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Full text of "Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich"

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JAHRBUCH 


PUR 


LANDESKUNDE 


VON 


N  IE  DERÖSTERREICH. 


REDIGIERT 


von 


Db.  MAX  VANCSA. 


NEUE  FOLGE. 
SECHSTER    JAHRGANG. 

1907. 


WIEN  1908. 


VERLAG  UND  EIGENTUM  DBS  VEREINES  FÜR  LANDESKUNDE  VON  NIEDERÖ8TBRREICH. 

DRUCE   TOH  FRIBDRICH  JAUPBR  IV   WIEN. 


i 


JAHKBUCH 


FÜR 


LANDESKUNDE 


VON 


N  IE  DERÖSTERREICH. 


RBDIGIBRT 


▼o« 


Db.  MAX  VANCSA. 


NEUE  FOLGE. 
SECHSTER   JAHRGANO. 

1907. 


WIEN   1908. 


VERLAG  UND  EIGENTUM  DBS  VEREINES  FOR  LANDESKUNDE  VON  NIEDBROSTERREICH. 

DHUCK  TON  PRIBDRICn  JAÜPER  IV  WIEN. 


t^B^^samsamoB 


Verzeichnis  der  beim  Vereine  für  Landeskunde  von 
Niederösterreich  erhältfichen  Druckschriften. 

(Die  beigesetzten  Preise  gelten  nur  für  Mitglieder.  Für  Nichtmitglieder  werden 
die   Preise  erhöht   —    Die   Druckschriften  werden  gegen  Begleichung  des 

Portos  auch  mit  der  Post  zugestellt.) 


I.  Hanpipublikationen  des  Terelnes. 

Blatter  des  Vereines  ftlr  Landeakande  von  Niederflsterreich. 

Vorrätig  sind  noch  die  Jahrgänge:  111  (1869)  bis  IV  (18V0),  VI!  (1873) 
bis  XXlV  (1890),  für  den  Jahrgang  gebunden  K  5*— ,  ungebunden 
K  4--;  XXV  (1891)  bis  XXXV  (1901).  für  den  Jahrgang  gebunden 
K  3'—,  ungebunden  K  2*—. 

Monatsblatt  des  Vereines  fOr  Landeskunde  von  Ni<*derg8teiTeich. 

Jahrgang  1  (1902)  bis  VI  (1907),  für  den  Jahrgang  K  2  — .  (Einzelne 
Nummern  30  h.) 

Jahrbnch  fttr  Landeskunde  von  NiederOsterreich. 

Jahrgang  1  (1867)  bis  II  (1868—1869).  für  don  Jahrgang  Ä'4— .  Neue 
Folge:  Jahrgang  I  (1902)  bis  III  (1904),  VI  (1907).  für  den  Jahrgan«: 
K  2—.  Jahrgang  IV  und  V  (1905  und  1906).  für  diesen  Doppelband 
Ä'4—. 

Administrativkarte  von  Niedergsterreich  in  111  Sektionen. 

Maßstab  1"  =  400»  (1:28.800).  Preis  für  die  Öektion  Wien  samt  Um- 
gebung Jif  2  — .  für  jede  andere  Sektion  K  1  20. 

Topographie  von  NiederOsterreich. 

1.  Band  (11  Hefte),  Allgemeiner  Teil.  II.  Band  (15  Hefte).  Wien  und 
A-E.  ni.  Band  (13  Hefte).  F— G.  IV.  Band  (9  Hefte).  H-J.  V.  Band 
(19  Hefte),  K— L.  VI.  Band  (bisher  14  Hefte  erschienen),  M— Mü.  Preis 
eines  Heftes  K  1*40;  Preis  der  bisher  erschienenen  Bände  zusammen 
K  113-20,  welche  jedoch  auch  in  Monatsraten  zu  K  10*—  bej^lichen 
werden  können.  Für  Schulen  nnd  Gemeinden,  die  zugleich  Mit- 
glieder sind,  ist  der  Preis  auf  Ä"  80—-  herabgesetzt  worden. 

NiederOsterreicbigches  ürknndenbneb. 

I.  Teil.  Urkundenbuch  des  aufgehobenen  Chorherrenstiftes  St.  Polten. 
2  Bände.  I.  Band  K  10-.  II.  Band  K  6—. 

Studien  znm  älteren  Osterreichischen  ürknndenwesen. 

Von  Dr.  Oskar  Freiherr  von  Mitis.  1.  Heft  (1906)  K  1-— ,  3.  und 
4.  Heft  (1907)  K  2-. 


II.  Elnzelansgaben. 

(Die  Bezeichnung  Sa.  bedootet  Sondcrabdruek  ans  den  »Blattern  des  Voreines  für  Landeskunde«.) 

K 
Adam,  Dr.  Zur  Geschichte  von  Wiener-Neustadt,  1867 —^O 

Baner,  Dr.  Josef.  Die  Anfänge  der  Ostmark,  1876,  Sa —-70 

—  Der  Fiscus  regius  unter  den  fränkischen  Königen,  1878,  Sa.     .    1*40 

—  Dr.  Josef  Ritter  von.    Das  Bruderschaftswesen  in  NiederOster- 
reich. 188Ö,  Sa .   .  —-70 

Beck  von  Mannagetta,  Dr.  Gflnter.  Die  Nadelhölzer  Nioderöstcrreichs, 

1890,  Sa 1- 

Becker,  M.  A.  Emmerberg,  1883,  Sa 1-— 


JAHRBUCH 


FÜR 


LANDESKUNDE  von  NIEDERÖSTERREICH 


k.b:idigmkk,t 


VON 


Dh.  MAX  VANCSA. 


NEUE  FOLQE, 
SECHSTER   JAHROANG 

1907. 


WIEN  1908. 

TSRI^O  DMD  EIGINTUM  DBS  VRRBINKS  FÜR  LANDKSKDNDR  VON  NIEDBRÖSTBRREICH. 


URUCK  VON  FRIBDRICH  JA9PKH  IN  WIEN. 


200R4 1 A 


Mto 
Ckackichte  d«r  Kolonisation  dei  WaldyierteU.  Von  Dr.  Frans  HeiUberg     .        1 

Du  Franonkloster  Himmelpforte  in  Wien.  (Sohlnfi.)  Von  P.  Alfonit  2&k    .    .      93 

Nachtrige   zum    Aggiibacber   Urknndenbach.    Herausgegeben   von   Dr.   Josef 

Lampel 189 

iSii  Recbtsspmch  über  die  Burg  Stockern  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.  Heraus- 
gegeben und  eingeleitet  von  Dr.  Josef  Kallbrnner 217 

Register.  Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Prankl 273 


GESCHICHTE 

DEE 


KOLONISATION  des  WALD  VIERTEIL. 


TON 

DR-  FRANZ  HEILSBERG. 


Jahrbuch  d.  Y.  f.  LaadMkand«.  1907. 


Als  Kolonisation  bezeichnen  wir  die  Eingliederung  eines  relativ 
knlturarmen  Gebietes  in  einen  bestimmt  charakterisierten  Kultnr- 
kreis,  sofern  damit  eine  Zuwanderung  eines  Bruchteiles  der  Bevöl- 
kerung verknüpft  ist,  die  den  Träger  dieser]  Kultur  bildet.  Wir  werden 
also  weder  die  Wanderung  eines  ganzen  Volkes  mit  seiner  Kultur 
noch  die  Eingliederung  in  einen  Kulturkreis  ohne  Wanderung  als 
Kolonisation  bezeichnen  können.  Dieser  Vorgang  vollzieht  sich  zu- 
nächst in  der  Weise,  daß  vor  allem  die  politischen,  kirchlichen  und 
wirtschaftlichen  Kulturformen  des  Mutterlandes  auf  das  neu  ge- 
wonnene Grebiet  übertragen  werden.  Mag  dieses  dann  selbst  zu- 
sehen, wie  es  sich  auf  der  gegebenen  Grundlage  seine  eigene  Kultur 
oder  zumindest  seine  eigene  Kultumuance  schafft. 

Wo  aber,  wie  in  unserem  Gebiete,  Mutterland  und  Koloni- 
sationsland aneinaudergrenzen,  da  wird  der  Vorgang  der  Koloni- 
sation insofern  modifiziert,  als  die  Organisationsformen  nicht  nach- 
gesehaffen,  sondern  zum  großen  Teil  nur  bestehende  auf  das  Neu- 
land ausgedehnt  werden  müssen.  Wir  haben  es  nicht  mit  einem 
einmaligen,  scharf  abzugrenzenden  Akt  der  Kolonisation,  sondern 
mit  einem  allmählichen  Hineinwachsen  der  Kultur  in  kulturloses 
Gebiet  zu  tun.  Damit  entsteht  für  uns  aber  zugleich  zu  unserer  Auf- 
gabe der  Darstellung  der  Zuwanderung  und  der  Neu-Organisierung 
unseres  Gebietes  noch  die  Voraufgabe,  die  Beziehungen  desselben 
zu  seinen  früher  kolonisierten  Nachbargebieten  zu  verfolgen.  Da 
zudem  jede  Kolonisation  auch  eine  politische  Organisation  be- 
deutet, die  ohne  Festlegung  einer  Grenzlinie  nicht  gedacht  werden 
kann,  so  haben  wir  auch  diesen  Vorgang  der  Grenzbildung  zur 
Charakterisierung  der  Kolonisation  heranzuziehen. 

Die  Kolonisation  des  Waldviertels  bildet  nur  einen  kleinen 
Abschnitt  in  der  großen  Kolonisationsbewegung  des  deutschen  Mittel- 
alters. Trotzdem  eine  zusammenfassende  Darstellung  dieser  Be- 
wegung  heute  noch  fehlt,   vermögen   wir   doch   darin   bereits  eine 

einheitliche  Entwicklungsreihe  zu  erkennen,  die  von  der  rein  grund- 

1* 


4  Dr.  Franz  Heils  borg. 

herrlichen,  bloß  Zustände  des  Mutterlandes  auf  das  Neuland  all- 
mählich ausdehnenden  karolingischen  Kolonisation  zu  dem  so 
einheitlich,  rational  gestalteten  Vorgang  führt,  den  wir  in  der  Ein- 
richtung des  deutschen  Ordenstaates  mit  seinen  einheitlichen  Rechts- 
satzungen für  die  Stellung  der  bäuerlichen,  städtischen  und  ritter- 
lichen Bevölkerung,  sowie  auch  in  seiner  einheitlichen  kirchlichen 
Organisation  zu  erblicken  haben.  Auch  in  dieser  Entwicklungsreihe 
müssen  wir  der  Kolonisation  des  Waldviertels  ihre  Stelle  anweisen. 
In  unserer  Untersuchung  wird  also  die  Vergleichung  unseres 
Gebietes  mit  anderen  eine  wesentliche  Rolle  spielen.  Sie  muß  aber 
auch  ein  methodisches  Grundprinzip  unserer  Arbeit  bilden.  Eben 
weil  wir  es  in  unserem  Gebiete  nicht  mit  einem  einheitlichen 
Kolonisationsakt,  sondern  mit  einer  allmählichen  Entwicklung  zu 
tun  haben,  die  in  keinem  Momente  den  Zeitgenossen  gegenüber 
den  bisher  bestehenden  Zuständen  zur  Abhebung  gelangen  konnte, 
fehlt  uns  jeder  direkte  Bericht  über  den  Vorgang.  Wir  sind  also 
darauf  angewiesen,  einerseits  Berichte  aus  anderen  Gegenden  heran- 
zuziehen, in  denen  der  Vorgang  ähnlich  verlaufen  sein  dürfte, 
anderseits  durch  Vergleich  den  Gegensatz  zwischen  unserem  Ge- 
biete und  anderen,  namentlich  benachbarten,  hervorzuheben,  um 
vielleicht  auch  auf  diesem  Wege  zu  positiven  Resultaten  zu  gelangen. 

I.  Vorgeschichte.*) 

Den  Ausgangspunkt  für  unsere  Untersuchung  bildet  der  Zu- 
stand, daß  das  Waldviertel  zum  größten  Teil  den  südöstlichen  Aus- 
läufer des  zusammenhängenden  Waldgebietes  bildet,  das  vom  innern 
Böhmen  bis  zur  Donau,  vom  oberen  Main  bis  über  den  Manharts- 
berg  sich  erstreckte,  von  dem  nun  im  wesentlichen  nur  mehr  der 
Böhmerwald  als  letzter  Rest  stehen  geblieben  ist.  Schon  der  Mangel 
einer  eigenen  Benennung  für  den  Wald  unseres  Gebietes  bezeugt 
seinen  innigen  Zusammenhang  mit  dem  Waldland  im  Norden  und 
Westen.  Es  ist  natürlich,  daß  der  Römer  in  dem  außerhalb  der 
Reichsgrenzen  liegenden  Lande,  das  ihn  also  nur  wenig  interessiert, 
nur   einen  Teil   des   Herzynischen  Waldes   sieht.'^)   Aber   noch   im 

^)  An  stelle  aUer  allgemeinen  Literatur  brauche  ich  jetzt  nur  Vancsas 
Geschichte  von  Nieder-  und  Oberösterreich  I,  (Gotha  1905),  zu  nennen. 

')  Ptolomftus  verlegt  die  Quaden,  die  im  südlichen  Mähren  und  in  Niedor- 
österreich  an  der  March  und  unteren  Thaja  wohnen,  fittd  t6v  'Opxuvtov  Spupiv. 
Zeuß,  Die  Deutschen  und  die  Nachbarstämme.  8.  118. 


Geschichte  der  KoloniBation  des  Waldviertels.  5 

XII.  Jahrhimdert  wird  das  Waldviertel  ebenso  als  nortica  silva  be- 
zeichnet wie  das  angrenzende  Mühlviertel  ^)  Im  Sprachgebrauch  der 
Urkunden  des  XII.  Jahrhunderts  wird  die  Zugehörigkeit  des  nord- 
westlichen Waldviertels  zu  Böhmen  anerkannt.^)  Es  ist  dies  nur 
eine  Anerkennung  der  Tatsache,  daß  sich  der  böhmische  Orenz- 
wald^)  ohne  eine  Unterbrechung,  die  eine  bestimmte  Abgrenzung 
ennöglichen  würde,  in  das  Waldviertel  herein  erstreckt. 

Diesem  Waldland  tritt  nun  im  Viertel  unter  dem  Manhart»- 
berge  ein  auf  weite  Strecken  waldfreies  Land  gegenüber.  Beide 
Grebiete  aber  stehen  zumindest  seit  der  Römerzeit  im  vollen  Gegen- 
5iatz  gegen  das  südliche  Donauufer.  Die  Kulturbedeutung  dieses 
Stromes  liegt  in  dieser  Zeit  im  wesentlichen  darin,  daß  er  die  Grenze 
des  Imperiums  bildet.  Es  ist  dies  die  notwendige  Folge  davon,  daß 
die  Kultur  von  Süden  her,  in  senkrechter  Richtung  zum  Stromlauf, 
diesen  erreicht.  Aus  diesen  Verhältnissen  ergibt  sich  dann  die  Er- 
klärung des  Kulturbildes  des  Waldviertels  für  die  älteste  Zeit. 

Eine  Darstellung  der  ältesten  Besiedlung  unseres  Gebietes  hat 
zwei  Überlieferungsreihen  zu  kombinieren:  Die  durch  die  Aus- 
grabungen  zutage  geförderten  Überreste  der  Vergangenheit  einer- 
seits, die  schriftlich  fixierte  Tradition  ausländischer,  vor  allem 
romischer  Berichterstatter  anderseits.  Den  Fundstätten*)  nach  ist 
zunächst  das  ganze  Viertel  unter  dem  Manhartsberge  wohlbesiedelt, 
und  dieses  Siedelungsgebiet  erstreckt  sich  ohne  Unterbrechung  über 
die  Thaya  in  das  südliche  Mähren  hinein.  Dann  aber  ist  es  vor 
allem  der  Rand  zwischen  Waldland  und  waldfreiem  Land,  der  ein 
Siedelungsgebiet  für  sich  darstellt.  Von  Weitersfeld  im  Norden 
reicht  hier  eine  prähistorische  Siedlungsreihe  über  den  Feldberg  bei 
Palkau,  Eggenburg,  Limberg.  Nieder- Schleinitz,  Grübern  südwärts 
durch  die  Fundstätten  von  Ronthal  und  Gösing  bis  zur  Donauebene. 
Aber  auch    der  Westabfall   des  Manhartsberges   gegen  das  Horner 

^)  Letzte  Nennan^  des  Nordwaldes  im  Waldviertel  1209,  Stiftungsurkande 
der  Pfarre  Langscblag.  (Mon.  boica.  XXIX  b,  S.  68.)  FUr  das  Mühlriertel  siehe 
Hackl  in  Forschnngen  zar  deatscben  Landes-  und  Volkskunde,  Bd.  XIV. 

^)  Fontes  rerum  Austriacaram,  VIII,  63,  Nr.  216.  —  Urkundenbach  des 
Landes  ob  der  Enns,  II,  8.  724.  —  Archiv  fttr  österreichische  Geschichte.  XII, 
S.  258. 

^  Ober  diesen  siehe:  Lippert,  Sozialgeschichte  Böhmens.  I,  8. 12  ff.,  65  ff. 

^)  Diese  verzeichnet  Sacken  in  den  Sitzungsberichten  der  Akademie. 
Bd.  LXXIV,  8.  582  f.,  jetzt  namentlich  Börnes  in  dem  Jahrbuch  der  Zentral- 
kommission.  N.  F.  Bd.  I ;  dazu  auch  die  Berichte  des  Altertumsvereines. 


Q  Dr.  Franz  HeiUberg. 

Becken  und  das  Eamptal  bis  nach  Krems  im  Süden  weist  eine 
ähnliche  Siedelungsreihe,  die  uns  dnrch  Funde  bei  Drei-Eichen, 
Kamegg,  Gars,  Hadersdorf,  Zeiaelberg  und  Krems  bezeichnet  wird,  auf. 
Ein  ähnliches  Siedelungsgebiet  zeigen  am  Sudrande,  im  Durch- 
bruchstale der  Donau,  die  Funde  von  Aggsbach  und  Willendorf  an. 

Sonst  aber  haben  wir  es  hier  nur  mit  einem  Durchzugsgebiete 
zu  tun.  Die  wichtigste  Straße  führt  freilich  außerhalb  unseres  Ge- 
bietes von  Hallstatt  über  Linz  und  Freistadt  durch  das  Waldgebirge; 
in  dieser  Straße  will  man  jetzt  die  eigentliche  alte  Bernsteinstraße 
erkennen.^)  Aber  auch  durch  das  Wald  viertel  dürfte  ein  Weg  etwa 
von  Eggenburg  und  Hörn  nordwestwärts  in  das  Innere  Böhmens 
geführt  haben. ^)  Auch  ein  von  dieser  Route  ziemlich  abseits  liegender 
Depotfund  zu  Guttenbrunn  gibt  dem  Waldviertel  den  Charakter 
eines  Durchzugsgebietes.^) 

Stellen  wir  nun  diesen  Ergebnissen  der  Funde  die  schrift- 
liehen  Berichte  gegenüber,  wobei  wir  immer  festhalten,  daß  sie 
sich  auf  den  Ostrand  des  Waldviertels,  das  Viertel  unter  dem  Man- 
hartsberge  und  das  südliche  Mähren   in  gleicher  Weise  erstrecken. 

Eine  ursprüngliche  keltische  Siedelung  in  unserem  Grebiet 
kann  man  annehmen,  wenn  man  die  bei  Cäsar  als  Anwohner  des 
herzynischen  Waldes  genannten  Volcae  Tectosages  hierher  ver- 
setzt.^) Jedenfalls  aber  haben  bald  nach  der  Einwanderung  der 
Markomannen  in  Böhmen  (9  v.  Chr.)  die  enge  mit  ihnen  verbun- 
denen Quaden  das  benachbarte  Mähren  und  die  angrenzenden  Teile 
Niederösterreichs,  im  wesentlichen  das  oben  bezeichnete  Gebiet  ein- 
genommen.^) Hier  erwachsen  sie  zu  einer  gewissen  Kraft  und  Größe, 
überdauern  den  Markomannenkrieg  und  unternehmen  von  hier  aus 
bis  in  das  IV.  Jahrhundert  Einfälle  in  das  römische  Gebiet. 

Nun  gewinnt  aber  das  benachbarte  Imperium  für  unser  Gebiet 
bereits  die  wesentlichste  Bedeutung.  Noch  immer  ist  die  Donau  der 
Grenzstrom ;  in  der  Art  der  Befestigungen  am  rechten  Ufer  spiegelt 

^)Ol8haa8en  in  Verhandlung^en  der  Berliner  anthropologiichen  Gesell- 
schaft. 1890  und  1891. 

')  Siebe  namentlich  die  Anfsätze  von  Richly,  Mitteilungen  der  Zentral- 
kommisBion.  Bd.  YIU  und  XXVI. 

3)  Mitteilungen  der  Zentralkommission.  Bd.  XXVI,  S.  53  ff. 

^)  Dafl  man  nicht  die  Adrabaicampoi,  Parmaicampoi  und  Racatai  hieher 
versetzen  darf,  scheint  mir  aus  den  bei  Zeufi,  S.  121,  angefahrten  Stellen  hervor- 
zugehen; siehe  übrigens:  Vancsa,  S.  76,  Anm. 

5)  Zeuß.  1.  c.  S.  118,  3'U. 


Geschichte  der  KoloniBation  des  Waldviertels.  7 

sich  der  Gegensatz  zwischen  den  beiden  Gebieten  nördlich  der 
Donao,  dem  Waldland  und  dem  bewohnten  Land.  Selbst  nach  dem 
Markomannenkrieg  ist  das  ganze  Verteidigungssystem  Noricums 
zwischen  Passauer  Wald  und  Wiener  Wald  beschränkt  auf  ein  großes 
Legionslager  zu  Lauriacum  und  etwa  zehn  E^astelle,  während  wir 
an  der  etwa  ein  Drittel  dieser  Strecke  betragenden  Grenze  Pannoniens 
zwischen  Wiener  Wald  und  Leitba  zwei  Legionslager  und  mehrere 
kleine  Posten  finden.*)  An  der  Donaugrenze  wird  auch  im  wesent- 
lichen festgehalten.  Der  Handel,  der  die  beiden  Ufer  des  Flusses 
verbindet,  ist  ausschließlich  Grenzhandel,  der  nach  dem  Marko- 
inannenkrieg  aus  Rücksichten  des  Grenzschutzes  beschränkt  und 
unter  militärische  Aufsicht  gestellt  wird.  Auch  die  Vereinigung 
eines  Grenzstriches  nördlich  der  Donau  mit  dem  Reiche  hat  vor 
allem  die  Bedeutung  einer  Verstärkung  der  Stromgrenze. 

Aber  doch  wirken  bereits  einzelne  Momente  darauf  hin,  diese 
trennende  Bedeutung   der  Donau  aufzuheben.    Die  Donauflotte  soll 
zwar  zunächst   nur   dem  Grenzschutz   dienen,   sie   führt  aber  doch 
die  Verkehrsbedentung  des  Stromes  vor  Augen  und  einiger  Handels- 
verkehr  den  Strom   auf  und  ab  schließt   sich  an.   Am  Strudel  bei 
Grein  werden  dem  Flußgotte  Münzen  geopfert,  damit  er  glückliche 
Fahrt    gewähre.^)    Die    Straße    des    Donau-Limes    hat    neben    der 
militärischen  auch  Verkehrsbedeutung.    Vor   allem   aber  findet  die 
politiscbe  Wirksamkeit  des  Imperiums  im  Stromlauf  nicht  ihre  Grenze. 
Es  zwingt  die  Völker   im  Norden   der  Donau,   Markomannen  und 
Qüaden,  zur  Seßhaftigkeit,  Anbau  und  Ortsgründung,  kurz  zu  den 
Anfiüigen   höherer  Kultur.    Sie   werden  schließlich   vom  römischen 
Reiche  abhängig.   Nach  dem  Sturze  Marbods   verdankt   eine  Reihe 
von  Fürsten  ihre  Stellung  der  römischen   Intervention,   ihre   Ab- 
hängigkeit ist  zu  Tacitus'  Zeit  eine  tatsächliche,  sie  wird  nach  den 
Siegen  Marc  Anrels  von  den  Quaden  auch  anerkannt.^)  Die  Sueben- 
fürsten  Sido   und  Italiens    fochten   in    der   Schlacht,   die   zwischen 
Vitellius   und  Vespasian   entschied,   auf  der  Seite  der  Flavianer^), 
Domitian    beansprucht   die  Heeresfolge  der  Sueben  als  ihre  Pflicht 
und   überzieht   sie   wegen   der   Versäumnis   derselben   mit  Krieg.^) 

^)  Kämme],  Anfänge  deutschen  Lebens  etc.  S.  55  ff. 
>)  Kämmel,  S.  88. 

3)  Mommsen,    Bömische    Geschichte.    V,    S.    196  f.    Bachmann   in   den 
Sitzangtberichten.  Bd.  XCI,  S.  848. 
*)  Mommsen,  1.  c.  8.  197. 
^)  Mommsen,  1.  c.  8.  201. 


8  Dr.  Franz  Heilsberg. 

Die  Folge  des  Markomannenkrieges  ist  dann,  daß  Marc  Aurel 
das  ganze  Land  nördlich  der  Donau  unterwirft  und  hier  eine 
römische  Provinz  einrichten  will.  Die  Quaden  wollen  nach  Norden 
auswandern;  doch  es  wird  ihnen  nicht  gestattet,  da  sie  die  Äcker 
zu  bestellen  haben,  um  die  römische  Besatzung  zu  versorgen.  0  Der 
Tod  des  Kaisers  (180)  macht  diesen  Plänen  ein  Ende.  Die  Quaden 
werden  wieder  ein  selbständiges  Volk,  dessen  Beziehungen  zum 
Reiche  sich  in  dem  gewöhnlichen  Wechsel  von  friedlichem  Handels- 
verkehr und  gelegentlichen  Raubzügen  fortspinnen.  Doch  beginnt 
der  Stamm  der  Quaden  eben  infolge  der  Römerkriege  zusammen- 
zuschmelzen. Dem  Ammianus  Marcellinus  erscheint  375  n.  Chr., 
»gens  Quadorum  immensum  quantum  antehac  bellatrix  atque  potens 
parum  nunc  formidanda«.^)  Von  da  ab  sind  die  Quaden  für  unser 
Gebiet  verschollen;  im  V.  Jahrhundert  treten  sie  weiter  östlich  in 
den  Earpathen  in  Gesellschaft  der  Sarmaten  wieder  auf.^)  Für  uns 
ist  ihre  Siedelung  in  Niederösterreich,  die  über  300  Jahre  währte, 
von  Bedeutung,  weil  sie  den  ersten  Versuch  darstellt,  dieses  Gebiet 
einer  dauernden  Kultur  zuzuführen,  weil  ihre  Beziehungen  zum 
Römerreiche  den  ersten  Anlaß  geben,  nähere  Beziehungen  zwischen 
den  Gebieten  nördlich  und  südlich  der  Donau  zu  knüpfen. 

