verwundeten habe ich durch den 
biefigen Barbier verbinden Taffen. Seine Wunde 
IR nicht gefährlich. | 
Da nun die ſechs in Verwahrung genomme⸗ 
nen Verbrecher Tag und Nacht wenigftens mie ſecht 
Mann aus unfrer Dorfihaft bewacht werden mäfs 
fen, was für uns eine zu große Laſt feyn waͤrde, 
wenn dieſes länger anhalten follte; und da die 
Stube der hieſtgen Schenfe überdies auch nicht 
Die feftefte iſt: fo erſuche ich den Herrn Gerichts⸗ 
Direktor im Namen der fämmtlihen Gemeinde, dess 
Bald eine baldige anderweitige Verfügung zu treffen, 
Der ich mit ſchuldiget Hochachtung verharre 
Ew. Wohlgeb. | 
treugehorfamer Diener 
Johann Weidlich, Richter in Arnthal. 





age, 





627° — 
"200, 
aAbgelorderter Bericht eines Dorfrichters an ſel 
nen entfernten Gutsberrn über eine kuͤrzlich 
entſtandene Feuersbrunſt. 


Hochwohlgeborner, 
Gnaͤdiger Herr! 

Nach erhaltenem gnaͤdigem Auftrage entledige 
ich mich meiner Pflicht, und ertheile Ew. Hoch⸗ 
wohlgeboren den ſchuldigen genauern Bericht über 
die hieſigen Orts am dritten dieſes Monats ent⸗ 
ſtandene Feuersbrunſt. Es war gegen zwoͤlf Uhr 
zue Mitternacht: als ſolche in dem Dreis Hüfnets 
aute Jakob Millners ausbrach, und fo fhnell um 
Ach griff, daß aller angewendeten Worfehrungen und 
der chätigften Löfchanftalten ungeachtet, das Wohn⸗ 
-. Baus und die Scheuern Millners faſt in einer 
Stunde ſchon zu Steinhanfen verwandelt wurden, 
Die Flamme verbreitete fih weiter, und erfaßte die 
Wohnung der beiden benachbarten fehr armen Haͤus⸗ 
ler, Arndt und Berger. Hätte fich nicht der Wind 
fehnell gewendet: fo wäre das ganze Dorf in Ges 
fahr gerathen. Millner, bei weichem das Feuer 
ausgekommen, tft als ein ordentlicher, vorfichtiger 
Hauswirth im ganzen Dorfe bekannt, Hält unter 
feinem Sefinde gute Zucht, und geht immer mit 
gutem Veifpiele vor. Nach der genaueften Unter⸗ 
fuhung bat ihm uun auch "keine Verwahrloſung 
beigemeflen wesden koͤnnen: vielmehr fcheint es 
wahrfheinlih, daB das Beuer von einigen Vaga⸗ 
Bonden angelegt worden tft, die den Tag Über im 
den Dorfe zu betteln verfuchten, und mit dem 
Bedeuten auf das allergnädigft ergangene Mandat 
wider das Bettelmefen von dem Wächter ergriffen, 
und nach mir zuvor gefchehener Anzeige zum Dorfe 
hinabs vermisfen worden Waren. Daß dieſer anfer 


Verdacht nicht ganz ungegruͤndet fey, laͤßt ſich aus 
den ärgerlichen Reden fchliehen , welche diefe Diens 
ſchen ausgefioßen haben. Unter andern haben fie 
Sefagt: „ſolche Schufte, wie die Hellemmer Bauern, 
waͤren werth, daß man Ihnen das Dorf über dem 
Kopfe anzuͤndete.“ „Kamerad, laß es gut feyn,’ Toll 
der andre noch hinzugefegt haben, „geborgt tft nicht 
geſchenkt.“ Der Wächter that mir von diefen drgers 
lichen Reden fogleich gehörige Meldung: denn er 
hatte fi zu ſchwach gefühlt, als daß er ſich zum 
zweiten Male an fie hätte wagen follen. Ich traf 
fogleih die nöthigen Anflalten, und verdoppelte 
Be Wache des Dorfes. Unſerer Wachſamkeit 
ängeachtet, mäflen fih dieſe Wagabonden, nad 
bee Spur zu muthmaßen, duch brei Zäune im 
Der Macht durchgearbeitet haben, und fo zu ber 
Scheune Miltuers gekommen feyn, um ihren bos⸗ 
baften Entfchluß auszuführen. Während bes Feuers 
And fie jedoch nicht entdeckt worden, auch baden 
fie ih in einem dee. benachbarten. Dörfer aufges 
Balten. Obgleih Millner einen großen Verluſt ers 
litten Bat: fo find die armen beiden Häusler, Arndt 
und Verger, doch. nocd weit mehr zu beklagen, 
Sie find ganz unglüdlich geworden, und willen 
nicht, wovon fie fich erhalten und womit fie ſich 
bekleiden follen, da befonders der Winter Te nahe 
vor der Thür if. Der ich in vollkommenſter Ehr⸗ 
erbistung verbarre | 
J Ew. Hochwohlgeb. 
unterthaͤnig gehorſamſter 
NRudolph Eberhard, Richter zu Hellem. 








⸗ 


xvu. 
Antwortſchreib en. 


J 





E. iſt Squldigkeit, die , erhaltenen Vtiefe ſobald 
als moͤglich zu beantworten. Sollten wir verhin⸗ 
dert werden, dieſes fo ſchnell zu thun) wie man 
es von uns fordern koͤnnte: fo muß man die Urs 
‚fahe der Verzögerung angeben. Im legten Galle 
führe man. folche fogleich beim Anfange. feines j 
Briefs an. ' 
Der Ton des empfangenen Briefe beſtimmt 
den Ton der Antwort. War jener munter, war 


er herzlich u. f. w.: fo ſey es unſere Antwort ebens -. 


fols, wenn wir an, Derfonen fehreiben, die mit 
uns gleihes Standes find. Schreiben wir aber an 
Hoͤhere und Vornehmere: fo werden und zwar unfere 
Verhaͤltniſſe zur hoͤchſten Befcheidenheit und einer 
anftändigen Zurüdgezogenheit anmeifen; nie arte: 


aber diefe in Schuchternheit, noch weniger in Krie⸗ 


cheret aus, 
Man lefe ferner jeden Brief fehr. genau durch, 
ehe man deſſen Beantwortung übernimmt. Es 


wird ſogar dienlich ſeyn, den zu beantwortenden 


Brief vor ſich hinzulegen, um immer wieder nach— 
ſehen zu koͤnnen: weil uns doch wohl unſer Ges 
dactnit verlaſſen, und von ans ein Pant, worauf . 

u. Br. ne gerade 


2 
! 


— 530 . — 


gerade viel ankommen duͤrfte, aberſehen werden 
koͤnnte. Soll unſere Antwort uͤber mehrere Punkte 
Auskunft geben: ſo geſchehe dieſes in einer richti⸗ 
gen Folge, in einer guten natuͤrlichen Ordnung. 
Hat man nebſt den Beantwortungspunkten auch noch 
einige andere Nachrichten, Fragen u. ſ. w., die uns 
ſelbſt betreffen, ſeinem Briefe beizufügen fo wird 
man diefe, des Wohlſtandes wegen, erft dann ers 
wähnen, wenn man zuydr die von unferm Freunde 
aufgegebenen beantwortet hat. J 


Ehedem fing man die ſchriftlichen Antworten 

mit der Formel an „Ihr geehrteftes, unter dem 
2often diefes an mid, adgelaffenes. Schreiben habe 
ih den 6ten huj. richtig erhalten, und erwiedere 
in gemeffener Antwort aꝛc.“ oder „Auf Ihre 
werthe, ‘unter dem zoften diefes an mich gefendete 
Zufchrift dient fhuldigermaßen zur gefälligen Ant⸗ 
wort ıc. Dean bat aber das Steife diefer Fors . 
meln in neuern Zeiten gefühlt und ſolche abgefchafft. 
Man fängt lieber die Antwort fo an, und ſchreibt 
z. B. „Mit dem größten Vergnügen babe ich 
Ihren mir gegebenen Auftrag beſorgt. Sie erhal⸗ 
ten hierdurch die verlangten Proben ꝛc.“ 


Indeß Haben fi Hei den Antwortfchreiben an - 
Vornehme doch noch einige befondere Ausdruͤcke ers 
halten, deren man fich bedienen muß, "wenn man 
nicht anfloßen will. So kann ich wohl z. ©. an einen. 
guten Freund ſchreiben „Ihr lieber Brief hat 
mir viel Freude gemacht.“ Antworte ich aber einem 
Vornehmen, einem hohen Vorgeſetzten u. ſ. w.: fü 
darf ich nicht das Wort Brief, ſondern ſtatt deſſen 
muß ich das Wort Schreiben oder Zufſchrift! 
brauchen, und dieſem Worte noch ein Beiwort, 
als „„gnädig, geneigt u. ſ. w.“ hinzufuͤgen. Je höher 
die Perſon dem Ränge nach ſteigt, deſto —B 
gen au vs Ruine So druct man fi 
EIER 


vo. 


1 


‚einen Ebnig oder Fürften folgendermaßen aus ‚Auf 
Ew. Koͤnigl. Majeſtaͤt“ ober ,,auf Ew. Fuͤrſti. Dirt. 
allerhoͤchſten Befehl’ oder ‚‚allergnädigfte (hulbreich⸗ 
fe) Erlaubniß;“ an einen Großen, dem die Titus: 
latur reellen; zufommt „‚auf Ew. Excellenz Hacks 
geneigten Auftrag * oder „Befehl; an einen: vom 
hohen Adel „, Ew. Hochgeb. gnädige Zuſchrift macht 
mich fo gluͤcklich 0. J 

Bei dieſer Gelegenhelt will ich noch bemerken, 
daß, wenn dee Seringere dem Wornehmen eine ans 
genehme, erwuͤnſchte Antwort ertheilt, ein kleiner 
Verſtoß wider das Herkommen nicht aufs hoͤchſte 
angerechnet wird. Bei unangenedmen Antworten 
dürfte hingegen jedes verfehlte Woͤrtchen zum Zuns 

der werden. .  - . . a. 


\ 





" 291, 

Abfchlägige Antwort des Bäckermeifterd &. auf . 

des Malord O. Geſuch, ihm ein Kapital von 
500 Thalern auf Wechfel zu leihen. 


Hochwohlgeborner Herr, 

Gnaͤdiger Herr Major! 

So fehr mir auch das gätige Zutrauen von 
Ew. Hochmohlgeboren zur Ehre gereicht, und fo 
ſehr ich mich dadurch zur innigſten Dankbarkeit vers 
pflichter fühle: fo befinde ich mich Doch jegt in der 
unangenehmften Lage von der Welt, da ich mid 
außer Stand geſetzt fehe, Em. Hochwohlgeboren 
gütigen Antrag nach Ihren Wuͤnſchen befriedigen 
zu koͤnnen. Wäre ih fo glädlich geweſen, Ihr 
onädiges Zutrauen vor zwei Monaten ahnen zu 
koͤnnen: fo hätte ich mich darauf eingerichtet, und 
ein Kapital zurückbehalten, das ich gegen hypothe⸗ 
kariſche Verſicherung ann meiner Freunde — 
ne 2 ' — —X 


- ii. — 


habe. Sch Sitte daher Ew. Hochwohlgeboren um 


Verzeihung, und verfihere Diefelben aufrichtigft, 


daß ich mir es zur befondern Gnade gemacht haben 

würde, Ihnen meine gehorfamfte Dienftwilligkeit 

. bezeigen zu können, der ich mit der voltommenſten 

Ehrerbietung mich nenne 

Ew. Hochwohlgeb. 

ganz gehorſamſten Diener 

‚ & Bei iel a 
— — 
ung von 1 inriefen zugleih auch auf beantwor⸗ 


Bri ord die 
ihrem 33 rein Hab )o ni Ran 


. Tehang. 





