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Full text of "Feld-Instruktion für die infanterie, kavallerie und Artillerie"

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4 . N EL \ B 
In} 


Feld-Inftruktion 
für die 
Yufanferie, Wavallerie und Friillerie. 
— 
Mit Ss Plänen, 


D° MAX MENGEN 


Zweite Auflage. 


— — nn 


Dlmäg. 


In Eommillion bei Johann Neugebauer, Buchhändler. 





1847. 


UA 

6 Ted 
‚AS 
1847 


Una Eur ® Du } 
d. wir . 444 - 


‘ 


Buhdruderei von Alois Skarnigl in Olmüs. 


Cestlo2 r-f2i 


PWorerinnerung. 


— Hr 


Das ver Feld⸗Inſtruktion beigegebene Vorwort 
weilet auf die Nothwendigkeit einer Lehre hin, welche das 
Zrefflichfte und Zmedmäßigfte aus den über ben Felddienſt 
vorhandenen Schriften zu umfaffen, und dadurch einem 
längft gefühlten Bedürfniſſe abzuhelfen geeignet wäre, 

Diefer flüchtig hier angedeutete Berweggrund bes hohen 
Verfaſſers war die Quelle dieſes vorliegenden Werkes, 
indem eine in das Fleinfte Detail dringende, gründliche 
Belehrung alles deſſen erfcheint, was mit Berüdfichtigung 
des Zerraind auf alle im Kriege vorfommenden Fälle, als: 
Marſchordnung im Felde, Lagerung, Stellungen, Angriffe 
und DBertheidigung ꝛc. ꝛc. Bezug hat. 

Dem vorgedachten Zwecke entjprechend, erſcheint bei 
ben einzelnen Abtheilungen dieſes Unterrichtes jeder Gegen» 
ftand derfelben volftändig erſchöpft; wodurch zwar in ber 
ganzen Ausdehnung des Werfed mehrere Wiederholungen 
Statt finden, allein der viel bedeurendere Uibelſtand vermier 
den wird, daß ein Offizier, welcher nur über einen Gegen» 
ftand augenblidliche Belehrung wünfcht, gemöthigt ift, felbe 
aus verfciedenen Abtheilungen mühfam zufammen zu fuchen, 
während er fie ftet3 an demfelben Orte vereint findet. 

‚Als großes Hilfämittel zur fchnelleren Faſſung der 
für Offiziere und Unteroffiziere in den verfchietenen Abthei⸗ 
lungen dieſer Feld⸗Inſtruktion vorfommenden Tetaild wird 


IV 


die plaftifche Darftellung irgend eined Zerraintheiled (aus 
Thon, Sand oder anderem Materiale) vorzüglid anem- 
pfohlen, um mittelft dieſes leßteren und angemefjener 
Zruppenzeihen (3. B. hölzerne Nechtede für größere 
Truppenkörper und Piquirnadel für einzelne Poften und 
Zirailleurd) die aufgeftellten Regeln und Erklärungen durch 
ein verjüngtes Bild auch praktiſch nachzumwelfen, und fo 
die richtige Auffaffung aller Details möglichft zu erleichtern. 

Ferner kann dieſer fo wichtigen Belehrung mittelft 
Verſinnlichung der Regeln in Beifpielen eine noch größere 
Ausdehnung dadurch gegeben werden, wenn ber Offizier 
am Schluße jeder Abtheilung diefed Werles die geeignets. 
fien Pläne aus den »Beiträgen zum praftiichen Unterrichte 
im Feldes benügt, um in der Anwendung der Regeln auf 
verſchiedenen Zerrainformen die nöthige Fertigkeit ſich zu 
erwerben, wozu die nähere Umgebung der Garnifon felten 
eine hinreichende Gelegenheit barbietet. 


Des Herausgeber. 





Inhalt. 





Seite 
Vorerinnerung . . W W . II. 
Einleitung . . .. . 1 
Erſter Abſchnitt. 
Erſte Abtheilung. 
Allgemeine Grundſätze der Lagerung > oo 2a b 
Zweite Abthbeilung. 
Bon den Vorpoſten. 

e 1. Bon den Vorpoften überhaupt . . . 10 
. 2. Ausftelung der Vorpoſten im Allgemeinen . . . 17 
$e 3 Ausſtellung der Reſerven . W 18 
6 4. Ausſtellung der Unterflüsungspoften . . . 19 

(. 5. QAusftellung der Feldwachen oder Piquete und der 
De epetten überhaupt. . . 20 

9. 6. Austellung der Feldwachen oder viquet⸗ und der 
Vedetten bei Tag . . 23 

$. 7. Ausftelung der Feldwachen oder Piquete und der 
Vedetten bei Nacht.. . 29 
$. 8. Ablöfung der Vorpoften . . 32 

% 9 Borpoftenausftelung felbftRändiger Truppenkoͤrper 


von der Staͤrke eines kleinen Detafhements _ 
bis zu jener einer Linien Divfion -  .  . . 3 


Dritte Äbtheilung. 


Patronillen und Streiffommanden. 
§. 1. Bon den Patrouillen im Allgemeinen 


‘. 2. Wifitirpatrouillen . a  ?' 
$. 3 Schleich⸗ und ſtehende Patrouillen .. 48 
(. 4. Erreifpatrouillen . . . . . . . . 52 
§. B. Netognodeirungepafrouillen oo. . oe. bD 
6. 6. Otriflommanden en 64 
Vierte Abtheilung. 
Tirailleurgefecht. 

F. 1. Bom Tirailliren überhaupt . oo 68 
6. 2. Verwendung der Tirailleurs in offener Gegend .. 72 
$. 3. Tirailleurgefecht im Angriffe oder Fückzuge in durch⸗ 


ſchnittiener Gegend oder im Mittelgebirge er 73 


h. 5 


VI 





Tirailleurgefecht im Angriffe und Rückzuge im 
Hochgebirge a a 
ZTirailleurgefeht im Slanlenmarfche . 


Fünfte Abtheilung. 
Marihorbnung im Felde. 


« Bon Märfchen überhaupt . 


Marfhordnung eines Fleinen Infanterie: oder 
KavalleriedetafhementE . . 


Marfhordnung eines Zuges Infanterie oder Kavallerie 

« Marfhordnung einer Kompagnie oder Eskadron 
Marfhordnung einer Divilion Infanterie oder Kavallerie 
Marfhordnung eines Bataillons Infanterie oder 


eines Regiments Kavallerie 0. 


Marfhordnung eines Regiments von zwei Batailons 
oder einer Kavalleriebrigade von zwei Regimentern 
Marfhordnung eines Infanterieregiments von drei 


Bataillons oder einer Kavalleriebrigade von 


drei Regimentern . 


Marfhordnung einer leichten Brigade von drei Ba: 
tatlons, zwei Divifionen Kavallerie und einer 


Batterie . . 


Marſchordnung einer Liniendrigade von vier Bataillons 
oder einer Kavalleriedivifion von vier Regimentern 
Marfhordnung einer Tingenbrigabe von fünf Bataillons 


Marfhordnung einer leichten Divifion . . 


Marfhordnung einer Liniendivifion von zehn Botaillons 


Marſchordnung größerer Truppenkörper. 


Marſchordnung im Flankenmarſchee.. 
Marſchordnung im Rückzuge und beſondere Verhal⸗ 


tungen der Arrieregarde . . 


Hauptdisciplinarverhaltungen der Marfch: "und Bagage⸗ 


ordnung größerer Truppenkoͤrper 


Eingpeilung und Haurterforderniffe der Maͤrſche in 


höherer Beziehung . 


1. Berfammlungsmärfche . oo. 
2. Angriffsmärfche . ee... 


3. Rüdsugsmärfche 000. 


4. Berborgene Mifhe . + +  - 


Sechste Abtbeilung. 


Rekognoscirun genn. 


Zweiter Abſchnitt. 
Siebente Abtheilung. 
Vertheidigung und Angriff einzelner Gegenſtaͤnde. 

6. 1. Vertheidigung und Angriff eines einzelnen Hauſes, 


Hofes, Schloſſes fammt Garten, Kirche, Kirch⸗ 
thurms, Schüttkaftens, Meierhofes u. dgl. 


Dertpeidigung und Angriff eines Dorfes . 


Seite 
17 
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108 


110 


136 


139 
144 


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Vertheidigung und Angriff eines Weingar tens .. 
Vertheidigung und Angriff der Geſtrüppe und Wälder . 
Bertheidigung und Angriff der Defilees überhaupt . . 
Vertheidigung und Angriff eines Flußes, Kanals 

oder Beinen Waflerd oO re. 
Vertheidigung und Angriff dee Brüden . . .. 
Vertheidigung und Angriff eines Moraftes oder Sumpfes 
Bertbeidigung und Angriff der Dimme . . .. 
Vertheidigung und Angriff eines Gebirgspaſſes .. 
Vertheidigung und Angriff der Schanzen 0. 


Achte Abtheilung. 
Stellungen. 


Von Stellungen Überhaupt : 00“ 
Bertheidigung und Angriff der einzelnen Höhen nad 

thren Peofilen . . . . . . . . 
Vertheidigung und Angriff eines ganzen Höhenzugee 
Vertheidigung und Angriff der in einer Stellung 

befindlihen Thäler und Tiefen . - oo. 
Vertheidigung und Angriff einer größeren Stellung 
Dertpeibigung und Angriff einer verfchanzten oder 

Durch Dörfer gededten Stellung : . . 
Umgebungen ⁊ ‘ . 0 . e e L; ‘ 


Neunte Abtheilung. 


Ecyeinangriffe und Demonitrationen - . 


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DER 
r} 6“ 


1. 


2. 


Zehnte Ubtbeilung. 
Hinterhalte und Uiberfälle. 


Don den Hinterhalten . . j . . . . 
Bon Uiberfällen W ee. 0. 


@ilfte Abtbeilung. 
Beobachtung und Einfchließung einer Yeltung. 


1. Beobachtung einer Feſtung . 


2. 


Einſchließung einer Feſtung 


Zwölfte Abtheilung. 


352 


371 


389 
397 


Führung, Vertheidigung und Angriff eined Transportes. 
1. Bon der Führung eines Transported überhaupt 


2. 
3. 


Vertheidigung eines Transport » + « 
Angriff eines Transporte © + en 


405 
413 
419 


2 





Der General und jeder andere Kommandant ift ſowohl 
für die ihm untergeordnete Truppe, als, für die ihm zuges 
wiejene Aufgabe "werantwertlih; er darf daher auc nicht der 
Mittel beraubt werden, um dad, was ihm aufgetragen wird, oder 
zu vollführen obliegt, auf jene Art zu bewirfen, die feiner Uiber⸗ 
jengung gemäß für Die in dieſem Momente fih ihm darbietenden 
Umſtaͤnde und Lofalitäten am zuträglichiten ift. 

Kürze und Die Herren Generale, Regimentds und. Bataillonsfommans 
Mar Ho der banten haben fich zugleich zur Obliegenheit zu machen, furze und 
vbundige Befehle, fei ed mündlich oder fcdwiftlich, zu ertheilen — 
jedes. überflüflige Detail muß vermieden werden; — es erzeugt 
bei den Nengftlichen zur Bweifel, bei dem Entjchloflenen und in 
feinem Handeln Sicheren aber Mißmuth, daß man feiner Einficht 

nicht traue. | 

Uibrigens iſt ed eine längft anerfannte Wahrheit, daß 
fange Befehle ftetö mißverftanden werben. Eine bündige Schreibart 
amd ein beftinnmter mündlicher Ausdruck müſſen daher überall von 
Borgefegten angewendet und von Lintergebenen gefordert werben. 

Kenntniß Für fede höhere Charge ift Uiberſicht und Detailfenntniß 
ale: Waflen aller Waffengattungen, welche vor dem Feinde vereint zu wirfen 
gattungen. beſtimmt find, ein unerlaͤßliches Bedürfniß. 

Vom Stabooffizier aufwärts darf ſich daher fein, Truppen⸗ 
kommandant mit der beſchränkten Ausübung ſeiner eigenen 
Waffengattung begnügen; ſein Blick muß weiter hinaus auf das 
Große, auf das taktiſche Zuſammenwirken aller verwandten 
Truppenkoͤrper zu einem Zwecke gerichtet ſein; Infanterie, Kaval⸗ 
lerie und Artillerie ſind im Felde in der innigſten, unzertrenn⸗ 
barſten Wechſelwirkung; alle drei Gattungen müſſen daher von 
jedem höheren Kommandanten in ihren Wirkungen, in ihrer 
Manövrirfähigkeit, in ihrem inneren Dienſte im Detail gekannt ſein. 

Die Dienſt-⸗ und Exercir-Reglements der Infanterie und 
Kavallerie, fo wie die beftehenden Inftruftionen über die Geſchütz⸗ 
Ichre und vereinigte Manövrirkunft der Infanterie, Kavallerie 
und Artillerie gewähren dem Führer größerer Truppenförper 
Anleitung genug, um auch jede Waffengattung volltändig Fennen 
zu lernen, unter welcher derfelbe nicht von Jugend auf gedient 
bat, und die ihm daher bis zu dem Standpunkte feiner höheren 
Sphäre fremder war. 











In diefer letztern Beziehung aber find fie alle für ihn Sproͤß⸗ 
(inge derfelden Kunft, und ihre Kenntniß und zmedmäßige Vers 
wendung ein unumgängliches Erforderniß Desjenigen, der Truppen 
im Großen zu leiten beordert ift. 

Ebenſo ift fhon im Frieden, und um fo mehr bei einem. Wiberfiht des 
möglichen oder wirklich -auöbrechenden Kriege die Miberficht und nt, 
Kenntniß des Bodens, auf welchem manöprirt oder gefochten 
wird, die Haupteigenſchaft jeder höheren Charge. Mit. einem 
Blide dad Ganze jener Ausdehnung zu umfaflen, auf welchen 
die untergeortnete Truppe wirken fol, ift das erfte Kennzeichen 
und das ficherfie Gepräge eines feiner Charge gewachſenen Mannes: 

Drei Segenflände find es, welthe den letzteren charak⸗ 
terifiren : . 

1. Schnelle Auffaffung der "Höhen und Tiefen eined vor 
ich fliegenden Terrains. 

2. Viberbli aller einzelnen Gegenftände und ihrer wechſel⸗ 
eitigen Lage, die Angriff oder Vertheidigung begünftigen koͤnnen. 

3. Schneller Entfchluß, den beiden erfteren Elementen gemäß — 
ie Truppe zu vertheilen, und auf den fürzeften Linien zu disponiren. 

Bei Männern, welde durch eine langjährige Erfahrung im 
Jienfte der Waffen geübt find, bebarf ed Feiner weiteren Erklaͤ⸗ 
ung; doch kann für die übrigen zum Leitftern dienen und grund» 
ältig behauptet werden, daß alle Fehler, welche in Leitung grö⸗ 
rer Truppenkoͤrper entftehen, blos aus der Vernachlaͤſſigung 
er dem ungeübten Blicke in diefen drei Grumd s Elementen der 
riegsführung und TQTruppenverwendung ihren Urfprung haben, 

Bon unten hinauf, mithin vom Gemeinen bis zum Haupt⸗ 
ınn, haben daher die Herren Generale, Regiments s und Bas 
llonskommandanten mit Geift und Thätigfeit alles jene zu 
;mweden und zu mweden, was die Schläfrigfeit im-Denten in 
er untergebenen Truppe auszurotten im Stande iſt; — denn 
ie Geiftesthätigfeit im Gefechte auch der kleinſten Truppe 
zt ſtets von längerer, verfländiger Führung. 

Der Ilnterricht der Chargen, befonderd der jüngeren, noch 
gsunerfahrenen Unteroffiziere und Offiziere fei, wie es das 
zlement felbft vorfchreibt, eine unabläßliche Sorge des Oberſten, 

Bataillonds und Divifionsfommandanten; — nur Durch 
ehrung und unermüdete Thätigfeit fann hier das Fehlende 
et werben. 

e * 








% 


4 





Züge, halbe Kompagnien oder halbe Eskadrons, endlich 
ganze Kompagnien oder Eskadrons müflen gründlich in Benützung 
auch des kleinſten Terrainvortheiles mit Liebe und Sorgfalt 
belehrt werden; dann wird dem Staate die Armee erhalten, dem 
Feinde aber mit Schonung unferer Waffenbrüder der größtmög⸗ 
lichfte Schaden zugefügt. 

In derfelben Obliegenheit, jedoch im höheren Grade — die 
Divifionds, Bataillonds und Regimentsfommandanten zu unters 
weifen, zur Gleichförmigkeit anzuhalten, das Ganze zu überjehen, 


zu leiten, und das Fehlende in Inſtruktion und Ausführung gleich 


Erweckung 
des 


Vertrauens. 


vom Aufange zu verbeſſern, it die große Pflicht des Generals. 
Berteauen auf feine Führer ift die Seele unfered Standes, 
Doch muß es bei dem Soldaten durch Proben verdient werden. 
Zwei Arten desſelben gibt ed: eingeiftiges und ein moraliſches. 
Iſt Einheit des Kommandos, Kürze und Klarheit am Be 
fehle; it Liberfiht und gründliche Kenntniß jedes Bodens und 
verftändige Ausführung aller Bewegungen auf felbem in einem 
Höheren vorhanden und mit dem Muthe vereint, der jedem Zoldaten 
das Siegel feines Standes aufprüdt, dann wird ſich das Vertrauen 
der Truppe auf den Geift ihred Führers am Tage der Schlacht 


- und in den enticheidendften Momenten des Krieges bewähren. 


Doch audı die täglich moraliihe Einwirkung des Borges 
ſetzten if eine eben fo mächtige Triebfeder des Untergebenen. 
Syoch oder nieder lebt der Soldat mit feinen Waffengefährten in 
gleichem Glücke und gleihem Unglücke; — Ruhm im Leben und 
@terben vereinigen alle in gleicher Ehre. — So feinem Führer 
im Gefhi gleichgeftellt, fordert der gemeine Mann von ihm 
auch die Sorge und Liebe eined Baterö, wenn er auch außer 
dem Bereiche des Gefechtes auf ihn, als feinen, für ihn beforgten 
Freund mit kindlichem Vertrauen bliden fol. 

Unabläfliges Trachten alfo — ihm jedes feiner Bebürfniffe 
zu verfchaffen, Sorge bei Tag und Nacht, auf Maärſchen und in 
Bivouaten für vernünftige Schonung ded Mannes, für feine 
Verpflegung, Bekleidung, Beſchuhung, — Begenwart und Zuſpruch 
in üblen Lagen bed Kriege, bei Beichwerben und Mühfeligkeiten, 
bie in unferem Stande unerläßlic, find, — Sorge endlich für feine 
Gefundheit und gute Behandlung — dieß find die Grunderfor⸗ 
derniffe und Hauptpflichten Desjenigen, der ſich einen wahren 
Kührer der Truppe nennen will. 

D Dur— 





Erfer Abſchnitt. 


Erſte Abtheilung. 
Allgemeine Grundſätze Der Lagerung. 


Wenn man die Hauptvorfchriften der Lagerung von Truppen 
im Allgemeinen in einen einzigen Grundfag zufammenfaffen will, 
fo muß man die Worte Müllers wiederholen, welcher in feiner 
Kaitramentation fih darüber folgendermaßen audprüdt: 

»Ragerpläte müflen auf und vor dem höditen Terrain 
fein, freie Ausſicht, die Flügel angebunden, gehörige Ausdehnung, 
freie Gemeinfhaft der Treffen und Flügel, gehörige Tiefe, enge 
nd durchſchnittene Fronte der Angrifföpuntte und die nochwens 
igften Truppenbedürfniffe in der Nähe haben.« 

Obſchon nun in diefen wenigen Zeilen die ganze kehre der 
daſtramentation enthalten iſt, fo dürfte es dennoch nicht übers 
üſſig fein, über felbe hier Folgendes umftändlicher auseinander 
u fegen: 

Es ift ein alter, unumftößlicher Grmdfag der Kriegskunſt, 
aß man da, wo ed nothwendig ift, ftetd in jener Ordnung lagern 
U, in welcher man fich zu fchlagen gedenkt, oder wenigſtens fo, 
iß man leicht in diefe Ordnung übergehen koönne. 

Im entgegengefetten Falle ift jedoch Konfervation und fomit 
equemlichkeit der Truppe dad Hauptangenmerf. 

Nach Maß, ald man daher gegen feindliche Angriffe mehr 
er weniger gefichert ift, zerfallen die Lager in bloße Marſch⸗ 
er Gefechtslager. 


Dauptgrunds 
fag der 
Lagerung. 


1. Bei erfteren fieht man bloß darauf, daß der Boden, auf Marfchlager. 


(chem man lagert, troden ſei; 3. 3. feſter Wielengrund oder 
(der mit fanften Abhange für den Waflerablauf. 

2. Daß die nothwendigften Truppenbebürfniffe in der Nähe 
d. Meithin werden Marichlager meiftend unmweit von bewohnten 
rtern, an Wäldern, Flüffen oder Bächen aufgeichlagen, wo 
affer, Holz, Stroh und Schug im alle rauher Witterung bei 
Hand iſt. 


Gefechtslager. 


Haupterfor⸗ 
derniſſe. 





Bei jedem Marſchlager haben jedoch, gleichwie bei einem 
Gefechtslager, alle Vorpoſten, die zur Sicherung des Lagers dienen, 
militaͤriſch aufgeſtellt, und daher blos das Grod der Truppe 
bequem gelagert zu fein. 

Aus dem hier über Marfchlager Gefagten ergibt fih übris 
gens fchon jett, daß fie in ihrer Placirung gerade das Gegentheil 
vom Gefechtslager find, nämlich die letzteren auf Höhen, die 
erfteren aber in der Tiefe genommen werben, wohin dem Waſſer⸗ 
Taufe nadı menschliche Anfledlungen und größere Kultur folgten. 
Gefechtslager dagegen hängen von den Operationen felbft 
und den befonderen Abfichten des Feldherrn ab, wobei man die Bes 
quemlichkeit den höheren Zwecken nachzuſetzen ſich gezwungen fieht. 
Da felbe die vortheilhaftelte Anorbuung zum Gefechte begünftigen, 
und fomit ganz mit taftifhen Grundfägen gewählt werden follen, 
fo geht, wo bieß fein fan, ihrer Auswahl ſtets eine Nefognods 
cirung fachverftändiger Offiziere voran, 

Hiebei hat nach obigen Grundſätzen Folgendes vorzuwalten: 

1. Daß beide Flügel der lagernden Truppe wohl geftügt 
feien, d. h. fih an breite und tiefe Flüffe, Seen, an Gebirge und 
Schluchten, bewohnte Drte u. dgl. lehnen; mithin der Feind zu 
ihrer Umgehung einen großen Umweg machen muß, wodurch man 
Zeit gewinnt, Gegenanitalten zu treffen. 

2. Daß vor der Fronte die Ausſicht menigftend auf Kanos 
uenfchußmweite frei bleibe, 

3. Daß der Lagerplag nicht durch Flüffe, Schluchten, Hohl⸗ 
wege, Moräfte, Gehölze, fumpfige Wiefen u. f. w. durchfchnitten 
werde; da fonft der Feind Gelegenheit finden fönnte, fich zwi⸗ 
fhen unfere Stellung zu ſchleichen und und zu trennen, oder gar 
im Rüden anzufallen. 

4 Daß, je nadıdem die Truppen in zwei oder drei Treffen 
lagern, der Lagerplatz die gehörige Tiefe befige, wobei auf die 


- rüdwärtige Placirung des Artillerieparks Rüdficht zunehmen ift; auch 


müffen die Treffendiltangen im Lager volllommen beibehalten werden. 
5. Daß der Terrain vor der Fronte ded Lagers dem Feinde 
nicht günftig feie, und feine Stelle deſſen gedecdte Annäherung 
geitatte; endlich: 
6. Daß hier, fo wie bei den Marſchlagern Wafler, Holz, 
Stroh in der Nähe ſich befinden, und der Boden der Gefundheit 
des Mannes nicht nachtheilig werde. 


7 


Was die Art der Lagerung anbetrifft, fo iſt die Truppe Art der 
entweder: Lagerung. 

1. In Zeltern. 

2, In Erds, Stroh⸗ oder Breterhütten (Baraquen). 

3. Im Freilager (Bivouak). 

Die erfte Art wurde in ber neuen Kriegsführung in Fultis 
virten Ländern faft gar nicht mehr gebraucht, weil fle den Troß 
des Heered zum Unglaublichen fleigert, alſo deflen Beweglichkeit 
im gleichen Grade vermindert. Nur in Feldzügen in unkultivirten - 
Ländern, fo wie bei Parades und bloßen Friedenslagern ift felbe 
noh in Anwendung; doch bleibt die Unterkunft in Zeltern ftetd 
aus dem Grunde wenig empfehlendwerth, weil felbe gegen anhals 
tenden Regen eben fo wenig, wie gegen Die Kälte fchügen, im Sommer 
überaus dunftig find, und die fchnelle Kormirung der Truppen beirren. 

Die Lagerung in Baraquen unterliegt zwar in Rüuͤckſicht der 
ſchnellen Formirung demfelben Vorwurfe, doch ift fle ungleich 
vorzäglicher, befonderd wenn die Stroh⸗ oder Breterbaraquen fo 
groß find, daß wenigftend ein Zug darin Platz findet. 

Da .aber eine folhe Größe ſchon ordentliche Hüttengeftelle 
ind geraume Zeit zu ihrer Errichtung bedarf, auch das hiezu 
söthige Materiale felten in zureichender Menge vorhanden ifl, 
o macht man gewöhnlich nur Tagerhütten and Flechtwerk und 
Sefträuce, das ‚auf dünnen Stangen ruht. Hätte man jedoch 
inmal biezu nicht hinlängliche Zeit, fo begnügt man fi mit 
loßen Schirmdäcern aus demfelben Materiale, und dieſe find 
8, welde man vorzüglich dort anwendet, wo bie Truppe nur 
ine oder zwei Nächte im Lager zubringen fol. 

Die dritte Art der Lagerung in Bivouals fol nur im 
ußerfien Nothfalle, nnd zwar nur in der Nähe des Keindes bes 
gen werden; Denn fie übt in der Länge den ſchaͤdlichſten Einfluß 
ıf Menfhen uud Pferde aus. — Ihr großer Nupen beſteht 
ıderfeitd darin, daß man die Truppen angenblidiic in Ordnung 
id fchlagfertig aufgeftelt hat; aus welchem Grunde daher alle 
rpoften ftetd, die Haupttruppe aber nur in obigen Bällen — 

f dieſe Art gelagert fein müffen. 

Da, wie oben gefagt wurde, der unmittelbare Kaum des Lagerung nah 
gers die Xruppen nicht allein beauem faflen, fordern ihnen en 
ch geiftatten muß, ſich daſelbſt in Schlachtordnung aufzuſtellen, 





4 


Ragerlinie. 


Infanterie 


Kavallerie. 


Kavallerie. 


Artillerie. 





ſo hat man die Frontlaͤnge nach der Zahl der Bataillons genau 
zu berechnen, und die erforderlichen Intervallen dazu zu ſchlagen. 

Im Hoch⸗ oder durchſchnittenen Mittelgebirge ſind die Lager⸗ 
plaͤtze ſelbſt gewoͤhnlich beſchraͤnkt, dagegen die Intervallen durch 
Thaͤler und Tiefen vergroͤßert, und nur dadurch, daß erſtere meiſt 
viel lokale Staͤrke enthalten, darf man für die Abweichung von 
ber Regel unbeforgt fein. 

Sn jedem Lager, fei es ein Gefechtös oder Marfıihlager, 
lagert nie Mannfchaft nach der reglementömäßigen Lagerordnung 
mit oder ohne Kompagniegaflen Coder ohne Eskadronsgaſſen); beider 
Infanterie die Gewehre in Pyramiden vor der Fronte, — Bei 
der Kavallerie die Pferde feits oder ruckwaͤrts. Dürfen Kener 
angemact werden, fo legt man felbe 15 bis 20 Schritte vor ber 
route an. 

Im ebenen Terrain lagert die Kavallerie auf einem oder beiden 
Flügeln, je nadıdem der eine oder der andere, oder 'gar feiner 
gefihert wäre. Gollte aber der Boden dort natürliche Stüßs 
punkte gewähren, oder auch bei größeren Truppenabtheilungen, 
ald: ganzen Divifionen, Korps oder Armeen, hält man felbe hinter 
der Mitte des zweiten oder dritten Treffens, mithin ftetd rüds 
wärts der Infanterie. Die Kavallerie darf demnach, wenn nicht 
ganz befondere Gründe dazu zwingen, niemals in bie erite Linie 
geftelt werden. — Selbſt in Feineren Abtheilungen, bei Teichten 
Brigaden eingetheilt, oder dort, wo der Lagerplatz fehr durch⸗ 
fdmitten wäre, hat fle ſtets rüdwärts, oder rüds und feitwärts 
der Infanterie an foldhen Punkten gelagert zu fein, von: wo aus 
fie die Letztere leicht unterſtützen Tann. Ä 

Beim Lagern der Batterien und bed Parts müflen befons 
dere Borfichten zur Abwenbung der Fenersgefahr beobachtet werden. 

Die bei den Brigaben eingetheilten Batterien lagern mit 
biefen auf einer hiezu ſchicklichen Stelle; die Pofitionsbatterien 
werben bagegen meift im oder hinter dem zweiten Treffen in ber 
Mitte des Heeres aufgefahren, und die Geſchuͤtze abgeprotzt. *) 





©) Wäre jedoch in diefer Stellung Feine Gefahr vorhanden, mit abge: 
proptem Geſchũt lagern zu müflen, fo find in dieſem Falle die 
Geſchütze aufgepropt zu belaflen, indem durch das Abprotzen die 
Vrogöde der Laffetten bei Ichlechter, naſſer Witterung ſehr viel leiden, 
ferner gu Dem befouderen Aufftellen der Propen größere Räume 





Die Bedinungsmanmfchaft lagert 50 Schritte hinter felben und 
ſtellt ringeum die nöthigen Poften aus, um jede Gefahr zu bes 
feitigen. Dft bleibt die Hälfte der Geſchütze beipannt; ift dieß 
nicht der Fall, fo erhält die Beſpannung der Batterie einen eigenen 
Pla. Die Kanonen mäÄflen in der Nähe des Feindes und bei 
drohender Gefahr ſtets geladen fein. 

Der ganz rüdwärts bei der Referve in einer oder mehreren 
Reihen aufgefahrene Artilleries Park wird gleichfalls mit Sicher 
heitöpoften umftellt. Hier werben die Pferde jedenfalld audges 
fpannt, die Artillerie» Mannfchaft lagert auf beiden Seiten, und 
rüdwärts desfelben, etwa 100 bis 200 Schritte Davon entfernt; die 
Fuhrweſens⸗Mannſchaft in der Nähe ihrer Pferde. Die Feld⸗ 

Schmieden werden an beiden Klügeln des Artillerieparis in einer 
ſolchen Entfernung aufgeftellt, daß nichts von ihrem euer zu 
yeforgen fteht. 

Obwohl die Rothwendigkeit ſich in Lagern zu verſchanzen, Verſchan⸗ 
gemein gefühlt und anerfannt wird, fo geftattet Doc felten die ed 
weit ſolches auszuführen; aber oft wird es weninftend möglich, gungs⸗Vor⸗ 
leine Bertheidigungd VBorfehrungen zu treffen, und die Haupt- kebrungen. 
ıgänge zu deden. 

Ein Berhau, ein Straßens Durdflih oder ein ſchwacher 
rdaufwurf reihen mandmal hin, fih vor dem fchnellen Anprellen 
s Feindes zu fihern; — eben fo können ein Paar Kleichen 
ıd Redouten, die man in fehr kurzer Zeit aufzumerfen im Stande: 

‚ dem Bwede entipreden, die Haupttruppe zu fihern und Die 
auptzugänge zu ſchützen. 

Dieß ift aber mit ein Grund, warum man fletd zu einer Jrühes Gin 
chen Zeit ind Lager einrüden follte, um dieſe Herftellungen ae 
h am Tage ausführen zu können. Nur nad Gefechten oder 
ganz beionderen limftänden kaun von biefer Kegel abgewichen 
rden. Manuſchaft und Pferde leiden, wenn fle exit bei eins 
chender Nacht ihr Lager beziehen; man hat Feine Zeit mehr, 

gehörig zu orientiren; die Leute matten fi in Herbeiſchaffung 
Lebensmitteln, Kourage und Lagerbedürfnifie ab, und ber 
nn kann erft dann ablochen, wenn ber Körper ſchon längft 
e volle Ruhe für den kommenden Tag verlangt. 

erfordert werden, auch wenn aufgebrochen werden fol, viel Zeit . 


Durdy das Aufprosen verloren geht und viel Lärm entfteht, wodurch 
leicht Beirrungen herbeigeführt werden können. 


40 





Eben fo werden dann auch die Pferde zu fpät gefüttert, 
was felben weit nachtheiliger ift, als ſtarke Maͤrſche. 
Lagerabſte⸗ Die Details der Lagervorſchriften, ſo wie die zu den Berech⸗ 
en und tungen und Abmeffungen aller Theile desſelben an die verfcies 
Eicperpeit. denen Truppengattungen erforderlichen Anhaltspunkte enthält das 
Dienftreglement. Was aber die Sicherheit einer lagernden Truppe 
betrifft, fo vermweifen wir. auf bie näcdftfolgende Abtheilung dieſes 
Unterrichtes. 


—D U - 


Zweite Abtheilung. 
Bon Den Vorpoſten. 


6 1. 
Bon den Borpoften überhaupt. 


Doppelter Die Borpoften haben einen doppelten Zwed: die Sicherheit 

—* der Truppe, vor welcher ſie ausgeſtellt ſind, und die Beobachtung 
bed Feindes. 

Stellung der⸗ Wo Avantgarden vor der Armee ſtehen, welches gewöhnlich 

Teen vor der per Fall iſt, bilden die Vorpoſten eine Kette vor denſelben; wo 
garde , , , , 

der Armee. jedoch fein Korps als Avantgarde vorgeftellt ift, fteht die. Bors 

poftenfette unmittelbar vor der Stellung der Armee, 

Wenn die VBorpoften weit entfernt, und zwiſchen dieſen und 
der Armee vortheilhafte Poften liegen, welche theild zur Aufs 
nahme, theild auch zur Behauptung der Stellung dienen können, 
fo merden felbe nicht von der Avantgarbe, fondern von ber 
Hanpttruppe befegt. 

Ihre Roth: Die Nothwendigkeit einer dem Zwede entſprechenden Bors 
a poftenausftellung erftredt fih übrigens bie auf den kleinſten 
ftändigen Xruppenförper, der genöthige iſt, in einer ſelbſtſtaͤndigen Lage, 

in fei es auch nur auf wenige Stunden, ein Lager zu beziehen. 
- Wichtigkeit Borpoften find gleihfam die Augen und Ohren einer Armee, 
ihres Dienſtes. welche, auf ihre Wachſamkeit ſorglos fich verlaffend, der Ruhe 
genießt. Sie müflen daher dem in fie geſetzten Vertrauen durch 





11 





mermüdete Dienftleiftung entiprechen und ven der Wichtigkeit 
ihres Zweckes durchbrungen, keine Anftrengung fcheuen, durch 
welche die Sicherheit der Haupttruppe befördert werben koͤnnte. 

Dem oben erwähnten doppelten Zwecke der Borpoften zu Allgemeine 
Folge, müffen diefe demnach dergeſtalt ausgeſtellt werben, daß ee 
jede Bewegung und vorzüglich die Annäherung des Feindes, fo Aufftellung. 
wie das Einſchleichen verdächtiger Menfchen und Spione ihnen 
nicht entgehen, und daß fie den Gegner fo lange aufzuhalten 
vermögen, ald die Truppe, welche fie deden, Zeit bendthigt, ſich 
in Verfaſſung zu ſetzen. 

Dieſem gemäß iſt auch die Verwendung der Truppen zu Zweierlei 
dieſem Dienſte zweierlei; nämlich jener, welche den Feind beob⸗ Dermendung 
achten, und jener, welche ihn im Falle eined Angriffed aufhalten Vortruppen. 
foßen. Erſtere werden am meiften vorpouffirt und an. Orten 
auögefegt, von welchen die vorliegende Gegend und die Zugänge 
vom Feinde her gut überfehen werden fünnen. 

Sie bilden die äußerſte Vorpoftenlinie, die aus Offiziers⸗ 
soften oder Piqueten beftehen, welche vor fic die Unteroffizieröpoften, 
ınd dieſe wieder doppelte oder einfache Vedetten ausgeftellt haben. 

Der zweite Zwed der Vorpoften ift Zeitgewinn. Diefer  Unterftd: 
ann nur durch Truppenabtheilungen erreicht werben, bie ſtark en 
jenug find, ſich in ein Gefecht einzulaffen, und den zuerft vors 
ückenden Feindlichen eine Zeit lang die Stirhe zu bieten. 

Sie werden Soutienpoften und Reſerven genannt, und auf 
ne Punkte befchränft, welche die Hauptzugänge deden und zur 
ertheidigung der ſich zuräüdziehenden Vortruppen die meiften 
ortheile darbieten. 

Die Natur ded Terraind muß beftimmen, aus welchen Waffen: 
ruppen die Vorpoften zufammengefeßt merden follen. Kleine ornenen, 
ruppenförper, welche nur aus einer Waffe beftehen, müflen ſich poſten. 

jedem Terrain durch ihre eigenen Vorpoſten decken; bei groͤ⸗ 
ren, aus mehreren Truppengattungen zuſammengeſetzten Abthei⸗ 
ngen, Korps oder Armeen wird zu dieſem Dienſte, in offener 
egend größtentheild Kavallerie, in Foupirter hingegen leichte 
fanterie verwendet, und diefer etwas Kavallerie zur Beſetzung 
.- SDauptitraßen, Beftteitung der Patrouillen, Ordonnanzen 
dgl. beigegeben. on 

Die Außerfte Borpoftenlinie hat daher, außer in fehr durch⸗ 
nittenen Gegenden theilweife aus ſchwachen Abtheilungen Leichter 


Ausdehnung 
der Bor: 
poſtenkette. 


Sicherung 
ihre 


— 


— 
Kavallerie zum beſtehen, weil dieſe Truppen zum Patrouilliren 
vorzüglich geeignet find, fih ferner fchneller und ohne Gefahr 
zurückziehen und einen Poften verlaflen können, der ohnehin nicht 
vertheidigt werden fol. Iſt der Terrain abwechſelnd bald offen, 
bald durchſchnitten, fo tritt auc der Wechfel der zum Borpoftens 
dienfte zu verwendenden Truppe ein. 

Bei den Unterflügungen und Reſerven tradıte man beſon⸗ 
ders, fo viel ed der Terrain erlaubt, Kavallerie und Infanterie 
gu vereinigen; auch werden vielen Poften einige Geſchütze vom 
leichten Kaliber beigegeben, die oft großen Rugen gewähren. 

Die Stärke der lagernden Truppe, die Belchaffenheit der 
Gegend und andere Umftände beftimmen die größere oder Kleinere 
Ausdchnung der Vorpoftenkette im Allgemeinen. Die Leichtigkeit, 
womit man jedoch felbfiftändig detafchirte Kompagnien, Bataillons, 
Regimenter, Brigaden und Divifiond umgehen und unvermuthet 
im Rüden angreifen kann, wird diefe Truppenabtheilungen nöthigen, 
fib meiftend gegen alle Seiten zu deden und die Vorpoften ringe 
um ſich auszuftellen. 

Auch größere Korps und Armeen werben nicht felten, beſon⸗ 
ders aber in Ländern, wo das Boll am Kriege Antheil nimmt, 
in denielben Fall kommen. 

Sollte jedoch eine Rückentdeckung durch die Natur der gewähls 
ten Stellung, nämlich: bei fhügenden Terraingegenfitänden oder 
bei rüdmwärtigen Truppenabtheifungen nicht nöthig fein, fo müflen 
wenigitens die Fronte und die Flanken des Lagers gefichert werden; 
weßhalb die DBorpoftenfette auf beiden Flügeln ausgedehnter 
fein mnB, ald die Stellung der Armee und die zu dedende Strede, 
damit alle von feindliher Seite herführenden Wege beiegt nnd 
beobadhtet werden. 

Bei Vorpoftenausftellungen, welche bloß die Fronte und 
Flanken des Lagers deden, verdienen die beiden Flügeln derfelben 
eine befondere Aufmerkſamkeit. Sie müflen entweder ein Appui 
in der Ratur des Terraind haben, oder ihre Verfiherung dadurch 
erhalten, daß fie etwas gegen bie Armee zurüdgezogen werden. 

Auch fendet man Kommandos leichter Kavallerie über felbe 
hinaus, welche durch häufige Patronilien und Gteifereien Die 
auf den Flanken unferer Kette gelegene Gegend durchſuchen und 
genau beobaditen. 


13 


“aa. . 





Die Entfernung ber Außerften Borpoftenlinie von der Hanpt⸗ Cntfernung 
truppe hängt ebenfalld von der Stärke diefer letzteren und der der Dorpoften 
Beichaffenheit ded Terrains ab. Ze fchwächer eine lagernde Haupttruppe. 
Truppe ift, deito fchmächer find and ihre Vorpoften, deito näher 
müflen fie daher an die Haupttruppe gehalten werden. 

Die Entfernung ber aͤußerſten Poften ſteht fomit im genanen 
Verhäimifle mit der Stärke des Gros. Sie darf nicht zu groß 
fein, weil fonit die auf Borpoften ftehenden Abtheilungen Gefahr 
laufen, aufgerieben zu werden, bevor ihre Unterſtützung möglich 
if; und nicht zu Bein, wenn ihr Zwed, nämlich die Sicherheit 
des Lager erreicht werben foll. 

Armeen und Korps haben ihre Bortruppen bis 2 Stunden Entfernung 
weit entfernt vorpeuflirt, und man fan demnach für felbe eine der Vedetten. 
deutfche Meile als Außerfte Entfernung ihrer Bedetten vom Gros 
der Naupttruppe annehmen, weiche ſich bei Divifionen, Brigaben, 
Regimentern, Bataillons u. dgl. im Berhältniß vermindert. 

Die Sontienpoften und Referven dürfen nicht zu weit von Gntfernung 
der vorwärtigen Kette entfernt fein, damit fie hier zur Aufnahme oe ud 
dienen und ihren Rückzug deden; fie bürfen aber auch die Haupt⸗ Neferven. 
truppe nicht zu weit hinter fih haben, damit fle nicht die Möglichkeit 
verlieren, fi gu rechter Zeit auf dielelbe zurückziehen zu können. 

Kadı obiger Vorausſetzung, wo eine deutſche Meile ale Maßſtab für 
Dritteldiftange für die Entfernung der Vedetten von einer lagernden lebtere. 
Irmee angenommen wird, kann man eine halbe Meile. für jene 
er größeren Reſerven feſtſetzen, welche dann die Unterſtützungen, 
iefe die Dffizierds Piquete, und diefe endlich die Lnteroffizierds 
often vorfchieben, um fiufeumeife ihre Aufftellung zu fichern ober 
ren Rückzug zu erleichtern. Bei kleineren Truppenkörpern 
ermindert fih dieſe Entfernung gleichförmig wit. jener der 
ußerſten Poſten. 

Die Zahl der zum Vorpoſtendienſt zu verwendenden Truppe Stärke der 
ingt von der Stärke des Gros ab. Als allgemeiner Maßſtab „ad ine Der 
nn angenommen werden, daß Feine Abtheilungen hiezu den Haupttruppe. 
itten oder vierten, größere Truppentörper aber den fünften 
er fechften Theil detafciren. 

Allein auch die Beſchaffenheit ded Terrains hat auf die Nach der Bes 
tärfe Der Bortruppen einen weientlihen Einfluß. In offener ee 
egend ift man oft im Stande, mit wenigen Bebetten eine 
Jeutende Etrede zu überfehen; im koupirten Terrain aber, wo 


Maßſtab nach 


14 





Gebuͤſche, Baumreihen, Weingärten, Anhöhen, Walbungen u. dgl. 
die Ausficht befchränfen, müflen die Vedetten und Piquete näher 
aneinander geftellt und deßhalb eine größere Zahl Truppen zum 
Borpoftendienft genommen werben. 

Der einzige richtige und wahre Maßftab der Ausbehrtung, 


der Zabl der welche .eine Truppe in einer Vorpoftenfette einzunehmen hat, kann 


Vedetten 


nur die Anzahl der Vedetten fein, welche von ihr zu beſtreiten 


moi ift. Die Vedetten haben den Feind zu beobacten, und 


. Sm offenen 
Terrain, 


Im durch 
fchnittenen 
Terrain oder 
Mittelgebirge. 


durch die ſchnelle Entvedung feiner Annäherung die Sicherheit 
der rüdmwärtigen Truppen gu erzielen. 

Sn einem offenen, freien Terrain werben jene der Jufan⸗ 
terie daher auf 300 Schritte von einander aufgeitellt, weil fie 
fih in diefer Entfernung noch fehen, hören und mit wirkſamen 
Gewehrertrag mechjelweife unterftügen fonnen, wenn ber Feind 
ſich einzufchleichen oder mit Gewalt einzubringen verfucht. Da 
aber in einer Kette wenigitend ein Drittheil doppelter Vedetten 
aufgeitellt werden, auch der Terrain an manchen Stellen eine 
nähere Diftanze nothwendig macht, fo fanı man im Allgemeinen 
für die Entfernung einer Vebette von ber andern 200 Schritte 
annehmen. 

Beträgt z. B. die Stärke eined Bataillons im Felde 1000 
Mann, fo hat dasſelbe: 

333 Mann ald Referve, 

333 Mann al linterfügungen und 

334 Mann in die Außerftie Vorpoftenlinie aufzuſtellen. 

Bon letzterer bleibt die Hälfte bei den Piqueten oder 
Offizierspoften; die andere Hälfte dagegen, nämlih 167 Mann, 
wird als Unteroffizieröpoften, und von diefen wieder ein Drittheil 


als Vedetten detaſchirt. Ein Bataillon von 1000 Manı hat 


demnach in der äußerten Linie 55 Vedetten, und ift mithin, im 
fanften Bogen einer größern Vorpoſtenschaine, ungefähr 11000 
Schritte oder 1 ’/,, deutihe Meile, fomit in der Sehne beiläufig 
eine Meile oder zwei Stunden Weges zu been im Stanbe. 
Man hat jedoch bei Borpoftenausftellungen im Felde genau 
auf den Stand der Bataillond zu fehen, welde bald ftärfer, 
bald ſchwaͤcher, auch nicht diefelbe Strede zu deden im Stande find. 
Im durchſchnittenen Terrain oder Mittelgebirge kann man 
die Entfernung ber Vedetten von einander nur auf 100 Schritte 
annehmen. Ein Bataillon von 1000 Mann bedt alfo durch 





15 





feine Kette bloß 5000 Schritte oder eine halbe Meile (eine 
Stunde Wege). 

Im Hochgebirge tritt dagegen wieder dasſelbe Verhaltniß 
ein, wie im offenen freien Terrain. 

In den Thälern ift zwar die Anzahl der Piquete und 
Vedetten bedeutend, ‚indem daſelbſt der wellenförmige Terrain 
die Entfernung: derfelben größtentheid auf 100 Schritte uothr 
wendig macht; — dagegen beſchraͤnkt fi die Aufitelluug der 
Borpoften auf denen Gebirgslehnen und Hochrücken nur auf 
kleine Detaſchements, welche die wenigen und meiſtens jehr 
beichwerlihen Kommunikationen befegen. Diefe Detalchements 
bilden feine zufammenhängende und fortlaufende Kette, fondern 
unterhalten ihre Verbindung durch Kleine Patrouillen, fo wie 
auch ihre Unterflügungen und Reſerven oft weit andeinander 
ınd durch Höhen getvennt find. Im Hochgebirge kann man 
ılfo, ald Mittelviftanze, auf jede Bedette 200 Schritte und 
olglich für 1000 Mann wieder eine Meile oder zwei Stunden 
Veges annehmen. 

Bei der Kavallerie, bie in größern Abtheilungen mır in 
nem offenen Terrain gu Vorpoften verwendet wird, Tonnen bie 
‚edetten bei Tage auf 600 bis 1000 und mehr Schritte aus⸗ 
nander geftellt werden, indem fie fih in dieſer Entfernung noch 
vechfelfeitig jehen und einen Schuß hören können. 

Eine: Divifion ven 300 Pferde ftellt demnach 100: Pferde 
ls Reſerve, 100 Pferde als Unterflügungen und 100 Pferde 

die äußerfte Vorpoftenlinie auf, 

Bon dieſen bleiben 50 Pferde auf den Offisieröpoften, die 
rigen 50 find als Unteroffizierspoſten detafchirt, von denen 16 
:detten ausgeflellt werben. Ihre Eutferuung zu 700 Schritte 
genommen, fünnen felbe demnach 11200 Schritte oder beinahe 
en fo viel, als ein Bataillon von 1000 Maun Infanterie deden. 

Diefer für Infanterie und Kavallerie, und für erftere mit 
rüdfichtigung der drei Terraingattungen angegebene Maßſtah 
jedoch blos auf die dem Zwecke der Vorpoſten entinrechende 
dung eined Terrains entworfen,. — darf. daher feinesiwegd 

Bertheidigung von Stellungen ald jener ihrer Belegung 
jenommıen werben, für welche die achte Abtheilung die Grund⸗ 
e enthält. Uebrigens ift auch obiger Maßſtab nur ald eine 
jenieine Norm zu betrachten, nach welcher die zur Borpoftends 


Im Hoch⸗ 
gebirge. 


Für 


Kavallerie. 


Bemerkung 
zu obigen 
Angaben. 


Stärke der 
einzelnen 


Poften. 


Anwendung 
künſtlicher 
Vertheidi⸗ 

gungsmittel. 


Vorpoſten⸗ 
kommandant. 


Disciplinars 


Verhaltungen 
der Vorpoſten. 


— 

ausſtellung nöthige Truppenzahl berechnet werden kann. Die 
Vertheilung dieſer Truppen, ſelbſt nach der Beſchaffenheit der zu 
beſetzenden Strecken, muß jedoch der Einſicht des Kommandanten 
überlaflen bleiben, da z. B. Kavallerievedetten oft noch weiter 
als 700 Schritte auseinander geftellt, dagegen Infanterievedetten 
in ſehr durchfchnittenem Terrain oft nur 40 bis 50 Schritte, 
beide aber bei Nacht auf einen kleinern Kreid zurüdgezogen, 
und fomit näher aneinander andgeftellt werben müflen. 

Was die Stärke der einzelnen Unterflügungen und Reſerven 
betrifft, fo laͤßt ſich hierüber keine allgemeine Regel aufſtellen, 
da fie theild von der Stärke der Haupttruppe, theild von ber 
Wichtigkeit des zu deckenden Zuganges oder zu vertheidigenben 
Punktes abhängt. | 

Korps und Armeen beziehen ein Lager entweber auf längere 
oder fürzere Zeit. Sn beiden Fällen muß der Sicherheitödienft 
in Ausführung gebracht werden; überdied hat auc ber kürzere 
oder längere Aufenthalt der Haupttruppe einen weſentlichen 
Einfluß auf die Ausſtellung der Vorpoſten, welcher Einfluß ſich 
insbeſondere auf jene Maßregeln bezieht, welche einzelnen Poſten 
eine größere Haltbarkeit geben. Dahin gehören die Anlegungen 
von Berhauen, Fleſchen, Redouten, Jägergräben u. dgl., um 
vortheilhaft und auf Hanptzugängen oder auf den Flanken Der 
Kette liegenden Sclöfler, Dörfer, Wälder u. dgl. in beftmög- 
lichften Bertheidigungsftand zu ſetzen; — dagegen bei Stellungen 
von kurzer Dauer nur fchnelle, wenig Zeit benöthigende Hilfs⸗ 
mittel angewendet werden koͤnnen. 

Die Vorpoſten ſtehen unter einem eigenen Vorpoſtenkom⸗ 
mandanten; dieſer ertheilt alle die betreffenden Befehle, und an 
ihn werden alle Meldungen. oder Anfragen der vericiedenen 
often oder Piquete eingefendet. Er ift dadurch in fleter Kenntniß 
aller längs der Kette Natthabenden Ereigniffe, und oft im Stande, 
durch Die Vergleikung der von verfhiedenen Punkten einlaufens 
den Rapporte, die Abfichten des Feindes zu errathen. 

Er erhält feine Berhaltungen im Großen von dem Kommans 
danten der Haupttruppe, und zeigt diefem alle befondern Bors 
fallenheiten an. " 

Was die VBerhaltungen der Vorpoſten betrifft, fo gibt das 
Reglement hierüber die nöthigen Vorſchriften, die jeder Charge 
ohnedem befannt fein müflen; baher in ben nachfolgenden SS. 








17 


Ir 
blod die Grundſaͤtze der Ausftellung der verfchiedenen often, fo 
wie bad Berhalten berielben im Falle eines feindlichen Angriffes 
angegeben werben. 

Schließlich wird bemerkt, daß die Zeit, wie Lange ſich jeder Dauer der 
Poften zu halten habe, fi nur aud der Abſicht beſtimmen Iäßt, Dun ches 
die feine Ausftelung veranlaßte. . einzelnen 

Die Vebetten ziehen ſich zurüd, fobald fie die Ankunft bed „ an der 
Feindes gemeldet haben. Vedetten. 

Die Unteroffigierdpoften befolgen dasſelbe, fobald fie Die Der Unterof- 
yorwärtigen Vedetten aufgenommen haben. falerspoften. 

Der Rüdzug der Feldwachen oder Piquete geichieht, wenn Der Feldwa⸗ 
ie hinreichend überzeugt find, daß eine überlegene ‚Truppe, und Dlauete, 
nehr als eine Patrouille gegen fie anrücde, 

Die Sontienyoften und Referven ziehen ſich zurüd, wenn Der Soutien⸗ 
e alle vorwärtigen Truppen aufgenommen und bei ſich vereinigt, ab 
en Feind zur Entwidelung feiner Abfichten genöthigt und fo 
nge Stand gehalten haben, bis die Avantgarde und nad 
nftänden felbft Die Armee Zeit gewonnen hat, fih in Verfaffung 

feßen. 

Der fommandirende General allein fann nad) der Lage Befehl zum 
r Umftände den befondern Fall beflimmen, in welchem ed noths —8 
ndig wird, daß ein Soutien⸗ oder Reſervepoſten, oder auch 
: ganze Avantgarde fogar einem überlegenen Feinde harts 
figen Widerftand leifte, wie 5. B. wenn man dem Feinde 
t zu einem Gegenmanöver abgewinnen, und feine eigenen... 
megungen maskiren wollte. 

Allein in einem folchen Sale müllen Avantgarde und 
utienpoften hinlängliche Kräfte haben, diefe Abficht zu erfüllen, 
r fie müflen fonft verftärkt werden; — ed wäre denn, daß 

fommandirende General einen Poften ganz aufopfern wollte, 
ches, wenn ein enticheibeuder und bedeutender Nuten davon 
:rwarten ift, auch mandımal nothwendig werben kann. 





S. D. 
Ausſtellung der Vorpoſten im Allgemeinen. 


Sobald der Borpoftenfommanbant auf dem. ihm ambefohler Ginspeilung 
Sentralpuntte feiner Vorpoſtenausſtellung anlommt, ftellt —5 — 
m ſich in angemeflener Entfernung und nach verſchiedenen p 

2 


18 





Richtungen Heine Detaſchements and, die jede Bewegung des 
Feindes zu beobadıten und fchleunigit anzuzeigen baben. 

Zugleich theilt er feine Borpoftenlinie in wehrere Theile, 
welche -die Verbindung unter ſich fietd zu erhalten, ſich wechſel⸗ 
weiſe alled mitzutheilen haben, und von eigenen untergeorbneten 
Kommandanten befehligt werden. Diefe erftatten ihre Melduns 
gen dem SHanptvorpoftendsfommandanten, der ihnen die Punkte, 
zwifchen welchen fie ihre Borpoftenlinie zu bifden, und bie 
Hauptpoſten, wo fie ihre Referven aufzuftellen haben, befimmt. 

Sobald nun der Abtheilungsfommandant an- bem ihm 
angewiefenen Orte anlangt, trachtet er unverweilt fib in bie 
vollfommenfte Kenntniß des Terrains und ber Stellung des 
Feindes zu ſetzen; benützt hiezu gute Landkarten und die Aus⸗ 
fagen der Landleute, oder nimmt felbft eine Refognoscirung vor. 

Iſt er einmal mit der Beichaffenheit der zu befeßenven 
Gegend vertraut, fennt er die Zugänge, weldhe gegen den Feind 
führen,.fo wie die Stellung dieſes lettern, dann ifter im Stande, 
Infanterie und Kavallerie gehörig zu vertheilen, und jedem 
Unterftügungss, Offiziers- und UnteroffigierdsPiquete feine Stellung, 
Ausdehnung, Verbindung feit- und vorwärts, fo wie die Art bed 
Ruͤckzuges zu beftimmen. — Laufen die Rapporte ein, daß die 
Vorpoſtenkette gebildet fei, fo befichtigt der Abtheilungskom⸗ 
mandant die ihm untergeordnete Strede, und verbeffert nöthigen 

. Falls die Ausftelfung! ver verſchiedenen Poften: 


$. 3. n ti. 1 Por 





° u dlusſtellung der Neſerven. 
Dedung der Die Referbekider Borpoftentruppe muͤſſen an jenen Punkten 


An ausgeſtellt werden wo ‚Wichtige: Hauptzugänge ſind, auf welchen 
der Feind. gegen: das Gros der. Avantgarde oder gegen die 
Armee ſelbſt vorrücken konnte. 
Beſetzung ver⸗ Da ſie jedoch auch die Beſtimmung haben, die vorwärtigen 
le Poften aufzunehmen und den Feind wenigftend eine- Zeit lang 
den te. aufzuhalten, fo find fie überdieg und ganz vorzüglid dort aus⸗ 
suftellen, wo die Natur des Terraind ihre Vertheidigung begün⸗ 
ftigt. Insbeſondere muͤſſen bie allenfalls beihabenden Geſchütze 
ſo placirt werden, daß ſie von dominirenden Punkten die vorlie⸗ 
gende Gegend beſtreichen oder die Hauptzugänge enfiliren. 





ı9 





Bei Stellungen von längerer Dauer koͤnnen zur größern Künſtliche 
Haltbarkeit des beſetzten Punktes auch Gräben aufgeworfen, gunsemirtel, 
Verhaue angelegt, Schanzen erbaut und andere dergleichen Ver⸗ 
theidigungsmittel angewendet werden. 

Meiftend fiehen die Neferven im Lager ‘oder Bivouaks Bereiticaft. 
beifammen. Allein aub in einer Ortſchaft dürfen felbe nie 
jerfreut, fondern nur in einigen Scheuern am’ Ausgange des 
Dorfes gegen die feindliche Seite zu vereinigt,” verlegt werben. 

Die Kavallerie aber befeht einige am rüdmwärtigen Ende des 
Dorfes befindliche Scheuern oder Häufer. 

Bor dem Orte oder Lager werden Allarmplatze beftimmt 
md daſelbſt zwei Meine Aviſo⸗Piquete andgeftellt, um jeden 
Schuß vorwärtd oder jede Allarmirung allfogleic zu melden; 
ch Alarmftangen zum Anzünden audgeftecdt, um des Nachts 
ie Ausrückung der Truppen oder die Ausführung früher befannt 
egebener Befehle zu fignalifiren. 

Die Kavallerie muß Tag und Nacht gefattelt und in der 
act ein Drittheil gezäumt haben; bei der Infanterie aber hält 
ets ein Drittheil bie Bereitſchaft. Ebenſo haben bei drohender 
eindesgefahr die Neferven fo lange unterm Gewehr zu bleiben, 
8 die Rapporte einlaufen, daß die Vorpoftenlinie richtig bezogen 
id befegt fei. Iſt jedoch Beine drohende Feindesgefahr, fo rück 
be nur zwei Stunden vor Tagesanbruch in's Gewehr, und 
eibt in dieſer Berfaflung, bis ed Tag geworben, und die 
ıpporte einlaufen, daß alles ruhig ift. 

Außerdem hat die Referve einen Poften von 1 Offizier —s 
d 20 Mann, oder 1 Korporal und 12 Mann zwiſchen ſich ſten en 
b den Unterflügungspoften auf einem Punkte augzuſtellen, wo und den Un- 
hrere Wege zufammentreffen, um die einlaufenden Meldungen, tergutunse. 
fangenen, Deſerteurs oder ſonſt vorne angehaltene Menſchen 
übernehmen und zur Reſerve zu begleiten. 


$. 4. 
Ausſtellung der Unterftüsungspofien. | 

Punkte zur Beſetzung von Unterfiäkunges oder Aufnahms⸗ Ausftellungs: 
en find da, wo mehrere vorwärtige Wege fid vereinigen, „Pre 

Terrainvortheile die Xruppenaufftellung. und. ihre längere Aüsungen. 
theibigung zwilchen ber Neferve und der Vedettenlinie begin, 
n, als: Deftleed, Dörfer, Gebüfhe u. ſ. w. 

2* 





. 20 





Bereitſchaft Auch fie fielen Kleine Aviſopoſten aus und fenben bes 
derfelben. Nachts Patronilien bi au die Piquete vor und zu den neben« 
ftehenden Unterftügungen ſeitwärts. 

Nur ein Drittheil der Mannfchaft darf ruhen, zwei Drits 
theile müflen immer bereit fein, Patrontafchen oder Kartoucden 
umgehäugt, Tornifter und Gewehre bei der Hand, — die Kavallerie 
Dagegen gefattelt und gezäumt haben, und nur ein Drittheil 
berfelben Tann füttern und tränfen. Letzteres muß ſtets halb 
gliederweife, und zwar nach dem Einrüden der nad) vollendeter 
Ablöfung ausgeſendeten Patrouillen, dann vor eintretender Abends 

bämmerung, und bei großer Hitze auch Mittagd vor fich gehen. 
Die Pferbe bleiben dabei ganz gerüftet mit umgehängtem Haupt⸗ 
geſtelle. Iſt die Tränfe entfernt und eine Anhöhe in der Nähe, 
fo wird ein Novifopoften auf felbe geftellt; fehlt Dagegen bie 
Tränfe, fo muß das Wafler aus den nächften Ortichaften berbeis 
geführt werben. Bei großer Feindesgefahr ift es übrigend am 
beften, die Abtheilung, die zu füttern hat, auf eine Strede zurück⸗ 
| zuſchicken, während die übrige Mannfchaft zu Pferde bleibt. 
Beim feinds Werden bie vordern Piquete vom Feinde angegriffen, fo 
lichen Angriff. haben fie felbes der Neferve und ihren Nebenpoften zu melden, 
die vorwärts detafchirten Poften aber nadı Maß der Erforderniß 
unverweilt zu unterflügen. Wäre der Feind augenfceinlich übers 
legen, fo beordern fie felbe zum Rückzuge, nehmen fie auf und 
vertheibigen ſich wegigftend fo Lange, bis die Reſerve Zeit gewon⸗ 
nen hat, ſich in Bereitfchaft zu fegen. 


YHufftelung der Feldwachen oder Piquets und Der 
Bedetten überhaupt. 


Beftimmung Die Beſtimmung der Feldwachen ift, die aͤußerſte Poftens 

derſelben. linie gegen ben Feind zu beziehen und eine fortlaufende Kette 
gu bilden. 

Art, wie fi Der zur Ausſtellung der Piquete und Vorpoſtenkette beor⸗ 

bie Dffisiere derte Offizier mafchiet mit feiner Mannfchaft zuerſt auf einen 

orlentiren. egen Weberfälle gefiherten Ort auf, und ſiellt um fid einige 

Aoifopoften aus, welche eine feindliche Annäherung fchnell zu 

entdecken und anzuzeigen haben, Hierauf begibt er füh auf 

einen Punkt, von wo er bie zu befegende Strecke zu überjehen 





im Stande if, orientiet fih nac guten Landkarten, bemüßt bie 
Ausfage der Landbewohner, und ftellt dann feine Unteroffiziers⸗ 
poſten und Vedetten fo aus, wie ed ſich weiter unten erörtert 
findet. Im Rückwege relognoscirt er die Verbindung ber auds 
geftellten Poften und verbeflert das noch Fehlende, 


Ale Feldwachen oder Piquete müffen fortwährend Patrons Bereitſchaft 
taſchen und Kartouſchen umgehängt, Tornifter und Gewehre bei Tage. 
neben fich, die Kavallerie gefattelt und gezäumt haben. Beim 
Tage kann abwechfelnd ein Drittheil der Mannſchaft ein paar 
Stunden ausruhen; ein Drittheil der Pferde füttert und traͤnkt. 


Bei flarfen Nebel aber hat wenigftend die Syälfte der Bel „gran 
Mannfchaft unter Gewehr zu ftehen. 


Die Piquete muͤſſen die ganze Nacht wach bleiben, und Bel Racht. 
efonderd von Mitternacht an ihre Aufmerkſamkeit verboppeln. 
Die es dumfel wird, hängt die Mannſchaft die Tornifter um, 
rgreift Die Gewehre und pflanzt die Bajonnete, indem das 
jeuern, außer, wenn es zum Allarmiren dienen fol, in ber 
dacht größtentheild unnütz ift und nur zu Unorbnungen Anlaß 
(bt. Die Pferde der Kavallerie müflen mit eintretender Duns 
Iheit gefüttert und gezäumt fein, die Hälfte der Mannſchaft 
bt nach Umftänden auf und rückt fo weit vorwärts, daß, im 
alle eines Angriffes der zurücgebliebene Theil Zeit hat, auf 
e Pferde zu kommen. 


Eine Stunde vor Tagesanbruch tritt das ganze Piquet Vor Togeb 
8 Gewehr, und von der Kavallerie hat alled aufzuſitzen. Gewöhn⸗ enbruch. 
h erfolgen die feindlichen Angriffe um dieſe Zeit; — es bleibt 
her alle& fo lange in Bereitichaft, bis es Tag geworben ilt, 
d die ausgeſchickten Patrouillen zurückkehren. 


Iſt der Feind fehr nahe, fo bleibt die Mannfchaft die Bei großer 
nze Nacıt unterm Gewehr. Kein Wachtfeuer darf gebuldet le 
rden, und gefcicte vertraute Leute fchleichen fich über die 
dbetten hinaus, und horchen, ob fie Feine Bewegungen bes 
ndes wahrnehmen. 


Der vor jedem Kavalleriepiquete ansgeftellte Schnarrpoften Schnarrpo 
bt immer zu Fuß, und ſitzt nur bei feindlichem Allarm auf, derKavallerie. 
fteht, um durch fein Geräufch gehindert zu werben, alles zu 
en, von den Pferden etwas entfernt, behält die vorwaͤrtigen 


Erkundigun⸗ 


gen einziehen. 


Im Hochge⸗ 
birge. 


Wacht des 


Hauptpiquets. 


2* 


— [nn 





Vedetten fortwährend im Auge, darf fih Niemanden auf den 
Leib Fommen laflen, und muß alles, was fick ihm nähert, anrufen 
und zum Stillftehen in angemeflener Entfernung anhalten. 

 . Der Offizier hat unermübdet zu trachten, alle Wege, Fuß⸗ 
fteige, Wälder, Dörfer, Gewäſſer, Moräfte und Defilees, fie 
mögen vor⸗, ſeit⸗ oder rüdwärts feiner Aufftelung liegen, kennen 
zu. lernen, und fichere Nachrichten über ihre Beichaffenheit und 
mwechfelmeife Lage einzuziehen, wie 3. B. ob die verfchiedenen 
Wege mit Gefhüg, leichtem oder ſchweren Fuhrwerk befahren 
werden Fönnen; — ob über die Flüffe und Bäche Brüden führen, 
wie breit, ob von Holz oder Stein, — in welchem Zuftande fie 
find, — ob in den Gewäflern ſich Feine Fuhrten befinden u. f. w; 
auh muß er die Namen der gegen den Feind zu liegenden 
Ortſchaften, Haͤuſer, Wälder u. |. w. wiſſen, um nöthigenfalls 
diefelben in feinen Rapporten anführen zu können. Die Wege 
von einem Poften zum andern, fo wie auch zur Unterftüßung 
müffen felbft. der Mannſchaft bekannt fein, Daher man fie, beſon⸗ 
ders wo mehrere Wege ſich in verfchiedenen Richtungen Freuzen, 
zur Vermeidung jeder Irrung eigends bezeichnen kann. 

Im Hochgebirge hat fih der Offizier auf die fogenannte 
Ungangbarfeit desfelben nicht zu verlaſſen. Wildſchützen, Gemſen⸗ 
jäger, Hirten. fönnen hierüber oft Die beiten Ausfünfte ertheilen, 
und verdienen am meiften Glauben, wenn fie und zugethan find. 
Er laſſe jedoch Berfuche hierüber anftellen, überfehe Feine noch 
fo geringe Schlucht, und fihere feine Flanfen durd Heine Poften, 
da ſich im Hochgebirge feine ununterbrocene Kette, wie in einer 
offenen Gegend, bilden läßt. 


$. 6. 


Ausftelung der Feldwachen oder Piquets und der 
Vedetten bei Tag. 


Iſt dem Dffizier nicht beftimmt anbefohlen, eine Ghauffee, 
ein Dorf oder fonft einen andern Punkt zu beſetzen, fo wählt er 
in der Mitte der ihm angewiejenen Strede für fein Hauptpiquet 
einen folken Plag, wo ed dem feindlichen Auge entzogen ift, 
feloft aber die vorwärtige Gegend überfehen werben kann; übers 
dieß Terrainvortheile ed möglich machen, den Feind fo lange 








233 
aufzuhalten, bis die Unterſtützungen zu: Hilfe -eilen, ober der 
Poſten Zeit gewinnt, feine detafchirten Unteroffizieröpnften aufzu⸗ 
nehmen und fich dann mit Ordnung zurückzuziehen. 

. Die beften Pläte für Offizierspiquete find alfo: Der Aus⸗ 
gang eined Deftleed, der Rand eihed Waldes, eines Gehoͤlzes, 
Brücken u. dgl. Die Kavalleriepiquete, die dergleichen Gegen⸗ 
Rände zu vertheidigen haben, müflen hinter benfelben in verhält, 
nißmäßiger Entfernung aufgeftelt werden. 

Laufen mehre Wege gegen den Feind, fo fteht das Offiziers⸗ 
siquet am vortheilhafteften dort, wo fich dieſe einander am 
meiften nähern, während bie einzelnen Wege felbit durch Unters 
offizierspoſten und Vedetten beobachtet werden. 

Die Nähe eines’ Waſſers ift fo viel ald möglick bei der 
Bahl eined Piquetd im Allgemeinen, befonderd aber bei jener 
er Kavallerie zu berüdfictigen. 


Die Ausftelung der vom Hauptpiquete detaſchitten Unters Ausſtellun 
ffizierspoſten beruht auf den nämlichen Grundſätzen, wie jene ber ee i⸗ 
er Offizierspoſten. "Sind diefe letztern feits oder rückwaͤrts zierspoſten. 
inlänglich gedeckt, ſo können ſie ihre vorwärtigen kleinern Poſten 
nd Vedetten fo nahe als möglich an die feindlichen Vorpoſten 
nöftellen, denn diefed gewährt den Vortheil einer größern Aufs 
erffamfeit und Wachfamfeit unſerer Mannfıhaft und einer 
ftändigen Beobachtung des Feindes. 

Iſt einem Dffizier auch Kavallerie beigegeben, fo ift fig Verwendung 
Öptentheild zu Patronillen zu verwenden, . Im offenen Terrain are. 
ſetzt ſie übrigens ordnungsweiſe die Piquete und Vedetten; in 
rchſchnittener Gegend aber ſtehen ihre Feldwachen nur auf 
n Straſſen. 

In einem koupirten Terrain, wo man die vielen Wege Beobachtung 
d Fußſteige nicht beſetzen kann, ſtellt man die Unteroffizier, der Wege. 
ten an jenen Punkten auf, wo mehre diefer Wege zufammens 
fen. Sollte aber dieſes nicht thunlich fein, fo werden alle 
e Kommunifationen verfperrt oder unzugänglich gemacht, welche 
n nicht zu befeßen. im Stande ift. 

In durcfchnittener Gegend, wo man nicht weit um ſich Benehmen tin 
en, und aus Mangel an Mannfchaft nahe liegende Defilees —B68 
t beſetzen kann, muß man durch fleißiges Patrouilliren ſich gend. 
ven Uiberfälle ſichern und ein paar Mann, als verlorne Poſten, 


24 
vor den Bedetten verbergen, die bei Annäherung bes Feindes 
Feuer geben und fi dann eiligit feitwärts auf den Haupt 
poften ziehen. 

Everrung der Erhält der Offizier den Befehl, oder findet er es nöthig, 

u 2. eine vom Feinde kommende Chauſſee, Straffe ober einen Damm 
abzugraben, oder durch Aufwürfe zu fperren, fo hat er dabei 
ſtets auf die Breite eined Wagens einen Raum frei zu laflen, 
diefen aber weiter rüdwärtd burch einen anbern Graben ober 
Querwall zu deden. Gefchieht die Sperrung durch Erdaufwürfe, 
fo werden diefe 4 bis 8 Schuh breit gemacht, je nachdem fie 
beftimmt find, bloß dem Heinen Gewehrfeuer ober auch dem 
Geſchütze zu widerftchen. 

Ausftellung Bon den Feldwachen oder Piqueten werden auf 100 bie 

der Vedetten. 200 Schritte die Vedetten ald aͤußerſte Vorpoſtenkette dergeſtalt 
aufgeftellt, daß fle fich wechſelweiſe fehen und beim Zurufen hören 
fönnen. Shr Zwed ift nicht, den Feind aufzuhalten, fondern 
blos die Gegend zu beobachten, um von allem, was fle entdeden, 
Nachricht zu geben. 

Punkte Die Bedetten find daher fo aufzuftellen, daß fie alle vom 
berfelben. Feinde kommenden Wege, fo wie alle Gründe, Ravind, Höhen, 
Wälder ıc. leicht und hinlänglich beobachten Fünnen, damit ſich 
nichts, ohme bemerkt zu werden, der Borpoftentette nähere oder 
gar durchichleihen Fönne. Sie dürfen daher nie an Gegenftän- 
den fichen, hinter welchen ber Feind ſich heranfchleichen Tann, 
ſelbſt nicht im hochftehenden Getreide ; -— auch neben keinem Geraͤuſch 
erregenden Gegenftand, als: fließendem Wafler, Mühlen ıc. 
Verdeckte Anderſeits muͤſſen die Vedetten fo ausgeſtellt werden, daß 
Aufſtellungen. ſie dem feindlichen Auge entzogen, ſelbſt aber bie vorwaͤrtige 
Gegend zu überfehen im Stande find. Man ftellt fie daher hinter 
Erhöhungen, Heinen Erdaufwürfen, in Vertiefungen, am Rande 
eines Bufched, Waldes u. |. w. 

Auf Höhen. Auf Höhen werden fie fo hinter den Kamm geſtellt, daß 
fie alles frühzeitig genug entdecken künnen, felbft aber vom Feinde 
nicht gefehen werden. ’ 

Auf gefährs Auf gefährliche Poften find die wachſamſten, ficherften und 

‚lie Poften. vertrauteſten Lente zu ftellen. 

Auf Thuͤrmen Manchmal werben vertraute unb umfichtige Leute auf 

aan oden Kirchthürmen und hohen Bäumen audgeftellt, um die Gegend 

weiter zu überfehen, umd bes Feindes Bewegungen frühzeitig zu 





25 





entbeden, doch hat im diefem Falle ſtets eine zweite Vedette am 
Fuße ded Baumes oder Kirchthurmes ausgeſtellt zu werden. 

Auf beſonders wichtigen Punkten, wie 3. B. auf Haupts 
ftrafien, vorliegenden Anhöhen, in Päflen u. dgl. werden nad) 
Beihaffenheit ded Terraind entweder von der Zufanterie ober 
Kavallerie doppelte Bedetten auögeftellt. Sobald dieſe etwas 
Wichtiges wahrnehmen, fo reitet oder läuft der jüngere Mann zur 
Feldwache, um bie Meldung zu erftatten, während der andere 
dad Wahrgenommene näher beobadıtet. In durchſchnittenem 
Terrain, in Wäldern, fo wie auch bei ftarfem Nebel und in Der 
Nacht hat von den doppelten Vedetten ein Dann zeitweile bis 
zur naͤchſten rechts oder links fiehenden Wache zu gehen, öfters 
anzuhalten, zu horchen und den zwifchenliegenden Terrain zu 
durchſuchen. 

Nach der Ablöfung machen die beiden Männer mit dem 
Sefreiten längs ber Ghaine eine Patronille und rüden erft dann 
vei ihrem Poften ein, woburd; der befchwerliche Patrouillendienſt 
n etwas erleichtert wird. 

Uibrigens ift ed vortheilhaft, auf Doppelvedetten ſtets einen 


Doppel 
Vedetten. 


ungen Soldaten mit einem mehr erfahrenen zuſammenzuſtellen, 


ndem dadurch die Sicherheit des Piquets befördert, und bie 
unge Mannichaft in ihren Berhaltungen praktiſch belehrt wird. 

Wird die Bebettenlinie an einem Fluße gezogen, fo ift ihr 
weck, das diegfeitige Ufer zu deden, und das jenfeitige genau 
ı beobachten. Alle diedfeitd des Hauptſtromes befindlichen Inſeln 
ıd Daher von uns zu befeten, und den dahin betafchirten 
iqueten werben zur Erhaltung der Kommunifationen bie nöthigen 
(chiffe und Fahrzeuge beigegeben. Diefe find jedoch zu bewachen, 
ıd die Sciffleute nach der Zahl der Infeln abzutheilen und 
itweife abzulöfen. 

Steht dad Dffizierspiquet an einem Dorfe, fo werben bie 
ıteroffizierspoften an den verfchiedenen in basfelbe. führenden 
egen aufgeftelt. Sn Feindesland muß ber Kommandant alles 
fbieten, um fich gegen Berrath zu fichern, und befonderd bie 
rfteher ded Ortes verantwortlich machen. 

Läuft die Vorpoftenkette längs eined Waldrandes, fe 
rden an biefem bie Unteroffisierdpoften geftellt, hinter welchen 

dann in angemeflener Entfernung und auf fchidlichen Punkten 
Dffigieröpiquete und Unterflügungen befinden; — die Vebetten 


Vedetten 
längs eines 
Flußes. 


Poſten an 
einem Dorfe. 


Laͤngs eines 
Wal des. ” 


26 





ſtehen jebod hinter dedenden Gegenftänden auf 100 bis 200 
Schritte vor dem Walde. 
In einem Läuft die Vorpoftenfette aber quer durch einen Wald, fo 
Walde. müſſen die Vedetten und Unteroffizierspoſten naͤher aneinander 
geſtellt und durch ein fortwaͤhrendes Abpatrouilliren der zwiſchen⸗ 
liegende Terrain geſichert werden. 
Sobald die Feldwachen und Vedetten aufgeſtellt ſind, ſendet 
u heden. der Offizier des Hautpiquets unverweilt Patrouillen rechts und 
Dffisierspis links ab, um zu erfahren, wo die naͤchſten Piquete unſerer 
queten. Truppe ftehen, wie ftarf fie find, und ob nicht etwa in den 
Zwifchenräumen eine Schlucht oder Weg unbeſetzt geblieben fei. 
Patrouillen Eben fo werden auch Patrouillen gegen den Feind aus⸗ 
des Zinn. geſchickt, um Nachrichten von feiner Stellung, Stärke u. f. w. 
einzuholen. ' 
Rapporte Sobald die eriten vors und feitwärts ausgefchidten Pas 
hierüber. trouillen zurückkehren, erftattet ber Offizier feinem vorgefegten 
Kommandanten über das in Erfahrung gebrachte, fo wie über 
feine ganze Aufftelung einen fchriftlihen Rapport. 
—— eu fie Fallen bei Tag oder Naht in der Nähe ded Piquets 
Werdacteineh Schüffe, oder ereignet fi fonft etwas, was den Verdacht eined 
Angriffes. Angriffes erregen fünnte, fo läßt der Kammandant der Feld⸗ 
wache feine Mannichaft unterd Gewehr treten, und fickt fogleich 
eine oder mehrere Patrouillen ab, um das Nähere zu erfahren. 
Geht ein Gewehr durch Zufall los, oder hat die Vedette, Durch 
irgend eine Täufchung veranlaßt, einen falihen Alarm gemacht, 
fo hat der Kommandant des Unteroffizierpoftend Died augenblicklich 
dem Hanptpiquete anzuzeigen, um dadurch einer unnöthigen 
Allarmirung ber rüdmwärtigen Poften zuvorzufommen. 
Benehmen der Sobald eine Vedette das Heranrücken des Feinded bemerkt, 
ee hat fie diefed augenblidlich ihrer Feldwache anzuzeigen; — rüdt 
chen Angriff aber der Feind zu einem wirklichen Angriffe weiter vor, jo gibt 
des Feindes. ſie unverweilt Feuer. 

Bei der Kavallerie find gewiſſe Zeichen üblich, die Mel⸗ 
dungen ber Vedetten bei nicht erheblichen Beranlaflungen zu 
erfegen; bemerkt 3. B. die Bedette etwas, was der Beurtheilung 
des Unteroffiziers werth ift, ohne eben fehr beunruhigend zu fein, 
fo wird das Pferd in einer großen Volte im Schritte gewendet, 
welches ber Schnarrpoften dem Korporalen meldet. Rüdt eine 
Teuppe von vorne heran, wird dieſe Bolte im Trapp und Kleiner 


Berbindung 





27 





gemacht; — wird endlich dad Snerannahende entfchieden für den 
Feind erfannt, fo tummeln fie ihre Pferde heftig herum und geben, 
wenn der Gegner fich angreifend nähert, dann Feier. 

Gleich auf die erfte Nachricht oder das erfte Schießen rüdt 
ein Kavalleriepiquet vor, um feine Bedetten zu unterflügen; — 
ein Infanteriepoften aber ſtellt fih in Bereitfchaft, nimmt feine 
Bedetten auf und zieht fich, wenn der Feind überlegen ift, feits 
wärtd, nie aber in gerader Richtung auf das Hauptpiquet zurüd. 

Dad Hauptpiquet meldet indeflen den Angriff des Feindes 
fowohl den Nebenpoften, ald feinem vorgefegten Kommandanten, 
und trifft alle Vertheidigungsanftalten, um den Feind mit Nachs 
drud zu empfangen. Bor allem aber hat fi der Kommandant 
des Hauptpiquetd auf einen nahe gelegenen Ort zu begeben, von 
mo er die Stärke und Richtung des feindlichen Angriffes zu beurs 
theifen im Stande ift, und in der Meldung, die er dann feinem 
jöheren Kommandanten überfendet, muß genau bdetaillirt fein, 
vie ſtark der Feind fei, aus welchen Waffengattungen er beftehe, 
n wie viel Kolonnen. und in welder Richtung, d. i. gegen 
velchen Ort, Wald ꝛc. er mafıhire, endlicd auf welchem Wege 
ie Hauptlolonne gehe. 

Zu feiner Vertheidigung muß dad Hanptpiquet alle Terrains 
yortheile benügen, alle Kunfigriffe anwenden, um ben Feind 
urüczumeifen, oder doch fo lange ald möglich aufzuhalten. Bei 
berfegener Macht des Feindes wird der Rückzug fechtend und 
rit größter Ordnung angetreten, und zwar nach Möglichkeit des 
‚erraind und der Stärke der Truppe — .in zwei oder mehren 
ch wechſelweiſe unterftügenden Abtheilungen. 

Die Kavallerie vermeidet im Rückzuge nad Thunlichkeit 
\örfer, Wälder, Defllees u. dgl. Die Infanterie benügt jedoch 
efe Gegenftände, um nöthigenfalld ben Feind burc ihre Vers 
eidigung aufzuhalten. 


Wird aber der Angriff des Feindes zurückgewieſen, und 

r Poften der Feldwache behauptet, fo darf fie, außer es wuͤrde 

r aysdrüdlich befohlen, den Feind über ihre Vedettenlinie hinaus 

ht verfolgen; — doch ſchickt man demfelben eine Patronille 

ıch, um zu erfahren, ob und wo er fich wieder feht, oder wohin 

feinen Rüdzug genommen hat. Hiezu wird, wenn ed das 
:rrain erlaubt, vorzüglich die Kavallerie verwendet. 


Der 
Seldwachen. 


Des Haupt⸗ 
piquets. 


Vertheidi⸗ 
gung und 
Rückzug des 
Piquets. 


Bei Zurüds 
weichung des 
Feinded. 





BVergeffener Iſt ein Poſten vergeflen worben, fo hat ber Offizier, wie 
Poſten. er den Abmarfch der neben» und rüdwärtigen Truppen erfährt, 
Ä augenblidlicd eine berittene Drbonnanz, oder in deren Ermang⸗ 

lung einen vertrauten Mann mit einer fchriftlichen Anfrage um 
Berhaltungsbefehle an feinen vorgefegten Kommandanten abzus 
fhiden, und dem Manne aufzutragen, diefe Meldung dem Bris 
gadier oder Divifionär zu geben, wenn er font den Komman⸗ 
danten nicht gleich finden follte. Auch fendet er fogleich zwei 
Mann um Iandeöfundige Boten ind nächte Haus oder Dorf, 
läßt die Kavallerie auffigen, die Mannfchaft ind Gewehr treten, 
ftelt in Klanfen und Rüden Doppel Bebetten ald Avifopoften 
aus, und verdoppelt feine Aufmerkſamkeit, bis ihm feine näheren 
Berhaltungsbefehle zufommen. 


Annahme Bietet ihm das Terrain einige hundert Schritte vors, feits 
ee ober rüdwärtd eine zur Vertheidigung vortheilhaftere Stellung 
fung in diefem bar, jo darf er biefelbe beziehen, muß aber auf dem frühern 

ale. Platz einen Heinen Poften oder auch nur einen verläßlihen Mann 
zurüdlaffen, damit Die abgeſchickten Drdonnanzen oder fonft ankom⸗ 


menden Befehle ihn nicht verfehlen. 


ai * auf Erhäaͤlt der Offizier auf feine Meldung feine Antwort, und 
Beine Antwor, rück der Feind an, oder iſt durch deffen Nähe und Uebermacht 
Sur ober die Lage des Poftens fehr gefährdet, fo muß er wohl überlegen, 
Ani ob feine Aufſtellung nicht den einzigen Zugang des Feindes, 
wie 5. B. einen Paß, einen Damm ꝛc. dedt, wo man fo Lange 
ald möglich das Vorrüden ftreitig machen muß, — oder ob viel⸗ 
mehr ber Feind den vergeflenen Poften ohne große Umwege 
leicht umgehen und unfere im Marſche begriffenen Truppen 
angreifen kann, ohne daß ber Offizier ed gewahr werde oder 
zu verhindern vermöge. In diefem Kalle wäre fein Stehenbleis 

ben für die fich zurüdziehenden Truppen von feinem Bortheife. 


Hiebei hat jedoch der Offizier fih vor jeder Lebereilung 
zu hüten, und muß wohl überdenken, ob die fernere Behauptung 
des ihm ansertrauten Poſtens nothwendig fei oder niht? — 
Dem. nur die feſte Uiberzeugung, daß er ſelbſt burd die Aufs 
opferung feiner Perſon und feiner Mannfchaft der eigenen Truppe 
feine Bortheile verichafft, kann in einem folchen Augenblide den 
Abmarſch von feinem Poften entichulbigen. 





8.7. 
Ansftelung der Feldwachen oder Piquete und 
Vedetten bei Nacht. 


- Die Ausftellung der Piquete und Bebetten bei Nacht beruht Austellung 
auf den nämlichen Grundfägen, welche im vorigen $. gegeben ha —I 
wurden. Doch ſind hiebei verſchiedene Vorſchriften und Dorf chts⸗ —2 — oder 
maßregeln anzuwenden. BR hen 

Kommt der Offizier in finfterer Nacht an den Ort, wo er Bei finfterer 
feine Poftenlinie ausſetzen fol, ift ihm die Gegend völlig unbe, Rat und in 
kannt und kann er ſich über diefelbe Feine genauen Nadırichten Tannten 
verfhaffen, fo wählt er neben dem vom Feinde fommenden Gegend. 
Wege zu feinem Aufmarfche einen ſolchen Plag, wo er gegen 
liberfälle gefichert ift, und flelt um ſich mehre Kleine Bors 
ihtöpoften aus. Diefe legen fich zeitweife mit dem Ohr auf die 
Srde, um auf diefe Art jede Annäherung des Feindes fchneller 
u entdeden; zugleich werden Schleihpatrouillen auf den gegen 
ie Stellung ded Feinded führenden Wegen ausgeſchickt, und der 
anze Poften bleibt bi8 zum Anbruch ded Tages unterm Gewehr. 
jei folher Gelegenheit darf Fein Piquetfeuer gemacht werben, 
nd es ift die größte Stille zu beobachten. 

Um die Piquete oder Feldwachen weniger audzufegen, und Derftärtung 
em Feinde das unbemerfte Pafliren zwiſchen den Vedetten Iufammentie 
nmöglich oder doch beichwerlicher zu machen, werben diefe des bung der 
achts verftärft, ja felbit verdoppelt. Hat man aber hiezu nicht Bebetten. 
dannſchaft genug, fo find bei einbrechender Dämmerung bie 
edetten und Außerften Feldwachen zurüdzuziehen, wenn nicht 
e Befchaffenheit des Terrains oder font wichtige Gründe ſolche 
der Tagesausſtellung zu belaſſen erfordern. 

Hiebei iſt vorzüglich zweierlei zu bemerken: 

1. Daß dieſe neue Ausſtellung der Vedetten den Zweck Hauptaugen⸗ 
er Beſtimmung moͤglichſt vollkommen erreiche. Demgemaͤß Mt dabei. 
d Vedetten, welche bei Tage etwa hinter einem Baume u, dgl. 
ige. Schritte feitwärtö eined Gegenſtandes aufgeftellt wurden, 

; Nachts an die Brüden, Fuhrten, Ausgänge der Defilees, 
ünde und Schluchten, auf die Straflen und Wege felbft zu 
len. Man trachte überdieß, die Annäherung des Feindes 
sch verfchiedene angelegte Hinderniſſe zu exichweren; — fo 


80 





werben bei Brüden mehrere Bohlen ausgehoben, Fuhrten ungang« 
bar gemadt, Hohlwege und Deftleen durch abgehauene Bäume 
oder quer vorgefchobene und fefigemachte Stangen und Breter 
geiperrt; auch ftedt man auf den Wegen 40 bi 80 Schritte 
vor ſich Baumzweige, deren Blätter dürre find und durch das 
Rauſchen die Annäherung bed Feindes verrathen, in die Erbe. 
Einziehung Verlorne Vedetten oder Piquete, welche bei Tage 3» bis 
ne 600 Schritte vor der Kette auf einer Anhöhe fiehen, werben in 
der Nacıt hinter die letztere zurückgezogen. 
Rüuͤckziehuung  WVebetten, die bei Tage auf einer Anhöhe ftanden, find Des 
ber Webetten Nachts am bießfeitigen Abhange fo aufzuftellen, daß fle bie 
der Anhöhen. Krone noch im. Auge behalten, indem man in der Dunfelheit 
leichter entdeckt, was vom Berge herab, ald was aus der Tiefe 
herauf fommt. 
Unveränberte Befinden ſich aber die Anhöhen dicht vor dem Ausgange 
nn eines Defilees, fo bleiben die Vedetten auc des Nacts auf 
filees. denſelben ftehen, weil fie hier alled auf fie Kommende durch das 
Gehör früher gewahr werden, ald wenn fie hinter die Anhöhen 
zurückgezogen würden. 
Bor verfted: Alle Gründe, Gebülche, fo wie alle Derter, durch welche 
ten Oertern. gg der Feind ſchleichen und die man bei Tage zwar, aber nicht 
in der Nacht überfehen kann, find wo möglich durch befondere 
Vedetten zu beſetzen. 
Schnarr⸗ Da man ſich in finſtern Nächten blos auf dad Gehör ver⸗ 
poſten. gaſſen muß, fo find Schnarrpoſten vor jedem größern Piquete 
unumgänglich nothwendig, die daher auf jedes Geräufh Acht 
zu geben haben. 
Aenderung 2. Daß man bei großer Gefahr vor einem Angriffe des 
—S Feindes die Art der Aufſtellung der Piquete ändert, jedoch ſo, 
ſeit⸗ und ruück⸗ Daß ihre Sicherheit und ihr Zweck dadurch nicht leiden. Die 
— Mannfhaft des Piquets wird daher ſeit⸗ und rückwaͤrts bed 
Feuers geftellt, damit fie den Feind bei feiner Annäherung früher 
anfichtig, felbft aber von ihm nicht fo Leicht gefehen werde. Uibri⸗ 
gend find Piquetenfeuer auf den Außerften Poften nur bei großer 
Kälte oder rauher Witterung zu geſtatten. Sie müflen jedoch 
ſtets in Bertiefungen oder hinter deckenden Gegenftänden anges 
legt, und das hiezu nöthige Holz ſchon bei Tage herbeigefhafft 
werden, damit fich in der Nacht fein Mann vom Piquet entferne. 


31 





Die es finfter wird, ftellt man fogleich das Piquet 3⸗ bis 
400 Schritte: feits oder rüdwärts des Platzes, den es bei Tage 
befeßt hatte, um dadurch jeden Uiberfall des Feindes unmöglich 
zu maden, und ihm, wenn er anrüden follte, unvermuthet in 
Flanken und Rücken zu fallen, 

Mit Anbruch des Tages. wird aber wieder auf die vorige 
Stelle zurüdmarfdirt. 

Die Vedetten müffen bei Nacht die größte Stile, die Stille und 
gefpanntefte Aufmerkfamkeit und Vorſicht beobachten, fich von Aufmerkfam- 
Zeit zu Zeit mit dem Ohr auf die Erde legen und horchen, ob Vedetten. 
ſich nichts nahe. 

Auch kann man des Nachts zur größern Sicherheit Wege, Bercamme 
Brüden, Dörfer, Eingänge, Defileed mit Wägen verftellen oder Zugänge, 
auf font eine fchnelle Art verrammeln. 

Die Kommandanten der Piquete fowohl, ald alle Vebetten  Stete 
müffen bie feindlichen Poften oder das feindliche Lager, wenn —— 
ſie ſelbes ſehen können, ſtets genau beobachten, um auch in finſtern Poſten und 
Nächten, mit Hilfe des Gehoͤrs, feindliche Bewegungen zu ent, Lager. 
yecken, und jede vorgenommene Beränderung wahrzunehmen. 

So werben fie 3. B. das Einrücken mehrerer Truppen in Kennzeigen, 
ie feindlihe Stellung oder in das feindliche Lager aus dem ee 
Biehern der Pferde, dem Einfchlagen der Pferds und Zeltpflöcke, verſtärke. 
md ber vermehrten Anzahl der Feuer und aus fonft einem 

ngewöhnlichen Getöfe entdeden konnen. 

. So wie aber etwas vorfällt, was eine Veränderung und VBerfendun y 
zewegung vermuthen läßt, oder wie die Vedetten etwas ‚hören, —eS 
haben ſich auf den Befehl des Piquetenkommandanten augen⸗ bei Bewegun⸗ 
(icklich einige gewandte Leute vorzuſchleichen, um wo möoglich 9er desſelben. 
ı8 Nähere hierüber zu erfahren. 

Ebenfo müffen die Vedetten aus dem Anrufen der feinds Deohahtung 
hen Scildwacen, wenn die Patrouillen bei ihnen vorbeigehen, in 
h merken, ob der Feind in der Nacht mehr Poften, wie viel 
ıd wo audgeftellt hat; ferner wie oft und um welde Zeit er 
ine Patrouillen ſchickt und feine Wache ablöfet. 

Erhalten die Borpoften beim Abmarfche der rüdwärtigen Bel Berpeim- 
ruppen ben Befehl, bis Tagesanbruch fiehen gu bleiben, um lichung urſe. 
durch den Feind zu täufchen und den nächtlichen Abmarfch marfces. 
ferer Truppen zu verheimlichen, fo tritt: ſämmtliche Mannfchaft 
3 Gewehr, die Kavallerie fipt auf, und alle Poften verboppeln 





ihre Wachſamkeit; doch muß man andererfeitd alles vermeiden, 
woburd ber Feind mißtrauifc, gemacht wird und unfern Abmarfch 
argwöhnen Fönnte. Ä 


Wermeidung Somohl der Aufbruch, ald die Marfhordnung werden der 
Auffehene, Mannſchaft nicht befannt gegeben, und nur den betafchirten 

- Dffigierd vom Vorpoftenfommandanten mitgetheilt, damit Ddiefe, 
im Falle fie angegriffen oder abgefchnitten würden, wiſſen, nad 
welcher Richtung fie ihren Rückzug zu nehmen haben. 


Unterhaltung Nach dem Abmarfche der Haupttruppe find von den zurüds 
Bagerfe uer. gelaſſenen Piqueten durch eigends dazu beſtimmte Landleute u. ſ. w. 
die Lagerfeuer ſorgfaͤltig zu unterhalten. Um den Feind auf 
den Aufbruch der Haupttruppe nicht aufmerkſam zu machen, muß, 
man jedoch firenge verbieten, daß Soldatenweiber, Marketender 
oder die Mannſchaft felbft ihre Hütten auzunden, umd zur Ver⸗ 
binderung diefes Unfuges einen Offizier oder einen verläßlichen 
Unteroffizier mit einigen Dann in das Lager abihiden. Dieſes 
Detafchement wird beim Abmarſch wieder an fich gezogen, oder 
ihm der Ort und die Zeit befiimmt, wo und wann ed wieder 
zur Truppe ftoßen fol. 
Fortwaͤh⸗ Die Sicherheit der Feldwachen und Piquete beſteht nebſt 
ee ve der Befolgung der beftehenden VBorfchriften des Nachts noch 
Nacht und Hanptiächlich im fleißigen Patrouilliren ſowohl längs der Vedet⸗ 
—E — {m tenkette, als gegen den Feind. Dieſes hat beſonders in einem 
nen ln foupitten Terrain Statt zu finden; vor Tagesanbruch aber, oder 
wennman einen feindlichen Angriff vermuthet, müflen Die Patronilien 
zur Sicherheit des Piquets in einer doppelten Anzahl ausgeſen⸗ 
det werden. Die Vorfchriften über die Patrouillen find in der 
nachfolgenden Abtheilung genau erörtert. 


68. 
Ablöfung der Borpoften. 


Art der Die Piquete oder Feldwachen werden von den Unterſtuͤtzun⸗ 

Abloſung. gem abgelöft, worauf fie an die Stelle der Reſerven zurückkehren, 
von weichen wieder ein Theil fchon früher auf ben Platz ber 
Unterftügungen vorgerädt fein muß. Die Art der Ablöfung 
felbft ift in dem Dienftreglement enthalten. 








38 
mes 
Beide Piquete bleiben, bis ed vollfommen Tag wirb, unb 
die ausgeſchickten Patrouillen zurüdtommen, im Gewehr oder zu 
Pferde, worauf die Ablöfung orbnungsmäßig und in größter 
Stille vor ſich geht. 


Der neue Poftenlommandant muß ſich bei der Abldfung Fragen bes 
über nachfolgende Fragen unterrichten Laffen. neuen Poer⸗ 

1. Wo die nädften feindlichen Poften ftehen. danten bei der 

2. Wie die Derter, Wälder, Berge u. ſ. w. heißen, die Uibernahme. 
nan von dem Haupts ober von dem detafcirten Poften fehen kann. 

3. Ob fie vom Feinde, und wie befegt find. 

4. Wie oft, wie nahe und auf welchen Wegen bie feind» 
ihen Patrouillen gewöhnlich fommen. 

— Wie ſtark und von welchen Waffengattungen ſie ſind. 

6. Wie ſtark und wie weit unſere Patrouillen. ansgeſen⸗ 

et werben. 

7. Was für Poften noch vor, neben oder hinter den 
iqueten ſtehen. 

8. An wem und zu welden Stunden bie gewöhnlichen 
apporte abzuſchicken find. 

9. Wann und von.wo er Parole und Loſung belkommt. 

10. Wohin er ſich zurückziehen muß, wenn er vom Beinde 
rüdgedrängt würde, 


Da ed nicht leicht ifl, dem übernehmenden Kommandanten 
rch Befchreibung eine erfchöpfende Kenntuiß der Gegend zu 
rfchaffen, fo wäre ed mwünfchenswerth, daß ber Uibergebende 
fterem auf einem & la vue-Plane die Aufftellung der vorwärs 
en Poften, den Gang der Patronillen, die Vor⸗ und Nach⸗ 
ile des Terraing, fo wie die Stellung bed Feindes verfiunliche, 
rigens ift ed Pflicht eines jeden Pignetenfommanbanten, feiner 
annſchaft, bevor felbe aufgeführt wird, die durch das Dienſt⸗ 
fement vorgeflbriebenen Berhaltungen im vollen Umfange ins 
dächtniß zu rufen. 


Sollte ein Offizier die Poften nicht zwechmäßig ausheſtellt 
ven, fo iſt ihm zwar erlaubt, ſelbe zu ändern, doch muß er in 
ı einzufchidenden Rapporte der richtigen Uibernahme bes Poftens 
e Veränderung mit Beifegung ber Gründe, die ihn dazu 
ogen, genau anführen. 


Plan ı und 2. 


34 





8. 9. 


Vorpoſten-Ausſtellung ſelbſtſtändiger Truppen: 
körper von der Stärke eines kleinen Detaſchements 
bis zu jener einer Linien: Divifion. 


Die Beobahtungen auf Borpoften find fo mannigfaltig, 
als die Lage der Umftände, die Beichaffenheit des Xerraind, die 
Entfernung, Bewegung, Abfihten und der Charafter des Feins 
bed; daher muß auch die nähere Anwendung der in den vorhers 
gehenden 66. gegebenen allgemeinen Borfchriften, die Ausſtellung 
mehrer oder weniger Poften, der ununterbrochene oder beſchraͤnkte 
Gebraud der Patrouillen, die ftrengere Vorfiht der rüfwärtigen 
Poften, Die Schonung ber Leute und Pferde, mit einem Worte 
alles, nah Zufammenfaffung der LUmftände, der Einficht und 
Fähigkeit ded fommandirenden Offiziers überlaffen bleiben. 

Um jedodh eine Nichtfchnur feitzufegen, nach welcher bie 
Deckung felbftftändiger Truppenförper zu gefchehen hat, find in 
den Plänen 1 und 2 die Vorpoſtenausſtellungen felbitftändiger 
Truppenförper, und zwar von einem fleinen Datafchement bie 
iu jener einer LiniensDivifion nach einem gleichförmigen Grund» 


ſatze dargefteflt. Sie find auf einem ebenen Boden und ohne 


Berüdfiktigung vorfommender Terraingegenftände beredinet; — 
daher die gleiche Entfernung der verfchiedenen Poften, die regel 
mäßige Form und die gleichförmige Dedung längs der ganzen 
Chaine. Wege, Tiefen, Höhen, Gewaͤſſer, Sümpfe, Wälvder u. dgl. 
machen in ‚einem fonpixten Terrain mannigfaltige Abweichungen 
nöthig; die Kette wird theifweife den ein⸗ und auefpringenden 
Winkeln eined Terraingegenftandes folgen und daduch ihre regel: 
mäßige Geſtalt verlieren, — auf der einen Seite die Poften und 
Vedetten näher, an der andern aber weiter auseinander geftellt, — 
Hauptzugänge Härter, Nebenwege ſchwaͤcher beſetzt werben muͤſſen; 
allein die Ausftelung im Großen muß ſich ſtets zur gehörigen 
Sicherheit der Truppe dem Plane gemäß formen. 

Dbige Ausfellungen find demnach nicht mechanifch nachzu⸗ 
maden, fondern ald bloße Normalpläne zu betrachten. Sie 
belehren den Offizier über die Zahl der zu detafchirenden Truppen — 
und verfinnlichen ihm die Aufftelung der verfdiedenen Pollen, 
die Ausdehnung im Verhältniß mit der Stärke der Haupttruppe, 
fo wie die Verbindung aller einzelnen Abtheilungen: Bon Diefem 





Geſichtspunkte betrachtet, wird es für jeben denkenden Soldaten 
eine aͤußerſt lehrrriche Uibung fein, Diele blos auf einem ganz 


ebenen Boden berechneten Ausftellungen ber Beſchaffenheit und. 


Ungleihförmigkeit eines durchichnittenen Terraind anzupaflen und 
fih dabei felbft zu prüfen, warum biefe oder jene Abweichung 
nothmendig wurde. 

Vielfach und in verfchiedenartigen Gegenden angeftellte 
Berfuche haben: die Anwendung obiger Ausſtellungen, fo wie bie 
teichtigfeit bewährt, womit ſie felbft dem fihmwierigiten Terrain 
ıngepaßt werden fünnen. Doch ift der Inhalt der den Plänen 
eigefeßten Anmerkungen dem Gedaͤchtniſſe genau einzuprägen, fo 
vie in der Wirklichkeit auszuüben, indem er die Hauptregeln der 
Eruppenvertheilung, ihrer Sicherheit und Ausdehnung, fo wie 
ed Dienftganges in ſich fchließt, 

Zugleich werben im Piane 1 die felbfiftändigen Aufftellungen 
on einem bis vier Bataillond ohne Borpoften dargeſtellt; — jene 
rößerer Truppenförper ift in der Mandpririnftruftion enthalten. 

Uiber die Grundregeln der Aufſtellungen mit oder ohne Vor⸗ 
‚ten bemerken wir: 

1. Dad Reglement fihreibt vor, daß jebed Bataillon als 
(bftftändiger Körper geleitet werden foll; — es muß daher auch 
; jeder Detaſchirung ganz oder theilweife geeignet fein. In 
efem Falle aber muß nach dem Sinne bed Reglements ein 
(cher Xruppenfürper in feiner Aufitelung ſtets eine Reſerve 
d eine verhältwißmäßige Vor⸗, Seitens und Nachhut haben. 

2. Zu dieſen Detafchirungen find im Sochgebirge, wie 3. B. 

den Alpenländern, oder in einem fortgefeßt burchichnittenen 
rain, wie Died in Stalien, Branfreih und einem Drittheil 
3 europälfhen Bedens der Kal ift, ftetd ganze Abtheilungen 
rzuziehen, weil hiedurch fowohl große Verwirrungen, als die 
t8 verderbliche Vereingelung der Kompagnien und ihrer Chargen 
:mieben werden. 
3. Zu den angeführten Detafhirungen find, im Falle fie 


inere Körper betreffen, ungefähr ber beitte ober vierte, bei _ 


‚Bern der vierte, fünfte, auch fechöte Theil der ganzen geſchloſ⸗ 
en Truppe zu verwenden, wie bied bie den Aufſtellungen beis 
egten Anmerkungen betaillirt augeben. 
4. Der Kommandant eined Heinen Detafchements fenbet 
ı Zeit zu Zeit einen Mann aus, der rings um felbes geht 
3 * 


Dan ı. 





oder reitet, und die Annäherung des Feindes frühzeitig zu erfpähen 
trachtet. Der Kommandant eines Zuges oder einer halben Kom⸗ 
pagnie verwendet zu eben dem Zwecke kleine Patrouillen von zwei 
Mann, die ſowohl vor⸗ als ſeitwaͤrts ausgehen. Bei Vorpoſten⸗ 
ausſtellungen größerer Truppenkoͤrper werben längs der Poſtenlinie, 
fo wie über felbe hinaus, verhältnißmäßige Patrouillen gelendet, 
welche letztere fo weit als möglich vorgehen, um jede Annäherung 
oder Bewegung ded Feindes frühzeitig genug zu entdeden. 

5, Bei allen diefen Aufftellungen if einzig nur von der In⸗ 
fanterie die Rede, weil diefe ſehr oft im Felde, ohne Unterflügung 
anderer Waffengattungen, allein fteht. Iſt ber Snfanterie jedoch 
Kavallerie oder Artillerie beigegeben, fo übernimmt bie eritere 
in ganz offenem Terrain nach Maß ihrer Stärfe blos die vor- 
deren, oder auch alle Vorpoften der Bors, Seitens und Nachhut, 
fo wie den Patrouillendienſt; — in einem gemifchten Xerrain 
aber beſetzt die Kavallerie nur jene Poften, welche auf dem Haupt 
wege vors, feits und rüdwärts ſtehen, fo wie ihre Patrouillen 
nur auf diefen Wegen gegen den Feind vorgehen. Im Hochge⸗ 
birge dagegen bleibt diefelbe mit Ausnahme fehr Feiner, bei ber 
Avantgarde befindliden Detafdiemente — ald Referve hinter der 
Infanterie. Es verfteht ſich übrigens von ſelbſt, daß nah Ver⸗ 
haͤltniß der verwendeten Kavallerie die Zahl der fonit zur Detafchis 
rung bemeffenen Infanterie zu vermindern fei. Die Artillerie 
bfeibt bei der Aufftellung von einem Bataillon fletd hinter Dem 
erften Xreffen in der Mitte, bei zwei, drei oder wier Bataillons 
aber bei den Kolonnen bes zweiten Treffend aufgeftellt, von wo 
fie dann gleich beim Beginne des Gefechte auf jene Punkte 
vorrüct, welche durch ihre Terrainbefchaffenheit die Wirkung des 
Geſchützes begünftigen. Doc können bei Borpoftenausftelungen, 
auch den Unterflügungspoiten und Referven, vorzüglich aber 
jenen, welhe zur Bertheibigung befonderd geeignete Punkte 
oder die Hauptzugänge des Feindes bejegt halten, einige Geſchütze 
beigegeben werden. 

6. Größere KRavallerielörper bilden ſtets einen Theil der 
Armeerejerve; fie fomımen Daher eben fo, wie die den Tufanteries 
Brigaden und Divifionen zugetheiten leichten Kavallerie Regis 
menter felten in den Fall, eine felbäftändige Aufſtellung nehmen 
zu müſſen; kleinere Kavallerieabtheilunßzen, als Divifiouen, Eska⸗ 
drouen u. dgl. haben ſich nach den für Jufanterie aufgeſtellten 





87 





Grundſaͤtzen, jedoch mit Berädfichtigung ihrer jedeömaligen Stärke, 
fo wie der im $. 1 dieſer Abtheilung angeführten größeren Euts 
fernung der verfchiedenen Poften und Bedetten zu benehmen, und 
durch häufige weit ausgeſchickte Patrouillen ſich fihnell in die 
Kenntniß einer feindlichen Annäherung zu fegen. 

7. Bel Detafhirungen zur Referve, oder zur Vor⸗, Seitens 
und Nachhut werben die einzelnen Truppenabtheilungen nach ber 
Tour genommen, damit fomohl dieſer befchwerliche Dienit, ale 
der Damit verbundene Verluſt in Gefechten fich gleichmäßig vers 
theile. Es bleibt jedoch vortheilhaft, wenn bei Detafchirungen 
im Batailfon die Kompagnien einer Divifion nicht getrennt werden, 
iondern vereint bleiben, weil ganze Divifienen ſtets mehr als 
jmei einzelne Kompagnien zu wirfen gewohnt find. 

8. Nach .angeftrengten Märfchen oder Gefechten ift die 
lufftellung der Bors, Seitens und Rachhut zur Sicherheit des 
danzen am meiften unerläßlih. Um aber denjenigen Trupper, 
ie in folden Källen augenblidlich zur Bildung der Vorpoften 
eftimmt werden, eine Erleichterung zu verfchaffen, fo hat nadı 
nigen Stunden eine Ablöfung bderfelben durch jene Truppenabs 
reilung Statt zu finden, welche einftweilen geruht und, abgefocht 
ıt. Diefed kann um fo leichter gefchehen, da die Zahl der vor« 
ärtigen Korporalds und Gefreitenpoften bei einer Aufftellung 
e mehr ald den fünften, meiftens aber mir den fechdten Theil 
ner Kompagnie ausmacht. 

9. So viel ald ed möglich war, find in den obigen Aufftel⸗ 
ngen der Vor⸗, Seitens und Nachhut ſtets ganze Körper der 
mpagnien und Divifionen beifammen gelaflen worden, theilg 
ı dad Kommando aller Chargen und die Handhabung des 
ıeren Dienftes zu erleichtern, theild um die Herbeiſchaffung 
er Bedürfniffe für die Detafchirten Abtheilungen im Lager zu 
ıcentriren, dadırd Faflungen, Abkochen und Ablöfungen im 
einen zu begünſtigen, und bdergeftalt die möglichite Erleichtes 
ig der Truppe mit der Sicherheit des Dienited zu vereinigen. 

10. Sämmtliche Aufftellungen find mit Bors, Seitens umd 

chhut angegeben, weil jede Truppe in einer felbftftändigen 
je, wo fie ganz „allein fteht, ringsum gedeckt fein muß. Sollte 
zT ganz nahe rückwärts eine andere Truppe zur Sicherheit 
es Rückens aufgeltellt fein, fo fann bloß die Vor: und Geis 
hist aufgeftellt werben, weßhalb auc die Nachhut in dem Plane 





Erflärung 
einer 
Vatrouille. 





verfchiedenartig gezeichnet wurbe. In diefem Falle kaun die zur 
Nachhut beſtimmte Truppe zur zeitweilen Ablöfung der Vor⸗ oder 
Seitenhut, oder zur Verftärtung der einen oder andern nach 
Umftänden verwendet werden. 

11. Bei diefen Aufftellungen wurde zwar der fomplette Stand 


‚ einer Kompagnie in Kriegdzeiten angenemmen, demungeachtet 


find fie fetbft noch für einen Stand von 140 und felbft noch won 
120 Mann ohne Uiberfcreitung des in Nro. 3 angegebenen 
BVerhäftniffes anwendbar. Für Truppenkoͤrper jedoch, deren Stärfe 
fih durch Gefechte oder andere Umflände, fo wie im Frieden 
durch Verringerung bed Standes vermindert bat, wird eins für 
allemal feſtgeſetzt, daß fie ftet6 die Aufftellung der nächft klei⸗ 
neren Abtheilungen, daher ‘eine Kompagnie jene einer halben 
Kompagnie, ein Bataillon jene einer Diviſion, und fo fort ohne 
weitere Anfrage zu nehmen haben. 

12. Xruppenförper, die entweder feine oder nur eine geringe 
Anzahl Kavallerie bei fik haben, in einer ganz offenen Gegend 
zu lagern genöthige umd der Gefahr eined plötzlichen Angriffed 
der überlegenen feindlichen Kavallerie ausgefegt find, lagern in 
einem Quarre, decken fich aber, wie gewöhnlich durch eine Vor⸗ 
poftenfette, die man nad limftänden, befonderd des Nachts, 
verhältnißmäßig zuräcdnimmt. 

Im Falle eines Angriffs haben fic Die VBortruppen in Plumpen 
und’ Maffen rechts und links der Haupttsuppe zurüdzuziehen. Allein 
felbft in dem freieften Terrain befinden fich einzelne Gebüfche, Gräben 
u. dal. ; diefe müffen bei einem Rückzuge befebt und möglicft benügt 
werden, um die Kavallerie aufzuhalten und ihre Kraft zu brechen. 


—D OR - Dr 


Dritte Abtheilung. 
Patronillen und Streifkommanden. 
85. 1. 

Bon den Patrouillen im Allgemeinen. 


Patrouillen find kleine Truppso von 3 Manu bis zur 
Stärfe einer halben Kompagnie, welche zu verfchiedenen Zweden, 
bald in Eleinen Abtheilungen von den einzelnen Poflen ober 











Piqueten der zur’ Sicherheit einer Armee aufgeſtellten Truppen, 
bald auf höhern Befehl in größern Abtheilungen und auf weitere 
Entfernung verfendet werden. . 

Diefe Patrouillen haben folgende Befimmungen nach welchen 
ſie auch benannt werden: 

1. Sich von der Aufmerkſamkeit und Pflichterfullung der 
eigenen Vorpoſtenkette zu überzeugen, ihre Wachſamkeit zu erhalten 
und zu verhüten, daß ſich der Feind zwiſchen unſern Vorpoſten 
und Piqueten durchſchleiche. Sie werden nach dieſer Beſtimmung 
Viſitirpatrouillen -genannt, -und gewähren den Vortheil, durch 
ihren Dienft die rüdwärtigen Truppen vollfommen gu. fichern, 
befonderd da, wo es bei einer weit ausgedehnten Borpoftenfette 
überhaupt an Truppen, oder doch menigftend an leichten, zu 
dieſem Dienfte vorzüglich geeigneten mangelt. 

2. Die nahe vor der Vorpoſtenkette gelegene Grgend zu 


burchfiichen, ob fich nichts vom Feinde nähere, feine Patronillen 


aufzuheben oder zu vertreiben, ſich an nicht weit vorliegende 
Segenftände, als: Brüden, Häufer, kleine Bertiefungeu, Hohl⸗ 
vege, Hügel u. dgl. hinzufchleichen und zu fehen, ob file. vom 
Feinde befegt, oder endlich, um von vortheilhaft gelegenen Punkten 
inzelne vorgefchobene feindliche Poſten zu rekognosciren; — alle 
un diefem Zwede verwendeten Patrouilten werden Schleichpa⸗ 
rouiffen genannt. 

Hieher gehören auch die fiehenden Patronillen, "welche in 
tiefen Öelegenheiten des Krieges von großem Nuten find. Diefe 
eftehen aus Fleinen Abtheilungen Kavallerie, die auf entfernte 
Junfte vorgehen, und dieſelben fo: fange beſetzt halten, bis fie 
emöhnlich nach einigen Stunden von einer andern anlommenden 
Jatrouille abgelöft werden. 

3. Des Feinded Vorpoftenfette zu allarıniren, und Dadurch 
ine Stellung zu erfennen, einzelne Vedetten und Piquete aufr 
heben, und durch fie Nachrichten vom Feinde zu erhalten, deffen 
Jatrouillen in angelegte Hinterhalte zu locken und abzufähgen, 

nd überhaupt, um fo fehnell als möglich von den Bewegungen 
es Gegners unterrichtet zu werben: 

Diefe Gattung Patronillen heißen‘ Streifpatrouillen, weil 
e den zu ihrem Zwecke zu durchgehenden Terrain nach allen 
ichtungen durchſtreifen müſſen. Sie haben nebſtdem noch bie 
eſondere Beſtimmung, entfernte einzelne Gegenftände zu durch⸗ 


Zweck und 

Benennung 
Derfelben. 
Viſitir⸗ 

patrouillen. 


Schleich⸗ 
patrouillen. 


Streif—⸗ 
patrouillen. 


Nekognoscir⸗ 
Patrouillen. 


Eintheilung 
der 
Patreuillen. 


Beſtimmung 
dieſer Theile. 


Staͤrke 
derſelben. 


40 


— — 





ſuchen, oder die Kommunikation mit irgend einem detaſchirten 
Truppenkoͤrper zu erhalten. 

4. Die gegen den Feind liegende Gegend überhaupt, oder 
eine Strecke derſelben zu rekognosciren, in wie ferne fle in mili⸗ 
tärifcher Beziehung für und vortheilhaft oder nachtheilig, und 
daher für den Feind günftig ift, — ob und wie diefer lebtere 
fie befegt hat, und wie fie von und zu benügen wäre; baburd 
ergibt fi für diefe Gattung Patronillen die Benennung Rekog⸗ 
noscirpatrouillen. Sie theilen fich in zwei Slaflen, je nachdem 
fie ein vom Zeinde nicht befeßted oder beſetztes Terrain und deſſen 
Aufftellung in felbem rekognosciren. 

Da viele Beobachtungen für diefe vier Gattungen der 
Patrouillen gleih find, fo folgen hier zuerft ihre allgemeinen 
Berhaltungen. | 

Jede Patrouille, Die aus mehr ald 3 Mann befteht, muß 
zur eigenen &icherheit nach Berhältuiß ihrer Stärke einen oder 
mehre Mann vor⸗, feits und rüdwärtd marfciren laflen. Die 
Boraudgehenden werden bei Heinen Patrouillen Eklaireurs, bei 
größeren aber Bortruppe genannt; die auf beiden Seiten heißen 
Flanqueurs, und die hinter der Patrouille Marſchirenden Nadıs 
zügler oder Nacıtruppe. Mit dem aus der Haupttruppe beftes 
henden Refte der Patronille marſchirt Der Patreuillenführer. 

Die vors, feits und rüdwärtsd detafchirte Mannſchaft hat 
bie Beftimmung, durch ununterbrochene Aufmerffamfeit den Marſch 
der Patrouille ringsum zu fichern, indem fie alle Terraingegen⸗ 
fände, die der Keind zu einem Verſtecke benügen könnte, auf 
das Genaueſte durchſucht und von dem Befunde entweder die 
Meldung erftattet oder ein verabrebeted Zeichen gibt. 

Bei der Kavallerie hat der lebte Mann ber Nacktruppe 
auch noch die Beltimmung, im Falle die Patrouille geiprengt 
würde, die Meldung des Geſchehenen zurüdzubringen; daher 
diefer auch am beiten beritten fein muß. Uibrigens follen fo viel 
ale möglich ſich bei jeder Kavalleriepatrouille ſtets ein oder 
mehrere mit Stuten bewaffnete Leute befinden, die insbeſondere 
sur Vorhut verwendet werden koͤnnen. 

Im Allgemeinen kann man annehmen, bad jede Patrouille 
zu ihrer Sicherheit die Hälfte ihrer Mannfchaft um fih detas 
jchirt, fo daß ein DViertheil ihrer ganzen Stärke zur Vortruppe 
und eben fo viel zur Seitens und Nachtruppe verwendet wird. 


4 





Dieſes ift jedoch nur ein allgemeiner Maßſtab, welder 
nad den obwaltenden Umftänden und der Beichaffenheit des 
Zerraind verichiedenen Veränderungen unterliegt. 

Auch die Entfernung der detafchirten Theile von der Haupts 
truppe richtet ſich theild nach dem Terrain, theild nach ihrem 
Zwede. In ebenen und offenen Gegenden, wo man größten, 
theild die Kavallerie zum Patrouilliren verwendet, können fie fich 
auf 1000 Schritte von der Hauptteuppe entfernen; bei Infans 
teriepatronillen ſchließen fich die Eklaireurs und Flanqueurs ſelbſt 
in Gegenden, wo man eine freie Ausſicht genießt, näher an. 
3m durchichnittenen, bergickten und bebedten Boden müflen fie 
jingegen fo ‚marfchiren, daß fie fih, wenn gleich nicht immer 
eben, dennoch mittelft eined verabredeten Zeichens, wie z. B. 
ines Pfiffed, Schlages auf den Säbel oder Kartouſch, auf einen 
zaum u. ſ. w., gegenfeitig nahe willen und ſich verfichen, Nie 
ürfen die Seitentruppen von der Haupttruppe durch ein bedeus 
mdes Hinderniß getrennt gehen, denn fie würden dadurch Gefahr 
unufen, von einem plößfich erfceinenden ſtaͤrkern Feinde abges 
hnitten und gefangen zu werden. 

Die gewöhnliche Entfernung der Bors und Seitentruppen 
ın der Haupttruppe kann in einem nicht fehr durchfchnittenen 
oden für die Snfanterie auf 200 bi 250 Schritte ange, 
»mmien werben. 

Die Seitentruppen entfernen ſich ſelbſt, wenn ſie weiter 
twärts liegende Gegenſtaͤnde zu durchſuchen haben, nie über 
00 Schritte von der Straße, und bleiben, fo viel es möglich 
‚ ftetö in gleicher Höhe mit der Bortruppe. 

Greift der Feind an, fo haben ſich alle detaſchirten Theile 
twärts des Hauptweges zurüdzuziehen, um baburch der Haupts 
ıppe Zeit und Raum zu geben, gegen den Feind vorzurücken, 
d feinen Angriff zurüdzumeilen. Größere Geitentruppen beta, 
ren, um fih auf mehre Schußweiten zu fihern, noch einige 
ann fowohl vors als feitwärte, 

In mehr foupirten Terrain müflen den Infanteriepatrouillen 
ige Kavalleriſten beigegeben werden, welche zwiſchen den 
itentruppen die Kommunikation zu erhalten haben, und bie 
pporte geihwinder an die Haupttruppe bringen koͤnnen. 

In Fällen, wo es ſich handelt, fchnell an einen Drt zu 
angen, z. B. um weiter vorliegende Punkte zu rekognosciren, ober 


4% 





eine vorgeſchlichene Patronille aufzuheben, iſt es unumgaͤnglich 
nöthig, daß die Patrouille naͤher beiſammen bleide, und auf 
feindliche Lift gefaßt, ihren Zweck mit größter Vorſicht zu errei⸗ 
chen ſuche. 

Bafengat Die Staͤrke einer Patrouille wird durch ihren Zweck und 

Stärke der die Größe der zu hinterlegenden Strecke, ihre Waffengattung 

Patrouillen. aber durch die Beihaffenheit des Terrains beftimmt. Je wid 
tiger der Zweck ihrer Sendung, je entfernter ‚ber zu erreichende 
Punkt ift, deſto ſtaͤrker muß die Patrouifle fein; da fie fonft 
Burch jede noch fo ſchwache feindliche Truppe "aufgehalten wird, 


und oft ihre Beftimmung gar nicht zu erreichen vermag. Uibri⸗ 


gend werden die Patrouillen bei Tage gewöhnlich ftärfer gemacht, 
als bei der Nacht; auch ift bei Beltimmung ihrer Stärke auf 
Brücken und andere Deftleed, bei welchen die Patrouillen -zur 
Vorſicht zeitweife eihige Leute zurücklaſſen müſſen, Bedacht zu 
nehmen. In Rüdfiht der Waffengattungen wird in offenen, 
eine weite Ausſicht gewährenden Ebenen und im fanften Hügel 
Iande nur Kavallerie, im gemifdhten und abwechſelnden Terrain 
aber die Infanterie und Kavallerie verwendet, während man in 
einem fteilen unb waldigen Boden nur mit Infanterie pa⸗ 
trouilliren kann. 
Zu Patrouillen auf größere Entfernung eignet ſich Kaval⸗ 
lerie im Allgemeinen mehr, als die Infanterie, weil in folden 
Fällen das Refultat einer Infanteriepatrouille zu fpät zur Kenntniß 
ded Kommandanten fümmt, und der Augenblid dann oft fehon 
vorüber fein wird, in welchem man einen Nuten von der erhal 
tenen Nachricht hätte ziehen können; auch iſt die Kavallerie in 
weiterer Entfernung felbfiftändiger und fchneller im Stand, ſich 
zuräczuziehen oder dDurchzufchlagen. Kührt der Weg der Patronille 
durch Deftlees, fo iſt es Außerfi vortheilhaft, diefe mit Infanterie 
zu befeben, während bie Kavallerie ihrer fernern Beſtimmung 
nacheilet. 
Wahl und Die Wichtigkeit der Patrouille, die Mamnigfaltigkeit ihrer 
N Belttmmung, die größere Schwierigkeit derfelben nachzukommen, 
Ienführers. die Zeit und Entfernung, auf welche die Patrouille verfchidt 
wird, entfcheidet, vb der Führer derfelben ein Obers oder Unters 
offigier.fein fol. — Berläßlichkeit, ruhige Uiberlegung, Liſt, Ger 
mandtheit und Kühnheit führen beider gehörigen Erkenntniß 
bed zu erreihenden Zwedes ganz fiher au das Ziel. Diele 


48 





Gigenichaften beftimmen daher auch die Wahl des die Patrouille 
führenden Individuums. 


Der Patrouillenfuͤhrer erhält: von feinem Kommandanten Inftnttion 


über ben Zweck feiner Sendung’ bie genauefte Inftruftion, und detſelden und 


er 
unterfucht vor dem Abmarfche den Zuftand ber Waffen und die Mannfcaft. 


Munition feiner Mannſchaft, beftehlt derſelben während des 
Marfched die größte Stille zu beobachten, die Waffen fo zu 
tragen, daß fie Fein Geräufch verurfachen, weder Feuer zu ſchlagen, 
noch Tabak zu rauchen, und beſonders in der Nacht oder in der 
Naͤhe des Feindes iſt auf die genaueſte Befolgung dieſer Maß⸗ 
regeln mit groͤßter Strenge zu ſehen. 


Der Patrouillenführer wird vorzuͤglich bei groͤßerer Ent⸗ Ditentirung 


fernung die Patronille zwedmäßig Teiten, wenn er Gelegenheit 


des Patrouils 
fenführers 


yat, fih aus irgend einer Specialfarte dad Skelet der zu paffi⸗ burd Boten 
enden Gegend herauszunehmen. Vefigt der Patroniienführer und Farten 


ſiezu nicht die nöthige Fähigkeit oder ermangelt eine Karte, fo 
nüffen Boten und Xandleute über alled, was man von ihnen 
sifen wi, klug und umfichtig gefragt werden, wobei man mit 
enfelben, befonders in eigenen Staaten, nad Möglichkeit in 
rer Mundart zu fprehen und auf die dem Lande eigenen 
lusdrücke Acht zu geben hat. 


In Feindesland. aber ift auf die Stimmung ber Bewohner 
tücficht zu nehmen und fich bei Stellung, ber Fragen vor ber 
nthüllung unferd Vorhabens zu hüten. Will man fih um irgend 
nen Ort oder Weg erkundigen, fo muß dies nicht geradezu 
efhehen, fonbern man fragt mit fcheinharer Gleichgiltigkeit um 
e Namen mehrerer umliegenden Ortichaften, ihrer Entfernung, 
er hinführenden Wege, und trachte auf.biefe Art das Nöthige 
: erfahren. Auch fehlägt man, wenn man fih bei Dörfern, 
äufern u. dgl. aufhalten Müßte, dann nicht gleich den wahren 
jeg ein, fondern gehe zur Taͤuſchung der uns beobachtenden 
indleute anfaͤnglich auf einem andern Wege hart, and ziehe 
h erft jpäter auf erfteren. 


Beihabende Boten werben ber befondern PR eines 
rläßlichen Mannes ber Patronifle anvertraut, und ihnen im 
ille eined Verrathes mit Dem Tode gebroht. Iſt man gend» 
gt, während des Marfches in Dörfern u. dgl. nene zu nehmen, 
bürfen bie frühern erſt dann. entlaflen und frei gegeben werben, 


41 





‚wenn fie und nicht mehr ſchaden können, denn jeder entlaffene 

Bote ift in Feindesland ein halber Spion. 
ee . : Die Patrouillen dürfen nicht täglich um dieſelbe Stunde, 
Beitund des auf dieſelbe Weiſe oder auf den nämlichen Wegen ausgeſendet 
Weges bei werben, da man fonft dem. Feinde Gelegenheit gibt, den Ganz 
Ausiendung derſelben zu erſpaͤhen, fie durch ein Verſteck aufzuheben, oder an 
Patrouillen. einen für ihn vortheilhaften Ort anzugreifen. Dieſes zu verhin 
bern, iſt ed nöthig, Daß der Patrouillenführer nie gerade feinen 
Maric verfolge, fondern fehlängelnd fein Ziel gu erreichen ſuche, 
wobei er zugleich die Gegend ganz durditreift, und fich über 

jeugt, daß nichts vom Feinde verfindig fei. 
Deimmung Nah Thunlichkeit muß dem Führer der Patronille die 
Zurüdkunft. Stunde der Rüdkunft beftimmt werden, um gewiß zu fein, daß 
die Patrouille entiprechend gemacht wurde, weßhalb unvorherge⸗ 
ſehene Hinderniffe, die ein. verfpätetes Eintreffen nach fic ziehen, 

unverweilt zurüdgemeldet werben müflen. 

Iſt Die zur Rückkunft der Patrouille feitgefeßte Zeit vorüber, 
laufen non derfelben feine Meldungen ein, und muthmaßt nat, 
daß fie in Feindeshände gerathen fei, fo muß eine zweite Pa 
trouille nachgeſchickt werden. 

Verabredete Für befondere Fälle, ald Halten und Weitergehen, Erbliden 
Zeigen. des Feindes u. dgl., müffen eigene Zeichen verabredet, und der 
Mannihaft bekannt gegeben merden, damit der Patreuillens 
führer, vorzüglid in der Nacht ohne Lärm und Schreien feine 
Patrouille zu leiten im Stande fei. — Bors, Seitens und Nach⸗ 
truppe marfciren ſtets mit gepflanztem Bajonete. 

Verhalten Jede Patrouille muß zu ihrer eigenen Sicherheit, wie 
— es bereits erwähnt wurde, mit verhaͤltnißmaͤßiger Vor⸗, Seiten⸗ und 
Nachtruppe marſchiren; fo gehen z. B. im durchſchnittenen 
Terrain, wenn die Patrouille 10 bis 16 Mann ſtark iſt, zwei 
muthvolle geſchickte Lente, einer auf 10 bis 15 Schritte vor 
und ſeitwaͤrts bes andern, ald Eflaireurd voraus, und fehen 

fi, von Zeit zu Zeit um, damit fie nicht zu weit vorlommen. 

In einer Entfernung von 60 bid 100 Saritte folgt def 
Unteroffizier oder Patreniltenführer mit der Haupttruppe, welder 
wieder zwei Mann als Nachzügler hinter fih hat. In eine! 
Diſtanz von 100 bi6 200 Schritten nad Befchaffenheit des Bodend 
marſchiren 2 Dann rechts, 2 Mann Iinföder Straffe als Flanqueurd, 
einer ebenfalls auf 10 bis 20 Schritte vor⸗ und feitwärte des auderl. 








45 


. Die Bors, Seitens und Nachteuppen, fo wie überhaupt bie - 
ganze Patrouille muß mit der größten Aufmerkſamkeit marfciren, 
alle Gegenftände, hinter welchen der Feind verſteckt fein Fünnte, 
wie 3. 3. Gebüfche, Gräben, Zäune, große dichte Bäume u: dgl, 
genau durchſuchen und Acht geben, ob Riemand auf ber Erde 
liege. — Die Seitenwege und Duerdefileed verbienen befonders 
in Wäldern und koupirten Gegenden eine vorziiglihe Anfmerks 
famfeit, und find daher achtſam zu vifltiren. Kein Geräufch, fei 
es nahe oder ferne, darf für zu unbedeutend gehalten werben, 
ondern man muß ſtets die Urfache beöfeiben zu erforfchen trachten, 

Auf lehmichtem und naffen Boden, oder im Schnee, wo 
nan einen kurz vorher gefchehenen Marſch aus den Zußtritten 
rennt, folge man ihrer Spur mit größter Vorſicht. 

Fr man gezwungen, auf demfelben Wege zurädzugehen, 
’» müffen bei Wegfceidungen oder Deftleed jeder Art nadı Thuns 
hfeit immer einige Mann zurücdbleiben. 

Bei der Nacht müffen alle Vorſichtsmaßregeln verdoppelt, Größere 
nd die detafdirten Seitentruppen näher an die Haupttruppe Soriidt ar 
ezogen werden; auch hat man auf das Bellen der Hunde, Aufs 
hen oder Berlöfchen eines Feuers oder Lichtes und auf alle 
ıdere Nebenumftände und Ereigniffe wohl Acht zu geben; die 
flaireurd und Flanqueurd legen fich zeitweife mit dem Ohre auf 
e Erde, um auf diefe Art einen ſich herannahenden Feind oder 
8 Fahren von Wägen u. f. w. mittelft des Gehörd deutlicher: . 

unterfiheiden, weßhalb die größte Stille erforderlich ift. ' 

In fehr Toupirtem Terrain und zur Nachtzeit müffen zwifchen 
r Haupt⸗ und den Sicherheitötruppen der Patronille noch eins 
ne Lente marfciren, welche die Verbindung erhalten und den 
zwifchen liegenden Terrain durchſuchen. 

Die Disciplinarverhaltungen bei Begegnung eigener oder Discipfinar- 
udlicer Watrouillen, fo wie beim Ankommen an die Borpoften verhaltungen. 
d Piquete werten hier übergangen, weil fie im Dienſtregle- 
nt genau enthalten find. 

Der die Patrouille führende Offizier oder Unteroffizier muß 
-züglich geeiguet fein, bei feiner Mannſchaft ſtreuge Suborbis 
ton und Ordnung zu erhalten; benn nur dadurch wird es ihn 
ingen,..vom Feinde nicht. entdeckt zu werben und den Zweck 
ıer Sendung vollfonsmen zu erreichen. 


—— 


Meldungen. 


Stärke 
Derfelben. 


Ihr Dienft. 


3 


46 





3a wichtigen Patrouillen ſoll man fletd die verläßfichiten 
und ſchlaueſten, zu Biftsiir« und andern kleinen Patreuillen aber 
die minder vertrauten ober weniger gefchidten Leute wählen, 
damit bie. Befchwerlichkeit des Dienfted gleich vertheilt, erſtere 
akfo. nicht, aumütenweife.zu fehr ermattet, letztere aber durch Llibung 
allmaͤlig auch zu wichtigern Sendungen vorbereitet werden. 

. Me Meldungen, die. eine Patronille während ihrer Aus⸗ 
fendung zuruͤckſendet, find deutlich und wit Angabe ded Ortes 
und der Zeit, wo und wann fie gefchrieben wurden, zu verfaflen, 
damit der Kommandant, an dem fie gerichtet find, Daraus erſehen 
loune, wohin und zu welcher Zeit bie nächften Befehle der Patrouille 
zugeſendet werden müflen. 

Bei allen Umfänden, die in ber Meldung angezeigt werben, 
ift die Gemißheit ober der Grad der Wahrfceinlichkeit zu bezeichs 
nen, und daher anzufeßen, ob man fich von etwas felbft überzeugt 
oder ob man durch Landleute, Reiſende u. dgl. die angeführten 
Nachrichten erfahren habe. | 
-  Bur Miberbringung der Meldungen find verläßliche, der 
Gegend Fundige, und wo möglid jedesmal zwei Leute zu beftim- 
men, und diefen der Weg, auf dem fie zurückkommen follen, fo 
wie der Ort, wo fie die Patrouille wieder finden, anzugeben.’ 


6. 2. 
Bifitirpatrouillen. 


Diefe beftehen ihrer vorausgegangenen Beftimmung gemäß 
aus einem Patrouillenführer oder Gefreiten und 2 Mann, oder 
aus einem Korporalen oder linterjäger und 2 bie 3 Mann. 

Sie werden ſowohl von den Neferven gegen bie Unter- 
ftügungen, als von diefen gegen bie Piquete und Feldwachen, 
von legtern aber längs der Vedettenkette, fo wie auch von einem 
Piquete zum andern ausgeſchickt, und dienen dazu, die Wach⸗ 
ſamkeit der verfdhiedenen Poften zu erhalten, ſich zu übers 
zeugen, ob alle Vedetten auf ihren angewiefenen Pläßen .ftehen, — 
bie Verbindung zu fihern und jedes Ereigniß oder was fi, fei 
ed nahe oder ferne, erbliden laͤßt, zu entbeden und mit unnn⸗ 
terbrochener Yufmerkfamsteit zu beobachten. 

Nebitdem Haben fie noch die Beitimmung, den Xerrain 
zwiſchen den Piqueten und Bebetten zu durchſuchen unb zu ver⸗ 








47 





hindern, daß ſich nichts Feindliches ober Verdaͤchtiges durchſchlei⸗ 
hen koönne. Alle verdaͤchtigen Perſonen muͤſſen augenblidlich 
angehalten und zum nächiten Piquete gebracht werden. Der 
Feind bedient ſich aller erdenklichen Mittel, um und zu täufchen 
und unfere Wachſamkeit zu bintergeben; wir mäflen alfo gegens 


feitig alle num: mögliche Vorficht anwenden, um jede Lift zu ver 


eiteln; daher gegen alles, was von feindlicher Seite koͤmmt, 
mißtrauifch fein, und ſich weder durch Sprade noch Kleidung 
täufchen laſſen. Landleute, Kinder, Frauen, Greife und andere 
Derfonen, die man nicht fennt, find, wenn fie vom Feinde her 
ih unferer Borpoftenfette nähern, ald verdächtig zu betrachten, 
yenn nur durch die größte Vorſicht kann unfere Sicherheit erzielt 
verden. 

Begegnen fich die Patrouillen, fo geichieht die wechſelweiſe 
Ibfertigung nadı den Borfchriften ded Dienftreglementd; doch ift 
ich biebei, befonderd in finftern Nächten, felbit wenn Lofung und 


seldgefchrei richtig abgegeben wurde, mit der größten Vorſicht 


u benehmen. 

Die allgemeinen Beobachtungen während des Marſches 
nd bereits im vorhergehenden $. angeführt worden. 

Nimmt die Patronille ein Geräufh, wenn ed auch noch fo 
nbedeutend ift, gemahr, fo darf fie ed nit mit Gleichgiltigkeit 
bergehen, fondern muß vielmehr alled aufbieten, um die wahre 
rſache desſelben zu entdeden. Die Patrouille bleibt daher 
ugenblicklich fill fiehen, ein Mann geht vorfihtig und mit 
fpanntem Hahn gegen ben Drt oder die Seite, wo fih das 
Jeräufch hören Ließ, während ein anderer dem Borausgehenden 
ngfam folgt und ihn fortwährend beobachtet, 

Alle nahe liegenden Terraingegenftände, welche dem Feinde 
; einem ®Verftede dienen könnten, müflen forgfältig durchſucht 
erden; entdedt man demungeachtet nichts Verdächtiges, fo wird 
ı8 verabredete Zeichen gegeben, und die Patrouille fegt ihren 
jeg fort. 

Stößt man aber an den Feind, fo gibt der vorausgegan⸗ 
ne Mann unverweilt euer, und läuft zur Seite zur Patrouille 
rück. Sf nun der Feind nicht flärker, ald die Patrouille, fo 
eift man ihn mit bem Bajonete an, und ſucht Gefangene zu 
schen, ohne jedoch denſelben weiter zu verfolgen, weil man 
aft. Leicht in einen Hinterhalt gerathen koͤnnte. — Iſt der Feind 


Dauptbeob- 
achtung bei 
felben. 


Bei Verneh⸗ 
men eines 
Geraͤuſches. 


Bei Ent: 
deckung des 
Feindes. 


48 





aber ftärfer, fo zieht fih die Patrouille auf das nächte Piquet 
mit einem Umwege, aber nicht laufend, - fondern in möglichfter 
Drdnung zurüd. 

Bei entſtehen⸗ Entfteht in der Nähe des Piguetd ein Lärm ober eine 

a en Erceffe, fo hat der augenblicklich abgefhidt werdende Patrouillen⸗ 
führer fih nach der erhaltenen Inſtruktion zu benehmen, und die 
betreffenden Perfonen entweder auseinander zu treiben oder 
gu arretiren. 

Bei Defers Entdeckt der Patronilienführer, daß eine Vedette defertirt 

er tft, fo muß er diefes fogleich zurückmelden laſſen, damit Loſung 
und Keldgefchrei geändert werden, bleibt aber mit ber Patrouille 
auf dem verlaffenen Platze fo lange ſtehen, bis eine neue Vedette 
aufgeführt worden. 


$. 3. 
Schleich: und ſtehende Patrouillen. 


Dienft der Um die vor der Bedettenfette gelegene Gegend im Allges 
vorreutiien meinen oder einzelne Gegenftände derfelben zu unterfuchen, ferner, 
“um feindlide Patrouillen, die fih unferer Vorpoftenfette nähern, 
zu entdecken oder abzufangen, werden Scleichpatrouillen entfendet, 
deren Stärfe und Zufammenfegung theild von ihrem Zwecke, 
theils von der Beichaffenheit ter Terraind abhängt. 
Stärke und Sind diefe Patronillen beftimmt, den Terrain vor unferer 
en Kette zu durchſuchen, fo beträgt ihre Stärke gewöhnlih A bis 6 
Mann, und werden bei wichtigen Aufträgen oder größern Ents 
fernungen oft von einem Dffigier geführt; Schleichpatrouillen 
aber, die man zur Gefangennehmung fhmächerer feindlicher Abthei⸗ 
lungen audfendet, werden hiezu 6 bid 12 Mann ftarf gemacht. 
Leute, die den Huften haben, dürfen nicht zu Schleichpatroniflen 
verwendet werden; auch find bei der Kavallerie dazu feine wies 
hernden Pferde zu wählen. 
Stehende Dieſes bezieht ſich auch auf die ſtehenden Patrouillen der 
Patzopillen Kavallerie, deren Zweck bereits im S. 1 erklärt wurde. Sie 
Kavallerie. gehören in die Gattung der Schleichpatrouillen, und ſind in vielen 
Gelegenheiten des Krieges von dem entſchiedendſten Nutzen. Iſt 
z. B. auf eine größere Entfernung vor ber Vedettenkette ein 
Aufammentreffen mehrerer Straffen oder fonft ein ſchicklicher 
Drt, von welhem man jede Bewegung ober Annäherung des 


49 


Feindes fchnell entdecken kann, und wäre ed nicht möglich diefen 
Punkt in unfere Ehaine zu ziehen, fo ſchickt man eine Heine 
Kavallerieabtheilung vor, die denfelben fo lange befegt häft, bis 
fie durch eine andere zu eben diefem Zwede ankommende Patronille 
abgelöfet wird, welches gewöhnlich nac einigen Stunden gefdieht. 