Nun  spiegelt  sich  aber  auch  bei  der  Auflösung  des  Reiches 
unter  dem  Ansturm  der  Germanen  in  dem  verschiedenen  Schicksal 
der  beiden  Donauprovinzen  Noricum  und  Pannonien  der  Gegensatz 
zwischen  den  beiden  Gebieten  nördlich  der  Donau.  Während  in 
Pannonien  zahlreiche  germanische  Stämme  von  Reichs  wegen  Wohn- 
sitze erhielten,  lassen  sich  solche  Ansiedelungen  in  Noricum  nicht 
nachweisen.^)  Während  Pannonien  schon  am  Anfang  des  V.  Jaihr- 
hunderts  vom  Reiche  losgelöst  und  eine  Beute  der  verschiedensten 
germanischen  Völkerschaften  wurde,  bis  schließlich  Attila  hier  sein 
Reich  begründete,  blieb  Noricum,  doch  auch  durch  das  am  jen- 
seitigen Donauufer  gelegene  Waldland  geschützt,  bis  zur  Mitte  des 
V.  Jahrhunderts  römische  Provinz.*) 

Im  übrigen  stellt  sich  von  nun  ab  nördlich  der  Donau  bis  in 
das  XI.  Jahrhundert  der  Zustand  immer  wieder  her,  daß  das  nord- 

1)  L.  c.  8.  213  f. 

^)  Bachmann,  1.  c.  8.  8ö3. 

3)  Zeuß,  8.  364. 

«)  Kftmxnel,  8.  115. 

^)  K&mxnel,  1.  c.  8.  120. 


Geschiebte  der  Kolonisation  des  Waldriertels.  9 

östliche  Niederösterreich   und   das   südliche  Mähren   eine  politische 
Einheit  bilden,  deren  Südgrenze  die  Donau  darstellt. 

Zuerst  haben  die  Rugier  dieses  Gebiet  bewohnt.  Nach  dem 
Sturze  der  Hunnenmacht  treten  sie  unmittelbar  an  den  Ufern  der 
Donau  vom  Böhmischen  Walde  bis  gegen  die  March  hin  auf.  Auch 
ihre  Wohnsitze  reichten,  wie  wir  in  diesem  Falle  aus  der  Vita 
Severini  mit  Bestimmtheit  nachweisen  können,  nicht  tief  in  das 
Innere  des  Waldviertels  hinein,  sie  saßen  jedenfalls  von  der  Enns- 
mündung  (Lauriacum)  noch  weit  entfernt  gegen  Osten.*)  Ihre  Herr^ 
Schaft  ist  für  uns  insofern  bedeutsam,  als  sie  einen  Versuch  dar- 
stellt, das  Südufer  der  Donau  mit  dem  Nordufer  politisch  zu  ver- 
binden. Nach  anfänglichen  Raubzügen  in  die  Provinz  Noricum 
machten  sich  die  Rugier  die  Romanen  tributpflichtig,  diese  wandern, 
um  sich  unter  ihren  Schutz  zu  stellen,  von  Lauriacum  ostwärts  nach 
Favianis.  Hand  in  Hand  mit  dieser  politischen  Vereinigung  geht 
auch  ein  lebhafter  Handelsverkehr.  Die  Vita  Severini  erzählt  uns 
von  Märkten  nördlich  der  Donau,  die  auch  von  Norikern  besucht 
werden.^)  Daß  diese  Ansiedelung  der  Rugier  im  Norden  eine  ge- 
wisse Stetigkeit  erlangt  hat,  ergibt  sich  schon  aus  dem  umstände, 
daß  der  Name  »Rugiland«  eine  Zeit  lang  an  diesem  Gebiete  haften 
blieb.^)  Mit  der  Vernichtung  des  Rngierreiches  durch  Odoaker  be- 
;?iont  dann  aber  eine  im  wesentlichen  kultur-  und  geschichtslose 
Zeit  für  das  Land  nördlich  der  Donau.  Langobarden  und  Heruler 
haben  nur  wenige  Jahre  auf  dem  Durchmärsche  hier  verweilt.*) 
Damit  ist  auch  die  Kontinuität  germanischer  Siedelung  für  unser 
Gebiet  unterbrochen.  Die  endgültige  bajuvarisch-fränkische  Koloni- 
sation konnte  an  keine  ehemals  germanischen  Orte  sich  anlehnen. 
Die  Fundstätten,  die  durch  ihren  reichen  Bestand  auf  ehemalige 
Ansiedelungen  hindeuten,  die  wir  zum  Teil  wenigstens  germanischen 
Stämmen  zuweisen  müssen,  liegen  fast  ausnahmslos  außerhalb  der 
heutigen  Ortschaften.  Auch  die  Masse  der  Ortsnamen  des  ganzen 
Gebietes  nördlich  der  Donau  zeigt  den  Typus  einer  jüngeren  Zeit. 
Bildungen  aus  Personennamen   mit   der   Endung  »dorf«    herrschen 


0  Zeuß,  S.  484  L 

')  Kämme],  8.  123. 

^)  Loserth,    Mitteilangen    des   Institutes    für    österreichische    Geschichts- 
fonchung.  II,  8.  363. 

*)  Zeufi,    8.  473.   Bachmann   im  Archiv   für   österreichische  Geschichte 
Bd.  LXI,  8.  198  f. 


10  Dr.  Franz  Heilsberg. 

ebenso  im  Viertel  unter  dem  Manhartsberge  vor,  wie  auf  der  Höhe 
und  an  den  Abhängen  des  Manhartsberges  selbst. 

In  dieser  Zwischenzeit  nun  haben  Slawen  das  Waldviertel 
in  Besitz  genommen.  Für  die  Feststellung  ihres  Ausbreitungsgebietes 
sind  slawische  Ortsnamen  fast  die  einzige  Quelle.^)  Sie  erstrecken 
sich  im  Süden  den  Donaulauf  entlang  von  Krems  bis  in  das  west- 
liche Mühlviertel,  in  ziemlich  gleichmäßiger  Dichte  das  Donautal 
selbst  und  den  unteren  Teil  der  Nebentäler  bedeckend,  in  innigem 
Zusammenhange  mit  dem  Verbreitungsgebiete  slawischer  Namen 
südlich  der  Donau.  Weiter  im  Osten,  im  Viertel  unter  dem  Man- 
hartsberge fehlen  sie  in  der  Nähe  der  Donau  gänzlich  ebenso  wie 
im  westlichen  Teile  des  Mühlviertels.  Nach  Norden  zu  nimmt  die 
Dichte  der  slawischen  Namen  im  Waldviertel  ebenso  wie  im  Mühl> 
viertel  immer  mehr  ab;  im  Kemgebiete  des  Waldes,  in  den  Bezirken 
Qroß-Grerungs  und  Ottenschlag  und  in  den  nördlichen  Teilen  von 
Persenbeug  und  Pöggstall  fehlen  sie  gänzlich.  Über  die  slawischen 
Ansiedlungen  und  Namen,  die  dann  weiter  nordwärts  wieder  auf- 
tauchen, werden  wir  in  einem  anderen  Zusammenhang  zu  sprechen 
haben.  Über  die  Zeit  dieser  slawischen  Einwanderung  sind  uns  nur 
sehr  allgemeine  Angaben  möglich.  Da  die  Festsetzung  der  Slawen 
in  den  Alpenländern  dem  VI.  Jahrhundert  zuzuweisen  ist*),  können 
sie  in  unser  Gebiet  erst  am  Ende  dieses,  wahrscheinlich  erst 
im  Laufe  des  folgenden  Jahrhunderts  gelangt  sein.  Es  entspricht 
durchaus  dem  Charakter  der  slawischen  Ansiedelungen  in  den 
Alpenländern,  daß  gerade  der  Waldrand  aufgesucht  wird.  Die  all- 
gemeine Richtung  der  slawischen  Wanderung  von  Südost  nach 
Nordwest  findet  in  der  Verbreitung  ihrer  Ortsnamen,  ihrer  Ab- 
nahme gegen  Westen  und  Norden  ihren  Ausdruck. 

Unterdessen  hat  aber  eine  räumliche  Verschiebung  der  Kultur- 
zentren stattgefunden,  die  auf  unser  Gebiet  einwirken.  Diese  Ver- 
schiebung findet  darin  ihren  prägnantesten  Ausdruck,  daß  die  Donau 
nun  zu  einer  wichtigen  Straße  wird.  Das  bajuvarische  Herzogtum  und 
das  byzantinische  Reich  treten  jetzt  durch  diese  miteinander  in  Ver- 
bindung. Schon  die  Tatsache,  daß  der  bayerische  solidus  einen  größeren 
Wert  als  der  fränkische  repräsentiert,  scheint  darauf  zurückzugehen, 
daß  hier  vor  allem  oströmische  Goldstücke  im  Umlauf  waren. ^) 

^)  Nachweis  und  Zusammenstelluxig  slawiBcher  Ortsnamen  in  Anhang  I. 

')  Haber,  österreichische  Geschiche.  I,  S.  Ö6. 

^)  Luschin,  österreichische  Eeichsgeschichte.  8.  66  f. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  XI 

Der  Donaustraße  folgen  auch  die  Awaren  bei  ihren  Raubzügen 
in  das  fränkische  Reich,  die  Donau  abwärts  ziehen  die  fränkischen 
Missionäre  Rupert  und  Emmeran  in  das  Awarenland  und  schließlich 
die  fränkischen  Heere,  die  dem  Awarenreich  ein  Ende  machen. 
Damit  ist  aber  auch  die  Grenzbedeutung  des  Stromes,  der  Gegen- 
satz der  beiden  Ufer  wenigstens  teilweise  aufgehoben.  Awarenringe 
liegen  an  beiden  Ufern  der  Donau,  bei  Königstetten  und  an  der 
Mündung  des  Eampflusses.  Im  Feldzuge  von  791  zieht  eine  Ab- 
teilung des  fränkischen  Heeres  das  linke  Donauufer  hinab,  erstürmt 
die  Befestigungen  am  Eampflusse  und  kommt  schließlich  bis  an 
die  Mündung  der  March. 

Noch  immer  aber  wirken  die  Erinnerungen  und  Überreste 
aus  der  Römerzeit  ebenso  wie  das  natürliche  Hindernis,  das  das 
Waldland  im  Korden  der  Donau  jeder  Besiedlung  entgegensetzt,  in 
dem  Sinne,  daß  das  Land  südlich  der  Donau  das  Zentrum  des 
neugewonnenen  Landes  bleibt.  Wie  die  fränkischen  Missionäre  und 
dann  das  fränkische  Heer  rasch  nach  Osten  in  das  Land  der  Awaren 
eilten,  so  folgt  ihnen  jetzt  die  politische  und  kirchliche  Organisation 
wie  die  Kolonisation,  die  sich  bald  über  das  alte  Pannonien  und 
Noricum  gleichmäßig  erstreckt.  Im  Norden  der  Donau  dagegen  bleibt 
die  Besiedlang  auf  einen  schmalen  Ufersaum  beschränkt,  und  zwar 
in  gleicher  Weise  im  bewaldeten  Mühl-  und  Waldviertel  wie  in  der 
freien  Ebene  unter  dem  Manhartsberge.O 

Ja,  durch  die  Entstehung  des  mährischen  Reiches,  das  sich 
von  der  Ebene  des  südlichen  Mährens  bis  an  die  Donau  erstreckt, 
wird  die  Grenzbedeutung  des  Stromes  neu  belebt.  Dies  erhellt  zu- 
nächst aus  dem  Verlaufe  der  Kämpfe,  die  gegen  das  mährische  Reich 
geflihrt  werden. 2)  Im  Jahre  888  wird  dann  im  Gebiete  der  Traisen 
eine  Burg  erbaut,  die  hauptsächlich  als  Grenzburg,  gegen  das 
niährische  Reich  gedacht  ist.^)  In  eigentümlicher  Weise  zeigen  sich 
dann  in  der  sogenannten  Raffelstättener  Zollordnung  die  Grenz- 
end Verkehrsbedeutung  des  Stromes  verquickt."*)  Der  Handel  geht 
zwar  die  Donau  abwärts,  aber  Mautem  ist  Grenzstation,  von  hier 
ab  haben  wir  es  mit  einem  Grenzhandel  zu  tun,  der  die  Kaufleute 
in  das  mährische  Reich  führt. 

M  Siehe  Vancsa,  6.  133  ff. 

')  Du  mm  1er,     Jahrbücher    und    Archiv    für    österreichiache    Geschichte. 

Bd.  xxn. 

3)  Javavia,  Anhang,  8.  118  f. 
*)  M.  O.  LL.  lU,  pag.  480  ff. 


12  ^^'  Franz  Heilsberg. 


IL 


Mit  der  Neuerrichtung  der  Mark  nach  dem  Ungamstunn  wird 
zunächst  dieser  Zustand  wieder  hergestellt.  Noch  1012  liegt  Stockeran 
in  Bavariorum  continio  et  Moravensium. *)  Auch  eine  allerdings 
verdächtige  Urkunde  Herzog  Heinrichs  IL  von  Bayern  vom  Ende 
des  X.  Jahrhunderts  versetzt  die  Grenze  gegen  Mähren  in  die  Nähe 
der  Donau,  und  darin  können  wir  ihr  sicher  vertrauen.^)  Erst  mit 
Beginn  des  XL  Jahrhunderts  tritt  darin  eine  Änderung  ein. 

Daß  nun  jede  Erinnerung  an  die  ehemalige  Orenzfunktion 
der  Donau  schwindet,  ersehen  wir  besser  als  aus  den  einzelnen 
Nachrichten  über  Besitzerwerb  nördlich  der  Donau  aus  dem  Um- 
stände, daß  dieses  Gebiet  in  die  kirchliche  Organisation  der  Mark 
einbezogen  wird.  Der  Zehen t  dieses  Gebietes  wird  dem  Passauer 
Bistum  zugesprochen^),  Eirchengründungen  werden  durch  kaiser- 
liche Schenkungen  an  das  Bistum  vorbereitet."*)  Zu  Beginn  des 
XIL  Jahrhunderts  ist  dann  die  kirchliche  Organisation  des  Landes 
nördlich  der  Donau  in  ihren  Grundzügen  vollendet.^) 

Der  Gegensatz  zwischen  den  beiden  Vierteln  nördlich  der 
Donau  war  stets  ein  rein  natürlich  begründeter  geblieben,  er  hatte 
nie  eine  feste  politische  Organisation  gewonnen.  Die  Folge  davon 
ist,  daß  jetzt  auch  die  Überwindung  dieses  Gegensatzes  in  der  Form 
einer  rein  natürlichen,  allmählichen  Expansion  von  den  übrigen 
Teilen  der  Mark  her  erfolgt.  Wir  werden  freilich  stets  zu  betonen 
haben,  wie  diesem  Gebiete  im  ganzen  Verlaufe  der  Koloni- 
sation sein  von  den  Nachbargebieten  verschiedener  Charakter  ge- 
wahrt bleibt. 

Indem  nun  die  Donau  ihre  Bedeutung  als  Grenze  verliert, 
rückt  sofort  die  Frage  der  Bildung  einer  neuen  Grenze  an  ihrem 
Nordufer  in  den  Vordergrund,  zumal  da  hier  die  Kolonis?ation  sich 
nicht  in  die  unbestimmten  Fernen  eines  kulturlosen  Landes  aus- 
tönen kann,  sondern  wohl  ausgeprägten  politischen  und  kulturellen 
Zentren  in  Böhmen  und  Mähren  gegenübersteht.  Suchen  wir  nun 
die  Einwirkung  dieser  Zentren  an  der  Ausdehnung  der  von  Norden 


^)  Siehe  KKmmel  im  Archiv  für  slawische  Philologie.  VII,  256. 

-)  Ebenda. 

^)  Meiller,  Regesten.  S.  5,  Nr.  5. 

*)  Ebenda.  S.  4,  Nr.  9. 

5)  Ebenda.  S.  20,  Nr.  52,  a.  1135. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Wald  vierteis.  13 

her  in  nnser  Grebiet  eingedrungenen  slawischen  Siedelung  za  messen, 
so  tritt  uns  der  Unterschied  der  beiden  Viertel  nördlich  der  Donau 
schon  an  dem  Stande  unserer  Quellen  (d.  i.  der  Überreste  slawischer 
Siedelung)  entgegen.  Daß  im  Viertel  unter  dem  Manhartsberge 
slawische  Dorf-  und  Fluranlagen  gar  nicht,  slawische  Ortnamen 
nur  in  sehr  geringer  Anzahl  vorkommen,  erklärt  sich  wohl  weniger 
daraus,  daß  der  slawische  Einfluß  ein  so  geringer  war  (obwohl  es 
nicht  für  eine  sehr  dichte  Siedelung  spricht,  wenn  die  Quellen,  die 
uns  von  den  Kämpfen  berichten,  die  1015  und  1017  und  dann 
wieder  1041  jedenfalls  im  Viertel  unter  dem  Manhartsberge  statt- 
fanden, überhaupt  keine  Ortsnamen  geben  können),  sondern  daraus, 
daß  die  Kolonisation  bei  ihrem  intensiv  militärischen  und  politischen 
Charakter  das  Aussehen  des  Landes  völlig  umgestaltete. 

Ganz  anders  steht  die  Sache  im  Waldviertel.  Hier  haben  wir 
es  vor  allem  mit  einer  wirtschaftlichen,  nicht  einheitlich  durch- 
geführten Expansion  zu  tun.  Von  beiden  Seiten,  von  der  Mark  wie 
Yon  Bohnnen  her  wird  in  den  Grenzwald  hineingerodet,  erst  sehr 
spät  macht  sich  das  Bedürfnis  einer  festen  politischen  Grenzbildung 
geltend.  Zeugnisse  slawischer  Siedelung  konnten  sich  in  großer  Zahl 
erhalten. 

Schon  an  der  Grenze  gegen  Mähren,  im  Gebiet  von  Drosendorf 
und  Raabs,  reicht  das  Gtebiet  slawischer  Ortsnamen  nach  Nieder- 
österreich herein,  um  sich  im  Homer  Becken  und  auf  der  Höhe 
des  Manhartsberges  mit  der  Reihe  slawischer  Kamen  zu  vereinen, 
die  von  der  Donau  nach  Norden  zieht.  Weiter  gegen  Westen  sind 
dann  die  Bezirke  Litschau  und  Gmünd  verhältnismäßig  arm  an 
slawischen  Namen,  die  sich  dann  erst  wieder  im  Gebiete  von  Weitra 
in  größerer  Anzahl  über  die  böhmische  Grenze  hereinziehen.^) 

Diesem  Bilde,  das  uns  die  slawischen  Ortsnamen  des  nord- 
westlichen Wald  vierteis  gewähren,  entsprechen  die  ältesten  Siedelungs- 
Verhältnisse  der  angrenzenden  Teile  Böhmens  vollkommen.  Während 
das  Gebiet  von  Neuhaus  und  Landstein  im  Norden  des  Litschauer 
Bezirkes  erst  im  XIII.  Jahrhundert  besiedelt  wurde  ^),  erscheint  in 
der  geraden  Fortsetz^g  des  Weitraer  Weges  gegen  die  Moldau  zu 
Teindles  (Dudlebi)  bereits  in  einer  Urkunde  von  1088.  ^)  Ja  Cosmas 

^)  Siehe  Anhang  I. 

^)  Siehe  Tapets  in  Mitteilangen  des  Vereines  für  Geschichte  der  Deutschen 
in  Böhmen.  Bd.  XXVI. 

>)  Erhen,  Reg.  Boh.  I,  8.  79. 


14  ^^r.  Franz  HeiUberg^. 

nennt  bereits  zam  Jahre  981  Dadlebi  als  Südgrenze  des  Besitzes 
des  Hauses  Slavnik  contra  Teutonicos  orientales  ^);  allerdings  müssen 
wir  dieser  Nachricht  bei  dem  großen  zeitlichen  Abstand  des  Bericht- 
erstatters mit  einigem  Mißtrauen  gegenüberstehen.  Namentlicli  aber 
erscheint  dann  in  einer  Schenkungsurkunde  für  Zwettl  von  1186 
das  Gebiet  von  Teindles  südostwärts  bis  an  die  Landesgrenze  als 
ein  gut  besiedeltes^)  mit  durchaus  slawischen  Ortsnamen,  so  daß  die 
Verbindung  zwischen  dem  südlichen  Böhmen  und  dem  Waldviertel 
längs  der  sogenannten  Weitraer  Straße  auch  in  bezug  auf  die 
Siedelungen  völlig  hergestellt  ist. 

Vor  allem  ist  es  die  im  nordwestlichen  Waldviertel  durchaus 
vorherrschende  Dorfform  des  sogenannten  slawischen  Straßendorfes, 
die  uns  die  Bedeutung  des  slawischen  Einflusses  für  unser  Gebiet  am 
klarsten  vor  Augen  führt.  An  dem  slawischen  Ursprung  dieser 
Siedelungsform  müssen  wir  wohl  festhalten.  Wir  finden  sie  nur  in 
slawischen  Gebieten  und  in  solchen  deutschen  Gebieten,  die  ehemals 
slawisch  waren  oder  an  slawisches  Gebiet  grenzten.  In  Pommern  ist  diese 
Dorfform  als  slawische  von  der  des  deutschen  Kolonistendorfes 
streng  zu  unterscheiden.  ^)  Für  Oberfranken  gelangt  Meitzen  ebenfalls 
zu  dem  Resultat,  daß  diese  Dorfform  ursprünglich  slawisch  ist  und 
nur  im  Laufe  der  Zeit  von  deutschen  Grundherren  auch  für  neue 
Dorfanlagen  adaptiert  wurde.  ^)  Es  ist  dies  zugleich  die  einzige  Er- 
klärung, die  für  unser  Gebiet  möglich  ist,  da  auch  hier  die  Dörfer 
dieser  Anlage  nur  die  letzten  Ausläufer  des  Verbreitungsgebietes 
derselben  in  den  angrenzenden  slawischen  Gebieten  Böhmens  und 
Mährens  darstellen. 

Haben  wir  in  den  oben  angeführten  urkundlichen  und 
chronikalischen  Nachrichten  eine  untere  Zeitgrenze  für  die  Ein- 
wanderung der  Slawen  aus  dem  Norden  gewonnen,  so  können  wir 
für  den  Anfangspunkt  dieser  Bewegung  nur  sehr  allgemeine  Angaben 
machen.  In  Böhmen  und  Mähren  sind  die  Slawen  erst  zu  Ende  des 
VI.  Jahrhunderts  eingewandert.*)  Ihre  Siedelungen  sind  in  den  nächsten 


1)  M.  G.  SS.  IX,  öl.  ^ 

^)  An  Ortsnamen  werden  genannt:  Forbes  (Borowani),  EUexnitz  (Olesnichani), 
M^chau?  (Nichowani),  Mairitz?  (Mourichani),  Sohor  (Sahor),  nicht  bestimmbar: 
Tornani.  Erben,  Bd.  I,  S.  163. 

^)  Sommerfeld,  in  Schmollers  Forschungen.  Bd.  XIII.  Heft  5,  S.  53. 

*)  Meitzen,  Siedelung  und  Agrarwesen.  Bd.  II,  S.  412 f. 

^)  Bachmann,  Sitzungsberichte.  Bd.  XCI,  S.  891. 


Geächichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  15 

Jahrhanderten  auch  in  diesen  ihren  Hanptländern  so  dünn  gesät, 
daß  an  ein  frühes  Vordringen  über  diese  hinaus  nach  Süden  nicht 
za  denken  ist.  Am  Ende  des  X.  Jahrhunderts  erhalten  wir  die 
erste  Kunde  über  den  Bestand  slawischer  Siedelung  im  Weitraer 
Bezirk.^)  Wir  können  also  nur  in  ganz  allgemeiner  Weise  dem 
VIII. — X.  Jahrhundert  den  Beginn  der  slawischen  Einwanderung 
aus  dem  Norden  zuweisen. 

Mit  dem  Eintritte  der  deutschen  Kolonisation  ist  aber  keines- 
wegs die  Möglichkeit  der  Einwanderung  slawischer  Kolonisten  von 
Norden  her,  oder  allgemeiner  jeder  Einfluß  der  benachbarten 
i^lawisehen  Gebiete  scharf  abgeschnitten,  wenn  auch  die  Zeugnisse 
für  den  Fortbestand  des  Slawentums  gering  sind.  In  Rassingdorf 
erscheint  noch  um  die  Mitte  des  XII.  Jahrhunderts  ein  Ratinc 
sclavus  als  Zeuge  eines  Traditionsaktes,  ebenso  in  Globnitz,  nördlich 
von  ZwettL,  1205  ein  Fridericus  cognomente  NeusciP)  und  noch 
im  Anfang  des  XIV.  Jahrhunderts  ist  der  Verfasser  des  Zwettler 
Stiftungsbuches  imstande,  den  slawischen  Ursprung  und  die  Be- 
deutung des  Namens  Zwettl  richtig  anzugeben.  Überhaupt  haben 
die  Klöster  Zwettl,  dessen  Abtreihe  im  Mittelalter  auch  den 
slawischen  Namen  Bohuslaus  aufweist,  und  Geras-Pernegg,  das  von 
Selau  in  Böhmen  aus  gegründet  worden  ist,  ziemlich  enge  Be- 
ziehungen  zu  den   benachbarten  slawischen  Gebieten  unterhalten.^) 

Verfolgen  wir  jetzt  den  Vorgang  der  Grenzbildung  selbst,  so 
>ehen  wir,  daß  er  sich  im  Viertel  unter  dem  Manhartsberge  durch 
eine  Reihe  von  Grenzkämpfen  vollzieht.  1015  und  1017  kämpft 
hier  Markgraf  Heinrich  gegen  Polen  ^),  als  Folge  des  Kampfes  von 
1041  wird  allgemein  die  Festsetzung  der  Thayagrenze  angenommen*); 
in  der  Nähe  derselben  erfolgt  dann  im  Jahre  1056  eine  Schenkung 
<iD  Passau  cum  omni  utilitate.  quae  contra  Boemos  quoquomodo 
haberi  et  conqueri  poterit.^)  Die  Thayagrenze  bildet  dann  bei 
Cosmas  die  Voraussetzung  der  Begebenheiten  von  1082.  Bei  ihm 
erscheinen  die  Kämpfe  dieses  Jahres  losgelöst  aus  dem  Zusammen- 

^)  Pröckl,  in  Mitteilongen  des  Vereines  fiir  Geschichte  der  Deutschen  in 
Böhmen.  Bd.  XIV. 