Yndang 





Enipate | 
| eine kurze Anmeifung. 
zu 
berſchiedenen ſchriftlichen Auffägen 
| ne | | 
das bürgerliche Gefchäftsieben, 


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Kurze Anweifung über die Abfaſſung oͤffent⸗ 


licher Bekanntniachungen in den Zeitungen, VF 


“ Sntelligengblättern, Anzeigen etc. ) 


. Wer etwas bekannt machen will, muf ih erfiens 


Deutlich und beſt immt auszudrücken willen, fo 
Daß er von dem Leſer volllommen verftanden wer⸗ 
ben kann; zweitens muß .er fich Hei den Ber 
kanntmachungen in’ Sffentlihen Blättern kurz faß 


"fen, weit hier die Wettläuftigfeit nice nur läfkig, 


fondern fogar auch für den Einfender Loftfpieltg wird, 
indem man nicht felten, wenigſtens Bei einigen polts 
tifchen Zeitungen, 4 bit 8 Gr. — auch wohl nod 


mehr — für das Einruͤcken einer Zeile Bezahlen 


muß; drittens hat er die Art feines Vortrags 
nad) dem Gegenſtande zu wählen, uͤber weichen er 


ſich oͤffentlich aͤußern will, Iſt es fchon anftößig, 


: wenn man unter Sreunden im traulichen Kreife den 


Anſtand 


*) Dieſe kurze Anweiſung wird für gegenwaͤrtigen Zwed 
) offent — sreichen. x Ausfuͤh übelihern ——— fin⸗ 
twman aber über diefen seunf enden eggenftand 

in der Schrift, die ich unter dein Witel ,, Anleitung 
zur Abfafjung aller Arten öffentlicher Anzeigen) fos 
FA u dent IE als den bürgeriichen Ges 
eben, von ©  elaubiud, Leipa., bei Tauch⸗ 

I H "perandgegebgn babe. , 


- 16 — 


Anftand und ben guten Geſchmack beleibiget: wie 
viel firafbarer und entehrender würde es feyn, Wenn 
man dies tim Angeficht von Tauſenden vernachlaͤſſu 
gen wollte? Dies die Hauptregeln. 

Da fich aber diefe Gattung von Auffägen In meh 
tere Abtheilungen bringen läßt: fo werde ich jeder 
für füch die nöthigen Bemerkungen beifügen. 

Die Anzeigen in öfentligen Blaͤttetn find von 
zuͤglich folgende, 


1. Geburtsanzeigen. 

Bet diefen Hat man weiter nichts zu thun, als 
ganz einfach den Tag anzuzeigen, an welchem bie 
"Mutter von einem gefunden Knaben oder Mädchen, 
Sohne oder Tochter entbunden worden. 3. B.: 

Allen unfern Anperwandten und Freunden mache ich 

die am zgten dieſes Monats erfolgte gluckliche Entbins 
dung meiner Frau von einer geſunden Tochter bierdurg 
ergebenfl bekannt. 
N., den xıten Gept, 1807. 
ept· 7807 Rudolph Eutin * 
Dbder: 


Die heute erfolgte gluͤckliche Entbindung meiner Iran 
von einem gefunden Sohne zeige ich hierdurch unfern 
Verwandten und Freunden, überzeugt von ihrer * 
gen Theilnahme, pflichtſchuldigſt an. 

N., den zgten Auguſt 1807. N 

Geſetzt, ein Seringerer hätte Höhere vornehme 
Anverwandte: fo koͤnnte er zwar fagen, wie. das 
Schon Viele gethan haben, 


Unfern boden Gönnern und Anverwandten, wie au | 


unfeen Freunden, zeige ich ganz gehorfamft und erges 

beaft 

*) Dab man den Vornamen binzufehe, ifk um der 

—— — en nöthig Hi * oft —2 * I 
en Ort gleiche n en. e 

1 anzuigen jeder en sat gut 


——®2__ _ 


— 57 —2— 


benſt an, daß meine Fran am sten dieſes Monats Son 
einem Knaben glücklich entbunden worden. Wir empfeb⸗ 
len uns zur Fortdauer ihres hohen Wohlwollens und 
» ihrer gütigen Freundſchaft sc. 
allein diefe Weiſe, fol ich meine Meinung frei ges 
ftehen, will mir darum nicht gefallen; weil fie fo 
ziemlich" den Schein entiveder einer gewiſſen Vor—⸗ 
nehmthuerei oder niedrigen Kriecherei von ſich wirft. 
‚Su diefer Lage würde ic sathen, feinen vornehmen - 
Anverwandten dieſes zu fchreiben: wenn man 
weiß, daß fie daran wahren Antheil nehmen, und 
in den Zeitungen. zu ſchweigen. Sf man 
: aber von der aufrichtigen Theilnahme derfelben nicht 
ganz uͤberzeugt; fühle man, daß fie uns über die 
Achſel anfehen: dann fchreide man ihnen zwar nicht, 
um ihnen nicht die Belegenheit zu dem Wahne zu 
‚geben, als gefchähe diefes aus Eigennutz ıc.; man 
ſetze aber auch eine Anzeige in ein oͤffentliches 
Blatt, um ihnen die Gelegenheit zu einem Achfels 
zuden.oder zu andern noch unbilligeen Aeußerums 
gen zu benehmen. . on 
Dun noch einige Bemerkungen.) Wenn 
jüngf ein Gewiſſer anzeigte, on 
Daß ihn feine Liebe Frau mie einem wohlgebil⸗ 
deten Knaben befhentt babe: - 
fo klingt das zu gefünftelt, und erregt wenigſtens 
ein Lächeln. Wenn dagegen ein Anderer ſich bei 
aͤhnlicher Gelegenheit fo ausdruͤckte, , 
Bor acht Tagen iſt mein guted Weib mit einem 
dDerben Jungen niedergelommen. Junge 
und Woͤchnerin befinden fih wobl: 
fo verräch das, ob es gleich einfach und unges 
zwungen [heinen foll, einen ztemlihen Grab 
von Rohheit; auch dann noch, menn der Bee 
” dieſert 


©) Alle bier angeführte Faͤlle find aus öffentlichen Blaͤt⸗ “ 


term wörtlich enslehn:. 


x 


— 538 — 


dieſer Anzeige aus dem Militaͤrſtande, ſogar di 
Korporal — gefchweige denn ein Offizier wäre. 
Ein Deitter fegte: 
Meinen Anverwandten und Freunden seige ich bien 
mit fchuldigft an, dab Heute meine Frau von «im 
Tochter entbunden worden. 
Mach acht Tagen geraͤth feiner Frau das Zeitung 
blatt in die Hände, worin diefe Anzeige befindik 
if. Sie ergrimme darüber. ‚„, Wie?” ſpricht 4 
zu ihrem Manne, „wie? deinen Anverwanbt 
alſo nur gilt diefe Nahricht? den meintgen nicht 7 
Und der arme Mann hatte große Noth, ehe erh 
beruhigte. Hätte er fatt meinen, unfern As 
. verwandten gefegt: fo Hätte er ſich dieſe fire 
Sarbinenpredigt erfpart. Kleinigkeit! wird man au 
rufen. Ich gebe es zu. Man kann aber darm 
fehen, tie vorfihtig man auch in den unbedeuten 
ſten Fällen feyn muß, um jede Gelegenheit zu Ber 
dräßlichkelt aus dem Wege zu räumen. — Ben 
aber ein Vierter vor aller Welt in den Tag 
drucken läßt: | | 
-Geftern machte mich meine Charlotte zu Den gl: 
lichſten der Vaͤter. Ihre Miederkunft geſchah ſchach 
"und leicht. Dies meinen Freunden zur Nachricht pm 
iprem beneidenswerthen N. N.: 
fo wird man ihn wohl allgemein für einen Sſchw ärı 
mer oder Thoren erklären. Denn wer kann ohu 
eine Unbefonnenheit, ohne die größte Lächerlichkeit 
zu begehen, fo ganz Öffentlich unter mehrern Taw 
fenden behaupten, felbft wenn er feinen Sohn, 
feine Tochter völlig erzogen und ausgebilder Hätte, 
baß er ber gluͤcklichſte der Wäter fey? geſchweige 
wenn diefe noch in den erſten Windeln liegen. 
Undelikat und nuglos iſt es, in diefen Am 
zeigen auch zu berühren, daß die Entbindung fchwer 
geweſen fey, daB man fih eines Geburtshelfers 
(Arcow. 


en 639 — 


(Hceouchenrs) hedient habe, und dieſem dann einen 
Befondern Lobſpruch zur Empfehlung. ertheilt. Ders 
gleichen dffentliche Anpreifungen von Aerzten tagen 
häufig das Sepräge der Charlatanerie, und erregen 


« Mißtranen ſtatt Vertrauen, 


Im Fall, daß nad der. Entbindung. der Mut⸗ 


i ter. dos Sind.fogleich wieder ſtirbt, oder wohl gar 


todtgeboren ward: fo wird das ebenfalls ganz eins. 


' fach angepigt; 3. But. - 


+ "Mm: sten :diefed Monats wurde meine Krau von, 
einem Sohne entbunden, welcher aber fchon vorgeftern 


‚ wieder flarb. (Dder „uns wieder entrifien wurde ‘’ 


oder „durch den Tod’ oder auch ‚„, unfern älterlie 

. Ken Armen entriffen wurde.) Ueberzeugt bon ibrer güs . 

tigen Theilnahme über unfern gerechten Schmerz, mache 
ich Diefed unfern Freunden fchuldigft bekannt, 
N, oo... 2807 . N. N. 

Verſichert von den theilnehmenden Gefiunungen unſe⸗ 


rer Freunde mache ich ihnen bekannt, daß am stem dies 


ſes meine Frau von einen todten Knaben entbunden 
worden tft, die Mutter ſich aber außer Gefahr und 
zur Zeit wohl befindet. | 
2. Anzeigen bei ehelichen Verbindungen, 
Bei diefer Gattung ift man feither am eins 


fachſten, und daher am.natärlihffen geblles 


Ben: folglich iſt man auch nicht in die Fehler 
gefallen, wobel man gewöhnlich aus Sefhmädes 
lei, fih nie fo allgemein, aus Sefalls 


ſucht, um fih recht ſchoͤn auszubräden, und aus 
-übertriebenem Zartgefühl,, wobei man jede Sylbe 


- auf die feinfte Goldwage legt, um es ja aller Welt - 


recht zu machen, etwas Albernes oder Lächerliches 


hinſchreibt. | 


Bei der Anzeige, daß man fih vereheliher 
bat, ift es vollkommen Hinlänglich: wenn man den 
Trau⸗ 


Go — 


Trauungstag, auch wenn man es für noͤthig erach⸗ 
tet, den Ort noch angiebt, wo man getraut wor⸗ 
der tft, und diefer Nachricht die beiderfeitige Unter⸗ 
fchrife beifüge. 3. ©. : Ä 
Unfern auswärtigen (entfernten )*) verehrten (ge 
ſchaͤtzten, werthen) Verwandten und Freunden machen 
wir unfere am aoſten diefes glüdlich vollzogene eheliche 
Verbindung: fchuldigft bekannt. 
Frankfurt am Main, den 15ten Auguſt 1807. 
Theodor Börner, Hutfabrikant. 
Sophie Börner, geb. Steinfeld.) 