Man wählt zu diefen Gattungen Patrouillen blod Kavallerie, 
veil diefe Waffe in einem ihr entfprechenden Terrain fich fchneller 
urüdziehen fann, wenn der Feind mit größerer Streitfraft anrüdt, 

md die Meldungen fchneller an den Kommandanten gelangen. 

Die Schleichpatrouillen müffen den Ort ihrer Beltimmung Marf der 
hell und unentdeckt zu erreichen tracıten, und daher allen Wäls saufen. 
ern, Wohndrtern und fonftigen Deftleed, wo fie in einen Hinter⸗ 
alt gerathen oder entdeckt werden können, nach Möglichkeit aus⸗ 
eichen. Wäre jedoch die Patrouille gezwungen, einen folden 
rt zu paſſiren, fo darf dieſes nur mit größter Vorficht, d. h. 
ır nach voraudgegangener genauer Unterfuchung gefchehen, 
ährend welcher fich die Haupttruppe der Patrouille feitwärts 
rſteckt hält, Die Vor⸗ und Seitentruppen gehen hiebei ſehr 
rfichtig und nur fiufenweife und in großer Entfernung von 
ander vor, um nicht abgefchnitten zu werden; die Patrouille 
(gt der Bortruppe erft dann theilmeife nach, wenn diefe bereits 
nfeitd des Deftleed angekommen ift. 

Sn der Ebene bleiben die Seitentruppen nahe an ber Marſch in der 
rupttruppe, und werden nur zeitweife zur Unterfuchung verſchie⸗ Ebene. 
ıer Terraingegenftände verſchickt; im lichten Gehölze gehen fie 
ı ande desfelben, jedoch fo, daß fie die freie Ausficht der 
liegenden Gegend haben, ohne felbft gefehen zu werben. 

Wenn ale Wege verfchneit und man nur auf Straffen Bei ftarfem 
ven, fo auch im Hochgebirge, wo man nur auf Felfenfteigen fort ae an 
amen Tann, wird bei ſchwachen Patrouillen die ganze Manns birge. 
ıft, bei ftärfern aber blos die Bortruppe zu 2 und 2 Mann 
jetheilt, die in einer Entfernung von 150 bis 200 Schritten 
einander folgen, damit der Feind, wenn auc die vorberften 
inner, doc nicht die ganze Patronille entdeckt ober. abſchneidet. 

Wird man in der Ferne eine feindlihe Patrouille: gewahr, Bei Entde: 
uns nod, nicht bemerkt hat, fo verberge man fich hinter einem Geinhlihen 
flichen KXerraingegenftande, Lafle den Feind unangefochten Patrouide.- 
iberzichen, und fete danı feinen Marfc weiter fort; — auch 
es klug, bei jolchen Gelegenheiten gar nicht geladen zu haben. 

4 


50 





Iſt jeboch zu vermuthen, daß die Patronille vom Feinde bereits 
bemerkt wurbe, fo trachtet diefe ſich ſchnell wieder feinem Blicke 
zu entziehen, und durch Gräben, Gebüſche oder andere Terrain: 
deckungen begünftigt, einen feitwärts liegenden Terrainverſteck 
zu erreichen, wo fie ftil hält, und eine Zeit lang auf ihrer Hut 
bleibt; — dann aber unter verboppelter Vorſicht der Seiten» 
truppen den Marich fortfegt, um ihrem Auftrage nachzukommen. 


Stößt man aber unvermuthet auf eine feindliche eben fo 
ſchwache Patrouille, die und den Weg verfperrt, ober in den 
Rüden gekommen ift (was fih zwar felten ereignen fol), und 
gibt es Kein Mittel mehr, ohne Alarm durchzukommen, dann 
muß fih die Schleichpatrouille mit dem Bajonete oder Säbel 
den Weg durch den Feind bahnen. Iſt jedoch ber Feind zu 
mächtig, fo bleibt es in jedem Kalle befier, beſonders im durch⸗ 
fhnittenen Terrain, plötzlich auseinander zu laufen, dadurch den 
Feind in der Art feiner Verfolgung irre und unfchlüflig zu machen, 
und fo Zeit zu gewinnen, wenigftend mit einigen Männern, Die 
hievon Meldung geben können, zu entkommen. 


Sat die Patrouille den Ort ihrer Beſtimmung erreicht, fo 
trachte der fie Führende mit Vorficht und Schlauheit, den Zweck 


chenden Ges feiner Sendung zu erfüllen, und dasjenige zu erfahren ober zu 


entdeden, wozu er beauftragt wurde. Befinden ficd in der Nähe 
hohe Gebäude oder Bäume, Kirhthürme und Anhöhen, von wo 
man die vorliegende Gegend und die Annäherung ded Feindes 
fchnell zu entdecken im Stande ift, fo muß man dieſe durch einen 
geſchickten Mann erfteigen laflen, der dann dem Patrouillenführer 
alled, was er wahrnimmt, durch verabredete Zeichen anzeigt. 


Waͤre jedoch kein folder Punkt vorhanden, fo fchleicht Die 
Patronille fo nahe als möglid, gegen den zu unterfuchenden 
Gegenitand, beobachtet die größte Vorſicht und Stille, und bfeibt 
hierauf an einem feitwärts liegenden ſchicklichen Drt verborgen, 
während ihr Führer mit 2 oder 3 Mann weiter vorgeht, bie es 
ihm gelingt, einen Ansficht gewährenden Punkt zu erreichen, ben 
Feind zu beobadıten, oder fonft nad Umftänben feinen Auftrag 
zu vollziehen. 

Iſt dieſes gefhehen und der Zweck der Patrouille erreicht, 
fo tritt fie mit Beobachtung der nämlichen Borficht, jedoch ftet6 
in einer andern Richtung ihren Ruͤckweg an. 


51 





Gelangt fie an einen fihern Ort, und ift die Entfernung 
bis zu ihrem Poften noch groß, fo läßt der Patrouillenführer 
feine Mannſchaft ausruhen, fchreibt indeffen feine Meldung, und 
fendet diefe durch einen oder zwei verläßlihe Männer zurüd. 


In Feindedland oder bei Nacht verdoppeln fich die Schwier In Feindes⸗ 


rigfeiten der Ausführung, daher ift auch verfchärfte Vorficht und 
Klugheit nöthig, um nicht entdedt zu werben. Geprüfte, vers 
trante Boten und übereinftimmende Audfagen der Landleute find 
die beften Mittel, die Abfichten der Patrouillen zu erzielen. 

Dffenfive Schleichpatrouillen Fönnte man diejenigen nennen, 
velhe über die Vorpoftenfette hinausgefchictt werben, um feinds 
iche, fich nähernde Patrouillen zu entdeden, zu fangen oder zu 
vertreiben. Sie beitehen aus 6 bid 12 Mann, und werben nur 
n einer foupirten Gegend oder bei Nacht und Nebel angewendet, 
o fie im Stande find, begünftigt durch die Dunkelheit oder 
en durchfchnittenen Terrain, unentdeckt vorzufchleichen und fi 
t einen Verſteck zu legen: 

Hier Tauern fie mit größter Beobachtung der Stille auf 
n Feind, laflen ihn unangefochten vorüberziehen und fich ber 
orpoftenfette nähern, worauf fle ihm von weiten folgen, und 
ınn plöglih in den Rüden fallen. 

Die Seitentruppen werden bei folchen Gelegenheiten näher 
ı Die Haupttruppe der Patronille gehalten, um fich nicht durch 
große Ausdehnung zu früh zu verrathen. Sieht ein Eflaireur 
er Flanqueur den Feind, fo verſteckt er fich, der andere aber 
t,zurüd und erflattet die Meldung, oder gibt dad verabredete 
ichen. Hat der Feind die Patrouille bereits bemerkt und geht 
auf fie los, fo feuern die nächlten Leute auf ihn ab, worauf 
‚ alles bei der Haupttruppe verfammelt, um einen ſchwaͤchern 
ind mit vereinter Kraft anzugreifen, oder im entgegengefesten 
lle fid, auf die Vorpoſtenkette zurückzuziehen. 


Sollten bei wad immer für einer Gelegenheit einige Leute 
erer Patrouille gefangen werden, fo müflen fie nach ber ihnen 
nn früher ertheilten Belehrung übereinftimmend tracdıten, den 
nd durch falfche Ausfagen zu täufchen, und trifft den Patrouils 
führer felbft das Los, fo hat er alle bei fi habenden Ders 
tunngöbefehle und Rapporte zu vernichten. 


4 


and und bei 
Nacht. 


Offenſive 
Schleich⸗ 
patrouillen. 


Ihre 


Beſtimmung. 


Stärke 
Derfelben. 


Beobachtun⸗ 
gen vor dem 
Abgehen. 


Vorſichten 
während des 
Marſches. 


— 





$. 4. 
Streifpatrouillen. 


Die Streifpatrouillen haben verfchiedene Beftimmungen, 
und zwar: 

1. Den ganzen zwiſchen und und den feindlichen Vorpoften 
liegenden Xerrain zu durchſtreifen. 

2. Des Feinded Vorpoften durch plögliches Ericheinen zu 
allarmiren, oder 

3. mit einem Theile der Patrouille fich unentdect dur 
biefelben zu ſchleichen. 

4. Die Flanken eines beträchtlichen Truppenkoörpers zu fichern. 

5. Nachrichten von einem detafdirten Korps zu bringen. 

‚6. Kleine Xransporte ded Feinded aufzuheben. 

Um diefen verfhiedenen Bellimmungen nachzukommen, muß 
eine Schleichpatrouille hinlänglich ftarf, dem Terrain angemeſſen 
zufammengefegt, und auf feinen Fall fehwäcer als 20 Mann 
fein. Zu ähnlichen Aufträgen größeren Umfanges Fann eine oder 
mehrere Kompagnien oder Eskadrons verwendet‘ werben; fi 
gehören aber dann ſchon in das Gebiet der Streiffommandee, 
die übrigens diefelben Beobachtungen, nur im höhern Maßſtabe, 


wie die Streifparrouillen, befolgen, und über die der S. 6 dieſer 


Abtheilung einige nähere Beftimmungen enthält. 

Der Führer einer Streifpatrouille erhält vor feinem Abmarſche 
entweder einen mündlichen Befehl oder eine fihriftliche Dröre 
über den Zweck feiner Sendung, worauf er fich zu überzeugen 
hat, ob feine Mannfchaft, die ſtets aus verläßlichen Leuten beit 
ben fol, auf die Dauer ber ntfernung gehörig verpflegt, mit 


guten Schuhen und der nöthigen Munition und menigftend mit | 


Hartfutter verfehen ſei; auch darf er nicht dulden, daß die 
Mannſchaft ihr Brod wegwerfe oder verfaufe, weil der Maritı 
oft durd; unbewohnte Gegenden führt, und es überhaupt rathſam 
ift, allen Wohnörtern nah Möglichkeit auszuweichen. 

Nun beftimmt er feine Sicherheitötruppen, und macht feiner 





Patrouille die Zeichen befannt, womit ihm die Erblicung de | 


Feinded und andere während des Marſches fich ereignende Um 
fände zu fignalifiren find. 


Die Streifpatrouillen mögen in was immer für Abſidt 


ausgeſchickt werden, fo haben fie während des Marfches ebenfalt 








33 





alle bereitd ermähnten Borfihten und Gicerheitömaßregeln zu 
beobachten, und wenn nicht immer, doch wenigftend in Feindes⸗ 


land allen auögedehnten Waldungen, Ortickaften und andern. 


Defleed, wo fie entweder entdeckt werben, oder in einen Hinter⸗ 
halt gerathen könnten, nadı Möglichkeit auszuweichen. 

Begegnen Keifende oder andere Menfchen einer folden 
Patrouille, fo werden, um fich nicht unuützerweiſe zu ſchwaͤchen, 
nur jene, deren Ausſagen wichtig find, mittelft eines oder zwei 
Mann zum Kommandanten, von welchem die Patrouille ausge⸗ 
ſchickt iſt, zurückgefuͤhrt. 

Weit ausgehende Kavalleriepatrouillen kommen öfters in 
ven Fall, abfüttern zu müflen; dies ſoll jedoch nie gleich nach 
yegonnenem Rüdzige, fondern erft in einiger Entfernung von 
rem Feinde an einem gededten Orte, und mit größter Vorſicht 
jefchehen. 


Begegnung 
Keifenden. 


Abfüttern 
bei Ravalleries 
patrouillen. 


Muß fih die Patrouille einem Dorfe, welches von und Annäperun 


icht befegt ift, nähern, fo hält fi die KHaupttruppe in einiger” 
'ntfernung vor felben feitwärts des Weges verftedt; zwei Mann 
bleichen fich behutfam vor, einer davon bleibt am Eingange der 
strafle, der andere geht in das, nächte Haus, und fucht einen 
Kenfchen heraudzubringen, um zu erfahren, ob der Feind im 
orfe ift, ob und wann feine Patrouillen in dasfelbe kommen, 
nd überhaupt, um Nachrichten über deffen Aufenthalt einzuziehen. 
rhält er nun die Berfiherung, daß nichts Feindliches da fei, 

übergibt er biefen Menfchen feinem am Eingange der Gaſſe 
:hengebliebenen Kameraden, und ſucht dann mit gleicher Bors 
ht Den Richter ded Dorfed herauszubekommen. Beſtaͤtigt auch 
efer, daß fein Feind im Dorfe fei, fo geht zuerit die Bortruppe 

dasſelbe, und unterfucht die einzelnen Häufer und Gebäude, 
ährend der zum Patrouillenführer gebrachte Richter über alled 
fragt wird. Erſt nach erhaltener Meldung, daß die Durch⸗ 


in Dorf. 


hung von der Bortruppe bewerlitelligt, und im Dorfe nichts - 


indliches entdeckt wurde, marſchirt die Haupttruppe durch das⸗ 
be, und am jenfeitigen Ende fammelt fih wieder Die ganze 
itrouille. 

Iſt den Einwohnern nicht zu trauen, ſo muß man ſie über 
fernere Richtung unſeres Marſches zu tänſchen trachten; man 
igt nach mehreren Wegen, wie weit es zu verſchiedenen vors 
rtigen Derteen, Brüden u. dgl. fei, fchlägt anfänglich einen 





4 





andern Weg ein, und geht erft, wenn man nicht bemerkt wird, 
auf die wahre Straffe zurüd. 
Wenn der Trifft die Bortruppe bei Unterfuchung bed Dorfes den 
Be Orte geind, fo gibt derjenige, welcher ihn entdedt, Feuer; alle übrigen 
eilen zurüc und befegen die erſten Häufer. Iſt ber Feind nicht 
überlegen und greift die Patrouille ihn ungeſtüm an, fo wird er 
und im Augenblide der Uiberraſchung für weit ftärfer halten 
und zurückweichen; doc darf derfelbe nicht verfolgt werden, fondern 
man fett ohne Zeitverfuft den eigenen Weg weiter fort. 
Wenn die Wird die Patrouille auf dem Marſche augegriffen und 
ame geworfen, fo zieht fie fih im größter Ordnung zurüd, bis fie 
Marfhe einen vortheilhaften Terraingegenftand, wie 3. B. einen Ravin, 
angegrifſen Graben, Wald u. dgl. erreicht, wo ſie ſich wieder zu halten ſucht. 
Wird fie auch hier zurückgeworfen, dann trachte fie ſich dem 
Feinde ganz zu entziehen, ohne jedoch, dadurch abgeſchreckt, ihr 
Vorhaben aufzugeben; ſie bleibt im Gegentheile nur einige Zeit 
verborgen, und ſucht dann ihren Weg fortzuſetzen, um ihre Beſtim⸗ 
mung zu erreichen. 

Nur dann darf die Patrouille ganz zurückweichen, wenn 
fie mit Uibermacht verjagt würde, und der Fuͤhrer fi überzeugt 
hat, daß die Gegend vom Feinde ringsum befegt fei und ihr 
Gefahr drohe, abgefchnitten zu werden. In diefem Kalle befieht 
er die Stellung ded Gegnerd und fucht dann eiligft zu entkommen. 

Auskundſchaf⸗ Soll eine Streifpatrouille ein feindliches Lager auskund⸗ 
—E ſchaften, ſo kann dieſes nur in der Nacht geſchehen, da es ſich 
Lagers. nicht vorausſetzen laͤßt, daß der Feind fo ſchlechte Sicherheits⸗ 

anftalten getroffen haben wird, um uns bei Tage, felbft wenn 
dad Terrain durchſchnitten ift, bis in die Nähe feines Lagers 
unentdeckt fchleihen zu fünnen. 

Die Patrouifle, die einen folhen Auftrag erhält, nähert 
fi} der feindlichen Borpoftenkette, fucht ſich da vorfichtig zu vers 

ſtecken und die Stellung der Vedetten auszufpähen, um daraus 
ihre Entfernung und den Lauf der Kette zu beurtheilen. Aus 
dem zu beobachtenden Gang der Patrouillen und der Abfertigung 
derfelben ift dann, wenn man fie auch nicht ganz beutlich ſieht, 
zu fchließen, mo die Vedetten am weiteften von einander entfernt 
ftehen; hier fucht "man mit einem Theile der Patrouille in dem 
Augenblide durczufommen, wenn die feindliche Bifitirpatrouifle 
wieder zurüdgeht, wobei man feine Flanquenre ausſchickt, und 


35 





nur mit einen nahe vorangehenden Eklaireur behutſam und in 
größter Stille vorfchleiht; — der andere Theil der Patrouille 


bleibt indeffen in einem Berftede, um im alle des Mißlingens 


zur Aufnahme zu dienen. - Hat man einmal die Borpoftenfette 
durchichlichen, dann ift die Paflage durch die einzelnen Poſten 
und Piquete noch leichter, da fie weiter von einander ftehen, und 
der Feind fich hier fchon fiherer glaubt. Die Patrouille bleibt 
während ihres Vorrückens öfters ftehen, laͤßt einige Leute das 
Ohr auf die Erde halten, um den Gang der feindlichen Patrouillen 
vahrzunehmen, beobachtet übrigens die größte Stille, ohne weicher 
ie unmöglid, ihren Auftrag zu erfüllen im Stande iſt. Die 
ernere Annäherung zum Lager unterliegt noch weniger Schwie⸗ 
igfeit, nur müflen alle Straflen, Wege und Dörfer vermieden 
verden. In ber Nähe des Lagers angelommen, verboppelt man 
euerdings feine Aufmerffamkfeit, um von den Wachen beöfelben 
icht entdeckt zu werben, geht ed von einem Flügel zum andern 
b und beobadıtet die Zahl der Lagerfeuer, die Lage und Aus⸗ 
ehnung des Lagers, und wenn ed möglich ift, auch Die Truppen« 
attung, ihre Stärke und Bertheilung; worauf die Patronille 
ach volführtem Auftrage ihren Rüdzug antritt. Hier ift der 
al, wo der Kührer derfelben den nämlichen Weg einichlagen 
uß, den er gekommen ift, weil er diefen bereitö kennt, auf 
nem andern aber, befonders in dunkler Nacht fich Leicht verirren 
id an den Feind floßen Fünnte. 

Stürme, Regenwetter und fehr finitere Nächte begünftigen 
rzüglich folche Unternehmungen, zu denen übrigens Schlauheit 
ıd Orientirungsgabe erforderlich, mithin Dffiziere von diefen 
igenfchaften zu wählen find. 

Sol man blod ein Piquet aufheben, fo fchleicht fi Die 
nze Patrouille feitwärtd gegen basfelbe und beobachtet, ob bie 
ute nicht allenfald ferne von den Gewehren und forglod beim 
sachtfeuer fiehen, worauf man fich verfictig nähert, auf ein 
gebenes Zeichen den Schnarrpoften überfält, und fich der Gewehre 
mächtigt, während der größere Theil der Patronille von rück⸗ 
irts auf die Mannihaft einflürgt, und diefe, wo möglich ohne 
rm, gefangen nimmt, ober wenn fie fich nicht ergeben wollte, 
dermacht. Spice Uiberfaͤlle müflen übrigens von allen Theilen 
:ichzeitig und raſch ausgeführt werden, und man barf dem 
inde feine Zeit laſſen, die Waffe zu ergreifen und uniere 


Bei Aufhe⸗ 
bung feinds 
licher 
Piquets. 


56 


mn — — u — 


Staͤrke zu erforſchen. Hier hängt alles von ber Benutzung ber 
erſten Uiberraſchung ab, die unſer unvermutheter Angriff beim 
Feinde erzeugt. 

Rückzug beim Wird die Patrouille entdeckt, ſo muß ſie ſich nach einer 

Mißlingen. ſchon früher verabredeten Richtung zurückziehen, und wenn es 
moͤglich iſt, unverſehrt durch die Vorpoſtenkette zu kommen trachten. 
Der fernere Rückzug geſchieht auf einem weiten Umwege, um 
der Verfolgung des Feindes zu entgehen, und denſelben in den 
Kan bes außer der Borpoftenlinie zuruͤckgebliebenen Theiles 

der Patrouille zu locken. 

Oft führt ein zweiter gleich darauf folgender Verſuch noch 
eher zum Ziele, weil der Feind eine fo baldige Wiederholung 
desfelben nicht vermuthet. 

Zeit zu ſolchen Auf alle Fälle muß ein folches Unternehmen erft bei ein 
nungen, brechender Dunkelheit beginnen, und bald nach Mitternacht voll⸗ 
endet ſein, weil zwei Stunden vor Tagesanbruch ber Feind 
immer wachſam ift, und feine Vorpoſtenkette durch bie bereite 
angelangte Ablöfungsmannfchaft eine doppelte Stärke erhält. 
Vortheilhaft ift ed, dieſe Patrouille dann zu machen, wenn ber 
Feind erft angekommen ift, und nicht Zeit gehabt hat, die ver 
fbiedenen Wege, Schluchten, Gräben und andere deckende Ge 

genflände des Terraind kennen zu lernen. 
Bei Unterfus Iſt die Patrouille ausgeſchickt, um zu erfahren, ob be 
A le Feind eine Brüde, einen Paß oder ein Dorf u. f. mw. nod be 
befenten ſetzt hält, fo verftedt fie fi nadı Erreichung des zu unterfuchen: 
Poſtens. den Begenftandes, wie bei den Schleichpatrouillen gefagt wurde, 
in geeigneter Entfernung vor dem Orte; der Patrouillenführer 
ſchleicht fi hierauf noch weiter vor, bis es ihm gelingt, einen 
günftigen Det zu erreichen, um alles felbft zu fehen, des Feindes 
Stellung zu beobachten und den erhaltenen Auftrag zu erfüllen. 

Damit er aber hiebei nicht in der Flanke angegriffen oder ab’ 
geichnitten werde, Läßt er füc Durch einige Mann zur Seite beobachten. 

Sieht er die Vedetten nicht mehr in ihrer vorigen Auf 
ftelung, fo muß er fehr vorfihtig fein, denn ber Feind koͤnnte 
ſich aus Lift weiter zurückgezogen oder verborgen aufgeftellt haben, 
um und dadurch zu täufchen, oder in einen Hinterhalt zu loden; 
es werben alfo 2 oder 3 Mann vorausgeſchickt, die nachſehen⸗ 
wo der Feind fteht, und fich überhaupt fo benehmen, wie bei dei 
Annäherung au ein Dorf gefagt wurde. 


57 





Sn der Nacht bleibt die Streifpatronilie ſchon 1000 Schritte 
vor dem Orte, wo man den Feind vermuthet, ftehen, legt fih da 
feitwärtd der Strafe in einen Verſteck, und fendet eine Feine 
Patrouille vor, die forgfam umherfpähet. 

Ruft und feuert der Feind auf diefe vorausgeſchickten Leute, ——— 
fo ſchleichen ſie ſich in größter Stille zur Patrouille zurück. 

Hat aber der Gegner bie vorhin beſetzten Pläge verlaſſen, art 
fo durdfuchen fie auf 200 Schritte rechtd und links alle vor 
fommenden Gegenftände, und menn nichts Feindliches entdeckt 
wird, fo eilet ein Mann zum Kommandanten der Steifpatrouille 
zurücd, um ihm bierüber die Meldung zu erftatten; worauf dieſer 
behutfam vorgeht, feine Unterfuchung beginnt, und alle nur mög» 
lichen Nachrichten vom Feinde einzuziehen trachtet, nämlich: wohin 
er abmarfchirt ift, ob er blos dieſe Strecke oder die ganze Stellung 
verlaffen hat, ob und warn die Haupttruppe aus dem rückwaͤr⸗ 
tigen Lager aufgebrochen, feruerd in welcher Stärfe und we 
der Feind nun aufgeftellt ik? Hat der Patronillenführer feinen 
Auftrag erfüllt, fo tritt er feinen Ruͤckweg an. 

Erhält die Patrouille die Beſtimmung, dem Marfche des Dei Deobad 
Feindes zu folgen, und hievon Nachrichten zu geben, fo nimmt feinglichen 
fie ihren Weg gegen deſſen Richtung, und trachtet fi dem Feinde Marides. - 
mit größter Vorſicht zu nähern. Aus dem Orte, wo .berfelbe 
nach den Ausfagen der Landleute kurz vorher aufgebrochen if, 
nimmt man Boten mit und drohet ihnen den Tod, wen fie die 
Patrouille auf einen falfhen Weg führen follten. Gelangt man 
uf dieſe Art, fo wie durch Nadfragen von Ort zu Ort dem 
Feinde auf die Spur, und ift man demfelben bereitd nahe, fo 
ilt die Patrouille auf einem Umwege feitmärtd der Straſſe, auf 
velcher er marſchirt, und verſteckt ſich an einem fihern Plate. 

Der Kommandant derfelben benimmt fich hierauf zur Erreis 
bung feiner Abfichten nach den verfihiedenen Lofafitäten und 
Imftänden, fchleicht entweder nur von einigen Mann begleitet 
peiter vor, oder benüßt einen vorhandenen, Ausſicht gewaͤhrenden 
dunft, um alles felbft zu .fehen, den Marſch des Feindes zu bes 
badıten und dem erhaltenen Auftrage gemäß das Zweckmaͤßigſte 
u veranftalten. 

Er muß biebei befonderd Die Anzahl ber Kolonnen ‚ ihre 
Baffengattungen und Stärke, die Richtung des Mariches, fo wie 
en wahrfceinlichen Zweck desfelben zu erforfchen trachten, wozu 


Bet Aufl 
Hung der 
Kommunika⸗ 
tion mit ent⸗ 


fernten Korps. 


Be Erhal⸗ 


tung der Kom⸗ 


munikation 


58 





er die Ausſagen der Landesbewohner und Ortsobrigkeiten benützt, 
fie mit einander vergleicht, und beſonders in Feindesland dem 
Richter oder andere Borfteher, ald Bürgen der gegebenen Nach⸗ 
richten auf einige Zeit mitnimmt. 

Iſt die Patrouille beordert, die Kommunikation eined ents 
fernten Korps aufzufuchen, fo treten diefelben Berhaltungen und 
Borfihtömaßregeln ein, und der Marfch hat fo fchnel als 
möglich zu geſchehen. Erhält man durch Nachfragen und fort- 
während ausgeſchickte Heine Patronillen oder auf eine andere 
Art gewifle Nachricht, wo ſich das anfzufuchende Truppenforps 
befindet, fo feut man unaufgehalten feinen Marfch dahin fort, 
uud erftattet alſogleich feinen Bericht darüber an den Borges 
fegten, von bem bie Patronille ausgeſchickt wurde; ebenfo melde 
ſich der Patrouillenführer beim Kommandanten des entiendeten 
Korps, worauf er fih nadı Umſtaͤnden entweder gemäß der früher 
erhaltenen Inſtruktionen beuimmt, ober fich von leßterem fchrifts 
liche Verhaltungsbefehle erbittet, und hierüber eine neue Mel⸗ 
bung an feinen frühern Kommandanten abfchict. 

Soll man aber die Kommunikation zwifchen zwei ſtehenden 
oder marſchirenden Truppenförpern fortwährend erhalten, fo muß 


swifhen zweibie Patrouille für die Strede, in welcher jene von einander 


Truppen 
körpern. 


Bei Angriff 
eines kleinen 
feindlichen 
Transportes. 


getrennt find, und in Berückſichtigung des Terrains auch vers 
haͤltnißmaͤßig ftark genug fein, um in aufgelöften, auf verfchie, 
denen Wegen zu vertheilenden Abtheilungen die Gegend hins 
länglich durchftreifen und vom Feinde frei erhalten zu können. 

Der Kommandant der Patrouille hält fid in diefem Falle 
gewöhnlich bei der mittleren Abtheilung auf, um nadı Erforderniß 
ſchnell bei den übrigen fein, oder Rapporte von ihnen einholen 
zu können. 

Iſt man’ nicht im Stande, in der Strede zwifchen beiden 
Truppenförpern alle vom Feinde fommenden Wege zu befeben, 
und auf denfelben vorzugehen, fo muß der Mangel an hinlängs 
lichen Truppen durch häufige Patrouillen, bie ftetd dad Terrain 
durchkreuzen, erfebt werben. 

Sat die Pattouille den Auftrag, einem Fleinen Transporte 
aufzulauern, fo muß ber Führer berfelben genau wiflen, zu welcher 
Zeit diefer Transport an einem gewillen Drte aulommt, um 
dann mit aller Borficht und Schnelligkeit feinen Warfch nach der 
gegebenen Direktion in die Flanke oder den Rüden des Feindes 





39 





ausführen zu koͤnnen. Kommt man dem Transporte in die Nähe, 
fo folgt die Patrouille von Weitem feinem Zuge, und ihr Führer, 
trachtet feine Größe, die Stärfe der Bedeckung und die getroffenen 
Sicherheitdanftalten zu beurtheilen, um mach biefem die Didpo⸗ 
fition zum Angriffe zu entwerfen, und felbe dann raſch auszuführen. 

Bei allen Patrouillen, die längere Zeit ausbleiben, wird Bei Verpfle⸗ 
ed nothwendig, während bed Marfches die Mannfchaft zu vers ar 
pflegen, und fich deshalb den Ortſchaften ‘zu nähern. Der auf dem 
Kommandant. der Patrouille darf nie erlauben, daß fidı feine Narſche. 
Mannſchaft zu dieſem Zwecke zerſtreue, ſondern er bleibt mit der 
Patrouille an einem ſchicklichen Platze vor dem Dorfe ſtehen, 
ſtellt gegen den Feind einige Aviſopoſten aus, die zugleich ver⸗ 
hindern, daß ſich Niemand entferne, und ſchickt einen vertrauten 
Unteroffizier mit einigen Männern in den Ort, um das Noͤthige 
herbeizufchaffen und heranszubringen. 

Alle Ercefien müffen vermieden, und die Bewohner der Ges 
gend mit Güte behandelt werben, um fie nicht zu reizen, und 
bem Feinde zu verrathen. 

Die der Mannfchaft nöthige Ruhe muß man ihr an abges 
fegenen Orten bei der Nadt gönnen; dies ift auch die Zeit, 
abkochen zu laflen, wobei man aber bedacht fein muß, Holz und 
Waſſer in der Nähe zu haben. 


6.5. 
Nekognoseirungspatrouillen. 


Die Rekognoscirungspatrouillen werben ausgeſchickt, um Ihre Beſtim⸗ 
ntiveber ein vom Feinde nicht beſetztes, oder ein von ihm beſetztes Abtbelrun. 
Lerrain und feine Aufftellung zu refognosciren, und theilen fich 8 
aher in zwei Abtheilungen. 

Wird ein Offizier zur Rekognoscirung einer vom Feinde Rekognosei⸗ 
icht befeßten Gegend auögefchidt, fo ift es fehr vortheilhaft, ngeiner 
yenn er eine ä la voe- Aufnahme zu machen und ſich dadurch nicht befesten 
in Bild des Terrains zu entwerfen im Stande ik. Sier- han, Gegend. 
elt es fih nicht um eine geometriſche Nichtigfeit, fonbern nur 
m eine beiläuflge Darſtellung ded Ganzen und jener Details, 
ie eine militärifhe Berückſichtigung verdienen. Da aber in 
inem Plane nie alled, was auf die Kenntniß der Begend Bezug 
at, audgedrüdt und erfüchtlich gemacht werben kann, fo fuche 


60 





man noch durch eine Beſchreibung des Terrains das Mangelnde 
zu erſetzen. 

Meldung über Auf jeden Fall hat der zur Rekognoscirung einer Gegend 

Die Borg: beftimmte Offizier feinem Kommandanten hierüber eine fchriftliche 

gnodelrung. Meldung zu erflatten, und die Befchaffenheit derfelben, fo wie 
ihre militaͤriſche Anwendung detaillirt darzuftellen, 

Für welde Bor. allem muß angeführt werden, für welde Waffens 
— — gattung ſich ſowohl die ganze Gegend, als einzelne Theile der⸗ 
rainbrauchbar ſelben beſonders eignen; in welcher Stärfe man mit Infanterie 

oder Kavallerie zu agiren im Stande ift, und welde Fechtart 
das Terrain vorzüglich begünftigt. 

Beſchreibung Bei Wegen, woher ſie kommen und wohin ſie fuͤhren, ihre 

der Wege. Beſchaffenheit, ob man auf denſelben in breiten Kolonnen mar⸗ 

ſchiren und mit ſchwerem Geſchütze fahren kann, ob ſie durch 
Ortſchaften oder andere Defilees führen, ob man zu ihrer Aus⸗ 
beſſerung die Materialien in der Nähe erhält, und wie der 
Boden beichaffen ift, ob fie beim ſchlechten Wetter ungangbar 
find; von welden Punkten fie enftlirt werden, und wo Kolons 
nenwege angelegt werden fünnen, ob die Wege über Gewäfler 
führen und ob dafelbit Brüden ftehen, oder wie fonft die Uiber⸗ 
fahrt gefchieht. 

Der Brüden. Ob die Brüden von Holz oder Stein find, in weldem 
Zuftande fie ſich befinden, ihre Länge und Breite, ob ſchwere 
Artillerie über fie fahren fann, wie die Ufer zu beiden Seiten 
beichaffen find, welches dad andere überhöht und wie man fie in 
Vertheidigungsftand ſetzen Fünnte. 

Der Fluͤſſe. Bei Flüffen befchreibt man ihre Breite und Tiefe, Richtung 
and Schnelligkeit ihres Laufed, ob fie plöplich anfchwellen und 
wann biefed gewöhnlich gefchieht, die Befchaffenheit des Grundes, 
ob er lehmig oder fleinig ift, ob die Ufer hoch oder nieder, flach 
oder fleil find, welcdes das andere überhöht, ob fie von Felfen, 
Auhöhen vder Fünftlihen Dämmen eingefchloffen werden, ob 

. Brüden und wo fie über den Fluß führen, ob derfelbe Fuhrten 
enthält, ob Floͤße und Schiffe vorhanden find, welche Tragbars 
keit diefe legtern haben, ob ſich günflige Punkte und das nöthige 
Materiale zur Schlagung einer Brüde vorfinden. 

Der Sümpfe. Bei Sümpfen: in wie ferne fie uuzugänglic find, oder ob 
fie einzelne Streden haben, wo man entweder mit Kavallerie, 
Sinfanterie oder Fuhrwerk durchkommen könnte. 





61 





Bei Wäldern: ihre Größe, ob fie dicht oder dünn find), Wälder. 
viel Buſchwerk enthalten, wie der Boden befchaffen ift, ob fich 
lihte Stellen, Waldblößen, Felder, Wiefen, Wohnungen in den⸗ 
felben befinden, welche Straßen durch felbe führen, woher und 
wohin, ob fie Vortheile zur Vertheidigung gewähren. | 

. Bei Dörfern: ob fie von nahen Höhen beherrfcht werben, Dörfer. 
leicht vertheidigungsfähige, feſte Gebäude, Kirchen, Maierhöfe u. dgl. 
enthalten, wie dieſe Gebäude gededt find und auf weiche Art 
fie ſchnell in Bertheidigungsftand gelegt werben fünnen. 

Eine vorzüglice Aufmerkſamkeit verdienen die Namen aller Anführung 
natürlichen und fünftlichen Terraintheile, die daher in der ſchrift- Per Namen. 
lihen Meldung .oder dem à la vue- Plane genau und deutlich 
angemerkt fein müffen. 

Die Auskünfte der mit der Gegend befaunten Bewohner Ausfünftevon 
müffen, wenn man nicht Zeit hätte, alles felbft zu fehen und zu Bewohnern. 
unterfuchen, benüßt werden. 

Um fi aber von der Wahrheit nadı Möglichkeit. zu übers 

zeugen, befrage man noch verichiedene Leute, vergleiche ihre Aus⸗ 
fagen, und biete überhaupt alled auf, um nur zuserläflig Wahres 
n die fchriftlihe Meldung oder dem Plane einzutragen, denn. 
8 ift befier feinen Rapport, als einen ſolchen zu erhalten, auf 
ven man Feine fihern Berechnungen bauen kann. Vorzüglich 
nüffen bie vorhandenen Wege ihrem ganzen Laufe na gewiflen- 
yaft angegeben werden. 

Boten, Wirte und mwandernde Krämer find über die ichs 
ung und Beichaffenheit der Straſſen; Schwärzer und Wild⸗ 
hüßgen über die Schleich⸗ und Kommunifationswege; Müller 
nd Fifcher über die Gemäfler und Waſſerkommunikationen; Foͤr⸗ 
ter, Jäger und Kohlenbrenner über die Waldungen zu befragen; 
ber ganze Diftrifte geben Kreisfommifläre, Verwalter, Pächter 
nd Amtsboten die beiten Ausfünfte. 

Bei nicht zu beforgender Annäherung des Feindes kann Unterfuhung 
er Rekognoscirende die Mannfchaft der Patrouille auf vers gegennände, 
hiedenen Wegen ausſchicken, und nach Fähigkeit der Leute ein⸗ 
[ne Gegenftände unterjuchen Taffen. 

Verſteht der NRefognoscirende die Zeichnung nicht, fo muß Angabe der 
: den Mangel der Darftelung durch eine umftändliche Befchreis Diftanzen, 
ung und eine richtige Diflanzangabe der verfchiedenen Terrains 
egenftände erfegen, und hiebei Feine ber oben angeführten 


Rekognosci⸗ 
rung einer 
vom Feinde 


beſetzten 
Gegend. 


Allarmirung 
des Feindes. 





Beobachtungen vergeſſen. Er hat daher zu dieſem Zwecke mehrere 
Punkte zu erſteigen, die ihm eine Ausſicht des Terrains gewäaͤh⸗ 
ren, um das Detail und den Zufammenhang desſelben genau zu ſehen. 

Die zweite Art der Relognoscirungen betrifft die Unter 
fuhung einer vom Feinde befegten Gegend, feiner Stellung, 
Truppengattung und Stärke, fo wie aller Zugänge, auf welden 
wir zu ihm oder er zu und gelangen fann. 

Die, Zufammenfegung und Stärke einer Patrouille richte 


“rich auch hier aus fchon bekannten Gründen nach der Entfernung 


des Feindes und der Befchaffenheit des Terrains, welcher und 
von ihm trennt. Während des Marfches find alle bereits ermähn 
ten Vorfchriften zu beobachten, und je näher die Patronille dem 
Feinde fümmt, defto mehr zieht fie die Sicherheitötruppe an fid, 
um anf diefe Art weniger leicht entdecht zu iverden. Der Oft 
zier läßt feine Patrouille an einem gelegenen Orte zurüd, und 
fhleicht fih nur von einigen Männern, die ihn zur Seite beobad- 
ten, begleitet, auf einen zur liberfikt geeigneten Punkt, wo er 
die Lage und Befchaffenheit der feindlichen Stellung, die Trup 
pengattung und ihre Stärke, fo wie die Wege und Deftlees 
beobachten Tann, die zu feiner Poſition führen und vielleicht 
unbefett geblieben find. Es ereignet ſich aber fehr felten, daß 
man alles diefed von einem Punkte zu überfehen im Stande ill, 
weshalb der zur Rekognoscirung beftimmte Offizier längs ber 
Vorpoſtenkette des Feindes fortzufchleichen und fich auf mehrer 
Orte zu begeben hat, um die ganze Aufftellung des Feindes zu 
überblien und feinen Auftrag vollfommen zu erfüllen. Die 
Patrouille folgt hiebei ihrem Führer behutfam und in größter 
Stille nah, bleibt aber wieder ftehen, wie fich biefer zur Auf 
führung feiner Rekognoscirung näher an die feindlichen Poften 
vorfichleicht. 

Kann man fih der Stellung des Feindes nicht an mehren 


. Orten nähern, oder fie der Entfernung wegen nicht gehörig ſehen, 


und ift die Patronille ftark genug, fo allarmire man mit einem 
Theile derfelben feine Vorpoftenfette, während die übrige Man 
fhaft hinter irgend einem gedeckten Gegenftande feitwärtd des 
Weges, den man zu feinem Nüdzuge beftimmt, ftehen bleibt. 
Dadurd zwingt man den Feind, unter dad Gewehr zu treten, 
und ift im Stande feine Stellung zu überfehen und feine Stärfe 
zu beurtheilen. 








Hat der Dffigier den Zweck der Melognodcirung erreicht, 
dann eilt er ſchnell zu feinem zurücigelaffenen Sontien, um der 
Verfolgung, befonders feindlicher Kavallerie, zu entkommen. 


Es ift Übrigens fehr vortheilhaft, wenn in ſolchen Gele⸗ 
genheiten die Patrouillen aus Infanterie und Kavallerie zufam- 
mengefeßt find, mo erftere dann ald Neferve an einem vortheils 
haften Punkte ftehen bleibt, legtere aber zur Allarmirung des 
Feindes vorrüdt; und im Kalle diefer die Patrouille zurückdrängt, 


haben fich beide Waffengattungen im Ruͤckzuge wechfelweife zu 


unterftüßen. 


Bricht der Feind aus feinem Lager auf, und wirb eine 
Patrouille ausgeſchickt, um nähere Nacrichten über feine Bewe⸗ 
gungen einzuholen, fo muß fie fich fo viel ald möglich dem 
Feinde nähern, um feinen Marfch, wie es bei den Streifpatrouillen 
gefagt wurde, zu beobachten, und zu entdeden, in wie viel Kor 
Ionnen er marfchire, wie ſtark fie find, aus welchen Truppens 
gattungen fie beftehen, in welcher Ordnung und wohin marfcirt 
wird, ob das ganze feindliche Korps oder nur ein Theil desſel⸗ 
ben im Mariche begriffen ift und was der Zweck dieſer Bewe⸗ 
zung fein dürfte, 


Iſt der Keind im Anmarſche gegen und, fo verbirgt fich 
ver Dffizier mit der Patrouille dergeitalt, daß er feine Bewe⸗ 
zungen beobadıten koͤnne, ohne felbft gefehen zu werden; worauf 
r augenblidlid einen genauen Rapport an feinen Kommandans 
en zurüdfendet. Nach Umftäuden Fotojirt die Patrouille den 
Marfch des Feindes, oder zieht fich, wenn diefer fchon nahe an 
ie Aufftelung unferer Armee vorgerücdt wäre, fchnell auf die 
ßZorpoſtenkette zurüd. 

Hiebei it ed oft rathfan, daß die Infanterie der Patrouille 
rüher zurücgehe, um nicht abgefchnitten zu werben. 

Geſchieht eine Rekognoscirung durch eine höhere Perfon 
nd ift die Patronille blos zur Dedung derfelben beftimmt, fo 
mg, im alle die Refognoscirung erit nad Zurüdbrängung eines 
heiles der feindlichen Vorpoften möglich if, der Kommandant 
er Patrouille mit dem größten Theile derfelben vorräden, und 
ieſen Zweck durd einen ungeftümen Angriff zu erreichen fuchen; 
ährend der andere Theil zurücbleibt und den Rekognosci⸗ 
den bedt. 


Beim 
Aufbruch des 
Feindes aus 
dem Lager. 


64. 





Diefer begibt fih auf einen freien, Umfiht gewährenden 
Punkt, oder nähert fih, von ber Bedeckung gefchügt, fo viel ale 
es möglich und nothwendig ift, dem Keinde, um alles febit zu 
überfehen, feinen Auftrag im volliten Umfange zu erfüllen und 
eine richtige Meldung erftatten zu können. Nach erreichter Abficht 
vereinigt fi der Kommandant der Patrouille mit dem zur Be⸗ 


deckung zurhdigebliebenen Theile und tritt unter Beobachtung aller 


Streifzüge, 


Waffen⸗ 
gattung. 


Vorſichten ſeinen Ruͤckweg an. 


6. 6. 
Streifkommanden. 


Nach der im $. A bereits gegebenen Erklaͤrung nennt man 
größere Streifpatrouillen — Streiflommandos, 

Beide unterliegen im Allgemeinen den nämlihen Grunds 
fäßen, daher in diefem $. nur einige Bemerkungen über Die 
höhere Beſtimmung der legtern angeführt werben. 

Streifzug nennt man jede abgefonderte unb weit ausge⸗ 
dehnte Operation eine® Truppenförperd, um entfernt von der 
Armee irgend eine Unternehnung auszuführen, oder nach einem 
gegebenen Zwede dem Feinde zu fchaden. Ihre Abficht ift: Beein⸗ 
trächtigung der feindlichen Kommunifationen, Zerftörung rück⸗ 
wärtiger Magazine, Aufhebung größerer Transporte von Lebens⸗ 
mitteln oder Munition, Uiberrumplung forglofer Polten oder 
Ortfchaften, in denen ſich Kaflen und Borräthe anderer Art 
befinden, Belegung von Brüden, Dörfern und andern auf der 
Rücdzugslinie des geichlagenen Gegners liegenden Deftlees u. dgl. 
ähnliche Koups. — Das Land im Rüden und in den Klanfen 
der feindlichen Korps ift daher der eigentlihe Schauplat der 
Streiflommanden und Parteigänger. 

Sie find Daher, die Armee möge offenfio ober befenfiv zu 
Werke gehen, ftetd von großem Nuten, machen den Gegner für 
feine Flanken und Rüden beforgt, haͤmmen fein Vorſchreiten durch 
Vernichtung feiner Mittel und ſchwächen feine Kräfte. 

Leichtigkeit und Schnelligkeit der Bewegungen find die Seele 
folcher Uinternehmungen. Es müflen daher auch leichte Truppen 
hiezu beftimmt werben, bie im Stande find, duch ihre Organi⸗ 
fation obiger Bedingung zu entiprehen. Hauptſaͤchlich ift aber 
leichte Kavallerie zu Streifzügen geeignet, befonderd wenn fie 











vorbereitet it, nbthigen Falls. abzufigen umb zeitweife zu Fuß zu 
fämpfen. Die öfterreichifche Kriegsgefthichte ift reih an Tühnen 
und glüdlichen Gtreifzägen. Der dreißig und fiebenjährige 
Krieg, fo wie die neuern Kriege in den Niederlanden, in Ita⸗ 
lien, Deutfhland und Frankreich zeigen und hundert Beiipiele 
diefer Art, die den vollendeten Werth und unerfchütterlichen 
Muth unferer leichten Kavallerie bewähren. 
Der Zweit der Streiftonmmandos beftimmt ihre Stärke; Truppen 
da fie jedoch hauptfärhlih blos durch Liſt, Schuelligkeit der Ben, Mi 
vegungen und überrafchended Erſcheinen mehr, als. durch offene 
dewalt zu wirken beſtimmt find, fo Dürfen ihre Leiſtungen nicht. 
ach ihrer Stärfe, fondern nach dem moralikhen Eindruck, den 
ie beim Keinde erregen follen, berechnet werden. Se ftärfer 
Ihe Streiflommanden find, defto mehr vermindert fih ihre 
deichtwindigkeit, und vermehrt die Sorge ihrer Verpflegung; — 
ie Bewegungen erfordern größere Vorbereitungen, und werden 
aber vom Feinde um fo leichter entdeckt. Es ift alfo bei ſolchen 
nternehmungen der Werth ber Truppe mehr als ihre Anzahl 
! berüdfichtigen. 
Heimliche oder forcirte Maͤrſche, Hinterhalte, Uiberfaͤlle u. dgl. one 
id die Elemente eines Streifzuges; fie führen zur Erreihung Unter 
s vorhabenden Zweckes, — Kenntniß aller bei felben zu beobach⸗ Nehmungen. 
nden DBerhaltungen ift demnach ein nothwendiges Erforderniß. 
Parteigänger und Führer größerer Streiflommanden find Gigenfeaften 
ufig dem eigenen Willen und der eigenen Kraft überlaffen; — für der —— 
gibt es nur allgemeine Vorſchriften, nur Hindeutungen auf 
zu erreichenden Zwecke, — alles übrige bleibt ihrem Muthe, 
er Erfahrung, ihren Talenten überlaſſen. Ein weites Feld 
net ſich vor felben, uud gewährt ihnen Raum, ihre Thaͤtigkeit 
d Entichloffenheit zu erproben. Sie müflen baher ausgebildete, 
egerifche Eigenſchaften mit Liſt vereint, Verſchloſſenheit und 
iftesgegenwart befiten. Ein zaghafter Sinn würbe bem küh—⸗ 
ı Berufe unterliegen. 
Der wahrhaft geſchickte Barteigänger dorf: nur von den 
ftänden Rath annehmen. Cr muß feine Internehmungen 
h Der Beichaffenheit deö Landes, der Stimmung der Bewoh⸗ 
und dem’ Eharafter des Feindes bemeflen, umb vorzügfich 
chickt fein, fi über die Bewegungen des Gegners, von dem 
ırfche eined Transportes, der Stunde feined Eintreffens an 
Ä | 5 


Vertraute 
Kundſchafter. 


Schnelle 
Wechslung 
des Ortes. 





einem beſtimmten Punkte, ber Beſatzungäſtärke eines Ortes u. dgl. 
ſichere Nachrichten zu verſchaffen, ohne den Feind ſelbſt durch 
Patrouillen, Rekognoscirungen u. dgl. auf die vorhabende Abſicht 
anfmerkſam zu machen. Er muß ferner die Kunſt verſtehen, 
feine Untergebenen nach ihren Fähigfeiten zu benützen, und Die 
Mannſchaft wachſam und thätig zu erhalten. Aus der Vereini⸗ 
gung folder Eigenichaften, verbunden wit "Unternehmungdgeift 
und Ehrgeiz, entſprangen die Thaten berühmter Parteigänger, 
die und die Geſchichte Sobpreifend überliefert, 

Gute und vertraute Kundſchafter find Parteigaͤngern befto 
mehr unimgänglih nötig, als die Geheimhaltung der vorha⸗ 
benden Abſicht ohnedem jedes andere Mittel, ſich Nachrichten 
zu verſchaffen, verbietet. 

Schnelle Wechslung des Ortes iſt bei laͤngern Streifzügen 
das beſte Mittel ſowohl zur eigenen Sicherheit, als zur Errei⸗ 
chung des vorhabenden Zweckes. Langer Stillſtand iſt der Natur 
ſolcher Unternehmungen entgegen; ſtete Bewegung daher ein 
unbedingtes Erforderniß. 

Kaum if ein Koup ausgeführt und dadurch der Feind 
aufmerffam gemadıt, fo muß man fchuell feiner Verfolgung und 


. Race enteilen, ihn täufchen und durch ſchnelles Erfcheinen in 


einer andern Gegend neue Vortheile erringen, — Don unberes 
chenbgren Folgen find ſolche Streifzüge. Wer erinnert fich hier 


nicht an die Fühnen Unternehmungen Laudons, Hadicks, Wurm⸗ 


Morficht Hei 


nothivendiger 
längerer Vers 


weilung an 
einem Drte. 


Bei 
beftiimmten 
Aufträgen. 


ford u. 0. m 

Begünftige ein gebirgiger oder walbiger Landſtrich, oder 
erfordert ein gegebener Zweck dad längere Verweilen eines 
Gtreiffonmandos in einem gewiflen Bezirke, fo muß es doc in 
jeder Nat Seine Stellung verändern, damit der Feind nie ſichere 
Kundſchaft von ihm erhalte, nie ein Unternehmen gegen felbes 
aufführen fönne. 

Syat der Führer des Streifkommandos einen beftimmten 
Auftrag erhalten, To wäre es unbefounen, wenn er früher einen 
andern Koup ausführen wollte, weil man dadurch ben Feind 
aufmerkſam macden und ſo den Hauptzweck verfehlen konnte. 
inter ſolchen Umſtaͤnden laſſe man Reifende, Transporte u. dgl. 
ungeflört paflizen, und laure auf den zur Errißung feines Aufs 
trages gänftigen Augenblick. 





6 





Iſt die Inftruftion des Parteigängers jedoch Nur auf alfges Bel allae 
meine Beunruhigung der feindlichen Kommunifationen ausgedehnt, an 
dann ift fchnelle Ergreifung jedes günftigen Umftandes das erfte' 
Erforderniß. Kein Terrain darf dem Kommandanten eines 
Streifkorps zu fchmierig, Peine - Entfernung zu groß, kein Gebirg 
zu ungangbdar fcheinen, wenn ed jich darum handelt, einen höhern 
Zweck zu erreichen; auch darf hier nicht mir Aengftlichkeit auf 
die eigene Truppenſchwäche Rückficht genommen werden; Ähnliche 
Unternehmungen find, wie bereit8 erwähnt, auf Uiberraſchung 
berechnet, und wo man, fo zu jagen, nicht überfallen kann, dort 
ift es meiſtens Tlüger, ftil abzuziehen. 

Uiber die befondern Beobachtungen bei Sinterhalten, Uiber⸗ Beſondere 
fällen, Angriffen von Transporten u: Rgl." verweifen wir auf Die gen pri ulibere 
in folgenden Abtheilungen enthaltenen Erflärungen. Uibrigens fällen, Hinter, 
iſt es unmöglich, das Feld der Streifjüge zu erfpähen, da die balten u. dal. 
angewendeten SKriegsliften, jo wie die Lage der Umſtaͤnde diefen 
Gegenftand bis ind Unendliche vervielfaͤltigen. 

Um die Hilföquellen einer Provinz; zu vernichten, aus wels Bermenbung 
cher der Feind Lebensmittel oder Fourage ziehen könnte, oder Die Be —— 
er zu beſetzen droht, und an deren Erhaltung uns gelegen if, Fällen. 
fo wie, wenn ed fih darum handelt, das Lager und die Stellung 
des Feindes zu durchfreuzen, um eine wichtige Nachricht durchs 
zubringen, ift vorzüglich die Kavallerie geeignet. 

Uibrigens find Streiffommanden für den Gegner nie unheils 
bringender, al& wenn er zum Rückzuge genöthigt iſt. Ein Beis 
fpiel hievon fehen wir im Jahre 1796, wo nad‘ der Schlacht 
bei Amberg die feichten Truppen der "Defterreicher, Jourdans 
Rückzug aufd empfindlichtte erfchwerten, ihm feine Raſt ließen, | 
und auf alle mögliche Art Abbruch thaten. 


a Dr 


Bierte Abthbeilung. 
 Tirailleurgefeht. 
Die Abrichtung des Soldaten zum Tirailliren ober zur 


äerfireuten Fechtart, bie Bildung der Kette, die verfchiedenen 
Zrommels oder Trompetenfignale und die Art, wie die nöthigen 
5* 


083 





Bewegungen vor⸗, rüds und feitwärtd ausgeführt werben, finb in 
den Infanteries, Jäger und Kavalleriereglements enthalten, daher 
die Kenntniß diefer Vorfchriften vorausgefeßt wird. Es folgen 
bier nur im Allgemeinen die Grundregeln über Zweck, Anwens 
dung und Art des Tirailleurgefechts in offener und durchſchnit⸗ 
tener Gegend, fo wie im Hochgebirge, da die ficbente und achte 
Abtheilung dieled Werkes, welche von Vertheidigung und Angriff 
einzelner Gegenttände ſowohl, ald ganzer Stellungen handeln, 
das Benehmen der Tirailleurs in dieſen Yällen ohuedem ums 
ſtaͤndlich erörtern. 


$. 1. 
Bom Tirailliren überhaupt. 


Zwed Die geſchloſſene Schlachtordnung iſt durch die Zuſammen⸗ 
desſelben. wirkung ihrer Kraͤfte ſowohl im Angriff, als in der Vertheidi⸗ 
gung die entſcheidende, mithin die erſte, wichtigſte und vorzüg⸗ 
lichſte; — ihr ſind daher alle andern Stellungen untergeordnet. 
Um aber ſtets ihre volle Wirkung zu erhalten und jede vor dem 
entſcheidenden Augenblicke ſich ereignende Trennung oder Auf⸗ 
löſung zu verhindern, werden Abtheilungen von jedem größern 
Körper herausgenommen, welche beitimmt find, vor den gefchlofles 
nen Kolonnen im Kleinen das zu leiften, was man von Avant⸗ 
garden vor der Fronte einer Armee fordert. Diefe Abtheilungen 
trachten nämlich, in eine Plänflerfette aufgelöft, den feindlichen 
Gliedern zu fchaden, fie zu beunruhigen, zu erfhüttern und eben 
dadurch ihren Widerfiand gegen die geichloflen yorrüdende Truppe 
zu ſchwaͤben, oder audı die Bewegungen unferer Kolonnen zu 
masliren und den Gegner fo lange ald möglich über unfere 

eigene Abficht in Ungewißheit zu erhalten. 

Dies geidieht fowohl bei Borrädung gegen einen gefchlofles 
nen Feind, ol& bei Erwartung desfelben in einer Stellung, und 
tritt auch gegen feindliche Plänkler in der Abficht in Anwendung, 
um fle zu verhindern, fich unſerer Fronte oder Kolonne zu nähern 
und und durch ihr Feuer zu fchaden. 

Die Eröffnung des Kriegstheaterd in den durchſchnittenſten 
und kultivirteſten Gegenden der Niederlaude und Italiens brachte 
Diefe Fechtart hervor, und ſeitdem macht die vergrößerte Kultur 
in allen Ländern ECuropens felbe fo allgemein uud die Berbin- 





69 





dung der zerftreuten Schlachtordnung mit der gefchloffenen fo 
nothwendig, daß die Linieninfanterie ebenfo, wie die leichten 
Truppen, in beiden zu fechten volllommen geübt fein müffen, und 
legtere daher blos für wichtigere Zwede uud ſe wierigeres Terrain 
aufbewahrt und geſchont werden müſſen. 

Die richtige Verwendung der Tirailleurs geſchieht nach fol⸗Grundregeln. 
genden Grundregeln: 

Von einer geſchloſſenen Truppe darf nie mehr als ein 
Drittheil zur zerſtrenten Fechtart verwendet werden, da Tirailleurs 
blos beſtimmt ſind, den entſcheidenden Schlag vorzubereiten und 
zu erleichtern, nicht aber ihn zu führen. Bei kleinern Körpern 
ift hiezu aud ein Viertheil genügend, um ihre Kräfte nicht zu 
verfplittern. 

1. Es wird daher zur zerflreuten Fechtart detaſchirt: Bon einer 
halben Kompagnie oder halben Eskadron ein halber Zug. 
Bon einer ganzen Kompagnie oder Eskadron ein Zug. 

Bon einer Diviflon Sufanterie oder Kavallerie zwei Züge. 

Bon einem Bataillon oder Kavaflerieregiment eine Divifton, 

und fomit von mehreren Bataillons oder Kavallerieregimentern 
ftet8 eine Diviſion für jeded. Der Kommandant beftimmt hiezu 

Abtheilungen nad) der Tour zum Vormarſch ald Avantgarde. 
.2. Ron diejer zum Tirailliren vorgeficten Truppe wird bei 

Fleinen Körpern die Hälfte als Referve, die andere Hälfte 

aber als Unterftügung und Tirailleurs, bei größern Körpern, 

Dagegen ein Drittheil als Referve, ein’Drittheil als Unter⸗ 

ftüßung und ein Drittheil als vorderfte Plänfierfette vers 

wendet, und diefe verfchiedenen Abtheilungen flehen auf 100 

bis 130 Schritte von einander entfernt. 

Uibrigens dürfen in feinem Falle mehr als hoͤchſtens noch 

Die Unterftügungen, mithin zwei Drittheile ded Ganzen ale 

Tirailleurd aufgelöfet werden; — die Reſerven aber haben 

ftetö zwiſchen der Plänklerfette und der Haupttruppe beis 

fammen vereint zu bleiben. 
Es detafhirt daher: | 
Eine Kompagnie oder Eskadron einen halben Zug ale 
ferve, einen andern ald Unterftügung und Tirailleurs. 
Ein Bataillon oder Kavaklerieregiment eine KRompagnie 
oder Edfadron ald Reſerve; zwei Züge ald Uuterflügung 
und zwei Züge ald Tirailleurs. 


70 





3, Die Tirailienrlette der Infanterie darf nie mehr als 300 
bis 400, jene der Kavallerie aber 600 Schritte von der 
Haupttruppe entfernt fein, und hat unzertrennlich mit ihren Uns 
terftügungen und durch Diefe mit ihren Referven und der Haupt⸗ 
truppe felbit im Zuſammenhange zu bleiben, da fie für ſich 
allein gu ſchwach iſt. Die Natur ded Bodens gibt übrigens 
die gleiche oder ungleiche Vertheilung der Tirailleurd an 
die Hand; doch dürfen fie nie auf einem Haufen bleiben, 
fondern fie haben die Fronte der Haupttruppe durch ihre 
Ausbreitung nicht nur ganz zu deden, fondern auch Flügel 
und Flanken in einem rückwaͤrts gehenden Bogen zu debordiren. 

Zwiſchen jedem Plänflerpagre muß nacı Vorſchrift des Regle⸗ 
ments ein Intervall, u. 3. bei der Infanterie von 6 Schritten 
beobachtet werden; bei der Kavallerie aber, wenn die Um⸗ 
fände fie zum Tirailliren beftimmen, ftehen ſowohl die einzelnen 
Plaͤnkler, ald die Abtheilungen zu 3 und A noch weiter. aus 
einander, Die Tirailleurd haben fih ferner ſtets fo aufzus 
ftellen, daß fie auf den Feind feiern und ihm fchaden können, 
ohne ſich durch ihre eigene Stelluug bloß zu geben. 

Die Unterftügungen und Neferven find vorzüglich auf jene 
Punkte zu fielen: 

a. Bon wo aus fie am leichteften die Tirailleurkette zu 
unterftügen, abzulöfen und aufzunehmen vermögen. 

b. Wo. ihr Feuer, ‚ohne dem feindlichen zu fehr audges 
fegt zu fein, eine vorzügliche Wirkung hervorbringt. 

c. Wo fie begünftiget vom Terrain eine längere Vers 
theidigung zu leiten und ben Feind aufzuhalten und ihm 
fhaden zu können im Stande find, wie z. B. hinter einem 
Damme, einem Ravin, Graben, einer Hede, Mauer u. dgl. 

d. Wo fie irgend einen Zugang oder fonftigen Punkt decken, 
wobei jedoch der Unterſchied der Vertheidigung durch Infan⸗ 
terie oder Stavallerie wohl zu erwägen ilt, indem ſich eritere 
anf den zu vertheidigenden Begenftand feitiegt, um den Feind 
durch ihr euer abzuhalten, — letztere dagegen fi in folder 
Entfernung hinter den Terrainhinderniflen aufftellt, um den 
Gegner, der fie entweder ganz oder zum Theil überfchritten hätte, 
durd eine rafche Attaque wieder zurüdwerfen zu können. 
8, In ſehr durcfchnittenem Terrain und bei einem heftigen 

feindlichen Angriffe kann man in den bereits erwähnten Fall 


4 


“ 


8 


71 





kommen, alle Unterftägungen zur Verſtaͤrkung der Maͤnklerkette 
aufzulöfen und daher blos das Drittheit als Reierve hinter 
denfelben zu bewahren, wo man jedoch die ‘Kette bei fo 
geringer Unterſtützung nicht zu Weit vorpoufliren darf. 


Vorwärtige und in der Tirailleurkette liegende often, 


deren Behauptung für die Stellung. einer Truppe unum⸗ 
gänglich nothwendig ift, müflen gleich bei der Beziehung der 
legtern von den Referveabtheilungen befegt und zur möglichft 
jelbftftändigen Bertheidigung vorbereitet werden. 


- Beim Angriffe eined überlegenen Feindes ziehen fich die 


“ 


- Tirailleurd auf ihre Neferven, und diefe auf die Haupts 


truppe zuruͤck. Nie darf man aber durch Vorſchickung von 
Truppenabtheilungen aus der Linie die Referven verftärfen 
und von dieſen wieder einen Theil in Tirailleurd auflöfen. 

Dadurd wären die vorgeſchickten Abtheilungen für den ents 
fcheidenden Augenblick verloren; denn der Feind, welcher mit 


größerer Truppenzahl gegen uns vordringt, will dad Groß felbft 


angreifen; wir bebürfen mithin gegenfeitig Die Vereinigung aller 
unferer Sräfte, um die größtmöglidtte Wirkfamkeit gegen den 
anrüdenden Feind äußern zu Fönnen. Beſonders darf bei ber 
Kavallerie, um bie Kraft nicht zu verfplittern, nur Die unents 
behrlichfte Zahl zum Tirailliren verwendet werden. 
Rüden wir aber felbft zum Angriffe des Feindes vor, und 
fommen fich die gegenfeitigen Kolonnen und Linien fo nahe, 
Daß fie gegen einander agiren können, fo treten die Tirailleurs 
außer Wirkung, — denn die gefchloffen anrüdende Truppe 
dringt dann felbft vor, burchbricht die eigene Kette, wirft die 
feindlichen Tirailleurs über den Haufen und greift mit Kraft 
Dad Gros bed Feindes an, während fich die Tirailleurs 
hinter der gefchloffenen Xruppe ale Reſerve formixen. 
Kavallerie fall der Infanterie in zerftreuter Schlachtordnung 
nur im änßerftien Nothfalle entgegen geftellt werben, da 
erftere fich hiebet im Nachtheile befindet. Wäre jedoch 
dieſes unvermeidlich, fo haben fick die Kavallerieplänfler 
in fleter Bewegung zu erhafsen, um ber Infanterie weniger 
zur Zielfcheibe zu dienen. Gegen Kavallerieplänkler And dieſe 
Wendungen jeboch zu befchränfen, um für den meiftend 
unmittelbar nachfolgenden Angriff die Pferde bei Kräften 
zu erhalten. 


nr 





10. Endlih ıft dad zweckloſe Pläußeln wit Piſtolen, wodurch 
"der Maun nur das Dpfer ber weiter reichenden Schuß⸗ 
waffen wird, gänzlich abzuftellen. Die Piſtole ift nur eine 
Defenſivwaffe für kurze Entfernungen; bagrgen kaun die 
mit Karabinern und Stuten verfehene Mannſchaft mit 
erprobte Erfolg zum Pläufeln verwendet werben. 


$ 2. 
Berwendung der Zirailleurd in offener Gegend. 


Genen Sm einer ganz offenen Gegend, wo man blos mit JInfan⸗ 
Kavallerie. terie gegen einen mit Kavallerie verfehenen Feind flieht oder 
marfhirt, ift es ſchädlich, Tirailleurs zu verwenden, weil Diefe 
durch einen rafchen Angriff der Reiterei entweder ganz aufges 
rieben, oder über den Saufen geworfen werden fünnten, mithin 

ber Angriff des Feindes, ftatt erfchwert, nur erleichtert würde. 


Gegen Kavals In einer offenen Gegend, wo Snfanterie gegen Kavallerie 
—2 agiren ſoll, und ſich vielleicht nur hie und da einige unbedeutende 
und nicht zuſammenhängende Terrainhinderniſſe, wie kleine Hügel, 
Tiefen, Hecken, Zäune, Bäume u. ſ. w. befinden, haben Tirail⸗ 
feed wicht ſehr zahlreich und nicht weit von dem Groß entfernt 
zu fein, weil fie in einem foldhen Xerrain dem Feinde wenig 
ſchaden können, dagegen Gefahr laufen, von ihm abgefchnitten 
zu werben. Doch find Tirailleurs, welche Maflen oder Quarres 
umfhwärmen, fid nur auf eine Beine Diftanz vorbegeben, und 
im Augenblicde der Gefahr unter die Bajonete des erſten Gliedes 
werfen, in vielen Gelegenheiten ſehr günftig. 


Im Angriff. Sm Borrüden aber find Xiraileurd gar nicht anzuwenden, 
weil da der Angriff gefchloflener Körper im Berein mit dem 
Feuer des Geſchüutzes allein wirkſam if. — Wollte man jedoch 
die Bewegungen ded Gros dem feindlichen Auge bis zum ent⸗ 
fheidenden Augenblide entziehen, fo kam diefes am beften durch 
eine Plaͤnklerkette leichter Kavallerie, hinter der ſich mehrere ges 
ſchloſſene Abtheilungen en echequier aufgeſtellt befinden, erreicht 
werden. Diefe Kette ift jedoch zu keinem Gefechte beſtimmt, und 
wird bei Vorrädung des Gros augenblidiih eingezogen. 





v3 





$. 3. 
Tirailleurgefecht im Angriffe oder NRückzuge in 
durchfchnittener Gegend oder im Mittelgebirge. 

Je durchſchnittener ein Boden ift, deſto mehr eignet er fi) Wünfliger 
für die zerftreute Fechtart der Infanterie. Ihre Jirailleurs en für 
finden in einem folden Terrain mannigfaltige Begenftände, wie 
; B. Ravins, Gräben, Seden, einzelne Bäume, Gebuͤſche, Wals 
dungen u. dgl, welche fie zw ihrer Dedung benügen, und von 
wo fie ihre Scüfle mit Bortheil anbringen koͤnnen, bevor «6 
dem durch dieſe natürlichen Sinderniffe anfgehaltenen Feinde 
gelingt, ihnen beizukommen oder fie zu delogiren, 

In Gegenden, we fih viele trodene oder Waflergräben, —— 
Sümpfe, Klüffe, Leiche, Bruͤcken, Dämme, Dörfer, große Wälder, Gegend hiezu. 
Sebirge und fchlechte Wege befinden, welche die Entwidlung aus 
Rolonnen in ganze Fronten erſchweren, verzögern oder ganz vers 
indern, haben Tirailleurd dem enticheidendften NRugen. Go macht 
n: allen füdfichen Gegenhen die.Art der Kultur, die vielen auf 
en Feldern und Wieſen Kehenden Bäume, die zwiſchen felben 
ehenden ®räben u. dgl. dieſe Länderart ununterbrochen zu einem 
irs Tiraillenrgefecht günftigen Schauplag; daher insbeſendere 
ne Zruppen, welde in biefen Gegenden zu fämpfen beftimmt 
nd, in der zerfireuten Ordnung bis zur Vollendung ausgebildet 
in müfjen. 

Steht der Feind in einem foldhen Terrain aufmarichirt, fo „Bel einer 
erfen ſich unfere Tirailleurs in die fle dedenden Bräben, hinter re ne 
kune, Hecken u. dgl., von wo fie ihm am meiften fchaden koͤnnen, felber. 
ıd unterhalten ein lebhaftes Heuer gegen feine Fronte; — ftets 
reit, zu weichen, wenn er mit Llibermacht vordringt, und gleich 
ieder Die vorigen Poſten zu befeben, wenn er die vorponflirten 
stheilungen wieber zurüdzieht. Steht aber ber Feind im der 
lonne, fo breiten ſich die Tirailleurs um dieſelbe aus, feuern 
deckt in fie hinein, und werben ihr viel Schaben thun, wenn 
er Feind nicht ebenfalld trachtet, durch ausgeichidte Plänkler 
ne Kolonnen zu ſchützen. | 

Hat man dagegen felbft im durchſchnittenen Terrain eine Bei unſerer 
ellung befegt, dann umgibt man fih mit einer bichten Kette una 
ı Tirailleurs, welche alle VBertheidigungsmittel des fie begüns felber. 


Angriff der 
Tırailleurs. 


Paſſtrung 
offener 
Strecken. 


St aͤrker be: 


ſetzte Punkte. 


Bel Annähe- 
rung an das 
feindliche 
Gros. 


An ein Defilee. 


Bei ſchwacher 


Beſetzung 
vom Feinde. 


24 





ſtigenden Bodens zu ihrer Deckung benützen, und den aurückenden 
Feind durch ein treffendes Feuer zurückzuhalten oder ihm wenig⸗ 
ſtens den größtmöglichſten Schaden beizufügen trachten. 
Entſchließt man ſich zur Vorrückung, ſo wird die Tirailleur⸗ 
kette, außer dem Ertrage des Gewehrfeuers formirt, und in 
durchſchnittenem Boden nach des Natur des Terrains allignirt. 
Offene Strecken werden von der Kette und allen Abthei⸗ 
lungen der Tirailleurs ſchnell durchſchritten, um ſobald als möglich 
wieder vinen vortheilhaft deckenden Punkt oder Aufftellungsort 


u gewinnen. Kleine Abtheifungen Kavallerie nehmen: ſelbſt im 


Foupfrten Terrain an dem Plänfeln in fo ferne Antheil, als ein 
paar: Mann anf Wegen durh kühnes Borrüden die feindliche 
Kette beunruhigen, und bei offenen Stellen vorfprengen, um der 
Jufanterie den Uibergang über diefelben gu erleichtern. 

Bei einem vom Feinde ftärker befegten Punfte machen die 
Tirailleurs halt, und unterhalten fo fange ein Iebhaftes Feuer, 
bis es ihnen in Bereinigung mit den nächften Tirailleurs gelinget, 
"eine Bloͤße des Feindes zu benüten, ihm in die laufe zu fallen 
und aus feiner Pofltion zu Ddelogiren, ober bie die Reſerven 
anlangen und einen folchen Punkt forciren. 

Sind die Tirailleurs der feindlichen Stellung ſo nahe ge: 
kommen, daß fie nur durch einen Heinen Raum von ihr getrennt 
werden, dann machen fie ebenfalls halt, vertheilen fih hinter den 
naͤchſten Heden, Gräben u. |. w., und unterhalten ein heftiges 
Feuer gegen die Fronte ded Feinded, bis die nachfolgende Haupt⸗ 
truppe anlangt, und den Angriff in geſchloſſenen Linien oder in 
Kolonnen unternimmt. 

Ein Defilee wird von dem Feinde, je nachbem derfelbe fi 
ſchnell oder langſam zurüdziehen will, entweder nur mit einzelnen 
Tirailleurs oder ſtark defekt. 

Im eriten Zalle dringen die Tirailleurs, melde gerade an 
08 Defilee ankommen, ſchnell durch dasſelbe, wozu befonders Die 
eingetheilte Kavallerie gut zu verwenden ift, während die andern 
an deſſen Rande halten und dem Angriff durch ihr Keuer bes 
dünſtigen. Nach forcirtem Uibergange eilen die Zurücgebliebenen 
nach und breiten fich jenfeits des Deftleed aus, die Reſerven 
aber halten die Paffagen fo lange befegt, bis die Haupttruppe in 
die Nähe fommt, wo fie dann auch buch oder über dad Deftlee 
feßen, und mit den Tirailleurs weiter Vorbringen. 





75 





Bei ftarker Beſetzung des Deftfeed vertheilen fich Die Tirailleurs Bel ſtarker 
längs desfelben, und erwarten unter einem lebhaften Feuer gegen a, 
den Feind die Ankunft der Reſerven ober gar die Haupttruppe. 

Die Referven werden auf dem Punkte zufammengezogen, 
wo das Defilee forciert werben fol, Die vordern Tirailleurs kou⸗ 
ronniren basfelbe und begünftigen Durch ihr Feuer den Angriff. 
Diefer erfolgt fodann gemeinfchaftlich mit den Meferven: und der 
ganzen nachfolgenden Truppe. Iſt dad Deftlee forcirt, und ſollen 
wieder Tirailleurd vorpouſſirt werden, fo find Die Reſerven hiezu 
bei der Hand, die Ihre Abtheilungen aufldien, während die zurüds 
gelaffenen früheren Tirnilleurs ſich indeffen in Züge formiren, 
an die Queue der Kolonne anfhließen und hierauf zum Erfag 
der aufgelöften Reſerveabthrilungen vorgehen. 

Bei Paſſirung von Waldungen benügen Die Tirailleurs 
Bäume, Gebüfche, Tiefen, Die fle decken und ihmen ihr Feuer mit 
Vortheil anzubringen erlauben; die einzelnen Kommandanten in 
der Kette aber haben vorzüglich Bedacht gu nehmen, daß die 
Tirailleurs fich fehen, mithin nicht zu weit von einander entfernt 
Hleiben, die Verbindung und das Allignement erhalten und lieber 
angfamer vorgehen, als fick den Gefahren einer Trennung 
usſetzen. 

Die Grundſaͤtze des Vorrückens dienen auch zur Richtſchnur Zaghn der 

railleurs. 
ener eines Rückzuges— 

Offene Strecken durcheilen die Tirailleurs ſchnell und ohne Vaſſirung 
‚eit mit Feuern zu verlieren, um ſobald als moͤglich wieder ein —8 
urchſchnittenes Terrain zu gewinnen. 

Hat man von feindlicher Kavallerie etwas zu beſorgen, ſo Bei Drohung 
ereinigen ſich die Tirailleurs eines jeden Zuges, ſo wie ſie in Kavallerie. 
benes, freied Terrain fommen, und formiren Maflen oder Klumpen, 

m auf diefe Art ohne Gefahr eined Verlufted das durchfchnittene 
’errain oder ihre Reſerven mwieber zu erreichen, 

Ein Punkt, deffen längere. Behauptung zur Dedung bed „Länger su 
rüͤckzuges noöthig iſt, wird durch Die Reſerven mit Macht deſett "hyuhn 
ud dadurch feine Erhaltung auf eine beſtimmte Zeit geſichert. 

Bei Annäherung des feindlichen Bros haben die ſich zuruüͤck⸗ Annaͤherung 
ehenden Referven der Haupttruppe ftetd auf ben wichtigſten PP unbliden 
ugängen zu folgen, bie allenfalld zurüdgedrängt werdenden 
irailleurd mit Ordnung aufjunehmen, und befonders itandhaft 
ı verhindern, daß der Feind unfere Plänkter wicht plöglic über 


An 
Waldungen. 


76 
den Haufen werfe und fich mit ihnen zugfeich in unfere Kolonne 
ftürze. 
Paffirung el: Die Verfolgung des Feindes it bei Paflirung eines Defi- 
neo Defleeb: (og im Rückzuge entweder fhwac und ohne Nachdruck, oder heftig. 
Fa aaez Verfolgt der Feind nicht heftig, fo ſtellen fid die Referven 
des Seindes, De6 Gros an den günftigften Punkten vor dem Deſilee auf, bis 
die Kolonne paffire ift, und folgen ihr dann felbfl. Vom den 
Neferven der Tirailleurs aber bleibt die Hälfte vor dem Deſilee 
zur Aufnahme der fegtern fliehen, die andere Hälfte vertheilt ſich 
als Tirailleurs rechts und links an, in umd längs dem Deſilee. 
Nähert fih die Xiraillenrfette dem Deftfee, fo muß fie fo 
ſchnell als möglich durch felbes gezogen werden. Die Kette vers 
fleinert hiezu immer mehr und mehr den Bogen ihrer Ausdeh⸗ 
nung, und nähert fih von beiden Flügeln gegen die Mitte nach 
und nach dem Eingangspunkte des Defilees. Sobald die Tirailleurs 
dasſelbe paſſirt haben, folgen ihnen die vor dem Deftlee zu ihrer 
‚Aufnahme anfgeftellten Abtheilungen der Reſerve, welche nun 
die Unterfllgung der als Tirailleurs verwendeten andern Hälfte 
der frühern Neferve bilden. 
Nach dem Uibergange formiren fih die frühern Tirailleurs 
hinter dem Deftlee wieder in Züge und bilden die neuen Reſerven. 
el heftiger Berfolgt uns jedoch der Feind mit Nachdruck nnd Stärfe, 
dc6 Feinden, fo bleibt zwar die Art der Paffirung eines Defileed immer die 
nämliche, allein man darf ed dann nicht wagen, die Zirailleure 
und Referven ohne fräftigere Unterftügung fich felbit zu überlaffen. 
Es müflen daher in diefen Yale ſtarke Abtheilungen von dem 
Gros der Truppenkolonne dad Defilee im Voraus befegen, und 
fo lange vertheidigen, bis alles, auch der letzte Tirailleur, dass 
ſelbe paflirt hat. 
Waldungen. In Waldımgen finden im Rückzuge diefelben Grundfäge 
Statt, welche bereits bei Paflirung der Tirailleurs durch felbe 
im Angriffe erwähnt wurden. 
Kavallerie. Kavallerie in folhem koupirten Terrain ohne Infanterie 
hat fi, fo viel es ihre Eigenthümlichkeit und ihr offenfiyes 
Wirken zuläßt, nach obigen Bemerfungenz; wo aber bie limftände 
das Abfiten der mit Karabinern verfehenen Mannfhaft erfors 
dern, gänzlich nach denfelben zu beuehmen. 
Die Pferde der abgeleffenen Mannſchaft find hiebei, durch 
eine Neferve oder einen Terraingegenfland gebedt, fo aufzu⸗ 


% 








77. 





fielen, daß die gu Fuß verwendete Maunihaft fie ſchuell errei⸗ 


chen könne. 
$. 4. 
Tirailleurgefecht im Angriffe und Nückzuge im 
Bochgebirge. 


Der Krieg im Hochgebirge beichränft ſich meiſtentheils auf uf Shane 
Poftengefechte, wo Tirailleurd. den entſcheidendſten Nugen gewähren. dleſes Krleges 
Die Vortheile ihrer Verwendung zeigen ſich hauptſächlich auf 
ienen Saum⸗ und Fußwegen, auf. welchen länge den Rücken 
nd Höhen der ‘Gebirge die Aufielungen in ben Thälern um⸗ 
jangen werden fünnen. | 

Jedes Gebirge wird durch einen Hauptrüden gebildet, auf Gharafter ei» 
velchem die MWäfler entipringen, fo von dem Gebirgslehnen in ie 
tiffen und Thälern herabftürzen, ſich endlich in die Ebene ergie⸗ 
en und mit andern Klüffen vereinigen. 

Zwiſchen diefen Gewaͤſſern formiren fih alle Eleinern Neben⸗ 
iden und Gebirgsfüße, welche fi immer tiefer fenten, bis fie 
ıtweber in fanften Hügeln in die Ebene fallen, oder ein durch 
elfenwände eingeengted Thal bilden. 

Die Straflen zu Operationen und Bewegungen einer Armee Kommunika⸗ 
‚er fonft einer größern, gefchloflenen Truppenabtheilung Laufen klon In felben. 
ı Hochgebirge in den Thälern, weil nur in ihren fanften Ab ‘ 
ıfungen Wege für Fuhrwerke zu bahnen find. Nur am Urs 
runge des Thales führt man, fie nothgebrungen über ben 
auptrüden des Gebirges, wählt aber hiezu die menigft fleilften 
d vorzüglich jene Punkte, wo der Rücken am engſten und das 
r nach Uiberſteigung desſelben der urſpruns eines neuen Tha⸗ 

; am naächſten iſt. 

Gebirgswege aber, welche blos für einzelne Karren brauchbar 
d, fo wie Saums, Reit und Fußfteige verlaflen den Lauf der 
‚äler, gehen von felben beiderjeitd ‚gerade aufwärts über Ges 
gslehnen nnd Thalwände quer über Bergrüden, oder laufen 
igs den Höhen ſelbſt, zur Verbindung mehrerer Bergrüden 
t einander in verfchiedenen Richtungen fort. Diefe Wege und . 
eige find bei jeder Gebirgsaufftielung von großer Wichtigkeit, 
ın fie koͤnnen mit Bortheil zu Umgehungen der Thäler benükt 
rden, und find daher auf das forgfältigfte zu befeken. Hiezu 


8 





find Tiraileursabtheifnngen und Meine Detaſchements vom ents 
fchiedendften Nutzen. 
Aufftellung Eine größere Drfenflvaufitellung in Gebirgsländern findet 
felöft. ⸗ jedoch, wie bereits erwähnt wurde, mit der Haupttruppe nur in 
den Thaͤlern Statt, und zwar, wein Die dazu beſtimmte Truppe 
In einem ſchwaͤcher als der Feind iſt, durch Beſetzung eines Engpaſſes 
Engpaſſe. ſelbſt; — im entgegengeſetzten Falle aber durch eine Aufſtellung 
Hinter einem hinter tem Engpaffe, aus welher der Feind debouſchiren und 
Engpaſſe ſich unter einem von mehreren Seiten zuſammenwirkenden Feuer 
zum Angriffe gegen uns formiren muß. 
——— der In beiden Faͤllen lehnen ſich die Flügel einer ſolchen Thal⸗ 
ef ftellung an die rechts nnd links fie umfaflenden Gebirge, welche 
daher befegt werben müflen. Nie darf man in Thälern Gtels 
lungen nehmen oder Bewegungen ausführen, ohne Meifter der 
fe einfchließenden Sföhen zu fein, und in keinem Falle Rüden 
und Flanken durch eine ſcheinbare Unwegſamkeit der Berge geſi⸗ 
chert wähnen. | 
Delehun der Die Befegung der ein Thal einfchließenden Gebirge hat 
gbalbıben, einen doppelten Zweck: Der erfle ift, die Beſetzung ber Gebirge- 
lehnen oder Thalmände, um gegen einen Angriff in der Fronte 
durch ein ſelbe flankirendes Feuer zu wirken, und die Punkte zu 
behaupten, ‘weicher fih der im Thale anrüdende Feind leicht 
‚bemeiften und von 'hnen aus die ganze Poſit tion beſchießen 
könnte. 
Auffteflung Hiezu müffen Abtheilungen die naͤchſten Höhen erfteigen, 
Zirallleurs, und mit Tirailleurs kouronmiren, die, durch Felſen, Bäume, 
Steine u. |. w. gededt, ein wirffames Feuer auf den Feind 
machen und eine Heine Neferve auf der Höhe an jenen Fußſtei⸗ 
gen haben, über welche fie ihren Rückzug nehmen müflen. 
Beung Der zweite Zwed ift die Beſetzung und Bertheidigung ders 
rütens. jenigen Felſen und Berge, über welche der Feind auf Saum⸗ 
und Fußwegen den höchſten Bergrüden erfleigen, und in Flanken 
und Rüden unferer Stellung fommen kann. 
— Hier hat der Kommandant der zu dieſem Zwecke deta⸗ 
ſchirten Truppenabtheilungen ſtets ſeine Reſerve an jene Orte 
zu placiren: 
1. Wo ſich mehre ſolcher Saum⸗ und Fußſteige vereinigen; 
2. wo er vom Feinde am meiſten bedroht wird; 
3. wo er ihm am längften aufzuhalten vermag. 


79 





en feine Tiraillcurd aber jene Steige nnd Bupwrge m —* 

1. wo der Feind am ſchwerſten heraufkommen kaun, und 

2. wo die Tirailleurs einige Ansfiht Haben, um ih, ger 
deft, von mehren Seiten befchießen zu können. - 

Greift und der Feind in einer Gebirgsftellung mit aͤberie⸗ — der 
genen Kräften an, fo kann dies nur im Thale von der Froute abrpelungen, 
oder auf den Gshirgehöhen durch Umgehung geſchehen. 

Dringt der Feind niit Uibermacht im Thale vor, und droht Bela Angeit 
er durch fein Borrüden die ‚Verbindung der im Gebirge deta⸗ im Thale. 
ſchirten Abiheilungen wit der Haupttruppe zu trennen oder dem 
Detafchement den Rüdzug abzufihneiden, fo verlaffen letztere "die 
befeßten Poften, müſſen aber bei ihrem Rückzuge über die Ge⸗ 
rirge unaufhörlich trachten, mit der im Thale marfchirenden 
Truppe nad Möglichfeit in gleicher Höhe-zu bleiben, um. diefe 
urch ihre Stellung und ihr Feuer zu unterflüßgen, oder durch 
Daffırung der Thäler bin’er ihnen die nächſten, vortheilhaften 
Inhöhen wieder zu befegen. 

Hat ihnen aber der Feind: im Gebirge .bie Kaufen abgen 
onnen, und find fie zu ſchwach, um fih felbit mit Beziehung 
er Nejerven zu halten, oder den Feind zurücdzumeifen, dann 
eben fie fih auf die rückwärts liegenden. Berge, Diefed muß 
Doch fo langſam als möglich geichehen, um der Truppe, Die im 
hale fteht, Die Zeit zu laften, fie zu verſtaͤrken, ober fich ſelbſt 
rückzuziehen. Hier ift ed oft möglich, durch einen klug angelegten 
interhalt den Feind zu überraſchen, in Unordnung zw. bringen, 
1d Durch unverhergefchene: Angriffe in Flanfe swer Rüden unit 
nem Male um alle bereits errungenen Bortheile gu. bringen. 
och bedarf man hiezu entſchloſſener, umfühtiger und :tüdeigrr 
ffiziere.. Die Art, wie Dinterhalte anzulegen und Uiberfälle 
iszuführen find, wird in der Folge erörtert werden. . . -- 

Wie bei der Defenſive, fo iſt auch beim Angriffe bie Art Angriff der 
r Verwendung der Tirailleurs zweierlei; je. nachdem die: feind⸗ — 
be Poſttion durch rinen Thal, oder Gebirgsangriff emportirt 
rten ſoll. 

Im erſten Falle werden Tirailleur zur Aitaque der feind Auf den 
yen Poſition auf die beiderſeitigen Höhen des Thales deta⸗ Talhoven. 
irt, in welchem der Gegner ſteht. Dieſe Tirailleurs erſteigen 
nächſten Anhoͤhen, rücken den feindlichen Plaͤnklern entgegen 


Sa 





‘ 


⸗ 

und delogiren fie durch ein überlegenes Feuer, beſonders aber 
durch eine liſtige Umgehung über Nebenſteige und Felſen; folgen 
jedoch dem zurücweichenden Feinde nur in kleiner Zahl. Der 
größere Theil der Tirailleurd befett auf den Anhöhen jene 
Punkte, von welchen fie die feindlihe Stellung am zweckmaͤßig⸗ 
ſten befdneßen und durch ein lebhafte euer den. Angriff der 

Hanpttruppe im Thale begünfligen können. | 
Sollten die Tirailleurd nach Delogirung , ihres Gegner 
anf Fußiteige kommen, welche in deu Mücken oder in die Flanke 
‚ ber feindlichen Stellung führen, fo müflen diefe durch einige von 
ihnen zwar betreten werden, um ben Feind dadurch zu beunru⸗ 
higen; der größte Theil derſelben muß jedoch immer ‚zu dem 
SHauptzwede, nemlih zur Emportirung der. feindlichen Poſition 

im Thale verwendet werden. 

—æ Ein Angriff im Thale Tann unſerſeits blos dann Statt 
bei einem finden, wenn wir dem Feinde überlegen find, und eben dieſe 
Thalangriffe. Uibermacht uns die Sicherheit verfhafft, das feindliche Bros zu 
durchbrehen und Die Detafchemente bed Feindes aufzurollen, 
woburd fie unfähig werden, und im Näden und in den Flanken 





zu fchaden. 
—S Haben die Zirailleurabtheilungen die Beſtimmung, den 
der Gebirge. Feind and dem Gebirge zu delogiren, die höhern Rücken und 


wit ihnen das dominisende Terrain zu gewinnen, und baburd 
die Aufitellung des Gegners in Flanfe und Nüden zu uchmen, 
fo Lönnen nach der Natur diefed Terrains daſelbſt nur Feine 
Detafhementd und diefe nur auf Fußſteigen, folglich auch nur 
jerftreit und duch Tirailleurd wirken. 

Seneh menber Die Tirailleurs felbft gehen auf den Steigen vor; kommen 
fie anf einen feindlichen Poſten, fo vertheilen und poſtiren fie 
fi) fo, daß fie gegen benfelben ein überlegened, von mehren 
Punkten wirkendes Feuer anbringen künnen. 

Findet fih aber auf bominirenden Felſen und Kuppen 
irgendwo ein Punkt, von wo fie ben gegenfeitigen Poften in 
Flanken und Rüden nehmen oder auch wur .befchießen können, 
fo werden einige Männer dahin detaſchirt. 

Aufſtellung Die Reſerven müſſen entſchloſſen, jedoch mit Klugheit vor⸗ 

der Reierven. gehen, keinen Fußſteig undurchſucht laſſen und ſich dort aufſtellen, 

wo mehre Steige zuſammenkommen und wohin fie ihren Ruͤd⸗ 
zug unumgänglich nehmen müſſen. | 





81 





Durch kluge Führung folcher Gebirgsbetafchements fann —E 
oft ein uͤberlegener Feind gezwungen werden, alle feine in Thaͤ⸗ ger Gebirge: 


fern oder auf den niederen Bergen befindlichen Poften zu räumen, degpemenie 


oft ſogar aus einem ganzen Gebirge delogirt werden. A 3 
Feind. 
6. 5. 


Tirailleurgefecht im Flaufenmarfche. 


Die Verwendung der Tirailleurd zur Dedung einer Kolonne de Slanten- 

im Marfche beruht hauptfächlich auf der Sicherung ihrer Flanfen, Dre 
wobei aber befonders Nücficht genommen werden muß, daß die 

Tete, vorzüglich aber die Queue durch eine angemeffene, der 
Plänflerchaine folgende Neferve gedeckt werde, wenn auch dadurch 

die zur Kotoyirung der Flanken beftlimmten Reſerven ſchwächer 

würden, da diefe ohnedem durch Aufſchwenkung einer oder mehrer 
Abtheilungen aus der Kolonne leicht unterftügt werden Fönnen. 

Die näheren Detaille hierüber find in der fünften Abtheilung, 

welche von den Märfchen handelt, näher erörtert. 


Br 


Sünfte Abtheilung. 
Marfborduung im Felde. 


8. 1. 
Von Märſchen überhaupt. 


Der Zweck eined jeden Marfches ift die Erreihung eined Endzweck 
Punktes, auf welchen man fic entweder aufftellt, oder von wel⸗ des Marſches. 
dem aus man wieder eine fernere Bewegung unternehmen will. 

Gefchwindigfeif und Drdnung find hiezu die unentbehrlich- — 
ſten Erforderniſſe. lben. 

Ohne Geſchwindigkeit verfehlt man feine Abſicht, der Feind Geſchwindig⸗ 
erfährt oder erräth fie, und gewinnt Zeit zu Gegenanftalten. eit. 
Die Lage der Dinge ändert fih indeffen, und fo wird eine rich 
tig berechnete, nüglihe Bewegung durch Verzögerung unzweck⸗ 
mäßig und ſchaͤdlich. 

6 


Ordnung. 


Mittel dazu. 


Breite Abthei— 
lungen. 


Deckung 
durch Vor⸗, 
Seiten⸗ und 
Nachhut. 


82 





Ohne Ordnung fan kein Marſch ſchnell erfolgen, jede 
Bewegung wird gefährlich, der Kommandant iſt nicht mehr 
Meifter feiner Truppe, und Die geringfte, nöthwendige Abwei⸗ 
hung unterliegt fo vielen Berwirrungen und Sindernifjen, daß 
fie nie zu rechter Zeit vorgenommen werben kann. 

Um jedodh einen Marſch mit Schnelligkeit und Ordnung 
auszuführen, find folgende Mitsel die vorzüglichiten. 

Der Marſch der Kolonne hat bie zur Stärfe von halben 
Divifionen ftetd in fp breiten Abtheilungen zu gefchehen, ald es 
das Terrain nur immer erlaubt. Dadurch wird die Kolonne 
kurz und gedrängt, leichter überfehen, beifammen gehalten und 
fommt daher mit der ganzen Streitfraft geichwinder zum Ziele. 

Alle Hinderniffe, welche den Marſch flören oder verzögern, 
find zu entfernen Es muß daher jede Kolonne zur Dedung 
der Fronte ihre Avantgarde, zur Seitendeckung ihre Flanqueurs, 
zur Rückendeckung endlic ihre Arrieregarde haben. Eine fic 
feitwärts bewegende Kolonne hat nebit der Avants und Arrieres 


garde noch eine Kette von Flanqueurd und Fleinern Detafches 


Entfernung 
der Vor⸗, 
Eeitens und 
Nachhut. 


Im offenen 
Terrain. 


ments zu erhalten, welche die bedrohte Flanke ſo lange decken 
und kotoyiren, bis die Kolonne durch Aufſchwenkung ihrer Abthei⸗ 
lungen Fronte gegen den anrückenden Feind gemacht hat. 

Vor⸗, Seitens und Nachhut dürfen einerſeits nie fo weit 
von der Kolonne entfernt fein, daß fie Gefahr laufen, abges 
fhnitten oder aufgerieben zu werden, andrerfeits fih auch nie fo 
nahe an derielben befinden, daB eine feindlihe Truppe unver 
muthet die Kolonne überfallen und zugleich mit der Avantgarde 
auf fie ſtürzen koͤnne. 

In ganz offenem Terrain können fie daher aus Kavallerie 
beftehen, denn die Schnelligkeit, mit welcher diefe Truppe fich 
wieder mit der Kolonne zu vereinigen vermag, und die Mögs 
lichfeit, fchon in der Ferne jede Bewegung des Keindes zu entdeden, 
erlaubt auc ihre größere Entfernung, welche im Allgemeinen die 
zwei⸗ bis dreifache der für die Infanterie angenommenen fein fann, 


‘ und bier um fo nöthiger ift, weil eben eine ganz offene Gegend 


Im gemiſch⸗ 
ten Terrain. 


dem Feinde die Leichtigkeit gewährt, ſchnell gegen uns anzurücken. 

In einem gemiſchten, abwechſelnd bald offenen, bald durch⸗ 
ſchnittenen Terrain, wo weder Jufanterie noch Kavallerie ſelbſt⸗ 
ſtaͤndig verwendet werden kann, und Avant⸗ und Arrieregarden 
aus beiden Waffen beſtehen, die ſich gegenſeitig unterſtützen 











müffen, bürfen fie vom Gros auch nicht zu weit entfernt werben, 
wie in einer ganz offenen Gegend. Bei Avantgarden ift jedoch 
die Kavallerie als äußerfte Spite fo lange ale möglich zu vers 
wenden, indem fie die zu durchſuchenden Gegenitände in einer 
frnelleren Bewegung zu erreichen, und jedes Berfäumniß wieder 
einzubringen im Stande ift, die Haupttruppe daher ben Marſch 
ununterbrochen fortfegen kann; während fie, wenn das Durchſu⸗ 
chen der verichiedenen Terraingegenftände durch Infanterie gefchieht, 
jeitweife ſtehen bleiben muß, wodurch die Geſchwindigkeit des 
Marſches oft bedeutend verzögert wird. 

In einem fehr durchfchnittenen und gebirgigen Xerrain, wo Im ſehr gebir⸗ 
man blos Infanterie verwendet, befinden ſich Terraingegenfände giyenTerrain. 
und Punkte genug, um den Feind länger zu beichäftigen und 
aufzuhalten, dagegen können bier Liberfälle ausgeführt, und 
Hinterhalte leicht angelegt werden. Die Vorrückung muß alfo 
in einem ſolchen Terrain mit größter Behutfamkeit geſchehen, alle 
Terraingegenftände, müflen forgfältig unterjuckt werben; dieſes 
erfordert aber eine größere Zeit, und die Bewegung der Kolonne 
wird eben dadurch langſamer. Bors, Seitens und Nachhut 
werden daher nicht weit entfernt und noch näher gehalten, als 
m gemilchten Terrain. 

Es ift unmöglich, über die verhältnißmäßige Entfernung Maßſtab der 
ver Avants und Arrieregarden, fo wie der Seitentruppen einen Entfernung. 
iUgemeinen Maßſtab feftzufegen. Diefer kann nur: 

1. Durch die Kolonnentiefe der marfdirenden Truppe, 

2. die Befchaffenheit des Terraing, 

3. durch den Zweck des Marfches und 

4. durch die mehr oder minder große Feindeögefahr beftimmt 
verden. 

Als Minimum wird jedody angenommen, daß da, wo der 
eind vor und fteht: 

1. Ein Zug fi vor⸗ und feitwärts auf die zweifache, rück⸗ 
wärts aber auf die einfache Schußweite; 
2. eine Kompagnie oder Divifion dagegen vor» unb feitwärte 

auf die vierfache, rückwaͤrts aber wenigitend auf die zwei⸗ 

fache Schußweite durch detaſchirte Poften gegen jede unverheffte 

Annäherung des Feindes zu decken hat, welche Diftanzen ſich 

jedoch bei der Marſchordnung eines Zuges oder einer Eskadron 

6* 


Maßitab der 
Stärke der 
Vor⸗, Seiten⸗ 
und Nachhut. 


Eintheilung 
der Waffen⸗ 


gattnngen in 


. 84 





Kavallerie nad den oben gegebenen Erklärungen verhält 

nißmäßig verändern. 

3. Bei Bataillond, Brigaden, Divifionen und Korps die Ent- 
fernung der betafchirten Poften im Verhältniß der Stärke 
der Haupttruppe waͤchſt. 

Uibrigens wird die Entfernung der Avantgarde von bet 
Haupttruppe nicht während des ganzen Marſches gleichfoͤr⸗ 
mig beibehalten werden können. Erſtere iſt gemöthigt, 
öfterd anzuhalten und fihwierige Terraingegenitände mit 
Borficht zu durchfuchen, den Feind zu refognosciren, ſchwaͤ⸗ 
here Abtheilungen desfelben zu vertreiben u. dgl., wodurch 
der Abſtand von der Haupttruppe, welche ununterbrochen 
fortrückt, befonders bei großen Truppenförpern im Berhälts 
niß verkleinert wird, dagegen muß die Avantgarde dann 
trachten, den nöthigen Vorfprung zu gewinnen. 

Ebenfo unmöglich it es, im Ganzen einen Maßſtab für 

die verhäftnißmäßige Stärke der Avant⸗, Seitens und Arrierts 
garde feftzufegen. Ald Minmum kann man für diefelben hei 
fleinern Truppenförpern ein Dritts oder Biertheil, bei größer 
aber ein Fünftheil der ganzen Stärke annehmen. 
. Der Zwed des Marfched endlich hat wefentlichen Einfluß 
auf die Stärfe der zu detafchirenden Truppen. Bei Sceinans 
griffen oder wenn man die Abficht hat, dem Feinde unfere 
Stärfe größer glauben zu machen, wird zur Avantgarde ein im 
Verhältniß größerer, bei verftedten Märfchen aber im Gegen 
fage ein Fleinerer Theil ded Ganzen genommen. | 

Die Natur ded Terraind, die Verfchiedenheit der Gegend 
und Wege, die Art und Abficht der künftigen Aufftellung und 


felber und in die muthmaßliche Unternehmung des Feindes beftimmen die Ein 


der nafol: 
genden 
Kolonne 


Infanterie 


un 
Kavallerie. 


theilung der Waffengattungen in die Vor⸗, Seiten⸗ und Nachhut, 
ſo wie deren Anzahl und Zuſammenſetzung in der Kolonne ſelbſt. 

Im offenen Terrain bildet die ganze Kavallerie die Tete 
einer Mearfchfolonne, im gemifchten wird fie mit Infanterie an 
der Tete und Queue verwendet; in fehr durchſchnittenem, gebir⸗ 
gigen Terrain folgt fie ganz der Infanterie, welche ausſchließend 
für Gebirge, Waldungen, Schluchten, fteile Ravins u. dgl. Ge 
genden beſtimmt iſt; eine Waffe muß übrigens die andere beden, 
jede muß nach ihrer Eigenfchaft wirken fünnen, alle müflen zum 
gemeinfamen Zwecke geleitet werden. Der Marfch verfchiedener 








85 





Truppenarten in einer Kolonne iſt unbequem, weil jede ihre 
eigenthümliche Geſchwindigkeit befißt; demungeadtet wäre ed 
äußert gefahrvoll, die Waffengattungen zu trennen und jeder 
derfelben einen eigenen Weg anzumeifen; fie müflen vielnehr in 
der Ordnung marfchiren, in der fie fich zu fchlagen beftimmt find. 

Die. in Brigaden und Divifionen vereinte Reſervekavallerie 
bildet jedoch eine eigene Kolonne. 

Das Gefhüg wird in der Kolonne brigadenmeife eingetheilt, 
iſt größtentheild in der Mitte und wird durch eigene Abtheis 


lungen gededt. 


Neferves 
Kavallerie. 


Geſchütz. 


Dem Artillerieparfe find ſtets die beſten Wege anzuweiſen, Artilleriepark. 


und ſelber muß gegen jeden möglichen Angriff geſichert werden. 
Gewöhnlich bildet der Park eine Kolonne für ſich, und fährt auf 
einem oder dem andern Wege, den auch eine Kolonne einfchlägt, 
im Vorrüden hinter, im Rückzuge aber vor derfelben. 

Avants und Arrieregarden führen verhältnißmäßig nur wenig 
und leichte Geſchütz mit ſich; in hochgebirgigen Gegenden aber 
werden ihnen höchſtens Raketen oder Geſchütz auf Maufthieren 
beigegcben. 

Ohne Noth dürfen fomohl Artillerie, ald dad hinter der Kos 
Ionne marſchirende Gepäde die fahrbarfte Straffe nicht verlaffen. 

Das übrige Armeefuhrwerf bleibt aber während einer Ope⸗ 
ration ein bid drei Märfche hinter der Armee, um bei allen 
Bewegungen mehr Freiheit zu haben. 


Armeefuhrs 
wert. 


Das richtige Verhältniß der Entfernung und Stärke ber Richtige Ents 


Bors, Seitens und Nachhutstruppen, fo wie die entipredende 


fernung und 
Stärke der 


Sintbeilung aller Waffengattungen nach Maß bed Terraind und Bor, Seiten: 


der Größe der Haupttruppe find dem Kommandanten derfelben 


und Nacput, 
und Eintheis 


ie vorzüglichften Mittel zur vollftändigen Sicherheit und unges ung der Waf—⸗ 


törten Vollendung feined Marfched oder zur Gewinnung der 
rforderlihen Zeit, um fich gegen einen berannahenden Feind in 
Berfaffung zu fegen. 

Trennung ber Kräfte bleibt im Kriege ſtets gefahrvoll, 
heil8 weil man fih der Möglichkeit ausfept, vom Feinde im 
Setail geichlagen zu werden, theild weil die fo leicht eintretende 
jerfpätung einer Kolonne im Augenblide der Enticheidung die 
achthe iligſten Folgen nad, fich zieht. Demungeachtet macht bes 
ınders bei größern Truppenförpern die Beichaffenheit des Ters 
ains, Die zufammenftimmende Wirkung der Truppen auf mehren 


fengattungen 


gibt Marfch» 
9 iherbeit. 


Marfb in 
mehren 
Kolonnen, 


Daupterfors 
dernifie. 


Bertbeilung 
j der 
Streitkräfte. 


Zeitrehnung. 


36 





Punkten eder das gleichzeitige Eintreffen größerer Maflen auf 
einer Schlachtlinie den Marſch in mehren Kolonnen erforderlich. 
In dielen Fällen find nachfolgende Punkte unentbehrlich: 

1. Genaue Kenntmiß des Terraine. 

2. Zmedmäßige Bertheilung der Kräfte. 

3. Richtige Zeit und Raunlberechnung. 

4. Eine nach diefer entworfene Marfchdispofltion. 

Wie die Streitkräfte in den verfchiebenen Kolonnen einges 
theilt werden müflen, läßt fih nur durch den Zweck ded Mar⸗ 
ſches beftimmen. Schreitet man zum Angriff des Feinded oder 
einer Stellung vor, fo ift ſich hiebei nad den in der achten Ab⸗ 
theilung bieräber gegebenen Erklärungen zu benehmen; in jedem 
Falle dürfen jedoch zur Bildung der Seitenkolonne nur fo viel 
Truppen detafchirt werden, ald zur Erreihung des Zwedes uns 
umgänglich nöthig find, weil ſich fonft da® Gros unnützerweiſe 
ſchwaͤchen würde. Died bleibt eine Hauptregel bei allen Bewe⸗ 
gungen vor dem Feinde. 

Die bei Märfchen in mehren Kolonnen- nöthige Zeitberech⸗ 
nung ift von höchſter Wichtigkeit, befenderd dort, wo es fih um 
ein übereinftimmended Eintreffen der Kolounen auf einen oder 
mehren Punkten handelt; — nur genaue Kenntniß der vorhans 
denen Wege, Brüden u. dgl., ihrer Braucbarfeit für die ver 
fhiedenen Waffengattungen, fo wie richtige Beurtbeilung aller 
den Marfch befchleunigenden oder verzögernden Umſtände führen 
bier zu einem ſichern Refultate Aus der Geſchwindigkeit, womit 
ein einzelner Mann mehre Meilen unter gewiflen Berhältniffen 
jurädlegt, läßt ſich fein Schluß ziehen, wie viel Zeit größere 
Kolonnen zu eben diefem Marſche benöthigen. Auf die Geſchwin⸗ 
digkeit des Mariched haben nebft der oben berührten Beſchaffen⸗ 
beit der Wege und Brüden, noch 

1. Länge und Zufammenfegung der Marfcklolonnen, 

2. Witterung und Tageszeit, 

3. mehr oder weniger nöthige Borficht in Durchluchung der 
verfchiedenen Gegeuftände, 

4, Berfaflung, im der fih die Truppe befindet, und Ord⸗ 
nung, wit der ein Marſch audgeführt wird, 

5. die Größe des Marſches feld — einen wefentlichen 
Einfiuß. 








87 

Die Geſchwindigkeit ift anfänglich gewoͤhnlich größer, als nach 
mehren hinterlegten Meilen, und wenn man auch im Reiſemarſche 
100 Schritte auf eine Minute rechnet, fo werden im Kriege häufige 
Fälle eintreten, wo man bei größern Marfchlolonnen von mehs 
ren Bataillon und Batterien 50, höchſtens 60 Schritte auf eine 
Minute, und für die Kavallerie höchitend um ein Drittheil mehr 
und died blos bei Maärſchen, welche bei Tage ohne Hinderniffe 
und Zufälle geichehen können, rechnen darf; fo daß größere Kos 
lonnen zu jeder deutfhen Meile über 3, Stunde benöfhigen. 
Man fieht hieraus, wie fihmer es ift, mit größern Truppenför- 
pern, beſonders, wenn fie aus verſchiedenen Waffengattungen 
beftehen, in einem Tage mehr ald 3 bie 4 deutfhe Meilen zu 
gewinnen. Kleinere Kolonnen ohne Fuhrwerk und Gepäde kön⸗ 
nen jedoc, befonderd, wenn vom Keinde nichts zu befürchten ift, 
in einem Tage auh 5 bis 6 Meilen zurüdlegen. Forcirte 
Märfche find Ausnahmen von der Negel, und treten nur dort 
ein, wo Schonung ded Mannes, fo wie alle übrigen Rückſichten 
einem höhern Zmede weichen müffen. 

Die Marfhdispofition ift die Seele des Marſches; in ihr Marfepbispor 
muß der Grund zur Vermeidung jeder Unordnung und zur zu> ſitio 
ſammenſtimmenden Bewegung aller Kolonnen liegen. Sie enthält: 

1. Die Richtung ded Marfches, | - 

2. die zur Avants und Arrieregarde, fo wie zur Seitens 
yeung beftimmten Truppenkörper, 

3. die Anzahl der Kolonnen, 

4. die Art ded Abmarfcheg, 

5. die Stunde des Aufbruch für jede einzelne Kolonne, 

6. die genaue Beſtimmung der verfchiedenen Kolonnens 
vege, fo wie 

7. die allenfalls nöthigen Anordnungen über Marfchords 


ung und befondere Berhaltungen. 


Die Kolonnen müffen übrigens in fteter Verbindung unter Stete Verbin- 
& bleiben und immer im Stande fein, fich wechſelweiſe zu Fan Der 


nterftügen. 

Liber den Abftand der Kolonnen unter einander läßt ſich Abftand 
ine Regel feſtſetzen. Es fol zwar fein bedeutendes Terrain⸗ derſelben. 
inderniß zwiſchen felben liegen, das ihre Verbindung unterbricht, 
sch ſollen die Teten ſtets in gleicher Höhe marſchiren und fort⸗ 
ährend einen gleichen Abftand beobadıten, allein dies ift bei 





langen Märfchen und befonders in durchſchnittener Begend nicht 
immer augführbar. 
zorfiht bei Um in folhen Fällen den nachtheiligen Kolgen vorzubeus 
dur Terrain, BER, Die aus der Vereinzelung oder aus dem Mangel der Vers 
gegenftände. bindung der Kolonnen entftehen könnten, ift es nöthig, die 
Avantgarde fo weit vorzupoufliren, daß die Haupttruppe über 
die Strede, welche die Trennung verurfacht, hinausrücken und 
fih vor derfelben wieder koncentriren oder aufftellen könne. 
Vermeidung Das Kreuzen der Kolonnen muß durch alle möglichen Mits 
ae ber tel vermieden werden, weil dadurch endlofe Verwirrungen und 
Kolonnen. Unordnungen entitehen; den Umſtand nicht zu erwähnen, daß 
eine Kolonne die andere im Marſche aufhält. Bei einer guten, 
zwedmäßig verfaßten Marfchdispofition koönnen nur bei unvors 
herzuſehenden Hinderniflen folhe Fälle eintreten. Ihr Erfcheinen 
beweift daher gewöhnlich einen Fehler bei Berechnung der für 
die Marichentfernung erforberlihen Zeit oder eine Nichtbeach⸗ 
tung der feſtgeſetzten Aufbruchöftunde. 
Kolonnen⸗ Zur Verhütung von Verwirrungen oder ſonſtigen Unord⸗ 
führer. nungen wird jeder einzelnen Kolonne ein Offizier als Kolonnen⸗ 
führer beigegeben. Bei größern Xruppenförpern, ald ganzen 
Brigaden und Divifionen werden hiezu die Offiziere des Genes 
ralquartiermeifterftabs, bei kleinern Truppenabtheilungen aber 
Dffiziere der Linie verwendet, welche die zu. diefem Zwecke nöthis 
gen Kenntniffe und Fähigkeiten befigen. Der Kolonnenführer 
muß mit dem Inhalte und dem Geifte der ergangenen Marſch⸗ 
Dispofition in vollem Umfange befannt fein; die Kolonnenwege 
entweder felbft im Boraus refognoßciren, oder ſich durch Land⸗ 
farten und Befchreibungen eine möglichft genaue Kenntniß des 
Terraind verfhaffen, auf jeden Kal aber fih von einem Orte 
Boten. zum andern mit fundigen Boten verfehen, die man zwar freunds 
lich behandelt, fie jedoch gegen Verrath warnt und firenge bes 
wacht. Der Kolonnenführer muß fih bei der Avantgarde aufs 
halten, dieler die Richtung bed Marſches beflimmen, mit den 
naͤchſten Kolonnen nah Möglichkeit in gleicher Höhe und forts 
mwährender Verbindung zu bleiben trachten und alle Hinderniffe 
befeitigen, die den Marfch der Kolonne verzögern könnten. 
Pionniers, Es müſſen fih daher bei größern Truppenkörpern Pions 
Jimmerleute niers oder in deren Ermanglung, fo wie bei Heinern Truppen⸗ 


d Arbei 
un de förpern ftetd alle Zimmerleute und eine verhältnißmäßige Zahl 


Avantgarde. 








* 





mit Schanzzeug verſehener Arbeiter der Bataillons oder Regi⸗ 
menter unter Kommando eines eigenen Offiziers, der die Stelle 
des Wegmeiſters vertritt, bei dem Gros ber Avantgarde befin« 
den, um nach der vom Kolonnenführer erhaltenen Weifung die 
Wege, wo ed nöthig ift, zu verbeflern oder zu erweitern, Uiber⸗ 
gänge über Gräben und kleine Gewäffer zu errichten, ſchwache 
Brüden zu verftärfen, fteile Riveaur zu ebnen u. dgl. Gier, wie 
in hundert andern Gelegenheiten wird ſich der Vortheil bewähs 
ven, wenn jedes Bataillon wenigitend 50 bis 60: Mann befigt, 
die durch Unterricht iin Frieden dahin gebracht wurden, bie Stelle 
der Pionnierd zu vertreten. Der Kolonnenführer hat den mit 
Herftellung der Wege beauftragten Dffigier zeitlich genug in die 
Kenntniß von der Beichaffenheit derfelben zu fegen, damit letzte⸗ 
er fon im Voraus das Nöthige zur Hinwegihaffung vorkom⸗ 
nender Hinderniſſe verfügen könne, 

Sind Laufbrüden zu fchlagen, fo fahren die Equipagen 
nmittelbar hinter der Avantgarde, fonft aber gewöhnlich hinter 
er Kolonne, Kleinere Truppenlörper werden fich jedoch oft im 
Rarfche genöthigt fehen, unter der Leitung des Wegmeiſters in 
rmanglung der Lanfbrüden irgend eine Gattung von Noth⸗ 
rücken zu errichten. Uiber die nähern Details folder Brücken 
erweifen wir auf den $. 7 der flebenten Abtheilung. 

Maͤrſche im Gebirge fordern nebft den weiter oben anges 
benen allgemeinen, noch ganz befondere Vorſichtsmaßregeln, die 
irch die Natur ded Terraind herbeigeführt werden. 

Sn Gebirgsländern ziehen die Hauptkolonnen gewöhnlich 
f den für fie anmendbaren Straflen im Kauptthale fort, 
ährend Fußſteige bald parallel mit letzterm auf dem Gebirgs⸗ 
den fortgehen, bald quer über felbe zur Verbindung mit 
ebenthälern führen, welche auf mehre Märiche von einander 
tfernt find. 

Eingeengt durch das Terrain kann die Bortruppe im Hochs 
birge nicht, wie fn offener und gemifchter Gegend durch bie 
eite ihrer Fronte die Kolonnen vor Umgebungen oder uners 


Raufbrüden. 


Nothbrücken. 


Gebirgs⸗ 
maͤrſche. 


Zug der 
Straſſen und 
Wege im 
ſelben. 


Einengung 
der Vor⸗ 
truppe im 
Thale. 


rteten Angriffen in den Flanken ſichern; ſie kann nicht einmal 


ıe zu großer Vertheilung ihrer Kraft die Eingänge aller Fuß⸗ 
ge befegen, melde aus Meilen langen XThälern über: die 
hen herab auf tie Straffen der marfchirenden Kolonnen führen, 
e Avantgarde fügt daher die Hanpttruppen wohl gegen dem 


° . 


« 
Gun (mu —— 





Angriff einer entgegen kommenden, feindlichen Truppe, keineswegs 
aber gegen jene feindlichen Detafchements, die auf Seitenthälern 
das Gebirge auf Fußwegen erfleigen, und von den Höhen herab 
durch Flanken⸗ und Rüdenangriffe Unordnung und Berwirrung 
in der Kolonne verbreiten fünnen. 

Beitento. Um alio bei Gebirgsmärfchen jeden Flanken⸗ und Rüden: 

dem — angriff zu verhindern, und den Marſch mit der größtmöglichten 
Sicherheit auszuführen, müfleg die Flanken der im Thale mar: 
fhirenden Haupttruppe durch Beine Seitenfolonnen gedeckt werden. 

Diefe haben längs der ganzen Kolonnentiefe vertheilt, 
parallel und im gleicher Höhe mit der Haupttruppe auf dem 
Gebirge fortzumarihiren, welches das Thal und folglich die 
Straſſe beiderfeits umſchließt. u 

gärte und Diefe Detaſchements brauchen nicht groß zu fein, weil auf 

derfelben. den fteilen und fchmalen Wegen der Hochgebirge nur Kleinere 
Abtheilungen, oft uur einzelne Männer fortzufommen und zu 
wirken im Stande find. 

Auch entfernen fich diefe Detaſchements nie weiter von der 
Haupttruppe, als es nöthig iſt, um den Feind von jenen Ans 
höhen, von welchen bderfeibe die Kolonnen im Thale durch 
Gewehrfeuer oder mit Steinwürfen beihädigen könnte, zu ver, 
treiben und fie ſelbſt zu beſetzen. 

Bernachläffigung folher Borfihten im Gebirgäfriege hat 
fhon oft zu bedeutenden Unfällen Anlaß gegeben und den Berluft 
der beften Truppen nad fidh gezogen. 

Nachtmaͤrſche. Kur in den dringendſten Faͤllen find Nactmärfike zu unter⸗ 
nehmen; denn Kinfterniß hindert die Truppe zu überjehen, begüns 
fliget alle Unordnungen, und hemmt die fo nothwendige Schnel⸗ 
ligfeit in ber Bewegung. 

Aufenthalt Der Ort, wo fih der oberfie Kommandant aufhalten fol, 

des Komman laͤßt fih nur durch den Zweck ded Marfches und der Seite, von 

welcher die größte Gefahr droht, befiimmen. — Der Feldjug 
1796 fpricht fih hierüber bei Märfchen gegen den Feind folgenders 
maßen aus: »Biele Fehler laflen fi wieder verbeflern, und 
mander Berluft kaum wieder eingebracht werden, nur nicht jener 
der Zeit. Der oberfte Anführer foll daher ftetd in der Nähe 
feiner Avantgarde fein, fie ift die Quelle, durch welche ihm Die 
Nachrichten zufließen; bei ihr allein kann er die Kenntniß der 
Gegend und aller Umflände zur Behimmung feiner Entichlüffe 





N 





früh genug erlangen, um mit Schnelligkeit und Kraft zu handeln. 
Befindet er fich aber nicht A porlde oder an der Tete feiner 
Kolonne, fo läuft er Gefahr, fehr oft ihre Wärfche bie zur‘ Ges 
winnung einer richtigen Uiberſicht verzögern und aufhalten, oder 
falfihe Dispofitionen wieder abändern zu müflen. Auf alle Fälle 
geht Zeit verloren, und ber ſchnelle operirende Gegner ift im 
Vortheile,« 

Um jedoch jeder ſelbſtſtaͤndigen ‚im Marſche begriffenen Marſchord⸗ 
Abtheilung ein Bild zu geben, wie ſie zur Erreichung der nothigen ieß aen 
Sicherheit fich zu decken, welche VBorfihten fie zn beobachten. und Detafhement 
wie fie ihre Marſchordnung nach der Verfchiedenheit des Terrains —A 
u ändern hat, werden nachfolgende Marſchordnungen vom Diviſion. 
kleinſten Detaſchement an bis zu jener ganzer Brigaden und 
Divifionen als allgemeine Norm feſtgeſetzt. Sie beziehen fich 
edoch blos auf den. Marfch durd eine bedrohte Gegend im 
ingefichte oder in der Nähe des Feindes; mo aber vom letztern 
ſichts zu beforgen wäre, ift zur Schonung der Truppe und grös 
ern Schnelligkeit des Marſches die gemöhnfiche durch das Negles 
tent vorgefchriebene Marſchordnung zu beobachten. Uibrigens 
nterliegen fie im Kriege jenen Abänderungen, die befondere 
mitände und eintretende Verhältniſſe erheiſchen können. 

Schließlich bemerken wir, daß alle diefe Marſchordnungen 
(bft noch bei einem Stande von 140 bis 120 Mann pr. Koms 
ıgnie in Anwendung treten fünnen. Wenn jedoch die Stärte 
r verfhiedenen Truppenförper durch Verluft vor dem Feinde, 
er im frieden durch Verringerung des Standes fih um ein 
rittheil oder gar um die Sälfte vermindern follie, fo haben 
be auch bier, wie es bereits bei den felbititändigen Borpoftens 
fitelungen erwähnt wurde, ſtets die Marfchordnung der naͤchſt 
inern Abtheilung, und daher eine Divifion jene einer Kom⸗ 
gniie, ein Bataillon jene einer Divifion u. |. m. zu nehmen, 


. 82% | 
Narſchordnung eines kleinen Sinfanteries ober 
Savalleriedetafchements. 


Abtheilungen, melde weniger ald einen Zug betragen, und 
ſich allein felbfiftändig marfchiren, gehören meiſtens ſchon in 
: Bereich der Patronillen, deren Führung und wichtige Dienſt⸗ 
tung in der zweiten Abtheilung dieſes Unterrichts erörtert wurde, 





Sollten jedod Meine Detafhementd in Verbindung mit 
nachfolgenden Truppen auf einer Straſſe vors ober feitwärtd ge⸗ 
fendet werden, fo kann bei ihrer geringen Stärke die gewöhnliche 
Marſchordnung derfelben nur in einer Bortruppe von 1 Gefreiten, 
3 Maun, von mwelhen 2 Mann wieder auf die Diftanz von 
200 Schritten vorgehen, dann aus 1 Flanqueur rechts und finfe, 
und 2 Mann auf 200 Schritte hinter dem Gros zur Dedung 
des Rückens beſtehen. Ihre Verhaltung bei Paflirung aller auf 
Maͤrſchen vorlommenden Gegenftände muß fih ihrer geringen 
Staͤrke wegen ganz nach jener der Patrouillen richten, weshalb fie 
auf die dafelbft vorkommenden Unterweifungen verwiefen werden, 


8.3. 


Marſchordnung eines Zuges Infanterie oder 
Ravallerie. 


Die Marfhordnung eined Zuges und einer Kompagnie 
oder Eskadron ift die Baſis jener aller übrigen größern Trups 
penförper, da bie Kompagnie nie mehr als höcftens einen Zug, 
ein oder mehre Bataillond aber nie mehr als eine Kompagnie 
zur hauptfäclichften Sicherheit ihrer Marſchkolonne bedürfen, 
und hinter felben von der übrigen Truppe nur kleinere Detas 
ſchirungen oder Vorſichtsmaßregeln in der Nähe der Kolonne zu 
leiſten find. 

Die Marfhordnung beider Truppenförper muß daher auf 
das Genaueſte, wie folgt, detaillist werden. . 

Zwed der Der Zwed der felbftftändigen Detafdirung eines Zuges vor 

He oder feitwärtd einer größern, im Marſche begriffenen Truppe it 

" gewöhnlich, die Annäherung des Feindes zu entdeden und fchleus 

nigft zu melden, damit ſich die Haupttruppe ſogleich fihern Fönne, 

Ein ſolches Detafhement iſt zu gering, um größern feindlichen 

Kräften Widerftand zu leiften, allein anderfeits auch zu groß, um 

wie eine Schleihpatrouille gedeckt marfchiren zu fönnen. Es hat 

fih daher ſtets auf der Straffe zu halten, und um nicht gänzlich 

aufgehoben zu werden, nachfolgende Sicherheitömaßregeln vor 

und während des Marſches im verikiebenartigen Terrain zu 
beobachten. 

Vor dem Abmarfhe hat der Kommandant fein Detaſche⸗ 
ment auf dad Sorgfältigfte zu viſitiren und fid) die Uiberzeugung 








zu verfhaffen, daß die Mannfchaft ihre Gewehre im brauchbaren 
Zuftande habe und mit der vorgefchriebenen Anzahl fcharfer ‘Pas 
tronen, fo wie mit den auf die beflimmte Zeit nöthigen Lebens⸗ 
witteln, die Kavallerie mit Fourage verſehen ſei; endlich ob ſich 
unter der Mannſchaft Fein Kranker, oder unter den Pferden kein 
maroded oder unbeichlagenes befinde. Ein Hauptgegenftand ift, 
daß fih ein folder bdetafcirter Kommandant mit einem ober 
mehren dee Gegend genau kundigen Boten verfehe. Auch ift es 
ſehr zweckmaͤßig, ſich mit einer guten Saduhr, einem Fernrohre 
nd einer fih auf obige Gegend beziehenden Specialkarte, dann 
nit einer Schreibtafel fammt Bfeiftift, fo wie mit Papier, Feder 
md Tinte zu .verfehen. Ferner hat der Offizier ald Kommans 
nt bei Tage nach dem Stande der Sonne, der Lage der 
Derte dungen, Schlöffer oder fonft einzelner Gegenftände, 
NN ch dem Monde und nach den Geftirnen zu orientiren; 
ierat feine Unteroffiziere und Gemeinen aufmerkſam zu 
ıachet, und vor "dem Abmarfche noch Parole und Lofung auf 
e beftimmte Zeit fih zu verfchaffen. 

Der die Vorhut führende Unteroffizier muß fi mit den 
amen der Örtfchaften, durch welche der Marſch geht, befannt 
machen traten. In jeden vom Keinde nicht befetten Ort 
ndet dieſer Unteroffizier zwei Mann zum Richter oder fonftigen 
orfteher, um von ihm einen neuen, vVerläßlichen Boten zu erhals 
ı, vor deſſen Ankunft jedoch der bid dahin mitgenommene nicht 
tlaffen werden darf. 

Um jede Wiberrafchung möglichft zu verhindern, wird hier 
3 Grundfag angenommen, daß man vors und feitwärtd auf 
zweifache, rüdwärts aber wenigſtens auf die einfache wirk⸗ 
ne Schußweite gefchügt fei, und daß die detafchirte Mannfchaft 
8 ihre nächte Haupttruppe fehen könne. Als Vortruppe 
rſchirt auf eine "Diftanz von 200 Schritten 1 Korporal, 1 
freiter und 6 Gemeine; der Korporal bildet mit 3 Mann 
; Gros der Avantgarde, der Gefreite mit 3 Mann marfcirt, 

eine Vorpatrouille, 100 Schritte vor bemfelben, und detafchirt 
der 2 Mann auf eben diefe Diftanz vor fi, welche auf 10 
12 Schritte einer hinter dem andern gehen, forgfam umher: 
fen und alles, was fie wahrnehmen, in der Stille mittheilen. 

Rechts und Linke, in gleicher Höhe mit dem Gros der 

truppe, werden 3 Mann, unter benen ber vertrautelte bie 









GEintheilung. 
Plan 3. 
Sig. 1. 


9 





Gefreitenftelle vertritt, als Seitenpatronillen vorgeſchickt. Der 

Stellvertreter bleibt mit einem Manne auf 200 Schritte Entfer⸗ 

nung von der Borhut, und detafchirt den aälteſten oder verläß⸗ 

lihiten Mann auf eben diefe Diltanz feitwärts von fich hinaus. 

200 Schritte hinter der Bortruppe folgt der Offizier mit 

dem Zuge, und in eben derfelben Entfernung hinter Diefem mars 

ſchirt die aus 1 Korporal und 2 Gemeinen beftehende Nachhut. 

Verwendung Iſt dem Detafchement auch Kavallerie beigegeben,. fo wird 

berXavallerie. vieſelbe nach den im 5. 1 diefer Abtheilung angeführten, allge 

| meinen Grundſaͤtzen verwendet. 

—æ Marſchirt aber ein Zug Kavallerie allein, ſo reitet (wenn 

Zuges Died der Stärke des Zuges angemeflen iſt) 1 Korporal mit 8 

Kavallerie. Mann auf 3 bie 400 Schritte Entfernung ale Avantg 

dem Zuge, und detaſchirt 2 Manu auf 2 bi 300 S 

und links vor fih. Die Arrieregarde bilden 3 Manıt, 

auf 300 Schritte vom Gros entfernt, der lebte, 

Mann aber fchließt auf 100 Scwitte hinter diefen. 

Verbindung Der Zugskommandant fendet, mm ſich nicht zu ſchwſcchen, 

Veitmärte mit nur einzelne vertraute Leute, eins, zweis oder dreimal während 

truppen. des Marfched von wichtigen Stellen, oder in fehr wichtigen 

Fällen 2 Mann zugleich mit Rapporten an die rück⸗ oder ſeit⸗ 

wärtige Sanpttruppe ab. Diefe Leute haben bei Begegnung des 

Feindes alfogleich zu feuern; damit dad Detaichement, fo wie bie 
Sanpttruppe Davon avifirt werde. 

Rn Geht der Marfch durch eine ganz ebene und offene Gegend, 

Terrain. Die dem Auge eine weite Audficht geftattet, dann können die 

Plan 3 Big. 1. Seltenpatrouillen eingezogen werben. In einer Gegend aber, 

die zwar offen, aber nicht eben ift, und wo Bertiefungen und 

Höhen dem Feinde fih als verbedende Gegenflände barbieten, 

wird der Marfch auf die in der obigen Eintheilung befchriebene 

Art mit Bors, Seitens und Rüdenpatronillen angetreten. Eben 

dasſelbe findet in einer Gegend Statt, in welcher ed zwar ganz 

ebene, offene Streden gibt, der Terrain jedoch fchnell wieber 

wechlelt, und wo das Einziehen und Wiederausſenden der Seis 

tenpatrouillen biele lebten nur unnügerweile ermüben wuͤrde. 

Bon allen Bors und Seitenpatrouillen haben Die erften detaſchir⸗ 

ten Männer das Gewehr im offenen Terrain mit, im koupirten 

aber ohne Bajonete, jedoch ſtets mit geipauntem Hammer im 

bequemer Stellung horizontal, bie audern Patrouillen rückwaͤrts 













aber felbes ohne Bajonete und gefpanntem Hammer nah Will 
führ kommode zu tragen. Der Kavallerifi hat den Saͤbel wit 
dem Schlagriemen an der Fauſt hängen, und hält den geſpann⸗ 
ten Karabiner vor fi in der Hand, die Haupttruppe aber mars 
ſchirt mit verforgtem Säbel, 

Alle obigen Patrouillen find überdies genau zu belehren, 
wie fie fich zu verhalten haben, wenn fie den Feind entdeden, 
ohne felbft von ihm gefehen worden zu fein, oder wenn fie. uns 
vermuthet auf den Gegner ftoßen: 

Im erften Falle wird die Annäherung des Feindes dem 
Patrouillenfommandanten entweder durch ein verabredetes Zeichen 
oder durch eine mündliche Meldung befannt gegeben, worauf 
id) Diefer von der Wahrheit ded Gemeldeten ſchnell zu überzeus 
gen WEB dann ungefäumt den Detafchementöfommandanten von 
det Kenntniß zu ſetzen hat. 

Gm zweiten Falle, wo man plöglich und unvermuthet auf 
en Feind ftößt, gibt man Feier, um dadurch die Haupttruppe 
u avifiren. Sit nun der Feind fchmwächer, fo muß derfelbe ſogleich 
it dem Bajonete, ohne zu feuern, kraftvoll und mit Ungeſtüm 
ngegriffen und zurüdgemorfen werden. Iſt er aber ſtark, fo 
ıben die Patrouillen mit möglichiter Vertheidigung aller ſich 
ırbietenden Terrainvortheile ſich feits und rückwärts der Haupt⸗ 
uppe zurückzuziehen. 

Begegnen was immer für Reiſende der Avantgarde, ſo 
erden ſie angehalten und zum Detaſchementskommandanten ge⸗ 
hrt, der an fie folgende Fragen richtet: Wo -ftebt der Feind, 
ie ſtark ift er, aus welchen Truppengattungen befteht er, wie 
t er fich poftirt, hat er hinlängliche Lebensmittel, und woher 
jieht er diefe, welche Wege führen zu feiner Aufftellung, fchickt 

häufige Detafchements und Patrouillen aus, wie ſtark und 
welcher Zeit, hat er Berfhanzungen angelegt oder irgend 
en Ort in Bertheidigungsftand gefeßt u. dgl.? Die Refultate 
fer ragen fendet der Kommandant der rückwärtigen Haupts 
ppe- 
Jene Reiſenden aber, welche gegen den Feind zugehen 
Ken, müflen angehalten werden, und dürfen nur dann ihren 
'g weiter fortfegen, wenn file hiezu eine höhere Ermächtigung 
mweifen. 


Bei Begeg⸗ 
nung des 
Seindes, 


Bei Begeg« 
nung von 
Reifenden. 





Bei Paſſirung Wo immer Quermege, fie mögen num große Straſſen, 
an und Fuß oder Saummege fein; fo auch Querthaͤler oder Defilees 
Duerdefilees. im offenen oder Foupirten Terrain den Weg des Detafchementd 
durchfchneiden, wird mit dem Gros der Avantgarde gehalten. 
Diefe Wege oder Defilees müflen nun rechts und links durd 
2 Mann der Seitenpatronille auf 6 bis 800 Schritte durchſucht 
werben, und erit nach erhaltener Meldung, daß nichts vom 
Feinde da fei, ſetzt das Detafchement feinen Marſch fort. 
Im koupirten Terrain ift es im Allgemeinen Grundſatz, 
daß Feinere Detafhements ihre Sicherheit, welce fie in der 
Flanke durch verdeckende Gegenitände verlieren, durch eine deſto 
größere Länge und Tiefe wieder zu gewinnen trachten, indem 
es fih blos darım handelt, daß nicht dad ganze Detaſchement 
gefangen werde, und wenigftens ein Theil die Annäherusg des 
Feindes der größern Truppe melden Fünne. , 
Durch Sobald alfo ein Geftrüppe anfängt, läßt der Detalde 
Dan. mentöfommanbant die Vor⸗ und Geitenpatrouillen fo auflöfen, 
daß fie eine Kette von Plänflern in vorgehenden Bogen bilden, 
in welcer die Tirailleurd, je nachdem das Geftrüppe mehr oder 
weniger dicht ift, 100 bid 150 Schritte von einander entfernt 
bleiben, um es gehörig durchfuchen zu fünnen. Vom Gros der 
aus 1 Korporalen und 3 Gemeinen beftehenden Bortruppe mar 
fhirt der Korporal mit einem Manne auf der Straffe 100 
Schritte hinter der Kette, die beiden andern Gemeinen folgen 
dem Korporalen in eben vderfelben Diftanz. 200 Schritte rüds 
wärts fommt der Detafchementsfommandant mit der Haupttruppe 
in zwei Abtheilungen. Bei der erften befindet er ſich ſelbſt, die 
zweite aber folgt in einer Diftanz von 100 Schritten; 200 
Schritte hinter diefer dagegen marfchirt die Arrieregarde auf die 

beim Marxfche im offenen Terrain angegebene Art. 
Alle Plänffer der Kette marfchiren mit gefpanntem Ham⸗ 

mer, dad Gewehr horizontal tragend. 


Marfch duch 
Foupirte® . 
Terrain. 


Anmerbung: Behr oft werden in dee Wirklichkeit in einem 
durchfchnittenen Terrain, in welchem es ſowohl neben den 
Strafſen, als zwifchen Feldern und Wiefen, Gräben u. dgl. 
gibt, Eeine Geitentruppen detafchirt, um fie nicht der Gefahr 
auszufegen, abgefchnitten und gefangen zu werden, Allein 
abgefehen von dem Umftande, daß in einem durchfchnittenen 








, 


— — 

und daher gewöhnlich mehr kultivirten Terrain über alle dieſe 

Hinderniffe viele Kommunikationen beſtehen, and daß fie für 

einzelne Leute an den meifter Stellen gangbar find, fo iſt audy 

der Verluſt einiger Eleinen Abtheilangen in keinem Verhält⸗ 

niffe mit dem Nutzen, wenn man durch felbe von der Anwe⸗ 

fenheit des Feindes benachrichtige wird, und fich den Folgen 

eines Uiberfalles entzieht. — De mehr daher das Terrain 

duch feine Befchaffenheit dem Feinde Werftecde darbietet, 

defto nothwendiger find für die anf der Straſſe marfäirende 

Haupttruppe — Geitenparreuillen, die alle Hecken, Gebüfce, 

Gräben u. dgl. forgfam durchfudgen. 

Auch bei Paflirang eines Waldes werden die Vor⸗ und Paffirung 
Seitenpatronillen in einer Plaͤnklerkette aufgeldſt. Da aber Vlansdies. 
hier die verdeckenden Gegenftände noch bedeutender find, ald in 
einem Gefträppe, fo muß ſich zur Erzweckung der nöthigen Sichers 
yeit das Detafchement in feiner Tiefe noch mehr ausdehnen. 

Die Avantgarde bleibt bei Durchſuchung des Geftrüppes 
n der oben angeführten Eintheilung; der Kommandant aber 
olgt mit bem Gros des Zuges flatt in zwei, in drei ober vier, 
uf 100 Schritte von einander entfernt bleibenden Abtheilungen 
er Avantgarde durch den Wald nadı. 

Die Arrieregarde bleibt bei Heinen Waldungen fo lange am 
ingange ftehen, bis die Haupttruppe fie paflixt, oder bei größern 

bi 400 Schritte voraus iſt. Fällt ein Schuß, fo bleibt alles 
eben, bis etwas andered befohlen wird. &tößt man an einen 
hwächern Feind, fo greift man bdenfelben raſch und mit Nach— 
ruck an; ift aber der Gegner und weit überlegen, dann zieht 
ch alles ſeit⸗ und rüdmärts durch den Wald auf das Feld zurüd. 

Wenn Kavallerie durch Geſtrüppe oder einen nicht zu um⸗ Beobadtun. 
ehenden Wald ohne Infanterie marfhiren muß, fo kann fie fich, Ayrie piebel. 
enn :erftere leichte ift, im Allgemeinen meiftend nach obigen 
orfchriften benehmen. Bei dichten fumpfigen Wäldern Dagegen 
: ed am beiten, went bad Gros fo lange vor dem Walde 
artet, bis die Avantgarde ihn ganz oder. wenigfiend größten 
eils durchſucht hat. Nöothigenfalls können hiezu auch einige 
ute abſitzen; ſtets muͤſſen jedoch der Avantgarde zur Verbin⸗ 
ng mit demſelben in kurzen Intervallen Leute nachgeſandt, 

d ebenſo beim Paſſiren des Waldes ſelbſt gegen die Arriere⸗ 
irde zurückgelaſſen werben. 
| 7 





Paffirung von Fährt der Weg auf eine Anhöhe, welche ganz frei von 
vanegiga. Terrainhinderniſſen ift, fo ziehen ſich wieber die Vor⸗ und @eiten- 
patronillen, fo wie dad Gros ber Avantgarde und die Haupt 
truppe, wie in der offenen Gegend zufammen. — Bon ben zwei 
vorderften Männern fchleicht fih einer mit gefpanntem Hahne 
voraus, um die Anhöhe zu gewinnen, der andere aber bleibt am 
Zuße derfelben ftehen, und die Patrouille haftet in angemeflener 
Entfernung hinter diefen. Beftehen die Bors und Seitenpatrouillen 
aus Kavallerie, fo haben die vorauseilenden Leute auf den Gipfel 
nur fo weit vorzureiten, ald ed nöthig ift, das jenfeitige Terrain 
zu überbliden, ohne feldft gefehen zu werden; auch haben ft 
befonberd beim Sonnenfcheine ihre mit glänzenden Beftanbtheilen 
verfehene Kopfbedeckung abzunehmen. 
Der vorauögegangene Mann gibt dem unten gebliebenen 
das verabredete Zeichen, daß nichtd vom Feinde da fei, morauf 
die Patrouile die Höhe erfteigt, und alles hinter ihr den Weg 
fortfegt. 
Dasfelbe gefchieht auch von den Seitenpatrouillen, die 
gleichzeitig mit der Vorpatrouille einen Mann auf die Anhöhe 
vorausſchicken, melder rechts und links alles zu erfpähen trachtet. 
Der Kommandant mit der Haupttruppe, fo wie die Arriers 
garde folgen in der angegebenen Diftanz nad. " 
Waffirung Kommt die Borpatrouille an einen Hohlweg, fo werden 
eines r R 8 

wplmeges. 3 Mann vorausgeſchickt, von welchen einer durch den Hohlweg, 
Ylanz-319.5. bie beiden andern aber rechts und finf am Rande beöfelben 
Tangfam vorgehen und alles mit größter Sorgfalt durchſuchen. 
Die Avantgarde bleibt vor dem Hohlwege ftehen und marte, 
bis die Vorpatrouillen benfelben ganz, oder auf eine Hinlängliht 

Weite paflirt haben, worauf fie ebenfalls weiter marfcirt. 

Der Kommandant mit ber Haupttruppe folgt der Avant 
garde in der gewöhnlichen Entfernung von 200 Schritten nadı 
verftärft jedoch nöthigenfalls feine Arrieregarde, welche fo lange 

ange des Hohlweges ſtehen bleibt, bi die Haupttruppe 
felben paflirt it oder eine verhältnißmäßige Strede ge⸗ 
jat. Die Seitenpatrouillen umgehen den Hohlweg rechts 
3,.und traten nach Möglichkeit, ihre Diftanzen zu 
n. 

oßt das Detaſchement an eine Brüde über einen ſeines 
zaſſerſtandes wegen nicht zu durchwatenden Fluß oder 





Kanal, oder hat das Detafchement einen Damm über einen 
Sumpf zu pafliren, fo bleibt die Avantgarde ſtehen; die Seiten» 
patrouillen ziehen fi gegen die Brüde oder den Damm, und 
pafliren felbe gleichzeitig mit der Borpatrouille. Jenſeits des 
Waflerd oder Sumpfes dagegen dehnen fih die Seitenpatrouillen 
wieder rechts und links auf die vorgefchriebene Diftanz aus, 
während die Borpatrouille gerade fortrüdt. Hierauf folgt die - 
Avantgarde felbft nach, welche aber nad 200 Schritten wieder 
Reben bleibt, um die Ankunft ded Gros über der Brüde oder 
dem Damme zu erwarten; worauf alled feinen Weg weiter 
fortfegt. Die Arriergarde wird bei folchen Paflirungen vom 
Gros ded Detaſchements mit einigen Mann verftärft, und behält 
die Brüde oder den Damm fo lange befegt, bie das Detafcher 
ment ſelbe 6 bis 800 Schritte hinter fich bat, worauf fie im 
Doublirfchritte der Hanpttruppe nachfolgt. - 


Hat der Feind eine Brüde abgetragen oder fonft zerftört, Benehmen bei 
fo müffen einige Leute der Vorhut durch Schwimmen oder auf genen Brüde. 
irgend eine andere Art über den Fluß oder Kanal zu fommen 
trachten. Diefe Leute bringen alle auf dem jenfeltigen Ufer 
befindlichen Kähne, Flöße u. dgl. herüber und holen aus den 
naheliegenden Häufern oder ‚Ortfchaften Bewohner herbei, welde 
nit den Zimmerlenten die ſchleunige Wiederherftelung der Brücke 


u bewirfen haben, 


Sobald ed nur möglich ift, pafliren die Avantgarde und 
vie Seitenpatronillen den Fluß, ſtellen am jenfeitigen Ufer einige 
pifopoften aus und warten fo, bid dad Gros nachkömmt oder 
ie Brücke vollfommen hergeftellt ift. 