*)  Fontes.  UI.  109. 

3)  Siehe  z.  B.  die  Urkunde  König  Ottokars  Hir  Zwettl,  Fönte?,  III,  160,  femer 
Meiner,  S.  127,  Nr,  168. 

*)  Thietmar,  Separat-Abdrack,  S.  204,  228,  230. 

=^)  Vancsa,  8.  241. 

»)  Mon.  Boica.  XXIX  a,  S.  125. 


16  Dr.  Franz  HeiUberg. 

hange  der  großen  politischen  Fragen  als  bloße  Qrenzfehden  zwischen 
der  Mark  und  Mühren  J)  Daß  dieser  Kampf  sich  wirklich  bloß  an 
der  Grenze  gegen  Mähren  abspielte,  können  wir  ans  dem  Bericht 
der  Cont.  Claustro-Neob.  I  entnehmen,  die  als  Gegner  des  Mark- 
grafen Chunradas,  dax  Boemonim^  nennt,  d.  h.  den  Namen  des 
Beherrschers  von  Mähren,  mit  dem  man  es  doch  vor  allem  za  tun 
hatte,  an  Stelle  des  Böhmenherzogs  Wratislaw  einsetzt.^)  Wir  glauben 
nun  mit  einem  Vordringen  der  Kolonisation  gegen  Westen  auch 
ein  Fortschreiten  der  Grenzkämpfe,  also  auch  der  Grenzbildung  in 
dieser  Richtung  wahrnehmen  zu  können.  Mailberg,  der  Ort  des 
Kampfes  von  1082,  erscheint  noch  105Ö  als  ein  Waldgebiet.  ^) 
Weitere  Grenzkämpfe  werden  uns  dann  ftlr  das  Jahr  1100  von 
Gosmas  fUr  das  Raabser  Gebiet  berichtet;  sie  sind  also  noch  weiter 
gegen  Westen  vorgerückt.  *)  Auch  hier  haben  wir  es  aber  noch  mit 
einem  Kampfe  gegen  Mähren  zu  tun.  Herzog  Bfetislav  II.  zieht 
nach  Mähren  seinem  Bruder  Bofivoy  zu  Hilfe  und  mit  diesem 
vereint  dann  gegen  Raabs,  das  von  einem  Verwandten  des  böhmischen 
Herzogshauses  besetzt  ist,  der  ebenfalls  Ansprüche  auf  Mähren 
erhebt.  Erst  nach  diesen  Kämpfen  oder  doch  frühestens  gleichzeitig 
mit  ihnen  vollzieht  sich  die  wirtschaftliche  Okkupation  des  Landes. 
Einen  wesentlich  anderen  Charakter  zeigt  die  Grenzbildung 
gegen  Böhmen.  Die  Grenzbeschreibungen  der  Pfarren  Kottes^) 
(zirka  1120)  und  Martinsberg*)  (1140),  die  die  Nordgrenze  einfach 
versus  Boemiam,  respektive  usque  ad  terminos  terre  B.  ver- 
laufen lassen,  zeigen,  daß  es  hier  um  diese  Zeit  noch  keine  fest- 
gelegte Grenze  gibt.  1175  erfolgt  hier  der  erste  Greuzkampf  gegen 
Böhmen^);  er  ist  erst  eine  Folge  der  wirtschaftlichen  Okkupation 
des  Grenzwaldes  von  der  Mark  aus.  Diesem  Grenzstreit  folgt  un- 
mittelbar die  F'estlegung  der  Grenze  durch  die  Urkunde  Friedrichs  I. 
von  1179,  die  das  Gebiet  von  Weitra  noch  von  der  Mark  ausschließt.  ^) 
Als  eine  Korrektur  dieser  Grenzbestimmung  haben  wir  es  anzusehen, 

1)  Coimas,  in  M.  O.  SS.  IX,  1.  II,  c.  35. 
>)  M.  G.  SS.  IX.  608. 
3)  Meiller.  Regesten  7,  Nr.  16. 
*)  Cosmas,  1.  III,  c.  12. 
6)  Fontes,  VIII,  53,  n.  216. 

*)  Urkondenbach  des  Landes  ob  der  Enns«  II,  S.  724. 
^)  Für   diesen   siehe   namentlich  Gerhoch  ▼.  Mühlhausen  in  Font.  rer. 
Boh.  II,  470  f. 

»)  Cod.  dipl.  Morariae,  I,  S.  301. 


GeBcbichte  der  KoIoniBation  des  Waldviertels.  17 

wenn  im  Jahre  1185  die  KueBringe  vom  Böhmenherzog  mit  Weitra 
belehnt  werden.^)  Wenn  dann  im  folgenden  Jahre  Herzog  Friedrich 
das  im  Nordwesten  an  Weitra  angrenzende  Gut  Saho)^  an  Zwettl 
sehenkt^,  so  haben  wir  vielleicht  auch  darin  einen  allerdings 
mißglückten  Versuch  zu  sehen,  die  Grenzen  der  Mark  noch  weiter 
gegen  Nordwesten  auszudehnen. 

Dabei  ist  aber  noch  immer  die  Grenze  gegen  Norden,  gegen 
das  Gebiet  von  Landstein  und  Neuhaus  offen  geblieben.  Wir  werden 
diesen  Umstand  mit  heranziehen  können  zum  Beweis  für  unsere 
Ansicht,  daß  dieses  Gebiet  im  Norden  einen  letzten  Best  des  Grenz- 
waldes darstellt,  in  dem  erst  gegen  Ende  des  XII.  Jahrhunderts  die 
Kolonisation  begann.  Wir  mtLssen  aber  hier  annehmen,  daß  die 
uisprOngliche  Expansionskraft  dieser  Kolonisation  über  die  heutige 
Landesgrenze  hinausreichte.  Nicht  nur  das  deutsche  Sprachgebiet 
überhaupt,  sondern  vor  allem  auch  die  ftlr  das  nordwestliche  Wald- 
viertel charakteristische  Form  der  genetivischen  Ortsnamen  erstreckt 
sieh  hier  in  ununterbrochener  Beihe  nach  Böhmen  hinein.^  Dem 
können  wir  nun  noch  einen  urkundlichen  Beweis  aus  den  Besitz- 
Verhältnissen  hinzufügen.^)  In  einer  Urkunde  von  1249  erscheint 
Landstein^)  »in  Anstria«  als  Bestandteil  des  großen  Besitzkomplexes 
der  Hirschberger  Grafen,  der  sich  hier  also  sehr  weit  gegen  Norden 
erstreckt.  Wann  hier  die  Grenze  an  ihre  heutige  Stelle  zurück- 
verlegt wurde,  wissen  wir  nicht.  Wir  finden  sowohl  Neuhaus  und 
Landstein  als  auch  Raabs  in  der  Zeit  Ottokars  im  Besitze  der 
Bosenberge.  Vielleicht  ist  damals  die  Grenze  festgesetzt  worden, 
als  die  Bosenberge  die  Herrschaft  Raabs  den  Habsburgern  abtraten.^) 
Jedenfalls  ist  damals  die  Einheit  des  Besitzkomplexes,  der  sich  von 
Kaabs  in  das  südliche  Böhmen  erstreckte,  endgültig  aufgelöst,  die 
Grenze  des  Grundbesitzes  mit  der  politischen  Grenze  in  Überein- 
^«timmung  gebracht  worden. 

i)  L.  c.  8.  316. 

•)  Erben,  Beg.  Boh.  I,  pag.  175. 

^  ffiehe  Tapetz,  1.  c. 

*)  Das  folgende  itützt  sich  vor  allem  auf  einen  Vortrag,  den  P.  B.  Ham- 
merl,  gtiftaarchiyar  in  Zwettl,  im  Mftrz  1907  im  Verein  für  Landeikonde  ge- 
halten hat  (Monateblatt  VI,  1907,  267  f.) 

^)  Landes tein,  bo  ist  nach  Hammerl  za  lesen  anstatt  lindestein,  wie  es 
der  Abdruck  der  Urkonde  in  Fontes,  XXXI,  S.  151  aufweist. 

')  Lichnowsky,  Geschichte  des  Hausee  Habsburg.  Bd.  I,  reg.  708, 
a.  1282. 

Jthrtach  d.  y.  f.  Landeskunde.  1907.  2 


18  Dr.  Franz  Heilsberg. 

Einen  klaren  Begriff  über  den  Vorgang  der  Grenzbildung  und 
damit  auch  einen  wesentlichen  Charakterzag  der  ganzen  Kolonisation 
erhalten  wir  aber,  wenn  wir  die  Grenzverhältnisse  in  unserem  Ge- 
biete mit  denen  des  benachbarten  Mühlviertels  vergleichen.  Im 
Wald  viertel  ist  die  Landesgrenze  im  wesentlichen  auch  Guts- 
grenze,  weder  reicht  Grundbesitz  böhmischer  Geschlechter  nach 
Niederösterreich  herüber  noch  umgekehrt.  Die  Landesgrenze  bildet 
auch  eine  Ortsnamengrenze.  Nach  Mähren  reichen  überhaupt  wenige 
deutsche  Ortsnamen  hinüber,  vor  allem  aber  sind  es  die  charakteri- 
stischen genetivischen  Ortsnamen,  deren  Grenze  sowohl  gegen 
Mähren  als  auch  im  Gebiet  von  Weitra  mit  der  Landesgrenze  zn- 
sammenfkllt.  Die  Erklärung  dieser  Tatsache  sehen  wir  darin,  daß 
hier  politische  und  wirtschaftliche  Expansion  noch  recht  eng  mit- 
einander verknüpft  sind;  die  Linie,  bis  zu  der  von  der  Mark  aus 
die  Besiedelung  vordringt  wird  gleich  auch  zur  politischen  Grenze. 
Nur  das  Landsteiner  Gtebiet  bildet  sowohl  in  bezug  auf  die  Besitz- 
verhältnisse als  auch  in  den  Ortsnamen  eine  Ausnahme.  Wir  sehen 
hier  einen  Landstrich  vor  uns,  in  dem  die  politische  Angliederung 
der  wirtschaftlichen  nicht  mehr  zu  folgen  vermochte. 

Ganz  anders  liegen  die  Verhältnisse  im  Mühlviertel.  Hier  sind 
zunächst  die  Besitz  Verhältnisse  an  der  Grenze  sehr  verschlungen; 
der  Besitz  der  Rosenberge  wie  ihrer  Lehensleute,  der  Harracher. 
und  ihres  Familienklosters  Hohenfurt  erstreckt  sich  gleichmäßig 
über  das  Gebiet  zu  beiden  Seiten  der  Landesgrenze  ^),  auch  Kloster 
Schlögl  hat  Besitz  im  südlichen  Böhmen.^)  Die  für  das  nördliche 
Mühlviertel  charakteristischen  Ortsnamen  auf  -schlag  und  die  so 
benannten  Waldhufenanlagen  setzen  sich  gleichmäßig  in  das  süd- 
liche Böhmen  hinein  fort.  Während  das  Gemärke  des  Landbuches 
die  Nordgrenze  von  Niederösterreich  sehr  genau,  mit  einer  Fülle 
einzelner  Ortsbezeichnungen  anzugeben  weiß,  wird  sie  für  das  Mühl- 
viertel nur  sehr  allgemein  gezogen.  Die  Festlegung  der  Grenze  im 
einzelnen  erfolgt  dann,  wie  es  scheint,  erst  ganz  allmählich  durch 
Konsolidierung  und  Abgrenzung  der  einzelnen  Gutsbezirke. ^)    Und 


^)  Pangerl,  Fontes,  XXIII,  1720  und  im  Archiv  fOr  österreichische  Ge- 
schichte, Bd.  LI.  —  Klimesch  in  MitteUungen  des  Vereines  der  Deutschen  in 
Böhmen.    Bde.  XXIX-XXXIV. 

^)  Klimesch,  1.  c. 

')  Lampel  in  Blätter  des  Vereines  für  Landeskunde  Ton  Niederösterreich. 
Bd.  XXXIIL  Doch  kommt  es  auch  in  Niederösterreich  noch  im  späteren  Mittelalter 


Geschichte  der  Kolonuation  des  Waldviertelt.  19 

dazu  stimmt  es  dann  auch,  daß  die  Grenze  gegen  Böhmen  während 
des  ganzen  Mittelalters  eine  recht  schwankende  gewesen  ist;  an 
Grenzstreitigkeiten  hat  es  hier  infolgedessen  nicht  gefehlt.^)  Wir 
haben  es  in  der  Kolonisation  des  Mtthlviertels  mit  einem  rein  wirt- 
schaftlichen Vorgang  zu  tun,  die  politische  Grenze  ist  hier  eine 
darchaus  konventionelle  Linie,  der  lange  Zeit  von  keiner  Seite 
große  Bedeutung  zugemessen  wird,  die  infolgedessen  eine  geringe 
Festigkeit  zeigt 

Vergleicht  man  auf  einer  Übersichtskarte  die  Nordgrenze  des 
Mfihlviertels  mit  der  Niederösterreichs,  so  erscheint  als  der  auf- 
fälligste Zug,  daß  das  Mühlviertel  eben  nur  einen  schmalen  Streifen 
Landes  längs  der  Donau  darstellt,  der  zu  dem  Gebiete  im  Süden 
des  Flusses  hinzugekommen  ist,  während  das  niederösterrei- 
chische Waldviertel  weit  gegen  Norden  ausgreiffc.  Wir  sehen  darin 
einen  Ausdruck  der  Tatsache,  daß  bei  der  Besiedelung  des  nörd- 
lichen Niederösterreich  weitaus  größere  wirtschaftliche  und  vor 
allem  politische  Energien  zur  Verfügung  standen,  was  sich  zu- 
nächst aus  der  Stellung  Niederösterreichs  als  Grenzland,  als  Mark 
erklärt^) 

Die  geringste  Bedeutung  fdr  die  Charakterisierung  der  Koloni- 
sation hat  die  Grenzbildung  gegen  Oberösterreich.  Diese  Grenze 
ist  erst  spflt  aus  rein  administrativen  Rücksichten  gezogen  worden. 
Sie  ist  zum  Teil  durch  die  Tatsache  bestimmt,  daß  hier  ausgedehnte 
Waldkomplexe  stehen  geblieben  sind.  Abgesehen  von  den  natür- 
lichen Verhältnissen,  die  hier  jede  Ansiedlung  erschweren,  scheint 
die  Kolonisation  auch  deswegen  hier  so  auffällig  zurückgeblieben 
zu  sein,  weil  es  kein  politisches  Interesse  gab,  das  zur  Kolonisierung 
angespornt  hätte,  da  das  westlich  angrenzende  Gebiet  schon  von 
vornherein  zur  Mark  gehörte.  Der  enge  Zusammenhang  wirtschaft- 
licher und  politischer  Expansion  scheint  sich  uns  also  auch  aus 
dieser  negativen  Tatsache  zu  ergeben.  Die  politische  Grenze  hat 
hier  für  die  Besitzverhältnisse  und  die  Art  der  Siedelung  keine 
Bedeutung.  Im  Süden  dringt  die  Einzelhofsiedelung  von  Westen 
her  in  das  Ispertal  vor.  Der  Besitz  der  Mühlviertler  Klöster  Baum- 

zu  einielnen  Grenzberichtigangen  zwischen  Weitra  einerseits,  Wittingau  nnd  Gratzen 
»ndereneito.  Lichnowsky,  Bd.  III,  reg.  1216  und  Bd.  IV,  reg.  1768  und  1777. 

1)  Hackl,  1.  c.  S.  44. 

^  Vancsa  hat'  diesem  Gedanken  eine  bestimmte  Ausprägung  gegeben,  in- 
dem er  annimmt,    daß   nach  Begründung   der  »Neumark«    die   alte  Ostmark   eu 

einer  böhmischen  Mark  wird.  8.  245. 

2» 


20  I>r.  Franz  Heikberg. 

gartenberg^)  und  Waldsassen^)  erstreckt  sich  ebenso  über  die 
Grenze  herüber  wie  der  der  Herren  von  Traun  ^)  and  der  Loben- 
Steiner.^)  Doch  bleibt  dieser  ans  dem  Mühlviertel  herübergreifende 
Einfluß  stets  auf  einen   schmalen  Streifen  im  Westen  beschränkt. 

m. 

Die  Besiedlung  unseres  Gebietes  hat  zu  ihrer  Voraussetzung 
die  ZurückdränguDg  des  Waldes.  Noch  bis  in  das  XI.  Jahrhundert 
hat  der  Wald  sicher  unser  Gebiet  fast  ganz  erfüllt,  nur  ein  schmaler 
Streifen  im  Süden  und  Osten  desselben  wird  noch  im  XL  Jahr- 
hundert dem  Walde  abgewonnen.  Das  Gebiet  zwischen  Donau. 
Isper  und  Weitenbach  zeigt  im  XL  Jahrhundert  nur  Anfänge, 
erst  im  XII.  Jahrhundert  eine  stärkere  Verdichtung  der  Besiede- 
lung.'"^)  Weiter  im  Osten  werden  Kottes  und  einige  umliegende 
Orte  durch  die  Benennung  als  novale,  als  eben  dem  Walde  ab- 
gewonnen, im  Anfang  des  XII.  Jahrhunderts  bezeichnet.^)  Auch  der 
Bestand  unberührten  Waldlandes  ist  hier  für  diese  Zeit  noch 
bezeugt.')  Die  reichen  Erträge  an  Forsthennen  und  Forsthafer, 
die  die  landesfürstlichen  Urbare  des  XIII.  Jahrhunderts  für  das  Gebiet 
des  Gföhler  Waldes  ausweisen,  lassen  auf  einen  ziemlich  unberührten 
Waldbestand  selbst  in  dieser  Zeit  noch  schließen,  der  im  Osten  bis 
an  den  Kamp,  im  Süden  bis  über  den  Kremsfluß  hinaus  reicht.  Die 
Reihe  der  Waldftmter  dürfte  die  ungefähre  Abgrenzung  des  Wald- 
gebietes ergeben.  Es  sind  dies  von  Südosten  beginnend:  Krems, 
Langenlois,  Gars,  Kjrumau,  Preinreichs,  Gföhl.  Meisling.®)  Für  das 
Homer  Becken  ist  Waldbedeckung  nicht  nachzuweisen.  Dagegen 
liegt  Zwettl  zur  Zeit  der  Gründung  des  Klosters  sicher  noch  mitten 
im    Waldlande.  ^)     Im    Norden     des    Homer    Beckens    reicht    der 


^)  ArchiT  für  »sierreichiflche  OeBchichte.  XII,  S.  11,  a.  1161. 

2)  M ei  11er,  Kegestep.  S.  33.  Nr.  17. 

3)  Mon.  boica,  XXIX  b,  S.  68,  a.  1209,  u.  Fontes,  IH,  S.  428,  a.  1273. 
*)  Fontes,  III.  677,  a.  1324. 

^)  Den  Nachweis  siehe  in  der  Besiedelungsgeschichte. 

^)  Fontes,  VIII,  Nr.  72,  novale  Chotanisriute  dictum,  Nr.  73,  novale  quod 
dicitnr  Sigin,    Stiftsbrief  von  1108  Obisi,  Homistal,    Voraha  et  cetera  noyalia. 

^  Waldschenkungen  an  GOttweig.  Fontes,  VIII,  Nr.  72,  73,  116. 

^)  Dopsch,  Landesfiirstliche  Urbare.  S.  55,  Nr.  208  ff.  Das  daselbst  an- 
geführte officium  in  Leubs  ist  wohl  auf  Langenlois  und  nicht  auf  Ober-Leis  zu  beziehen . 

')  Kaiserliche  Waldschenkung  an  Zwettl  1148.  Fontes,  III,  41,  Bericht 
über  Rodungen  in  der  Nähe  des  Klosters.  L.  c.  S.  45  ff. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldriertels.  21 

Wald  wieder  riel  weiter  ostwärts.  Hier  können  wir  dann  die  Auf- 
lösung des  Nordwaldes  in  einzelne  kleine  Waldgebiete  ans  den 
Waldnamen  ersehen,*  die  uns  in  den  Urkunden  entgegentreten.  Das 
Gebiet,  das  in  einer  Urkunde  von  1055  als  silva  Mouriberg  be- 
zeichnet wird^),  bildet  wohl  den  letzten  Ausläufer  des  Nordwaldes, 
der  deswegen  einen  eigenen  Namen  erhielt,  weil  die  Siedelung  dicht 
an  ihn  heranrückt.  Das  Raabser  Gebiet  erscheint  noch  1048  als 
Waldgebiet  ohne  jeden  Namen  ^),  1074  als  silva  Rogacz,  es  erstreckt 
sich  nach  Südosten  mindestens  bis  gegen  Walkenstein.^) 

Den  Verlauf  der  Waldgrenze  am  Ende  des  XI.  Jahrhunderts 
erhält  man,  wenn  man  das  Gebiet  der  auf  die  Rodung  bezüg- 
lichen Ortsnamen  (hier  kommen  nur  Zusammensetzungen  mit 
-schlag  und  -reut  in  Betracht),  die  alle  erst  dem  XII.  Jahrhundert 
angehören,  gegen  das  Gebiet,  in  dem  sie  fehlen,  abgrenzt;  doch 
muß  dabei  der  erst  später  besiedelte  Gföhler  Wald  von  vornherein 
ausgenommen  werden.  Die  Grenze  zieht  von  Drosendorf  südwärts 
bis  Pemegg,  dann  dem  Homer  Becken  und  dem  Gföhler  Wald 
aasweichend  erst  westlich  bis  Allentsteig,  dann  ungefähr  südlich 
bis  g^;en  Raxendorf,  endlich  westwärts  parallel  dem  Donaulauf  bis 
an  die  Landesgrenze;  nur  drei  Ortsnamen  auf  -reith  finden  sich 
südlich  dieser  Grenze.  Die  Geschichte  der  weiteren  Zurttckdrän- 
gong  des  Waldes  fällt  mit  der  Geschichte  der  Kolonisation  zu- 
sammen. Aber  noch  im  XII.  Jahrhundert  steht  das  Waldviertel  der 
übrigen  Ostmark  einigermaßen  fremd  gegenüber.  Etwas  der  Art 
klingt  an  in  der  Nachricht  des  Klosterneuburger  Chronisten 
ad.  a.  1172:  in  nortica  silva  (doch  wohl  im  nächstgelegenen  Wald- 
viertel) multi  hominis  lupinis  morsibus  interierunt.^)  Der  Nordwald 
erscheint  da  als  ein  unheimliches,  fremdes  Gebiet.  Und  noch  im 
Jahre  1209  wird  in  einer  Urkunde  das  westliche  Wald  viertel  als 
Teil  des  Nordwaldes  bezeichnet.^) 

Wollen  wir  uns  nun  über  die  Bevölkerungsbewegung  des 
ilittelalters,  namentlich  der  Kolonisationszeit,  orientieren,  so  können 
wir  nur  von  der  slawischen  Siedelung  ausgehen,  da  uns  erst  für 
die  Beurteilung  dieser  Siedelungsschichte   einige  Anhaltspunkte  ge- 

^)  Meiller,  Regelten,  S.  7,  Nr.  17. 

2)  L.  c.  6,  Nr.  11. 

3)  L.  c.  9,  Nr.  10. 

*)  M.  G.  SS.  IX,  616. 

»)  Mon.  boica,  XXIX  6,  68. 


22  ^r.  Frans  Heiltberg. 

geben  sind.  Aach  im  Stadium  ihrer  größten  Ausbreitung  ist  die 
slawische  Siedelung  sehr  spärlich  gewesen.  Die  Bevölkerung  des 
Stammlandes  Böhmen  wird  selbst  für  das  X.  Jahrhundert  auf  noch 
nicht  eine  Viertelmillion  geschätzt.^)  Die  Kolonisation  des  Grenz- 
waldes im  XIQ.  und  XIV.  Jahrhundert  erfolgt  zum  größten  Teile 
durch  aus  der  Feme  berufene  Deutsche,  nicht  durch  die  anwohnen- 
den Slawen.  Da  kann  man  nicht  annehmen,  daß  bereits  in  früherer 
Zeit  ein  bedeutender  Bevölkerungsüberschuß  ftar  die  Besiedelang 
des  Waldviertels  vorhanden  gewesen  wAre.  Etwas  günstiger,  jedoch 
nicht  wesentlich  verschieden,  werden  die  Verhältnisse  an  der  mähri- 
schen Grenze  und  im  Süden  gewesen  sein.  Im  ganzen  Waldviertel 
kommen  unge&hr  100  sicher  slawische  auf  etwa  1300  sicher 
deutsche  Siedelungsbezeichnungen.  Dieses  Zahleuverhältnis  wird 
uns  im  großen  und  ganzen  das  Verhältnis  der  älteren  slawischen 
zu  der  späteren  deutschen  Siedelung  veranschaulichen  können. 