.Will man eine ſolche Anzeige erweitern: ſo Tann 
man noch einſchalten, daß man ſich der Theilnahme 
ſeiner Freunde verſichert halte; z. B.: 
WVerſichert von ibrer guͤtigen Theilnahme zeigen wir 
unfern geſchaͤtzten Verwandten und Freunden unſere 
am raten dieſes vollzogene eheliche Verbindung hier⸗ 
durch ergebenft an ıc. , 
Will man noch einen Schritt weiter gehen: fo 
- San man fi bei diefer Gelegenheit auch noch dem 
Wohlwollen feiner Freunde empfehlen; z. ©. : 
Verſichert von der gültigen Theilnahme unferer ent⸗ 
fernten lieben Anverwandten und Sreunde, machen wir 
. Biermit unfere den — — vollzogene eheliche Verbindung 
ſchuldigſt bekannt, und empfehlen und zu ihren fernern 
guͤtigen Wohlwollen, (sur Zortdauer ihres uns fo 
ſchaͤtz baren Wohlwollens). 


Auffallend wuͤrde es ſeyn, wenn man in * 
chen 


e) Es iſt der Artigkeit gemäß, dab man zu den Woͤr⸗ 
tern ‚,, Anverwandte und Freunde noch eins der bier 
angeführten „amörter binzufeße: denn ‚, Unfern Ders 
wandten und Freunden ic.“ fo Tabl bin ausgedrüct, 
möchte bei Dielen für eine Geringſchaͤtzung gehalten 


“) Auch das darf nicht anzuzeigen bergefien werden. 
Sat man eine Wittwe gebeirathet: fo fihreibt man 
4. B. MANN HM, Vor, Meunert, 7 


— Sal — 


chen Anzeigen) alle ſchriftliche Theilnahme 
verbitten wollte: da ohnedies Gluͤckwuͤnſchungebriefe 
bei dergleichen Gelegenheiten ſeit langen Zeiten nicht 
mehr uͤblich find. Sollte ſich jedoch einer und der 
andere Anhaͤnger jener veralteten Gewohnheit unter 
unſern Freunden und Bekannten finden: ſo wuͤrde 
dieſer es gar ſehr Übel aufnehmen, wenn man es 
ihm fo vor aller Welt hinſagen wollte, daß er fich 
‚Leine unnöchige Mähe machen folle. 

Im Ball Jemand einem feiner entfernten nahen 
Anverwandten, 3. B. Bruder, Schwefter, Schwa⸗ 
ger, Onkel u. f. w., deren Aufenthalt ihm nicht 
bekannt ift, in Sffentlihen Blättern, im Fall daß. 
diefe ihnen etwa zu Seficht kommen. könnten, die 
Nachricht von feiner Verehelichung bekannt machen 
wollte: fo würde er diefe Anzeige fo einjurichten 
Haben. | 

Meinem tießen Bruder (Dntel, Schwager u. fi w.), 
deſſen Aufenthalt ich feit einiger Zeit (feit Fahren) 
nicht babe in Erfahrung bringen koͤnnen, augleich auch 
unfern übrigen auswärtigen gefchäßten Freunden, zeigen 
wir röulbtaft an, dab unfere eheliche Verbindung am... - 
zu ... gluͤcklich vollzogen warden iſt ıc. 

Geſehe, man haͤtte ſich zu heirathen entſchloſ⸗ 
ſen, ohne daß man zuvor ſeinen entfernten Freun⸗ 
den oder ſeinem Geſchwiſter, deren Aufenthalt man 
nicht weiß, einige Nachricht habe ertheilen koͤnnen: 
ſo wuͤrde es wohlgerathen ſeyn, wenn man es naͤher 
beſtimmte, wer die von uns erwaͤhlte Perſon fen; 
und man würde ſich in dieſem Galle ſo auszudruͤk⸗ 
ken haben. 

een (Unfern) verehrten. Anperwandten und Freuns 
den zeige ich, von ihrer mir fo wertben Theilnahme 
überzeugt, hierdurch gang ergebenft an, daß ich mich 
mie Jungfer Augufte Eliſabeth, der Jüngften Tochter 
des 

2) Ob ich gleich eine ſolche Anzeige in Pu 
I der & tifchen Beitung sliden —* der sein. 


des Hiefigen") Sattlerobermeifterd Herrn David Wolls 
Berge, am 6ten dieſes Monats ehelich verbunden babe. 
Annaberg, den oten Geptember 2807. 
Johann Andreas Beutner, 
Schuhmacher meiſter. 


Im Ball ı man eine Wittwe geheirathet Hat: 
Unfern gefcbäßten auswärtigen Verwandten und 
Zreunden made ih bierdurd bekannt, daß ich wich 
am ssften Dftober mit Frau Sophia Rofina, verwitt⸗ 
wete Albert, geborne Geifting, ebelih verbunden babe, 
und empfehle mich nebft meiner Gattin (Frau) gu 
ihrem fernern geneigten Wohlwollen und Sreundfchaft. 
Berlin, den Aten Rovember 1807. 
Guſtav Vierding, 
Seidenfabrikant. 


Wer ſich aber bei der Anzeige ſeiner Vereheli⸗ 
chung in oͤffentlichen Blaͤttern ſo ausdruͤcken wuͤrde: 
Wer je das ſelige Gefühl der Liebe im Buſen trug, 
preiſe mich Seligen glucklich! Freunde, darf ich mehr 
Euch fagen ? Der ste des Wonnemonds dieſes für mich 
fo einzigen Jahres führte mid in die Arme der Des 
moifelle Minna N. , des veisendften, beſten Mädchens, 
und bereinigte unfere Dergen ſympathetiſch gum ewigen 
Einklang unferer Empfindungen. v. N. 


den wuͤrde gewiß jeder Vernuͤnftige fuͤr einen vor 
Liebe Verruͤckten halten, und ihn bei aller ſeiner 
Seligkeit, nebſt ſeinem Weibchen, das ſich vielleicht 
noch obendrein dieſe Anzeige von ihm vorleſen ließ, 
ehe ſolche gedruckt wurde, aufrichtig bemitleiden. 
Manchem wird es kaum denkbar ſeyn, daß je eine 
foihe Phantaſterei möglich war, und doch — doch 
ſtand fie vor zwei Jahren in einem öffentlichen 
deutfch gedruckten Zeitungsblatte; und damit fie fi 
auszeichnen und allgemeine Aufmerkfamkeit erregen 
follte, 
*, Hat man eine aufwärtige Perſon gebeiratbets fo ers 
> ihn mar den De) ir EN ———— 
en \ ' 


- 545 — 


ſollte, hatte ſich der Einſender ausbedungen daß 
ſolche mir lateiniſchen Buchſtaben abgedrudt 
werden mußte. u 


3 Zodesanzgeigen 

Ehedem Herrfchte die laͤſtige Sitte, daß bie 
Sinterlaffenen, tvenn irgend Jemand in einer Fas 
mille von einiger Bedeutung geftorben war, dies 
fen Todesfall den fämmtlichen Anverwandten , 
Sreunden und Belannten, und zwar jedem einzeln 
für ſich, fchrifglich melden mußten. Se größer, je 
weitläuftiger nun die Verbindungen des Verſtorbe⸗ 
nen oder auch der hinterlaffenen Familie waren: 
eine deſto größere Anzahl von Trauerbriefen hatten 
die Wittwe, oder die Soͤhne, Töchter, Btuͤder u. ſ. w. 
zu fchreiben. Spaͤterhin fuchten fih es Einige zu 
erleichtern, entwarfen einen Trauerbrief, und ließen 
folden fo viel Mal abdrucken, als nöthig war, 
ihre Anverwandte und Freunde zu befriedigen. Und 
doch blieb dieſes immer noch eine große Laſt: denn 
eds mußten Hunderte von lnters und Auffchriften 
gefchrieben werden, und man batte dann eben fo 
viel Antworten zu lefen, wie man Briefe verfender 
hatte; ed war empfindlich, wenn die verharefchende 
Wunde immer wieder aufs nene aufgeriffen wurde. — 
° Bet aller Aufmerkſamkeit hatte man auch bisweilen 
Einen Überfehen, der fich berechtiget glaubte, daß 
man ihm eben fo gut, mie den Andern, hätte‘ 
einen Trauerbrief fenden follen; dieſer hielt diefes: 
kleine Verſehen gleichſam für ein Verbrechen, und - 
man gerieth daruͤber nicht felten in ſehr unanges 
nehme Verdrüßlichkeiten. In neuern Zeiten fam 
man auf den glüdlichen Gedanken, fich diefer Laſt 
zu entziehen, und rücte Anzeigen von den erfolgr 
ten TIodesfällen für Einen und für Alle in die oͤſſent⸗ 
lihen Blätter ein, verbat fih alle fchriftliche Bets - 
leide verſicherungen, und Aberhob ftch dadurch ſelbſt 
uud 


u! Bi — 


und vielen Andern zugleich einer gewiß nicht unbe 
deutenden Beichwerlichkeit. Dies alfo wäre der Zweck 
der fogenannten Todedanzeigen. 