Wenn eine Chauffee oder ein Weg abgegraben, oder durch geen bei 
Zerhaue, Traverſen u. dgl. unzugänglic; gemacht iſt und nicht "oper une 
mgegangen werben kann, fo haben die Zimmerleute oder andere gänglicen 
:ommanbdirte den Weg zu ehnen und gangbar zu machen. Sind Skraſſen. 
ber dieſe Hinderniffe vom Feinde beſetzt, fo meldet ed bie Borhut 
em Kommandanten, nimmt indeflen eine vortheilhafte Aufftellung 
nd bereitet fich zum Angriffe. Um aber in folhen Källen nicht 
nnügerweife Leute zu verlieren, läßt der Kommandant den 
eind von ferne durch die Vorhut befchäftigen, während er felbit, 
»fondere, wenn der Gegner nicht ſtark ift, ihn gu umgehen, abzu⸗ 
hneiden und plöglich in Flanke und Rüden zu fallen trachtet. 

. 7 % 


100 





Paffirung von Weingaͤrten deutſcher Kultur werben, da fie dem Feinde 
Weingärten. zeinen Verfieck gewähren, nur durch die Seitenpatrouillen auf 
die gehoͤrige Art und Entfernäng durchſucht. In Italien IR man 
jedoch bei Paflirung der Weinfelder der vielen: Bäume, Neben 
and der zwiſchen den Aeckern fh befindlichen Gräben halber 
genöthiget, eine Kette zu bilden, 
—e— Führt die Straſſe an.einem Hauſe oder Meierhofe vorbei, 
oder Meier: fo haltet die Avantgarde. Bon der Vatromille gehen bie zwei 
hofes. erſten Männer zum Meierhofe; das Thor ift offen, der eine 
Mann geht vorfichtig hinein, der andere bleibt vor der Thüre 
Reben, der Eintveteude finder in ber erften Thüre, Die er öffnet, 
einen Landmann, den er um ben Feind befragt und auf feine 
Berfiherung, daß er von demfelben nichts wifle, zus Avantgarde 
Bringt. — Die Vorpatrouille loͤſt ih fo anf, daß ein Mann um 
die äußere Umfaſſung ded Gebäudes geht und alles forgfältig 
beobachtet, bie andern zwei Mann gehen in das Gebände felbft 
und unterfuchen es gleichfalld genau in allen Stockwerken, bis 
auf den Boden, indeſſen vifitiren die Seitenpatrouillen Dad Terrain 
rechts und links, feit- umd vorwärts des Hauſes oder Meierhofes, 
und wenn fih nirgends eine Spur vom Feinde zeigt, fo geht 
der Marſch fort. 
Paſſirung Befindet ſich an der zu paſſirenden Straſſe ein Dorf, 
—W ſo haltet alles, wie die Vorpatrouille ſich demſelben auf 300 
Schritte nähert. Die zwei vorausgehenden Maͤnner ſchleichen ſich 
zum erſten Hauſe, einer begibt ſich in dasſelbe und holt einen 
Bewohner heraus, während der andere vor dem Hauſe ſtehen 
bleibt. Der Landmann wird zur Avantgarde gebracht, vom 
Detaſchementskommandanten befragt, ob ſich im Dorfe der Feind 
befinde, Damm aber als Geißel zuruͤckbehalten ımd ihm der Tod 
gedroht, wenn feine Angaben fich nicht beftätigen würben. Sobald 
man nun auf diefe Art erfahren hat, daB im Dorfe nichts Feind⸗ 
liches ſei, fo loͤſt fich die Vorpatrouille auf, durchfucht mit größter 
Aufmerkſamkeit die Hänfer und Gaſſen, und fendet den Richter 
sder andere Anfehmliche des Dorfes als Beißeln zum Detafches 
mentöfommandanten, welcher biefelben um alles befragt, was auf 
den Feind Bezug hat. 
Die Seitenpatronillen gehen indeffen links und rechts um 
bad Dorf, und durchſuchen Die Hauptgebaͤude an den Außerften 
Enden, fo wie die feitwärts bes Dorfes liegenden’ Gärten, 


101 





Scheuer, KRirchhöfe u. dgl., mwährenb die Avantgarde den Eins 
gang des Dorfed beſetzt, und die Haupttruppe hinter ihr auf 
eine angemeffene Entfernung haltet. 


Wird-im Dorfe nichts Keinbliches gefunden, fo marſchirt 
die Avantgarde durch dasfelbe, ftellt fih am Audgange wieder 
auf und fchicft eine Meldung an die Haupttruppe zurüd, worauf 
diefe ebenfalld dad Dorf paflirt, oder wenn es möglich ift, feits 
wärts um dasſelbe geht; die Arrieregarbe aber bleibt fo lange 
hinter Dem Dorfe aufgeftellt, bid die Haupttruppe den Ausgang 
deöfelben erreicht hat, wo fie dann den übrigen Truppen 
nachfolgt. 

Entbeden die zwei vorausmarſchirenden Leute der Vorpa⸗ Gefangennep: 

trouille eine heranuahende, feindliche, Abtheilung, fo geben fie das Pr Tre 
verabredete Zeichen, worauf alles ſtehen bleibt. Der Detafcher Patrouille. 
mentöfommanbant ergreift nach erhaltener Melbuug unverweilt 
die nöthigen Maßregeln, um die feindliche Patronille wo möglich 
gefangen zu nehmen. Die Seitenpatrouillen nähern fich hiezn 
der Straffe und fuchen in Gräben, kleinen Gebüſchen oder hinter 
Erdhöhen fid zu verſtecken, während bie Haupttruppe und bie 
Arrieregarde ein nahe Liegendes Haus, Geftrüppe oder ſonſt 
einen günfligen Xerraingegenftand zu ihrem Hinterhalte benüget. 
Naͤhert fih nun die feindliche Patrouille, fo wird bie größte 
Stille beobachtet, bid der Feind in der Mitte unfered Verſteckes 
ift, worauf die ringsum vertheilten Truppen mit Ungeftüm her 
vorbrechen und bie Patrouille umzingeln. 


Der Detafhententöfommandant fucht durch die Gefangenen 
Nachrichten über die Stärfe und Gtellung bed Feindes, feine 
Abſichten u. dgl. zu erhalten, und erftattet über alles, was er 
auf dieſe Art erfährt, feiner Haupttruppe die Meldung. 


Befteht die Avantgarde aus Kavallerie, ber fich eine Infans 
teriepatrouille nähert, jo muß esftere ſich wohl hüten, Teßtere 
ınzubalten, fo lange fie fih in der Nähe eined Grabens, 
Hauſes a, dgl. .befinder; ift ed aber eine Kavalleriepatrouille, 
ie man zu fangen fucht, fo zieht fih die Avantgarde zurüd, -bie 
Seitenpatrouillen Dagegen. trachten mit. ber größten Behutſamkeit 
ich dem Rückzugswege des Feindes zu nahern, um ba jo von 
illen Seiten zu umringen. 


Rückzug. 


Allgemeine 


Bemerkung 


bei Nachtmaͤr⸗ 





Die Gefangenen werden entwaffnet, oder mit abgenom⸗ 
menen Bajoneten und Gewehrſchloͤſſern der Arrieregarbe übergeben, 
worauf der Marfch in der vorigen Ordnung und mit möglichfer 
Vorſicht weiter fortgefegt wird. 

Nähert fih der Feind mit Llibermackt, fo wird ber Rückzug, 
ohne fih in ein Gefecht einzulafien, unvermweilt angetreten. Die 
Hälfte der Truppe bleibt gefchloffen, und bildet die Reſerve der 
zweiten Hälfte, welche aufgelöft in PM änkler den Feind abzu⸗ 
wehren trachtet, bie das Detafchement die Haupttruppe erreicht hat. 
Bei Nacht oder ftarfem Nebel findet zwar diefelbe Eintheis 
lung und Marfchordnung Statt, wie bei hellem Tage, nur dap 


fhen oder bei die detafchirte Bors, Seitens und Nachhut näher an der Haupt 
aroßem Rebel ruppe behalten werben, und daß eine deſto größere Vorſicht er 


Bei ſtarkem 

Schnee und 

im Hochge⸗ 
birge. 


forderlich iſt. Auch können einzelne Männer zwiſchen der Haupt⸗ 
truppe und den detaſchirten Poſten in ſolcher Entfernung hinter 
einander gehen, daß ſie ſich wechſelſeitig zu ſehen im Stande ſind. 

Wenn alle Wege verſchneit ſind und man nur auf der 
Straſſe gehen, ſo auch im Hochgebirge, wo man blos auf Fel⸗ 


ſenwegen fortlommen kann, wird die ganze Avantgarde fo aufge⸗ 


löſt, Daß nur immer zwei und zwei Mann neben einander auf 
der Straſſe marfhiren. Die Entfernung gwifchen jedem Paare 
diefer Leute ift 100 Schritte, damit, wenn ein verſteckter Feind 
über die erften zwei Männer herfällt, die übrigen noc zurüd, 
eilen, und ber Haupttruppe vom Borgefallenen die Meldung 
erfiasten Fünnen, 

Bricht auf folhen Wegen vie Nacht ein, cder fät ein 


ftarfer Nebel, fo werben diefe Entfernungen bis auf 60 und 50 


Schritte vermindert, alle Seitenwege und Querdefileed aber, 
fowohl bei Tag als bei der Nacht wenigftend auf einige hundert 
Schritte forgfältig durchſucht. 


$. 4. 
Marſchordnung einer Rompagnie ober Eskadron. 


Hier wirb fich abfichtlich bei jedem Anlaſſe auf die Marſch⸗ 
ordnung eined Zuges berufen, weil jene einer Kompagnie anf 
denfelben Brundfägen beruht; der Kommandant größerer Koͤrper 
ebenfalls jene Heinen Details mit Genanigfeit in Ausübung zu 
bringen hat, und die Unterweifung der Truppen von unten 





1083 





hinauf bis zu bedeutenden Körpern, deren Wirkung enticheidender 
it, nach gleichen Vorſchriften vor ſich gehen foll. 


Der Zwed der Detaſchirung einer Kompagnie vor⸗ oder Zwec der 


ſeitwaͤrts einer größern im Marſche begriffenen Truppenabthei⸗ 
lung iſt zweifach: 

1. Die Annäherung eines Feindes bei Zeiten zu entdecken 
und hievon die Haupttruppe fchleunigft in Kenntniß zu feken. 

2. Jede ſchwächere oder gleich ſtarke Abtheilung des Geg⸗ 
ners zurückzuwerfen oder aufzureiben. 


Ein ſolches Detaſchement iſt zu ſchwach, um ſich ganzen 
feindlichen Bataillons entgegen zu ſtellen, allein es muß, nach 
Verhältniß feiner und der feindlichen Stärke, jederzeit den 
Gegner fo lange aufhalten und befchäftigen, bis ed der Haupt: 
truppe gelingt, fih in Berfaflung zu ſetzen und eine vortheilhafte 
Stellung zu nehmen. 

Da eine ftärfere feindliche Abtheilung ſtets auf ber Straffe 
marfchiren wird, fo hat auch ein ſolches Detaſchement ſolche nie 
zu verlaſſen. 

Die Vorbereitungen zum Marſche ſind im vorhergehenden 
$. nachzuſehen, mit dem Bemerken, daß fie bei einer Kompagnie, 
als einem größern Körper, defto genauer vor fich zu gehen haben. 

Die Avantgarde der Kompagnie bildet ein Offizier mit 
einem Zuge, nebft einem Tambour. Diefer die Avantgarde bil- 
bende Zug wird jo eingetheilt, wie ed im vorhergehenden $. für 
die Marfhorbnung desfelben vorgefihrieben wurde. 


Um aber den Flanken größere Sicherheit zu geben, werden 
von dem Gros der Haupttruppe, nebft den rechts und Tinte 
ohnedem fchon marfcirenden noch zwei Geitenpatrouillen von 1 
Korporalen und 5 Mann detafichirt. Der Korporal mit 3 Mann 
marfchirt 180 bid 200 Schritte feitmärts bed letten Flanqueurs 
ber Avantgarde, und fendet 2 Mann auf eben dieſe Diftanz 
wieder ſeitwärts von fi, fo, daß durch dieſe Marſchordnung 
das Terrain zu beiden Seiten der Strafle 7 bid 800 Schritte, 
mithin über die dreifache wirkſame Schußweite burchjucht und 
gefichert wird, 

Dad Gros der Kompagnie folgt der Arrieregarbe bed Zuges 
zuf 200 Schritte Diltanz. Ihre aus 1 Korporalen, 1 Gefreiten, 
7 Mann beſtehende Arrieregarde marjchirt Dagegen in eben dieſer 


Detafirung 


einer 
Kompagnie. 


Vorberei⸗ 
tung. 


Eintheilung. 


Plan 3. Fig.7. 


104 





Entfernung hinter ber Kompagnie, und betafchirt wieder auf 
200 Schritte rückwärts 1 Gefreiten und 2 Maun. 

| Durch dieſe Marſchordnung deckt fih die Kompagnie vor- 
wärts auf die viers, rückwaͤrts aber auf die zweifache wirkſame 
Schußweite; die leßtere nämlich zu 200 Schritten gerechnet. 


Verwendung Iſt der Kompagnie Kavallerie beigegeben, ſo wird dieſelbe 

dergavallerie. nad den im 6. 1 dieſer Abtheilung angegebeugn Grundſaͤtzen 
verwendet, und nach Beſchaffenheit des Terrains zur Bildung 
der Vor⸗ und Seitenpatrouillen beſtimmt. 


Marihord. Befindet fich jedoch eine Eskadron für ſich allein im Marfche, 
Eeradeon. fo fichert fie fich ebenfalls dur Vorausſendung eined Zuges, der 
ſich nach der Marſchordnung eines felbftftändigen Kavalleriezuges 
benimmt, nur daß hier vom Zuge ſelbſt noch rechts und links 4 
Mann, worunter einer die Stelle des Gefreiten vertritt, als 
Seitenpatrouillen über die letzten Flanqueurs hinaus detaſchirt 
werben, welche wieder 2 Mann auf 2 bis 300 Schritte ſeitwärts 
abfenden. Die Arrieregarde marfchirt ganz’ fo, wie bei der Kom⸗ 
pagnie, nur mit verhältnißmäßig größeren Diftanzen. 
Marſch im Der Marfch in einer offenen Gegend wird in der oben 
en angeführten Einsheilnng und mit Beobachtung der beider Marfchs 
ordnung eined Zuges angeführten Detaild’ununterbrochen fortgefeßt. 
ne Entdeckt man den Feind in der Ferne, ftößt man unver 
und der muthet auf denfelben, begegnet man Neifenden, welde von der 
Reifenden. feindlihen Seite kommen, fo ift fih in allen diefen Fällen fo zu 
benehmen, wie es die Detaild in der Marfchoranung eined Zuges 
vorfchreiben. 
Paſſirung von Ebenſo wird fich rücfichtlich der Paſſirung und Pifitirung 
ee der bie Strafe Durchfchneidenden Querwege und Querdeſilees 
fileee. auf die in der Marſchordnung eined Zuges enthaltenen Beleh⸗ 
rungen berufen. 
Beobachtung Befinden ſich außerhalb des Bereiches der Seitendetaſche⸗ 
Ze ments Wege, die parallel mit der Gtraffe laufen, auf welcher 
die Hauptkolonne marfchirt, jo müſſen diefelben Durch eigene Pa⸗ 
trouillen beobachtet werden. Diefe marſchiren auf diefen Wegen 
fort, bleiben nah Möglichkeit in gleicher Höhe mit der Haupt⸗ 
truppe und fallen dem Keinde in Flanken und Rüden, wenn er 
‚gegen unfere Avantgarde vorrückt, oder wenn ihn dieſe felbft 


angreift. 











105 





Kommt man An em Geſtrüppe, fo muß ed durch eine Plänfs Marſch. durch 
lerlette, wie in der Marſchordnung eines Zuges erklaͤrt worden, fe Foo. 
auf dag forgfältigfte durdfuct werden. Diefe Kette wird auf 
die im Mlan 3 Fig. 8 dargeftellte Art durch 16 Mann gebilvet, 
die einen Abftand von 80 bis 90 Schritten von einander beob⸗ 
achten, und bergeftalt in der Fronte 12 bis 1400 Schritte, alfo 
über die fechdfache wirffame Schußweite durdfichen, woburd 
man fih gegen jede Liberrafdmng fidhert. 100 Schritte hinter 
der Kette marfchirt auf ver Straffe, wie bei der Marſchordnung 
eined Zuges, der Korporal der Außerfien Vorhut mit einem Ges 
meinen, und betafchirt die übrigen 2 Mann auf eben dieſe 
Diftanz weiter rüdwärtd, denen der Zug, bie Arrieregarde des⸗ 
felben and die Kompagnie mit Beobachtung ber wechfelfeitigen 
Entfernungen von 200 Schritten unmittelbar nachfolgen. 


Uibrigens marfchirt noch von jeder der zwei Seitenpas 
trouiffen der. Korporal mit 2 Mann hinter der das Geftrüppe 
Durchfuchenden Kette. 

Die Arrieregarde zieht, wie fie an das Geftrüppe Fommt, 
die rückwärts detafcirten Leute an fih, und bleibt fo lange da⸗ 
jelbft ftchen, biß die Haupttruppe entweder ganz oder wenigftens 
uf 6 bis 700 Schritte voraus if, worauf fie ihr nachfolgt und 
die rückwärtigen Poften wieder entfendet. 

Führt die Straffe durch einen Wald, fo gefcieht deffen a offeung 
Durchjuchung von einer Slette ganz fo, wie jene eines Geſtrüppes. ans Seo. 
Sollte jedoch die größere Dichte des Waldes ed erfordern, daß 
ie Leute der Kette näher ald 80 Schritte von einander mars 
hiren, fo it von dem Zuge eine verhältnißmäßige Verftärkung 
n Die Kette zu detafchiren, Die jedoch nach Paſſi irung des Waldes 
bieder eingezogen wird. 

Das Gros der Kompagnie folgt der Avautgarde zur grös 
ern Sicherheit in zwei Abtheilungen, die 100 bie 150 Schritte 
on einander aßbleiben. 

Die Arrieregarde wird nöthigenfalis auf 12 bis 16 Maun 
erftärfe und hält den Eingang des Waldes fo ange befest, 
is Die Kolonne 6 bis 800 Schritte voraus ift. 

Fällt ein Schuß oder ftößt man auf den Keind, ſo iſt fich 
‚ wie bei ber Marfihordnung eines: Zuges griagt wurde, zu 
mehmen. 


106 


— ———— — 


Ebendahin verweilen wir ruͤckſichtlich ber Vorſichten, wenn 
eine Eskadron ohne Infanterie durch einen Wald zu marfckiren 
genöthigt iſt. 

Kommt man nach Paflirung. eines Waldes in ein offenes 
Terrain, fo werben aus der Kette die in der urfprünglichen Ein⸗ 
theilung beftimmten Vor⸗ und Seitenpatrouillen wieder formirt. 

Eden © Zührt der Weg auf eine Anhöhe, die ganz ftei von ver- 
Pan 3. deckenden Gegenftänden ift, fo wird die für eine offene Gegend 
dig. 10. anbefohlene Marfhorbnung wieder angenommen, Wie jedoch 

die Vor⸗ und Beitenpatrouillen der Avantgarde sam Fuße der 
‚Höhen anlangen, fchleiht von allen Patrouillen ein Mann vors 
x fihtig binauf, fo, daß die Höhe durch 6 Mann früher refognoss 
cirt wird. Entdedt man nichts Feindliches, fo ift der March von 
der Avantgarde, dem Gros und der Arrieregarde unaufgehalten 
fortzufegen, und fobald man die Höhe paflirt hat, ziehen alle 
Patrsuillen ihre detafcirten Leute wieder ein und marfchiren in 
der gewöhnlichen Eintheilung weiter fort. | 

ee | Stößt die Kolonne auf einen Hohlweg, fo haben fich bie 
weges. Vor⸗ und Geitenpatrouillen bei Durhfuhung und Paflirung 
—8 3. desſelben fo zu benehmen, wie cd in der Marſchordnung eines 

9. I Zuges detaillirt wurde. Die Seitenpatrouillen umgehen in allen 
Richtungen den Hohlweg, und die Avantgarde folgt der Vorpa⸗ 
trouifle in der für fie beftimmten Entfernung nah. Die Haupt» 
folonne haltet vor dem Eingange ded Hohlweges und folgt der 
° Avantgarde erft dann, wenn le&tere bdenfelben bereitd paſſirt 
bder einen verhältnißmäßigen Borfprung gewonnen hat. Die 
Arrieregarde haltet gleichzeitig mit der Haupttruppe; wie aber 
feßtere in den Hohlweg marfcirt, bleibt fie ftatt derfelben am 
Eingange fo lange fichen, bid die Haupttruppe das Deftlee 

paſſirt hat, worauf fie gleichfalls nachfolgt. 

Paffirung ° Führt der Weg über eine Brüde, fo ift fih hiebei ganz 

einer Drüde nach den in der Marfchordnung eines Zuged gegebenen Bor: 
Dammes. fchriften zu benehmen. Die Seitenpatrouillen müffen befonders 
trachten, das Wafler auf irgend eine Art weiter oben oder unten 
zu pafliren; wäre aber dies nicht möglich, fo ziehen fie ſich 
gegen die Brüde und gehen gleichzeitig mit der Borpatrouille, 
und fo ſchnell ald möglich über dieſelbe. Die Hanpttruppe vers 
flärft Die Arrieregarde auf 12 bis 16 Mann, und beide beneh⸗ 
men fic; nach ben im vorhergehenden 8. gegebenen Erlänterungen. 


107 





HM ein Damm -über einen Sumpf zu paflirem, fü treten 
diefelben Erflävungen in Anwendung. . 


Kommt man an abgetragene Brüden, abgegrabene ober Bei abgetras 
unzugänglich gemachte Wege, fo wird fich nach den in der Marfih- Beiden 
en, 
ordnung eined Zuges gegebenen Belehrungen benommen; — auch abgegrabenen 
ift ebendiefelde Marſchordnung über die Art der Paffirung eines Weger Faßre 
Weingartens, der Durchſuchung eines Hauſes oder Maierhofes Wing 
nachzuleſen. Pe ic. 
auſe 
Zeigt ſich auf der zu paſſirenden Straſſe ein Dorf, fo wird Paffirung er 
ſelbes, wenn die Borpatrouille auf 300 Schritte anfommt, durd nes Dorfes. 
Dlan 3. 
? Mann eben fo, wie ed in der Marfhorbnung eined Zuged Zig. 12. 
gefagt wurde, refognoscirt, und ein Bewohner desfelben anges 
halten und befragt. Auf die Verfiherung, daß ſich nichts vom 
Feinde im Drte vorfindet, gehen die Vor» und erften Seitens 
patrouillen mit Beobachtung aller Details, die in der Marſch⸗ 
ordnung eined Zuges erörtert wurden, in dad Dorf, und die 


Seitendetafchements vor und über dasſelbe hinaus. 


Hierauf rüdt dad Bros der Avantgarde vor, und burchs 
ucht mit größter Genauigkeit alle Häufer und Gaffen. Die 
daupttruppe befeßt unterdeffen den Eingang des Ortes, bleibt 
ber mit ihrem Gros auf 3 bi 400 Schritte rüdwärtd des⸗ 
efben ftehen. 

Wird nichts Feindliches entdeckt, ſo ſammelt ſich die Avant⸗ 
arde vor dem Dorfe wieder in ihrer urſprünglichen Eintheilung 
nd erſtattet ber Haupttruppe die Meldung, worauf dieſe eben⸗ 
uls das Dorf paflırt. Die Arrieregarde benimmt ſich fo, wie 
3 in der Marfchordnung eines Zuges gefagt wurde. 


Entdeckt man eine herannahende, überlegene Koloune des Entdeckung 
eindes, fo fendet der Kommandant eine Patrouille unter Führ * AL 
ing eined verläßfichen Unteroffizierd, dem er eine fcdwiftlihe mad. 
Neldung über die Annäherung des Feindes, feine Stärke, Trup⸗ 
ngattung m. f. w. mitgibt, eiligft an die Haupttruppe zurüd. 
bſchon der Feind überlegen ift, fo muß der Kommandant .bens 
och trachten, bie rücmwärtige Haupttruppe gu deden; er wählt 
ıher eine vortheilhafte Stellung und unterhält mit dem Feinde 

lange ein lebhafted Tirailleurgefecht, bi8 die Haupttruppe, 
ren Avantgarde die Kompagnie bildet, fich aufgeftellt und zum 
mpfange des Zeindes vorbereitet hat. 


108 





Rödyug. Dringt ber Feind mit feiner überlegenen Streitkraft dem⸗ 
ungeachtet weiter vor, fo erfolge der Rückzug in mögliciter 
Ordnung. Die Arrieregarbe fechtet dabei in zerftreuter Ordnung 
und pläufelt ununterbrochen gegen den verfolgenden Feind, bie 
die Kompagnie die Haypttruppe erreicht haben wird und Befehl 
erhält, in die Linie einzurüden. 

Wäre jedoch. eine Kompagnie weiter detaſchirt und für fich 
ganz felbitftändig, fo weicht fie der feindlichen Uibermacht und 
zieht fi ihrer Weiſung gemäß vor-. oder feitwärts, ohne die ihr 
anbefohlene Verbindung oder Rüdzugslinie Preis zu geben. 

— nee Auch über die befondern Berhaltungen auf Märfchen, die 
oder im bei Nacht, Nebel, im firengen Winter gefchehen, ift die Marſch⸗ 
Winter. ordnung eined Zuges nachzulefen, obgleich fich übrigens in folchen 

Fällen Die Avantgarde in ihrer Xiefe zur größern Sicherheit 
verläugern muß, fo hat dennoch die Haupttruppe beifanımen zu 


bleiben. 
5.3. 
Marfchorbnung einer Divifion Infanterie oder 
Kavallerie. 


Pland.Fig.t. Beim Marfche einer Divifion befteht die Avantgarde aus 
einer halben Kompagnie oder Eöfadron, welche diefelbe Ein⸗ 
theilung, wie der die Vorhut bildende Zug in der Marſchord⸗ 
nung einer Kompagnie beobachtet, zugleich aber auch die Seiten» 
patrouillen zu detafciren hat, die bei erfterm vom Gros der 
Kompagnie genommen werben. 

„Hinter der legten Abtheilung der Avantgarde folgt Die 
Hauptlofonne, welche einen Zug hinter fich ald Arrieregarde deta⸗ 
ſchirt. Diefer Zug dedt fih nah rückwärts auf Diefelbe Art, 
wie ed im 6. 3 bei der Marſchordnung besfelben nach verwärte 
angegeben mwurbe. 200 Schritte hinter der Hauptfolonne mars 
ſchirt alfo 1 Korporal, 2 Mann, denen in eben derfelben Ent- 
fernung der Zug nachfolgt, der wieder auf die im Plane 5 dar⸗ 
geftellte Weife 1 Korporal, 1 Befreiter und 6 Mann als Nadı- 
hut, und 1 Gefreiter, 3 Mann rechts und eben fo viel links 
als Seitenpatrouilen detaſchirt. Diefe letztern haben den Zweck, 
die Annäherung des Feindes zu entbedfen, wenn er, fobald die 
Kolonne vorüber ift, von der Seite ſich ihrer Queue nähern follte. 





109 


Iſt einer Iufanteriedivifion Kavallerie beigegeben, fo ift Verwendung 
felbe nach ben bereitd angeführten @runbfägen zu verwenden, derKavallerie. 
und nach Maß, -ald fie zur Avant⸗ über Arrieregande beftimmt 
wird, bie Zahl der’ detaſchirten Infanterie zu vermindem. 

Marfchirt dagegen eine Kavalleriedivifion für ſich allein, Marſchord⸗ 
fo hat, wie bereitd oben erwähnt wurde, die Avantgarde aus on andinen 
einer halben Eskadron zu beftehen, die ganz diefelbe Fintheilung, Kavallerie: 
wie der bei: der Marſchordnung einer Eokadron die Avantgarde blviſion. 
bildende Zug beobachtet, nöthigenfalls jedoch ftärkere oder weitere 
Seitenpatrouillen detaſchiren kann. 

Schließlich wird hier im Allgemeinen erinnert, daß der Aufenthalt 
Kommandant der Avantgarde fih ftetd zwilchen der Vortruppe Komthanı 
md dem Gros derfelben zu befinden habe, um von jedem Ereigniß danten. 
ihnelle Kenntniß zu erhalten und fih won allem perſonlich Aber, 
eugen zu Fönnen. Ebenfo hat fih der Kommandant der Arriere⸗ 
jarde ſtets zwifchen feinem Gros und der rückwaͤrts betafhirten 
Rachhut aufzuhalten. Der Truppentommandant endlih hat für 
ewöhnlih an ber Tete feiner Hauptkolonne zu fein; bei vor 
ommenden Ereigniffen aber fich zur Avantgarde zu begeben, fo 
ie im Allgemelnen ſtets dort zu- befinden, mo er alles zu übers 
hen und anzuorduen im Stande ift. 


$. 6. 


Rarfchordnung eines Bataillons Infanterie ober 
eines Negiments Kavallerie. 


Die Avantgarde des Bataillous bildet eine Kompagnie, Dans. Fig. 2. 
elhe in der für fegtere weiter oben angegebenen Marfchord, Gintpeilung. 
ng zu marſchiren nnd alle Dbliegendeiten einer Avantgarde 
r Sicherheit ded nachfolgenden Grod auf das Genaueſte zu 
füllen hat. Da jedoch dad Bataillon dieſer die Avantgarde 
[denden Kompagnie unmittelbar nachfolgt, fo hat letztere fkatt 
r gewöhnliden Axrieregarbe bios 1 Korporalen mt 3 Mann 

betafchiren und dadurch Die Verbindung mit der Hauptkolonne 
erhalten. ' 

Die Arrieregarde befteht. ans einer halben Kompagnie, melde 
eſelbe Marſchordnung beobachtet und dieſelben Seitenpatronillen 
bt, wie der bei der Marfchorbnung einer Divifion Die Arriere⸗ 


110 


garde bifdende Zug, nur baß zur Nachhut 1 Korporal, 1 Ges 
freiter und 9 Gemeine detafchirt werden. 

Bon der Hauptlolonne find übrigens noch zwei Seitenpa- 
trouiffen von 1 Gefreiten, 3 Mann rechts und eben fo viel links 
abzufenden, von welcher der Gefreite mit 1 Manne auf 200 
Schritte von der Kolonne entfernt bleibt, und die übrigen 2 
Mann auf ebendiefelbe Diltanz ‘weiter feitwärts detaſchirt. 

Paffirung ver Die ald Avantgarde vor dem Bataillon marfchirende Kom⸗ 
iedehener paguie hat ſich bei Paflirung und Durchſuchung der verfchiedenen 
genftände. Terraingegenftände ganz nah dem im 6. 4. diefer Abtheilung 

gegebenen Erklärungen zu benehmen, und feine Borficht zu ver- 
nachlaͤſſigen, welche die Sicherheit des Marſches befördert, 

Verwendung Uiber die Verwendung der dem Bataillon alleufalls beige: 
— gebenen Kavallerie wird ſich auf die. im 8. 1 dieſer Abtheilung 
Kavallerie. aufgeftellten Grundfäbe berufen. 

Marfchord: Ein Kavallerieregiment jedoch, welches für fib allein mars 

Keibnkänbigen fohirt, und feiner Stärfe nach einem Snfanteriebatailen gleich. 
Ravalleries geftellt werben kann, beobachtet im Allgemeinen dieſelbe Marſch⸗ 
regiments. ordnung, nur daß die Avantgarde weiter vor detafchirt wird, 

uud die Seitenpatronillen fid) ebenfalls weiter von Der Haupts 
folonne entfernen Fönnen. 


$. 7. 


Marichordnung eines Negiments von zwei Ba: 
taillons oder einer SKavalleriebrigade von zwei 
Hegimentern. 


land. Fig. 3. Die Avantgarde bildet eine Diviſion, die eben dieſelbe 

Eintheilung. Eintheilung beobachtet, als ob fie felbftftändig wäre, nur daß 
der die Arrieregarde bildende Zug blos 1 Korporalen und 3 
Gemeine auf 200 Schritte hinter fick detafchirt. 

Diefer letzten Abtheilung folgt in der nämlichen Entfernung 
die Hauptlolonne, bei welcher von jedem Bataillon zwei Seiten, 
patrouillen von 1 Gefreiten und 3 Mann rechts, und eben fo 
viel linko detaſchirt werden, die fo, wie es bei einem Bataillon 
erflärt wurbe, die Kolonne foropiven und fortwährend ihre 
Flanken decken. 


v⸗ 


111 





Die Arrieregarde befteht aud einer halben Kompagnie, welche 
ebendiefelbe Marfchorbnung beobachtet, wie die Arrieregarde eines 
Bataillong. 

In Hinficht des Benehmens bei Paflirung der verſchiedenen Paffirung von 
Terraingegenftände, fo mie ber Verwendung der beihabenben —ãe— 
Kavallerie wird ſich auf die im vorhergehenden 8. angeführte ſtaͤnden. 
Bemerkung berufen. 

Eine für ſich allein marfchirende Kavalleriebrigade von Eelbftitändige 
jmei Regimentern wird ihrer Stärke nad zweien Bataillous — 
Infanterie gleichgeſtellt, und beobachtet daher im Allgemeinen 
die nämliche Eintheilung, faun jedoch eine größere Entfernung 
der Avantgarde und Seitenpatrouillen annehmen. 


$8. 


Marfchorbnung eines Sinfanterieregiments von 
rei Bataillons oder einer Kavalleriebrigade von 
drei Negimentern. _ 


Ein Snfanterieregiment von drei Bataillone beobachtet im Eintheilung. 
(gemeinen diefelbe Marfchorbnung, die im vorhetgehenden $, 
ir zwei Bataillond angegeben wurde, wenn nicht befondere 
mftände eine ftärfere Avantgarde und cine verhältnißmäßig 
rößere Entfernung derfelben erfordern. 

Ebenfo hat fih die Kavalleriebrigade von drei Regimen: Ravalleriebri 
rn nach der für eine Kavalleriebrigade von zwei Regimentern Kenimentern, 


angeführten Erflärung zu benehmen. 


$. 9. 


Rarfcbordnung einer leichten Brigade von Drei 
tataillons, zwei Divifiouen Kavallerie und einer 
Batterie. 


Eine aus drei Bataillond, zwei Divifionen Kavallerie und Plans Fig. 
ter Batterie befiehende leichte Brigade detafchirt ein halbes Eintheilung. 
itaillon, eine Divifion Kavallerie und zwei Kanonen als Avants 
rde, welche die für eine Divifion bei zwei Bataillond angege⸗ 


) 


1123 





bene Marfchorbuung beobachten, nur daß nach Beichaffenheit des 
Xerraind bei dem Gros der Avantgarde entweder die Infanterie 
oder die Kavallerie die Tete der Kolonne bildet und die Bers 
pflichtung ' der Vorhut und Geitenpatrouiflen übernimmt. Die 
zwei Geſchüutze bfeiben ftetd bei dem Gros. Die Hauptkolonne 
folgt 200 Schritte hinter der legten Abtheilung der Avantgarde, 
und die zweite Kavalleriedivifion bildet die Quene der Kolonne, 
in deren Mitte die noch übrigen vier Geſchütze eingetheilt wers 
den. Jedes Bataillon der Hauptlolonne gibt wie gewöhnlich 

zwei Seitenpatrouillen rechts und eben fo viel Finke. 
Die Urrieregarde der Brigade beſteht aus einer halben 
Kompagnie, welche die für die Arrieregarde eined Bataillend 
angegebene Marfhorbnung beobachtet, Wo jedoch das Terrain 
die Verwendung der Kavallerie geftattet, wird die halbe Kom⸗ 
pagnie entweder ganz oder theilweife eingezogen, während eine 
halbe Eskadron der an der Queue der Hauptkolonne marfhirenden 
Kavalleriediviſſon die Verpflichtungen der Arrieregarde übernimmt. 
Bagageord · Hat die Brigade ihre Bagagewaäͤgen nnd andere Fuhrwerte 
nuns Hei fih, fo fahren diefe den im $. 1 aufgeſtellten Grumdfägen 
zu Folge zwifhen der Hauptfolonne und der Arrieregarde, und 
alle im $. 17 diefer Abtheilung hinfichtlich der Bagageorbnung 
vorkommenden Bemerfungen find auf dad Genaueſte zu beobadıten. 
Vafftrung vers Was die Durchſuchung und Paflirung ber verfhiedenen 
—E Terraingegenſtaͤnde betrifft, fo has fihgdie Vorhut ganz nach 
Rinde. den bei der Marfhorbuung einer Kompagnie angegebenen Er⸗ 
klaͤrungen zu benehmen, und eine Borfiht zur größern Sicher⸗ 

heit des Marſches zu vernachläffigen. 


$. 10. 


tarfchorduung einer Linienbrigade von vier Ba: 
illons oder einer Savalleriedivifion von vier 
Negimentern. 


Tine and vier Bataillond beitchende Rinienbrigade detaſchirt 
ı halbes Bataillon und zwei Kanonen ald Avantgarde, bie 
rafalld die für eine Diviſſon Infanterie bei zwei Bataillons 
wgebene Marſcherdaang beobachten, und die Geſchade in der 





113 





Mitte ded Groß behalten. Die Hauptlolonne marſchirt 200 
Schritte hinter Der legten Abtheilung ber Avantgarde, und jedes 
Bataillon detaſchirt wieder die gewöhnlichen Beitenpatrouillen. 
Die noch übrigen vier Gefhüge fahren in der Mitte ber Kolonne, 
deren Arrieregarbe, fo wie bei 2 und 3 Bataillond ebenfalls nur 
aus einer halben Kompagnie befteht. 


Ruͤckſichtlich der allenfalls beihabenden Bagage und andern Bagageord- 
Fuhrwerken wird ficd auf die bei einer leichten Brigade anges nung. 
führten Bemerkungen berufen, da ſie ſtets zwiſchen der Haupt⸗ 
kolonne und der Arrieregarde zu fahren haben. Eine Kavallerie⸗ 
diviſion von 4 Regimentern detaſchirt als Avantgarde eine Divi⸗ 
ſion und als Arrieregarde eine Eskadron. 


Bo es jedoch die Umftände erheiſchen ſollten, daß bie 
Avantgarde früher aufbricht, um ein Terrain noc vor dem Ans 
langen der Hauptkolonne gehörig zu unterfuchen, kann dieſe auch 
bi8 auf zwei Divifionen verftärft und auf weitere, jedoch ange» 
mefjene Entfernung vorgefendet werben. 


$. 11. . 


Marſchordnung einer Linienbrigade von fünf 
Bataillons. 


Eine amd Maf Bataillon und einer Batterie befichende Plan 4. 
'inienbrigade detaſchirt ein Bataillon als Avantgarde, welches nn 
iach Erforderniß der Umftände um eine halbe oder Dreiviertels 9 
tunde früher aufbricht, und die für ein felbftftändiges Bataillon 
ngegebene Marſchordnung beobachtet. In der feſtgeſetzten Ent⸗ 
ernung hinter der Avantgarde folgt die Hauptkolonne, welche 
inen Zug als vordere Deckung, eine halbe Kompagnie aber als 
lrrieregarde detaſchirt. Dieſe beiden beobachten die für ſie oben 
eſtimmte Marſchordnung, nur daß ſich die Arrieregarde wieder 
‚ nach rüdwärtö deckt, wie ed daſelbſt nach vorwärts ange⸗ 
eben ift. 


Zwei Geſchütze werden dem die Avantgarde bildenden 
'ataillon zugetheilt, die übrigen vier fahren in der Mitte der 
auptkolonne, bei welcher wieder von jedem Bataillon bie ges 
öhnlichen Seitenpatrouillen gegeben werden. 

8 


114 





Bagageord- Die Bagagewägen oder allenfalls bei der Brigade befinds 
nung. fichen Fuhrwerke fahren hinter der Hauptkolonne, während bie 
Arrieregarde den Zug fließt. Die zur Erhaltung der Ordnung 
nöthigen Vorfchriften enthält der $. 17 diefer Abtheilung, 
Verwendung Linienbrigaden, wenn fie manchmal felbftftändige Beftims 
beihabender log , 
Kavallerie. mungen erhalten, werden gewöhnlich SKavallerieabtheilungen zus 
getheilt, die dann einen Theil der Avantgarde bilden, daher die 


Zahl der detafcirten Infanterie in diefem Falle vermindert wird. 


6. 1%. 
Marſchorbnung einer leichten Divifion. 


Eintheilung. Bei einer aus ſechs Infanteriebataillons, vier Kavalleries 
divifionen und zwei Gefchüßbatterien beftehenden leichten Diviſion 
wird von der die Tete deg Kolonne bildenden Brigade ein hal: 
bed Bataillon Infanterie, zwei SKavalleriedivifionen und zwei 
Geſchütze ald Avantgarde beftimmt. Diefe bricht nach Erforderniß 
der Umftände um eine halbe bis Dreiviertelftunde früher auf, 
und beobadıtet diefelbe Marfchordnung, wie eine felbititändige 
Divifion, nur daß nach Beichaffenheit des Terrains entweder 
die Infanterie, oder. die Kavallerie bei dem Gros der Avant- 
garde die Tete bildet, und die Vorhut, fo wie die Seitenpa⸗ 
trouillen beftreitet. Die Hauptfolonne folgt in der. beſtimmten 
Entfernung ihrer Avantgarde nah und detaſchirt ald Dedung 
vor fib einen Zug in der gewöhnlichen Eintheilung;: hinter ſich 
aber als Arrieregarde der ganzen Kolonne eine Kompagnie oder 
Eskadron, welche jedoch die nämliche Marfcheintheilung wie eine 
die Arrieregarde bildende halbe Kompagnie bei einer Brigade 
beobachtet, und alfo nur das Gros größer ift. 

Uibrigend werden bei der Hauptfolonne zwei Geitenpas 
trouillen rechts und eben fo viele links, wie ſtets, ausgeſendet, 
fo wie au die Geſchütze in der Mitte der Kolonne jeder Bris 
gade fahren. 

Bagageord⸗ Die Bagagewägen und andere allenfalls bei der Divifion 

nung befindlichen Fuhrwerke fahren zwiſchen der Hauptkolonne und der 
Arrieregarde, und bei felben find die im $. 17 diefer Abtheilung 
angegebenen Vorſchriften zur Erhaltung der Ordnung auf das 
ftrengfte zu beobachten. 





115 


6. 13. 


Marichordnung einer Liniendivifion von zehn 
Bataillons. 


Bei einer Riniendivifion von zehn Bataillond gibt die an Eintheilung. 


der Tete marfchirende Brigade die gemwöhnlice Avantgarde von 
ein Bataillon und zwei Kanonen. . 

Diefe briht um eine halbe bis Dreiviertelftunde früher 
auf und marfcirt in der für ein ſelbſtſtaͤndiges Bataillon ange⸗ 
gebenen Marfhordnung. Ihr folgt in der feftgefegten Entfernung 
das Gros der Divifion, bei welchem die erfte Brigade der Tete 
einen Zug blos ald vordere Dedung, die rückwärtige aber eine 
Kompagnie ald Arrieregarde detafchirt. Wibrigend werben bei 
der Hauptkolonne die Geihüge in der Mitte jeder Brigade eins 
getheilt, und von jedem Bataillon He gewöhnlichen Seitenpa⸗ 
trouillen beftritten. 

Sn Hinfiht der bei der Divifion allenfalls vorhandenen 
Bagage und andern Fuhrwerfe wird fih auf die bereits oben 
ingegebene Erklärung berufen. 

Zugetheilte Stavallerieabtheilungen werden der Avantgarde 
yeigegeben, wo daun, fo wie ed bei der Marfhorbnung einer 
eichren Brigade erwähnt wurde, nad Beſchaffenheit ded Terrains 
ie Infanterie oder Kavallerie die Obliegenheit der Vorhut und 
Seitenpatrouillen übernimmt, 


8. 14. 
Marſchordnung größerer Truppenkörper. 


Größere, aus mehren Diviſionen beſtehende Truppenförper 
tafchiren nad Erforderniß der Umftände und im Berhäftnifie 


Bagageords 
nung. 


Verwendung 
beihabender 
Kavallerie. 


Selbſtſtaͤn⸗ 
dige pant— 


un 
rer Stärke eine leichte Brigade oder Diviſion als Avantgarde Arrieregarde. 


waus , Die um eine oder mehre Stunden früher aufbricht und 
e nämliche Marſchordnung wie felbitftändig detafdirte Brigaden 
er Diviftonen beobachtet. 

Ebenfo werden zur Bildung der Arrieregarde ein oder 
hre DBataillond oder auch ganze Brigaden beftimmt, die der 
mptfolonne erft nadı einem gewiflen Zeitraume nacfolgen und 
t ihr fortwährend 'in Verbindung bleiben. 

8* 





116 





Marſchord⸗ 

an in Dee Es erübrigt und daher blod ber Marfhorbnung jener 

aupffolonne. Brigaden zu erwähnen, die einen Theil der Hauptkolonne bilden. 

Brigede an Die an der Tete diefer letztern marfcirende Brigade deta⸗ 
ſchirt vor fich eine Diviffon, welche die für fie beſtimmte Marfchs 
ordnung beobachtet, übrigend werden von jedem Bataillon die 
‚gewöhnlichen vier Seitenpatrouillen gegeben. 

ne Alle mittlern Brigaden befolgen blos letzteres allein, und 

“geben daher Feine andern Detafchirungen; — die letzte Brigade 

dagegen beftimmt eine Kompagnie hinter ſich als Arrieregarbe, 

Der arigade die in der ihr feflgefegten Marſchordnung die Hauptkolonne 
fchließt und durch Patrouillen die Verbindung mit ber weiter 
rückwaͤrtigen, felbfiftändigen Arrieregarde deö ganzen Truppens 
förperd unterhält. 

Oelonbere Es verfteht ſich übrigens von ſelbſt, daß da, mo feitwärte 

patrouillen. ber Straſſe liegende, weiter entfernte Terraingegenflände, ale 
Dörfer, Wälder u. dgl. eine befondere Vorſicht nöthig machen, 
hiezu von den Kommandanten der Brigaden eigene Patrouillen 
abgefendet werden Fönnen, die nach Erfüllung ihres Auftrages 
fi) wieder mit der Haupttruppe vereinigen. 

intheitung Liber die Eintheilung der verfchiedenen Waffengattungen 

gattungen. in größern Marfchkolonnen, fo wie rückſichtlich des Marfches in 
mehren Kolonnen, und der im legten Kalle nöthigen Beobach⸗ 
tungen verweilen wir auf bie im $. 1 diefer Abtheilung anges 
führten Erklärungen. 


6. 15. 
Marfchordnung im Flankenmarſche. 


Oleg Flanfenmärfche im Angeſichte des Feindes find ftetd mit 
der bedropten Gefahr verbunden, und follen daher nah Möglichkeit vermieden 
Flanken. werden. Iſt man jedoch zu einer foldhen Bewegung genöthigt, 
fo fihere man die dem Feinde ausgeſetzte Flanke durch verhält 

nißmäßige Abtheilungen, die während des Marfches die Kolonne 


fotoyiren und im Tirailleurgefechte ihre Seitenbewegung decken. 


—85 u Zu diefem Zwede wird daher von ber Haupttruppe: 
Abıprilungen. Bei einer Kompagnie oder Eskadron '/, Zug, 


bei einer Divifion Infanterie oder 
Kavallerie 00 1 Zug, 
bei einem Bataillon Infanterie ober 
einem Regimente Kavallerie. 1 Kompagnie 


117 





oder Eskadron, und fo fort bei größern Truppenkoͤrpern für 
jeded Bataillon Infanterie oder für jedes Regiment Kavallerie 
ftetd eine Kompagnie oder eine Eskadron mehr detafchirt, welde 
halb als Tirailleurs und halb als Unterftüßungen zwilchen der 
Kette und der Haupttruppe zu verwenden find, und zur Kotoyis 
rung der Kolonne genügen, da die marfdhirende Truppe ohnehin 
ihre Avant⸗ und Arrieregarde hat, und jede wirkliche Annähes 
rung des Feindes mittelft Aufſchwenkung der Kolonne und Uns 
terftüßung der Tirailleurd durd etwa noch nöthige Vornehmung 
ber Reſerven vereitelt werden kann. 

Die Tirailleurd haben zu ihrem eigenen Schutze und zur 
Dedung der im Flankenmarſche begriffenen Truppe alle Terrains 
gegenftände zu benügen, den Geitenbewegungen ded Gros zu 
folgen und den Feind zu hindern, ſich auf biefelbe zu werfen. 
Was die Details ihres Verhaltens bei der Vertheidigung einzels 
ner Zerraingegenftände, als Deftlees, Gebüfche, Wälder, Wein⸗ 
gärten u. dgl. betrifft, fo verweilen wir hierüber auf die flebente 
Abtheilung, welche diefen Gegenſtand erfhöpfend behandelt. 


Dedung des 

Marfches im 

Tirailleurges 
fechte. 


Benüsung 


der Terrainger 


genftände. 


Der Kommandant der Arrieregarde hat bei Flankenmärs Borfiht und 


chen die größte Vorficht zu beobachten, indem der Feind, fo. wie 
r die Kolonne nicht mehr erreichen kann, deſto heftiger ihre 
eve angreift, um den Marfch gegen das feitwärts liegende 
Ibjeft fo viel nur immer möglich zu beunruhigen und zu vers 
ygern. Die Arrieregarde hat fih daher bei einem Flanken⸗ 
yarfche auf feinen Fall zu fchwächen, und es bleibt dem Ermeſſen 
ed Kommandanten überlaflen, fie entweder gleich beim Beginne 
ed Marſches, oder in gefahrvoflen Augenblicken verhältnigmäßig 
ı verftärfen, dagegen oft, befonderd wenn man dem Feinde 
nen Borfiprung abgewonnen hat, die Avantgarde vermindert 
erden fann. „ . 

Der Kommandant der Haupttruppe hat fich bei allen Flanken⸗ 
ärfchen, die in der Nähe des Feinded ausgeführt werben, bei 
n Die Kolonne Fotoyirenden Abtheilungen, und zwar auf jenen 
unfters ju ‚befinden, von wo er die Gegend nach dem Feinde 
n, von Strecke zu Strede am beften zu überfehen im Stande ift, 


Verftärkung 
der Arrieres 
garde. 


Aufentbalt 


des Kommans 


»Danten. 


Wenn Flankenmaͤrſche größerer Truppenkörper nöthig wer« Bemerkungen 


n, fo wirft man dem Feinde eine oder mehre Brigaden ent 
gen, bie ihn in irgend einer vortheilhaften Stellung fefthalten 
d fo lange beichäftigen, bis die Hauptlolonne einen Borfprung 


[4 


über Flanken⸗ 


märfche grös 
Berer Trups 
penkoͤrper. 


Zweck der 
Arrieregarde. 


Stärke und 
Sintheilung 
derfelben. 


Satfernung 
von der 


Haupttruppe. 


118 





gewonnen bat, und ed dem Gegner nicht mehr möglich iſt, ihren 
Marſch mit Nachdruck zu flören, oder gar das feitwärtö liegende 
Objekt vor und zu erreichen; worauf fih die detaſchirten Brigas 
den allmälig zurüdziehben und entweder mit der Arrieregarde 
vereinigen, oder die Flanken der Kolonne kotoyiren, wie es die 
Beichaffenheit ded Terraind und dad Benehmen ded Feindes 
erfordern. 


$. 16. 


Marſchordnung im Nückzuge und befondere Ber; 
baltungen der Arrieregarde. 


Auf Märfchen, auf-welchen nichtd vom Keinde zu befürchten 
ift, hat die Arrieregarde, die hinter der Bagage marfdirt, nur 
den bdisciplinären Zwed, im Rüden der Kolonne Ordnung zu 
handhaben, mithin darauf zu fehen, daß fein Mann von felber 
zurüdbleibe oder &xceflen begehe, fo wie, daß alle Schwachen 
und Maroden der Kolonne nachkommen. 

Bor dem Feinde aber, bei willführlichen oder erzwungenen 
Rückzügen, if ed die Beſtimmung der Arrieregarde, die Haupt⸗ 
truppe vor allen Angriffen des Feindes zu ſichern und feinem 
ungellümen Bordringen Schranken zu fegen. 

Die Stärke und Cintheilung derfelben fowohl in Rückſicht 
der Waffengattungen, als ihrer eigenen Bor, Seitens und Rachhut 
muß daher diefelbe fein, welche früher bei Vormaͤrſchen für die 
Avantgarde der verfchiedenen Truppenabtheilungen eines Regi⸗ 
ments in ihren Marichordnungen angegeben wurde; — es tritt 
mithin bei Rüdtzügen das Berhältniß ein, daß die Marfchorbuung 
im Allgemeinen diefelbe iſt und bleibt, nur mit dem Unterfchiede, 
daß jene Truppen, welche beim Bormariihe gegen den Feind 
die Borhut bildeten, nun in berfelben Stärke und Eintheilung 
bei einem Rüdzuge die Nachhut, und umgefehrt, die frühere, an 
Truppen fchwäkhere Nachhut in derfelben Stärfe und Eintheilung 
bei einem Rüdzuge die Borhut bildet, da die Gefahr bei einer 
Ketraite vom Rüden und nicht von der route fommt. 

So lange der Feind die Arrieregarde nicht drängt, ift die 
Entfernung derfelben von ber Haupttruppe die nämlidhe, welche 
oben bei ber Avantgarde vorgefchrieben wurde. Drängt ber Feind, 
dann if ed die Obliegenheit der Arrieregarde, ihn aufzuhalten und 








119 





badurch der Haupttruppe Luft zu verfchaffen, fi ungeſtört zurüds 
zuziehen, wodurch Die Entfernung der Arrieregarde von der 
Haupttruppe nothwendig auch größer werden muß. 

Sobald der Feind die Arrieregarde verfolgt, Töfet fich Die Benehmen 
Nachhut derfelben in Plänfler auf (wenn nicht etwa ein Ka, der Nacput 
sallerieangriff allein zu befürdten wäre, oder eine fehr finftere Arrieregarde. 
Nacht, wie auch Terraingegenftände es verhindern follten), um 
durch ihre wirkfamed Feuer, verbunden mit zmedmäßigen Aufs 
ftelungen und mit Hilfe der Kavallerie den Feind immer in 
gehöriger Entfernung zu halten. 

Das Gros der Arrieregarde, befien Kommandant den Gang Das Groe 
des Gefechtes beobadıtet und leitet, hat nadı Umftänden die vom derſelben. 
Feinde angegriffene Nachhut zu unterftügen, gu verftärfen, aufs 
zunehmen oder abzuldfen, wie ed für Kavallerie im offenen, für 
Kavallerie und Infanterie im gemifchten und für Infanterie allein 
im gebirgigen Terrain beim Rüdzuge im Tirailleurgefechte nach 
Berfchiedenheit des Terrains vorgefihrieben wurde. Wo die 
Arrieregarde aus verfchiedenen Waffengattungen befteht, dort rückt 
im offenen Terrain jedesmal die Snfanterie zuerft ab, und bie 
Kavallerie wartet die Annäherung ded Feinded; im koupirten 
Terrain findet dad Entgegengefegte Statt. 

Uiberhaupt iſt bei einem gezwungenen Rückzuge im Anger Benüsung 
fichte des Feindes die Benütung des Terraind und zweckmäßige des Terraint. 
Verwendung der Truppen nad felbem eine Sauptbedingung, 
velche mit Tapferkeit, Entfchfoffenheit und Geifteögegenwart des Geiſtesge— 
Kommanvdahten verbunden fein muß. Dadurch wird diefer in a 
ven Strand gefett, jeden feindlichen Angriff mit Geſchicklichkeit danten. 
urückzuweiſen und den Marfdı der Haupttruppe zu fichern. 


Die Arrieregarde'muß mit aller Sorgfalt: vermeiden, ſich Hauptaugen⸗ 


uf ihre Haupttenpße werfen zu laſſen. — Greift fie daher der Arrieregarde, 


seind mit Uibermacht un, fo eritattet fie hievon die ſchleunigſte 
Neldung, damif hu; die Queue der Kolonne zu ihrer Unter 
ügung Fronke gegen den Feind machen koͤnne. Die Arrieregarde 
'eht ſich in diefem Falle rechts und links diefer aufmarfcirenden 
Jueue, oder nimmt, wenn dad Terrain Vortheile darbietet, eine 
Stellung in der Flanke des vorrüdenden Feindes, um feinem 
ndrange dadurch defto hinderlicher fein zu können. Sobald 
er Feind auf ſolche Art abgehalten und zurüdgemiefen wurde, 
bernimmt fie wieder ihre vorige Berpflichtung. 


% 


120 





Bei Stosfung Wird die Arrieregarbe aviſirt, daß ber Marſch der Haupt⸗ 
nen Baupe, tolonne durch Defileed oder andere Lerrainhinderniffe und Zufäle 
Eolonne, aufgehalten fei, fo marfchirt diefelbe auf einen vortheilhaften, zur 
träftigen Vertheidigung gegen den Feind geeigneten Plag auf, 
und hat dann biefe genommene Aufftelung fo lange auf Dad 
Aeußerſte zu vertheidigen, bis fie den Befehl erhält, ihren Rückzug 
fortfegen zu dürfen. Die Offiziere der Unterſtützung .unb der 
Seitenpatrouillen beſetzen bei ſolchen Gelegenheiten diejenigen 
Orte, aus welchen fie dem heranrüdenden Feinde den größten 
Schaden beibringen und ihn dadurch vom Bordringen abhalten 
fönnen, als: Brüden, vortheilhaft gelegene Dörfer, die Ein- 
faffungshöhen der Schluchten und Engpäfle und fonftige‘ vor 
theifhafte Anhöhen u. ſ. w., welche der Feind nicht leicht ums 
gehen kann. 
Soll man fih in einer ſolchen Stellung längere Zeit halten, 
fo müſſen die Flügel in der von der Arrieregarde gewählten 
Stellung befonderd gut angelehnt fein, oder Unterfiügung en 
echelon hinter denfelben, beionderd, wo es thunlich, von Ka⸗ 
vallerie aufgeftellt werden, um jede Liberflügelung zu verhin, 
dern, da in einer folchen Lage ernfthafte Gefechte faſt nie zu 
vermeiden ſind. 
Brandſte⸗ Hat eine Arrieregarde ein an der Straſſe gelegenes Dorf, 
| HR welches nicht leicht umgangen werden kann, gegen einen ihr weit 
"überlegenen Feind zu vertheidigen, und der Kommandant bemerkt, 
daß er ſich in demfelben nicht mehr länger zu halten vermag, fo 
ift ihm erlaubt, die an den Straffen liegenden Scheuern und 
Hänfer in Brand zu fteden, um dem Feinde den Durchmarfc 
mit Geihäg und Munitionewägen unmöglich oder doch fehr ge 
fahrvoll zu machen, 
Doc ift ſich diefed Mittels nur im hoͤchſten Notbfalle zu 
bebienen. 
Zerſtoͤrung Bei Rückzügen, wo und der nachfolgende Feind Zeit dazu 
ale ons läßt, hat die Arrieregarde, welcher alddann Pionnierd, Zimmers 
Nleute oder Handwerker zugetheilt werden, die Brüden abzutragen 
oder zu zerftören, die Straflen abzugraben, durch vorgefahrene 
Waͤgen, an denen man die Räder zerfcklägt, ober durch andere 
Barrifadirungen zu fperren, die Fuhrten der Gemwäfler durch 
fteiled Abſtechen der Ufer, durch Verſenkung von Wagenrädern 
oder Eggen, deren Spiten gegen oben hinausftehen, oder auf 





191 


eine andere Art ungangbar zu machen; — mit einem Worte, 
dem Feinde fo viele Hindernifle in den Weg zu legen, ald es 
Zeit und limftände nur immer erlauben. 

Was die übrigen befondern Verhaltungen einer Arrieres 
garde bei Rüdzügen durch Deſilees, über Brüden, Gewäfler u. dgl. 
betrifft, fo enthält Die fiebente Abtheilung hierüber alle nur 
möglichen Details. Sobald aljo die Hauptfolonne genöthigt ift, 
in ihrem Rückzuge obige Gegenftände zu pafliren, oder gar über 
Gemwäfler fih erft neue Kommunifationen zu errichten, fo hat die 
Arrieregarde, die in ſolchen Fällen verftärkt wird, ſich nad dem 
in oben erwähnter Abtheilung diefer Feld»Inftruftion angeführten 
Grundſaͤtzen zu benehmen. 

Wenn fi einige Abtheilungen der feindlichen Avantgarde 
gu meit von ihrer Unterftüßung entfernen, um und zu beunruhigen, 
fo muß man fie in einen Hinterhalt locken, oder ihnen durch 
einen fchnellen Kavallerieangriff auf den Leib fallen und file zus 
rückweiſen, fich jedoch nicht auf ihre weitere Verfolgung einlaflen, 
fondern bedenken, daß der fihere Rüdzug der einzige Endzweck 
it, den man vor Augen haben muß. Uiber Hinterhalte, welche 
weiter unten ausführlicher behandelt werden, wird bier nur im 
Allgemeinen bemerkt, daß fie vorzugsmweife und eher von ber 

Haupttruppe, ald von der Arrieregarde felbft zu legen’find, damit 
fie der Feind nicht gewahr werde. 

Die Arrieregarde muß davon im Voraus benadricdtiget 
werden und wiflen, wie fie fich neben dem Verftede zurüdziehen 
fol, damit der Feind die ihm gelegte Falle nicht bemerke, 


$. 17. 


BSauptdisciplinarverhbaltungen der Marfch: und 
Bagageordnung größerer Truppenkörper. 


Es handelt fih hier keineswegs um die gänzliche Wieder, 
yolung aller jener Vorfchriften, welche hierüber in den Generals⸗, 
o wie in den Truppendienfireglementsd anbefohlen und in allen 
Details zum Bertheile des Ganzen firenge gehandhabt werden 
nüffen. Es werden hier im Gegentheile nur einige Verhaltungen 
yerfelben herausgehoben und vervollftändigt, welche im Kriege 
ft ſehr lau beachtet werben, — dennoch aber von ber höchften 





Bei Entfers 
nung feindlis 
her Abthei⸗ 
lungen von 
ihren Avant 
garden. 


Hinterhalte. 


122 


Wichtigkeit bei tem Marſche größerer Truppenabtheilungen, fo 
wie jenen eined Korps oder einer Armee bleiben. 


1 


Sie find folgende: 

Mäpigung des Schritted im Anfange eines Mariches, beion- 
derd bei größern, aus mehren Bataillond oder Brigaden 
beftehenden Kolonnen; — auch foll eine halbe Stunde nadı 
dem Abmarfche auf einige Minuten angehalten werden, 
damit die Mannfchaft ihre Bebürfniffe verrichten könne. 


2. Feftfegung beftimmter Trommelzeihen, um der Kolonne 


gewifle, öfters vorfommende Befehle mit Schnelligkeit mitzus 
theilen; fo ift 3. 3. zum Halten — der Raſt, zum Wicters 
aufbruch Die Vergatterung und dann der Marfch zu fchlagen, 
weiche Xrommelzeichen an der Tete beginnen und dann von 
einem Bataillon nad dem andern abzunehmen find... 

Auch können dieſe Zeichen wieder von der Queue bis an 
die Tete vorgehen, wodurch der bei lebterer befindliche 
Kommandant die Uiberzeugung erhält, daß feine Befehle 


allen Truppen befannt wurden, und daß die Bataillons 


wieder angefchloffen jind. 


3. Strenge Uiberwachung der Ordnung und eines ununter⸗ 


brochenen, fortgefegten Marſches durch die Bataillons⸗ und 
Regimentölommandanten, damit nicht durch Das Anhalten 
einzelner Abtheilungen Stodungen entftehen, die den Marfch 
verzögern und die Mannfchaft ermübden. 


. Augenblidliche Anifirung der Tete, fobald einzelne Truppens 


förper zurücbleiben, und in der Kolonne bedeutende Tren⸗ 
nungen entfiehen, um diefem Uibel ſo fchnell ald möglich 
abzuhelfen. 


. Fortwaͤhrendes Anfchlicßen aller Abtheilungen auf Glieder, 


diſtanz, fo wie Die Tete eines Hinderniffes oder Defilees 
wegen flodt oder langfamer geht, um dadurch jeden unnügen 
Zeitverluft zu verhindern und die Verzögerung des Marfches 
nad Möglichkeit zu verkleinern. 

Bei größern Kolonnen oder wo die Paflirung des Ter⸗ 
rainhinderniffes nur langſam vor fich gehen kann, und dag 
Terrain es geftattet, ift ed befonders bei heißer Witterung 
vortheilhaft, die aneinander rüdenden Bataillons oder Res 
gimenter rechts und links der Straffe, jedoch fo aufmar⸗ 
fchiren gu laſſen, daß fie fih zum Abmariche augenblicklich 





Ku 


a 


5 


9 


423 





wieber auf jebe beliebige Abtheilung in Maffa -zu fchließen 
im Stande find. 

Paflirung fürzerer Deftleed im Doubfirfchritte, längerer 
dagegen in möglichſter Gefchwindigkeit und mit Beobach⸗ 
tung der größten Ordnung. 

Mäßigung der Schritte an der Xete nach hinterlegtem 
Hindernifle, um dadurch bei Fleinern Kolonnen den rüdwärs 
tigen Abtheilungen Zeit zu gewähren, ſich allmälig anzufchlies 
Ben; — bei Kolonnen größerer Truppentörper aber, ale 
ganzen Brigaden, Divifionen u. dgl., wo die Tete ihre 
Schritte zu lange verfürzen und fich daher ungemein ermüs 
den würde, haben die Bataillond nadı Hinterlegung des 
Defilees fo weit vorzurüden, als ed die Tiefe der nachfol« 
genden Kolonne erfordert, und dafelbft fo lange zu halten, 
bis die ganze Kolonne dad Deftlee paſſirt hat, worauf der 
fernere Marfch fortgefegt wird. 


Vermeidung jeded Umftanded, wodurch in bem Wiedervors 
marſche der Abtheilungen nad eintretenden Stockungen eine 
Berfpätung entitehen fünnte. — Es darf daher in ſolchen 
Gelegenheiten den Leuten nicht erlaubt werden, eigenmäctig 
aus Reihe und Gliedern zu treten, fich niederzulegen u. dgl. 
Die Bataillonds und Regimentsfommandanten können jedoch, 
befonderd bei größern Kolonnen ihren Cruppenförpern die 
Ruhe geftatten, wenn fie fih von der Urſache der Berzöges 
rung ded Marfdıed und der längern Dauer derfelben übers 
zeugt haben; bleiben aber dann für die ſchnellſte Wieder, 
formirung ihrer Kolonne im Augenblide des Aufbruches 
verantwortlid. _ 


Strenge Aufficht von Zug zu Zug bei Verantwortung jedes 
Kommandanten desfelben, daß im Felde die Kolonne ſtets 
auf der rechten Seite der Strafle bleibe, damit fortwährend 
bie Hälfte der letztern für gleihe Truppenkolonnen, die in 
entgegengejegter Richtung marfchiren, für Fuhrwerk aller 
Art, Artilerietransporte, Kouriere, fo wie endlid für Die 
Suite der: Herren Generale ober für Ordonnanzen zu Pferde 


ohne allem Hinderniffe und frei erhalten werde; worauf bie 


Herren Brigadierd, Regimentds und Batailondfommandanten 
mit Strenge zu ſehen haben. 


1234 





10. Bei Wegen. von geringer Breite, welche die Truppe gan 


1 


12. 


einnehmen muß, hat ſtets bei Avants und Arrieregarden an 
der äußerften Tete oder Queue bei der Infanterie ein Tam⸗ 
bour, bei der Kavallerie ein Trompeter bereit zu fein, um 
mittelft des einfahen Rufes das-Signal zum Redtöhalten, — 
mittelft des doppelten jenes zum Linkshalten zu geben. 
Ebenfo ift die Ankunft jedes Herrn Generalen ober Hoͤhern 
mit dem im Lager vorgefchriebenen Zeichen durch den Tan 
bour oder Trompeter nach vorne oder nach rüdwärtd zu 
avifiren, worauf das im Reglement vorgefchriebene Verhalten 
der Truppe alfogleih zu erfolgen hat. 

Um alles tobende Schreien des Rufes: »Weiterſagen« auf 
Maͤrſchen gänzlich zu befeitigen, hat ein Unteroffizier jedes 
Zuges bis zur Ankunft des nachfolgenden ftehen zu bleiben, 
ſich feines Auftrages zu entledigen, wodurch von ber Tete 
bis zur Queue abtheilungsweife dad Anbefohlene verftäns 
diget wird. Sollte der Befehl von rüdwärtd kommen, ſo 


hat von Zug zu Zug ein Unteroffizier vorwärts zu laufen, 


um fo ſchnell ald möglich das Anbefohlene von Abtheilung 
zu Abtheilung zu bringen, indem einer dem andern felbes 
zur mweitern Miberlieferung nad) vorwärts übergibt. 
Aufträge von höherer Wichtigkeit, oder die eine ſchnellere 
Mittheilung erfordern, find jedoch einem Truppenkörper nach 
dem andern durch die betreffenden Adjutanten zu überbringen, 
ıf die Kommandanten bei ihren Brigaden, Regimen 
ber Bataillond das Anbefohlene in Ausführung bringen. 
hl das Reglement die innere Marfbordnung der Kom 
en auf das Strengfte vorfchreibt, fo ift doch zur Gleiche 
zfeit und Vervollftändigung bderfelben bei allen Reg 
m und Korps firengftend zu beobachten, daß auf dem 
he bei jedem Zuge in der Kompagnie ein eigener Kor 
und Gefreiter die Marfchinfpektion während desfelben 
— daß baher- diefem gemäß zwar alle Offizierd, ſo 
Be Ehargen, ganz vorzüglich aber: 
Der Kompagnielommandant, 
ber den Tag habende Offizier, 
ber Feldwebel, 0 
ber die Marfchinfpeftion habende Korporal und Ger 
jedes Zuges für alle vorfhriftswibrigen Abweichungen 





14. 


15. 


125 





von ber beftehenden Marſchordnung verantwortlich find, und 
fortwährend rechts und links, vors und ruͤckwaͤrts Acht geben 
müflen; befonderd aber darf der den Tag habende Dffizier 
fich nicht einen Augenblid von der Kompagnie entfernen. 
Der Dienft der bei jedem Zuge mit der Marſchinſpektion 
beauftragten Korporäle und Gefreiten dauert jedoch nur 
während des Marſches und endet, fo wie in das Lager oder 
die Station eingerüdt wird, 
NRähert man ficd einem Dorfe, wo jede ohne firenge Aufr 
fiht marfcirende Mannſchaft gewöhnlich aus ihrer Eintheis 
Iung heraus und zum Trinken in Wirths⸗ oder Bauernhäufer 
hineinzutreten fich erlaubt, fo haben fämmtliche Offiziere der 
Kompagnie fi augenblicklich in ihre Eintheilung zu verfügen 
und nebft den übrigen Chargen firenge darauf zu wachen, 
daß Fein Mann aus Reihe und Glied trete und der Marſch 
in vollflommenfter Ordnung dur dad Dorf gehe. 
Dagegen find da, wo auf der Straſſe oder in. einem Dorfe 
Brunnen ſich befinden, oder gefundes, gutes Fließ⸗ oder 
Quellwaſſer zu haben ift, die Truppen außerhalb des Dorfes 
längs oder feitwärtd der Strafle haften zu laffen, und von 
jedem Zuge regelmäßig mittelft Begleitung der bei demſel⸗ 
ben die Marfcinfpektion habenden Korporäfe und Gefreiten, 
von melden der eine vorne geht, der ‚andere rüdfwärts 
fchließt, fo viele Mann, als nöthig find, zum Waſſerholen 
abzufenden, die übrige Truppe aber einftweilen mit dem 
Gewehre in Pyramiden und abgelegten Tornifter raſten zu 
Taflen; wofür hauptfäclic; der Kompagnieflommandant und 


‚die den Tag und die Inſpektion habenden Chargen ftrenge 


verantwortlich bleiben. 

Bei Nachtmärſchen haben ebenfo von Zug zu Zug die 
Chargen auf die Bermeidung jeder Stodung zu fehen, weil 
Durch felbe die gefährlichiten Trennungen und Berwirrungen 
entſtehen fönnen. Der Marfchinfpektiond-Gefreite und Kor: 
poral jeded Zuges, ber Feldwebel und alle Offizier der 
Kompagnie haben mit Wachſamkeit und Thätigfeit jedes 
Anhalten abzuftellen und jede entfiehende Verzögerung aus 
genblidlid, zu befeitigen. 

Die Kompagniefommandanten fchiden einen Feldwebel, 
ber Bataillondsfommandant den Adjutanten oder Inſpektions⸗ 


126 





offizier, der Regimentskommandant den Regimentdadjutanten 

oder Inſpektionshauptmann vorwärts, um die Urſache der 

Stockung zu erfahren oder zu befeitigen, und ed muß augen- 

blicklich jeder Grrung vorgebeugt, jedes Hinderniß gehoben 

werden. 

Died find die Hanptdiscipfinarverhaltungen der zu einem 
ſchnellen, unaufgehaltenen Fortfließen der Kolonne, fo wie zur 
Handhabung ded auf die Gefumdheit ded Mannes und die Dies 
ciplin berechneten, innern Dienftes unumgänglich nöthigen Marſch⸗ 
ordnung. Die Herren Brigadierd haben den großen Zwed ders 
felben ftetd im Auge zu behalten und Peine Rüdfiht darf fie 
vermögen, den ihnen untergeordneten Negimentern und Bataillond 
auch nur die geringfte Abweichung davon zu: geftatten, oder wie 
es fo oft gefchieht, bei einer längern Kampagne aus Gewohnheit 
oder bei augenblicklichen Beſchwerden und Mühfeligfeiten aus 
mißverfiandenem, dem Ganzen fo fhädliben Mitleiden in irgend 
etwas nachzufaffen. 

Disciplinars “Auch für die Bagageordnung find die Grundzüge in den 
en Generals s und den verfchiedenen Truppendienftreglements aus⸗ 
ordnung. führlih enthalten. Nur einige wenige Punfte, welche auf bie 
Führung derfelben int Großen Bezug nehmen, müffen den Herren 
Brigadierd, Regiments und Bataillonskommandanten bei ber 
genauen Beobachtung der übrigen ganz vorzüglich anempfohlen 

werden. Diefe find folgende: 

1. Sämmtlihe Bagagen haben, wie es fchon oben anbefohlen 
worden, ftetd auf der rechten Seite zu bleiben und hiemit 
die Hälfte der Straffe frei zu laſſen. Bon der zur Bagage 
fommandirten Bedefung find von 3 bid 6 Wägen ſtets 2 
und 2 Mann vom Proviantoffizier einzutheilen, und ſowohl 
diefe, ald die Stabeparteien müflen darauf fehen, daß Fein 
Fuhrwerk dem andern vorfahre, oder auch nur durd das 
geringfte Herausfahren feitwärts — die Straffe verftelle 
oder enger mache; fondern es darf ein» für allemal fein 
Wagen von der rechten Seite mit den Rädern weiter als 
einen Schuh von den Straffenpfeilern oder von den Gräben 
derfelben entfernt fein. 

2. Sämmtlihe Wägen haben eng aneinander gefchloflen zu 
bfeiben. Wenn an einem derfelben etwas bricht, oder etwas 
an der Befpannung zu ändern ijt, fo hat er für den Aus 





1237 





genblict nach gehöriger Meldung herandzufahren, das Schad⸗ 

bafte wo möglich fchnell herzuftellen und dann fogleich wies 

der entweder nadzufahren, oder im Zuge einen neuen Pag 
zu gewinnen; — bei Reparaturen größerer Art aber ift bei 
firengfter Verantwortung des Bagagelommandanten ein folcher 

Magen ohne Berzug ‚außerhalb der Straffe zu bringen. 

Jede Unterlaffung ähnlicher Art muß auf das Schärfite 

geahndet werden. 

.So wie die Tete eined Hinderniffes oder Defilees wegen 
fiocft, haben fämmtlihe Bagagen bis auf den letzten Wagen 
fo eng ald möglich anzufchließen, und wenn der Zug wieder 
vorwärts geht, fo angeſchloſſen durch das Deftlee zu fahren. 
Beides gefihieht zur Vermeidung jeder, auch der Eleinften 
Trennung, durd melde nur ftundenlange Berfpätungen der 
rückwärtigen Kolonnen erzeugt würden. Auch fönnen die 
Wägen, wenn wegen Paflirung eines Defilees oder aus 
andern Urſachen nicht fchnell zu befeitigende Stedungen ent» 
ftchen, wenigftend theilweife reditd und links der Straſſe 
auffahren, wodurd die Marfchfolonne verfürzt und den 
Pferden eine Raſt gegönnt wird. 

4. Obwohl ſämmtliche Bagagen der Brigaden zufammen fahren, 
fo ift doc firenge darauf zu fehen, daß jene jedes einzels 
nen Truppenförpers in felben vereiniget bleibeg, weil fehr 
oft im Marſche Bataillond oder NRegimenter detafchirt wer⸗ 
den, oder wenigſtens eine andere Beltimmung feits und 
rückwärts erhalten, mithin deren Bagagen auf leichte Art 
aus dem ganzen Zuge herausfahren können, wenn fie nicht 
vereinzelt, fondern Bataillonds oder Regimenterweife beifams 
men find. 

Uibrigend wird fih über die nähern Detaild bei den 
während eined Marfches vorkommenden verfchiedenen Fällen 
auf die in der eilften Abtheilung bei Führung größerer 
Wagentransporte angegebene Erflärung berufen, welche zur 
möglichiten Befcleunigung des Marſches und Erhaltung 
der Ordnung auch bei den Bagagenfolonnen in volle Ans 
wendung treten. 

Dies find im Allgemeinen die Hauptbisciplinars Berhaltuns 
en der Bagageordnung großer Truppenkörper, bie nebft denen 

ı den Reglements enthaltenen Borfchriften über die Orbnung 


— 


> 


128 





und Nufeinanderfolge ber Bagagen der einzelnen Regimenter und 
Bataillond, fo wie über die verfchiedenen, in felbe eingetheilten 
Bededungen ein Ganzes bilden, welches, wenn Alles mit gehöri- 
ger Umficht und Strenge von den hiezu beauftragten Komman⸗ 
danten ausgeführt. und von den Herren Brigadierd überwacht 
wird, im Rüden einer marfcirenden Truppe die vollitändige 
Sicherheit gewährt, um im Vor⸗ oder Rückzuge in Feiner Bewe⸗ 
gung aud nur im geringften gehindert zu fein. 


Es haben daher alle höhern Truppenfommandanten biefe 
fämmtlihen, auf Marfchs und Gepädorbnung der Truppen bier 
oder in den Neglementd anbefohlenen Verhaltungen ald unab- 
weichliche Normen ftetd vor Augen zu haben, ganz befonders aber, 
wenn die Armee die Ebene verlaflen und Gebirgsländer durch 


- ziehen müßte. Die Herren Brigadierd und Divifionärd haben 


Wichtigkeit 
der Märfce. 


fih in dieſem letzten Falle ald die Grundpfeiler jener unums 
gaͤnglichen nöthigen Ordnung anzufehen, welche herrichen muß, 
um im Hochgebirge jede offenflve Operation einer Armee fräftig, 
ſchnell und entſcheidend, — jede ihrer defenfiven Operationen 
aber ohne Uibereilung, mit Ruhe, Ordnung und daher Vermei⸗ 
dung jedes größeren Mißgeſchickes oder jeder augenblidlichen 
Deroute vollführen zu fünnen. — Mit einem Worte, von dem 
vorderften Mann der Avantgarde bis zum legten Fuhrwerk der 
Bagagen rückwärts und der fie fchließenden Arrieregarde muß 
auch bis in die Fleinften Theile eine gediegene, mufterhafte Ord⸗ 
nung herrfcen. 


6. 18, 


@intbeilung und Saupterforderniffe der Märſche 
in höherer Beziehung. 


Es bebarf keines Beweiſes, wie nöthig die Märfche im 
Allgemeinen find, da in ihnen Vorbereitung und Folge der Ges 
fechte liegen, — fie ferner die Truppen an den Ort ihrer Bes 
ſtimmung bringen, dem Feinde nähern oder von ihm abziehen. 

Die Kunft der Märfche ift eine der wichtigſten und fchmerften 
Theile des Kriegsweſens. Der Befig diefer Kunſt hat von jeher 
die größten Generale ausgezeichnet. 


189 





Jeder Marſch iſt die Bewegung der Truppen von einem Ihre Ginthei⸗ 
Orte zum andern. Einige theilen die Maͤrſche in Neifemärfche Tung. 
und in Marſchmanövers, je. nachbem dieſelben außer. dem Ber 
reihe deö Feindes oder in deffen Naͤhe gefcheben, ein. Da aber 
eigentlih- An Kriege Feine Veranlaſſutg und, die Müglichleit 
vergeffen laſſen follte, angegriffen zu. werben, und; fein Marſch 
denkbar ift, der nicht wenigſtens mittelbar ben Feind zum Zivede 
hätte, fo ift im Kriege jeder. Marſch ald ein Manöver anzufehen.: 

Man kann denmadh die Märfdie nach ihren verſchiedenen 
Abfichten folgendermaßen. eintheilen. — Man marfchirt entweder: . 

1. Um feine Operationen: zu beginnen, die Truppen den 1. Derfamm- 
entfheidenden Punkten zu nähern, fie zu fammeln, und ihnen die lungsmaͤrſche. 
vorläufige Richtung zu geben. | 

2. Um den Feind zu. erreichen, feinen Bewegungen zu 2. Angriffs: 
folgen, nadı Umſtänden ſich zu eutwiceln, oder in feine Flanken mMaͤrſche. 
zu mandvriren, ſich irgend eined Punktes zu bemächtigen, endlich 
ihn zu verfolgen. | 

3. Um ſich vom Feinde wegztziehen, eine rüdwärtige Stellung. 3. Rückgaͤn⸗ 
nzunehmen, — augenblickliche, wädgängige Bewegungen ober gige Märfce, 
örmliche Rüdzüge zu machen. 

4. Sn befondern Fällen,. um folche Operationen oder Unters 4 aa uhene 
ehmungen auszuführen, die ind Wehiet ber Kriegsliften gehören, 

[8 Uiberfälle, Umgehungen, Demonftrationen u. dgl. 

Es ift übrigens Klar, daß jeder dieſer Märfche früher ober Berbindung 
äter, mittelbar oder unmittelbar zum Gefechte führt oder wenig⸗ der nit echte 
ens führen kann. Selbſt die Berfammlungsmärfche. find Davon Märfchen. 
che ausgeſchloſſen, weil der Feind und auf felben vorzufommen, ° 
id anzugreifen im. Stanbe iſt. Sm, Kriege läßt fich Daher die 
‚ee des Marfched von jener bed. Gefechtes nicht krennen; denn 

einem alle ift Gefecht der Zweck des Marfched, und in ‚einem 
dern wieder ift der Marih im. Gefechte ſelbſt das Mittel. 
ide find ſomir in immerwahrender Wechſelwirkuns. 


1. Berfommlungsmärfäe 


Wenn ber Feldherr feinen Operationdplan entworfen: hat, Berfamms 
ift fein erſtes Augenmert dahin gericktet,. daß er feine Truppen lungsmaͤrſche. 
rechten Zeit und in angemeſſener Stärke auf jene Punkte 


ngt, wo er ihrer vermög ſeiner weitern Anordnung bedarf. 
9 


130 





Dre Richtig Diefe Mörfihe find alſo von der .größten, vorbereitenden 
eit alt Vor Wichtigkeit für den Krieg, und es gehoert zu den erſten Eigen 
g zum iR . 
Kriege. Ichaften einer guten Organiſation der gamen Mafdine, daB bie 
größte Sorgfalt darauf verwendet werde. Die irrige Meinung, 
Daß es hier auf einige Meilen mehr oder weniger, auf eine mehr 
oder: minder richtige. Bevechnung der Entfernung nicht ankommt, 
die Gleichgiltigkeit, womit diefer Gegenſtand oft. behandelt wird, 
haben ſchon die unglädlichiten Folgen madı ſich gezogen. Nichts 
ift irriger, als daß es fich ‚bei diefen Verfammlungsmärfden nur 
um eine. beiläufige Richtung der Truppen: amd um ihre Führung 
durch folche Gegenden handelt, wo man für ihre Verpflegung 
feine Beforgniffe zu haben - braucht. Nichts iſt irriger, ald Die 
Meinung, daß man hier das rein militärifche — bad triegeriſche 
Intereſſe dem ökonomiſchen unterordnen müſſe. 

Dieſer Glaube, meiſtens eine Folge der Unwiſſenheit oder 
der Bequemlichkeit iſt hochſt verderblich, denn wenn auch Die 
Bernadläfligung aller Rückſichten, welche man bei Märſchen neh⸗ 
men ſollte, nicht immer geradezu wirkt, fo geſchieht dieſes ſtets 
beziehungsmeife,, indem fie uns alle Vortheile bringt, weiche 
große Feldherrn jederzeit aus der weilen Anordnung ihrer vor⸗ 
bereitenden Märfche zu-fchöpfen gewußt haben. 

Erforderniffe Die Wahl der Punkte, wo man feine Truppen verfammelt, — 

berfelben. die Berechnung der Entfernung und Moͤglichkeit ded Eintreffen, 

mit weifer Ruͤckſicht auf die Nothwendigkeit, fie fdlagfertig zu 

verfammeln, — die Beftimmtheit der Inftruftionen an die Truppens 

fommandanten, — die Geheimhaltung berfelben, — die kluge 

und zweckmäßige Bertheilung der Mittel, died find die Theile 

jener wichtigen Kunft, Berfammlungsmärfche: einzuleiten, und 

durch jelbe den Rrategifchen Grund eines für und entfcheidenden 
Operationsplanes zu legen. 

Wortpete, Ihre Anordnung gibt nämlich dem Feldherrn die Möglich⸗ 

nordnung, feit, einen minder gewandten Feind, noch ehe.er gefammels- ik, 

zu überrafchen, ihn dadurch zu fchlagen, oder wenigſtens in feiner 

Zufammenziehung zu hindern. Sie gibt ihm die Mittel an die 

Hand, feine Kräfte gleich auf jenem Punkte zu fammeln, von 

welchem aus er feine eigentlichen Angriffsoperationen mit bem 

größten Erfolge, oder wenigftend ben Abfichten des Feindes am 

hinderlichiten zu beginnen . vermag. Died gewährt ungeheure 

Vortheile im Sriege, wo überhaupt nichts ſe wichtig ift, als ſich 








131 





der Initiative zu bemeiftern, — durch fie imponirt man, verwirrt 
den Feind, und darin liegt der Sieg. 

Die Vortheile, welche in. der fühnen and ‚genialen Auord⸗ Entſcheiden⸗ 
nung ſolcher wohl berechneten und überraſchend ausgeführten Vers ah 
faommlungsmärfche liegen, find jo groß, daß man weder Koften, ganze 
noh Mühe ſcheuen muß, ſie zu erreichen, inbem. fie oft einen  Veldsüge. 
weientlihen Einfluß auf den Ausgang eines Feldzuges haben. 


2. Augrifksmarfche. 


Hieher gehören alle Märiche, bie ben Hagriff des Feindes Natur der An⸗ 
mittelbar oder unmittelbar zum Zwede haben. Sie find Mands An 
vers, die entweder zu Gefechten führen, ober fie doch wenigſtens 
veranlaffen fünnen. Sie haben die Eroberung des Poftens, die 
Umgehung des Feindes zum Zwede, sder fie führen unfere 
Truppen auf die Schlachtfelder, wo fi der Kampf enticheiben fol. 

Sie müffen alfo mit Schnelligkeit und Wibereinftimmung en 
und mit richtiger Berechnung bed Terraind ausgeführt werben. - 
Es folgt aus ihrer Natur, daß der Feind biefe Märfche entweber 
hindern muß, um uns die Erreichung unferes Zweckes zu erfchwes 
ren oder ganz unmöglich zu machen, ober daß er fie nur dann 
zulaffen darf, wenn er die Mittel hat, und für die Erreichung 
unfered Zwedes empfindlich zu ftrafen.. Folglich Farin man bei 
jedem dieſer Märfche angegriffen werben, und fie alfo nie vors 
ichtig genug ausführen. — Angriffsmärſche find fo zu fagen das 
Borfpiel der Schlahten, ja gewiflermaßen die Diepofltion zur 
Schlacht felbft. Aus ihnen entfpinnt fi das Gefecht, fie mäflen 
yaher Durch folgende Hauptrückſichten geleitet werden: | 

1. Sollen fie die Truppen auf jene Punkte, wo ‚man ihrer ten 
yedarf, in fchlagfertiger Verfaflung und zur rechten Zeit bringen, gen Punktes 
Dies ' erfordert eine pünftlihe Berechnung ber Entfernungen In kölanfer 
ınd aller Nebenumftände. Es darf hier nichtd dem Zufalle über- ung. 
affen werden, fondern der Anführer muß auf die Truppen da, 

»o er fie hinbeordert, rechnen können. Was nützt 3, B. eine 
‚ruppe , die nadı einem zwölfftündigen angeſtrengten Marſche 
sit ihrer Tete erft dann. anlangt, wo fie nad) der Dispofition 
hon eine Stunde früher: in einer militärifchen Stellung fein 
te? Alſo richtige und verläßfiche Berechnung ift bie erſte 
zedingung des Angriffsmarſches. 

9 


13% 





Eöneler Ui 2. Muß ber Angriffönarich fo eingeleitet werden, daß man 
der Dacia: in jeden Augenblick aus der Marſchordnung in die Gefechtsordnung 
bie Gefecht» übergehen fönne. Zu biefem Ende muß ber Marfch der Kolonne 
ordnung. auf eine folhe Entfernung durch leichte Truppen gededt werden, 
daß man fietd zeitlidh genug von einem feindlichen Benehmen 
unterrichtet fei, um fich entwickeln zu können. 
Wir verweilen hierüber auf das weiter von Märchen im 
Allgemeinen oben Gefagte, fo wie in Rüdfiht der Erhaltung der 
Ordnung auf die im $. 17 diefer Abtheilung angegebenen Dies 
+ ciplinarsBerhaltungen beim Marfche größerer. Truppentörper. 
Generale und Staböoffiziere müffen unaufhörlic die Kolonne 
abreiten und fein Mittel verfäumen, um jeder Trennung oder 
Unordnung zuvorzufommen. 
Ein Angriffömarfh mit Weisheit berechnet, und eines 
Theild mit der größten Ordnung, andererfeits mit umfaflender 
Borficht ausgeführt, wird feinem Zwede entfprechen, denn er wird 
die Truppen, fo wie fie der noberfte Anführer bedarf, auf das 
Schlachtfeld bringen und fie im Nothfalle augenblidlih ins Ges 
fecht übergehen machen. 

Verſchieden⸗ Nach Maßgabe, als der Angriffsmarſch mittelbarer oder 
PNA a unmittelbarer den Angriff zum Zwecke hat, — nad Maßgabe, 
dem Zwecke ald ed ſich darum handelt, ein Gefecht zu beginnen, oder ein 
der agb: fhon angefangenes zu entfcheiden, — eine Relognoscirung oder 

eine lebhafte Verfolgung zu unternehmen, wird, obgleic feine 
Natur diefelbe bleibt, fi Doc das Detail jedesmal ändern. 

Dei Reko⸗ Um zu relognosciren oder ein Gefecht zu beginnen, mars 
ee fhirt man mit mehr Vorſicht. Man will den Feind erft errathen, 
ginnung des feine Abfichten prüfen. Man bleibt alfo auf alles gefaßt, läßt 

Gefechtes. pie leichten Truppen wirken, und fucht die Haupttruppe nach 

Möglichkeit für den Augenblid der Entfcheidvung zu fhonen und 
in Referve zu halten. 
Bei — Handelt es ſich aber darum, zur Entſcheidung eines Ge⸗ 
ung eines fechte® zu gelangen, dann ift die Eile die erite Bedingung; — 
Gefechtes. dann weiß man ſchon, was man ſoll, dann muß man um jeden 
Preis anzukommen ſuchen; ja oft handelt es ſich darum, daß 
man, wenn auch nur mit der Haͤlfte ſeiner Streitmacht, erſcheine. 
Der oberſte Anführer muß willen, wann es darauf ankommt, dad 
Aeußerſte der Kraftanftrengung aufzubieten, um große Reinltate 


iu erreichen. 


133 





Wenn es fich enbfich um die Verfolgung des Feindes han« Bei Berfols 
beit, fo. fommt alles barauf an, unfern Marfch nach ber Bers Ariane 
faffung, in der fih der Feind befindet, nach der Beichaffenheit 


des Landes und unferem nächften Zweck zu richten. 


Man kann hauptfächlich zweierlei Abfichten bei Verfolgung Zweierfei Ab» 
haben: fihten hiebei. 


1. Den Feind zur Annahme eines neuen, für ihn wahr, 
fheinlich unvortheilhaften Gefechtes zu zmingen, oder 
2. die Vortheile unfered Sieged im Allgemeinen zu benügen, 


In beiden Fällen ift es ein Hauptgrunbfag, daß wir nie Hauptgrund⸗ 
durch ein blos materielles Nachgehen große Reſultate erreichen nigungen, 
werden. Nur, indem wir unfern Marfch auf die Flanfen des 
Feindes richten, wichtige Punfte vor ihm erreichen, ihm bei Des 
flleed u. dgl. zuvorzufommen fuchen, werden wir ihn zwingen, 
entweder fehr übereilt zurüchzugehen, oder fich aufzuftellen und 
ein ungünftiged Gefecht mit und einzugehen. 

Die Kunft der Verfolgung ift weit fchwerer, ald man ges Allgemeine 

wöhnlich wähnt, und nur zu oft hat man die üblen Folgen des genüberfeibe, 
keichtfinnd wahrgenommen, mit dem manche biefen wichtigen 
Theil der Kriegskunſt behandelten. Bald fehen wir eine Armee 
der ein Korps in regellofe, unvorfihtig verfolgende Schwärme 
ufgelöft, die ohne Uiberlegung nadeilen, und dur klug aufger 
elite Reſerven ded Gegners aufgehalten und oft ſelbſt geworfen 
erden; bald einen übermüthigen Anführer, ber ſchon bes Sieges 
her zw fein glaubt, wenn er ſich dem retirirenden, um feine 
Friftenz Fämpfenden Feinde in den Weg wirft, und ihn zum uns 
leihen Kampfe, fo zu fagen, herausfordert, während er alle 
Nittel befäße, ihm durch wohl beredinete Flanfenangriffe empfinds 
ch zu fchaden, ohne ſich felbft auszuſetzen. Hier fehen wir‘ 
ieder eine materielle, unvollflommene, furchtfame Verfolgung. 
o man dem Feinde alle Zeit läßt, fih zu erholen, und wo man 
if dieſe Art die Früchte des Sieges verliert; auf einer Seite 
: e8 Uibermuth und Nachläſſigkeit, auf der andern übertriebene 
engſtlichkeit, die und verdirbt. . Der wahre Anführer wird bei 
inen Werfolgungsmärfchen Schnelligkeit mit Klugheit zu vers 
ıden, und fih von Nachläfligkeit und Unüberlegtheit gleich 
tfernt zu halten wiffen. So viel von den Angriffsmaͤrſchen im 
lgemeinen. 


s 


134 





Sie führen zum Kampfe, und darin liegt für-den Führer 
größerer oder Meinerer Truppenförper die Aufforderung, daß er 
während denfelben feine ganze Thaͤtigkeit und Kraft aufbieten 
muß, um feine Abtheilung in einer folhen Verfaſſung auf den 
Kampfplag zu bringen, in der man ſich etwas von ihr verfprer 
hen kann, 


3. Rüdzugsmärfce. 


Haupterförs Zeitgewinn, Benügung des Terraind und die Hanptregel, 

ee eine Ehrfurcht einflößende Macht auf einem entfcheidenden Punkte 

marſche. gu haben, müffen den Feldherrn bei Anordnung feines Rüdzuges 
leiten. Der Schwäcere kann dem Stärfern nur dadurch impos 
niren, daß er ihm auf einem Punkte mit augenblidficher Uiber⸗ 
legenheit zu widerſtehen trächtet; dadurch wird dann ber Geiſt 
der Truppen wieder gehoben, und ber Wibermuth des Feindes 
gemäßiget. 
! Wer ſich im Ruͤckzuge vereinzelt, if ganz verloren. Die 
"Truppe Töfet fih immer mehr auf, ſchwer find Orbnung und 
Disciplin za handhaben, noch fÄngerer bie einzelnen Körper zu 
Überfehen und anf fie zu wirfeg. Aus Mangel an Uiberein 
flimmung werben alle Gelegenheiten, dem Feinde bie Spige zu 
bieten, verfänmt, aus Mangel an Unterftügung wird ein Theil 
nach dem andern aufgerieben, 

Aber es gibt auch Fälle, wo alles darauf ankoͤmmt, ſich je 
eher je lieber and einer unvortheilhaften Tage herauszuziehen; 
dann muß der oberfte Anführer blos feine Arrieregarde zum 
Gefechte bringen, ſich ſelbſt aber durch fchnelle und gewanbte 
Mandvers dem Feinde fo lange zu entziehen tradıten, bid er im 
Terrain für fi einen Halt» oder Stügpunkt, für den Feind 
aber ein Syinderniß erreicht hat, das ihm erlaubt, letzterem bie 
Stirne zu bieten, feine Blößen zu benügen, und im Wiederge⸗ 
wiunen phyſiſcher und moralifher Kräfte von Neuem die Offen 
fioe mit der Defenfive zu vertauſchen. 

In gewandten Bewegungen, in ber Geſchicklichkeit, wie bie 
Lffenfive von der Defenfive zu trennen, Tiegt dad Geheimniß 
der Müdzugemärfhe, Nur wer bereit if, jeden-Augenblit einen 
MDedfel der Umſtaͤnde zu benügen, um wieder in die Offenfive 
überzugehen, verfteht, was ein Rüdzug ift. 


135 





Der Ruͤckzug des Feldzeugmeiſters Clairfait 1703 in den 
Niederlanden gegen ben weit überlegenen Dumouriez, jener des 
Erzherzogs Karl 1796, dem er durch. die Schlacht bei Amberg fo 
ruhmvoll beendete; Moreaux ‚berühmter Ruͤckzug an den Rhein 
in ebendewfelben Sabre. finh herrliche Beiſpiele ſolchex meiſter⸗ 
haften Rückzugsmaͤrſche. 

Der Feldzug 1799 ſagt: 

»Seder Rückzug ſchwächt die moraliihen und phoſiſchen Sroaltung 
Kräfte der Truppen mehr als eine Vorruͤckung; die moraliſchen, der de 
weil ſich der Soldat weniger auſtrengt, ſobald ber Bchanfe 
einer betraͤchtlichen Uiberlegenheit des Feindes oder einer großen 
Gefahr die Uiberzeugung in ihm hervorbringt, daß feine Auf⸗ 
opferung fruchtlos iſt; — Die phufifchen, weil die Abhängigkeit 
der eigenen Bewegungen von jenen bed Feindes und bie bes 
ftändige Ungewißheit berielben verdoppelte Sicherheitömaßregeln 
erheifchen, die immer mit großer Anſtrengung verbunden find.« 

Aus diefem geht klar hervor, daß bei Ruͤckzuͤgen insbeſon⸗ 

dere auf Erhaltung der Ordnung und Disciplin unter den Trups 
pen zu fehen if; — die Kommandanten ber einzelnen Truppen⸗ 
förper bleiben hierüber perfönlich verantwortlich. Nirgends geht 
Mannszuht leichter, als bei Rüdzügen verloren, uirgehds iſt fie 
dagegen wichtiger, weil man ur im Maße, als man Herr feiner 
Truppen ift, fchnelle Entfchlüfle ausführen kann. Liber die beſon⸗ 
dern Berhaltungen ber Atrieretzarden hanbeit der 8, 16 diefer 
Abtheilung. 


4, Verborgene Marſche. 


Uiberfaͤlle, Hinterhalte, Demonſtrationen u. dgl. find ihre Ihr Zweck. 
Veranlaſſungen. 

Wir verweiſen daher über ihre Ausführung anf jene Abs 
theilungen dieſes Werkes, in denen ſolche auf Uiberraſchung 
begründete Unternehmungen behandelt werden, und bemerken hier 
blos im Allgemeinen: 

1. Orbnung, Stile und Vorſicht muͤſſen bei folden Mär Danpibeoh 
ſchen die hoͤchſte Stufe erreichen, tungen. 

2. Die Truppen duͤrfer in vielen Zählen wicht gelaben haben. 

8. Die Avantgerde wird näher. an das. Grob gezogen, 
um ben Feind nicht frühzeitig aufmerklſam zu machen; aus Aürfen 


Schlußfolge 


obiger Lehre. 


Zweck 
derſelben. 


136 





die Patrbuillen nicht gu weit ‚vorgehen; Dagegen muß dieſer 
Abgang der nöthigken Sicherheitömaßregeln im Marie durch 
die größte Wachſamkeit erfegt werden. - 

4. Die Führer der Kolöunen müſſen hier beſonders goſchickt 
und wohl unterrichtet, die Trmpben wehmäßig gewählt und zu 
kühnen Unternehmungen geübt ſein. 

5. Für die manchmal ſchnell nöthig werdenden Rüdzüge 
müffen Verfanmlungspläge mr Voraus beftimmt werben. 

Wenn wir die ganze Lehre von Märfchen nochmals übers 
fehen, fo finden wir zwei allgemeine Bedingungen bes Gelingens, 
und zwar: Anordnung und Ausführung. Die Anerinung des 
Mariches begreift die große Kunft des ‚Anführer,‘ jeden Marſch 
nach feiner eigentlichen Beflimmung die wahre Richtung gu geben, 
feine Dispofitionen nach dem Beduͤrfniſſe des Augenblicks, nach 
der Lage des Keindes, nach der eigenen. Stärfe, nadı der Natur 
des Landes zu bemeflen, und feine Befehle Dazu Kar, bündig 
und beftimmt zu ertheilen. | 

Die Ausführung der Märfche. ſetzt eine große Kriegbfertig. 
feit der Truppen vorduß, fo wie eine ununterbrochene Drbnang, 
Disciplin und Ruhe, — Anddauern in Beſchwerden, endlich eine 
große Erfahrenheit ihrer Offiziere, gepaart mit jenen Eigenfchafs 
ten, welche auf den. Soldaten wirken, ihm im Glücke Haltung, 
im Unglücke Ausdauer und Keftigkeit geben. Das erfte Mittel 
ift hiezu Uibung im Frieden und unmittelbare Strenge in Auf: 
rechthaltung der Marſchordnung. Nichts ift hier unwichtig, und 
Dffiziere und Generale müflen dafür verantwortlich bleiben. Die 
erften vier Märfche mit unerbittliher Strenge und Genauigkeit 
ausführen, heißt die Truppe für alle übrigen erziehen. " 


Sechste Abtheilung. 
Metogunscirungen, 


Rekognoscirungen haben dreierlei verfihledene Zwede: 
1. Die Kenntniß einer unbefannten und vom Feinde bes 
ſetzten Gegend zu erlangen. 


43% 





2. Sich von ber Stellmg ober ben Demegungen feines 
Gegners zu überzeugen. 

3. Den Feind durch den Angriff eined Poſtens oder durch 
die Annäherung gegen einen Punkt feiner: Pofltion zu Anftalten 
zu zwingeh, die und feinen Punkt verrathen laſſen. 

Die Rekognoscirungen erſter und zweiter Art haben den Erreichung 
Zweck, irgend einen Punkt zu erreichen, um entweder das Land, des Ppnetes 
die feindliche Stellung, oder auch nur einen Theil derſelben ber» Uiberſicht. 
fehen "zu können. ' r 

Sie: müffen daher mit hinlängfichen' Kräften unternommen Rräftiger An- 
werben, nicht nur um alle Truppen, welche nad den erhaltenen griff hiezu. 
Nachrichten und nad) der Kombinirung ber Stellung, und der 
bisherigen Bewegungen und Stärke des Feindes wahrſcheinlich 
vor und auf dieſem Punkte ſtehen, mit Uiberlegenheit über den 
Haufen zu werfen, ſondern auch, um bis über dieſen Punkt 
hinaus vorzurücken und ſich da ſo lange zu halten, als der Kom⸗ 
mandant Zeit benoͤthiget, den Gegenſtand zu überblicken, um 
deſſentwillen die Rekognoscirung unternommen worden iſt. 

Die Hauptaugenmerke, die man bei ſolchen Rekognoscirun⸗ Hauptaugen⸗ 
gen zu nehmen hat, gründen ſich auf ihren Zweck, und beziehen merk dabel. 
ſich auf die Schnelligkeit, auf Bermieidung jeded Gefechts, ſobald 
ter Punft erreicht ift, folglich auf feine unnöthige, weitere Engas 
girung; — auf einen möglihft kurzen Aufenthalt, endlich auf 
die Sicherheit der Aufftelung während der Rekognoscirung und 
des nachherigen Rückzuges mittelft der fchon bei der Borrüdung 
getroffenen Anftalten, ald Aufitelungen von Reſerven, Belegung 
von Poften u. dgl. 

Bei Relognoscirungen britter Art wird fich meiftend auf Doften ngefeite 
Borpoftengefechte befchränft, und nur die Abſicht diefer Gefechte ee 
mweift ihnen eine Stelle unter den Rekognoscirungen an. reift dritter Art. 
man 3. 3. einen Poften, deſſen Befig dem Feinde wichtig ift, 
wenn .er feine Stellung behaupten will, nur deshalb an, um 
deffen Abſichten zu erfahren, fo ift ein folder Angriff eigentlich 
eine Rekognoscirung, und hat blos mit fo viel Truppen unters 
nommen zu werden, ald zur Ausführung dieſes Endzweckes nöthig 
find. Hat man den Poften aufgehoben, und ber Feind rück 
mit Berftärfung vor, um ihn wieder zu erobern, fo verläßt man 
denſelben, um fi Seinem unnöthigen Berlufte auszuſetzen, denn 


4 


— 

der Zweck iſt erreicht; — man hat ſich überzeugt, daß dem Geg⸗ 

ner daran gelegen ift, ihn zu behaupten.. | 
Zurüdmer: Zu diefer Art von Rekognoscirungen gehört die Zurück⸗ 
fung Ph ‚fein werfung der feindlichen Vorpoſtenlette entweder auf einem Punkte, 
Borpoflen. ober auf der ganzen Linie, weil der Feind, wenn er feine Stel 
. Jung..behaupten will, glei; wieder vorrüden. und feine Chaine 
wieder zu befegen trachten wird, wenn Bein ernſtlicher Angriff 

. auf die Zurücddrängung der Vorpoſten erfolgt. 

Solußbemer- Nachdem übrigens Nekognoscirungen größerer Art ſtets 
ung yon höhern Kommandanten geleitet werden, fo find biefe ange, 
gebenen Grundregeln zu ihrer Norm hinreichend; Tleine Reko⸗ 
gnoscirungen gehören mehr in das Feld der Patrouillenführung, 
welche bereitd in der dritten Abtheilung erörtert worben; auch 
find beim Angriffe von Dörfern, Wäldern, Klüffen, Brücken, 
Dämmen und andern Deftlees, fo mie bei jenen ganzer Stelluns 
gen in der fiebenten und achten Abtheilung die Punkte detaillirt 
angegeben, auf die bei Rekognoscirungen insbeſondere Rüdfict 
genommen werben muß. — librigens haben vorläufige Kenntniß 
des Terrain durch Karten, Borpoftenrapporte und Nachrichten 
vom Feinde die Hauptfache, nämlich den Punkt zu beftimmen, 
welcher dem höhern Kommandanten die Liberfiht der Gegend 
oder der feindlichen Stellung volftändig zu verfhaffen geeignet ift. 








138 





DBweiter Abſchnitt. 


Siebente Abtheilung. 


Wertheidigung und Angriff einzelner Se 
genftände. | 


g1. 

Vertheidigung und Ungriff eines einzelnen Hauſes, 
Sofes, Schloffes ſammt Gärten, Kirche, Kirch 
thurmes, Kirchhofes, Schüttlaftens, Meierhofes 

u. dgl. 


Bertheidigung” 


Bii Häufern und Höfen, bie befegt und vertheidigt werden 
follen, it es die erſte Hauptregel, alle vorhandenen Ausgänge 
und Deffnungen, durch welche ber Feind eindringen oder auf 
uns feuern Fönnte, forgfältig zu verfchließen, zu verrammeln ober 
zu decken. Dieſes bezieht fich hauptfächlich auf die Thüren, Fen⸗ 
fter und Dahdffnungen der Gebäude. Anderfeitd aber find es 
eben bie Fenſter, durch welde man aud dem Innern des Hauſes 
auf den Feind zu feuern im Stande ff. 
Diefem gemäß find: 


1. Me Ausgänge — mit Ausnahme des Hanpteinganges — Vorbereituns 


zu verrammeln, ober mit Sausperäthe zu verftellen, und ° 
wenn ed nicht an Zeit Hebricht, auch mit Dünger ober Erde 
zu verſchuͤtten. 

2. Den Haupteingang ſelbſt ‚pm angenbliclichen Zuſchließen 

und Verrammeln vorzurichten. Dieſes wird am leichteſten 
bewerkſtelliget, weun man für jeden Thorfluͤgel zwei oder 
drei Stämme Bauholz zuberritet, die Löcher für fie im voraus 
ſchief ausgraͤbt, und wenn fämmetliche Mannſchaft im Haufe 
ft, die Stützen un bie ‚verjchloffenen Thore fpreiget und 


gen zur Der 
theidigung. 


3 


‘ 


140 





felbe gut verrammelt, — Zugleich wird ein Theil der Mann⸗ 
fhaft hinter dem Eingange beifammen behalten, um benfels 
ben, wenn der Feind einzubringen verfucht, auf das hart, 
nädigfte zu vertheidigen. Hat man aber Zeit durch vorge 
legte, winklichte Erbaufwürfe mit Gräben oder Tambouris 
rungen den Eingang früher zu decken; fo vertheidige man 
denſelben durch Beſetzung dieſer Aufwürfe oder Tambours, 
gleich einer Verſchanzung. Sie haben gewöhnlich die im 
Plane 5 Fig. 1 und 2 erfichtliche einfache, das Thor oder 
den Haupteingang fhügende Form. 


Alle Fenſter zu ebener Erde feft zu verrammeln oder zu 
decken, damit der Feind durch diefe nicht eindringe; dagegen 
in felbe Schußlöcher einzufchneiden, oder einen kleinen Raum 
offen zu laflen, um heraudfeuern zu Fonnen. 


. Die Fußböden der obern Stockwerke zu durchloͤchern, um 


5. 


von da in die untern Zimmer und Gänge zu feuern, wenn 
der Feind in dieſe bereitö eingebrungen ifl. 


Sn den obern Stocdwerfen zur Verrammlung der Stiegen 
in den Wendungen Hausgerathe oder andere Materialien 


vorzubereiten. 


6 


Die Fenſter aller Stockwerke und alle Dachoͤffnungen, 
bei ſchwacher Beſatzung aber vorzüglich jene zu befeßen, 
welche die zu vertheidigenden Paflagen, ale: Wege und 
freie Streden — beftreichen, und vor die ſchwaͤchſten Punfte 
und Eingänge ein Kreuzfeuer bringen. Hiezu ftellen fih in 
die Nähe jeded Fenfters, links von felben zwei Mann — 
laden nahe an der Mauer unb feuern wechſelweiſe vorges 
hend und das Gewehr an den Pfeilern lehnend, "oder knien 
ſich gedeckt zum Fenſter und feuern abwaͤrts; dasſelbe ges 


ſchieht von allen Dahöffnungen mit moͤglichſter Deckung. 


7 


Schließen ſich an die zu vertheidigenden Häufer oder Höfe 
Gärten, fo werden biefelben, wenn fie groß und mit Feinen 
guten Mauern umgeben find, ober wenn die Truppe hiezu 
nicht ſtark genug ift, lieber gar nicht in die Vertheibigung 
mit eingefchloflen, fondern wo möglich alle Punkte und Um⸗ 
zäunungen niebergeriflen. Hat man aber hinlängliche Truppe 
nnd find bie Gaͤrten zur Bertheibigung geeignet, fo werben 





141 





ihre Mauern oder Umzaͤunungen fo beſetzt; wie ed im Un⸗ 
terrichte zur zerftreuten Fechtart angeordnet ift. 

Bei, größeren Gärten find jedoch in dieſem Falle zur 
Aufnahme und Ablöfung der hinter der Umzaͤunung befind⸗ 
lihen Truppen in der. Direktion des Ruͤckzuges Unterftüguns 
gen und Referven aufzuftellen. 

8. Wo es die Zeit erlaubt, find Gebäude, bei welchen es fich 
um eine längere Vertheidigung handelt, mit einem Graben 
zu umgeben, und über diefen eine leicht abzumerfende Brücke 
zu errichten, oder andere Vorkehrungen zu treffen, um dem 
Feinde die Annäherung möglichft zu erſchweren; auch ift es 


oft vortheilhaft, dad Dach abzutragen, um fih vor dem Ans ' 


zünden burd) Haubik-Öranaten zu fichern. 

Zeder einzelne Mann ift daher genau theoretifh, und wo 
ed die Gelegenheit darbietet, auch theilweife praftifch zu unterrichten. 

1. Sn der Verrammlung und VBerfhüttung der Ausgänge 
ded Hauſes. 

2. Sn der Verſchließung des Haupteinganges mit den dazu 
nöthigen Verrichtungen. 

3. In Erbauung der Erdaufwürfe und Tambourirungen. 

4. In Berrammlung und Dedung ber im Erdgefchoße bes 
findlichen Fenfter. 

5. Su der Art, wie Schußlöcher durch Sußböden und Fen⸗ 
ter, und bei legteren, in welder Höhe einzufchneiden find. 


Frühere Uns 
terweiſung 


der 
Mannſchaft. 


6. Sn der oben erklaͤrten Art, wie zwei und zwei Mann . 


aus den Fenftern und Dacköffnungen gedeckt zu feuern haben. 

Diefe Unterweifungen müffen mit Genauigfeit vorgenommen, 
der Mannſchaft die Wichtigfeit jeder einzelnen, zu ihrem eigenen 
Schuße begreiflih gemaht, und durch mannigfaltige Beifpiele 
ind der Kriegdgefchichte der Nugen der Vertheidigung einzelner 
Hänfer mit Wärme und Klarheit erläutert werden. 

Bei der wirklichen Bertheidigung eines Gebäudes endlich 
ft Folgendes zu beobachten: 

- 1. Nahet fick der Feind, oder flürmt er von allen Seiten 

‚a8 Haus, um die verrammelten Eingänge zu erbrechen, jo wers 
ven ihm aus den obern Stodwerfen und Deffnungen Steine, 
iedendes Wafler, Sand, Balken, Hausgeräthe, Afche, fo wie auch 
ziegeln und ftüdweife abgetragene Theile des Daches, mit einem 
Borte: Alles, was man nur finden kann, auf ben Kopf geworfen, 


Art der 
Vertheidi⸗ 
gung. 


Kirchen, Kirch⸗ 


thürm 


143 





zugleich herabgeichoflen, und bei niedern Stockwerken die Herauf⸗ 
fteigenden mit dem Bajonete hinabgeftoffen. Ä 

2. Dringt der Feind dennoch ein, fo fällt die hinter dem 
Eingange aufgeftellte Mannfhaft ungeftüm auf denfelben und 
trachtet ihn wieder herauszumerfen. Sollte aber diefed nicht ges 
Iingen, fo zieht fih die Mannfchaft in die oberen Stockwerke 
zurüd, feuert durch die im Fußboden angebrachten Schußlöcher 
auf den unten eingedrungenen Feind, verrammelt die Gtiege, 
vorzüglich die Wendungen, und verwehrt auf felber dem Angreifer 
das Vordringen fo lange ald möglich. 


3. Hat der Feind endlich ein Stodwerf nach bem andern 


genommen, fo zieht man fih bid auf das Dad Schritt für 


Schritt, fämpfend und wieder angreifend, bid man. entweder ſich 
zu ergeben gezwungen, oder dad Haus anzuzünden und ſich mit 
dem Nefte zu retten im Stande ift, 


Alle diefe gemauerten Gebäude und Räume werben gerade 


Sanertähen, fo, wie einzelne Häufer befegt, und mit geringen Abänderungen 


Sciöffer, 
Meierhöfe 
u. dgl. 


Mit Geſchuͤt. 


auf diefelbe Art vertheidigt. So werden 5. B. bei Kirchen an 
den Kenftern hohe Gerüfte angebradht und die Eingänge feſter 
verrammelt, bei Kirchthürmen ein heftiged Feuer aus dem obern 
Theile ded Thurmed auf den Feind gemacht, bei Kirchhöfen und 
Schüttläften die Mauern vollſtändig frenaillirt, und auf der 
innern Seite längs derfelben ein Banker zum Hinüberfeuern ers 
richtet — bei Schlöffern befonders die Thürme und Donjong, 
fo wie auch die Waflergräben und Aufzugsbrücken vertheidigt. 


Bei größeren Gebäuden find jene Theile am ſtaͤrkſten zu 
befeßen, die einen ausfpringenden Winkel bilden, weil fie in fid 
ſelbſt die ſchwächſten Punkte find, zugleich aber ald Flanfen zur 
Berheidigung der übrigen zurüdliegenden Theile vortheifhaft 
benügt werden fünnen. Uibrigend hängen bie befonderen Bors 
richtungen von der Lokalität ab, fünnen daher nicht im Voraus 
angegeben werben, fondern bleiben der Beurtheilung des die 
Bertheidigung leitenden Kommandanten überlaffen. 


Angriff 


Beim Angriff einzelner Hänfer kommt es hauptfächlicd dars 
auf an, ob Geſchutz vorhanden iſt ober nicht. Im erften Kalle 


148 





werben bie verrammelten Thören. unb Penfter durch dasfelbe' 
eingefchoffen, die Mauern erſchuͤttert oder: bad Dad ba Han 
big» Öranaten angezündet. 

Sollten jedoch die vom Feinde befehten Gebäude blos Ohne 
durch Infanterie genommen werden, fo tft vorzüglich zu berüds Brihär. 
fihtigen, ob fich dieſelben tn einer freien Ebene, oder i in einer 
burchfchnittenen Gegend befinben. 

Auf erfterer, wo Feine Deckungen vorhanden find, müffen‘ Im ebenen 
die fetten 300 Schritte dis an das Haus fo fchnell als möglich Terrain. 
hinterlegt werden. — Se näher man an dasſelbe fommt, deſto 
weniger ſchadet das Feuer des Feindes, denn feine Schüffe wer⸗ 
den Stechſchuͤſſe und find daher von Feiner großen Wirkung. 

Die vorderften Leute müflen aus den muthigiten Freiwilligen und 
den Zinmerleuten beftehen. Erftere fuchen mit Leitern oder einer 
auf den andern fteigend, die Fenfter zu erflimmen, während legs 
tere die Thüren einhauen, Sind diefe geöffnet, dann wird bie 
Berrammlung auseinander geriffen,: und der Beſitz des Erdge⸗ 
ſchoßes durch das Bajonet errungen, alle Thüren gefprengt, und 
die Feinde entweder gefangen oder niedergemadt. In die 
oberen Stöde dringend erfechtet man'.die Stiege Abſatz für Ab⸗ 
fag, und verfolgt den Feind ohne Aufenthalt durch alle Zimmer 
und Stockwerke bid auf das Dach, wo der Uiberreſt desſelben 
fi) ergeben oder ebenfalld erliegen muß. Sf die Vertheidigurg' 
zu harsnädig oder derjelben ‚die Bauars des Hauſes zu günitig, 
fo fann man aud Feuer in den untern Stockwerken anlegen’ 
und dadurch. die Liibergabe oder Räumung des Hauſes erwirfen. 


In einem durchſchnittenen Terrain aber nähern fih die Im durch⸗ 
Tirailleurs, durch Bäume, Gräben, Hecken oder Mauern gedeckt, Ianitienen 
dem Gebäude, die beften Schüßen zielen ‚befonderd auf jene, die 
fih an den Fenftern bliden laſſen; überhaupt wird in fo lange: 
von. der Kette ein kräftiges Feuer unterhalten, bi6 die nachrü⸗ 
denden Unterſtützungen und Reſerven durchbrechen, und das 


Haus auf die oben beſchriebene Art ſtuͤrmen. 


Sind Gaͤrten mit Mauern und Zäunen an den Säufern, 
fo werben jelbe entiweber erfliegen, oder umgerifien und dann 
wie früher gegen bad Hans felbft vorgerüdt, 

Die zum Angriff nöthige: Zahl. der Truppen wird durch Stärke der 
Die Feſtigkeit und Ausdehnung des vom Feinde befeßten Gebäudes: Truppe. 


114 


beftimmt. Zur Erſtuͤrmung gewoͤhnlicher Wohnungen gewägen 
mehre Maͤnner oder ein Zug, bei’ größeren Häufern, Höfen, 
"Köftern, Kirchen u. dgl. müflen hiezu ſchon ganze, Kompagnien 

und oft noch größere Abtheilungen fommandirt werden. 
—ã Die vortheilhafteſten Punkte zum Angriff ſind die ausſprin⸗ 
puntte.“ genden Winkel, fo wie. überhaupt alle jene Theile des Gebäudes, 
denen man ſich gedeckt nähern kann; auf biefe ift alfo beherzt 
loszugehen, das Uibrige aber nach obiger Anleitung zu vollführen. 
Dabei find jedoch die verfchiedenen Lofalitäten zu berüdfichtigen, 
deren große Mannigfaltigfeit ed nicht geftattet, fie in Voraus zu 
beftimmen, fondern der fommandirende Offizier hat diefelben im 
Augenblide des Angriffes fchnell zu erfennen, feine Truppen 
darnach zu vertheilen, und fomit dad Ganze zweckmäßig zu leiten. 


6. 2. 
Vertheidigung und Angriff eines Dorfes. 


Berthbeidigung. 


Die Dörfer beftehen aus Häufern, Gärten, Mauern, Zänuen 
und Heden, welde den Bertheidiger deden, den Angreifer aber 
aufhalten, mithin ihm einen viel Sängeren und fräftigeren Wider⸗ 
ftand entgegenfegen, ald .er im freien Felde finden würde. Aus 
diefem Grunde rechnet man Dörfer zu den erften Bertheidigungd- 
mitteln un Kriege. 


Vertbeilung Jedes Dorf zerfällt feiner Bauart nach in mehre, durch 
der Truppen Bäffen getrennte Abfchnitte, in welche daher die Truppe zwed- 


Allgemeinen. mäßig aufgeltellt werden muß. Der Kommandant befiimmt ein 
Drittheil feiner Maunfchaft zur Hauptreferve und vertheilt die 
übrige nach der Größe der verfchiedenen Dorfabfchnitte an eigene 
Kommandanten. Jeder derfelben fondert feine Truppen wieder 
in zwei Theile, von welchen der eine die Tirailleurs und die 
hinter diefen befindlichen Unterflüguugen, der andere aher bie 
rüdwärtigen, Meinen Reſerven derfelben bildet. 

Am äußeren Die Tiraillenrs vertheidigen den äußeren Umfaug bed Dors 

u Ag feö; vorzüglich find die Flanfen und die gegen den Feind Front 

miachende Seite zu befeben; bei einer iſolirten Dorfoertheibigung 
aber muß auch der rüdwärtd liegende heil bewacht werden, 








145 


weshalb ſich die Tirailleurs um den ganzen Umfang des Dorfes 
ausbreiten. Die Truppen werden biezu .hinter die äußerſten 
Heden, Zäune und Mauern oder in die am Umfang gelegeneu 
Gebäude vertheilt. 


Am ftärfften werden hiebei jene Punkte beſetzt, wo der Staͤrker oder 
Feind leichter eindringen, oder wir ihm mehr ſchaden fünnen. ſchwaderzu 
Diefe find: Punkte. 
1. Die ausſpringenden Winkel, deren Spitzen und Flanken 
am meiſten ausgeſetzt ſind. 
2. Jene Punkte, wo Hauptſtraſſen oder andere Kommuni⸗ 
kationen in das Dorf fuͤhren. 
3. Tief liegende Theile desſelben, welche von einem höhern 
Terrain eingefehen werben. 
4. Jene, welchen fich der Feind gedeckt nahen kann, z. ®. 
Theile, die knapp an einer Anhöhe, einer Schlucht oder an einem 
Badıe liegen, der fih in ‚Krümmungen gegen den Feind zicht 
uhd daher fein Anrüden begünftigt. 
5. Endlich jene dominirenden Punfte, von wo aus man 
den Feind mit Vortheil zu befchießen im Stande ift. 
Dagegen fönnen einfpringende Winkel, fo wie auf fteilen 
ungangbaren Ravins liegende Theile ded Dorfes ſchwäcker be⸗ 
fegt werden, da fie ohnehin durd ihre Lage mehr gefhüst find. 


“gene Punkte, welche hinter dem Außerften Umfange ded Puntte für 
Dorfes dem Eindringen des Feindes am meiften ausgefegt find, hüsungen 
mithin die Gaffen und vorzüglichften Häufer, werden mit Unters und Bleineren 
ſtützungen beſetzt; kleinere Reſerven endlich dort ausgeftellt, wo Referven. 
mehre Gaſſen zufammenlaufen, damit fie im Stande find, auf 
den Fürzeften Linien den am ftärfftien angegriffenen oder durch 
ihre Lage am meiften bedrohten Theilen ded Umfanges zu Hilfe 
su eilen, und den -allenfalld eindringenden Feind mit einer ges 
idiloffenen Truppe zurüdzuwerfen. Dieſe Referven dienen Daher 
wur Unterftügung, fo wie auch zur zeitweifen Ablöfung der vor» 
wärtigen Truppen, und bilden die zweite Hälfte derfelben. 

Endlih ift noch das oben erwähnte, legte Drittbeil der Hauptreſerve⸗ 
Iruppe, ald Hauptreferve im. Dorfe auf den allgemeinen Rüd: Punkt. 
ugs⸗ oder Gentralpunkt der Vertheidigung aufgeftellt. — Diefer 
ft entweder 


1. der Mittelpunft, oder 
x 10 


146 





2. der freiefte Plag, wo der Kommandant alle vorwärtigen 
Truppen aufzunehmen und den Feind, er möge mo immer eins 
dringen, mit ganzer Kraft zurüczumerfen im Stande ift. 
3. Sener bald vors, rüd« oder feitwärts, bald im Innern 
des Dorfes liegende Punkt, welcher feiner Feſtigkeit wegen felbft 
nah dem Verluſte der andern Theile noc gehalten werden 
kann, und daher den eutfheidendften Einfluß auf die Behauptung 
eined Dorfes hat; im fchlimmiten Falle aber wenigftend ben 
Rückzug der Truppe durch längere Zeit det. Sole Punfte 
find z. 3. Kirchen, Kirchhöfe, die mit flarfen Mauern umgeben 
find, fo wie auch Schlöffer, Klöfter, Schüttläften u. dgl., die 
theild durch ihre feſte Bauart, theild durch ihre manchmal erhöhte 
Lage und durch die im vorigen $. angegebenen Vorbereitungen 
kräftige Mittel zu einer längern BVertheidigung darbieten. 
an Jeder einzelne Abtheilungsfommandant erhält die Weifung, 
gung. wie er ſich zu verhalten, welche Punkte er vorzugsweiſe zu unters 
ftügen, endlik wie er fih im Unglüddfalle zurüdzuziehen und 
wieder zu ftellen habe. Diefe Kommandanten geben gleichfalle 
den am äußern Umfange ded Dorfes aufgeftellten Trupyen jene 
rückwärts liegende Häuferlinie oder jene Mauern und Zäune an, 
gegen welche fie fidı beim Vorbringen des Feindes im fortwäh- 
renden Kampfe und Schritt vor Schritt zurücdzuziehen und fo 
lange auf bad Fräftigfte zu vertheidigen haben, bid bie Unter⸗ 
fügungen vorrüden und ben Feind wieder zurüdwerfen. Ebenfo 
erhalten die Kommandanten der Soutienpoften ihre Ruͤckzugs⸗ 
direftion gegen die Sauptreferven. 
vaetheitung Auch die Verwendung der Dffizierd verdient ein beſonderes 
er Offliere. Augenmerk. Bei einer Kompagnie werden fie im Allgemeinen 
längs der Aufftellung zwiſchen den Tirailleurd und den Unters 
flügungen vertheilt, um durch ihre Leitung fchnell jeden drog 
benden Angriff des Foindes im Entitehen zu vereiteln. Der ges 
ſchickteſte Offizier gehört bei diefer Vertheilung auf den feiner Lage 
nach bedrohteften Punkt, der Hauptmann aber, welder ald Koms 
mandant eined Dorfabfchnittes die ſchwaͤchſte Stelle oder den 
Sauptpunft feiner Bertheidigung fchon voraus erfannt haben 
muß, bleibt bei den Neferven und befonders bei jenem Theile 
derfelben, welcher wahrſcheinlich am meiften zu wirken beftimmt ift. 
Srundregel Endlich muß hier dem Haupt⸗, ſo wie jedem Abtheilungs⸗ 
Berbaltens, kommandauten zur Örundregel feines Verhaltens angegeben werden, 


=. 





. 147 





daß befonder® bei Vertheidigung ber Dörfer nichts fchäblicher 
fei, ald eine blos paſſive Vertheidigung. So wie daher ein 
Theil oder Abfchnitt des Dorfes angegriffen wird, fo haben fich 
die rechts und links in den Nebentheilen befindlichen Truppen 
nicht leidend zu verhalten, fondern die Kommandanten berfelben 
jur Bertheidigung mitzuwirken, den Feind in Rüden und Flanfe 
zu nehmen und ihn dadurch wieder auf die Defenfive zurückzu⸗ 
werfen, mit einem Worte ohne erft Befehle abzuwarten, den 
angegriffenen Theil Fräftig und nach eigener Anfidit Hilfe zu 
leiften. 
Jeder Kommandant hat zugleich ale möglichen kuͤnſtlichen de 
Mittel anzuwenden, welche eine hartnädigere Bertheidigung bes gungsmittel. 
ihm übertragenen Dorfabfihnitted möglich machen. Diefe find: 


I. Jene, welhe den Umfang des Dorfes träftiger Am äußern 
Umfange des 
fhüßen; mithin Dorfes. 
bei Mauern: 
1. Grenaillirung derfelben, d. i. man macht von 4 zu 4 Schuh 
und in einer Höhe von 4, Schuh Scußlöcder in die 
Mauer. Plan 5, Fig. 3. 
2. Man crenaillirt die Mauer, und errichtet noch dazu ein 
höheres Banket, um ein doppeltes Feuer zu erzielen. Fig. 4. 
3. Wäre die Mauer zu did, um felbe crenailliren zu können, 
oder hätte man dazu nicht die nöthigen Werkzenge, fo ers 
richtet man nach der Höhe der Mauer einfache oder dops 
yelte Bankets mit Erde, Holz, Bänfen, Stühlen u. dgl, 
dig. 5. 
Bei Zäunen: 
1. Errichtung von Aufwürfen und Banfetd. Fig. 6. 
2. Ziehung von Gräben vor felben; wobei zu bemerken: ift, 
Daß der innere Rand ded Grabend A Fuß von dem Zaune 
abgeftochen werden muß, damit die zur Bruſtwehr dienende 
Erbe auf diefem Raume feithalte. Fig. 7. 
Bei Gäffen: 
1. Berrammlung durch Wägen, Fig. 8, die man quer aber 
die Straffe ſtellt, nach Außen zu die Räder abnimmt, und 
den Raum unter felben, fo wie den Wagen felbft mit Mift 
füllt, um dadurch der dahinter fiehenben Mannichaft eine 
Bruftwehre zu geben. 
10* 





148 





2. Durch Fäffer, die man quer in eine Neihe über die Gaſſe 

ftellt und mit Dünger oder Erde füllt, Fig. 9. 

3. Wären fie aber zu hoc, ein Banket rüdwärts aufwirft, 
Fig. 10, 

4. Und wären fie wicht hoch genug, an der Innern Seite einen 
Heinen Graben gräbt, Fig. 11, oder 

5. Auf diefe Fäflfer noch eine zweite Reihe, gleichfalls mit 
Erde oder Dünger gefüllt, ftellt, und hinter felben ein 
Banker aufwirft, um in allen Fällen den Mann zu deden 
und dennod fein Feuer gegen den Feind wirkſam zu machen. 
Fig. 12. 

6. Verhaue, Fig. 13, wozu man die Bäume mit dem Gipfel 
nad Außen, am Audgange der Bafle fo hoch aufeinander 
legt, daß der dahinter ftehende Mann hinlänglic gedeckt, 
jedoch nicht gehindert werde, darüber wegzufchießen, oder 
bei hinlänglicher Zeit 

7. quer über die Gtraffe gezogene 6 Schuh breite Gräben, 
und hinter felben erbaute Bruftwehren von 6 bi 7 Schuh 
Dide, Fig. 14. Die Wände ded Grabend müflen aber 
dabei fo fteil, als ed nach der Erdgattung möglich ift, ab» 
gedacht werden, damit der Feind, wenn er auch in den 
Graben eindringen follte, doc ſchwer den Aufwurf übers 
fteigen kann. 

Hinter diefen Aufwürfen wird beim Ausgange der vors 
züglichften und breiteften Straffen das Geſchütz auf Platte⸗ 
formen aufgeftellt, weil es bafelbit, wo der Angriff am 
wahrfceinlichften ift, am meiften wirken kann; endlich bei 
noch längerer Zeit und hinlänglihen Materialien 

8. Berpallifadirung der Eingänge eines Dorfes. Diefed ges 
fhieht auf folgende Art, Fig. 15. Man nimmt Stämme 
von Bauholz, läßt fie in der Länge von 9 bis 10 Schuh 
abfägen und an dem einen Ende zufpiten, wodurch man 
eine Pallifade erhält: Dann zieht man quer über Die 
Strafle einen Graben 3”/, bid 4 Fuß tief und 2 Fuß breit, 
ſteckt die obigermaßen zugerichteten Palifaden auf 2 Zoll 
Diftanz, damit man hinaudfenern könne, von einander in 
den Graben, und rammelt fie fo ſtark als möglich ein. 
4 Fuß über der Erde nagelt man eine ftarfe Latte quer 
über die Pallifaden auf der innern Seite an, um ihnen 


149 





mehr Halt und Keftigkeit zu geben, und verichallt ebenfalls 
die untere Deffnung zwiſchen benfelben. Auch kann man 
bei mehr Zeit hinter der Pallifadirung, welche man höher 
ellt, ein Banket machen, wodurch bie Mannichaft beim 
Laden durch bad Herunterfpringen noch beffer gedeckt ift. 
. Zambourirung der Dorfeingänge. Zu noch größerer Bes 
feftigung kann man ftatt der Paliladirung eine Tambous 
rirung mit einem Graben außerhalb ziehen, Fig. 16; biefer 
darf aber nicht unter 6 Fuß breit fein, und deflen Wände 
müffen fehr fteil ablaufen; auch ift in diefem Falle bie aus⸗ 
gegrabene Erde auseinander zu flreuen, und man braucht 
daher zwifchen den Pallifaden und dem Graben nur einen 
Raum von höchſtens 2 Schuh zu laſſen. 
Jene Bertheidigungsmittel, welche die Soutien, 
poften wirffamer mahen, damit fie ſich ohne Hinderniß 
hin und her bewegen fünnen, und damit überhaupt im 
Innern des Dorfes, Bid zu deſſen Außern Umfange zwis 
ſchen ben einzelnen Poften alle Kommunilationen erleichtert 
werden. Dieſe Mittel find: 
1. Abwerfen oder Durchbrechen ber Mauern. 
2. Abreiffen von Planfen. 
3. Niederreiſſen aller niedern Zäune und Heden. 
IE. Jene Mittel, welche die Vertheidigung des Pos 
ſtens der Hauptreſerve verſtärken. 
Sie beſtehen in Befeſtigung der haltbarſten und angeſe⸗ 
henſten Gebaͤude, und unter dieſen ganz beſonders: 
1. Der Kirchen und Kirchhoͤfe. 
2. Der Schloͤſſer. 
3. Der gemauerten Höfe und Klöfter. 
4. Der Schüttfäften und anderer Wirthſchaftsgebaͤude. 
Die Art, wie alle diefe Gegenftände in den beftmöglichften 
Bertheidigungsftand zu feßen find, ift im vorigen 8. erflärt worden. 
Die Vertheidigung eined Dorfed wirb zuerft durch jene 
feines Umfanges, dann durch jene feiner innern Theile, und end» 
(ich durch die Vertheidigung des Hauptrefervepunftes begründet, 
Jene Mannſchaft, weiche bie Umfaflgng bed Dorfes befegt, 
wird als Plänfler hinter den oben angezeigten Dedungsmitteln 
vertheilt, und feuert nur dann, wenn der Feind auf bie gehörige 
Schußweite anrüdt, jedoch mit Ruhe und Gelaflenheit, damit 


> 


u 


Am Innern 
des Dorfes, 


Bertheidis 
gung Des 
Dorfes. 


Dertpeil 
gung Des. 
äußeren 
Umfanges. 


——— GERA — — — — — — — — — — — — .— 


. 150 





jeder Schuß feinen Mann genan treffe Der Feind kaun und 
wird nie ein Dorf von allen Seiten zugleich angreifen; die Leute 
find daher anzumeifen, im Falle der von ihnen befette Theil nicht 
bedroht wäre, nach Möglichkeit zur Abwehrung des Feindes mits 
zumwirfen .und den angegriffenen, ihnen zumächfiliegenden Punkt 
durch ihr fchräged Feuer zu unterftüßen, 

Verwendung — Das Geihäß vertheibigt Die vorzüglichften Punkte am Lim: 

des Geſchützes. fange des Dorfes. Der Kommandant hat daher dasſelbe auf 
den Hauptſtraſſen, als den bedrohteſten Theilen, dann auf den 
ihrer Lage nach ſchwächſten Punkten, und endlich auf jenen 
dominirenden Höhen, wo ſie ein wirkſames Feuer unterhalten 
fönnen, zu vertheilen, und fo aufzuſtellen, daß fie den äußerften 
Umfang auf das hartnädigfte vertheidigen und die dafelbft aufs 
geftellten Truppen durch ein fie flanfirendes Feuer ſchützen können. 

Angriff des Gibt der Feind im Angriffe Blößen, indem er unordentfid 

Be Dlänkler getrennt ober mit Vernachläſſigung feiner Flanken vorgeht, fo 
wird dieſes fogleich zum eigenen Angriffe benügt. Ebenſo, wenn 
der Feind an einem oder dem andern Punkte burchbricht, ziehen 
fih die Tirailleurs der rechts und links liegenden, weniger be- 
drohten Streden zufammen, fallen den Feind mit dem Bajonete 
an und werfen ihn zurück. 

Rückzug vom Iſt er jedoch zu ſtark und werden bie Plänfler von ihm 

umfanae, übermannt ober in Flanken und Rüden genommen, fo ziehen fle 
fi) von der Umfaflung des Dorfes langfanı zurück, vertheidigen 
von Schritt zu Schritt jedes Haus, jeden Garten, fo wie jeden 
fie begünftigenden Gegenitand; befegen jedoch vorzüglich. jene 
rüdwärtd liegende Linie von Häufern, Mauern oder Zäunen, die 
gegen den Feind eine neue Vertheidigungsfronte geben, und daher 
fo lange ald möglich behauptet werden müflen. 

Angriff der Die Unterftügungen greifen unterdeflen den Feind durch 

Unterftüguns ein rafched Borrüden in einer feiner Flanfen an; wären fie aber 
zu ſchwach, fo deden fie den Rüdzug der Plänkler, und verftärfen 
diefelben mit geſchickter Benüpung jeded Terraingegenftandes in 
der Bertheidigung der neu genommenen Aufitellung. 

Verwendung Die Geſchütze begünftigen diefe Angriffe oder Nüdzüge, 

des Geſchützes. indem fie fortwaͤhrend den Feind durch ihr heftiges Feuer von 
dem Eindringen in das Dorf mit größeren Maſſen abhalten. 

Rückzug. Werden endlich auch die Unterſtützungen ſammt den frü⸗ 

bern Plaͤnklern nach kräftigem Widerſtande zum Weichen gebracht, 





151 





fo ziehen fie ſich langſam gegen ihre Neferve zurüd, einen Dorfs 
abfehnitt nach dem andern zur Vertheidigung benügend. 

Nun ift der Augenblick da, bevor noch die eigentliche Angel dee 
Stärfe ded Feindes den Eingang des. Dorfes erreicht hat, in —— 
welchem die verſchiedenen Abtheilungskommandanten mit ihren Reſerven. 
rückwaͤrtigen Reſerven durch einen raſchen und entſchloſſenen Ba⸗ 
jonetangriff den vorgedrungenen Feind wieder aus dem Dorfe 
hinauswerfen fünnen. Gelingt dieſe Attaque, fo gehen bie 
Plänkler und Unterflügungszüge fchnell wieder vor, und vertreiben 
den Feind aus allen Häufern und Gärten. — Bei bielen Ans 
griffen rüden die Geſchütze auf den Straffen mit den Reſerven Verwendung 
gegen den Ausgang des Ortes vor und wirken mit Kartätfchen des Geſchuͤtes. 
gegen den Feind, bid er ganz aus demfelben vertrieben if. 

Gelingt der erite Angriff nicht, fo wirb er noch Öfterd mit Rüdzug der 
Kraft und Thätigkeit ernenert; ift aber die feindliche Macht zu *elerven nah 
ſtark, fo zieht fich alled gegen den Hauptiammelplag zurüd, wo Angriffen. 
noch ein Drittheil der ganzen Truppe ald Hauptreſerve unter 
dem Kommandanten befindlich ift. 

Diefer letztere hat indeflen den Gang ded Gefechted und Angriff der 
die Entwidlung der feindlihen Angriffe fharf beobachtet, ebenfo PrPtrelerve. 
die Handlungsweiſe feiner Abtheilungstommandanten im Größern 
geleitet und ſich fletö da aufgehalten, wo bie Umſtaͤnde feine 
Gegenwart am meiften erforberten. Geftatten es dieſe letzteren, 
und iſt er durch rüdwärtige größere Truppen im Rüdzuge geft« 
dert, fo nimmt er feine vereinigte Truppenmafla zufammen, 
dringt mit der ganzen Macht ungeflüm vor, und greift den ſich 
im Beſitze ded Dorfed fchon ſicher wähnenden Feind unver⸗ 
muthet an. 

Meiftend gelingt ein folcher Angriff einer neuen noch uners 

fhütterten Truppe auf den zerftreuten, durch Dad Gefecht und 
die Hinderniffe in Dörfern in Unordnung gebrachten und auf 
einen neuen Kampf gewöhnlich nicht gefaßten Feind, wenn er 
entfchloffen und Flug auf die verwundbärfte Stelle desielden — 
meiſtens in einer oder der andern feiner Flanken vollführt wird. 
Hiezu gehört aber dad Durchdringen der Kolonnen, mo möglich 
unter dem Kartätfchenfeuer der Geichüge, Dann ein kuͤhner und 
rafcher Angriff mit dem Bajonete, wenn man dem Feinde nahe 
kommt, — endlich ein raftlofed unaufhaltbared Verfolgen desſel⸗ 
yen, fo mie er geworfen ift. 


Verwendung 
der Artillerie 
und 
Kavallerie. 


Erneuerung 
des Angriffes. 
Nüdzug auf 
den letzten 
Vertheidi: 
gungspunkt. 


152 





Die fruͤhern Reſerven, Unterſtützungen und Plaͤnkler folgen 
und verſtaͤrken dieſen Hauptangriff durch eine allgemeine Vor⸗ 
rückung, wozu die Trommelzeichen als Signale gegeben werden, 
und die Soutiens ſammeln ſich, wenn ſie durch frühere Gefechte 
zerſtreut worden, zugleich wieder in ganze Abtheilungen. 