Die  Rodung  der  dichten  Waldmassen  haben  die  slawischen 
Siedler  nicht  begonnen.  Kein  Ortsname  weist  auf  eine  solche  hin. 
Überall,  z.  B.  auch  im  nordöstlichen  Deutschland,  ist  es  für  die 
slawische  Siedelung  charakteristisch,  daß  sie  sich  auf  die  leichteren 
Böden  beschränkt,  den  schweren  Waldboden,  für  den  ihr  Pflug 
nicht  ausreicht,  vermeidet.  So  bilden  auch  in  Böhmen  in  dieser 
Zeit  die  urbaren  Brächen  nur  Inseln  im  Wald-  und  Sumpfland. 

Auch  für  die  Beurteilung  der  Dichte  der  deutschen  Besiede- 
lang in  der  Karolinger-Zeit  sind  wir  noch  auf  ähnliche  allgemeine 
Erwägungen  angewiesen.  Erst  nach  der  Niederwerfung  der  Awaren 
durch  die  Feldzüge  Karls  des  Großen  als  eine  Folge  der  politischen 
Angliederung  unseres  Gebietes  an  die  karolingische  Monarchie 
und  der  Einrichtung  der  Ostmark  erfolgte  hier  die  erste  Ein- 
wanderung deutscher  Ansiedler  aus  dem  fränkischen  Reiche.  Sie 
wurde  angeregt  durch  die  Krone,  die  hier  eine  zahlreiche  und 
rüstige  Bevölkerung  zur  Verteidigung  der  Grenze  gebraucht  hätte^), 
organisiert  durch  die  kaiserliche  Domänenverwaltung,  sowie  die 
weltlichen  und  geistlichen  Grundherrschaften  Bayerns,  für  die  zu- 
nächst das  wirtschaftliche  Motiv  einer  Vermehrung  des  eigenen 
Grundbesitzes  wirksam  war,  den  man  ausschließlich  in  der  Form  des 
Großbetriebes  nutzbar  machte,  der  an  sich  eine  geringere  Bevölkerungs- 
zahl erfordert.    Bei   dieser   von  oben  herab   künstlich  organisierten 

^)  Bachmann,  Geschichte  Böhmens.  I,  S.  146  nach  Peisker. 
3)  Siehe  Mon.  boica,  XI,  120,  a.  863  und  XXXI,  58,  a.  830. 


Geschichte  der  Kolonieation  des  Waldviertels.  23 

Einwandernng,  der  ein  Bevölkerungsüberschuß  im  Mutterlande  kaum 
entsprochen  haben  dürfte,  ist  natürlich  nicht  an  eine  bedeutende 
und  rasche  Zunahme  der  Bevölkerung,  sondern  nur  an  eine  spär- 
liche Ansetzung  von  Kolonisten,  Leibeigenen  der  betreffenden  Grund- 
herren  zu  denken. 

Eine  örtliche  Ausbreitung  der  Siedelung  über  das  bereits  von 
den  Slawen  bewohnte  G-ebiet  hinaus  findet  nicht  statt  Auch  die 
Siedelung  der  karolingischen  Zeit  beschränkt  sich  im  Waldviertel 
auf  das  Tal  der  Donau  und  die  Gebiete  am  Unterlauf  ihrer  Neben- 
flüsse. Auch  im  einzelnen  wird  sie  sich  hier  wie  überall  noch 
eng  an  die  bereits  bestehenden  slawischen  Siedelungen  angeschlossen, 
umfangreichere  Rodungen  noch  vermieden  haben.^)  Wie  wenig 
festgewurzelt  und  wie  spärlich  diese  Siedelungen  auch  noch  nach 
einem  Jahrhundert  fortgesetzter  Kolonisation  waren,  erhellt  schon 
daraus,  daß  sie  bereits  beim  ersten  Ansturm  der  Magyaren  auf- 
gegeben wurden.  2) 

Nach  der  Lechfeldschlacht,  nach  der  politischen  und  militäri- 
schen Reorganisation  der  Ostmark,  wird  die  Eolonisationsarbeit 
von  neuem  aufgenommen.  Sie  bewegt  sich  zunächst  noch  in  den 
Bahnen  der  karolingischen  Besiedlung,  charakteristisch  bleibt  der 
ängstliche  Anschluß  an  die  bestehenden  Siedelungen,  der  Mangel 
einer  umfassenden  Rodung^);  man  kann  daraus  erschließen,  daß  die 
Zuwanderung  nur  spärlich  erfolgte.  Am  Ende  des  X.  Jahrhunderts 
ist  dann  im  Waldviertel  das  Donauufer  schließlich  doch  im  großen 
und  ganzen  besiedelt.  Im  Laufe  des  XI.  Jahrhunderts  tritt  ein 
Umschwung  im  Charakter  der  Kolonisation   ein.^)   In   der  zweiten 

^)  Charakteristiicb  ist  vor  allem  eine  kaiserliche  Schenkung  ron  904,  die 
■ich  auf  das  Mnrtal  bezieht;  sie  nmfafit  20  Hafen,  und  zwar  curtem  muro  cir- 
camdatum  et  illic  sive  in  viUa  Costiza  yel  aliis  locis  in  utraque  parte  illius 
flaminis  (Mur)  tamdiu  toUat,  quousque  praedictae  hobae  deorsum  snppleantur  et 
pennetiantur.  Zahn,  Steirisches  Urkundenbuch.  I,  Nr.  13. 

^)  Der  Ort  Steinakirchen  ist  979  per  multa  annorum  curricula  desertus 
und  eben  erst  neu  kolonisiert.  (Mon.  boica,  XXVIII  b,  227.) 

')  L.  c.  Schenkung  von  sechs  Königshufen  bei  Wieselburg  an  das  Bistum 
Hegensburg.  Et  si  minus  quam  6  regales  mansi  arabilis  terrae  nostri  iuris  infra 
tcrminos  praescriptos   in^eniantur,   ubi   prozima  iuzta   praedictum    castelli  locum 

kabeamns suppleantur,  wo   doch  Erlaubnis  zu    einheitlicher   Rodung    yiel 

näher  liegen  wOrde.  —  1107  schenkt  Regensburg  an  Mondsee:  noyalia  ab  ecdesia, 
que  dicitur  cella,  usque  ad  villam  Ursdorf;  auch  hier  nicht  eine  einheitliche 
BodoDg,  sondern  eine  größere  Anzahl  kleiner  Einzelrodungen. 

*)  Siehe  unter  IV. 


24  I>r.  Franz  Heilsberg. 

Hälfte  dieses  Jahrhunderts  ist  auch  der  Ostrand  unseres  Gebietes, 
der  Ostabfall  des  Manhartsberges,  der  Unterlauf  des  Kamp,  das 
Homer  Becken  im  allmählichen  Vordringen  von  den  ebeneren, 
günstiger  gelegenen  Gegenden  des  Viertels  unter  dem  Manharts- 
berge  her  bereits  mit  Siedelungen  besetzt.  Das  erweisen  zunächst 
im  Norden  die  Waldschenkungen  im  Raabser  Gkbiet,  die  sich  doch 
wohl  an  besiedeltes  Gebiet  angeschlossen  haben.  Im  Homer  Becken 
ist  Horn^)  selbst  1049,  eine  ganze  Anzahl  anderer  Orte  nach  1075 
genannt^),  östlich  davon  erscheint  Eühnring^)  (Hecimannesvisa)  1057. 

Im  Eamptal  selbst  ist  Meiers  um  1100^),  Gars  c.  1122  ge- 
nannt*^), am  südöstlichen  Abhang  des  Manhartsberges  erscheint  die 
Pfarre  Mühlbach  als  Bestandteil  der  ersten  Dotation  von  Göttwei<r 
durch  Bischof  Altmann.*)  Von  dieser  Siedelungsreihe  im  Osten  und 
im  Süden  ist  dann  im  wesentlichen  die  Kolonisation  des  Wald- 
yiertels  ausgegangen. 

Das  zeigt  sich  klar  schon  im  Fortschreiten  grundherrlichen 
Besitzes.  Im  Ispertale  findet  neben  dem  Vordringen  von  Oberöster- 
reich her  auch  eine  Besiedelung  von  Süden  aus  statt.  Wsihrend  998 
unter  dem  predium  Nochilinga,  das  durch  kaiserliche  Schenkung  in 
den  Besitz  des  Herzogs  Heinrich  von  Bayern  übergeht^),  jedenfalls 
nur  der  Ort  Nöchling  und  ein  schmaler  Streifen  Landes  in  der  Nähe 
der  Donau  zu  verstehen  ist.  erscheint  1160  bereits  St.  Oswald^,  in 
der  ersten  Hälfte  des  XIII.  Jahrhunderts  Dorf stetten*),  1271  Isper  *») 
mit  demselben  Besitz  vereinigt.  An  der  Hand  dieser  Ortsnennungen 
können  wir  das  Vorschreiten  der  Besiedelung  gegen  Norden  ver- 
folgen. Am  Unterlaufe  des  Weitenbaches  und  am  Südostabfall  des 
Ostrong   (Gottsdorf,   Artstetten)**)    erscheinen   die   Burggrafen  von 


^)  Mon.  boica,  XXVIIU,  120. 

^)  Im  Stiftsbrief  des  Klosters  S.  Nikolaus  bei  Passaa:  Neakirchen,  RQhren- 
bach,  Molt,  Rietenbarg  (öd),  Strogen. 

3)  Meiller,  Regesten.  S.  8,  Nr.  2. 

*)  L.  c.  S.  11,  Nr.  2. 

^)  L.  c.  S.  15,  Nr.  22. 

6)  Fontes,  VIII,  S.  2. 

')  Meiller,  8.  3,  Nr.  3. 

^)  Geschichtliche  Beilagen  zur  Diözesan- Kurrende  von  St.  Polten.  IV, 
8.  306  f. 

«)  Dop  seh,  Urbare.  S.  47,  Nr.  160. 

^°)  Siehe  Anmerkung  1. 

^^)  Archiv  für  Österreichich e  Geschichte.  XII,  8.  259. 


Geechichte  der  Kolonisation  dei  Waldyierteia.  25 

Regensbarg,  Grafen  von  Stefling,  begütert;  ihr  Besitz  schiebt  sich 
aUmählicb  über  Pöggstall  gegen  Martinsberg  vorJ)  Die  Herren  von 
Streitwiesen  am  Weitenbache,  die  sich  bereits  1144  nach  diesem 
Orte  nennen-),  sind  bis  gegen  Ende  des  XIII.  Jahrhunderts  aach  im 
Gebiete  von  Groß-Gerungs  za  Eirchbach  and  Griesbach  be- 
gütert^) Wir  sehen  hier  deatlich  eine  gegen  Norden  gerichtete 
Kolonisatioii,  die  dann  im  Gebiet  des  Grenzflusses  in  eine  ost-west- 
liche  umbiegt. 

Hier  erscheint  Meisling  um  die  Mitte  des  XI.  Jahrhunderts 
als  Siedelang  ^),  wohl  von  Anfang  an  im  Besitze  des  Landesherrn.  ^) 
Mit  Beginn  des  XII.  Jahrhunderts  hat  dieser  Besitz  und  mit  ihm 
die  Siedelung,  im  allgemeinen  westwärts,  doch  auch  gegen  Süden 
und  Norden  fächerförmig  sich  ausbreitend,  die  Quellen  des  Krems* 
tiosses  erreicht.^)  Die  Kuenringe  sind  im  XI.  Jahrhundert  zu  Eühn- 
ring  zu  Gobelsburg  und  Brunn  im  Felde  begütert,  c.  1140  sind  sie 
im  Besitze  Ton  Krumau  und  der  Gegend  um  Zwettl,  1180  sind  sie 
bereits  bis  Weitra  vorgedrungen.'^)  Die  Ministerialen  von  Imbach 
am  Unterlaufe  der  Krems  sind  bei  Neunzen,  östlich  von  Allentsteig 
begütert®),  ebenda  die  Burggrafen  von  Gars.®)  Von  den  ursprüng- 
lich am  Kamp  ansässigen  Geschlechtern  besitzen  die  Herren  von 
v'^tiefem  1162  das  Waldland  in  der  Gegend  des  späteren  Ober- 
kirchen südlich  von  Weitra*®),  die  Herren  von  Kammegg  c.  1150 
auch  ausgedehnte  Güter  zwischen  Allentsteig  und  Waidhofen.^*)  In 
der  Nahe  der  Quellen  der  großen  Krems  lag  die  Burg  Anschau, 
nach  der  sich  bereits  1180  ein  Zweig  des  Starhembergischen  Hauses 
nannte.  Von  hier  aus  hat  es  seinen  Besitz  gegen  Westen  (Arbes- 
bach.  Groß-Gerungs)  ausgebreitet  Die  Herren  von  Kaya  im  Viertel 
unter  dem  Manhartsberg   sind  die  Gründer   von  Allentsteig  *^),   die 

^)  Urkandenbuch  des  Landes  ob  der  Eons.  11,  8.  723  ff. 

2)  Mon.  boica,  IV,  311. 

^  Topographie  Ton  Niederösterreich.  Artikel  Griesbach. 

*)  Fontes,  XXI,  524. 
.     »)  Meiller,  Regesten.  S.  12,  Nr.  7. 

«)  Fontes,  VIII,  Nr.  72,  116.  Dopsch,  Urbare.  S.  27,  Nr.  75  ff. 

^  Siehe  im  aUgemeinen:  FrieO,  Die  Herren  von  Kaenring. 

*)  Fontes,  III,  58. 

")  Ebenda. 

1«)  Notizenblatt,  V,  S.  470. 
^^)  Mon.  boica,  XXIX  b,  322. 

^')  Als  Besitzer  von  Allentsteig  erscheinen  sie  nrkandlich  1311,  doch  kommt 
<ler  Name  Adalolt,    Alolt   in   dieser  Qegend    nur   in  ihrer  Familie    und    bei    den 


26  ^r-  Franz  Heiliberg. 

von  Grünbach  bei  Gfbhl  Gründer  von  Riegers  westlich  von  ZwettlJ) 
Die  eng  verwandten  Geschlechter  von  Rastenberg,  Ottenstein  nnd 
Hohenstein  sind  zu  Böhmsdorf  nnd  Warmbrand  südlich  von  Weitra 
begütert,  ansässig  am  Mittellauf  des  Kamp  und  der  Elrems.^)  Ist 
hier  die  ostwestliche  Richtung  der  Besiedelung  klar  ausgeprägt,  so 
erscheint  sie  in  gleicher  Weise  nördlich  vom  Horner  Becken.  Im 
Osten  um  Weitersfeld')  ist  alter  markgräflicher  Besitz.  Kaiserliche 
Schenkungen  erweitern  ihn  gegen  Westen  bis  in  die  Gegend  von 
Raabs.  Hier  werden  die  Babenberger  von  den  ihnen  nahe  ver- 
wandten Burggrafen  von  Nürnberg,  Grafen  von  Raabs,  abgelöst, 
deren  Besitz  und  Kolonisation  um  die  Mitte  des  XU.  Jahrhunderts 
bis  Münichreith,  Gastern  und  Klein-Zwettl  reicht^)  Sowohl  örtlich 
als  auch  zeitlich  folgen  ihnen  dann  die  Grafen  von  Hirschberg  als 
Besitzer  und  Kolonisatoren  der  Grafschaft  Litschau.^) 

Dasselbe  Bild  gewährt  der  Fortschritt  der  kirchlichen  Or- 
ganisation, wie  er  sich  aus  den  Patronatsverhältnissen  des  späteren 
Mittelalters  erschließen  läßt.^)  Das  Patronat  einer  Pfarre  über  die 
andere  weist  nämlich  stets  auf  die  Entstehung  der  letzteren  aus 
der  ersten  zurück,  und  zwar  auf  eine  Kirchengründung,  die  aus 
dem  religiösen  Bedürfnis  der  Bevölkerung  hervorgegangen  ist 
also  auch  dem  Fortschritt  derselben  entsprechen  wird,  während 
grundherrliche  Gründungen,  aus  dem  religiösen  Bedürfnis  und  wirt- 
schaftlichen Erwägungen  des  Adels  hervorgegangen,  dem  Patronat 
des  gründenden  Geschlechtes  unterstehen.  Für  jene  gewissermaßen 
autonomen  kirchlichen  Gründungen  ist  nun  im  Gebiete  des  Weiten- 
baches ebenso  wie  für  die  Entwicklung  des  Grundbesitzes  die  Süd- 
Nord-Richtung  charakteristisch.  Die  Pfarren  Raxendorf  und  Laim- 
bach  sind  aus  der  Pfarre  Weiten,  Traunstein  aus  Martinsberg  her- 
vorgegangen.   Sonst   überwiegt  wieder,   ebenso  wie  bei  den  Besitz- 

Kameggern  vor,  die  mit  ihnen  identisch  oder  doch  nahe  verwandt  zu  sein  ■cheinen. 
Fontes,  nr,  3B1. 

>)  Ebenda.  S.  96. 

•)  Ebenda.  8.  406  und  öfters. 

3)  Zu  erschließen  ans  Meillers  Regesten,  S.  20,  Nr.  62,  und  Dop  seh, 
Urbare,  8.  30,  Nr.  86. 

*)  Cod.  trad.  von  Garsten.  Urkundenbuch  des  Landes  ob  der  Enns.  1, 126  ff. 
und  Fontes,  III,  58. 

^)  Zuerst  genannt  anfangs  des  XIII.  Jahrhunderts.  Fontes,  III,  111. 

®)  Zu  ersehen  aus  dem  Pfarrverzeichnis  des  Lonsdorfer  Kodex  (Mon.  boica, 
XXVm  6,  489  flf.)  von  c.  1350. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  27 

Verhältnissen,  die  Ost- West-Richtung.  Aus  der  Pfarre  Meisling  haben 
sich  die  Pfarren  Gfbhl  und  Eis  ausgescHieden,  ebenso  von  Alt- 
Pölla  gegen  Westen  Döllersheim,  Haselbach,  Globnitz  und  Salling- 
stadt,  aus  der  Pfarre  Zwettl  die  Pfarren  Göttfritz,  Etzen,  Biegers, 
aus  Groß«Grerungs  Qroß-Pertholz,  aus  der  Pfarre  Raabs  die  Pfarren 
örünbach  und  Mttnichreith.  Ein  nördliches  Vordringen  der  Koloni- 
sation von  Weitra  aus  kann  man  aus  der  Abhängigkeit  der  Pfarre 
Gmünd  von  Weitra  erschließen. 

Um  den  Beginn  der  Kolonisation  durch  eine  Zeitangabe  zu 
fixieren,  können  wir,  wenn  wir  von  dem  Donautale  im  engsten 
Sinne  des  Wortes,  das  bereits  früher  besiedelt  ist,  absehen,  das 
Jahr  1000  nennen.  Die  Kolonisation  schreitet  dann  in  einem  immer 
mehr  sich  verengenden  Winkel,  dessen  Schenkel  gegen  Norden  und 
Westen  gerichtet  sind,  dessen  Scheitel  im  Südosten  liegt,  gegen  Nord- 
west vor.  Ungefähr  für  das  Jahr  1100  können  wir  zuerst  wieder 
die  Lage  dieses  Winkels  fixieren.  Die  Möglichkeit  dazu  bietet  uns 
eine  Ortsnamengrenze.  Die  bloß  durch  den  Genetiv  eines  Personen- 
namens gebildeten  Ortsnamen  erscheinen  nicht  vor  1100.  Die  Ent- 
stehung der  ersten  so  benannten  Orte  im  Gebiete  von  Kottes  und 
Ranna  können  wir  an  der  Hand  der  Göttweiger  Traditionsakte 
im  einzelnen  verfolgen. 

Sie  tauchen  aber  im  Osten  des  Waldviertels  von  Kottes  nord- 
wärts bis  zur  mährischen  Grenze  überall  ungefähr  zu  derselben 
Zeit,  in  der  ersten  Hälfte  des  XII.  Jahrhunderts  auf,  während  aller- 
dings im  Süden  ein  anderes  Prinzip  der  Ortsnamengebung  auch 
noch  im  XIL  Jahrhundert  vorherrscht.  Dort  im  Süden  also  können 
wir  nur  im  allgemeinen  sagen,  daß  eine  Linie,  etwa  von  S.  Oswald 
parallel  der  Donau  bis  Mühldorf  im  Spitzer  Graben  gezogen,  das 
im  XI.  Jahrhundert  kolonisierte  Land  gegen  Norden  abgrenzt.  Von 
Mtthldorf  geht  diese  l^olonisationsgrenze,  zusammenfallend  imit  der 
Ortsnamengrenze,  nördlich  bis  Gföhl,  dann  quer  durch  den  Gföhler 
Wald  nach  Krumau,  von  da  in  einem  aus  der  nördlichen  in  die 
östliche  Richtung  übergehenden  Bogen  über  Messern  nach  Pemegg 
und  wieder  genau  nördlich  bis  Drosendorf 

Dann  läßt  sich  wieder  für  etwa  1150  die  Grenze  zwischen 
kolonisiertem  Land  und  Waldland  durch  urkundliche  Belege  fixieren. 
1140  wird  die  Pfarre  Martinsberg  errichtet.  In  der  Grenzbeschreibung 
der  Stiftungsurkunde')  wird  die  Nordgrenze  offen  gelassen,  nur  ganz 

^)  Urkandenbach  des  Landes  ob  der  Eons.  II,  724  f. 


28  I>r-  Franz  HeiUberg. 

aUgemein  als  gegen  die  Grenze  Böhmens  verlaufend  bezeichnet.  Das 
deutet  auf  eine  im  wesentlichen  unbesiedelte  Landschaft  im  Norden. 
Das  gleiche  ersehen  wir  aus  der  Stiftungsurkunde  der  benachbarten 
Pfarre  Kottes  von  c.  1125.  Zwettl  und  die  umliegenden  Orte  sind 
1139  offenbar  erst  dem  Walde  abgewonnen,  auch  die  der  Gründung 
des  Klosters  unmittelbar  folgenden  Rodungen  der  Mönche  können 
die  in  der  nächsten  Nähe  des  Klosters  befindlichen  Waldungen 
noch  nicht  bewältigen.^) 

Wir  können  also  die  Grenze  aus  dem  Ispertal,  für  das  uns 
nähere  Nachrichten  bis  zur  Mitte  des  XIII.  Jahrhunderts  fehlen, 
die  Straße  entlang  ziehen,  die  aus  diesem  nach  Martinsberg 
führt,  dann  zu  den  Quellen  der  großen  Krems,  an  dieser 
abwärts  etwa  bis  gegen  Sallingberg,  dann  den  Fluß  verlassend 
genau  nördlich  bis  Zwettl.  Von  da  ab  führt  die  Grenze  über 
Oberndorf  nach  Vitis,  also  im  aUgemeinen  nördlich  mit  einer 
sanften  Ausbuchtung  gegen  Osten.  Die  an  dieser  Linie  und  östlich 
von  ihr  liegenden  Orte  werden  zum  großen  Teil  in  einer  Urkunde 
von  1150^),  was  westlich  liegt,  erst  Ende  des  XII.,  Anfang  des 
XIII.  Jahrhunderts  genannt.  Von  Vitis  verläuft  die  Grenze  nach 
Klein-Zwettl,  das  c.  1150  von  den  Grafen  von  Raabs  an  Zwettl 
geschenkt  wird^),  von  da  zwischen  Münichreith  und  Gastern,  von 
denen  das  erstere  vor  1150  bereits  bestiftet,  das  letztere  nach  1150 
als  Waldland  an  das  Stift  Garsten  kommt  ^),  gegen  Weikertschlag 
an  die  mährische  Grenze.  Der  zweiten  Hälfte  des  XII.  Jahrhunderts 
ist  dann  ein  rasches  Vordringen  der  Kolonisation  gegen  Weitra 
zuzuweisen,  so  daß  der  Kolonisation  des  XIII.  Jahrhunderts  im 
wesentlichen  nur  mehr  die  beiden  gesonderten  Gebiete  von  Groß- 
Gerungs  und  Litschau  übrig  bleiben. 

Den  zeitlichen  Endpunkt  der  Kolonisation  können  wir  mit 
dem  Jahre  1250  fixieren.  Nach  diesem  Jahre  gibt  es  kein  größeres 
zusammenhängendes  Gebiet  mehr,  aus  dem  uns  keine  urkundlichen 
Ortsnennungen  gegeben  wären.  Auch  die  kirchliche  Organisation 
erstreckt  sich  um  diese  Zeit  bereits  auf  die  am  spätesten  besiedelten 
Gebiete  von  Litschau  und  Groß-Gerungs. 


')  Fontes,  III,  45—47. 

-)  Mon.  boica,  XXIX  b,  322. 

3)  Fontes,  III,  58. 

*)  Cod.  trad.  ron  Garsten,  Urkundenbuch  des  Landes  ob  der  Enns.  I,  S.  128. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels. 


29 


Eine  Tabelle   der  Ortsnennungen    bis  1300   bestätigt   im   all- 
gemeinen unsere  bisherige  Darstellung. 


'           Bezirk 

1000 

1060 

-1100 

—1160 

-1200 

-1250 

-1300 

Persenbeu^     .    . 

2 

2 

2 

12 

15 

17 

24 

POggBtall     .    .    . 

— 

1 

1 

13 

19 

19 

21 

Spitz    .    . 

3 

3 

3 

15 

25 

28 

35 

Krems          .    .    . 

2 

3 

5 

22 

28 

29 

36 

Langenlois  .    .    . 

^^^ 

1 

5 

12 

15 

15 

20 

,  Hörn    .        ... 

1 

7 

29 

39 

49 

66 

E^genburg      .    . 

— 

0 

13 

16 

19 

33 

Gföhl 

— 

1 

1 

6 

13 

20 

24 

^  Ottenschlag    .    . 

— 

— 

1 

13 

17 

20 

30 

*  Geras 

— 

— 

3 

4 

14 

24 

Raabs  

— 

1 

1 

5 

18 

31 

Zwettl      .... 

—^ 

— 

10 

15 

41 

64 

Allentsteig  .    .    . 

— 

— 

— 

19 

35 

46 

67 

Waidhofen  .    .    . 

— . 

— 

MMi» 

4 

6 

7 

15 

SchreniB  .... 

— 

— 



1 

3 

6 

10 

Dobersberg     .    . 

— 



1 

4 

4 

16 

Weitra    .        .    . 

— 

— 



— 

5 

11 

12 

Groß-GeruDgs 

— 

— 



— 

— 

7 

18 

Litschaa      .    . 