Auf die Frage ‚‚ Welchen Derfonen kommt ei 
zu, dergleichen Anzeigen in die Öffentlichen Blätter 
einruͤcken zu laſſen?“ iſt die ſicherſte und richtigſte 
Antwort „Nicht nur angemeſſen, ſondern ſogar 
Pflicht und Schuldigkeit iſt es für die hinterlaſſe⸗ 
nen Gatten, ſey es Mann oder Fran, für Soͤhne 
und Töchter, Brüder und Schweſtern, überhaupt 
für die naͤchſten Blutsfreunde, den Tod thres Gar 
ten, Sohnes oder Tochter, Bruders oder Schwer 
ſter ıc. befannt zu machen, fobald der oder die Wer: 
ftorbene entweder, oder die Hinterlaſſenen derfelben, 
in mancherlei, bald weitern, bald engern Seſchaͤfts⸗ 
verhältniffen oder Freundfchaftsverbindungen ſtanden.“ 
Dem Auswärtigen kann es fchlechterrings nicht einer: 
let feyn, ob fein Sefchäfts s oder fonft fein Freund 
nod am Leben oder geftorben fey; die Vernachlaͤſſi⸗ 
gung der äffentlihen Bekanntmachung, wenn man 
nicht abſouderlich an diejenigen geſchrieben hat, wel⸗ 
chen man eine Nachricht daruͤber ſchuldig iſt, wuͤrde, 
und das mit Recht, fuͤr eine Geringſchaͤtzung gehal⸗ 
ten werden. Daſſelbe gilt vom Freunde zum Freunde, 
wenn dieſer Feine nähern Verwandten Hinterläßt, 
Unſchicklich aber nicht nur, fondern fogar laͤch er⸗ 
Lich iſt es: wenn ganz unbedeutende Menfchen, 
welche vermöge ihres Standes, oder deffen, was 
fie Hetreiben, in Peiner großen Bekanntſchaft flehen 
tönnen, von dem Ableben ihrer eben fo unbedeutens 
den Anverwandten in dem äffentlihen Blättern ein 
Aufhebens machen, daß man glauben follte, wie 
bedeutend fie wären. Das es einzelne Fälle geben 
kann, wo eine Ausnahme nörhig if, will ich indeß 
gar nicht in Abrede jeun. So ließ vor einiger Zeit 
ein armer, alter, unbekannter Leinweber eine Ans 
zeige über den Tod ‚feines Sohnes, . eines Knaben 

VOR 


x % 


son 14 Sahren, in ein oͤffentliches Blatt, und 


zwar aus der Urſache einrücken, dafs mit diefem die 


Linie feiner Bamilie ansgeftorben fey, und das Stis 
pendium, was feinem Sohne, vermöge eines Fas 
miltenlegats, angehörte, und wenn derfelbe nach eints 
gen Jahren die Univerfitde Hätte beziehen können, zu 
Theil Hätte werden muͤſſen, an einen andern aus einer 
©eitenlinte feiner Familie übertragen werden koͤnne. 
Unter folchen Umſtaͤnden war es des Leinwebers 
Pflicht. Haͤtte er aber aus Eitelkeit den Tod ſeines 
Sohnes bekannt gemacht: fo würde. man ſich des 
Laͤchelns gewiß nicht Haben enthalten koͤnnen. 
Deſſen ungeachtet, Daß meine obige Bes 
mertung allerdings gegrändet iſt: fo 
fheinen doch dergleichen Anzeigen auch in den nies 
dern Ständen beinahe zu einem Lurusartitel gewors 
den zu feyn. So verfchmenden oft arme Menſchen, 
die nicht willen, wie fie ihren Verſtorbenen unter die 
Erde bringen follen, Koftenan eine öffentliche koftfpielige, 
Anzeige. Man wird fie, und das nicht mit Unrecht, 
der Großthuerei befhuldigen, uud fie werden das 
durch eher Unwillen als Mitleiden bei ihren Goͤnnern 
und Unterflügern erregen. Iſt der demere und gerins- 
gere Verſtorbene mit einer reihen ober vornehmen 
Bamilte nahe verwandt: fo thun die Hinterlaſſenen 
beſſer, fchriftlich ihren Anvertvandten den Todesfall 
zu melden, um fich nicht den Vorwurf von ihnen 
zuzuziehen, daß fie ihr Geld beſſer zu Rathe hal⸗ 
ten, und nicht in thenere Anzeigen verfchwenden 
follten; oder — mie es leider oft der Fall iſt — fie wer⸗ 
ben fich fogar diefer niedern Verwandten ſchaͤmen, und 
aus Nahe über das äffentliche Ausfprechen dieſer 
Verwandtſchaft, thnen jede Huͤlfe entziehen. 
RKeecht Hingegen machte es jener wackere beguͤ⸗ 
terte Hufſchmidt, welcher an den Hofrath ** in B. 
ſchrieb, und den mit demfelden verwandten armen 
Haͤusler feiner Wohlthatige beſtens empfahl. Die 
m. ſer 


— bi — 


fer Hingegen wies den Fuͤrbitter mir ſchnoͤden Wors 

ten zurüd, und äußerte ‚einen fo armen Atver: 
—* kenn⸗ er nicht.“ Der arme Häusler ſtarb. 
Der Hufſchmidt ließ ihn begraben, nahm ſich feine 
verlaſſenen unmändigen Kinder an, und ließ Folgen⸗ 
des in ein Wochenblatt einruͤcken. 

Dab der arme Händler N. N. in N. N. mit Tode 
abgegangen, zeige Ich dem Herrn Hofrath N. N., alt 
dem nächften Anverwandten des Verſtorbenen, an. 

N. N. NN. 
Yuffhmide 


Haupterforderniſſe der Todesanzeigen ſind: : 
4) VBoltfändigkeit, 2) Wahrheit, 3) Be— 
ſcheidenheit. 

Zur Voliſtaͤndigkeit gehört vorzüglich die 
Anführung der Vor⸗ und Zunamen*), Stand 
und Rang und der Todestag des Verſtorbenen, 
ingfeichen die Unt er ſchrift defien, der den Todes 
fall bekannt macht, mit Vor⸗ und Zu namen, 
nebſt der Angabe ſeines Wohnorts. 

KBors und Zuname, ingleichen die Erwahnung 
bes Standes oder des Charakters des oder der Vers 
ſtorbenen find zue Wermeidung aller Mißverſtaͤnd⸗ 
niſſe noͤthig; nicht minder bedeutend iſt Die Angabe 
des Todsätages: denn mit Demfelben können in manı 
cherlei Verhaͤltniſſen zwilchen dem Verſtorbenen und 
feinen Hinterlafienen oder Freunden gewifle Ver⸗ 
bindlichkeiten, Serechtfame u. dgl. entweder erft au 
gefangen Haben, oder endigen follen. Daß fich ber, 
welcher die Anzeige macht, mit feinem Vor⸗ und 
Zunamen unteefepeeiben, und den Ort feines Aufenu 

* 


9%) Bei Frauen auch die Sngabe, A 16 für eine 
— — I bee w nt Eu 
€ re, u 
— =. e 
e mu 050° 
eier. geb. Ungut, wit 


— 647 — 


halts angeben muͤſſe, ſollte wohl keiner beſondern Ein⸗ 
ſchaͤrfung beduͤrfen; und doch findet man dieſe unver⸗ 
zeihliche Vernachlaͤſſigung, beſonders der Ortsangabe, 
ſehr oft in den oͤffentlichen Blaͤttern. So wuͤrden fols 
gende Anzeigen vollſtaͤndig und hinreichend ſeyn. 

Das am aten dieſes erfolgte Ableben unſers guten 

Vaters, Herrn Chriſtoph Weich, hieſiger Stadt Vier⸗ 
telsmeiſterẽ, machen wie unſern auswärtigen lieben Ans 
verwandten und Freunden hierdurch fchuldigfi bekannt. - 

Dorenſtaͤdt, den sten Auguft 8807. 

Adolph Ludewig Weich, 
im Ramen meiner Gefchwiflee, 
Dder: 

Unfern, guten Bater, Rudolph Berger, Obermeifter 
der bieflgen Bäderinnung, entriß der Tod am gten 
dieſes unferes Mitte. Dies machen wir bierdurg ums 
fern werben Anverwandten und Freunden, überkeugt 

von ihrer gütigen Theilnahme, ergebenft bekannt. : 
Audenburg, den sten Septemher 1807. , 
Albert Berger, 
im Ronien meines Bruders und meiner 
swei Schweſtern. 
Dder: 

Am Sten diefed fiarb meine gute Frau, Karoline 
Roſine, geb. Dörfler. Diefen meinen fchmerzlichen Ders 
Wfl. mache ich unſern ſaͤmmtlichen lieben Anperiwandien 
und Freunden bierdurch ergebenft bekannt. . 


N. ‚ d.... 2807. 
N, , Chirurguß, .. 

Ku: nebft meinen vier unerzogenen Rindern; 
u . 
Am sten dieſes flarb meine gute Grau, Karoline 
Kofne, geb. Dörfler. Diefen für mich und meine vier 
unerzogenen Kinder fo ſchmerzlichen Verluſt made. ich 
unſern auswaͤrtigen hochgeſchaͤtzten Anverwandten und 

Freunden hlerdurch ganz ergebenſt betannt ic. 
N, Chirurguß. 

Mm: . . Noch 


— 546 — 


fer Hingegen wies den Fuͤrbitter mit ſchnoͤden Wen 
ten zuruͤck, und dußerte ,, einen fo armen Atwer⸗ 
wandten fenne er nicht.‘ Der arme Haͤusler ia. 
Der Hufſchmidt ließ ihn begraben, nahm ſich feine 
verlafienen unmündigen Kinder an, und ließ Folgen 
des in ein Wochenblatt einrücden. 

Daß der arme Händler N. N. in N. N. mit Tode 
abgegangen, zeige Ich dem Herrn Hofrath N. N., alt 
dem naͤchſten Anverwandten des Verſtorbenen, au 

N. N. | N. N. i 
| Dufſchmidt. 

Haupterforderniſſe der Todesanzeigen ſind: 
4) Vollſtaͤndigkeit, 2) Wahrheit, 3) Bu 
ſcheidenheit. 

Zur Vollſtaͤndigkeit gehört vorzüglich die 
Anfährung der Vor⸗ und Zunamen*), Stan 
und Rang und ber Todestag des Verſtorbenen, 

ingleichen die Unt er ſchrift deſſen, der den Toden 
fall bekannt macht, mit Bor: und Zunamen, 
nebft der Angabe feines Wohnorts. 

Bors und Zuname, Ingleichen die Erwähnung 
bes Standes oder des Charakters des oder der Vers 
ſtorbenen find zue Wermeidung allee Mißverſtaͤnd 
nie noͤthig; nicht minder bedeutend iſt Die Angabe 
Des Todestages: denn mit demfelben koͤnnen in man 
cherlei Verhaͤltniſſen zwifchen dem Verſtorbenen um 
. feinen SHinterlafienen oder Freunden gewiffe Ben 
bindlichkeiten, Serechtfame u. dgl. entweder erſt auı 
gefangen haben, oder endigen follen. Daß fich ber, 
welcher die Anzeige macht, mit feinem Wors und 
Zunamen unterfchteiben, und den Ort feines Aufens | 


Bd ach die Angabe, was für eine Ge 
Borne fie gewefen fey. Gtieftinder berühren «& and, 
wenn ihre Gtiefmutter Wittive war, und fuͤgen ned 
ER A 
. — uſere er e u y Zu 

thea. —* Rider geb. Unaus, farb *2* 


J 


— 





























halts angeben müfle, follte wohl keiner Gefondern Eins _ 
ſchaͤrfung bedürfen ; und doch findet man diefe unvers 
zeibliche Vernachlaͤſſigung, befonders der Ortsangabe, 
fehr oft in den Sffentlichen Blättern. So wuͤrden fols 
gende Anzeigen vollfiändig und hinreichend ſeyn. 
Das am sten diefes erfolgte Ableben unſers guten 

Vaters, Deren Ehriftoph Weich, biefiger Stadt Diez 
telsmeiſterk, machen wir unfern auswärtigen ließen An- 

verwandten und Zreimden hierdurch ſchuldigſt bekannt. 

Dorenſtaͤdt, den sten Augufl 1807. 
Adolph Ludewig Weich, 
im Namen meiner Gefchwiflee, 
Dder: 

Unfern guten Bater, Rudolph Berger, Obermeifter 
der biefigen Bäderinnung, entriß der Tod am gten 
Diefes unferer Mitte, Died machen wir bierdur ums 
fern wertben Anverwandten und Freunden, üderfeugs 
von ihrer gütigen Theilnahme, ergebenft bekannt. 