Die Artillerie wird hiebei ebenſo, nur im größern Maße, 
wie bei dem frühern Angriffe der Fleinern Reſerven verwendet; 
das Geſchütz muß nach der verfchiedenen Breite ber Gaſſen zu zwei 
oder drei nebeneinander auffahren und gegen den Feind wirken. 
Die Kavallerie aber bricht hervor, fo wie der Feind aus dem 
Dorfe geworfen wurde, haut in felben ein und verfolgt ihn, fo 
weit ed das Terrain oder bie Umftände erlauben. 

Mißlingt aber der Angriff der Hauptreferve, fo wirb er 
wieder erneuert und das Glück üfterd verfucht. Sieht endlich 
der Kommandant, daß er im freien Kampfe gegen den Feind zu 
ſchwach ift, fo zieht er fich in das Ssnnere des Dorfes auf jenen 
Gentrafpunft zurüd, Der eine längere Haltbarkeit verſpricht und 
fhon früher von ihm zu diefem Zwecke nah Möglichkeit vorbe- 


reitet wurde. 


Vertheidi⸗ 
gung des⸗ 
ſelben. 


Ausfälle. 


Um diefen muß fodann, wenn höhere Befehle eine hartnäs 
ige Bertheibigung nicht verbieten, bis auf den letzten Mann 
gekämpft werden. Der Kommandant muß teachten, fomohl die 


Dffisiere, ald die Truppe durch Erinnerungen aus den Annalen 


der Kriege auf das höchfte zu begeiftern, und er felbft muß jene 
Kraft entwiceln, die im Handeln am rechten Orte den gebornen 
Soldaten zeigt. Ruhig und befonnen, doch ohme Raſt überall 
gegenwärtig, wo Gefahr ift und daher Pilfe nöthig wird, muß 
er alle feine Untergebenen mit dem Geifte des Heldenmuthed und 
der Aufopferung befeelen. 

Ausfälle fünnen nur mit überlegener Macht ober bei ans 
fehnlichen Blößen, welche der Angreifer gibt, unternommen wer⸗ 
den. So 3. B. wenn leßterer feine Flanken ausfegt, oder feine 
angreifenden Truppen nicht unterftügt. — Sie müffen fehr rafch 
und zugleich fehr Elug gefchehen, das Dorf ruͤckwaͤrts ftarf beſetzt 
bfeiben, und immer wieder in dasſelbe zurückgekehrt werden, 
fobald der Angriff des Feindes geworfen ift, um nicht in einen 
Hinterhalt zu fallen oder abgefchnitten zu werden, und dadurch 
die Befagung, und mit ihr Die Abficht ihrer Aufftelung umfonft 
zu verlieren; es fei denn, daß andere Truppen rüdwärtd unfere 














153 





Stelle im Dorfe erfegen, und wir daher in Berfolgung bes 
Feindes ungehindert find. 


Angriff. 


Der Angriff eines Dorfes ift befchwerlich und mit Verluft 
an Zeit und Menſchen verbunden, mithin nur dann zu unter 
nehmen, wenn der Zwed, den man vor ſich hat, nicht anders 
erreicht werden kann. Auf alle Fälle ift phyſiſche oder moralifche 
liberlegenheit der Truppe gegen ben Bertheidiger erforderlich; 
denn nur durch dieſe kann das Uibergewicht erfegt werben, welches 
bie Natur ber Dörfer, vereinigt mit einer oft vortheilhaften Ters 
rainbildung, dem Bertheidiger über den Angreifer gibt. 

Diieſem gemäß hat der Kommandant ber Truppe, - welche Dauptaugens 
ein Dorf angreifen fol, — biefelbe fei nun nah Maß der Mandanten. 
Größe des Iegtern von der Stärke einer Kompagnie, Divifion, 
eined Bataillond oder Regiments, drei Hauptobjekte ſogleich ins 
Auge zu faflen, und zwar: 

1. Das Terrain diesfeitd des Dorfes, von welchem aus er 
den Angriff beginnen fol, 

2. Die Richtung der Wege, welce jenfeitd in der Fürzeften 
Linie zum fernern Zwecke führen; endlich 

3. die Lage, Befchaffenheit und Größe des Dorfes, fo wie 
die Stärfe und Art feiner Belegung. 

Der Boden, auf weldkem die Truppe fteht, muß fo viel Terrain vor 
als moͤglich senägt werden, um außerhalb des Bereiches des dem Orte. 
feindlichen Feuers die Angrifföfolonnen gedeckt zu nähern. Iſt 
daher eine durchſchnittene Gegend oder ein Höhenzug da, welce 
fie verbergen fünnen, fo find ſolche Terrainvortheile mit Umficht 
und Schnelligkeit zu benügen. 

Sehr oft beftimmt jedoch die Richtung ber Wege jenfeitd Richtung der 
des ‚Dorfes, ob man felbes angreifen folle, ober feitwärts liegen Wegeienfeite. 
laſſen fönne. 

Sn diefer Hinfiht muß der Kommandant der Truppe nicht 
nur mit einem guten Fernrohre und einer richtigen Karte, fon 
dern aud befonderd mit mehren verſtändigen Boten verfehen 
fein, welche ihm mit der Befchaffenheit der ganzen Gegend bes 
fannt machen. Weichen die Wege jenfeitd von ber diesfeitigen 
Richtung bedeutend ab, dann ift e&, befonderd wenn man an 


154 | 
Kräften dem Gegner überlegen ift, möglich, blos durch eine ges 
radere Direktion der Kolonnen auf die jenfeitigen Hauptkommu⸗ 
nifationen dem Dorfe auszumweichen, und fo den Zwed bed Bors 
marſches mit geringerem Berlufte an Zeit und Dienfchen zu erreichen, 
ja oft den Feind ſelbſt abzufchneiden. 
Rage, Geſtalt, Die Lage, Geftalt und Größe des Dorfes, fo wie feine 
— ls Befegung zeigt ferner, ob und wie ein Angriff erfolgen fol. 
Dorfes. HM die Größe ded Dorfes und die Stärke feiner Beſetzung mit | 
der Truppe ded Kommandanten im entfchiedenen Mißverhäftniffe, 
fo hat er einen einfeitigen Angriff zu vermeiden, feine Lage zu 
melden und Berftärfungen abzuwarten. 

FR man jedoch dem Feinde an Zahl gleich oder überlegen, 
fo gibt die Lage und Geftalt des Dorfes dem Kommandanten 
die Richtſchnur an, wie feine Truppe, d. h. in wie viel Kolonnen 
und in welcher Stärfe und Richtung vertheilt werben müſſe, um 
mit ganzer Kraft auf jenen Punkt zu wirken, welcher von ihm 
als der fchwächlte der feindlichen Stellung erfannt, aud die 
meiften und wictigften Bortheile zum Angriffe darbietet. 

fe Die vortheilhafteften Punkte zum Angriffe eines Dorfes 
Angrife. find, wie ſchon oben bei der Vertheidigung berührt worden, 
folgende: 

1. Hervorfpringende Winkel, deren Zlanfenvertheidigung 
am fhwächlten ift. 

2. Höhen, welche dad Dorf dominiren. 

3. Schluchten und Bertiefungen, durch welde mau fich dem⸗ 
felben gededt nahen kann. 

4. Hauptwege oder Eingänge bed Dorfes, befonderd wenn 
felbe durch Lünftliche Dedungen zu fchügen unterlafflen worden. 

5. Streden, wo gar feine oder weniger größere Gebäude 
oder leicht zu überfteigende Mauern, Zäune und Hecken find, oder 

6. wo durd eine fehlerhafte Aufitellung des Feinded der 
Angriff erleichtert wird, ald: durch Entblößung der Flanfen, Bers 
nacläffigung eines vortheihaften Punktes, oder auch zu ſchwache 
Beſetzung eines für und beſchwerlichen Zuganges, wie 3. B. eins 
fpringender Winfel, hochliegender Theile oder fteiler Abhänge. 

Bon diefen Punkten hat der Kommandant deu nad der 
örtlihen Lage ſchwächſten zum Angriffe mit der Hauptkraft feiner 
Truppe zu wählen. 


155 





Iſt Dagegen 

1. die Geftalt des Dorfes eingehend, oder 

2. felbed auf einer und dominirenden Höhe gelegen, 

3% das Terrain vor felben fo frei ‚ daß man fih nur ums 
gededt nähern kann, 

4. ein für uns vortheilhafter Höhenzug oder Terrainger 
genftand feitwärts, 

5. endlich die oben berührte Richtung der Wege jenſeits 
des Dorfes bedeutend verichieden von jener diesſeits; dann muß 
der Kommandant nicht von vorn angreifen, fondern dad Bros 
feiner Truppe in die Flanke und zur Umgehung bed Dorfes 
burh eine Borrüdung der Kolonnen en echelon von jenem 
Flügel dirigiren, von welchem aus die Erfleigung der jenfeitigen 
Höhen, die Bemädtigung des feitwärtd liegenden, vortheilhaften 
Terraind, dad Durchfchreiten der vormwärtigen, offenen Ges 
gend, oder endlich die Erreichung der jenfeitigen Wege auf der 
fürzeiten Linie, am vortheilhafteften und ficherften vor ſich gehen 
kann. 

Es möge übrigens die Befchaffenheit des Terraind den 
Angriff eined Dorfes von vorn, oder durch Umgehung erfors 
dern, fo muß diefem gemäß jedesmal der wahre und Haupts 
angriffspunft von dem Kommandanten im Voraus beftimmt 
werden. 


Zur Umge 
hung. 


Beſtimmung 
des wahren 
Angriffs⸗ 
punktes. 


Ebenſo hat derſelbe auch jene Punkte, wo Scheinangriffe DE Demon 


zu machen, dann wo dazu verftedte oder geeignete Aufftelungen 
zu nehmen und mit wenigen Truppen fcheinbar große Anftalten 
und Angriffe zu bewerfftelligen wären, feltzufegen, um dadurch 
mit geringen Kräften den Feind zu befchäftigen und bis zum 
Augenblide der wahren Entwidlung durch kluge Attaquen in 
mehren Fleinen Kolonnen zu täuſchen. 

Seine Truppe daher, noch ehe fie fich dem Aufſtellungs⸗ 
punkte ſelbſt nähert, hiezu ſchon im Geiſte zu vertheilen, iſt die 
große Kunſt des Kommandanten. Sein Blick muß mit einem 
Male das ganze Terrain umfaſſen, — der Lofalität und ben 
Diftangen gemäß die Anzahl und Stärke feiner Augrifföfolonnen, 
fo wie ihre Anfftellungspunfte voraus beftimmen und fie von 
ber Ferne fchon auf diefe Punkte birigiren. 

Endlich muß er noch auf feine eigenen Flanfen und feinen‘ 
Rückzug bedacht fein, und auf dem Hauptwege deöfelben ben 


tions 
punkte zu 
Scheinan⸗ 
griffen. 


Aufſtellung 
der verſchie⸗ 
denen 
Angriffsko⸗ 
lonnen. 


Aufſtellung 
der Referven. 


Dertheilung 


der Truppe im 
Allgemeinen. 


Vorberei⸗ 
tungen zum 
Angriffe in der 
Fronte. 


156 





geeignetſten Punkt zur Aufftelung einer, ihn gegen Lliberflüge- 
lung und NRüdenangriffe deckenden Reſerve auswählen. 

Im Durchſchnitte fann man ald Berhältniß der verfcies 
denen Abtheilungen beftimmen, daß man zur Erflürmung eines 
Dorfes ein Drittheil als, Vortruppe und Unterſtützungen, ein 
Drittheil zur nachrüdenden, offenfiven Reſerve, das letzte Drits 
theil aber zur Dedung der eigenen Rückzugslinie verwenden 
müffe, wenn fein anberer Truppenkörper hiezu als Neferve aufs 
geftellt ift. 

Gefchieht der Angriff eined Dorfes während des Marfches, 
fo läßt der Kommandant die vordere zerſtreute Plänflerfette in 
ihrer Vorrüdung etwas einhalten, bis die Angrifföfolonnen ges 
ordnet find. 

Alles, mas in Hinficht diefer lettern weiter oben erwähnt 
wurde, muß übrigens die Lliberzeugung gewähren, Daß derjenige, 
welcher überall gleich ſtark angreift, und einen Truppenkörper 
nad, dem andern einzeln zur Erflürmung eines Dorfes vorjagt, 
ohne mit richtiger Beurtheilung bed Terrains dad Durchbreden 
mit der Mafia feiner Kräfte an einem Punkte hauptfächlich im 
Auge zu haben und fchon von ber Ferne vorzubereiten, — feinen 
Zweck meiftentheild verfehlen, oder nur mit unnützer Aufopferung 
von Menden erreichen wird. 

Die ficherften Vorbereitungen zum Angriffe find Daher 
folgende : 

So wie der Kommandant bie verichiedenen Punkte gewählt 
bat, auf welche der Kofalität gemäß der Haupt, fo wie die 
Sceinangriffe geichehen follen, laͤßt er durch ein Drittheil der 
ganzen Truppe. dad Dorf auf den anzugreifenden Seiten ringsum 
mit einer Kirailleurfette, und mehren felber auf 100 Schritte 
rüdwärts folgenden, kleinen Unterſtützungs⸗ und Angriffskolonnen 
umgeben, deren Stärfe und Richtung der Kommandant felbft 
beftimmt, fie dann jo unbemerkt al& möglich nähert, und außer 
halb des Gewehrertrags vorbereitend aufitellt. 

Während dieſes geichieht, dirigirt er das zweite Drittheil, 
welches hinter den Bortruppen fich in Kolonnen formirt, auf den 
vortheilhafteften Angriffepunft, und läßt das leute Drittheil auf 
der Hauptlinie feines Rückzuges ald Neferve ftehen. Alles Fer⸗ 
nere muß die Lofalität enticheiden; ihre Mannigfaltigkeit erlaubet 
nur allegmeine Normen anzugeben, weil die Beurtheilung des 





157 


Kommandanten im Augenblide des Angriffes felbit die nähern 
Detaild allein beftimmen kann. 

Wo jedoch ein Angriff mittelft Umgehung vor ſich gehen  Mittelft 
fol, werden abermal® zwei Drittheile der ganzen Truppe dazu Umgebung. 
beftimmt, ein Drittheil aber al& Reſerve verwendet, und bie, 
Umgehung felbft, wie oben berührt wurde, durch die Borrüdung 
der Kolonnen en echelon von einen oder dem andern Fluͤgel 
vorbereitet. 

Diefe Grundfäge der Xruppenvertheilung bleiben, nach 
Map der Größe und Ausbehnmg eined Dorfes, für Züge, Kom: 
pagnien, Bataillond oder Negimenter im Allgemeinen ſtets dies 
ſelben. | ' 

Es wird bier ein⸗ für allemal als ftrenge Vorfiht anbes Boten. 
fohlen, daß jede Angriffsfolonne, fie fei groß oder Flein, fick mit 
verftändigen Boten verfehe, weldıe über die Dertlichfeit und Aus⸗ 
dehnung des Dorfes, fo wie über die Direktion der Wege in 
und außer bdemfelben vollftändige Auskunft zu geben tm 
Stande find. . 

Endlih werden: noch als letzte Vorbereitungsmaßregel Freiwillig⸗ 
fänmtliche Zimmerleute und die behersteften Freiwilligen an die und Zimmer: 
Tete der Kolonnen gegeben, um beim Angriffe Zäune, Planken 
und Heden umzuhauen, und alle Hinderniffe aus dem Wege zu 
räumen, welche dad Eindringen derfelben erſchweren fünnen. 

Iſt nun alles geordnet, und hat fi die zum entfcheidenden Angriff felbit. 
Angriffe in der Fronte, aber mittelft Umgehung beftimmte Haupt⸗ 
folonne dem Orte auf 6 bid 800 Schritte genähert, fo fängt‘ 
man gewöhnlich mit den Scheinattaquen an, welchen hierauf der 
wahre Angriff durch eine allgemeine Borrüdung der Pfänfler 
gegen die ganze Fronte des Dorfes folgt. — Können fich dieſe 
legtere, durch Gegenftände gededt, dem Orte nähern, fo unters 
halten fie ein lebhafted Fener; in einer offenen Gegend aber 
durcheilen fie die legten 300 Schritte mit größter Schnelligkeit, 
und wie fie gegen dad Dorf kommen, ziehen fie fi zufammen 
und ftürzen im Schwarm mit dem Bajonete gegen jene Orte, 
wo man vom dußern Umfange des Dorfes vorzüglich in die 
Gaffen und Eingänge dringen fann. Hier überfteigen fie überall 
Mauern, fegen über Gräben, durchbrechen die Zäune, und bie 
beihabenden Zimmerleute wirken fräftigft mit, um Plag zu machen; 
fie fprengen die Thore, reißen die Berhaue auseinander, hauen 


158 





die Pallifaden nieder und öffnen die Tambonrirungen, durch 
welche die Plaͤnkler dann vordringen. 

Diefen folgen die Unterftügungen auf 100 Schritte und 
greifen mit vereinter Kraft die hinter den Ausgängen ſtehenden 
gefhloflenen Abtheilungen des Feindes an. 

Bermendung Die Artillerie fann das Meifte zum Gelingen eines Dorfr 
© Antillen angriffes beitragen. Die Batterien fahren hiezu ſchon früher 
auf vortheilhaften Punkten auf, demontiren duch ein kraͤftiges, 
koncentriſches Feuer das feindliche Geſchütz, befcießen die am 
Umfange und vorzüglih an den Saupteingängen befindlichen 
Truppen, jerträmmern die zur Sperrung der Gaflen etrricteten 
Palliſaden, Verhaue, Tambourirungen und Bruftwehren, um auf 
diefe Art den Angriff der vorrüdenden Kolonnen vorzubereiten 
und zu erleichtern, welcher befonderd bei einer vorhergehenden 
träftigen Wirkung ded Geſchuͤtzes gelingen wird. 
Angriff des Erreihen die Unterflügungen den Zwed, fih am äußern 
— Umfange des Dorfes feſtzuſetzen fo muͤſſen ſelbe dann den Geg⸗ 
ner von Haus zu Haus und von einer Gaſſe zur andern unab⸗ 
laͤſſig verfolgen, um ihm nicht Zeit zu laſſen, ſich wieder zu ſam⸗ 
meln und aufzuftellen. 
Nüdzug der Werden fie aber zurüdgeworfen, fo erneuern fie muthvoll 
„une mod) öfters den Angriff; iſt aber die feindliche Hibermadt zu 
ſich fo gedeckt als möglid: dem Punkte ges 
angegriffen haben, und ſuchen den Feind 
euer bis zus Ankunft der Hauptangriffsko⸗ 
un. 
ıgenbfid da, wo die Hauptkolonnen ſich dem 
e zum Angriffe nähern, und der Kommans 
dem Dorfe vertriebenen Plänfler und Uns 
ags zum Angriffe beordert. Diefe müffen 
; unterftügt find, mit doppeltem Unyeftüm 
ind zurückwerfen. 
rde folgt auf 2 bis 300 Schritte die Haupt⸗ 
nd rüdt mit dem Bajonete unmiderftehlich 
e vorzüglichften Eingänge und Hauptgaffen. 
und gelingt der Angriff, fo wird von da 
des Dorfed oder jenem Plage vorgerüdt, 
liche Referve ſteht, um dieſe n mit vereinter 
d zu werfen. 


159 


Hat der Feind eine Kirche, ein Schloß, einen Schüttlaften 
u. dgl. in Vertheidigungsſtand gefegt und zieht er fi, von allen 
Seiten zurückgedraͤngt, in diefen feinen legten Haltpunft, fo wird 
ein ſolches Gebäude nach den Erklärungen des 6. 1 dieſer Ab» 
theilung erftürmt. 

Die Gefchüte haben vor dem Angriffe der Hauptlolonnen —— 
neuerdings die am Eingange aufgeſtellten geſchloſſenen Truppen 
des Feindes durch wirkſames Kartätichenfeuer zu vertreiben; — 
nach dem Eindringen aber bleiben ſie entweder rückwaͤrts des 
Dorfes zu unſerer Aufnahme ſtehen, oder fahren ſeitwaͤrts des⸗ 
ſelben zur kraͤftigſten Flankenbeſchießung des Feindes auf. Wirft 
ſich dieſer endlich in ein zur Vertheidigung vorbereitetes und zum 
legten Haltpunkt beſtimmtes Gebäude, fo ſucht das Geſchütz 
Breſche zu ſchießen, zertrümmert die Verrammlungen oder Tam⸗ 
bourirungen und bereitet ſo die Erſtürmung desſelben. 

Gelingt es der Haupttruppe nicht, ſich des ganzen Dorfes 
zu bemeiſtern, ſo muß ſie ſich wenigſtens eines Dorfabſchnittes 

zu bemächtigen, denſelben mit aller Anſtrengung zu erhalten und 

von hier aus den Feind neuerdings anzugreifen und zurückzuwer⸗ 

fen trachten. Wird aber der Angriff gleich im Anfange durch 

die Uibermacht des Gegners zurückgeſchlagen, fo zieht ſich die Rüchzug. 
Haupttruppe unter dem Schutze der Artillerie und dem Feuer 

der Tirailleurd aud dem Dorfe hinaus; wo fie von ihrer Re⸗ 

jerve, fo mie von der Kavallerie und dem Gefhüte aufgenommen 

wird, und wenn ed die Kräfte erlauben, den Angriff wieder 
erneuert. ‘ ® 

Iſt ein Dorf erobert, fo hängt die Sicherheit feined Bes u ein 
Bed von der Beobachtung jener Regeln ab, welche oben bei erhalten. 
einer Bertheidigung gründlich erörtert wurden, und ſich vorzüg⸗ 
ih auf eine richtige Beſetzung und fchnelle Verbauung mittelft 
ünftlicher Bertheidigungsmittel gründet. 

In Brand darf ein Dorf nur dann geſteckt werben, wenn Anzündung 
an blos beabſichtigt, den Feind daraus zu entfernen, nicht aber eines Dorfes. 
& ſelbſt zu beſetzen oder durchzuziehen. Dies ift 5. 2. der Fall 
ei Dörfern, welche vor Stellungen liegen und durd ihr Keuer 
ad Terrain flanfiren, welded man zum Angriffe hinterlegen 
uf. In jedem andern Falle würde man ſich nur felbit fchaden 
nd Den Zwed ganz verfehlen. 


“ 


Allgemeiner 


Mafftab der 
Truppenaus⸗ 
dehnung bei 


Vertheidi⸗ 


gung und 
Angriff von 


Dorfern. 


160 





Das Wichtigfte bei der Vertheidigung und dem Angriffe 
von Dörfern ift dad BVerhältniß der Truppenftärfe, welche hiezu 
verwendet wird, zu der Größe und dem Umfange des Drted. — 
Im Allgemeinen kann, ohne befondere Kofalitäten zu berückſichti⸗ 
gen, ald Maßſtab angenommen werden, daß eine Truppe etwas 
mehr ald die doppelte Länge jener Linie vertheidigen oder angrei- 
fen tönne, welche fie in gefchloffener Schlachtordnung einnimmt; 
fo wird 3. B. ein Bataillon von 1000 Mann, welches nebit den 
Dazu gehörigen Chargen eine Frontlinie von-beiläuftg. 270 Schritten 
hat, 609 Schritte eined Dorfumfanges vertheidigen oder angreis 
fen fünnen. Diefe Diftanz beträgt bei zwei Bataillond 1200, 
bei drei Bataillond 1800. Schritte u. ſ. w. B 


Ein Bataillon von 1000 Mann Fann ferner, um ein Bei 
fpiel der Zruppenvertheilung im Einzelnen anzugeben: 


Eine Divifion von 334 Mann ald Neferve aufftellen, 
die zweite Divifion von 333 Mann zur Hauptangriffsfo: 
Ionne beftimmen, die fih dem ſchwächſten Punkte des 
Dorfed auf 6 bid 800 Schritte nähert, 
die dritte Divifion aber als die Vortruppe auf folgende 
Urt vertheilen: 0. 0% 
111 Mann bilden die vorderfte Plänklerfette, in welder 
ein Mann vom andern: 5 bis 6 Schritte entfernt 
„bleibt, er: 
120 Mann werden auf 100 Schritte hinter ber Kette in 
® vier, jede aus 30 Mann beftehenden Unterftügung® 
folonnen formirt, die 150 Schritte von einander ab’ 
bleiben. Die übrigen 
102 Mann bilden zwei Feine Refervefolonnen zu 50 
bie 52 Mann, die auf 200 Schritte Entfernung den 
Unterflügungen nacfolgen. 


Diefe Vortruppen umgeben gleichförmig die anzugreifende 


Dorfſtrecke, und bilden hiedurch Scheinangriffe, welche den Feind 


über die wahre Angriffskolonne täufchen. 


Iſt jedoch diefe lebtere von einem andern Truppenförper 
beordert worden, wie es fehr häufig der Fall ift, fo kann and 
das Bataillon um ein Drittheil der vordern Linie: mehr, und 
daher ftatt 600 im Ganzen eine Strede von 900 Schritten 
einnehmen. 





161 





Um endlich im Frieden allen jenen, welche noch keinen ale im 
Feldzug "gemacht haben, das Bild des Krieged vor Augen zu "Erienen. 
Rellen, und ihren Blick für Truppen und Terrain, fo wie ihre 
Dispofitionsgabe zu fchärfen, haben die verfchiedenen Truppen⸗ 
fommandanten ihre Kompagnien, Divifionen, Bataillond und Res 
gimenter öfters fo aufzuftellen, wie fie in jenem Momente ftehen 
follen, in welchem : die Vertheidigung, fo wie andererfeitd nadı 
Herannahen der Hauptangriffötolonnen auf 6 bi 800 Schritte 
der Angriff eined Dorfes beginnt, um die richtige Bertheidigung 
und Stärfe aller Kolonnen in den vericiedeniten Fällen ihren 
Untergebeuen zu zeigen. Ebenfo haben fie felbe öfters von diefen 
Iegteren vollführen zu laffen und die vorkommenden Fehler zu 
berichtigen. 


S. 3. 
Vertheidigung und Angriff eines Weingartens. 


Vertheidigung. 


Man unterſcheidet zwei Gattungen von Weingaͤrten, — 
nämlich deutiher und ttalienifcher Kultur. 

Die Erfteren beftehen and kurzen Neben, die um einen Weingärten 
3 bis 4 Fuß Rhohen Pfahl angebunden find. — Sie fhüben nach beutfiher 
daher Feinefwegs gegen Rugeln; deden aber denjenigen, der fich 
in felben hockend der kniend verbirgt, indem ber Feind ihn 
nicht flieht, mithin nicht auf ihn zielen kann. Die Belegung 
diefer Art von Weingärten ift daher fehr einfach, nämlich jene 
ihres Randes mit einer Tirailleurfette, hinter welcher fih auf 
die vorgeicriebene Entfernung die Unterffügungstruppen liegend 
oder figend, und noch weiter rüdwärtsd die Neferven befinden. 

Die Weingärten in Italien find eigentlich Felder mit pas Mad italieni« 
rallelen Baumreihen (gewöhnlich Maulbeerbäume), an weldyen ſcher Kultur. 
Heben hinauf wachſen, die von da feitwärtd gezogen, immer 
zwifchen zwei Bäumen in Form von Guirlauden herabhängen. 

Auf Diefen Feldern befinden fi aber nebftdem noch Gemüſe⸗ 
gattungen aller Art, Getreide, türfifhes Korn u. dgl., fo daß 
man den doppelten Vortheil genießt, fih in der hohen Frucht 
oder in den tiefen Aderfurchen verbergen und zugleich hinter den 
Bäumen gegen die Schüffe des Feindes deden zu fünnen. 

11 


Meinaärten 
deutſcher 
Kultur. 


Italieniſcher 
Art. 


1623 


Die Beſetzung diefer Weingärten ift daher im Allgemeinen 
jene der Banmreihen, — in deren Zwifchenräumen einzelne Männer, 
fih in den Furcen oder in der Frucht verbergend, gegen den 
Feind feuern koͤnnen. 

Die Aufitellung von Soutiends und Nefervepoften auf rüd: 
wärtigen Punkten und in der vorgefchriebenen Entfernung findet 
hier fo, wie in der gewöhnlichen zerfirenten Schlachtordnung Statt. 

Uihrigend ift bei Weingärten dadfelbe, wie bei jedem größern 
Terraingegenftande zu: beobachten; baß nämlich ausſpringende 
Winkel, tiefer Tiegende Streden, Schluchten, mo fich der Feind 
gedeckt nähern kann, endlich alle Wege, auf welchen derſelbe vor 
züglich eindringen wird, am flärfften zu beſetzen find; deshalb 
werden bei biefen letzteren gewöhnlich die Unterkügungen, an 
einem rückwärts liegenden Bertheidigungspunfte mehrer Straffen 
und Kommunifationen aber die eigentliche Reſerve aufgeftellt. 


Angriff 


Der Angriff eined Weingartensd beutfcher Art, welcher dem 
Bertheidiger nur den Vortheil der Verborgenheit gewährt, allein 
ihm fonft feine fchügenden Gegenftände darbietet, kann nur durch 
die ſchnellfte Erreichung feines Randes und dad Vertreiben der 
Tirailleurfette von felbem vorbereitet werden, und ben darauf 
folgenden Angriff der rücdwärtigen Unterftügungen und NReferven 
fhnel und fiher gelingen machen. Hiezu wird der Angriff, wie 
bei einem Dorfe, auf die demfelben günftigften Punkte, nämlid: 

1: Auf ausfpringende Winkel, 

2. von domimirenden Höhen, 

3. von gededten Zugängen, 

4. auf Hauptwegen und Kommunifationen, 

5. auf freie Streden, wo feine Hecken und Zäune find, und 

6. auf Punkte, welche der Feind am menigften befegt hat, 
geleitet. — Hier ift die Kraft des Vertheidigers geringer, und 
feine Wirkung fchwächer, mithin find fie jene, gegen welche wir 
unfere Kräfte fammeln, fih ihnen im Schnellichritte nähern und 
den dafelbft verborgenen Feind durch ein entſchloſſenes Nordringen 
sum Rückzuge zwingen müflen. 

Italieniſche Weingärten, welche den Vertheibiger durch ihre 
vielfeitige Kultur und durch Gegenflände zugleich verbergen und 





163 





decken, find deshalb auch einer hartnädigen Gegenwehr fähig. 
Man muß daher ihre zum Angriffe geeignetiten Punkte fo fchnell 
ald möglich zu erreichen trackten, um jeden unnügen Berluft zu 
erfparen. Iſt Died vollführt, fo kann man in felben längs den 
Baumreihen leicht die Flanken des Feindes gewinnen, von wo 
man jeboch feinen Vortheil mit raftlofer Anftrengung verfolgen 
muß, weil fonft ber hinter den Bäumen gedeckte, in tiefen Fur⸗ 
chen liegende Feind einen zaghaften und unfclüfligen Gegner 
den heftigften Widerſtand leiten und durch Vorruͤckung feiner 
Referven im rechten Augenblide fogar zu einem übereilten Ruͤck⸗ 
zuge zwingen kann. 

Bei dieſen Angriffen ſind daher nach den Grundſaͤtzen, Angriff ſelbſt. 
welche auch bei Doͤrfern angegeben wurden, die Unterſtützungen 
und Reſerven auf ihre gehoͤrigen Diſtanzen ruͤckwaͤrts dergeſtalt 
zu vertheilen, daß ſie ſchon fruͤher auf die zu ſelben vortheilhaf⸗ 
teſten Punkte herbei gezogen, den zuerſt angreifenden Tirailleurs 
ſchnell nachfolgen und ſich alſogleich mit dem größten Ungeſtüm 
wo moͤglich jener Theile des Weingartens bemaͤchtigen koönnen, 
welche in der Flanke des Feindes liegen. Im weitern Vordringen 
werden ſie vom Gros der Kolonnen oder mehrer derſelben, wenn 
der Angriff mit größern Maſſen geſchieht, mit ganzer Kraft und 
zeittich genug unterſtützt, um den einmal errungenen Vortheil 
nicht mehr zu verlleren und den Feind auf allen Punkten 
zurückzuwerfen. 


§. 4. 
Vertheidigung und Angriff der Befträppe und 
Wälder. *) 
Bertheidigung 


Niedere Baumgattungen oder noch junge, unausgewachfene Geftrüppe. 
MWaldftreden werden mit dem Namen Geftrüppe bezeichnet. Die 
niedern und dünnen Stämme dieſer Gehölze gewähren keinen 





"), Zn diefem $. werden fehr oft dieſelben Worte wiederpolt, welde 
bei der DVertheidigung und dem Angriffe der Dörfer vorkommen, 
weil hiebei viele Beobachtungen und Verhaltungen mit geringen 
Abänderungen diefelben find. 

i1* 


Mülder. 


Vertheilung 
der Truppen » 
im Allge⸗ 
meinen, 


164 





Schub, find daher nur in fo ferne dem Vertheidiger vortheithaft, 
als fie ihn verbergen und der Feind nicht auf ihn zielen fan, 
befonterd wenn man nach jedem Schuße den Pak verändert. 

Die Beſetzung eines ausgedehnten Geftrüppes, fo wie deflen 
Bertheidigung und Angriff erfolgen ganz fo, wie jene der Wälder, 
zu denen wir nun als viel bedeutender umd wichtiger übergehen. 

Wälder, ald größere, dicht mit Bäumen beſetzte Streden, 
find eine® der räftigiten Dedungsmittel im Kriege, indem fie 
den einzelnen hinter den Bäumen gefhüßten Vertheidigern ges 
ftatten; den ungeſchützt anrückenden Feind ohne eigenen Verluſt 
großen Schaden zuzufügen. 

Die Größe und Ausdehnung eines Waldes beſtimmt auch 
im Allgemeinen die Stärfe der zn feiner Vertheidigung nöthigen 
Truppen. Die Belebung jedes einzelnen Theiles aber beruht 
auf dem einfachen, ſchon bei der Bertheidigung der Dörfer ald 
Norm aufgeftellten Grundſatze: den Außen Umfang, mithin bie 
erften Bäume oder Heden mit Tirailleurd zu befeken, hinter 
diefen aber in gehöriger Diftanz Sontienpoflen und Heine Res 
ferven aufzuftellen. 

Erftere vertheidigen den Waldrand, die ‚weiten verftärfen 
die bedrohten Punkte, oder greifen den irgendwo eingebrungenen 
Feind an, um ihn wieder zurücdzumerfen. Diele Bortruppen 
bifden zwei Drittheile ber gelammtgn, . zur Bertheidigung be 
flimmten Truppe. 

Endlich ift noch eine Hauptreſerve in ber Mitte des Wals 
ded oder der einem Kommandanten zur Vertheidigung übertras 
genen Strede an einem von allen Theilen des Umfanges 
gleichweit entfernten und auf dem Hauptrückzugswege befindliden 
Gentralpunfte aufgeftellt, um nach Umftänden den eingedrungenen 
und in das innere ded Waldes vorrüdenden Feind zurückzu⸗ 
werfen, oder felbft aus dem Walde hervorzubfecen und ihn 
anzugreifen, — oder endlich einen nöthig werdenden Rüdzug zu 
decken. Sie fteht unter der Leitung des oberften Kommandanten 
und bildet das fette Drittheil der gefammten Truppe. 

Diefem gemäß beftimmt daher der zur Vertheibigung eines 
Waldes oder eines Theiled desfelben beauftragte Kommandant 
fogleich died Drittheil feiner Truppe zur Hauptreferve, — die 
andern zwei Drittheile entſendet er zur vollftändigen Beſetzung 
des ganzen Walde oder der ihm anvertrauten Waldſtrecke 


1635 





unter mehren Abtheilungskommandanten nad verfchiedenen Rich⸗ 
tungen. — Dieſe letzteren theilen ihre Truppe wieder in zwei 
Theile, wovon einer die am Waldrande geſtellten Tirailleurs 
und die hinter dieſen befindlichen geſchloſſenen Unterſtützungsab⸗ 
tbeilungen, der andere Theil aber die weiter rüdwärtigen Res 
ferven. bildet; ſaͤmmtlich jedoch die große Hauptreferve in ihrem : 
Rüden ald Gentralpunft ihrer Bewegungen anjehen. 

Ein Bataillonskommandant behält 5. B. eine Diviſion als 
Hauptreferve zurüd und entfendet die Übrigen vier Kompagnien 
feines Bataillond. Die Kompagniefommandanten beftimmen wieder 
eine halbe Kompagnie zur Reſerve, einen Zug zu Unterftügungen 
und einen Zug zu Tirailleurs. 

Die Tirailleurd, gefchügt Dirrch die Bäume des äußerften Fan Zußern 
Maldrandes, befegen auch hier jene Punkte am flärkften, wo der j 
Feind am Teichteften eindringen, oder von wo aus man ihm am 
meiſten fchaden kann; diefe find: Slarker od 

1. Hervorſpringende Winkel, taͤrker ober 

2. weniger dichtes Gehölze, oem 

3. Punkte, wo Hauptftraffen und onmunitatione in Punkte. 
ben Wald führen, 

A. tief liegende, von dem höhern Terrain eingefehene Streden, 

5. Schluchten und Vertiefungen, durch welche der Feind 
gedeckt herannahen Tann, fo wie jene Streden, die ‘durch ſelbe 
bedroht werden, endlich 

6. dominirende Punkte, von welchen man den Feind durch 
das Feuer bedeutenden Schaden zuzufügen im Stande ift. 

Dagegen find einfpringende Winkel oder fehr fteile Wald⸗ 
höhen fchwächer zu befeten, doc ftetd fo, daß die Verbindung 
erhalten werde, und der Feind nicht unbemerkt eindringen koͤnne. 

Rüdwärts des Waldrandes, auf 100 Schritte hinter den Punkte fürdie 
Tirailleurs find die Unterfiigungsabtheilungen, und auf 2 bis Keunaen 
300 Schritte weiter rüdmwärts Kleinere Neferven auf jenen und kleineren 
Punkten aufgeftellt, wo Wege kaufen, oder eine Bereinigung Reſerven. 
mehrer derfelben ftattfindet, damit fie im Stande find, den am 
ärfften angegriffenen oder durd ihre Lage am meiften bedrohten 
Strecden des Umfanges auf den kürzeften Linien Hilfe zu leiften, 
und den mit Macht vorbringenden Feind mit einer gefchloflenen 
Truppe wieder zurüdzumerfen. 


. 


166 





Haupfreferve - Der Snauptreferses und allgemeine Ruͤckzugspunkt in einem 
punkt. Walde iſt entweder: 

1. Der Vereinigungspunkt aller rückwärtigen Wege, oder 

2. ein im Mittelpunkte des Waldes gelegener freier Platz, 
welcher eine größere Entwicklung von Truppen erlaubt, oder endlich 

3. jener Punkt, welcher auf der Hauptrückzugslinie Tiegt 
und einen Terrainabfchnitt bildet, ober eine größere Haltbarkeit 
gewährt, daher jede Unternehmung am meilten fichert. 

Es find affo freie Waldpläte, Stellungen hinter Gewäflern, 
Dominirende Höhen, Dörfer, Schloͤſſer oder mit einzelnen Häufern 
und Gärten beſetzte Streden, wenn fie auf der Hauptlommunis 
fation und Ruͤckzugslinie der Truppen liegen, folce Aufſtellunge⸗ 
punkte der Hauptreſerve in einem Walde. 

—— von Im Hodigebirge find die Grundfäge der Beſetzung ber 
im „Hocger Waͤlder die nämlichen, doch ift hier der hoͤchſte Rüden auch der 
birge. wichtigſte Punkt, weil 

1. von jelben die Abrigen Streden durch ein dominirendes 
Feuer beftrichen werben; 

2. die auf der Höhe fortlaufenden Wege jede Aufitellung 
in #lanfen und Rüden umgehen, im Kalle der Feind vor und 
die höchflen Gebirgsrüden gewinnen ſollte. 

Anfftellung Hier muß noch der Aufftelungen erwähnt werben, die man 
 Zaneen oft ganz im Innern eined Waldes zu nehmen gezwungen iſt. — 
Sie find jederzeit gefährlich, und haben nur dann Statt zu finden, 
wenn wir burch ein früheres Gefecht, oder durc die Größe und 
Ausdehnung eined Waldes dazu genöthiget wurden. — In 

felben find: 

1. Sumpfige Bäche, die einen Vertheidigungsabfchnitt, 

2. Tichte Anhöhen, die eine Ausficht, — und 

3. ſteile Gründe, fo wie | die Stellungen gewähren, — 

4. dominirende Höhen, forgfältig, zu benützen, endlich iſt 

5, die Aufftellung ſelbſt fo foncentriih ald möglich zu neh⸗ 
men, und die Vorpoften» ober Tirailleurfette befonderd auf beiden 
Flügeln und Flanken zu verftärten, um badurc dem Feinde jede 
Annäherung zu erſchweren. 

Dispofition Feder der einzelnen Abtheilungslommandanten erhält die 
a Weifung, wie er fich zu vertheidigen, welche Punkte er angriffes 
weiſe zu unterflügen, endlich wohin er fih im Falle eines Rüds 

zuges zu ziehen und wieder zu flellen habe. 











167 





In Wäldern, mo vie Ausſicht groͤßtentheils ſehr befchräntt Orientirung. 


it, wird eine genaue Orientirnng unentbehrlich, um die Aufſtel⸗ 
lungen der vor⸗, rüd» und feitwärtigen Polten zu wiflen, und 
nicht getrennt zu werden. 

Geſchickte, findige Boten bei ben verfchiedenen Abtheilungen 
find von dem größten Nutzen, auch haben noch überdies ſowohl 
die Offiziere als Unteroffiziere alle Gegenftände wohl ind Auge 
zu faffen, die ihnen zur Drientirung dienen fünnen, wie 3. B. 
Kennzeichen an den Bäumen und Waldrändern, Wege und ihre 
Richtungen u. dgl. 

Diefem gemäß werden den Tirailleurs beftimmte Ruͤckzugs⸗ 
Iinien gegen die Unterſtützungszüge, dieſen lebteren aber bie 
Bors und Nüdzugsdireftionen von den verſchiedenen Abtheilungd« 
fommandanten fharf und genau angegeben, denn in dem vers 
worrenen Terrain der Wälder ift Klarheit im Befehlen das 
Nöthigfte. Ebenfo erhalten endlich die Kommandanten der Per 
ferven ihre Rüdzugsdireftionen gegen die Hauptreferve. 

In der Nacht orientirt man fih im Falle keines andern 
möglichen Unterfheidungszeichend nach der Lage der Wachfeuer, 
und wo weder biefe noch Wege find, oder man ganz verirrt 
wäre, bei heiterem Himmel nadı den Geftirnen, weshalb die hiezu 

nothwendigften Sternbilder den Offizieren und Linteroffizieren 
wenigſtens belannt fein müflen. 

Auch die Vertheilung der Offiziere verdienet ein befondered 
Augenmerk, Bei einer Kompagnie werden fie im Allgemeinen 
längs der Aufftelungen gwilchen den Tirailleurs und den Unter 
ftügungen vertheilt, um durch ihre Leitung fchnell jeden drohen, 
den Angriff des Feindes im Entſtehen zu vereiteln. Der geſchick⸗ 
tefte Dffigier gehört bei diefer Vertheilung audı auf den feiner 
Lage nadı bedrohteften Punkt, der Hauptmann aber, welcher die 
ſchwächſte Stelle oder den Hauptpunkt feiner Vertheidigung ſchon 
im Boraus erfannt haben muß, bleibt bei den Reſerven und 
vorzüglich bei jenem Theile derfelben, welcher wahricheinlic am 
meiften zu wirken beftimmt it. 

Endlih muß hier dem Haupt⸗, fo wie jedem Abtheilungs⸗ 
fommandanten zur Örundregel feined Verhaltend angegeben werden, 
daß auc in Wäldern uichtd fchädlicher fei, al& eine blos paflive 
Bertheidigung. Sp wie daher ein Theil des Waldes angegriffen 
ift, bat fih die rechts. oder links in den Nebentheilen befindliche 


Bei Nacht. 


Bertheilung 


der Offiziere. 


Grundregeln 
des Ders 
halten®. 


Künſtliche 
Vertheidi⸗ 
gungomitte 


Vertheidi⸗ 
gung des 


168 





Truppe nicht leidend zu verhalten, ſondern die Kommandanten 

derſelben zur Vertheidigung mitzuwirken, den Feind in Flanken 

oder Ruͤcken zu nehmen, und ihn Dadurch wieder auf die Defenfive 

zurüczumerfen, — mit einem Worte, ‚nicht erft Befehle abzumars 
‚ ten, fonbern thätigit und nach eigener Anficht Hilfe zu leiſten. 


Hat man die dazu nöthige Zeit, fo muß die Vertheibigung 


, ded Waldes noch durch folgende kuͤnſtliche Mittel gefichert und 
erleichtert werden. 


L 


1. Durch Verhauen bes Waldrandes Lwenigftend an den am 


meiften ausgefegten Stellen). — Died geſchieht ſolgender⸗ 
maßen: 

Man haut die Baͤume um, wirft fie mit dem Wipfel 
nach außen Treuzweife übereinander, läßt oben die Stumpfen 
auf 3 Fuß hoch ftehen, wodurch der Feind nicht gedeckt und 
dennoch gendthigt ift, feine Ordnung zu brechen. Es vers 
fteht fih, daß die ganze Tiefe des Verhaues 30 bis 50 
Schritte betragen muß; auch ift es fehr vortheilhaft, wenn 
man die Linien des Verhaued in ein, und audfpringende 
Winkel bricht, um dadurch ein Flankenfener zu erzielen. 
Plan d. Fig. 17. | 


2. Durch Aufwerfen von Gräben unb. Brufiwehren quer über 


Wege, hinter welchen das Geſchütz zu ftehen kommt; endlich 


3. durh Erbauung von Scanzen auf den SHaupteingängen 


des Waldes, oder im Innern desfelben auf Gentralpunften, 
ebenfo in den ausfpringenden Winfeln des angelegten Vers 
haued. Die verfchiedenen Arten folher Schanzen, fammt 
ihren Benennungen, werben ohnehin fpäter bei der Bertheis 
digung und Befefligung ganzer Stellungen ausführlich vor 
kommen, weshalb hier blos berührt wird, daß Verſchanzun⸗ 
gen an Wäldern aus Fleſchen, Fig. 18, oder einfaden 
Redouten, Fig. 19, beftehen, welche die Hauptwege bes 
ftreichen. 


4. Sind Zägerhäufer, Dörfer Mühlen, Ziegelhütten u. dgl. 
"in den Wäldern, fo werden fie nach den Grundſaͤtzen des 


vorhergehenden $. befeftiget. 
Die Vertheidigung eines Waldes wird zuerft durch jene 


feine® Umfanges, dann durch jene feines Innern, und endlich 
durch die Bertheidigung der legten rüdwärtigen Reſerveauf⸗ 
ſtellung begrundet. 


169 





Gene Mannfchaft, welche als bie vorberfte den Waldrand 
beſetzt, fteht in zerftreuter Schlachtorbnung als Plaͤnkler hinter 
der Außerften Baumreihe und feuert nur dann, wenn der Feind 
auf die gehörige Schußweite anrüdt; jeboc mit Ruhe und Ger 
lofienheit, damit jeder Schuß feinen Mann’ genau treffe. Der 


Des äußern 
Waldrandes. 


Feind kann und wird nie einen Wald von allen Seiten her zus - 


gleich angreifen; die Lente find baher anzuweiſen, im alle ber 
von ihnen befegte Theil nicht bedroht wäre, nah Möglichkeit 
gur Abwehrung des Feindes mitzuwirken, um ben angegriffenen, 
ihnen zunächft liegenden Punkt durch ihr ſchraͤges Feuer zu unter⸗ 
ſtuͤtzen. 

Wenn ſchon die Verwendung des Geſchuͤtzes am aͤußern 
Umfange eines Dorfes von ſo großem Vortheile iſt, wie im vorigen 
$. berührt wurde, fo muß bei Wäldern die hartnädigfte Ver⸗ 
theidigung feined Außerften Randes von noch enticheidenderem 
Nutzen fein, weil das Innere ded Waldes weniger zu einem vors 
theilhaften Gebrauche des Geſchützes geeignet, andererſeits aber 
audı die Truppe in felben nicht durch fo haltbare Vertheidigungs⸗ 
mittel, wie im Innern eined Dorfes, geihügt ift. — Der Kom⸗ 
mandant hat ebenfo die Gefüge auf den Hauptlommunifationen, 
dann auf den fhwächften und bebrehteften Stellen, endlich auf 
jenen Dominirenden Punkten, wo fie ein wirffames Feuer unters 
haften koͤnnen ‚ ſelbſt zu vertheilen und fo zu placiren, daß fie 
die oben’ geforderte hartnädige Bertheidigung des Waldrandes, 
fo wie den Schuß der dafelbft aufgeftellten Truppe, durch ein fie 
flanfirentdes Feuer im vollften Maße bewerkitelligen. 


Sit der Feind ſchwach, oder gibt er im Angriffe Bloͤßen, 
indem er unordentlic, getrennt oder mit Nernachläfligung feiner 
Flanken vorgeht; wie auch, wenn er irgendwo durchbrechen follte, 
jo ziehen fid, die Tirailleurs der rechts und links liegenden wer 
niger bedrohten Streden zufammen, fallen den Feind mit dem 
Bajonete an und werfen ihn zurüd, während die Unterſtützungs⸗ 
abtheilungen ihnen nacfolgen. 


Iſt der Feind jeboh zu ftark, und werben bie Plänfler 
von ihm übermannt und in Flanfen.oder Rüden genommen, fo 
ziehen fich diefe vom änßeriten Waldrande langfam zurüd, fegen 
fih aber bei jedem zur Bertheidigung geeigneten Gegenftande ober 
Terrainabichnitte, wie 3. B. bei Häufern, Gewäflern, Simpfen, 


Verwendung 
e 
Sefchüges. 


Angriff des 
Feindes duch 
Plänkler. 


Nüdyug vom 
Waldrande, 


- 170 
se 
Unhdhen u. dgl. wieder feit, um den Feind in der Aronte fo 
viel ald möglich zu feileln. 
Angriff der Die Unterftügungen greifen unterbeflen benfelben durch ein 
une ienn raſches Vorrüden in einer feiner Flanken an; — wären fie aber 
zu ſchwach, fo deden fie den Rüdzug der vom Waldrande vers 
triebenen Plänfler, und verftärfen diefelben Durch gefchidte Ber 
nüßung der rüdmwärts liegenden Terraingegenflände in ber Ver⸗ 
theidigung einer neu genommenen Aufſtellung. 
Verwendung Die Geſchütze begünftigen dieſe Angriffe oder Rüdzüge, indem 
Sefdäben, fie den Feind durch ihr heftiged Feuer abhalten, mit größeren 
Maflen auf den Hauptwegen in den Wald einzubringen. 
Nüdzug der erden endlich auch die Unterftügungen fammt den früs 
Hnterfißun heren Plänklern nach fräftigem Widerftande zum Weichen ges 
zwungen, fo beginnen fie langiam gegen die Flügel der Reſerven 
ihren Rückzug. . 
aanarifi Den Nun ift der Augenblid da, bevor noch die eigentliche Stärke 
Meineren bed Feindes den Wald erreicht hat, in welchem die rüdwärtigen 
Referven. Fleineren Neferven durch einen rafchen und entfchloffenen Bajonet- 
angriff den Feind aus dem Walde wieder zurüdwerfen fünnen. 
Gelingt diefe Attaque, welche die Kompagniefommandanten felbft 
leiten müflen, fo gehen die Plänfler und Unterflüßungen wieder 
rafh vor, vertreiben vollends die hie und da’ zurücdgebliebenen 
Feinde und befegen ihre früheren Aufitelungen am Waldrande, 
- oder verfolgen, wenn ed die Umftände erlauben, den zurüdweis 
chenden Gegner. 
Verwendung Bei diefem Angriffe gehen die Geſchütze auf der Straffe 
der Artilierie mit einer der Neferven und wirken mit Kartätfchen gegen ben 
Kavallerie. Feind, bis er wieder aus dem Walde vertrieben if. Sind der 
zur Bertheidigung beflimmten Truppe auc Feine Kavallerieab⸗ 
theifungen beigegeben, fo brechen diefe aus dem Walde hervor, 
hauen in den Feind ein und verfolgen Lebhaft feinen Rückzug. 
Ding der 4 Gelingt der erſte Angriff nicht, fo wird er noch öfters 
öfters erneu, Mit Kraft und Thätigfeit ernenert; ift aber bie feindliche Macht 
erten Ans zu ſtark, fo zieht fih alles gegen den Hauptfammelplag zurück, 
greifen. wo noch ein Drittheil der ganzen Truppe ald Hauptreſerve unter 
dem Kommandanten befindlich ift. 
Angriff der Diefer letztere hat indeflen den Gang ded Gefechted und 
dauptreſerve. die Entwicklung der feindlichen Angriffe fcharf beobachtet, ebenfo 
früher die Handlungsweiſe feiner Abtheilungsfommanbanten im 


171 





Grbhern geleitet, und ſich da aufgehalten, wo die Umſtaͤnde ſeine 
Gegenwart am meiſten forderten. « 

Beftatten es nun diefe leßteren, und iſt er durch rüdwärtige, 
größere Truppen im Ruͤckzuge geficert, fo.dringt er nun mit 
der Hauptreferve in Kolonne, und die beihabende Kavallerie an 
der Queue, auf dem Hauptwege mit Ungeftüm vor, und greift 
den fich im Beſitze des Waldes fchon fiher wähnenden Feind 
unvermuthet an. 

Meiftend gelingt ein folcher Angriff einer neuen, noch uners 
fhütterten Truppe auf den zerftreuten, durch das Gefecht und 
die Befchwerlichfeiten ded Terraind in Unordnung gebrachten 
und auf einen neuen Kampf gewöhnlich nicht gefaßten Feind 
vollfommen, wenn er entfchloffen und Flug geleitet, auf die vers 
mundbdarfte Stelle ded Feinded, die von dem Kommandanten 
erfannt werden muß, geführt wird, 

Hiezu gehört aber dad Durhdringen der SKolonnen, wo 
möglich unter dem Kartätfchenfeuer der Geſchütze, — ein fühner, 
rafcher Angriff mit dem. Bajonete, wenn man dem Feinde nahe 


fommt, und endlich ein raftlofes, unaufhaltbared Verfolgen deds 


felben, fo wie er geworfen ift. 

Die früheren Reſerven, Unterftügungen und Plänkler folgen 
und verftärfen diefen Hauptangriff durd ihre allgemeine Bors 
rüdung, wozu die Trommelzeihen im Walde laut und lange 
ertönen müflen. Die Soutientruppen fammeln fih, wenn fie 
durch Die früheren Gefechte zerftreut wurden, zugleich in gefchlofjene 
Abtheilungen. 

Artillerie und Kavallerie wird hiebei ebenfo, nur im größern 
Maße, wie bei den früheren Angriffen der Fleineren Reſerven 


verwendet. Dad Geſchütz befonderd muß nah Möglichkeit in 


halben oder ganzen Batterien aufgefahren, gegen den Feind 
wirken. 

Miplingt aber der Angriff der Hauptreferve, fo wird er 
wieder erneuert, und dad Glück öfters verfuht. Hat aber der 
Kommandant höher: Weifungen, die Vertheidigung nicht bie anf 
das Aeußerſte zu treiben, fo fammelt ſich zuleßt alled in der 
fruͤhern rüdwärtigen Aufftelung der SHauptreferve, aus welden 
yanıı nach Erhalt von Berftärfungen wieder vorgerädt, oder ber 
veitere Rückzug angetreten wird. 


Verwendung 
der Artillerie 
und 
Kavallerie. 


Erneuerung 
des Angriffed. 
Ruͤckzug. 


17% 





. Ausfälle, Bon jenen Ausfällen, welhe während des feindlichen Aus 
griffed von unſeren Plänklern, Unterftügungen und Reſerven 
zeitweife zu machen find, if ſchon oben geiprochen worden. 

Hier handelt es fich indbefondere von jenen, bei welchen 
Truppen manchmal hinter dem Rande ded Waldes verborgen 
werden, um, während man den fchwächern Feind heranlodt und 
mit unferen Plaͤnklern in ein Gefecht verwidelt, unvermuthet in 
feine Flanken zu fallen, ihn abzufchneiden oder aufzureiben. 

Diele Ausfälle find befonderd gegen ſchwache feindliche 
Avantgarden, welche unbefonnen vordringen wollen, anwendbar; 
hängen aber bdergeflalt von dem Verfahren des Feindes und der 
Beichaffenheit und augenblidlihen Benügung des Terraind ab, 
daß fich hierüber Feine detaillirten Verhaltungen geben laſſen; 
nur muß die dazu verwendete Truppe der feindlichen überlegen 
fein, und der Angriff mit vereinten Kräften in deflen Flanke und 
Rüden gefchehen, wenn der Erfolg dem Zwede eutfprechen foll. 


Angriff. 


Der Angriff eines Waldes ift ftetd mit großem Verluſte 
an Zeit und Menichen verbunden, wenn er nicht mit Umſicht und 
Klugheit ausgeführt wird. Ä 
Hauptaugen⸗ Dieſem gemäß hat der Kommandant der Truppe, welche 
mer ee Fo einen Wald angreifen ſoll, dieſelbe fei num nach Verhältniß mit 
der Größe des leutern von der Stärfe einer Kompagnie, Divis 
fion, eined Bataillond oder Regiments, drei Hauptobjekte fogleich 
ind Auge zu faflen, und zwar: 
1. Daß Terrain diedfeitd des Waldes, von welchem aus 
der Angriff beginnen foll. 
2. Die Richtung der Wege, die jenfeitd des Waldes in 
der fürzeften Linie zum fernern Zwecke führen. 
3. Die Lage, Geftalt und Größe des Waldes, welche vor 
ihm liegt, und die Art feiner Beſetzung. 
Terrain vor Das Terrain, auf welchem die Truppe fteht, muß fo viel 
dem Walde. 5 möglich benägt werden, um außerhalb des Bereiches des 
feindlihen Feuers die Angrifföfolonnen gededt zu nähern. Iſt 
daher ein Höhenzug oder eine durchſchnittene Gegend da, welche 
fie verbergen können, fo find ſolche Terraintheile mit Umſicht und 
Schnelligkeit zu benügen. 





173 





Sehr oft beſtimmt jebech bie Richtung der Wege jenfeits Richtung der 

eined Waldes, ob man felben angreifen foll, oder feitwärts lies Wege jenſeits. 
gen laſſen könne. In dieſer Hinſicht muß der Kommandant der 
Truppe mit einem gutey Fernrohre, einer genauen Karte und 
befonderd mit mehren verftändigen Boten verfehen fein, welche 
ihn mit der Beichaffenheit der ganzen Gegend bekannt machen, 
Weichen die Wege jenfeitö von der diesfeitigen Richtung bedeu⸗ 
tend ab, dann ift es, befonderd wenn man an Kräften dem 
Gegner überlegen ift, möglich, durch eine geradere Direftion der 
Kolonnen auf die jenfeitigen Hauptlommunilationen dem Walde 
auszuweichen, um fo den Zwed ded Vormarſches mit geringerem 
Berlufte an Zeit und Menſchen zu erreichen, ja oft den Reind 
ſelbſt abzufchneiden. 

Die Lage, die Geftalt und der Umfang des Waldes, fo Lage, Geitalt, 
wie feine Befegung zeigt ferner, ob und wie der Angriff vor ſich — 
gehen ſoll. Iſt die Ausdehnung desſelben und die Stärke feiner Waldes. 
Befegung im entfchiedenen Mißverhältniffe mit der Truppe dee 
Kommandanten, dann hat er einen einfeitigen Angriff zu vers 
meiden, feine Lage zu melden und Verftärfungen abzuwarten. 


Iſt diefes jedoch nicht der Fall, und man dem Feinde an 
Zahl gleich oder überlegen, fo gibt dann die Lage und Geftalt 
des Maldes dem Kommandanten die Richtſchnur an, wie feine 
Truppe, d. h. in wie viel Kolonnen und in welcher Stärfe und 
Richtung vertheilt werden muß, um mit ganzer Kraft auf jenem 
Punkte zu wirken, welcher von ihm als der fchwächfte der feind⸗ 
lichen Stellung erfannt, auch die meiften und wictigften Bortheile 
sum Angriffe darbietet. 
Die günftigften Punkte zum Angriffe "eines Waldes find Suͤnſtige 


‚pen bei der Bertheidigung desſelben berührt worden. En 


Iſt 1. die Form audfpringend und eine Waldſpitze bildend, 

2. derjelbe von einer dominirenden Höhe eingefehen, 

3. von Schlucten, Bertiefungen ober anderen gebedten 
Zugängen gefährdet, 

4. durch eine fehlerhafte Aufftelung des Feindes der Ans 
jriff erleichtert, wenn er 3.8. feine Klanfen entblößt, einen vors 
heifhaften Punkt vernachläfliget, oder einen für uns befchwerlis 
hen Zugang, wie einfpringende Winkel, fteile Anhöhen u. dgl. 
u ſchwach bejeßt.- 





174 

Dann hat der Kommandant den fhmwächften diefer Punkte 

zum Angriffe mit der Hauptkraft feiner Truppe zu wählen. 
ne Iſt dagegen: | 
Umgehung. 1. die Form des Waldes eingehend, 

2. derfelbe auf einer und dominirenden Höhe gelegen, 

3. dad vorwärtige Terrain fo frei, daß man ſich ungededt 
nähern fann, oder Ä 

4. ein für und vortheilhafter Höhenzug oder Terraingegen 
ftand feitwärts desfelben, oder 

5. die oberwähnte Richtung der Wege jenfeitd des Waldes 
bedeutend verfchieden von der biesfeitigen, dann muß der Kom 
mandant nicht von vorne angreifen, fondern das Gros feiner 
Truppe in die Flanke und zur Umgehung ded Waldes durd 
eine Vorrüdung der Kolonnen en echelon won jenem Flügel 
birigiren, von welchem die Erfteigung der jenfeitigen Höhen, die 
Bemäctigung des jenfeitd liegenden vortheilhaften Terrains, dad 
Durcfchreiten der vorwärtigen, offenen Gegend — oder endlid 
die Erreihung der jenfeitigen Wege auf der kuͤrzeſten Linie am 

vortheilhafteften und ficheriten vor fich geben Tann. 

veſimmuns Es möge übrigens die Beſchaffenheit des Terrains den 
Angriffs⸗ Angriff des Waldes von vorne oder durch Umgehung erfordern, 
punktes. ſo muß diefem gemäß jedesmal der wahre und Hanptangriffe 

| punkt vom Kommandanten im Voraus beftimmt werden. 

Der Demon: Ebenfo hat derfelbe noc jene Punkte, wo Scheinangriffe 
Al ar zu machen, dann wo dazu verftedtte oder geeignete Aufftellungen 
Sceinans zu nehmen und mit wenigen Truppen fcheindbar große Anftalten 

griffen. und Angriffe zu bewerkftelligen wären, feftzufegen, um dadurch 
den Feind mit geringeren Kräften zu befchäftigen und bis zum 
Augenblide der wahren Entwidlung durch kluge Attaquen in 
mehren kleinen Kolonnen zu täufchen. 

„uufftelung Seine Truppe daher, noch ehe fie ſich dem Aufſtellungs⸗ 

hen eier punkte feloft nähert, hiezu ſchon im Geiſte zu vertheilen, ift die 
Eolonnen. große Kunft des Kommandanten. Sein Blick muß mit einem 

Male das ganze Terrain umfaflen, der Lokalitaͤt und den DV. 
ftanzen gemäß die Anzahl und Stärke feiner Angriffötolonnen, 
fo wie ihre Aufftellungspuntte im Voraus beftimmen und fie ſchon 
von der Ferne auf diefe Punfte birigiren. 

Aufftelung Endlih muß er noch auf feine eigenen Flanken und feinen 

der Referven. gugsıg bedacht fein, und auf dem Hauptwege desſelben fid zur 





175 





Aufftelung einer ihn gegen Uiberfläglung und Nädenangriffe 
deckenden Reſerve den geeignetften Punkt auswählen. 
Sm Durcfchnitte kann man. ald Berhältniß der verfchies Vertbeilung 

denen Abtheilungen beftimmen, daß man zur Erftürmung eines der Truppen 
Waldes ein Drittheil als Vortruppe und Unterſtützungen, ein Allgemeinen. 
Drittheil zur nachrüdenden, offenfiven Neferve, das legte Drits 

theil aber zur Dedung der eigenen Rückzugslinie verwenden 

müfle, wenn fein anderer Truppenkörper hiezu ald Neferve aufs 

geſtellt iſt. 

Geſchieht der Angriff des Waldes während des Marſches, Vorbereitun⸗ 
jo fäßt der Kommandant die vordere zerſtreute Plaänklerkette in Angriffe, 
ihrer Vorrückung etwas einhalten, bis die Angriffsfolonnen ger 
ordnet find. 

Alles, was in Hinficht diefer leßteren weiter oben erwähnt 
wurde, muß übrigens die Uiberzeugung gewähren, daß derjenige, 
welcher überall gleich ftarf angreift, oder einen Truppenkoͤrper 
nach dem andern einzeln zur Erftürmung eines Waldes vorjagt, 
ohne mit richtiger Beurtheilung des Terraind dad Durchbrechen 
mit der Mafla fejner Kräfte an einem Punkte hauptlächlich im 
Auge zu haben und ſchon von des Ferne vorzubereiten, feinen ' 

Zweck meiftentheild verfehlen, oder nur mit unnüger Aufopferung 
von Menſchen erreichen wird. 

Die ficherften Vorbereitungen zum Angriffe find daher fols 
gende: Go wie der Kommandant die verfciedenen Punfte ger 
wählt bat, auf welchen, der Lofalität gemäß, der Haupt, fo wie 
die Scheinangriffe gefchehen follen, läßt er durch ein Drittheil 
der ganzen Truppen den Wald auf den anzugreifenden Seiten 
ringsum mit einer Tirailleurfette und mehren, felben auf 100 
Schritten rüdwärtd folgenden Fleinen Unterſtützungs⸗ und Ans 

griffsfolonnen umgeben, deren Stärfe und Richtung der Kom⸗ 
mandant feldft beftimmt, fie dann fo unbemerkt ald möglich nähert 
und außerhalb des Gewehrertrages vorbereitend aufftellt. Während 
Died gefchieht, dirigirt er das zweite Drittheil, welches hinter den 
Bortruppen fih in Kolonnen formirt, auf den vortheilhafteften 
Angriffspunft, und läßt das letzte Drittheil auf der Hauptlinie 
eines Rückzuges in Neferve ftehen. Alles Fernere muß die Los 
'alität entfceiden, ihre Mannigfaltigfeit erlaubt nur allgemeine 
Kormen anzugeben, weil die Beurtheilung des Kommandanten 


"176 





im Angenbfide des Angriffes felbft die näheren Details allein 
beftimmen kann. 
nt Wo jedoch ein Angriff mittelft Umgehung vor ſich gehen 
geyuns. ſoll, werden abermals zwei Drittheile der ganzen Truppe dazu 
beſtimmt, ein Drittheil aber als Reſerve verwendet, und die 
Umgehung ſelbſt, wie oben berührt wurde, durch die Vorrückung 
der Kolonnen en echelon von einem oder dem andern Flügel 
vorbereitet. 


Diele Grundfäße der Truppenvertheilung bleiben, nad 
Mad der Größe und Ausdehnung eined Waldes, für Züge, 
Kompagnien, Bataillons oder Regimenter im Allgemeinen ſtets 
dieſelben. 

Boten. Es wird hier eins für allemal als ſtrenge Vorſicht anbe⸗ 
fohlen, daß jede Angriffskolonne, ſie fei groß oder klein, ſich mit 
verftändigen Boten verfehe, welche über die Dertlichfeit und 
Ausdehnung des Waldes, fo wie über die Direktion der Wege 
in und außer demſelben vollftändige Auskunft zu geben im 
Stande find. 

Breimillige Endlich werden noch, als letzte Worbereitungsmaßregel, 

Bimmerleute, wenn der Feind Verhaue oder Berfhanzungen angelegt hat, 
Zimmerleute und Freiwillige an die Tete der Kolonnen gegeben, 
am erftere zu öffnen und leßtere zu erflürmen. 


Angriff felbft. Iſt nun alles geordnet, und hat ſich die zum enticheidenden 
Angriffe in der Fronte, oder mittelft Umgehung beftimmte Haupt: 
folonnne dem Walde auf 6 bis 800 Schritte genähert, fo fängt 
man gewöhnlich mit den Scheinattaquen an, welchen hierauf ber 
wahre Angriff durch eine allgemeine Vorrückung der Plänkler 
gegen die ganze Fronte ded Waldes folgt. 


Können fich diefe Letteren durch Gegenftände gedeckt dem 
Walde nähern, fo unterhalten fie ein lebhaftes Feuer; in freier 
offener Gegend aber durcheilen fie die legten 300 Schritte mit 
größter Schnelligkeit, und wie fie gegen den Wald fommen, zies 
hen fie fich zufammen, flürzen im Schwarme mit dem Bajonete 
gegen die Haupteingänge und die fonft vortheilhaften Punkte 
des Waldranded und fuchen ihn zu nehmen, die Zeinde an den 
erften Bäumen nieberzumachen, oder fie in das Innere des Wal⸗ 
des zurücdzumerfen. Diefen folgen die Unterflüpungen auf 100 
Schritte und dringen gefchloflen in den Wald. 








Schen früher haben auf den vortheifhafteften Yunften Ges Verwendung 


ſchuͤtzbatterien aufzufahren, um fowohl vor, als während unferes d 


Vormarſches durch ein fräftiges, koncentriſches Feuer das feinds 
fihe Geſchütz zu demontiren, hierauf den Waldrand mit Granaten 
fo lange zu bewerfen, bis unfere Plaͤnkler fih demfelben nahen. 

Gelingt ed den Plänklern und lUnterftügungen, flch am 
äußern Waldrande feitzufegen und in das Innere des Waldes 
vorzudringen, fo müflen felbe dann den Gegner von Baum zu 
Baum, und von einem Vertheidigungsmittel zum audern verjas 
gen, und ihm nicht Zeit laffen, fih wieder zu ſammeln oder 
irgendwo aufzuftellen. 

Merden aber die Unterſtützungen aus dem Innern bed 
Waldes, oder gleih Anfangs vom Waldrande zurüdgeworfen, 


er Artillerie. 


Angriff des 


Innern Wal: 


Des, 


Rüdyug Der 


Unteritüsun: 


gen. Erneu⸗ 


fo erneuern fie noch öfters muthvoll den Angriff; ift aber die erte Angriffe. 


feindliche Uibermacht zu groß, fo poftiren fle fih nach Möglichkeit 
gededt dem Punkte gegenüber, welchen fle angegriffen haben, 
und fuchen den Feind Durch heftiges Feuer bis zur Aufunft der 
Hauptangriffefolonne Abbruch zu thun, 

Nun ift der Augenblid da, in welchem bie Hauptkolonnen 
fih dem enticheidendften Punkte zum Angriffe nahen, und der 
Kommandant die früher aud dem Walde vertriebenen Plänffer 
und Unterflügungen neuerdings zum Angriffe beordert. Diefe 
müſſen nun, da fie fo Fräftig unterilügt find, mit Doppeltem 
Ungeftüm vorrüden und den Feind zurüdwerfen, 

Diefer Avantgarde folgt auf 2 bie 300 Schritte die Haupt⸗ 
truppe in Kolounen, und behält das Geſchütz auf der Gtraffe, 
wo es am meilten zu wirken im Stande ift, während die allens 
fall8 vorhandene Kavallerie fid) vor dem Walde, jedoch außers 
halb des Gewehrertrages, zur Beichügung der Flanken und Ders 
hinderung der Ausfälle des Feindes aufftellt. Diefe Angriffsko⸗ 
lonnen nähern fich in koncentriſcher Richtung dem Angriffspunfte. 
Ohne zu feuern, eilen fie unwiderſtehlich vordringend durch bie 
vorzüglichfien Eingänge und Hauptwege in dad Junere des Wal⸗ 
des, ftoßen alles, was fich ihnen entgegenfegt, mit dem Bajonete 
nieder, rollen die vorwärtigen Poſten auf und greifen dann mit 
vereinter Kraft die erſten Unterſtützungen und Reſerven au. 
Gelingt ed ihnen, auch diefe zurüdzudrängen, fo rüden fie ſchnell 
gegen Die Hauptreferve vor und ſuchen auch Diefe zu werfen. 

12 


Angeiff der 
Haupt: 
kolonnen. 


: 178 
Verwendung Einige Geſchuͤtze begleiten die Angrifföfolonne auf den Haupt 
der Artillerie, ingaͤngen in den Wald, während der größere heil rücwarte 

desſelben als Reſerve aufgeſtellt wird. 

Verwendung Das Gros der Kavallerie bleibt außerhalb des Waldes; 
der Kavallerie. jne Abtheilungen aber, welche der Kommandant mit ſich nimmt, 
folgen der Hauptfolonne rüdwärtd nach, und werden im Walde 
auf allenfalld vorhandenen freien Räumen zu kleineren Attaquen, 
oder auch einzelne Leute desfelben mit dem größten Nußen ald 
Ordonnanzen verwendet, um entfernten Abtheilungen fchnell und 

ſicher neue Befehle zu überbringen. 
Rüdug und Gelingt der Angriff der Haupttruppe nicht, und ſchlaͤgt fie 
Angeifl. ber Feind durch feine Uibermacht zurüd, fo zieht fie fich unter 
dem Schutze der Artillerie auf der Straffe, und dem. Feuer der 
Tirailleurd im Walde, außerhalb desſelben zurüd, mo fie von 
ihrer Reſerve und dem zurücgelaffenen Gefhüge und Groß ber 
Kavallerie aufgenommen, wo möglich den Angriff wieder erneuert, 
an Wird endlich der Feind ganz zurückgeworfen und aus dem 
Walde verjagt, fo hängt die Sicherheit ſeines Beſitzes von einer 
fnellen Wiederformirung und Ordnung aller Kolonnen während 
ber ferneren Borrüdung ab, bei welcher fich die Plänkler, Unter 
ügungen und Neferven in der ganzen Ausdehnung ber Angriffe 
fronte wechfelfeitig Hilfe Teiften, der Kommandant der Truppe 
aber beurtheilen muß, wann der Zeitpunft herannaht, aud bie 
Snauptreferve nebit dem Gros der Kavallerie und dem übrigen 
Gefhüge nachkommen zu laſſen, wozu jedoch der Befig des Wal 

des fchon ganz gefichert fein muß. 


Allgemeiner Das Wichtigfte bei der DVertheidigung und dem Angriffe 
ante vog Wäldern it das Verhältuiß der Truppenftärfe, welche hiezu 
debnung bei Verwendet wird, zu der Größe und dem Umfange vderfelben. — 
—— Im Allgemeinen kann, ohne beſondere Lokalitäͤten zu berückſichti⸗ 

Angeif v von gen, ald Maßſtab angenommen werden, daß eine Truppe etwas 
Wäldern. mehr ald die doppelte Ränge jener Linie vertheidigen oder au 

greifen Fönne, welche fie in gefchloffener Schladtorbnung ein 

nimmt; fo wird 3. B. ein Bataillon von 1000 Mann, melde 

nebft den dazu gehörigen Chargen eine Frontlinie von beiläufig 

270 Schritten hat, — 600 Schritte eined Waldumfanged ver 


179 





theidigen oder angreifen können. Diefe Diftanz beträgt bei zwei 
Bataillond 1200, bei drei Bataillond 1800 Schritte u. ſ. w. 
Ein Bataillon von 1000 Mann Fann ferner, um ein Bei⸗ 
fpiel der Truppenvertheilung im Einzelnen anzugeben: 
Eine Divifion von 334 Mann ale Reſerve aufitellen, 
die zweite Divifion von 333 Mann zur Hauptangriffes 
folonnen beflimmen, die ſich dem ſchwächſten Punkte 
des Waldes auf 6 bid 800 Schritte nähert, 
die dritte Diviflon aber, als bie Bortruppe auf folgende 
Art vertheilen: 
111 Manu bilden die vorderfte Plänflerfette, in welcher 
ein Mann vom andern 5 bis 6 Schritte entfernt 
bleibt, 


120 Mann werden auf 100 Schritte hinter der Kette 


in vier, jede aus 30 Mann beftehenden Unterſtützungs⸗ 
folonnen formirt, die 150 Schritte von einander abs 
bleiben. : Die übrigen 


102 Mann bilden zwei Meine Nefervefolonnen zu 50 


bie 52 Mann, die auf 200 Schritte Entfernung den 
Unterftügungen nachfolgen. 

Diefe Bortruppen umgeben gleichfürmig die anzugreifende 
Strede des Waldranded und bilden hiedurch Scheinangriffe, 
welche ben Feind über die wahre Angriffsfolonue täufchen. 

Iſt jedoch dieſe legtere von einem andern Truppenförper 
beordert worden, wie ed fehr häufig der Fall ift, jo kann auch 
das Bataillon um ein Drittheil der vordern Linie mehr, und 


Daher ftatt 600 im Ganzen eine Strede von 900 Schritten . 


einnehmen. | 
Um endlich im Frieden allen jenen, welche noch Feinen 
Feldzug gemacht haben, das Bild ded Krieged vor Augen zu 
ftelen, und ihren Blid für Truppen und Terrain, fo wie thre 
Diepofitionsgabe zu fchärfen, haben die verfikiedenen Truppen, 
tommanbanten ihre Kompagnien, Divifionen, Bataillon und Regis 
menter öfters fo aufzuftellen, wie fie in jenem Momente ſtehen 
follen, in weldem die Bertheidigung, fo wie andererfeitd nad 
Herannahen der Hauptangriffefolonnen auf 6 bid 800 Schritte 
der Angriff eines Waldes beginnt, um die richtige Vertheidigung 
und Stärfe aller Kolonnen in ben verfchiebeniten Fällen ihren 
12 * 


Unterrichtoͤ⸗ 
methode ir 
Frieden. 


Begri 
— n 


Arten. 


Hauptein⸗ 
theilung. 


180 





Untergebenen zu zeigen. Ebenſo haben fie felbe öfters von diefen 
legteren vollführen zu laſſen, und die vorfommenden Fehler w 
berichtigen. 


8. 5. 


Vertheidigung und Ungriff der Defilees 
überhaupt. 


Ein Defilee it jede Terrainſtrecke, welche wegen Lofalhins 
derniffen nicht anders, ald in Kolonne auf einem beftimmten 
Wege paflirt werden kann. * ‘ 

Das Wort Defilee bezeichnet nämlich die Art des Durds 
marfced einer Truppe an folhen Stellen, welder defilirend, 
d. h. in mehren, auf einander folgenden, kleineren Abtheilungen 
geſchieht. 

Zu ben Defilees gehören alſo: 

1. Brüden über Gewäffer, Gräben oder Abgründe. 

2. Dämme über Moräfte und Uiberſchwemmungen. 

3. Ortfhaften, die nit umgangen werden Eönnen und auf 
welche der Durchzug befchränft ift. 

4. Hohlwege. 

5. Wege zwifhen Gräben und Heden. 

6. Wege zwiſchen Moräften und Gewäflern. 

‘ 7. Straßen in Wäldern, und 
"8. Straßen in Gebirgsthäfern. 
Ale diefe Defilees Tann man in zwei Gattungen theilen: 

1. In Kommunifationen über Terrainhinderniffe, welde 
die Verbindung zweier Gegenden unterbrechen, als: Brücken 
und Dämme. 

2. In Kommunikationen, welche in den Hinterniffen ſelbſt 


fortfaufen, als: Straffen durd Wälder, Schluchten, Gebirgs⸗ 


thäler, Dörfer u. dgl. 
Die Defileed der erfien Gattung find gewöhnlich fur 
und auf beiden Flanken ungangbar, theild wegen ber natürlichen 


181 





thälern, oft mehre Märfche. Sie werden von fteilen Bergichnen, 
Selfenwänden, Mauern, Gewäflern, Sümpfen u. dgl. auf beiden 
Flanken ‚eingeengt und find zuweilen nur für einzelne Männer 
oder für Heime Detafchementd zugänglich. 

Die Deflleed find in militärifcher Hinſicht wichtige Terrains 
gegenftände, die fomohl auf die Kriegsführung im Kleinen, als 
auf größere Operationen einen bedeutenden Einfluß haben, theils 
weil der Marſch durch diefelben die höchfte Vorſicht erfordert, um 
vom Feinde babei nicht überfallen, angegriffen oder abgefchnitten 
ju werben, theild weil ihre Natur es möglich madıt, felbit mit 
geringeren Kräften einen flärfern Fejnd aufzuhalten und dadurd 
befonderd bei Rückzügen unferer Haupttruppe Zeit zu verfchaffen, 
fi zu vereinigen und ihre ferneren Bewegungen zu decken. 

Liegen Defileed auf Schußmweite vor der Fronte einer 
Stellung, dann gewähren fie ebenfalld bedeutende Bortheile, 
denn im Augenblide, ald der Feind zum Angriffe vorrüdt und 
and dem Defilce beboufhirt, wird er vom foncentrifchen Feuer 
der Stellung empfangen und leicht wieder zurüdgeworfen werben. 

Sind Defileed auf einer größern Btrede der einzige Zu⸗ 


gang. zu einer Gegend oder einem Lande, wie Died 3. B. bei. 


Gebirgepäflen flattfindet, dann ift ihre militärifche Michtigfeit 
um defto größer und die Geſchichte jedes Krieges weilet und 
Beilpiele. auf, wo um den Beſitz derfelben bedeutende Gefechte 
geliefert wurden. Der Feind if in feinem Vormarſche gezwuns 
gen, fie zu forciren, — wir werben daher gegentheilig unfere 
Kräfte an diefen Punkten fammeln, um ihn im Falle eined Ans 
griffes mit Nachdruck zu empfangen und suräczumerfen. 


Wichtigkeit 
der Defilees. 


Bor der 
Sronte einer 
Stellung. 


Als einziger 


Zugang, 3.B 


Paͤſſe. 


Die Behauptung ſolcher Defilees iſt ſehr oft ein Gegenſtand 


höherer Operationen und auf die zufammenhängenden Entwürfe 
und Abfichten des Feldherrn gegründet, in welchem Falle zu 
ihrer Befegung größere Truppenkörper kommandirt werden. 

Die Anordnungen zum Angriffe und zur Bertheibigung 
derfelben gehören demnach zu den wichtigften der Kriegskunſt, 
und nicht felten beruhet die Behauptung fowohl einer Stellung, 
ald einer Landesgraͤnze auf ihre Erhaltung, 

Die Natur der Defilees begünftigt die Bertheidigung, — 
der Angriff ift daher mit großem Berlufte verbunden und ber 
Feind wird felben von der Fronte zu vermeiden und fich des 
Defileed durch Flankenangriffe und Umgehungen zu bemeiltern 


Zeitgewinn 


durchihre Ders 


theidigung. 


Zweck der 
Teſetzung. 


Art derſelben. 


u Furgen 
Deftloos. 


183 





trachten; denn ed gibt nur wenige Deflleed mit ganz unzugäng« 
lichen Flanken; ſelbſt über die feilften Berge und Felſen führen 
Fußfteige und Saummege, die der Feind zu Umgebungen benützen 
wird. — Sie müflen daher durch Detaſchements befeßt werben, 
die dem Gegner dad Vorbringen verwehren; unb follte biefer 
demungeachtet die Flanfen des Deftleed gewinnen, oder basfelbe 
umgehen, fo hat man menigftend den Bortheil errungen, ben 
Feind aufgehalten und dadurch Zeit gewonnen zu. haben. 

Zur einzelnen Bertheidigung eignen fich jedoch jene Defilees 
nicht, welche in geringer Entfernung auf größern Kommunifas 
tionen umgangen werben fünnen; obfchon fie bei ausgebehnteren 
Stellungen, wo nebit dem Deftlee audı alle übrigen Zugänge 
mit gehöriger Stärke befegt find, vortheilhaft benügt werben fünnen. 


Befeygung. 


Die Belekung eines Defilees gefihfeht aus folgenden 
Apfichten: 

1. Um im Bormarfche fi des Durchzuges und bed Debou⸗ 
ſchirens zu verſichern. 

2. Um bei einem Rückzuge fo lange Meifter eined Defilees 
zu bleiben, bis die Haupttruppe dasſelbe paſſirt und einen Vor⸗ 
fprung gewonnen hat. 

3. Um ſich in dem Beſitze eines Deftleed gegen den Feind 
auch länger zu behaupten. 

4. Um dem Feinde das Debouſchiren aus ſelben zu verwehren. 

Die Art der Beſetzung wird theils durch den vorhabenden 
Zweck, theils durch die mindere ober größere Länge und örtliche 
Beſchaffenheit der Deſilees beſtimmt. Dieſe find aber von fo 
verfhiedener Natur, daß es nicht möglich wirb in diefem $., 
der blos von denfelben Aberhaupt handelt, Details über die Art 
ihrer Belegung anzugeben, und wir befchränfen uns daher hier 
blos auf die vorzüglichiten Grunbfäte, da ohnedem in den fols 
genden SS. die verfchiedenen Deftleed einzeln durchgangen werden. 

Sm. Allgemeinen nimmt man zu ihrer Vertheidigung ents 
weder eine Stellung vor⸗ ober rüdwärts, — oder endlich im 


-Deftlee felbit. 


Wir wollen zuerft derjenigen erwähnen, bie von feiner bes 
beutenden Länge fin» umd oft elbft im Gewehr oder Geſchuͤtz⸗ 








183 





ertrage liegen. Hier findet eine Stellung entweber vor oder 
hinter dem Deftlee Statt. 

Will man fich ded Durchzuges und des Debonfchirend aus Aufftellung, 
einem vorliegenden Defilee verfihern, fo wird mit den Vortruppen vorwärts, 
vor demfelben eine Pofition genommen. Diefe muß fo vortheils 
haft als möglich, aber nicht zu entfernt und nicht zn ausgedehnt 1. Im 
gewählt werden; — ihre beiden Flügel ‚werben zurüdgebogen Vormarſche. 
und ſtützen ſich an dad ungangbare Hinderniß, aus welchem das 
Defilee gebildet iſt. Eine Reſerve bleibt hinter demſelben ſtehen, 
um im Unglücksfalle die vorwärtigen Truppen in ihrem Rückzuge 
aufzunehmen und den ſie verfolgenden Feind aufzuhalten. 

Auch im Rückzuge finden Aufſtellungen vorwärts eines „2: in 
Deftlees Statt. Zwar fol man dies fo viel ald möglich ver⸗ j 
meiden, demungeachtet wird man .im Sriege theild durch Die 
Beichaffenheit des Terrains, theild durch verfchiedene andere ob⸗ 
waltende LUmftände genöthiget, mit größeren Streitfräften feinen 
Rückzug durch ein Defilee zu nehmen. In diefem Falle fellt 
man daher einen verhältnißmäßigen Theil der Truppe vor bem 
Eingange des Defileed auf, um dadurch fo lange Meifter dee» 

felben zu bleiben, bis der Durchmarfch gänzlich vollführt ift und 
die Haupttruppe einen Borfprung gewonnen, ober hinter dem 
Deftlee eine Stellung zur Aufnahme der Arrieregarde bezogen hat, 

Iſt und darum gelegen, im Befige eines kurzen Deftleed, 3. Zur Ber 
wie 3. B. einer Brüde u. dgl. zu bleiben, dann muß ebenfalls a 
der Eingang gegen den Feind befegt und durch Schanzen oder 
andere Bertheidigungsmittel gefichert werden. 

Handelt es ſich aber, blos dem Feinde den Durchzug und. Auffelung 
das Hervorbrechen aus einem Deftlee von nicht zu großer Länge 
su vermehren, fo flellt man fi mit der Haupttruppe hinter dems. 
felben dergeſtalt auf, daß der Feind nicht anders, als unter 
einem kreuzenden Feuer durch dasſelbe vorrüden und aus ſolchen 
debouſchiren kann. 

Iſt die Länge des Defilees nicht größer, als der Ertrag 
des Geſchützes oder des kleinen Feuergewehrs, ſo wird man bei 
Brücken, Dämmen u. dgl. im Stande ſein, aus einer ſolchen 
Aufſtellung rädwärtd das Defilee ſowohl, als deſſen Eingang zu 


eſtreichen. 


Wenn ſich in oder ſeitwaͤrts eines Defilees haltbare Poſten Se 
unkte {1 


efinden, Die dem Feinde nüglich werben, feinen Rüdzug boden um Defiler. 


Defllees von 
größerer 
Länge. 


Aufftellung 
vorwärts, 


Im offenen 
Terrain. 


Am durde 
ſchnittenen 
Terrain. 


Entfernung 
dieſer Stel: 
lungen vom 

Eingange. 


184 _ 





oder begänftigen, und ihm einen feiten Fuß verſchaffen, fo muͤſſen 
diefe befonders befeßt werden, fobald fie dad Feuer aus der rüds 
wärtigen Stellung madfiren, ober aus derfelben wicht beftrichen 
werden fönnen. ‘ 

Die Defileed vom größerer Länge find im Allgemeinen auch 
von höherer Wichtigkeit, — erfordern aber im Durchmarfihe deſto 
mehr Vorſicht und gu ihrer Vertheibigung eine zwedimäßige, in 
beiden Flanken geflcherte Aufftelung. Die Art ihrer Befegung 
befchränft fih hier meiftens auf eine Stellung vor oder im 
Deſilee felbft; denn Stellungen rüdmärts finden nur in beſon⸗ 


‚dern Fällen, wie 3. 8. bei fehr langen Deftleed mit unzugaͤng⸗ 


lichen Flanken Statt, deren wir fpäter erwähnen werden. 

Stellungen vor Deftleed von größerer Ränge werben aus 
benfelben Abſichten genommen, die bereitö bei den kurzen Defilees 
im Bors und Rüdmarfche angegeben wurden. — Ein Rüuͤckzug 
im Angeſichte des Feindes durch ein Deftlee von größerer Länge, 
ift im Kriege eine der allerichwierigften Aufgaben; um hierbei 
allen Gefahren möglichft vorzubeugen, ift es um deſto nöthiger, 
daß der Eingang des Deſilees ſchon im Voraus mit einer hin 
länglik ftarfen Truppenzahl befegt werde, theild damit det 
Feind und nicht zuvorfomme, theild damit man alle Vorbereitun 
gen treffen koͤnne, fich Fräftigft zu vertheidigen. 

Die Art der. Aufftellung mit zurücgebogenen Flügeln if 
diefelbe, wie fie weiter oben erffärt wurde. 

Im offenen Terrain fteht das erfte Treffen gewöhnlich in 
Frontlinien, und die rüdmärtigen Neferven in Kolonnen, die 
Flügel der Stellung aber bleiben ftetd an das Terrainhinderniß 
appuirt. 

Im durchſchnittenen Terrain werden vor ber Aufftelung 
Tirailleurketten ſammt ihren Unterftägungen und Neferven gebildet: 

Benuͤtzung aller vortheilhaften Terraingegenftände, — An 
legung fünftlicher Vertheidigungsmittel, wo es die Zeit erfaubt, — 
gehörige Sicherung der Flanken — und richtige Placirung des 
Geſchützes find unumgänglice VBedingniffe, um den wichtigen 
Stellungen vor Deftleed größere Vertheidigungskraft zu geben, 
den in folhen Fällen gewöhnlich ungeküm vorrüdenden Feind 
aufzuhalten und dadurd den Rüczug der Haupttruppe zu beden 

Bei Stellungen vor einem Deftlee muß man die hiegn ver 
wendeten Truppen fo weit verpoftiren, daß fie Raum genug 





184 


—_ nn 





haben, fich frei zu bewegen oder einen ordentlichen Rüdzug zu 
nchmen. Gtünden fie zu nahe am Cingange, fo würden fie bei 
einem rafch und glüdlic ausgefüßrten Angriff des Feindes ihren 
Rüdzug nicht mit der gehörigen Ordnung anzutreten im Stande 
fein, und Gefahr laufen, aufgerieben oder gefangen zu werden. — 
‚Stellt man fich im Gegentheile zu weit vorwärts auf, fo würde 
man zugleich rechtd und links umgangen und vom Defilee abges 
fhnitten werden koͤnnen. 

Handelt es ſich aber, ein Defilee ſelbſt zu behaupten, wel⸗ Aufftellungim 
ches von größerer Laͤnge iſt und eine wichtige Kommunikation Dan FAUL 
bildet, dann wäre ed Außerft nacktheilig, fich blos auf Beſetzung Behauptung. 
bed Einganges zu befcränfen, fondern man muß gegentheilig \ 
im Defilee felbft eine ſolche Stellung nehmen, die es quer durch⸗ 
ſchneidet. 

Ein Hauptgrundſatz aber aller Stellungen in einem Defilee Sicherung der 
iſt die Sicherſtellung der Flanken. Sind dieſe zugänglich, ſo — 
müſſen alle Steige und Saumwege, fo wie überhaupt alle ger 
fährlichen Punkte befegt und nach Möglichkeit verrammelt, vers 
hauet oder fonft ungaugbar gemacht werden; denn die Behauptung 
folker Stellungen hängt von jener der Flanken ab, — find diefe 
vom Feinde genommen, fo kann er von hier die Thalftellungen 
umgeben, wodurd der beabfichtigte Zweck vereitelt und die Rück⸗ 
zugslinie bedroht wird. | 

Aufftellungen im Defilre ſelbſt finden befonders bei den fm Belegung von 
Gebirgsgegenden befindlichen Chäleen, durch weiche Gtraßen — 
führen, Statt. — Sie verdienen, als lange und wichtige Kom⸗ 
munikationen, eine beſondere Aufmerkſamkeit. 

Zu den Stellungen in ſelben wählt man vorzüglich ſolche Vorthellhafte 
Punkte: "une in “ 

1. Wo man beide Flanfen an ungangbare Gebirgewande ſelben. 
anlehnen kann. 


2. Wo man das Thal etwus dominirt. 

Mr Mo die Ausſicht vor der Fronte frei if. 
or —22— das Hauptthal durchſchneiden. 

. rin gegen den Feind hin enger ‚wird, 
een euer der sangen Linie andgefegt 
GW. Fı Fe 









Belebung der 
Einfaſſungs⸗ 
hoͤhen durch 

Deta⸗ 
ſchements. 


Punkte zu 
ihrer Auf⸗ 
ſtellung. 


Verbindung 
derſelben mit 
dem Thale. 


Aufſtellungs⸗ 
punkte der 
NReſerven auf 
den Hoͤhen. 


186 





Die hei den Stellungen in Deftleed ald Grundfag aufge, 
ftellte Sicherung der Flanken ift bei den Gebirgsthälern vorzügs 
lich zu beobachten; da diefe felten zu beiden Seiten von fo uns 
zugänglichen Anhöhen eingefaßt werden, daß nicht einmal Detas 
fhements und Tirailleurd auf felben fortlommen könnten. — 
Die Behauptung der Gebirgsthaͤler ift alfo von der Behauptung 
der Einfaſſungshöhen ungertrennlich; dieſe müflen daher befett 
werden, damit fie der Feind nicht benüge und dur fein Feuer 
die im Thale ftehenden Truppen zum Weichen bringe. 

Zu dieſem Zmede verwendet man Detafchements, melde 
nad der Natur des Terraind vorzüglich dort aufgeftellt werden: 

1. Wo fie das Deftlee einfehen Fünnen. 

2. Auf den Fußfteigen und Wegen, welche mit dem Deftlee 
parallel Laufen, oder in deflen Flanken und Rüden führen. 

3. Auf Punkten, von welhen man ben Urfprung der auf 
dad Gebirge führenden Steige entdeden kann, und 

4. die überhaupt einige Haltbarkeit gewähren. 

Durch ſolche, in einzelne Poften aufgelöfte Detafhements 
wird die im Deftlee flehende Linie vor Umgehungen gefichert; 
dem Feinde aber der Vortheil eines Angriffes auf unfere Flan⸗ 
fen benommen und fein Bordringen verzögert, weil er im Thale 
nicht vorrüden kann, bevor er dad Gebirge gereiniget hat. 

Die Verbindung diefer Flankenpoften mit der Haupttruppe 
muß ſtets gefichert bleiben, damit fie ungehindert Verftärfungen 
erhalten, oder ſich auf die erftere zurüdziehen konnen; und wenn 
die Natur oder die Ausdehnung bed Terrains die Kommunika⸗ 
tion von einem Poften zum andern erfchmeren follte, fo müflen 
auf Gentralpunften befondere Reſerven aufgeftellt werben, welche 
ihren Poften zu behaupten vermögen. 

Unter ihrem Schutze ſammeln fich die vordern Detafces 
ments, wenn fie vom Feinde verdrängt wurden, und fuchen gleich 
wieder eine andere Stellung auf, um die Flanken des Deftleed 
nicht zu entblößen. 

Die Aufftelung diefer Reſerven ift am zweckmäßigſten: 

1. Wo die Wege von den verfchiedenen Poften zuſammen⸗ 
fommen, um diefe ohne Verzug zu unterftügen oder aufzunehmen. 

2. Beim Urfprung der Thäfer, durch welche fich der Feind 
ſchleichen fönnte, um die auf den vorragenben Gebirgsfüſſen 
ftehenden Detaſchements abzufchneiden. 





187 





Wo eine Reſerve allein nicht hinlängkich ift, muͤſſen deren 
mehre aufgeftellt werden, um die vorwaͤrtigen Poſten nie ohne 

Soutiens zu laflen. 

Die nämlihen Grundfäge, nach welchen fortlaufende Defis Defilees in 
feed in den Thälern eined Gebirgslandes befett werden, beziehen näheren ner 
fih auch auf jene, melde öfters in fläceren, aber zugleich fous Gegenden. 
pirten Gegenden gebildet werben ohne jedod auf ben Flanken 
ganz unzugänglich zu fein. Auch hier. wird die Haupttruppe quer 
über dad Defllee auf dem zur Bertheidigung günftigften Punkte 
aufgeftellt, und Detafchementd befeten alle Poften und Zugänge 
auf den Flanfen, 

Lange Defilees, welche jedoch auf beiden Flanken ganz _ Lange 
unzugänglich find, werden, wie bereitd oben berührt wurde, am — 
zweckmaͤßigſten durch eine Aufſtellung rückwärts derſelben ver⸗ chen Flanken. 
theidigt, weil es ſich hier nur darum handelt, den Feind am 
Debouſchiren zu hindern, der Beſitz des Defilees ſelbſt aber von 
keiner Wichtigkeit iſt, man daher durch eine Aufſtellung in ſolchem 
nur dem Vortheile entfagen würde, den angreifenden Feind mit 
dem überlegenen Feuer einer breitern Fronte empfangen zu 
fönnen. Nur jene Fälle geftatten eine Ausnahme von dieſer 
Regel, wenn fih in dem Deftlee ein fehr vortheilhafter Poften 
zur Bertheidigung oder ein folcher befindet, defien Befetung den 
Feind zum Meifter des Deftleed macht, oder fein Deboufciren 
erleichtert. 

So auch, wenn. fi zwei Defilees kreuzen, und bie Befegung Sich durch⸗ 
eines folchen Gentralpunftes dem Gegner den Weg zu mehren Eee 
Deboufceen öffnen Fönnte, und wo bie Aufftelung und Bertheis 
digung dieſes Punktes mit weniger Schwierigfeiten und einem 
geringern Xruppenaufmande verbunden wäre, als die Beſetzung 


mehrer Eingänge. 


Vertheidigung. 


Aus Allem, was bis jetzt von den Defilees geſagt wurde, 
ergibt ſich: 

1. Daß man oft den Eingang nur auf eine gewiſſe Zeit 
vertheidigt, wie z. B. bei Ruͤckzuͤgen, wo es ſich vorzüglich darum 
handelt, der Haupttruppe den Durchzug zu ſichern und ihr einen 
Vorſprung zu verſchaffen. 


188 





2. Daß man ſich entweder vor oder im Deftlee aufftellt, 
um beflen wichtigen Beſitz zu behaupten, oder 

3. daß man fich blos auf die Bertheidigung bed Ausganges 
beihräntt, um bad Hervorbrechen des Feinded zu verhindern; 
biezu fügen wir nodı 

4. das Benehmen der Kavallerie, wenn fie durch die Um⸗ 
Hände gezwungen ift, für fih allein die Vertheidigung eines 
Deftleed zu übernehmen. 


I. Vertheidigung des Einganges zur Dedung eines 


Rückzuges. 
Defileevaſſi⸗ Kömmt eine retirirende Truppe an das Defilee, welches 
—* fie zu paſſiren gezwungen iſt, und deſſen Eingang fie zur Deckung 


ihred Durchzuges bereits befegen ließ, fo trachtet ihre Arriere⸗ 
garde den Feind fchon früher nah Möglichkeit zurüdzuhalten, 
und zieht fi nur langſam gegen die vor dem Deftfee aufges 
fielten Truppen, bie fie entweder verftärft, oder wenn biefes 
nicht nöthig wäre, ber Haupttruppe in der Paffirung bed Des 
filees folgt. 
Durchmarſch Durch dieſes letztere paſſirt vor allem die Reſerveartillerie 
der Ka und die Bagage, hierauf die verfchiedenen Truppengattungen, 
Pe md zwar jene zuerfi, welce nach der Beſchaffenheit des vorlies 
genden Xerraind am wenigften zu wirken im Stande find. Ihr 
Durchmarſch geicieht in möglichit breiten Abtheilungen gefchloflen 
und bei fürzeren Deftleed im Doublirſchritte. 
Vermeidung Alles, wad im Deftliren eine Stodung erzeugen konnte, 
en 3. muß forgfältig vermieden, jedes Hinderniß fhhnell aus dem Wege 
geräumt und in Allem zur Erreihung eines fchnellen Durch⸗ 
marſches die größte Ordnung beobachtet werben. 
Vertheidi⸗ Die vor dem Defilee zur Deckung des Durchmarſches auf⸗ 
—* geſtellte Truppe muß von der Wichtigkeit ihres Zweckes beſeelet 
ſein und durch die größte Aufopferung demſelben zu entſprechen 
tradıten. — Sie muß aber auch hinlängliche Stärke haben, um 
in ihrer vertheilhaft gewählten Stellung dem Feinde die Stirn 
bieten und feine Angriffe jo lange zurüdwerfen zu fünuen, bie 
die Haupttruppe geſichert if. 
Die Art der Vertheidigung iſt zwar im Allgemeinen defenfio, 
und beſchränkt fich meiltene auf das Gewehr: und Geſchützfener, 
allein fo oft fich die Gelegenheit darbietet, handle man theilweiſe 














x 


189 





auch offenfiv. und werfe ben Feind mis dem Bajonete, oder wo 
ed dad Terrain erlaubt durch Heine Kavallerieattaguen zurüd, 
ohne fih in eine fernere Verfolgung einzulafien. — Iſt das 
Zerrain vor dem Deftlee offen, und attaquirt der Feind unfere 
Aufftelung mit der leichten Kavallerie feiner . Avantgarde, fo 
werden Duarred und Maflen gebildet, die urfprüngliche Stel» 
lungsform mit zurücdgebogenen Flügeln aber beibehalten. Im 
foupirten Terrain müflen die Xirailleurd jeden vortheilhaften 
Gegenftand benügen, um den Feind aufzuhalten und ihm jeden . 
Schritt vorwärts fchwierig zu machen. 

Häufer, Kirchhöfe, Dörfer, Wälder und andere begünitis „oenügung 
gende Terraingegenftände koͤnnen in folhen Stellungen mit Tereaineegem | 
vielem Vortheile benügt und felbft gegen einen weit flärfern fände. 
Feind vertheidigt werden. War es möglich, diefe in etwas zu 
befeftigen, jo wie zur größern Haltbarkeit vortheilhaft gelegener 
Punfte oder zur Dedfung des Geſchützes Schanzen aufzumerfen, 
jo wird dadurd die Vertheidigungsfähigfeit der vor dem Defilee 
genommenen Stellung erhöht. 

Das Geſchütz hat zur Bertheidigung Fräftigft mitzuwirken, Verwendung 
und muß, um deito größer Erfolg zu äußern, fo aufgeftellt wer, des Geſchützes. 
ben, Daß es entweder die Hauptzugänge und die Kolonne des 
Feindes enfilire, oder von dominjrenden Höhen dad ganze vors 
liegende Terrain beſtreiche. 

Hat das Defilee, durch welches der Rückzug gefchieht, zus Verſicherung 
gänglicdhe Flanfen, fo .müffen die Einfafjungshöhen durch Detas ee Denn 
fhements befegt und fo lange behauptet werden, bis fich Alles während des 
durch Dasjelbe zurückgezogen hat. — Dieſes ift eine nothwendige —8 
Bedingung, durch deren Vernachläſſigung die vor dem Defilee | 
feditende Truppe umgangen und abgeichnitten werden fönnte. 

Hat diefe nun den Feind fo lange zurüdgehalten, bis die Rückzug der 
Haupttruppe das Deftlee paflirt, einen Vorfprung gewonnen ober ven en 
eine Stellung erreicht hat, fo beginnt fie ſelbſt ihren Ruckzug. den Truppen. 
Der Feind wird, fobald er dieſes bemerkt, feine Angriffe um 
defto heftiger erneuern. Man laſſe fih daher von ihm nicht 
übereilt zurückwerfen, fonbern ziehe ſich langjam und fechtend 
auf folgende Art in das Deftlee zurüd. 

Bor allen paffirt die Kavallerie, dad Geſchütz und die In⸗ 
fanterie der Reſerve, die fich jenfeitd ded Defileed zur Deckung 


190 





der übrigen Trappe auf Schußertrag vom Deboufchee zweckmaͤßig 
aufftellen. 


Dann marfcirt die Haupttruppe in doppelter Kolonne von 
beiden Flügeln rückwärts ab, und nad Maß, als fie das Defilee 
überfett hat, auf beiden Seiten wieder auf, um durch Stellung 
und Feuer dad Deftliren der Llibrigen zu protegiren. Dad Gens 
trum aber zieht fi immer mehr gegen dad Deftlee zurüd, fo 
wie der Abgang von beiden Flügeln fühlbarer wird. Hier fann 
blos Ordnung und Zufammenhalten der Truppe, fteted Bereitfein 
Fronte zu machen und jeden Angriff durd ihr Feuer und mit 
dem Bajonete abzumeifen, für die Sicherheit des Rückzuges 
bürgen. 

Im Foupirten Terrain madt eine Kette von Tirailleurs 
bie Arrieregarde, welche fih am Eingange des Defilees fammeln 
and im Schnellſchritte durch felbed der Kolonne nachfolgen, wenn 
ed Brüden oder Dämme find; bei andern Defilees aber, ale: 
Dörfer, Hohlwege u. dgl. fih in und audı ſeitwärts desſelben 
plänfelnd zurüdziehen. 


Wurden die Einfaffungshöhen ſchon früher befest, fo be- 
haupten fich diefe Detafcdyements fo Tange, bis die legte Arriere> 
garde mit ihnen in gleihe Höhe kömmt, ziehen fi dann langſam 
gurüd und mirfen mit ihrem Feuer nad Möglichkeit in die 

-  Slanfe des im Deftlee felbft vorrüdenden Feindes. 


Die legten Abtheilungen haben bei ſolchen Rüdzügen die 
fchwerfte Aufgabe, müflen jeden Augenblick Fronte machen und 
dem angreifenden Zeinde die Stirne bieten. | 

Aufegung von Hat man hinlängliche Zeit, fo lege man dem Feinde alle 
Hindernifſen. möglichen Hinderniſſe in den Weg, die ihn aufhalten, uns aber 
Zeit verſchaffen können, einen Borfprung zu gewinnen, Ortſchaf⸗ 
ten, die ein Defilee bilden, werden in Brand geftedt, Brüden 
verrammelt, abgetragen, angezündet oder Durch angelegte Fladder⸗ 
minen zeritört, Wege abgegraben u. dgl. 
Rüdyug dur Iſt das Deftlee, durch welches ber Rüdzug genommen wird, 
le ein Dorf oder Wald, fo gefchieht die Befegung und Vertheidi⸗ 
gung desſelben von der Arrieregarde zur Dedung ded Rüdzuges 
auf die Art, wie fie im $. 2 und 4 biefer Abtheilung erflärt 
wurde. 





191 on 


— — 





1. Vertheidigung des Defilees zu feiner Behaup⸗ 
| tung. 

Um den Befig eines nicht zu langen Deftlees zu behaupten, Behauptung 
welches man bem Feinde nicht überlaflen wi, vertheibigt man “ryDefleet. 
ebenfallö feinen Eingang. Da es ſich aber hier nicht nur darum Stellung am 
handelt, blos diefen fegteren auf eine gewiffe Zeit zu halten, fon, Fingange- 
bern vielmehr alled anzuwenden, um in dem Beſitze ded Defileed 
felbit zu bleiben, fo müffen Stellungen, die zu diefem Zwede vor 
demfelben genommen werden, mehr Feftigfeit erhalten; man legt 
daher Verhaue an, oder deckt ſich durch mehre Fleihen und Res 
douten, die vor ber Fronte fo vertheilt werden, daß fie fic wech, 
felweife flanfiren und dadurch das vorliegende Terrain durch ein 
Kreuzfeuer beftreichen. 

Die Bertheidigung des Cinganges zur Behauptung eines Bun 
Deftlees findet worzüglic, bei Brüden Statt, die man nicht zer⸗ peronders bei 
flören, fie aber auch dem Feinde nicht überlaffen will, um in der Brüden. 
Lage zu fein, die Dffenfive wieder ergreifen zu können. lim den 
Zwed ihrer Erhaltung zu erreihen, legt man vor bdenfelben 
Brüdenföpfe an, die entweder aus einfachen Flefhen, aus Fle⸗ 
fhen mit Flanken, oder bei größeren und wichtigeren Brüden 
aus Hornwerken, Kronwerken oder andern zuſammengeſetzten 
Berfchanzungen beftehen. Die Bertheidigung befchränft fich hier 

auf jene der angelegten Werke und gefchieht nadı den Erfläs 
rungen Des $. 11 diefer Abtheilung. 
Kann man vom jenfeitigen Ufer zur Vertheidigung ded 
Eingangesd mitwirken, fo darf diefes nie vernachläfliget werden. 

Stellungen in Deftleed, wie 5. B. in Gebirgöthälern, wers 2. Bei einer 
den quer durch biefelben an vortheilhaften Punkten genommen, Er ho. 
and die Flanken durch Befetung der Einfaffungshöhen geſichert. Wertheidis 


Die Vertheidigung folder Stellen zur Behauptung des —A 


Defilees zerfällt daher: 
1. in die Vertheidigung bed Thales, 
2. in die Vertheidigung der Einfaffungshöhen. 
Auch bier befchränft ſich die Art der Bertheidigung größs 
tentheild auf die Wirkung des Feuerd. Die Truppen müflen 
daher fo aufgeftellt werden, daß fie dasſelbe mit Bortheil anzus 
bringen im Stande find.’ 
Im Thale fuche man dem Feinde alle möglichen Hinderniffe Dertpedh 
in den Weg zu legen, befege einzelne Punkte, ohne deren Beſitz erhal. 


1 _ 


ber. Gegner dad Defilee nicht paflicen kann, und trachte ben 
Feind durch ein kräftiges Feuer in feinem Angriffe zurüdzubalten. 


Die auf den nächſten Bergiehnen vertheilten Xruppen 
unterftügen die Vertheidigung im Thale theild durch ein wohlans 
gebradhted Feuer in die Flanken des Angreifers, theild indem fie 
auf denfelben Baumftämme und Zelfenftüde herabroffen. 


Bde Zu den Fünftljhen Mitteln, um ſolche Vertheidigungen 
gungsmittel. defto wirffamer zu machen, gehören: 

1. Berhaue entweder länge der ganzen Fronte, oder mes 
nigftend an den ſchwächſten Punkten. 

2. Abgraben des Weges im Chale. 

3. Abtragung der Brüden, über welche ber Feind ſich näs 
bern muß. 

4, Anlegung von Schanzen. — Man bricht ihre Figur nadı 
der Geftalt des Terraind, und bei jenen, die auf den Höhen 
und Bergen errichtet werden, kann man fid) mit Vortheil des 
Einfchneidend bedienen. 


— zur Sie werden angelegt: 

nlegung der 

© chanzen. 1. Quer über den Sauptweg, um bdenfelben enfiliren zu 
fönnen. 


2. Auf Anhöhen, von wo man den anrüdenden Feind dos 
minirend befchießen faun. 

3. An Punkten, wo fih das Thal erweitert, und man den 
Ausgang des vorwärtigen, eugern Theiles koncentriſch beftreiden 
kann. 

4. Um einzelnen Punkten, die fo zu ſagen der Schlüſſel 
des Thales find, eine größere Vertheidigungsfähigkeit zu geben. 

5. Zur Beltreihung eines Flußed oder andern Gewäflerg, 
welches fih im Thale neben der Strafe befindet, um den Feind 
die Benügung desſelben zu verwehren. 


— Iſt die Stellung im Thale gut gewählt und gibt ſie keine 

8 faffungs« Blößen, fo wird der Feind zuerſt tradıten, Herr der Einfafjungs- 

hoͤhen. höhen zu werden, um dadurch die im Thale ftehende Truppe 

zum Rückzuge zu zwingen. Die auf dieſen Höhen aufgeftellten 
Detafchements werden daher gewöhnlich zuerft angegriffen. 

Tirailleur⸗ Das Terrain erlaubt hier nur Tirailleur⸗ und Poſtenge⸗ 

—— fechte, die nach den Grundſaͤtzen vor ſich zu gehen haben, welche 

n den $$. 3 und 4 der zweiten Abtbeilung erörtert wurden. 





1 _ 


Dieſe Detaſchements müflen üherzeugt ſein, daß pop. der Behaup⸗ 
tung ihrer Aufſtellung auch jene im Thale abhaͤngt, und deshalb 
mit größter Entſchloſſenheit die Angriffe des Feindes zurückwerfen, 
Die vorderſten Poſten erſchweren dabei durch fortgeſetztes 
Feuer jedes Herandringen oder Heraufſteigen des Feindes an 
den portheilhgfteften Stellen, während ‚die Reſerven dahin diri⸗ 
girt, werden, wo der Feind durchzudringen ſucht. Werden diefr 
letzteren gut geleitet, fo wird der Feind, der uns zu umgehen 
droht, gewöhnlich felbft umgangen, oder in feiner Mitte ducshe 
brochen und wieder zurücgeworfen. Detaillirtere Vorſchriften 
laſſen fich jedoch wicht geben, dec jeder Fall nach ber Lokalität 
verſchieden geloͤſt werden muß... 
Sollten die auf den Höhen aufgefigkiten Detafkemente Rückzug. 
durch die Menge überwältigt und nach äußerſtem Widerſtande 
zum Rückzuge genöthigt werden, fo ziehen fie ſich fa langſam 
old möglih zurüd, damit Die Truppe im Thale ihnen folgen 
fünne, und vereinigen fi an deſſen Urfprung odar in Der Rich⸗ 
tung Des allgemeinen Rüdzuged mit derſelben. | 
Defllees, welche durd) die Natur des Terrains in fonpirteg Bertheidi⸗ 
Gegenden gebildet werben, find im Allgemeinen, nad den näm⸗ Defilees In 
lichen Grundſätzen zu vertheidigen. Das. durchichnittene Terrain blos durch 
erfchwert dem Feinde den Angriff und. ſchützt zum Theile auc anittenem 
die Flanken des Defileed, wo ohnedem Dataſchements alle Poſten 
und Zugänge beſetzt halten. . Er 


II. Bertheidigung. des Ausganges eineg Defilees, 

Beſchraͤnkt ſich Die Vertheidigung eines Defilees blos auf Vertheidi⸗ 
jene ſeines Ansganges, jo wird, wie bereits gejagt. wurde, ‚hinter, ung nes 
bemfelben eine Stellung in.eingebogener Foryı ‚genammen, um eittgange. 
von allen Seiten das Feuer gegen den Ausgang ‚richten, zu — 
können. Wie der Feind aus dem Defilee debouſchirt, wird er orm. 
vom Feuer drr..ganzen Linie empfaggen, jud in Dem Ausenblicke 
als er, durd feinen Verluſt erjchärtert, zu wanfen beginnt, mit 
dem Bajonete angegriffen und zurücgeworfen. . 

Stellungen in eingebogener Form gewähren viele Bort teile, Oiderung 
ur müſſen fie. au den. Flügeln, dergeſtalt. geuchert werden, daß, hrer glanlen. 
fie nicht umgangen werben Fönnen. 

Alle Wirkungen des Vertheidigers gan einen — — 
renden Feind müſſen fowohl ‚im Feuer als im Angrife koncen⸗ et 


gung. 


194 





Verwendung trifch fein, und die Kavallerie muß vüds ober ſeitwaͤrts des zu 
derKavallerie. vertheidigenden Deftleed dergeſtalt aufgeſtellt werben, daß ſie 
den ſich entwickeknden Feind ſogleich anzugreifen und zurückzu⸗ 
werfen im Stande iſt, wenn es das Terrain erlaubt, und der 
Gegner dem Feuer der Linie nicht weichen ſollte. 
rer: Deas Geſchuütz kann dad Meifte zur Vertheidigung eines 
"Deftleeaudganges beitragen. Es wird in Batterien in der kon⸗ 
faven Aufftelung vertheilt, und ein Theil in der Verlängerung 
des Defilees fo aufgeftellt, daß ed wenigſtens eine Strede des⸗ 
felben mit Kugelfchüflen enftlirt. 

Die fchweren Kaliber werden dergeſtalt placirt, daß fie 
gegen die Punfte, wo der angreifende Feind feine Batterien 
wahrfcheinlih auffahren dürfte, vortheilhaft wirken können; die 
leichten Kaliber agiren vorzüglich gegen die Truppen des Fein⸗ 
des und müflen daher nach Befchaffenheit der Umſtaͤnde näher 
an das Debomfchee herangerüdt werden, um Träftig und mit 
Kartätſchen feuern zu fönnen. 

Benügun Liegen Wälder, Häufer, Dörfer u. dgl. rüdwärte des 
wäre ” Defileed, fo müffen diefe von einer hinlänglihen Truppenzahl 
Terrains  befegt werden, um 

gegenſtaͤnde. 1. von bier aus den Feind gedeckt beſchießen zu koͤnnen, 

2. um ihn, wenn er auch aus dem Defilee deboufcirt, Durch 
eine kraftvolle Vertheidigung diefer Gegenftände im weitern Bors 
rüden aufzuhalten, zu ermüden und zum Ruͤckzuge zu bewegen. 

Bei Brüden und andern ähnlihen Kommunifationen von 
geringerer Länge kann man oft von der hinter dem Defllee ge⸗ 
wählten. Aufftellung den Eingang desfelben beftreihen. Dieſes 
ift von befonderem Nuten, wenn das diesfeitige Terrain domini⸗ 
rend iſt, und der eingehende Bogen des Flußes eine foncentrifche 
Beſtreichung des jenfeitigen Terrains geftattet. 


Defileever⸗ 
ng IV. Wenn Kavallerie allein ein Defilee zu vertheis 
Kavallerie. bigen hat. 

Sie wird Die Vertheidigung eines Deftlees beruht ausſchließlich auf 


ee der Wirkung ded Feuergewehrs, daher ift die Kavallerie hiezu 
vmendet, nicht geeignet. Sollte man ſich jedoch in dem Fall befinden, der 
(Gräntt fich bei detafchirten fliegenden Korps fehr leicht eintreten Tann, mit 
blos auf die bloßer Kavallerie an ein Defilee zu gelangen, deflen Uibergang 
er beftritien werben fol, fo bleibt nichte anders übrig, ald entiveder 
Ausganges. 








195 





fie abfigen zu Taflen und als Infanterie gu verwenden, ober ſich 
auf die Vertheidigung bed Ausganges zu beichränfen, indem 
man die Kavallerie in einer gewillen Entfernung hinter dem 
Defilee, und wenn das Terrain es erlaubt, feitwärts desfelben 
aufftellt, um ben heranrüdenden Feind ohne Verzug zurüdzumerfen. 

Schließlich bemerlen wir, daß jeded blos befenfive Ver⸗ 
haͤltniß der Kavallerie nachtheilig fei, denn ihre Vertheidigung 
befteht im Angriffe. Diefed muß befonders bei den Deftleed ® 
wohl erwogen werden, und nie darf hier bie Kavallerie im 
Vormarſche den erften Uibergang, im Retiriren hingegen nie Die 
legte den Ruͤckzug machen. 


Angriff 
Die Natur der Defileed begünftigt ihre Vertheidigung; der Schwierigkeit 

Angriff wird daher mit großem Verlufte verbunden fin, wenn des Angriffes. 

er nicht zwedmäßig und mit Umficht geleitet wird, befonderg, 

wenn bie vom Bertheibiger genommenen Stellungen gut gewählt 

oder gar befeftigt find. 

Man vermeide alfo bei einem Defilee nach Möglichkeit Uyerlan nr 
jeden Angriff in der Fronte und tradıte vielmehr, ed durch Mas des Defilees. 
növers frei zu machen, durch Lliberfall zu nehmen, den Feind zu 
umgehen, feine Flanken zu bedrohen und ihn dadurch zum Rück⸗ 
zuge ans dem Deftlee zu zwingen. 

Nur wenn man durch höhere Rüdfichten oder Befehle noth- N 
wendig darauf befchränkt ift, und die Lliberlegenheit an Truppen 
und bie Gewißheit. des Gelingens verichafft, unternehme man 
eine Forcirung des Defilees felbfl. Bor allen hat man aber 
wohl zu erwägen, ob. diefe unbedingt nothwendig fei, oder ob 
man nicht auf eine andere, mit weniger DBerluft verbundene Art 
in den Beſitz des Defileed gelangen könne. Richtige Kenntniß 
der verfchiedenen allenfalld vorhandenen Kommunifationen und 
der Lofalität des Deftiees felbft und feiner Umgebungen, fo wie 
der Aufitellung des Keindes müſſen hierüber. enticheiden. 

In Hinfiht der Umgehungen wird fich auf die Belehrung 
bes $. 7 der achten Abtheilung berufen, und wir bejchränfen und 
bier blos auf die Erflärungen, wie im Allgemeinen vor, in ober 


yinter einem Deftlee genommene Stellungen anzugreifen find. 
13* 


196 





Angriff einer I. Hat ver Feind ſich vor einem Deftlee aufgeſtellt, fo ers 
ae fhüttere man denfelben in einem offenen Terrain durch ein wirfs 
Sam angebrachte Gefchügfener und attaquire hierauf. mit dem 
Bajonete oder der Kavallerie. Im foupirten Terrain ‚nähere 
man ſich mit einer Tirailleurfette dem Feinde, beunruhige feine 
Linien und bereite dadurch den Angriff der rückwärtigen Kolon⸗ 
nen vor. j Ä 
Forirung Dieſe formiren ſich außer dem Ertrage des feindlichen 
der Anger Feuers, und benützen im Vorrücken zu ihrer Deckung alle Bors 
Koncentriſche theile des Terrains. 
—— Der Zweck unſerer Angriffe iſt entweder die Erreichung 
bed Defilee⸗Einganges, oder die Zurückdrängung des Feindes 
gegen denſelben; alle unfere Bewegungen und Wirkungen erhal 
ten alfo ihre Richtung gegen diefen Punkt, und werden eben 
dadurch foncentrifc. 
— Der Feind iſt größtentheild auf die Defenſtve beſchraͤnkt, 
Bewegungen. darf im Allgemeinen feine Stellung nicht verändern, und muß 
zur Sicherung der Flanken mit den Flügeln berfelben ftetd an 
das Terrainhinderniß appuiet bleiben, wodurch wie in ımferen 
Bewegungen zum Angriffe mehr Kreiheit erhaften. 
Mittel Schnelle Erkennung des ſchwächſten Punktes in der feind- 
zum Siege, lichen Stellung, zwedmäßige Formirung und Bertheilung der 
Kolounen, Verbergung des wahren Angrifföpunttes durch Schein⸗ 
attaquen, richtige Aufftelung der Neferven und ein rafches Vor⸗ 
dringen im Augenblide der Eusicheivung führen auch hier zum 
Siege. 
Bei befeſtig⸗ Hat der Feind zur längern und fihern Behauptung bei 
ten Defileed. Defilees eine Stellung vor demfelben, oder deffen Eingang durd 
Berfchanzungen gededt, fo geichieht der Angriff derfelben nad 
den Anweifungen des $. 11 dieſer und des S. 6 der folgenden 
Abtheilung. 
Verwendung Ein befondered Augenmerk verdient hiebei die Berwenbung 
Nee der Artillerie; diefe befdießt die feindlihen Batterien, tödtet 
und verwundet die Bedienungsmannichaft, demontirt die Geſchütze 
und erleichtert fo den Sturm der Sinfanterie. 
Angriffe Nimmt der Gegner eine Stellung vor dem Defilee, um 
—8 — den Rückzug der Haupttruppe zu decken, ſo muß man ihn deſto 
Feindes. heftiger angreifen und alles aufbieten, um die vor dem Eingange 
aufgeftellte Truppe zurückzudrängen und dem retirirenden Gros 





197 





felöft auf den Leib zu kommen. Man beichäftige den Feind zu 
diefem Zwecke längs der ganzen Linie feiner Aufitellung, trachte 
aber mit Kraft jenen Punkt feines Centrums zu Durchbrechen, 
der dem Deboufchee am nächiten liegt, um ben Gegner badurdı 
zu einem fchnellen Rüdzuge zu bewegen, oder ihn von der Haupts 
truppe zu trennen. 

Um Meilter eines wichtigen Punktes zu werden, fahren die eh, 
Geihüge fo auf, daß fle ihn Foncentrifch beſchießen fünnen, und 
überlaffen, nachdem fie ihre größte Wirkung gegen denfelben 
geäußert haben, feine eigentliche Eroberung der Linientruppe. 

Iſt aber das Deftlee fo beichaffen, daB der Feind vom 
jenfeitigen Rande zur Vertheidigung der diesſeits gewählten 
Stellung, oder der hier angelegten Berichanzungen mitwirken 
fann, dann ift ber Angriff um defto größeren Schwierigfeiten _ 
unterworfen, und muß daher entweder blos an jenen Punkten, 
die von jenfeitö nicht beftrichen werben fünnen, oder erſt dann 
erfolgen, wenn früher ebenfalld durch ein fräftiged Geſchützfeuer 
die dafelbft befindlichen, feindlichen Batterien zum Schweigen ges 
bradıt wurden. 

Weicht der Feind unſeren Angriffen und verläßt er feine a 
Stellung vor dem Deftlee, um fih dur dasſelbe zurüdzuziehen, Gentrums. 
fo erneuere man um defto Iebhafter den Kampf, tradte den 
Rückzug nach Möglichkeit zu ftören und das Gentrum feiner Aufs 
ſtellung ganz zu fprengen, da dieſes ald die Arrieregarde zu bes 
trachten ift, unter deren Schuße fein Ruͤckzug und dad Abfallen 
ſeiner Abtheilungen von beiden Flügeln vor ſich geht. 

Hat ſich der Gegner in das Defilee gezogen, fo ſuche man Nahe Berfols 
bemfelben ſtets nahe am Leibe zu bleiben. Dadurch erreichen wir Hm 
den Bortheil: 

1. Daß er nicht hinlängliche Zeit hat, und Hinderniffe in 
den Weg zu legen, 

2. daß wir faft gleichzeitig mit ihm das ‚jenfeitige Debous 
fhee erreichen, und dadurch die Vertheidigung desſelben durch die 
zu diefem Zwede hinter dem Deftlee aufgeftellten Truppen ent: 
weder ſchwächen, oder ganz verhindern. 

Iſt ed möglih, in die Flanfe des fich zurüdziehenden a 
Feindes zu wirken, fo muß diefer Vortheil mit Umſi cht benügt sanken. 


werden. 


198 





Vorſicht gegen Ye Tebhafter aber die Verfolgung geſchieht, je öfter wir 

Dinterhalte. die Arrieregarde des Feindes angreifen, defto mehr hüte man 
fih durch zu rafched Vorbringen in einen Hinterhalt zu gerathen 
oder zurücgeworfen zu werden. 

Angrijf einer 11. Stellungen im Defilee fommen, wie bereits erwähnt 
N wurde, hauptfächlic in Gebirgsthäfern vor. Wir befcränten 
ung daher hier blos auf den Angriff diefer letzteren. 

In Gebirgss Der Grundfas, baß man in einem Thale nicht vordringen 
thaͤlern. konne, ohne im Beſitz der Höhen zu fein, von welchen es flans 

firt wird, enticheidet über die Art des Angriffes einer folchen 
Poſition, und über die Unmöglichkeit, Stellungen zu forciren, wenn 
fie gehörig befegt umd ihre Flügel an unzugängliche Berge ges 
ſtuüutzt find. | 

Bemeifterung Wenn no überbied die auf den Einfaffungshöhen ftehen« 

Fi geböten. den Poſten das Thal dominiren, fo Tann um fo weniger der 
Angriff im Deftlee unternommen werden, bevor man ſich nicht 
diefer Poften bemeiftert hat, und ſich dafelbft zu halten im 
Stande ift. g 

Angriff der Zu dieſem Ende werden die Pollen der ganzen Chaine 

Pofendainz, allarmirt, damit Feiner dem andern zu Hilfe eilen Tönne, jene 
aber mit dem größten Nachdrucke angegriffen, die entweder 


1. durch ihre Lage den Zugang zu den andern fperren, 

2. zum Appui der Flügel dienen, oder 

3. anf einem Punkte ftehen, von welchem die andern übers 
fehen oder in Flanke und Rüden genommen werben fünnen. 


Durch Detas Solhe Añgriffe gefchehen durch Detafchements, welche ents 
ſchements. weder dazu abgefcidt, oder aus den Truppen formirt find, bie 
den Marfch einer jeden im Thale vorrüdenden Kolonne auf dem 
Gebirge flanfiren. 
Art ihres Ihre Stärke fowohl, ald die Art ihres Angriffes hängt von 
FE der Natur des Terraind ab; meiftend muß die Truppe in Tis 
iedes railleurs anfgelöft werben, wobei oft die Benügung eines noch 
Vortheiles. ſo geringen Vortheiles, wie 3. B. die Beſetzung eines dominis 
renden Felſens durch ein paar Schüßen oder eines verwahrloſten 
Punktes, von welchem einige Männer dem Feinde in Rüden 
feuern fönnen, enticheidend ift, , 
Bei „netpeil: Wenn der Feind fo vortheilhaft poſtirt ift, daß man ihm 
Stelung ur mit Mühe und in geringer Zahl beifommen Tann, fo muß 
des Feindes. 





199 





er durch mieberholte Angriffe fo lange ermübet werben, bid man 
ihn endlich zum Weichen bringt. 

In diefem Falle muß auch die Stärfe des Detafchements aaree 
fo berechnet werben, daß die Angreifenden öfters ‚abgelöft und Detaite 
friihe Truppen zur Erneuerung der Angriffe verwendet werben ments. 
fönnen. 

Hinter diefen in den Gebirgen angreifenden Detafchements Dreferven ins 

folgen Neferven, die beftimmt find: r denſelben. 
1. Die Verbindung mit dem Thale ſtets zu verſichern. 

2. Im Unglücksfalle die vorpouſſirten Abtheilungen aufzu⸗ 
nehmen und ſich ſo lange zu behaupten, bis dieſe wieder geſam⸗ 
melt ſind. 

Gelingt der Angriff auf einen feindlichen Poſten, ſo nimmt Benehmen 
die Reſerve davon ſogleich Beſitz, und waͤhrend einige Abthei⸗ —EE— — 
lungen den fliehenden Feind verfolgen, die andern aber ſich auf birgepoſtens. 
die Flanken und Rücken der nebenſtehenden Poſten werfen, rüuͤckt 
auch die Reſerve ganz oder nach Umſtaͤnden zum Theile vor, um 
Diefed Manöver zu decken. 

Kann man Gemwäflerurfprünge und <haleingänge gewinnen, 
welche rüdwärts der feindlichen Poften in das Hauptthal felbit 
führen, fo werden diefe legtern zum übereilten Ruͤckzuge gezwuns 
gen, und fönnen oft ganz abgefchnitten werden. Auf diefe Art 
wird fortgefahren, bis die ganze Chaine der feindlichen Poften 
verjagt und bie Anhöhen, die das Thal einfchließen, gewonnen 
find, von welhen fodann die Linie des Feinded mit dem lebhaf⸗ 
teften Feuer beunruhiget werden muß. 

Die Haupttruppe im Thale hat fich indeflen nur begnügt, Benehmen 
den Feind zu beobachten, ihn durch Kanonaden, Scheinbemweguns te 
gen, Borfendung von Tirailleurs u. f. w zu befchäftigen, und Thale wäh 


ihn von Detafchirungen ind Gebirge abzuhalten. ee vu 
Sobald man aber Meifter vom Gebirge ift, und ohne Ges maddden. 
Nach erruns 


fahr ſich über die das Defilee zunäaͤchſt einfchließenden "Höhen genen Höhen. 
ausdehnen kann, jo müflen fogleic auf den naͤchſten Steigen 
nad; Möglichkeit ded Terrains zahlreihe Abtheilungen dahin 
detaſchirt werden, um 
1. die Wirkung des Flankenfeuers zu vermehren, 
2. laͤngs dieſen Anhöhen dem Gegner in den Rücken 


zu kommen, 


200 





3: mr mit Detaſchements durch Steige, Niffe, Thaͤler 
u. ſ. w. in feine Flanken herunter zu ſtuͤrzen. 

Je länger der Feind in feiner Stellung. verweilt, fobald 
einmal die entfcheideriden Poften im Bebirge verloren ſind, deſto 
gefährlicher noird fein Ruückzug, weil er nicht anders ald unter 
dem Feuer und unter befländiger Begleitung der Truppe geſche⸗ 


ben kann, weldhe vie Anhöhe gekrönt hat, und weil ihm dan 


Bei Blößen 

der Stellung 

nes Feindes 
im Thale. 


Defilees in 


koupirten 
Gegenden. 


Angriff der 
Stellungen 
hinter einem 
Defilee. 


ſelbſt die Stärfe feiner Poſition:vor: einem Ungriffe im der Fronte 
nicht- Thüigt/ "den fein Gegner, wenn es andy nur in ber Abſicht 
ihn aufjuhakten wäre, ganz fiher umterneinmen wird · 


Gibt jebodı die Stellung des Feindes auch im Thale Bld⸗ 
9 Ben, oder fcheint fein Entfchluß zur Bertheidigung ſchwankend, ſo 
mi er auch bier ſobald die Anhöhen auf Bert Flanken erreict 
ſind, raſch angegriffen werden, wodurch er bann einem doppelten 
Verluſt erleiden wird. 


Nach den naͤmlichen Grundſaͤtzen, wie bie Gebirgothaͤler, 
werden auch die durch die Natur des Terrains in koupirten Ge⸗ 
genden gebildeten Defilees mit zugänglichen Flanken angegriffen. 
Auch hier beginnt die Unternehmung durch Vertreibung derjenigen 
Seitenpoften, die am Teikteften zu forciten find, oder anf die 
Standhaftigfeit der Haupttruppen den michtigften Einfluß haben, 
und endet durch den Angriff auf das Defilee ſelbſt. 


III. Stellungen hinter einem Defilee werden in eingebo— 
gener Form "genommen, haben, wie ſchon oben berührt wurde, 
viele Vortheile, und find eben darum die fehmwierigffen im An 
griffe. Sie befchränfen fih auf die Bertheidigung eines einzigen 
Punktes, und die Wirfung der ganzen Stellung wird auf den 
felben gerichtet. — Diefer Punkt ift der Ausgang des Defileed; — 
wir find genöthigt, im Deboufchiren denfelben zu durchſchreiten, 
und werden daher in diefem Augenblicke vom Feuer ded ganzen 
Bogen empfangen werden. Am vortheilhafteiten ift es daher, 
wenn man entweder folhe Stellungen zu umgehen, ober in der 
Verlängerung ihrer beiden Enden anzugreifen vermag. — IM 
jedoch das Deftlee fo befchaffen, daß es entweder ganz ober zum 
Theile aus der rüdwärtigen Stellung beftrichen werden kann, fo 
ift der Angriff um deſto fchmerer. 

Die Länge folder Deftleed ift entweder größer, als bet 
Ertrag des Gefchüges und der Musquete; fo, daß das Feuer 











201 
ber diesſeitigen Truppe die jenſeidigen nid erreichen .fanıı, uber 
das Defilee felbft liegt ganz unter dem gegemjeitigen Feuer. 

Sm erften Falle ift ein folches Deftlee nicht zu forcizen, Umgehung 
weil Die Wirkung des. Foncentrifchen Feuers von der jenfeits auf- "hhr langer 
marfhirten Truppe gegen die mit einer viel geringern Breite Defilees. 
durchmarſchirende Kolonne zu ſtark ift, und diefe gang -vernichten 
würde, bevor fie gu ihrem Zwecke gelangen und dem Feinde 
einen verhaͤltnißmaäßigen Schaden zufügen könnte. - Deugleichen 
Defilees wmüflen entweder durch Manüver frei gemacht ober 
durch einen Liberfall genommen werden, 

Im gweijiten Kalle it auch die Forcirung eines ganz. unter fear 
dem Gewehr- oder Gefhüßertrage liegenden, gut befegten.. Defi⸗ en ln 
lees immer mit großem Berlufte verfmüpft, und darf daher nur dem Feuer der 
dann -unternommen werden, wenn ber Zwed, auf feine andere —* 
Art zu erreichen oder der gu erwartende Vortheil überwiegend iſt. Defilees. 

Der erfte Ayfmarfch zu diefer Unternehmung gefchieht bei . 
der Annäherung gegen das vorliegende Deftlee außer. dem Ers 
trage des feindlihen Feuers. Die Truppen und das Geſchütz 
werden fo poftirt, daß fie am heftigften und wirffamften auf die 
feindliche ‚Stellung, und vorzüglih auf jenen Theil "derfelben 
wirfen Tonnen, der fih vor dem Deboufchee befindet. Hiezu 
müffen alle Vortheile ded Terrains forgfältig benügt, Abfälle 
von Anhöhen, wo die Infanterie, wie z. B. in Stalien fehr oft 
teraffenartig in mehreren Linien hintereinander ftehen und feuern 
Tann, ſchnell befegt, Punkte, von welchen das Geſchütz einen 
Theil der feindlichen Fronte zu enftliren im Stande ift, richtig 
gefaßt, und wo die Flanken des Deftleed für einzelne Männer 
zugänglich find, ohne Dadurch das Feuer and der Linie zu mas⸗ 
quiren, Tirailleurs entſendet werden. | 

Die Zerftörnng der feindlichen Batterien und die Bertreis Vorbereitens 
bung der Truppen aus ihrer vortheilhaften Stellung durd ein des deuer. 
heftige Kugels und Kartätfchenfeuer, müflen dem Durchmarſche 
durch das Defilee vorausgehen; denn nur, wenn der Feind auf 
diefe Art geſchwächt wurde, wirb ed und möglid werben, dag 
Deboufchiren zu bemerkftelligen und und jenfeits feftzufegen. — 

Die Neferve bleibt indeffen ruͤckwaͤrts, vor dem feindlichen Feuer 


gedeckt, in Kolonne ftehen. 


Hat der Gegner gelitten, tft er erfchüttert und fein Geſchub Paſſirung des 


wenigſtens zum Theile demontirt, dann dringt dieſe Kolonne in Defilees ſelbſt. 
s 


— — — — =. 








das Deſilee, und rückt, ohne zu feuern, fo fchnell als möglich im 
größeren Abtheilungen gefchloffen, jedoch mit Intervallen, durch 
dasſelbe. 

Aufmarſch Iſt nunmehr auch die feindliche Truppe, die hinter dem 
Debufge ⸗ Deſilee das jenfeitige Debouſchee beſetzt hatte, geworfen, fo wird 

zunaͤchſt vor demſelben aufmarſchirt; die Flügel lehnen ſich an 
die Hinderniſſe, die das Deftlee bilden, und die ganze Linie, welche 
am Eingange desſelben aufmarfchirt war, folgt in Kolonne nad. 
Nach Map, ald diefe aus dem Deftlee deboufcirt, ruͤckt die 
zuerft übergegangene Truppe vor; bie nachfolgende aber formirt 
ſich rechts und links, und füllt dadurch die Intervallen aus, 
welche durch dad Vorgehen der erfteren zwilchen ihren Flügeln 
und ihren Stüßpnnften entftehen. Dadurch wird das Deboufchee 
immer durch eine gefchloflene, gut appuirte Linie gededt, und man 
kann die nachrüädende Haupttruppe nad Umfänden zur Berflärs 
- tung des Gentrumd oder der Klügel verwenden. 
Verwendung Das Gefhüg wird dabei zurücdgelaflen; es muß aber ftets 
des Geſchutes. Keine Poſition dergeftalt verändern, daß ed nadı Maß, ald die 
übergegangene Xruppe Terrain gewinnt, und es die Ausficht 
diesſeits erlaubt, ihre Flanken durch fein Feuer ftetd zu deden 
fuche, und den Feind, fo lange er erreichbar iſt, Tebhaft beſchieße. 
Meferven dies⸗ Ebenfo muß auch eine Referve von Infanterie für den Fall 
feits de6 eines Unglücks, und die ganze Kavallerie an dem diesfeitigen 
Eingange des Deftleed fo lange aufgeftellt bleiben, bis der Befit 
besfelben gefichert errungen ift. 

Wegnahme Hat der Feind zur größern Haltbarkeit ſeiner Stellung vor 
vr eilhafter dem Ausgange des Debouſchees Häufer, Dörfer, Wälder befegt 

nad dem und zur Vertheidigung eingerichtet, fo fchreite man gleich nach 
Debouſchiren. vollführtem Aufmarfche aus dem Deftlee zum Angriffe derfelben, 

um dadurch den Gegner des DVortheiled zu berauben, und aus 
diefen Punkten gededt beſchießen und unfere ferneren Beweguns 
gen flören gu koͤnnen. 

Paffirung Endlich müflen wir noch den Fall erwähnen, wo mau in 
eo Gegenwart oder Nähe des Feinde ein von ihm noch nicht bes 
nicht befebten ſetztes Defllee zu yaflıren hat. Dieſes erheifcht nicht weniger 
in —2 „„ Vorſicht, als vorſtehender Maßen bei der Forcirung eines von 
oder in der demſelben bereits beſetzten Deſilees angegeben wurde, weil man 


—* — Gefahr laͤuft, in ber nachtheiligſten aller Ordnungen, nämlich 











203 





während des Marſches einer durch das Terrain eingeengten 
Kolonne angegriffen zu werben. 

Wenn unter folden Verhältniffen die Avantgarde an ein 
unausweichliches Deftlee. gelangt, fo rüden die Flanqueurs durch 
basfelbe, bilden vor dem Audgange eine Chaine, und ſchicken 
Patrouillen zur Rekognoscirung des Feindes aus. Die erfte Abs 
theilung der Avantgarde folgt ihnen nach und poftirt fich gerade 
vor das Deboufcee, die übrigen fuchen rüdwärts auf beiden 
Seiten des Finganged eine folde Stellung zu nehmen, and 
welcher fie das Deftlee mit ihrem Feuer beftreihen fönnen. 

Sollten die Flanken des Defilees für einzelne Männer 
zugänglich fein, fo mäflen fle von den Seitentruppen der Avant 
garde durchſucht und mit Tirailleurs befegt werben. 

Wenn endlich die Hauptkolonne herankommt, fo rüdt auch 
der Reſt der Avantgarde durch das Deftlee, und ftellt fich. obs 
erwähntermaßen vor bemfelben auf, um das Debonfchiren der 
folgenden Truppen zu beden. 


Vertheidigung und Angriff eines Flußes, Hanals 
oder Fleinen Waſſers. | 


Bertheidigung 
eg Bewaſſerver⸗ 


Jedes Terrainhinderniß, welches die Annäherung des Keind theidigung im 
erfchwert, erhöht bie Vertheidigungsfähigfeit einer hinter dem⸗ Allgemeinen. 
felben genommenen Aufftelung. In diefer Beziehung "bilden alfo 
Gewäſſer, nah Maß ihrer Bedeutenheit, fomohl für größere als 
fleinere XTruppenabtheilungen ftarfe und zuverfichtliche Vertheidi⸗ 
gungsmittel, weshalb bei denfelben häufig Gefechte und Schlachten 
geliefert wurden. 

Befonders find Ströme und größere Fluͤſſe in ber Krieges Oöbere ai: 
führung von hoher Wichtigfeit, da fie den Feind nöthigen, ent de Ströme 
weder vorhandene, von und in Vertheidigungsftand gefegte Liber, und_größeren 
gänge zu forciren, oder fih unter dem euer unferer jenfeitigen 
Aufftellung erft neue Kommunikationen zu errichten. 

" Laufen mehrere derfelben in einer faſt parallelen Richtung 
Durch einen Kriegsſchauplatz, fo daß fie die Operationslinie quer 


= 


Zweck der 
Vertheidi⸗ 
gung. 


Nöthige Ter⸗ 
rainkenntniß. 


204 





durchſchneiden, fo entfliehen dadurch eben fo: viele taktifche Ver- 


theidigungsabfchnitte, wie diefes 3. D der Fol in dem nördlichen 
Ftalien .ift, wo in jedem Kriege häufige Flußvertheidigungen 
vorfamen, die, wenn auch nicht alle von gleicher Wichtigfeit, 
dennoch den Nüdzug einer Truppe begünftigten und gegeniheitig 
im Vorrücken bedeutend. hinberten. 