— 

— 



— 

— 

2 

4 

Summe  .    . 

7 

12 

31 

174 

261 

372 

550 

Es  ergibt  sich  nun  die  Frage,  wie  weit  denn  die  erste  Koloni- 
sation den  Aushau  des  Landes  vollendet  hat,  wie  viel  sie  noch  einer 
späteren  Innenkolonisation  zu  tun  übrig  ließ.  Da  ist  es  nun  sicher, 
daß  schon  mit  dem  stetigen  räumlichen  Fortschritt  der  Kolonisation 
auch  eine  Verdichtung  der  bereits  bestehenden  Siedelungsreihen 
Hand  in  Hand  geht,  ohne  daß  sie  sich  außer  an  wenigen,  zufälligen 
Beispielen  nachweisen  ließe.  So  ist  1217  das  Gebiet  um  Schweiggers, 
östlich  von  Weitra,  silva  Swikers,  also  ursprüngliches  Waldland 
im  wesentlichen  bereits  besiedelt.  Aber  daneben  existieren  doch  noch 
Waldmassen,  deren  Rodung  in  Aussicht  genommen  sein  muß,  da 
auch  von  vornherein  an  eine  Regelung  des  Zehentbezuges  von  den 
etwa  neugegründeten  Ortschaften  gedacht  wird.  ^)  Anderseits  ist  eine 
Anzahl  verspäteter  Kolonisationsversuche  noch  in  der  Neuzeit  er- 
folgt. Dahin  gehört  die  Besiedelung  des  GfÖhler  Waldes,  namentlich 
am  St.  Leonhard  ^),  des  Rosenauerwaldes,  der  Gegend  um  Karlstift. 


0  Fontes,  UI,  82. 

')  Topographie  von  Niederösterreich.  Artikel  St.  Leonhard. 


30  I>r.  Franc  Heiliberg. 

• 

westlich  von  Weitra^),  auch  die  Begrttndang  einzelner  Ortschaften, 
die  gewöhnlich  schon  durch  ihren  Namen  ihren  späten  Ursprung 
verraten  (Paris,  London,  Ämaliendorf). 

Für  das  Mittelalter  läßt  sich  eine  gewisse  Innenkolonisation 
auch  aus  Ortsnamen  erschließen,  aus  den  zahlreichen  Nondorf 
(=  Neudorf)  ebenso,  wie  aus  den  Namen,  die  für  zwei  benachbarte 
Orte  gebraucht  und  nur  durch  ein  Alter,  Lage  oder  Größe  bezeich- 
nendes Beiwort  geschieden  werden.  Aber  auch  die  so  zu  erschließende 
Innenkolonisation  reicht  zum  großen  Teil  in  die  Zeit  der  ersten 
Besiedelung  zurück.  Im  XIV.  Jahrhundert  sind  von  den  ungefähr 
70  Ortspaaren,  die  in  dieser  Weise  benannt  sind,  bereits  33,  fast 
die  Hälfte  sicher  nachweisbar. 

Es  blieb  aber  auch  für  eine  derartige  Verdichtung  der  Be- 
siedelung in  größerem  Ausmaße  nach  dem  ganzen  Vorgange  bei 
der  anfänglichen  Kolonisation  überhaupt  kein  Raum.  In  einzelnen 
Fällen  ist  dieser  Vorgang  noch  deutlich  zu  erkennen. 

Das  Gebiet  der  späteren  Göttweigischen  Herrschaft  Nieder- 
Ranna  und  Kottes  ist  zum  Teil  bereits  1083  durch  Bischof  Altmann 
von  Passau,  dann  durch  Schenkung  eines  Adeligen  namens  Waldo, 
dann  des  Markgrafen  an  Göttweig  gekommen^);  zur  Zeit  der  ersten 
Schenkungen,  das  ist  bis  c.  1100  haben  wir  es  da  mit  einem  ge- 
schlossenen Waldlande  zu  tun.  Erst  von  da  ab  beginnt  die  Rodungs- 
arbeit der  Markgrafen  und  ihrer  Ministerialen,  des  Ekllen  Waldo,  der 
Herren  von  Grie  und  Ranna,  während  wir  die  des  Klosters  nicht  ver- 
folgen können.  Vor  1108  schenkt  der  Markgraf  dem  Stift  die  Orte  ötz, 
Mutsthal  und  Fohra  und  andere  nicht  genannte  Orte;  alle  werden 
als  Neubruchsland  bezeichnet.  Die  genannten  Orte  sind  auf  einem 
engen  Räume  zusanunengedrängt,  keine  neue  Ortschaft  hat  sich  mehr 
hier  zwischen  diese  ersten  eingeschoben.  Bis  1150  werden  24  Orte 
in  diesem  Gebiete  genannt,  ungefähr  die  Hälfte  der  heute  bestehenden; 
bringt  man  da  noch  die  Zufälligkeiten  in  der  Nennung  in  Anschlag 
(z.  B.  sind  einige  dieser  Orte  nur  in  der  Grenzbeschreibung  der 
Pfarre  Kottes  zu&Uig  genannt,  es  müssen  wohl  auch  noch  andere, 
nicht  genannte  Orte  innerhalb  der  Pfarrgrenzen  bestanden  haben), 
so  dürfte  wohl  wenig  Raum  für  einen  späteren  Ausbau  selbst  damals 
schon  vorhanden  gewesen  sein. 

^)  Geschichtliche  Beilagen  za  den  Diözesan-Karrenden  von  8t.  Polten.  Bd.  Y, 
S.  541  und  Bd.  VI,  8.  277. 

«)  Fontes,  VIU.  tradd.  Nr.  72,  73,  116,  166,  245  and  Urkunde,  S.  262. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Wald  vierte  Is.  31 

Bei  der  Stiftung  des  Klosters  Zwettl  besteht  bereits  die  spätere 
Stadt  Zwettl  und  in  der  nächsten  Umgebung  alle  die  Ortschaften, 
die  sich  bis  heute  erhalten  haben;  der  einzige  Dürrenhof  ist  später 
noch  im  Umfange  dieses  ersten  Siedelungsgebietes  neu  errichtet 
worden.  Und  aus  dem  Berichte  des  Äbtes  Hermann  über  seine 
Streitigkeiten  mit  Pilgrim  yon  Zwettl  erhellt  klar,  wie  eng  sich 
sofort  nach  der  Gründung  trotz  dem  Bestände  ausgedehnter  Wald- 
massen der  wettere  Ausbau  an  das  schon  Bestehende  anschloß.^) 
Eine  Urkunde  von  1150  zeigt  uns  in  dem  Gebiete  von  Allentsteig 
bis  gegen  Waidhofen,  in  dem  nach  dem  ganzen  Gange  der  Be- 
siedelung  die  Anlage  von  Ortschaften  nicht  vor  1100  begonnen 
haben  kann,  bereits  fast  alle  bestehenden  Orte.^)  Zu  der  Annahme 
einer  raschen  Vollendung  der  Besiedelung  zwingt  auch  der  Charakter 
der  Ortsnamengebung.  Nur  durch  diese  Annahme  ist  der,  abgesehen 
vom  Süden  und  Osten,  so  einheitliche  Charakter  derselben,  das 
überraschende  Vorherrschen  einer  einzigen  Namensform  (der  Genetive 
von  Personennamen)  zu  erklären,  während  bei  längerer  Dauer  des 
Besiedelnngsvorganges  doch  auch  eine  Änderung  des  Frinzipes  der 
Namengebung  sich  ergeben  würde.  ^) 

Daß  im  großen  und  ganzen  mit  dem  Ende  des  XIII.  Jahr- 
hunderts die  Besiedelung  des  Landes  zum  Abschlüsse  gelangt  war, 
können  wir  auch  aus  dem  Stande  der  kirchlichen  Organisation  er- 
schließen. Das  Pfarrenverzeichnis  der  Passauer  Diözese  aus  der 
ersten  Hälfte  des  XIV.  Jahrhunderts  zeigt  uns  bereits  das  ganze 
Waldviertel  mit  einem  dichten  Netz  von  Pfarren  überzogen,  das 
seitdem  nur  eine  unwesentliche  Verdichtung  aufzuweisen  hat.  Im 
Pfairverzeichnis  von  1429  sind  zu  den  152  vor  1350  genannten 
Pfarren  nur  10  neue  hinzugekommen.^)  Wo  die  Urbare  vom  Ende 
des  XIII.  und  Anfang  des  XIV.  Jahrhunderts  geschlossene  Bezirke 
einheitlichen  Besitzes  umfassen,  verzeichnen  sie  einen  mit  dem 
gegenwärtigen   so   ziemlich   übereinstinunenden  Ortschaftsbestand. ^) 

Zahlenmäßige  Angaben  über  das  Wachstum  der  Bevölkerung 
können  wir  nicht  gewinnen.  Auch  die  urkundlichen  Ortsnennungen, 

^)  Fontes.  III,  46  f. 

^)  Mon.  boica,  XXIX  h,  322. 

^  Siehe  OrtanamentabeUe,  Anhang  III. 

*)  Kerf  ch bäum  er,  Geschichte  von  St.  Polten. 

^)  So  das  Göttweiger  Urbar  von  1302  für  das  officinm  in  Ranna  und  Kottes 
(Urbare  Ton  Göttwelg,  heraosgegeben  von  Fnchs,  S.  134  ff.)>  ^^  Zwettler  Urbar 
^on  c.  1315  ftlr  die  Umgebung  von  Zwettl,  das  Litscbauer  Urbar  von  1369. 


32  I>r.  F»ns  Heilibexg. 

die  allein  uns  eine  über  das  ganze  Gebiet  sich  erstreckende  Zahlen- 
reihe liefern,  können  nicht  zar  Grundlage  einer  solchen  Berechnung 
dienen.  Denn  erstens  stehen  Ortschaftszahl  und  Bevölkerungszahl 
in  keinem  einfachen  Fonktionsverhältnis,  da  auch  die  Ortschafts- 
größe Veränderungen  unterworfen  ist,  für  die  wir  nach  unseren 
Quellen  keine  Regel  finden  können;  zweitens  aber  und  Tor  allem 
macht  der  zufällige  Charakter  der  Ortsnennnngen  solche  Berech- 
nungen unmöglich.  So  zeigt  z.  B.  unsere  Tabelle  ein  plötzliches, 
übermäßiges  Emporschnellen  der  Ortschaftszahl  seit  1100,  d.  i.  seit 
der  Entstehung  umfangreicheren  geistlichen  Besitzes  mit  seiner 
besseren  Aufzeichnung  in  Traditionsbüchern.  Ein  ähnlicher,  etwas 
weniger  auffälliger  Sprung  ergibt  sich  zum  Jahre  1250;  würde  sich 
vor  allem  ftlr  1300  ergeben,  infolge  des  Aufkommens  der  Urbare, 
des  Überhandnehmens  der  Urkunden.  Eine  Tabelle  der  Orts- 
nennungen ist  mindestens  eben  so  sehr  der  Ausdruck  för  den  je- 
weiligen Stand  der  Überlieferung,  für  die  Sorgfalt,  die  die  Orund- 
herrschaften  der  Aufzeichnung  ihres  Besitzes  zuwenden,  als  fbr  den 
Stand  der  Besiedelung.  Sie  kann  diesen  ungefähr  veranschaulichen. 
Berechnungen  lassen  sich  darauf  nicht  aufbauen. 

Wir  müssen  uns  für  die  Beurteilung  der  Schnelligkeit  der 
Kolonisation  und  der  Bevölkerungszunahme  auf  wenige  allgemeine 
Angaben  beschränken.  Die  Besiedelung  ist  hier  schneller  vollendet 
als  in  Gebieten  weit  älterer  Kultur.  Auch  im  Moselland  mit  seiner 
alten  gallisch-römischen  Kultur,  in  dem  auch  die  deutsche  Besiede- 
lung mindestens  seit  dem  VII.  Jahrhundert  ihren  stetigen  durch 
keine  allgemeinen  Katastrophen  aufgehaltenen  Fortgang  nimmt,  ist 
der  Ausbau  des  Landes  erst  im  XIII.  Jahrhundert  vollendet,  er 
erforderte  also  das  Doppelte  der  Zeit,  die  im  Wald  viertel  zur  Voll- 
endung der  Kolonisation  nötig  war.*)  Wir  haben  es  eben  im  Wald- 
viertel nicht  wie  im  Moselland  mit  einer  volksmäßigen  Siedelung 
zu  tun,  die  die  besten,  am  leichtesten  der  Kultur  zugänglichen 
Plätze  zuerst  aussucht  und  von  da  aus  unter  dem  Zwange  der 
Volkszunahme  allmählich  auch  den  schwerer  zu  bearbeitenden 
Boden  besetzt,  sondern  mit  einer  grundherrlichen,  die  den  Boden 
möglichst  vollständig  sofort  auszunützen  sucht.  Auch  im  Mosellande 
ist  ja  eine  umfassende  Rodung  erst  durch  die  Grundherrscbaften 
erfolgt.^) 

1)  Lamprecht,  Wirttchaftsleben.  I/l,  8. 141  ff. 

2)  L.  c.  S.  133. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Wald  vier  tele.  33 

Die  Kolonisation  geht  andererseits  hier  langsamer  vor  sich 
als  die  deutsche  Besiedelang  der  Siawenländer.  In  Böhmen  genügt 
die  Regierangszeit  König  Ottokars,  das  dritte  Viertel  des  XIII.  Jahr- 
hunderts, die  Kolonisation  der  Grenzwälder  in  ihren  Grundzügen 
zu  vollenden J)  Ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  aber  auch  in  den 
Landschaften  an  der  Oder.^)  Zu  der  grundherrlichen  Organisation 
im  allgemeinen  kommt  hier  noch  die  besondere  Organisation  des 
Prämonstratenser-  und  Zisterzienser-Ordens,  wie  auch  des  deutschen 
Ritterordens,  ihre  innige  Verbindung  mit  einem  dicht  bevölkerten 
Hinterland'),  die  beständige  Zuwanderung  von  Kreuzfahrern  gegen 
die  heidnischen  Preußen,  vor  allem  aber  die  feste,  einheitliche  Or- 
ganisation, die  sich  hier  für  die  Kolonisation  ausbildet. 

Eine  gewisse  Beweglichheit  der  Bevölkerung  ist  für  die  ersten 
Zahrzehnte  einer  jeden  Kolonisation  von  vorneherein  anzunehmen. 
Sie  ergibt  sich  von  selbst,  sobald  einmal  die  Ablösung  der  Kolo- 
nisten von  den  vergleichsweise  starren  Verhältnissen  des  Mutterlandes 
erfolgt  ist.  Es  ist  ja  auch  sehr  unwahrscheinlich,  daß  der  beste 
Standort  für  jede  Siedelung  sofort  gefunden  wird.  Ein  gewisses 
Sachen  und  Tasten,  ein  oder  der  andere  vergebliche  Versuch  wird 
in  vielen  Fällen  vorangegangen  sein.  Für  Siedelungen  anderer  Art, 
für  Klöster  z.  B.,  ist  uns  dieser  Vorgang  genau  überliefert.  Von 
den  Zisterzienserklöstern  des  nordöstlichen  Deutschlands  hat  sicher 
die  Hälfte  ihren  ersten  Standort  gewechselt,  ja  oft  ist  es  auch  bei 
einem  einmaligen  Wechsel  nicht  geblieben.^)  Für  Bauerndörfer  ist 
uns  der  Vorgang  selbst  infolge  der  mangelhaften  Tradition  aus 
bäuerlichen  Kreisen  überhaupt,  vielleicht  auch  infolge  der  Gewöhn- 
lichkeit des  Vorganges  nicht  direkt  überliefert.  Doch  ist  er  aus  dem 
Vorkommen  von  Wüstungen  noch  in  der  Kolonisationszeit  selbst 
zu  erschließen.^)  Daß  solcher  Wüstungen  nur  wenige  nachweisbar 
sind,  darf  uns  nicht  zum  Schlüsse  verleiten,  daß  dieser  Vorgang 
ein  seltener  gewesen  wäre;  denn  infolge  der  geringen  Stetigkeit,  die 
die  Siedelung  damals  erst  erlangt  haben  konnte,  mußte,  wenn  sie 
wieder  einging,  jede  Erinnerung  in  kürzester  Zeit  schwinden. 


')  Lippert,  Sosial^eBchichte  Böhmens.  Bd.  II  im  allgemeinen. 
^)  Meitzen  im  Jahrbach  für  Nationalökonomie.  Bd.  XXXII  und:  Siedelang 
tind  Agrarwesen  Bd.  II,  Abschnitt  X,  3—5. 

^)  Winter,  Zisterzienser  des  nordöstlichen  Deatschlands.  II,  8.  177. 
*)  Winter,  1.  c.  im  allgemeinen. 

'}  Für  diese  Deutang  ron  Wttstangen  siehe  Lamprecht,  1.  c.  I/l,  S.  128  ff. 
Jahrbuch  d.  V.  f.  LandeBknnde.  1907.  3 


34 


Dr.  Franz  Heilflberg. 


Für  die  große  Masse  der  Wüstungen  freilich,  die  uns  tiber- 
liefert sind,  werden  wir  andere  Ursachen  der  Verödung  zu  er- 
schließen haben.  Suchen  wir  zunächst  die  Zeit  derselben  festzustellen. 

Es  sind  an  Ortschaften  in  unserem  Gebiete  nachweisbar  ein- 
gegangen : 

2  nach  1300      64 

24  »     1400      47 

36  .      1500       10 

66  *     1600        4 

Die  Hauptmasse  der  Wüstungen  gehört  also  dem  XIV.  und 
XV.  Jahrhundert  an.  Zumindest  die  des  XV.  Jahrhunderts  lassen 
sich  nicht  mehr  durch  eine  Fluktuation  der  Siedelungen  in  Verbindung 
mit  der  Kolonisation  erklären,  sie  leiten  uns  vielmehr  zur  Bevölke- 
rungsbewegung des  späteren  Mittelalters  hinüber.  Wir  müssen  uns  da 
zunächst  Zahl   und  Verteilung   der  Wüstungen   vergegenwärtigen.') 


vor  1300 

>  1400 

>  1500 
»  1600 


Bezirk 


Zahl  der 
Ortschaften 


Zahl  der 
Wü6tangen 


WQstangen  auf 
100  Ortschaften 


Raabs  .    .    . 
Waidhofen 
AUentsteig  . 
Hom   .    .    . 
Dobersberg 
Eggenburg 
Ottenschlag 
Zwettl     .    . 
Schrems  .    . 
Oeras  .    .    . 
Gföbl  .    .    . 
Pöggstall     . 
Lange  nlois 
Litschan 
Krems     .    . 
Spitz        .    . 


65 
73 
77 
76 
54 
40 
87 
100 
84 
38 
59 
94 
38 
48 
44 
77 


22 

20 

21 

15 

11 

7 

15 

10 

7 

3 

3 

4 

1 

1 

1 


33 

27 

27 

20 

20 

17 

17 

10 

8 

8 

o 

4 

3 

2 

2 


Summe  . 


1054 


141 


13 


Von  dieser  Berechnung  mußten  zunächst  die  G-ebiete  der  Einzel- 
hofsiedelung,  die  Bezirke  Persenbeug,  Groß-Gerungs  und  Weitra 
und  der  westliche  Teil  von  Ottenschlag  ausgeschlossen  werden,  weil 
hier  die  Siedelungsform  die  Konstatier ung  der  Wüstungen  und  ihre 
Beziehung  auf  Ortschaftszahlen  ausschließt.  In  der  Verteilung  der 
Wüstungen  bemerkt  man  eine  ziemlich  stetige  Zunahme  von  Süden 


^)  Hauptsächlich  nach  Plesser,  Blatter  für  Landeskunde.  Bd.  XXXIII. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  WaldTierteU.  35 

nach  Norden  und  von  Osten  nach  Westen.^)  Man  maß  darin  zu- 
nächst den  Gegensatz  des  Weinlandes  im  Süden  und  Osten  gegen 
das  Gtebiet  ausschließlichen  Ackerbaues  erkennen.  Zugleich  fallt 
aber  das  Gebiet  der  zahlreichsten  Wüstungen  im  großen  und  ganzen 
mit  jenem  zusammen,  das  durch  die  Einheitlichkeit  der  Ortsnamen- 
gebuDg  und  das  Vorwiegen  der  genetivischen  Form  auf  besonders 
eiDheitliche  und  planmäßige  grundherrliche  Gründungen  hinweist, 
dieselbe  Planmäßigheit  auch  in  der  Anlage  des  Dorfes  selbst  und 
der  Aufteilung  der  zugehörigen  Feldflur  zeigt. 

Der  Vorgang  der  Verödung  kann  auf  Kriegs-  oder  Elementar- 
ereignisse zurückzuführen  sein,  die  eine  plötzliche  Ausrottung  der 
Berölkerung  zur  Folge  haben.  Doch  wie  ein  solcher  Vorgang  die 
dauernde  Verödung  nicht  zur  Folge  haben  muß,  wie  in  der  Regel 
doch  nach  einiger  Zeit  eine  Neubesiedelung  erfolgt,  so  bedarf  ander- 
seits die  Verödung  keiner  solchen  sichtbaren  Anlässe.  Gewöhnlich 
zieht  sich  der  Prozeß  dann  durch  Jahrzehnte,  ja  Jahrhunderte  hin 
Für  einen  Hof,  dessen  Besitzer  gestorben  ist,  findet  sich  kein  Käufer, 
einzelne  Bauern  ziehen  fort,  bis  schließlich  nur  ein  einzelner  Hof 
oder  eine  Mühle,  oft  nur  ein  Feld  oder  Wald  die  Erinnerung  an 
das  verschwundene  Dorf  in  ihrem  Namen  bewahren.^) 

Versuchen  wir  nun  die  Ursachen  dieser  weitgehenden  Ver- 
ödung festzustellen.^)  Wir  haben  bereits  gesehen,  daß  der  grund- 
herrliche Charakter  der  Kolonisation  die  Folge  hatte,  daß  das  ganze 
Land  gleichmäßig  dicht  mit  Siedelungen  bedeckt  wurde,  wobei 
schon  ans  mangelnder  Erfahmng  nicht  die  nötige  Rücksicht  auf 
die  Qualität  des  Bodens  genommen  werden  konnte.  Auch  ein 
schlechterer  Boden  konnte  nun  wohl  anfangs  die  für  den  Bestand 
der  Siedelung  nötigen  Erträge  liefern,  früher  als  sonst  muß  aber 
hier  eine  Erschöpfung  des  Bodens   eingetreten  sein,    die  dann  den 

')  Die  geringe  Zahl  um  bekannter  Wüstungen  im  Bezirke  Litschau  dürfte 
vor  allem  aaf  den  fast  yöUigen  Mangel  arkundlicher  Überlieferang  zorOckzufÜhren 
»ein.  der  wieder  darin  seinen  Grand  hat,  daß  dieses  Gebiet  mit  keinem  der  be- 
naehbarten  geistlichen  Institute  in  Beziehung  steht.  Die  übermAfiig  große  Zahl  von 
Wüstungen  im  Bezirke  Hom  wird  ihre  besondere  Erklärung  finden. 

')  Ein  bezeichnendes  Beispiel  ist  die  Verödung  des  Ortes  Chlingeins,  der 
heutigen  Klingenmühle  (bei  Plesser,  1.  c).  Zur  Veranschau Hebung  kann  auch 
die  Darstellung  eines  ahnliches  Prozesses  in  Roseggers  Roman:  »Jakob  der 
Letzte  €  dienen. 

')  Hier  werden  im  wesentlichen  nur  die  Ergebnissse  der  Untersuchung 
Orunds  für  das  Wiener  Becken  auf  das  Wald  viertel  angewendet. 

3* 


36  l^r-  ^^TtLnz  Heilsberg. 

Rückgang  der  Siedelang  zur  Folge  hatte.  Eine  weitere  Steigerung 
der  Bevölkerung  hätte  zum  weiteren  Anbau  auch  solchen  Bodens  ge- 
zwungen. Eine  gewisse  Stabilisierung  der  Bevölkerungszahl  zumindest 
im  engeren  Umkreis  ist  also  eine  weitere  Voraussetzung  der  Ver- 
ödung. Auch  die  grundherrlichen  Abgaben  können  zu  diesem  Prozeß 
beigetragen  haben.  Ein  System  von  Naturalabgaben  hindert  den 
Übergang  zu  einer  anderen,  vielleicht  ertragsfähigeren  Wirtschafts- 
weise; wo  aber  bereits  die  Ablösung  in  Geld  eingetreten  war,  also 
der  Verkauf  eines  Teiles  der  Ernte  nötig  wurde,  dort  konnten  die 
Marktverhältnisse  einen  ungünstigen  Eindruck  ausüben.  In  beiden 
Fällen  aber  konnten  bei  sinkendem  Bodenertrag  und  fixen  Ab- 
gaben, wie  sie  ja  für  das  Mittelalter  überall  die  Regel  sind,  die 
letzteren  eine  solche  Höhe  erreichen,  daß  der  Bauer  von  dem  ihm 
verbleibenden  Reste  nicht  mehr  zu  leben  vermochte  und  seinen  Hof 
verließ.^)  Eine  ganz  allgemeine  Voraussetzung  müssen  wir  dabei 
allerdings  machen,  daß  nämlich  der  Bauer  zumindest  tatsächlich 
nicht  an  die  Scholle  gebunden  war,  daß  er  die  Möglichkeit  hatte^ 
seinen  Besitz  aufzugeben. 