Audenburg, den sten September 1807. | 
Albert Berger, 
im Ranien meines Bruders und meiner 
zwei Schweflern. 
Dder: 

Am Sten diefes flarb meine gute Frau, Karoline 
Rofine, geb. Dörfler. Diefen meinen ſchmerzlichen Ver⸗ 
luſt mache ich unſern fammtlichen lieben Anverwandten 
und Freunden bierdurch ergebenft bekannt. 


N, [ u 0 
ds 7, Chirurqus, 
nebſt meinen vier unerzogenen 
ud: 


Am sten dieſes flarb meine gute Frau, Karelin: 
Kofime, geb. Dörfler. Diefen für mid und meine wie: 
unerzogenen Kinder fo ſchmerzlichen Bertuft muce MF 
unfern auswaͤrtigen hochgefchägten Ainverupenidten al: 
Zreunden hlerdurch ganz ergebenft beta! ac. 

V 


Mue Me 


8 — 


Noch muß ich erinnern, wie eigenfinnig, zere 
monids, gewillenhaft , fogar wie eitel bisweilen, 
manche Zamilien , in Hinſicht der Vollſtaͤndigkeit, 
bei der Unterzeichnung folder Anzeigen find. De 
muß jedes Kind einzein, nad den Geburtsjahren, 
der Großvater und die Großmutter, Schwieger⸗ 
vater und Schwiegermutter, Schwäger und Schw 
gerinnen aufgeführte werden, fo daß der Otawmm⸗ 
Baum gleihfam alle feine arünen Zweige ausbreiten 
muß; und wehe dem Anfertiger einer folchen Aus 
zeige, wenn er irgend einen vergeflen hatte. Ich 
tenne Zamilten, worin über folhe Kleinigkeiten 
Iebenslängliche Feindſchaften entfianden find. Wer 
ſollte glauben, daß auch Hier die Thorheit bis zur 
Unvernunft fleigen koͤnne? Wer fein Geld nicht 
Beffee anzuwenden weiß, der mag es allenfalls den 
Zeltungsunternehmern auf diefe Weife zumerfen; | 
am der Öffentlihen Achtung kann er Dadurch nichte 
gewinnen. Zwecklos bleibt es jedoch immer, und 
bisweilen ſogar abgefhmadt, ein ſolches ges 
nealogifhes Verzeihniß unter dem Namen 
einer unbedeusenden Familie zu fchen. Wäre «6 
nicht daſſelbe: wenn es hieß „N. N. mie feinen 
drei Kindern” oder „N.Nim Namen met 
ner Geſchwiſter ꝛxc.“ — Anverwandte und 
Freunde willen ja überdies „ wie viel Kinder oder 
Geſchwiſter der Verſtorbene hinterlaͤßt, und bas 
Übrige Publikum kann eine folche gewiſſenhafte Aufı 
zaͤhlung keineswegs Intereffiren. So las ich juͤngſt 
eine ſolche Anzeige, wo ein Mann den Tod ſeiner 
Frau bekannt machte, und erſtlich ſich, und dam 
feine fünf verheiratheten Soͤhne nebſt ihren Web 
bern und ihren zehn Kindern, feine drei Tochter 
mit ihren Männern und ebenfalls vier Kindern, 
dann die Schwiegeräftern feiner Söhne und Töchter, 
alle nicht nur namentlich, fondern fogar auch das 
Alter von jedem feiner Enkel aufführte, Und wer 

mar 


I 


’ — 3409 — "7 

war dieſer gewiſſenhafte Anzeiger? — Ein Lands 

— der hoͤchſtens 300 Thaler jährliche Eins 
tünfte Bat, und für diefe Anzeige volle 8 Thlr., 

ſchreibe acht Thaler, Einruͤckungskoſten bezahlen 

mußte. Schwer ſchmerzte ihn dieſes Geld: aber 


noch tiefer ſchmerzte es ihn, in Verdruͤßlichkeit ges 


sathen zu ſeyn; denn unter den Gchwiegerditern 
. war ein Gtreit über feine getroffene Rangordnung 
entfianden, und er bekam ftatt des gehofften Dante 
die bitterften Vorwürfe. Der arme Mann! Haͤtte 
er geſetzt,, N. N. Paſtor im Namen feiner Söhne, 
Töchter, Schwiegerföhne und Schwiegertöchter, deren 
Actern und meinen 14 Enkeln:“ — fo hätte er 
nicht nur flatt acht Thaler hoͤchſtens vier Thaler 


bezahlen dürfen, fondern die lichen Schwiegerältern‘ 


würden ihn auch nicht über feine gewählte Rang⸗ 
ordnung zur Rede geftelle haben. 


Wenn ſich bei dem Tobe einer Sattin nicht 
nur der hinterlaſſene Gatte, ſondern auch die Ael⸗ 
tern der Verſtorbenen unterſchreiben wollen: ſo richte 
man es nur beſſer, als in folgender Anzeige ein, die 
ih aus einem Öffentlichen Blatt entlehnt Habe. 

Hinweggeſturmt durch einen erfolgten Nervenfchlag 
wurde am aaten Dftober früh um 2 Uhr im ayften 
Sabre ihres Alters meine geliebte Gattin, mit welcher 
sch erft ſeit“) einem Vierteljahre durch das glucklichſte 
Edebundniß verknüpft war, und unfere gute Toch⸗ 
ter, von allen, die fie kannten, geliebt 
und geſchätzt, Frau Friederike Auguſte: 
welches wir hierdurch unſern Leben Anderwandten und 

dochgeſchaͤtzten Breunden tiefgeruprt Bekannt machen ıc, 

Wer dieſe Anzeige flüchtig. hinlieſt, wie das 
gewöhnlich bei ſolchen Anzeigen gefchieht, dem wird 

fie gewiß durchaus dunkel ſeyn. Diss entſteht — 


*) Diefe und — Umftände duͤrfen und kͤnnen 


füglich angeführt werden. 


- 


daß der Werfertiger diefer Anzeige zu ſchwerfaͤllig in 
feiner Anordnung war. Hätte er dafür gefagt 
Ein Nervenfchlag entriß mir ſchnell und undermuthit 
- am zsten Dftober früh um z Uhr, im arten Jahre 
ihres Alters, meine liebe Gattin, Friederife Augufle, 
geb. Reichard, mit welcher ich erfk feit einem Viertel⸗ 
jahre dur das glüdtichfie Eheverbimdnis verknüpft 
war. Vereint mit ihren tiefgebeugten Aeltern mache ich 
dieſes unfern Lieben Anverwandten und hochgeſchaͤttten 
Sreunden, übergeugt von ihrer Theilnahme, bekannt. 
Wollmerädorf, den sten Dftober 1goy. 
ander Nobaum, Paſtor zu Wols 
Ser — * a 
. urghard Hagen, Vaftor gu Del 
© Be nf Daten. tel, 
arlotte Etifabeth, geborne Flie 
% der de — Bu, 
Obgleich die Angabe des Standes oder Ranges 
des Verſtorbenen zur Wollftändigkeit der Todesans 
zeigen gehört: fo verräch es doch eine hoͤchſt laͤcher⸗ 
Tiche Eitelkeit, wenn man defien Titel insgeſammt 
mit allen feinen Prädikaten aufführe. Diefer haare 
. Unfinn ik, mie es ſcheint, aus dem bürgerlichen 
©tande fo ziemlich vertrieben: aber unter den Ade⸗ 
lichen ſpukt er zum Theil noch gewaltig; denn fonft 
würde man miche noch fo Häufig in den Todtenans 
zeigen lefen „Am ı flen Diefes endigte der 
gutlane Hochwohlgeborne Herr, Her: 
tegfried von Lindenberg, Erb⸗, Lehn—⸗ 
und Serihtsherr auf ꝛe. auf: — und 
Hätte der Verſtorbene noch zehn Aemter und Aemter⸗ 
chen gehabt, alle mußten fie aufgezählt werden. Del 
Yen Abkündigungen auf den Kanzeln berrfche zwar - 
noch dieſes veraltete Weſen: in den Anzeigen ber 
; öffentlichen Blätter aber verräch e6 entweder Ge 
4 ſchmackloſigkeit, Einfalt — oder dummen Stolz. 


2 Da auswägtige Auverwandte und Freunde oft 
| . le Sr . auch 


— 561 — 


auch die Urſachen oder die Krankheit zu erfahren 
wuͤnſchen, welcher der Verſtorbene erliegen mußte: 
ſo finde ich es recht gut, wenn man auch dieſes an⸗ 
führt. 3.98. „Nah einem langen ſchmerz⸗ 
haften Krankenlager ſtarb d... an einer 
Bruſtentzündung“ oder „an einer gaͤnz⸗ 
lichen Entkraͤftung im 6oſten Jahre feis 
nes oder ihres Lebens“ oder „Unvermus 
thet entriß uns ein tödtliher Nervens 
ſchlag u. ſ. w.“ Daß man keine Ärztliche, bis 
auf die geringfien Kleinigkeiten volftändige Nach⸗ 
richt zu geben, fondern nur den Hauptumfland zu 
erwähnen. babe, das verftehe fih wohl von felbft. 
Juͤngſt erhob fih in einem ſchon jegt mit Recht 
vergeflenen Wochenblatte die Stimme eines — Arzı 
tes, welcher ſchlechterdings nicht zugeben wollte, daß 
diefee Punkt in den: äffentlichen Blättern berührt 
werden folle; und aus welcher Urfahe? Er meinte, 
ber Leſer tönne fehr Teiche daräber erſchrecken, ſich 
ſcheuen, und von derfelben Krankheit überfallen 
werden. Wenn felbft Aerzte auf diefe Weife zur 
Vermehrung der Werweichlihung unfers Zeitalters 
mitzuwirken unbedahtfam genug feyn wollen: was 
wird man dann nocd) alles für die Zukunft zu fürchs 
ten haben! — 

Zwar kann man der Vollſtaͤndigkeit Degen auch 
noch das hinzufügen, daß man’ fi alle fhriftliche 
Deileidöverfiherungen verbitte: meines Erachtens 
iſt das aber überfläffig; da für allgemein angenom⸗ 
men wird, daß der, welcher irgend einen Todesfall 
in den Sffentlihen Blättern: bekannt macht, durch 
feine are Berfiherungen bes Beileids belaͤſti⸗ 
get ſeyn will. 

Bisweilen will man ſich mit einer einfachen 
ſchmuckloſen Anzeige nicht begnuͤgen: ſondern wuͤnſcht 
zugleich, darin dem Verſtorbenen ein Denkmal der 
Achtung und Lisbe zu ſetzen. Dawider kann nichts 
eins 


— —B8B2 — 


einzuwenden ſeyn. Nur verletze man dabei bie Graͤn 
zen der Wahrheit, der Beſonnenheit, der Beſchei⸗ 
denheit nicht. Man ruͤhme daher dem Verſtorbenen 
keine Tugend, Peine Eigenſchaft nach, Die er wicht 

wirklich befaß , und im Leben thätig dußerte. | 

Auch felöft bei der Aufzählung vorzuͤglicher 
Eigenſchaften wahrer verdienftuollee ausgezeichneter 
Menſchen, darf man nicht in eine übertrichene Lob⸗ 
rede ausarten. Ein befcheidenes Lob ehrt das aͤchte 
Verdienſt, und präge Ihm den Stempel ber Wahr 
heit auf, da Hingegen alle Uebertreibung Verdacht 
erregt. 