Gewäfler. werden im Allgemeinen verteidigt: 

1. Um den Feind augenblidiic. aufzuhalten: und dadurch 


‚Zeit zu gewinnen, ſich ungehindert zurückziehen zu fünnen. 


2. Um «ine hinter ihnen ‚genommene Aufftelung zu deden, 


wie dieſes befonderd bei größeren Flüffen und Strömen der Fall 
iſt, wo es ſich darum handelt, dem Gegner durd alle möglichen 


Mittel den Uibergang längere Zeit zu vermehren, und dadurch 
feine -vffenfiven Operationen gegen und zu hemmen. 
. Die Anordnungen zu ſolchen Bertheidigungen gehören zu dent 


wichtigſten Gegenftänden der Kriegskunſt; allein die in diefem S. 


vorkommenden Erklärungen beziehen fi nicht nur auf den Angriff 
und die Bertheidigung der Flüffe und Ströme durch größere 
Streitkräfte, fondern auch nach Beichaffenheit der Umftände auf 
jene der weniger bedeutenden Gewäffer durch Fleinere Truppen⸗ 
abtheilungen, und enthalten zugleich detaillirte Borfchriften für 
die Kommandanten der verfchiedenen, längd bed Flußed andges 
ftelten Poften, Piquete nnd Reſerven. 

Bor allen ift ed nöthig, in voller Terrainfenntniß des zu 
vertheidigenden Flußes zu fein. Hiebei it zu berücfichtigen: 

1. Die Beſchaffenheit desfelben in Hinſicht feiner Ufer, ob 
fie dominirend oder eingefehen, flach ober fteil, fumpfig oder mit 
Kulturgegehftänden bewachſen find. 

: 2%, Die Stärke des Falles, die Breite und Tiefe des Flußes 
an verfätiedenen Stellen. 

3. Die Befchaffenheit feined Grundes, ob er lehmig, fteinig 
oder fandig ift. 

4. Die vorhandenen Krümmungen und Infeln, und in wie 
ferne fie die Abſichten des Feindes begünftigen. 

5. Alle verfchiedenen Kommunifationen, ald Brüden, Stege, 


Furthen und feichte Stellen. 


6. Die. Richtung aller Straßen und Wege, die über oder 
durch diefelden von einem Ufer zum andern führen, und in wie 
ferne fie fih für die Operationen bed Feinded eignen. 





205 





7. Die Refchaffenheit der den beihen Uſern des Fluid 
zunächft liegenden Zerrainßreden auf wenigſtens eine; halbe 
Meile, und ob fich bier für und oder ben Feind vortheilhafte 
Stellungen befinden. 

Aus dieſer detaillirten Terrainkenntniß kann man erſt jene 
Punkte erkennen, wo ihrer Natur nach, der Uibergang des Fein⸗ 
des begünſtigt, und diefer ihn Daher wahrſcheiulich unternehmen 
wird. | | 

Sole Punkte find: 
‚1. Ale gegen den Feind zu eingebogene Flußkrümmungen, 
weil dieſe das Mittel darbieten, vom jenſeitigen Ufer den 
zwiſchen der Sehne und dem Bogen liegenden Abſchnitt kon⸗ 
centrifch zu befchießen, die dafelbft aufgeftellten Truppen 


Günftige 


Uibergangss 


punkte 
des Feindes. 


1 


zu vertreiben und dadurch freien Raum zum Uibergange zu * 


gewinnen. 

Bei ſolchen Krümmungen iſt zugleich gewöhnlich die größte 
Stärke und Tiefe des Wafferzuges am äußerſten Rande des 
Bogen, fo daß der Feind feine Brüde um defto leichter 
und fchneller errichten wird, je näher er unferem Ufer fommt. 

2. Sene Stellen, wo das feindliche Ufer das Diesfeitige Dos 


minirt, und von wo feine Gejchüge und daher mit Vor⸗ 


theil beftreichen fünnen. 


3. Nebenflüffe, die jenfeitd in den Hauptſtrom münden, und 


in welchen der Feind feine Schiffe und Pontons fammeln, 


fo wie die übrigen Vorbereitungen zum Brüdenfchlage ges 


deckt treffen kann. 


A. Inſeln, da ſolche theils die erwähnten Vorbereitungen vers 


bergen, theild die Länge der zu Schlagendeu Brücke verkürzen, 

Kennt man: alle diefe, den llibergang des Feindes begüns 
fligenden Punkte, fo if nıan im Stande, richtige Maßregeln zur 
Bertheidigung des Flußes zu ergreifen, dadurch jeded Vorhaben 
des Gegners fchnell zu entveden und feine Abficht zu vereiteln. 

Um dieſes zu erzielen, werden: 

I. Alle vorhandenen Kommunikationen entweder reſtört 
oder ungangbar gemacht, ober. durch Berihanzuugen jo gedeckt, 
daß man fie gegen die Angriffe des Feindes zu behaupten: ver- 
mag. Im Hinfiht der Brüden, fie mögen von Holz oder Stein 
fein, beziehen wir und auf den folgenden $. diefer Abtheifung, 
der fich ausſchließlich mit der Vertheidigung und dem Angriffe 


Maßregeln 
zur Verkthei⸗ 
digung. 


I. Beſetzung 

oder Zerſtö⸗ 
rung der 

Kommunika⸗ 
tionen. 


Furthen. 





derſelben beſchaͤftigt, und alle Mittel angibt, um ihre Behaup⸗ 
tung zu fihern oder ihre Zerftörung vorzubereiten. 

Die in der zu vertheidigenden Flußſtrecke allenfalls vors 
bandenen Furthen müffen mit Achtfamfeit unterſucht werden, 
wobei vorzüglich ihre Breite, Waſſertiefe und die Befchaffenheit 


. Ihres Grundes zu berüdfichtigen kommt. Sie werben entweder 


durdigraben oder mittelft Einſenkung von Balken, Steinen, Eggen, 
Fußangeln u. dgl. ungangbar gemacht. Damit aber der Feind 


dieſe Hinderniffe nicht wieder ohne Naditheil auf die Seite 


IL. Berfides 
rung aller 
vorhandenen 
Uidergangs» 
mittel. 


IL Beobach⸗ 


tung Der 
Hlufftrede, 
Borpoften- 
Bette. 


Unterftüguns 
en und 
eferven. 


fhaffen Fonne, werden diesſeits der Furthen Schanzen angelegt, 
welche fle beftreichen und dem Feinde den llibergang verwehren. 


IL Ale Schiffe, Kähne und Klöffe werben von fo weit 
ald möglich zufammengeholt, an einem fchidllichen Plate des 
diesfeitigen Ufers, wie 3. B. in einer Bucht, hinter einer Inſel 
u. dgl. gebracht und unter Wache geftelt, damit der Feind nichts 
vorfinde, was er zur Uiberfchiffung feiner Mannſchaft, oder zur 
Errichtung neuer Kommunilationen anwenden koͤnne, wir jedoch 
diefelben zu fernerem Gebrauche behalten. 

Da aber der Feind zur Erreichung feiner Abficht fich nicht 
auf die Korcirung einer beftehenden, von und in Bertheidigunges 
ftand geſetzten Brücke befchränten, fondern gewöhnlich felbit bins 
laͤngliche Mittel haben wird, um fih auf einem andern Punkte 
neue Kommunikationen zu errichten, fo ift ed bei der Vertheidi⸗ 
gung eined Flußes nicht genug, die vorhandenen Brüden und 
Furthen zu befegen, fondern man muß aud 

III. die Angrifföfronte des Flußes fortwährend beobachten. 
Dieſes gefchieht nach folgenden Grundregeln: 

a. Die zu vertheidigende Linie wird mit einer Vorpoſtenkette 
befegt, deren Bildung von der Beichaffenheit ded Terrains 
und der Stärfe der hiezu verwendbaren Truppe abhängt. 
Gewöhnlich werden die aͤußerſten Wachen längs dem Rande 
des Flußes, und zwar ftetd fo ausgeftellt, daß fie die jen⸗ 
feitige Gegend zu überbliden und jede Annäherung des 
Feindes ſchnell zu entdecken im Stande find. 

b. Hinter den Außerften Poften ftehen an ſchicklichen Punkten, 
und befonders an den gegen das Ufer führenden Straflen 
verhäftnigmäßige Unterflügungen und Referven, um dadurch 
ber ganzen Kette mehr Feſtigkeit zu geben. 





e. 


R 


207 





c. Die Waffengattungen der zur Bildung ber Kette verwen⸗ Baffengats 
beten Truppen werden durch die Befchaffenheit des Terrains MIR 
beftimmt, und nad, der Berfchiedenheit desſelben beſtehen 

fowohl die aͤußerſten, ald die rüdmärtigen größeren Poften 

bald aus Snfanterie, bald aus Kavallerie, bald aus beiden 

Waffen zugleich. 


. Die Stärke der verſſhiedenen Poften, fo wie die Entfernung Schwäder 


derfelben von einander hängt theild von dem mehr oder —ã 


minder durchſchnittenen Terrain, beſonders aber von der Gtreden. 
Wichtigkeit der verſchiedenen Flußſtellen ab. — Diejenigen 

Streden, die durch die Befchaffenheit ihrer Ufer, oder aus 

andern Urfahen den llibergang des Feinded nicht begünftis 

gen oder demfelben gar nachtheilig find, wo er ihn daher 

nicht unternehmen wird, werden ſchwaächer, — jene Punkte 

aber, melde durch ihre Lage oder Eigenheiten bdenfelben 
begünftigen, mithin die bedrohteften der ganzen Linie find, 

ſtark und mit gefchloflenen Abtheilungen befeßt, durch Ver⸗ 
fchanzungen gededt und zu einer hartnädigen Vertheidigung 
vorbereitet. 

Sind die zur Bewahung des Ufers auögeftellten Poſten Patrouillen. 
aud Mangel an Truppen zu weit auseinander, oder das 

Terrain zu durchſchnitten, fo find längs des Flußes fortwaͤh⸗ 

rend Patrouillen auszufenden, um baburch die Verbindung 

der Kette zu erhalten und die dazwiſchen liegende Uferſtrecke 

zur beobachten; überhaupt darf man feinen bem Uibergange 

noch fo nachtheiligen Punkt gänzlich vernacläfligen, da der 

Gegner diefen Umftand, befonders bei kleineren Flüſſen, oft 

mit vielem Bortheile benügen fünute. 


. Bevor der Feind noch das jenfeitige fer erreicht, werden Avifopoften 


daſelbſt einige Poften unterhalten, die häufige und weitere ienſeits. 


Patrouillen ausſchicken, um die Annäherung desfelben fchnell 
zu entbeden; bei deflen Borrüfung aber fih unverweilt 
über den Fluß zurüdziehen, wozu einige Fahrzeuge ihnen 
überlaffen bleiben. 


: Snfeln, befonderd wenn fie bewacien, und bei größeren Belebung 


Fluͤſſen diesfeitd des Hauptſtromes find, werben in unfere der Inſeln. 
Auffiellung gezogen und noͤthigen Falls durch Fünftliche 
Mittel verfiärkt, um dem Feinde dadurd den Bortheil ihres 
Beſitzes zu entziehen. — Die dafelbft aufgeftellten Truppen 


208 





erhalten ihre: Verbindung. mit bem: diesſeitigen Ufer eutweder 
dur Brüden ober nrittelft eigend hiezu beftinntten: Schiffen. 

Der Dörfer .h. Dörfer und Walder, Die entweder unmittelbar am diesſei⸗ 

und Waͤlder. tigen Ufer oder nahe an demfelben liegen, werden verhälts 
nißmäßig bejegt, wenn fie ſich aber an Brüden und Furthen, 
oder an Stellen befinden, die den Uibergang begünftigen, 
oder wenn durch diefelben Dauptftraffen führen, fo find fie 
wichtige. Punkte, bie befonderd bei dem Entſchluße, den 

+ Midergang des Feindes am Ufer hartnädig zu vermehren, 

nad. der Erklärung des $. 3 und 4 diefer Abtheilung zur 

möoͤglichſten Vertheidigung vorbereitet und durch Verhaue 
und Verſchanzungen gedeckt werden müſſen. 

—E i. Den zur Bewachung des Ufers beſtimmten Truppen werden 

be leichte Geſchütze zugetheilt, deren richtige Placirung gegen 
die für den Feind vortheilhafteſten Uibergangspunkte einen 
bedeutenden Einfluß auf Die Bertheidigung Des ganzen Flußes 
"om Man verwendet fie daher: Ä . 
. Bei der Vertheidigung ber Brüden,, ſowehl in jenſei⸗ 
tigen Brückenköpfen, als in Batterien am diesſeitigen 
Ufer. 
2. Zur Beſtreichung der Furthen und ſeichten Stellen. 
3. Bei Vertheidigung derjenigen Flußſtrecen, die den 
Uibergang des Feindes begünſtigen. 
4. Auf diebſeitigen dominirenden Höhen. 
5. Bel der Vertheibigung haltbarer oder wichtiger Punfte, 
wie 3. B. Dörfer, Wälder, Inſeln u. dgl. 

Saangen und k. Um über die Gcfchäge gegen die Wirkungen des feindlichen 
Feuerd zu deden, werden für fie Batterien oder Schanzen 
erbaut, wodurd zugleich die wichtigſten oder bedrohteſten 
Punkte des Fußes eine größere Haltbarfeit befommen, Sie 
werden nad der Geftalt des Terraind. tracirt, befiehen bald 
and offenen Batterien, bald and geſchloſſenen oder rückwärts 
tambourirten abgeſonderten Werken, — uud. müflen übris 
gend im Stande fein, ſowohl den Fluß, ald hauptſächlich 

den Ort, we der Feind den llibergang unternehmen Eünnte, 
mit Vortheil zu beitreichen und fich fo lauge zu halten, big 
die Reſerven aurüden, um die Abficten des Feindes zu 
vereiteln und ihm den Vibergang zu verwehren. Man legt 
diefe Schanzen. bald näher, bald entfernter vom Ufer an, 





209 





md fichert fie fo. viel ald möglich gegen die Gewalt des 
Waſſers bei allenfalld fich ereignendem Anfchwellen und Aus⸗ 
treten des Flußes. 


Bei denjenigen, die man auf dominirenden Punkten nahe Einſchneiden 
am Ufer errichtet, kann man das ſogenannte Einſchneiden derſelben. 
mit Vortheil anwenden, wodurch die Deckung der Batterien 
um deſto ſchneller erzielt wird, — An Stellen, wo ſich 
Dämme an dem Fluße befinden, bediene man ſich derſelben 
gleich einer Bruſtwehr, und ſchneide für das beihabende Ge⸗ 
ſchütz Schußſcharten ein, oder baue Plattformen an. 


Bei Krümmungen, die gegen den Feind einen eingehenden Verſchanzte 
Bogen bilden, ift ed oft wicht rathfamı, Schangen nahe am Abſchnitte. 
Ufer anzulegen, beſonders wenn das jenſeitige dominirend 
ſt, da der Feind die Linien derſelben zu enfiliren oder 
yurch ein koncentriſches Feuer leicht zu zerſtören im Stande 
ein wird. An folhen Punkten ift ed daher befler, dag 
Ifer blos durch kleine Poften zu bewachen, die Sehne des 
Bogend aber mit Benügung jedes vortheilhaften Terrains 
‚egenftanded zweckmäßig zu verſchanzen. Hiebei trachte man 
in beiden Enden der Sehne Punkte zu gewinnen, von wo 
us man den äußern Bogen der Krümmung wenigſtens zum 
Theile enftliren kann. 


Uiber die näheren Detaild der an den verfchiedenen Fluß⸗ Brücenköpfe, 
ellen anzulegenden Werke, fo wie über Brückenköpfe bezies 
sn wir und auf den $. 7 und 11 dieſer Abtheilung. 


[V. Die zur Bewachung des Flußes längs dedfelben ges IV. Central, 
Kette, fammt ihren rüdmwärtigen -Unterftügungen und ungen der 
en, ift jedoch für fich zu ſchwach, um den Feind zurüczus aupttruppe. 
‚ wenn er auf einem Punkte mit überlegener Truppenzahl 
bergang erzwingen wollte. — Ihr Zweck ift bloß, deufels 
beobachten und ihn im Falle eines Angriffe fo lange 
Iten, bi6 dad Gros der zur Vertheidigung ded Fußes 
ten Truppe heraneilet, um dem Feinde den Uib Mang 
sehren. Dieſes Gros nimmt alſo feine Stellung auf einem 
hreren Gentralpunften, die in hinlänglicher Entfernumg vom 
gen, um ſich nicht der Gefahr des Uiberfalles auszuſetzen, 
füch zugleich mehrere Straflen vereinigen, und den Vortheil 
eien Bewegung nad allen Richtungen gewähren. 
14 


v 


Hauptgrund: 

faß bei Bes 

fekung eines 
Flußes. 


Schwierigkeit 
der Vertheidi⸗ 


gung längerer 


Slußftreden. 


‚ Uiberwies 
aende Bor: 
theile des 
Feindes bei 

felben. 


210 


m mE 
% 


Pie darf man jeboch feine Kräfte zu ſehr zerftreuen, und 
die Haupttruppe in kleine, auf verfciedenen Punkten aufgeftellte 
Korps zertheilen, um villeiht dadurd eine gleihfürmige Unter- 
ſtützung der ganzen Flußſtrecke erzwecken zu wollen. Diejed wäre 
äußerit gefährlich und nachtheilig, denn gelänge ed dem Feinde, 
mit feiner Hauptfraft auf einem Punfte überzufegen, jo würde er 
dann fchnell vordringen, unfere Aufftellungelinie durchbrechen und 
die ihm entgegenftehenden, überall zu ſchwachen Truppenförper 
zurüdwerfen, bevor die übrigen heraneilen und fi vereinigen 
fünnten. 

Der Hauptgrundfag für die Belegung eined Flußes ift 
alfo: das Ufer blos zu bewachen, bie vorhandenen Uibergangs⸗ 
punfte durch ftarfe Reſerven zu deden, die Mafle feiner Kraft 
aber zu foncentriren, und die Haupttruppe nadı Maß der Be- 
deutenheit der Flüffe und der Länge der zu vertheidigenden 
Linie — in ein oder zwei Aufftellungen vereint zu behalten, um 
im Falle eined Angriffed, wenn bie Abficht des Feindes errathen 
und der wahre lliberganspunft erfannt ift, diefen dann mit 
ganzer Kraft vertheidigen zu Fönnen. 


Se länger die den feindlichen Angriffen ausgeſetzte Fluß⸗ 
ftrecfe ift, defto ſchwerer ift ihre Vertheidigung, theild weil fi 
in derfelben mehrere den Uibergang begünftigende Punfte befinden, 
theild weil ed, wie oben berührt worden, unmöglicd, oder Doch 
äußerft gefährlich wäre, längs der ganzen viele Meilen langen 
Angriffefronte eine ununterbrochene Vorpoftenkette fammt den 
nöthigen Unterſtützungen und Reſerven derfelben zu bilten, — 
eine bedeutende Truppenzahl auf fo weite Streden zu vertheilen, 
und Dadurch Die Haupttruppe empfindlich und ohne entfcheidenden 
Nugen zu ſchwächen. 

Der Feind dagegen genießt die Bortheile: 

1. Sich auf dem jenfeitigen Ufer frei bewegen und fans 

meln zu fünnen, um dann mit vereinter Kraft an einem Punkte 


durchzubreden. 
2. Einen größern Raum zu Scheinmanöverd zu befigen, 


durch die ed ihm gelingen fann, unfere Aufmerkfamfeit zu theilen 


und vom wahren llibergangspunfte abzuleiten. 
3. Durch forcirte Märfche einen von und gar nidt oder 
nur ſchwach befetten, entfernten Punft zu erreichen, dafelbft den 


211 
ergang zu vollfuͤhren und von da in die Flanke unferer Auf⸗ 
ung zu wirken. 

Bei der Bertheidigung einer längern Flußſtrecke ift ed daher Erkennung 
rſeits nöthig, die ferneren Abfichten des Feindes und die ration 
rationslinie feiner Offenfive zu erkennen und daraus zu  finie, 
Ben, auf welchem Punkte er wahrfcheinfich übergehen und 
ringen werde, um diefen dann auc vorzugsmeile zu bewachen. 

Die Aufftelung unferer eigenen Hauptkraft aber muß Aufftelung 
rerfeitd auf jener Linie vereinigt werden, welche unfere eigene, Hauntteunpe, 
ſte Rückzugslinie deckt. — Sehr oft fällt dieſe mit der Offenſiv⸗ 
ıtiondlinie des Feindes zufammen, dann hat unfere Aufs 
ng die gediegenfte ftrategifche Stärfe, — oft aber ift fie 
jeden von letterer. In diefem Kalle darf fih ein Fluger 
penfommandant nicht irre machen laflen, und ſich von feiner 
ugelinie wegbemwegen, fondern er beobachte ruhig die Ents 
ıng der Operationen ded Feindes, und wende fi erſt dann 
einer Hauptkraft dahin, wo der Gegner durchzubrechen vers 
weil man fo ftetd zwifchen dem lekteren und der eigenen 
ugslinie ftehen und felbe decken wird. 

Um aber dem Feinde, wenn er an den übrigen, von unfes Fliegende 
auptfraft entfernten Uibergangspunkten einen Verſuch wagen Äbelnentiiben: 
dennoch entgegen zu wirken, und die daſelbſt aufgeftellte gangspunften. 
ye zu unterftügen, werden fliegende Korps gegen Die vers 
nen bedrohten Stellen detaſchirt. Dieſe müffen eine folhe 
yenftärfe befigen, daß fie ſchwache Angriffe zurücdwerfen, Ihre Stärke 
venn der Gegner mit größerer Kraft durchdringen wollte, 
venigftend fo lange aufzuhalten im Stande find, bis bie 
truppe anlangt. Se weiter fie alfo von diefer leßtern ents 
verden, defto ftärfer müffen fie fein, und vorzüglich eine 
gliche Anzahl Geſchütz bei fich haben, um dem Feinde durch 
euer derfelben den Uibergang zu verwehren. 
nat ein ſolches Korps blos einen Punft zu decken, fo ſtellt und Aufs 
felben gegenüber auf; wenn ed aber zur Bewachung von tellung. 
Jer drei llibergangspunften detafchirt wurde, fo nimmt ee 
1 Denfelben eine Gentralftellung und eilet von hier mit größter 
igfeit jenem Punkte zu Hilfe, melden der Feind angreift. 
Tdachdem bereits die Grundregeln über die Beſetzung dee 
ınd der Aufftellung der Hauptreſerven angegeben wurden, 
ı wir nun zu den Detail der Vertheidigung felbft. 

Ä 14* 


214 





unſere etwa vorhandenen Ecanzen gegen feine Angriffe mit 
größter Thätigfeit und Aufopferung bie auf das Aeußerſte vers 
theidigt, während Die angelangten Truppen ſich in mehrere An- 
grifföfolonnen formiren, und in Eoncentrifcher Richtung gegen den 
Uibergangepunft des Feindes losſtürzen. 

8. Dieſer Angriff muß geſchehen, bevor noch der Gegner 
mit allen feinen Truppen an das diesſeitige Ufer gekommen iſt, 
um ihn in einem Augenblide zu fchlagen, in welchem feine 
Kräfte getheilt find. Bor allem aber tradhte man, demfelben 
das Auswerfen von Gräben, die Anlegung von Schanzen und 
überhaupt alle Mittel zu vermehren, die er zur Dedung feines 
Debouſchirens anwenden fönnte. 


9. Gelingt ed dem Gegner unfere Gefchüge zu demontiren, 
die Schanzen zu erobern, und durd die Lliberlegenheit feiner 
Kräfte den Llibergang zu vollführen, fo erneuert man den Ans 
griff oder bezieht mit Benügung jedes vortheilhaften Terrainge⸗ 
genftandes eine rüdmwärtige Stellung, aus der man im Stande 
it, die Entwidlung des Feinded zu verhindern, fein weiteres 
Vordringen zu vermehren und ihn dadurch zu ermüden, oder 
wieder zum Rückzuge zu zwingen. 

10. Sind Fahrzeuge vorhanden, fo können diefe mit vielem 
Bortheile verwendet werden, indem man in einiger Entfernung 
eine ftarfe Truppenabtheilung überfcifft, den Feind felbft im 
Rücken angreift, um ihn von feiner Unternehmung der eigenen 
Sicherheit wegen abzuhalten. 

11. Oft gelingt ed, die vom Feinde errichteten Brüden 
durch große beladene Flöße, Brander, Minenfhiffe u. dgl. zu 
jerfiören, die Kommunikation der beiden Ufer zu trennen, und 
dem übergegangenen Theile dadurch den Rückzug abzufchneiden. 


12. Wird der Feind geworfen, fo trachten alle Geſcküͤtze 
durch ein verdoppelt fräftiged euer den Berluft desielben zu 
erhöhen, — einzelne Abtheilungen flürzen, wo es möglich ift, in 
das Wafler, um fi der feindlihen Pontond zu bemächtigen 
oder feine Brüden zu zerftören. 

13. IR man aber zum Rüdzuge genöthigt, fo verbrenne 
ober verfenfe man wenigftend noch früher alle, auf dem biegfeis 
tigen Ufer zufammengebracten Kähne, Flöße u. dgl., und ziehe 
ſich daun Tangfam vom Fluße zurüd. 








215 


— — 


Um den Uibergang mit weniger Schwierigkeiten und einem Scheinma⸗ 
ngeren Verluſte ausführen zu können, wird ber Feind alle indes 
lihe Mittel anwenden, unfere Aufmerffamfeit zu thetlen, 
unfere Hauptfraft vom wahren llibergangspunfte abzuleiten. 

So wird er 3. B. über den zum Angriffe beſtimmten Ort 
he Nadirichten verbreiten, an mehreren Stellen zugleich 
yereitungen zum Libergange treffen, Kolonnen gegen die zu 
inattaquen beftimmten Punkte marſchiren laffen, und übers 
t alled aufbieten, um feine Abficht zu verbergen, und zu 
ben und fo durch fortwährend abwechſelnde Manövers in. 
fel zu erhalten. 

Eine richtige Vergleichung jedoch der feindlichen Bewe⸗ Mittel, fie zu 
en mit feinen woahrfceinlich ferneren Dffenfivoperationen, erkennen. 
ie die Brauchbarkeit und Richtung der verſchiedenen, von 
Uibergangspunkten ausgehenden Straſſen ſind nebſt den 
richten, die man durch vertraute und ſchlaue Kundſchafter 
t, die beſten Mittel, um die Scheinangriffe des Feindes 
einen wahren zu unterſcheiden, und dieſen gemäß die zweck⸗ 
zſten Gegenanſtalten zu treffen. 

Bei der Vertheidigung der Flüſſe, beſonders von größerer Pauptregel 
„ bleibt e8 daher eine Dauptregel, den Sceinbewegungen iebel., 
ibergangsverfuchen des Feindes nach Kräften zu begeguen, — 
yaupttruppe aber ftetd beilammen zu behalten und nicht 
zu bewegen, ald bi8 man über die wahre Abſicht Des 
8 durch feine Diepofitionen und Die Art feines Angriffes 
namen überzeugt ift. 

Hat man aber den wahren Liibergangepunft erfannt, fo Vorruͤckung 
nit der ganzen Macht fo fihnell als möglich gegen den» eruBDe adden 
vorgerüdt und der Feind zurückgeworfen. Ein auf foldıe den wahren 
gonnener Angriff wird nicht nur feinen Zweck vollfommen libergangs- 
ı, foudern fann uns fogar die Möglichkeit verfchaffen, aus fpneller Ans 
fenſive in die Dffenfive überzugehen, wenn vielleicht der griff des 
noch nicht mit feiner gelammten Kraft herüber war; wir deindes. 
ber diesſeits theilweiſe aufreiben und ſodann .auf das 
Ufer überſetzen könnten, im Falle feine Kräfte den unſrigen 
ehr überlegen wären. Benehmen, 
jelingt es jedoch dem Feinde, unfere Aufmerffamfeit zu dur Schein: 
und durch Scheinbewegungen vom wahren Uibergangs⸗ angriffe ge: 
abzuleiten, an welchem berfelbe dann überfegt, fo detaſchirt räujht wur 


216 





man ſogleich einen ftarfen, mit hinfänglicher Artillerie verſe⸗ 
benen Truppenkörper, um fich dem Feinde im erften Beginne 
Fräftigkt entgegenzuftellen und feine Entwidlung zu verhindern. 
Hat fi diefer fhon verfhanzt, fo fucht man feinen Brüdenkopf 
durch Gefchüg zu zerſtören und wo möglichſt feine Brüde zu ver- 
nichten, oder doch wenigftend ihn felbt auf das andere lifer 
zurückzuwerfen. — Sf die hiezu detaſchirte Truppe zu ſchwach, fo 
hindert fie indeffen fo viel möglich dad Ausbreiten des Feindes 
auf dem bdiesfeitigen Ufer. Während dem febt ſich bie Happt⸗ 
macht in Bewegung, folgt dem voraudgelendeten Truppenkerper, 
und fucht den Feind, wie ſchon oben berührt wurde, zu fchlagen, 
bevor er noch ale feine Kräfte diegfeitö zu entwideln im Stande 
war, oder zieht fih im Kalle einer bedeutenden Uibermacht bed 
Gegners nadı Umftänden vom Fluße zurüd. ' 

SR man felbft in der Defenfive, mithin der ſchwächere an 
Kräften, dann ift ed nicht räthlich, mit Preißgebung der eigenen 
Rückzugslinie in dem Augenblide eined feindlichen Liberganges 
auf das diegfeitige Ufer ſelbſt die Offenfive zu ergreifen, an 
einem andern Punkte überzugeben, um dadurd den Feind zwingen 
zu wollen, feine eigene Unternehmung aus Furcht vor einem Ans 
griffe in deſſen Flanken und Rüden aufzugeben. Flußübergänge 
werden durch Uibermacht entfhieden. Wer daher mit felber auf 
dem entgegengeiekten feindlichen Ufer fteht, hat feinen Gegner 
abgefchnitten und in die gefahrvollfte Tage gebracht. 

Es gibt aber Fälle, wo wir dem Feinde an Kräften gleich 
oder nur um weniges ſchwächer find, diefer aber, um uns zu 
umgehen, einen llibergangspunft wählt, der ihn von feinen eigenen 
Kommunifationen entfernt, zu welchen wir alsdann mit unferer 
Hauptmaht näher ald der Gegner baben. — Sn diefen feltenen 
Fällen fann mau den feindlichen Febler benüten, ſchnell über 
den Fluß gehen, die dafelbft und gegenüber aufgeitellten Truppen 
fhlagen, und nach Maß ded Erfolgs entweder in feinen Rüden 
marfcdiren, oder ſchnell wieder auf dad diesfeitige Ufer zurück⸗ 
febren, und hier den übergegangenen Theil rafch augreifen und 
zurüdwerfen. 

Eiienfiver Oft geſchiebt ed, daß fich der Feind bei dem Uibergange 
auf oetbeilte in mehrere Angrifföfofennen theilt, die ums erlauben, mit unferer 
feindliche Xo: ganzen Macht zwifchen felbe zu fallen und fie einzeln zu fchlagen. 

lonnen. Gin fräftiger Truppen» oder Kerpölemmandant wird baher nie 





27 _ 





iefe Gelegenheit vorbeigehen laſſen, dad Kriegsgluͤck auf unfere 
zeite zu wenden, den Feind enticheidend anzugreifen, und nad 
folgten glücklichen Nefultaten fchnell nieder aus der Defenfive 
ı die Öffenfive überzugeben. 

Eine befondere Erwähnung verdienen noch die Wildftröme 
ver Torrenten Italiens. Sie entipringen auf den Gebirgsrücken 
r Alpen oder Apenninen, und find eine große Zeit des Jahres 
tweder ganz troden oder doch fehr waſſerarm; allein nad 
ıfigem Regen, oder wenn der Schnee in den Gebirgen zu 
melzen beginnt, ſchwellen fie mit Schnelligfeit an und füllen 
t Haft ihr ganzes Flußbett. — Gewöhnlich haben dieſe Tor⸗ 
ten eine bedeutende Breite und einen ftarfen Fall, weshalb 
z Mafler große Gewalt beflst, die Ufer gerftört, fih neue 
hnen öffnet und durch Uiberſchwemmungen viele Unglücksfälle 
urfacht. In jenen Zeiten alfo, wo fie mit einer mächtig, ftrös 
den Waſſermenge angefichmellt find, werden fie für den Feind 
ze Hinderniffe, und aber eben fo vortheilhafte Dedungsmittel, 
[8 weil der Gegner bei ihrer beträchtlichen Breite große 
tel zum Brüctenfchlage bedarf, theild weil die ftarfe Waſſer⸗ 
» Diefed Unternehmen fehr verzögert oder gänzlich unmöglich 
tt. — Da die Torrenten in ihrem ſchnellen Falle von Ges 
e Öteine mit fi reißen, die weiter abwärts wieder im 
nde des Bettes liegen bleiben, andererjeitö aber, befonderd X 
en Ebenen ded PBenetianifchen durch hohe Dämme einges 
fen werden, fo ift durch die Ränge der Zeit manches Fluß⸗ 
höher, als das umliegende Terrain, und wird nur durd die 
alt der Dämme gehalten, Diefe letteren fünnen daher bri 
esgefahr durchſchnitten und vortheilhafte Zugangsnunfte des⸗ 
ı Dadurch überſchwemmt werden, 


Wildftröme 
oder 
Torrenten, 


Durchſchnei⸗ 
dung ihrer 
Dämme. 


Die Beſetzung eines Schiffahrtkanals beruht im Allgemeinen Saifahrte 


en nämlihen Grundregeln, die für die Flüſſe angegeben 
n. Se breiter und tiefer fle find, defto mehr eignen fie ſich 
ertheidigung. Ein befondered Augenmerk verdienen: 

1. Die vorhandenen Brücen und Scleußen. 

2. Alle am Kanale liegenden Gebäude und Ortſchaften. 
3. Die über felben oder längs feinen Ufern laufenden 
ent. 

4. Seine verjhiedenen Wendungen, und ob fie und oder 
einde nadtheilig find. 


äle 


Hauptaugens 
merk bei fels 


ben. 


218 





— — — 


5. Jene Stellen, wo die Kanäle in einem gewölbten oder 
unterſtützten Rinnſale über Flüſſe, Bäche oder Schluchten führen, 
und die daher einer beſonderen Deckung benöthigen. 

6. Der Urſprung, oder derjenige Ort, woher ſie das Waſſer 
erhalten, und ob ed dem Feinde möglich iſt, letzteres abzuleiten. 

ee ut Kanäle, als künſtlich angelegte Wafferleitungen, laufen 
ertheidis , , n . , 
gung. Deshalb in einem beſchränkten, mit gemanerten Ufern eingefaßten 
Rinnſale meiftend in geraden Linien fort, die fih nur, wenn es 
nöthig ift, unter einem ftumpfen Winkel breden. Der Feind 
findet daher hier nicht fo viele zum Uibergange geeignete Stellen, 
als bei einem Fluße, der viele Krümmungen bildet, Inſeln ents 
hält oder bedeutende Gewäffer aufnimmt. 
ne Dagegen haben die Kanäle eine geringere Breite und 
Tiieefe; auc ift der ruhige Lauf des Waſſers dem Brüdenfchlage 
weniger hinderlich. 
eriiherung Auf jedem Kanale gibt ed eine Menge Schiffe größerer 
nen Schiffe. Gattung zur Berführung verfchiedener Handelsprodukte. Diefe 
müflen an das Land gezogen, unter Wade geftellt, oder uns 
brauchbar gemacht werden. 
PORN Bei Heinen Gewäffern und Bächen ift die Tiefe und Breite 
erund Bäche. ce . , a £r . 
gewöhnlich zu unbedeutend, um ein Hinderniß für den angreifen 
den Feind zu fein, fie fünnen daher bloß kleineren Truppenkör⸗ 
pern durch die Befchaffenheit ihres Uferd und des angränzenden 
Terraind Bortheile in der Vertheidigung gewähren. 


ne Diefes findet Statt, wenn fie: 
gung, 1. In einem tiefen Grunde fließen, und daher dem Feinde 


nur auf einigen beftimmten Punkten den Zugang geftatten; 

2. fih durch moraflige Niederungen winden, oder in ihrem 
Laufe Sümpfe und andere ftehende Gewäfler bilden; 

3. fteile Uferwände haben, und das biegfeitige Terrain 
das jeufeitige dominirt; 

4. durch Damme in ihrem Rinnfale geftaudet oder zu einer 
lliberfhwemmung der vorwärtigen Gegend verwendet werben 
können. 

Durch dieſe Eigenſchaften werden ſelbſt kleine Gemäfler 
wichtige und militäriſch zu berückſichtigende Terraingegenſtände, 
welche eine geringere Truppenzahl, als Züge, Kompagnien, Ba⸗ 
taillons im Ruͤckzuge oft ſehr begünftigen, die offenſiven Bewe⸗ 
gungen des Feindes aber erſchweren und uns daher beſtimmen, 








219 





auch mit größeren Abtheilungen hinter denfelben eine Aufs 
lung zu nehmen. 

In diefem Falle fucht man die Vertheidigungsfähigfeit des Sielungen 
rrains durch künſtliche Mittel ‚ wie z. B. durch Uiberſchwem⸗ hinter jelben. 
ngen, Verhaue oder Verſchanzungen zu erhöhen. Die Krieges 
hichte meifet und mehrere Beifpiele von Stellungen hinter 
pfigen oder in einem tiefen Grunde fließenden Baͤchen auf. 

Art ihrer Vertheidigung richtet fih nad dem Terrain und 
Nofichten Ded Kommandanten, und wird in der folgenden 
heilung erörtert werden, bie fih mit der Vertheidigung und 

Angriffe der Stellungen insbefondere befchäftigt. 

Auch zur Sicherung der Winterquartiere können Heine Ges Anwendung 
er vortheilhaft benügt werden, indem man die Poften längd quartieren. 
Iben audftellt und die allenfalls vorhandenen, ſchwächeren 
fte durch Verhaue oder Verfchanzungen dedt. 


Angriff ’ 


Der Angriff eined Stromes, eined größern oder Fleinern Zwed des Ans 
es, fo wie überhaupt jedes Gewäſſers hat zum Zwede, den Den 
rgang über felbe zu bewerfftelligen, am jenfeitiegn Ufer 
o zu faflen und den dafelbft aufgeftellten Feind zu vertreiben. 

Tiefe Unternehmung erfordert genaue Vergleichung unferer Erforderniß 
te mit jenen des Feindes und richtige Zeitberechnung in allen biebel, 
en Bewegungen. Ge Eleiner die Angriffsfronte eines Flußes, 
je ftärfer der Feind ift, der fie vertheidigt, defto fdwerer . 

e Ausführung eines Uiiberganges, weil der Gegner das Ufer 

bewadıt und überhaupt feine Kräfte mehr foncentrirt haben 

als bei einer audgebehnteren Vertheidigungslinie. 

Bor allen ift es nöthig, ſowohl die Etellung des Keindes, Kenntniß tes 
e Beſchaffenheit des Terrains zu kennen und daher zu wiſſen: Jertgine und 
1. Ob die vorhandenen Brücken abgetragen und zerſtört Stellung. 
n, oder ob fie beſetzt und durch Brückenköpfe gedeckt find. 

2. Mo fih Furthen, feichte Stellen, einfpringende Krüm⸗ 

nn und andere, den llibergang begünftigente Punkte in der 
-eifenden Linie befinden, und welce Bortheile fie und ges 
. 

3. Ob fie der Feind erkannt, und welche Vorbereitungen 


ihrer Bertheidigung getroffen hat. 





Uibergang 
mit offener 
Gewalt. 


220 

4. Wie breit umd tief der Fluß daſelſt ift, um beurtheifen 
zu fönnen, ob man das jenfeitige Ufer blos mit Geſchütz oder 
auch nit Kleingemehrfeuer zu erreichen im Stande ift, und um 
das nöthige Materiale, fo wie die zum Brüdenfchlage erforder: 
liche Zeit zu beredinen. 

5. Wie und nit weldhen Waffengattungen der Feind das 
jenfeitige Ufer befert, dann wo er Verſchanzungen angelegt hat. 

6. Wo und in welcher Entfernung vom Ufer fich feine 
Neferven, oder die zur Dedfung der bedrohten Stellen detaſchir⸗ 
tem, fliegenden Korps befinden. | 

7. An welchem Punkte er daher unfern Angriff vermuthet 

8 Wie viel Zeit feine Reſerven oder fliegenden Korps 
benöthigen, um die verfihiedeuen Punkte zu erreichen, wo wit 
den llibergang ausführen wollen. 

9. Mo endlich die Haupttruppe des Feindes fteht, und ob 
fie fih auf ihrer eigenen Nückzugslinie, oder auf jener unferer 
ferneren offenfiven Operationen befindet, falls beide nicht in ein 
und dieſelbe zufanmenfallen. 

Man gelangt in Kenntniß aller diefer Gegenftände: 

1. Durch ausgeſchickte Patronillen, 

2. durch felbft vorgenommene Rekognoscirungen, 

3. durch übereinftimmende Ausfagen der Landesbemohner, 

4. durch Nachrichten vertrauter Kundfcafter. 

Erft dann ift man im Stande, die Art des Angriffes zu 
beftinmen, und eine richtige Dispofition zur Bewerfftelligung ded 
Uiberganges zu entwerfen. 

Es ift jedoch bei Heineren Flüffen und Gewäſſern, die oft 
von Avantgarden genommen werden follen, nicht immer jene 
umftändlihe Vorkenntniß alled deſſen nöthig, was bei Stroms 
übergängen zum umerläßlichen Erforderniß eines überdachten 
Angriffed gehört. — Allein aud bei kleineren Truppenabtheiluns 
gen und geringeren Gewäflern muß ftetd eine fchnelle Nefognod 
cirung der feindlichen Stellung vorausgehen, um die günftigften 
Punkte zum Angriffe fchnell zu erfennen, und hiernach die übrigen 
Vorbereitungen zu treffen. 

Der Angriff eines Flußes wird entweder mit offener Ge 
walt, oder durch einen Liberfall ausgeführt. 

Erſteres ift gemöhnfich mit vielem Verluſte verbunden, weil 
der Feind an den vorhandenen Libergangspunften feine Kräfte 














221 





meln und und einen bartnädigen Widerſtand Ieiften wird, 
dagegen unfere Truppen nur theilmeife an das jenfeitige 
° bringen fünnen, wo fie auf einen Fleinen Raum beichränft 
den foncentrifchen Angriffen eines überlegenen Gegners auds 
6t find. 
Uibergänge mit offener Gewalt werden daher meiltend 

dann unternommen, wenn 

1. der beabſichtigte Zweck auf Feine andere Art erreicht 
en kann, 

2. die Beichaffenheit ded Xerraind ung günftige Punkte 
ietet, 

3. wir dem Feinde an Truppen und Artillerie aberlegen ſind, 

4. es ſich darum handelt, fo ſchnell als möglich Meifter des 
itigen UÜferd gu werden, und 

5. wenn ed und gelungen ift, den Feind zu täufchen und 
Hauptfraft vom wahren Uibergangspunfte abzuleiten, wo 
dann nur gegen ſchwache Abtheilungen zu fämpfen haben, 
unfere Abficht mit weniger Berluft zu erreichen im Stande find. 

Dft ift ed auch möglich, die Paflirung eines Flußes durch Durch 
glüdtich ausgeführten Uiberfall zu vollführen. Dies fordert Uiberfall. 
ı Daß größte Geheimniß und gelingt meiltend nur Dann, 

die feindlichen Poften am Ufer nachläſſig iind, der Fluß 

breir ift, oder ein befonderer. Zug des Waflerd die mit 
zen beladenen Schiffe zu dem feindlichen Ufer gleichfam mit 
rtreißt. 
Der Uibergang mit offener Gewalt befteht entweder in der Arten des ges 
mung einer vorhandenen Brüde, die der Gegner pertheis Wibernanges, 
„der in der Erriditung neuer Kommunifationen, und dem 
Ben der Truppen an einem Punkte des Flußes unter dem 

der feindlichen Aufftellung. 
Wir befihränfen uns hier auf den Ichten Fall, und vers 

in Hinſicht des Angriffes einer Brüde auf den folgenden 
er Abtheilung, 
Bor allen ift ed nöthig, die Mittel zu kennen, deren man Mittel hiezu. 
r Ausführung des Lliberganges bedient. Hieher gehören 

rer Armee: 

. Pontong, 
. Raufbrüden, welche bei den verfchiedenen Korps und 
en eingetheilt werden, um in Ermanglung beftehender 


Pontons⸗ 
brücken. 


222 





Brücken mit denſelben über Ströme, Fluͤſſe und andere Gewäffer 
neue Kommunifationen zu errichten. 

Die Pontons find größere Schiffe, die mit Anfer im Grunde 
eines Flußes befeftiget, und über welche dann die Strefbalfen 
und Bohlen gelegt werden. Man fchlägt diefe Gattung von 
Brücen entweder aus einzelnen Pontond, oder mit Gliedern von 
3 Schiffen. Im erften Falle rechnet man von der Mitte des 
einen Pontond bie zur Mitte des andern 3 Klafter. Da aber 
aus verfhiedenen Urfachen, und befonderd wegen Belchädigung 
mancher Pontond oder eintretenden Hochmäflern bei längeren 
Brüden Reſerveſchiffe erforderlich find, fo zählt man im Allge- 
meinen auf eine Flußbreite von 100 Klaftern 36 Pontond. 

Bei Brüden, welche mit Gliedern von 3 Pontond gefchlas 
gen werben, rechnet man für jedes derfelben 44 Schuh, folglich 
find bei einer Flußbreite von 100 Klaftern 13 Glieber und 2 
Schiffe oder in allem 41 Pontons nöthig. 

Die dem diesfeitigen Ufer nächſten Pontond ober Schiffe» 
glieder werden durch Seile an Bäume oder Pfähle befeftiget, 
die übrigen von eingelegten Ankern feltgehalten, welche aber, 
um jede Schwanfung möglichft zu vermeiden, wechſelweiſe ober 
und unter der Brüde eingelenft werden müflen. Auch zieht man 
oft zur größern Sicherheit durdy die an beiden Enden der Pon⸗ 
tond befindlicken Ringe ſtarke Taue quer über den Fluß von 
einem Ufer. zum andern. Größere Brüden haben gewöhnlich in 
ihrer Mitte einen beweglichen Durchlaß, welder aus 2 oder 3 


Schiffen befteht, die ein und herausgefchwenft werden fünnen. 


Laufbrüden. 


Was die zum Brückenſchlage erforderliche Zeit betrifft, fo 
fann felbe nur approrimative beitimmt werden, weil bie auf den 
Bau einwirfenden Urfachen; ald Beichaffenheit der Ufer und des 
Anfergrundes, fo wie die Flußgeſchwindigkeit ſtets verfchieden find. 
Sm Durdfchnitte aber fann man zum Brücdenbaue allein, alle oft 
ſehr mühfamen Vorbereitungen abgerednet, für jeded Schiff 5 Mis 
nuten annehmen. 

Die Laufbrüden werben von den Pionnieren geſchlagen, 
und treten bei Flüffen und Gewäflern von weniger Tiefe in Ans 
wendung. — In der öfterreichifchen Armee find fie gegenwärtig 
fehr vervollfommt, für alle Waffengattungen gangbar, und wers 
ben mit großer Schnelligkeit errichtet, Jede Brüdenequipage 
dient für eine Flußbreite von 30 Klaftern, und beſteht aus 7 





2233 


———— 





egbaren Böcken, 8 halben Deckelſchiffen, die zuſammengeſtoßen 
anze ausmachen, einigen Reſerveböcken, und dem übrigen zum 
ickenſchlage nöthigen Materiale. Sobald man das Profil des 
Bes fennt, werden die Böcke theilweife in einer Entfernung 


22 Schub, 6 Zoll von einander in das Waſſer gefegt, nadı - 


Tiefe der verfchiedenen Punkte auf gleiche Höhe geftellt, und 
dieſelben dann die Tragbalfen gelegt. Diefer Böcde bedient 
fich bid zu einer Waflerhöbe von 10 bis 12 Schuh, follte 
Fluß jedoch an einigen Stellen eine größere Tiefe haben, fo 
ven dafelbft die Dedelichiffe eingebaut, und mit Ankern in 
Grund des Waflerd befeftigt. Was die zum Brüdenfchlage 
derliche Zeit betrifft, fo fann man auf obige Flußbreite von 
Rlaftern beiläufig eine Stunde rechnen. *). 

Sehr oft gefihieht ed jedoch, daß im Laufe der Krieges 
ıtionen bald größere, bald Kleinere Truppenabtheilungen in 
Marſchdirektionen über Waffer zu fegen haben, ohne mit 
ons oder Laufbrüden verfehen zu fein. — Hier kommt es 
darauf an, entweder Kommunifationen, die vom Feinde 
rt wurden, wieder brauchbar zu machen, oder fih Noth⸗ 
Eilbrüden zu errichten. — Was die Herftellung zerftörter 
abgetragener Brüden betrifft, fo erfordert felbe mehr Zeit, 
fomit hängt die Berechnungsweiſe von der Kofalität, dem 
rftande des Feindeds, von den vorhandenen Mitteln und 
Yaupt von fo vielen Umftänden ab, daß es unmöglich ift, 
Detaild anzugeben. Wir befchränfen uns daher blos auf 
rflärung einiger Nothbrücen, welche im Felde vorzugsweiſe 
ebrauche und in vielen Gelegenheiten vom größten Nugen 
theild weil man nie fo viele Pontons und Laufbrücken mits 
um jede felbftftändige Truppe damit verfehen zu können, 
weil die Befchaffenheit der Were oft dad Anlangen des 
ntraind da verjpätet, wo die Umſtände vor allen Schnellig- 
"fordern. 


>urch die in der neuejten Zeit noch ftattgefundene weitere Bervolls 
smmnung der Raufbrüden, befonders hinfichtlich der fhmwimmenden 
‚nterlagen, iſt der große Vortheil erreicht worden, diefe Gattung 
er Kriegsbrücken bei Slüffen und Etrömen von jeder Waffertiefe 
Ugemein anwenden zu können. 


Noth⸗ oder 
Eilbrüden. 


Nutzen ders 
felben. 


Schiffbrůcken. 


daßbrücken. 


Floßbrücken. 


224 





Zu denſelben gehören: 

1. Sciffprüden, wozu man die Fahrzeuge längs des Flußes 
requirirt, und wie Pontons zur Schlagung einer Brüde ver 
wendet. Die nothwendige Anzahl derfelben hängt eigentlich von 
ihrer Tragbarfeit und von der Länge der Gprgfhalten ab, zu 
welchen man lange Baumftämme, die Balken abgetragener Dächer, 
oder fonft vorhandenes Bauholz verwendet, Gewoͤhnlich werden 
dieſe Brücken mit Gliedern aus mehreren Schiffen gelchlagen, 
welche bei einem reißenden und tiefen Waſſer nach, Mögficteit 
befeitiget werden müffen. In Ermanglung der Anfer verwendet 
man hiezu gefüllte Spreuförbe oder Mühle und andere große 
Steine. 

2. Faßbrücken, zu welhen man die ırhige Zah von Fäßern 
und Tonnen in den nächſten Ortfchaften, requiritf, Ziel und 
zwei derfelben werden, nadıdem man ihre Wafferhaltigfeit genau 
unterfuht und die Zapfen feſt eingefhlagen hat, mittelt eins 
in dad Spundloh geftedten Knebeld an einen Querlatten von 
der Länge ihres doppelten Durchmeflerd gebunden, und 3 oder 
4 Paar derfelben durch einen ftarfen Balken zu einem Brüdens 
gliede vereinigt, an deffen beiden Enden man noch ein einzelnes 
Faß befeftigt. Nach Befchaffenheit der Laſt werden diefe Glieder 
mehr oder weniger von einander entfernt, die Rängenbalten darauf 
gelegt und diefe dann mit Bretern gededt: 

3. Floßbrücken, zu melden man entweder bereits vorhats 
dene Flöße verwendet, oder legtere felbft erzeugt, in welchem 
Falle man hiezu leichtes Holz wählt, und die Baumſtaäͤmme 20 
Schuh lang abſchneidet. Die Flöße werden theild durch Geile, 
die zu beiden Seiten an das Ufer gezogen find, theild durb 

jefenfte Anker, Spreuförbe oder Mühlfteine im Fluße feſt⸗ 
alten, mit ftarfen Balken unter einander verbunden und dieſe 
n mit Pfoften belegt. Um die Brücke über den Wafferfpiegel 
ir zu erheben, fann man aud auf jedes Floß 2 oder 3 Balken 
r Feine Böcke ftellen, und über diefe erft die Brücke ſchlagen. 
4. Bocbrüden find einfach und fehr nüglih, aber nur in 
‚m rubigen und nicht tiefen Waſſer zu gebrauchen. Man 
mt hiezu ftarfe Mauerböde, die 9 bis 12 Schuh von einan 
geſtellt und wie gewöhnliche Joche überdedt werden. 

5. Wagenbrüden find nur bei geringer, höchſtens 3 bis 4 

ıuh betragender Waffertiefe anwendbar, und werden auf folgende 


225 





errichtet. Man fährt nach Beichaffenheit ber Breite des 
jes zwei, brei oder noch mehr Wägen dergeflalt neben eins 
r, baß die Zwifchenräume 1 bid 2 Klafter betragen, beichwert 
mit Steinen „ damit fie vom Waffer nicht gehoben werden 
en, und uͤberdeckt fie dann mit Balken, Pfoften und Bretern. 
die Wafferhöhe bedeutender, fo kann man aud auf diefe 
en 3 bis A mit Steinen oder Sand grfüllte Fäfler ftefen, 
über diefe Dann die Tragbalken legen. 

6. Die fliegenden Brücen beftehen aus zwei ober drei 
inem Zwifchengerüfte verbundenen Sciffen, welche mittelft 
ttarfen Taues an einem in der Mitte des Flußes ausges 
nen Anker befeftigt find, und um diefen Mittelpunft fi von 
ı Ufer zum anderh bewegen. Zuweilen laufen ſolche Brüden 
ft Rollen an einem Seile, welches quer über den Fluß ges 
t wird. 


Flie Meg 


den 


Außer ben erwähnten Nothbrüden gibt ed noch andere Aus verſchie⸗ 


T, um ſich über Gewäfjer neue Kommunikationen zu ers 
1. — Die Feldzüge der neuern Zeit ftellen und häufige 
iele dar, wie man fich in folcher Gelegenheit zu helfen habe, 
8 hauptſaͤchlich darauf ankommt, alle im Augenblide vors 
nen und zum Brüdenfchlage tauglihen Materialien gehörig 
rwenden. — Oft fünnen Mauerböde, Wägen, Schiffe und 
zwedmäßig vereinigt werden, um Kommunikationen ſchnell 
ichten, indem man die erfteren nahe an den Ufern und an 
ichten Stellen anbringt, lettere aber dort einbaut, wo das 
r eine größere Tiefe oder Gewalt befigt. 

Schwache Brüden fann man in einer Höhe von 1 bid 2 
mit Stroh, jungen Reiſig oder Mift belegen, durch deren 
iebigkeit der Druck der Laft fehr viel vermindert wird. — 
jefchieht auch öfter bei ftärferen Brüden, theild zur Ver⸗ 
ung ber Schwankung, theild um defto eher jede Beſchädi⸗ 
u verhüten. 


denem Mate⸗ 


riale zuſam⸗ 
mengefeßte 


Notpbrüden. 


Verſtaͤrkung 
ſchwacher 
Brücken. 


Bei Paſſirung einer Brücke ſitzt Die Kavallerie ab, und Beobachtung 


bei Paſſirung 


die Pferde an der Hand. — Die Infanterie eilt ohne y., Brüden. 


und Takt fo ſchnell ald möglich über dieſelbe; — dad 
3 und übrige Kuhrwerf darf ebenfals nicht anhalten, fons 
ihrt im Schritt unaufgehalten fort, und um feine Stodung 
ugen, muß die Ausfahrt geebnet und alle Hinderniſſe zur 
geichafft werden. 
15 


226 





Durchwaten Hat ein Fluß Furthen, oder iſt er nicht allzutief und reißend, ſo 
Der en kann man ohne Brücen durcfegen; doch muß man im Voraus 
Gemwäfler. verfichert fein, daß erftere nicht vom Feinde verdorben wurden, 
und überhaupt die Belchaffenheit ihres Grundes genau prüfen, 
Für die Kavallerie darf das Waſſer höchftend A, für die Infan⸗ 
terie aber höchftend 3 Fuß Tiefe haben. Bein Durchwaten 
felbft werden die Reihen oder Glieder geöffnet, und 3 oder 4 
Mann halten fih mit den Armen zufammen, um auf foldhe Art 
dem Strome freien Lauf zu laffen, und der Gewalt des Waflerd 
leichter zu widerftehen; — oberhalb der Furthe aber Kavallerie 
geftellt, oder fonft andere Vorkehrungen getroffen, um die Kraft 
ded Stromes zu brechen. Ein folcher Uibergang wird nur inter 
der Leitung guter Führer unternommen, und wo Wiöglich der 
Gang der Furthe fhon im Voraus durch fange Stangen auögeftedt. 
Durchſchwim⸗ Die Kavallerie kann auch ſchwimmend einen Fluß über 
Er fegen. Die Pferde werden hiebei immer hoc im Zügel gehals 
ten, und der. Kopf des hintern kommt auf den Sattel des vor 
dern zu liegen. — Welchen Nugen ein ſolches Unternehmen ge: 
währen kann, liefert und die Schladt von Würzburg, wo unler 
erhabener Anführer Erzherzog Karl fih an der Spige der Ka 
vallerie in die Fluthen des Mains ftürzte, hierauf in die lau 
fen des überrafchten Feindes fiel und dadurch den Sieg entichie. 
Shwimmen - MUiberhaupt ift es ſowohl bei der Vertheidigung ald beim 
ber Inlan⸗ Angriffe der Flüffe, fo wie in vielen anderen Gelegenheiten bed 
Krieges vom enticheidendften Nußen, wenn fich auch bei der Ins 
fanterie, und vorzüglich bei den leichten Truppen viele Leute 
befinden, die ded Schwimmens fundig find, da diefer Umftand, 
beſonders bei Avantgarden, häufige Vortheile gewährt. 
een, Nach diefen Erklärungen über die verfchiedenen Mittel zum 
s 8 Uibergange, ſchreiten wir nun zu der Dispofition und der An 
griffsart eined vom Feinde befegten Flußes. Schon bei be 
Vertheidigung haben wir jene Stellen angegeben, welche durch 
ihre Eigenfhaft und Lage den Uibergang begünftigen, theild 
weit fie und im Augenblide des Angriffs Vortheile gegen den 
jenfeitö aufmarfchirten Feind darbieten, theild weil fie die Länge 
der zu fchlagenden Brüde verkürzen, oder bie hiezu nöthigen 
Borbereitungen decken. 
Wahl et | Die Bellimmung des Orted, an welchem ber Hanptüber 


sangepunftes, gang volführt werden fol, hängt von unferen ferneren Abſichten, 








227 





Beihaffenheit der Wege, der Stellung des Feindes und an- 
ı Umftänden ab, fo daß fid hierüber Feine allgemeinen 
idſaͤtze aufitellen laſſen. 

Doch muß hiezu ein ſolcher Punkt gewählt werben: Eigenſchaften 
1. Der uns die meiſten Vortheile im Angriffe darbietet, deſelben. 
2. die Schlagung der Brücke nach Möglichkeit erleichtert, 

3. das Debouſchiren unſerer Truppen begünſtigt, und das 
its aufgeſtellte Geſchütz in Stand ſetzt, den Aufmarſch der⸗ 
zu unterſtützen, 

4. wo das jenſeitige Terrain und die Baſchaffenheit der 
ft befindlichen Wege fowohl die Entwidlung der Truppen, 
r weitered Vorrücken nicht verhindern, 

5. endlich fehr oft da, wo der Feind den Angriff am wenigften. 
thet, oder wo feine Neferven fo weit ruͤckwärts aufgeſtellt 
daß vor dem Anlangen: derfelben eine hinlänglich ftarfe 
venzahl den Uibergang fchon volfführt haben Fann. 

Diefe taftifchen Vortheile find aber den Bedingungen uns 
rdnnet, die aud den Grundfäten der höhern Kriegskunft 
gehen, dad man nämlich durch die Wahl des Uibergangs⸗ 
8 


L. ſich nicht zu fehr von feiner offenfiven Operationslinie 

je, oder 

2. dem Feinde die eigene Rüczugslinie Preis gebe, ſondern 

r 

. felbft deflen Kommunikationen zu bedrohen, und ihn 

u einem fchnelen Rüczuge zu bewegen im Stande fei. 

‚ft der Hauptangriffepunft gewählt, dann werden die näs 

Dißpofitionen entworfen, um den Uibergang mit geringem 

» und möglichſter Gewißheit ausführen zu fönnen. 

e länger die Flußftrede ift, defto fihmerer wird dem Dortheife bes 

ihre Bertheidigung, da er gezwungen ift, mit feiner Haupt en ⸗ 

ine Gentralpofition zu beziehen, und den übrigen Theil Flußſtrecken. 

Bed aber nur durch fchwache Abtheilungen beobachten zu 

Der Angreifer dagegen genießt, wie wir bereits erwähnt 

in Diefem Falle den Vortheil, ſich frei bewegen und feine 

ı maßfiren zu können, um mit vereinter Kraft an einem 

‚aften Punkte den Uibergang zu unternehmen. 

ezu ift aber dad größte Geheimniß erforderlich, damit Geheimhal⸗ 

ıd unfere Abfichten nicht errathen und Gegenanftalten zur tung He 
15 * 


23238 





Bertheidigung der bedrohten Stellen treffen könne. — Alle Bor: 
bereitungen und Bewegungen müflen dem Gegner den wahren 
Angrifföpunft verhüllen, und feine Aufmerffamfeit vielmehr von 
bemfelben ableiten. A 
Mittel, den Man verbreite baher faliche Nachrichten über unfer Bor 
an haben, bewege Kolonnen gegen verichiedene Richtungen, made 
an mehreren Orten Vorbereitungen zum llibergange, requirire 
dafelbft Schiffe, Flöße u. dgl., — und biete überhaupt alles. auf, 
um ben Feind zu überliften und ihn zu verleiten, entweder feine 
Truppen in Meine Korps zu vertheilen, oder fich mit feiner 
Hanptkraft gegen einen Punkt zu wenden, auf den er, irre ge 
leitet durch unfere Scheinmanöverd, die Hauptattaque vermuthet. 
Vorbereitun⸗ Waͤhrend man daher den Gegner auf die vorerwaͤhnte Art 
—* — in Zweifel zu erhalten trachtet, und bald dieſen, bald- jenen 
Punkt des Flußes bedroht, werden in größter Stille alle nöthi 
gen Vorbereitungen zum Hauptangriffe getroffen, um diefen dam, 
fobald ſich ein günftiger Augenblid darbietet, auch mit Kraft 
ausführen zu können. 
Hauptaugens Hiebei kommt ed jedoch hauptſächlich darauf an, im Augen 
bee blide des Uiberganges nur mit ſchwachen Trupppenabtheilungen 
fireiten zu dürfen, die wir durch unfere Uibermacht zurüddrängen 
und dadurch den Vortheil erlangen, am jenfeitigen Ufer fo viel 
Raum zu gewinnen, um fich dafelbft feitfegen und dem Angriff 
. der herbeieilenden feindlichen Hauptmacht die Stirne bieten ji 
fönnen. Hiezu gehört aber Schnelligkeit und Kenntniß der Steh 
Iungen des Feinde. . 
Zeitberech⸗ Somit iſt erforderlich, die Zeit zu berechnen und zu ver 
"el pe gleichen, die wir vom Augenblide des Angriffes bis zur Bolm 
dung der Brüde, und der Entwidlung einer hinlänglichen Trup⸗ 
penzahl am jenfeitigen Ufer, — der Gegner aber zur Erreichung 
des bedrohten Punktes mit feinen größeren Streitkräften ben 
thiget. Diefe Zeitberechnung laͤßt fih zwar wegen manderie 
Zufällen und dem Grabe der Gegenwehr, die und der Fein 
leiftet, nicht genau beftimmen, hat aber dennoch einen fo bebew 
tenden Einfluß auf die ganze Dispofition und das Gelingen dei 
Angriffed, daB wir und wenigftend in einem approrimativen 
Kalkul ohne Gefahr, das Unternehnen fcheitern zu fehen, nicht 
geirrt haben dürfen. — Died voraudgefegt, fchreiten wir nun 
zur Erklärung des Angriffes felbft. 








2329 





Die’Ayantgarde unternimmt zuerft ben Uibergang, und Marfch der 
(hirt daher mit größter Stile und Schnelligkeit gegen den Srandun 
beſtimmten Punkt, in deſſen Nähe fie fo viel als möglih üiber⸗ 
Feinde unbemerft anlampen muß. Ihre Borhut bilden nach Langepunkt. 
affenheit ded Terrains leichte Infanteries oder Kavalleries 
yen, und an der Queue der Kolonne befinden fich die Pons Brüdentrain, 
: oder Raufbrüdenequipagen, — oder bei Mleineren Truppen⸗ 
lungen dad zum Brücdenfchlage zufammengebradte Mate⸗ 

, Die Avantgarde muß überdied bei größeren Flußäbergäns Grforderniß 
mit Pionnierabtheilungen und Zimmerleuten, fo wie mit dem Shanybau. 
Bau von Batterien nöthigen Schanzzeug und einer hinlängs 

Zahl von Kafchinen und Schanzkörben verfehen fein. | 
Das Gros derfelben bleibt hierauf in einiger Entfernung Belebung des 
Ufer nach Umftänden entweder in Kolonne oder in Fronte Uſers. 

5 — von ihrer Bortruppe aber werden gleich beim Anlans 
yafelbft verhältnißmäßige Abtheilungen nach der Beſchaffen⸗ 
des Terraind audgeftellt, um fich des dieöfeitigen Ufers zu 
ern, längs desſelben eine Tirailleurfette zu bilden, und wo 
» Breite ded Flußes zuläßt, im Augenblide des Angriffes 

den Feind ein lebhafted Feuer zu beginnen. 

Auc wird eine Anzahl Pontonierd, Pionnierd und Zims Bewerkitellis 
ıte der Bortruppe beigegeben, die gleich vom Anfange dazu —E 
ndet werben müflen, um hohe Ufer abzuſtechen, Wege zu 

a oder zu erweitern, Kleine Gewäfler oder Gräben zu übers 

t, oder andere Vorbereitungen zu machen, um baburd 
ıgehinderten Vormarſch und die Einfahrt zur Brüde vors 

ten. 

Die Gefchüge werden entweder nahe am Ufer, oder weiter Placirung des 
rts, wo möglich durch das Terrain gedeckt, placirt, doch GBeſchütes. 
», daß fie im Stande find: 

.Das jenfeitige Ufer Eoncentriich zu beichießen, und bas 

vom Feinde zu reinigen. 

. Die Batterien ded Gegners zu Ddominiren oder zu 

tt. 
. Uiberhaupt nach der verfciedenen Lofalität den Angriff 

ißig vorzubereiten und Fräftigft zu unterftügen. 

die Wirkung ihres Feuerd wird um deito größer fein, da Wirkung if 
‚m Uibergange ftets ſolche Punkte wählt, die unfererfeirs res Feuers. 
eingehenden Winkel bilden, fa daß die am biesfeitigen 


Errichtung 


yon 


Batterien. 


Schwim⸗ 
mende Batte⸗ 
rien, Kano⸗ 


nierſcha⸗ 
luppen. 


Angriff ſelbſt. 


Schein⸗ 
attaquen. 


230 





Ufer aufgeführten Gefchüte den jenfeitd zwilchen den Bogen und 
der Sehne liegenden Abſchnitt koncentriſch beftreichen. 
Unter dem Schuge dieſes Feuers wird auc der Bau von 
Batterien, wenn felbe nöthig erachtet werden, angefangen und 
ununterbrochen fortgefeßt, um bie Geſchütze fo fchnell ald mögs 
lich in diefelben einzuführen, und ihnen dadurch eine Dedung zu 
verfchaffen. — Hat der Feind zur Sicherheit des Widerganger 
punktes am jenfeitigen Ufer fchon früher Schanzen ‚errichtet, die 
durch ihr Feuer unfere Arbeiter zu ftören oder unfer Geſchütz 
zu demontiren im Stande find, fo ift ed am beften, des Nachts 
Die nöthigen Batterien aufzuwerfen, die Kanonen einzuführen, 
und mit Anbruc des kommenden Tages die Attaque zu 


‚beginnen. | 2. 


War ed möglich, einige ſchwimmende Batterien oder Kar 

nonierfhaluppen audzurüften, dann können diefe fehr vortheilhaft 
verwendet werden; — befonderd aber bei größeren und breiteren 
Strömen, wo man mit denfelben näher an das jenfeitige Ufer 
ruft, um den Feind Davon zu vertreiben, und den Libergang 
ju decken. 
Nach diefen Voranftalten beginnt der Angriff felbit mit 
Geſchütz⸗ und Gemwehrfeuer, und mährend dieſes den Feind zum 
Wanken und feine Batterien zum Schweigen bringt, tradıte man 
augendliclich fo viel Truppen ald möglich zu überfegen, und 
bediene fich hiezu der Pontond, der Dedelichiffe oder anderer 
fhon früher zu dieſem Zwecke requirirten Schiffe, Flöße, Kähnt, 
Boote u. dgl. — Ebenſo find vorhandene Furthen, wenn fie 
vom Feinde nicht verdorben wurden, mit der gehörigen Vorſicht 
fhnell zu benügen. Zugleich fegen, um den Angriff von allen 
Seiten zu vermehren, wo ed möglich ift, Abtheilungen Leichter 
Kavallerie obers oder unterhalb des eigentlichen Wibergange 
punftes ſchwimmend durch den Fluß, um dem Feinde in bie 
Flanke zu fallen, und dad Deboufhiren unferer Infanterie zu 
erleichtern. 

Gleichzeitig jedoch oder früher, als der Hauptangriff felbit 
beginnt, befchäftige man den Gegner auf verfihiedenen anderen 
Punkten feiner Bertheidigungslinie durch lebhafte Scheinattaquen, 
damit er theild um deſto fpäter unfere wahre Abficht erfenne, 
theild gehindert fei, feine Kräfte zu fammeln, und gegen unſern 
eigentlichen Uibergangspunft zu wenden. 








231 


Sollte der Feind den erften Truppen das Landen verweh⸗ 


Bemaͤchti⸗ 
des jen⸗ 


und auf die Schiffe feuern, ſo müſſen ſie muthig ihren Weg —RE 


tſetzen, und ſo ſchnell als möglich das jenſeitige Ufer zu errei⸗ 
ı fuchen, um bier Poſto zu faſſen und den Gegner mit dem 
jonete zurückzuwerfen. Auch fünnen in den erften Schiffen einige 
feten mitgenommen werten, um mit benfelben fogleich gegen 
allenfalld anrücenden feindlichen Neferven zu wirken. St 
; der Angriff gelungen, dann nehmen die ſich bereitd auf dem 
dlichen Ufer befindlichen Truppen unvermweilt vor dem Uiber⸗ 
gepunfte eine Stellung mit zurüdgebogenen, an den Fluß 
üsten Flügeln, benügen zu ihrer Dedung jeden vortheilhaften 
raingegenftand, ald: Gräben, Häufer, Anhöhen, Heden u. dgl 
unterbalten ein lebhafte Feuer gegen den Feind. Mährend 
»s gefchieht, überfegen immer mehr und mehr Truppen, und 
ı Maß, als fie am jenfeitigen Ufer ankommen, rüden bie zus 
übergegangenen vor, um den nachfolgenden Raum zu geben, 
hinter ihrer Mitte, oder rechts und links auf beiden Flügeln 
ormiren. 


Das auf dem diesſeitigen Ufer aufgeſtellte Geſchütz unter⸗ Mitwirkung 
t kraͤftig dieſen Aufmarſch, indem es durch ein wirkſames desGeſchuͤbes. 


er den Feind abhält, ſich auf die gelandeten Truppen zu 
en, und fie wieder zurückzuwerfen. Behauptet der Gegner 
Schanze, oder ein nahe am Ufer liegended Gebäude, Dorf 
fonft einen andern vortheilhaften Zerraingegenftand, fo 
en alle Geſchütze ihr Feuer gegen diefen Punkt, um den 
d Daraus zu vertreiben. — Häufer und Dörfer aber dürfen 
im höchſten Nothfalle in Brand geftedt werden, weil fie für 
fefbit, im Falle der Angriff gelingt, die beſten Deckungs⸗ 
[ gegen den Feind find. 


Wie einige Truppen am jenfeitigen Ufer gelandet und fih Schlagung 
oft feftgefegt haben, beginnt unverweilt der Brücenfchlag. Pe Brücke. 


r muß mit Anſtrengung und größter Thätigkeit betrieben 
en, um fo fihnell ald es nur immer möglich ift, die Kom⸗ 
fation gwifhen den beiden Ufern zu Stande zu bringen, 
alb Icon früher alle nöthigen Borbereitungen zu treffen 
und während des Baues alled vermieden werden muß, mad 
Arbeit ſtoͤren fünnte. Hat man bereitd eine hinlängliche 
von Truppen überfeßt, und find diefe im Stande, fih gegen 
Ingriffe des Feindes zu halten, fo wird der Brüdenfchlag 


232 


von beiden Ufern zugleich begonnen, um ihn auf diefe Art defto 
eher zu vollenden. 


Uibergan Iſt die Brüce errichtet, dann marfchiren die übrigen 
über dieſelbe. Truppen der Avantgarde fo ſchnell ald möglich über felbe. Nach 
Beichaffenheit des jenfeitigen Terrains befindet fich die beihas 
bende Kavallerie entweder an der Tete oder an der Queue, 
oder endlich gleich der Artillerie vertheilt zwiſchen den Infante⸗ 
rieabtheilungen. Wie. diefe Kolonnen die Bruͤcke paſſirt haben, 
fo erhalten fie im ſteten Vorrücken ihre Direktion nach Umftäns 
‚den bald gegen die Mitte, bald gegen die Flügel der im auds 
fpringenden Bogen vor dem Deboufchee genommenen Stellung. 


Erftürmung Sollte der Feind ſich weiter rüdmärtd auf der Sehne deö 
unkle Abfchnitted in DVerfhanzungen, ober in einem Dorfe, Walde 
u. dgl. halten, um unfer weitered Vorbringen zu hemmen, fo 
werden diefe Punkte unverweilt angegriffen, der Gegner heraus 
geworfen und dadurch außer Stand gelegt, die Entwidlung der 
überfegten Truppen zu verhindern; welches um deſto eher gelins 
gen wird, wenn diele Angriffe durch ein wirkſames Gefchügfeuer 

vorbereitet wurden. 
Verwendung In einem offenen Terrain muß unſere Kavallerie jene des 
der PT Feindes fletd en Echec halten, damit diefe fich nicht auf unfere 


Mitte ſtürzen oder in unfere Flanken fallen könne. 


Verwendung Bon den Gefhüsen und vorzüglich von den Kavallerie 

der Artillerie. hatterien werben Anfangs nur einige Stüfe an das jenfeitige 
Ufer mitgenommen, und dafelbft nach Umftänden verwendet; die 
übrigen bleiben diesſeits, verändern aber dergeftalt ihre Yofttion, 
daß fie nach Maß, ald die übergegangene Truppe Terrain ge’ 
winnt, ihre Flanken ftetd zu decken, und den Feind, fo lange er 
erreichbar ift, wirffam zu befchießen im Stande find. 


Nachrückung Ob der Avantgarde bei größeren Truppenförpern audı 
ber A und das Gros der Hauptmacht auf dem wahren Angriffspunfte os 
Srundfah für gleich nachfolge oder noch zurücdbleibe, und auf welche Art felbe 
felb auf der ganzen Linie des Angriffes vertheilt wird, koͤnnen blos 
die Umftände beflimmen. Nur eines muß ald Grundfag hier 

feftgefegt werden, daß nämlich Fein Uibergang — groß ober 

flein — gelingen fönne, wo nicht ebenfo, wie bei der Vertheidi⸗ 

gung die Hauptkraft befammen behalten, und vom Komman 


h 








ıten zum vereinten Wirken auf einem Punkte verwendet wird; 
hrend man auf den übrigen den Keind nur durch fchwächere 
ıppenabtheilungen befchäftigt. | 
Um jedoch unfere nun erlangte Stellung am jenfeitigen Verſchanzun⸗ 
r zu fihern, und Die errichteten Brüden zu beden, werben en fer ale 
bit fogleich nach dem Uibergange, und oft nod in der Nacht Bruͤcken⸗ 
fhanzungen angelegt, Dörfer und Häufer in Vertheidigungs⸗ becung. 
d gefegt, Mälder mit Verhauen umgeben, und überhaupt 
Mittel angewendet, um dem Feinde, wenn er mit größeren 
eitfräften herbeieilen follte, die Stirne bieten, den Uibergang 
einem allenfalls ftattfindenden Rückzuge deden, oder die ein⸗ 
errungenen Bortheile behaupten zu können. — Die hiegu 
igen Arbeiten müffen daher mit größter Thätigkeit ausge⸗ 
t, und die Berfhanzungen fo angelegt werden, daß fie 
1. die Hauptzugänge beftreichen, 
3. fih an beiden Flügeln an den Fluß flüben, und 
3. in binlängliher Entfernung vom Uibergangspunkte bes 
n, um den Zruppen Raum zu verfchaffen, fich hinter ihnen 
bewegen zu können. 
Die weitere Ausführung dieſes Gegenftandes gehört in die 
ſtigungskunſt, und wir bemerken nur, daß eine zweckmaͤßige 
igung bed Terraind oft flatt der Verfchanzungen dienen 
. — Häufer und Dörfer in dem Abfchnitte der Flußkrüms 
; oder auf feiner Sehne Höhen, die nahe am feindlichen 
liegen u. dgl., Fünnen zur Haltbarkeit der vor dem Uiber⸗ 
Spunfte genommenen Stellung vortheilhaft benüßt werden, 
bebürfen oft nur einer geringen Nachhilfe durh Schanzs . 
t, um ihren Zwed vollfommen zu erfüllen. 
Greift aber der Feind die übergegangenen Truppen mit Mißlingen 
tüm an, und müffen diefe nach kräftigfter Gegenwehr feiner des urte 
macht weichen, ſo ziehen ſie ſich entweder hinter die ange⸗ hmens. 
Verſchanzungen oder mit Benuͤtzung jedes Terrainvortheiles 
um zurück, und vertheidigen ſich mit größter Aufopferung. — 
e jedoch der fernere Ruͤckzug nöthig, fo geſchieht diefer nach 
Srflärungen des folgenden $., wo die Bertheibigung ber 
en und Brüdenköpfe in näheren Detaild angegeben wird. 
ım biesfeitigen Ufer aufgeitelten Batterien halten den vers 
den Feind zurück und decken burc ein lebhaftes Feuer den 


ig. 





234 





"eiedersofte Iſt der erfte Verſuch mißglüdt, dann ift es oft möglich, 
gene entweder durd einen ſchnell erneuerten Angriff den Gegner zu 
überrafchen, und das Unternehmen gelingen zu machen, oder uns 
bemerkt vom Feinde ſich gegen einen andern Punkt zu wenden, 
und dafelbft den Uibergang auszuführen, während man an jenem 
Orte, wo der erfte Angriff unternommen wurde, die Aufmerl 
famfeit ded Gegners durch Iebhafte Scheinattaquen zu feſſeln 
trachtet. 
Benehmungs⸗ Iſt jedoch unſer Vorhaben gelungen, und der Uibergang 
—— unſerer geſammten Hauptmacht vollendet, Dann hängt das fernere 
Uibergange. Benehmen von unſeren eigenen offenſiven Abſichten und den Be⸗ 
wegungen des Feindes ab. Man verfolge die und entgegen— 
ſtehenden Abtheilungen des Gegners, — ſuche die Vereinigung 
ſeiner Kräfte zu verhindern, — und ihn theilweiſe zu ſchlagen, — 
oder bedrohe ſeine Kommunikation, um ihn dadurch zu einem 
übereilten Rückzuge zu zwingen. Im Allgemeinen müſſen alle 
ferneren Dispoſitionen die Abſicht haben, unſeren Uibergang zu 
ſichern, — den Feind von jeder offenfiden Operation abzuhalten, 
indem wir unfere Kräfte nicht theilen, fondern fie vielmehr im 
Borrüden vollftändig foncentriren; überhaupt find alle Bortheile 
zu benügen, die uns die Umftände und unfere Pofition am dies— 
feitigen Ufer darbieten. 
Benügung Oft gelingt der Libergang an Punften, wo mir blos bie 


ern Abſicht hatten, einen Scheinangriff zu unternehmen, um des 











Scheinans Feindes Kräfte zu theilen, oder vom wahren Uibergangspunkte 
griffe. abzuleiten. — Ein folher Umftand muß, wenn, es möglic if, 
benügt werden, um dafelbft einige Truppen zu überfegen, die 
dann Demonftrationen gegen die Flanken oder den Rücken des 
Gegnerd machen, um dadurch die Ausführung des Hauptüber⸗ 

ganges zu erleichtern. 
Vortheile Bei größeren Korps ift es fehr vortheilhaft, wenn man in 
— geringer Entfernung von einander zwei, auch drei, Brücken 





ſchlaͤgt, — wozu man ſich, wenn nicht genug Pontons oder Lauf⸗ 
brüden vorhanden find, der Mittel bedient, die wir für die Ers 
richtung von Noth⸗ oder Eiltommunifationen angegeben haben. — 
Da aber diefe Brüden eine verfhiedene Tragbarfeit befigen, fo 
muß man bei der Anordnung des Uiberganges hierauf Rückſicht 
nehmen, und die Waffengattungen zwedmäßig vertheilen. 


235 
nn — 


Auf alle Faͤlle ift es jedoch nöthig, die gefchlagenen Brüs Vorſioten zu 

n zu fihern, damit fie nicht durch herabgeſchwemmte große Siderung. 
zumftämme, oder durch‘ feindliche Brander und Minenfchiffe 

fört werden; weshalb man ober denfelben Wachſchiffe aus⸗ 

Kt, und an ſchicklichen Orten des diesſeitigen Ufers Batterien 

n ſchwerem Kaliber aufführt, um die allenfalls fic nähernden 

ander u. dgl. eher in den Grund zu fchießen, als fie die Brüde 

eihen; — auch kann man, wenn ed nict.an Zeit gebricht, 

ihle in den Fluß einfhlagen, vder Seile und Ketten über 

selben ſpannen. 

So ſchwer es fiheint, den Uibergang eines Flußes im Ans Dortpeile des 
ichte eines jenfeitö zu feiner Vertheidigung aufgeftellten Fein, Angreifers. 

auszuführen, ſo teilt demungeadtet die Geſchichte aller 
ege, befonderd aber jene der leßteren Feldzüge und häufige 
fpiele von gelungenen Libergängen dar, und die Erfahrung 
yährt den Grundfaß, daß die Vertheidigung der Flüffe oder \ 
öme größeren Schwierigfeiten unterliegt, ald der Angriff 
elben, — weil ein nicht fehr gefchloffener Gegner feine Kräfte 
öhnlich vereinzelt, — wir daher gewonnened Spiel haben, 
n ed und gelungen ift, unfere Abſichten geheim zu halten, 
Feind zu täufchen und vom wahren Angrifföpunfte abzuleiten, 
dann auf diefem leßteren mit vereinter Kraft, fchnellem Ents 
Be und taftifcher Gefchidlichfeit vorzugehen. 

Wir erwähnen hier noch der Libergänge, wenn ber Feind Flußüber⸗ 
unmittelbar das jenfeitige Ufer befegt hält, fondern von ee 
elben 5. 3. einen forcirten Marfch entfernt wäre. Um diefen Feindes. 
yeilhaften Umftand' gehörig benügen zu können, ift ed nöthig, 

zu vermeiden, was den Gegner auf unfere Bewegungen 
Abſichten aufmerffam machen fönnte, da er fonit unverweilt 
Bertheidigung des Uibergangspunktes herbeieilen würde. — 

beobachte daher das größte Geheimniß, — und marfihire 
Drdnung und höchfter Vorficht gegen diefen Drt. — Sobald 
in deſſen Nähe kommt, werden längs ded Flußes Patronilen. 
eſendet, um alled zu entfernen und aufzuhalten, was dem 
e unſere Abſichten entdecken Fönnte; zugleich überfciffen 
ne XQruppenabtheilungen, um das jenfeitige Ufer zu befeten 
jede Annäherung des Feinded zu beobadıten. Hierauf fihlägt 
die Brüde, und zieht des Nachts auf felber über den Fluß- 
vie Die eriten Truppen fih am jenfeitigen Ufer befinden, 


236 





müffen fie ſich ohne Zeitverluft verfchanzen, und follte der Feind, 
der wahrfcheinlich fogleich herbeieilen wird, fobald er Nachricht 
von unferem Uibergange erhält, — früher angreifen, ald wir mit 
den Erddeckungen fertig werben, fo werfen fich die Truppen in 
den Graben, aus welchem ihr rafirendes Feuer um deſto wirfs 
famer fein wird. — Bei folchen Unternehmungen ift ed nöthig, 
den Marfch der Truppen fo einzurichten, daß fie mit Anbruch 
des Tages den Fluß bereits überjegt haben, mozu man alſo Die 
Zeit genau berechnen muß, die erforderlich ift, um an den bes 
ſtimmten Ort zu fommen, die Brüde zu fchlagen und ben Uiber⸗ 
gang zu vollführen, | 
Mibergänge Auch einzelne Detaſchements können manchmal in den Fall 
“rafhements, fommen, über einen Fluß fegen zu müflen, um den Zweck ihrer 
Detafchirung zu erreihen, — auf dem jenfeitigen fer kleine 
Convois aufzuheben, — Poften zu überfallen, — Gefangene zu 
machen u. dgl. Hiezu ift aber erforderlih, daß der Feind bie- 
Stelle, mo der Uibergang vollführt werben fol, entweder gar _ 
nicht, oder wenigſtens nur ſchwach befegt habe. — Geheimhals 
tung des Vorhabend und Schnelligkeit im Augenblide der Aus⸗ 
führung find auch hier nothwendige Bedingungen, ohne welchen 
das Unternehmen entweder fehr verzögert, oder ganz unmöglich 
wird. — Der llibergang geſchieht, wenn Feine anderen Kommu⸗ 
nifationen vorhanden find, mittelft requirirter Schiffe und Floͤße, 
deren man fo viel, ald ed nur immer möglich ift, auftreiben 
muß, um das Liberfchiffen unferer Truppen fchleunigft zu bes 
werfftelligen. Cine verhältmißmäßige Avantgarde eilet zuerſt an 
das jenfeitige Ufer, um dasfelbe zu befegen und die angränzende 
Gegend nah allen Richtungen zw durchſuchen. Shr folgt das 
Gros, und die Abtheilungen entwideln fi, wie fie theilweife 
landen, in Fronte, um das Wiberfchiffen der ihnen nachfolgenden 
zu deden. Iſt der Uibergang vollendet, dann ſetzt das Deta⸗ 
fhement unverweilt den Marfch fort, um die Abficht feiner Sen⸗ 
dung zu erfüllen, — follte ed jedoch im Rückwege gezwungen 
fein, den Fluß wieder an dem nämlihen Orte zu pafliren, fo 
muß der Landungsplat verhältnißmäßig befegt bleiben. Die hiezu 
verwendete Truppe umgibt fih mit einer Kette von Bebetten 
und Heinen Poften, befeftiget die Schiffe und Zlöße, bewachet 
mit Strenge die dazu gehörigen Schiffleute, und erwartet ſtets 
unter Gewehr flehend die Rückkunft des Detafchements. — Wird 





237 





fed vom Feinde zurückgeworfen und verfolgt, fo eilt .ed, um 
ſt abgefihnitten zu werden, fo ſchnell ald möglich gegen ben 
idungsplatz, und fucht auf den bereit ftehenden Schiffen und 
‚Ben das diegfeitige Ufer zu erreichen. 


6.7. 
Vertheidigung und Angriff der Brücken. 


Brüden ald Kommunifationen über Schluchten, fo wie über Brüden find 
tere oder größere Gewäffer, find Deftleed, und unterliegen Defilees. 
foldhe in Anfehung ihrer Beſetzung und Bertheidigung im 
emeinen jenen Grundfägen,.die im $. 5 erläutert wurden. 
jedoch die Gewaͤſſer, wie bereitd weiter oben erwähnt wurde, 

e und zuverfichtliche Bertheidigungsgegenftände bilden, fo haben 

die Brüden, ald die einzigen frontalen Vibergangsmittel 
diefelden, — unter allen Defileed ben erften Rang, und 
en zur Bertheidigung noch den befondern Werth, in ihren 
ten durd das Waller gededt zu fein, und die Angriffe des 
zerd dadurch auf einen gegebenen Punkt zu beicränten. 

Je bedeutender dad Terrainhinderniß ift, über welches die Wichtigkeit 
fe führt, deito größere Vortheile gewährt ihre Vertheidigung, berfelben ſo⸗ 
fie ſich dann gewöhnlich im Einklange mit höheren Opera⸗ Pr ru re 
ı befindet; — allein auch Brüden über kleinere Gewäffer nere Teuppens 
bei Rüdzügen und in vielen anderen Gelegenheiten des bthellungen. 
es wichtige Punkte, um deren Beſitz fich zwiſchen einzelnen 
ſchements, Arrieres und Avantgarden nicht felten ein hart 
er und blutiger Kampf entfpinnt. — Der Angriff und die 
eidigung derfelben gehört daher ſowohl in den Wirkungs⸗ 
größerer, als Eleinerer Truppenförper. 

Bevor wir aber hierüber die nöthigen Details anführen, Brüdenköpfe. 
: wir zuerſt der Berfchhanzungen erwähnen, die man zur 

ig der Brüden an ihrem jenfeitigen Ausgange anlegt. — 

erden Brüdenfüpfe (Tetes de pont) genannt, und haben 

rehr den Charakter der Offenfive, ald jenen der Defenfive; Offenfiver 
vollte man dem Feinde blos den Uibergang über die Brüde N 
ren, fo würbe ed meit zwedmäßiger fein, ein ober mehrere 

vom biesfeitigen Ufer abzutragen und fic hier zur Vers 
ung aufzuftellen, oder Verſchanzungen zu erbauen. — Auf 


Defenfive. 


Arten der 
Erückenkoͤpfe. 


Kleine. 


Große. 


Fleſchen, Zan⸗ 


gen⸗, Horn⸗ 
und Kron⸗ 
werke. 


238 





biefe Art wäre bie Vertheidigung nicht nur leichter und vortheifs 
hafter, fondern es verfchwindet noch ber für eine Defenfive bes 
dentende Nachtheil, dad Defllee der Brücke im Rüden zu haben. 


Es gibt zwar Fälle, wo Brücdenfüpfe auch eine defenftve 
Anwendung erhalten, wenn fie 3. 3. beftimmt find, größere 
Truppenmaflen aufzunehmen, und ihren Rüczug über einen Fluß 
zu fhüten. Allein auch diefer Zweck ift ſtets die Folge einer 
frühern offenfiven Bewegung, und vereinigt fih mit der Abficht, 
auf dem jenfeitigen Ufer, das wir augenbliclich zu verlaffen ges 
zwungen find, fo lange ald möglich einen Punkt zum abermaligen 
SHerausbrehen zu behaupten. Der Charakter der Brüdenköpfe 
ift Daher im Allgemeinen offenfiv, und ihre Anlage muß demnach 
dieſem Zwecke entiprecen. 

Nach der verſchiedenen Flußbreite und der Zeit, die uns 
zur Erbauung vergönnt iſt, werden im Allgemeinen zweierlei 
Tetes de pont nöthig; nämlich kleine oder große. 

Die Erfteren verfihern die Bruͤcke felbft zu einem Uibers 
gange, doch kann fich hier die Truppe zum Deboufdiren nur 
außerhalb ded Brüdenfopfes am diesfeitigen Ufer fammeln. 

Die Legteren aber müſſen durch einen hinlänglichen innern 
Naum (place d’ armes)) geeignet werden, einen großen Theif 
der zum Deboufchiren beftimmten Truppe zur Zeit des Lliberganges 
am jenfeitigen Ufer zu fallen, dur ihre Werke zu deden, und 
zum Audfalle mit vereinter Kraft vorzubereiten, oder fie gegens 
theilig im Falle eines Rückzuges wieder aufzunehmen, um für 
das in diefem Augenblide gefährliche Deftliren über die Brüde 
Zeit zu gewinnen und ed dadurd zu ſchützen. 

In früherer Zeit beftanden die Brüdenfhanzen aus Flefchen, 
Zangens, Horns und Kronmerken, deren Trace in Plan 6, 
Fig. 1, 2, 3 und 4 zu erfehen ift; allein die Vertheidigung 
folcher Linien wird ftetd von großem Nachtheile fein; denn ift 
ihr Umriß Hein, ihre Größe unbedeutend, und wird man ger 
nöthigt, ſich durch ein ſolches Tete de pont zurüdzuziehen, fo ift 
es nicht gehörig geeignet, eine große Truppenzahl ſchnell aufzu⸗ 
nehmen und vor Verfolgung des Feintes zu fchügen, dem es 
daher gelingen kann, zugleich mit unferer Arrieregarbe in bie 
Brüdenfhanze einzubringen, wobei bie übelften Kolgen unabfeh- 
bar find. 








Haben jedoch ſolche Tetes de pont einen ausgedehnteren Nachtheile 
fang, fo ift zu ihrer Erbauung ein großer Aufwand an Zeit derſelben. 

Arbeit erforderlich; abgeſehen von dem bedeutenden Naͤch⸗ 
le, daß bei Erſtürmung eines einzigen Punktes dieſer Linien 

ſchon die ganze Brückenſchanze nothwendig verloren gehen 
„ wobei die Beſatzung oft nicht einmal Zeit gewinnt, ſich 
die Brüde zurüdzuziehen und felbe zu gerftören. 

Es wird daher ftetd vortheilhafter fein, nach Bedarf eined Neuere Krach 
eren oder größeren Töte de pont dem Traus in Fig. 5, 6 "I 
7, jedoch mit Berüdfichtigung des Terraind zu folgen; ba 

Umriffe nur für eine vollfommene Ebene ald beiläuftger 
plan dienen, und in einem durchfchnittenen, ungleichen Boden 
Heftalt desfelben angepaßt werden müſſen, wie dieſes Die 
8 abfihtlih in einem fehr fchwierigen Terrain darftellt. 

Als allgemeine Regel für die Erbauung eined Brüdens Allgemeine 
3 wird feftgefeßt: iegel bei 
1. Daß die Brüde durch eine hinlängliche Ausbehmng elben. 

Flanfen gegen das Feuer der feindlichen Batterien ges 

werde, 

2. daß derfelbe nach der Geftalt ded Terrains einfach und 
mig tracirt fei, wobei ald Grundregel angegeben wird, 
tan im Allgemeinen zur Bertheidigung von Feldfchanzen auf 

Schritt Länge der Bruftwehren 2 Mann annimmt (die 
ren mit eingeredinet), 

3. daß deflen Slanfen, in fo ferne ed nur immer dad Ters 
der bie Flußbreite erlaubt, von Batterien des diesſeitigen 
wirkſam beitrichen werben, | ' 

I. daß man dem Feinde die Annäherung an den Graben 
ille nur möglichen vorgelegten Hinderniffe, ald Wolfsgru⸗ 
erhaue u. tgl. zu erjchweren trachte; 

. baß größere Tetes de ponts, um der Abficht ihrer 

zu entiprecden, blos aus einem Reduit mit vorgelegten, 
ndigen Redouten beftehen follen, welche letztere nach Um⸗ 
mit einem 6 bid 7 Schuh hohen Glacis zur Maskirung 
cfung der im Ter-plain ſich formirenden Truppen vers 
werden Ffünnen, 

Daß Gourtinen zwilchen den vorgelegten Rebouten oder 

nur felten oder gar nicht zu bauen find, weil fie bie 
fe der oberwähnten Linienumfaflung haben, das offenfive 


Ihre Vor⸗ 
eil 
ĩ 


e in offen⸗ 


t 
—* Hinſicht. 


In defenſiver 


Hinſicht. 


Brüuckenkoͤpfe 


240 





Hervorbrechen, ſo wie den ſchnellen Ruͤckzug und die geſicherte 
Aufnahme der Truppen im Téête de pont verhindern, und weil 
der Feind, wenn er die vorliegenden Werke erobert hat, ſich der 
Gräben und Bruftwehren der Gourtinen mit vielem Bortheile 
als Schutz⸗ und zugleich Angriffsmittel gegen das Nebuit bes 
dienen Tann. | 

Durch diefe Art Tetes de pont erhält man in. offenfiver 
Hinftcht den Vortheil, im intern Naume die Truppen fammeln, 
und mit vereinter Kraft durch die offenen Räume deboufchiren 
zu koönnen; denn auch die Glacis müflen für Infanterie und 
Kavallerie gangbar gemacht werden, während die Artillerie Durch 
bie beftehenden Ausgänge hervorbricht. 

In defenfiver Hinficht kann felbft ein Armeekorps fich ſchnell 
in den Ter-plain eines foldhen Brüdentopfed werfen, und findet 
dort im fchlimmften Kalle, wenn es fich auch fogleich über den Fluß 
zuruͤckziehen müßte, gefiherte Aufnahme, um Zeit zit gewinnen, 


die Brüde paffiren zu können. Wird endlich dad Tôte de pont 


angegriffen, und die eine oder andere der felbitftändigen Res 
douten erftürmt, fo iſt dadurch keineswegs noch der ganze Brücken: 
kopf verloren, fondern es dürfte dem Gegner fehr ſchwer werden, 
fih in einem diefer Werke zu halten, deren Kehlen nur tams 
bourirt find, und daher von dem rückwärtigen Reduit auf das 
Wirkfamfte beſchoſſen werden können. Wollte der Keind aber 
zwifchen zwei Redouten gerade über dad Glacis durchbrechen, fo 
würde er, im Ter-plain angekommen, ſich im verheerendften, 
koncentriſchen Keuer aller unferer Batterien befinden, und zwar 
in einem Yugenblide, wo er von feiner eigenen Artillerie feinen 
Gebrauh machen ann; daher ein fo gewagted Unternehmen 
ftetö mit vielem Berlufte für den Gegner fcheitern müßte. 

Ein Brückenkopf im durchſchnittenen und ungleichen Boden, 


timdurhfchnit: wie ihm die Fig. 8 darftellt, wird felten jene Bortheile gewähren, 


tenen Boden. 


welche ein ebenes oder doc, fanft wellenfürmiged und niederes 
Terrain barbietet, weil gewöhnlich die Beftreichung feiner Flanken 
von diesfeitigen Batterien erfchwert ift, und ed dem Feinde übris 
gend leicht gelingen kann, fi, in einer eroberten Redoute feſtzu⸗ 
feßen, und aus berjelben oft mit vielem Bortheile dad Reduit 
und die Brüde ſelbſt zu befchießen. Wenn daher nicht bes 
fondere flrategifche oder taftifhe Gründe die Erbauung eines 
Tete de ponts auf foldhen Punkten unumgänglich nothwendig 











211 





hen, fo fol man hiezu ein aͤhnliches Terrain ſo viel moͤglich 
meiden. 

Endlich werben noch an großen Strömen, und beſonders 
ıtegifch wichtigen Punkten doppelte Brüdentöpfe Cauf beiden 
m) erbaut, die im höhern Styl und folid angelegt, ganze 
rps oder Armeen aufnehmen, und oft enticheidenden Nuten 
die Operationen ganzer Feldzüge haben können. 


Bertheibigung 


Nach diefer Erflärung fchreiten wir zur taftiichen Verthei⸗ 
ng der Brüden. Diefe findet Statt: 

1..Bei der Aufftellung einer Armee, eined Korps oder 
r größern Truppenabtheilung hinter einem Fluße, die den 
ck hat, dem Feinde den Uibergang auf längere Zeit zu ver⸗ 
‚en, und dadurch feine offenfiven Unternehmungen zu hemmen. 

2. Um durch Arrieregarden bei Rückzügen den nerfolgenden 
ner fo lange aufzuhalten, bis die Haupttruppe Zeit befommt, 
ı Vorfprung zu gewinnen. 

3. Nach einem ausgeführten Zlußübergange, um fowohl 
rrichteten Kommunikationen, ald dad Deboufchiren der nach⸗ 
nden Abtheilungen zu deden und die Abfichten des Feindes 
ereiteln, der unaufhörlih traten wird, und wieder gegen 
Liibergangspunft zurüdzudrängen, und auf das jenfeitige 
zu werfen. Sn diefem legtern Falle ift alfo die Vertheidis 
der Brüde die Folge einer offenfiven Operation. 


Doppelte 


Brüdenköpfe. 


— der 

Vertheidi⸗ 

gung einer 
Bruͤcke. 


Nach den Grundſätzen, die wir im $. 5 für die Defilees Art der Aufs 
jeringerer Länge aufgeftellt haben, nimmt man zur Verthei⸗ Rellunghiebei. 


g der DBrüden entweder eine Aufftellung vor, oder hinter 
ben. 
Aufitellungen vorwärts finden Statt, wenn es ſich darum 
It, den Befig der Brüde entweder nur auf eine gewille 
oder felbft gegen die wiederholten Angriffe des Feindes 
as hartnäckigſte zu vertheidigen. 
Rückwärts aber ftellt man fick nur dann auf, wenn befons 
Umſtände ed nüthig machen, das jenfeitige Ufer zu vers 
oder wenn die Erhaltung der Brüde unmöglich, oder 
von feinem Werthe ift, und wir und daher blos auf die 
hung dieſes Punktes, und die Berwehrung des Lliberganges 
16 


Vorwärts, 


Nücdwärts. 


212 
befchränfen, in welchen Fällen alfo die Brüsten verrammelt, theils 
weife ‚abgetragen oder zerftört werden. 

— In Hinſicht der näheren Details dieſer beiden Aufſtellungen 
—— beziehen wir und auf jene Erläuterungen, die im $. 5 dieſer 
Abtheilung über ihre Form, — Stützung der Flügel, — Entfernung 
vom Deboufchee, — Benütung des Terraind, — P acirung der Ges 
fhüge u. dgl. angegeben wurden, und bemerken hier blos, daß 
bei Brüden jede vorwärtige Stellung, fie möge verfhanzt fein oder 

nicht, vom Diesfeitigen Ufer Präftigft unterflügt werden muß. 
Nückſichten bei Bor allem ift es nöthig, den Zwed der Vertheidigung, fo 
Sefesung der wie die Befchaffenheit, Lage und Wichtigkeit einer Brüde zu bes 


druden. rüdfichtigen, um hiernach beftimmen zu fünnen: 
1. Ob die Abtragung derfelben nothwendig, überflüflig oder 
gar nachtheilig fei, 
2. 0b man fih daher zu ihrer Vertheidigung vors oder 
rückwärts aufzuftellen habe, 
3. welde Vortheile und die Natur ded Terraind dar: 
bietet, und 
4. welche fünftlihe Mittel man zu ihrer größeren Halt: 
barfeit anwenden fanın, 
Vertheidi⸗ Was die Vertheidigung der Brücken betrifft, ſo folgen 
gung derſel⸗ wir hierin dem weiter oben angegebenen, dreifachen Zwecke 
derſelben. 
J. In Verbin⸗ I. Stellt man ſich hinter einem Fluße auf, um dem Feinde 


— ben Uibergang durch längere Zeit zu wehren, fo werden ges 
Sluß wöhnlich die an den wichtigſten Punkten über felben führenden 
Fr Brüden durch folide Tetes de pont gedeckt, wodurd man den 
Brückenkopfe oben berührten Vortheil erhält, dieſe Uibergänge auf das Aeußerſte 
hiebei. vertheidigen, — jedes günftige Greigniß zum ſchnellen Uibers 
gange aus der Defenfive in die Dffenfive benügen, endlich auc 
den Feind durch Ausfälle, Uiberfälle oder andere Coups de 
main beunrubigen zu können. Diefes ift von deſto größerem 
Nugen, da eine rein defenfive Lage ſtets mit vielen Nachtheilen 
verbunden ift: ein Pluger Kommandant daher kein Mittel vers 
fäumen darf, bei jedem güuftigen Umftande wieder angriffeieife 

vorzugehen. 
Vertheidi⸗ In Hinſicht der Vertheidigung eines Brückenkopfes gegen 
gung derſel— feindliche Angriffe verweilen wir auf ben $. 11 dieſer Abtheilung, 








243 





\ 


r von der VBertheidigung der Schanzen im Allgemeinen handelt, 
d bemerken hier bloß: 

1. Daß die Batterien des diesſeitigen Uferd zur Vertheis 
jung fräftigit mitzuwirken haben, 

2. daß für den Fall; mo der Gegner fich des Brüdenfopfes 
nächtigen follte, Alled vorbereitet fein muß, um nad dem 
(zuge der Truppen die Brücke augenblidlich zu verrammeln, 
tragen oder zu zeritören. 

Der Feind greift überhaupt Brückenköpfe, wenn fie in 
bindung mit einer ganzen Flußvertheidigung ftehen, entweder 
der Abſicht an, um bier den llibergang mit Gewalt zu erzwin⸗ 
„ oder um unfere Aufmerkſamkeit zu täufchen, und felben uns 
indert an einem andern Punkte auszuführen. — Sm erften 
le gefcieht der Angriff ded Brüdenfopfed mit überlegenen 
ften, und ein heftiges Kanonenfener bereitet den Sturm der 
dlichen SInfanteriefolonnen vor. — Die zu feiner Befätung 
immte Truppe bedarf daher Offiziere, die mit Umficht Die 
theidigung leiten, und durd ihr Beifpiel, fo wie durch wirfs 
e Aufmunterung Muth und Vertrauen ihren Untergebenen 
ößen. Sm zweiten Falle, wo der Feind blod den Zwed 
uns zu fäufchen, wird er auch mit geringerer Kraft vorge- 
‚ Daher ed und deito leichter gelingen kann, feine Angriffe 
fihfagen, und wenn es nicht andere Umftände vermehren, 
ı fFühnen Ausfall zu machen, und‘ dadurd Die Abſi cht des 
ners gaͤnzlich zu vereiteln. 

LI. Die Vertheidigung von Brücken durch die Arrieregarden II. Brüden⸗ 
erer ſich zurückziehender Truppenkörper gehört, beſonders wenn vertheidigung 


ur Deckun 
Brückenkopf den Uibergangspunkt deckt, zu den ſchwierigeren —* —* 
m Des Krieges. zuges. 


Beſteht die ſich zurückziehende Truppe aus verſchiedenen Nothwendig⸗ 
engattungen, die Geſchütz und Fuhrwerk bei ſich haben, fo ee 
mehrere Brüden erforderlich, um den Rüdzug in kurzer größere Abs 
ınd mit Ordnung auszuführen; wenn diefe daher nicht vors theilungen. 
nt wären, fo müffen die fehlenden mittelft Laufs, Pontons⸗ 
Nothbhbrücken fchnell erſetzt werden. 

Bei feinem Defilee ift ed nöthiger, den Eingang, fo wie Veſetzung des 
fich Demfelben nähert, fchon im Voraus durch eine hinlängs sinpannee 
ftarfe Truppenzahl zu befegen, al8 bei Brüden. — Die ber Brücke 

beftimmten Abtheilungen haben durch eine zweckmäßige 


16* 


244 





‚ Aufftellung ale Zugänge zu beherrfchen, und burd die Vertheis 


Mitwirkung 
vom rückwaͤr⸗ 
tigen fer. 


Rückzug der 
Arrieregarde. 


Benehmen 
der Offiziere. 


digung bderfelben den Libergang der Haupttruppe zu ficern. 
Ihre Aufgabe ift von höchfter Wichtigkeit, — fie bilden gewiſſer⸗ 
maßen einen natürlichen Brücenfopf, gegen den der Feind mit 
Uibermacht andringen und alled aufbieten wird, die deckende 
Aufftellung zu durchbrechen, — ſich auf das zurüdziehende Gros 
zu werfen — oder gar den Befig der Brücke zu erringen, und 
dadurch alle diesfeits befindlihen Truppen abzufchneiden. Gie 
müffen daher, durcdrungen von der Wichtigkeit ihres Zwedes, 
mit eigener Aufopferung fämpfen, den wiederholten Angriffen 
ded Feindes muthig die Stirne bieten, und Dadurch den geords 
neten llibergang der Haupttruppe verfichern. 

Batterien auf dem rüdwärtigen Ufer, ober bei Fleineren 
Gewäflern gedeckt aufgeftellte Infanterieabtheilungen wirken nad 
Möglichkeit durch ein lebhaftes Feuer kraͤftigſt zur Flankenver⸗ 
theidigung der vor der Brüde genommenen Stellung mit. 

Iſt es endlich Zeit, oder gebietet ed die Nothwendigkeit, 
daß die Arrieregarde felbft den Rückzug antrete, fo geſchieht dieſes 
ebenfalld nach den Erklärungen, die wir hierüber bei den Dei 
lees im Allgemeinen angegeben haben. Drdnung ift in felden 
Fällen die erite und nothwendigfte Bedingung; während die Abs 
theilungen von beiden Flügeln allnälig rückwärts abfallen, 
fämpfen die im Centrum fich befindlichen im fteten Ruͤckzuge, um 
den verfolgenden Feind fo lange ald möglich aufzuhalten; in 
einer ebenen und offenen Gegend aber beichäftigt die Kavallerie 
fortwährend jene ded Gegners, und verhindert diefelbe, ſich anf 
unfere Sinfanterieabtheilungen zu werfen. 

Die Offiziere müffen in folhen Gelegenheiten die Vortheile 
bed Terrains mit fchneller Umficht benügen, feinen günfligen 
Augenblick verfäumen, wo fie den Feind durd einen glücklich 
ausgeführten Augriff von einer allzuheftigen Berfolgung abzu⸗ 
fchreden im Stande find, befonders aber alles aufbieten, um ihre 
Truppe beifammen zu behalten und deu Rückzug mir Ruhe au 
zuführen. Die Nachhut bilden hiebei leichte Ravalleries und nr 
fanterieabtheilungen, welche leßteren man mit vıelem Bortheile 
aus Leuten, die ded Schwimmens kundig find, zufammengefegt, 
damit fie fih, wenn man ihren Rüdyug über die Brüde nict 
mehr abwarten kann, und feine Sit porhanden ſind, — den 
noch zu retten vermögen. - * 





215 





Softe jedoch der Drang zu groß und ed dem Gegner 
möglich werden, im Handgemenge mit den Rückziehenden die 

Brüde zu erreichen, fo muß ohne Bedenken bei Zeiten die Zers 
flörung derfelben angeordnet werden; denn es ift weniger nadıs 
theilig, dem Feinde die noch jenſeits befindlichen Abtheilungen 
preis zu geben, ald ihm zu geftatten, über die Brüde zu eilen 
und ſich auf die Haupttruppe felbft zu ftürzen. Bon unabfehbaren 
Folgen könnte in foldhen Gelegenheiten eine unzeitige Zögerung 
werden, mo man daher fein Bedenken tragen darf, zur Rettung 
ded Ganzen einen Theil zu opfern. 

Liegt jedoch die Brüde, die im Ruͤckzuge paflirt werben 
muß, hinter einem Dorfe, — dann wird diefed gleich einem 
Brüdenkopfe von einer fchon im Voraus dazu beitimmten In⸗ 
fanterietruppe befegt und zur Dedung des Rückzuges vertheidis 
get. Wir berufen und in diefer Hinfiht auf die Erflärungen des 
$. 2 diefer Abtheilung, in welchem alle Detaild über Die Bers 
rammlung der Eingänge, — Erridtung von Batterien, — Bers 
heilung der Truppe u. dgl. zur zwedmäßigiten Bertheidigung 
ines Dorfes gegeben wurden. Der Feind wird dadurch in feiner 
jerfolgung aufgehalten, — ift gezwungen, zuerit feine Angriffe” 
lonnen zu fammeln und die vorbereitende Wirkung feiner Gefchüge 
Jgumarten; wodurd wir Zeit gewinnen, was in folchen Augens 
ifen vom entfdreidendften Nutzen ift. Uibrigend fommt es dann 
f die Sicherung des fich zurüdziehenden Gros, fo wie auf die 
ge und Haltbarkeit ded Drted an, um zu beflinmen, ob man 
felben hartnädig vertheidigen foll, oder ob es klüger fei, den 
jenblid des Stilfftanded, in welchem der Feind feine Anord⸗ 
gen trifft, zu einem gänzlichen Rückzuge und Zerftörung der 
de zu benüten, und nöthigen Falle das Dorf felbit in Brand 
tecken. 

Auch kleinere Truppenabtheilungen benehmen ſich in ihrem 
zuge über Gewäſſer nach den hier vorausgegangenen Er⸗ 
zgen. — Ihre Arrieregarde ſtellt ſich vor dem Uibergangs⸗ 
e mit geſchickter Benützung jedes Terraingegenſtandes fo 
als möglich gedeckt auf, — und trachtet durch ein wohl⸗ 
rachtes Feuer den Feind aufzuhalten und dadurch den 
ig 4u1 decken. — Oft gelingt ed ihr, noch vor dem 
fe des Gegners in größter Eile Gräben aufzumerfen, 

zu. kammeln, kleine Verhaue zu bilden, vortheilhaft 





Zerftörung 
der Brücke. 


Dörfer vor 


dem Bruͤcken⸗ 


eingange, 


Rückzug Flele 
nerer Trups 

penabtheiluns 
gen über 
Gewäſſer. 


216 


gelegene Höhen, Käufer u. dgl. zu befegen, und fo bie Vertheidi⸗ 
gungsfähigkeit ihrer Aufftelung zu erhöhen. — Uiberhaupt fommt 
ed hier befonderd auf geſchickte Führung an. Die Untergebenen 
fehen in folchen Augenblicken vertrauend auf ihre Kommandans 
ten, die daher wirkende Geiftedgegenwart befigen müffen, um 
den Muth der- Truppe zu erhöhen und durch Entichloffenheit dem 
Feinde jeden Bortheil zu entringen, — jeden Schritt ftreitig zu 
machen. Sf das Uiberſetzen vollführt, dann wird die Brüde 
entweder abgeworfen oder verrammelt, und dem Gegner durch 
eine Ddiegfeitige Aufftelung der Libergang verwehrt, — oder 
der Rüdzug in größter Ordnung weiter fortgefett. 


ML Brücken⸗ II. Die Pertheidigung der Brüden in Verbindung mit . 
verthadigung einem Flußangriffe, und zur Deckung des Debouſchirens der nach⸗ 

dung mit folgenden Abtheilungen geſchieht nach den Erklärungen, die hier⸗ 

he über der vorhergehende $. enthält. — Sept man in diefem Falle 

mit einer größeren Truppenanzahl über bedeutende Gewäſſer, um 

jenfeitS den Feind anzugreifen, dann foll man nie verfänmen, 

die Brüden, über welche man den Llibergang vollführt hat, bes 


fegt zu behalten und durch Verſchanzungen zu deden. — 


Schneller Die Erbauung derfelben unterliegt defto größeren Schwie⸗ 
—ã— rigkeiten, wenn man genöthigt iſt, ſie im Angeſichte des Feindes 
Deckung eines auszuführen. — Schnuelligkeit iſt hiebei die erſte Bedingung; man 

—R begnügt ſich Anfangs mit einem vor der Brücke erbauten Reduit, 

“und fchreitet erſt in der Folge zur Anlage eines größern Brü⸗ 
ckenkopfes durch vorgelegte Nedouten. Das Kriegsglück unters 
liegt oft einem plötzlichen Wechfel, der durch befondere Umftände 
hervorgebracht wird, — und eben deshalb ift ed von großer 
Wichtigkeit, auf folhe Fälle vorzudenfen, und die für felbe 
nöthigen Sicerheitömaßregeln ſchon im Boraus zu treffen. — 
Ereignet fi nun der Fall, vom Feinde angegriffen und gefchla= 
gen — den Rüdzug antreten und den Fluß wieder überfegen 
zu müffen, dann gewährt ein zur Deckung des Uibergangspunktes 
angelegter Brüdenfopf jenen ungemeinen Nuten, deflen wir 
fhon oben erwähnt haben. — Am Schluße wollen wir hier noch 
die nöthigen Erklärungen über die Verrammlung oder Zerftörung 

Verrammeln, der Brücken anführen. 
Abtragen oder Das Verrammeln geſchieht mit Benützung aller vorhandenen 


Een Mittel, ald: Steine, Ballen, Baumfämme, Fäfler, Wägen, 








247 





flüge n. dgl. auf die Art, wie es bei Vertheidigung der Dörfer 
Hinfiht der Gäffen und Eingänge angegeben wurde. 


Vortheilhafter ift ed aber, die Brüden nach vollendetem 
üdzuge unlerer Truppen weniaftend theilmeife abzutragen und 
n Feind dadurd im weitern DBerfolgen abzuhalten. — Hiezu 
rft man die Pfoften und Tragbalken ab und bringt fie an das 
öfeitige Ufer, oder fägt die Soche durch, wozu jedoch mehr Zeit 
orderlih if. Die Abtragung der Brüden hat aber nie von 

Seite des Feinded, fondern ftetd von jener unternommen zu 

den, auf welche wir und zurüdziehen, fo daß der Gegner ge» 
ingen ift, die Wiederherftellung derfelben unter unjerem nahen 
ſchütz“ und Gewehrfener vorzunehmen, — das ihm alfo ent= 
er gar nicht, oder nur mit vielem Berlufte gelingen wird. 
leich haben wir daburd den Vortheil, im Falle ed für uns 
t nöthig würde, die abgetragenen Suche mit den an das 
feitige Ufer gebrachten Pfoſten und Balfen fihnell und unge: 
ert wieder überdeden zu fünnen. 


Was die Zerftörung der Brücden betrifft, fo gefchieht jene 
hölzernen auf die natürlichs und leichteite Art, wenn man fie 
Pechlränzen und Pechfafhinen, auch mit einigen Leuchtkugeln 
Tpfündigen Haubigen und mit Stückchen von Zünpdfichteln 
ct, — Stroh, dürred Reifig oder Holzfpäne mit etwas un: 
ngtem Kornpulver auf felbe ftreuet, — Theer darüber aus- 
t und fie dann anzündet. Bei Brücken mit fleinernen Bögen 
Dfeilern macht man längs der Schlußfteine in dad Maners 
mehrere Löcher halb fo tief als feine Dice, füllt folche mit 
drücktem Pulver, verbämmt fie mit Holz oder Steinen, ber 
die Feuerleitung dergeftalt, daß alle Mienen zugleich ans 
yet werden, und fprengt die Brüde, wie der Feind auf fie 
emt, in die Luft. — Bei Heinen Brüden kann man diefes, — 
ers wenn zu obiger Vorrichtung die Zeit mangelt, — auch 
b bewerfitcligen, daß man unter den Bögen mit Pulver 
e Fäſſer oder Käften anbringt und fie dann zugleich ans 

Fit jedoch fein Mittel vorhanden, diefe Gefäße daſelbſt 

j zw befeftigen, fo grabe man oberhalb bis in das Mauer; 
in Loch, ftele das Faß oder den Kaften hinein und ver- 
dasſelbe auf das forgfältigftee Sn Ermanglung von 
Puilver kann man.fih zur Sprengung der Brüden aud) 


23.18 





der Sefchügpatronen bedienen, fie in die Patronverfchläge aus⸗ 
leeren, und diefe legteren nöthigen Falls ſelbſt als Minenkaſten 
verwenden. | 


Angriff 


Zwed Der Angriff einer Bruͤcke beſteht in der Bewerkſtelligung 

derſelben. des Uiberganges mit offener Gewalt, und ift, wenn die Vers 
theidigung zweckmäßig geleitet wird, ftetd mit vielem Verluſte 
verbunden. Solche Angriffe follen daher nur dann unternoms 
men werden, wenn ed die Umſtände unumgänglich erfordern, 
und man auf feine andere Art, wie 3. B. durch Umgehungen, 
Liberfälle u. dgl. den vorhandenen Zwed erreichen fann, oder 
wenn ed ſich darum handelt, einen retirirenden Feind rafch zu 
verfolgen, und ihm Feine Zeit zu laffen, durch angelegte Hinder⸗ 
niffe unfer weitered Vorrüden zu verzögern. 


Brückenan⸗ Hat der Feind ſich hinter einem Fluße oder größerem Ges 

en wäfler aufgeftelt, um und den llibergang zu vermehren, dann 

Slußvertheir wird er gemöhnlich die vorhandenen Brüden abtragen, und zur 

digung. Vertheidigung derfelben am rüdmwärtigen Ufer Truppenabtheiluns 

gen aufftellen, oder Batterien errichten. Iſt aber diegfeits ein 

Brüdenfopf angelegt, fo gibt und der Gegner dadurd zu erfennen, 

"daß er entichloffen fei, fich fünftig nicht blos auf die Defenfive 

zu befchränfen, fondern vielmehr jeden ſich ereignenten Vortheil 

zu benügen, um wieder in die Öffenfive überzugehen. — Der 

Angriff folder Tetes de pont ift gewöhnlich mit vielen Schwies 

rigfeiten verbunden, da der Feind kräftige Vorbereitungen zu 

ihrer Vertheidigung treffen, und überhaupt alled aufbieten wird, 

um feine Stellung auf dem vormwärtigen Ufer fortwährend zu 
behaupten. 


Bel Verfols Häufiger finden jedoch Angriffe auf Brüden bei Berfols 

nes, gung des Feindes Statt, der dieſelben befeut, um feinen Rüdzug 
gu fihern, wir hingegen durd einen raſchen Angriff zu nehmen 
fuchen, bevor es ihm gelingt, dieſelbe zu zerftören oder abzutragen, 
und dadurch unfer Borrüden zu hemmen. In folhen Gelegens 
heiten entftehen daher fowohl zwiſchen Avantr und Arrieregarden 
größerer Korps, ald zwilchen Pleineren Truppenabtheilungen, Des 
taſchements, Streifkommandos nm. dgl. häufige Gefechte. 


249 





Eben diefelben finden auch oft bei feindlihen Vorpoſten⸗ Dei Borpo: 
nien oder Winterpoftirungen Statt, wenn die Kette derfelben "nina 
ng8 eined Gewäſſers fortläuft, und die vorhandenen Kommus ftirungen. 
fationen mit Piqueten befegt find. 

In jedem Falle muß dem Angriffe eine Rekognoscirung Sänele Res 

BIN pgnosrirung 

s Terraind und der feindlichen Aufftelung vorausgchen. Diele des Terrains 
jedoch in größter Eile und Schnelligkeit auszuführen, um das und ner feind 
rch Feine Zeit zu verlieren, was befonderd bei Verfolgung dee Stel. 
nded durch Avantgarden fehr nacktheilig werden könnte, da 
jern dem Gegner Zeit gewährt, ſich zu faflen, und zu einer 
ftigen Bertheidigung vorzubereiten. In ſolchen Gelegenheiten 
ed daher nothwendig, mit einem Blicke dad Terrain zu wür⸗ 
n, die Stärfe und Schwäche der feindlichen Aufftellung zu 
nnen, den Punkt des Angriffe hiernach zu beftimmen und 
n rafch auf den Gegner loszugehen 

Bor Allem aber muß man beurtheilen: Beobachtun⸗ 


1. Welche Vortheile das Terrain ſeiner Vertheidigung dar⸗ gen hiebel. 
t, ob Dörfer oder andere Gegenſtaͤnde natüurliche Brücken⸗ 
» bilden, und mo felbe zu durchbrechen wären. 

2. In wie fern, und mit welcher Wirfung der Feind vom 
yärtigen Ufer zur Bertheidigung des Brückeneinganges mits 
rfen im Stande ift. 

3. Welche Dedungen das Terrain dagegen und im Vor⸗ 
ı gewährt, und 

4. wo Geſchütze zu placiren find, um unſere Attaque vors 
:iten und gu unterflügen. 
In Hinfikt des Angriffes folder Stellungen vor Brüden Angriff felöft. 
ifen wir auf den $. 5, wo Seite 196 über die Angriffsart 
or einem Defilee genommenen Stellung die nöthigen Er⸗ 
gen gegeben wurden. 
Iſt es und gelungen, den Feind zurüdzumerfen, dann ſchreite Raſches Vers 
nit größter Schnelligkeit gegen die Brücke, um ſich der⸗ folgen de⸗ 
zu bemächtigen, und laſſe dem Gegner keine Zeit, ſich zu geinde 
zu formiren und neuen Widerſtand zu leiſten. 
Das Hauptaugenmerk unſeres Angriffes iſt jedoch ſtets die Hauptaugen⸗ 
ung der Brücke, man bleibe alſo dem fliehenden Feinde merk hiebei. 
rend am Leibe, um dadurch gleichzeitig und vermengt mit 
Brücke zu erreichen, zu pafliren, auf das jenfeitige Ufer 


| | _250 _ 
zu kommen, und dadurch die dafelbft aufgeftellten Truppen zu 
verbindern, und durch ihr Feuer den llibergang zu vermehren. 
De een Bricht der Gegner die Brüde ab, ohne den gänzlichen Rückzug 
durch den feiner Arrieregarde abzuwarten, dann tracdıte man, den Dadurch 
Feind por dem abgefchnittenen Abtheilungen das Einfciffen zu verwehren, und 
ee ei fih der zu dieſem Zwede zurücgelaffenen Pontons, Flöße, Kähne 
ner Arrieres u. dgl. zu bemächtigen, die wir hierauf felbft zum fernern Ans 
garde. griffe mir vielem Vortheile benügen Eönnen. Ziehen ſich dieſe 
Truppen durch eine Furthe zurüd, fo ſtürze man ihnen nad, um 
mit felben zugleich den Uibergang zu vollführen. 
ee Waren wir jedoch nit im Stande, die vom Feinde vor der 
— Brücke genommene Stellung zu durchbrechen, und iſt es ſeiner Arriere⸗ 
garde gelungen, ihren gänzlichen Rückzug auf das jenſeitige Ufer 
unter dem Schutze der daſelbſt aufgeſtellten Batterien und Truppen 
zu vollführen, und die Brücke abzutragen oder ungangbar zu 
machen, dann iſt die Forcirung des Uiberganges weit ſchwieriger. 
Müßte ſie demungeachtet von der Fronte unternommen werden, 
fo beſetzen Tiraillenrs das diesſeitige Ufer; — die Infanterie 
bleibt indeſſen rückwärts, ſo viel möglich gedeckt, in Kolonne 
Vorbereitung ſtehen; — die Geſchütze aber fahren unverweilt auf, um ein 
durch Arrilie Fräftiges Feuer gegen ven Feind zu beginnen. Die ſchweren 
railleurfeuer. Kaliber trachten feine Batterien mit SKugelfhüffen zu demontiren, 
die leichten aber, wo es die Breite des Flußes erlaubt, mit 
Kartätfhen die feindlihen Truppen vom jenfeitigen Deboufchee 
der Brüde zu vertreiben. 
Herſtellung Unter dem Schutze dieſes Feuers werden entweder in größter 
ber a ngetraner Schnelle Lauf⸗ oder Pontonsbrüden gefhlagen, oder mittelft 
Tragbalfen, Dadıftreben, Baumflämmen, Leitern, Bretern, Thors 
flügeln u. dgl. die abgetragenen Joche überdedt, und die Koms 
munifation hergeftellt; — worauf die bi6 dahin verborgen ges 
haltenen Infanteriekolonnen vorrüden, im Sturmfcritt die Brücke 
pafliren, und das jenfeitige Ufer zu erreihen trachten. Hier 
kann blos Muth und Beifpiel der Anführer an der Spige der 
Truppe und die verheerende Wirkung der Artillerie eine vors 
theilhafte Entſcheidung erringen. 
Gutfheibende Wir haben fchon im Anfange dieſes $. bemerft, daß ein 
anliegen folcher ftetd mit Berluft verbundener Angriff nur da unternommen 
Tournirung werden fol, wo ed die Umflände gebieten, und es nicht möglich 


ders gleiche ift, an einem andern Puufte über Brüden, durch Furthen oder 








251 





ut Schiffen über den Fluß zu feten, und Dadnrd dem „Feinde ee 
it der Hauptmacht oder menigftend mit einigen Abtheilungen y,; (Gegners. 
nfanterie oder Kavallerie in die Flanke zu fallen. Wäre dieſes 

doch audführbar, dann gelingt der llibergang auch mit weniger 

ufopferung, da der zur Dertheidigung der Brücke aufgeftellte 

‚ind, in feinen Flanfen und Rücken bedroht, freiwillig den Punkt 

rlaffen, oder doc unferem Frontalangriffe weniger Kraft ent 

genzufegen im Stande fein wird. 

Laßt der Gegner nadı vollendetem Rückzuge die Brüden Borfihten at 
jen, dann ift zu vermuthen, Daß er entweder Minen angelegt, Syinenu dal. 
v fonft Vorbereitungen getroffen babe, damit die Brüde unter 

Laft unferer darüber eilenden Truppen einftürze. Im erften 

Ile fuche man dem Feinde zuvorzufommen, die Zündwurſt abs 
hneiden, die Minen zu leeren, oder das im Ofen befindliche 
ver mit Waffer zu befchüttenz find aber die Tragbalfen oder 
hpfeiler durchſägt, dann verfchaffe man der Brüde durch ans 
gte Querhöfger, Unterftügungsftreben, eiferne Klanımern u. dgl. 
ser die nöthige Xragbarfeit. Das an felber alleufalld bes 
liche Brandzeug reiße man los und werfe es in das Waſſer; 
e es jedoch dem Feinde bereits gelungen fein, die Brüde aus 
nden, fo bemühe man fid durch alle möglichen Mittel dem 
r Einhalt zu thun, und dadurch wenigftend einen Theil ders 
n zu erretten. 

Begünſtigen Dörfer, mit Mauern umgebene Gärten, Ans Angriff der 
n oder andere Terraingegenftände bie Bertheidigung der De er 
fe, fo muß der Angriff derfelben mir defto größerer Umſicht der Brücke lie⸗ 
eführt werden, und gefcieht bei Dörfern nach den Erfläs elbuften 
en des $. 2 diefer Abtheilung. — Iſt Die Avantgarde zu Terraingegens 
3 Zwede zu ſchwach, fo erwartet fie Die von der nachfol- ſtände. 
n SHaupttruppe anfommenden Verftärfungen, während ihre 
üge gegen die ſchwächſten Punkte der feindlichen Stellung 
‚ um dad Durchbrechen derfelben vorzubereiten. — Eine 
näßige Bertheilung der Truppe in Die zum Kauptangriffe 
u den Scheinattaquen beftimmten Kolonnen, und die Aufs 
g binlänglich ftarfer Reſerven ift bier um deſto nöthiger, 

8 Unternehmen mit größeren Schwierigkeiten verbunden 

d Daher aud leichter zurüdgefchlagen werden fann. | 
Sind Brüdenköpfe angelegt, die forcirt werden müffen, jo Angriff der 
zu vorzüglich eine dem Feinde überlegene Zahl von Artillerie Brückenkoͤpfe. 





srorpmwendine erforderlih, die ein Toncentrifhes euer gegen die Verſchan⸗ 
lee zungen beginnt. Erſt dann, wenn durch felbe die Kraft des 
Mertheidigerd gefchmwächt und fein Geſchütz demontirt ift, rüden 
die bis dahin verdedt gehaltenen Infanteriefolonnen zum Sturme 
vor, — erflettern die Bruftwehren, und fuchen entweder bie 
Beſatzung gefangen zu nehmen, oder mit den Kliehenden zugleich 
die Brücke und das jenfeitige Ufer zu erreichen. 
Beobachtung Beſtehen die Brüdentöpfe aus abgelonderten Werfen, dann 
— wähle man jene Redoute zum Hauptangriffe, deren Beſitz und 
abgefonderten Die meiften Vortheile darbietet, während man die übrigen Werke 
Werken. durch Scheinattaquen befchäftigte. — Uiber die näheren Detaild 
folher Angriffe verweifen wir übrigend auf den $. 11 dieſer 
Abtheilung, der von der Vertheidigung und dem Angriffe der 
Schanzen insbefondere handelt. 
. Bel einer Eind wir jedoch nicht gezwungen, einen Brückenkopf unmit 
Umgepung. telbar zu forciren, fondern können wir ihn umgehen, fo befchränft 
man fit blod auf eine Berennung desfelben außerhalb des Kas 
nonenfchußes zur Abwendung aller Ausfälle, — feke an einem 
andern Punkte über den Fluß, und nehme dadurch die Verſchan⸗ 
zungen im Rüden. 
nn Gelingt ed einem offenfiv handelnden Feinde, über einen 
Sußuber von uns befeßten Fluß ungeachtet aller angewandten Vertheidi⸗ 
yänge durch gungsmittel eine Brücke zu errichten, fo muß man hauptfäclic 
Ange feiner rachten, demfelben die Entwidlung feiner Truppen zu verhindern, 
oder fie wieder auf das jenfeitige Ufer zu werfen. — Der Aw 
griff der Brücke geſchieht alfo hier im defenſiver Hinficht, und 
ift mit möglicher Kraft audzuführen, um dem Gegner feine 
Zeit zu laflen, Schanzen zur Dedung des Uibergangspunktes zu 
erbauen, und dadurch feſten Fuß am diesfeitigen Ufer zu faflen. — 
Häufig gelingt es dem Feinde, feinen Brüdenfchlag zu bewerk 
Relligen, da er hiezu ſtets ſolche Punkte wählt, die durch ihre 
Natur fein Unternehmen begünftigen. Allein hiemit ift der Uiber⸗ 
gang noch nicht entfchieden; — die weit ſchwerere Aufgabe if 
die Entwidlung feiner Truppen und das Feſtſetzen derſelben auf 
dem biesfeitigen Ufer. — Wan halte fi daher nicht für verlos 
ren, wenn e6 dem Gegner gelungen if eine Brüde zu ſchlagen, 
fondern fammle vielmehr feine Kräfte, um ihn anzugreifen und 
wieder jzurüdzuwerfen, oder wenigſtens durch Beſetzung eine 
vortheilhaften Punfted im weiteren Borrüden aufzuhalten. — 





253 


J 





in entſchloſſener Offizier, als Kommandant kleinerer und grös 
rer Truppenabtheilungen, wird in ſolchen Fällen. durch geſchickte 
enüßung des Terrains fich gegen die Uibermacht bed Feindes 
fhüßen, und diefen bis zum Anlangen rüdwärtiger Berflärs 
ng aufzuhalten trachten. — Die Kriegsgeſchichte zeigt une 
iipiele, daß oft durch die Belegung und muthvolle Bertheidis 
ng eines Haufed, Grabend oder anderen günftigen Terrains 
jenftandes eine Flußniederung jo lange behauptet wurde, bie 
h einigen Stunden der Feind mit vereinten Kräften angegrifs 
und zurüdgemorfen werden konnte. 


6.8. u 
rtbeidigung und Angriff eines Moraftes oder 
Sumpfes. 


Moräfte, Sümpfe, Moor oder Torfgründe find Terraine Wichtigkeit 
erniffe, die nah Maß ihrer Ungangbarkeit und Ausdehnung derſelben. 
hl auf Stellungen ald Bewegungen größerer oder fleinerer 
openabtheilungen einen wefentlihen Einfluß haben, und oft 
ige Bertheidigungsmittel bilden, weil durch felbe gewöhnlich 
wenige brauchbare Kommunifationen führen, die ſelbſt von 
- geringen Truppenzahl gegen einen weit überlegenen Feind 
uptet werden fünnen. 

Befonderd find ausgedehnte, moraftige Niederungen, wenn Ausgedehnter, 
das durc fie fließende Waſſer an fich felbft nicht bedeutend giiedernnnen 
ft größere Hinderniffe, ald Flüffe, — da fie nur auf langen, " 
nehreren Brüden durcfchnittenen Dämmen paflırt werden 
n, und meiftend ejne folche Breite haben, daß der am jens 
n Rande aufgeftellte Feind und mit feinem Feuer nicht 
en fann, wir daher die wenigen Zugänge, die cr im Ans 
zu erringen genöthigt if, mit defto größerem Erfolge zu 
Digen vermögen. 

Aufſtellungen hinter Moräften gewähren daher häufig klei⸗ Vortheile dies 
oder größeren Truppenabtheilungen bedeutende Bortheile, ee In 
es beſonders der Bertheidis 
\. in der Linie einer Vorpojtenfette, wo man durch ſelbe Lung. 
dßere Streden mit geringerer Truppenzahl zu fihern im 

>» ift; | 


254 - 





2. por Dörfern, Wältern, Schanzen, Stellungen oder an» 
deren beſetzten Punkten, die der Feind entweder von der Seite 
des Moraftes angreifen, oder nur auf weiten Unwegen umge⸗ 
ben kann; 

3. längs den Ufern eined zu vertheidigenden Gewäſſers, 
wo durch felbe dem Feinde der Uibergang erfchwert oder uns 
möglich gemacht wird; 

4. ald Stüßpunfte für die Flügel einer Stellung; 

5. als Terrainhinderniffe, die den Feind fowohl in Borz, 
als Rückmärſche zum Defiliren auf einigen wenigen vorhandenen 
Kommumnifationen nöthigen und ihn dadurch aufhalten; 

6. find fie theilweife gangbar, und mit Schilf oder Gebü⸗ 
fhen bewachſen, fo können fie überdied zu Anlegung von Ver⸗ 
ſtecken uud SHinterhalten, oder zu einzelnen Tirailleurgefechten 
mit vieiem VBortheile gebraucht werden. 

Nöthige Sn allen diefen Fällen ift ed aber Außerfi nothmwendig, die 
N Befchaffenheit Diefer Meräjte und Sümpfe mit größter Sorgfalt 
fenpeit. zu prüfen, um diefelben nie für ungangbar zu halten, bevor man 
fie nicht genau durchſucht hatz denn die Kriegsgeſchichte liefert 
und häufige Beifpiele, wie Truppen blos deshalb überfallen und 
geſchlagen wurden, weil fie ſich durch ſolche Terrainhinderniffe 
gefihert hielten, und der Feind dennoch Mittel fand, felbe zu 

pafliren. 


Vorſicht bei Die Offiziere, die daher den Auftrag erhalten, die Beſchaf⸗ 
a ang fenheit eines Moraftes oder Sumpfed zu unterfuchen, können 
und Moräjte, biebei nicht behutfam genug zu Werfe geben, und dürfen fich 
keineswegs mit den Ausfagen der Landesbewohner begnügen, 
fondern müffen ſich vielmehr von feiner Ungangbarfeit felbft zu 
überzeugen trachten. Manche Sümpfe erfcheinen dem Auge auf 
den erften Blick als die fchönften Wiefen, genauer beobachtet 
werden fie jedod durch verſchiedene Kennzeichen verdächtig. Dieſes 
n ift 3. B. der Fall, wenn man bie und da mit Binfenfraut oder 
gelbgrünem Moos bededte Theile wahrnimmt, — fo wie, wenn 
zwiſchen dem Graſe ein mehrere Karben fpielended Waſſer durchs 

ſchimmert. 


Vorzuͤglichſte Nach den verſchiedenen Zwecken der Rekognoscirung, und 


1, egeufbünde der größern oder geringern Bedeutenheit folder Terraimhinders 


guoscirung. niffe kommt hiebei vorzüglich zu berüdjichtigen: 


253 


\ 





foffener Offizier, ald Kommandant. Fleinerer und grö- 
uppenabtheilungen, wird in folchen Fällen durch geſchickte 
sung des Terrains ſich gegen die Uibermacht des Feindes 
ſjdutzen, und dieſen bis zum Anlangen rückwärtiger Verſtär⸗ 
ag aufzuhalten trachten. — Die Kriegsgeſchichte zeigt uns 
. „ıele, daß oft durd die Beſetzung und muthvolle Bertheidis 
ag eines Hauſes, Grabend oder anderen günftigen Terrains 
‚‚nftandes eine Flußniederung fo fange behauptet wurde, bie 
..‚ einigen Stunden der Feind mit vereinten Kräften angegrifs 
a und zurüdgeworfen werden fonnte. 


6.8. u 
Bertbeidigung und Angriff eines Moraftes oder 
Sumpfes. 


Moräfte, Sümpfe, Moor oder Torfgründe find Terrain Wichtigkeit 
binderniffe, die nach Maß ihrer Ungangbarfeit und Ausdehnung derſelben. 
fowohl auf Stellungen ald Bewegungen größerer oder kleinerer 
Truppenabtheilungen einen wefentliben Einfluß haben, und oft 
fräftige Vertheidigungsmittel bilden, weil durch felbe gewöhnlich 
nur wenige brauchbare Kommunifationen führen, die felbft von 
einer geringen Xruppenzahl gegen einen weit überlegenen Feind 
behauptet werden fünnen. 

Befonders find ausgedehnte, moraftige Niederungen, wenn Ausgedehnter, 
auch das durch fie fließende Waſſer an fich felbft nicht bedeutend giiederunnen 
iſt, oft größere Hinderniffe, ald Flüffe, — da fie nur auf langen, " 
von mehreren Brüden durchfchnittenen Dänmen paflırt werden 
fönnen, und meiftend ejne folche Breite haben, daß der am jens 
feitigen Rande aufgeftellte Feind und mit feinem Feuer nicht 
erreichen kann, wir daher die wenigen Zugänge, die er im Anz 
griffe zu erringen genöthigt ift, mit defto größerem Erfolge zu 
vertheidigen vermögen. 

Aufſtellungen hinter Moräften gewähren daher häuftg klei⸗ Vortheile dies 
neren oder größeren Truppenabtheilungen bedeutende Bortheile, — EX In 
und dies beſonders ber Vertheidi⸗ 

1. in der Linie einer Vorpoſtenkette, wo man durch ſelbe HUN. 
oft größere Streden mit geringerer Truppenzahl zu ſichern im 
Stande ift; 


Teiche. 


Art der 
Aufftelung. 


Staͤrker und 
ſchwaͤcher zu 
befegende 
Punkte. 


256 





Sommermonate unter Wafler ftehen, das mit Leichtigkeit zu einer 
Höhe von mehren Schuhen geitaudet werden kann. Sie liegen 
gewöhnlich tiefer ald die durcführenden Wege, nehmen in Ges 
genden, wo naheliegende Flüffe oder Bäche die Bewaäͤſſerung ers 
leichtern, meiftend bedeutende Steeden ein, und werden dadurch 
Terrainhindernifle, die nicht felten einen weientlichen Einfluß fo 
wohl auf die Bewegungen und Stellyngen größerer als Eleinerer 
Truppenabtheilungen haben; — wie uns Dies ‚die verfchiedenen 
Feldzüge im nördlichen Italien, indbefondere aber mehre am Po 
und Mincio gelieferte Gefechte hinlänglich heweilen. 

Auch einzelne Teiche können nah Maß ihrer Größe, Breite, 
Tiefe und Länge für verhältnißmäßige Truppenkörper eine mili⸗ 
taͤriſche Anwendung erhalten. In manchen Laͤndert, wie z. B. 
in Böhmen, Mähren und Schleſien liegen oft mehrere derſelben 
nahe aneinander, und fiehen durch fleine Kanäle oder Baͤche, 
die häufig ein fumpfiges Ufer haben, in wechſelweiſer Verbindung. 
Sole Niederungen, durch die nur wenige Kommunikationen 


oder Dämme führen, decken daher oft fehr vortheilhaft die Fronte 


einer auf rückwärtigen Ravind oder Hügeln genommenen Stel 
lung, und erſchweren den Angriff derfelben. 


Berthbeidigung. 


» Nah Allem, was. wir in diefem $. erwähnt haben, ergibt 
fih alfo, daß Moräfte und Sümpfe nad VBerhältuiß ihrer Aus⸗ 
dehnung fowohl von grßeren ald kleineren Truppenabtheilungen 
mit vielem Vortheile vettheidige werden fünnen. Nur bei Ruͤck⸗ 
zügen, wo es ſich darum handelt, den verfolgenden Gegner auf 
zuhalten, um der Haupttruppe Zeit zu verfchaffen, die durch 
Moräfte führenden Deflleed zu pafliren, finden Stellungen vor⸗ 
waͤrts derfelben Statt; — in allen andern Gelegenheiten aber 
ftellt man fich hinter diefen Xerrainhinderniffen auf, um fie als 
Dedungsmittel der Fronte zu benügen, und dem Feinde den 
Durdigang zu vermehren. Die näheren Detaild der Aufitellung 
hängen übrigend von der Breite des Moraſtes oder Sumpfes 
und von der Belchaffenheit der rüdwärtigen Gegend ab. 