Aus  dem  Wüstungaverzeichnis  allein  lassen  sich  nun  für  die 
Bevölkerungsbewegung  des  späteren  Mittelalters  noch  keine  Schlüsse 
ziehen.  Zuerst  ist,  wie  wir  bereits  sahen,  eine  nicht  näher  zu  be- 
zeichnende Zahl  von  Wüstungen  abzuziehen,  an  deren  Stelle  andere 
Ortschaften  entstanden.  Soweit  aber  wirklich  eine  Abnahme  der 
Siedelungsdichte  übrig  bleibt,  fkllt  diese  doch  nicht  notwendiger- 
weise mit  einer  Abnahme  der  Bevölkerungsdichte  zusammen.  Für 
die  Beurteilung  dieser  müssen  wir  noch  andere  Tatsachen  heran- 
ziehen. Zunächst  gestattet  einen  Schluß  die  Verteilung  des  bäuer- 
lichen Besitzes.  Die  Grundlage  derselben  bildet  im  ganzen  Wald- 
viertel die  Hufenverfassung.  Im  Süden  und  Osten  nun,  in  der 
Wachau,  am  Unterlauf  des  Kamp,  um  Eggenburg  ist  diese  im 
XIV.  Jahrhundert  bereits  in  voller  Auflösung  begriffen,  eine  weit- 
gehende Zersplitterung  des  bäuerlichen  Besitzes  ist  hier  in  stetigem 
Fortgang.  Sie  erfolgt  zunächst  in  der  Form,  daß  die  Hufen  oder 
Lehen  bis  in  Viertel-  und  Achtellehen  geteilt  werden  2);  schließlich 

^)  Nur  80  ist  der  kausale  Zasammenhang  za  verstehen,  der  im  Z wettler 
Urbar  zwischen  der  Verödung  des  Dorfes  Thaures  und  dem  darauffolgenden  Zins- 
nachlaß für  die  noch  übrigen  Kolonen  hergestellt  wird.  Fontes,  III|  507. 

-)  Im  Südosten  des  Waldviertels  kommen  z.  B.  zu  Feuersbrunn  Dienste  von 
einem  Lehen,  einem  drei  Viertel -Lehen,  einem  halben  Lehen  und  je  zwei  Viertel- 


Geachichte  der  Kolonisation  des  Waldriertels.  37 

aber  geht  man  daza  über,  die  Hufe  von  vornherein  za  zerschlagen. 
Die  Hofmark  im  Dorfe  wird  von  der  Feldbestiftung  getrennt,  diese 
nach  dem  Joch,  jene  als  Hofstätte  gesondert  mit  einem  Zins  belegt 
and  gesondert  ansgetanJ)  In  Reinprechtspölla  vermag  ein  Bezitzer 
zur  Erhöhung  seiner  Einkünfte  seinen  Hof  za  einer  Anzahl  gering 
bestifteter  Hofstätten  zu  zerschlagen.  Alle  diese  Vorgänge  setzen  eine 
aafsteigende  Bewegung  der  Bevölkerung  voraus. 

Im  Norden  und  Westen  dagegen  besteht  noch  nach  den 
Urbaren  des  XVI.  Jahrhunderts  die  Hafenverfassung  fast  unversehrt. 
Noch  tritt  aas  der  für  ein  geschlossenes  Gebiet  im  wesentlichen 
einheitlichen  Höhe  des  Zinsansatzes  für  das  Lehen  die  Gleichheit 
des  Besitzes  klar  hervor.  Die  Zahl  der  ganzen  Lehen  überwiegt  die 
der  geteilten.  Eine  Teilung  über  die  Hälfte  hinaus  kommt  nur  ausnahm- 
weise  vor.  Es  dürfte  hier  also  der  Schluß  gestattet  sein,  daß  hier 
eine  wesentliche  Zunahme  der  Bevölkerung  nicht  vorauszusetzen  ist. 

Die  Urbare  des  XIII.  und  XIV.  Jahrhunderts  einerseits,  des 
XVI.  Jahrhunderts  anderseits  ermöglichen  es  uns  auch  wenigstens 
fttr  eBizelne  Gebiete  die  Veränderungen  in  der  Zahl  der  bäuer- 
lichen Grundbesitzer  zu  konstatieren  und  damit  der  Erschließung 
der  Bevölkerungsbewegung  näher  zu  kommen.  Alle  unsere  Angaben 
beschränken  sich  aber  auf  das  innere  und  das  nördliche  Waldviertel. 
Da  ergibt  sich  für  die  nächste  Umgebung  von  ZwettP)  eine  ziem- 
lich gleichmäßige  Abnahme  von  etwa  ö7o-  Nördlich  davon  im 
Waidhof  euer  Gebiet^)  ergibt  sich  für  die  ländlichen  Siedelungen 
eine  Zunahme  von  48%?  ^^^  clie  Stadt  Waidhofen  selbst  eine  solche 
von  697o»  Östlich  daran  anschließend  im  Gebiet  von  Drosendorf  ^), 
erfolgt  eine  Zunahme  um  287o-  ^^^  Norden  dagegen,  im  Gebiete 
der  Herrschaft  Litschau^)  ist  »seit  den  letzten  Kriegsläuften«,  wie 
der  Schreiber  des  Urbars  von  c.  1530  meldet,  eine  weitgehende 
Verödung  eingetreten,  von  neun  Orten  liegen  fünf  wüst,  der  Ertrag 

Uhen  Tor  (Fontes,  XXVIII,  116)  ähnlich  zu  Fels,  hier  auch  2V3  Viertel-Lehen 
(Fontes,  LI,  734). 

^)  A.  a.  O.  412;  ganz  allgemein  wird  bei  Verkauf  eines  Gutes  zu  Bargrecht 
diese  Anfleünng,  der  Verkauf  >ze  ainzigen  und  ze  iucharten«  vorgesehen.  Fontes, 
m,  235  f.  Fontes,  XXI,  125  f. 

^  urbar  von  1315  (Fontes,  III)  und  1499  im  Zwettler  Stiftsarchiv. 

3)  Dop  seh.  Urbare,  und  Urbar  Waidhofen  1499.  Reichs-Finanzarchiv: 
Hernchaftsakten. 

\)  Urbar  Drosendorf  1531  (ebenda). 

^)  Urbar  Litschau  (ebenda). 


38  I^r-  Franz  Heibberg. 

des  Ungeldes  hat  um  367o  abgenommen.  Vergleichen  wir  nun  diese 
Angaben  mit  dem  Wüstungsverzeicfanis,  so  gleichen  sich  doch  selbst 
in  den  Gebieten,  in  denen  wir  eine  Zunahme  der  Bevölkerung  in 
den  einzehien  Orten  zu  verzeichnen  hatten,  die  Abnahme  der  Zahl 
und  die  Zunahme  der  Größe  der  Siedelungen  aus.  Wir  müssen  also 
Stabilität  der  Bevölkerung  für  den  Norden  und  Westen  des  Wald- 
viertels annehmen.  Auch  die  Verhältnisse  in  der  Herrschaft  Litsehau 
passen  zu  dieser  Annahme.  Wenn  die  Verödung  auf  Kriegsereignisse 
zurückgeführt  wird,  unter  denen  nur  die  Kämpfe  gegen  König 
Georg  von  Böhmen  verstanden  werden  können,  die  mit  dem  Ein- 
fall des  Prinzen  Viktorin  1468  ihr  Ende  fanden,  die  Verödung 
also  bereits  über  50  Jahre  bestand,  und  der  Schreiber  überdies 
an  der  Möglichkeit  einer  baldigen  Wiederbesiedelung  der  ein- 
gegangenen Orte  zweifelt,  so  ist  auch  das  nur  ein  Beweis  für  die 
Stabilität  der  Bevölkerung,  die  Lücken,  die  durch  Katastrophen  in 
ihren  Bestand  gerissen  werden,  nur  schwer  und  langsam  wieder 
auszufüllen  vermag. 

Neben  diesen  regelmäßigen  Bewegungen  sind  aber  auch  be- 
deutende Schwankungen  im  einzelnen  für  die  mittelalterlichen  Be- 
völkerungszahlen charakteristisch.  Elementarereignisse  und  Fehden, 
die  ganz  regelmäßig  wiederkehren,  reißen  weit  empfindlichere  Lücken 
als  in  späteren  Zeiten.  Ein  Beispiel  im  großen  bot  uns  die  Graf- 
schaft Litschau.  Aber  auch  sonst  sind  immer  einzelne  Dörfer,  auch 
solche  die  später  wieder  angebaut  wurden,  längere  oder  kürzere 
Zeit  öde  gelegen.^) 

IV. 

Ebensowenig  wie  in  irgend  einem  anderen  Gebiet  lassen  sich 
bei  der  Kolonisation  der  Ostmark  die  wirtschaftlichen  Organisations- 
formen von  den  politischen  und  kirchlichen  sondern;  alle  diese 
drei  Faktoren  erscheinen  zu  einer  organischen  Einheit  verknüpft, 
die  als  solche  sich  in  dem  modernen  Siedelungsbild  ausprägt,  die 
auch  eine  einheitliche  Darstellung  erfordert. 

Die  Kolonisation  des  Waldviertels  erscheint  nur  als  eine  Teil- 
bewegung  innerhalb  der  Kolonisation    der  ganzen  Mark;  sie  kann 

3)  Sprögnttz  Büdlich  von  Zwettl,  8d  1315  (Fontes,  III,  541)  Voitflchlag,  Heu- 
bach,  Kamles  (nördlich  von  Ottenschlag)  1274  a  moltis  retroactie  incolta  temporibus 
(a.  a.  0.  276)  —  £delbacb,  Wnrmbach  (östlich  von  Allentsteig)  temporibus  Friderici 
dncis  desolata.  1.  c.  366.  Thaares  5d  1315,  1.  c.  507.  —  Rodingersdorf  (nördlich 
Hörn).  Mitte  des  XIII.  Jahrhunderts.  Mon.  boica.  XXIX  6,  216. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  39 

ohne  Einfügung  in  den  Zusammenhang  dieses  ganzen  Vorganges 
nicht  dargestellt  werden.  Es  ist  also  alles,  was  auch  sonst  ^)  über 
wirtschaftliehe,  politische  und  kirchliche  Verhältnisse  der  Mark 
von  der  KaroUnger-Zeit  bis  in  das  XIII.  Jahrhundert  gesagt  ist, 
noch  einmal  zusammenzufassen  unter  dem  sachlichen  Gesichtspunkte 
der  Kolonisationsbewegxmg,  in  räumlicher  Beziehung  auf  das  Wald- 
viertel. 

Die  Beziehungen,  die  ursprüglich  zwischen  dem  Mutterlande 
der  Kolonisation  der  Ostmarken,  Bayern  und  in  weiterem  Sinne 
dem  ganzen  Frankenreiche,  und  diesem  selbst  bestanden,  waren 
rein  politischer  und  kirchlicher  (d.  i.  wieder  politischer  und  geistig- 
kultureller)  Natur.  Von  der  Grenzfehde  zu  einem  Bundesverhältnis, 
schließlich  zur  Oberhoheit  entwickeln  sich  die  Beziehungen  des 
bayrischen  Herzogtums  zu  den  karantanischen  Slawen.  Kolumban, 
der  Missionär^der  Alemannen,  Ruprecht  und  Emeram,  die  Begründer 
des  Christentums  in  Bayeni,  sie  alle  haben  ihre  Aufmerksamkeit 
aach  auf  das  Land  der  Slawen  gerichtet,  bis  dann  Maioranus  und 
Modestus  im  Slawenlande  das  Christentum  begründen,  salzburgische 
Priester  und  schottische  Missionäre  im  Awarenlande  selbst  die 
Untertanen  der  Awaren  bekehren,  im  Jahre  777  Kremsmünster  an 
der  Grenze  des  Awarenlandes,  wie  vorher  Innichen  an  der  Grenze 
des  Slawenlandes  im  Pustertal,  begründet  wird,  »daß  es  das  un- 
gläubige Geschlecht  der  Slawen  zum  Pfade  der  Wahrheit  hin- 
überleitec.2) 

Daß  nun  das  Verhältnis  dieser  Gebiete  zur  fränkischen  Mon- 
archie eine  durchgreifende  Änderung  erfuhr,  scheint  ursprtlnglich 
nicht  in  der  Absicht  Karls  des  Großen  gelegen  zu  haben.  Ihre  Ein- 
verleibung in  das  Reich  erscheint  mehr  als  ein  Produkt  der  Ver- 
hältnisse, denn  planmäßiger  Politik.  Vor  788  haben  die  Awaren 
ihre  Nachbarn  lange  Zeit  mit  ihren  Einfällen  verschont.  Erst  Tassilo 
hat  sie  zur  Wiederaufnahme  ihrer  alten  Raubpolitik  aufgereizt,  die 
ihrer  Lage  nicht  mehr  entsprach.  Sie  hofften  aus  der  Zwietracht 
im  fränkischen  Reiche  Vorteil  zu  ziehen,  fanden  aber  bei  ihrem 
Einfalle  ein  bereits  wieder  geeintes  Reich  vor.  So  erst  wurde  Karl 
der  Große  zum  Kampfe  gegen  die  Awaren  genötigt.  Gern  hätte 
er  auch  nach  ihrer  Unterwerfung   einen  selbständigen  Awarenstaat 

0  So  Tor  allem  Vancsa,  Geschichte  Nieder-  und  Oberösterreichs. 
')  Daför   und    das   folg^ende    hauptsächlich  Kfimmel,    Anfänge    deutschen 
Lebens  etc. 


40  ^i**  ^^ranz  HeiUberg. 

unter  fränkischer  Oberhoheit  ins  Leben  gerufen;  nur  die  politische 
Unzaverlässigkeit  des  Stammes,  dann  sein  gänzlicher  Zusammen- 
brach haben  ihm  dies  unmöglich  gemacht,  ihm  die  direkte  An- 
gliederung  dieser  G-ebiete  an  das  Reich  geradezu  aufgezwungen. 
Eine  besondere  Veranlassung  aber,  der  Organisation  dieses  Gebietes 
große  Aufmerksamkeit  zuzuwenden,  lag  nicht  vor.  Die  spanische 
Mark  mußte  zu  einer  festen  Militärgrenze  gegen  die  Araber  aus* 
gestaltet  werden.  Hier  aber  bestand  zunächst  keine  Gefahr  von 
irgend  einem  kriegerischen  Nachbarn.^)  Dann  darf  man  wohl  an 
eine  ganz  einheitliche  Durchführung  der  Marken  Verfassung  durch 
Karl  den  Großen  überhaupt  nicht  denken;  erscheint  doch  die 
sorbische  Mark  überhaupt  nicht  vor  8ö2.  Schon  das  ist  charak- 
teristifich,  daß  eine  militärische  Sicherung  der  Ostmark  von  vorne- 
herein gar  nicht  ins  Auge  gefaßt  wird.  Erst  888  wird  die  Heimburg 
bei  Melk^),  c.  900  die  Ennsburg^)  unter  dem  Drucke  mährischer 
und  magyarischer  Einfälle  gebaut,  nicht  vom  Könige,  sondern  von 
einzelnen  Adeligen. 

Nun  ist  in  Zeiten,  in  denen  Naturalwirtschaft  in  solchem  Maße 
vorherrscht  wie  in  der  karolingischen,  die  politische  Behauptung 
eines  Gebietes  ganz  ohne  Kolonisation  nicht  denkbar.  Und  umfang- 
reiche  Übersiedelungen  von  Volksteilen  durch  die  Reichsgewalt, 
auch  zwangsweise,  wie  in  den  orientalischen  Reichen  und  im  Römer- 
reiche  sind  gerade  in  der  Regierungszeit  Karls  des  Großen  nichts 
ungewöhliches.  Fränkische  Kolonien  werden  nach  Sachsen,  sächsische 
nach  allen  Teilen  des  Reiches  verlegt,  für  neugegründete  Grenzorte 
die  Bevölkerung  aus  allen  Teilen  der  Reiches  zusammengesucht.^) 

Solche  Maßregeln  mögen  auch  den  Ostmarken  zugute  ge- 
kommen sein,  königliche  Domänen  (fisci)  wurden  hier,  wie  in  allen 
anderen  Teilen    des  Reiches   angelegt.^)    Doch  darf  man  sich  dem 

^)  In  zu  weit  gehendem  Mafie  werden  zar  Erläuterung  der  Verhältnisse  io 
der  Ostmark  die  der  spanischen  Mark  herangezogen  bei  Bild inger,  österreichische 
Geschichte.  S.  161  S. 

2)  Juvavia.  Anhang.  S.  108. 

^)  Urkandenbuch  des  Landes  ob  der  Enns.  II,  S.  46. 

*)  So  berichtet  Einhard  ad  a.  809  über  die  Entstehung  Ton  Itzehoe  in 
Holstein:  cum  Imperator  ad  hoc  per  Galliam  atque  Germaniam  homines  congre- 
gasset  armisque  ac  caeteris  ad  usum  necessariis  rebus  instructos  per  Frisiam  ad 
locum  destinatum  ducere  iussisset.  Büdinger,  1.  c.  pag.  164. 

*)  Fiscus  TuUina  (Ried,  Cod.  dipl.  Ratisb.  I,  33)  curtis  Niwanhova  (Ur- 
kundenbuch  des  Landes  ob  der  Enns.  II,  22)  etc. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldriertels.  41 

eiDigermaßen  zufälligen  Charakter  der  politischen  Organisation  ent- 
sprechend auch  den  Anteil  der  Reichsgewalt  an  der  Kolonisation 
zunfichst  nur  als  einen  gelegentlichen,  zufälligen  denken. 

Bald  aber  erheben  sich  diese  Gebiete  auch  zu  einer  gewissen 
Selbständigkeit.  Schon  die  Einsetzung  eines  Grafen  hat  zur  Folge, 
daß  sich  dieser  nicht  allein,  sondern  zumindest  mit  einem  gewissen 
militärischen  Gefolge  auch  wirtschaftlich  im  Lande  festsetzt,  schließlich 
sacht  sich  das  Geschlecht  der  Grafen  Engelschalk  und  Wilhelm 
sogar  im  erblichen  Besitz  der  Ostmark  zu  behaupten.  Dann  haben 
königliche  Prinzen  das  Land  zu  selbständiger  Ausstattung  erhalten, 
die  Macht  König  Arnulfs  wurzelt  in  der  karantanischen  Mark. 

Solche  Hofhaltungen  müssen  von  selbst  zu  einiger  Besiedelung 
Anlaß  geben,  sie  werden  den  bayrischen  Adel  ebensosehr  hieher  ge- 
zogen haben  wie  die  beständigen  Grenzkriege  gegen  Mähren. 

Die  allgemeine  Erlaubnis  zur  Besitznahme  des  Landes,  die 
dann  von  der  Reichsgewalt  erteilt  wird  ^),  in  der  wir  vielleicht  sogar 
einen  direkten  Aufruf  zur  Kolonisation  sehen  müssen,  wird  vor 
allem  von  der  Kirche  benützt.  Derselbe  Expansionstrieb,  der 
Winfried,  seine  Vorgänger  und  Nachfolger  zu  den  deutschen  Stämmen 
geführt  hatte,  führt  nun  die  bayrischen  Bistümer  und  Klöster  in 
das  Slawen-  und  Awarenland,  doch  nicht  mehr  selbständig,  eventuell 
im  Gegensatze  zur  Staatsgewalt,  sondern  innig  mit  ihr  verbunden, 
zum  Teil  ihr  Untertan.  Da  sind  die  Bistümer  selbst,  dann  die  eigens 
für  diese  Gebiete  eingesetzten  Chorbischöfe,  die  hier  kraft  ihres 
Amtes  Grundbesitz  erwerben.*^)  Mit  ihnen  treten  die  Klöster,  nament- 
lich die  großen  Reichsabteien  fast  mehr  als  politische  und  wirt- 
scbafthche  denn  als  geistliche  Institute  in  Wettbewerb.  In  den 
Slawensiedelungen  an  der  unteren  Traisen  erbaut  Kremsmünster 
eine  Kirche^),  und  an  der  Trümmerstätte  des  alten  Aelium  Cetium 
gründet  Tegemsee  ein  Kloster  und  überträgt  hieher  die  Gebeine 
des    heiligen     Hippolytus.^)     Mannigfache     Gelegenheit     zu     Ein- 

^)  830:  qualiter  poBtquam  terra  Avaromm  ex  parte  ab  avo  nostro  capta 
faisset,  ipüus  permissu  atqae  consensa  quaedam  res  in  ipsa  marcha  ad  iua  regiam 
pertinentee  eidem  monasterio  (Altaich)  coUate  faissent  (Mon.  boic.  XXXI,  58) :  863: 
arai  noster  Carolus  licentiam  tribnit  Buia  fidelibns  ...  in  Pannonia  carpere  et 
posiidere  hereditatem  (Hon.  boica.  XI,  S.  120). 

-)  Siehe  z.  B.  die  Ablöeong  einer  dem  Erzbischof  Ton  Salzburg  zokommen- 
dea   Abgabe  durch  Gmndbetitz,  Juvaria,  Anhang.  S.  96.  Mon.  boica.  XXXI,  98. 

^  Urknndenbach  des  Landes  ob  der  Enns.  II,  S.  7. 

*)  Kerschbaumer,  Geschichte  des  Bistums  6t.  Polten.  I,  S.  150. 


42  ^r-  Franz  Heiliberg. 

Wanderungen  ergibt  sich  aus  den  Aufgaben,  wie  sie  mit  der  kirch- 
lichen Organisation  verbunden  sind.  Priester,  aber  auch  Werkieute 
zum  Kirchenbau  werden  hieher  gesendet,  die  dann  zum  Teil  im 
Lande  zurückbleiben J)  Auch  einzelne  Priester  machen  sich  hier, 
sogar  durch  eigene  Rodung  ansässig^),  und  die  weltlichen  Vasallen 
der  Kirche  sehen  sich  für  Gewinn  von  Grundbesitz  auf  die  Grenz- 
lande hingewiesen.^) 

Neben  dieser  Ansiedelung  des  Königs,  des  Amtsadels,  der 
geistlichen  Gewalten  ist  an  eine  volksmäßige  Ansiedelung,  an  An- 
legung von  Geschlechtsdörfern  mit  der  alten  Gewannlage  der  Felder, 
wie  sie  auch  in  Bayern  noch  häufig  ist,  nicht  zu  denken.  Wo 
gemeinfreie  Leute  sich  ansiedeln,  tun  sie  es  nur  einzeln,  da  werden 
sie  schon  durch  ihre  Einwanderung  in  dieses  Grenzgebiet,  durch 
die  Aneignung  eines  weitaus  größeren  Besitzes  als  er  in  der  Heimat 
zur  Verfügung  steht,  zu  Grundherren.  Von  den  107  deutschen  Orts- 
namen, die  für  die  südöstlichen  Grenzlande  aus  der  Karolinger-Zeit 
überliefert  sind,  enden  nur  drei  auf  -dorf.^) 

Wenn  wir  uns  nun  eine  Anschauung  über  den  Vorgang  und 
die  Organisierung  der  Kolonisation  bilden  wollen,  so  sind  wir,  um 
einen  Ausgangspunkt  zu  gewinnen,  auf  die  Quellen  angewiesen,  wie 
sie  uns  für  die  königliche  Domänenverwaltung  im  capitulare  de 
villis,  für  die  bayrischen  Klöster  in  der  lex  Baiuwarorum  und  in 
den  Urkunden  zur  Verfügung  stehen.  Den  weltlichen  Adel  müssen 
wir  wegen  des  Mangels  an  Quellen  ganz  unberücksichtigt  lassen. 
Ist  nun  die  Rodung  in  größerem  Maßstab  für  die  königlichen 
Domänen  nicht  nur  im  allgemeinen  vorgeschrieben,  sondern  auch 
für  unser  Markgebiet  bezeugt*),  so  wird  sie  für  Klöster  und  Bis- 
tümer in  den  ihnen  erteilten  Urkunden  vorausgesetzt')  und  diese 
haben  in   ihren  Filialzellen  und  -klöstern   eine  eigene  Organisation 


*)  Conrenio  Baioarioram.  M.  G.  SS.  XI,  12. 

^)  In  loco,  qai  dicitar  ad  B.,  quod  circamcapiebat  Ratpero  dericai.  Jura  via, 
Anhangr,  S.  89.  Ebenda,  S.  lOö,  106. 

3)  Ebenda.  8.  110,  117. 

«)  Nach  Kftmmel,  S.  295  f. 

^)  Schenkung  König  Lndwigi  an  Salzburg,  de  terra  exartata,  parata  acilicet 
ad  arandum,  864.  Steirisches  Urkundenbuch.  I,  Nr.  8. 

^)  Im  Stiftsbrief  von  Kremsmttniter  wird  wiederholt  die  Erlaubnis  erteilt :  de 
incultis  vero  ex  omni  parte,  quantum  voluerint,  cultum  faciant.  Urkundenbuch 
des  Landes  ob  der  Enns.  II,  Nr.  2. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldvierteis.  43 

för  die  Rodangen  geschaffen^),  die  wie  das  Beispiel  von  Tegernsee 
und  Kremsmünster  zeigt,  einfach  auf  das  Markgebiet  ausgedehnt 
wird.^) 

Die  wirtschaftliche  Organisation,  von  der  wir  auszugehen 
haben,  ist  in  beiden  Fällen  die  gleiche.  Wir  haben  es  mit  einer 
Gmndherrschaft  zu  tun,  in  deren  Bereich  die  untertänigen  Hufen 
mit  ihren  Abgaben  und  Leistungen  in  ausgedehntem  Maße  zur  Er- 
gänzung der  Wirtschaftsführung  des  Herrenhofes  herangezogen 
werden,  Teile  eines  einheitlichen  wirtschaftlichen  Organismus  bilden. 
Die  YöUige  Untertänigkeit  der  Eolonen  ist  dabei  die  notwendige 
Voraussetzung.  Diese  Organisation  wird  nun  einfach  auf  das  Qrenz- 
land  übertragen.  Schon  zu  Ende  der  Agilolfinger-Zeit  werden  an 
Kremsmttnster  Kolonen  zu  Kolonisationszwecken  geschenkt^)  und 
noch  bis  zum  Ende  des  X.  Jahrhunderts  sind  es  im  wesentlichen 
solche  untertänige  Eolonen,  servi,  wie  sie  in  einer  Passauer  Urkunde 
genannt  werden,  die  man  in  die  Ostmark  verpflanzt^)  Daß  es  sich 
dabei  um  die  Anlegung  solcher  grundherrlicher  Höfe  gehandelt  hat, 
können  wir  wohl  mit  Sicherheit  erschließen. 