Andere wieder ſehen dergleichen Anzeigen gleich 
ſam als einen Gemeinplatz an, wo fie vor alle | 
Welt ihren Schmerz niederlegen finnen, um eine 
allgemeine Theilnahme zu erregen. Wei einigen 
mögen dieſe Empfindungen allerdings wahr und aufs 
richtig feyn; denn die Wenigen Worte, worin: fi 
ide Schmerz ausfpricht, greifen ans Merz, und ſtim⸗ 
men den Lefer zum Mitgefuͤhl: aber den Meiſten, 
und das leuchtet Überall aus Ihrem Wortſchwall, 
aus ihrer Schwuͤlſtigkeit recht deutlich herver, merkt 
man es auf den erſten Augendli an, daß Ges 
fallſucht, und nicht wahrer Schmerz ihre Feder 
führte, modurch fie einen Mißgriff um den anders 
thun, und flatt dee Bewunderung, die fie zu ers 

fchen fireben, ein Gegenſtand des allgemeinen Ge 
laͤchters, bisweilen ſogar ein Aergerniß werden. Solche 
Aeußerungen gleichen den Faͤſſern, bie, wenn %e 
leer find, da6 meiſte Geraͤuſch machen. Troſtloſig 
keit entwärdigt den. Charakter des Mannes. De 
Ausdeud feines Schmerzes muß ſtill, erhaben ſeyn, 
und nice in eine tragifche Grimaſſe ausarten. — 
Am vollſtaͤndigſten erſcheint diefe Thorheit Hei den 
Klagen eitler, tröftfofer Aeltern: wenn fie. im Ein 
gange ihrer Anzeige Aber den Tod ihres Sohnes 
oder ihrer Tochter ein Weſen und einen Jaummer 
. “ erheben, 

—EE 


* 


— 5 — 


erheben; was für Ho nungen mit denſelben zu 
Grabe gegangen, wie die Welt dadurch einen uner⸗ 
ſetzbaren Verluſt erlitten habe; und man dann am 
Ende erfaͤhrt — daß von einem Kinde von zwei 
und einem halben Jahre die Rede ſey, welches 
noch ſo vielen Unfaͤllen unterworfen iſt, und deſſen 
Koͤrper⸗, Geiſtes⸗ und Charakterentwickelung noch 
durchaus unerkennbar if. Wer ſollte aber wohl 
glauben, daß ſolche undefonnene Anzeigen, wie die, 
welche ich fo eben anführe, in. öffentlichen Blättern 
Statt Haben, und was das Schlimmfte dabei iſt, 
daß ſolche fogar von einem — Gelehrten, ober, 
wie der gemeine Mann fi auszudruͤcken pflegt, 
von einem ſtudierten Dianne herruͤhre? 


Bald, und uns betrlbten Aeltern zu geſchwind, folgte 


Die Pracht inter unfern Kindern, Charlotte Amalie, 


ihrem Rieblinge und Bruder, Karl Jakob, nad: Ein 
Böfes Ballnfieber und fürchter lich er Durchbruch 

eines derſtockten Scharlachfiebers trennte ihren ſchoͤ⸗ 
nen Körper von ihrer guten Seele gefiern Abends 
um 7 Uhr, und Beendigte ihr Erdenleben von 6 Jahr, 
s Monaten, 4Tagen. Ruhe woßl, Theure! 

Ihr aber, Freunde und Auncerwandte, 

ſchenkt uns ſchmerzlich Betrübten eine 
ſtille Thräne eures Mitteide, 


Dergleichen unbedachtſame Anzeigen warden ofe 
unterbleiben: wenn man flets bedächte, daß man: 
nicht in der Mitte feiner vertrauten Freunde, fons 
dern unter Zaufenden von Lefern ſtehe, 
worunter es zwar viele giebt, welche flüchtig Aber 
dergleichen Anzeigen Binfefen, oder fie gar nicht 
leſen, Diele aber fie gewiß abnden werden. Sicht 
alle Menfchen find unfee Freunde, ‚nicht Alle ent 
ſchuldigen unſere Schwäche mit Wohlwollen; eine 
Anzahl Lefer, die uns nice genau fennt, Ber 
tannte ſogar, fie mögen uns num verſonlich von 

| Ange⸗ 


— 654 — 


Angeſicht zu Angeſicht, oder nach gewiſſen Charal⸗ 
terzuͤgen, von Andern mitgetheilt, kennen, wen 
den uns gewiß nicht ungeſtraſt durchlaſſen! Uns 
weiche Empfindung mufi es feyn, fich bei feinem 
Schmerz verdöbne, beſpoͤttelt zu fehen, um 
befonders noch obendrein für den Eiteln, welde 
den Wahn hegt, etwas Außerordentliches gefagt au 
baben: wenn er am Ende erfahren muß, daß bie . 
ſes Außerordentlihe — nur etwas außerorbentliid 
Unbeſonnenes oder Lächerliches geweſen fey. 

Etwas auffallend und nicht ganz wohl übers 
dacht iſt auch das, wenn man bei dem Ableben 
eines Greiſes, welcher 70, go bis go Jahre gelebt, 
und folglich die hoͤchſten Stufen des menfchlichen 
Alters erreicht Hat, in. die laute Wehklage aus 
bricht, daB er defien ungeachtet noch immer zu 
früh für Die Welt geflorben feyn fol. Ich gebe 
recht gern zu, daB auch ber, welcher ein fo 
hohes Alter erreichte, feinen KHinterlaffenen immer 
noch zu früh entriffen- werden kann, indem er für 
fie noch fo manches Gute hätte yellenden können, 
mas nun unvollendet bleiben wird, und daß noch 
—— Wunſch durch ihn haͤtte erfuͤllt werden koͤn⸗ 

: aber wenn dies der Fall iſt; fo ſpreche man 
vr nur nicht. fo im Allgemeinen, fondern beziehe 
a ins Einzelne für fih. Man fage daher 
nit: 

Biel zu früh ward der edle Greis, unfer guter Vater, 
in feines achtzigften jahre der Welt durch den Tod 
entriſſen; 

ſondern: | 

Dbgleich unfer guter Vater N. N. eine der hoͤchſte⸗ 
Stufen des menſchlichen Alters erreichte: fo wurde 
doch und und allen feinen Zreunden immer noch zu fruͤh 
entrifien. Er flarb den... . in feinem achtsigften “Jahre, 
neihägt and geehrt von Au, die ihn kannten sc. 


. Wirk 


Wirklich ekelhaft und läherlih wor es: als 
vor. einiger Zeit. fih Jemand über den Tod einer 
betagten weiblichen, noch) unverhetratheten Perſon 
ſo ausdruͤckte. 

&0 tnidte denn der unerbittliche Tod eine 

der lieblichſten Nofen: indem er unfre liebe are 
‚ fer und Freundin, Jungfer Dorothea Eberhardin, in 
ihrem saften Lebensjahre der Welt entriß ꝛc. — 


Aus Gedichten entlehnte bildiihe Ausdruͤcke 
machen die Wahrheit ded Schmerzes verdächtig; fo 
J. B. folgende Anzeige eines Vaters bei dem Tode 
eines zweijährigen Sohnes. 

Noch in der erfien Worgenröthe feines auf⸗ 
gegangenen Lebens entfchlummerte in die Gen 
filde der ewigen Ruhe dinuber unſer tleiaer 
Eduard x. 


Dder: 

So wie die junge Rofenfnofpe ‚ in deren Bufen 
ein tödelicher Wurm verborgen liegt, dahin welkt, 
fo wette an einem unhbeilbaren Lungengefhwüre 
im eliften Jahre ihrer ſchoͤnſten Blüthe meine 
unausfprehlich geliebte Tochter Wilhelmine. Am 
sten Juni entſchwang ſich ihre ſchoͤne fanfte Seele 
der irdifchen Nülle gu den Choͤren der vollendeten 
Geifter ıc. 


Zur Kaffe ſolcher Abgeſchmacktheiten gehöcet 
auch der empfindelnde Nachruf, welchen man nicht 
felten diefen Anzeigen anhängt, als: 

Ruhe wohl, du gute, tiebe Seele! w. 


noch Weniger mag man ſich mit Redensarten aus 
Romanen oder Schauſpielen befaſſen: denn alle dieſe 
Koftdarkeiten zeugen augenblicklich gegen den Plüns 
derer , und erregen Verdacht, wie der Yufaten in 
dem armen Sackel eines ettlers. 


PR 


— 86856 — 


IL. Bon Sculdverſchrei bungen. 


‚Bon Wechſelbriefen. 


Wechſelbriefe find Schuldverſchreibungen uͤle 
eine zu leiſtende Zahlung, worin das Wort „, Wedi 
ſel“ ausdruͤcklich angeführt feyn muß. Ste fin 
unter allen Schuldverſchreibungen Die flrengfla: 
denn der Schuldner ift in Gefahr, daß fi de 
Glaͤubiger an feine Perfon Halten, und ihn in Bes 

ft bringen laffen kann, zahle er nicht auf der 
ſtimmten Tag dte Schuld zuräd.. 

Nicht ein Jeder kann und darf einen Wechſa 
ausſtellen; die Landesgefege beftimmen, wer wechſch 
fähig — und wer es nicht ſeyn fol. Mach dem 
fähfifhen Wechſelrechte find wechfelfähig alle Kaufı 
und Kandelsleute; auch Frauenzimmer „ bie eine 
eigenen Handlung ohne Beitritt ihrer Ehemänne 


vorſtehen; ferner die wirklichen Beſitzer adeliger 


Güter, und bie Pächter Tandesherrliher Domalnen : 
Bürger und Meifter; und dann überhaupt alle 
Mannsperfonen, went fie ein Alter von 25 Jah⸗ 
zen erreicht haben, und nicht in einem Dienſt oder 
in einem Amte u. ſ. w. ſtehen, das fie wechlelun 
fähig mache. Nicht wechſelfaͤhig find in Sachſen 
die Bauern, wenn fie nicht ein ihnen "erlandtes 
Handelsgeſchaͤft treiben, alle?) Geiſtliche, ae 

* 


*) Sollte irgend ein Unkundiger einem auf Wed 
geborgt haben, der nicht wechfelfähig iſt: fo darf 
er deshakb nicht in Verlegenheit ſeyn, fobald wur fe 
Schuldner noch begabten Tann. Hört auch diefe Ehuh 
auf, eine Wechſelſchuld gu feyn; kann er auch diefes 
feinen Schuldner nicht mis perfönlichene Arreſt Belege 
laſſen: fo verliert doch deswegen Die ausgefteik 
Schuldverſchreibung ihre übrigen Rechte niche, um 

mn 


⸗ ——— 


— 567 — 


Yrganiften, Überhaupt alle Perſonen in Aemtern, 
ne von den Konfiftorien konfirmirt werden; ferner 
le Frauenzimmer, fie müßten benn, tote fchon 
einnert worden iſt, einer eignen. Handlung vors 
kehen; nicht minder Studenten, Unteroffiziere, ges 
weine Soldaten und junge Mannsperſonen, ‚bie 
wch unter der väterlichen Gewalt fiehen. 