Eine befondere Berüdfihtigung erfordern aber alle über 
felbe führenden Kommunikationen größerer oder Meinerer Art, ſo 
wie überhaupt alle trockenen und ſeichteren Stellen, die dem Feinde 











257 


n Durchmarſch, fei es auch nur mit kleineren Abtheilungen, 
er einzelnen Tirailleurd, geftatten. Diefe Punkte find bie 
eftleed, die der angreifende Gegner zu forciren genöthigt ift, und 
e daher den Hauptgegenftand der Vertheidigung bilden. Gie 
den zu diefem Zwecke mit binlänglich ſtarken geichloflenen 
uppenabtheilungen befegt, während man bie zwifchen ihnen 
genden, weniger bedrohten Streden blos mit einer Plaͤnklerkette 
bachtet. 

In angemeſſener Entfernung weiter rückwaͤrts befinden fich Unterftüguns 
verhältnißmäßigen Unterfügungen und hinter dieſen größere ven, 
erven. 

Dad Gres der zur Bertheidigung beftimmten Truppe nimmt leer 
r diesſeits Wuf vortheilhaft liegenden Ravins, bominirenden truppe.. 
ven, oder am Vereinigungspunkte mehrerer, aud dem Sumpfe 
menden Straſſen eine ſolche Stellung, aus welcher es ſchnell 
en die bedrohten Punkte vorzurücken im Stande iſt. | 

Das Geſchütz wird fo viel als möglich durch das Terrain Verwendung 
t oder einen Erdaufwurf gededt, in der Verfängerung, ober des Geſchützes. 
8 und links der durch den Sumpf führenden Straſſen und 
ıme bergeftalt aufgeführt, daß es Diefe Defileed entweder zu 
iren oder foncentrifch zu befchießen im Stande fei. 

Die Kavallerie bleibt bei den auf den Hauptzugaͤngen Berwendung 
nden Neferven, um den Feind im Augenblide des Pebom derRavallerie. 
ns durch eine heftige Attaque wieber zurüdzumerfen, oder 
theilweife zur Sicherung unferer Slanten verwendet. 
©eftrüppe, Waldungen, Gebäude, Dörfer, Höhenzüge ober Venäsung 
e vortheilbafte Terraingegenftände,' die fich Diesfeitö' des des Terrains, 
iſtes befinden, müflen auch hier zweckmäßig benügt werben, 
önnen den Vertheidigern den größten Nuten gewähren. 

Iſt und der Feind an Kräften überlegen, und find wir Das Künftliche 
in eine rein befenfive Lage verfegt, oder wollen wir feine Dee 
' vor der Fronte parallifiren, um Ausfälle in feine Flanken gungom 
ernehmen, fo trachte man durch kuͤnſtliche Mittel die Ver⸗ 
ungsfähigkeit der hinter dem Moraſte oder Sumpfe ge⸗ 
nen Aufſtellung fo viel möglic zu erhöheh, und dadurch 
egner den Angriff auf dad Aeußerſte zu erfchweren. Hieher - 
®: 
le Barrikadirung oder Abgrabung aller durch den Sumpf 
ven Straflen oder Dämme. 

17 


Befondere 
Rücfichten 
bei felben. 


Vertheidis 
gung felbft. 


Feuer 
der Artillerie. 


Teuer der 
Snfanterie. 


258 


2. Sperrung derſelben durch Palliſabirungen, Tambouri ⸗ 
rungen oder Querdaͤmme. 

3. Abtragung aller Brücken über größere oder kleinere, im 
Moraſte befindlichen Gewaͤſſer. 

4. Ziehung von Gräben am diesſeitigen Rande des Sumpfes, 
die ſich dann gewoͤhnlich ſchnell mit Waſſer füllen. 

5. Anlegung von Verhauen in waldigen Gegenden. 
| 6. Errichtung von Schanzen, theild um unfere Gelchüge 
gegen das feindliche Feuer zu decken, theils um durch felbe den 
Ausgang der vorwärtigen Defilees zu beftreichen, und dem Feinde 
das Deboufhiren zu verhindern, 

-Bei der Anwendung bdiefer Fünftlichen Mittel iſt jedoch 
unſere Lage und die Stärke des Gegners genamw- zu berückſich⸗ 
tigen; — denn befonderd größere Truppenabtheilungen würden, 
durch eine gänzliche. Sperrung und Zerftöyung der gegen die 
Fronte ihrer Aufitellung führenden Zugänge, fich felbft den Vor⸗ 
theil entreißen, nöthigen Falls die Offenſive wieder ergreifen zu 
fünnen. 
| Nach der Beichaffenheit des Moraftes ober Sumpfes, und 
nach der Zahl der durchführenden Strafen oder Dämme wird 
fi der vorrüfende Feind in eine oder mehrere Angrifföfolonnen 
formiren, md mit einem heftigen Geſchutzfeuer Die. Attaque 
beginnen. ; 

Begünftiget das jenfeitige Terrain die guten desfelben, 
oder ift und der Gegner an Artillerie weit überlegen, dann lat 
man fich mit ihm, in Feine Kanonaden ein, die eine bloße Demon 
tirung unſeres Gefchüges herbeiführen könnten; fondern halte 
dasſelbe vielmehr fo lange hinter einem dedenden Terrainge⸗ 
genitande verborgen, bis feine Infanterieabtheilungen zum Sturme 
vorräden. — In diefem Augenblide erft beginnt die vereinte 
Wirkung unferer Gefchüge, und da in einem fumpfigen Terrain 
keine Geliſchüſſe möglich find, fo trachte man durch ein wohl 
angebrachted und rafirendes Feuer die Teten der feindlichen Aw 
griffskolonnen zu zerfchmettern, und fie dadurch zum Ruͤckzuge zu 
zwingen. 

Sept aber der Gegner demungeachtet feinen Marſch fort, 
fo eilen die Unterftügungen hervor, verftärfen die am Amögangt 
der Defileed anfgeftellten Truppenabtheifnngen, und empfangen 
den Feind, wie er in ben Ertrag bes Reingenmehrfenendghommi, 











259 





t ganzen Dechargen; — zugleich feßen fich nach‘ Umftänden bie 
ferven ober felbft ein Theil der ruͤckwaͤrtigen Haupttruppe unvers Borrädung 
ilt gegen den bedrohten Punkt in Marſch, — der Neft aber Haupttruppe. 
ibt an einem hiezu fchicflichen Orte ald Hauptreferve aufgeftellt. 

Sollte der Gegner, ungeactet der verheerenden Wirkung le 
eres Foncentrifchen Feuers weiter vordringen, fo geichieht die renden 
‚theibigung bed vorliegenden Deboufchees nach den Erklaͤrun⸗ Jdeindes. 
„ die $. 5, Seite 193 und 194 erläutert wurden. Hier 
mt ed hauptfächlich darauf an, dem Keinde keinen Raum 
Entwillung feiner Kraft am diesfeitigen Ausgange bed Des 
es zu geben, fondern ihn rafch mit dem Bajonette ober ber 
sallerie anzugreifen, in ben Sumpf zu werfen, oder gar feinen 
fzug abzwichneiden. 

Während fo an den verfchiedenen durchführenden Straffen Steiheifige 

Dämmen geſchloſſene Abtheilungen mit einander kaͤmpfen, fechte in deilen 
» von leichten Truppen, die fich zwiſchen Schiff und Gefträns lauten. 
‚in die Flanke des Feindes fchleichen, ein lebhaftes Tirails 
gefecht unterhalten. 


Rückt der Gegner gleichzeitig auf zwei oder mehreren Zu Be 
jen vor, fo biete man ihm überall muthig die Stirne, vers van uf Sehe 
de jedoch das Gros der Truppe vorzüglich zur Vertheidigung vexen Dan Teen 
enigen Punktes, den der Feind zum Hanptangriffe beftimmt i eidenden 
— Gelingt es demfelben, an einem Orte burchzudringen, fo VJeind. 
: man ben Angriff aller Referven auf dieſen bebrohten 
t, und detaſchire zugleih nach Möglichkeit verhäftnißmäßige 
eilungen in die Flanken des Feindes, um ihn fo von allen 
n anzugreifen, abzufchneiden oder zurückzuwerfen. | 
Tritt er hierauf feinen Rüdzug an, fo achte man dem⸗ „nenehmen , 
ı durch ein heftiged Feuer den möglichtten Schaden zuzu⸗ * —* 
‚ und ihn dadurch von einem wiederhoften Angriffe abzu⸗ 
en; — ob man aber den Gegner zu verfolgen und felbft . 

Hfenfive zu ergreifen babe, laäßt fkh hier nicht für alle 
beftimmen, ba died vom Zuſammenhange gleichzeitiger 

gungen anderer Truppenförper, von dem Zwecke unferer 

sidigung, fo wie von verfckiedenen andern, ſtets wechjelnden 

nden abhängt. 

Werden mir jedoch burd die Uibermacht des Feindes felbft „Bei dem 
Xückzuge genöthigt, dann ziehen fih die verfhiedenen “OT... 
mabsßeilungen unter fortwährendem Gefechte gegen bie 


260 


Aufftelung der rückwaͤrtigen Hnuptreferve, mit ber fie fich vereis 

nigen, um dem Gegner neuerdings die Stirne zu bieten, oder 

unter dem Scuße bderfelben den ferneren Rückzug auszuführen. 

Beobach⸗ Kleinere Infanterieabtheilungen, die mit keinem Geſchütze 

erden Kr verfehen find, und einen Sumpf zu vertheidigen haben, benehmen 

fanierisabtheiz ſich ebenfalls nach den angeführten Erflärungen. — Bor allen 

lungen. aber ift es nöthig, daß ihre Stärke im entiprechenden Verhält 

niffe mit der Größe des Terrainhinderniffes und der Zahl der 

verfchiebenen Zugänge flehe; da fie im entgegengefetten Falle 

richt im Stande find, die bedrohten Punkte hinlänglich ſtark zu 

befeben, und dem Feinde einen kraftvollen Widerftand zu leiſten. — 

Bei Heineren Sümpfen und Moräften, befonderd wenn fie mit 

Schilf und Gebüfchen bewachſen find, ift es oft möglich, Tiraik 

leurd am jenfeitigen Rande aufzitftellen, die fich daſelbſt einige 

Zeit halten, und dann ihren Rüdzug entweder durch den Moraſt, 

ober rechts und links um denfelben ziehend, gegen die Flügel der 
rüdwärtigen Auffielung nehmen, 


Angriff 


Vortheile der Der Angriff eined Morafted oder Sumpfes befteht haupt 
Umgebungen fählic in der Forcirung der durch felben führenden Straſſen 
und Dämme, und ift gewöhnlich fehr ſchwierig, da der Gegner 
fowohl feine Infantekie als Artillerie dergeftalt aufitellen wird, 
baß fie die verfchiedenen Deftleed auf das Kräftigfte zu beſtrei⸗ 
chen vermögen. — Se breiter folhe Terrainhinderniſſe find, 
defto mehr Zeit benöthigen die flürmenden Truppen, fie zu paſ⸗ 
firen, und deſto länger bleiben fie dem Feuer des Feindes and 
geſetzt; — man vermeide daher nach Möglichfeit jeden Angrif 
Yon der Fronte, amd fuche den hinter dem Sumpfe oder Morafte 
aufgeftellten Wegner entweder zu überfallen, oder durch Man 
vers in feine Flanfen zum Rüdzuge zu bewegen. 
Angriff von Iſt man jedoch durch die Umftände genäthigt, eine ſolche 
der Fronte. Stellung zu forciren, fo hat der Kommandant, fobald er fih 
über die Beſchaffenheit der biedfeitigen Gegend, der Zahl uud 
Lage der durch das Xerrainhinderniß führenden Kommunifationen, 
fo wie über die Stärfe und Aufftellung des Gegners die nöthige 
Keuntuiß ee hat, noch außerhalb des feindlichen Geſchütz⸗ 
iu sin pder mehrere Angrifföfolonnen 








u formiren — und fie mit geſchickter Benützung jedes deckenden —— 
lerraingegenſtandes gegen bie verfchiedenen Angrifföpunfte zu und Referven, 
irigiren. — Berhäftnißmäßig ſtarke Neferven, bei denen ſich bie 
Yavallerie befindet, deden durch eine zwedmäßige Aufitellung 
as ganze Unternehmen, und find beftimmt, im. Yale feines 
Rißlingeng, die zurücdgeichlagene Truppe aufzunehmen, den Feind 
‚n jeder offenfiven Bewegung abzuhalten, und den Angriff zu 
neuern. 
Uibrigens hüte man fich auch hier vor jeber gleichförmigen naereinigung 


ıd zweckwidrigen Vertheilung feiner Kräfte, behalte zum Durchs dem entfcheis 
echen am entfcheidendften Punkte dad Gros ber Truppe vers denden 


ıt, und befhäftige den Gegner an den übrigen Zugängen bios Punkte. 
rch fchwächere Abtheilungen, um feine Aufmerkſamkeit zu theilen, 
ı auf mehreren Dertern zu bedrohen, und dadurch dis Haupt⸗ 
aque zu erleichtern. 
. NE 
Der Angriff ſelbſt geſchieht auf folgende Art * en 


1. Leichte Truppen beſetzen den bieöfeitigen Rand des Mo⸗ ngriires, 
ted oder Sumpfes, um den Feind, wo ed die Breite des 
rrainhinberniffes zuläßt, mit. einem lebhaften Tirailleurfeuer 
beunruhbigen. 

2. Die Artillerie, auf wortheilhaft liegenden Ravins, Höhen 
r anderen günftigen Purkten placirt, beginnt ein lebhaftes 
» ununterbrochened Feuer, um die Batterien des Gegners zu 
ıontiren, feine Truppen vom jenſeitigen -Deboufchee zu vers 
ben, und fo den Angriff der einftweilen gedeckt aufgeftellten 
anteriefolonnen vorzubereiten. 

3. Sobald diefe wahrnehmen, baß der Feind durch die 
fung unfered Geſchützes zu wanken beginnt, rüden fie leb⸗ 
zum Sturme gegen bie verichiedenen Deftleed vpr, trachten 
» ohne ‚Aufenthalt zu paflicen, und das jenfeitige . Deboufchee 
ſewinnen. An ihrer Tete marfchiren verhältnigmäßig ſtarke 
ntgarden, bei denen ſich Zimmerleute und Pionniers befinden, 
Gräben und Gewäſſer zu überbrücken, und. alle andern 
erniffe aus dem Wege zu räumen. Der Sturm felbft hat 
Ungeſtüm und größter Schnelligkeit ausgeführt zu werben, 
sicht unnöthigerweile länger dem feindlichen Feuer ausgeſetzt 
eiben; — die Abtheilungen find auf halbe Diftanz gefchloffen, — 
Dffiziere fielen fih an die Spike ihrer Truppen, und ermuns 
fie Durch perfönliches Beifpiel zur Tapferkeit. und Ausdauer. 


262 ’ 


a. Während bie Angrifföfolonnen auf ben vorhandenen 
Straffen und Dämmen zum Sturme vorrüden, werfen ſich leichte 
Truppen in den Sumpf, und trachten nad Möglichkeit durch 
denfelben zu waten, den Feind mit einem lebhaften Tirailleurs 
feuer zu beunruhigen, die Verbindimg der verfchiedenen Kolonnen 
zu erhalten, und ihre Flanken zu ſichern. 

5. So wie der Sturm beginnt, rüdt ein Theil ber Reſerve 
in Kolonne gegen das Deftlee, und erwartet hier den Ausgang 
des NAngriffes, — der andere Theil aber, nebit ber beihabenden 
Kavallerie, bleibt indeflen in feiner rüdwärtigen Aufftelung. 

6. Erreihen die flürmenden NAbtheilungen das jenfeitige 
Deboufchee, und ift es ihrem Muthe gelungen, den Feind zu 
vertreiben und ſich daſelbſt feftzufegen, fo eilen die am Eingange 
des Defileed ſtehenden Reſervekolonnen ihnen uwverweilt nad, 
um jenfeitd fo ſchnell ald möglich eine hinlaͤngliche Truppenzahl 
zu entwideln, und den errungenen Vortheil nicht wieber zu verlieren. 

7. Sollte jedoch das Unternehmen mißlingen, fo gefchieht 
der Rüdzug unferer Truppen unter dem Schutze der am dies⸗ 
feitigen Rande aufgeftellten Batterien und Neferven, bie dem 
verfolgenden Feinde das SHervorbrechen verwehren, und nöthigen 
Falls ſelbſt vorrüden, um ihn wiederholt anzugreifen. 

8. Befinden fich im Sumpfe, oder an einem durchfließenden 
Gewaͤſſer Hänfer, Muͤhlen u. dgl., fo werfen ſich verhältnißmäßige 
Abtheilungen in dieſelben, um ſich daſelbſt feſtzuſetzen, den Feind 
mit ihrem nahen Feuer zu beunruhigen, und die Erneuerung bed 
Angriffed zu erleichtern. 

9. Geſchieht die Attaque auf mehreren Punkten, fo ift ein 
gleichzeitige®’ Hervorbrechen der verichiedenen Kolonnen eine notb- 
wendige Bedingung, indem man dadurch ben Feind Leichter außer 
Faflung bringt, feine Aufmerkſamkeit theilt, und daher mit weniger 
Aufopferung den Durchgang zu erzwingen im Stande ift. 

iiber die Art des Debouſchirens, fo wie über die näheren 
Detaild des Angriffes ſelbſt, verweilen wir, um Wiederholungen 
gu vermeiden, auf die SS. 5 und 7 diefer Abtheilung, da viele 
der daſelbſt gegebenen Erklärungen auch bei der Forcirung ber 
durch einen Moraft führenden Defileed angewendet werben koͤnnen. 

Bei Befegung Sollte der Feind bei kleineren Sümpfen, die mit Schilf 
des dieölee und Gebuͤſchen bewachfen find, ben biesfeitigen Rand mit leichten 


tigen Randes 
Seleinerer Truppen beſetzt haben, fo trachte man fie, ohne Zeit mit Feuern 








263 





verlieren, durch einen rafhen Bajonetangriff in anfgelöfter Suͤmpfe vom 
ette aus ihrer Stellung gu vertreiben, und bleibe ihnen hierauf veinde. 
t6 nahe am Leibe, um durch ihren Rückzug die gangbaren 
tellen ded Sumpfes kennen zu lernen, und gleichzeitig mit ihnen 
n jenfeitigen Rand zu erreichen. 

Beim Angriffe eines Sumpfes, fo wie überhaupt einer je gehmierig 
ı durch Natur oder Kunft befeftigten Aufitellung ift eine vor⸗ Angriffes bei 
eitende und kräftige Wirkung der Artillerie das fücherfte Mittel, „ breiteren 
den nachfolgenden Infanteriefolsnnen den Sieg zu verfihnffen. "der tag 
gibt aber viele moraftige Niederungen, deren Breite größer.ded Gerwüges 
ald der Ertrag des Geſchützes, deren Erftürmung daher auch if. 
eutenden Schwierigfeiten unterliegt. — lliberfälle, Flankenan⸗ 
fe und Mandverd gegen die Rückzugslinie des Feindes führen 
mit weniger Aufopferungen zum Zwede; und felbit wenn 
: zum Angriffe in der Fronte genöthigt ift, fo made man 
ıonftrationen in die Flanke ded Gegners, die, wenn fie auch 
mn andern Vortheil gewähren follten, dennoch feine Aufmerk⸗ 
keit theilen, ihn zu Detafchirungen verleiten, und daher bie 
ptattaque erleichtern. Uibrigens kann man nöthigen Yale 
Sumpfe ſelbſt mittelft hineingeworfenen Reiſig, Fafchinen, 
mftämmen, Steinen und, Erde einen felten Grund erhalten, 
biefen eine Batterie gon "Schanztörben erbauen, bie Gefchüße 
Ibe einführen und von da den Ben mit vielem Vortheile 
eßen. 


6.9. 
Vertbeidigung und Angriff der Dämme. 
Dämme haben einen verfchiebenen Zwed und dienen: Zweck ihrer 
im Flüſſe, Torrenten, Kanäle, Teiche, Landfeen u. dgl. auf Anlage. Als 


n beſtimmtes Bett zu beichränfen, und die umliegende „gen da 


egend vor Uiberſchwemmung zu ſchützen. In diefem Kalle Austreten der 
ufen fie längs den Ufern fort, find, um der Gewalt des GBewäſſer. 
3afferd zu wiberfiehen, amd feſtem Materiale erbant, ers 

weren baher nicht felten die Einfahrt. einer zu fchlagenden 

rüde, — gewähren aber nad Umſtänden entweder dem 

igreifer, oder dem DBertheibiger den Bortheil natürlicher 
eckungen, an die man Platteformen und Bankete anbanet, 


Als Rommus 


264 





oder Schußiharten einſchneidet. In der Defenfive kann 
man übrigens ſolche Dänmte, befonderd wenn das Flußbett, 
wie ed in mehreren Klachländern der Fall ift, höher liegt 
als die umliegende Gegend, oft mit vielem Nutzen durch⸗ 
fhneiden, um daburd die Hauptgaͤnge des Feindes zu 
überfhwenmen. 


"nlfarionen 2 Als Rommunitationen duch Seen, Sümpfe, Moräfte und 
durch Terrain⸗ andere Niederungen; — und als ſolche bilden fie Defilees, 


hinderniſſe. 


die in der Defenſive einen deſto größeren militaͤriſchen 
Merth haben, je mehr fie burch die Befchaffenheit des Ter- 
raind in ihren Flanken gebedt find, und den Feind im Ans 
griffe auf einen beftimmten Punkt befchränfen; deren Weg⸗ 
nahme dagegen in der Offenfive aus demfelben Grunde 
bei einer zwedmäßig geleiteten Vertheidigung ftetd mit gro 
Ben Schwierigkeiten verbunden ift. 


als “ugänge Hieher gehören vorzugsweiſe jene Daͤmme, bie dur un 
eh ten gangbare Sümpfe zu einem in felben liegenden feften Punkte 
führen, und auf derem engen Raum der Gegner daher ger 
nöthigt if, mit Aufwand an Mühe und Zeit Laufgräben 
anzulegen, um fi im Angriffe dem verheerenden Feuer der 

vorliegenden Befeltigungen zu entziehen. 
als Auer 3, Werben Dänme oft quer durch ein Klußthal gezogen, um 
——* ben Ablauf desſelben zu ſperren, eine Strecke des Terraind 


der Gewaͤſſer. 


zu uͤberſchwemmen, und dadurch dem Feinde den Zugang 
zu unferer Aufftelung zu erfchweren. Die Anlage folder 
Dämme erfordert eine genaue Nivellirung des Terraind, um 
hiernach ihre Richtung, Höhe und Ausdehnung beſtimmen 
zu fönnen. — Gewöhnlich werben fie fo breit als hoch ge 
macht, und ſchraͤge durch die zu uͤberſchwemmenden Nieder 
rungen gezogen. — Der gegen dad Waſſer zw liegenden 
Boͤſchung gibt. man meiltend die doppelte, ber ruͤckwaͤrtigen 
aber die einfache Höhe ded Dammes zur Grundlage, und 
verfleibet die erftere mit Hurden, Faſchinen oder einem Raf 
felförmigen Flechtwerke, um ihr auf diefe Art gegen den 
Drud und das Anfpielen des Waſſers eine größere Halb 
barkeit zu verfchaffen. 

Da jedoch die in einem Ninnfale oder Flußthale geſtau⸗ 


deten Gewaͤſſer durch den beftändigen Zufluß bie Dämme bald 
überfleigen, auswafchen oder gerflören würden, fo ift ed noͤthig— 





263 





n ben letzteren Scleußen oder Wehren Clliberfälle): anzubrin- 


jen, um durch einen verhältnißmäßigen Ablauf dad Wafler ftets 


n gleicher Höhe zu erhalten. 

Viberfhwenmungen find ald kräftige Dedungsmittel der 
Bertheibigung in vielen Gelegenheiten von großem Nußen, bes 
onderd aber, mo fie in kurzer Zeit ımd ohne große Borbereis 
ungen erzeugt werben konnen. Läßt ſich alſo die gegen den 
reind zu liegende Gegend durch Sperrung einiger Abzugfchleißen, 


der fonit auf irgend eine andere Art mit Leichtigkeit unter. 


Baffer fegen, dann foll man ſtets diefen der Defenfive günftigen 
mftand nach Möglichkeit benügen. Die Erbauung von Dämmen 
ber, um eine größere Flußniederung zu überfchwenmen, erfor 
rt viel Materiale, Zeit und Arbeit, kann alfo meiſtens nur 
ei permanent befeftigten Punkten ftattfinden; obſchon man 
anchmal enge Schluchten und Thäler felbft im Laufe des Kries 
8 zu verdbämmen im Stande ift. 

Uibrigend find die Uiberſchwemmungen fo viel ald möglich 
gen die Angriffe ded Gegners zu fichern, weshalb man jens 
t8 der Dämme Berfchanzungen zur Dedung ihres Einganges 
legt, oder biesfeitd Batterien aufführt, um fie zu beftreichen, 
d dem Keinde jede Annäherung zu vermehren. — Vorzüglich 
er muß man bed Nachts die angelegten Dämme auf das 
orgfältigfte bewachen, damit fich der Feind nicht heranfchleichen 
b fie abgraben oder fonft zerftören fünne. 


‚Bertheidigung. 


Nach den bereitö gegebenen Erklärungen über ben Zweck 
' Dämme, und ihre Anwendung in militärifcher Hinficht ergibt 


Anwendung 
der Liber: 
ſchwemmun⸗ 
gen. 


Vertheidi⸗ 
gung der 
Dämme als 


‚ daß fie hauptfächlich ald Kommunilationen durch Sümpfe Kommunika- 


Moräfte zu berüdfichtigen find, um bie fi, wie bei den 


tionen durch 


Sum 
ücken, ſowohl zwifchen größeren Truppenabtheilungen, als klei⸗ und — 


n Detaſchements und Poſten nicht ſelten ein blutiger Kampf 
ſpinnt. Sie werben um fo wichtiger, je ausgedehnter und 
ugänglicher die Terrainhindernife find, durch welche fie füh- 
‚ da der Gegner in diefem Kalle genöthigt ift, entweder biefe 
Jänge mit Aufopferung zu forciren, ober auf weiten Umwegen 
umgeben. 


we und rt 


der Vertheis 
Digung. 


Belondere 
Details 
hierüber. 





Viber den Zweck und die Art ber Aufftelung, fo wie über 
bie Bertheidigung des jenfeitigen Einganges, oder bed diesſei⸗ 
tigen Deboufchees verweilen wir auf die im 6. 5 euthaltenen 
Erklärungen über die Bertheidigung der Defileed im Allgemeinen, 
fo wie auf die befonderen Details, die im 8. 7 bei den Brüden, 
und im $. 8 bei den Suͤmpfen und Moräften angeführt wurben, 
und bemerken hier bloß: 


1. Daß man dab jenfeitige Ende der Dämme oft durch 


Verſchanzungen dedt, die gleich den Bruͤckenköpfen in vielen Ges 


legenheiten einen enticheidenden Nuten gewähren. 

Bei jeder vorwärtigen Aufftellung, — fie gefchehe zur Des 
ung eines Rückzuges, oder zur Behauptung des Defilees felbft, 
— müffen ſich am diedfeitigen Rande des Sumpfes oder Moras 
fted verhältnißmäßige Neferven befinden, um nad) Möglichkeit 
zur Bertheidigung mitzuwirken, oder im Falle eines Rückzuges 
des jenfeitigen Truppe, felbe aufzunehmen, und den verfolgenden 
Gegner zurüdzumerfen. 


3. Oft find die Böfchungen eined Dammed mit Bäumen 
und Gebüfhen bewachſen, deren fich die Tirailleurd der Arrieres 
garde im Rückzuge ſtets mit fehr vielem Vortheile bedienen Finnen. 
um gebedt gegen den Feind zu feuern, und fein weiteres Vor⸗ 
rüden gu verzögern. . 

4. So viel ed ‚die Zeit und die Umftände erlauben, fuche 
man den angreifenden Gegner durch alle möglichen Hinderniſſe 
aufzuhalten. Zu diefem Zwecke werden die Dämme an verfcies 
denen Punkten abgegraben, oder durch Traverfen und Barrikaden 
gefperrt, — Fladderminen angelegt, — vorhandene Brüden zer⸗ 
ſtoͤrt u. bel. | 

5. Bei Aufftellung rüdwärtd müflen fowohl die Infanteries 
Abtheilungen als die Geſchuͤtze dergeſtalt placirt fein, daß fie den 
Damm zu enflliren, oder durch ein Kreuzfeuer zu beflreichen im 
Stande find, 

6. Um fich bei Aufftellungen hinter dem Damme gegen Uiber⸗ 
fälle zu fchügen, wird an deflen jenfeitigem Ende ein Aviſopiquet 
andgeftellt, mit welchem man, wo es nöthig if, durch Zwiſchen⸗ 
yoften die Verbindung erhält. — Auch müflen die durd den Sumpf 
allenfalls führenden Fußſteige, oder daſelbſt befindlichen gang» 


baren Stellen befegt und forgfam bewacht werden. 


267 
— — 

7. Die Vertheidigung beſchraͤnkt ſich groͤßtentheils auf die 
irkung des Infanterie- und Geſchuüͤtzfeuers, das daher lebhaft 
terhalten werden muß, um die vorrückenden Kolonnen des 
indes zu vernichten; erſt wenn ſie ſich dem diesſeitigen De⸗ 
iſchee nähern, und zu entwickeln beginnen ſollten, rücken die 
dieſem Zwecke bereit gehaltenen Reſerven mit dem Bajonete 
„ um den Gegner wieder zurückzuwerfen. | 

8. Bei langen Dämmen, die von diesſeits nicht ganz enſilirt 
«den können, breite man ſich wo möglih zur Erreichung dieſes 
eded in der Mitte des Dammesd, an deflen Krümmungen, — 
r anderen dazu ſchicklichen Orten fo viel aus, daß man daſelbſt 
6 und links Batterien zu errichten und aus biefen den Ein⸗ 
ig auf das Kräftigfte zu beſtreichen, oder die vorwärtige Auf⸗ 
ung zu unterſtuͤtzen im Stande fei. 


Angriff. 


Uiber den Angriff eines Dammes verweiſen wir, um Wie⸗ N * 
olungen zu vermeiden, auf den vorhergehenden $. dieſer „np Moräfe 
heilung, wo über den Angriff der Sümpfe, und der durch führenden 
ben führenden Kommunikationen bereitd die nöthigen Er⸗ T ne 
ungen gegeben wurden, und bemerken hier blos, daß bie 
ıilleurd der Avantgarde, wo die Bölchungen der Dämme wit 
üſch bewarhfen find, dieſen vortheilhaßten Umſtand ſtets 
itzen ſollen, um daſelbſt, gegen bad die obere Flaͤche des 
mes verheerend beſtreichende Feuer des Feindes gebedt, 
raſcher vorruͤcken zu koͤnnen. 

Hat aber der Gegner einen Querdamm erbauet, um ben Bei Uiber⸗ 
uf eines Gewäſſers gu hemmen, und das Thal dadurch zu un 
ſchwemmen, fo fuche man die am Ende desfelben befindliche 
ınze entweder durch einen Uiberfall zu nehmen, oder mit 
alt zw erflürmen, — fo wie die am. rädwärtigen Ufer zur 
eicuung der Uiberſchwemmung etma aufgeführten Batterien 
Feindes zu demontiren,. den Damm felbit aber zu zeritören, 
fo dem Wafler einen Ablauf zu verfhaffen; — befonderd 
ift man, wenn der Gegner die nöthigen Borfichtsmaßregeln 
ıchläffiget, oft im Stande, ſich zur Nachtzeit mit einigen ents 
jenen Leuten unbemerkt an den Damm zw fchleichen, ihn 
jraben und die Uiberſchwemmung dadurch zu heben. 


° 


368 





$. 10. I 
Vertheidigung und Angriff eines Gebirgspaſſes. 


Wichtigkeit Gebirge find Naturhinderniſſe, Die auf Kriegsoperationen 
der oe führen einen weientlichen Einfluß haben; — es verbienen baher beſonders 
den Straffen. jene Punkte, wo Heerftraflen und andere größere Kommunika⸗ 
tionen über felbe führen, eine vorzügliche Berüdfichtigung. 
Im rittelger Im Mittelgebirge, das eine geringere Höhe und fanftere 
irge. Abdachungen hat, befinden fich oft in Feiner Eutferuung. von 
einander mehrere Kommunikationen, die ben Bertheil gewähren, 
anf verichiedenen Stellen zugleich angreifen, einen oder den andern 
feindlichen Poften mit Uibermacht foreiren, und dadurch die übrigen 
Punkte in Flanke oder Ruͤcken bedrohen zu können. 
Im doos⸗⸗ Sm Hochgebirge dagegen find Straffenzüge feltener, weil 
rge. ſie oft in vielen Windungen über eine fleile Berglehne, ober 
durch ausgeſprengte Felfengallerien geführt werden müflen, und 
ihre Anlage daher ftetd mit großen Schwierigfeiten‘ und Koften 
verbunden ift. — Ohne Querverbindung gehen fie hier gewoͤhnlich 
in weiter Entfernung von einander über felfige Höhen, oder 
durch rauhe Thalgründe fort, — find aber in militärifcher Hinficht 
um defto wichtiger, dba ſich außer diefen Hauptlommunikationen 
nur einzelne, für Tirailleurd und Abtheilungen leichter Truppen 
gangbare Fuß⸗ und Saumfteige vorfinden, — der angreifende 
Gegner daher genöthige iſt, ich mit feinem Gros auf die vorhan⸗ 
dene Hauptſtraſſe zu beichränfen, die gewöhnlich ein enges, mehrere 
Meilen langes Deftlee, und oft auf eine bedeutende Strede ben 
einzigen Zugang eines Landes bilder, außer weichen man nur 
durch große und beichwerlide Umwege in das entgegengeſetzte 
Thal zu gelangen im Stande if. 
Paß, Joch, Solche Defilees werden, je nachdem fie über Gebirgsein⸗ 
Sr Haufe, fattlungen oder durch Engthäfer führen, mit verſchiedenen Namen, 
‚Vorteile als: Pap, Joch, Grad, Thor, Klaufe, Pforte u. dgl. bezeichnet, 
iger Pre und gewähren dem Vertheidiger viele Bortheile, da der Feind 
im Deftlee felbft feine Angriffe nur in gebrängter Kolonne unters 
- nehmen kann, die daher um fo mehr der Wirkung des Geſchutz⸗ 
feuerd ausgelegt iſt; — die angränzenben Berge und Felſen⸗ 
wände aber zugleich die burchführende Strafle beherrichen, der 
Gegner ed daher nicht wagen darf, im Xhale vorzurüden, ohne 


269 





1 zuerft der Einfaffungshoͤhen bemäctigt zu haben. — Hier 
men jedech ſelbſt kleinere Poften und Detafchements, begin 
jt durch die Befchaffenheit ded Terrains, fich mit vielem Vor⸗ 
ile vertheidigen, und dem mühſam heranflimmenden Begner 
en Zugang auf das Sartnädigfte verwehren. In Gebirgs⸗ 
dern, wo fih mehrere Engpäffe befinden, deren einzelne Ver⸗ 
idigung jeboch unfere Streitkräfte nur verſplittern wäürbe, 
te man feine Aufmerffamkeit vorzüglih auf jene Punkte, we 
folhe gegen den Feind führende Deſilees vereinigen, ober 
yenthäler in ein Hauptthal münden; da man durch eine Aufs 
ung dafelbft im erften Kalle mehrere Zugänge zu fihern, im 
en aber beide Thäler zweckmaͤßig zu vertheidigen im Stande ift. 
Nach der ſchon oben berührten DVerfchiedenheit ihrer Natur 
rfcheidet man zwei Arten der Gebirgspäffe, nämlich: 


1. Straffen, die über eine Einfattlung des Hauptrüdens 
end — fich oft zu einer beträchtlichen Höhe erheben, von den 
ängen der angrängenden Berge eingeengt werden, und jenfelts 
rößere Thäler einfallen. Hieher gehören z. B. der Loiblberg 
der Paß Pontafel in den Farnifchen Alpen, der Pag Gabel 
er bömifch s fächfiichen und der Paß Sablunfa an der uns 
ch⸗ſchleſiſchen Gränze, dad eiferne Thor in Siebenbürgen, 
Col di Tenda im Norden der Grafihaft Nizza u. a. m. 
2. Straflen, die dem Falle eines Gewäflerd folgend — 
häler oder Schluchten ziehen, und von hohen Bergen und 
n eingefcloflen, oft ein mehrere Meilen langed und nur 
je Klafter breited Deftlee bilden. Hieher gehören z. B. 
Jaß von Lueg im Salzburgifchen, der Paß von Fünftermünz 
rol, bie Chiuſa im Etſchthale oberhalb Volargue, der rothe 
npaß in Siebenbürgen u. a. m. . 


Uibrigend liegen die Gebirgspäſſe entweder an ber Gränze 
Staates, und find für beide kriegführende Deere ber 


Arten der 


Gt birgepäfle 


Auf Höhen. 


In Tpälern, 


Wichtigkeit 
derfelben an 
der Gränze 


Tel zu ferneren offenfiven Bewegungen, oder fie befinden eines Staates. 


n Innern eined Landes, und "werben. erfl in der Folge, 
Die Operationslinie im Vor⸗ oder Rücmarfche durch dies 
fährt, militärifch:wichtig. In beiden Fällen hat ihre. Ber» 
ung und ihr Angriff oft einen fo bedeutenden Einfluß auf 
neren Begebenheiten des Krieges, daß nicht felten die 
ung ober Behauptung einer Landedfireife von ihrem Befite 


Im Innern 
des Landes, 


270 





abhängt; wie und bie Gefchichte der neueren Kriege in ben Alpen, 

Ardennen, Porenden und dem Schwarzwalde häufige Beiſpiele 

barftellt. 

. Im den lan Ebenfo find jene Päfle, durch welche größere Kommunika⸗ 

ven einen Oper tionen in die Flanken der Operationslinie führen, ‚oft von befon- 
derem Werthe, weil fie und ald Verbinbungspunfte mit den Läns 
derſtrecken jenfeitö der Gebirge, jo wie mit den in felben gleichs 
geitig operirenden Xruppenabtheilungen dienen, — oder vom 
Feinde, wenn er fich derfelben bemächtigt hat, — zu Diverfionen 
in unfere Flaufen, und zur Bedrohung unferer Rüdzugslinie 
gebrauct werden fünnen. 


Berthbeidigung. 


Zwed Der Vers Die BVertheidigung eined Gebirgspaſſes fteht gewöhnlich in 
theidiguug. Verbindung mit höheren Operationen, und hat den Zweck, dem 
Feinde die vorhandenen Zugänge zu fperren, — fein Deboufciren 
in die diesſeits liegenden Thäler und Ebenen zu verhindern, felbft 
aber im Befige dieſes wichtigen Punktes zu bleiben, um nöthigen 
Falls aus der Defenfive in die Offenfive übergehen zu fünnen. 
Häufig auch werden bdiefelben zur Deckung eined Rückzuges bes 
fegt, indem felbft ſchwächere Arrieregarden, begünftigt durch die 
Natur biefer Deftleed, eine ganze feindliche Armee in ihrem Vor⸗ 
rufen aufzuhalten, und ihre Angriffe mit Verluſt zurüdzumerfen 
im Stande find. 
Art der Bei der Beſetzung eined Paffes ift die Sicherang feiner 
Auffelung. Flanken die erfte und nothwendigſte Bedingung, da der Feind, 
um den Schwierigkeiten eines Angriffes in der Fronte auszuwei⸗ 
chen, alles aufbieten wird, dad Deftlee zu umgehen und im Rüden 
zu nehmen. Die Art der Aufftellung zerfällt daher: 
1. In die Belegung des Pafled, und 
2. in die Bejegung der zu beiden Seiten desſelben liegen⸗ 
den Höhen. 
Nöthige Hiezu iſt eine detaillirte Terrainfenntniß erforderlich, vors 
—— ‚des zglich aber find die über das Gebirge in die Flanken oder 
"den Rüden des Paffed führenden Fuß⸗ und Saumfteige, fo wie 
alle vorhandenen Schluchten, Klüfte, Waflerriffe u. dgl. zu bes 
ruckfichtigen, und ihre Zugänglichkeit auf das Genauefte zu unter- 
Wegweiſer. fuchen. Jäger, Waldhüter, Kohlenbrenner, Bergleute, Hirten und 


271 





Schleihhändler können hierüber oft bie beften Auskünfte ertheis 
, und mit vielem Vortheile ald Wegweifer verwendet werden. 

Die Erfahrung beweijet und, daß bie meilten Päffe blos Wichtigkeit 
zꝛshalb verloren gingen, weil der Gegner Gelegenheit fand, auf —— 
nem nicht beſetzten Wege, oder anderen als ungangbar betrach⸗ rung. 
ten Punkten den Gebirgsrüden ungehindert zu erſteigen, — die 
felbft anfgeftellten Polten zu überfallen, ſich der das Defilee 
denden Höhen zu bemächtigen, und dadurch die zu feiner Bers 
eidigung beftimmte Truppe zum Rüczuge zu nöthigen. — Man 
an daher in dieſer Beziehung nicht genug Vorſicht anwenden, 

d bie zur Beſetzung der Gebirge detafchirten Dffigiere müflen 
ermüdet trachten, fich mit der Natur derfelben befannt zu mas 
n und alle erfteigbaren Punkte zu entbedden. — Uiberhaupt find 
r Zerrainfenntnuiß und fchnelle Orientirung zwei wefentliche 
forberniffe, ba die an ben verfciebenen Zugängen ber Gebirge 
‚geftellten Poften und Piquete ihre Verbindung nur durch Zwi⸗ 
nvedetten und Patrouillen erhalten, — oft durch fteile und 
jangbare Fellenipiken von einander getrennt werden, und 
er häufig in den Fall kommen, felbftftändig zu handeln. 
Die Beſetzung des Paſſes felbft beiteht vorzüglich in der Belebung ded 
errung der durch denfelben führenden Strafen. — Zn diefem Paſſes. 
ecke wird: 
1. Dort, wo ſich dad Defilee am meiſten zwifhen Felſen⸗ 
den einengt, ein hiezu vortheilhaft liegender Punkt, deſſen 
heidigungsfähigkeit man durch alle anwendbaren Mittel der 
ft zu erhöhen trachtet, — mit einer hinfänglichen Zahl von . 
spen und Gefüge beſetzt, um von ba bie vorwärtige Steaffe, 
h mit der für Gefchüß noch erreihbaren Senkung enfiliren, 
die anrüdenden Kolonnen ded Feinded mit einem kraftigen 
r empfangen zu koͤnnen. 
2. Zur Sicherung und Unterſtützung dieſes wichtigen do. Rüdmärtige 
befinden ſich weiter rüdwärtd verhältuißmäßige Reſerven, Reſerven. 
n Augenblicke des Angriffes zwedmäßig zu vermenden find, 
je Kolonne ded Gegners zurüdzumwerfen, und den Sperrpunft 
Yafles zu behaupten. . 
3. Auf den Höhen, Berglehnen und Felfenwänden, melde Leichte Trups 
Seftfee unmittelbar begränzen, werben leichte Truppen vers Einfaffungee 
. denen man einige Raketen ober Grfchüge vom leichten höhen. 
er mitgibt, um auf diefe Art von oben den angreifenden 


272 


Feind kraͤftigſt zu befkießen, und zugleich Steine, Felſenſtüͤcke, 
Banumſtaͤmme u. dgl. auf ihn herabzurellen. 
Angelegte 4, Um aber dem Gegner bad VBorrüden auf der durch das 
Dinderniſſe. Defilee führenden Kommunikation moͤglichſt zu erſchweren, und 
ihn Dadurch befto länger unferem wirkfamen Fener audzufegen, 
wird die Strafle theilmeife mit Gräben Durdigogen, durch Verhaue 
oder abgeiptengte Felſenſtücke geſperrt, vorhaudene Brüden ab» 
getragen, ober wenigftend ihre Zerftörung für ben Augenblick 
des Angriffes norbereitet. 
Sicherung der 5. Nicht felten befinden. fi in den Gebirgspäflen an der 
aekefnd: Seite der durchführenden Straffen Bäche, Torrenten, Flüffe u. dgl., 
lichen Die nah Maß ihrer Bebeutenheit einen mefentlichen Einfluß auf 
‚ Gewäller. pie Art der Bertheidigung haben, und die Kommunikation bes 
Thaled mit den auf den jenfeitigen Gebirgen detafchirten Abs 
theilungen unterbrechen. Sie werden im Verhaͤltniß ihrer Breite 
und Tiefe entweder mittelft eingefenfter Eggen, Pfähle und Steine 
ungangbar gemacht, — durch Patrouillichiffe und ausgeftellte Aviſo⸗ 
poften bewacht, — oder an Punkten, wo fie fi zwiſchen Felſen⸗ 
mwänden einengen, mit Ketten ober Pallifaden geiperrt. Sind 
diefe Gewäller von größerer Bebeutenheit, fo werden an. vors 
theilhaften Stellen ihres Ufers Infanterieabtheilungen und Ges 
fhüßbatterien placirt, um den Feind, wenn er hier auf Schiffen 
und Flößen in den Paß zu bringen verfuchen follte, mit einem 
kraͤftigen Feuer zurückzuweiſen. 
ah Wir haben bereitd erwähnt, welchen wmilitärifchen Werth 
fligung der Die Gebirgspäfle befigen, und daß ihre Vertheidigung ſich ges 
Gebirgspäffe. wöhnlich auf Höhere Entwürfe und Operationen gründet, baher 
man nicht unterlaflen fol, fih den Bet derfelben durd alle 
möglichen Mittel zu verfidern. Wo alſo Feine permanent bes 
feftigten Punfte die durcführenden Strafien iperren, dadurch 
ihre Behauptung erleichtern, und gleihfam den Schlüffel der 
Gebirgspäfle bilden, — dort muß man frühzeitig darauf denken, 
diefe Defileed durch Erbauung von Berfchanzungen, Blodhäufern, 
oder bei noch gehöriger Zeit durch feſte, aus Mauerwerk errichtete 
Thürme in beftmöglichiten Vertheidigungszuftand zu fegen, um 
baburch, fei ed beim Ausbruche oder im Laufe des Krieges, — 
das Vorbringen des Feindes zu hemmen, den Rüdzug einer 
Armee zu decken, oder unferer Offenfive eine größere Sicherheit 
zu verfhaffen. 








273 


Blockhaͤuſer richten fich in Geſtalt und Größe nadı ber Bes Blocpäufer. 
khaffenheit des Terrains und der Stärke ihrer Beſatzung, erhalten 
gewöhnlich die Form eines Rechteckes, deſſen längere Seite gegen 
den Feind gefehut ift, und müſſen durch ihre Lage fo viel als 
möglich gegen, das feintliche Gefchübfener gebecdt werben. Man 
erbaut fie denmach nicht unmittelbar im Thale, fondern auf nahe 
liegenden Bergen und Felfen, von mo man die burh den Ge NB 
birgepaß führende Hauptftraffe zu beftreichen, und dem Gegner 
dad Borrüden auf derfelben zıs vermehren im Stande ift. Shre 
Wände beftehen gewöhnlich aus zugezimmerten, 1 Scuh biden 
und feit an einander gereihten Baumftämmen; wollte man ihnen 
aber eine..größere Feſtigkeit verichaffen, fo werden 2 Reihen 

Balken laͤngg dem Trace des Blochaufes entweder knapp hinter 
einander eingefchlagen, ober man läßt zwiſchen benfelben einen 
2 bi8 4 Fuß breiten Zwifchenraum, und füllt ihn mit feitgeftampfter 
Erde. In diefe Wände fchneidet man in einer Höhe von 5 bis 
6 Schuh für die Infanterie Schußfharten ein, bie innen ‚weit, 
von außen aber fo fchmal als. möglich gemacht werden müſſen, 
und um dad Blockhaus feihft dann noch vertheidigen zu können, 
wenn der Gegner ſich der Gebirge bemächtigt hat, fo fichert 
man ed 'fomohl gegen das feindliche Wurfgeſchütz, ald gegen 
dad Feuer der angränzenden, bominirenden Berge durch eine faft 
bombenfrete Deckung. Es werben demnach 8 bid 12 Zoll dicke 
Dippelbäume quer über die ganze Breite bed Blockhauſes gelegt, 
n einer Höhe von 2 bis 3 Schuh mit Erde befchüttet, und dieſer 
Soden ndthigen Falls mittelft Stanpfäulen und Durchzugsbalken 
iterſtützt. Uibrigens müſſen die erforberlihen Rauch⸗ und Luft 
cher frei gelaffen, im Innern ein Herd erbaut, ebenfo längs 
en Wänden Bankete für die Infanterie angelegt werben; — 
zeſchütze laſſen fi aber im Blockhauſe felbft nicht immer. zweck⸗ 
Aßig anbringen, theild weil ihr Feuer einen zu großen Rauch 
jeugen würde, — theild weil fie breitere Schußfcharten benös 
igen, und viel Raum einnehmen. — Man kann felbe jedoch, 
enn bem Blockhauſe allenfalls ein Glacis vorgelegt ift, hinter 
efem, in einem hiezu eingefchmittenen Raume, ober in feitwärts 
ter ber Proteltion bed Blockhauſes eigend erbauten Batterien 
zciren. — Den Eingang des Blodhaufes bildet eine aus ftarfen, 
ppelt über das Kreuz genagelten Pfoften verfertigte, mit Schuß> 
bern verjehene Thür, aud wird ringe um felbes ein Graben 
18 


274 


ausgehoben, und deſſen Erbe bis zur Höhe der Schußſcharten an 
die Wände angeworfen, um ihnen dadurch eine deſto größere 
Widerftanböfähigfeit zu verichaffen. 
Bortheile Sind ſolche Blochänfer mit Lebensmitteln verſehen, und 
noeh an günftigen Punkten des Terraind erbaut, wo fie vom Geſchütze 
des Feindes nicht mit hinlänglicher Wirfung- befhoffen werden 
Yönnen, fo gewähren fie dem Bertheibiger oft den größten Nutzen; 
denn wenn ed auch ben leichten Truppen des Gegners gelungen 
tft, fih der rechts und links des Pafles liegenden Gebirge zu 
bemädhtigen, fo ift feine Hauptkolonne dennoch immer auf Die 
Paſſirung der durch das Deftlee führenden Hauptſtraſſe beſchränkt, 
indem ſich außer derſelben kein anderer für Kavallerie, Geſchütz 
und Fuhrwerk brauchbarer Weg vorfindet. Ein Blockhaus alſo, 
das durch ſeine Lage die im Thale befindliche Hauptkommuni⸗ 
Sation ſperrt und mit feinem Feuer beſtreicht, iſt daher oft 
im Stande, wenn. auch alle übrigen Gebirgepuntte vom Feinde 
bereits genommen wurben, ſich auf das Hartnaͤckigſte zu vers 
theidigen, dem Gegner das Borrüden mit feinem Gros gänzlich, 
gu verwehren, feine Kräfte durch wiederholt zurückgeichlagene Ans 
griffe zu Ihwächen, und und dadurch "Gelegenheit zu verkhaffen, 
entweder den verlornen Gebirgsrücken wieber zu erobern, oder 
bei einem Rückzuge mit der Haupftruppe einen Vorfprung zu ges 
winnen. Hiezu find aber entichloflene Kommandanten und Dffis 
ziere nöthig, die, befeelt von der Wichtigkeit ihres Poſtens, die 
Bertheidigung mit Umficht leiten, ihre untergebene Truppe zur 
Tapferkeit aufmuntern, und durch fräftige Worte der Ghre 
und Baterlanböliebe auf das Höchſte zu begeiftern vermögen. 
Die beiden im Jahre 1809 bei Malborghetto und Predil zur 
Vertheidigung des Pafled von Pontafel und der Klitiher Klaufe 
erbauten, von ihren Kommandanten, den Syauptleuten des Genies 
korps, Herrmann und Hensler mit Heldenmuth und Lebensaufs 
opferung gegen Die wiederholten Angriffe des Feindes vertheis 
digten Blockhaͤuſer find ehrmürdige Denkmahle in der üfterreichis 
jchen Kriegögefchichte, und beweifen, melchen entſcheidenden Bortheil 
fie in vielen Gelegenheiten, befonderd aber zur Dedfung eines 
Rückzuges gemähren fünnen, 
Gemauerte Gemauerte und durch feſte Wölbungen gegen das Wurfge⸗ 
Thuͤrme. ſchuͤtz des Feindes geficheste Thürme find, da fie eine noch größere 
Vertheidigungsfähigfeit befigen, zur Sperrung und Behauptung 








2753 | 


der Gebirgspäffe noch weit zwecimäßiger als Blocdhäufer; ihre - 
Erbauung .erfordert jedoch mehr Zeit und Mittel, und iſt ein 
Gegenftand ber permanenten Befelligung. 

Nähere Detaild über die Befeftigung der Gebirgspäffe laſſen Benötung 
fih nicht anführen, da ihre Anlage von den verſchiedenen Lofa- Segenftände 
litäten abhängt. — Oft aber befinden fich in denfelben Häuſer, zur Befeſti⸗ 
Kirchen, Schlöffer, Ruinen u. dgl., die durch ihre günftige Lage ne 
vortheilhafte Punkte der Bertheibigung bilden, und zur Behanptung 
des Pafled mit vielem Nutzen verwendet werden fünnen, beſon⸗ 
derd wenn man ihnen durch kuͤnſtliche Mittel eine größere Halts 
barkeit zu verichaffen trachtet. 

Die Beſetzung der rechtd und links des Paſſes liegenden efegung der 
Gebirgshoͤhen hat den Zwei, die Flanken beöfelben zu fhügen, Bebirge. 
den Feinde alle vorhandenen, zu Umgehungen bienlicken Seitens 
tommunifationen zu fperren, und ihn dadurch zu nöthigen, ent⸗ 
weder den Paß felbft von der Fronte nadı wiederholten Anſtren⸗ 
gungen mit Aufopferung zu foreiven, oder feine Abfiht durch 
größere, ihm Zeit raubende Umwege zu erreichen. 

Was wir über die Beſetzung ber die Gebirgäthäler eins Bewachung 
ſchließenden Höhen und Berge im $. 5, Seite 185—186 angeführt en Buaknne | 
haben, tritt auch hier in Anwendung. Tirailleurs und Fleine durch Tirail- 
Detafhements befegen bie über bad Gebirge in die Flanken des „ ne Morten. 
Paſſes führenden Fußfteige, Saummwege und fonft vorhandenen, 
gangbaren Schluchten, Waflerrifie u. dgl. — Hinter diefen Poften 
befinden fih an vortheilhaften Stellen des NRüdend, oder am 
Bereinigungsorte mehrerer, über denfelben führenden Seitenkom⸗ Rückwaͤrtige 
munikationen verhältnißmäßige Unterftügungen, die ftet3 bereit Unterittigun 
fein müflen, jeder bebrohten Strecke fchnell Hilfe zu leiften, und en. 
die herankflimmenden, leichten Truppen des Gegners mit Berluft 
zurüdzumerfen. 

An Eentralpunften der Gebirgöfette werben größere Neferven Hauptreſer⸗ 
anfgeftelit, um den Feind, wenn es ihm gelingen fein ſollte, ſich ven. 
eines Poſtens zu bemächtigen, mit Kraft entgegen zu treten, oder 
den Rüdzug der vorwärtigen Detafchementd zu ſichern. 

Diefe Reſerven haben auch einige Stüde leichter Geſchuͤtze Leichte Ge: 
bei fi; vorzüglich aber eignen fich zum Gebirgskriege Die Rake⸗ ſchute und 
ten, und gewähren, da fie überall leicht mitgenommen und felbft j 
auf ſteilen Bergſpitzen ylacirt werben koͤnnen, in ſolchen Gele- 
genheiten beftimmten Nutzen. 

18 * 


Verbindung 
der verſchiede⸗ 


nen Poften. 


276 _ 





Die verfchiedenen Poften erhalten burch Zwifchenvebetten fo . 
viel als möglich ihre Verbindung, und fignalifiren fih bei Tag 


Signalifirung und Nacht dur im Voraus beftimmte Zeichen jeden feindlichen 


eines 
Angriffe. 
KRünftliche 
Vertheidi⸗ 


gungsmittel. 


Vertheidi⸗ 
gung des 
Paſſes. 


Angriff. 

Uibrigens ſind an den gefährlichſten Stellen des. Gebirgs⸗ 

abhanges Verhaue anzulegen, und die verſchiedenen Zugaͤnge 
durch Felſenſtücke, Steine u. dgl. zu verrammeln oder ſonſt uns 
gangbar zu madıen. — Ob und wo im Gebirge Verfhanzungen 
erbaut werben follen, läßt fich nur durch die Lofalität beftimmen. 
Gegen Schüfle, die von tiefer liegenden Punkten nach den Höhen 
gefchehen, hat man nicht nöthig, ſich durch Bruftwehren zu deden, 
da man, um gefichert zu fein, fi nur vom Kamme etwas zu⸗ 
rüdziehen barf. Demungeadtet werden zur Sperrung ber vors 
züglichiten Zugänge oder zur größern Haltbarkeit vortheilhafter 
Punkte ded Gebirgsrückens, wenn ed die Zeit erlaubt, oft Kleine 
Fleichen oder Redouten angelegt, die mit größtem Erfolge vers 
theidigt werben koͤnnen, doch müflen fie 

1. dem Terrain in ihrer Form angepaßt, und 

2. von feinen nahe liegenden Höhen enfilirt oder dominirt 
werden. 

Bei Bruftwehren, die blos den Zwed haben, dad Geſchuͤtz 
zu decken, kann man fich übrigens bes fogenannten Einſchneidens 
mit vielem Vortheile bedienen. 

Was die Vertheidigung der Päfle betrifft, fo ergibt ſich 
diefelbe aus den bis jetzt über ihre Befetung angeführten Er- 
Märungen. Sie zerfällt 

1. in die Vertheibigung des Defilees felbft, 

2. in die Bertheibigung ber zu beiden Seiten desſelben 
liegenden Gebirgshöhen. 

Erftere befchränft ſich hauptfächlih auf die Behauptung des 
Sperrpunktes ſelbſt, den der Gegner nothwendig zu forciren genöthigt 
iſt, um ſich den Durchgang zu öffnen. Rüden die zum Angriffe 
beftimmten feindlichen Abtheilungen durch dad Deftlee gegen 
felben vor, fo werben fie von allen im Thale oder auf den ans 
gränzenden Bergen aufgeftellten Truppenabtheilungen und Ges 
fhüten mit einem lebhaften Heuer empfangen, und während fid, 
ber Gegner bemüht, die angelegten Hinderniſſe zu überwinden, 
fchleudert man von den ber Strafle zunächft liegenden Höhen 
Baumflämme und Felfenitüde auf ihn herab, um feine Kolonnen 


277 





badurd zu zerfchmettern und mit empfinblihem Verlufte zum 
Rückzuge zu nöthigen. 

Meiftend aber beginnt der Feind fein Unternehmen. mit Bertpeidis 
dem Angriffe der in ben Flanken bes Paſſes befindlichen Ger Anenylanten 
birgshöhen, um dadurd Die Vertheibigung des Sperrpunktes liegenden Ges 
ſelbſt zu ſchwaͤchen und feine Erfiürmung von der Fronte zu ers birgshohen. 
leihtern. — Die daſelbſt an den verfchiedenen Zugängen aufges 
ftellten Detafchements müflen daher vor allem unermüdet wachſam 
fein, um den Gegner, der Teinen ihm günftigen Umftand ver - 
nadläfligen wird, jede Gelegenheit zu einem lliberfalle zu 
benehmen, und ihn dadurch zum Angriffe mit offener Gewalt zu 
nöthigen. Verfuchen es leichte Truppen des Gegnerd, die Berg⸗ 

Ichnen und Zelfenwände zu erfteigen, fo trachte man ihiten durch 
ein wohlangebrachtes Feuer, fo wie durch herabgefchleuderte Steine 
dad weitere Bordringen zu verwehren, und ſende die Unterſtützun⸗ 
gen nöthigen Falls fchleunigft den bedrohten Punkten zu Hilfe. 
Terraintenntniß, Drientirungsgabe und fchnelle Entfchlöffenheit 
find für Die verfchiedenen Poſtenkommandanten nothwendige 
Erforderniffe, um die ihnen anvertraute Strede mit Limficht zu 
vertheidigen und durch Umgehungen nicht abgefchnitten zu werden, 
welches felten gefchieht, wenn fie ihre Kräfte beifammen behalten, 
und den umgebenden Feind felbft mit ſchneller Entfchkoffenheit 
entgegenrüden. — Uiberhaupt ift den Offizieren in ſolchen Gele⸗ 
genheiten die höchite Vorficht und Thätigfeit zu empfehlen, da der 
Berfuft eines einzigen Poftend oft die Urfache eines allgemeinen 
Rückzuges fein kann, und die Behauptung des Pafled von jener 
der ihn umifchließenden Gebirge unzertrennlich iſt. Uiber die 
näheren Detaild der Bertheidigung verweilen wir auf die Erfläs 
rungen, die im $, 4 der zweiten und $. 5 der fiebenten Abtheis 
Iung, Seite 192 und 193 in dieſer Hinfid;t gegeben wurden. 
Eine richtige Vertheilung der Truppen an ben verfchiedenen zu⸗ 
gänglichen Punkten, und die zwedimäßige Verwendung ber Un⸗ 
terflügungen und Referven find die beften Mittel, um die Angriffe 
des Feindes zurüdzufchlagen und den Beſitz der Gebirge zu be 
haupten. i 

Hat der Gegner ungeachtet unferer Anftrengung ben Rüden Rüdyup vom 
der Bergfette erftiegen und ſich bafelbft feftgefegt, fo trachte man Gebirge 
ihn neuerdings mit vereinten Kräften von allen Seiten anzu⸗ 
greifen und zurückzuwerfen; follte dieſes jedoch nicht mehr möglich 


Rückzug aus 
dem Paſſe. 


Vertheidis 


gung mebres 
rer, Durd eine. 


278 





‘ 


fein, fo zieht man fich nad) einen den verjchiedenen Detafchements 
ſchon im Boraus befannt gegebenen Verfammlungsort zurüd, jeboch 
im fortwährenden Gefechte mit dem Yeinde, und jede Blöße 
desfelben benügend, um ihn wieder anzugreifen und die errun- 
genen Vortheile zu entwinden. 

Iſt es dem Gegner gelungen, ſich der Einfaffungshöhen 
und der in den Flanfen des Paſſes über den Gebirgdrüden füh- 
renden Fuß⸗ und Saumfteige zu bemächtigen, dann ift die im 
Defilee anfgeftellte Truppe ebenfalld zum Ruͤckzuge genöthigt, 
doch Tann fih, wie bereitö erwähnt wurde, ein Blockhaus oder 
fonft befeftigter Punkt auch dann noch mit vielem Bortheile ver- 
theidigen, das Vorruͤcken des feindlihen Gros auf. der durch ben 
Paß führenden Hauptitraffe verzögern, und durch Zeitgewinn uns 
oft den größten Nuten gewähren. 

Befinden fih in einer audgebehnten Gebirgöfette mehrere 
Kommmilationen und Päfle, fo müflen diefe zwar mit verhälts 


Gebirgskette nipmäßigen Truppenabtheilungen befegt werben, doch hüte man 


führenden 


Paͤſſe. 


Zweck des 
Angriffes. 


ſich vor einer allzugroßen Vertheilung ſeiner Kraͤfte, und behalte 
vielmehr das Gros an einem diesſeits der Gebirge liegenden 
Eentralpunkte vereint, um von da, wenn der Feind feine Abſich⸗ 
ten und den Punkt ded wahren Angriffes zn erfennen gibt, vors 
zurüden und ihn mit Nachdruc entgegen zu treten. In ſolchen 
Gelegenheiten muß man daher nicht verfäumen, jeden günftigen 
Augenblick zu benägen, um in bie DOffenfive überzugehen, weil 
ed dem Gegner, wenn wir und durch längere Zeit auf eine rein 
defenfive Vertheidigung der Gebirgskette beichränfen, endlich doch 
gelingen muß; irgend einen Paß zu forciren, unfere Aufftellung 
Dadurch zu durchbrechen, und bie getrennten Abtheilungen theils 
weiſe zu ſchlagen. Da bie jeboch fchon in die höhere Krieges 
Eunft einfchlägt, fo wird es hier nur in fo fern berührt, ald es 
die Michtigfeit der Gebirgspäfle und den Kampf um felbe im 
wahren Lichte zu zeigen geeignet ift. | 


Angriff 
Nicht immer ift man im Laufe des Krieged genüthigt, 
einen vom Feinde befegten Gebirgspaß mit Gewalt zu forciren, 
indem man, wo es feine Lage geftattet, oft im Stande ift, ihn 
durch Demonftrationen oder größere Bewegungen frei zu machen, 
und durch erſtere ben Gegner entweder irre zu leiten, ober durch 


279 





Iehtere den Rücken bed beſetzten Deftlees und feine Verbindung 
mit den übrigen Truppen wirklich zu bedrohen. 

Die Kriegögeichichte ſtellt und ferner viele Beifpiele bar, 
daß Pälfe, die der Feind zu einer kraͤftigen Vertheibigung vor 
bereitet hatte, häufig ‚durch glüclich ausgeführte Coups de main 
oder liiberfälle gegommen wurden, und daß ed auf diefe Art 
‚fliegenden Korps, ja ſelbſt Ihwächeren Streiffommandod gelang, 
fih derfelben ohne großen Veriuft ‘zu bemächtigen. Hiezu find 
aber Geheimniß und Schnelligkeit die weientlichkien Erforberniffe- 

Die Forcirung eines Paſſes foll jedoch im Allgemeinen nur 
dort ftattfinden, wo wir‘ durch bie Wichtigkeit feines fchnellen 
Beſitzes hiezu gezwungen und nicht im Stande find, felben burch 
die Anwendung firategifcher Mittel zu erlangen. 

Der Zweck des Angriffes eines Gebirgspaſſes beruht daher 
auf höheren Abſichten, und ſteht gewöhnlich in Verbindung mit 
bem zufammenhängenden Entwurfe einer Operation. — Die Art 
des Angriffed aber bildet einen Gegenftand ber Tatil, und ed 
ift äußert nothwendig, daß fich bie Dffiziere, ald Kommandanten 
ber zur Forcirung ded Defileed oder der angränzenden Höhen 
beftimmten Xruppenabtheilingen mit den hiezu erforderlichen 
Verhaltungen genau befannt machen, befonderd weil der Ans 
griff des Pafles, fo wie der in den Flanken desſelben liegenden 
Gebirge nicht ſtets in unmittelbarer Verbindung erfolgt, und bie 
verſchiedenen Detafchementd daher häufig in den Fall kommen, 
felbRftänbig zu agiren. — Ein entfchloflener und für ven Krieg 
auögebildeter Offizier fann in ſolchen Augenbliden Gelegenheit 
finden, durch ein kluges und muthiged Benehmen Beweife feiner 
Einfiht und Tapferkeit zu geben, und zur Eroberung des vom 
Feinde befegten Paſſes wefentlich. beizutragen. 

Was die Anordnung ded Angriffes betrifft, fo iſt hiezu vum Ange 
eine genaue Kenntniß des Terraind, ber Aufftellung des ? 8 
Feinded und der von ihm angewandten fünftlichen Vertheidi⸗ 
gungdmittel erforderlih. — Landkarten und Pläne gewähren, 
wenn fie auch alle Schlucten, Fußſteige u. dgl. angeben, dem⸗ —— 
ungeachtet Fein hinlaͤngliches Bild über die Gangbarkeit ber Ges zerrains. 
birge, die man außer den vorhandenen Saummegen oft noch 
auf anderen, nur Jaͤgern, Hirten u. dgl. befannten Stellen zu 
erfteigen im Stande iſt. — Man verfäume daher ja nicht, diefe 
Perſonen ald Wegweifer zu benuͤtzen, und fi von ihnen über 


280 . 





die Vefchaffenheit der Gebirge im Eleiniten Detail uaterrihten 
zu laflen. 
Der feindlis Unter ihrer Leitung fchleichen ſich hierauf Beine Retognos⸗ 
Aufftellung eirpatrouillen nad allen Richtungen gegen die feindliche Auf⸗ 
ſtellung, und unterfuchen: 
1. Auf welche Art der Paß felbft befett ift, und ob in 
. demfelben Verfchanzungen, Blodhäufer u. dgl. zur Sperrung ber 
durchführenden Hauptitraflen angelegt wurben. 
2%. Wo im Gebirge die verfchiedenen Piquete ftehen, wie 
fie ihre Verbindung erhalten, und welde künſtliche Bertheidis 
gungsmittel der Gegner dafelbft angewendet hat. 
3. Ob alle Fußfteige, Saummwege u. dgl. von ihm ſorg⸗ 
fältig bewacht werden, ober ob irgend ein Zugang unbefegt 
. ‚geblieben ift, und in wie fern wir biefen Umſtand benüßen 
Sonnen, um den Gebirgsrüden zu erfteigen, feine Poſten zu 
überfallen, die Flanken ded Pafled zu gewinnen, oder die feind- 
liche Aufftelung zu umgehen 
Erit wenn man über diefe Gegenftände fichere Nachrichten 
eingezogen, und im Allgemeinen dad Terrain gehörig gewürdigt 
hat, ift man im Stande den fchwächlten Punkt der feindlichen 
Linie zn erkennen, und hiernady die Diepofitionen des Angriffes 
zwedmäßig zu entwerfen. 
Hauptreferve Bei der Forcirung eines Gebirgspaſſes wird vor allem an 
ee pehese deſſen Eingange eine verhäftnißmäßig ſtarke Hauptreſerve auf⸗ 
geſtellt, um das ganze Unternehmen zu ſichern, und den Feind 
im Falle eines Mißlingens von jeder offenſiven Bewegung 
abzuhalten. 
Vertheilung Die uͤbrige Truppe theilt man in drei Abtheilungen, 
Km Fee. wovon eine zum Angriffe im Thale, die beiden andern aber 
zur Eroberung der in den Flanken ded Defilees liegenden Ges 
birge beftimmt find. Zu biefen leßteren verwendet man haupts 
fächlich Leichte Infanterietruppen, und gibt ihnen einige Nafeten 
mit, die dafelbft leicht fortgebracht und mit dem größten Nuten . 
gegen den Feind gebraucdt werden. — Die Stärke bdiefer Abs 
theilungen Tann übrigens nur durch die Lofalität und den vom 
Gegner an verſchiedenen Punkten zu vermuthenden Widerftand 
beftimmt werden; — die Kommandanten derfelben erhalten 
jeboch im Allgemeinen ihre Berhaltungsbefehle, um dadurch dem 
ganzen Unternehmen Einheit und Nachdruck zu verfdaffen. 


281 





Sm $. 5 haben wir bereit beim. Angriffe der Bebirge- —— 
thaͤler erwähnt, daß es nur ſelten moͤglich, ſtets aber gefahrvoll Sinfoflunge: 
it, im Thale vorzurüden, ohne fich zuerft der Einfaffungshöhen Höhen, 
bemädktigt zu haben; — dies hat bei Päflen um fo. mehr feine 
Anwendung, da fie gewöhnlich ein fehr enges Deftlee bilden, 
und man baher zu ihrer Vertheidigung von ben angrängenden 
Höhen und Helfen mit deſto größerem Erfolge mitzuwirken im 
Stande iſt. 

Der Angriff eines Paſſes beginnt demnach ſtets mit der ee ber 
Forcirung ber in feinen Flanken liegenden Gebirge. Die biezu 
beftimmten Truppen werden zu dieſem Zwede nah der Zahl 
und Beichaffenheit der verfhiebenen Zugänge in Detafchements „N. u 
getheilt, und den fie befehligenden Dffizieren die Punkte der ſchements. 
feindlihen Stellung angegeben, gegen welche fie unter Leitung 
eines kundigen Boten, und mit Beobachtung aller in der Marſch⸗ 
ordnung angeführten Vorſichtsmaßregeln fo ſchnell ald möglich 
vorzurüden haben. Diefen Detafchements folgen verhaͤltnißmaͤ⸗ 
Fige Soutiend, um den Angriff der erfteren zu unterflügen, und 
Dadurch jeden errungenen Vortheil zu behaupten. Liber die 
näheren Detail des Angriffes verweilen wir auf tie hierüber 
im $. 5, Seite 198 — 201 gegebenen Erklärungen. Uiber⸗ 
haupt hängt hier alles von einer gefcidten Benuͤtzung des 
Terraind und einem muthigen und rafchen Borrüden ab. Man 
trachte demnach fo fchnell ald möglich die und in den Weg ges . 
legten Hinderniffe zu überwinden, die Berglehnen und Felſen⸗ 
wände ungeachtet des feindlichen Feuers zu erflettern, und ſtuͤrze 
fih hierauf mit dem Bajonete auf bie an den verfchiebenen Zus 
gängen aufgeftellten Piquete ded Gegners. 

Uibrigend bemerfen wir: 

1. Um den Feind an allen Punkten gleichzeitig zu befchäfs anneidyeitige 
tigen, und ihn von Detafchirungen gegen die zum Hanptangriffe 8 
beftimmten Zugänge abzuhalten, wird feine ganze im Gebirge 
audgeftellte Poftenchaine gleichzeitig allarmirt. 

2. Während die Detaſchements auf den verfchiedenen Zus Berwenbung 
gängen vorrüden, klettern einzelne Tirailleurs über die zwifchen qiraifeurs 
denſelben liegenden Felfen und Bergiehnen, um nach Möglichkeit 
Die Verbindung zu erhalten, dominirende Punkte zu gewinnen, 
und von da bie feindlichen Polen“ mit Vortheil zu beichießen 
und zu flanliren. 


282 





De Unter 3. Die Unterflägungen wirken vorzüglich gegen bie Haupts 
Bet sugänge bes Gebirgsrückens, zu deren Vertheidigung der Gegner 
wahrfcheinlich Verhaue oder Verfchanzungen angelegt haben wird, 
und wo er alfo einen befto größeren MWiderftand au leiſten im 

Stande ift, » 


Werbindung 4. Sobald bie Detafhements die Höhen genommen und 
mente, die feindlichen Piquete zurücgebrängt haben, trackten fie fchnell 
ihre während des Vorrüdend auf den verfchiedenen Fuß⸗ und 
Saumftegen verloren gegangene Verbindung wieder zu gewinnen, 
ſich wechfelweife zu unterftüßen, oder theilmeife zu fonzentriren, 
und fo mit vereinter Kraft den allenfalld vorrüdenden Neferven 

ded Feindes entgegen zu gehen. 
Flankenko⸗ 5. Um den Angriff der Gebirge von der Fronte zu erleich⸗ 
lonnen. tern, werden Abtheilungen abgeſendet, die auf entfernteren, vom 
Gegner nicht beachteten Zugängen den Rüden erſteigen, ſich in 
die Flanken feiner Aufftelung fchleichen und im Augenblice, als 
‘ der Angriff von der Fronte beginnt, hervorbrechen, um den 
Feind dadurd zu überrafchen, für feine Flügel beſorgt zu 
madhen und zum Nüdzuge zu bewegen. Hiezu ift aber eine 
möglicht genaue Zeitberehnung und die Anwendung beftimmter 
Signale erforderlih; denn wenn nicht Fronte und Flanfe des 
Gegners gleichzeitig angegriffen werden, fo erhält dieſer Ges 
legenheit, fih mit Uibermacht auf die zur Umgehung beftimmte 
Truppe zu werfen, und fle entweder gefangen zu nehmen, ober 

gänzlich aufzureiben. 


ImBorrüden 6. Im ferneren Vorrüden richte man fein Hauptangenmer? 

— vorzüglih auf jene Punkte, wo ſich mehrere Schluchten und 
Wege vereinigen, fo wie auf die dominirenden Höhen und Fels ' 
fenipigen, deren Eroberung uns den Befit der Gebirge fihert; — 
auch darf man überhaupt, fo viel ed bie Zeit geitattet, Fein 
Mittel der Kunft verfäumen, um bie errungenen Bortheile zu 
behaupten, und einzelnen Punkten eine größere Haltbarkeit zu 
verichaffen. 


Wirlung ge 7. Sobald ed und gelungen ift, den Gebirgsrüden zu 
Bit Dlarte erfteigen, beſetzen leichte Truppen unverweilt die dem Pafle in 
‚des Pafies. Flanken und Rüden zumaͤchſt liegenden Höhen, um von da den 

im Defilee befindlichen Feind zu beunruhigen, und das Borrüden 


unferer Truppe im Thale zu erleichtern. 


283 





Diefe Beobachtet indeffen den Gang des Gefechtes auf den Benehmen 
Einfaffungshöhen, und befchäftigt den im Paſſe aufgeftellten ne ya 
Gegner dur ein lebhaftes Tirailleur⸗ und Gefchüßfeuer, um feine fes beftimm- 
Aufınafamteit zu theilen, und ihn von Detafchirungen in das Täbrent bes 
Gebirge aufzuhalten, während die am Eingange des Defilees Angriffes der 
ftehende Hauptreſerve bereit ift, ben Feind mit Verluſt zurüdzu, Gebirge 
werfen, wenn er es verfuchen follte, hervorzubrechen und einen 
Ausfall zu anternehmen. oo. 

Gelingt ed unferen Truppen, fich ber in ben Flanken des Vorrücken 
Pafles liegenden Gebirge zu bemächtigen,. fo wird der Gegner derſelben. 
fih wahrfcheinlich auc im Thale zum Rückzuge entfchließen, und 
höcftens noch den die Hauptſtraſſe Iperrenden Punkt vertheidigen. 

Diefer muß nun auf das Lebhaftelte durch vereinte Wir⸗ Angriff des im 
fung, fowohl der im Thale vorrüdenden, ald auf ben Einfaffunge- — an 
höhen bereits befindlichen Truppen angegriffen werden, um fo punktes. 
ſchnell als möglich den Durchgang des Pafles zu öffnen, und den 
ſich zurüchiehenden Feind ohne Zeitverluft verfolgen zu koͤnnen. 

Beichränft fich diefer auf die Vertheidigung eined Block⸗ Beobachtun⸗ 
hauſes, ſo iſt es vor allem erforderlich, Punkte zu gewinnen, von er 
welchen man badfelbe mit Gefhäg zu befchießen im Stande ift, Blorhaufes. 
um es anf diefe Art zu zerftören, oder durch Haubitzgranaten in Sorhereitende 
Brand zu fleden. Zugleich werben einige Raketen auf dominis Gelhüke und 
renden Höhen und Felfenfpigen, die für dad gewöhnliche Geſchuͤtz Raketen. 
unzugänglic, find, plaeirt, um von da das tiefer liegende Blods 
haus mit Erfolg befchießen und mit Granaten bewerfen zu können. 
Bei diefer Gelegenheit führen wir Die größten Efevationds und 
Senkungswinkel an, welche man dem Feldgeſchuͤtze mit den Kaffetten 
zu geben im Stande ift, wenn Räder und Protzſtock auf dem 
nämlichen Horizonte fiehen; bei Veränderung diefer Stellung 
Tann jedoch ſowohl die Elevation als Senkung noch mehr vers 
größert werben. | 


Pfündige Kanone — höcfter Elevationdwinfel — größte Senfung. 
3 


> 27 Grad "6'/, Grad 
6 > 23 2 11, > 
12 . > 21, >» 8, 2 
6 Kavallerie 14 2 6%, > 
7 Haubige 30'/, > A 2 
Kavalleriehaubitze 22,2 bi, > 


&turm der 
Infanterie. 


Beobachtung. 
beißewäflern. 


281 





Höhfter Elevationswintel — größte Senkung. 


Raketen 30 Grad 12—13 Grad 
18pfündige Kanone 21 > 7 > 
10» ord. Haubike 25 2 6 > 
7 » lange » 15, » 10 > ) 


Sollte die Befagung des Blockhauſes ungeachtet der vers 
heerenden Wirkung unfered Geſchuͤtzes fich noch ferner zu vers 
theidigen verfuchen, fo geichieht der Angriff desfelben durch eine 
eigens hiezu beftimmte Truppenabtheilung nadı den Erflärungen 
bed folgenden $., der fih mit dem Angriffe der Schanzen im 
Allgemeinen befchäftigt. 

Befinden ſich neben der durch den Paß führenden Haupts 
ſtraſſe, Flüſſe u. dgl., fo kann man felbe im Angriffe nicht felten 
mit vielem Bortheile benügen; auf jeden Fall ift ed aber nöthig, 
diefe Gewäfler zu bewachen, und an vortheilhaften Punkten ihres 
Ufers einige Gefchüge aufzuführen, um fo den Gegner, der ſich 


aller Klöße, Kähne und Schiffe bemächtigt haben wird, dad Her⸗ 


Bei PDlateaur 
auf dem 
Rüden der 
Gebirge. 


Uiberfaͤlle. 


vorbrechen auf ſelben zu verwehren, und dadurch unſere Klanfen 
zu ſichern. 

Bei Päflen, die über eine Einſattlung des Gebirges führen, 
findet man oft auf dem oberften Rüden beöfelben eine ausge⸗ 
dehntere Fläche. — Der Feind wird auf folhen Plateaur mehrere 
Redouten angelegt, und die allenfalls vorhandenen Wohngebäude 
zur befimöglichiten Vertheidigung vorbereitet haben. Der Angriff 
auf felbe gefchieht daher nach einer mit Berückſichtigung der Los 
Kalität entworfenen Dispofition, gewöhnlich in mehreren Kolonnen, 
denen die Wege, auf welcden fie vorzurüden, und die Punkte, 
die fie zu forciren haben, auf das Benauefte angegeben werden; 
hiebei ift ein kraͤftiges Zuſammenwirken aller Kolonnen und ein 
Foncentrifcher Angriff bes ſchwaͤchſten Punktes der feindlichen 
Stellung das befte Mittel, den Sieg zu erringen. 

Bernachläfligt der Feind bie nöthigen Vorfihtömaßregeln, 
fo ift man, wie fchon Anfangs erwähnt wurde, oft im Stande, 
bei Nacht, Nebel ober in einem fonft günftigen Augenblide feine 
Poſten zu überfallen, und ſich auf diefe Art eines Gebirgspaſſes 


*, Wird die Richtmaſchine auf den Steg niedergelaffen, fo kann 20", 
Grad Glevation gegeben werden. 


285 





zu bemächtigen, — wie biefes beim Monte Genid von den Deſter⸗ 
reichern im April des Jahres 1800 mit vielem Gluͤcke ausge⸗ 
führt wurbe. 

Der YIngriff mehrerer, in einer Gebirgöfette liegenden Päffe Angriff meh: 
ift ein Gegenftand der höheren Kriegskunſt, und fteht in ummittels "Gepirgsterte 
barer Verbindung mit dem ftrategifchen Zwede unferer Operas Tieaenden 
tionen. So wie bei allen audgedehnten Bertheidigungslinien Palle, 
wählt man auch hier einen Punkt zum Hauptangriffe, während 
man die ganze Stellung des Feindes allarmirt, um feine Referven 
dadurch in Ungewißheit zu erhalten und ihre Aufmerkfamfeit zu 
theilen. Die Wahl des Hauptangrifföpunftes jedoch unterliegt 
den Gefeßen der Strategie, und muß mit Rüdblid auf den bes 
abfichtigten Zwed und die meiſten Vortheile darbieten. 


$. 11. 
Vertbeidigung und Uugriff der Schauen. 


Schanzen werben angelegt, um einzelnen Poften oder ganzen Zweck der 
Stellungen eine größere Haltbarkeit zu geben, Truppen und Ge, Fhanzen. 
[hät gegen das Feuer bed Feindes zu decken, und ſich auf biefe 
Art felbft gegen einen überlegenen Gegner mit Nachbrud vers 
theidigen zu koͤnnen. — In den vorhergehenden $$. diefer Abs 
theilung wurde die Anwendung der Schanzen bei der Beſetzung 
der Dörfer, Wälder, Deftleed, Brüden u. dgl. ausführlich dars 
geftellt; über ihre befondere Vertheidigungs⸗ und Angriffdart aber 
fih auf gegenwärtigen $. bezogen. Bevor wir jedoch zu den 
hiezu nöthigen Erklärungen fchreiten, wollen wir früher 

1. das verfchiedbene Trace nad dem Terrain, 

2. die Durchſchnitte und die Dimenfionen aller Theile, 

3. das Verkleidungsmateriale, 

4. die vor und innerhalb angelegten Hinderniffe, 

5. die Art ded Baues einzelner Schanzen im Allgemeinen 
berühren, fo wie den Einfluß zeigen, welchen diefe Gegenftände 
fowohl auf die Bertheidigung als den Angriff berfelben äußern. 

I. Die Feldſchanzen müffen in Hinſicht ihrer Geftalt dem Umriß(Tracé) 
Terrain möglichit angepaßt werden. Diefes findet befonders bei der ua jungen 
Anlegen von Berfchanzungen in einem ungleichen, wellenförmigen Terrain. 
Boden, auf Anhöhen, Bergen u. dgl. Statt, wo man durch eine 


Offene. 


Geſchloſſene 
oder Redou⸗ 
ten. 


Vortheile der⸗ 
ſelben. 


Beſondere 
Beobachtun⸗ 
en über die 
Anlage und 
Groͤße der 
Schanzen. 


286 





geſchickte Venügung des Terraind die Haltbarkeit eines Werkes 
bedeutend vermehren kann. — Uibrigens untericheidet man offene 
und gefchloflene Schanzen. Erftere, Plan 7, Fig. 1, 9 konnen. 
nur dort angelegt werden, wo man im Rüden gefichegt iſt; auch 
fperrt man ihre Kehle öfterd durch Pallifaden, fpanifche Reiter u. dgl. 

Die Redouten, Fig. 3, 4 und 5, welde im Felde am meiften 
in Anwendung kommen, find Bielede, die man nad der Anzahl 
ihrer Seiten benennt. Sie werden nicht immer in regelmäßiger 
Form angelegt, fondern man bricht. ihre Linien häufig nach der 
Geſtalt des Terrains. Bei den Redouten befindet fih zwar vor 
den augfpringenden Winkeln ein unbejtrichener oder todter Raum 
a b c, welcher die Annäherung des Feindes begünftigt, und daher 
den gewöhnlichen Angrifföpunft bildet; — auch haben fie für fich 
feine Slanfenvertheidigung. — Demungeachtet werden file unter 
allen Berfhanzungen im Felde am meiften angewendet, weil fie 

1. bei einem gegebenen Umfange den größten Raum durch 
gerade Linien einfchließen, | 

2. jeder Terrainform mit Vortheil angepaßt werben fünnen, 

3. leicht auszufteden und zu erbauen find, 

4. fi zur Vertheidigung einer Stellung beionderd eiguen, 
wenn fie jo angelegt werden, daß fie ſich wechfelmeife beftreichen, 

5. was den Fehler des tedten Raumes betrifft, nur eine 
Platteform für Geſchütz in den ausfpringenden Winkel, und vor 
dem Graben daſelbſt Wolfögruben und andere Hinderniſſe bes 
difen, um dem Feinde die Annäherung zu erfchweren. 

Eine ausführlihe Abhandlung über Feldfortififation liegt 
außer den Gränzen dieſes Werkes. — Wir begnügen und daher 
hier bios, über die Lage, Größe und andere Erfordernifle eins 
zelner Schanzen folgende allgemeine Bemerkungen anzufegen: 

1. Die Schangen müflen eine vortheilhafte Lage erhalten, 
und an Punkten angelegt werben, wo ihre Bertheibigung einen 
weientlihen Nugen gewährt, und wo das vorliegende Terrain 
felbft den Feind im Borrüden hindert. 

2. Die Hanptzugänge, fomit alle Wege, Brüden, Dämme 
und andere Deftleeö, die der Gegner im Angriffe zu pafliren 
genöthiget ift, müflen von felben auf bad Kräftigite beftrichen 
werden. 

3. Ze mehr Seiten der Umfang einer Schanze hat, je größer 
ift der innere Raum, aber um deflo mehr ift aud dad Feuer 








287 





der Schanze zerfireut, und daher nirgends von binlänglicher 
Wirkung. 

4. Die ausſpringenden Winfel Weiden fo ſtumpf als möglich, 
nie aber unter 60 Grade gemacht, bei umflanfirten Facen vers 
halten fie eine Abrundung von 8 bis 12 Schuh. 

5. Todte Winkel müflen bei Berfchanzungen fo viel als 
möglich vermieden, und entweder von Platteformen im ausſprin⸗ 
genden Winfel, oder durch das Feuer einer naheliegenben Flanfe 
vertheidigt werden. | 


6. Um die ganze Schanze darf auf 300 Schritte für Klein⸗ 
gewehrfener und auf 1000 Schritte für Kanonen Fein Drt fein, 
wo der Feind nicht gefehen und befchoffen werben kann. Zu 
dieſem Zwecke ebnet man kleine Ravins, füllt Gräben aus, 
reißet Hecken und Mauern nieder u. dgl. 

7. Die Geſchütze dürfen in den Verfchanzungen nicht zu 
fehr vertheilt, fondern entweder in den auöfpringenden Winkeln 
zur Bertheidigung des todten Raumes, oder zur Beftreichung 
irgend eined Hauptzuganges in größere Batterien zufammenges. 
ftellt werden. | 

8. Klanfen gewähren, befondersd wenn fie groß und mit - 
Geſchütz beſetzt find, einen entfcheidenden Vortheil, doch müflen 
die Hagen bei den Feldbefeitigungen nicht über 3 bie 500 
Schritte von ben fie beftreichenden Flanken entfernt fein, und 
der einfpringende Winfel 90 bid 100 Grabe betragen, um eine 
parallele Beftreihung ber Linien zu erreichen. 

9. Der Eingang der Schanze ift (für dad Geſchuͤtz) 6 bie 
8 Schub. breit, wird an den: wenigft bedrohten Seiten ange, 
bradt und inmwendig durd eine Rraverfe von boppelten Pallis 
faden gededt, weil die von Erde zu viel Raum einnehmen; — 
auch kann man denfelben mit einem Gitter oder durch fpanifche 
Reiter ſperren. Uiber den Graben baue man eine im Augens 
blicke des Angriffes leicht abzuwerfende Brüde. Erbzuugen find 
ſtets zu vermeiden, da fie dem Gegner. den Bortheil gewähren, 
über diefelben leichter vorrüden und ben Eingang der Schanze 
forciren zu konnen. 

10. Die Beſatzung einer Schanze ſoll ſtets fo groß fein, 
Daß man alle Linien mit 2 Mann beiegen kann, und daß nebft- 
dem noch der dritte Theil zu Reſerve erübrige. 


288 
— 

11. Die Größe der Verſchanzungen richtet ſich demnach 
nach der Zahl der zu ihrer Vertheidigung beſtimmten Mannſchaft 
und Geſchütze. Man rechnet nämlich nach Abichlag der Reſerve 
auf jeden Schritt Bruftwehrlänge 2 Wann, für jede Kanone in 
den Facen 6 und in den ausipringenden Winkeln 12 Schritte. 

12. Nie muß die Kuppe einer Anhöhe, außer fie ift ganz 
flach, in die Mitte einer Schanze genommen, ober die ausſprin⸗ 
genden Winkel auf dem Abhange vorgelegt werben, fondern 
man tradıte vielmehr, diefe letzteren auf die höchſten Punkte zu 
bringen, die Biegungen des Berges zu benügen und ben Abhang 
vortheilhaft zu beftreichen. . 

13. Borliegende Werke erhöhen den Aufzug der Haupt⸗ 
fhanze, vermehren die Bauarbeit, und find in vieler Ruͤckſicht 
bei Feldverfchanzungen Außerft nachteilig, daher man fie auch 
faft nie anmendet. \ 

Durchſchnitt II. Der Durchſchnitt einer Bruſtwehr kann nur durch richtige 
onen Bergleihung des Zmedes ihrer Anlage mit der und zum Baue 
aller Theile gegönnten Zeit, der Beſchaffenheit des Erdreihes und der Wider⸗ 
einer Schanze, ſandsfaͤhigkeit, die man ihr gegen das feindliche Gefchüg ver- 
"fchaffen will, beftimmt werden. Plan VIE, Fig. 6 und 7 ftellen 
zwei Durdfchnitte mit verfchiedenen Dimenflonen dar; hierüber 

Breite d bemerken wir: 
veite ber 4, Daß die Bruftwehren im guten Erbreiche gewöhnlich 12 bis 14, 
Bruſtwehre. ⸗ > —* asia 15, 
> fchlechten > > 15 bis 18 

Wiener Fuß obere Breite ab erhalten. 

Ihre innere 2. Die innere Höhe ac richtet fih nach der Beichaffenheit der 
Döbe. umliegenden Gegend. In einer Ebene beträgt fie gewöhnlich 

6 bis 7 Schuh; befindet ſich aber 1200 bis 1500 Schritte 

eine dominirende Anhöhe, fo muß der innere Raum der 

Schanze durd eine größere Höhe der Bruftwehre gegen 

das Feuer des Feindes fo viel ald möglich gebedt werben. 

Neigung der 3, Die Krone ad erhält gewöhnlich ihre Richtung gegen 
roue. einen 2 bis 2", Schuh vor dem Graben liegenden Punkt 

f, um auf diefe Art den am Rande beöfelben ſtehenden 

Feind vollkommen beitreichen zu köͤnnen. Die Stärfe des 

Falles hängt von der Breite der Bruftwehre und bed Gra⸗ 

bens ab, beträgt aber meiſtens auf jeden Schuh Länge 1 

bis 1'/, Zoll. 








289 





4. Durch diefe Abdachung der Krone wird die äußere Höhe AeußereHoͤhe. 
dg der Schanze um 1 bid 1%, Schuh vermindert. 

5, Die innere Boͤſchung ah erhält nach Verſchiedenheit des a 
Erdreiches /, oder "/,, die äußere dk aber Y, — *, oder Bölhung der 
die ganze Höhe der Bruſtwehre zur Grundlage. Im Allges Beuftwehre. 
meinen darf der Winkel, welchen die innere Boͤſchung mit 
der Krone bildet, nie fpißiger ald 90 Grabe fein. 

6. Es wurde bereit weiter oben erwähnt, daß man den innern Enfilirung 
Kaum einer Schanze, wenn fih auf 1000 bis 1200 Schritte en 
Dominirende Punkte vorfinden, durch eine größere Höhe der 
Bruftwehre zu deden trachten folle. Am dieſe Höhe nm, 

Fig. 8 nadı der Lage und Entfernung bed bominirenden 
Punktes a zu beflimmen, errichte man fowohl dafelbft ale 
in dem Punkte c, wo man im Innern der Schanze noch 
gedeckt fein will, eine 6 Schuh, im Punkte m aber, ber 
im innern Umriffe der Bruftwehre liegt, eine willführlich 
hohe oder verfchiebbare Stange, und fuche hierauf den Punkt 
n, in welchem die Bifirlinie db die Stange rm durchichneidet. 
Das befte Mittel gegen dad Enftlement ift eine zweckmäßige 
Anlage der Schanzen, indem man durch die Richtung, melde 
die Umrißlinien erhalten, oft jede Enftlirung zu vermeiden 
im Stande if. Sollte diefed jedoch nicht möglich fein, fo 
errichte man entweder in dem ausfpringenden Winkel ein 
Bonnet A, Fig. 9, durch deflen größere Höhe die Linie ab 
gededt wird, oder erbaue Traverfen B, Fig. 10, in einer 
folhen Entfernung und Höhe an die Bruftwehre an, daß 
man wo immer zwiſchen zwei derfelben ftehend, von der vors 
liegenden Anhöhe nicht gefehen werde. Oft ift es jedoch 
hinlänglich, auf der die enfilirte Linie ab dedienden Bruſt⸗ 
wehre ad mehrere mit Erde gefüllte Schanzförbe c auf 
zuftellen. j 

7. Am Rande eined Waſſers oder am Abhange von Bergen, —— 
wo man keinen Graben vor der Schanze benöthigt, und ven. 
die Bruftwehre nur A), Schuh hoch zu fein braucht, bedient 
man fich, wie bereitö in den vorhergehenden. SS. gefagt 
wurde, mit vielem Vortheile ded fogenannten Einfchneidene. 

8. Dies kann auch bei den Schulterwehren oder Epaulements Der Epaule 
angewendet werben, die man zur Dedung der Kavallerie 
erbaut, und daher wenigſtens 12 Schuh Höhe erhalten, 

19 


Banker. 


Berme. 


Graben. 


Eskarpe und 
Kontrees⸗ 
karpe. 


Platteformen 
oder 


Dritfchen. 


290 





9. Das Banfet rs, Fig. 6 und 7 ſteht 4 Schuh vom Kamme 


der Bruftwehre ab, — wird für ein Glied 2, für zwei 
Glieder aber A Schuh, 6 Zoll breit gemacht, und erhält die 
doppelte Höhe su zur Grundlage feiner Böſchung st, ftatt 
welcher jedoch auch zwei mit Faſchinen verkleidete Stufen 
angebracht werden fünnen. 


10. Die Berme kl, Fig. 7, ift gewöhnlich 2 Schuh breit, ge⸗ 


währt den Bortheil, fowohl die äußere Bölhung dk ale 
die Edfarpe Im ded Grabens fteiler machen und die Bruft- 
wehre ungehinderter ausbeſſern zu fünnen, erleichtert Dagegen 
dem Feinde die Erfteigung der Schanze, und wird daher 
nur im fchlechten oder fandigen Boden, fo wie auc bei 
Verſchanzungen von längerer Dauer angewendet. 


11. Der Graben liefert die zum Baue der Bruftwehre und 


ded Glacis erförderlihe Erde, und fol, um dem angreifen⸗ 
den Gegner ein defto größeres Hinderniß zu fein, fo breit 
und tief, ald ed nur immer möglich ift, gemacht werben. 
Gewöhnlich .beträgt feine obere Breite lo 9 bis 14, feine 
Tiefe mp 7 bi8 9 Schuh. Der untere Theil nm wird die 
Sohle genannt. Macht man den Graben tiefer, fo ift dag 
Hinaufbringen der Erde auf die Bruftwehre mittelft des 
Schaufelwurfes unmöglich, und erfordert andere Hilfsmittel, 
die man im Felde, befonderd wenn gefchwind gebaut werden 
fol, nicht haben kann. Tiefe und Breite müflen überhaupt 
den Kubifinhalt der Erbe geben, den man zum Bau ber 
Bruftwehre benöthigt. 

Die Eskarpe Im hat entweder die nähmliche Neigung, wie 
die äußere Böfchung ber Bruftwehre, oder wird, beſonders 
wenn eine Berme vorhanden ift, etwas fteiler abgeftochen. 
Die Kontreedfarpe on dagegen erhält 


im guten Erbreiche '/, der Grabentiefe zur Grund» 


> mittleren > vA ! | 
> ſchlechten >» %, lage ihrer Boſchung. 


12. Für die in einer Schanze befindlichen Geſchütze werden ent⸗ 


weder Platteformen erbaut, oder Schußfcharten eingefchnitten. 
Die Platteformen oder Pritihen liegen um 3 Schub tiefer, 
als der Kamm der Bruftwehre, und können fowohl an den 
geraden Linien Fig. 11, als in den ausfpringenden Winkeln 








291 





Fig. 12 eines Werkes angebracht, und fuͤr ein oder meh⸗ 
tere Geſchuͤtze eingerichtet werden. Ihre Länge ab beträgt 
18 Schuh, ihre Breite be richtet ſich nach der Zahl der 
Gefhüge, wovon jedes, um ungehindert bedient ‚werben zu 
tönnen, 18 Schub, und an dem auöfpringenden Winkel 36 
Schuh Raum bedarf. Die Auffahrt mn erhält 6 bie 
8 Schuh Breite und für das leichte Geſchuͤtz die vierfache, 
für das ſchwere aber die fechöfache Höhe zur Grundlage 
feiner Böfchung. Damit aber die Räder der Gefchüge durch 
das wiederholte Feuern fih nicht zu tief in die Erde eins 
fchneiden, bedient man fich der Bettungen, deren eö dreierlei 
Gattungen gibt, nämlich: 

1. Nothbettungen A, Fig. 13; 

2. halbe Bettungen mit Schwalbenfchweifen B und 

3. ganze Bettungen C, 


13. Die Schupfharten Fig. 14 werben inwendig 11, bis 2, Schußſchar⸗ 
außen aber nach Umftänden 6 bie 7 Schuh breit gemakht, ven. 
und ihre Baden mit Rafen oder Fafchinen verkleidet, Die 
Kniehöhe ac, Fig. 15 beträgt 3 Schuh, die Sohle ah 
erhält eine Kleine Abdachung, und läuft gewöhnlich parallel 
mit der Krone der Bruftwehre. Sol man mehrere Scharten 
nebeneinander anlegen, fo müflen die Mittellinien berfelben 
fo meit auseinander geſetzt werben, baß die. zwifchen den⸗ 
felben Tiegenden Merlons oder Kaften A an der Außerften 
Boͤſchung nicht ſchwächer als die halbe Die der Bruſt⸗ 
wehre ausfallen. So viel ald möglich fol man jedoch bei 
Feldverſchanzungen die Schußfcharten zu vermeiden trachten, 
weil fie die Bruftwehre ſchwächen, dem Feinde die Erfteis- 
gung berjelben erleichtern, und nur einen beftiinmten Raum 
bed vorliegenden Terrains zu beflreichen erlauben. Man 
bediene ſich daher derfelben nur, wenn man einen einzelnen 
Punkt zu befchießen, oder, Brüden, Deftleed u. dgl. zu enfi⸗ 
liren bat; in allen anderen Gelegenheiten iſt das euer 
über die Bank weit vortheilhafter, und um die auf ber 
Platteform ftehenden Artilleriften gegen dad Kleingewehr⸗ 
feuer zu decken, ftelle man rechts und links des Gefchübes 
auf die Bruftwehre einige mit: Erde gefüllte Säanztörbe 
Fig. 11. | 

19* 


Pulverma⸗ 
gazin. 


Glacis. 


Verkleidungs⸗ 
materiale. 


Raſenziegeln. 


Faſchinen oder 
Wuͤrſte. 


292 





14. In jeder Schanze, in welcher ſich Kanonen befinden, muß 
ein granatenfreieds Magazin angelegt werden. Man Iäßt 
gu dieſem Zwecke ein Loc von 1 bis 1’, Klafter im Ge- 
vierte und eine Klafter Tiefe ausgraben, rammelt in den 
Eden ftarle Palifaden oder Bäume ein, verkleidet vie 
Wände mit Bretern, und überbedt das Ganze mit ftarfen 
Balken, Kafchinen und Erde. Gewöhnlich werben dieſe 
Magazine unter den Platteformen erbaut. 

15. Hat man hinlängliche Zeit, fo legt man vor dem Graben 
einen Meinen Erdaufwurf D Fig. 7 und 17 an, welcer 
das Glacis genannt wird, und deflen Böͤſchung ſich fanft 
gegen das Feld zu verliert. — Dieſes dedt die Bruftwehre 
gegen dad Feuer bed Feinded, vergrößert die Tiefe oder 
Breite des Grabend, und ift daher ſtets von vielem 
Vortheile. 

III. Um der Bruſtwehre eine größere Haltbarkeit zu ver⸗ 
fhaffen, und ihre Böſchungen fleiler maden zu fünnen, werden 
dieſelben mit verfchiedenem. Materiale verkleidet. Zu Diefen 
gehören. 

1. Die Rafenziegel, fie find 1 Schuh breit, 1%, Schuh 
lang, 6 Zoll did, und werden mittelft einer eigenen Rafenihaufel 
außgehoben, wozu man jedoch die Oberfläche der Wieſe früher 
in Rectede nadı dem erwähnten Maße abtheilt. Beim Bau 
ber Schanze legt man biefelben mit dem Graſe abwärts, und 
befeitigt fie mit Kleinen Pfählchen. Die nöthige Zahl der Raſen⸗ 
ziegel wird nach dem Flaͤchenraume der zu verkleidenden Böfchuns 
gen berechnet; — 10 Mann fchneiden in 8 Stunden 80 bis 
100 Quadratflafter oder 1600 bis 2000 Ziegel. 

2. Die Faſchinen oder Würfte werden in einer eigenen 
Wurſtbank erzeugt, 12 bis 24 Schuh lang, 10 bis 12 Zoll did 
gemacht, das Reiſig von Schuh zu Schuh mit einer Zwange 
zuſammengezogen, und dafelbft mit Wieden bergeftalt gebunden, 
daß alle Schneden auf die nämliche Seite in einer geraden 
Linie zu flehen fommen. Kür jede Bank redinet man 5 Arbeiter, 
die in einem Tage 8 bis 10 der 18, und 6 bis 8 der 24 Schuh 
langen Wuͤrſte zu binden im Stande find. Beim Bau der Bruſt⸗ 
wehre werden die Kafıhinen mit den Schneden einwärts und fo 
aufeinander gelegt, daß eine Faſchine der obern Reihe auf zwei 
ber untern zu liegen komme, mit durch felbe eingefchlagenen 








Pilöden befeftigt, und zur größern Haltbarkeit mittelft Wieden 
in die Bruſtwehre eingeanfert. 

3. Die Schanzlörbe, deren verſchiedene Gattungen und Schanzkoͤrbe. 
Dimenfionen in nachfolgender Tabelle erfichtlich find: 





Lele 1° | Sapp- 


ſchuhige Körbe koͤrbe 


Zahl der Pfiöck.....110 717 
Dieſe find lang.. + Schuhe 7/ 6, Ya 4/ 

> > dick 0 Zolle 8 2 V ıy 
Entfernung der Pflöcke von 

einander . . . Zolle j12 {1 9 | 6%, 
Höhe des Flechtwerkes . Schub 6 14 1313 
Halbmeſſer der Körbe bis 

zur Mitte der Pflöcke. Zolle 121%,116 10%, 7 
Drei Mann verfertigen täglich . 12 | 8. J4—5[10—12f- 





A, Soll man die Bruftwehre mit einem Flechtwerke vers Flechtwerke. 
Feiden, fo fhlägt man längs. ben Böſchungen von Schuh zu 
Schuh verhältnißmäßig hohe Pflöde ein, und windet das feft 
sufammengedrehte Reifig fehlangenförmig um biefelben. Bei einer 
höheren Wand muß man das Flechtwerf zur größeren Feftigfeit 
ftaffelförmig anlegen, weshalb es in dieſem Falle nie zur Ders 
kleidung der aͤußerſten Böfchung gebraucht werden fo. 

IV. Um dem Feinde fowohl die Annäherung gegen den Aingelepte 
Graben, ald die Erfteigung der Bruftwehre möglichft zu erſchwe⸗ Hindernlſſe. 
ren, werden in der Feldbefeſtigung verſchiedene Hinderniſſe an⸗ 
gewendet; zu dieſen gehoͤren: 

1. Pfaͤhlchen, fie find 3 bis 4 Schuh lang, 2 bis 3 Zoll did, Pfaͤhlchen. 
beiderfeitö zugefpigt, und werden vor dem Graben 9 bis 
12 Zoll von einander entfernt, in mehreren Reiben einges 
fhlagen. Zwei Mann mahen täglich 2. bis 300 Stüde. 

2. Molfögruben a, Fig. 16, find runde, 6 bis 7 Schuh breite Wolfögruben, 
und tiefe Löcher, die in eine Spige zulaufen, und in deren 
Mitte ein gleich hoher, zugeſpitzter Pflock eingefchlagen wird. 
Man legt fie 10 bis 20 Schritte vor dem Graben in drei 





Pallifaden. 


Sturmpfähle. 


Spanifche 
Reiter. 


Verhaue 


(Schleppver⸗ 
ha 


ue.) 


3 


* 


5 


6. 


294 


oͤder vier Reihen fchachbretförmig an, fo daß ſich zwiſchen 
zwei MWolfögruben ein 3 bis 4 Schuh breiter Raum befindet, 
auf welchen die ausgehobene Erde Tegelförmig aufgefchüttet 
wird, Ein Mann macht in einem Tage 3 bis 4 Wolfe» 
gruben, und jede derfelben enthält '/, bis *%, Kubikklafter 
Aushub. 

Palifaden, deren Benükung wir bereits bei Bertheidigung 
ber Dörfer, Dämme, Gebirge u, dgl. erwähnt haben, koͤnnen 
auch bei den Verfchanzungen mit vielem Nutzen angewendet 
werden, um den angreifenden Feind im Borrüden aufzu- 
halten, und ihn dadurch deſto länger dem Feuer der Bruſt⸗ 
wehre auszuſetzen. Am yortheilhafteften ftehen diefelben bei 
einfachen Feldfchanzen Fig. 17 a im Graben an der Eskarpe 
oder Kontreedfarpe, b in einiger Entferuung vor dem Graben, 
und zwar dergeflalt geneigt, daß fi ihre Spike 3 Schuh 
über der Erde befindet. 

Die Pallifaden verwendet man übrigend auch zur Sperrung 
der Kehlen, Dedung des Einganges, fo wie zu anderen 
Zweden; fie find 8 bis 10 Schuh lang, 5 bie 7 Zoll did, 
werden 4 bis 6 Zoll aus einander und 3 bid 4 Schuh tief 
in die Erde geſetzt. 

Sturmpfähle find 7 bi8 8 Schuh lang, A bis 6 Zoll did, 
und werden, Fig. 17, in die äußere Boͤſchung m, und bes 
fonderd, wenn eine Berme vorhanden ift, knapp auf biefelbe 
horizontal ober etwas abwärts geſenkt dergeftalt eingefeßt, 
daß fie 3 Schuh über die Berme hervorragen, und 3 bis 
A 300 von einander abftehen. 

Spanifhe Reiter, Fig. 18, deren man ſich in den Türken⸗ 
friegen ſehr häufig bediente, werden gegenwärtig größtens 
theild nur zur Sperrung der Kehlen und Eingänge vers 
wendet. — Der Baum eines fpanifchen Reiters ift 9 Schuh 
lang, hat 8 Zoll im Gevierte und in demfelben werden 9 
bi8 12 Zoll von einander in Form eined Kreuzes 6 bis 9 
Schuh lange und 2 bis 3300 die Pfähle, die man Federn 
nennt, durchgeſteckt. 

Verhaue, deren Anwendung wir bereitd in den vorherges 
henden SS. dfterd erwähnt haben, find dem Feinde, wenn 
fie 8 bis 10 Klafter vor dem Graben ober Glacis liegen, 
ebenfalld ein bedeutendes Hinderniß, doch darf der Berhau 





295 





feine bedeutende Höhe erhalten, da er fonft das Feuer der 
Bruftwehre hindert, und dem Gegner eine Dedung verſchafft. 
7. Fladderminen Fig. 19, werden. entweder vor dem Graben, Slabder- 
in demfelben, oder unter der Bruftwehre, befonderd aber minen. 
vor dem ausſpringenden Winkel angelegt. Der Brunnen a 
it 2%, Schuh im Quadrat und 5 bie 10 Schuh tief. 
Seitwärts bedfelben wird die Kammer c für den Pulver: 
faften ausgegraben, die man, wenn fie geladen ift, Ofen 
nennt. : Die fenfrechte cm heißt die Widerftandslinie. Bei 
5 Schuh Tiefe ift die Ladung 12, bei 6 Schuh 20, bei 7 
Schuh 34, bei 8 Schuh 50, bei 9 Schuh 72 und bei 10 
Schuh 100 Pfund Pulver, doch muß hiebei auch die Gat⸗ 
tung und Feſtigkeit ded Erdreiches berüdfichtigt werben. 
Die Entzündung gefchieht mittelft einer Leitrinne r, in der 
ſich eine Zündwurft befindet, und ‚die durch den feftverdämmten 
Brunnen und dann horizontal wenigftend 1 Schuh unter der 
Erde bis in das Innere der Schanze, wo fi der Herd 
befindet, geführt wird. jede Mine fprengt einen Fegelfürs 
migen Erdaufwurf bed, deffen oberer Durchmefler gleich iſt 
der doppelten Widerftandslinie. | 
8. Auch Eggen, die man vor dem Graben mit den Spitzen Ggamn, Dorn 
aufwärts Tegt und gehörig befeftiget oder befchweret, damit aefte an 
fie der Feind nicht Teicht mwegzuräumen im Stande ift, fo 
wie Dorngefträuche u. dgl. fünnen ebenfalls verwendet wer⸗ 
den, um dem Angreifer das Vordringen zu erfchiweren, und 
thn daher um derto länger dem Feuer der Bruſtwehre aus⸗ 
zufegen. 

V. Da es fih im Felde fehr oft ereignet, Daß man vors Art des 
theihafte Stelungen, Wälder, Dörfer, Brüden, Dämme u. dgl. Baues. 
durch eine oder mehrere Schanzen ſchnell deden will, und hiezu 
nicht immer Sngenieurs, Generalſtabs⸗ oder Pionnieroffiziere 
vorhanden, oder menigftend zur Leitung des Baues nicht hin⸗ 
reichend find, fo ift es jedem Offiziere nöthig, fich im Allgemeinen 
mit der Art befannt zu macen, wie Schanzen ausgeſteckt und 
tracirt werden, um nöthigen Falls fich zu diefem Zwecke vers 
wenden zu laſſen. 

Das Trace einer Schanze wird gemöhnlich von einem Ausſteckung 
höhern, hierin vorzüglich kundigen Dffizier nad dem Terrain und. „, ud ng. 
dem augenblicklichen Zwecke entworfen, ba’ diefer letztere die Aus⸗ | 


‘ 





296 _ 


hehnung, dieſe aber die Stärke der Beſatzung beftimmt. Es kann 
jedoch auch der umgefehrte Fall flattfinden, und man gezwungen 
fein, nach der bei fih habenden Truppe die Größe der Schanzen 
zu beſtimmen; — mithin ift ed vor allen zu wiflen nöthig, in 
welchem Berhältniffe Diefe beiden Erforderniffe zu einander flehen. 
Nach der Aus: Wir haben hierüber bereits bemerkt, daß man mit Abfchlag 
—S — des für die Platteformen nöthigen Raumes auf jeden Schritt 
Bruftwehrlänge 2 Mann rechnet, und daß die Reſerve aus dem 
dritten Theile der Befatung befteht. Die Ausdehnung einer Schanze 
hängt nebſt dem Zwede übrigend noch von der und zum Baue 
‚gegönnten Zeit und den vorhandenen Erforberniffen an Mates 
riale, Reguifiten u. dgl. ab. 

Praktifhes | Zur Audftedung und Tracirung eines Werkes hat man fid 
are mit einer hinlänglichen Zahl von Pflöden und moͤglichſt geraden 
Schanzen. Stangen, fo wie mit einigen Tracirfchnüren zu verfehen. Zuerſt 
wird die Geltalt der Schanze längs ded Kammes der Brufl 
wehre dadurch bezeichnet, daß man in den verfchiedenen Durch⸗ 
fchnittöpunften der Umfangslinien oder der Façen und Flanken 
Pfloͤcke einſchlägt, und wenn. diefe einmal ficher beftimmt find, 
eben dafelbft lange Stangen in die Erde befeftigt, und bie 
gerade Richtung größerer Linien durch Zwilchenpunfte verficert. 
Auf diefen Kammlinien werben hierauf (entweder mittelft eined 
hölzernen, rechten Winfeld, oder einer Schnur, die man in 12 
gleiche Theile theilt, und mit felber im Berhältniffe von 3—4 
und 5 ein Dreiec bildet) in jeder Face oder Flanke einige 
Senfrechte errichtet, — auf diefe die entfprehenden Maße für 
die Theile der Bruftwehre und des Grabend aufgetragen, und 
in den verfchiedenen Punkten Stangen eingefchlagen, woburd 
eben fo viele mit dem Kamme der Bruftwehre gleichlaufende 
Linien entfichen. Hat man einmal in jedem Theile wenigftend 
zwei folhe Punkte durch Stangen beftimmt, dann läßt fih auch 
der Durchſchnitt der verfchiedenen Linien durch das Zufammens 
fehen von beiden Seiten ſehr leicht finden, und wird ebenfalle 

wittelft eines Pflockes bezeichnet. 
Auf Diefe Art werden nach und nadı alle Linien der Schanze 
durch Stangen und Pflöde marfirt, wobei wir noch bemerlen, 
Daß bloß der äußere und innere Grabenrand gehörig tracitt 
werden muß, Damit Die Arbeiter bie Erdaushebung nicht über 
felbe hinaus vornehmen, d. h. die Trace im Aufhauen über 


297 





fhreiten. Alle andern Linien bebürfen nur der Ausftedung burch 
Stangen oder Pflöde. 

Auf diefen bezeichnet man hierauf die ben verfchiebenen en 
Bruftwehrtheilen zufommenden Köhen durch Einſchnitte, bis zu Aher zbeile 
welchen die Erdauffhüttung reichen muß. Sind Latten vorhans einerSchanze. 
den, fo kann man mit felben die Stangen verbinden, und dadurch 
die ganzen Profile darftellen, welches jebod im Felde aus Mangel 
an Materiale oder Zeit meift unthunlich und auch nicht nöthig iſt. 

Die Patteformen, welche ebenfald zu den Profilen der Bruſt⸗ 
wehre gehören, werden nad den befannten Ausmaßen auf bie, 
jelbe Art ausgeftedt. ' \ 

In Hinficht der Arbeiter kann man im Allgemeinen annehs Anftellung der 

men, daß auf 8 Fuß Länge des Grabens 3 Mann zur Aushes Arbeiter. 
bung der Erde erforderlich find, naͤmlich jede 4 Schuh einer an 
ber Eskarpe und jede 8 Schuh einer an ber Kontreedfarpe. Iſt 
jedoch das Erdreich Fiefig oder thonig, fo werben auf 8.Schuh 
ftatt 3, 4 Mann in Anfchlag gebracht. Für den Bau der Bruſt⸗ 
wehre rechnet man auf zwei Schritte einen Mann, Im Graben 
werden die Arbeiter in zwei, oder nadı der Breite desjelben auch 
in drei Reihen aufgefiellt, um die Erde auszudehnen und gegen 
die Bruftwehre zu werfen, wo die oben beftimmte Anzahl Arbei« 
ter die Erde nach den bezeichneten Profilen ausgleichen und feſt⸗ 
ftampfen. Sollte die Zeit eine Verkleidung der Bölhungen mit 
Pafenziegeln oder Fafchinen geftatten, fo hat felbe nadı den 
bereitd gegebenen Erflärungen gleichzeitig ausgeführt zu werben. . 
Um übrigend den Bau einer Schanze zu befchleunigen, Fann man 
bei hinreihender Anzahl Mannfhaft einmal des Tages Ablöfuns 
gen vornehmen, und auf diefe Art die Arbeit ohne Raſtſtunden 
ununterbrocden fortfegen. \ 

Die nöthigften Baurequifiten find nach der Anzahl Arbeiter Erforderliche 
2%. Schaufeln, '/, Krampen und überdies noch auf "/, der ganzen Be 
Mannſchaft Schublarren oder Erdtragen, wenn erftere nicht vors 
handen fein follten. Werden die Wände verkleidet, fo laͤßt fich 
aus ihrer Höhe und Breite, fo wie aus den für die Rafenziegel 
und Faſchinen angegebenen Dimenfionen leicht beflimmen, wie 
viel von denſelben hiezu erforderlich find. Uibrigens benöthiget 
man noch Holz zum Bau ber Pulvermagazine, — oder wenn es 
die Zeit zuläßt, zu Pallifaben, Sturmpfählen u. dgl. Die übris 
gen jedoch nur zu einem foliden Schanzenbau erforderlichen Res 


298 





‚  guifiten find: Stößel, Raſen⸗ und Fafchinenmefler, große Schlägel, 
Wafferfannen, Latten, Bohrer, Nägel, Fafchinenzwänger, Schnüre 
u. ſ. w. 


Vertheidigung. 


Noͤthige Um die Vertheidigung einer Schanze zweckmaͤßiger zu leiten, 
a — iſt es noͤthig, daß ſich die hiezu beſtimmten Offiziere mit der Be⸗ 
der Schanze. ſchaffenheit derſelben vollkommen bekannt machen, um im Stande 

zu fein, die flärfften und fehwächlten Punkte des Umfanges zu 

erfennen, und die Vortheile zu würdigen, die ein flarfer Durd 

ſchnitt und eine vortheilhafte Lage der Vertheidigung gemähren. 
. Des um die Eben fo nothwendig ift aber die Kenntniß des umliegenden 
ſelbe Tiegenden Terraind, um beurtheilen zu fonnen: 

errain 1. In wie fern es den Feind im Angriffe uͤberhaupt begünſtiget; 

2. welche Zugänge gegen die Schanze führen, und von 
welcher Seite der Gegner mwahrfcheinlid feine Hauptattaque un⸗ 
ternehmen wird; 

3. welche Schuͤſſe nach der Beſchaffenheit des Bodens, je 
nachdem dieſer nämlich feſt, ſteinig, weich oder moraſtig iſt, am 
vortheilhafteſten anzuwenden ſind, und 

4. ob Waldungen und Gehoͤlze ſich in der Nähe befinden, 
die dem Feinde das Materiale zu Hurden, Faſchinen, Scan 
körben u. dgl. liefern. 

Vorſicht egen Bor allem muß fih die Befagung einer Schanze gegen 
uiberfaͤlle. niberfaͤlle zu fihern trachten, und in dieſer Beziehung feine Bor 
ſichtsmaßregeln vernadläfligen. Es werben daher an den ver 
fhiedenen Zugängen Avifopoften ausgeftelt, und befonderd des 
Nachts fortwährend Schleichpatrouillen gegen den Feind gefendet, 
um feine Annäherung ſchnell zu entdeden und ihn dadurch zu 
verhindern, ſich der Schanze durch einen unvorhergefehenen Ans 
griff zu bemächtigen. Erfährt man durch letztere, ober burd 
Spione, Uiberläufer u. dgl,, daß der Gegner Faſchinen, Hurden, 
. Schanzförbe u. dgl. verfertiget und Anftalten zum Angriffe madıt, 
fo muß man befonderd ded Nachts feine Wachſamkeit verboppeln 
und alles aufbieten, um ihm Teine Gelegenheit zu einem Uiber⸗ 

falle zu geben. 
Details der Bei der Vertheidigung einzelner Schanzen gegen einen. 


Br offenen Angriff des Feindes ift Folgendes gu beobachten: 


299 en 





1. Die Linien der Bruftwehre werden fo befeßt, daß auf Belebung des 
jeden Schritt Ränge 2 Mann, einer auf dem Bankette, der Umfanges. 
andere unterhalb desſelben zu ſtehen kommen, während der 
dritte Theil der Beſatzung im Innern der Schanze als Reſerve 
aufgeſtellt bleibt. 

2. Der Kommandant vertheilt feine beihabenden Offiziere zZertheſton⸗ 
an die verſchiedenen Linien, ausſpringenden Winkel oder ſonſt der Offiliere. 
bedrohten Punkte ſo, daß jedem derſelben eine eigene Strecke 
des Umfanges zur Vertheidigung angewieſen iſt. 

+3. Die über den Graben führende Brücke wird augenblick⸗ Sicherung des 
lich abgeworfen, der Eingang mit ſchon im Voraus bereiteteten Einganges. 
Palliſaden, ſpaniſchen Reitern u. dgl. geſperrt, und die hinter 
demſelben liegende Traverſe beſetzt. 

4. Man beobachte die Bewegung des Feindes fhon and Beobahtung 
der Ferne, beurtheile die Abſicht feines Vorrückens aus der bes feinbihben 
Art desſelben in eimer ober mehrerer Kolonnen, und trachte 
durch eine richtige Vergleihung des vorliegenden Terrains mit 
der Lage, Beichaffenheit und Stärke unferer Schanze den vom 
Gegner zum Hauptangriffe beftimmten Punkt zu erfennen. ' 

5. Bei den Batterien mit Schußfcharten werden diefe, bie en J 
die Geſchütze zu feuern anfangen, mit Blendungen aus Faſchinen, "fgarten. 
Hurden u. dgl. masfirt, um fie dem Feinde fo lange ald möglich 
zu. verbergen. 

6. Hat der Gegner Gefhüge vom ſchweren Kaliber, ober Sicerungbes 
it er an Artillerie überlegen, und fängt er ſchon aus größerer „en ee 
Entfernung an, gegen die Bruftmehre zu feuern, um die amf gene feindliche 
den Platteformen ftehenden Kanonen zu bemontiren, fo werden Artillerie. 
diefe zurückgezogen und erft dann wieder auf bie Pritfchen ges 
führt, wenn fich die feindlichen Truppen ihrem Ertrage nähern. 

7. In diefem Augenblidle beginnen die Geſchütze der Feuer des Ge⸗ 
Schanze ein lebhafted Feuer, und trachten durch wirffame Kugel⸗ Kinn seen 
fhüffe die Kolonnen des Feindes zu zerfchmettern, fie mit Verluſt Tolonnen. 
surüchzumerfen, oder ihr weiteres Vorrüden nad Möglichkeit zu 
erfchweren. Führt der Gegner, um den Angriff zu erleichtern, 
auf 6 bid 400 Schritte Batterien an die Schanze vor, fo ftelle 
man zur Dedung der Artilleriften in der Richtung der feindlichen: 

Schuplinie Schanzkoͤrbe auf die Krone, feuere aber nicht gegen 
die Geſchütze ded Gegners, fondern fletd gegen feine zum Sturme 
vorrädenden Kolonnen. 


g 300 





Beuer der 8. Die Infanterie bleibt, fo lange der Feind ſich außer 
Infanterie. dem Ertrage des Kleingewehrfeuers befindet, nahe am Banfett 
im Innern der Schanze gebedt ftehen, wie ſich aber ber Gegner 
auf 300 Schritte nähert, fpringt alles auf ein gegebenes Zeichen 
an die Bruftwehre, um ein lebhaftes Bataillefeuer zu beginnen. 
Bei Schanzen, die mit zwei Gliedern befegt find, ift ed am 
beften, wenn nur ein Blied auf das Bankett tritt, dad andere 
aber unten ftehen bleibt, um dem eriten Gliede fortwährend die 
abgefeuerten Gewehre abzunehmen und Dafür geladene zu geben, 
bis die ‚Offiziere eine Wechslung der Glieder anordnen, wozu 
ein eigened Trommelzeichen beftimmt werden kann. Die Leute 
legen die Gewehre auf die Krone der Bruftwehre, um auf dieſe 
Art mit deſto größerem Erfolge zu feuern. 
de anf 9. Se mehr der Feind vorrüdt, befto lebhafter und wirfen- 
Aimmerleute der muß die Vertheidigung der Schanze werben. Die Gefchüge 
‚and Sreimils feuern mit Kartätfchen, die Infanterie richtet aber ihre Schüfle 
ligen. vorzuglich auf die feindlichen Offiziere und auf die vor den eigents 
lichen Angriffsfolonnen marfchirenden Pionnierd und Zimmers 
leute, weiche alled aufbieten werden, um die vor dem Graben 
angelegten Hinderniffe aus dem Wege zu räumen, Berhaue zu 
öffnen, Pallifaden nieberzuhauen, Wolfögruben mit Hurden zu 
bededen, und den nachfolgenden Sturmfolonnen dadurh den 
Weg zu bahnen. Sollten dann feindliche Grenadiere oder Frei: 
willige bie an den Rand ded Grabend bringen, fo muß man 
auf diefe, fo wie auf diejenigen fchießen, melde den Graben 
mit Faſchinen, Schanzlörben u. dgl. zu füllen, abzuflechen oder 
mittelft Balken, Bretern, Leitern u. dgl, einen libergang zu 

bewerfftelligen tradıten. 
Benehmen, 10. Epringt der Gegner in den Graben, oder rüden, wenn 
ed in Den diefer bereitd ausgefüllt oder abgeſtochen ift, feine Kolonnen zum 
Graben Sturme vor, fo müflen befonderd die Flanken ber Schanze durch 
ſpringt. ein heftiges Feuer die angegriffenen Façen beftreihen. Zugleich 
werden von allen Seiten Steine, Pechkränze u. dgl. auf den 
Feind herabgeichleudert, um ihn von der Erftürmung der Bruſt⸗ 
wehre abzuhalten und durch Berluft an Mannfchaft zum Rück⸗ 

auge zu nöthigen. 

Wenn er die 11. Sollte er demungeadtet die äußere Böſchung zu erflet- 
—— tern beginnen, ſo laͤßt der Kommandant der Schanze Sturm⸗ 


beginnt. ſtreich ſchlagen, worauf die ganze Mannſchaft auf die Bruſt⸗ 








301 





wehre ſpringt, und ſich an dem aͤußerſten Rande derſelben auf⸗ | 


ſtellt, um die .heraufflimmenden Feinde mit dem Bajonete zurück⸗ 
zumerfen. : Offiziere und Uinteroffiziere haben in diefem Augen- 
blicke die fchönfte Gelegenheit, Beweile ihres Muthes zu geben, 
und ihre Truppe durch perfönliches Beilpiel zur Tapferkeit anzu- 
eifern. Sie fteigen demnach die erften auf die Bruſtwehre, 
machen ihre Leute auf die Vortheile dieſer Bertheidigungsart 
aufmerffam, fuchen fie dur kräftige Worte der Ehre auf das 
Höchfte zu begeiftern, und begeben ſich vorzüglich auf die bedroh⸗ 
teften Punkte, um burd, ihre Gegenwart die dafelbit aufgeftellte 
Mannfchaft zu beleben, und dem Gegner die Erfteigung der 
Bruftwehre zu verwehren. Auf biefe Art wird die Eroberung 
einer Schanze falt unmöglich gemacht, theild weil der Feind, fo 
wie der Sturm beginnt, jedes Feuer einftellen muß, um nicht 
feine eigenen Leute zu befchädigen, theild weil diefe mit der Er⸗ 
Eletterung befchäftigt, außer Stand find, Widerftand zu leiften, 
und fich gegen die Hiebe und Stiche der Vertheidiger zu fchüßen. 

12. Wie die Befagung auf die Bruftwehre fpringt, feuern 
nur noch die den ausſpringenden Winfel, oder die fonft anges 
griffenen Theile flantirenden Gefhüge; alle übrigen werben von 
den Platteformen zurüdfgezogen, die Schußſcharten geblendet, 
und mit verläßlichen Leuten befegt, damit der Gegner durch Dies 
felben nicht in die Schanze eindringen fünne, 

13. Sind vor oder im Graben Minen angelegt, fo müffen 
diefe fo angezündet werben, baß fie in dem Augenblide fpringen, 
in welchem der Feind in Mafla fich ober denfelben befindet. — 
Es ift daher fehr vortheilhaft, wenn man über den Minen noch 
andere Hinderniſſe anbringt, die den Angreifer ‚nufhalten, und 
ihn daher um befto ficherer der verheerenden Wirkung der fprin- 
genden Mine preiögeben. 

14. Die im Innern der Redonte befindliche Reſerve beobachtet 
indeſſen den Gang des Gefechtes, und der Kommandant laͤßt 
wiederholt den Sturmſtreich ſchlagen, um durch dieſes Zeichen die 
auf der Krone ſtehende Mannſchaft zur tapferſten Gegenwehr 
anzueifern. Sollte es aber demungeachtet dem Feinde gelingen, 
die Bruſtwehre irgendwo zu erſteigen, ſo eilt die Reſerve gegen 
den bedrohten Punkt, ſpringt auf die Krone, und wirft den 
Gegner mit dem Bajonete wieder in den Graben zurück. Hier 
kommt ed hauptfächlich darauf an, jebe Gefahr ſchnell zu erfennen, 


Erſteigung 
der Bruſt⸗ 
wehre durch 


den Verthei⸗ 


diger. 


Einſtellung 


des Geſchütz⸗ 


feuers. 


Sprengung 
der Fladder⸗ 
minen. 


Verwendung 
der Reſerve. 





8302 


- dem Gegner feine Zeit zu geben, fih in größerer «Zahl anf ber 


Ruͤckzuͤg des 
Beindes, 


Bruftwehre zu fammeln, fondern ihn ſchnell nnd mit Ungeftüm 
anzufallen. — Die Offiziere verdoppeln in dieſem Augenblicke 
ihre Thätigkeit, erinnern die Mannfchaft an die Ehre und ven 
MWaffenruhm ihres Regiments, und flürzen ſich dann die Erſten 
dem Feinde entgegen. 

15. Beginnt dieſer, abgeſchreckt durch die Tapferteit der 
Vertheidiger, und die Unmöglichkeit des Sieges erkennend, ben 
Rückzug, fo ſpringt die auf der Bruſtwehre ſtehende Mannſchaft 


ſchnell wieder auf das Bankett. Die Geſchütze werden vorgezogen 


Ausfälle. 


Benehmen 
nad abge⸗ 

ſchlagenem 
Angriffe. 


Beim Ein⸗ 
dringen des 
Feindes in 
die Schanze. 


und beginnen ein heftiges Kartaäͤtſchenfeuer, um dem weichenden 
Gegner den größten Schaden zuzufügen, und ihn von einem 
wiederholten Angriffe abzuſchrecken. 

16. Ausfälle zur Verfolgung des Feindes kommen zwar 
bei ausgedehnten Linien oder fonft großen Berfchanzungen oft 
in Anwendung, find aber bei Heinen und nur zur Bertheidigung 


eines einzelnen Punktes angelegten Redouten meiſtens fehr ges 


fahrvoll, weil man dadurch dem Gegner Gelegenheit gibt, fchnell 
Fronte zu machen, ſich mit Uidermacht auf die verfolgende Truppe 
zu werfen, und gleiczeitig mit berfelben in die Schanze zu 
dringen. 

17. Gewöhnlich unternimmt der Feind mehrere Angriffe 
nach einander, man benüte daher die Zmwifchenzeit, um nad 
Möglichkeit die Bruftwehre, Pallifaden, Sturmpfähle, oder was 
fonft verborben wurde, auszubeſſern; zugleich belobe man die 
Beſatzung ihrer Tapferkeit wegen, made fie auf den Berluft des 
Feindes aufmerffam, und fleigere durch alle Meittel ihren Muth, 

um einen wiederholten Angriff eben fo kraftvoll zurüdwerfen zu 
onen. 

18. Sollte ed und jedoch nicht möglich werben, dem Feinde 
bad Eindringen in die Schanze zu verwehren, und hat diefer 
bereitö von mehreren Seiten die Bruftwehre erfliegen, fo raillirt 


‚ber Kommandant die ganze Beſatzung durch den Bergatterungs- 


ftreich, um fich entweder Durchzufchlagen, ober ‚den Gegner durch 
einen entichlofien ernenerten Angriff aus der Schanze hinaus» 
zuwerfen. Erwartet man Unterftügungen, dann muß die Ber- 
theibigung fo lange ald möglich fortgeführt werben, im entge- 
gengefegten Falle benimmt man ſich genau nach den bei Befeßung 
des Poſtens erhaltenen Befehlen. Bor dem NRüdzuge tracıte 





. 303 
CUEEELECEEREEEEEEn 


man die Gefchüge zuräüdzubringen, ift dies aber nicht möglich, 
fo vernagle man biefelben, zertrümmere bie Lafetten und Räder, 
und verberbe die noch vorhandene Munition. | Ä 

19. Die Artilleriepferde, Munitionsmwagen und Proben müflen Artillerie 
beim feindlichen Angriffe entweder ruͤckwaͤris hinter den Schangen BIetde und 
an vertieften Dertern ftehen, oder durch eigens für fie erbaute wagen. 
Sculterwehren gebedt fein. 

20. Bei einem nächtlihen Angriffe trachte man die vors Beobachtung 
liegende Gegend durch Leuchtkugeln, Lichtſchirme u. dgl. zu erhellen, er 
und errichte im Voraus auf LO Schritte vor dem Graben Allarin⸗ 
fangen, Holze und Strohhaufen, die im Augenblide des feind: 
lichen Borrüdend angezündet werden. Da das Feuern bei folchen 
Gelegenheiten ohnedied von wenig Wirkung ift, fo kann bie 
Mannſchaft bei einem nächtlichen Angriffe nicht zeitfih genug 
auf die Bruftwehre fpringen, um ſolche mit dem Bajonete gegen 
die Erfletterung zu vertheibigen. 

Uibrigens laͤßt fich mit Zuverficht behaupten, daß die Stärfe Bemertung 
einer Schanze mehr von der Tapferkeit der Truppe, ald von —E 
ihrer Anlage abhaͤngt; um aber im Augenblicke bed Sturmes der Schangen.. 
eines glüdlihen Erfolges deſto ficherer zu fein, muß man der 
Mannſchaft begreiflihh machen, daß fie zwar durch ihr wohlans 
gebrachtes Feuer dem Feinde einen wefentlichen Verluſt zuzufuͤgen 
im &tande ift, daß aber die legte und Außerfte Vertheidigung 
gegen ben Sturm des Feinded blos durch das Bajonet geleifter 
wird, und daß derfelbe ungeachtet ded Feuers wohl in den 
Graben, keineswegs aber auf die Bruftwehre gelangen Tann, 
wenn wir, auf ber Krone berfelben ftehend, ihm die Erfletterung 
tapfer verwehren. Nie darf man ſich daher für verloren halten, 
wenn es audı dem Gegner gelungen ift, die angelegten Hinder⸗ 
niffe: zu überwinden, und if ben Graben zu foringen. — Im 
Gegentheile, die wahre Vertheidigung fängt erft in dieſem Augens 
blide an, und eine Truppe, welche die Schanze verlaflen könnte, 
fkatt auf die Bruftwehre zu fleigen, und die Erfletterung der⸗ 
felben dem Feinde ftreitig zu machen, ift ihrer Heldenbrüder 
unwerth, und fol daher nad dem firengfien Sinne der Kriegs⸗ 
artikel behandelt werden. 

Uibrigens muß man die Truppen fchon im Frieden in der 
Art, Scanzen zu vertheidigen, einüben, und ihnen nad Moͤg⸗ 
lichkeit bad Bild des eigentlichen Kampfes vor Augen flellen. 





304 





Raketen. Auch Mafeten konnen mit Vortheil in den Schanzen, bes 
fonderd bei Hleinem innern Raume, verwendet werden, da. fie 
feine Platteformen und Scußfcharten benöthigen. — Schließlich 
wird hier auf die im Anhange enthaltenen beiden Schteßtafeln 
der ?. k. Keldfanonen und Haubigen hingewieſen, deren Kenntniß 
dem Offiziere fowohl bei der Vertheibigung einer Schanze, als 

in vielen andern Gelegenheiten bes Krieged nũblich und noth⸗ 


wendig iſt. 
re F 
Angriff. 
Noͤthige Unm die Dispoſition zum Angriffe einer Schanze zweckmäßig 


gennniß über zu entwerfen, trachte man fo viel als möglich durch Patronillen, 
heit des Ter Deferteurd, Kundichafter, Landleute oder felbit vorgenommene 
raine und der Rekognoscirung über die Beichaffenheit berfelben betaillirte Aug» 
anzugreifen 

den Schanze. fünfte zu erlangen, und zwar: 

1. Uiber die Stärke ihres Duͤrchſhiittes. 

2. Uiber ihre Größe und, ihren Umriß, — ob die aus—⸗ 
fpringenden Winkel durch. Dlatteformen oder Flankenfeuer ver, 
theidigt find, ob bei offenen Schanzen bie Kehle mit Pallifaden 
u. dgl. geiperrt, oder wie fonit ihr Rüden gedeckt ift. 

3. Ob Hinderniffe, ald: Wolfögruben, Minen, Berhaue, 
Pfaͤhlchen u. dgl. vor dem Graben oder Pallifaden in vemfelben 
angelegt find, und ob fie vom Beur irgend einer Linie flanfirt 
werben. 

4. Ob die Stärfe der Befagung im entſprechenden Ber 
hältniffe mit der Größe der Schanze fiehs, ® 

5. Wie, viel Gefchüge und von welchem Kaliber fich in der 
Schanze befinden, — ob fie in den Façen, Zlanfen oder auss 
foringenden Winkeln ftehen, — welde Zugänge fie beftreichen, 
und ob fie über Bank oder durch Schußfcharten feuern. 

6. An welcher Seite der Eingang angelegt, und burd welche 
Mittel er gefichert if, — ob über den Graben eine Brüde führt, 
oder eine Erbzunge ftehen gelaflen wurde. 

7. Ob eine Berme vorhanden ift, und in wie fern fle die 
Erfletterung der Bruftwehre begünftigt. 

8. Ob das umliegende Terrain dem Angreifer im Vorrücken 
Dedungen gewährt, oder ob fih auf Kanonenſchußweite domi⸗ 








305 








nieende Punkte vorfinden, von denen man Die Schanze vor 
theilhaft zu heflreichen, oder ihre Linien zu enftliren im Stande iſt. 

9. Ob der Feind einen Angriff vermuthet, oder ob er 
ſorglos die nöthigen Sicherheitsmaßregeln vernachläffiget ; endlich 

1 ob und in welcher Entfernung hinter der Schanze ſich 
die zu ihrer Unterſtützung beftimmten Truppenabtheilungen beftriden. 

> Hat man fit über alle diefe Gegenftände die nöthige 
Kenntniß verſchafft, Yanı wird man beurtheilen Fönnen, ob man 
ſich der F u. durch einen Liiberfall zu bemächtigen im Stande, 
oder zu Kar offenen Angriffe genöthiget if. 

Uib Irfälle find auf Uiberraſchung berechnet und daher nur 
dann ausführbar, wenn der Gegner feinen Angriff vermuthet, 
die nöthigen Vorſichtsmaßregeln vernachläffiget, oder den Sicher: 
heitöbienft nicht mit geböriner Thätigkeit und Wachſamkeit ausübt. 
Die befte Zeit zu einem folchen Unternehmen ift die Nacht; — 
fie begünftiget ein unbemerfted DVorrüden, macht dem Gegner 
unmöglich, unfere Stärfe zu beurtheiten, die bedrohten Punkte 
zu erkennen, feine Trupßen, wenn fie einmal in Unordnung find, 
zu railliren und fomit einen fräftigen Wideritand zu leiften. 
Geheimniß und Schnelligkeit ſind jedoch hiezu zwei mweientliche 
Erforderniffe, — man bemühe fib daher, den Feind durch feinen 
Umftand auf unfere Abfiht aufmerffam zu machen, — fondern 
ihn vielmehr Durch alle möglichen Mittel zu täufchen und einzus 
ſchläfern. Sit es uns gelungen, fih unbemerkt auf ein oder 
mehrere Seiten der Schanze zu nähern, dann ſtürzen alle Abthei⸗ 
lungen auf ein Bene Zeichen vor, — ſuchen fich des Eins 
ganges zu bemächti — die Bruftwehre zu erflettern und die 
Befagung zu entw en, gefangen zu nehmen, oder mit dem 
Bajonete nieder zu ſtoßen. Hiebei kommt ed hauptsächlich. darauf 
an,. den eriten Augenblid. der Liberrafhung zu Wenügen, den 
Gegner von allen Seiten mit Ungeltün anzufallen und ihn: feine 
Zeit zu laffen, fih zu erholen, zu fammeln oder in Vertheidigungs⸗ 
ftand zu fegen. Eine verhältnißmäßige Reſerve fihert Das ganze 
Unternehmen, und rüdt, wie der erfte Angriff gelungen ift, ſchnell 
vor, um die errungenen DBortheile zu behaupten. — Liber bie 
näheren Detaild der Lliberfälle verweifen wir auf die in der 
zehnten Abtheilung enthaltenen Erklärungen. 

Was den offenen Angriff betrifft, fo iſt es por allem 
nöthig, die verfciedenen Vorbereitungen mit möglichfter Schnellig- 

20 





Uiberfälle, 


Offener 
Angriff. 


306 


— 





keit zu treffen, Faſchinen, Hurden, Schanzkörbe zu verfertigen, 
Breter, Leitern, Hacken, Schaufeln u. dgl. zu requiriren, und 
die Angriffsdispoſition nach einer richtigen Vergleichung des 
Terrains mit der Größe, Geſtalt und Beſchaffenheit der Schanze 
zu entwerfen. Lliber die befonderen Details des Angriffed bes 
merfen wir Folgendes: 

Wahl des An⸗ Günftige Zugänge, im Vorrücken deckende Terraingegens 

grifföpunftes. ande, ſchlecht bewachte Ausgänge, unbeftrihene Räume vor den 
ausfpringenden Winkeln und andere ähnliche Bortheife beſtimmen 
die Wahl des Hauptangriffspunftes, der ferner fo viel ald möglich 
von feiner Flanke beftrichen, um defto mehr aber dem Feuer 
nnferer Artillerie ausgeſetzt fein fol. 


Zahl und Die Zahl der Angriffefolonnen hängt von der Anlage und 
ee Größe der Echanze, von der Beſchaffenheit des Terrain, der 
Ionnen. Stärke der dieponiblen Mannſchaft und anderen Umftänden ab. 
Kleine Flefhen und Nedouten pflegt man gewöhnfih nur in 
einer, größere Verſchanzungen aber in mehreren Kolonnen anzus 
greifen; im legten Falle ift jedoch nur eine Kolonne zum Haupt: 
fturme beftimmt, während die anderen blos dazu dienen, durch 
Echeinattaguen den Feind zu täufchen, ihn an mehreren Punften 
zu beihäftigen und dadurch den eigentliben Angriff zu erfeichs 
tern. Nach diefer zweifachen Beltimmung richtet fih auch die 
Etärfe der Truppen, welche die verfdiedenen Kolonnen zu bilden 
haben. — Der Hauptfolonne ift ein Ober⸗ oder Unteroffizier 
von der Artillerie mit einigen Kanoniers beizugeben, welde mit 
eifernen oder hölzernen Nägeln und Hämmern zum VBernageln der 

feindlidıen Geſchütze verfehen find. 
Vorbereiten« Sobald man ſich zum Angriffe entfchloffen hat, werden die 
de Beer d er Geſchütze auf vortheilbaften Punften placirt, und beginnen ſchon 
and einer Entfernung von 800 bis 1000 Schritten eine heftige 
Kanonade gegen die zu erftürmende Schanze. Der Zweck ihres 
Feuers it aber keineswegs eine Brefhe in den Erbböfchungen 
zu legen, da Dieß blos eine große und nußlofe Munitionsvers 
Ihwenpung wäre, ſondern man trachte vielmehr die Batterien 
auf dominirenden Punkten in ber Verlängerung der Magiftrals 
oder Poligonsfinie aufzuführen, und von da die angreifenden 
Linien mit Kugeln oder auch mit Granaten aus Haubitzen zu 
enfiliren, die feindlichen Geſchütze zu demontiren, dad ‚Feuer 








07 





der Schanze zu ſchwächen, und dadurch das darauf folgende 
Vorrüden der Jufanteriekolonnen zu erleichtern. 