Es  tritt  infolgedessen  auch  keine  wesentliche  Veränderung  der 
rechtlichen  und  wirtschaftlichen  Lage  der  landarbeitenden  Klassen 
als  Folge  der  Kolonisation  ein.  Doch  pflanzen  sich  die  Veränderungen 
hieher  fort,  die  auch  im  Mutterlande  bereits  im  Gange  sind.  Für  den 
späteren  Fortgang  der  Kolonisation  ist  da  vor  allem  bedeutsam, 
daß  bereits  in  dieser  Zeit  im  Mutterlande,  namentlich  im  Bereich 
der  königlichen  Domänenverwaltung  neben  die  Anlage  von  Salhöfen 
auf  Rodeland  auch  die  grundherrlicher  Dörfer,  Waldhufendörfer 
und  Grewanndörfer  mit  großen,  einheitlichen  Gewannen,  tritt,  die 
auch  noch  zu  derselben  Zeit  allerdings  nur  in  geringem  Maße  in 
Ostmark  durch  die  königliche  Domänenverwaltung  verpflanzt 
werden.*) 


0  Cber  diese  siehe  im  allgemeinen  Fastlinger.  Die  wirtschaftliche  Be- 
deatang  der  bayrischen  Klöster.  Stadien  und  Darstellungen  aas  dem  Qebiete  der 
Geschichte.  Herausgegeben  von  der  GOrresgesellschaft.  Freibarg  1903. 

^)  Hieher  gehört  auch  noch  die  ecclesia  qne  dicitar  cella  einer  Regensbarger 
Urkunde  fon  1107,  femer  die  casa  (so  wohl  statt  causa)  Frisingensis  ecclesia  in 
Mon.  boica.  XI,  104. 

^  Nam  et  quadragenta  casatas  aliunde  adtractns  tradimus  in  bis  conponere 
locis.  Urkundenbach  des  Landes  ob  der  Enns.  U,  S.  3. 

*)  Meiller,  Kegesten.  S.  1,  Nr.  3. 

^)  Meitzen,  Siedelung  etc.  II,  8.  396  ff. 


44  ^^-  l^^ranz  Heilsberg. 

Dieser  wenig  planmäßigen  Kolonisation  entspricht  das  schließ- 
liche Resultat.  Die  Ostmark  ist  auch  zu  Anfang  des  X.  Jahr- 
hunderts nur  ein  Grenzland.  Der  Handel,  der  hier  an  der  Donau 
getrieben  wird,  ist  im  wesentlichen  Grenzhandel  zwischen  Bayern 
und  den  Slawenländem.  Bayrisches  Salz  und  Sklaven,  die  über 
Böhmen  und  Mähren  kommen,  sind  die  hauptsächlichsten  Handels- 
artikel.^) Auch  politisch  ist  das  Land  noch  nicht  zu  wirklicher 
Selbständigkeit  gelangt.  Es  ist  im  wesentlichen  der  Schauplatz  der 
Grenzfehden  des  bayrischen  Adels  gegen  Mähren.  Für  sich  allein 
ist  dieser  Grenzdistrikt  der  mährischen  Macht  nicht  gewachsen.  In 
jedem  dieser  FeldzUge  muß  das  Reichsheer  oder  doch  mindestens 
der  bayrische  Heerbann  eingreifen.^)  In  kirchlicher  Beziehung  hat 
das  Land  kein  eigenes  Bistum,  es  zeigt  auch  erst  einen  leisen  Anfang 
selbständigen  klösterlichen  Lebens.  Nur  in  einem  wenig  besiedelten 
Lande  ist  das  rasche  und  völlige  Zurückweichen,  wie  es  hier  den 
Magyaren  gegenüber  eintrat,  denkbar.  Die  wesentliche  Bedeutung 
dieser  Kolonisation  liegt  darin,  daß  sie  der  späteren  die  Wege  vor- 
zeichnet, eine  feste  Tradition  für  sie  schafft. 

Der  Anteil,  den  das  Waldviertel  an  dieser  Kolonisation  hat. 
ist  gering.  Aus  der  für  dieses  aliein  vorhandenen  Überlieferung 
ließe  sich  deren  Charakter  nicht  feststellen,  doch  stimmt  dws. 
was  wir  daraus  erfahren,  mit  dem  für  die  südöstlichen  Marken 
im  allgemeinen  festgestellten  wohl  zusammen.  Die  Kolonisation 
beschränkt  sich  auf  das  Donautal  von  Krems  bis  Persenbeug  und 
den  Unterlauf  des  Kamp  bis  Stiefern  aufwärts.  Der  deutsche 
Besitz  um  Stiefern  schließt  sich  eng  an  slawische  Siedelungen  an  % 
auf  die  auch  slawische  Fluß-  und  Bergnamen  in  der  Wachau  hin- 
weisen.*) Die  Bistümer  Salzburg  und  Freising,  die  Klöster  Nieder- 
Altaich  und  Kremsmünster  sind  hier  begütert  am  Unterlauf  des 
Kamp  auch  das  Geschlecht  der  Grafen  Engelschalk  und  Wilhelm  % 
Stiefem  zeigt  den  Typus  des  grundherrlichen  Gewanndorfes. ^) 

1)  Raffelst&ttener  Zollordnang  von  c.  904  im  Urkundenbach  des  Landes 
ob  der  Enns.  II,  S.  54  ff. 

2)  Feldzttge  von  846—899  (mindestens  14)  bei  Dttmmler,  Ostfränki- 
sches Reich. 

3)  Fontes,  XXXI,  26. 

^)  Mastrica  (Mießlingbaoh),  mons  Ahomicus  (Jaaerling).  Mon.  boica.  XXXI, 

S.  58. 

^)  Urkundenbach  des  Landes  ob  der  Enns.  II,  S.  29. 
6)  Meitzen,  1.  c.  II,  8.  397. 


OeBchicIite  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  45 

Die  erste  Aufgabe  nach  der  aberraaligen  militärischen  Sicherung 
der  Ostmark  und  ihrer  politischen  Einverleibung  in  das  Reich  war 
die  Wiederherstellung  dessen,  was  in  der  Karolinger-Zeit  geschaffen 
worden  war.  Auch  jetzt  ist  wieder  die  überwiegende  Beteiligung  des  geist- 
lichen und  weltlichen  bayrischen  Adels,  der  grandherrrliche  Charakter 
der  Kolonisation,  auch  wo  sie  von  einzelnen  Gemeinfreien  ausgeht, 
charakteristisch,  ebenso  die  Anlehnung  an  das  bereits  bestehende, 
die  Verpflanzung  höriger  Familien  in  das  Land,  das  Fehlen  um- 
fassender Dorf  anlagen.  Wie  die  politische  Wiedererrichtung  der 
Ostmark  fast  allein  auf  dem  Nachwirken  der  karolingischen  Tra- 
dition beruht,  wie  nach  der  Lechfeldschlacht  die  Reichsgewalt  den 
Verhältnissen  an  der  Südostgrenze  keine  weitere  Aufmerksamkeit 
widmet,  so  erfolgt  auch  die  wirtschaftliche  Rekuperation  im  Rahmen 
der  alten  Tradition,  wenig  einheitlich. 

Im  Wald  viertel  erlangen  Salzburg,  Passau  ^),  Freising  ^),  Nieder- 
Altaich  ihren  alten  Besitz  im  großen  und  ganzen  wieder,  und 
ganz  in  der  alten  Weise  schiebt  sich  Tegernsee  mit  Besitz  zu 
Leihen  ein.^) 

Für  diese  Zeit  nach  der  Lechfeldschlacht  können  wir  nun 
zuerst  die  beginnende  Kolonisation  an  der  sächsischen  Ostgrenze 
zunächst  in  dem  Grebiete  zwischen  Saale  und  Elbe  zum  Vergleich 
heranziehen^);  durch  Hervorhebung  der  wesentlichen  Ähnlichkeiten 
imd  Unterschiede  werden  wir  besser  imstande  sein,  die  Kolonisation 
unseres  Gebietes  zu  charakterisieren  als  nach  den  spärlichen  direkten 
Zeugnissen.  An  der  Kolonisation  der  Saale-  und  Elbegrenze  ist 
die  Reichsgewalt  wesentlich  beteiligt;  die  Maßregeln  Heinrichs  I. 
zeigen  uns  ihren  einheitlich  militärischen,  die  Errichtung  einer  ganz 
neuen  bischöflichen  und  Markenorganisation  durch  Otto  I.  ihren 
politisch-kirchlichen  Charakter.  Diese  Kolonisation  hat  den  Fort- 
bestand einer  ausgedehnten  slawischen,  untertänigen  Bevölkerung 
ZOT  Voraussetzung,  über  der  sie  nur  eine  Oberschicht  deutschen 
Adels  aufbaut.  Alles  das  trifit  für  unser  Gebiet  nicht  zu.  Ziehen  wir 
aber  alles  ab,  was  auf  diese  Umstände  zurückführt,  so  bleibt  doch 


^)  Nach  der  formell  rerdächtigen,  inhaltlich  wohl  za  verwendenden  Urkunde 
b«i  Meiller.  8.  1,  Nr.  4. 

')  L.  c.  8.  2,  Nr.  1. 

^  Ebenda.  S.  3,  Nr.  6. 

*)  Das  Hauptwerk  dafUr:  £.  O.  Schulze,  Kolonisation  und  Germanisation 
der  Gebiete  zwischen  Saale  und  Elbe. 


46  ^^'  Franz  Heilsberg 

auch  hier  eine  rein  grandherrliche  Siedelang  übrig.  Die  milites 
agrarii  Widakinds  sind  solche  kleine  Orandherren,  die  ihre  Güter 
mit  Hilfe  von  Hörigen  bebauen.^)  Dasselbe  gilt  für  die  geistlichen 
Grandherrschaften.  Noch  1010  erhält,  wie  mehr  als  300  Jahre  vorher 
Eremsmünster,  das  Bistum  Merseburg  von  Heinrich  II.  eine  Anzahl 
höriger  Familien,  jedenfalls  zur  Ansetzung  im  Slawenlande. ^)  Die 
deutschen  Kolonisten,  die  in  dieser  Zeit  hier  angesiedelt  werden,  heben 
sich  in  keiner  Weise  ihrer  rechtlichen  Lage  nach  von  den  Slawen 
ab;  sie  sind  eben  Hörige,  die  hieher  versetzt  werden.  Der  Zuwachs 
an  deutschen  Dörfern  ist  hier  bis  zur  Mitte  des  XII.  Jahrhunderts 
sehr  gering,  nirgends  werden  sie  als  wirkliche  Eolonistendörfer,  als 
Anlagen  zu  besonderem  Recht  gekennzeichnet.^) 

Doch  früh  schon  machen  sich  in  unserem  Gebiete  die  Elemente 
geltend,  die  eine  gewisse  Weiterentwicklung  anzubahnen  bestimmt 
sind,  zunächst  eine  Verschiebung  in  den  organisierenden,  grund- 
herrlichen Ellassen.  Während  die  geistlichen  Grundherrschaften, 
vor  allem  die  Klöster  Bayerns  zurücktreten,  wird  die  okkupierende 
Tätigkeit  des  weltlichen  Adels,  vor  allem  des  bayrischen  Amtsadels, 
immer  bedeutsamer.  Charakteristisch  ist  da  vor  allem,  daß  zu  den 
bereits  in  der  Karolingerzeit  in  der  Mark  bestehenden  geistlicbeu 
Grundherrschaften  keine  wesentlich  neuen  hinzutreten.  Im  Wald- 
viertel werden  noch  die  Klöster  Neustift  und  S.  Nicolai  neu  dotiert: 
beide  stehen  aber  in  engster  Abhängigkeit  von  Bistümern,  jenes 
von  Freising,  dieses  von  Passau.  Der  neue  Besitz  des  Klosters 
Ebersberg  zu  Persenbeug  (Seelgerät  des  Grafen  von  Ebersberg- 
Sempt  seit  c.  1050)  ist  sehr  früh  als  Lehen  des  Klosters  an  den 
Landesfürsten  gekommen.  Spuren  einer  Besitzausübang  durch  das 
Kloster  haben  sich  überhaupt  nicht  erhalten.^)  Um  1100  hört  jede 
wesentliche  Besitzerweiterung  für  die  bayrischen  Klöster,  bald  auch 
für  die  Bistümer  auf.^)  Erstere  vermögen  nur  den  in  der  Nähe  der 
Donau  liegenden,  leicht  zugänglichen  Besitz  zu  behaupten.  Um  diese 
Tatsache  begreiflich  zu  machen,  sei   nur  an  die  sogenannte  Säku- 

0  Meitzen,  I.  c.  II,  S.  436. 

2)  Schulze.  1.  c.  S.  93. 

')  Leo,  Untersaehung  zur  Besiedelungi-  und  WirtichaftBgesehichte  des 
thüringischen  Osterlandes.  Leipziger  Studien.  Bd.  VI. 

*)  M.  G.  SS.  XX,  14,  40,  und  Abhandlungen  der  bayrischen  Akademie, 
XIV,  104. 

^)  Der  Erwerb  von  Weinland  kommt  wegen  des  besonderen  Charakters 
dieses  Besitzes  hier  nicht  in  Betracht. 


Oeschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  47 

larisation  Herzog  ArnuIEs  von  Bayern  erinnert  mit  ihrer  notwendigen 
Folge,  der  Schwächung  der  geistlichen  Institute,  Stärkung  des  welt- 
lichen Adels.  Die  Entwicklung  der  Abtei  Mosburg  gibt  uns  ein 
charakteristisches  Beispiel  für  den  Verfall  der  bayrischen  Benediktiner- 
Klöster.^)  Diese  Erscheinung  selbst  aber  ist  wieder  nur  ein  Teil  der 
allgemein  am  Ende  der  Karolinger-Zeit  eintretenden  Verschiebung 
deä  Machtverhältnisses  zwischen  geistlichen  und  Laiengewalten. ^) 

Der  Laienadel  aber  zeigt  nun  eine  ganz  erstaunliche  Ex- 
pansionskraft. In  kurzer  Zeit  erfüllt  er  das  ganze  Gebiet  vom 
Bohmerwald  bis  zur  Adria,  vom  Inn  bis  zur  ungarischen  Grenze.') 
Bezeichnend  ist  es,  daß  keines  dieser  Geschlechter  auf  den  Er- 
werb territorial  geschlossenen  Besitzes  bedacht  ist.  Die  Grafen  von 
Peilstein,  Ebersberg- Sempt,  Bogen,  Plain-Hardeck,  die  Herren  von 
Machland-Perg,  von  Treisma,  von  Truchsen  sind  ebenso  in  den 
innerösterreichischen  Gebieten  wie  im  Waldviertel  und  dessen  Nach- 
barschaft begütert^)  Und  es  sind  nicht  nur  verschiedene  Zweige 
des  Geschlechtes,  die  sich  so  von  einander  trennen,  sondern  Besitz 
in  den  entlegensten  Gebieten  bleibt  einem  Besitzer  zu  einheitlicher 
Verfügung  und  Verwaltung.*)  Eine  große  Beweglichkeit  dieser  Be- 
sitzer ist  dabei  die  notwendige  Voraussetzung,  ein  stetes  Wander- 
leben im  Frieden  wie  auf  Kriegsfahrten,  aber  auch  eine  regellose, 
weder  von  oben  geleitete,  noch  an  sich  rationelle  Okkupation,  ein 
Zugreifen,  wo  einen  gerade  der  Zufall  hinführt.  Dieser  charak- 
teristische Zug  der  Kolonisation  entfaltet  sich  hier  im  großen,  er 
wiederholt   sich   im  Kleinen   in  der  Kolonisation   des  Waldviertels. 

Parallel  damit  scheint  aber  auch  eine  Änderung  in  der  Zu- 
sammensetzung der  landarbeitenden  Klassen,  der  Masse  der  Kolonisten, 
sich  vorzubereiten.  Der  grundherrlichen  Okkupation  entspricht  die 
Ansiedelung  von  Leibeigenen,  die  hieher  wie  von  Gutshof  zu  Gats- 
hof  versetzt  werden.  Sobald  die  Okkupation  sich  über  so  weite 
Gebiete  erstreckt,  reichen  die  Leibeigenen  nicht  aus;  die  Verwüstungen 

^)  Zu  Ende  des  YUI.  Jabrbonderta  hat  Mosbarg  Über  150  Mönche  und 
Nonnen,  817  erscheint  es  als  königliches  Kloster,  908  wird  es  als  abbatiola  be- 
zeichnet, 1027  an  Freising  einverleibt.  Fastlinger,  1.  c. 

')  Kitsch,  Geschichte  des  dentschen  Volkes.  I,  S.  269  S. 

*)  Krone  s,  Benedelang  der  Ostlichen  Alpenllnder  im  allgemeinen. 

«)  Krones,  L  c.  8.  366,  880. 

*)  Die  Herren  ron  Machland  schenken  an  ihre  Stiftung  Waldhausen  im 
Mühlriertel  an  der  Grenze  des  Waldviertels  Besitz  zu  Trecento  in  Friaul. 
L.  c.  8.  390. 


48  Dr.  Frans  Heilsbergr. 

steter  Magyareneinfälle  mögen  diesen  Mangel  noch  fühlbarer  sremacht 
haben.  Man  maß  sich  nach  Ersatz  außerhalb  der  eigenen  »familia« 
nmsehen.^)  Man  findet  ihn  in  dem,  wenn  auch  mit  gemindertem 
Rechte  fortbestehenden  Stande  der  Gemeinfreien,  der  zahlreichsten 
Klasse  der  Nation.  Damit  erst  beginnt  diese  Bewegung  zu  einer  das 
ganze  Volk  umfassenden  Ackerbaukolonisation  zu  werden,  die 
Adeligen  werden  aus  bloßen  Grundbesitzern  Organisatoren  dieser 
Kolonisation.  Die  Gewährung  bestimmter  Vorteile  an  die  neuen 
Kolonisten  erschien  notwendig,  um  sie  überhaupt  zur  Auswanderung 
zu  bestimmen.  Der  Wunsch  nach  Abschttttelang  der  staatlichen 
Lasten  führte  in  der  Heimat  zu  zahlreichen  Kommendationen  und 
ähnlichen  Vorgängen,  die  eine  weitgehende  Verschiebung  der  Standes- 
Verhältnisse  zur  Folge  hatten.  Was  lag  näher,  als  eine  solche  Be- 
freiung  den  neuen  Kolonisten  generell  zu  gewähren.  Eine  Änderung 
der  grundherrlichen  Verfassung  aber  ist  damit  keineswegs  gegeben, 
die  Freien  werden  zu  Kolonen  der  kirchlichen  Grundherrschaft. 

Wie  hätte  sich  nun  die  Ostmark  entwickelt,  wenn  die  Koloni- 
sation  in  der  dargestellten  Weise  weiter  fortgeschritten  wäre?  Die 
Befreiung  der  Kolonen  von  den  staatlichen  Lasten  oder  vielmehr 
die  Übertragung  der  entsprechenden  staatlichen  Rechte  an  die  Grund- 
herrschaften fällt  im  wesentlichen  mit  einer  Verleihung  der  Im- 
munität zusammen.  Dem  Interesse  der  Grundherrschaft  und  viel- 
leicht auch  des  Anbaues  mag  damit  gedient  sein,  die  politische 
Stellung  des  Landes,  der  Grenzschutz  wird  dadurch  geschwächt 
Es  ist  fraglich,  ob  bei  der  Fortdauer  dieser  Kolonisationspolitik  die 
Grenze  dauernd  über  den  Wiener- Wald  hinaus  hätte  vorgeschoben 
werden  können.  Im  übrigen  aber  muß  man  auf  die  Verhältnisse 
der  innerösterreichischen  Länder  hinweisen,  um  die  schließlichen 
Resultate  einer  solchen  Entwicklung  zu  ersehen.  In  dem  weiten 
Raum  eines  Kolonisationslandes  bilden  sich  von  vornherein  größere 
Gutskomplexe  als  im  Mutterland.  Die  Anhäufung  vieler  solcher 
Komplexe  in  einer  Hand  hat  hier  früher  als  dort  die  Bildung  eines 


^)  KaUerorkande  für  Paiisn:  qaod  ingenni  ex  inopia  serToram  in  locis 
ecclesiastici  patrimonii  constituantnr  coloni  . . .  ut  liberi,  qai  destinantar  coloni . . . 
a  nostrorum  deinceps  ministerialinm  eint  diitrictione  abiolnti.  Ihre  öffentlichen 
Leistungen  stehen  dem  Vogt  und  durch  ihn  der  Kirche  zu.  Nee  pro  ulla  all« 
occaeione  aut  radium  solvere  ant  ad  comitatam  ire  a  marchione  vel  aliqua  iudi- 
ciariae  poteitatis  persona  cogantur,  nisi  ea  lege  Tel  iure,  quo  ecdesiastici  servi . . . 
ad  placitum  ire  compelluntur.  Meiller,  Regesten.  8.  1,  Nr.  3. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  WaldWerteU.  49 

gesehlossenen  Besitzes  zur  Folge,  der,  mit  politischen  Befugnissen  ver- 
quickt^ den  Kern  eines  Territoriums  bildet.  Neben  dieser  Entwick- 
lung des  Grundbesitzes  spielt  in  Innerösterreich  die  Stellung,  die 
der  einzelne  Grundherr  noch  als  Vertreter  des  Reiches,  als  Mark- 
graf einnimmt,  eine  verhältnismäßig  geringe  BroUe.  Geistlicher  Im- 
munitäts-  und  weltlicher  Eigenbesitz  saugen  hier  das  Reichsamt  auf. 
Ebenso  wie  bei  den  steirischen  Markgrafen  und  Herzogen  beruht 
auch  bei  den  anderen  Geschlechtern  ihre  Stellung  wesentlich  auf 
ihrem  Grundbesitz.^) 

Dem  entspricht  nun  auch  die  ganze  Ankge  der  Kolonisation, 
wie  sie  namentlich  aus  der  Art  der  Siedelungen  und  der  Verteilung 
des  Ackerlandes  zu  ersehen  ist.  Meitzen^)  unterscheidet  hier  im 
wesentlichen  zwei  Siedelungstypen.  Erstens  eine  Mischung  von  Dörfern, 
Weilern  und  Einzelhöfen  mit  blockförmig  abgegrenzten,  unregel- 
mäßig oder  streifenförmig  verteilten  Flurstücken  im  Gebirgslande 
and  den  Seitentälern,  die  er  darauf  zurückführt,  daß  ursprünglich 
slawische  Anlagen  von  den  deutschen  Grundherren  einfach  über- 
nonmien  wurden.  Die  einzelnen  in  ihrer  Abgrenzung  bereits  vor- 
gefundenen Flurstücke  werden  von  dem  Grundherren  seinen  Hörigen 
überwiesen.  Die  Feldeinteilung  macht  nirgends  den  Eindruck  ein- 
heitlicher Anlage,  sondern  zufälliger  und  allmählicher  Entstehung. 
Die  ebenen,  großen  Flußtäler  dagegen  sind  in  Königshufen  an  die 
Grundherren  verliehen  worden  und  diese  ursprüngliche  Ausmessung 
bildete  dann  auch  die  Grundlage  der  weiteren  Verteilung  dieser 
Gebiete  durch  die  Grundherren  an  hörige  Bauern,  so  daß  die  ur- 
sprüngliche Form  der  Königshufen  sich  auch  heute  noch  in  den 
schmalen,  langgestreckten  Gemarkungen  der  verhältnismäßig  kleinen 
Dörfer  erkennen  läßt.  Der  grundherrliche  Charakter  der  Koloni- 
sation, die  völlige  Abhängigkeit  der  Kolonisten  ebenso  wie  die  wenig 
planmäßige  und  einheitliche  Art  der  Besiedelung  sind  aus  beiden 
Siedelungstypen  zu  ersehen. 

Daß  aber  in  der  Ostmark  die  Stellung  des  Markgrafen  wesent- 
lich auf  seinem  Amte  basierte,  daß  sie  auf  dieser  Grundlage  einen 
überraschend  schnellen  Aufschwung  nahm,  daß  hier  eine  einheitliche 
and  planvolle  Kolonisation  im  Laufe  des  XI.  Jahrhunderts  einsetzte, 
hat  das  Eingreifen  der  Reichsgewalt  bewirkt.  Die  Rücksichten  des 
Grenzschutzes  gegen  Ungarn  waren  für  diese  maßgebend.    Es  sind 

^)  Kronei,  L  c.  im  allgemeinen.  L  nach  in,  Reiehsgeichichte.  §  15. 
'0  Meitzen,  1.  c.  II,  S.  386  ff. 
Jihrboeh  d.  T.  f.  lADdMkande.   1907.  4 


50  ^.  F»0B  Heiliberg. 

vor  allem  die  ersten  fränkischen  Kaiser,  von  denen  diese  Aktion 
aasgeht.  Sie  haben  den  dreißigjährigen  Grenzkrieg  gegen  Ungarn 
(c.  1030 — 1060)  geführt,  sie  waren  anf  eine  entsprechende  politische 
Organisation  des  Grenzlandes  durch  Errichtung  der  sogenannten 
Neumark,  auf  seine  Kolonisation  nach  militärischen  Rücksichten 
bedacht  Es  ist  natürlich,  daß  sich  diese  Einwirkung  auf  das  Grenz- 
land im  Süden  der  Donau  vom  Wienerwald  bis  zur  Leitha  und 
über  diese  hinaus,  im  Norden  vom  Manhartsberg  ostwärts  zur  March 
erstreckt;  demgegenüber  zeigt  das  Viertel  ob  dem  Wienerwalde 
den  Charakter  der  älteren,  bereits  dargestellten  Kolonisation.  Im 
Süden  ist  die  Püttener  Mark,  ganz  abweichend  von  der  übrigen 
Steiermark,  nach  militärischen  Gesichtspunkten  kolonisiert  worden, 
was  schon  den  Zeitgenossen  auffiel.^)  Im  übrigen  sondert  der  Typus 
dieser  Siedelung  sie  ganz  scharf  von  allen  Nachbargebieten. 

Zunächst  ist  es  die  Teilnahme  der  Reichsministerialen  an  der 
Organisierung  der  Kolonisation,  die  diese  Phase  derselben  charak- 
terisiert.^) Natürlich  ist  mit  der  Betonung  dieser  Bedeutung  der 
Ministerialität  nicht  gesagt,  daß  sie  etwa  wie  dann  im  Waldviertel 
alle  anderen  grundbesitzenden  Klassen  verdrängt,  sondern  nur  daß 
sie  in  Verbindung  mit  dem  Kaiser  und  dem  Landesfürsten  für  die 
Ausgestaltung  der  Kolonisation  maßgebend  wird,  die  anderen  Kreise 
sich  nach  ihnen  richten. 