Die nothwendigen Eigenfchaften eines Wech⸗ 
els find folgende. Er ſtlich muß der Ort, mo der 
Bechfel, und die Zeit, wenn er ausgeſtellt wors 
en iſt, beſtimmt ausgedrückt werden; beides ſetzt 
nan gewöhnlich über die Schuldverſchreibung oben 
m den Rand derſelben. Zweitens muß dag Wort 
Bechfel oder Wechſelbrief beſtimmt in. dem 
Bchuldfcheine genennet werden. Drittens muß 
er Vor⸗ und Zuname des Darleihers, Kreditors, 
eutlich. und ausgefchrieben,. und nicht nur mit den 
Infangsbuchflaben in dem Wechſel ſtehen. Vier⸗ 
ens muß die [huldige Summe deutlih, und zu 
nehrerer. Vorficht erfi mie Buchſtaben und gleich 
‚interdrein mit Zahlen wiederholt ausgedrückt 
verden. Auch iſt es Sitte, die nämliche Summe 
m den oberfien Rand des Mechfeld unter den Auss 
kellungsore und Darum zu fohreiden. Fünf en 

. j ’ t , 


mau kaun den Schuldner Durch anderweitige recht⸗ 
liche Hülfe ausflagen. Kann man von einem 
Geiftlichen , oder von irgend einer unter den geifte - 
lichen Gerichten fiehenden Perfon, die ihr auf Wech⸗ 
ſel gelichene Schul nicht wieder befommen ; fo lafie 
man Ach nicht abſchrecken, wenn man fagt, der Schuld⸗ 
ner ſey wechfelunfäbige. Man bringe getroft den 
Schuldſchein vor dab Bericht, vor welches er gehört; 
der Schuldner wird zur Bezahlung angehalten, und 
fent ſich dadurch der Gefahr aus, will man flreng 
mit ihm verfahren, dab er ſeines Amtes entſetzt 
werden kann. 


- 5 — 


iſt es nicht gemmg, daß die Summe angegeben wor 
den ift; man muß auch beflimmen, in welchen 
Seldforten fie gezahlt werden foll (In Drünzfor 
ten, die in einem Lande verboten find, und nicht 
auf der Valvationstabelle deſſelben ſtehen, darf fein 
Wechſel ausgeftelle werden). Recht gut und vor 
ſichtig iſt es: wenn man den Werth der Manzſor⸗ 
ten, beſonders bei denen anzeigt, die dem Steigen 
und Fallen unterworfen find, wie z. B. Bei Gold, 
det Laubthalern u. ſ. w., alfo hinzufuͤgt,, den Laub⸗ 
thaler zu 1 Thlr. 13 oder 14 Gr.; den Louisd'or 
zu 5 Thlr. 4 oder 8 Gr. u. ſ. w.“ Sechſtens 
muͤſſen die Zinſen angegeben werden, wie man dar⸗ 
über uͤbereingekommen iſt. Siebentens muß bie 
Seit, fogar der Tag, beſtimmt ausgedruͤckt angege⸗ 
Gen werden , wenn man den Wechſel oder bie ver 
ſchriebene Schuld zurücdzuzahlen ſich verbindlich 
macht.*“) Achtens muß der Ausſteller ausdruͤck⸗ 
lich anführen, daß er den Werth, worüber er ſein 
Schuldbekenntniß ausgeftellt, wirklich erhalten habe, 
welches man gemeiniglih um der Kürze willen mit 
„ Valuta (den Werth dafür) habe erhalten‘ auss 
druͤckt. Meuntens muß fih der Schuldner unter 
"den Wechſelbrief mit ausgefchriebenem Vor⸗ und 
Sunamen, auch mit feinem Charakter, wenn er 
einen begleitet, unterfchreiben. Daß er feines Nas 
mens Anterfchrift mit jeinem Peiſchaft beſiegele, 
iſt nicht nothwendig. Im 


*) &8 Haben fich ſchon Zälle ereignet, daß unredliche 
Wechſelausſteller unachtſame Gläubiger Bintergangen, 
und Verfalltage in ihre Wechfelbriefe gefeht heben, 
die in keinem Kalender zu finden find; z. B. den 
gıftlen Geptember, den Zoften Februar. Wechſel⸗ 
Briefe, worin folche unftatthafte Verfalltage ange⸗ 
geben And, verlieren nicht nur ihre Wechfellraft, 
fondern auch das Recht einer jeden andern Schuld⸗ 
verſchreibung. 


| — 469 — 


Im Königreih Sachſen ſollen und muͤſſen die 

Wechſel, welche in dem Lande bleiben (bei denen, 
die ins Ausland gehen, iſt es nicht nothwendig), 
auf einen Viergroſchen » Stempelbogen, der Wechſel 
aber ſelbſt Dicht unter den Stempel gefchrieben wers 
den. Wird eine folche ohne Stempelbogen gegebene. 
Schuldverſchreibung klagbar: fo verfällt des Aus⸗ 
fteller deshalb in Strafe. Es iſt daher nicht uns 
gewöhnlich, daß der Ausfteller, wenn er zu feinem 
Wechſel feinen Stempelbogen nehmen will, ſich am 
Schluß des Wechſels dahin erklären muß, daß er 
für die Stempelftrafe ftehen wolle. Im Gall man 
feinen Stempelbogen zu der Zeit bei der Hand hat, - 
wo man einen Wethfelbrief ausftellt: fo kann man 
auch fpäterhin. noch einen Stempeldogen um dent 
felben herumfchlagen laſſen. Indeß bleibt der Woche. 
fel allemal gültig: wenn er auch auf keinen Stems. 
pelbogen gefchrieden iſt. Nicht der Gläubiger, fonr 
dern der Schuldner als Ausfteller trägt im Verab⸗ 
fäumungsfalle die Strafe: wenn fein Wechfelbrief 
vor die Obrigkeit zue Klage gebracht werden muß. 


Zu mehrerer Verdeutlichung will ich hier ein 
Wechſelformular einruͤcken. 
Leipzig, am a5ten Fa 1803 
800 Thlr. in Spec. 
Segen diefen meinen: Bedfibtif zahle ich Eins 
desgenannter, von heute an gerechnet, in ſechs Mo⸗ 
naten an Herrn Gottlieb voſenthal in Fuͤrth die 
Summe von 
achthundert Thalern, fhreibe goo Thfe., in Spec. 
Den Werth dafuͤr (Valuta) habe ich erhalten; 
leiſte zu geſetzter Zeit richtige Zahlung nebſt fuͤnf 
vom Hundert landesuͤblichen Zinſen, und ſtehe für 


bie Stempelbyele. 
Andreas en 
’ a Br 9 


N — 6— 


So guͤltig nun auch ein ſolcher Wechſel an ſich 
ſchon iſt: fo begleitet man ihn doch noch mit einis 
gen Zufägen,, die den Schuldner noch firenger ans 
Balten mäflen, zur beflimmten Zeit Zahlung zu 
Ietften. Ein folches gefchärftes Formular iſt fols 


gendes. Leipzig sten Oktb 
am 1 »% ⸗ 
rs IR Thle. in Oper. we 
Segen diefen meinen Sola- Wechfelbrief*) zahle 
ih Endesgenannter , von heute an gerechnet, im 
fee Monaten an Herrn Adam Gottlieb Boͤſenthal 

die Summe von 

achthundert Thalern, ſchreibe goo Thlre. in Sper. 
Den Werth dafür Habe ich erhalten, leiſte zu ger 
feßter Zeit richtige Zahlung; begebe mich afler Aus 
fluͤchte **æ), mes Namens fie immer feyn und heis 
Gen mögen, abfonderlich der des Nichtempfange ; ents 
fage aller Meß⸗ und Marktfreiheit, ““r) wicht ins 


*) Sola - Wechſelbrief heißt ein folder, worte ich der 
Ausfteller felbft sur Zahlung verpfüchtet. Man 
nennt diefe Wechfel auch „„eigue‘ oder „trockne“ 
Werhfel. Sie unterfheiden Ah dadurch von allem, 
ubrigen Arten der Wechfelbriefe, wovon weiterhin 
gefpsochen werden foll. 

29) Es giebt oft böfe Bezahler, die Ach durch Yusreden 
helfen wollen; 3. B. als hätten fie nicht volle Ges 
- yahlung erhalten, oder die Summe fey ihnen in 
geringerns Gelde bezahlt worden, eis fie ſolche aus 
ruckzahlen follen. 

") Bon der Einlautung bis wieder sur Autlautuug 
der Meile genishen die Wechfelfchnidner die Freiheit, 
daß fie Ihrer Schulden wegen nicht arretirt werden 
konnen. Haben fie aber in ihrer Schuld verſchreibung 
auf dieſes Recht Verzicht gethan: fo Tann man fie 
au jeder Zeit im Auſpruch nehmen, und aus Verhaf⸗ 
tung bringen laſſen. 


⁊ u 2 — _f 


— 561 — 
der auch . ber. Wechſelverjahrung *), und ſtehe fuͤr 


die Stempelſtrafe. 
Andreas Chemnitz. 
%n nid ſeloſt aller Orten.**) 
Andreas Chemnitz. 


Die Raufleute Hingegen ftellen bei ihren Hans 
belögefchäften ihre Wechfel kürzer aus, ohne daß 
dieſen dadurch an Guͤltigkeit und Rechtskraft das 

ie (hr abgehet. Ihre Sormulare fi ind gewöhnlich 
igt. 
L ‚ den aoſten Dftbr. 2803 
Leipꝛig en ah ft en DE 

Gegen diefen meinen Sola- Behfel zahle ich 
Endesunterſchriebener zur Leipziger Neujahrmeſſe 
naͤchſtfolgenden Jahres an Herrn Friedrich Stengel 
. oder deſſen Ordre #*#) die Summe von Sie San ® Ä 

um 


2») Wenn ein Wechſelbrief von dem Tage: der Verfall⸗ 

an gerechnet, von dem Schuldner, wenn er ein 

—** und die Sud mit Nuckſicht a feine 

Befhäfte entftanden ift, binnen einem Jahre, 6 Wochen 

3 Tagen; von Andern aber, von Buͤr⸗ 

und nen wechfelfähigen Derfonen binnen 

4 Datren cht bezahlt worden ift: fo verjährt die 
g — d. h. ſie verliert das Recht, 

des Schuldners halten 

2. 4 laſſen kann. Deswegen bleibt aber 

der Schuldner die Summe immer noch —5 und 

er muß ſie bezahlen; nur muß de Der Bläubiger 

mit größern Weitläuftigleiten ausklingen. 


* Dieſe Maufel ift dazu gut, daß der — 
wenn er entipeder feinen verändert haben, . 
Se gar audgetreten fern fo Pr ‚ dann überall zur 

Besablung angehalten, und wider ihn verfahren wer⸗ 
fan, wo man ibn trifft. 