So wie jedoch diefe, nachdem fie gehörig geordnet worden, Vorrückung 
wirffich zum Sturme vermarfbiren, avanciren auch einige Ger — 
ſchützbatterien auf die Metalldiſtanz von 400 bis 500 Schritte 
gegen die Bruſtwehre, um von da mit noch größerem Erfolge 
durch Kartätſchenſchüſſe die auf den Platteformen ſtebhenden, feind⸗ 
lichen Artilleriſten zu tödten, und die Schanze mit Granaten zu 
bewerfen. Hiezu können beſonders in einem weichen oder jedem _ 
andern Terrain, welches das Vorrücken der Geſchütze erſchwert, 
die neuen mit einer Öpfündigen Granate verſehenen Gpfündigen 
Wurfraketen verwendet werden. Auf jeden Fall muß man jedoch 
die im Avanciren ſchargirenden Batterien ſtets ſo placiren, daß 
ſie durch ihr Feuer den Vormarſch der Kolonne nicht hindern, 
und jene feindlichen Geſchütze, die den Angriffspunft vertheidigen, 

Eoncentrifch zu beftreichen im Stande find. 

Die Angrifföfolonnen der Infanterie bleiben indeſſen außer Bor marich 
dem Ertrage der feindlihen Gefhüge verdedt aufgeſtellt, um Der Anarifee 
den Gegner fo lange ald möglich über die Art des Angriffes in Eolonnen. 
Ungemwißheit zu halten. Die Offiziere haben diefe Augenblicke 
zu benügen, um den Muth ihrer Truppe zu fleigern, und fie zu 
ermuntern, fich auch in diefem Kampfe ihres Waffenruhms würdig 
zu zeigen. — Erſt dann, wenn das euer der Schanze durch 
unfere Artillerie zum Schweigen gebracht, ober wenigſtens bes 
deutend geichwädht wurde, rüden die verfchiebenen Kolonnen in 
nadfolgender Drbnung zum Sturme vor: 

a. An der Tete befinden fich bei jeder Kolonne unter Leis Grenabiere 
tung eines entfchlofienen Dffizierd einige Abtheilungen Grenas une 
biere oder Freiwillige, die den eigentlichen Angriff unternehmen, 
und denen man eine verhältnißmäßige Anzahl Pionniers, Zimmers Pionniers, 
feute und andere mit Hurden, Bretern, Fafchinen, Yaden, Schaufeln, Aummerteure 
Krampen u. dgl. verichene Militärarbeiter zutheilt, um Berhaue 
zu öffnen, Wolfögruben zu überdeden, und alle andern allenfalls 
vorhandenen Hinderniffe aus dem Wege zu räumen, 

b. In angemeflener Entfernung hinter diefen Arbeitern Angriffsko- 
marſchirt auf halbe Diftanz gefckloffen die eigentliche Angriffe, lonne ſelbſt. 
folonne. 

c. Geſchieht der Angriff in mehreren Kolonnen, fo müflen Gleichzeitiges 
diefe gleichzeitig und mit eben derſelben Entfchloffenheit vorrüden, Hervorbre⸗ 


den mehrerer 
20* derfelben. 


308 





um die Aufmerkſamkeit des Gegners zu theilen, feine Kräfte zu 
ſchwächen, und es feiner Neferve unmöglich zu machen, allen 
bedrohten. Punkten mit gleichem Nahdrude zu Hilfe zu eilen. 
Dringt eine diefer Kolonnen in die Schanze, dann häft fich der 


‚Feind gemwöhrflih für verloren, und ed wird in dieſem Augen» 


t 


Reſerve. 


blicke auch den übrigen ohne Schwierigkeit gelingen, die Bruſt⸗ 
wehre zu erflettern, und. bie 'hnen entgegenftehenben. Yeinde 


zurückzuwerfen. 


d. Der eigentlichen Hauptangriffskolonne aber folgt eine 
verhältnißmäßig ſtarke Reſerve mit einigen Kavallerieabtheilungen 


und leichten Artillerieftüden. Dieſe beobachtet — langfam nach⸗ 


Uibermins 
dung Der ans , 
gelegten Sin: 

derniſſe. 


Uibergang 
des Grabens. 


rückend — den Ausgang des Angriffes, und eilt, je nachdem es 
die Umſtände erfordern, entweder zur Unterſtützung vor, oder 
deckt den Rückzug der zurüdgefchlagenen Truppen. 

Die Grenadiere oder Freimilligen eilen fo ſchnell ald möglich, 
jeboch ohne zu laufen, bis an die vor dem Graben angelegten 
Hinderniſſe. Ihnen folgen die Arbeiter, Pionnierd und Zimmer: 
leute, die fih mit angeftrengter Thätigkeit bemühen, vorhandene 
Berhaue zu öffnen, — Pallifaden niederzuhanen, — Wolfögruben 
zu überdeden oder zuzufchütten, und den nachfolgenden Kolonnen 
dadurch den Weg zu bahnen. 

Der Uibergang des Grabend gefchieht auf verfitiedene Art: 


Iſt er von feiner befondern Xiefe, dann fpringen die Gre⸗ 
nadiere oder Freiwilligen, ohne Zeit zu verlieren, in denfelben, 
und die beihabenden Zimmerfeute hauen die allenfalld an der 
Eskarpe oder Kontreedfarpe ftehenden Pallifaden nieder. Haben 
die Gräben jedoch eine größere Tiefe, dann wird ſchnell Die 
Kontrecdfarpe durch die mit Krampen und Schaufeln verfehenen 
Arbeiter abgeftochen, mittelft Balken, Bretern, Leitern u. dgl. ein 
Uibergang erridıtet, oder man füllt einen Theil des Grabens mit 
übereinander geworfenen Faſchinen und Schangförben, wozu wenn 
der Durchſchnitt ded Grabens befannt ift, man fihon im Voraus 
die Anzahl des zum Uibergange nöthigen Materials berechnen 
fann. Selten find jedoch die Gräben einer Feldverſchanzung fo 
tief, daß fih die Mannſchaft mit Hilfe ihres Gewehre nicht im 
ſolche ohne Gefahr hinablaffen könnte, wo ed dann unnöthig ift, 
fih zur Errichtung eined Dammes mit Faſchinen, Schanztörben 


u. dgl. zu verfehen. 





309 

Iſt es den Grenadieren und Freiwilligen gelungen, in den Erklettern der 
Graben zu kommen, fo ſchreiten fie unverweilt zur Erfletterung Bruftwehre. 
ber Bruftwehre. Bei Redouten und Schanzen, die feine Flanfens 
vertheidigung haben, fünnen fie ſich gefichert gegen Das Keuter 
ver Befagung im Graben ausbreiten, und tracdıten durch Die 
allenfalls vorhandenen Scußicharten vorzudringen, Cingänge 
zu forciren, oder die todten Winkel der Verichanzung mit Bes 
nügung der ihnen mitgegebenen Werkzeuge, oder wenn dieſes 
nicht der Fall märe, mit Hilfe ihrer Sewehre zu eriteigen. — 

Diefes muß jedoch mit Ungeſtüm und größter Anftrengung auds 

geführt werden. — Dffiziere und linteroffiziere ermabnen ihre 

Truppen in diefem gefahrvollen Augenblicke zur Ausdauer, leiten 

den Angriff, und ftärzen fich die eriten dem Feinde entgegen, 

wenn dieſer ed wagen follte, auf die Bruftwehre zu Ipringen 
und und die Erfletterung derfelben mit dem Rajonete fireitig zu 

machen. Hat die Schanze eine Berme, fo ift dieſes den flürs 

menden Truppen von großem Vortheile; follten, fih aber über 

derfelben Sturmpfähle befinden, fo werden felbe von den Zimmers. 
leuten ausgeriſſen oder abgehauen; zugleich trachten die beis 

babeuden Pionnierd und Arbeiter die Bruftiwehre einzureißen, mit 

ihrer Erde einen Theil des Grabens auszufüllen und den nach⸗ 

rücdenden Kelonnen den Weg zu bahnen. 

Diefe find unterdeflen ſchon bis an den Rand des Grabens Sturm a 
vorgerüdt, und ſtuͤrzen mit größtem Ungeſtüm gegen die Schanze, Angriffsto: 
um die Grenadiere und freiwilligen zu unterftügen, die errun⸗ lonnen. 
genen Bortbeile zu behaupten, den Eingang zu forciren, Die dem 
bedrohten Punfte zu Hilfe eilenden Reſerven des Feindes zurüds 
zumerfen, die Befagung ſelbſt aber zu übermwältigen oder gefangen 
zu nehmen. — Leiſtet diefe jedoch tapfern Widerftand, fo ift bie 
Erftürmung einer Schanze ſtets mit bedeutendem Berlufte ver⸗ 
bunden; nichts deſto weniger wirb es einer muthigen Truppe 
gelingen, den Gegner zu ermüden, und durch Ausdauer den Sieg 
zu erringen. Bon dem Augenbfide der Erffetterung an ‚beichränft 
fih ſowohl der Angriff, ald die Vertheidigung bios auf den Ges 
brauch von Stichs und Hiebwaffen, — die Truppe beginnt dem⸗ 
nach einen Kampf, in welchem nur perfönlice Tapferkeit enticheis 
det, — weshalb ihre Kommandanten. fie begeiftern und überhaupt 
diefe Gelegenheit benützen müflen, um ſich durch Standhaftigkeit 
und Entichloffenheit auszuzeichnen. Belonderd mache man bie 





Beſchaͤftigung 


der Flanken 
waͤhrend des 
Angriffes. 


Beim Ein⸗ 
dringen in 
die Schanze. 


Bei einem 
Rückzuge. 


Feſtſetzung in 
der eroberten 
Schanze. 


4310 


Mannſchaft darauf aufmerkſam, daß es weit weniger gefahrvoll 
iſt, ſtandhaft auszuhalten, als zu weichen, und im Rückzuge ſich 
dem verdoppelten und verheerenden Feuer der Schanze auszuſe tzen. 

Sind bei einem Werke Flanken vorhanden, fo muß man 
diejenigen, weiche den zum Angriffe beftimmten Punkt beitreichen, 
im legten, enticheidenden Angenblide lebhaft befchäftigen, durch 
ein heftige Granatens und Kartätichenfeuer zur Selbftvertheibis 
gung zwingen, und dadurch die eigentliche Attaque erleichtern. 

Beim Eindringen ia die Schanze gebe man ſich micht mit 
einem unnüßen und zwedlofen Keuern ab, fondern ſtürze dem 
Feinde, wo er fib nur immer zu fammeln verfucht, raſch mit 
dem Bajonete entgegen, um ihn auf diefe Art keine Zeit zu ges 
währen, ſich zu faflen und neuen Wideritand zu leilten; — einige 
Leute bemeiftern ſich indeflen der vorhandenen Gefchüge, und 
hindern wo möglich, daß fie nicht vernagelt oder font unbrauchbar 
gemacht werden; auch wird der Eingang unvermweilt beſetzt, nm 
dadurch dem Feinde jedes Mittel zur Klucht zu nehmen, und ihn 
zu nöthigen, fih zu ergeben. — Zieht fich aber die Beſatzung 
zurüd, und verläßt die Schanze, ohne ihr Geſchütz mitnehmen 
oder unbrauchbar machen zu können, fo muß ſolches fogleich durch 
die mit eingedrungenen Kanoniere befegt, und der ſich zurückzie⸗ 
hende Feind damit befchoflen werben. 

Eolite jedoch unfer Angriff mißfingen, fo geſchieht der 
Rückzug in möglichiter Ordnung unter dem Schutze der rückwär⸗ 
tigen Batterien und Referven, die nöthigen Falls ſelbſt vorrüden, 
um den Eturm auf den durd die erite Bertheidigung ſchon ers 
müdeten Gegner mit deſto größerem Erfolge zu erneuern. Gelingt 
diefer abermald nicht, oder wagt es der Feind, einen Ausfall zu 
machen, und uns zu verfolgen, fo empfangen ihn die Geſchütze 
mit Kartätfben, und die bei der Referve befindlichen Kavallerie⸗ 
abtheilungen ftürzen fih ihm, wie er zu wanfen beginnt, mit 
Ungeſtüm entgegen. Dft wird es und bei folcken Gelegenheiten 
möglich, den verfolgenden Gegner zu werfen, uud dann gleich⸗ 
zeitig mit ihm den Eingang des Werkes zu erreichen. 

Sobald eine Schanze erftürmt ift, muß man alles anfbieten, 
um fi in derſelben feftzufegen, und fie gegen einen erueuerten 
Angriff des Feinde zu behaupten. Diefe Feſtſetzung befteht im 
der Anwendung des eroberten Geichüted gegen ben Feind, in 
der Sperrung des Einganges, fiatt deſſen auf der rüdwärtigen 


IE 


x 2. . 


— 





Seite ein anderer eröffnet wird, in der Ausbeſſerung der befchä= 
digten, oder bei offenen Werfen in der Erbauung einer neuen 
Druitwehre zur Dedung der Kehle. it jedod die Behauptung 
der Schanze für und von feinem Werthe, und rüdt der Feind 
mit Uibermacht wieder vor, Dann ebne man vorzüglich die gegen 
und liegende Bruftwehre, fülle zum Theile den Graben aus, 
verderbe die vorhandene Munition, vernagle, wenn es nicht mög» 
lih wäre, fie mitzunehmen, die Geſchütze, zerichlage die Speichen 
ihrer Räder und den Ladzeug. Liegt aber die eroberte Schanze 
an einem wichtigen Punkte, dann muß fie auf dad Hartnaͤckigſte 
vertheidigt werden, indem man die verfchiedenen Deffnungen 
einitweilen mit gefüllten Schanzförben, oder auf andere Weile 
det, und alled aufbietet, um die Verfuche des Feindes zurüds 
sumeifen. 

Offene Schanzen, deren Kehlen gar nicht oder nur fchlecht 
geichloffen find, werden oft umgangen, und im Rüden anges 
griffen; — itehen aber hinter denfelben Referven, fo müflen biefe 
von einer andern Truppenabtheilung gleichzeitig befchäftigt und 
feftgehalten werden. Der zum Angriff der Kehle beſtimmten 
Kolonne wird die nöthige Zahl von Zimmerlenten beigegeben, 
um die dafelbft befindlichen Palifaden, fpanifchen Reiter u. dgl. 
zu öffnen. Nüdenangriffe find ftetd von großem Bortheile, und 
follen daher, wo es thunlich ift, nie unterlaffen werden, da Die 
Erfahrung und bemweift, daß ſolche Unternehmungen gewöhnlich 
mit geringem Verlufte gelingen. 

Hat man ein vorliegended Werk erftürmt, fo trachte man, 
fih mit der zurückziehenden Beſatzung zu vermengen, oder gleich» 
zeitig mit ihr in die rückwärtige Hauptſchanze zu dringen. Die 
Unordnung, die dadurch entiteht, ift ftetd vom glüclichiten Ers 
folge für den Angreifer, doch müflen die Nefervelolonnen ſchnell 
zur Unterftüßung vorrüden, um die errungenen Bortheife behaups 
ten zu können. 

Died ſind im Allgemeinen bie vorzüglichften Beobachtungen 
beim Angriffe einer Feldſchanze, und da die Erftürmung derſelben, 
fehr häufig vorfommt, fo if ed unumgänglich nöthig, daß ſich 
die Offiziere mit den hiezu erforderlichen Verhaltungen bekannt 
machen, und die Truppen fon in Friedengzeiten zu dieſem 
wichtigen Kampfe vorbereitet werden. 


Din Di 


Angriff der 
Kehle bei offe⸗ 
nen Schanzen. 


Beobachtung 
bei vordegen 


den Werfen, 


Schluß⸗ 
bemerkung. 


Beariff einer 
@tellung. 


Zweck und 
Arten der 
Stellungen. 


318 





Achte Abtheilung. 


Stellungen. 


$. 1. 
Bon Stellungen überhaupt. 


Ro immer Truppen in Kolonmen, Linien, Daflen, Quarres, 
als Plänfler oder auf eine andere Weile formirt werden, nennt 
man died Truppen aufftellen. Allein ſolche augenblidliche 
Aufftellungen fchließen noch lange nicht jene Begriffe in fih, Die 
mag unter einer militärifhen Stellung verfteht; denn 
wenn man die erfteren auf jeden Boden zu nehmen im Stande 
ift, fo vermag hingegen dieſe lettere nur dort in Anwendung 
gebradıt zu werden, wo man fich mit Vortheil gegen den Feind 
fchlagen kann, d. h. wo das Terrain alle jene Eigenheiten bes 
figt, die einer Truppe die nöthige Sicherheit gewähren, und 
zugleich felbe in den Stand fegen, dasjenige auch mit Erfolg zu 
vollziehen, wad der Kommandant mit ihr beabfichtet. 

Es gibt im Allgemeinen zweierlei Etellungen, ftrategiiche 
und taktiſche. Die Erörterung der eritern, nur für größere 
Operationen geeigneten, liegt außer dem Zwecke dieſes Werkes, 
doch kann man fie im Kurzen als ſolche beftimmen, welde der 
Feind ohne einer außerordentlichen, alled Verbältmiß aufhebenden 
Uibermacht nicht zu umgehen, oder in feinem Rüden liegen zu 


- Iaflen im Stande ift, und die fomit feine Operationen an den 


von und befegten Punkt feſſeln; — während taftifche Stellungen 
fih mehr auf den augenblidlihen Nutzen einer Straflenvertheis 
digung beichränfen, und ihren Zwed volltändig und mit großem 
Bortheile evfüllen, wenn fie den Feind auch nur kurz aufhälten, 
und ihn zu einem ungünftigen Angriffe oder einer zeitraubenden 
Umgehung nötbigen. Diefe taftiihen Stellungen, von welchen 
e® fich hier einzig und allein handelt, find entweder: 

1. Angriffe- Coffenfive) Stellungen, aus weldhen man bem 
Feinde mit Vortheil entgegen gehen, oder 











313 


2. Vertheidigungs⸗ Cdefenfive) Stellungen, in welchen man 
den angreifenden Feind mit. Bortheil empfangen Fann. 
Die Eigenheiten des Terraind beitimmen beide Gattungen 
diefer Stellungen, wie wir aus der Aufzählung ihrer befonderen 
Exforderniffe weiter unten fehen werden; — bei einer offenfiven 
Stellung laͤßt fich jedoch oft auch der defenfive Zweck verbinden, 
indem man den Feind in felber empfängt oder zum Angriff lockt, 
und wenn er feine Kräfte geichwächt hat, dann aus ihr offenſiv 
bervorbricht und ihn fo gänzlich beſiegt. 
Um ſich jedoch in jeder Stellung mit Vortheil zu fchlagen, Allgemeine 
muß felbe folgende allgemeine Erforderniffe haben: ee 
1. Beberrfhung der Fronte, indem man auf einem einer 
Höbenzuge fteht und alles vor ſich übderfieht, wodurch unfer Stellung. 
euer wirkfamer, ded Gegnerd Bewegungen erſchwert, die unfris . 
gen hingegen erleichtert werden. 
2. Deckung der Flügel durd fihere Stügen; die 
Flügel find die ſchwächſten Punkte jeder Stellung, weil bei ihnen 
die Vertheidigung durch Truppen aufhört, man daher. ihre Des 
fung in natürliben oder Fünftfichen Hinderniſſen fuchen muß, 
welche einen gegen fie gerichteten, feindlichen Angriff entweder . 
ganz unmöglich machen, oder wenigitend fo lange aufhalten, bie 
der Vertheidiger Gegenanftalten getroffen bat. — Solche Stüßs 
punfte ergeben fich entweder durch die Geſtaltung des Terrain 
felbft, feine Höhen, Raving, fteile Abfälle, Schluchten und Tier 
fen, oder durch Gegenftände, die ſich auf demfelben befinden, als 
Häufer, Dörfer, Wälder, Flüffe, Bäche, Teiche, Sümpfe, Mos 
räfte u. dgl. 
3. Freie-Kommunifation der Treffen und Flüs 
gel, um fich jeden Augenbli mit verfchiedenen Waffengattungen 
in jeder Nichrung bewegen zu Fünnen, wie dad Bebürfniß des 
Gefechtes ſolches mit fih bringt; denn nur dadurch iſt es moͤg⸗ 
ih, daß ein Punkt der Stellung den andern zu einer Zeit 
unterftüßgen könne, mo ed dem Feinde noch nit gelungen ift, 
ihn zu übermältigen. 
4. Gehörige Tiefe, mithin Feine Thaͤler oder fteile 
Ravins im Rüden der Etellung, oder Unmöglichkeit, die Treffen 
und Referven in gehörigen Räumen aufzuftellen. 
5. Sicherer Rüdzug auf mehreren Kommunilas 
tionen, durch Fein zu nahes Deftlee oder durchſchnittenes Terrain 


314 


— 
——— 





gefährdet, damit rückgängige Bewegungen ohne Hinderniß und 
Unordnung ſtattfinden können. 
ee Die Beſchaffenheit des Terraind ver der Fronte ciner 
einer Stellung, welche oben nur im Allgemeinen berührt wurde, muß 
Anariffs⸗ oder nah den verichiedenen Zweden auch verfchieden fein. — Bei 
— einer Angriffsſteltung nämlich muß ſelbe und erlauben, jede 
Bewegung nach vorwärts ungehindert auszuführen - Er ſoll üch 
daher frei und offen nah der Eeite ded Gegners verfläcen, 
oder wenigftend auf die Entfernung eines Kanonenſchußes Feine 
bedeutenden QTerrainhindernifle, noch größere Kulturgegenitände 
enthalten, durch deren Befegung der Feind und fräftigen Wider 
ſtand leiſten fönnte, wie dies z. B. bei Dörfern, Wäldern, Flußen, 
Moräften, Defileen u. dal. der Fall if. 
fon. Eine Berthbeidigungsftellung hingegen macht gerade 
einer Berthei- die entgenengefegten Erforderniffe geltend. Hier fell dad Terrain 
Diaungss oder vor der Fronte jede Bewegung und Annäherung ded Gegners 
ee fo viel als möglich erfchweren, daber durdftnitten durch Schluch⸗ 
“ten, Raving, felfihte Abftürze, tiefe Gründe, Dörfer, Wälder, 
Moräfte oder Gewäfler gededt fein, und je mehr Hinderniſſe 
zwifchen und nnd dem Feinde liegen, defto vortheilhafter ift es 
der Vertheidigung. 
eurtbeilung Eelten finden fih jedoch Ztellungen, die alle oben aufges 
gen im Alge- zählten Torzüge für die Iffenfive oder Defenfive in fih vereinis 
meinen. gen. Man muß fich alfo begnügen, jene zu wählen, welche die 
meiften derfelben befigen und augenblickliche Vortheile gegen den 
Feind darbieten. 

In ganz ebenen, offenen Gegenden gibt ed gar keine Stel⸗ 
lungen. " 

In wellenförmigem Terrain gewähren Poſitionen auf ſanf⸗ 
ten, Tominirenden Anböben, deren Zügel fih an Wälder, Dörfer 
oder Raving flüben, gewöhnlich die größten Bortheile, daher 
auch hier die meiften Offenſivſtellungen ftattfinden. 

In durchfchnittenem Terrain nnd im Gebirge, binter fleilen 
Ravins und Höhen, fo wie hinter tiefen Flußbetten find Dagegen 
die meiſten Defenfioftellungen. Sie verlangen viele Vorſichts⸗ 
maßregeln gegen liberfälle und Umgebungen, obſchon fi bier 
die Anlchnungepuufte Leichter finden,. und Die vielen Terrainhins 
derniſſe die Wirkung feindlicher Angriffe bedeutend ſchwächen. 








313 


Arch in den trefflihften Stellungen gibt es immer einige 
Theile derfelben, welche der Feind gegen und benügen kann. 
Die mwefentlihften Nactheile der Stellungen find: 

I. Tiefe Streden berfelben, welche, ftatt den Feind zu 
überhöhen, im Grgentheile von ihm dDominirt werden. — Diefem 
Gebrechen ift dadurch abzuhelfen, daß man die zu beiden Seiten 
liegenden, höberen Terraintheile ſtaͤrker befegt, und von felben 
aus vorzüglich durch Geſchütz die tieferen Streden beſchützt. 

2. Hervorfpringende Theile, welche als nit ges 
fihert, am meiften den Angriffen ausgefest find. Diefe müſſen 
daher ftärfer, dagegen die eingehenden Winkel fchwächer befegt 
werden, woburd zugleich die leßteren durch die erſteren eine 
Flankenvertheidigung erhalten. 

3. Befonders hervorragende und fleile Punkte 
eines Höhenzuges, die von geringem oder gar feinem Feller 
geſchützt und ihrer eigenen Vertheidigung überlaflen find. Solche 
Punkte dürfen ihrer Ungangbarfeit wegen nicht als unangreifbar 
angefeben und vernachläfligt, fondern müſſen im Gegentheile bins 
reichend befeßt, und alle Vorkehrungen zu ihrer gediegenen Eicher, 
heit getroffen werben, 

4. Flügel ohne Anhaltspunfte. Um dieſes weient- 

lihe Gebrechen zu mindern, werden Truppenabtheilungen hinter 
einander in ftaffelfürmiger Ordnung aufgeftellt, welche fich- wech« 
felfeitig überflügeln und dadurch unterftügen; auch dotiret man 
die bedrohten Flügel mit einer größern Anzahl Gefchüge. 
5. Mangel an Kommunifationen im Innern der 
Stellung. Diefem fehr widtigen Gebrechen ift nur dadurch 
einigermaßen abzuhelfen, daß man jeten vereinzelten Theil ders 
felben durch eine eigene Aufftellung mit ber erforderlichen Referve 
deeft, diefen getrennten Truppentörpern aber für den Fall eines 
Rückzuges einen gemeinfihaftlichen Bereinigungspunft weiter rück⸗ 
wärts beftimmt, was jedoch nur bei fehr großen und ausgedehn⸗ 
ten Pofitionen thunlich wird. 

6. Gefährdeter Rückzug durch fchlechte, wenige oder 
nur auf den Flügeln der Stellung befindliche Rückzugswege, Durch 
ein durchfchnittened Terrain, oder durch ein im Rüden liegen⸗ 
ded Defilee. — Dem letztern koͤnnen blod Reſerven abhelfen, 
welche noch früh genug das Deftlee befegen müflen, um die Bors 
truppen aufzunehmen und zu deden. — In Hinſicht der Wege 


Einzelne 
Mängel der 
@tellungen, 
und Mittel 
ihnen abzu⸗ 

helfen. 


316_ 





iſt bei gehöriger Zeit die nötbige Verbeflerung oder Vermehrung 
derielben einzuleiten, wo dieſe nicht ftattfinden kann, find ſolche 
Pofltionen lieber gar nicht zu nehmen, 
PR Wenn wir die früher aufgezählten, allgemeinen und befons 
erkennen und deren Erforderniffe der Stellungen genau erwägen, fo wird jeder 
er benfende Soldat felbe um To fihneller auffaflen und beurtheilen 
ju erlangen, fernen, wenn er. dabei auf nadfolgende Punkte feine Aufnerts 
famfeit zu richten gewöhnt: 
1. Auf das Terrain und beffen Geſtaltung, d. h. auf deſſen 
Steigen und Fallen, Höhen und Tiefen, ſo wie deren ein⸗ 
zelne Steile oder Verflähung; endlich, wo derſelbe hervor⸗ 
ſpringt oder zuruͤcktritt; — dadurch wird der jüngere Offizier 
feinen -Bli üben, auf jedem Terrain, deflen höchſte Punkte, 
fo wie den ganzen Höhenzug und deffen Verbindung richtig 
auffaflen und den Takt erlangen, wie durch gehörige Bes 
fegung der höheren Theile die tieferen zu beberrfchen, wie 
die Gefchüge vortheilhaft ‚zu placiren, endlich, wie. die vers 
fbiedenen Waffengattungen nach der Steile des Bodens 
jeder einzelnen Strede am zwedmäßigiten zu verwenden find. 
2. Auf die auf dem Terrain befindlichen Gegenftände, ale: 
Haͤuſer, Dörfer, Wälder, Weinberge, Gemwäfler u. ſ. w., 
auf ihre Befchaffenbeit, Größe, Feltigfeit, wechielfeitige Tage 
und fonftige Eigenthümlichkeiten, und ob ſolche vorfpringen 
oder zurüdliegen, daher mehr oder minder Schuß gewähren. 
Alles dies ift von vorzüglichem Belange Der Blick eines 
Dffigierd muß daher nach Auffaffung der Höhen einer Stellung 
fih gewöhnen, ebenfo ſchnell die Terraingegenftände auf 
felben und ihren Werth in Bezug auf den augenblidliden 
Zwed und die Abfihten ded Kommandanten zu erfenuen 
und ridıtig zu beurtbeilen. So ift z. 3. ein Wald auf dem 
vorliegenden Theile einer Stellung, die voripringende Lage 
eined Torfed oder auch nur eines größeren und foliden 
Gebäudes ganz vorzüglich geeignet, ſtundenlange Bertheis 
Digung zu gewähren. Hiebei fann dem jüngern Offizier 
von feinem Altern Kriegsgefährten nicht genug der Erfah⸗ 
rungsfag eingeprägt werben, daß die ganze Kunft der 
Kriegsführung in dem Geheimnifle verwahrt ift: 
»Den Boden, auf weldhem wir und bewegen, lagern oder 
fhlagen, in feiner ganzen Ausdehnung und mit allen Bors 








3m 





— 


und Nachtheilen richtig anfzufaſſen, und die auf demſelben 
vorhandenen Terraingegenſtände zweckmäßig zu benügen.« 
Hiezu gebört übrigend noch: 

3. Die Beurtbeilung der .nöthigen Truppenzahl und der Ver⸗ 
theilung derſelben in jeder Stellung. — Man muß ſich 
hierin nicht täufchen, und die Umſtände wohl erwägen. 
Eine Bofition kann höcft trefflih für zwanzig und ganz 
unhaltbar für zehn Bataillond, ebenſo Avants oder Arricres 
gardeftellungen fehr haltbar für ein Bataillon, Dagegen viel 
zu ausgedehnt für eine Divifion oder Kompagnie fein. Ge: 
hörige Raumbeurtheilung gibt bier den erften Maßſtab, mit 
der jedoch die obige Kenntniß ded Terraind, fo wie die 
Aufitelungsart der Truppen in mehreren Treffen und ale 
Reſerven verbunden fein muß, um ale Endrefultat den 
fihern Takt in Beſtimmung der Truppenzahl und ihrer Vers 
theilung in einer Stellung zu gewähren. Uibrigens ift felbes 
im Kleinen fo wichtig, wie im Großen, jedem. Offizier in 
feiner Sphäre unentbehrlich, und ebenfo nöthig zur richtigen 
Verwendung eined Zuged, ald zu jener eined ganzen Korps. 
Derjenige alſo, welcher die drei fo eben aufgezählten Ob» 

jefte fchnell auffaßt, daher 

1. ſchon aus der Ferne den Hoͤhenzug einer Stellung und 
ihre höchften beberrfchenden Punkte unterfceidet; 

2. die Terraingegenitände derielben und ihre wechſelſeitige 
Lage nach ihren Vor: und Nachtheilen abmwiegt, within Stellungen 
erfennt und beurtheilt; 

3. diefem gemäß feine Truppe auf dem kürzeſten Wege 
an die verfchiedenen Aufftelungspuntte dirigirt und fie mit dem 
größten Nuten beſetzt; — hat dad, was man militärifchen 
Viberblid (Coup d’oeil) nennt. 

In der Ansführung wird der fchon ferme, praftifche Soldat Neibenfolae 
zuerſt mit der Schägung der Truppenzahl anfangen, daher, fo een 
wie er fih einer Stellung naht, fogleich überbliden, ob feine Ausführung. 
Truppe im Allgemeinen für felbe hinreichend, oder zu geringe 
fei; — im erften Falle die Stellung nehmen, im zweiten aber, 
ald für den Augenblick unbenägbar vorübergehen. Sierauf 
beurtheift er zur gehörigen Bertheilung feiner Truppe die Art 
der Belegung und Vertheidigung der vorliegenden ganzen Stel⸗ 
lung, fo wie ihrer einzelnen Höhen und Tiefen, nebit jener der 


— —— — 
— u — 


anf ihr befindlichen, einzelnen Gegenftände, welches letztere in der 
vorhergehenden fiebenten Abtheilung dieſes Unterrichtes im Detail 
auseinander gelegt wurbe. 

„Srundfäbe Als Anhaltspunkt zur Belegung einer Terrainſtrede mit 

er Truppen⸗ 

vertheilung Truppen bemerfen wir: 

nas dem Zi 1. Drei Mann in der Linie bedürfen 2 Schritte; 

' j 2. ein Kavalleriſt in der Linie 1 Schritt; 

3. jede Kanone fammt ihrer Bedienung, wegen der erfor 
derlihen Bewegung in der Fronte — 15 bie 20 Schritte; 

4. im durcfihnittenen Boden rechnet man gewöhnlich auf 
5 Schritte einen Mann; 

5. Gegenftände, wie Dörfer, Häufer, Wälder, Sclöſſer, 
Berfhanzungen, Brüden und Gewaͤſſer fünnen nicht nach dieſem 
Maßſtabe, fondern müllen nad ihrer Größe, Geftalt und Br 
fehaffenheit auch verſchiedenartig bejegt werden, wie dies in der 
fiebenten Abthbeilung gelehrt wurde; es kann daher nur das 
richtige militärifhe Augenmaß bei felben die wahre Berechnung 
der für fie nörhigen Truppenzahl an die Hand geben. 

Srundfäge Man vertheilt gewöhnlich die für eine Stellung zu vers 
—S wendende Truppe ohne Rückſicht auf Waffengattungen in drei 
nach ihrer ver Theile: 

Sehimmung, I. Die Bortruppe, welche bie Borpoftenfette und deren 

Unteritügungen bildet. 

2. Die Haupttruppe, welche in der Stellung felbft aufge 
Kellt wird, fei ed nun, fie zu vertheidigen ober aus felber ben 
Feind anzugreifen. 

3. Die Referve, welhe der Kommandant rückwärts auf 
dem entfiheidendften Punkte gewöhnlich hinter der Mitte aufftellt, 
nm überall, wo es nöthig wird, hinbewegt zu werden, oder im 
Falle eines Rückzuges denfelben zu decken. 

(Hier wird im Borbeigehen bemerkt, daß, wenn eine Truppe 
in einer Stellung lagert, man nie dort lagere, wo man in jelber 
den Kampf felbit beftehen muß, fondern rückwärts diefer Linie, 
fo daß man vom Xagerplage erſt durd die Vorrückung in bie 
eigentliche Stellung kommt.) 

Stärke dieſer Die Beltimmung der Vortruppen liegt fchon in ihrer Ber 
drei Izppen nennung. Sie ſollen die Stellung gegen Uiberfälle ſichern, den 
Feind beobachten und fo lange aufhalten, bis die rückwaͤrtige 
Truppe fchlagfertig if; — fie dürfen daher nur fo ſtark fein, 








19 


— — 





als die Sicherheit des Ganzen unumgänglich fordert. — In ganz 
offener Gegend beftehen fie blos and Kavallerie, in jeder andern 
aber aud Infanterie und Kavallerie zufanmen, jedoch im wech⸗ 
felnden Verhältniſſe, nah Maß, ald das Terrain mehr oder 
weniger durchfchnitten oder. gebirgig ifl. — Die Haupttruppe, 
welche die ganze Stellung vertheidigt, ift die ſtaͤrkſte. — Die 
minder zahlreiche Reſerve endlich muß jeboch bei ihrer Beftimmung 
einzelne ſchwache Punkte der Stellung zu unterſtützen, geworfene 
Truppen aufzunehmen, oder zuletzt den entfcheidenden ‚Echlag zu 
geben, wenigftend ein Viertheil der. ganzen Streitkraft betragen. 
SA daher eine Stellung dergeftalt ausgedehnt, daß fie nad 
Abfchlag der Vortruppe und Reſerven von der noch übrig bleis 
benden Truppenzahl nicht in ihrer ganzen Ausdehnung beſetzt, 
gefihert und der Angreifer allenthalben durch kräftigen Wider⸗ 
ftand aufgehalten werden kann, fo iſt eine folche Pofition Lieber 
gar nicht zu nehmen. \ 

Der dritte Hauptgrundſatz bei Bertheilung der Truppen ift: 


Rückſicht auf die Wirkſamkeit der einzelnen Waffengattungen, F 


um mit Schonung der eigenen Mannſchaft dem Gegner den 
größtmögliciten Schaden zuzufügen. — Hiebei kommen folgende 
allgemeine und unabänderliche Regeln in Anwendung: 

1. In jeder Poſition bildet das Fußvolk die Haupttruppe, 
wird in ein oder zwei Treffen aufgeſtellt, und beſetzt nach der 
Bildung des Terrains nicht blos den Höhenzug im Allgemeinen, 
fondern auch alle Gegenftände, welche den Feind' in feinem Vor⸗ 
rücden hindern, als: Deftleed, Dörfer, Wälder, Schlöſſer u. dgl. 

2. Die Bataillons⸗ und BrigadesIntervallen diefer Treffen 

find die vorgefihriebenen. Sollte dad Terrain erfordern, größere 
zu nehmen, fo müßte man beiberfeitd derſelben andere Infan⸗ 
terienbtheilungen bereit halten, um im Falle des Bedarfes die 
Lücken ſchnell auszufüllen, wie dies 3. B. bei Schluchten, welche 
Stellungen durdichneiden, zu geichehen hat. 
3. Die Aufftellung der Infanterie muß fo viel ald möglich 
gebedt fein, um fie dem Feuer des Angreiferd fo lange zu ent» 
ziehen, bi8 man den Feind mit dem Gewehrfener erreichen, oder 
einen Bajometangriff auf denfelben machen kann. Go ift z. 2. 
die Haupttruppe 100 bis 150 Schritte hinter dem Nüden fanfter 
Höhen aufzuftellen, dieſe felbft aber bei einem feindlichen Aus 
griffe blos mit Plänklern und Gefchüß zu. befegen. 


Srundfäge 
Truppens 
vertbeilung 
nah den 
Waffen: 
gaffungen. 


Für Die 
Infanterie. 


Str Die 
Kavallerie. 


Sur die 


Artillerie. 


320 





4. Endlich fol die Infanterie auf dominirten Strecken einer 
Stellung entweder außerhalb ded durd die beherrſchenden Hoͤhen 
wirkſamen Ertrages der feindlichen Geſchütze, oder wenn auch 
innerhalb desſelben, doch gedeckt, ſtets aber außer, dem Gewehr⸗ 
ertrage der vom Gegner beſetzten Deckungsmittel, als Wälder, 
Dörfer, u. dgl. aufgeſtellt werben. 

Die Kavallerie wird: 

1. Nur dort poitirt, wo felbe wirken kann, alfe auf freiem, 
offenen und flachen, oder auf fanft ſteigendem oder fallenden 
Terrain, wo fie Daher vor der Fronte den nöthigen Raum zur 
Entwidlung und zum Angriffe finde. 

2. Iſt fie mit Infanterie vereinigt, fo fteht fie rüdmärte 
derfeiben, weil fie als offenfive Waffe gu deren Schug Raum 
zum Angriffe bedarf, ſehr oft aber auch zugleich feitwärte zur 
Sicherung ihrer Flügel. 


3 In koupirten Gegenden theilt man fle in Pleineren 
Körpern der Infanterie zu, um mit ihr in dünftigen Augen 
blifen vorzubrechen, und den vorrüdenden Feind anzufallen, oder 
den geworfenen zu verfolgen. Diefe ihr zugetheilte Nolle it 
vom größten Nugen, und wiegt fehr oft die Vortheile größerer 
Kavallerieangriffe auf, welche das durchſchnittene Terrain ohnehin 


nicht geftattet. 


Die Artillerie findet ihre Aufſtellung: 

1. Sn der Regel fo viel ald möglich auf dominirenden 
Punkten, von welchen ſie jedoch noch ein raſirendes Feuer 
hat, das das gegen den Feind au abfallende Terrain 
wirffam beftreicht. 

2. Bisweilen werden auch mit großem Bortheile einzelne tiefe 
Stellen beiegt. So z. B. in der Verlängerung von Dr 
filee®, durch die der Feind anrüden muß, 'wo’ man bie 
ſchwerſten Kaliber aufführt, und überdies mehrere Batterien 
gegen deren Ausgang — mit Kartätichen geladen — richtet. 
Kann dasſelbe nah der ganzen Länge beftrichen werden, 
und geitattet dad zwilchenliegende Terrain dad Rikofchettiren, 
fo find auch mit großem Bortheile Rafetengranaten ben 
Geſchützbatterien beizugeben. 

Bei Defileen mit Krümmungen und bei gebedten Zw 
gängen überhaupt, die nicht in der Ränge beftrichen werden 











321 


— 





koͤnnen, find vorzüglich Haubitzgranaten anzuwenden, und 
nar der Ausgang der Deftleed mit Kartätichen zu befchießen. 

3. Darf man in einer Stellung das Geſchuͤtz nicht zerfplittern, 
und nicht überall Kanonen haben wollen; denn es bleibt 
ein unumftößlicher Grundfag, daß nur die vereinte Wirkung 
mehrerer Batterien entfcheidend ift, um auf ausgeſetzten 
Punkten den Angreifer abzuhalten, oder in der Offenfive 
folche zu erobern und den Ausfchlag zu geben. 

4, Jene Punkte einer Stellung müffen mit Gefhüß am ſtaͤrk⸗ 
ften befeßt werden, welche der Feind am leichteften anzu> 
greifen im Stande ift, 


$. 2. 


Vertbeidigung und Angriff einzelner Söben nach 
ibren Profilen. 


Die einzelnen Höhen eined ganzen Höhenzugesd bilden in Vertheidi⸗ 
der Natur mannigfaltige Profile, deren jedes eine andere Befer HUN 
tzungsart erfordert. 

Selbe laſſen fih im Allgemeinen unter folgenden fünf vers Belebung von 
ſchiedenen Arten darftellen, in welchen der Punkt genau anges ihren hi 
geben ift, wo ſich die Infanterie und das Geſchuͤtz anfzuftellen denen 
hat, um mit dem größten Bortheile gegen den anrüdenden Profilen. 
Feind zu wirfen, und dabei felbit bis zu dem Zeitpunfte gedeckt 
zu fein, in welchem fich der Feind auf 2» bis 300 Schritte 
nähert, 

" Plan 8, Fig. 1 gibt das Höhenprofil einer Angrifföſtellung. 

Die Haupttruppe erwartet auf 100 bis 150 Schritte hinter 

der höchften Kuppe die feindliche Annäherung und flürzt, fo 

wie der Gegner auf den Abhang gelangt, hervor, um ihn 

mit dem Bajonete anzugreifen. — Das Gefäß. wird bier 

auf den Rüden fo aufgeftellt, daß es ben ganzen. Abhang 

gegen den Feind zu vollfonmen beftreiche, felbft aber durch 

die Kuppe bid faft an das Rohr der Kanone, fo wie die 

Bebienungsmannfhaft bis zur Hälfte des Keibes gedeckt ift. 

Fig. 2 zeigt ein von der Kuppe nach beiden Seiten fanft ab- 
fallendes Terrainprofil, an deſſen Ende fich jedoch ein kurzer, 
21 


322 


em wein —— 
— — 





jäher, aber zu erſteigen möglicher Sturz befindet. — Hier 
muß die Vortruppe den jähen Abhang vertheidigen, welchen 
der Feind dann nur mühſam zu erklettern im Stande iſt. 
Zwiſchen den Vortruppen am Rande des Abhanges wird 
auch ein Theil des Geſchützes placirt, welches von dieſem 
Punkte aus die am Fuße desſelben ſich ausdehnende Ter⸗ 
rainſtrecke, und daher die nahenden Kolonnen wirkſam 
beſtreicht. — Die Haupttruppe mit dem übrigen Geſchütze 
nimmt ihre Aufſtellung hinter der Kuppe der Höhe, ganz 
fo, wie im Profil 1 bemerkt wurde, und greift den Gegner 
am vortheilhafteiten an, fobald er den jähen Abhang erſtie⸗ 
gen, und auf halbem Wege gegen die Höhe, noch erfchöpft 
von der Anftrengung, nicht ganz geordnet if. — Hiebei 
muß jedoch der Bortruppe firengftend eingeprägt werden, 
daß’ fie, fobald der Feind den Abhang wirklich erftiegen 
hat, fih rechts und links feitwärts zurückziehe, um den 
Angriff der Haupttruppe nicht zu maskiren, fo wie vorzu⸗ 
beugen, daß der Feind nicht mit ihr zugleich bei legterer 
ankomme. 

Fig. 3 iſt ein ſehr hoher und ſteiler Abſturz mit einer hinter 
demſelben liegenden Höhe. — Hier ſtellt ſich die Haupt⸗ 
truppe gleich oberhalb am Rande des Sturzes auf, und 
währt aus allen Kräften das Erſteigen desſelben nicht blos 
durch ihr Feuer, fondern auch mit blanfer Waffe. Nur in 
diefer Aufftellung wird fie im Stande fein, den Feind ſchon 
vom Weiten zu fehen, beitändig im Auge zu behalten, und 
falls fie fih nur wenige Schritte vom Rande zurüdzieht, 
durch die Höhe ſelbſt gefhüßt, dem Gegner mit ihrem 
Feuer bis zu feiner Annäherung empfindlich zu fchaden, 
dann aber burd; dad Bortreten im Augenblide, wo er den 
Sturz zu erfleigen verſucht, auf bad Kraͤftigſte zurückzuwer⸗ 
fen. Die Reſerve bleibt bis zum Moment ihres Bedarfes 
ganz ‚hinter der Suppe verborgen. 

Da die Artillerie niht am Rande des fteilen Sturzed 
aufgeftellt werden kann, weil in ihrem Rüden ein zweiter 
für felbe ungangbarer Abhang ſich erhebt, daher die Gr 
fhüße, fobald der Feind den erften Abſturz erftiegen hätte, 
nicht mehr in eine zweite rüdmwärtige Linie gebracht wer 
den fönnten, fo nimmt felbe ihre Aufitelung auf ber 








323 
Kuppe dergeftalt, daß fie noch über die Haupttruppe bins 
weg das vorliegende Terrain bei einer mittlern Genfung 
des Gefchüges wirkſam beftreicht. Wäre es jedoch möglich, 
einige Gefüge fo zu placiren, daß felbe auf den mehr 
vorfpringenden Theilen diefen Sturz der Länge nach beitreis 
hen, fo fann man felbft auf die Gefahr, Gefüge zu vers 
lieren, einige an den vorwärtigen Sturz pofliren, indem 
dad Erſteigen dedfelben dadurch beinahe gewiß verwehrt, 
oder nur mit den biutigften Opfern erfauft werden kann. 
Fig. 4 ift ein Profil, in welchem ſich der Sturz mit der höchs 
ten Bergkuppe felbft auf einem und demfelben Punfte, 
nämlich auf deſſen Spite vereinigt. Hier ift für die Infan- 
terie feine andere Auffielung, als jene auf dem Gipfel 
felbft möglih. Das Gefhüg aber kann auf ſolchen Höhen 
nur an jenen Punkten der Kuppe aufgeftellt werden, von 
weichen am rüdwärtigen Abhange Straflen und Wege hin- 
abführen, um im Falle eines Rückzuges die Kanonen mit- 
nehmen zu fünnen. Nie foll man fich verleiten laſſen, letztere 
an ſolchen Stellen zu placiren, wo feine ordentlichen Kom⸗ 
munifationen beftehen; dagegen können daſelbſt die leichter 
beweglichen und tragbaren Raketen die Kanonen erfegen, 
und mit Vortheil an dieſen Punkten wirken, da fie gleich 
der Infanterie fih auf allen Wegen zurüdziehen und daher 
bis auf den letzten Augenbli zu feuern im Stande find. 
Fig. 5 zeigt eine wellenförmige Anhöhe, deren Abſätze einer 
den andern, und zwar immer der höhere den angränzenden 
tiefern vertheidigt. ine ſolche Xerraingeftaltung gewährt 
große Bortheile; denn hinter einem jeden dieſer Abfäge 
fann ſich der Vertheidiger aufftellen, und das Erfteigen des 
Seinded nabermald hindern. Die unterfie Anhöhe befeßen 
die Bortruppen mit einigen leichten Kanonen. Die Haupts 
truppe mit dem übrigen Gefchüße aber nimmt ihre Aufitel- 
fung auf der obern Kuppe, und zwar dort, von wo man 
den ganzen wellenfürmigen Boden vollfommen beherrfct, 
d. h. wo das Gefhüg gegen den ſich nähernden Feind fo 
lange mit Bortheil zu wirken vermag, bis deſſen eigentlicher . 
Angriff beginnt, und der auf der Höhe ftehende Vertheidis 
ger fih dem Angreifer, der das Heraufſteigen verfucht, ents 
gegen wirft. Erringt der Feind diefe Kuppe, fo macht 
. 21* 


324 


man ihm Die nächfte auf diefelbe Art, und fo eine nach der 
andern ftreitig, wodurch das Mißlingen feiner Attaquen 
wahrfcheinlich wird. 

Angriff. Fig. 1. Der Angriff auf eine Höhe nach biefem Profil erfor 
dert Schnelligkeit und Entfchloffenheit. Da, wie fchon ges 
fagt, der Vertheidiger hiebei überwiegende Vortheile hat, 
und mit feinem Gefchüge den ganzen Abhang vollkommen 
beftreicht, jo muß man alles. aufbieten, um dieſe Strede Io 
ſchnell ald möglich zu hinterlegen. Während das Gelhüb 
die auf der Kuppe aufgeftellte Artillerie des Vertheidigers 
zum Schweigen zu bringen trachtet, marfchiren die Angriff 
folonnen gegen die Höhe, und rüden im rafchen Schritte 
den Abhang hinan. 

Fig. 2. Sol eine Höhe nach diefem Profil genommen werden, 
fo liegt die Hauptſchwierigkeit in der Erfteigung des jähen 
Abhanges an ihrem Ende, welcher durch des Gegners Bor 
truppen vertheidigt wird. Nachdem daher die Angriffelos 
lonnen oder Abtheilungen gebildet find, trachtet jebe derjelben 
ihn fo ſchleunig als möglich zu erfteigen, um dadurch unter 
den Schuß der oben am Rande aufgeftellten Kanonen dei 
Bertheidigerd zu kommen, fich bierauf mit den Bortruppen 
deöfelben zugleich, im Gedränge des Rückzuges, auf die 
hinter ber Kuppe ftehende Haupttruppe zu werfen, und 
auch diefe in Unordnung zu bringen. — Ziehen fid die 
feindlichen Vortruppen auf ihrem Rückzuge gegen bad Gro 
rechts und links, um das Heuer ber Haupttruppe nicht zu 
blenden, fo ift ihnen auc in dieſer Ricktung zu folgen 
und fich daher nicht durch zu fühnen Muth hinreißen zu 
laffen, gerade in der Fronte vorzudringen, und ſich nam 
haftem Verluſte auözufegen. Das Geſchütz des Angreifer? 
muß hier vorzüglich vor dem Beginne der Attaque wirlen 
und felbe vorbereiten. — Es hat hauptſaͤchlich zw trachten, 
die am obern Rande ded Abhanges aufgeftellten Kanone 
ded Feinded zum Schweigen zu bringen, und dadurch bat 
Anrücden unferer Angriffsabtbeilungen zu fhügen. 

Fig. 3. Der Angriff auf eine Höhe nah Profit 3 fordert eint 
unermüdete Ausdauer, die entfchloffenfte Kaltblütigfeit und 
den ganzen Kraftaufmand der Truppen; denn ſchon ihr! 
Annäherung ift von dem Bertheidiger vollkommen beſtrichen 

| | 








3235 





dad Terrain aber — mit feinen doppelten fteilen Abhängen 
und geringer Ausdehnung zur Entwicklung — höcft ſchwierig 
zu erfteigen, um fo mehr, als hier die Haupttruppe, alſo 

- die ganze Macht ded Vertheidigerd, den Angreifer am Rande 
des Eturzed erwartet und durch fein auf der Höhe des 
zweiten Abhanges ficdher poltirted Geſchütz bedeutend unters 
ftügt wird. — Soll der Sturm auf eine foldhe Anhöhe ges 
lingen, fo darf nicht geraftet werben, bis der Bertheidiger 
von berfelben gänzlich, vertrieben und hinabgeworfen iſt; — 
alſo auch deffen hinter der Kuppe aufgeftellte Neferve ger 
fchlagen und vernichtet wurde. 

Da die Artillerie des Feindes ziemlich hoch fteht, fo wers 
den die Batterien ded Angreiferd ihr aus der Tiefe nur 
jehr wenig fchaden können. — Wären jeboch diefer Stellung 
gegenüber, im wirffamen Gefchüßertrage einzelne Punkte, 
die gleich hoch oder gar höher liegen, als ber Ort, wo bie 

- feindlichen Batterien ftehen, fo verfteht es fich von felbft, 
daß man foldhe unverweilt benügen müſſe, um das Anrüden 
und SHinauffteigen der Angriffölolonnen auf alle Weile zu 
erleichtern. | 

Fig. A. So ſcheinbar groß auch die Vortheile des Vertheidigers 
bei einer Höhe nach diefem Profile fein mögen, fo hat doch 
ber Angreifer im eigentlichen Sinne nur bad Feuer des 
Gegners fo lange zu fürchten, bid er am Fuße bed fteilen 
Abhanges angelangt ift, wo er dann unter dem Schutze ber 
Kanonen und wahrfcheinlich auch, falls er vorhandene Ter⸗ 
raindeckungen, Bertiefungen, Zelfenvorfprünge, Hohlwege u. dgl. 
benützt, — auch vom Feuer der Infanterie geſichert if. — 
Hatten die Angriffskolonnen, um bis zum Fuße dieſes ſteilen 
Abhanges zu kommen, große Hinderniſſe zu überwinden, fo 
kann man fie, hier angelangt, einen Augenblick fich erholen - 
und fammeln laſſen, um dann den Sturm des Abhanges 
felbft zu unternehmen, welcher ſchon durch feine Steile allein 
die höchſte Kraftäußerung des Angreiferd erforbert. — Der 
Nacıtheil, welcher für den Vertheidiger folder Höhen darin 
liegt, daß felbe auf der andern Seite gleichfalls fteil ab» 
fallen, daher dem Rückzuge der Truppen und noch mehr 
dem Fortbringen des Geſchuͤtzes die größten Schwierigkeiten. 
in den Weg legen, kommt dem Angreifer jeher zu Nutzen. — 


326 








Dieſer hat daher ſtets eigene Abtheilungen zu beſtimmen, 
um ſich auf das feindliche Geſchütz, welches hier von keiner 
Kavallerie gedeckt ſein kann, zu werfen und ſolches zu 
erobern, falls der Gegner mit deſſen Wegſchaffung gezögert 
hätte. ’ 

Die Artillerie des Angreiferd kann bier, fo wie beim 
Profil 2 bemerkt wurde, das Gefecht vorbereiten, und vor 
Anfang desſelben das auf der Kuppe und zum Theil durd 
dieſe gedeckt aufgeftellte Geſchütz des Feindes befämpfen. 
Sobald daher der eigentlihe Angriff beginnt, ift ihr euer 
einzuftellen, felbe aber in ihrer Aufftellung zu laſſen. 

Fig. 5. Der Angriff auf eine Höhe nach dem Profil 5 unter 
liegt feinen beſonderen Schwierigkeiten. Zwedmäßige Die 
yofition und rafche Ausführung, verbunden mit Ordnung in 
den Bewegungen, geben hiebei den Ausſchlag. — Man 
wirft den Bertheidiger, mehr feits ald vorwärts angreifend, 
von Abhang zu Abhang zurüäd, bi8 man auf der Kuppe 
angelangt, fi die Beherrfchung der Umgegend errungen 
hat. — Da in diefem wellenförmigen Terrain aud dad 
Borrüden der Artillerie möglich ift, fo muß felbe beftändig 
mit der Truppe vereint wirken, und deren Bewegungen aufs 
Beſte unterflügen. — Die Hauptpofition, wo zugleich die 
Mefervebatterien des Vertheidigers aufgeftellt find, wird 
zwar nicht ohne bedeutende Anftrengungen erobert werden 
können, allein doch endlich für ihn verloren gehen, wenn 
ed dem Angreifer gelingt, die dort aufgeftellten Truppen 
Iinien durch fein Geſchütz fhon aus der Ferne zu erfchüttern, 
die Stellung mir Umgebungen in der Flanke zu bebrohen, 
oder einen Angriff in der Kronte mit blanfer Waffe, uud 
ohne ſich mit Feuern aufzuhalten, Eräftigft auszuführen. 


$. 3. 
Berthbeidigung und Ungriff eines ganzen 
Söbenzuges. 
Die meiften Gefechte von Avant- und Arrieregarden größere? 


oder Eleinerer Art find Angriffe oder Vertheidigung einzelner 
Höhenzüge, melde nebft allen auf felben befindlichen Gegen 











327 





fänden die Stärke ſolcher Stellungen begründen und eine günftige 
Straffenvertheidigung darbieten. 

Soollten diefe Höhenzüge eines ober Das andere jener wes BerbeNeram 
fentlichen Gebrechen haben, die wir oben als die Fehler einer au: — 
guten Stellung' aufzaͤhlten, ſo hilft man ſelben durch Verhaue, zuges durch 
Verſchanzungen, kuͤnſtliche Uiberfhwemmungen, Befeſtigung der —28 
verſchiedenen Gegenſtände, als: Schlöffer, Dörfer, Kirchhöfe u. dgl. gungemittel. 
ab, und ruft mit einem Worte ſchnell alle jene Mittel zu Hilfe, 
welche und die Feldverſchanzung in fo reichem Maße darbieter, 
um ſchwache Theile einer Stellung zu verftärfen und mit Erfolg 
zu vertheidigen. 

Wenn aber bie Kürze ber Zeit bie Yenügung dieſer Mittel DUrd TEir 
nicht erlaubt, fo muß dann folhen Mängeln nadı Möglichkeit lungen. 
durch eine zweckmäßige Aufftellung der Truppen abgeholfen wer- 
den. — Echelons bei Abgang an Stüben der Flügel, verflärfte 
Befegung aller auöfpringenden Punfte, getheilte Neferven bei 
durchfchnittenen oder durch mangelnde Kommunifationen getrenns 
ten Höhenzügen find, wie bereitd erwähnt wurde, bie beften 
Mittel, um die Nachtheile des Terrains zu mindern und bie 
bebrohten Theile zu fichern. 

Die nothwendigfte aller Bertheibigungsmaßregeln ift aber A 
ftetd der Bedacht auf Neferven, und ihre Vertheilung am folchen merk des Vers 
Stellen, von welchen fie auf die bedrohten Hauptpunfte eines *beidigere. 
Höhenzuges fchleunigft zu eilen, und den Feind zurüdzufchlagen 
oder bei Rückzügen durch eine drohende Stellung aufzuhalten 
vermögen. Diefe Referven müffen ftetd mit einer hinreichenden 
Anzahl leichter und ſchwerer Geſchütze verfehen fein, unter deren 
Feuer der Angriff ober Rüdzug ausgeführt werden kann. 

Da jeder Höhenzug and mehreren, im vorigen $. nad Dertbebt 
Profilen dargeftellten, einzelnen. Höhen befteht, fo wird fich hier gung ſelbſt. 
für die DVertheidigung eined ganzen Höhenzuges im Allgemeinen 
auf dasjenige berufen, was in Betreff der. erfteren im vorherges 
henden, über die Stellungen überhanpt aber im $. 1 diefer Abs 
tbeilung -gefagt wurde. Diefen Grundfägen gemäß beginnt die 
Vertheidigung eines Höhenzuges im foupirten Terrain mit einem 
Vorpoftengefechte am Fuße oder auf den: erften Abfällen der 
Höhe, — im offenen aber durch ruhiges Erwarten des Feindes 
auf dem und günftigen Höhenzuge unter dem Vorſpiele eined 
heftigen Gefchüßfenerd, fo wie er dem Ertrage beöfelben fi 





328 


— 





nähert. — Hiuter den Höhen ſelbſt in Kolonnen oder Linien, je nach⸗ 
dem man offenfiv oder befenfiv zu Werke gehen will, ſteht das Gros 
der Truppe bes erſten Treffend, jene der rüdmäztigen, fo wie der 
Meferven aber ftetd in Kolonnen, um augenblicklich jede beliebige 


Direktion vor⸗ und feitwärtd nehmen und fich fo nach Umfländen 


Burüchwerfen 
des Feindes. 


Berfolgung. 


Eigener 
Rückzug. 


bewegen zu koͤnnen. 

Nähert fih nun der Feind dem Höhenzuge felbft, wirft er 
die Unterſtützungen zurüd und fommt er in den Bereich‘ deö 
Bemwehrertraged, daun — jedoch nicht früher — ift es Zeit, auf 
die Höhe vorzutreten, ihn mit einem wirffamen Feuer zu .empfan 
gen, und gleich darauf durch einen raſchen Bajonetangriff zurüd- 
guwerfen, oder ihn mit Kolonen feitwärtd zu umgehen und abs 
gufchneiden. Dadjenige, was hier nur in den Grundzügen für 
eine einzelne Truppe’ angegeben wirb, muß dann von dem jedes⸗ 
maligen Kommandanten eined Bataillond oder Regiments der: 
geftalt fombinirt werden, daß ſich die Truppen ſtets wechfelleitig 
unterftügen, ‚da die Vertheidigung eines auch noch fo Fleinen 
Höhenzuged ohnehin immer eine färfere Truppenabtheilung er 
fordert, deren einzelne Theile dem Zwede des Ganzen entire 
hend zuſammenwirken müfjen. 

Mird der Feind zurüdgebrängt, fo iſt er fo lange raftlod 
zu verfolgen, bis er aus dem Bereiche der frühern Aufſtellung 
ganz berauägeworfen ift; eine weitere Verfolgung aber hängt bei 
größeren Stellungen von den erhaltenen Befehlen ab. — Kat 
jedoch, wis bei Avants und Arrieregarden oft der Fall ift, der 
Kommandant der Truppe freie Wahl im Handeln, fo kann et 
nach Umftänden, und wenn ed der Augenblick erlaubt, den Feind 
auch weitet verfolgen. 

Gelingt ed aber dem Gegner, und durch feine Uibermacht 
zu überwältigen, fo muß der Rückzug durch wiederholte Angriffe 
der rüdwärtigen Treffen und Referven, oder wenn es die Ge⸗ 
gend geftattet, durch feitwärtd angelegte Hinterhalte gedeckt, und 
dad Terrain dem Feinde wenigſtens in fo lange Schritt vor 
Schritt flreitig gemadjt werden, bid die Anfangs geworfene 
Truppe gefichert, und man in gehöriger Ordnung fich zurädjt 
ziehen im Stande ift. — Hier kann Feine Detailvorfchrift ange 
geben, fondern fi blos auf jene Grundfäge berufen werden, 
welche theild im Tirailleurgefechte bei Ruͤckzügen im koupirten, 
theil® bei jenen im pffenen Terrain angeführt wurden. 


— — 


329 





Iſt hinter dem verlornen Höhenzug ein zweiter, ſo muß Paffirung des 
derſelbe fchon früher von den Reſerven beſetzt werben, hinter "Terraine, 
weichen fi Tann die von der vordern Höhe zurüdzicehenden 
Truppen ald neue Referve formiren. Iſt jedoch hinter dem 
Höhenzuge eine Einfattlung , ein Thal oder eine Ebene, fo find 
diefe tiefern Streden ſchnell zu durcheilen; es fei denn, daß in 
felben Häufer, Dörfer, Wälder, Gehölze oder Waͤſſer fich bes 
finden, bei welhen der Keind aufgehalten, und der Rückzug 
dadurch ungeflört und mit größerer Ordnung ausgeführt wers 
den kann. 

Bei diefer Bertheidigung eined ganzen Höhenzuged ift ed Verwendung 
unmöglich, die Detaild der Gefchügplacirung und Verwendung deeGeſchůbes. 
anzugeben, da ſelbe von der Lokalität abhaͤngt, und auf jedem 
Terrain anders genommen werben muß. — Die urſpruͤngliche 
Aufftellung nach den verfchiedenen Höhenprofild ift in dem vor⸗ 
bergehenden $. erflärt worden; aus biefen geht der verftändige 
Batterielommandant in jene über, welche ihm bad Terrain ober 
die Anordnung ded Truppenfommandanten bei allen Bewegungen 
vorfchreiben. 

Beim Rückzuge von einem vorbern Höhenzuge auf einen 
rüdwärtigen, befonderd aber von dinem vorbern Höhenzuge in 
ein Thal oder eine Ebene hat das Geſchuͤtz die ehrenvolle Auf- 
gabe, die Truppen bis auf das Aeußerſte zu deden. > EM muß 
daher fo lange noch die vordere Höhe halten, und felbit auf die 
Gefahr, vom Feinde genommen zu werden, feinen Platz auf 
felber behaupten, bis Feine Wahrfcheinfichfeit mehr vorhanden ift, 
daß ber Feind das Gros der fih in bie Tiefe en Fristen 
Truppen eher erreichen könne, als ihre Kolonnen beim Teindblichen _ 

Angriffe entzogen find. 

Es gibt zweierlei Arten, den Gegner zum Berlaffen eitles Angel eines 
Höhenzuges zu zwingen, nämlich: ihn entweder von felben durch Hoöhenzuges. 
einen Angriff gu vertreiben, oder durd; Mandvers zum Ruͤckzuge 
zu noͤthigen. — Dies letztere ift bei fehr ſtarken, feindlichen Stels 
lungen, und wo zugleich die Zeit erlaubt, einen fichern, aber 
ſpätern Erfolg abzuwarten, das räthlichfte; — hier kann jedoch, 
dem Zwede der Belehrung gemäß, nur von ber erftern Art die 
Rede fein. 

Wie es bereitd bei dem Angriffe einzelner Dörfer und Verhalten des 


Wälder gefagt wurde, fo ift ed um fo mehr bei jenem eines man: 


330 


ganzen Höhenzuges die Obliegenheit des Kommandanten, bei den 
- vorderften Truppen die feindliche Aufftellung näher zu betrachten, 
um ben beften Angriffsplan entwerfen, und nad dieſem feine 
Kolonnen zweckmaͤßig birigiren zu fünnen. 
Schlüffel der Seder Höhenzug hat einen entſcheidenden Punkt, Schfüffel 
Poſitlon· der Poſition genannt, deſſen Wegnahme den Verluſt der gan⸗ 
zen Stellung nach ſich zieht. — Dieſer iſt aber nicht immer 
der Angriffspunkt einer Poſition, im Gegentheil meiftend jener, 
welcher: am fchwerften zu attaquiren, deſſen Eroberung daher 
gewöhnlich erft die nächte Folge einer vorausdgegangenen, glüds 
Iihen Wegnahme mehrerer anderen Punkte, ober eines vom 
Feinde begangenen taftifchen Fehlers if. Dagegen hat jeder 
Höhenzug ſchwache Punkte, jede Stellung Gebrechen, welche in 
dem $. 1 diefer Abtheilung angegeben wurden. — Diefe lebteren 
nun ſchnell aufzufaflen und im Augenblide zu erfennen, ob der 
Feind fie vernachläfliget und und dadurd die Mittel an die Hand 
gegeben hat, ihn mit Bortheil anzugreifen und den ganzen 
Höhenzug zu nehmen, ift die Kunft ded Kommandanten. 
Dankte Bere Solche ſchwache Punkte und Gebrechen einer Stellung find 
felden. Hier im Allgemeinen wiederholt: 
1. Tiefer liegende Streden, 
2. vorfpringende Winkel, 
"3. hervorragende, von feinem Feuer vertheidigte fteile Punkte, 
4. ungefhütte Flanken, 
5. Mangel an Kommunifationen, 
6. Deftleed im Rüden der Stellung. 
Ipre Sollte daher der Feind die höheren Terraintheile, welche 
—— die tieferen deihägen, fo wie die vorſpringenden Winkel eines 
* Höhenzugeß nicht kraͤftig beſetzt; ſteile, ihrer eigenen Vertheidigung 
überlaflene Punfte in Fronte oder Flanfe ganz vernadläfligt; 
ungefchügte Flanken nicht durch echelonirte Truppenaufftellung 
nadı den vom Terrain geforberten Waffengattungen gebedt; bei 
einem durch Ravins und Schluchten zerrifienen Höhenzug nicht 
überall theilweife Reſerven aufgeftellt, oder Die Deftleed im Rücken 
feiner Stellung nicht befegt haben: fo müflen unter mehreren 
Sceinattaquen die Hauptmaflen der Angriffötruppe in der für 
zeiten Direktion dahin bewegt werden, wo bad Terrain ober 
eine fehlerhafte Dispofition ded Gegners eine der oberwähnten 
Blößen zum vortheilhaften Angriffe einer Stellung darbietet. — 





831 





Um aber die Bor» und Nachtheile des Terraind, fo wie die 
Schwächen der feindlihen Stellung ſchnell aufzufaflen, it es 
nötbig, daß Vie Kommandanten ihren Blid hierin üben, und ein 
ricktiged Coup d’oeil zu erlangen trachten. Es Tann daher . 
ſämmtlichen Dffizieren jeder Waffengattung nicht genug anems- “ 
pfohlen werden, auf Spaziergangen, Reifen oder auf Truppen 
märfchen im $rieden jedes Terrain mit fcharfem Auge nach feinem 
taktiſchen Zwede und: feiner Benuͤtzung im Felde zu beurtheilen, 
fih bei einem vorliegenden Höhenzuge die Punkte auszumählen, 
welche nad obigen Grundfäben zum Angriffe oder zur Bertheis 
digung die geeignetiten wären, und fo allmälig zu jener Unter⸗ 
ſcheidungskraft ded hierin Bortheilhaften und Nachtheiligen zu 
gelangen, welche dann im Augenblide des Kampfes jedem Eins 
zelnen einen fihern und ruhmvollen Erfolg verfpricht. 

Die erfte Regel bei Angriffen Cmit Ausnahme jener Fälle, „geRbaltung 
wo durch andere Truppen dafür geforgt, oder das Gegentheil der Aniugee 
ausdrüdlich anbefohlen wird), ift jedoch ſtets, Meifter jenes 
Weges zu bleiben, den man zum Rückzuge beftimmt hat. Aus 
diefem Grunde ereignet es fich öfters, daß der Kommandant fich 
weit lieber entfchließt, einen ftärfern Punkt der Stellung anzu⸗ 
greifen, als einen jchwächern, bei welcher aber feine Rackzugs⸗ 
linie gefährdet wäre, und feine Angriffsfolonnen fih bei einem 
Echec der Gefahr ausfegen, abgefchnitten zu werden! — Man 
läßt daher auf der beflimmten Rüdzugslinie ein Drittheil ober 
Biertheil der gefammten Streitkräfte ald Neferve ftehen, wozu 
gewöhnlich die im Marfche letzte Truppe, fo wie die Arriere⸗ 
garde den Befehl erhalten. 

Der Angriff ſelbſt geſchieht nach Maß der eigenen rruppe⸗ Angriff ſelbſt. 
ſtärke, ſo wie der Größe der feindlichen Stellung In mehreren 
Kolonnen, von welchen nad dem Terrain ein, zwei, höchftend 
drei mit der Hauptmafle gegen das wahre Angriffsobjelt kon⸗ 
centrirt, dagegen die anderen fchwächeren nur zu Sheinangriffen 
verwendet werden. 

Die größte Vorfiht der Kommandanten muß hiebei vors Raum und 
züglih, worin in der Wirklichkeit die meiften Fehler geſchehen, ae det 
und oft Angriffe auf Stellungen gänzlich fcheitern, auf einer Kolonnen, 
richtigen Zeit» und Raumberechnung der Kolonnen gerichtet fein. 

Zur Erfieren ift oberflächliche Kenntniß der Diftanzen nach Zeitberech⸗ 
der Karte nicht genug, fondern hauptfächlich Vereinigung vieler NUNG 





3323 
verftändiger, mit den Lofalitäten und der Beſchaffenheit der Wege 
vertrauter Boten nöthig, welche der Kommandant fich ſchon im 
Voraus aus den nächften Ortſchaften zur Führung feiner Kos 
Ionnen verfhaffen mn. — Bereinzelted Wirken dieſer letzteren, 
befonders auf den Hauptangriffepunft, ift der Tod jeder Unter 
nehmung. Da aber das Terrain felten erlaubt, mit der Haupt⸗ 
mafle in einer Kolonne vorzugehen, fo ift ed die Kunſt des 
Kommandanten, mehrere Kolonnen dergefalt aufbrechen zu laſſen, 
daß fie auf dem entſcheidendſten Angrifföpunfte auch in dem 
näntlichen Yugenblide zufammentreffen, wodurch dem Feinde die 
Gelegenheit genommen wird, fie en detail zu ſchlagen. 

eben. Hiezu iſt jedoch zweierlei nothwendig: 

1. Bei weiteren Diſtanzen die moͤglichen Leiſtungen der 
Truppen nicht zu überſchätzen, um ſo mehr, als es ſich zugleich 
darum handelt, mit voller ungeſchwächter Kraft auf dem Angriffoͤ 
punkte zu erfcheinen, weil erft dort der eigentliche Kampf beginnt 
und des Feinded ganze Macht der unfrigen entgegenfommt. 


2. Jenen Kolonnen, welche fürzere Marſchdiſtanzen haben, 
eim übereilted Borbrechen zu unterfagen und ihnen als Maßſtab die 
Diftanz der weitelten Kolonne anzugeben, wenn Fein Signal oder 
andered Zeichen zum Anfange des Gefechte Statt haben kann. 


Naumberech⸗ Das zweite eben ſo wichtige Erforderniß bei Angriffen von 
nung. Stellungen ober Höhen iſt richtige Raumberechnung, gemäß wel 
cher die zum Hauptangriffe wirfenden Kolonnen, deren überhaupt 

ſtets fo wenige, ald ed nur immer thunlich ift, fein follen, and 

fo nahe ald möglich aneinander zu diefem Zwecke geführt wers 

den müflen; ebenfo hat die Vereinigung derfelben ſtets vor dem 

Punkte Statt zu finden, wo auf. den Höhen felbft der Feind mit 

feiner ganzen Kraft und entgegenzutreten im Stande iſt. — 
Sowohl bei größeren, ald kleineren Kriegdoperationen war es 

ftetö ein bedeutender Fehler, wenn einzelnen Kolonnen Punkte 

zur Bereinigung gegeben wurden, welce fdron von dem Feinde 

befeut waren, oder zu welchen er die fürzere Linie hatte. Dieler 

Kchler, welchem im Großen der Berluft mander Schlacht, im 

Kleinen aber jener vieler Gefechte zugefchrieben iſt, muß bei 

jedem Angriffe daher forgfältig vermieden werben: Formirung 

einer einzigen Hauptkolonne ift zwar nur bei Meinen Truppens 
abtheilungen thunlich, bei größeren jedoch unmöglich, weil befonders 


333 


im burchichnittenen Terrain Marich und Entwidiung in dieſem 
Falle zu viel Zeit rauben und Blößen geben würde, allein: 

Die möglichft geringfte Vereingelung der Hauptangriffer Hauptarund- 
folonnen und ebenjo bder..möglichft geringfte Raum ſat derſelben. 
zwiſchen ſelbene 

bleibt ſtets das Hauptprincip einer guten und zweckmaͤßig geleis 
teten Attaque. 

Jeder Höhenangriff wird durch eine Avantgarde gebedt, — —— 
So wie ſich nun dieſe der feindlichen Stellung nähest, und 
das Gefecht beginnt, werden die verfciedenen, rüdwärts von ihr 
gebildeten Angrifföfolonnuen von den Kommandanten auf jene 
Punkte dirigiert, welche als ‚Die ſchwaͤchſten der feindlichen Stellung 
erfannt, mit der Haupttruppenmaſſe angegriffen, oder durch 
Scheinattaquen beichäftiget werben follen. Sind die Angriffe 
punkte in der Fronte der Stellung gelegen, fo erfteigen die Kos 
Ionnen diefelben unter dem Schuge der vorgehenden Avantgarde 
und der vorbereitenden Wirkung des Geſchuͤtzes. Sind erftere 
aber auf den Flanken des Keindes, fo umgehen die Kolonnen 
den vom Gegner befegten Höhenzug, während man ihn zugleich 
in der Fronte lebhaft befchäftige. — Kluge Führung und Bes 
nügung jeder Deckung ded Temwaind find die einzigen wahren 
Hilfen, welde umfichtige Kommandanten ihren Truppen zur 
Vermeidung eined größern Berlufted und zum Gelingen eines 
an ſich fchweren Unternehmens geben Fünnen. 

IR das Terrain aber durchſchnitten, fo wird der Angriff Im durdh· 
von der Avantgarde mit einem Tirailleurgefechte begonnen, deſſen gpitten 
Ausführung in der zweiten Abtheilung dieſes Feldunterrichtes 
vollftändig erörtert wurde. Hinter dieſer Plaͤnklerkette, ihren 
Unterftügungen und Referven bilden fich die größeren Augriffs⸗ 
tolonnen, welde der Kommandant, wie ſchon früher erwähnt, 
gegen die ſchwaͤchſten Punkte des feindlichen Hoͤhenzuges birigiet 
und felbe zu nehmen fucht. 

In folhem verworrenen, foupirten Terrain ift dann befons Erforderniſſe 
ders das Beiſammenbleiben jeder einzelnen Kolonne, ſo wie mamn Gelingen 
Schnelligkeit ihrer Bewegungen und Zuſammenwirkung Aller zu Angriffe, 
demfelben Zwede in den möglich kürzeſten Zwilchenräumen zum 
Gelingen der Hauptattaque unerläßlich; denn meiftens fcheitern 
im Gebirgöterrain Angriffe auf Höhen, wie es fchon oben gefagt, 
allein nicht genug wiederholt werben kann, durch Berfplitterung 


- — —— — —— — — — —— — 





334 





der Hauptlräfte und taftifche Trennung der einzelnen Kolonnen, 
fo wie durch falfche Zeitberehnung in dem Marſche derfelben, 
wodurch dann ihre Wirkung vereinzelt und meiftens jede für ſich 
gefchlagen wird. 
Geſchützver⸗ Im durchſchnittenen, wie im ebenen Terrain muß die Haupt⸗ 
wendung. maſſe des Geſchützes zu den Hauptkolonnen und ihrem Angriffe 
verwendet, dad ‚übrige aber zu den Schein- und Nebenattaquen 
beftimmt werden. — Nur die Lofalität kann die Aufftellunge- 
pläte für die Artillerie angeben, allein ihre Eintheilung in die 
verfhiedenen Truppenfolonnen muß von dem Kommandanten 
andgehen und nach obigem Grundfage feftgefet werden. 
Gefecht auf Sind die Höhen erftiegen, fo entwideln fih die Teten der 
d Pr Kolonnen, wie fie auf den freien Gebirgerüden kommen, in ftets 
größere Abtheilungen, und ftürmen, je nachdem fie zu Umge⸗ 
hungen oder zu einem Frontalangriffe beftimmt find, entweder 
in die Flanken und den Rüden, oder gegen die Fronte der feind- 
lihen Stellung, während die Gefchüge in Batterien auffahren, 
um die Attaque der Kolonnen fräftig zu unterftüßen. — Sf 
Kavallerie gegenwärtig, fo wirft dieſe entweder jene bed Geg⸗ 
ners zurüd, oder decket nah Umftänden bie Flanken der vor: 
dringenden Infanterie. j 
Taktiſche So viel möglich muß alles Aufmarſchiren mit dem Rüden 
Hauptregel. an den, erfliegenen Abhang vermieden und in Kolonnen wenig- 
ftend fo weit vorgedrungen werden, bi man auf den Höhen 
Raum zur Aufftellung der nachkommenden Referve, oder Deckungs⸗ 
mittel, als: Wälder, Dörfer, Ravind u. dgl. gewinnt, welche 
ber Truppe auf dem Rüden felbft gediegene Anhaltspunkte zur 
Vertheidigung geben, und dem Feinde die Wiedereroberung des⸗ 
felben unmöglich oder doc fehr fchwierig machen. — Denn nur 
durch Kolonnen und ein raſches Vorrücken mit denfelben, nicht 
aber durch Aufmarfchiren und Feuern, können Höhen erobert 
werden. Man muß daher auf den ſich vertheidigenden Feind 
muthig losgehen, dihn zu werfen und zu durchbrechen fuchen, weil 
jede blos defenfive Maßregel, mithin jeder Aufmarfch unfrerfeits 
den Gegner fogleich veranlaflen würde, felbft offenfiv vorzugehen 
und und von der Höhe wieder in die Tiefe zurückzuwerfen. 
Berwendung Die Referve folgt hinter der Mitte oder hinter jenen Ko⸗ 
* en Sonnen, die zum entfcheidenden Angriffe beftimmt find. Uibrigens 
fol nie früher ind Gefecht gezogen. werden, ale bie man den 








335 


Ansſchlag zu geben beabfichtiget, und immer muß der Haupt: 
zweck derſelben, — Berfiherung und Dedung des Rüdzugeds — 
im Auge behalten werden. 


Gelingt der Angriff, fo trachte man vor allem die Kolonnen 
zu fammeln.‘ Auch die befte Truppe wird durch eine Attaque in 
Unordnung gebracht, und Vorſicht ift nadı einem augenblidlichen 
Vortheile um fo nothwendiger, ald ein hartnäciger und muthiger 
Feind ganz fiher mit feinen Referven neue Angriffe verfuchen 
wird, welchen eine unvorbereitete Truppe auch nicht zu wider⸗ 
ftehen vermag. — Dieſes Sammeln hat jedoch im Nacrücden 
zu geichehen, mithin feinen Stilfftand zu veranlaflen, die Haupt⸗ 
verfolgung aber mit friichen Neferven oder mit Kavallerie, wenn 
das Terrain den Gebrauc diefer Waffe geftattet, zugleic, raſtlos 
vor fich zu gehen, um den gewonnenen Vortheil nicht mehr aus 
den Haͤnden zu laflen. 


Sollten die erften Angriffe zurückgefchlagen werden, fo find 
fie biß zu dem Grade eined noch mahrfceinlichen Erfolges zu 
erneuern; ift jedoch endlich Feine Hoffnung des Gelingend mehr, 
fo wird der Rückzug angetreten. 


Hier erft muß ſich die Trefflichkeit der Neferven und des 
offen gehaltenen Rückzugsweges bewähren. Im freien Terrain 
wird ein folder Rüdzug unter der Proteltion ‘der gefammten 
Kavallerie und des ihr beigegebenen Geſchützes, fo wie durch 
etliche Pofitionsbatterien gewöhnlich mit SInfanteriequarres, bie 
en echequier zurüdgehen, ausgeführt. , 


Vorſichten 
nach gelunge⸗ 
nem Angriffe. 


Benehmen 
bei einem 
mißlungenen 
Angriffe. 


Rückzug im 
offenen 
Terrain. 


Im durchfihnittenen Xerrain formirt fich die Infanterie Im Eoupirten 


unter dem Schuge der Plänflerfette einer verftärften Nadhut in 
mehrere geichloffene Kolonnen, und führt mit felben ihre ruͤck⸗ 
gängige Bewegung — mit Ordnung zwar, jedoch fchnell aus. 
So wie das erfte und zweite Treffen auf diefe Weife durch die 


Boden. 


in Schlachtorbnung flehende Neferve durchgebrocen, und auf die ' 


angemefjene Entfernung hinter felbe zurückgegangen ift, tritt 
nun in gleicher Art Iegtere den Rüdzug an, der fo lange fort 
gefegt wird, bie wieder eine haltbare Stellung genommen 
werden Fann. 


— — — — — ——— — — — —— ——— — — 


336 


$. 4. 


Vertheidigung und Angriff der in einer Stellung 
befindlichen Thäler und Tiefen. 


Jeder Höhenzug, er fei noch fo bedeutend, hat Einfattluns 
gen, Thäfer und Tiefen, deren DVertheidigung in fteter Verbin⸗ 
dung mit jener der Höhen ftattfinden muß, 

Belebung von Schluchten und tiefe Gründe entflehen gewöhnlich im ber 
en Länge der Zeit durch Auswalchungen der von den Höhen herab- 

Gründen. ftürzenden Gewäfler, die ſich periodiſch nad heftigem Regen 
bilden. Man beſetzt felbe an ihrem obern ande, in ihrer 
Tiefe aber nur dann mit Truppen, wenn durch folche zugleich 

 Saums oder Fußwege laufen, oder dem Feinde ein Hinterhalt 

gelegt werben fol. Sind die Ränder derlei Schluchten mit 
Gebuͤſch beſetzt, ſo wird ihre Vertheidigung leichter, doch muß, 
weil die freie Ausficht gehemmt ift, die Aufmerkſamkeit der dort 
aufgeftellten Truppen verfhärft werben. 

Hohlwege. Hohlwege find gleichfalls Schluchten von beträchtlicher 
Tiefe und Breite, durch welche größere Kommunikationen, mei⸗ 
ſtens Fahrwege führen. — Die Hauptvertheidigung geſchieht 
im Weſentlichen, wie jene tiefer Gründe, d. h. oberhalb längs 
den Kanten; doc, wird hier auch der Weg felbft, feiner größes 
ven Wichtigkeit wegen, durch eine eigend aufgeftellte, angemeflene 
Truppenzahl gefchütt und vertheidigt. | 

Senkrecht Finden ſich in einer Stellung Hohlwege, deren Richtung 

een den fentrecht oder fchief gegen den Feind Läuft, fo find dieſe ein 

eind Tau: treffliches Mittel zu Angriffen oder Hinterhalten, indem man 
fende. daſelbſt feine Kolonnen ungefehen fammeln und plöglid gegen 
den Feind hervorbrechen kann. 

Tpäler und Thäler find entweber Gebirgseinfattlungen ober werben 

Flußbette. durch Gewäſſer gebildet, die von beiden Höhenwänden der Ges 
birge herabfließend, fich in der Tiefe vereinigen und daſelbſt als 
Badı oder Fluß fortlaufen, welche legtere man daher gewöhnlüh 
Flußbette heißt. 

Parallel mit Jene Thäler, deren Richtung parallel mit unferer Aufftels 

ne aufende, fung laufen, find vorzügliche Dedungsmittel defenfiver Stellungen, 

Ä indem diefelben längs den Gewäflern in der Thalfohle feibft 
oder am Fuße des biegfeitigen Höhenzuges in ihrer ganzen 











337 


Ausdehnung durch bie Bortruppen vertheidigt werben koͤnnen, 
während die Haupttruppe und hinter dDiefer die Reſerven auf der 
Höhe. felbft Pofto faſſen. 

Sind aber folhe Thäler und Klußbette fenkrecht oder chief 
auf unfere Stellung und gegen den Feind laufend, fo bleiben 
fie in der Defenftve ftetd gefährlich, weil fie die Stellung ents 
weder in der Mitte durchichneiden und fomit trennen, oder wenn 
fie auf den Flügeln derfelben liegen, dem Gegner die Moͤglich⸗ 
feit gewähren, und zu umgehen. Im erflen Falle müflen, um 
dem Feinde dad Eindringen zu vermehren, ihre auf beiden Ufern 
liegenden Höhen, im legteren aber der auöfpringende Winkel 
der Stellung mit Truppen ſtark befegt, ebenfo hinter felben 
Geſchütze und hinlängliche Reſerven aufgeftellt werden, Dagegen 
find folche fenfrecht gegen den Feind laufende Thäler für offens 
five Bewegungen fehr vortheilhaft, indem fie dad Sammeln der 
Angrifföfolonnen zur Durchbrechung ded Gegners in feiner Mitte, 
‚oder zur Umgehung desſelben auf den Flanken überaus bes 
günftigen. 

Der von Vertheidigung und Angriff der Defilees, Flüffe 
und kleineren Gemwäffer handelnde 6. und 7. $. der vorherges 
henden, fo wie die das Tirailleurgefecht erflärende zweite Abtheis 
lung diefes Feldunterrichted geben die vollftändige Anleitung zur 
Dertheidigung von Thälern und Tiefen. 

Laufen Thäler und Tiefen mit unferer Fronte wweallel, 
und liegen fie im Geſchütz- oder Gewehrbereiche ded von und 
befegten Höhenzuges, fo find felbe, wie oben berührt wurde, ein 
ganz vorzüglides Vertheidigungsmittel. Wäre zugleich . ihre 
Richtung von der Art, daß fie auf vorfpringenden Theilen durch 


Senkrecht 
oder ſchief ge⸗ 
gewden Feind 

laufende. 


Bertheibls 
ung der 
Pechäler. 


Einwirkung 
der Richtung 
der Thäler 
und Tiefen 
auf die Ver⸗ 
theidigung. 


unfer Geſchütz der Länge nach beftridhen werben fünnen, fo find - 


folhe Thäler nur mit großer Aufopferung vom Feinde zu nehs 
men. Genfrecht gegen uns ziehende Thäler unterliegen dagegen 
dem großen Nachtheile, daß fie dem Gegner, find fie frei und 
offen, volle Einficht bis in die Tiefe unferer Aufitelung geftatten; 
find fie aber bewaldet oder ftarf, bebaut, fein Vorrüden verbers 
gen und Gelegenheit zu SHinterhalten geben, wodurch ed dem 
Seinde möglich wird, oft plöglih mitten in unferer Pofition zu 
eriheinen, ohne daß wir noch Zeit hatten, Gegenanftalten zu 
treffen. Ein folhes Thal kann daher nur dann mit Bortheil 
vertheibigt werden, wenn ber Thalgrund ſtark gegen den Feind 
22 





338 





zu fällt, und die Abhänge zugleich fchroff und ſteil find, wie dies . 
im Hochgebirge meiſtens der Fall ift, wo man dann die Thal 
ränder mit leichten Truppen krönt, die in die Tiefe führenden 
Wege und Steige verdirbt und im Nintergrunde Batterien aufs 
fellt, deren Feuer die Neigung ded Bodens beherrict. 
Künftlide Die Feldverſchanzung bietet übrigens viele Hilfsmittel dar, 
gunssmiskl, das Borrüden ded Feindes in einem fenkrecht gegen uns ziehen- 
den Thale zu erſchweren oder ganz zu verhindern. 
Uiberſchwem⸗ Sind ſolche Tiefen bewäſſert, fo werden fie der Vertheidi⸗ 
mungen. gung hinderlich, weil die freie Kommunikation von einer Thalmand 
zur andern aufgehoben ift, liefern aber dagegen wieder den 
Bortheil einer in weniger Zeit audzuführenden Uiberſchwemmung, 
die, fobald fie nicht leicht abgelaffen oder umgangen merben 
kann, bei gewöhnlichen Angriffen im Felde ftetö ein bedeutendes 
Hinderniß ‘bleibt. 
Verhaue, Sm der Flanke eines Höhenzuges endlich, wo Thäler oder 
Schanzen. Tiefen, welche gegen den Feind auslaufen, für den Vertheidiger 
die gefährlichften find, trachte man diefelben durch Verhaue oder 
Schanzen vollfommen abzufperren, oder falld fie nur von gerins 
gerer Breite wären, unweglam zu machen, 
Angriff fenk Der Angriff von ſenkrecht gegen den Feind ziehenden 
ein elchen <hälern und Tiefen ift ebenfalls im $. 6 der vorhergehenden, 
der Thäler. und in der zweiten vom Tirailleurgefecte handelnden Abtheifung 
diefed Feldunterrichted vollffändig erörtert worden; es wird mits 
hin bier nur als Hauptgrundfag wiederholt, daß bei dem Angriffe 
folher Thäler und Tiefen ganz befonderd getrachtet werden 
muß, die beiderfeitigen Höhenabhaͤnge zu gewinnen, weil es 
dann dem Gegner unmöglich ift, die tiefen Stellen noch länger 
zu behaupten. ' 
Eroberung Sind die Thaleingänge mit Schanzen befekt, fo müffen 
und Dinmweg: felbe nach der in der fiebenten Abtheilung, $. 11 ertheilten Ans 
yorgelegten leitung. erflürmt werden. Uiberſchwemmungsdämme werden durch 
Hindernifie. die mit der Kolonne marfchirenden Arbeiter ſchnell durchſtochen, 
Brüden und Wege hergeftellt, die Verhaue geöffnet, und dag 
Geſchütz ohne Zögern vorangefendet, um das Thal zu beftreichen. 
Parallel mit Thäler und Tiefen, welche mit dem vom Feinde befegten 
der feindlihen Höhenzuge parallel laufen und von Bedeutung find, gehören, da 
Stellung lau ſich in ſelben ſtets Gewäſſer befinden, in Hinſicht ihres Angriffes 


fender Thäler 
und Sluß- in die Kathegorie der Flußbette, deren Befegung, Vertheidigung 
ette. 











339 





und Angriff im 8. 7 der vorhergehenden Abtheilung erörtert 
wurden. — Mar beruft ſich daher blos auf das in ſelbem ‚Ges 
fagte, welches auch hier feine volle Anwendung findet, und mits 
hin Feiner ferneren Auseinanderſetzung bedarf. 


I! * * 


$. 5. 


Vertheldigung und Angriff einer größeren | 
Stellung. 


Mir haben bereitd bei dem Angriffe und der Vertheidigung 
eined einzelnen Höhenzuges die allgemeinen und nnabänderlichen 
Grundfäge auseinandergefegt, auf welchen auc der Angriff und 
die Vertheidigung einer ganzen größeren Pofition beruht; denn 
wer dasjenige, was wir in der Einleitung von den Stellungen 
überhaupt in Betreff ihrer taktiſchen Vor⸗ und Nachtheile, fo wie 
in den folgenden $$. über die Wichtigkeit des Terrains und bie 
Art und Weife, fih auf Höhen und in Tiefen einer Stellung 
offenfio und defenfio zu fchlagen, erörtert haben, voller Aufmerk⸗ 
famteit würdigte und gehörig überdachte, wird Stoff genug finden, 
feine Begriffe auch über die Vertheidigung einer größeren Stels 
lung zu ordnen, und.die Uiberzengung fchöpfen, daß, fo viel fich 


Vertheis 
digung. 


hierüber al& Anleitung fagen läßt, auch gefagt wurde; — der - 


größere Maßſtab bei ausgedehnteren Stellungen aber dem fchon 
geübteren Auge des höhern Kommandanten überlaffen werden muß. 

Bei größeren Stellungen muß daher, wenn ed die Zeit 
geflattet, auch eine genauere, frühere Beſichtigung berfelben 
Rattfinden, und befonderd bei Rüdzügen, wo man gemöhnlic 
fhon früher den Befehl erhielt, ſich auf einen beftimmten Punkt 
aufzuftellen, find’ von dem Kommandanten erfahrene terrainfun- 
dige Dffiziere vorauszufenden, um die Details einer Stellung zu 
erforfhen, und darnach die Truppen ſogleich in ſelbe fuͤhren zu 
können. 

Wir haben geſehen, welche Punkte am ſtaͤrkſten zu beſetzen, 
wie das Geſchütz, die Infanterie und Kavallerie, wie endlich die 
Referven zu poftiren find, um eine Stellung kräftig zu vertheis 
digen, und den Rüdzug aus felber zu deden, falls man dazu 
gezwungen werden follte. — Als rReſultat 6 des früher Geſagten 
ift daher nur 

22* 


Größere 
Rekognos⸗ 
eirung. 


Hauptpunkte 
einer guten 
Verthei⸗ 
digung. 


— — — — — 
— — — — — 


Entſchei⸗ 


dendſte Maß⸗ 
regel einer 


340 





1. in der richtigen Wahl der Pofition, 
2. in der gehörigen Bertheilung der Streitfräfte in felber, 
3. in der Anwendung aller zu Gebote ftehenden Tünftlichen 
Hilfsmittel, endlich 
4. in der gehörigen Verwendung aller Waffengattungen im 
Gefechte . 
die Bürgfchaft, fih mit Erfolg haften und alle Angriffe bes 
Feinded abweilen zu können. — Die Grumbfäge bleiben ſtets 
diefelben, die wir oben entwickelten, mithin auch ihre Anwendung 
in allen Wechſelfaͤllen des Krieges. 
Es muß jedoch am Schluße bei der Bertheidigung größerer 
Stellungen noch der unter allen enticheidenditen Maßregel, nämlid, 


guten Ber» ber gehörigen Verwendung der Referveu, befonderd erwähnt wer, 
theidizung. den. — Viele unferer Kriegsgefaͤhrten glauben ſchon genug zu 


Angriff. 


thun, wenn fie diefe letzteren zur zeitweifen Ablöfung der vorbern 
Truppen verwenden, fie fomit vereinzelt ind euer ſchicken, das 
durch ihre phyſiſche, fo wie ihre moralifche Kraft auflöfen, und 
ſich endlich ohne Kerntruppen ſehen, mit welchen fie zulegt nod 
einen entfcheidenden Schlag gegen den Feind auezuführen im 
Stande wären. — Gerade dad Gegentheil iſt ber Zwed einer 
Reſerve. — Unerfchütterlich vereint für unvorberzufehende Wechſel⸗ 
fälle ded Gefechted hat fie nur mit ganzer Macht plößlichen 
feindlichen Bewegungen entgegen zu gehen, und ihre Wirkung 
zu zernichten, fomit blos am Ende des Gefechtes offenfio vorge⸗ 
führt und entfcheidend verwendet zu werben. Dies ift ihre Ber 
fimmung, und nie darf fie von biefem ihren urfprünglichen Zwecke 
abgezogen werden. — Es muß im Gegentheile in felber bie 
Elite aller Waffengattungen fi fammeln, bie ald unerfchütters 
liher Noyeau nur zu den Hauptrefultaten eined Gefechted im 
Angriffe oder Rüdzuge zu verwenden find, und wenn mit felber 
Offenfiobewegungen gefchehen, fo hat die Referve nach den Worten 
und dem Geifte der Brigade» Zuftruftionen mit der vereinten 
Macht aller, nach dem Terrain anwendbaren Waffengattungen, 
befonderd aber einer in Maſſe verwendeten Artillerie auf dem 
entſcheidendſten Punkte durchzubrechen und den Feind zu werfen. 

Keine mit Sachblik genommene Stellung if fo fehlerhaft, 
daß fie dem Angreifer ihre Eroberung leicht madhen, und Feine 
fo fe und ficher, daß fie nicht andererfeitö bem Gegner einzelne 
Blößen darbieten ſollte. Rur wenige Pofltionen können, wenn 











341 





auch volllommen gut in ber Fronte auf eine beruhigende Weiſe 
in ibeen Flanken gefichert werden, unb ed kommt daher meiſtens 
nur auf das richtige Auge des Angreiferd an, um ihre Gebrechen 
zu erfennen, und and felben die Vortheile eines geficherten Er⸗ 
folges zu ziehen. — Die Grundfäge, wie Pofitionen angegriffen 
werden, die vorangehende Relognoscirung bed Kommandanten 
während der Annäherung der Avantgarde oder Tirailleurd, die 
Formirung der Kolonnen, ihre Zahl und Stärke, ihre Angriffe, 
art, fo wie die Verwendung ber Waffengattungen, und beſonders 
jener des Gelchüges, find bereits vollftändig entwidelt worden. 
Auch hier im Angriffe, wie oben in der Bertheibigung größerer 
Stellungen, fordert der größere Mapftab and) ein geübteres 
Auge, um das audgebreitetere Terrain ſchnell zu umfaflen, und 
jene Angriffspunkte zu beftimmen, die des Feindes ſchwaͤchſte 
Seite treffen. 

Es muß jedoch hier zur Vervollſtaͤndigung bed Ganzen noch Entfheidende 
jener Sauptgegenftände erwähnt werben, welche zum fichern Er⸗ Hauptepiette 
folge aller Angriffe bedeutender Truppenabtheilungen am weſent⸗ bei größeren 
lihften und entfceidendften beitragen. Diefe find: Angriffen. 

1. Tournirung der Flügel mit Ecelond, oder Durchbrechung 
bed Gentrums mit dem Seilförmigen Angriffe, 

2. Verwendung der Kavallerie in Maſſa, 

3. Verwendung bed Geſchuͤtzes in Maſſa, 

4. Toncentrifhe Angriffe vereinigter Waffengattungen. 

Liegt die verwundbare Seite einer Stellung in ber einen NN 
oder ber andern Flanfe derſelben, fo ift die befte Art ded Au⸗ Gaelons, 
griffes jene mit Echelondfolonnen vorwärts, weil man dadurch —* ‚Durde 
den Grundſatz, alle nur möglichen Kräfte gegen den entfcheidene "Gentrums 
den Punkt zu vereinigen, am ficherften erreicht. Bei ber ftaffels mit dem keil⸗ 
förmigen Attaque unterftägen und decken ſich nämlich wechſelweiſe ee 
die verfchiedenen Kolonnen, und während man mit den Haupts 
fräften den fchwachen Theilen der feindlichen Stellung entgegen- 
rüct, entzieht man ſich durch gehörige Entfernung ber rückwaͤr⸗ 
tigen Echelons den flärkeren Punkten derfelben und paralifirt 
dadurch deren fchädliche Wirkung. Diefe Angriffsart ift daher 
als Flankenattaque am empfehlenpften. — Liegt jedoch der ſchwache 
Punkt einer Stellung in der Fronte, fei ed nım ein ausgehender 
Winkel, eine fteile, vom Feinde vernacjläffigte, eine tiefere, von 
und beherrfchte, oder auch nur in gleicher Ebene liegende Strede, 


347 





fo ift unter Begleitung einer kräftigen Mafla Geſchützes der 
feilförmige Kolonnenangriff der befte, deſſen vorderite Truppen 
in’den Klanfen durch das Feuer der Artillerie, im Rüden aber 
von immer größeren Abtheilungen gedeckt find, und deren Haupt⸗ 
angriffsmaflen mit Leichtigfeit auf den entfcheidenben Punkt biris 
girt werben fönnen. 
Wermendung Der zweite Gegeuftand ift die entfcheidenbe Verwendung 
terlein Maffa, ber Kavallerie. Im durcfchuittenen Boden bleibt fie mit Auss 
nahme Feiner Abtheilungen rückwärts der Hauptangriffskolonnen 
zum jededmaligen Gebrauche ded Kommandanten vereint, wenn 
irgendwo bad vormärtige Terrain ihre Berwendung ganz ober 
theilmeife erlaubte. Im offenen Boden aber machen einzelne 
Theile derjelben die Avantgarde, während ihr Gros, ald Reſerve 
ganz beifammen behalten, nad Umſtänden einen Flügel deckt, 
oder hinter der Mitte bleibt, um überall ſchnell bei der Hand 
zu fein, wo dad Bedürfniß derfelben gefühlt wird. — Es hat 
jedoch ihre Hauptaufftellung als Reſerve ftetd rüds oder feitwärts, 
nie in oder neben den Sufanterietreffen Statt zu finden, da ihre 
Kraft in der Dffenfive befteht, fie daher ald Schutzwaffe des 
Fußvolkes freien Raum nach vorwärts bedarf, um mit Bortheil 
wirken zu können. Das übrige taktifche Detail der Waffe muß 
den Kommandanten derfelben überlafien bleiben. 
ermenbung Der dritte Hanptgegenftand bei Angriffen ift die vereinte 
in Mafia. Verwendung der Gefüge. Nur enticheidende Kräfte Tonnen 
auch entfcheidende Erfolge haben, und dba ohne Artillerie fein 
größerer Angriff möglich ift, fo muß bdiefelbe bei jenem bedeu⸗ 
tender Stellungen auch nur im Großen, d. h. mit der Geſammt⸗ 
fraft vieler vereinigter Batterien auf den enticheidenden Punft 
verwendet werben; weshalb letztere vorzüglich beweglich und geübt 
fein follen, von allen Seiten zufammenzufahren, fih ſchnell zu 
ordnen und in Mafla zu wirken, wodurch allein die feindliche 
Truppe durchbrochen und ihre Kraft zermalmt werden fann. 
Anacifle ven Sehr oft wurden in Schlachten und Gefechten die entſchei⸗ 
einigter Wafs denden Angrifföpunfte von Stellungen nicht erfannt, fehr oft 
fengestungen aber und vielleicht ‚noch öfterd der taktifche Angriff Derfelben ver» 
a fehlt, und dadurch der Erfolg einer frühern richtigen Beurthei⸗ 
fung vernichtet. Indem wir daher die Erörterungen über Stel⸗ 
Iungen befcdließen, glauben wir biefelben für unfere Kriegsge⸗ 
fährten mit feiner wichtigeren Beobachtung, als jener von fons 


_ 38 
centrirten Angriffen mit vereinigten Waffengattungen ‘auf den 
entfcheidenden Punkt geleitet, enden zu fünnen. 

Es ift häufig zur Gewohnheit geworden, fo wie man mit at 
größeren Truppenmaffen zu than hat, dad Gefühl ihres Werthes Angriffaplan. 
aud den Augen zu verlieren, und wie fhon früher bei Angriffen 
yon Wäldern und Dörfern gefagt wurde, ein Bataillon nm das 
andere, eine Brigade nm die andere ind Gefecht zu fenden, ober 
wo mehrere Kolonnen angreifen ſollen, felbe ohne Unterſchied 
auch gleich ftarf zu machen, anftatt vorher einen Angrifföpfan 
zu durdidenfen, und Diefem gemäß 

1. den Bormarfc der Kolonnen nah Raum und Zeit ans 
mordnen, 

2. ihre Truppenzahl nach der Wichtigkeit der Objekte ver⸗ 
ſchieden zu beſtimmen, 

3. ihnen verhaͤltnißmaͤßige Reſerven zu geben, und Die 
wechſelweiſe Unterftügung aller Waffengattungen vorzubereiten, 
endlich 

4. fo viel möglich jeden einzefnen Kommandanten mit 
feiner untergeordneten Rolle befannt und vertraut zu machen. 

Diefe Beobachtungen find aber eben fo wictig, ald bie 
Erkennung ded wahren Angriffspunftes, die meiftend nur Die 
Sache des höchſten Kommandanten ift, während die Detaild einer 
richtigen taftifhen Führung der ‚Truppen das Refultat der ges 
fammten Kenntniffe aller bei ſolchen befindlichen Offiziere jedes 
Ranges, und unter diefen befonders der Kompagnies, Bataillonds 
und Regimentdfommandanten bilden, ihre SKriegstauglichfeit im 
höhern Sinne bewähren, und meiſtens den Erfolg jeder Unter⸗ 
nehmung und um fo mehr einer fo fehmierigen, ald die Eroberung 
einer feindlichen Stellung, glücden oder fcheitern machen. Es 
fann zwar dad immer wechlelnde Terrain allein die Detaild 
folcher durchdachten Angrifföplane beftimmen, doc ift es bier 
genug, die Aufmerffamfeit aller höhern Truappenfommandanten 
auf ihre entfrkeidende Wirkung binzuleiten. 

Das Refultat großer und blutiger Schlachten, nämlich, die Hauptmaſſen 
, — pe auf den 
in der neuern Kriegsführung ald Norm künftiger angenommen entſcheidenden 
werden müſſen, zeigen die Nothwendigfeit bei allen Angriffen Punkt. 
größerer Art, mithin auch bei jenen des entfcheidenden Punktes 
einer Stellung, die Hauptmaſſe der nach dem Terrain anwend⸗ 
barften Waffengattung früher zu vereinigen, mithin in &benen 


! 








Verthei⸗ 
digung. 


Verſchiedene 
Arten 
befeſtigter 
Stellungen. 


Verſchanzte 
Linien fruͤhe⸗ 
rer Kriege. 


344 


die Hauptmaſſe der Kavallerie, im gemiſchten oder Gebirgsterrain 
aber die Hauptmaſſe der Infanterie dahin zu dirigiren, wo ſie 
durchbrechen und des Feindes Kräfte zu zermalmen beſtimmt iſt. 
Hiezu gebe man jene Maſſe von.Artillerie, die eine ſolche Attaque 
aud gehörig vorzubereiten und zu unterflüßen vermag; denn 
im enticheidenden Augenblide gilt ed mit der Kraft der Aus⸗ 
führung, nicht hinter dem muthigen Gedanken zurüczubleiden. — 
Die andern Punkte der Stellung werben nur ſchwach befekt, 
denn wer Alles decken will, deckt Nichts, und wer beforgt, überall 
geſchlagen zu werden, ift ed auch ſchon wirflich. 

Die den Regimentern mitgetheißten Brigade» Inftruftionen 
geben übrigens den Mapftab größerer Truppenbewegungen, ihres 
georpneten Vorrückens und ihres Gebrauches in bedentenden 
Maflen. — Auc jene der Artillerie und Kavallerie find damit 
in Einflang gebradt, und größere Attaquen, begleitet von 30 
bis 40 Gefhügen und ganzen KavalleriesArmeedivifionen Darnadı 
ausgeführt worden; ed kann daher Elugen und geübten Koms 
mandanten bei ähnlicher Anwendung mit verhältnigmäßig gerins 
geren Xruppenabtheilungen an dem glücklichen Erfolge koncen⸗ 
trirter Angriffe nicht fehlen. 


6. 6. 


Vertheidigung und Angriff einer verfchanzten 
oder durch Dörfew gededten Stellung. 


Ein Heer oder ein Korps wird felten eine Stellung nehmen, 
in welcher es nicht zu feiner Sicherheit verfchiedene Hinderniſſe 
anbringt, d. h. fih verſchanzt und hiezu bad Terrain möglichſt 
vortheilhaft benügt. 

Es hängt übrigend von der Zeit ab, wie lange wir und 
nämlich in einer folchen Stellung zu behaupten gefonnen find, 
um über die Zahl und Art dieſer Berfchanzungen entfcheiden zu 
Fönnen. Ein großer Untericied für die Vertheidigungsvorkeh⸗ 
rungen liegt alfo in ber Frage: Ob wir Wochen und Monate, 
oder nur etlihe Tage in einer ſolchen Pofltion auszuhalten 
gebenfen. 

Die Natur felbft hat an manchen Stellungen auf Verſchan⸗ 
zungen hingewiefen, wodurch fehr oft in früheren Kriegen ſoge⸗ 


345 


nannte Linikn, d. i. eine fortlaufende, auf beiden Flügeln wohl. 


geftügte Reihe von Schanzen entflanden, bie durch unumterbros 
chene Gourtinen verbunden waren, gewöhnlich einen Fluß oder 
eine Fünftfiche Liberfchwenmung vor der Fronte hatten, und hinter 
denen im Ertrage ded Kanonenſchußes abermals einzelne Res 
douten als zweite Linie erbaut wurden. 


Die Art der-nenern Kriegsführung, ihre beweglicheren 


Maſſen und daher die Möglichkeit, mit ſelben alle dieſe Linien 
mehr oder weniger zu. umgehen, woburd ihre Haltbarkeit aufs 
gehoben wird, ift jedoch lirfache, daß man folche nicht mehr 
erbaut, da überdied noch ihre Unterhaltung im Frieden beträcht 
lihe Koften verurfacht, und der dadurch erlangte Bortheil bei 
Meitem die Summe der Auslagen nicht aufwiegt. 
Würde jedoch ein Heer beordert, folche Linien zu vertheis 
digen, fo werden die vorzüglichiten Schanzen nach Anleitung. der 
im $. 11 der vorhergehenden Abtheilung erörterten Grundfäge 
gehörig befegt, und die für felbe zur Unterflügung oder Ablöfung 
nöthigen Truppenreferven auf 6 bis 800 Schritte rüdwärts poſtirt. 
Die Kavallerie bleibt ganz in Reſerve, denn ihre Wirks 
famfeit wird meiftend erft dann nöthig, wenn ber Feind die 
erfte Berfchanzungdlinie bereitd erobert hat und Miene macht, 
und zu verfolgen. 
Die vorzüglichfte Vertheidigung folcher Pofltionen aber liegt 
in der überlegenen Anzahl und zwedmäßigen Aufftelung und 
Anwendung ber Artillerie. Man erwartet unter dem Schutze 
berfelben den Feind in den Verfhanzungen, und benimmt ſich in 


den ferneren Wechfelfällen hiebei ganz fo, wie in der fiebenten - 


Abtheilung bei der Bertheidigung von einzelnen Schangen deutlich 
auseinander gefebt wurde. | 

Obſchon die Fronte gewöhnlich durch ein natürliched Hin⸗ 
derniß, einen Fluß, tiefen Bach, Graben, hohen Raxvin, eine 
Uiberſchwemmung u. dgl. gedeckt ift, fo dedarf ed doch auch hier 
einer ſehr thätigen und wachſamen Vorpoſtenkette, ganz vors 
züglich aber ſehr fleißiger Patrouillen, die Tag und Nadıt uns 
ausgelegt fortgehen und alles Erhebliche fogleich dahin berichten, 
wohin fie angewieſen find. 

Häufiger, ald die eben genannten Linien find aber jene 
Stellungen, welche entweber fchon im Frieden verfchanzt, ober im 
Kriege von dem Augenblicke geboten, fchnell genommen und haltbar 


Vertheidis 
gung folder 
Linien. 
Snfanterie. - 


Kavallerie. 


Artillerie. 


Dienft der 
VBortruppen. 


Neuere vers 
ſchanzte 
Stellungen. 


Berüdfichti- 
aung Des 
Serrains bei- 
felben. 


Dedung der: 
Flügel. 


Befeſtigung 
der Dörfer. 


346 


hergeſtellt werben, und, deren Verſchanzungen als mehreren 
felbftftändigen Werfen und Redouten beſtehen, die man nach 
dem Terrain zur größern Vertheidigungsfähigkeit wichtiger Punkte 
erbaut. 

Es dürfte fich nirgends, eine ganz freie Ebene ausge⸗ 
nommen, eine Stellung finden, welche längs ihrer ganzen Fronte 
und in beiden Flanken eine fortlaufende Linle von künftlichen 
Hinberniflen nöthig hätte. Uiberall wird der Boden mehr oder 
weniger natürliche Hilfsmittel barbieten, die ftellenweife alle 
künſtlichen überfläflig machen, ober und wenigitend erlauben, ſolche 
nur in geringerer Anzahl anzuwenden Dahin gehören z. 2. 
hohe Ravins, breite Gräben, tiefe Gemäfler, hocflänmige 
Wälder, wenig gangbare Morälte u. |. w. 

Die Erfahrung und die erlangte militärifche Bildung wird 
bier das Nothwendige von dem lliberflüffigen, Das Softipielige 
und Zeitraubende von dem Einfachen, Wohlfeilern, Schnellern 
und in gleihem Maße Zwedmäßigen zu fondern wiflen, und 
auch hierin treffen wir wieder auf jenen Sauptgrundfag der 
Kriegskunſt, daß dad Terrain ftetö über die befondern Details 
entfcheide, und wie in allen Kriegsvorfallenheiten, bei Angriffe 
und Bertheidigungsbispofitionen, in Lagern und auf Märchen, 
fo audı bei Anlegung von Schanzen feine Wichtigkeit geltend 
ntache. J 

Solche Poſitionen ſind dann beſonders vortheilhaft, wenn 
ſie auf einem oder auf beiden Flügeln ſich an Dörfer lehnen, 
die nur wenig über die Fronte vorſpringen, und deren enfiliren⸗ 
des Feuer der Angreifer aushalten muß, bevor er die Linie 
erreicht. Einen gleichen Dienſt leiſten Anhöhen, doch müſſen 
ſowohl die einen als auch die andern wohl verſichert werden, 
denn iſt die Fronte von Natur ſtark, oder zur hartnäckiger Ver⸗ 
theidigung vorbereitet, ſo richtet der Feind gegen dieſe Flanken⸗ 
punkte gewiß ſeine heftigſten Angriffe. 

Vor allem aber verdienen die in der Fronte und auf den 
Flanken einer Pofition liegenden Dörfer die vollſte Aufmerkſamkeit. 
Kann man den Entwurf der Berfhanzungen im Allgemeinen 
bergeftalt machen, daß biefelben in die Linie der Befeltigung 
falfen. und die Annäherung an die Stellung verbieten, fo hat 
Died einen ‚ungemeinen Bortheil. Solde Ortfchaften bilden faft 
immer die Knoten echter Bertheidigung. An den ausipringenden 








317 





Winkeln der Werſchanzungslinie gelegen, find fie zwar mehr ſich 
felbft überlaffen, jedoch ald vorgeichobene Poſten bei zweckmaͤßi⸗ 
gen und fräftigen Vertheidigungsvorfehrungen ein großer Schuß 
alfer übrigen rückwärts gelegenen Theile einer Stellung. Ebenfo 
find fie in der Bertheidigungslinie felbft, fo wie in den einge, 
henden Winkeln einer Stelung ald NReplipunfte von großem 
Nutzen, weil um bdiefelben erft wieder ein neuer Kampf beginnt, 
Mejerven vorgenommen und oft fchon halb verlorene Schlachten 
oder Gefechte durch ihre Haltbarkeit hergeftellt werden können. — 
Was die Vertheidigungsanftalten und die Behauptung folcher 
Dörfer felbft betrifft, fo verweilen wir auf den $. 2 der ſiebenten 
Abtheilung, worin hierüber alled Nöthige angeführt wurde. 


Oft geftattet ‘die Kürze der Zeit Feine Ausführung von Schnelle Hers 
vollftändig verfehanzten Stellungen längs ihrer ganzen Linie, —— 
oder die Abſichten des Feldherrn halten ſolche für überfluͤſſig. — Vertheidi— 
Dann richtet man blos die im Bereiche der Stellung liegenden gungsmittel. 
Dörfer und marfirteren Xerraingegenftände zur Vertheidigung 


vor. Man befegt 5. 8. 


1. Die. höchften Punfte der Pofltion mit einer Anzahl in 
Batterien vereinigter Gefüge, 

2. durchſchneidet Straffen uud Wege, 

3. verrammelt die Ortfchaften, 

4. verhaut fihnell die audfpringenden Winfel der Wälder 
und Gchölze, 

5. wirft endlich Aufwürfe und Verfchanzungen dort auf, 
wo fie das Terrain am nöthigften gebietet. 


Se länger man eine ſolche Stellung behaupten will, wad Mehr oder 
von firategifchen Berechnungen abhängt, deſto forgfältiger müffen nötbine Saltı 
die zu befefligenden Punkte ausgewählt, defto Fräftiger und gegen barkeit der 
Gethüg ausdauernder muß der Bau und befonders das Profil Derihanguns 
der Berfchanzungen bemerfftelliget, die vorhandenen Hinderniſſe tyeidigungs: 
des Bodens benügt, die in Fronte und Flanken liegenden Dörfer Mittel. 
oder feiten Gebäude verfichert, die zur Stellung führenden Strafien 
und Wege verborben, die Furthen ber Flüffe zeritört, die Ufer 
der Gewäſſer vortheilhaft befegt, das Geſchütz auf durchdachte 
Weiſe aufgeftelt und im Rüden andere verfchanzte Punkte zum 
Schuge des Rüdzuges und. ald Noyean der ganzen Stellung 
angelegt werden. 


848 





Aufftellung, Die Uufftellung der Vorpoſtenkette ber Artillerie, Infanterie 
ed und Kavallerie in einer verſchanzten Stellung, fo wie dad Ber 
Angriff. nehmen der verfchiedenen Waffengattungen fowohl in ber Ver⸗ 
theidigung, als im Angriffe ift ganz fo, wie ed im vorhergehenben 

$. und im $. 11 der fiebenten Abtheilung erklärt wurde. 
Ehtubbemer Mir -glauben demnach über den Angriff und die Verthei⸗ 
ung. digung ber verfchiebenen Pofitionen das Wiflenswerthefte ange: 
führt zu haben. Die achte Abtheilung ift mit der fiebenten innig 
verwebt, denn alle hier in einem Ganzen vorfommenden Gegen» 
fände find dort einzeln behandelt worden, und ed wäre eine 
bloße Wiederholung des ‚in felber bereitö deutlich Auseinanders 
gefesten, wenn man fich über biefen Gegenftand hier noch weiter 
ausbreiten wollte. Wer daher die fiebente. Abtheilung, fo wie 
bad hier Gefagte gehörig inne hat, wird beim Angriffe und der 
Bertheidigung von Stellungen nicht über dasjenige in Verlegen⸗ 
heit gerathen, was er in feinem Wirfungsfreife thun und vor⸗ 

kehren fol. 


6.7. 
Umgebungen, 


Begriff der Wenn man die für einen Angriff beftimmten Truppen in 

Umgepung. die Perlängerung der feindlichen Aufftellung bringt, und von 
dort fih in ded Gegners Flanken wirft, fo nennt man dies eine 
Stellung umgehen. 

Nichts iſt im Kriege fo vortheilhaft, ald die Umgehung 
eines viel fchmwächern oder unentfchloffenen Gegnerd. Wenn ein 
folher Angriff auf einem Punkte, der in fi beinahe gar feinen 
Widerftand zu leiften vermag, gelingt, fo ift er von ben größten 
Folgen; — die Linie des Feindes wird aufgerollt und von der 
Straffe zum Rückzuge weggebrängt; allein er Tann nur dort 
Statt haben, wo ein Flügel des Gegners an Feine verläßliche 
Stütze in dem Terrain gelehnt if. 


Arten der« Eine Umgehung kann entweder mit ber ganzen, zum Ans 

ſelben. griffe beftimmten Truppe, oder nur mit einem heile berfelben 
geſchehen. | 

Größere Der erite Fall ift, außer bei einer großen Uiberlegenheit, 


und MR dalche felten; denn, da meiſtens die feindlichen Stellungen die Fronte 


keit derfelben, gegen den Weg machen, auf welchem man vorrüdt, und den 








349 


man im Ungläddfalle zum Rückzuge nehmen muß, fo wäre es 
zu gewagt, völlig von dieſem abzugehen und ihn ganz frei zu 
laffen, um eine Attaque zu unternehmen, bei deren Mißlingen 
man Gefahr laufen würde, von feiner Netraite abgefchnitten zu 
werden. — Nur wenn andere Straffen feitwärts gleichfalls gegen 
die feindliche Stellung zu laufen, anf welche wir und im Noths 
falle werfen und darauf unfern Rückzug fiher ausführen fünnen, 
wäre ein Linternehmen in der obigen Art auch unter weniger 
günftigen Ausfichten ausführbar. 

Die Umgehung einer Stellung mit einem Theile der Trups Kleinere Um⸗ 
pen, während ber andere fle von vorne befchäftigt und ben Weg — 
des Rückzuges deckt, erfordert viel Klugheit, und darf auch nur derſelben. 
mit überlegenen Kraͤften gewagt werden. Man benöthigt Zeit, 
die Bewegungen um bed Feinded Flügel zu vollenden; wenn 
daher beide Theile, in welche die Truppe getrennt wird, nicht 
art genug find, um der ganzen feindlichen Macht einen bedeus 
tenden Widerftand zu leiften, fo lauft man Gefahr, daß fie ſich 
auf den einen wirft und ihm aufreibt, ehe der andere wirfen 
konnte. Daher ift auch der Fürzefte Weg zu Umgehungen der 
befte, damit alle Truppen in der moͤglichſten Verbindung bleiben 
und ſich mwechfelfeitig unterftügen Fünnen. 


Umgehungen find in einem ganz offenen Terrain, wo ber Zuläffigkeit 
Feind alle Bewegungen früh genug entdect, um Gegenanftalten Der 
zu treffen, ober feine Stellung verändern zu können, unmöglic, 
Auch erfüllen fie felten ihren Zweck in einer ſehr dDurchfchnittenen, 
befchwerlichen Gegend, wo ein ſchwach befegter Poften die ums 
gehenden Truppen fo lange aufzuhalten vermag, bi8 Gegenans 
ftalten getroffen find. Nur ein gemifchtes Terrain ift dazu ges 
eignet, in welchem die Bewegungen dem Feinde verborgen und 
doch ſchnell ausgeführt werden können. 


Die Kavallerie ift für Aufträge diefer Art bie geeignetile Truppengat« 
Waffe, und zwar wegen ihrer Schnelligkeit ſowohl im Angriffe, kung bien. 
ald auch beim Ruͤckzuge. Man mifcht jedoch derlei Abtheilungen 
im durchfchnittenen Terrain gewöhnlich mit leichtem Fußvolke, 
und theilt ihnen ebenfo leichte Feldftüce zu, falls man nur Ums 
gehungen kleinerer Art beabfihtiget. Bei größeren Angriffen, 

Wozu ganze Brigaden oder Divifionen verwendet werden, bleiben 
felbe in ihrer urfprünglichen Eintheilung und Zuſammenſetzung. 


Umgebung. 


330 


4 





Ausführung Bei jeder Umgehung müſſen Scheinangriffe auf die Fronte 
Umgebung. der Stellung den Feind dort feithalten, ihn verhindern, Die wahre 
Abficht, den wahren Punkt des Angriffes zu entdeden, und feine 
ganze Macht dahin zu ziehen. Sollte er vieles jedoch, fo muB 
aus Scheinangriffen in wahre übergegangen und bie Blöße bes 
nügt werden, die er durch Schwächung feiner Poſition darbietet. 
Dflenfive Die fiherftien Mittel gegen eine Umgehung liegen in ber 
en Art der Aufftellung und in der Beweglichkeit der Truppen. 
Umgehung. Wo fih der Feind mit feiner ganzen Macht auf die Flanke 
„Seontverin, wirft, wo er vor der Stellung nur fehr wenig Truppen läßt, 
a gegen m: 
die Fiante. oder, wo diefe durch fo viele Hinderniſſe in dem Xerrain gededt 
ift, daß fie leicht eine längere Zeit mit einer geringern Truppen; 
zahl behauptet werden kann, ba ift eine fchnelle Veränderung der 
Fronte und eine Formirung in der Flanke das Zwedmäßigite. 
Borbrecben Iſt die tournirende Truppe fo weit entfernt, daß man 
Seimdlige vorausſehen Tann, die der Fronte gegenüber zurückgelaſſenen, 
Bronte, feindlichen Abtheilungen werfen, und wieder in der Stellung ein« 
treffen zu Fünnen, ehe der feindlihe Angriff erfolgt, fo kann 
eine fühne rafche Vorrüdung, und dann die Detafchirung einiger 
Abtheilungen in des Gegners Flanke fehr nütlich werden, nur 
darf man dabei den Hauptzweck nie vernacläfligen, dem Feinde 
weder die Pofition, no den Weg zum Rüdzuge preis zu geben. 
Defenfive Penn man eine anfehnlicdiere Truppenzahl zu Gebote hat, 
— kann man die Flügel einer Stellung durch eine oder mehrere 
hungen. Abtheilungen deden, welche hinter denſelben flaffelfürmig (en 
——— echelon) aufgeſtellt find, und ſich wechſelſeitig überflüägeln und 
Bildung von fonteniren. Der Feind, der gegen die Flanken vorrüdt, wird 
ven lügen durch diefe wieder in die Flanfe genommen. Will er aud fie 
überflügeln, fo muß er einen fo großen Bogen befchreiben, daß 
er fih von dem Wege feined Rückzuges und von der vor der 
Fronte gelaffenen Truppe entfernt, dadurch aber alled wagt, 
ohne feinen Zweck zu ‚erreichen, weil ihm dieſe Echelond durdı 
einen Abmarſch auf der fürzern Linie immer zuvor und in Die 
Klanfe kommen werden. 
Nachtheile Es iſt ein falſcher Wahn, wenn man glaubt, ſich durch die 
einer Flanke. premeditirte Formirung einer Flanke vor einer Umgehung ſicher 
zu ſtellen. Sie kann höchſtens nur durch die Gefahr des Augen⸗ 
blickes erzeugt oder dort angewendet werden, wo ein kurzer Auf⸗ 
enthalt und Zeitgewinn noͤthig iſt. Allein als Stellung und mit 








351 


- 








einer größern Truppenzabl gibt es nichts Gefährlicheres und Uns 
zwecmäßigered. Der bervorfpringende Winkel, welcher zwilchen 
der Flanke und der Fronte entiteht, ift von Seiner Seite vers 
theidigt und beftrichen; bricht der Feind hier durch, fo ift Flanke 
und Fronte aufgerofft und ohne Rettung verloren. Auch ſoute⸗ 
niren fie ſich gar nicht, und man kann fich mit keiner von beiden 
bewegen, ohne aud der Verbindung zu fommen, und ohne daß 
feine für den Feind günftige Deffnung entflünde. Diefe. Unber 
weglichkeit macht ed dem Gegner möglich, ungeftraft auch die 
Flanfe wieder zu umgehen, und mit einer geringeren Truppenzahl 
einer größern, die fih durch eine ſolche Stellung aller Beweg⸗ 
lichfeit beraubt. hat, Meifter zu werden. 

Bei Heinen Korps iſt die Sicherftelung der Klügel durch 
die Formirung des Echelons felten möglich, weil die Truppens 
zahl zu gering ift, um mehr ald die Belegung der Froutſtellung 
und die Formirung der unentbehrlichen Reſerven beftreiten zu 
koͤnnen. Sie ift auch nicht fo nöthig, denn Die Strede, welde 
ein Feined Korps befegt, ift fo unbedeutend, daß die Neferve, 
wenn fie nahe an dem bedrohten Flügel, oder wo beide es find, 
hinter dem Centrum fteht, und wenn fie aus dem größten Theile 
der Kavallerie zuſammengeſetzt, folglich zu fohnellen Bewegungen 
fähig iſt, bei jeder Uiberflügelung des Feindes fchnell ab, und 
in fo einer Direktion marfciren kann, daß fie feine Flanke noch 
zu rechter Zeit und eben fo bedrohen und anfallen wird, als eine 


ſchon zuvor auf dem nämlichen Orte en echelon aufgeftellte. 


Truppe, ohne ſich dabei fo weit zu entfernen, daß fie nicht 
glei wieder auf jeden Punkt hinzueilen vermag, wo man fie 
benüthigt. | 

Obwohl jede Umgehung auf diefe Art unfhädlich gemacht 
werden kann, ſelbſt wenn man fie erft dann entdeckt, wenn der 
Feind fich ſchon formirt hat und zum Angriffe vorrücdt, fo ift eg 
doch möglid, daB man durch die befondere Beichaffenheit bee 
Terraind, oder durch eine unverzeihlihe Nachläfligkeit der Bors 
poften fo in der Unwiffenheit einer Bewegung gelaflen werde, 


Qg* 


Bei Pleineren 
Stellungen, 
Gebrauh der - 

Reſerven. 


Bei Entde⸗ 
* der im 
gehung erftim 

Augenblicke 
des Angriffes. 


bis fie wirklich vollendet iſt, und der Gegner die Attaque’deginnt. 


Da es ſich in einem ſolchen Falle nur darum handelt, Zeit zu 
gewinnen, ſo muß die Abtheilung, welche der Feind in der Flanke 
angreift, ſchnell ihre Fronte verändern und ſich ihm entgegen 


ſtellen. Iſt ein günftiger Punft in dem Terrain vorhanden, fo- 


Dauptgrunds 
faß bei 
Umgehungen. 


E chein⸗ 
angriffe. 


Demonſtra⸗ 
tionen. 


352 


erhaͤlt der Kommandant den Auftrag, ihn, es koſte was es wolle, 
bis auf den letzten Mann zu vertheidigen, wo nicht, trotz der 
Uiberlegenheit auf den Feind zu fallen, wenn auch ſeine ganze 
Truppe dabei aufgerieben werden ſollte. Die hiedurch gewonnene 
Zeit wird benützt, um entweder mit der Reſerve, und wo die 
Fronte gar nicht oder wenig bedroht iſt, mit dem ganzen oder 
mit einem Theile des Korps in ſo einer Richtung abzumarſchiren, 
daß der Feind in die Flanke genommen und geworfen werden 
koͤnne. 

Das Reſultat dieſer Bemerkung iſt, daß bei gleichen Ver⸗ 
haͤltniſſen der Vortheil immer auf der Seite desjenigen iſt, der 
umgangen werden ſoll, weil ſeine Truppen vereinigt bleiben kön⸗ 
nen, und weil er eine kürzere Strecke, als fein Gegner zu durch⸗ 
ziehen, folglich weniger Zeit vonnöthen hat, um feinen Zweck zu 
erreichen, und die längeren, beſchwerlicheren Bewegungen des 
Feindes unfchädlich zu machen. Diefe Vortheile find fo groß, daß 
fie nur von einer beträchtlichen Lliberlegenheit an Zahl überwogen 
werden koͤnnen. Liberhaupt muß dem durch Umgehungen Anges 
geiffenen ftetd der Grundſatz vor Augen fchweben, daß, wer 
umgeht, felbft umgangen ift, fich meiftend theilt und daher 
leichter geichlagen wird, ald wenn er vereint geblieben wäre. 
Bei nicht zu ungleihen Kräften alfo ift ed das Belle, dem ent» 
ſchloſſenen Muthe Gehör zu geben, die eigenen Kräfte zu vereinigen, 
auf der kürzern Linie gegen die Fronte oder Flanke ded Feindes 
vorzugehen und ihn. zu durchbrechen; ſomit die Dortheile ber 
Umgehung in ihrem Keime zu vernichten. 


ED He r— 


Neunte Abtheilung. 


Scheinangriffe und Demonftrationen. 


Unter Scheinangriffen verfteht man jene Angriffe, die nicht 
die Abficht haben, einen vom Gegner bejegten Punkt wirklich zu 
überwältigen, fondern felbed blos dem Feinde glauben zu machen. 

Demonftrationen aber nennt man folche Anftalten und Bes 
wegungen, bie dem Gegner ein linternehmen andeuten, welches 
man nicht auszuführen gebenft. 


3 





Ä | 353 


Den Feind irre zu führen, ihm unfere wahren Abfichten 
zu’verbergen, und durch Täufchung zu falſchen Schritten zu vers 
feiten, ift der Zwed beider, und eine Kunft, deren geſchickte 
Übung zu dem Erfolge von Kriegsunternehmungen wefentlich 
beiträgt. 


Im Allgemeinen ftehen Demonftrationen gewöhnlich in Ver⸗ Ir en 


bindung mit Unternehmungen größerer Art, während Schein⸗ 
attaguen auch bei Fleineren Gefechten und Angriffen flattfinden. 

"Beide find jedoch oft Gegenftände von höcter Wichtigkeit, 
und fchon in der fiebenten und achten Abtheilung dieſes Unters 
richtes haben wir beim Angriffe der Dörfer, Wälder, Flüffe, 
Moräfte u. dgl., fo wie bei jenem ganzer Stellungen erwähnt, 
daß man fich derfelben in vielen Gelegenheiten bedient, um unfere 
Abficht zu verbergen, mehrere Punkte der feindlichen Aufftellung 
zu bedrohen, den Gegner im Zweifel zu erhalten, und feine Aufs 
merffamfeit und Kräfte von dem wahren Angrifföpunfte abzus 
leiten, um diefen dann mit defto fiherem Erfolge zu übermältigen. 


Um aber den Hauptzwed der Scheinangriffe und Demons Ihre Haupt 


firationen zu erreichen, und den Feind zur Bernachläffigung des 
Punfted, den wir zum Hauptangriffe gewählt haben, oder übers 
haupt zu folchen Torkehrungen und Dispofitionen zu verleiten, ift: 

1. Geheimniß, 

2. Wahrfceinlichkeit der Unternehmung und 

3. Ernſt in der Ausführung derfelben erforderlich. 

Ohne Geheimniß ift es nicht möglich, den Feind zu über, 
liften, man biete daher alled. auf, um demielben feine Gelegens 
heit zu geben, durch Deſerteurs, Landleute, Spione u. dgl. unfere 
eigentliche Abficht zu erfahren, fondern trachte vielmehr, durch 
falſche Nachrichten, lärmende Vorbereitungen u. bgl. den wahren 
Zweck zu verbergen.’ 

Der Feind wird, fobald wir einen Punkt feiner Aufftellung 
angreifen oder ſonſt Vorkehrungen treffen, die irgend eine Abſicht 
andeuten,. fi fih bemühen, unfern Zweck dabei zu errathen! und den 
Nugen erwägen, den und das Gelingen unfered Vorhabens ges 
wäht. Es ift daher nothwendig, daß ſowohl Scheinangriffe als 
Demonftrationen, um wirklih zu täufchen, einen Grab der 
Wahrſcheinlichkeit befigen; wo diefes nicht der Fall wäre, würbe 
ein benfender Gegner, dad Nublofe unferes Unternehmens erken⸗ 
nend, fich keineswegs zu falichen Vorkehrungen verleiten laſſen, 

23 


v 


Zweck ders 


Ihre Vor⸗ 
theile. 


erforderniſſe. 


Geheimniß. 


Wahrſch ein⸗ 
lichkeit der 
Unternebs 

mung. 


354 





fondern vielmehr durch eine ruhige Beobachtung unferer Bewe⸗ 
gungen umd einer richtigen Vergleichung berfelben mit dem vors 
habenden Zwecke den eigentlichen Angriffepunft erkennen, und 
feine Kräfte dafelbit zu einer hartnädigen Vertheidigung foncen- 
triren. — Greift man demnach Punkte an: 

1. Deren Wegnahme für den Feind von feiner Beben 
tung ift, 

2. bie in feiner nähern Verbindung mit dem eigentlich 
auszuführenden Unternehmen, 

3. oder fo gefichert find, daß der Gegner für ſelbe nichts 
zu beſorgen hat, ſo wird dadurch der eigentliche Zweck der Schein⸗ 
angriffe verfehlt. Ebenſo dürfen die Demonſtrationen kein Unter⸗ 
nehmen ankündigen, welches nicht ausführbar, oder deſſen Aus: 
führung von feinem Nuten märe, weil man fonft den Gegner 

weder täufchen, noch zu falfhen Maßregeln verleiten wird. 
Ernft in der Die Wirkſamkeit eines foldhen Unternehmens ift ferner in 
Ausführung. bem Ernfte begründet, mit welchem der Angriff eines Punktes 
unternommen, oder die Anftalten zur Täufchung des Feindes 
getroffen werden. — Selbſt die eigene, hiezu beftimmte Truppe 
muß getäufcht werden, und darf den eigentlihen Zweck ihrer 
Verwendung nicht Fennen, um den Feind durch den Ernft und 
bie Wahrheit der Ausführung noch mehr in ſeiner Täuſchung zu 
beftärfen, Nach diefen allgemeinen Erklärungen fchreiten wir zu 
den näheren Detaild der Scheinangriffe und Demonftrationen. 
Details der Erftere ſtehen ftetS in unmittelbarer Verbindung mit einer 
es wirklich auszuführenden Unternehmung, und dienen blos zur Er— 
feichterung der eigentlichen Attaque. Sie find alfo in dem nad 
der Rofalität und der Aufftelung des Feindes entworfenen Ans 
griffeplan gegründet, der die näheren Details ihrer Ausführung 
beftimmt, und die Punkte angibt, gegen welde fie gerichtet 
werden. 
Wahl der , Was die Wahl diefer letzteren betrifft, fo ift hiebei Wahr⸗ 
en fcheinlicheit, wie bereitd erwähnt.wurde, die erfte und nothwen⸗ 
digfte Bedingung, und immer müflen derlei Unternehmungen auf 
eine entferntere Abficht deuten, um den Feind deflo ficherer zu 
täufchen, and während er den Folgen unſeres Angriffes vorzu- 
beugen trachtet, deſto ungehinderter an einem andern, von ihm 
vernachläſſigten Punkte durchzudsingen, und unfer eigentliches 
Vorhaben zu erreichen. 








_ 355 

Ob mehrere Scheinattaquen unternommen werben follen, - Mehrere 
laͤßt fi nur durch die Beichaffenheit des Terrains, die Aufftels ar 
fung des Gegners und andere Umftände beftimmen, die bei Ents j 
werfung eined Angriffsplanes reiflich durchdacht werben müflen, 
um dem ganzen Unternehmen Einheit zu verfchaffen, d. h. ben 
Zwed der Scheinangriffe zu erreichen, ohne dadurch die Ausfühs 
rung der Hauptattaque zu ſchwächen. | 

Hiebei muß zum Grundfage angenommen werden, daß Scheine Stärke der 
angriffe ſtets durch eine dem Zwede entfprechende Truppenzahl, ieiu Truppe, 
und wie fchon oben gefagt worden, mit allem anfcheinenden | 
Ernfte ausgeführt werden; nie fol die Schwäche der Attaque 
dem Feinde zu erfennen geben, daß es ſich hier um eine bloße 
Täufhung handelt, nie darf man dagegen die Hauptangriffsko⸗ 
lonne durch die zu diefem Zwecke beftimmten Truppen unverhälts 
nißmäßig fchwächen, da es bei allen Kriegsunternehmungen das 
leitende Prinzip bleibt, feine Kräfte vereint zu behalten und 
nur fo viel zu detafchiren, ald die Umftände unumgänglich 
erfordern. 

Uibrigens koͤnnen Scheinangriffe entweder oͤfters auf den Arten 
naͤmlichen Punkt, oder gleichzeitig auf mehrere der feindlichen derſelben. 
Stellung geſchehen, je nachdem es unſere Abſicht iſt, dem Gegner 
die Wichtigkeit eines Punktes allein glauben zu machen, oder 
ihn bald da, bald dort zu beunruhigen, und dadurch in Unge⸗ 
wißheit über unſere eigentliche Abſicht zu erhalten. 

Ob die Scheinangriffe vor der eigentlichen Hauptattaque Zeit ihrer 

oder gleichzeitig mit derfelben ausgeführt werden ſollen, laͤßt ſich Ausführung. 
nur durch den beſondern Zweck beſtimmen, den man durch erſtere 
zu erreichen trachtet. Werden dieſe, wie es meiſtens bei grö⸗ 
ßeren Operationen der Fall iſt, in der Abſicht unternommen, des 
Feindes Macht von dem wahren Angriffspunkte wegzuziehen, 
dann müſſen ſie, um ihren Zweck zu erreichen, der Hauptattaque 
vorangehen, welche erſt dann beginnt, wenn der Gegner ſich 
verleiten ließ, mit ſeinen Hauptſtreitkräften dem durch einen blo⸗ 
Ben Scheinangriff bedrohten Punkt feiner Vertheidigungslinie 
zu Hilfe zu eilen. Iſt e8 aber, wie z. B. beim Angriffe Kleiner 
Dörfer, Wälder, Schanzen u. dgl. unfere Abficht, den Yeind 
blo8 an mehreren Punkten feiner Aufftelung zu befchäftigen, ihn 
nöthigen, feine Kräfte zu trennen, und dadurch außer Stand zu 
fegen, dem Hanptangriffe"einen hartnädigen Widerftaud zu leiften, 
23% 


en 


9356 





fo werden gleichzeitig mit diefem die Scheinattaquen audgeführt, 
und haben, um den Gegner von Detafchirungen gegen ben 
Hauptangriffspunft zu verhindern, während des ganzen Gefechtes 
fortzubauern. 
Re: Was bie Entfernung des falfchen vom wahren Angrife 
vom mahren punkte betrifft, fo laͤßt fich hierüber feine allgemeine Regel ange 
Angriff⸗⸗ ben, da biefed von der Ausdehnung ber feindlichen Stellung, der 
punkte. Beſchaffenheit des Terrains und der Stärke unferer Truppen 
abhängt. — Ge grüßer eine Angrifföfronte ift, defto mehr Raum 
gewährt fie zu Scheinattaquen, und befto ſchwerer wirb es dem 
Gegner, den begangenen Fehler zu verbeffern, wenn er fich ver 
leiten ließ, feine Referven auf einen Punkt zu werfen, der fi 
von dem zum eigentlichen Hauptangriffe beftimmten in einer be 
trächtlichen Entfernung befindet; fo, baß mir meiftend unfere 
Abficht erreicht haben, bevor feine Truppen zurüceilen, und fh 
und entgegenzuftellen im Stande find. — Doc dürfen bie zu 
ſolchen Unternehmungen gewählten Punkte auch nicht zu entfernt 
fein, da wir dadurch blos unfere Kräfte zerfplittern, und der 
Feind den Scheinangriff gar nicht beobachten würde. 
Zeitberech⸗ Eine moͤglichſt genaue, nach der Entfernung der verihie 
"ung. denen Orte beftinmte Zeitberechnung alfo, muß folhen Unterneh 
mungen ald Grundlage dienen und den Maßſtab der wahren 
Entfernung angeben, in welcher noch Scheinangriffe zu wirken 
vermögen. — Iſt ein Angriff ſchwierig, braucht ed längere Zeit, 
bie Hinderniffe, die ſich entgegenftellen, zu überwinden, ober die 
zur Erreichung unferer Abficht nöthigen Vorbereitungen zu treffen, 
dann muß man auf alle diefe Umftände Bedacht nehmen, und 
der falfche Angriffspunft nach Verhältniß weniger entfernt fein 
Terrainbe⸗ Ebenſo iſt hiebei die Beſchaffenheit des Terrains zu berüd⸗ 
ſchaffenbeit. ſichtigen, denn, da die Truppen in der Ebene ſchneller von einem 
Punkte auf den andern gebracht werden koͤnnen, als im Gebirge, 
fo folgt, daß im letztern die Angriffepunfte auch nicht fo weit 
don einander entfernt zu fein benöthigen. 
Inſtruktlon Dem Kommandanten der zu einer falſchen Attaque bes 
dee Rommans flimmten Truppe muß die nöthige Inftruftion gegeben werben, 
und es iſt nicht genug, ihm blos Täufhung des Feindes ald 
Hauptzwed feiner Detafchirumg zu beftimmen, fondern man made 
ihn mit dem befondern Zwecke des Scheinangriffes, nämlich, was 
man eigentlid mit demfelben zu erreichen gedenkt, bekannt, damit 











357 





er alle feine Bewegungen darnadı einzuleiten und fich ſtets zweck⸗ 
mäßig zu beuehmen im Stande fei. 

Sind zur Ausführung ſolcher Unternehmungen VBorbereis Nöthige Vor⸗ 
tungen nöthig, wie dieſes 3. B. beim Angriffe von größeren Prreifungen. 
oder Heineren Gewäflern, befeftigten Dertern, Schanzen u. dgl. 
der Fall ift, fo gebe man fich den Schein, ald wolle man bie 
getroffenen Anftalten dem Gegner verbergen, und verfertige 
indeffen Faſchinen, Hurden, Schanzförbe, oder requirire Schiffe, 

Flöße, Mauerböde, Wägen, Leitern, Schaufeln, Krampen u, dgl., 
je nachdem ed die Art ded Angriffes erfordert. — Mit je mehr 
Thätigfeit und Ausdehnung man bdiefe Vorbereitungen trifft, 
defto leichter wird ed und gelingen, den Feind durch den darauf 
folgenden Sceinangriff zu täufhen und unfern Zwed dadurch 


zu erreichen. . 
In Hinſicht der Ausführung folder Unternehmungen laſſen Penehmen bei 


ſich feine befonderen Detaild angeben, da Sceinangriffe oft ſelbſi. 
unter ganz verfciedenen Umftänden . ftattfinden. Ihr Zweck 
kann nämlich zweifach fein: die Hauptlraft ded Gegnerd vom 
wahren Angriffspunfte auf einen falfhen abzuleiten, oder einen 
Theil der feindlihen Truppen in ihrer Aufftelung feltzuhalten, 
bi8 an einem andern Punkte die eigentliche Attaque gelungen 
iftz beides erfordert eine verfciedene Auflöüfung; — wir berufen 
uns in Diefer Rüdfiht auf jene Erklärungen, die hierüber in 
der fiebenten Abtheilung dieſes Feldunterrichtes beim Angriffe 
von Dörfern, Wäldern, Deftleed, Flüffen, Sümpfen u. dgl, ger 
geben wurden, und bemerfen hier bloß: 
1. Das ganze Unternehmen muß, wie wir bereitö erwaͤhn⸗ 
ten, mit Ernft und Feſtigkeit ausgeführt werden, denn fonft 
‘würde ber Feind fchnell gewahren, daß ed fich hier nicht um 
einen wirklihen Angriff, fondern um eine bloße Taͤuſchung hanbelt. 
2. Der Kommandant hat feine Anordnungen fo zu treffen, 
baß er von feiner Mannſchaft nur fo viel ins Feuer bringt, als 
zur bezweckenden Täufchung nothwendig ift. 
3. Verhältnißmäßige Neferven deden bad ganze Unterneh⸗ 
men, um fobald es nöthig ift, unter ihrem Schuße das Gefecht 
abbrechen und den Rüdzug antreten zu konnen. 
Auch trachte man während des Vorrückens durch eine außer Anzuwen⸗ 
Berhältniß ftarfe Avantgarde, fo wie durch eine größere Kolon⸗ ende Liſten. 
nentiefe und andere Mittel ben Feind zu täufcken, bamit er 


358 


unfere Stärfe überfchäße und das Unternehmen um defto mehr 
als Ernft betrachte. Zur Erreichung diefes Zweckes bedient man 
fih übrigens noch verfchiedener Liſten; — man verbreitet falfce 
Nachrichten, fpielt dem Gegner Befehle in die Hände, die auf 
unfere Abficht Bezug haben, und benuͤtzt überhaupt jeden guͤn⸗ 
fligen Umftand, um die Tauſchung des Gegners deſto ſicherer 
| zu erreichen. 

Zat zur Bes Sceinangriffe follen erft dann abgebroden werden, wenn 
gung de ° fie ihre Beſtimmung erfült haben. — Ein verftändiger Dffizier 
griffe. wird ſich ſelbſt gegen einen ſtaͤrkern Gegner in fo lange zu bes 
haupten wiflen, bid der Zweck der Täufchung erreicht und bie 
eigentliche Attaque an einem andern Orte gelungen iſt. — 
Handelt es fih, die feindlihe Hauptmacht gegen einen gewiffen 
Punkt zu loden, fo muß dieſer mit defto größerer Lebhaftigkeit 
und nöthigen Fald auch wiederholt angegriffen werden; — wo 
es aber blos darum zu thun ift, eine Truppe bed Gegners in 
ihrer Aufftelung zu fefleln, damit fie einem andern Punkte nict 
zu Hilfe eilen fünne, dort trachte man durch Avantgarbegefechte, 
Kanonaden u. dgl. Zeit zu’ gewinnen, bemächtige fich einzelner 
Punkte und fuche auf diefe Art den Feind fo lange zu beicäftis 
| gen, bis die der Täuſchung zu Grunde liegende Abficht erreicht iſt. 
Benehmen Es ereignet fi, manchmal, daß Truppen, bie blos einen 
be Velinger Scheinangriff auszuführen beftimmt waren, in ihrem Unterneh. 
menenSchein⸗ men, begünftigt vom Augenblice, reufliren, und fich der Punkte, 
angriffes. die fie blos bedrohen follten, wirklich bemaͤchtigen. In derlei 
Fällen muß der Kommandant die daraus zu ziehenden Vortheile 
ſchnell überdenfen, und von den Umftänden geleitet, den falfchen 
Angriff in einen wahren verwandeln. Solche Augenblicke geben 
dem Offiziere oft eine fehr günftige Gelegenheit, fich auszuzeic, 
nen und ein Unternehmen felbit zu entfcheiden, zu welchem er 

blos fefondär beizutragen beſtimmt war. 
Verſchieden- “‘ Nach ber bereits gegebenen Erklärung beſtehen Demonſtra—⸗ 
ben d e tionen in ſolchen Arfftalten, durch die man dem Feinde ſchon ans 
tionen. Der Ferne ein Unternehmen anbeutet, welches man nicht auszu⸗ 
führen im Sinne hat. Diefe Anftalten find übrigens fo man 
nigfaltig, als die Abfihten, warum man bemonftrirt, und nad 
der VBerfchiedenheit der Umftände kann man bie beabfichtigte 
Tauſchung des Gegnerd fowohl durch Truppenbewegungen, als 
durch Beränderung der Stellungen, vorgenommene Rekognos⸗ 








358 


eirungen, Anlegung von Magazinen, Erbauung von Schanzgen u. dgl. 
erreichen. | 

Im Allgemeinen unterfcheidet man ftrategifche und taktiſche 
Demonſtrationen. Die erſten ſind im Großen beſtimmt, den Feind 
durch die Hindeutung auf den Gang der künftigen Operationen 
gleich beim Anfange eines Feldzuges, oder öfters auch im Laufe 
des Krieges uͤber unſere Plane irre zu fuͤhren; — letztere dagegen 
ſtehen in unmittelbarer Verbindung mit einem auszuführenden, 
taktifchen Unternehmen, deſſen Gelingen fie durd die zu bes 
zweckende Täufchung deö Gegners erleichtern jollen, dahin gehören 
; B. Demonftrationen beim Angriffe einer: großen Flußſtrecke, 
einer ausgedehnten Gebirgsfette, jo wie jene, die entweder vor 
oder während eined Gefechtes flattfinden, um den Feind über 
den wahren Angriffspunkt zu täufchen. 

. Stetd müſſen Demonftrationen gegen ein beitimmted Objekt 
gerichtet fein, deflen Behauptung oder Angriff fie nad ber 
Berfchiedenheit der obmwaltenden Umſtaͤnde und zur Erreichung 
einer entfernteren Abficht andeuten; um jedoch ihren eigentlichen 
Zweck — Täufkung ded Feindes — defto ficherer zu erreichen, 
iſt es abermald nothwendig, daß die hiezu verwendeten Mittel, 
fie mögen nun in NRüftungen oder wirflidhen Truppenbewegungen 
und Operationen befiehen, mit Ernft und Nachdruck ausgeführt 
werden. Durch fchwanfende oder Fraftlofe Maßregeln macht man 


Gintheilung 
in ſtrategiſce 
und taktiſche. 


Beobachtun⸗ 

gen bei Aus⸗ 

fühtung der⸗ 
ſelben. 


den Feind auf die untergeordnete Abſicht folcher Unternehmungen - 


aufmerffam,: und vereitelt Dadurch ihren Zwed. Bevor man baher 
eine Demonitration beginnt, bebenfe man: 

1. Ob fie wirklich fähig ift, den Gegner irre. zu leiten 
und zn falfhen Maßregeln zu bewegen. 

2. Welche Vortheile und durch welche Mittel fie felbe am 
fiherften und fchnellften gewährt, um beim @intritte ded erwars 
teten günftigen Augenblideduahne Zeitverluft unfer eigenttihe 
Vorhaben auszuführen, j 

Am leichteften find - Demonftrationen zu macen, wenn 
günftige LUmftände oder Wiberlegenheit an Sräften zu einer 
Dffenfive berechtigen, und am gefährlichften für den Gegner, 
wenn er in der Defenfive gezwungen iſt, feine Bewegungen nad 
den unfrigen zu richten. — Auch ift bei allen Demonftrationen, 
die eine Art höherer Kriegsliften find, Charafterfenntniß des 
feindlichen Befehlshabere von der größten Wichtigkeit. 





360° ° 


—— — 





Unterſchied Uibrigens berufen wir uns auf die bei den Scheinangriffen 
ne von gegebenen Details, die für die Demonftrationen ebenfalld anwend⸗ 
Demonftras bar find. — Wo man jedod durch dieſe letztere den beabfid: 
nano tigten Zweck erreichen kann, dort follen erftere nie unternommen 
griffen. und dadurch jeder unnöthige Verlut an Mannfchaft vermieden 
werden. Es gibt aber dagegen wieder Fälle, wo man während 
einer Demonftration Scheinattaquen ausführt, um der eritern 
dadurch mehr Kraft und Nachdruck zu geben, und ben Gegner 

defto fiherer zu täufchen. 
Vorſichten Am Schluße dieſer Abtheilung wollen wir die vorzüglich⸗ 


—A ſten Mittel angegeben, um ſich 


riffe und 1. in der Defenſive, 
—8 “ 2. in der Dffenfive gegen Sceinangriffe und Demonftras 


tionen zu fichern, und fich durch diefelben zu feinen falfchen, und 
für die verborgene Abſicht des Gegners vortheilhaften Map 
regeln verleiten zu laſſen. 


In der Um durch feindliche Demonftrationen nicht irre geführt zu 

Defenfive. werden, muß ein Kommandant wohl berechnen, welche von allen 
Operationen, die der Feind unternehmen kann, die zweckmaͤßigſte, 
mithin die für uns gefährlichfte fe. — Gegen diefe allein hat 
er fich zu fichern und feine Bewegungen einzuleiten. Entweder 
geht der Feind nach richtigen Grundfägen vor, oder er entfernt 
fih von felben. — Im erften Falle find wir dann vorbereitet, 
im’ zweiten aber handelt es fich hauptfächlich zu unterfuchen, od 
der Gegner dabei bloß eine Demonftration zum Zwecke hat, 
oder einen wirklichen Fehler beging, welchen letztern jeder kluge 
Kommandant benügen müßte, bevor der Feind im Stande iſt, 
felben wieder gut zu machen. 


Vermeidung Uibereilung ift daher in ſolchen Gelegenheiten vom höchſten 
uißreeilung. Nacıtheile, da es hier beſonders darauf anfommt, feine Kräfte 
vereint zu behalten, den Blick ſtets gegen dad wahre Angriff 
objeft gerichtet zu haben, alle andern Ereigniffe aber ruhig zu 

beobadıten und ihren Erfolg abzumarten. 


Bei dem Ans Erfährt man, baß entferntere Punkte angegriffen oder de 
nee droht werden, fo faffe man keinen Entfchluß, bis man nicht ſichere 
und detaillirte Nachrichten über die Stärke und Abſicht bed 
Gegnerd erhalten hat, wenn auch damit ein Zeitverluft verbunden 


fein follte, da diefer immer minder ſchaͤdlich und leichter zu 








361 





verbeffern ift, ald die Vernacläffigung des wahren Angriffepunftes 
oder die Berlaffung einer ‚enticheidenden Stellung. 


Beftätiget ed fich, daß ber Feind mit feinen Hauptftreits 
fräften ein fehlerhaftes Unternehmen auszuführen gedenkt, fo muß 
ein kluger Kommandant augenblidlicd, beurtheilen, ob der Gegner 
durch feine Bewegung vielleicht feine Flanken oder gar feine 
Rüdzugslinie preidgegeben habe. In einem ſolchen Falle ergreife 
man, wenn man der Madt des Feindes noch gewachſen ift, 
unvermeilt die Dffenfive, um durch ein entichloflened Vorrücken 
den Gegner zu einem eiligen Rückzuge zu nöthigen. 

Sollte man jedoch die Uiberzeugung erhalten, daß der 
Feind Feine ernftliche Operation bezwecke, fondern blos die Abs 
fiht habe, und durch eine Demonftration aus der innegehabten 
Stellung zu manövriren, oder unfere Streitkräfte vom wahren 
Angriffspunfte abzuleiten, fo bleibe man dagegen ruhig in der 
urfprünglichen Stellung, indem der Gegner dann von der Des 
monftration ablaflen, oder fih und nähern muß, daß fich fein 
Unternehmen in einen wirklichen Angriff verwandelt, und es in 
unfere Wahl geſtellt ift, feine getrennten Kräfte theilmeife zu 
fchlagen. 

Gegen Scheinattaquen, deren fich der Feind zur Erleichtes 
rung der Forcirung eines Dorfed, Waldes oder Fleineren Pofis 
tion bedient, fo wie gegen Demonftrationen, die während bed 
Gefechte ausgeführt werden, dedt man fih am ficherften durch 
verhältnißmäßig ftarfe Neferven, die erft dann zu verwenden 
find, wenn man mit Sicherheit den wahren Angriffspunft und 
die Abſicht ded Gegners erkannt hat. 

Dft geichieht ed, daß der Feind, während wir offenfiv 
gegen ihn vorgehen, Demonftrationen beginnt, um Zeit zu ger 
winnen oder unfere Abficht zu ſtören. — Wurde ber Angriffds 
punkt mit Sachkenntniß gewählt, dann darf man ſich durch nichts 
irre: leiten laſſen, ſondern vielmehr raſch gegen benfelben vors 
rüden, und ihn mit vereinter Kraft zu überwältigen trachten. — 
IR unfere Attaque gelungen, und bie feindliche Hauptmacht ges 
worfen, dann find wir bed Gieged gewiß, wenn ed aud der 
Gegner dahin gebracht hätte, durch feine Demonftrationen ober 
Scheinangriffe einzelne Vortheile zu erringen, die er in einem 
ſolchen Falle ohnedem nicht lange zu behaupten vermag. 


Bei einem 
wirklichen 

Fehler des 
Beindes. 


Bei einer 
bloßen Des 
monftration. 


Bei Schein | 


attaquen. 


In der 
Dffenfive. 








Pauptarund. Rur dadurch alfo, daß man in der Defenfive das vorzuͤg⸗ 
al Denon. ihfte Augenmerk auf die Behauptung des entfcheidendften Punktes 

ftrationen verwendet, und in der Offenſive in. Ausführung der Hauptunter⸗ 
und Schein nehmung fortfährt, wird es möglich, ſich gegen Scheinangrife 


angriffe. ' 
und Demonftrationen zu fichern. 


DO Due — 


Zehnte Abtheilung. 
Hiuterbalte uud Niberfälle. 


$.1. 
Bon den Sinterbalten. 


Begriff eines Hinterhalt nennt man eine verfiedte Truppenaufftellung in 

Hinterhaltes. der Nähe eined Ortes, ben der Feind gewiffen Vorausſetzungen 
zu Kolge paſſiren muß, um, fobald berfelbe erfcheint, hervor 
brechen und ihn unvorbereitet anzugreifen. Solche Unterneh 
mungen find daher auf Uiberraſchung eines im Marfche begriffenen 
Gegners gegründet, und müflen, um ihren Zweck zu erreichen, 
mit Vorſicht und Schlauheit ausgeführt werben. 

PR Na Unerwartete Angriffe fhwäcen den Muth und bie morw . 

nepmungen, üſche Kraft einer Truppe, felbit jener, die im offenen Kampft 
mit Kaltblütigleit und feſtem Vertrauen dem Feinde entgegen 
rücken würde; ebenfo fhägt man gewöhnlich den mit Lärm um 
von mehreren Seiten gleichzeitig hervorbrechenden Feind weil 
ftärker, und es bedarf fehr entichloffener und Faltbfütiger Of 
ziere, um bei berlei Fällen nicht die Befonuenheit zu verliere, 
und die Truppe beifammen zu behalten. Sinterhalte erlauben 
daher meiftens, ſich ſelbſt mit einen färfern Gegner zu meflen 
ihn zu fchlagen, theifweife zu zerſtreuen und gefangen zu nehmen, | 
oder fonft andere Coups de main mit Glück auszuführen. 

Begünftigen« Se durchfchnittener, zerriffener und gebirgigter das Terram 

des Terrain. jſt, deſto Leichter gelingen ſolche Unternehmungen, da ed dem 
Keind Außerft ſchwer wird, während bes Marſches alle vorhaw 


denen Schlupfwinkel, die und verbergen können, zu durchſuchen. 


_863 


Allein auch in einer offenen, ebenen Gegend Eönnen oft Gräben, 
Gebüſche, Heden, Zäune, fo wie das im Eommer auf den Fels 
bern hochftehende Getreide mit Bortheil zu einem Sinterhalte 
benügt werden. 


In Stalien, wo ſich meiſtens zwifchen den Wiefen und . 


Aeckern tiefe Abzugsgräben befinden, und die auf den Feldern 
ftehenden Bäume und Weinſtoͤcke die Ausficht ded anf der Straffe 
marfchirenden Feindes ungemein beſchraͤnken, wird man häufig 
im Stande fein, einen unvorfihtigen Gegner in einen Hinterhalt 
zu loden. 

Haͤuſer, Dörfer und andere gefchloflene Ortſchaften follen 
jedoch fo viel ald möglich, und wenn ed nicht befondere Umftände 
erfordern, zur Ausführung eines folchen Unternehmens nicht: ges 
wählt werden; übrigend muß jeder Verſteck mehrere Ausgänge 
haben, damit der vielleicht von unferer Abficht unterrichtete Feind 
nicht im Stande fei, und daſelbſt abzufchneiden und einzufcließen. 

Um jedoch den eigentlichen Zweck, nämlih: Wiberrafchung 
ded Gegners, zu erreichen, und alle hierauf Bezug nehmenden 
Maßregeln gzwedmäßig einleiten zu können, ift nöthig: 

1. Genaue Kenntniß der Beichaffenheit des Terrains, 

2. der Stärke, Waffengattung und Marfchorbnung des 
Feindes, 

3. der Zeit, in welcher feine zu überfallenden Truppen, 
Kouriere, Transporte u. dgl. an diefem beflimmten Punkte ans 
fommen, endlich, 

4. Beobachtung des firengften Geheimniſſes, weshalb auch 
alle nöthigen Vorkehrungen fo getroffen werben müflen, daß der 
Gegner auf Feine Weife Nachrichten von unferem Vorhaben erhalte. 

Was die Stärfe der zu einem Hinterhalte beftimmten Truppe 
betrifft, fo ergibe fich felbe durch die richtige Wergleichung ‚der 
Beichaffenheit des Xerraind mit der Stärke der anzugreifenden 
Truppe, und der Entfernung der nächſten feindlichen Poften und 
Unterftügungen. 

Obſchon man in folchen Fällen blos dur Uiberraſchung 
einen Vortheil gewinnen kann, fo darf demungeadtet, um eigge 
glühlihen Erfolges gewiß zu fein, die zu berlei Unternehmungen 
beſtimmte Truppe nicht in gar zu großem Mißverhältniffe mit 
der Stärke des Feindes fliehen, den man angreifen will. — 
Andererſeits ift ein Hinterhalt von fehr großer Stärke nur Außerft 


Daupterfors 
derniſſe. 


Staͤrke der 
hiezu beſtimm⸗ 
ten Truppe. 


364 


felten ausführbar, denn man findet nicht fo leicht verborgene 
Mläge, die für größere Truppenkoörper fihern Verſteck barbieten; 
auch laͤßt fich nicht vermuthen, daB ber Gegner während des 
Marſches alle Borfihtömaßregeln fo vernadläfligen wird, um 
felbft einen bedeutenden Hinterhalt nicht zu entdeden. 
Waffengat⸗ Die Wahl der Truppengattung wird durch die Beſchaffen⸗ 
tungen. heit bed Terrains beſtimmt, daher nimmt man zu ſolchen Unter 
nehmungen bald Infanterie, bald Kavallerie, doch bleibt es ftets 
vortheilhaft, auch hier beide Waffengattungen möglichit zu vers 
einen, um daburd den Nuten ihrer wechſelweiſen Unterſtützung 
zu erhalten. 
Auswahl der Um aber eined glüdlichen Erfolges defto ficherer zu fein, 
Mannſchaft. waͤhle man zu einem Unternehmen dieſer Art jene Mannſchaft, 
auf deren Treue man ſich ganz verlaſſen kann, und die mit per⸗ 
ſonlicher Tapferkeit bie erforderliche Kaltblütigkeit verbindet, um 
ſich auf dem Orte ihrer Beflimmung ruhig zu verhalten, jeden 
nur fcheinbaren Vortheil unbenütt zu laffen, und das Zeichen 
zum Angriffe gelafien und unverbroffen abzuwarten; — auch find, 
um fich nicht der Gefahr, entdeckt zu werben, auszufegen, feine 
mit Huften behaftete Leute, fo wie auch Feine wiehernden Pferde 
mitzunehmen. 
De gehen Der Kommandant der zu. einem Sinterhalte beftimmten 
danten vor Truppe hat fih über den Zwed feiner Sendung, fo wie über 
dem alle darauf Bezug nehmenden Umftände genau unterrichten zu 
Abmarſche. laſſen, feinen Auftrag Niemanden mitzutheilen, fih nad Moͤg⸗ 
lichfeit eine vorläufige Kenntniß bed Terraind, fo wie der zu 
feinem Beftimmungsorte führenden Wege zu verfchaffen, Fündige 
Boten zu wählen, und biefe während der ganzen Erpebdition ber 
befondern Auffiht eined verläßlichen Unteroffiziers anzuvertrauen. 
Zugleich beftimmt er feine Avant, Arrieregarde und Flanqueurs, 
fo wie die Zeichen, womit ihm biefe während des Marſches jede 
Annäherung bed Feindes oder fonft drohende Gefahr unverweilt 
anzuzeigen haben. 
Zeit zum Mas die Zeit bes Abmarfches betrifft, fo hängt diefe 
Abmarſche. 1. von der Entfernung des zum Hinterhalte beſtimmten 
Punktes. 
2. von der Beſchaffenheit der dahin führenden Wege und 
3. von der Zeit ab, in welcher der Gegner den erhaltenen 
Nachrichten zu Folge an eben dieſem Orte anlangt. 








365 


Stets fol man feinen Marſch fo einrichten, daß man 1, 
hoͤchſtens 1'"/, Stunde vor der Ankunft des Feinded an dem bes 
ftimmten Plate eintreffe; denn die unangenehme und zwangvolle 
Stellung, melde die Leute im Verſtecke mit den Waffen in der 
Hand zu nehmen genöthigt find, würde, wenn fie in diefer Lage 
viele Stunden auf den Gegner warten müßten, ihre Kräfte noch 
vor dem eigentlihen Angriffe erfihöpfen, oder zu Nachläfligfeiten 
Anlaß geben, die man auf alle mögliche Art vermeiden muß. 


Damit ein folched Unternehmen gelinge, foll ed, wie bereite 
gefagt wurde, bis zum Augenblicke der Uiberraſchung dem Feinde 
ein Geheimniß fein; es ift Daher nöthig, ihm den Marſch an den 
zum Verſtecke gewählten Punkt zu verbergen, weshalb man ſich 
dem legtern mittelft eined Ummegesd, und wo möglich auf wenig 
betretenen Feldwegen zu nähern trachtet, damit, wenn auch feinds 
lihe Kundfchafter dad Detafchement beobachten, fie dennoch feine 
Beftimmung nicht zu errathen vermögen. 


Liber die während des Marfched zu beobacıtenden Bors 
fihtsmaßregeln vermweifen wir theild auf die in der dritten Abs 


theilung hierüber enthaltenen Erklärungen, theild auf dad, maß. 


in diefer Beziehung bei den Patrouillen gefagt wurde. — Offi⸗ 
ziere und Unteroffiziere wachen auf die Erhaltung der Ordnung, 
Niemand darf fih aus Reihe und Glied begeben, und beſonders 
ded Nachts hat die größte Stile, Wachſamkeit und Aufmerk⸗ 
ſamkeit zu herrfchen. 


In der Nähe des zu erreichenden Punktes angelangt, bleibt 
das ganze Detafchenent an einem fchidlichen Plage fiehen, wäh⸗ 
rend Fleine Schleichpatrouillen das umliegende Terrain mit größter 
Sorgfalt durchfehen. Findet fich nichts Verdächtiged, fo befichtigt 
der Kommandant in größter Schnelligfeit die zur Anlegung des 
Hinterhaltes beftimmte Gegend, und wählt fich hiezu den geeige 
netſten Plag. Erſt in dieſem Augenblide wird der Mannfchaft 
der wahre Zweck ihres Marſches bekannt gegeben, ihr die Noth⸗ 
wendigfeit der größten Stile und Ruhe zum Gelingen ded Unter⸗ 
nehmens begreiflic; gemacht, das Signal zum allgemeinen uud 
gleichzeitigen Angriffe des Gegners, fo wie ein rüdmwärts liegens 
der Bereinigungspunft für den Fall des Miplingend beftimmt, 
und beſonders die Unteroffiziere über die näheren Berhaltungen 
im Detail unterrichtet. 


Einzufchlas 
gender Weg. — 


Beobachtung 
während des 
Marfces. 


Anlangen am 
Drte der 
Beftimmung, _ 


366 


un —— — 
——i ET 


Wadl des Der Ort des Verſteckes muß fo gewählt werden, daß der 
ae Feind, ohne ihn gu entdeden, fo nabe daran vorbei zu pafliren 
eines Hinter: gezwungen ift, um ihn ergreifen zu fönnen, bevor er unfere Ans 

haltet, näherung entdeden, zur Befinnung fommen und fich in Bertheir 

digungeftand fegen fann. — Im durchfchnittenen Terrain bieten 

Wälder, Geftrüppe, Hohlwege, Schluchten, Bertiefungen, Brüden 

u. dgl. vortheilhafte Punkte zu folhen Unternehmungen dar. 

Einzelne am Wege ftehende Häufer find jeboch zu einem Bers 

ſtecke nicht geeignet, da die Vorhut ded Gegners ed wohl ſchwerlich 
unterlaffen wird, fie zn durchſuchen. 

Vertheilung Was die Vertheilung der Truppen im Hinterhalte betrifft, 
Dee Aeuppen .fo Iaffen ſich hierüber keine allgemeinen Regeln angeben. — 

Nur eine richtige Würdigung der zu erreichenden Abficht, und 
eine zwecmäßige Benügung des Terraind können bier die näheren 
Detaild beftimmen. Man theilt die ganze Mannfchaft in zwei 
oder mehrere Abtheilungen, welche man, je nachdem es die Ums 
ftände erfordern, entweder nebeneinander auf einer, oder auf 
beiden Seiten ded Weges in Hinterhalt legt; im legten Falle 
ftellt man fie jedoch nie gerade gegenüber, da fie ſich fonft durch 
ihr eigened Feuer beichädigen würden. Von je mehr Seiten 
man einen forglofen Feind anfällt, deſto größer wird feine Be 
ftürzung, deſto wahrfcheinlicher feine Niederlage; dagegen haben 
Verſtecke in mehreren Abtheilungen den Nachtheil: 
1. Die Kräfte mehr zu vereingeln, 
2. leichter entdecft zu werden, und 
3. im Falle ded Miplingend fich fchwerer fammeln zu Fünnen. 
Iſt der Feind und an Stärfe nicht fehr überlegen, fo fann 
man die Vorkehrungen fo treffen, daß wir ihn ganz aufheben. 
Zu diefem Zwede wird eine eigene Abtheilung dazu beftimmt, 
dem Gegner die Rüdzugslinie abzufchneiden; it diefer aber und 
zu ſehr überlegen, dann wäre ed oft gefährlich, ihm alle Rettungs⸗ 
Wege zu verfperren, und dadurd zu einer verzweifelten Gegen 
wehr zu reizen. Kann oder will man jeboch ben Feind nicht 
gleichzeitig von mehreren Punkten angreifen, fo muß man den 
Hinterhalt ftetd auf der gegen unfere Rückzugslinie befindlichen 
Seite des Weges anlegen, um im Kalle des Mißlingend nicht 
abgefchnitten und gefangen zu werden. 

Beindliche Hat der Gegner eine Avantgarde vor fick, welde bad 

Avantgarden. ao rrain auf beiden Seiten ded Weges forgfam” durchſucht, ſo 








367 
bleibe man in größerer Entfernung von bemfelbem im Verſtecke 
liegen, und fchleiche fih erft, wenn bie ganze Vorhut vorüber ift, 
wieder näher an die Straſſe. 


Um jedoch ſchon aus der Ferne bie Annäherung des Avifopoflen. 
Feindes zu gewahren, und die Art feiner Marfchordnung zu beob⸗ 
achten, werden Aoifopoften auf Thuͤrmen, hohen ſtark belaubten 
Bäumen, hinter der Kuppe eines Hügeld und auf anderen, eine 
weite Ausſicht gewährenden Punkten dergeſtalt aufgeftellt, daß 
fie vom Feinde nicht entdect, felbft aber dad ganze vorwärs 
tige Terrain zu überfehen im Stande find. Zu folchen Avifos 
poften muͤſſen geſchickte und verläßliche Leute oder Unteroffiziere 
gewählt, und ihnen die Signale bekannt gegeben werben, womit 
fie die Ankunft des Feindes oder andere Beobachtungen anzu⸗ 
zeigen haben; auch dürfen fie ihre Gewehre nicht laden, um 
fih nicht der Gefahr auözufegen, durch einen zufälligen Schuß 
den Gegner aufmerffam und den Hinterhalt dadurch unnütz zu 
machen. 


Oft iſt man durch die Beſchaffenheit des Terrains gends Bwifcenves 
thigt, dieſe Wachen auf eine größere Entfernung vorzupoſtiren, detten. 
wo dann zur Abnahme der Signale Zwiſchenpoſten, ebenfalls ſo 
viel als möglich verſteckt, aufgeſtellt werden müſſen; übrigens iſt 
bei der Haupttruppe ſelbſt abwechſelnd ein Mann zu beſtimmen, 
welcher den Aviſopoſten fortwaͤhrend im Auge zu behalten, und 
auf die verſchiedenen Signale unermüdet Acht zu geben hat. 


Wenn ein Hinterhalt in größerer Entfernung von unſeren Reſerve. 
übrigen Truppen angelegt werden ſoll, und keine eigene Abthei⸗ 
lung zur Unterſtützung und Deckung ſolcher Unternehmungen be⸗ 
ſtimmt wird, ſo muß der Kommandant ſelbſt einen Theil ſeiner 
Mannſchaft an einem rückwaͤrts liegenden, vortheilhaften Punkte 
als Reſerve aufſtellen, die dazu beſtimmt iſt, die übrige Truppe, 
falls der Angriff abgeſchlagen würde, aufzunehmen und ihren 
Rückzug zu ſichern. 

Wir haben bereits erwähnt, daß bie größte Stile und Stille und 
Aufmerkfamkeit bis zum Signale des Angriffe beobachtet werden “ion. 
muß, Die Leute bleiben in ihrem Verſtecke ruhig liegen, behals 
ten dad Gewehr in der Hand, und müflen ftetö bereit fein, ſich 
augenblicklich zu formiren, Unter Feinerlei Vorwand darf fi 
Jemand entfernen, aufs und abgehen, fprechen. oder fonft ein 


368 





Geräufch verurfachen, ba oft durd bie größte Kleinigkeit ein 
noch fo gut angelegter Hinterhalt entdeckt werden kann. 
Benehmen Sollten vorübergehende Perfonen den Verſteck gewahr 
—E werden, oder kommen Landleute, Reiſende u. dgl. in deſſen Naͤhe, 
fo muß man ſich derſelben augenblicklich bemaͤchtigen, und fie nad 
Umftänden entweder bei fich behalten, ober durch einen vertraw 
ten Mann einige hundert Schritte zurüdführen und fo lange 
bewachen -Taflen, bis das ganze Unternehmen vollendet ift. 
Sollte es jedoch nicht möglich werben, einen foldhen Men 
—æ* ſchen aufzufangen, oder glaubt man aus anderen Urſachen, daß 
verrathen der Hinterhalt dem Feinde verrathen fei, fo muß man das ganze 
wird. Vorhaben aufgeben und fchleunigit den Rückzug antreten, da der 
Gegner fiker alled aufbieten wird, um uns entweder felbft ju 
überfallen, oder den Rüdzug abzufchneiden. Erlaubt es jedoch 
das Terrain, ſich an einem andern, hiezu ebenfalld geeigneten 
Drte in Verſteck zu legen, fo kann man diefen Umſtand oft mit 
vielem Bortheile benüben, da der Feind nur auf dem ihm ver 
rathenen Punkte Gefahr ahndet, feine ganze Aufmerkfamfeit auf 
denfelben richtet und Daher leicht aus einem neuen Sinterhalte 
überrafcht werden kann. 
Beim Angriff. In Rückſicht des Angriffes bemerfen wir: 

1. Alle Abtheilungen haben in ihrem SHinterhalte, ſelbſt 
wenn fie den Feind entdeden, jo lange ruhig zu bleiben, bie der 
Kommandant den allgemeinen Angriff fignalifirt. 

2. In diefem Augenblide geben alle Truppen eine De 
fharge, ftürzen dann mit größtem Ungeftüm aus ihrem Hinter⸗ 
halte hervor und dringen von allen Seiten mit dem Bajonete 
auf den überrafchten Gegner ein. Hier kommt es hanptfählid 
darauf an, ihn durch die Seftigfeit des erften Anfalles in Un 
ordnung zu bringen und theifweife zu fchlagen, bevor er fid 
fammeln und und feine Uibermadt fühlen Iaffen kann. 

3. ZR Kavallerie vorhanden, fo ſtürzt diefe ebenfalls auf 
den Feind Los, fucht ihm den Rückzug abzufcmeiden und den 
Angriff nad, Möglichkeit zu unterfüßen. 

4, Die beiten Schügen richten ihr Feuer gleich bei ber 
erften Deſcharge auf den gewöhnlich an der Spike ber Kolonne 
marfcirenden Kommandanten, fo wie auf die übrigen allenfals 
vorhandenen Offiziere, wodurch defto mehr Unordnung entſteht, 
und der Gegner defto leichter überwältigt werben kann. | 








369 





5. Beforgt man in der Nähe eine ftarfe, feindliche Unters 
tügung, fo ift ed am beflen, gar nicht zu feuern, fondern fich 
im Angriffe blos der blanfen Waffe zu bedienen, welches auch 
bei einzelnen aufzubebenden Perfonen oder bei fehr ſchwachen 
feindlichen Abtheilungen beobachtet werden muß. . 

6. Der Angriff fol ſtets erft dann Statt finden, wenn ber 
Gegner fich in der Mitte unfered Verſteckes befindet, welches 
vorzüglich bei einzelnen Patrouillen und Fleinen feindlichen Trup⸗ 
penförpern zu gefchehen hat, um fie von allen Seiten zu umrins 
gen und dadurch defto ficherer gefangen zu machen. , 

Iſt ed dem Detafchement gelungen, den Zweck ded gelegten Riding nad) 
Hinterhaltes zu erreichen, fo hat es feine Beftimmung erfüllt und Unternehmen. 
tritt, nachdem es ſich der gefangenen Feinbe gehörig verficherte, 
in größter Eile und mit Beobadtung aller nöthigen Vorſicht 
feinen Rüdzug an, da die Vernachläſſigung irgend einer Sicher, 
heitsmaßregel, oder eine unnöthige Verfpätung dem Gegner oft 
Gelegenheit gibt, der Truppe nachzueilen, fie mit Uibermacht 
anzugreifen, ihr alle errungenen Vortheile zu entwinden und die 
Gefangenen zu befreien. 

Bei Unternehmungen dieſer Art müſſen die Kommandanten Nach abge⸗ 
übrigens ſtets auf ihren Rückzug bedacht fein, im Falle der An» ſhlagehen 
‚griff durch begangene Fehler oder unvorhergefehene Umftände 
mißlingen follte. Es wird demnach, wie bereitd erwähnt wurde, 

(eich bei Anlegung eined Hinterhalted ein rüdmärts liegender 
Verfammlungsort beftimmt, jeder einzelnen Abtheilung die nöthige 
Unterweifung gegeben und die Mannfchaft, um jeder gefahrvollen 
Unordnung vorzubeugen, auf alle möglichen Ereigniffe vorbereitet. 

Erfjcheint der erwartete Gegner nicht, fo werden Die vers Nenn der 
fhiedenen Abtheilungen in Stille raillirt, und treten hierauf heim. Feind nict 
lich den Rüdzug an, um dem Feinde die gehabte Abſicht zu vers erſcheint. 
bergen, ‚und durch ihre Entdeckung denſelben für die Zukunft 
nicht mißtrauifcher und daher in feiner Marfchorbnung vorfichtiger 


zu madıen. 

Die Fälle, wo Hinterhalte gelegt werden können, find zu Beifpiele, wo 
verfchieden, als daß ed möglich wäre, aller zu ermähnen. Wir gelegt werben 
begnügen uns demnach, hier nur einige derfelben anzuführen, um  Eönnen. 
zu_bemweifen, wie häufig folche Linternehmungen im Laufe bes 
Krieges Statt finden, und wie nöfhig es gegenfeitig iſt, bei allen 

24 


370 





Maͤrſchen bie größte Sorgfalt anzuwenden, um nicht felbit in 
einen feindlichen Verſteck zu gerathen: 

1. Kleine, feindliben Patrouillen gelegte Hinterhafte haben 
gewöhnlich den beften Erfolg, da man zu einem ſolchen Borha 
ben nur wenige Mannſchaft benöthiget, daher leichter einen 
fihern Verſteck findet, und es der feindlichen Patronille, ihre 
Schwäche wegen, befonderd im foupirten Terrain ungemein ſchwer 
it, alle vorhandenen Schlupfwinfel zu durchſuchen. 

2. Beunruhiget der Feind häufig unfere Vorpoſten, fo legt 
man ihm entweder vor oder hinter der Kette einen Hinterhalt 
an. Im legten Falle weichen die angegriffenen Feldwachen ſchein⸗ 
bar zurücd, und tradıten auf diefe Art den Gegner in die Schlinge 
zu loden. Wurde diefer einigemal durch ſolche unermartete Ans 
griffe gewigigt, dann läßt er gewöhnlich unfere Kette mehr in 
Ruhe, oder unternimmt feine Angriffe mit mehr Vorbereitungen, 
wodurch fie fichtbarer und daher unfchädlicher werden. 

3. Hat man fihere Nachrichten, daß der Feind einen Pr 
ften befegen wird, und erfährt man, daß er, feinen Angriff ver 
muthend, die nöthigen Berfihtömaßregeln vernachläfligt, fo legt 
man fich in der Nähe des bezeicneten Ortes in Verſteck, um 


ben Gegner gleih nach feinem Anlangen zu überfallen und auf 


zuheben. 

4. Bei Rüdzügen kann man oft einen lebhaft verfolgen 
den Feind durch gelegte Hinterhalte abſchrecken und dadurd Zeit 
gewinnen. Diefe Verſtecke werben durch eine Abtheilung der 
Haupttruppe gebildet, und der Kommandant der Arrieregarde 
hievon benadirichtigt. Sobald fih nun diefe letztere dem bezeid‘ 
neten Punkte nähert, beginnt fie ein kurzes Gefecht mit ber 
feindlichen Vorhut, und fucht dann durch eine verftellte Flucht 
den Gegner zu einer higigen Verfolgung zu reizen und in die 
Falle zu Ioden. 

5. Oft werden Hinterhalte gelegt, um feindliche Kouriert, 


reifende Offiziere und Generale aufzuheben oder ſich der Tran 


porte, Munitiondzufuhren, Kriegskaſſen u. dgl. zu bemäkhtigen. 


In folchen Gelegenheiten wird ein Theil der Mannfchaft beftimmt, | 


die Bededung niederzuhauen oder in die Flucht zu fchlagen, 
während der andere Theil fich unvermweilt der benannten Perle 
nen oder Begenftände bemeiftert. Bei aufgefangenen Kourieren 
gebe man befonders darauf Acht, daß diefelben feine Zeit gewinnen, 


371 


ihre Papiere zu vernichten, und verfäume fein Mittel, um 
fih aller ihrer Schriften, wovon fie meiftend Die wictigfen zu 
verbergen trachten, alſogleich zu bemächtigen. 

6. Umſtaͤnde und die Kenntniß des Feindes ſetzen uns 
übrigens oft in Stand, einen unerfahrenen und hitzigen Gegner 
durch verſchiedene Kriegsliſten in eine ihm gelegte Schlinge zu 
locken. — Angriffe und gleich darauf verſtellte Ruͤckzüge, falſche 
Nachrichten und VBorfpielungen von irgend einem ausführbaren 
Unternehmen, welche man dem Gegner auf eine gefbicte Art 
binterbringen läßt u. dgl. mehr, koͤnnen häufig dazu dienen, ihn 
zu einer Bewegung zu verleiten, die und zu einem liberfalle. 
Gelegenheit gibt.. 


6. 2. 
Bon Wiberfällen. 

Unter Uiberfall verfteht man den plöglichen und unvermus Begriff der- 
theten Angriff eines lagernden ober bequartirten Feindes, oder ſelben. 
eined von ihm befetten Poftens, ehe er Zeit hat, "fih in gehö⸗ 
rigen Bertheidigungsftand. zu feßen. — Liberfälle find daher 
ebenfo, wie Hinterhalte auf Wiberrafhung berechnet, und der 
Unterfchied liegt bloß darin, daß man bei legteren im Berftede 
ruhig die Ankunft eined marfchirenden Gegners erwartet, bet 
Uiberfällen aber gegentheilig ſelbſt gegen die Aufftelung desſel⸗ 
ben vorrückt. 

Wir haben bereits bei den Hinterhalten erwaͤhnt, daß bie Vortheile fols 
moralifche Uiberlegenheit es uns bei ihnen möglich macht, fidh —S 
ſelbſt gegen einen weit ſtärkeren Feind zu wagen. Bei einem 
Uiberfalle ſind dieſe Vortheile im Allgemeinen nur noch groͤßer, 
beſonders wenn es uns gelingt den Feind in einem Augenblicke 
anzufallen, wo er ſich in ſeinem Lager oder Quartiere der Ruhe 
uͤberläßt, die Waffen abgelegt hat und keinen Angriff vermurhet. 

In der Ausführung kommt ed daher hauptfächlich auf die Benüs 

gung eines ſolchen günftigen Umftandes an, diefer mag nim in 

der fehlerhaften Yufftelung des Feindes, in ver fihläfrigen 

Ausübung feines Sicherheitöbienfted oder in der Vernachläfligung 

irgend einer andern Borfihtömaßregel beſtehen. — Sole Gele 

genheiten fol man daher nie vorübergehen laſſen, um uns in 
24* 


Zeit zu ihrer 
Ausführung. 


372 








den Bei eined Punktes zu fegen, deflen Forcirung fonft viel 
leicht mit vielem Berlufte verbunden wäre, oder durch Gefan⸗ 
gennehmung des Feinded, Aufhebung feiner Magazine u. dgl. 
einen Bortheil zu erhalten. In ber fiebenten Abrheilung dieſes 
Felbunterrichted haben wir bereit ermähnt, welchen Nuten 
Uiberfälle, wenn fie anders möglich find, beim Augriffe der De 
ſilees, Flüffe, Brüden, Gebirgspäfle, Schanzen u. dgl. gemähren, 
und befchränfen und daher bier blos anf die Detailvorfhriften 
ihrer Ausführung. 

Die beite Zeit zu folhen Unternehmungen ift die Nadıt, 
ba man unter ihrem Schleier ſich bie zu dem feindlichen Poſten 
unbemerkt vorzufchleihen, der Gegner aber im Augenblide der 
Attaque unfere Stärke und Bewegungen nicht zu beurtheilen 
vermag, die Gefahr demnach oft für weit größer hält und deſto 
leichter überwältigt wird; der Marfch ift daher fo einzurichten, 
daß man kurz nad Mitternacht bei den feindlichen Poſten aw 
fomme. Demungeactet unternimmt man Wiberfälle aud dei 
Tages, und zwar beionderd 

1. bei ftürmifhem, vegneriihen Wetter, wo die feindlichen 
Borpoften einen Angriff weniger vermuthen; 

2. bei ſtarkem Nebel, der die Ausficht der Vedetten be 
fchränft und unfern Vormarſch dem Feinde verbirgt; 

3. zu Stunden, wo gewöhnlich ein Theil der Mannihaft 
abkocht, die Pferde gefüttert werden, oder wenn ſich alles ber 
Ruhe überläßt, und befouderd im Sommer die ausgeſtellten 
Wachen abgemattet durch die Hige, weniger thätig und auf 
merkſam find; 

4. mit Tagedanbruh, wo man die Frühpatrouißien deö 
Feindes ungeſtört zurückkehren läßt, und erft dann dem durch die 
Meldungen der erfteren forglod gemachten Gegner angreift; 

5. wenn die ‚Befchaffenheit des Terrains eine fehlerhafte 
Ausſtellung ber Borpoftenfette, oder die Bernachläfligung irgend 
einer andern Borfichtömaßregel von Seiten deö Feindes es und 
möglich macht, fich feinem Poften ſchnell und unentbedt ja 
nähern; 

6. wenn man den Gegner ſchon öfters allarmirt hat, ohne 
etwas Ernſtliches auszuführen, da er fih Dann Leicht werfeiten 
laſſen wird, jede Annäherung unferer Truppen für eine gemöhn 
liche Neckerei zu halten. 


> 373 





Mit je größeren Schwierigleiten übrigend der Angriff 
eined Poſtens verbunden if, um deſto ficherer hält ſich der 
Feind, defto weniger Borfiht und Wachſamkeit wirb er für 
nöthig erachten, und um befto leichter kann er oft überfallen 
werden. 

Damit foldie Unternehmungen gläden, muß man über bie ‚ung der-ogr- 
vorhabende Abficht bid zum letzten enticheidenden Augenblide das habenben 
größte Geheimniß beobachten, alle nöthigen Vorbereitungen im Abſicht. 
Stillen treffen, durch keinen Umſtand die Aufmerkſamkeit des 
Gegners wecken, und ſich detaillirte Nachrichten uͤber alles das⸗ 
jenige verſchaffen, was auf die Entwerfung einer richtigen Dis⸗ 
poſition und auf das Gelingen des Uiberfalles einen Einfluß 
hat, und zwar: 

1. Uiber die Lage und Beſchaffenheit des feindlichen Po⸗ Lokallenntniß 
ſtens oder Lagers; angugreifen- 

2. melde Wege gegen bie Fronte, und welche gegen die den Punktes 
Flanken oder den Rüden desfelben führen; 

3. ob das umliegende Terrain offen oder durchſhmiten iſt, 
uns alſo vielleicht den Vortheil gewährt, ſich gedeckt und unbe⸗ 
merkt nähern zu können; 

4. wie ſtark die Beſatzung iſt, aus welchen Waffengats en 
tungen, und aus wie viel Snfanterie, Kavallerie und Artillerie yes Feindes. 
fie befteht; 

5. mie bie Vorpoſten ausgeftellt find, in welcher Entfers 
nung von einander, und an welchen Punkten die Vedetten und 
Feldwachen ftehen, ob man den Rüden ded Poſtens vernadıs 
läffigte, und wie überhaupt der Sicherheitsdienft betrieben wird; 

6. welche Wege die feindlichen Patrouillen einfchlagen , 
welche Stärke fie haben, und zu welcher Stunde fie gewöhnlich 
ausgehen und wieder zurücdfehren, um ihnen nach Mögtichkeit 
auszumeichen, und Durch fie im Vormarſche nicht entdedt zu 
werden; 

7. wo bie naͤchſten Poſten und Unterftügungen ftehen, und 
wie viel Zeit fie nach ihrer Entfernung benöthigen, um dem 
angegriffenen Punkte zu Hilfe zu eilen; 

8. wo in größeren Dertern und Plätzen dad Quartier ded 
feindlichen Befehlshaberd, die Hauptwache, die Magazine, Kas 
fernen, Eanımelpläge u. dgl. liegen 


— —— — 





Berücfichtis 
gung der 
moralifchen 
Eigenfchaften 
des Gegners. 


Dermeidung 


der Rekognos⸗ 
cirungen. 


Entwerfung 


der 
Dispoſition. 


374 





Auch die moraliihen Eigenſchaften und Die Kriegstang⸗ 
lichkeit fomohl des Kommandanten, als feiner Truppe find in 
folhen Gelegenheiten zu berüdfichtigen, da fie häufig die Urfade 
bilden, auf die man das Gelingen bed Uiberfalles gründet. 

Es ift felten thunlich und überhaupt nicht rathfam, eine 
eigene Rekognoscirung vorzunehmen, da man den Gegner dadurd 
auf die natürliche Vermuthung, daß man etwas gegen ihn vor 
habe, bringen und feine Aufmerffamfeit erweden würbe. — Man 
trachte demnach, die nöthigen Nachrichten durch Kundfchafter und 
Deferteurs zu erhalten, und einige Landeseinwohner zu geminnen, 
die Das Terrain mit allen Fußfteigen und Saummegen genau 
fennen, und fih zu Wegmeifern verwenden lafjen. 

Erft dann ift man im Stande, eine zwecdmäßige Did 
pofition zu entwerfen. Diefe enthält: 

1. Die Stärke und Waffengattung der Truppen, die zur 


| Ausführung des Uiberfalles beftimmt find; 


Zahl und 

Zufammens 
feßung der 
Truppen, 


2. Art und Stunde, wo fie fih in größter Stille zu ver⸗ 
fammeln und mit allem nöthigen Materiale, ald: Leitern, 
Krampen, Schaufeln u. dgl. zu verfehen haben; 

3. in wie viel Abtheilungen fie vorrüden, und wer jet 
berfelben befehligt; 

4. welche Wege fie einfchlagen, und um melde Stunde fl 
fich in Marfch fegen, um gleichzeitig an den Ort der Beſtimmung 
zu gelangen; 

5. welche Punkte fie anzugreifen, oder welche Detailaufgabt 
jede dieſer Abtheilungen zum vollfommenen Gelingen des ganzen 
Unternehmens auszuführen hat; 

6. welche Stunde oder welches Signal für den gleichzei⸗ 
tigen und allgemeinen Angriff des feindlichen Poſtens feftgeleg! 
wird, und 

7. wie ſich im Falle -eined Unglückes zu benehmen, um 
wo die Neferve zur Dedung des Rückzuges aufzuftellen if. 

Mas die Zahl und Zufammenfegung der zur Ausführung 
eines Uiberfalles beftimmten Truppen betrifft, fo laſſen ſich biele 
nur durch das Terrain, welches den anzugreifenden Poften um⸗ 
gibt, die Waffengattungen des Feindes, und die Art, wie er für 
feine Sicherheit durch Borpoften, Schanzen, Verhaue u. dgl. 9° 
forgt hat, beftimmen. Ein in der Ebene frei und nicht gebedt 
fichender Poften wird am fchneliften und ficherften mit leichter 








375 


Tr —— 





Kavallerie überfallen; bei Dörfern, Schlöffern, Schanzen, fo wie 
in Wäldern und Gebirgen verwendet man dagegen größtentheils 
Infanterie; ftetö bleibt ed jedoch vortheilhaft, wo das Terrain 
ed „erlaubt, beide Waffengattungen zu vermengen, und dadurch 
den Nugen ihrer wechfelweifen Unterftügung zu erhalten, Dieſes 
ift befondersd bei Uiberfällen größerer Art nothwendig, wo man 
oft auch den vorrüdenden Koldnnen einige Gefchüge oder Nafeten 
zutheilt, welche Ießtere, da fie mit großer Leichtigkeit und ohne 
Geräuſch fortgebracht werden Fünnen, fich hiezu vorzüglich eignen. 
Sind zur ‚Ausführung des Uiberfalled Hecken niederzureißen, 
Pallifaden und Verhaue zu öffnen, Gräben, Erdwerke oder Mauern 
zu überfteigen, fo müflen den verfchiedenen Abtheilungen die nöthige 
Zahl von Zimmerleuten und Arbeitern beigegeben werden, um 
die vorhandenen Hinderniffe fehnell aus dem Wege zu räunten 
und das Borrüden der Angrifföfolonnen zu befördern. 

Solhe Unternehmungen erfordern ein eigenes Talent: Eigenfchaften 
Schlauheit, Energie und Drientirungsgabe find wefentlice Er e Kommans 
forderniffe des Kommandanten, weßhalb hiezu blos taftvolle, 
friegserfahrene Offiziere zu verwenden find. 

Bei Liberfällen Fleinerer Art bleiben die zur Ausführung Vertheilung 
derſelben beſtimmten Abtheilungen gewöhnlich beiſammen, fuchen der Truppe. 
ſich unbemerkt dem feindlichen Poſten zu nähern und ſtürzen dann 
plötzlich auf ihn los. Bei Uiberfällen größerer Art aber theilt 
man die Truppe meiftend in zwei oder mehrere Angrifföfolonnen, 
und während eine derfelben gegen die Fronte des Feindes vors 
rückt, jchleihen fi die anderen in deſſen laufe oder Rüden, 
um ihn, wenn dad Signal zum Angriffe gegeben wird, von 
mehreren Seiten zugleich anzufallen, und den Sieg defto ficherer 
zu erringen. | 

Was die Stärfe der verfchiedenen Abtheilungen betrifft, fo Stärte der 
richtet fich diefe nach der Schwierigkeit der von jeder derfelben Abteilungen, 
befonderd auszuführenden Aufgabe der Wichtigkeit des anzus 
greifenden Punktes, und der Größe des zu vermuthenden Wider⸗ 
ſtandes; es bleibt aber. ſtets vortheilhaft, die Hauptmacht gegen 
die Flanfe oder den Rüden ded Poſtens zu bdetafchiren, Die 
Fronte aber, wo der Gegner gewöhnlich den flärfften Angriff 
vermuthet, nur durch Scheinattaguen zu befchäftigen. 

Um jedoch bei folchen Unternehmungen in mehreren Kolonnen, Yorfihten bei 


, , Rue Uiberfällen i 
beſonders des Nachts, jede Unordnung zu vermeiden, tft es nöthig: mehreren n 


Kolonnen. 





— — 


Beobachtun⸗ 
gen während 
des Marſches. 


376 





1. Rad der Beichaffenheit und Größe ihres Weges bie 
Stunde ded Aufbruches möglihft genau zu berechnen, und die 
Befehle fo einzurichten, daß fie gleichzeitig an dem Orte ihrer 
Beltimmung anlangen, weshalb hiezu eine Stunde oder ein 
Signal feitgefegt werden muß. Im erften Falle find die ihren 
der Kommandanten vor dem Abmarfche gleich zu ftellen, und fo 
jedem Mißverftändniffe vorzubeugen. 

2. Den Kommandanten der verfhiedenen Abtheilungen 
deutliche Uintermeifungen über ihr DBerhalten zu ertheilen, den 
Zufammenhang der ganzen Unternehmung zu erflären, die Ans 
griffspunfte genau zu beitimmen, fie auf alle eintretenden Schwie⸗ 
rigfeiten aufmerffam und mit ihrer Aufgabe in vollem Sinne 
vertraut zu machen. 

3. Den Kolonnen verläßliche, der Gegend vollkommen kun⸗ 
dige Boten beizugeben, bie fie auf den verfchiedenen Wegen an 
den Ort der Beftinmung mit Sicherheit zu leiten im Stande find. 

4. Nebft der Lofung noch ein eigenes Zeichen zu beftimmen, 
um befonders, wenn Lliberfälle in finfteren Nächten unternommen 
werben, fih im Augenblide des Angriffes wechſelweiſe zu erfennen 
und jede Unordnung zu verhüten. 

Uiberhaupt kann man in folhen Gelegehheiten nicht genug 
Borficht anwenden, denn dad Zufrühfommen oder die Berfpätung 
einer einzigen Kolonne hat ſchon oft wohl überdachte Unterneh, 
mungen biefer Art fiheitern und ed dem Feinde möglich gemacht, 
den Angreifenden mit Berluft zurücdzufchlagen. — Es ift daher 
ftetö vortheithaft, das zum Uiberfalle beftimmte Detaſchement fo 
lange beifammen zu behalten, bis man in die Nähe des feind- 
lichen Poſtens gelangt, und dann erft die verfchiedenen Abtheis 
Iungen gegen ihre Angriffspunfte zu detaſchiren. 

Der Marfh zum Uiberfalle ift mit größter Stille und 
Schnelligfeit auszuführen. Avantgarde und Flanqueurs marfciren 
näher ald gemwöhnlih an der Haupttruppe, und leßtere können 
auch öfters ganz eingezogen werden. An der Zpite der Bors 
truppe befindet fich nadı Umftänden ein Offizier oder Unteroffizier, 
welcher, der Leitung des Boten folgend, auf jedes Geräufch Acht 
zu geben, und alle Entdedungen ſchnell anzuzeigen hat. Feuers 
ſchlagen, Tabakrauchen u. dgl. find ftrengitend gu unterfagen, um 
nicht die nahenden Kolonnen dem Feinde gu verrathen, und 
das Unternehmen fcheitern zu machen. 








377 





Sieht man. feindliche Patrenilfen, fo iſt es am beſten, ſich Begegnung 
ſchnell zu verbergen, und fie ruhig vorüberziehen zu laſſen. Kehren glerroniuen. 
diefe eben gegen ihre Poſten zurüd, fo erhält man dadurch ben 
Vortheil, daß der Feind, durch die von ihnen erhaltenen beruhis. 
genden Nachrichten ficher gemacht, um defto feichter überfallen 
werden Tann. Hunt jedod die Patrouille und bereitd entdeckt, fo 
darf man feine Zeit verlieren, fie herzhaft anzufallen, zu vers 
folgen, und wo möglich den feindlichen Poften, wenn man fie 
nicht abfchneiden oder gefangen nehmen kann, mit ihr zugleich zu 
erreichen. 

Sollte man den Feind erſt nach Zurüdlegung mehrerer Bei Märchen 
Märfche zu überfallen im Stande fein, fo theilt man, damit die "Angerer 
feindlichen Kundſchafter unfere Abficht nicht errathen, dad Kom⸗ 
mando in mehrere Theile, welche ın verichiedenen Nichtungen 
marfchiren, fich aber einige Stunden vom Feinde an einem ihnen 
befannt gegebenen Sammelplatze wieder vereinigen. Uibrigens 
muß alles aufgeboten werden, den Gegner zu täufchen, und 
unfere Abficht zu verheimlichen. Man übergibt daher den Koms 
nıandanten der einzelnen Abtheilungen gewöhnlich verflegelte, 
ſchriftliche Befehle, welche erft auf dem Marfhe an einem bes 
ftimmten Punkte erbrochen werden bürfen, und die wkiteren Dis⸗ 
poſitionen enthalten. 

Was die Ausfuͤhrung des Uiberfalles betrifft, ſo richten ſich Ausfibrung 
bie Details desſelben nadı ber Lage und Befhaffenheit des ans iberfalles, 
zugreifenden Punktes. Im Allgemeinen bemerfen wir hierüber: 

1. Man tracte die feindlichen Wachen entweder nieder, Wiberrumpes 
zuftoßen, bevor fie ihre Poften allarmiren koͤnnen, oder wenigſtens Kuren 
gleichzeitig mit denfelben an letztere zu ftünzen, und dem- Gegner Wachen. 
daburd feine Zeit zu geben, fih zu ſammeln und in Bertheidis 
gungsftand zu ſetzen. 

2. Der Angriff muß gleichzeitig geichehen, weshalb ſich die Gleichzeitiger 
verfchiedenen Abtheilungen, wenn fie in die Nähe des zu übers Abrbeifungen. 
fallenden Poftend anlangen, bis zur feftgefettten Stunde, oder 
bis dad Signal gegeben wird, in einiger Entfernung verftedt 
zu halten, ımd dann erſt hervorzubrechen haben. _ 

3. Das Gelingen folher Unternehmungen hängt gemöhnlic Benehmen 
von der Benügung des erften Augenblided ab, mo der Feind, Augenblidet 
durch die Uiberraſchung entfräftet, deſto weniger fähig ifl, einen 
Widerftand zu leiften. Der Angriff hat demmach mit Entichloffenheit 








378 





und Ungeſtüm ausgeführt zu werben; man trahte bie Beſtür⸗ 
sung des Gegnerd durh das Wirbeln ber Trommeln, das 
Scmettern der Trompeten und das Feldgeichrei der Soldaten 
zu vergrößern, feinen Schreden zu vermehren und ihm unfere 
Kräfte viel ftärfer glauben zu machen. 
Vermeidung 4. Das Feuern ift fo viel ald möglich zu vermeiden und 
des Feuers. mit blanker Waffe gegen den Feind vorzudringen, weshalb man 
auch die Mannſchaft in den meilten Gelegenheiten gar nicht 
laden läßt. 
Aufftelung . 5. Zur Unterflügung ded ganzen linternehmend und zur 
ber Reſerve. Deckung des Nüdzuged wird an einem vortheilhaften Punfte 
des hiezu beflimmten Weges eine verhältnißmäßige Reſerve in 
angemefjener Entfernung von dem anzugreifenden Poften aufger 
ftellt, welcher man auch alle Gefangene, eroberte Kaflen, Kar 
honen, Fahnen u. dgl. entweder zur Bewachung oder zur unver 
weilten Weiteresfortirung übergibt. 
Vorſicht gegen 6. Stetd muß man, wie bereitd bei ber Entwerfung der 
Gone Une Dispofition erwähnt wurde, bei Ausführung eined Uiberfalles 
terftügungen. auf Die Entfernung der feindlichen Nebenpoften und Unterſtützun⸗ 
gen Rüdficht nehmen, und beurtheilen, ob ed denfelben möglid 
ift, eher heranzueilen, bevor wir unfer Vorhaben auszuführen im 
Stande find. Sollte died der Fall fein, dann wirb eine eigene 
Abtheilung dazu beftimmt, um mit Umgehung des angegriffenen 
Poftens jene Wege zu befegen, auf welchen die Unterftäßungen ' 
vorrüden müflen, um diefe wenigftens in fo lange zu beichäftigen, 
bi8 wir den Uiberfall vollendet haben. Vorzüglich eignen ſich 
zur Erreihung diefed Zweckes alle, an dem obbenannten Wege 
liegenden Deftleed, wo man durch eine vortheilhafte Aufitelung 
oft einen weit ftärfern Feind aufhalten kann. 
Beftimmung 7. Bei Angriffen in mehreren Abtheilungen muß dieſen, 
A Mai jobald der Uiberfall gelungen iſt, ein allgemeiner Verſammlungs⸗ 
iungsortes. ort gegeben werden; auch find, wenn man den eroberten Poften 
nicht behaupten will oder kann, alle durch das Gelingen der 
Unternehmung fi darbietenden Vortheile fchnell zu benügen. 
Nähere De Die näheren Detaild ergeben ſich aus nachfolgenden Arten 
rt einzelner Uiberfaͤlle, bei welchen jeder Offizier im Stande fein wird, 
zu beobachten, wie ſich die beſonders anzumendenden Maßregelu 
in verſchiedenen Fällen nach der Lokalität und Beichaffenheit des 
feindlichen Poſtens richten. 











379 


— ——— 


Sit ein einzelnes Piquet zu überfallen, fo bleibt dad De⸗ Uiberfall eines 
tafchement an einem verfiedten Orte auf 100 bie 120 Schritte er, 
ftehen, . einige entichloflene Leute fchleihen ſich indeflen an bie 
feindlichen Bedetten, fpringen dann fchnell auf fle los und drohen 
ihnen mit dem Tode, wenn fie fchießen oder Lärm machen würden. 
Iſt dieſes gelungen, fo läßt der Kommandant, der den voraud« 
geſchickten Leuten langfam gefolgt ift, und ihr Benehmen be« 
obachtet hat, fein Detafhement vorrüden, nähert fich in größter 
Stille Dem durd die. audgeftellten Vedetten fich ficher wähnenden 
Piquete, und ſtürzt dann mit dem Bajonete auf bie forglofen 
Feinde, um fie entweder gefangen zu nehmen, oder niederzuftoßen. 
Sollte jedoch die Vedette unfere vorangehenden Leute früher ben 
merfen, dann müflen fie fich als Deferteure ausgeben, nöthigen 
Falls zur Täufbung des Gegners das Gewehr ablegen, fich 
aber ſtets näher heranfchleihen und die Wachen auf diefe Art 
überfallen. Sind jedoch die Vedetten munter, vorfictig und 
geben fie Feuer, dann muß man entweder ftill und unbemerkt 
ſich wieder zurüdziehen, oder gleichzeitig mit denfelben an das 
Piquet zu kommen "traten. Hat der Feind feine Borpoften 
fehlerhaft audgeftellt, ift dad Terrain durchfchnitten und nicht alle 
Zugänge hinlänglich bewacht, dann ift ed uns oft, befonderd in - 
der Nacht möglich, unbemerkt dur die Kette zu Fommen und 
die Feldwachen oder Piquete entweder in der Flanke, oder im 
Rüden anzugreifen, in welchen Fällen die Beftürzung des Geg- 
nerd defto größer, und das Gelingen unferes Vorhabens deſto 
ficherer wird. Uibrigens bedient man fich noch verichiebener ans 
derer Liſten, um den feindlichen Bebetten auf den Leib zu kom⸗ 
men und ein Piquet zu überfallen. — Co gibt man fih z. B. 
ald eine zurückehrende Patronille aus, wozu man jedoch bie 
Lofung und das Peldgefchrei kennen muß, die man entweder 
durd; Spione und Deferteurd erfährt, oder den feindlichen Bifitirs 
patronillen ablauſcht; auch fann man oft durdı Kleidung, Sprache 
und durch ein unbefangenesd Vorrüden die ausgeſtellten Wachen 
täufchen, und fo ohne ein Mißtrauen zu erregen, bis in ihre 
Kähe kommen. 

Soll ein größerer, mit mehreren Piqueten umgebener Poften uiberfall eines 
uͤberfallen werden, ſo trachte man vor allem Nachrichten zu er⸗ MT etezzen 
halten, auf welche Art er feinen. Rüden geſichert hat. Häufig umasbenen 
glauben fich felbfiftändig detaſchirte Abtheilungen hinlaͤnglich Poftene. 


\. 


| Ä BS0 . 





gededt, wenn fie ihre Borpoften in der Fronte und ben Flanken 
ausjtellen, und geben dadurch Gelegenheit, mittel eines oft 
unbedautenden Umweges in ihren Rüden zu Sommnen, fie von 
ba unvermuthet anzufallen und ohne viel Mühe gefangen zu 
nehmen, Sollte dieſes jedoch nicht möglich fein, fo trachte man 
fit entweder durch die Kette zu fchleichen, ober gleichzeitig mit 
den. zurückgeworfenen Piqueten bei dem Hauptpoſten anzulangen, 
und ihn durch Uiberraſchung zu überwältigen. Auch ift bei folchen 
Uiberfällen ftetd eine eigene Abtheilung zu beftimmen, welche, 
während man auf die forglod um bie Wachfeuer figenden Feinde 
ftürzt, fich ihrer allenfalls feits oder rückwaͤrts in Pyramiden 
aufgeftellten Gewehre zu bemächtigen hat. 
Uiberfall Um Kavallerie, die in einem durchſchnittenen Terrain lagert, 
genbiiber oder in offenen Ortfhaften einquartirt ift, zu überfallen, wirb 
Jufanterie verwendet. — Diefe nähert fih im erften Falle des 
Nachts dem Lagerplage, gibt eine Defcharge, um die Pferde 
ben zu macen, und fällt dann mit dem Bajonete über bie 
Reiter her. Im legten Falle fchleicht fich ein Theil der Truppe 
an die Stallungen, der andere in bie Quartiere, befonderd bed 
Kommandanten, der übrigen Offiziere und der Trompeter, deren 
man fich zu bemächtigen fucht. Je fpäter hiebei gefeuert und je 
länger der Allarm verhütet wird, deſto größeren Bortheil ger 
währen foldhe Unternehmungen. 
Uiberfall des Oft ift ed möglich, den Feind auf feinem Marfche entwe⸗ 
egnere Haft der an dem Orte, we er einige Stunden ausraftet, oder in den 
ftunden im Nachtftationen felbft zu überfallen. Je weiter unfere Truppen 
her entfernt find, deſto ficherer hält fih der Gegner, und deſto feichter 
ftationen. kann er überrafcht werben. Nach langen befchwerlichen Märfchen, 
bei großer Site, heftigem Regen oder anderen angünftigen Wetter 
vernachläfligt der ermüdete Feind leicht die nöthigen Borftcten, 
die Mannſchaft überläßt fih der Ruhe, legt die Waffen zur 
Seite, füttert die Pferde und ift daher deſto weniger fähig, 
einen Widerftand zu leiften. 
Menn er erit Erfährt man, daß ein Detaſchement exft fpät Abende einen 
ee Poften Poften befegt, deſſen umliegende Gegend ihm unbefamst if, fe 
bezieht. kann man diefen Jimftand oft mit Bortheil zu einem lliberfalle 
benügen, indem der feindliche Kommandant, befonderd in einer 
finftern Nacht, dad Terrain nicht zu refognosciren, und feine 
Bebetten und Feldwachen zur Sicherung aller Zugänge zweckmaͤßig 





381° 





auszuftellen im Stande ift; auch werben fih feine Patrouillen 
in ber unbekannten Gegend nit weit vorwagen. u 


Um gegen Dörfer, offene Städte oder Drtichaften einen Liberht offes 


Uiberfall zu unternehmen, wird die zum Angriffe beſtimmte Truppe " 
in fo viele Abtheilungen getheilt, ald der Ort Haupteingänge 
hat, wobei die Infanterie und Kavallerie dem Terrain entipres 
chend verwendet werden muß. Die Infanterieabtheilungen haben 
ſich fo viel möglich unbemerkt an die ihnen beftimmten Punkte, 
fo wie auh an die rüdmwärtigen Audgänge der vorzüglichen 
Quartiere, 3. B. des Kommandanten, der Offiziere u. dgl. zu 
fchleihen und das Signal zum Angriffe abzuwarten, Jede dieler 
Abtheilungen laͤßt am Eingange ded Dorfes einen ihrer Stärke 
angemeffenen Theil zurüd, um ſowohl denfelben zu bewachen, 
ald auch dem Feinde dad Entweichen zu verhindern. Der Reſt 
der Truppe marfchirt in Neihe und Glied durch die Straffen, 
und entfendet in die Nebengaffen und gegen die Gebäude, wo 
der "Feind allenfalls Widerftand leiſten koͤnnte, die nottigen 
Patrouillen. 


Von den Angriffsabtheilungen hat eine die Beſtimmung, 
gleich nach dem Allarm⸗ oder Marktplatze zu marſchiren, und 
eine zweite, ſich zu dem Quartiere des Kommandanten zu begeben, 
um dasſelbe zu umzingeln, und ſowohl feiner Perſon, als 
auch ſeiner Papiere habhaft zu werden. Alles ärariſche Geld 
und Gut iſt ſogleich auszuliefern, die vorhandenen Magazine 
aber zu leeren und wegzuführen, oder wenn dies nicht. angeht, 
zu vernichten. — Auch hier ſoll man ſich nicht mit Schießen be⸗ 
faſſen, weil dies nur Zeitverluſt verurſacht und zu Unordnungen 
führt. Die Gefangenen, fo wie Kanonen, Kaſſen, Pferde u. dal. 
werden von denjenigen, welde fie erobert haben, zu den am 
Ausgange bed Ortes ftehen gebliebenen Abtheilungen gebradt, 


dort übergeben und unvermeilt zur Neferve abgefendet, welche 


ſelbe unter gehöriger Bedeckung weiter eskortirt. 


e Dtſchaf⸗ 
ten. 


Der Uiberfall eines geſchloſſenen Ortes iſt gewöhnlich mit Eines geſchloſ 
größeren Schwierigkeiten verbunden, weil man zur Erreichung ſenen Ortes. 


feined Zweckes Gräben, Mauern oder Wälle zu überfteigen, 
Thore zu Öffnen und andere Hinderniffe aus dem Mege zu 
räumen genöthigt if. Demungegchtet konnen folche Unterneh- 
mungen dfterd mit Glück ausgeführt werben, befonderd: 


Peitererftels 
gungen. 


‚38% 





1. Wenn man durch vertraute Kundihafter Nachrichten 
über die Schwäde oder Sorglofigkeit bed Gegners und Vernach⸗ 
läffigung des nöthigen Sicherheitsdienſtes erhält. 

2, Wenn man im Einverftändniß mit den Bewohnern des 
Ortes fteht, die und einen geheimen Zugang, ein längft vergef- 
fened Seitenthor in der Mauer, eine Scleuße u. dgl. öffnen, 
oder fonft auf eine andere Art zum Gelingen des Angriffes bes 
bitflich find. 

3. Wenn ed und gelingt, den Feind durch irgend eine Lift 
zu täufchen, in den Ort verfleidet oder unbemerkt zu fommen, 
und die Thore zu beſetzen. 

Stets ift es aber nothmendig zu wiſſen, wie ftarf die Bes 
fagung ift, welche Punkte des Umfanges am leichteften forcirt 
werden können, wie tief der. Graben und wie hoch die Mauern 
oder Wälle find, wo fich die Hauptwahe, die Wohnung bes 
Kommandanten, die Kafernen, Magazine, Zeughäufer und Allarm- 
pläte befinden, ob und wie viel Infanterie und Kavallerie bie 
tägliche Bereitfhaft hält, und wie ftarf die verfchiedenen Thore 
befetst find. 

Uiberfaͤlle mittelft Xeitererfteigungen (Eskalade) können nur 
Statt finden, wenn 

1. ein Platz keine hinlängliche Beſatzung hat, 

2. ſolche aus fahlechten oder nengeiworbenen Truppen beiteht, 

3. der Graben nicht mit Wäffer gefüllt und die Mauern nicht 
zu hoch find, oder wenn 

4. der. Gegner ſich für ficher häft und den Sicherheitsdienſt 
vernachlaͤſſigt. 

Solche Unternehmungen erfordern eine aͤußerſt genaue und 
alle möglichen Details enthaltende Dispoſition. Eine Kette von 
leichter Infanterie oder Kavallerie umgibt den anzugreifenden 
Ort, und darf Niemanden gegen denſelben zu gehen laſſen, 
damit dem Gegner nicht das Verſammeln unſerer Truppen, 
die Verfertigung oder Requirirung der Sturmleitern hinterbracht, 
und er dadurch auf unſere Abſicht aufmerkſam gemacht werde. 
Der Angriff geſchieht in mehreren Kolonnen, wovon jedoch ſtets 
nur eine zur Haupt⸗, die übrigen aber zu Schein⸗ oder Neben⸗ 
attaquen beftimmt find. 

Die verfchiedenen Abtheilungen erhalten die genaueften 
Inſtruktionen, und werben mit der ihnen zugetheilten Rolle 





y 
——— 


— ne 





vollkommen bekannt gemacht, damit fie ſich ſowohl mährend des 


Angriffes, als nach dem Gelingen desſelben, oder im Falle eines 
Rückzuges zweckmäßig benehmen, und keine Unordnungen oder 
Mißverſtändniſſe entſtehen können. Zur feſtgeſetzten Stunde ſetzen 
ſich die verfckiedenen Kolonnen in Marſch; an ihrer Spitze befinden 
fih Die nöthige Zahl von Arbeitern und Freiwilligen, die dazu 
beftimmt find, die verfchiedenen Sinderniffe aus dem Wege zu 


räumen, die Leitern an die Mauern anzufegen und den erften 


Angriff zu unternehmen. Diejenige Mannfchaft, welche die Leis 
tern trägt, bat das Gewehr überfchwenft, und erftere müſſen 
wenigſtens 3 bis 4 Schuh höher als die zu erfteigenden Wälle 
oder Mauern fein. Gelingt der erfte Anfall, dann rüden die 
Kolonnen rafch ihren Avantgarden nach, und fo wie die Abtheis 
lungen iin den Drt gelangen, trachten diefelben unnerweilt, die 
durch die Diepofition ihnen zugetheilten Rollen audzuführen, die 
Thore zu befeßen und zu öffnen, den Kommandanten und bie 
übrigen Offiziere aufzuheben, fih der Kafernen, Wachtpoften, 
Magazine u. dgl. zu bemächtigen. — Der Uiberfall von Schweid⸗ 
nig im fiebenjährigen Kriege durch den mit Ruhm bedeckten Feld⸗ 


marfihall Laudon ift ein glänzendes Mufter ähnlicher Unter⸗ 


nehmungen. 

Wir haben bereit erwähnt, daß man fich verfihiedener 
Kriegsliften bedient, um einen felten Poften zu überfallen, und 
auf diefe Art durch einen glücklich ausgeführten Coup de main 
feinen Befig zu erringen. Sowohl die alte ald neuere Krieges 
gefchichte gibt und hievon häufige Beiſpiele; ed liegt aber außer 
unferem Zwecke, fich hierüber in größere Details einzulaffen, und 
wir bemerken blos, daß Kriegsliften durch Wiederhofung ihren 
Werth verlieren, und daß man daher durch Neuheit der Erfins 
dung den Feind allein zu täufchen und den vorhabenden Zweck 
zu erreichen im Stande tft. 

Nach der Erſtürmung oder Eroberung eined Ortes ift jede 
freiwillige Plünderung auf dad Strengfte zu ımterfagen, und im 


Uibertretungsfalle erempfarifch zu betrafen, da man durch Zer⸗ 


fireuung der Truppe dem Feinde Gelegenheit gibt, und neuers 
dinge anzugreifen und alle errungenen Bortheile zu entwinden. 


Kriegsliften. 


Strenger 
Verbot der 
Plünderung. 


Soll der Feind jenfeitd eines großen Sees ober nicht zulliberfalleines 
durchwatenden Flußes überfallen werden, fo muß man noch ins, ienſelts größe, 


befondere zu erfahren trachten, wie er dad jenfeitige Ufer bei 


ter Gewoͤſſer 
befindlichen 
Poſtens. 





Sammlung 
der 
Fahrzeuge. 


Schwimmer. 


Referve. 


— 





Tag und Nacht beſetzt haͤlt, und wie ſelbes beſchaffen ſei; ferner 
iſt die Breite und Tiefe des Stromes, ſo wie die Richtung und 
Schnelligkeit ſeines Laufes bei Entwerfung des Angriffsplanes 
genau in Anſchlag zu bringen, damit man nicht durch die Strös 
mung an einen andern ald den gewählten Punkt zu landen ges 
jwungen werde, ober eine Abtheilung zu früh oder zu fpät an 
ihrer bezeichneten Stelle anlange, woburd der Zweck verfehlt 
würde. Endlich ift ſich bei den Sciffern.in der Gegend nod zu 
erfundigen, wo man vom gelandeten Punkte aus am leichteften 
wieder auf das biesfeitige Ufer zurüczufommen vermag. 

Alle Schiffe, Plätten, Kähne müffen jedoch, ohne daß es 
der Feind gewahrt, zuſammengebracht werden, und follte dieſe 
Abſicht nicht bei der Nacht, bei ſtarkem Nebel oder auf eine ans 
dere Art auf dem Fluße felbit zu erziefen fein, fo hat ſolches zu 
Lande auf Wägen zu gefchehen: 

Bei der Uiberfahrt if in jedem Kahne auf Raum für die 
Gefangenen Bedacht zu nehmen, und ein paar leere Fahrzeuge 
zu diefem Behufe mitzuführen, auch fih hiebei mit Stricken zu 
verfehen, um die am jenfeitigen Ufer liegenden Fahrzeuge anein 
auder zu binden, und mit ſich zurüdführen zu können. 

Bei der zur Vorhut beftimmten Abtheilung haben fich einige 
gute Schwimmer zu befinden, welche die allenfälligen Hinderniſe 
beim Landen zu befeitigen im Stande find. 

Der wichtigfte Poften bei derlei Unternehmungen ift die 
Referve, welche ftet bei dem Landungsplage am jenfeitigen 
Ufer verbleibt, und den Rüdzug fihern muß. Der Kommans 
dant derfelben hat zu dem Fahrzeugen felbft einige verläßfice 
Männer zu fommandiren, melde die Schiffer fortwährend beob⸗ 
achten, und das Weglaufen derfelden verhindern. Die Reſerve 
ſtellt rechts und links Avifopiquet? aus, welche die Gegend hin 
"Anglich überfehen, und die Truppen durch Signale bei Zeiten 

n der Ankunft des Feindes benachrichtigen. Iſt der zu über 
Iende Poften aber eine beträchtliche Strede-Iandeinwärtd ge⸗ 
ven, fo find nad Umfländen auch ganze Abtheilungen rechts 
d Fine (en echelon) auf größere Entfernungen vorzufcieben, 
ı nicht Gefahr zu laufen, vom Ufer abgefhnitten zu werben. 

Alle Gefangenen, Kanonen u. dgl., die der Referve zuge 
idt werden, find ſogleich einzuſchiffen und gehörig zu bewachen, 
find nöthigen Falls den Gefangenen bie Hände zu binden, 


385 


— — — —— 
— — 





bis man das diesſeitige Ufer erreicht hat. Sobald ein Fahrzeug 
hinlaͤnglich beladen iſt, wird es an das diesſeitige Ufer unter 
der nöthigen Bedeckung abgeſendet. Wäre das eroberte Geſchuͤtz 
nicht fortzubringen, ſo ſuche man ſolches zu vernageln, oder wirft 
es ins Waſſer. | 

Die Kriegögefchichte ftellt uns ferner Beißpiele bar, wo Uiberfälle 
größere Korps, ja felbft ganze Armeen plößlich überfallen wur⸗ ee 
den. Im Allgemeinen find jedoch diefe Faͤlle felten, denn bie 
Schmwierigfeiten der heimlichen Märfche und des richtigen Zufams 
mentreffend der Angriffsfolonnen vermehrt fich mit.der Menge der 
zu folchen Unternehmungen nothmwendigen Truppen, und der ats 
greifende Theil geräth dadurch beſonders des Nachts oft felbft in 
Nachtheil und Unordnung. Uiberdied Täßt es fich nicht leicht denken, 
daß die Sicherheitdanftalten für eine ganze Armee fo vernads 
Läfligt fein follten, daß es möglich wäre, fie zuüberfallen, beſon⸗ 
ders feit man mehr leichte Truppen beſitzt, und auch die Linien⸗ 
infanterie zum Vorpoftendienfte unterrichtet und mit Nußen ver: 
wendet wird. Nur befondere Umftände alfo, wie 3.3. zu geringe 
Entfernung der Borpoften von der Haupttruppe, eine fehlerhafte, 
nicht Alle Zugänge dedende Aufitellung derfelben, die Vernach⸗ 
läffigung des Rückens u. dgl. können ein folches Unternehmen 
begünftigen. Auch hier liefert und bie öfterreichifcte Geſchichte 
in dem Liberfalle des preußifhen Lagers bei Hochkirch im fieben- 
jährigen Sriege ein ruhmvolles Beifpiel. i 

Deſto hänftger werden aber Liberfälle unternommen, wenn Feindlicher 
der Gegner feine Truppe in Winterquartiere verlegt hat. Da Winerauar⸗ 
die Ausdehnung derſelben nicht geſtattet, alle Zugänge zu be⸗ 
wachen, und es und daher möglich wird, ſich durch die feindliche 
Kette. zu fchleichen, und ein oder mehrere Quartiere unvermuthet 
anzugreifen. 

Nach diefen Beilpielen, die wir zur nähern Auseinander⸗ Rückzug nad 
fegung der Uiberfälle angeführt haben, fchreiten wir zur Erfläs ae 
rung ded Verhaltend nach gelungenen oder mißlungenen Unter: 
nehmungen. Nur befondere Umftände oder Befehle können be> 
ftimmen, ob man fi in dem eroberten Poften zu halten oder 
nach andgeführtem glüclichen Angriffe wieder zurüͤckzuziehen habe. 
Im erften Falle treffe man unverweilt die nöthigen Mäßregeln, 
um ſich feitzufegen, gegen ein ähnliches Anternehmen von Seite 
bed Gegnerd durch verdoppelte Wachſamkeit und Vorſicht zu 

25 


386 





fihern und fich gegen die herbeieifenden feindlichen Unterkäguns 
gen zu behaupten. — Kommt ed jedoch nicht auf die Erhaltung 
des eroberten Poſtens an, fo trete man, fobalb alle, durch den 
gelungenen Uiberfall ſich darbietenden Bortheile benügt und Die 
gefangenen Feinde, erbeuteten Kafien, Fahnen u. dgl. in Sicher 
heit gebracht wurden, in größter. Ordnung und Schnelle den 
Rückzug an, wobei nach der verfhiedenen Befchaffenheit des 
Terraind bald Infanterie, bald Kavallerie Die Arrieregarde bildet. 


Nah mißlun⸗ Erhält der Feind, bevor wir ihn überwältigt haben, Vers 
ehmungen. färfung, dann wird der Kampf um deſto heftiger, und kann, 
wenn wir nicht ebenfalld Unterftügung herbeizuziehen im Stande 
find, nur durch unerfchütterlihen Much und feite Ausdauer ents 
fchieden werden. Sollte es jedoch unferen Anftrengungen nicht 
gelingen, den Feind zu entwaffnen, gefangen zu nehmen oder 
den Poften zu erobern, oder fchlägt das ganze Unternehmen, 
wegen Beripätung einer Kolonne oder aus anderen unvorgefehes 
nen Urſachen fehl, fo wird der Befehl zum Rückzuge gegeben, 
und derfelbe unter dem Schutze der Reſerve auf dem bereits 
biezu im Voraus beflimmten Wege angetreten, wobei man dem 
verfolgenden Feinde Hinterhalte legen, vorhandene Brücken zer 
fören, Wege verrammeln und an vortheilhaften Punkten, an 
Deftleed, hinter Gewäſſern u. dgl. durch die Arrieregarde die 
" Stirn bieten muß, um ihn fo lange ald möglich aufzuhalten. 


Vorfichten Da liberfälle des Feindes nm dann gelingen können, 
wenn man fich feine hinlängliche Kenntniß bed Terraind vers 
fhafft, den Dienft nachläſſig betreibt oder eine Vorſichtsmaßregel 
unterläßt, fo folgt, daß jeder Dffizier, der Durch begangene Fehler 
oder Syintanfegung des Dienfled dem Feinde Gelegenheit zu 
folhen Unternehmungen gibt, der Strenge der Kriegsgeſetze un- 
terliegt und für den Erfolg verantwortlich bleibt. 

Man kann daher befonders jüngeren Offizieren nicht genug 
anempfehlen: 

1. Das Terrain fletd genau zu rekognosciren und fih, fo 
oft fie felbfikändig detafchirt find, durch eine zwedmäßige Aus⸗ 
ftellung ihrer Vorpoſten gegen Uiberfaͤlle zu fichern. 

2. Nie den Rüden ihres Poſtens zu vernacläfligen, fondern 
fi) hier ebenfo, wie in Fronte und Flanken zu beden. 


gegen 
Uiberfälle. 








ss” 





3. Bei Naht, Nebel, ſchlechtem Wetter vorzäglich achtſam 
zu fein und fortwährend Patrouiflen auszufenden, um jede Ans 
näberung des Feindes frühzeitig zu entdecken. 

4. Die Mannfhaft des Piquets theilweiſe in "Reihe und 
Glied zu halten und ſtets nur emigen Leuten abmwechfelnd zu 
erlauben, fi zum Wachfeuer zu begeben. 


5. Die Bedetten zu belehren, daß fie ſich durch feinen 


Vorwand täufhen und fih Niemand nahe an den Leib kommen 
laſſen ſollen. 

6. Sich auf Märfhen während den Raſtſtunden mit eini⸗ 
gen Poſten zu umgeben und Patrouillen zur Viſitirung des 
Terrains auszuſenden. 

7. In Winterquartieren und Drtfhaften verhältnißmäßige 
Bereitfhaften zu halten, die Leute durch öftere Allarmirung zu 
gewöhnen, fich fchnell zu railliren und einzelne feſte Gebäude zu 
einer haltbaren Bertheidigung vorzubereiten. 

8. Im Keindeslande, um fich gegen die Verräthereien der 
Bewohner zu fihern, Geißeln auszuheben, die Thore ftarf zu 
befegen, Niemanden zu trauen und fortwährend Patrouillen um 
den Ort oder längs feiner Wäle audzufenden. Auch müflen 
einige Signale beitimmt werden, um fowohl den Nebenpoften, 
als den rüdwärtigen Unterflüßungen und Reſerven jeden feind» 
lichen Angriff unverweilt anzuzeigen. 


er He ä- 


Eilfte Abtheilung. 


Beobachtung und Einfchliefung einer 
Feſtung. 


Feſtungen liegen entweder an der Graͤnze oder im Innern Lage der Fe⸗ 


eines Staates, und zwar vorzüglich: 

1. In Gebirgsthäfern und Päffen, wo fe bie durchführen 
den Kommunifationen fperren. 

2. Am Bereinigungspunfte mehrerer, , and verfchiedenen 
Richtungen zufammenlaufenden Hauptftraffen. 

3. An Klüffen, wo fie als feſte Brücentöpfe die vorhan⸗ 
denen Uibergänge deden, und Manöprirpunfte werben. 

25*8 








Beſtimmung 
ihrer 
Wichtigkeit. 


Beobachtung 
der Einſchlie⸗ 
Kun der Fe⸗ 

ngen beim 
Borrüdender 


Daupttruppe. 


Wahl zwiſchen Ob nun die Beobachtung oder Einfchließung einer 


beiden. 


388 


Die Wichtigkeit derfelben Laßt fich nur durch ihre Lage ir 
Bezug auf den Kriegsſchauplatz, fo wie durch ihren augenblidli 
hen Einfluß auf offenfive oder defenfive Operationen beftimmen. 
Im Allgemeinen dienen fie entweder ald Waffenpläbe, deden die 
Flanken einer vorrüdenden Armee, hemmen die Fortichritte dei 
Gegners durch Sperrung der Syauptzugänge eines Landes, oder 
fihern den Rückzug eines Heered, und gewähren dieſem geficert 
Aufnahme bis zur Erfcheinung neuer Berftärtungen. — Da jedet 
eine betaillirte Beurtheilung des ftrategifchen Werthes von 
Feſtungen nicht der Zweck diefes Werkes ift, das fich blos auf 
ben ‘rein taktifchen Felddienſt beſchraͤnkt, ſo gehen wir fogleit 
zu ben praftifhen Regeln der Beobachtung und Einfchliefun 
fefter Pläße über. 

Die größere Beweglichkeit umd Stärke der neueren Gem 
erlauben fehr oft, Feſtungen zu umgehen, und ohme ſich in eine 
mit Zeits und KRoftenaufwand verbundene Belagerung einzulalen, 
zur Erreihung eines höhern firategiichen Zweckes mit dem Or 
ber Armee raſch vorzufcreiten, während, detafchirte Korps dr 
im Rüden gebliebenen Feſtungen beobacıten und badurd Di 
Beſatzung derfelben verhindern, durc einzelne Ausfälle unjert 
Operationslinie unfiher zu machen, ſich unferer Zufuhren um 
Transporte zu bemächtigen, oder bei einer ſich ereignenden günſü⸗ 
gen Gelegenheit, in Gemeinihaft mit anderen Feltungen, nahe 
ſtehenden feindlichen Truppen, oder in Vereinigung mit dr 
Landvolke Diverfionen in unferem Rüden auszuführen, die unſert 
Verbindung bedrohen. 

Wenn alfo eine vorrüdende Armee an feindlichen Feſtu— 
gen vorüberzieht, die fie nicht belagern kann oder will, fo auf 
fie diefelben entweder beobachten oder einfikließen, je nachden 
fie die Abficht Hat: | 

1. Die feindlihen Garnifonen blos auf die Defenftoe # 
befihränfen und die Unternehmungen, die fie im Rüden bb 
Heered ausführen fünnten, zu verhindern, ober 

2. den Befagungen jede Verbindung völlig abzuſchneiden 
fie auf ihre Approvifionirung zu beſchraͤnken, und dadurch DM 
Ball der Feſtung vorzubereiten und zu befihleunigen. —* | 

e 


zu bewerfftelligen fei, darauf hat die Rage berfelben —9— 
INT 


Belchaffenheit des fie umgebenden Terraind den welent 


389 





Einfluß. Bei Bergfeftungen oder Feltungen im hohen Gebirgs⸗ 
lande, in welcen die Beſatzung meiftend ſchwach, das umliegende 
Terrain aber vorzüglich für Infanterie geeignet ift, hat man bie 
enge Einfchließung vorzuziehen, indem man bier den Zwed der 
erftern mit wenigen Truppen erreichen fan. 

Das Nämliche bezieht fih auch auf eine im durchſchnittenen 
Terrain liegende Feſtung, wo bie Infanterie der Beſatzung ben 
wirffamften Spielraum hat, mithin Fein Beobachtungs⸗, fondern 
nur ein größtentheild and Infanterie beftehendes Einſchließungs⸗ 
forps dem beabfichtigten Zwede wirkſam zu entfprechen vermag. 

Bei einer in offener Gegend liegenden Feſtung findet das 
gegen der umgelehrte Kal ftatt, hier ift ein größtentheild aus 


Kavallerie beftehendes Beobachtungskorps hinlänglich ftark, um 


die Zufuhren aus entfernteren Gegenden zu hemmen, und die 


Befapung auf ihre Approvifionirung zu befchränfen. 


g. 1. 
Beobachtung einer Feſtung. 


Der Zweck der Beobachtung einer Feſtung ergibt ſich ſchon 
aus der Bedeutung dieſes Wortes, und beſteht in der Verhin⸗ 
derung jeder Unternehmung, welche die Beſatzung entweder fuͤr 
ſich allein, oder in Verbindung mit einer nahe gelegenen Truppe 
oder dem Landvolke ausführen koͤnnte. 

Um alfo den Zweck der Beobachtung zu erreichen, muß man: 

1. So viel ald möglich mit der Beſchaffenheit der Feſtung, 
ber Stärfe und Waffengattung ihrer Beſatzung unb dem Unter, 
nehmungsgeifte ihres Kommandanten befannt fein. 

2% Das fie umgebende Terrain mit allen feinen Vor⸗ und 
Nachtheilen kennen, um ed in Bezug auf feine Abficht richtig zu 
würdigen. 

3. Mit dem Beobachtungsforps in angemeflener Entfernung 
eine möglichft vortheilhafte Stellung auf der bebrohteften Seite 
wählen, um durch felbe den Rüden und die Flanken der vors 
rüdenden Armee zu decken, ober die auf der Operationdliinie ihr 
nachfolgenden Transporte zu ſichern. 


Zweck 
derſelben. 


Haupterfor⸗ 
derniſſe. 


4. Dieſem Beobachtungskorps eine ſolche Staͤrke geben, 


daß es nicht nur die feindlichen Abſichten zu entdecken, ſondern 
auch mit Erfolg zu vereiteln im Stande ſei. 


2 


390 





5. Sole PVoranftalten treffen, daR man mit größter 
Schnelligkeit fi bewegen und jedem bedrohten Punkte zu Hilfe 
eifen fönne. 

6. So viel ald möglih den Gegner in die Keflung eins 
engen und verhindern, daß er weber aus dem nähern Umkreiſe 
derielben, noch von ferne ber Lebensmittel oder Berflärfung an 
Mannſchaft erhalte. 


Stärke des Was die Stärfe des Beobachtungskorpss betrifft, fo hängt 
Beobade dieſelbe 
tungskorps. 


1. von ber Größe der Feſtung, 
2. von der mehr oder minder wichtigen Lage derfelben, 
3. von der Stärfe ihrer Beſatzung und 
4. von der Befchaffeuheit des fie umgebenden Terrains ab. 
Nur durch eine richtige Kenntniß diefer Gegenfläude, und 
eine reife Beurtbeilung aller dur den Gang der Kriegsope⸗ 
rationen fih dem Gegner darbietenden Bortheile läßt fich die 
Stärfe eined Obſervationskorps beftimmen. Im Allgemeinen 
fann man jedoch annehmen, daß es zur Erreihung feined Zweckes 
hinlänglich ftarf ıft, wenn ed in der Zahl einem Drittheil oder 
hödytene der Hälfte der Beſatzung gleich kommt. Sollte jedoch 
ein ſolches Korps gleichzeitig zwei nahe aneinander liegende 
Feſtungen zu beobadıten haben, fo müßte ed, um jedem linfalle 
vorzubeugen, auch eine größere, feinem höheru Zwede entiprechende 
Truppenzahl befiten. Uibrigens ift im offenen Xerrain dad 
Verhaͤltniß der Stärke der Beobachtungstruppe zur Beſatzung 
feiner, ald in einer durchfchuittenen und koupirten Gegend. 
Bafengat- Die Scnelligfeit, mit welder fih ein folded Korps in 
desfeiben. Vielen Gelegenheiten zu bewegen genöthigt fieht, erfordert ferner. 
daß ed größtentheild aus leichten Truppen beitehe, befonders 
aber ift hiezu Kavallerie zu verwenden, ihr jedoch ſtets im Ver⸗ 
häftniffe der Terrainbeidaffenheit einige Snfanterieabtheilungen 
als Unterkügung beizugeben. 
Nähere Ders Was die näheren Berhaltungen bei Beobahtung einer 
—æ Feſtung betrifft, ſo umfaſſen dieſe 
einer Feſtung. 1. die richtige Wahl einer vortheilhaften Stellung für das 
Gros ded Korps, 
2. die Anwendung der nöthigen Borfichtömaßregeln, um 
fih gegen unvorhergeſehene Angriffe zu ſichern und die Feſtung 
iu bewadhen, 











391 





3. dad Benehmen bei Ausfällen des Beinbet, oder bei Ans | 


näherung eines Entſatzes. 

Die für dad Gros des Beobachtungskorps gewaͤhlte Stellung 
kann nach Umſtaͤnden mehr oder weniger von der Feſtung ent⸗ 
fernt fein; muß der Truppe jedoch die möglichite Sicherheit ges 
währen und ihr geflatten, fih frei und in der Fürzeften Linie 
nah allen Richtungen bewegen zu koͤnnen, um, fobald fich Die 
Abſicht des ausfallenden Gegners entwidelt, ihm fchnell entgegen 
zu eilen, und durch einen muthigen Angriff wieder zurüdzufchlagen. 

Das Beobachtungskorps iſt ſich gewöhnlich ſelbſt überlaflen, 
von der Hauptarmee oder einem andern größern Korps bedeu⸗ 
tend entfernt, und bat daher vorzüglich auf feine Sicherheit zu 
denken, und fich zu dieſem Zwecke 

1. durdy eine Borpoftenfette und durch verhältuißmäßige 
Bereitichaften gegen Uiberfälle und unvermuthete Angriffe des 
Feindes zu fchügen, 

2. durch Kundfchafter ober dur Einverftändniffe mit den 
Bemohnern der Feſtung fchnele Kenntniß von jedem Vorhaben 
der Beſatzung zu verfchaffen, fo wie 


Wahl der 
Dauptfiels 
lung. 


Anzumens 

dende Bors 

ſichtsmaßre⸗ 
geln. 


3. ſich ſtets für den Fall eines Unglückes den Rückzug frei 


zu erhalten. 


Außer den erwähnten, zur Sicherheit der Haupttruppe vor Demacung 


ihrer Fronte ausgeftellten Vorpoften werden noc zur Bewachung , 


der Feſtung 


uch Kavalles 


der Feſtung rings um diefelbe am Dereinigungsorte mehrerer rie⸗Detaſche⸗ 


Straffen, an Brüden, Defilees, Häufern und anderen vortheils 
haften Punkten verhältnißmäßige Truppenabtheilungen, befonders 
aus Kavallerie beftehend, ausgeftellt. Diele haben zwar zu ihrer 
eigenen Sicherheit einige Bleinere Piquete vor fich, umgeben aber 
die Feſtung keineswegs, wie ed gegentheilig bei ihrer Einichließung 
gefchieht, mit einer zufammenhängenden VBorpoftenfette, fondern 
fuchen vielmehr durch fortwährendes Patroulliren dad Terrain 
zu burchfuchen, Die. Verbindung untereinander zu erhalten, jede 
Bewegang des Gegners ſchnell zu entdecken, kleine feindliche Ab» 
theilungen zurüdzumeifen, bei größeren Ausfällen aber fich wenig⸗ 
ſtens fo Lange zu halten, bit die heraneilende Haupttruppe den 
bedrohten Punkt zu erreichen vermag. 

Um demnah ihrem Zwecke zu entiprechen, müflen die an 
ben Hauptzugängen der Feſtung aufgeftellten Detafchements eine 
hinlänglihe Truppenftärke befiten, ober wenigftend fich ſchnell 


ments. N 


Stärke 
derfelben. 


Poften gegen 
einen erwars 
teten Entſatz. 


Urfachen 
warum Der 
Feind Aus⸗ 
fälle unters 

nimmt. 


3 





zu vereinigen unb gemeinfchaftfich dem Feinde entgegenzutreten 
im Stande fein. 

SR das Beobachtungskorps nicht fchon durch die Stellung 
der Sauptarmee, den Gang der Kriegdoperationen, die großen 
Entfernungen der feindlihen Truppen, oder burdy eigens hiezu 
beftimmte Detafhementd gegen Unternehmungen bed Gegners 
gefichert, und befinden ſich feindliche Streiffommandos oder flie- 
gende Korps in der Nähe, von welchen fic die Abficht vermuthen 
läßt, entweder dad Beobachtungskorps anzugreifen, oder wenig» 
ftend BVerftärtungen und Lebensmittel in die Feſtung zu werfen, 
fo müflen auch gegen die Seite, woher man diefe Truppen ers 
wartet, Poften ausgeſtellt und Kavalleriepatrouillen weit vorge, 
fendet werden, um die Annäherung derfelben fo ſchnell ald möglid 
zu entdeden. 

Die Ausfälle gegen die eine Feſtung umgebenden Kavalles 
riepoften eined Beobachtungskorps Fönnen vorzüglich in vielerlei 
Abfichten gefchehen, nämlich: 

1. Um Nadrichten zu erhalten oder zu geben, wenn näms 
lih die Beobachtungspoften fo wadfam find, daß dieſes nur 


" durch Vertreibung derfelben gelingen fann. 


2. Um aus der umliegenden Gegend Lebensmittel ein 
zuholen. 

3. Um äußere Unternehmungen zu begünftigen, welche bie 
Feftung befreien, oder ihr Lebensmittel, Munition und Berftärs 
ungen zuführen follen. 

4. Um ſich zu größeren Zweden im freien Felde mit einer 
andern Befagung, dem Landvolfe oder einer abgeſchickten Trup⸗ 
yenabtheilung zu verbinden. 

Die Vertreibung der ‚Beobachtungspoften an und für ſich, 


| ohne eine andere ihr zu Grunde liegende Abficht kann nie der 


Mittel zur 
Erkennung 
derſelben. 


Zweck eines Ausfalles ſein, indem eines Theils dieſe Poſten der 
Feſtung unmittelbar gar nicht ſchaden, andererſeits aber, wenn 
auch augenblicklich vertrieben, dennoch ſchnell wieder zurückkehren 
würden. 

Es ift übrigens von höchfter Wichtigkeit, bei einem Ausfalle 
fhnell den Zwed zu erfennen, weshalb ihn der Gegner unters 
nimmt, da der Kommandant ded Beobachtungskorps blos dadurch 
im Stande fein wird, richtige Anftalten zur Vereitlung der feind« 
lichen Abfichten zu treffen. 











_ 39 


Aus der Urt, wie ſich die Beſatzung bei einem Ausfalle 
benimmt, läßt fich' die Abficht desſelben am leichteften erkemen, 
und zwar: 

1. Deffnet fi ch der Gegner blos den Weg durch die ringeum 
fiehenden Kavalleriepoften, ohne nach deren Bertreibung etwas 
weiteres zu unternehmen, fo darf man faft mit Gewißheit fchlies 
Ben, daß es blos auf die Einziehung von Nachrichten, oder auf 
die Mittheilung derfelben an eine in der Nähe ftehende, befreun⸗ 
bete Truppe abgefehen ift. Um diefe zu verhindern, fendet man 
demnach in der muthmaßlihen Richtung häuftge Kavalleries 
Streifpatronillen aus, die jeden Unbekannten oder Verdächtigen, 
den fie im Umfreife der Feſtung treffen, anhalten und zurüds 
führen. 

2. Falt die Befagung in größerer Zahl aus, und find die 
Leute mit Senfen, Striden, Säden u. dgl. verfehen, oder fahren 
MWägen nad, fo ift, e8 Klar, daß man eine Approvifionirung im 
Sinne hat; — man follte daher ftets im Umkreiſe einer Stunde 
alles, was der Beſatzung vom Nugen fein fünnte, ald: Stroh, 
Holz, Getreide, Mehl, Wein, Schlachtvieh u. dgl. ſchon im 
Voraus megfchaffen oder vernichten. 

3. Erfährt man durd vertraute Kundfchafter, daß bie Ber 
fagung einen Transport von Lebensmitteln oder Munition, eine 
Verftärfung an Mannfchaft, oder einen völligen Entſatz erwartet, 
und melden unfere umberftreichenden Patrouillen die Annäherung 
feindlicher Abtheilungen, fo läßt fi durch die Bergleichung der 
Unftände der Zwed und die Richtimg eines erfolgenden Ausfalles 
mit Wahrfcheinfichfeit beftimmen. Geſchieht Dagegen 

4. ein Ausfall in bedeutender Stärfe mit mehreren Batte⸗ 
rien Geſchütz und im Gefolge gr Bagagewägen, fo darf man 
annehmen, daß die Befapung Pie Feltung verlaffen und fich mit 
dem Landvolke oder einer andern in der Nähe befindlichen 
Truppe zu Unternehmungen im offenen Felde. verbinden will. 

Die. Kommandanten der Piquete und Truppenabtheilungen 
find daher anzumeifen, auf die befonderen Kennzeichen diefer, zu 
verihiedenen Zwecken unternommenen Ausfälle ihr Augenmerk zu 
sichten, und hierüber genaue Meldungen zu erftatten. 

Was die Berhaltungen bed Beobachtungskorps gegen feind⸗ Berpalten bei 
Tiche Ausfälle betrifft, fo werden, fobald man ein ſolches Unter⸗ Bf un 
nehmen vermuthet, die bedrohten Poften verftärkt, und das Gros 


Haupfregel 
hiebei. 


Vorſicht 
gegen 
Täufchung. 


394 





ded Korps felbft in ſteter Bereitſchaft gehalten; ferner bemers 
gen wir: 

1. Diejenigen Detafhements, auf die ſich der Feind wirft, 

geben zur Allarmirung der ganzen Poftenlette Die verabredeten 
Signale, und trachten während ded Kampfes die Stärke und 
Abſicht des Ausfalles zu entdeden, wovon fie dann unverweilt 
dem Kommandanten des Beobachtungskorps eine moͤglichſt details 
Hirte Meldung einfenben. 
' 2. Die dem angegriffenen Poſten zunächit ftehenden Detas 
ſchements werfen fi in die Flanken oder den Rüden des Feindes, 
um ihn dadurch entweder fchnell wieder zurüdzufclagen, ober fo 
lange zu feileln, bis die Haupttruppe herbeieilt. 

3. Iſt der audfallende Gegner jedoch unverhältnißmäßig ftarf, 
und greift mit ſolchem Ungeſtüm an, daß die vereinigten Detas 
ſchements ihm nicht länger zu widerfichen im Stande find, fo 
ziehen fie fich in der ihnen bereitd im Voraus gegebenen Rich⸗ 
tung zuräüd, und trachten durch zeitweife vereinte Gefechte, ange, 
legte Hinterhalte u. dgl. den Gegner aufzuhalten, und dadurch 
Zeit zu gewinnen. 

4. Der Kommandant ded Beobachtungskorps, durch Die 
einlaufenden Meldungen von der Staͤrke und Abficht des Fein⸗ 
des, fo wie vom Gange ded Gefechtes unterrichtet, entwirft 
fhnefl eine den Umftänden entiprehende Dispofition, eilt mit 
dem Gros feiner Xruppe dem Feinde entgegen, und trachtet 
durch Eräftige und zweckmäßige Maßregeln und Gefechte die 
Abfichten des Gegners zu vereiteln und den Ausfall zurüczumerfen. 

Sn folchen Gelegenheiten bleibt ed jedoch für das Beob⸗ 
achtungskorps eine Hauptregel, fih mit dem Feinde, er möge 
den Ausfall aus was immer für Gründen unternommen haben, 
im SKanonenbereihe der Feſtung durchaus in fein ernftliched Ges 
fecht einzufaffen; weicht daher der Gegner, fo ift derfelbe mit 
größeren Abtheilungen nur bid in den Ertrag feines auf dem 
Malle ftehenden Gefchüges zu verfolgen. 

Die Beſatzung einer Feltung tracktet übrigens öfters, das 
Beobachtungskorps durch wiederholte, zu keinem Zwecke führende 
Ausfälle einzufchläfern, um dann beim Cintritte des günfligen 
Augenblide6 deito ficherer die vorhabende Abſicht zu erreichen;, 
auch werden nicht felten mehrere Ausfälle zugleich unternommen, 
um unfere Aufmerffamleit zu theilen, und im Zweifel über bie 








395 


eigentliche Abſicht zu erhalten, oder gar zu falſchen Maßregeln 
zu verleiten. Der Kommandant eined Beobachtungskorps hat 
daher gegentheilig ‚auf eine ununterbrochene, ſtrenge Wachſamkeit 
feiner Poften zu fehen, und ſich durch Scheinbewegungen nicht 
irre leiten zu laſſen. 

Geſchieht der Ausfall der Befabung in ver Abſicht, ſich zn Benehmen bei 
Unternehmungen im freien Felde durchzuichlagen, fo werden bie Ve Pi 
Truppen des Beobachtungskorps fchnell zufammengezogen, um ſich durchzu⸗ 
dem Gegner zu folgen, und ihn, wie ſich in gehöriger Entfer⸗ ſchlagen. 
nung von der Feſtung ein für die Kavallerie beſonders guͤnſtiges 
Terrain darbietet, mit vereinter Kraft anzugreifen und zu fchlas 
gen. Hiebei tradıte man vorzüglich. dem Feinde den Nüdzug zu 
fperren, ihn von der Feſtung abzufchneiden, zu zerftreuen oder 
gefangen zu nehmen. 

Wäre jedoh das Beobachtungskorps zu einem ſolchen 
Unternehmen zu ſchwach, oder die Gegend für Kavalleriegefechte 
unguͤnſtig, dann bemühe man ſich, wenigſtens den Marſch des 
Gegners durch Zerſtörung der Brücken und Wege, durch gelegte 
Hinterhalte, ſo wie durch Angriffsdemonſtrationen möglichſt zu 
verzögern, ihn zugleich ſtets in ſo lange zu verfolgen, bis man 
deſſen wahre Abſicht entdeckt, waͤre man auch nicht im Stande, 
elbe zu vereiteln. 

Erfährt man, daß eine feindliche Truppe heranruͤckt, welche Bei und 
Lebensmittel, Munition oder Verftärfungen in die Feftung zu "ae Trans 
werfen beabfictigt, fo muß der Kommandant ded Beobach⸗ porte oder 
tungskorps Vernartun— 

1. über ihre Stärke, Waffengattung und über die Zeit, 
wann fie an einem gewiflen Punkte eintreffen, fih genaue 
Kenntniſſe verfchaffen, und 
2. beurtheilen, in wie ferne bie Beſatzung durch einen 
Audfafl die zu erwartende Unternehmung begünftigen und er⸗ 
leichtern konne. 

Eind die heranrüdenden feindlichen Truppen ſchwach, fo if 
ed oft binlänglich, ihnen ein verhältnißmäßiges Detafchement 
entgegenzufenden, um fie zu fchlagen und fich der beihäbenden 
Transporte zu bemächtigen, während ber übrige Theil des Be» 
obachtungskorps, unter Waffen ftehend, der Befagung zeigt, daß 
man anf einen Ausfall bereit fei. Waͤre jedoch der Gegner faft 
in gleicher Stärfe mit dem Beobachtungslorps felbft, dann hat 


400 


— — — — 
*5 — — — * 


durch eine freie Kommunikation nach allen Richtungen ſchnell 
jeder bedrohten Strecke zu Hilfe eilen zu köͤnnen. Im Allgemei⸗ 
nen müffen alſo ſolche Vorkehrungen getroffen werden, daß auf 
allen Punkten, gegen welche die Beſatzung der Feſtung einen 
Hauptausfall machen Tann, ſich ſchnell eine‘ hinlängliche Truppen» 
zahl zu verfammeln und bem Gegner mit Erfolg die Stine zu 
bieten im Stande fet. 
Befeſtigung 2. Alle im Bereiche ſeiner Aufſtellung liegenden Walder, 
ne Dörfer, Höfe, Häufer, mit Mauern umgebene Gärten u. dgl. 
Terraingegen» nach den in ber flebenten Abtheilung dieſes Yeldunterrichtes ans 
nde. gegebenen Erklaͤrungen zur größern Haltbarkeit befeſtigen und 
in den beftmöglichiten Vertheidigungsſtand ſetzen. 
Anzulegende 3. In dem Umkreiſe der Zeitung auf den ſchicklichſten hiezu 
Schanzen. gewaͤhlten Punkten ſtarke Redouten, welche ſich wechſelſeitig durch 
ihr Geſchütz vertheidigen, erbauen laſſen. Dieſe brauchen nicht 
groß zu fein, da ſie ſonſt zu viel Truppen erfordern, müſſen 
dagegen einen ftarfen Durcfchnitt und fo viel möglich angelegte 
Sinderniffe haben, um jeden feindlichen Angriff bis zum Ein 
treffen der Unterflügungen abweifen zu Fönnen. Auch dürfen fie 
nicht in dem wirffamen Kanonenfhuß der Feftung liegen, weil 
das überlegene Feuer derfelben fie fonft bald zerftören oder uns 
befegbar machen würde. Bor ben Redouten gräbt man gewöhn⸗ 
ih in angemeffener Entfernung von einander kleine Gruben 
aus, die man bei Tage mit einigen guten Schügen befegen Läßt, 
wodurch der Feind felbft in dem bededten Wege beunruhigt 
werden kann. In der Nacht, bei Nebel und fchlechtem Wetter 
bleiben die zur Beſatzung beftimmten Abtheilungen in den ihnen 
angewiefenen Verfchanzungen, bei Tage aber fann man fie aus 
ſelben zurückziehen, doc müſſen fle dann ſtets in Bereitſchaft 
gehalten werden, und bei Feindesgefahr ſchnell wieder ihre Re⸗ 
douten beſetzen. Sollte uͤbrigens der Blockade ſeiner Zeit eine 
foörmliche Belagerung nachfolgen, fo find die verſchiedenen Ver⸗ 
ſchanzungen fo viel möglich dergeftalt anzulegen, daß fie die 
Eröffnung der Tranfcheen begünftigen und mit diefen dann in 
Verbindung gebracht werden Fünnen. 
Aufſſtellung Hinter dieſen Verſchanzungen lagern größere Abtheilungen, 
der Haupt⸗ um die Beſatzung, wenn ſie die Redouten ſtürmen oder zwiſchen 
truppe · denſelben durchdringen wollte, mit Nachdruck angreifen und zurück⸗ 
ſchlagen zu koͤnnen; das Gros des Einſchließungskorps aber 








0 





lagert an Punkten, die ſich durch die Vereinigung mehrerer Kom- 
munifationen für ihre Aufftelläng befonderd eignen, oder bezieht 
nach Umftänden enge Kantonirungen; worüber die Berfihiedens 
heit ded die Feſtung umgebenden Terrains, fo wie die zu befors 
gende Feindesgefahr weſentlich entfcheibet. 

Die näheren Detaild der Einſchließung einer Geltung erges 


ben ſich, wie folgt, durch ihre beſondere Lage: aa allgem. 
Bei Bergfes - 


Bergfeftungen fperren entweder Gebirgspäfle, oder liegen 
am PVereinigungspunfte mehrerer Thäler. — Je gebirgiger und 
durchfchnittener die Gegend ift, deſto weniger Zufammenhang 
fönnen die Vorpoften unter fich und bisweilen mit dem Haupts 
korps ſelbſt haben. Diefer Nachtheil ift jedoch nicht fehr erhebs 
lich, weil Bergfeftungen in der Regel Fein, und ihre Garnifonen 
zu wirffamen Ausfällen gewöhnlich zu ſchwach find, die fie ein» 
fahließenden Borpoften aber im Gebirge fehr leicht vortheilhafte 
Aufſtellungspunkte finden, wo fle fich einige Zeit ohne Unter⸗ 
ftügung vertheidigen können. Man benöthiget demnach zur 
Einfhließung der Bergfeftungen wenige Truppen, da durch Bes 


fegung der Hauptzugänge ohnehin die Verbindung nach außen 


größtentheilg aufgehoben wird. 


zefondere 
8 der 


ftungen. 


Bei Feſtungen in fumpfigen Gegenden iſt bie Einfhließung Dei Befkungen 


ebenjo leicht, wie bei jenen im Hochgebirge, da fich außer den 
Straffen und Dämmen gewöhnlich nur wenig gangbare Stellen 
vorfinden, und man daher nur erftere zu befegen braudt, um 
der Feſtung jede Verbindung abzufchneiden. Sind jedoch die 
verfchiedenen Zugänge durch eigene, am Rande des Sumpfes 
angelegte Werfe gededt, fo muß man feine Aufmerkfamleit vor⸗ 
züglich gegen diefe richten und ihnen gegenüber Verfchanzungen 
aufwerfen, um fi auf alle mögliche Art gegen Ausfälle zu ſichern. 

Feltungen an Flüſſen haben den Nacıtheil, daß das Eins 
ſchließungskorps ſich erft mittelft Brücden Kommunikationen eröffs 
nen muß, während der Gegner den Bortheil genießt, fich mit 
überlegener Macht auf einen der getrennten Theile des Blockade⸗ 
korps werfen zu Sönnen, ohne daß die übrigen, durch das zu 
paflirende Deftlee getrennt, ſchnell genug herbeizueilen im Stande 
find. Unter ſolchen Umftänden ift e8 am zweckmaͤßigſten, nad) 
gehöriger Befegung der Umgegend mit Borpoften und Unter⸗ 
ftügungen, die Hauptreferven in der Nähe der Kommunikations⸗ 
brüden aufzuftellen, fo wie mehrere der Setteren zu errichten und 

26 


fumpfigen 
Gegenden. 


An Fluͤſſen. 


- 


zu ihrer Erhaltung die größte Vorfict und Aufmerkſamkeit anzus 
wenden, da der Gegner ficher alled aufbieten wird, felbe durch 
Brander, Minenſchiffe oder Ausfälle zu zerftören. 

Mit künſtli⸗ Haben Feltungen Fünftliche Liberfchmemmungen, fo muß 

ben Uiber- man genau unterrichtet fein, wie weit diefe reichen, und beurtheis 

nun fen, ob man nicht durch Zerflörung eines ſchlecht bewachten Danıs 
mes, Deffuung oder Bemädtigung einer Schleuße u. dgl. dem 
angeftauchten Wafler einen Abfluß verſchaffen und die Uiber⸗ 
ſchwemmung dadurch heben könne. 

Bei Feſtungen Bei Feſtungen, die am Meere liegen, laßt ſich ohne einer 

am Meere, verhältnißmäßigen Seemacht der Zweck der Einſchließung gar 
nicht erreichen, und man muß ſich daher in einem ſolchen Falle 
auf eine bloße Beobachtung derſelben beſchraͤnken. 

Nach dieſen Erklärungen über die Ausſtellung der Truppe 
zur Einſchließung einer Feſtung ſchreiten wir zu den Verhaltun⸗ 
gen der verſchiedenen Poſten, um den beabſichtigten Zweck der 
Blockade zu erreichen und jedem Ausfalle ſchnell die Stirne zu 
bieten. 

Verhalten der 1. Die Vedetten muͤſſen unablaͤſſig wachſam fein, und jede 

Vedetten. hemerkte Bewegung oder Veränderung, als: das Erſcheinen ein 
oder mehrerer Perſonen außerhalb der Feſtung, Lärm, der in 
berfelben gehört wird, Arbeiter am Glacid, im bededten Wege 
oder anderen fichtbaren Theilen, Verftärfung oder Verminderung 
gewiſſer Poften, gänzlice Stille in vorher befegten Außenwerfen, 
die vielleicht verlaffen wurden, u. dgl. unverweilt anzeigen. 

Der Dffisiere. 2. Die Offiziere haben nicht nur ihre Mannfchaft auf alle 
diefe Fälle aufmerffam zu machen, fondern ſich felbft öfters zu 
den äußerſten Poften zu begeben, das von felben Wahrgenom- 
mene näher zu beobachten, und indem fie jedes Ereigniß beffer 
zu beurtheilen im Stande find, hierüber eine detaillirte Meldung 
zu erſtatten. 

Der Unterftüs 3. Für die Unterflügungen und Reſerven beruhen die Ders 

en and haltungen im Wefentlihen darin, daß, wenn der Feind die Vors 

poſten mit Uibermacht angreift, fie demfelben in, die Flanke gehen 
müffen, welches auch von den nebenftehenden nicht angegriffenen 
Piqueten zu beobachten ift. Zugleich werden ihnen jene Puntte 
beftimmt, wo fie fi, bie zum Anlangen der Haupttruppe zu vers 
theidigen, oder wohin fie ſich zurüdzuziehen haben. Diefe Snitrufs 
tionen find auf den Fall großer und wichtiger Unternehmungen 





„403 





des Feinded und zur Befeitigung der, beionders bei nächtlichen 
Ausfällen fo leicht entitehenden Vermwirrungen — unumgänglicd 
nöthig. Uibrigens gefihieht die Vertheidigung der hiezu vorbes 
reiteten Häufer, Gärten, Dörfer, Wälder, fo wie der angelegten 
Berfhanzungen, nadı den Erklärungen der ficbenten Abtheilung 
dieſes Feldunterrichtes. 

4. Die Dispoſition für das Hauptkorps betrifft die Unter⸗ Der Haupt 
ftüsung der mit Uibermacht angegriffenen Theile der Vorpoſten⸗ truppe. 
kette, um den Feind, er möge den Ausfall aus was immer für Abſicht 
unternehmen, ſchnell zurückzuwerfen und ihn zu verhindern, außer⸗ 
halb der Feſtung Terrain zu gewinnen. Hiezu iſt aber Schnellig⸗ 
keit in der Ausrückung und Formirung das erſte Erforderniß, 
weshalb ein Theil der Haupttruppe ſtets in Bereitſchaft gehal⸗ 
ten wird. 

5. Gibt der Feind durch Vernachlaͤſſigung irgend einer Benüutzung 
Borfihtömaßregel Gelegenheit zu einem Uiberfalle der Feſtung, FE 
oder wäre ed möglich, in Einverftändniß mit Bewohnern derfels | 
ben in ihren Befig zu gelangen, fo muß ter Kommandant des 
Einfchließungsforps folche günftige Umftände nie vorübergehen 
lafien, fondern vielmehr durch ſchnelle Benügung derjelben und 
einem rafch ausgeführten Coup de main fic entweder ded ganzen 
Plage, oder wenigitend einzelner Werke zu bemächtigen trachten. 

6. Bei nädıtlihen Ausfällen erbelle man die Gegend durch Erleuchtung 
Leuchtfugeln oder durch Raketen⸗Leuchtballen, welche legtere mittelft Dr enbbel 
eined Fallſchirmes gegen drei Minuten in der Luft ſchwebend . Ausfällen. 
erhalten werden, einen Umfang von 600 Schritten im Durch⸗ 
meſſer beleuchten, und es daher und möglich machen, die Richtung 
und Stärfe des feindlichen Ausfalld zu beurtheilen und aus dielen 
auf die währfceinliche Abficht ded Gegners zu fchließen. Uibri⸗ 
gens kann man fich der ermähnten Leuctballen auch mit vielem 
Bortheile ald Nachtfignale zur Allarmirung der ganzen Poltens 
fette bedienen. 

Hat man den Befehl, mit der Einfchließung die Beſchießung Benehmen, 
zu verbinden, welches vorzüglich dann gefhieht, wenn die Vor⸗ Penn die Je 

„ a: , ftung gleichzei⸗ 
räthe nicht in Kafamatten untergebracht find, oder die Feſtung tig befcoflen 
zugleih ale Stadt fo groß und bedeutend ift, daß man hoffen werden fol. 
darf, die Uibergabe durch die bedrohte Vernichtung zu bewirken, 
fo muß der Kommandant nach der Kenntniß, die er von dem 
Snnern bed Plaged und den darin getroffenen Anftalten des 

26* 





404 





Feindes haben foll, die Punkte zur Anlegung ber Batterien bes 
Anlegung der ſtimmen. Solche Batterien werden in die Erde eingefenft, um 
Batterien. dem feindlichen Gefüge weniger Blöße zu geben, und da man 
die Arbeit dadurch fehr erleichtert, fo können foldhe in einer 
Nacht in völligen Stand geſetzt und mit dem beftimmten Wurf⸗ 

geſchütz verfehen werden. 


Koncentrirtes Um eine große Wirkung hervorzubringen, muß man bem 
deu derſel. Gefüge ber verfihiedenen Batterien eine gleiche Richtung geben, 
indem fonft das Feuer, vorzüglid wenn die Feftung groß 
ift,. fih gu fehr zerftreut. Da in der Nacht die Beſchießung 
immer größere Berwirrung ald am Tage hervorbringt, fo if 
erftere hiezu auch vorzüglich zu wählen. Ebenfo hat die Ablo⸗ 
fung der Mannfchaft und des Gefchüges immer bei Nacht zu 
geichehen. 
Derpalten bei Obſchon die Einfchließung eines Platzes gewöhnfich nur dann 
denden Ente unternommen wird, wenn die Armee diefe Unternehmung zu deden 
fape vermag, fo treten doch auc Fälle ein, daß ein Einſchließungskorps 
einen anrücenden Feind, der entweder bie Feſtung völlig zu entfegen 
oder doch zu approvifioniren Willens ift, begegnen muß. — Der 
Kommandant desfelben muß in einem folhen Falle dem Gegner, 
wenn er ihm gewachfen zu fein glaubt, ebenfalls entgegenrüden, 
ohne ſich jedoch hiebei zu weit von feinem Beobachtungskorps 
von der Keftung zu entfernen. Er darf jeboch nur in der Außer 
-ften Noth, wenn nämlich der anrüdende Feind fo ftark if, daß 
er, um ihn zu ſchlagen, aller ſeiner Kraͤfte beduͤrfte, die Ein 
fchließung ganz aufheben; außerdem muß er feine Redouten hin⸗ 
länglich befegt halten und eine Truppe zu ihrer Unterfügung 
zurücklaſſen, um die Befagung auch während feiner Entfernung, 
die aus biefem Grunde nicht zu groß fein darf, im Zaume zu 
halten. 


Tritt jedoch der äußerfte Fall ein — und muß ein Kom 
mandant alle feine Truppen dem vorrüdenden Feinde entgegen⸗ 
führen, dann ift es befler, wenn er fich mit benfelben weit von 
der Feflung entfernt, damit die Befagung wenigftens feinen Ans 
theil am Gefechte nehmen kann, wenn fie auch die ‘Zeit bemühen 
follte, aus der umliegenden Gegend Lebensmittel zu holen und 
die zur Einfchließung aufgeworfenen Werte zu zerſtoͤren. 





4105 





Iſt endlich der anrüdende Feind fo ſtark, daB das ganze Bei Uiberle⸗ 
Blockadekorps bemfelben nicht gewachfen if, dann if ed am „Aerken. 
beiten, bei Zeiten bie Einfchließung aufzuheben und ſich zuruͤck⸗ 


zuziehen. 


De 


Zwölfte Abtheilung. 


Führung, Vertheidigung und Angriff eines 
Trausportes. 


41. 
Von der Führung eines Transportes überhaupt. 


Eine der ſchwerſten Aufgaben im Kriege iſt die Führung Allgemeine 
von Transporten, weil letztere bei ihrer großen Ausdehnung Feen 
und ihrem verfchiedenartigen Zwede einer Menge von Zufällen Transporte. 
unterworfen find, und dem Feinde viele Blößen zu einem vors 
theilhaften Angeiffe barbieten. Aus je mehr MWägen ein Trans 
port befteht, je länger daher feine Marſchlinie, je mehr dieſe 
den Angriffen des Gegners ausgeſetzt und je durchichnittener das 
Terrain ift, defto gefahrvoller und fchwieriger wird die Ausfüh⸗ 
rung einer folchen Uinternehmung. 

Das Requiſitionsſyſtem, das in ben Revolutionskriegen 
entſtand und auf die größere Beweglichkeit der Heere, ſo wie 
auf das ganze Weſen der Kriegskunſt einen entſcheidenden Ein⸗ 
fluß äußerte, verminderte zwar in vieler Hinſicht den Nachſchub 
der für eine Armee nöthigen Bebürfniffe; weshalb und die leiten 
ren Feldzüge feine Beifpiele von fo großen, aus mehreren taufenb 
Wägen beftehenden Transporten darbieten, wie fie in den frühen 
ren und befonderd im flebenjährigen Kriege ftattfanden. Dem» 
ungeachtet fünnen dieſe Fälle in wenig Eultivirten, wüften oder 
folken Ländern, wo dad Bolt am Kriege Antheil nimmt und 
feine Hilföquellen. dem Heere verfchließt, wieder eintreten; bedeu⸗ 
tende Transporte dagegen werben felbft da, wo man Requiſitio⸗ 
nen erhebt, dem Heere ſtets nachgeführt, um es nach Umfländen 


Details einer 
Fuhrweſens⸗ 


diviſion. 


406 


— —⸗ 





mit Lebensmitteln, Munition, Waffen, Belagerungsgeſchutz und 
anderen Bebürfniffen zu verfehen. Um über bie Führung eines 
Eonvoid die nöthigen Detaild angeben zu fünnen, ift ed übrigen 
nöthig, zuerft nacfolgender Punkte ald Maßſtab aller vorfoms 
menden Zeits und NRaumberechnungen zu erwähnen. 

1. In der öfterreichifchen Armee befteht eine Fuhrweſens⸗ 
diviſion aus 50 vierfpännigen Leiterwägen, nebft einer zweiſpän⸗ 
nigen Felbfdmiede, einem zweifpännigen Bagages und einem 
vierfpännigen Dedelmagen. 

2. Jeder vierfpännige Wagen nimmt in der Känge einen 
Raum von Al und jeder zweilpännige von 21 Schuh ein. 

3. Eine Zubrmefensdivifton bedarf demnach im Marfche 
mit Beobachtung der vorgefchriebenen Sntervalls von 3 Schritten 
zwifchen einem Wagen und dem andern eine Strede von beis 
läufig 400 Klaftern oder 1000 Schritten. 

4. Sind Pulverwägen beim Transporte, die nad Umftäns 
den die Spike oder den Nachzug bilden, fo müffen felbe mit 
Zwifchenräumen von 20 Schritten fahren, wodurch der Convoi 
alfo eine noch größere Ausdehnung erhält. 

5. Die Ladung eines vierfpännigen Wagens foll nie mehr 
ald 25 bis 30 Gentner betragen. 

6. Auf guten Wegen legt eine Divifion in 10 Stunden 


- 4 deutihe Meilen, und zwar 2 Bor und 2 Nachmittags zurück. 


Entwurf 
des Marſch⸗ 
planes. 


Bedeckung 
des 


Transportes. 


7. Um gänzlich abzufahren, benöthigt felbe, wenn feine 
verzögernden Umftände obwalten, eine halbe Stunde, 

Diefed voraudgefegt, fhreiten wir zu den Erflärungen der 
zweckmäßigen Führung eined Transportes. Leßtere beruht haupts 
fählich auf dem Entwurf eined dem Terrain und den verfdies 
denen anderen obwaltenden Umftänden entiprechenden Marfchs 
planes, daher ed nöthig ift, mit der ganzen Gegend, der Anzahl 
und Befchaffenheit der Wege befannt zu fein, fo wie auch ſichere 
Nachrichten vom Feinde zu befigen. Uiber die näheren Anorbs 
nungen zur Führung einer Gonvoi bemerfen wir: 

1. Seder Tranport wird durch eine feıner Stärke und Wich⸗ 
tigfeit angemeffene Truppenzahl begleitet, welde während 
ded ganzen Marſches unter dem Befehle des Transports⸗ 
fommandanten fteht, von ihm zur Sicerheit der Gonvot 
nad Umftänden verfhieden zu verwenden ift, und nah Bes 
ſchaffenheit des Terrains entweder aus mehr Infanterie oder 


_ 407 _ 
Kavallerie befteht. Größeren Trandporten werben ſtets 
einige feichte Artilferies, befonderd Kavalleriegeſchütze beis 
gegeben. . = 

2, Diefe Bedeckung theilt man in drei Haupttheile, melde die une 
Avants und Arrieregarde, fo wie die Seitenforps zu bilden Vor, Seitens 
haben. Zu einer ebenen und offenen Gegend wird die Ka⸗ und Nachhurt. 
vallerie zur Bor» und Nachhut, die Infanterie aber zu den 
Seitenforpd verwendet; in einem durcfchnittenen Terrain 
Dagegen befindet ſich der größte Theil der Kavallerie bei 

‚ber Arrieregarde, und yur einzelne Detaſchements derfelben 
marfchiren zum augenblicklihen Gebrauch bei der Avantgarde 
oder den Seitenforps. Librigens befinden fich bei der Vorhut 
ſtets einige Abtheilungen Pionniers oder andere Militärs 
arbeiter, um nöthigen Falls Straffen oder Brüden zu ver» 
befiern, oder in Ermanglung der letteren neue zu Schlagen. 

3. Was die Stärfe der verfchiedenen Abtheilungen betrifft, fo laßt Stärke diefer 
fich diefe nur durch eine richtige Würdigung der obwaltenden Abtheilungen. 
Umſtände und der allenfalls drohenden Feindesgefahr bes 
ſtimmen; ftetd hat jedoch die Hanpttruppe dort zu marfchiren, 
wo eine Gefahr zu vermuthen ift, weshalb fie ſich nach 
Umftänden bald an der Tete, bald in ven Flanfen der 
Eonvoi befindet. Da die letzteren aber die ſchwächſten und 
längften Theile des Transports bilden, fo wird gemöhnlic 
die Ceitenhut am ftärfften, die Arrieregarde, dagegen am 
ſchwaͤchſten gemacht, weil ein Angriff auf die Queue der 
Wagenfolonne am wenigften gefährlic, ift. 

4 Die Avantgarde fendet mehrere Stunden vor dem Abmarfche Vorpatrouil— 

bed Transportes verhäftnißmäßige Patronillen, befonders aus *" PR a 
Kavallerie beftehend, vor, um die Befchaffenheit der Straflen, - 
Brüden, fo wie dad ganze Terrain zu refognoßciren, 
Nachrichten vom Feinde zu erhalten, fein Anrücken frühs 
zeitig zu entdeden, und einftweilen alle vorwärts liegenden 
Defileed zu befegen. 

5. Um den Abmarfch eined Transportes zu erleichtern, wird Abmarſch des 
derſelbe in Kolonnen von 50 oder 100 Wägen abgetheilt, randkange 
und jede folgende hat erft dann anzufpanıen, wenn zwei nen Abtheis 
Drittheile der vorhergehenden Abtheilung bereits abgefahren lungen. 
find; denn angenommen, ein Transport von 1000 Wägen 
hätte eine Strede von 4 deutfchen Meilen auf einem Wege 


408. 
EIESZZEZLSRDERERNE 
zurüczulegen, der fo beſchaffen if, daß ein geladener Wagen 
zu einer Meile 3 Stunden benöthigt, fo wird, da 50 Wägen 
. eine Strede von 1000 Schritten einnehmen, der 501. Wagen 
erit 3, der 1000. aber erft 6 Stunden nah dem eriten 
abzufahren im Stande fein. Wollte man nun alle Wägen 
zugleih anfpannen laſſen, fo müßte der größte Theil der 
Pferde dergeftalt mehrere Stunden ftehen bleiben, wodurd 
fie nethwendig zu Grunde gerichtet, und zum ferneren Dienit 
unbraudbar gemacht werden. Die Avantgarde bricht vor 
der erften, die Seitenkorps gewöhnlich gleichzeitig mit ber 
‚mittleren Wagenfoloune auf, die Arrieregarde folgt aber 
der legten Abtheilung erfi dann, wenn ſich diefe bereits in 
angemeſſener Entfernung vor derfelben im Marſche befinder. 
Geld und? 6. Tie Geldwägen fahren ftetd an der Spige der erfien Abs 
eg tbeilung, die Pulverwägen aber werden gewöhnlich in allen 
Abtheilungen vertheilt, und beobachten, wie bereitd erwähnt 
wurde, eine wechſelweiſe Diltanz von 20 Echritten. 
Aufenthalt 7. Ter Kommandant ded Xrandported gibt die Abtheilung 
des Kommans befannt, bei welcher er anzutreffen ift, und wohin von der 
u Avants, Arrieregarde und den Seitenkorps die betreffenden 
Meldungen einzufenden find. 
Drdnung 8. Während des Marfches hat, um jede Stodung zu vermeis 
Gele den, die größte Ordnung zu beftehen. Die erften Wägen 
fahren langſam und im gleichen Schritte fort, die übrigen 
bleiben fortwährend angefchloflen, und die bei den verfchies 
denen Kolonnen eingetheilten Offiziere und Linteroffiziere 
haben hierauf mit Strenge zu fehen, und jeder unnöthigen 
Verlängerung oder Trennung des Zuged möglichft vorzus 
beugen. Beſteht der Transport aud Landmwägen, dann 
werden zur Bewachung der Fuhrleute und zur Erhaltung 
der möglichiten Ordnung überdied noch Kleine Kavallerie, 
abtheilungen rechts und links der Wagenreihe vertheilt. 
Benehmen, 9, Bricht bei einem Wagen etwas, oder bfeibt derfelbe fteden, 
ve Hricht oDet fo müffen die rümwärtigen, wenn fie nicht vorfahren können, 
ſtecken bleibt. in und neben der Strafle, wie fie hiezu Plag finden, aufs 
fahren, um den Zug zu verfürzen, während man unermüdet 
trachtet, das Schadhafte herzuftellen, oder deu ftedden geblies 
benen Wagen durch Vorſpannung anderer Pferde wieder in 
Gang zu fegen. Sollte jedoch die Herftellung der beſchädigten 














409 





Waͤgen eine längere Zeit erfordern, fo bringe man bie 
betreffenden Fuhrwerke einftweilen aus dem Zuge, welche 
dann, fobald ed ihnen möglich, wird, ihrer Abtheilung nad 
fahren, oder fih an eine ber hinteren Kolonnen anfcließen, 
und hievon dem Kommandanten des Transportes die Mels 
dung erftatten. Uibrigens ift es ſtets vortheilhaft, jeder 
Abtheilung einige leere Wägen zur Aushilfe beizugeben. 

10. Geſtattet es die Breite der Straſſe, in einer doppelten Marie in 
Wagenreihe zu fahren, fo wird dadurch die Ausdehnung Wogenreihen. 
ded Zuges um die Haͤlfte vermindert, der Transport leichter 
überfehen, und man gelangt in weniger Zeit mit der gans« 
zen Convoi an den Drt der Beftimmung. In einem folden 

Kalle müßte jedoch auch für einen dritten Wagen Raum 
vorhanden fein, da font durch entgegentommende Fuhrwerke 
‚die größte Verwirrung entftünde, und man auch bei einem 
Angriffe nicht im Stande wäre, nach Umftänden dad Ges 
ſchütz mit Schnelligkeit vors oder rüdmwärtd zu bringen. 

11. Ebenfo wird der Zug eined Transported bedeutend abges Auf mehreren 
fürzt, wenn es die Beicaffenheit des Terrains geftattet, in Skraſſen. 
mehreren eingelnen Kolonnen auf verfchiedenen Wegen zu 
marſchiren; doch dürfen dieſe letzteren zwiſchen der Auf⸗ 
bruchs⸗ und Einquaärtirungsſtation nicht zuſammenlaufen 
oder ſich kreuzen, weil ſonſt durch das Halten der einen 
Wagenkolonne der Nutzen wieder verloren geht, den man 
anfänglich gewonnen hat. Bei Feindesgefahr hingegen iſt 
es ſtets ein großer Vortheil, ſeinen Zug, und folglich ſeine 
Vertheidigungslinie zu vermindern, wenn auch auf einem 
gewiſſen Punkte eine der Kolonnen halten und das Vor⸗ 
überfahren der andern abwarten müßte, 

12. Die Avantgarde rüdt auf eine verhältuißmäßige Entfer⸗ vumaige 
nung vor, nimmt an einem Defilee oder auf einem Hohen⸗ yyanrgarde, 
zuge eine vortheilhafte Stellung, läßt durch Watrouillen Arrieregarde 
fortwährend dad Terrain durchſuchen, und erwartet die Ans Seitenkorns, 
näherung der Wagenfolonne, worauf fie wieder ihren Marſch 
fortfegt, und im Maße, als fi der Transport fortbewegt, 
von einer Stellung in die andere vorrüdt. Die Seiten⸗ 
forp8 bleiben immer nahe bei der Mitte der Wägen, um 
ſich fchnel gegen die Leite, woher der Feind kommt, wen⸗ 
den, oder die Avants und Arrieregarde unteritägen zu 


Bei mehreren 
Kolonnen; 


Benehmen 
bei Paſſirung 
eines Defileed. 


410 


Le ee ae nr — — 2 
% 


koͤnnen; da jeboh ein Transport fih meiſtens langſam 
fortbemwegt, fo würde ſich befonderd die in feiner Flanke 
marfchirende Truppe fehr ermüden, wenn fie ftetd gleich- 
formig dem Wagenzuge folgen müßte. Die Ceitenforps 
fönnen daher oft mehrere Stunden an einer Stelle bleiben. 
und fo für fih felbfttändig von einem Punkte auf den 
andern vorrüden, während Patrouillen länge der ganzen 
Reihe der fahrenden Wägen umherſtreifen, dad Terrain 
durchfuchen und alle in den Flanken der Marfchlinie befinds 
lihen Straflen, Dörfer, Brücden, Defileed u. dgl. in fo 
lange befeßen, bis fie hierin von der Geitenpatrouille der 
Arrieregarde abgelöfet werden. Diefe letztere rüdt indeſſen 
ebenfalld aus einer Stellung in die andere dem Transporte 
allmälig nad, und fichert ſowohl ihre Flanken, ald ihren 
Rüden burd Meine Abtheilungen. Diefem gemäß haben 
demnach alle detafhirten Truppen. nach dem Yortrüden bes 
Transported ihre Bewegungen einzurichten, und fich daher 
von dem Marſche desſelben durch Fleine Verbindungspa⸗ 
trouilfen oder abgeſchickte Unteroffiziere zu überzeugen. 
Gefhieht der Marſch auf verfhiedenen Wegen und in 


. mehreren Kolonnen, fo hat zwar .jebe derfelben ihre eigene 


Vorhut, welche durch Patrouillen®ihre Verbindung erhalten, 
die Sauptavantgarde bfeibt jedoch ftetö vereint, um fid 
nöthigen Falls mit gefammter Kraft gegen den einen oder 
den andern bedrohten Punkt werfen zu fünnen. 


13. Sf ein Deftlee zu p