"Sen Diefer Bufat giebe dem dem —ãã ne 


— 562 — 


Hundert Thalern Cour. Den Werth Habe ih 

in guien Waaren *) erhalten. n 

I Andreas Schul, 
An mid Andreas Schulz, zur Zahlungszeit in 

Leipzig, oder wo ich fonft anzutreffen bin. 


Wenn fich mehrere Perfonen zu Selbſtſchulb 
nern und mit der Bedingung unter einem Wechſel 
‚unterfchrieben haben , daß Einer für Alle und Ale 
für Einen für die Bezahlung haften. wollen, was } 
erlaube iſt und oft gefchieht: fo heißen dieſe Wech⸗ 
fel Solida- Wechfel., Was bereit6 von beir Sola- 
Wechſeln, zu welchen auch diefe gerechnet werden, 
gefage worden iſt, gilt auch bier. . 

Leipzig , den roten Mai 280%. 

800 Thir. in Louisd’or a 5 Chtr. 

Wir Endesunterfchriebene zahlen gegen dieſen 
anfern Wechſelbrief Alle für Einen und Einer fir 
Ale an Herrn Joſeph Möper oder deflen Ordre di 
Summe von dreihundert Thalern, fehreibe 300 Thle., 
in Louisd'or a 5 The. in acht Monaten a dato *) 
nebſt fünf Prozent Zinfen. Den Werth daflır 
Haben wir von demfelben haar erhalten. 

| | Rudolph Schwarz, **#) 

Andreas Heim, 
Ä Jakob Ehrlich. 
An uns ſelbſt aller Orten, wo mir anzutreffen find, 
Rudolph Schwarz. 2 
- Andreas Helm, u | 
Jakob Ehrlich. | Eine 
*) Nur bei Kaufleuten kann di ' . 
—* oder des Gez, in un RV 
bern Perfonen darf der Werth nur baared Geh 


*+) Don heute an gerechnet. 


**+) Bei der Bezahlung der foli heit: 
— 3 Olnaien wegen 


Iäußiger denieni der I. 
Unterzeichneten aus, der ihm am en 
teften au ſeyn Imene- ' do From 





. Mine ganz eigne Klaſſe non Wechſeln machen die 
 $aufmännifhen Wechfelbriefe 

aus ‚: und. anter ſcheiden fi wenigſtens durch die 

äußeriiche Form von ‚Dem fo eben befchriebenen Sola- 

Wech ſeibriefen. Wir faben, daß hei diefen nur zwei 

Perſonen nörhig waren, der Ausfteller und der Ems 

pfänger ; bei den kanfmaͤnniſchen Wechſelbriefen find 


aber ihrer drei, und meiſtentheils noch mehrere Ders 


fonen intereffirt. Ein Taufmännifiher Wechfel iſt 
eis mit moͤglichſter Kuͤrge abgefaßter offener Brief, 
worin .beflen Ausftellee einem zweiten Kaufmanne 
auftrdge, die in dieſem Wechſel beſtimmte Summe 
an einen Dritten auszugablen. Bei einem foldhen 
Wechſelbtiefe ift alfo noͤhig, erfilih der Aus⸗ 
ſteüler, welher in ber kaufmaͤnniſchen Sprache 
der Traffant heiße, zweitens der, an den der 


Dechſel geftelle tft, der Bezahler, welcher der . 


Traſſat oder der Bezogene genennt wird; drits 


: tens der Inhaber des Wechſelbriefs,“ 


weicher ſich von dem Traſſaten (Bezogenen) die 
Wechſelſumme auszahten lafien fol. Weil nun der 
Ausfteller eines folchen Wechſels der Traflant, ber 
Bezahler deſſelben aber der Traffat Heißt: fo 
werden die Taufmännifchen Wechſel Tratten ges 
nanut. ‚Aus der Einrichtung dieſer Wechfel läge 
ſichs nun leicht erfidren, wie der Kaufarann, wenn 


[4 


er an einem entfernten Orte eine Zahlung zu leiſten 


bat, flatt bes baaren Geldes nur einen folchen 
Wechſelbrief, von ſich ausgeflelle, einfenden darf, 
um feine Schuld zu tilgen. Es verſteht fih von 
ſelbſt, daß dieſer Kaufmann Anfehen, Treue und 
Slanben haben, und einer Handlung vorfiehen muß, 
Die entweder an und für fich ſelbſt fchon bekannt 
genug, oder von andern bedeutenden Handelshäufern 


empfohlen worden iſt. Dabei iſt einfimeilen und 


vorläufig: zu bemerken, daB der, an den ein fels 
cher Werhſel ausgeſtellt iſt, dee Traſſat alfo, nice 
BR Nna gezwun⸗ 


— 565. — 


gezwungen iſt, jeden auf Ihn ausgeſtellten Eechſel 
zu bezahlen. Er kann, werin er wichtige Exuͤnde 
dazu hat, ſich mit einem ſolchen Wechſel wicht be 
- faflen zu wollen, die Bezahlung deſſelben verwei⸗ 
gern. 3. B. er kennt den Ausfteller nicht gany 
genan, will nichts mit ihm zu chun haben, weil 


er entweder nicht ordentlich oder auch nicht fücher 
genug zu feyn ſcheint. Entſchließt ſich aber der 


Traſſat, den Wechſel zu bezahlen: ſo ſchreibt er, 


wenn ihm der Inhaber des Wechſels dieſen entwes 


der ſelbſt vorzeigt oder vorzeigen laͤßt, das Wort 
„acceptirt“ oder auch deutſch„angenommen“ 
auf den vorgezeigten Wechſel; und dann iſt er ver⸗ 
pflichtet, die Zahlung zu leiſten. Auch kann er dann, 
wenn er dieſes zuvor gethan hat, zur Zahlung gezwans 
gen, er fann fogar bei der Verweigerung oder Verab⸗ 
fänmung feiner Schuldigkeit durch den Inhaber des 
Wechſels mit perfönlichem Arreſt belegte werden. Das 
Vorzeigen des Wechſels vom Inhaber defielben «u 
den Traſſaten (Bezogenen) heißt in der kaufmaͤnni⸗ 
fen Sprade „„präfentiren,‘ und ber Vor⸗ 
„zeiger heißt der Präfentant. = 

Um meinen Leſern einen anfchaulichen Begriff 
von den faufmännifchen Wechfelbriefen zu machen, 
füge ich einige Exemplare -derfelben ‚dei. Diefe For 
mulare ſowohl, als die Erläuterung, And aus Si⸗ 
naptus Briefen für Kauflente, welchen «ine Abs 
Handlung über Wechfelbriefe beigefügt Ift, nach dem 
Wunfhe des Herrn Werlegers diefes meines Brief 
ſtellers entlehner indem er jetzt der Beſitzer der ganz 
neuen Auflage dieſer Sterapiuffifhen Briefe tft, 


die immer noch ihren Werth haben, nnd lange 


noch für junge Kaufleute von veellem Nautzen fen 


werden. J . Diem, 

Der gegenüber befindliche kaufmaͤnniſche 
Wechſel ift von Andreas Kur -in Breslan am die 
Ordre (zum Gebrauch oder ‚zus Dispoſitton) dab 


N 


Herrn 


— 565 .- 


Heren Kommerzius in Breslau, ober wo er fonft 
leben mag, auf Samuel von Often in Amfterdam _ 
in 2000 Fl. Santo *) fünf Wochen a dato zahlbar, 
ausgeſtellt. Er zeigt die Geſtalt eines Mechfels, 
mit dem noch Feine Dispofition vorgenommen: tft. 
Nr: 2. iſt eine Tratte (wie fich die Kaufleute auss 
druͤcken), alſo ein Wechfel von Johann Silmer 
und Komp. in Hamburg auf die Gebruͤder Dreller 
in Breslau über 800 Pfund **) Banko. Im erften 
Wechſel fiehet „ Valuta (oder den Werth) empfan: 
gen;“ Bier heißt es aber ‚„‚Baluta (den Werih) in 
Rechnung.“ Diefer Ausdrud „in Rechnung“ 
entfieht daher, daß dee Hamburger dieſes Papier 
nicht an dem Ort und der Stelle, wo er ſich aufı 
haͤlt, verkauft, fondern ed nah Berlin übermacht 
bat; es fey nun, um. einen fehuldigen Poſten zu 
bezahlen, oder um durch den Kours (den Werth 
ber Geldſorten) etwas mehr zu gewinnen, als er 
jo eben auf feinem Plage nicht gewonnen Haben 

. würde, 


” Banko heißt die Zahlung nach dem Muͤnzfuße der 
Bank, an dem Orte, wo der Wechfel erbeben ivers 
den ſoll, welder ein für alle Mat als befiimme an= _ 
- genommen wird. Wer darüber, fo wie übers mehr der⸗ 
gleichen die Handelsgeſchaͤfte betreffende Gegenflände, 
‚eine nähere und tollfiändigere Auskunft wuͤnſcht, 
wird fe in dem „Rathgeber bei den vorsügliche 
:ften Geſchaͤfts⸗ und Handelsangelegenbeiten für Mar 
- nufatturiften, Fabrikanten, Handeldtente, ‚Krämer 
und alle, welche Handelsgeſchaͤfte betreiben, insbe⸗ 
fondere auch für diejenigen, welde die Handlung 
„erlernen wollen; in Berbindung einiger fadhterftäns 
digen und erfahrnen Kaufleute, herausgegeben 
von ©. & Claudius“ finden, welcher ebenfalls 
bei dem Buchhändler, Heren Heinrich Sräff in 
ein ig, zu haben if, und ‚vorzüglich ſolchen Ges 
ch 2 — von Nutzen ſeyn wird, die nicht eigent⸗ 

ih die Handlung erlernt haben. i 


| * Pfund iſt eine eingebildete Nechenmlnge,,. nad 
| — in verſchi und —X die 


Geldſummen zu be mmen pflegt. 


- 6 — 


würde. Der Berliner, der Hier Jriedrich Gagan 
heißt, fand es für dienlicher, diefen Wechſel aus 
den Gründen, weil. er dadurch in Hinſicht der Geld⸗ 
forten gewinnt, vielleicht auch aus andern dräm 
den, wozu ihn feine kaufmaͤnniſche Aughett vers 
mochte, an feinen NHandlungsbelannten, Danid 
Kahlmann, zu übermachen. Er nimmt alfe biefen 
Wechſel, girirt ihn, das heiße, er ſchreidt auf 
die Rüdfeite defielben, wie man erſehen wird, Wenn 
man gegenüberftehenden Wedyfel -ummendet ‚Bär 
mid) an die Ordre des Herrn Dantek. Kühis 
mann, Valuta in Rechnung. Gerlin, den zUfen 
Der. 1797, Friedrich Sagan.“ und fendet them, ſo⸗ 
dann an die beſtimmte Sehörde. Diefe beobachtet 
‘damit dad Gewöhnlihe, indem fie dieſen Wechſel 
den bezogenen Gebrüdsen. Dreller (beziehen: ift ber 
kaufmaͤnniſche Ausdruck) präfenticen (vorzeigen) 


‚ lage. Man findet nod unter diefem MBedyfel bie 


Worte „„acceptiet,, Gebräder Drellerz das Heiße,