Die  regelmäßige  Dorfanlage,  die  diese  Kolonisation  charak- 
terisiert, schließt  eine  grundherrliche  Siedelung  mit  ursprünglichem 
Hofsystem,  aus  dem  sich  dann  allmählich  Dörfer  entwickeln,  aus. 
Eine  massenhafte  Ansiedelung  freier  Kolonisten  in  dem  beschränkten 
Sinne,  in  dem  es  damals  überhaupt  noch  Freiheit  für  die  bäuer- 
lichen Klassen  gab,  muß  also  angenommen  werden.  Aber  man  ge- 
währte ihnen  nicht  mehr  Befreiung  von  den  staatlichen  Lasten  und 
damit  zugleich  den  Qrundherren  Immunität,  sondern  umgekehrt  die 
Leistung  militärischer  Dienste  wird  zur  Bedingung  der  kaiserlichen 
Landschenkungen   und   damit   der  Ansiedelung   überhaupt.')    Auch 

^)  Krones,  1,  c.  S.  366. 

')  Der  erste  dieser  Ministerialen  ist  wohl  der  Piligrim  »miles  notiere,  der 
1002  100  HaCen  za  UnWcinesdorf  erhält  (Meiller,  Regesten.  S.  3,  Nr.  4).  Die 
Nachweise  Über  die  Beteiligung  der  Ministerialen  an  der  Kolonisation  östlich  des 
Wienerwaldes  bei  Gmndi  1.  c.  S.  70,  Anm.  3,  auf  den  überhaupt  fOr  diese  Phase 
der  Kolonisation  yerwiesen  werden  muß. 

3)  König  Heinrich  IV.  schenkt  dem  Bistum  Freising  100  KOnigshufen  an 
der  Leitha  ea  conditione,  qua  cum  omnibus  ex  prefato  predio  donatis  convenimus, 


Geschichte  der  Kolon  iBation  des  Wald  viert  eis.  51 

von  anderweitigen  Zugeständnissen  rechtlicher  oder  wirtschaftlicher 
Natar  erfahren  wir  nichts.  Die  Macht  des  Königtums  konnte  anch 
ohne  solche  die  nötige  Einwanderang  erzwingen.  Zumindest  erschien 
hier  nicht  die  vertragsmäßige  Sicherung  solcher  Zugeständnisse 
notwendig.*) 

Versuchen  wir  nun  auch  diesen  Abschnitt  der  Kolonisation 
in  die  Gesamtentwicklung  der  deutschen  Kolonisation  einzufügen, 
so  suchen  wir  zunächst  in  den  gleichzeitigen  Verhältnissen  an  der 
Elbegrenze  nach  parallelen  Erscheinungen  vergebens.  Die  fränkischen 
Kaiser,  die  die  Ostmark  kolonisierten,  haben  die  nordöstliche  Slawen- 
^enze  vernachlässigt.  Nichtsdestoweniger  iinden  wir  aber  eine  große 
Ähnlichkeit  in  dem  Siedelungsbild  des  ehemaligen  Slawenlandes 
astlich  der  Elbe  und  des  östlichen  Niederösterreich.  Die  für  unser 
Gebiet  charakteristische  Dorfform  des  Straßendorfes  mit  eng  an- 
einander gerückten  Häusern  an  beiden  Seiten  einer  schmalen  Dorf- 
s^traße  finden  wir  überall  östlich  der  Elbe  als  deutsches  Kolonisten- 
dorf von  den  slawischen  Dorfformen  deutlich  unterscheidbar.  Aber 
auch  die  damit  verbundene  Flurverfassung,  die  Einteilung  des  ge- 
rammten Ackerlandes  in  große,  regelmäßige  Gewanne,  die  in  eine 
große  Anzahl  schmaler  paralleler  Streifen  zerfallen,  ist  für  die 
Kolonisation  des  nordöstlichen  Deutschlands,  wie  sie  sich  seit  der 
Mitte  des  XII.  Jahrhunderts  gestaltet,  charakteristisch.^)  Die  Dorf- 

at .  .  .  in  quolibet  castello  .  .  .  muniendo  pro  his  centam  regalibas  mansia  nobis 
serviant. 

^)  Dafi  das  Gesagte  ebenso  für  das  Viertel  unter  dem  Manhartsberge  wie 
für  das  Wiener  Becken  gelten  därfle,  ergibt  sich  aus  der  Gleichheit  des  ganzen 
Siedelangstjpns,  ans  der  Gleichzeitigkeit  der  Siedelnng  (im  Göttweiger  und  Kloster- 
neobnrger-Traditionskodez  erscheint  sie  bis  gegen  Ende  des  XII.  Jahrhunderts 
im  wesentlichen  yoUendet),  dem  großen  Besitz,  den  der  LandesfUrst  hier  ebenso 
wie  im  Wiener  Becken  erwirbt,  der  energischen  Initiative,  die  die  Kaiser  auch 
hier  zur  Ausgestaltung  der  Grenzwehr  ergreifen.  (Schenkungen  an  der  March 
parallel  den  Schenkungen  an  der  Leitha.)  Auf  die  Frage  nach  der  Stammeszuge- 
hörigkeit der  Bewohner  des  V.  U.  M.  B.  kann  hier  nicht  eingegangen  werden. 
Neuerdings  hat  Firbas  (Anthropogeographische  Probleme  aus  dem  V.  U.  M.  B. 
in  Kirchhofs  Forschungen.  Bd.  XVI,  H.  6)  den  Ursprung  der  Bevölkerung  auf 
die  Qnaden  zurückzuführen  gesucht.  Doch  muß  er,  worauf  es  uns  vor  allem  an- 
kommt, doch  zugestehen,  daß  >die  Kultiriernng  des  Landes«  in  politischer  und 
inrtschafüicher  Beziehung  erst  der  Babenbergerzeit  angehört  (1.  c.  S.  84).  Daß 
die  Ergebnisse  seiner  Arbeit  fUr  das  Waldviertel  jedenfalls  keine  Bedeutung 
haben,  dürfte  der  weitere  Gang  unserer  Untersuchung  zeigen. 

')  Siehe  z.  B.  für  Pommern  Sommerfeldt  1.  c;  im  allgemeinen  Meitzen, 

Zur  Agrargescbichte  Norddeutschlands. 

4* 


52  I>r-  FTBikz  Heilflberg. 

große  ist  recht  verschieden.  Doch  scheinen  besonders  große  Dörfer 
überall  dort  vorzakommen,  wo  die  Kolonisation  einen  ursprünglich 
militärischen  Charakter  trftgt.^)  In  dem  ganzen  Gebiet  ostwärts  der 
Elbe  von  den  Sudeten  bis  zur  Ostsee  scheint  diese  Form  der 
Kolonisation  auf  den  Einfluß  der  flämisch-holländischen  Einwanderung 
zurückzugehen,  wie  sie  sich  seit  1106  von  Bremen  aus  allmählich 
in  das  Slawenland  ausdehnt.')  Daß  diese  flämische  Hufen verfajssung 
wenigstens  zunächst  eine  gewisse  Stammeseigentümlichkeit  darstellt, 
kann  man  namentlich  in  Schlesien  deutlich  sehen,  wo  die  fränkische 
Waldhufe  der  Gebirgs-  und  Waldlandschaften  sich  deutlich  von 
der  flämischen  Hufe  der  Ebene  sondert.^) 

Unser  Gebiet  nun  mit  dieser  Kolonisation  in  Verbindung  zu 
bringen  bietet  große  Schwierigkeit.^)  Nirgends  erfolgt  die  flämische 
Einwanderung  oder  Einwirkung,  ohne  sich  auch  in  den  rechtlichen 
Formen  der  Organisierung  der  Kolonisation  zu  äußern,  ohne  urkund- 
liche Festlegung  der  Rechte  der  Kolonisten;  keine  einzige  der- 
artige Urkunde  findet  sich  für  unser  Gebiet.  Zumindest  die  erste 
Anlage  der  Kolonisation  müssen  wir  in  das  XI.  Jahrhundert  ver- 
legen; der  flämische  Einfluß  aber  kann  sich  auf  seinem  Wege  vom 
Bremer  Gebiet  die  Elbe  aufwärts  durch  Schlesien  und  Mähren  nicht 
vor  Ende  des  XII.,  Anfang  des  XIII.  Jahrhunderts  hieher  erstrekt 
haben,  er  müßte  also  eine  gänzliche  Umgestaltung  der  Besiedelungs- 
verhältnisse  unseres  Gebietes  zur  Folge  gehabt  haben.  Auch  davon 
ist  aber  in  unseren  Quellen  nichts  zu  entdecken.  Es  erscheint  uns 
Also  weitaus  wahrscheinlicher,  daß  noch  im  XI.  Jahrhundert  direkt 
•durch  die  fränkischen  Kaiser  ohne  Einwirkung  flämischer  Ein- 
wanderung diese  Kolonisation  durchgeführt  wurde.  Bloß  aus  der 
Oleiehheit  der  sachlichen  Voraussetzungen,  der  einheitlichen  Or- 
ganisierung und  dem  militärischen  Zweck  wäre  dann  die  Gleich* 
lieit  der  schließlichen  Ausgestaltung  dieser  Kolonisation  zu  ver- 
stehen. 

So  sind  in  det  Kolonisation,  die  nun  an  die  Grenzen  des 
Waldviertels  gelangt  ist,   zwei  Phasen  deutlich  zu  scheiden,   die  in 

^)  Dörfer  mit  über  100  Hufen,  z.  B.  im  Barnim  (Pas so  w,  Forschungen  zur 
brandenburgischen  Qeecbichte.  Bd.  XIV)  in  Preußen  (Cod.  dipL  Prussiae.  I,  pag.  60). 

^)  Die  allmähliche  Verbreitung  dieser  Kolonisation  von  einem  Punkte  aus 
ist  wohl  zu  verfolgen.  Siehe  Heinemann,  Albrecht  der  Bär. 

3)  Meitzen  in  Cod.  dipl.  Silesiae.  Bd.  IV. 

*)  Dagegen  Yancsa,  S.  427  f.  und,  wie  es  nach  den  dort  angeführten 
Sätzen  scheint,  auch  Meitzen. 


GoBchichte  der  Kolonisation  des  Waldriertels.  53 

der  Siedelungsform  ihren  klaren  Ausdruck  finden.  Weiler  und 
Einzelhöfe  herrschen  im  Viertel  ob  dem  Wienerwald,  die  großen 
regelmäßigen  Kolonistendörfer  im  Viertel  unter  dem  Manhartsberge 
wie  im  Wiener  Becken. 

Die  Folge  dieser  zweiten  Phase  der  Kolonisation  ist  aber  eine 
Verschiebung  des  Verhältnisses  der  Mark  zum  Reiche.  War  schon 
durch  die  Elinsetzung  der  mindestens  ihren  Beziehungen  nach  frän- 
kischen Babenberger  der  Zusammenhang  mit  Bayern  gelockert,  so 
wurde  er  jetzt  durch  das  Eingreifen  der  fränkischen  Kaiser  über 
Bayern  hinweg  nicht  rechtlich,  doch  in  vielen  Beziehungen  tatsäch- 
lich gelöst.  Die  Mark  wurde  durch  die  erfolgte  Kolonisation  einerseits 
auf  sich  selbst  gestellt,  anderseits  liegt  es  in  der  Natur  der  Sache, 
daß  sich  Beziehungen  zu  den  fränkischen  Reichsteilen  anknüpften. 

V. 

Diese  weit  ausholende  Darstellung  war  notwendig,  um  uns  die 
Voraussetzung  für  die  Besiedelungsgeschichte  des  Waldviertels  zu 
liefern.  Vergegenwärtigen  wir  uns  nun  sein  Verhältnis  zur  Koloni- 
sation, seine  allgemeine  politische  Lage.  Zuerst  hat  die  dichte  Wald- 
bedeckung die  Kolonisten  abgeschreckt;  als  man  dann  vor  allem 
auf  die  Einrichtung  einer  Grenzwehr  gegen  Ungarn  bedacht  war, 
kam  natürlich  das  entlegene  Waldviertel  wieder  nicht  in  Betracht. 
Wohl  ist  es  durch  den  Zusammenhang  mit  dem  Grenzwalde  und 
durch  das  Vordringen  der  slawischen  Siedelung  in  den  Machtbereich 
Böhmens  gezogen  worden.  Aber  die  Expansionsrichtung  dieses 
Reiches  geht  doch  wesentlich  gegen  Osten  (Schlesien,  Polen,  eventuell 
Ungarn).  Es  hat  weder  selbst  besondere  Energie  auf  die  Gewinnung 
dieses  südlichen  Grenzlandes  verwendet,  noch  gab  es  hier  von  öster- 
reichischer Seite  eine  Veranlassung  zu  einer  Grenzkolonisation  in 
gleichem  Maße  wie  gegen  Ungarn.  Anderseits  lag  das  Wald- 
viertel an  der  östlichen  Peripherie  des  Gebietes,  über  welches  das 
Bistum  Passau  seinen  vorwiegenden  Einfluß  geltend  zu  machen 
suchte;  in  dem  unmittelbar  an  unser  Gebiet  angrenzenden  Teile  des 
Mühlviertels  hat  es  Grundbesitz,  dann  1049  durch  kaiserliche 
Schenkung  den  Wildbann  und  damit  überhaupt  ein  gewisses  Ver- 
fügungsrecht  über  den  Wald,  vielleicht  auch  Einfluß  auf  die  Kolo- 
nisation gewonnen.^)  Auch  im  Waldviertel  selbst  sucht  das  Bistum 

1)  Meiller,  S.  6,  Nr.  14. 


54  ^^-  Franz  Heilsberg. 

ein  ähnliches  Verfügungsrecht  zu  behaupten^);  doch  es  bleibt  bei 
einzelnen  Versuchen,  das  Gebiet  liegt  zu  sehr  an  der  Grenze  der 
passauischen  Einflußsphäre;  was  schließlich  an  Besitz  hier  erübrigt, 
ist  nur  ein  hier  vielleicht  besser  als  sonst  in  der  Ostmark  be- 
hauptetes Zehentrecht.  Ja  sogar  das  bayrische  Herzogtum  hat  hier 
einigen  direkten  Einfluß  gewonnen.  Durch  kaiserliche  Schenkung 
erwirbt  es  998  Besitz  am  Unterlaufe  des  Isperbaches  zu  Nöchling-), 
es  übt  die  Vogtei  über  die  Besitzungen  von  Nieder-Altaich  in  der 
Wachau  und  erwirbt  hier  die  Herrschaft  Spitz,  die  es  während  des 
gan:^n  Mittelalters  behauptet.^)  Aber  alle  diese  rivalisierenden 
Einflüsse  überwiegt  doch  zunächst  der  der  im  Süden,  im  Viertel 
ob  dem  Wienerwald  ansässigen  freien  Geschlechter,  die  bei  der 
Kolonisation  im  Osten  einigermaßen  beiseite  geschoben,  ihre  Energie 
vor  allem  diesem  Gebiete  zuwenden.* 

Die  Grafen  von  Ebersberg -Sempt  erwerben  Persenbeug*),  östlich 
anschließend  die  Burggrafen  von  Regensburg,  Grafen  von  Stefling, 
das  Gebiet  von  Gottsdorf  bis  Artstetten*),  die  Grafen  von  Tenglingen- 
Peilstein  das  Gebiet  am  unteren  Weitenbache®),  zu  Ebersdorf  sind 
auch  die  Brüder  Gottschalk  und  Wichard,  jedenfalls  einem  freien 
Geschlechte  angehörend,  begütert.')  Weiter  aufwärts  in  der  Nähe 
des  in  den  Weitenbach  mündenden  Wehrbaches  findet  man  sogar 
eine  ganze  Gemeinde  freier  Leute  zu  Raxendorf.  Im  Gebiete  des 
oberen  Weitenbaches  erscheint  ein  nobilis  Gerunch  dictus  als  Be- 
gründer von  Klein-Gerungs^),  östlich  davon  im  Bezirk  Ottenschlag 
ist  ein   nobilis  Waldo^),   unbekannter   Herkunft,   die   Geschlechter 


^)  Fontes,  III,  21:  Bischof  Alt  mann  von  Paflsau  schenkt  an  Göttweig 
ein  Stück  Waldland  bei  Kottes. 

3)  Meiller,  8.  3,  Nr.  3. 

^)  1504  erh&lt  Kaiser  Maximilian  filr  seine  Vermittelung  im  bayrischen 
Erbfolgekriege  von  Bayern  anter  anderem  die  Herrschaft  Spitz.  (Riezler,  (re- 
Bchichte  Bayerns.  III,  S.  588  ff.) 

*)  Abhandlungen  der  bayrischen  Akademie.  XIV.  Bd.,  3.  Abt,  S.  104. 

^)  Wie  ans  der  Dotierung  von  Walderbach   erhellt  (Archiv  XII,  S.  247  f.). 

^)  Nach  der  Dotation  von  Neastift  zu  Freising  durch  Bischof  Heinrich  aus 
dem  Hause  Tenglingen-Peilstein,  der  auf  seinem  Grabsteine  in  Freising  als  Herr 
von  Ebersdorf  bezeichnet  wird.  (Anfang  des  XII.  Jahrhunderts.  Hundt,  Freisinger 
Urkunden  in  Abhandlungen  der  bayrischen  Akademie.  Bd.  XIV,  8.  62.  Fontes, 
XXXI,  Nr.  94,  95,  97,  99.) 

'^)  L.  c.  Nr.  98. 

»)  Fontes,  VHI,  Nr.  216. 

9)  L.  c.  Nr.  73,  166,  215,  S.  272. 


Geschichte  der  Koloniiatton  des  WaldvierteU.  55 

Ton  Grie^)  und  Ranna^)  begütert,  auch  jener  Sueiko,  der  l'/j  Joch 
za  Orie  nullo  contradicente  hominum,  also  wohl  auch  ohne  der  Zu- 
stimmung eines  Herren  zu  bedürfen,  an  Göttweig  schenkt'),  dürfte 
den  Freien  zuzuzählen  sein.  In  der  Wachau  zu  Aggsbach  haben 
die  Herren  von  Werd  AUodialbesitz.*^)  Besitzer  der  Burg  Rechberg 
im  Kremstal  sind  die  Herren  von  Lengenbach,  die  sich  ab- 
wechselnd nach  diesen  beiden  Besitzungen  nennen.^)  Am  Unterlaufe 
des  Kamp  erwerben  die  Grafen  von  Radelberg  Besitz,  der  dann  als 
Mitgift  an  die  Domvögte  von  Regensburg,  Grafen  von  Bogen, 
kommt.  ^  Weiter  aufwärts  am  Kamp  um  Gars  sind  wieder  die 
Burggrafen  von  Regensburg'')  begütert,  dann  aber  häufen  sich  unsere 
Nachrichten  für  das  Homer  Becken.  Zunächst  erscheint  da  ein 
Carolus  comes,  über  dessen  Zusammmenhang  mit  einem  der  sonst 
hier  bezeugten  Grafenhäuser  wir  nichts  wissen,  c.  1050  als  Erbauer 
der  Kirche  zu  Hom^),  dann  die  Grafen  von  Rebegau^Poigen^),  am 
Nordrande  des  Horner  Beckens  und  über  dieses  hinaus  bis  gegen 
die  mährische  Grenze  die  Grafen  von  Pemegg  ^%  im  westlichen  Teile 
des  Horner  Beckens  die  Grafen,  respektive  Markgrafen  von  Hohen- 
barg"),  die  sich  hier  nach  der  Veste  Wildberg  nennen  ^''^X  endlich 
noch  die  Freien  von  Rotingen  J') 

Die  Kolonisation  trägt  hier  ebenso  wie  im  Viertel  ob  dem 
Wienerwald  den  Charakter  einer  rein  grundherrlichen,  allmählichen 
und  durchaus  ungeregelten  Expansion.  Besonders  klar  wird  dies 
dort  wo  der  Besitz  nördlich  der  Donau  nichts  weiter  ist  als  eine 
Fortsetzung  des  Besitzes  am  Südufer  des  Stromes,  wie  bei  dem 
Besitz  der  Grafen  von  Tenglingen-Peilstein,  von  Radelberg,  von 
Ebersberg-Sempt^^);  auch  der  Zusammenhang  zwischen  dem  Besitz 

»)  L.  c.  Nr.  207. 

')  L.  c.  Nr.  262. 

3)  Fontes.  VIII,  Nr.  85. 

*)  Meiller,  Begesten.  S.  31,  Nr.  8. 

*)  Ebenda.  8.  31,  Nr.  7—9. 

«)  Fontes,  VIII,  238  f. 

^  Ebenda.  S.  262. 

«)  Mom  boica.  XXVIII 6,  212. 

*)  Wendrinsky,  Blätter  fUr  Landeskunde.  Bd.  XIV,  S.  181. 

^^  Derselbe,  Ebenda.  Bd.  XII. 

")  Fontes,  XXI,  Nr.  4,  7,  8. 

*^  Urknndenbuch  des  Landes  ob  der  Enns.  II,  724. 

»4  Fontes,  VIU,  Nr.  31,  32. 

^*)  Besitzer  der  Ybbsbarg.  Grand,  S.  62. 


56  ^*  Franz  HeiUberg. 

des  Bistums  Regensbarg  um  Steinakirchen  und  dem  nördlich  an- 
schließenden der  Burggrafen  von  Begensburg  um  Gottsdorf  ist 
augenfällig.  Daß  diese  Kolonisation  rein  der  Initiative  der  beteiligten 
Klasse  entsprang,  daß  sie  in  regelloser  Konkurrenz  ohne  das  Ein- 
greifen einer  regulierenden  Macht  verlief,  erhellt  aus  der  Tatsache, 
daß  für  das  ganze  Gebiet,  in  dem  die  dargestellte  Landnahme 
stattfand,  keine  kaiserliche  Landschenkung  nachzuweisen  ist,  es 
geht  ebenso  aus  der  resultierenden  Unsicherheit  der  Besitzverhftlt- 
nisse  hervor.  Die  Streitigkeiten  um  den  Göttweiger  Besitz  zu  Ranna 
und  Kottes  dauern  fast  von  der  Gründung  des  Klosters  (1083)  bis 
1171^),  und  noch^am  Ende  des  XII.  Jahrhunderts  weist  das  Stift 
Melk  eine  kaiserliche  Schenkungsurkunde  für  das  Gebiet  um  Meiers 
vor,  das  sich  seit  fast  100  Jahren  im  Besitze  von  Göttweig  be- 
findet^); mag  die  Urkunde  nun  echt  oder  gefälscht  gewesen  sein, 
den  Schluß  gestattet  sie  jedenfalls,  daß  sich  infolge  der  Regellosig- 
keit der  Okkupation  die  Besitzverhältnisse  selbst  damals  noch  nicht 
gefestigt  hatten.  So  auch  allein  ist  es  zu  erklären,  daß  eine  freie 
Bauerngemeinde  wie  Kaxendorf  sich  in  einem  Gebiete  grundheriv 
lieber  Siedelung  überhaupt  zu  behaupten  vermag. 

Was  wir  bisher  feststellen  konnten,  gestattet  bereits  einen 
Schluß  auf  die  weitere  Organisierung  der  Kolonisation.  Von  einer 
umfassenden  Regelung  der  Elinwanderung  und  Siedelung  bäuerlicher 
Kolonisten  kann  natürlich  nicht  die  Rede  sein,  Versetzung  eines 
Teiles  der  hofhörigen  Familie  überwiegt;  wenn  auch  die  Rodung 
bereits-  große  Dimensionen  angenommen  hat,  wie  es  ausdrücklich 
urkundlich  bezeugt  ist,  wie  das  erste  Auftreten  von  Ortsnamen  auf 
-reut  in  diesem  Gebiete  beweist,  so  ist  es  eben  doch  eine  grund- 
herrliche Rodung,  durch  hörige  Leute  vorgenonunen,  wie  sie  uns  in 
derselben  Zeit  c.  1030  im  bayrischen  Mutterlande  in  der  Erzählung 
von  der  Begründung  des  Klosters  Scheiern  entgegentritt.^) 


0  Fönte«,  VIII,  S.  21,  Nr.  62,  S.  271. 

2)  Ebenda.  S.  283. 

^)  Nobilis  quidam  comes  ....  ingresstiB  cum  servis  et  rusticis  saia  de 
legitimis  curtiferis  apnd  W.  liberam  lilvam  ....  eibi  eam  ....  apprehendit 
aicat  mos  est  et  erat  commnnem  lilvam  de  legitlmiB  cortiferiB  apprehendere  et  in 
potettatem  sni  iaris  tarn  populari  more,  arborum  BCiltcet  inciBione,  igniom  ustione 
domoromque  edificatione  quam  trium  dierom  in  eodem  loco,  quod  hereditario  iure 
hereditatem  retinere  mos  est,  Beasione  ....  vindicavit.  Derselbe  Vorgang  wird 
dann  noch  einmal  wiederholt.  Tom  ex  hoc  Bilva  ab  eadem  familia  excolitur  et 
.inhabitatar.  Mon.  boica.  X,  pag.  882. 


1 


Getchichte  der  KoloniBation  des  Waldviertels.  57 

Dem  entspricht  auch  die  typische  Siedelungsform,  der  Herren- 
hof (yillicatio),  nm  diesen  hemm  die  Hütten  der  Leibeigenen.  In  der 
Weilersiedelung  der  Bezirke  PöggstaU,  Spitz,  Ottenschlag  (südlicher 
Teil)  ist  diese  ursprüngliche  Siedelungsform  noch  erhalten.')  Im 
Homer  Becken  ist  eine  ausschließliche  Dorfsiedelung  an  ihre  Stelle 
getreten.  Doch  sind  noch  Spuren  der  ursprünglichen  Villikations- 
siedelung  vorhanden.  Zunächst  ist  bei  den  Ortsnamen  die  Eudung 
-dorf  sehr  selten,  während  der  Name  Frauenhofen  direkt  auf  die 
Entstehung  des  Ortes  aus  einem  Fronhof  hinweist.  Die  Elirche  liegt 
in  einer  ganzen  Reihe  dieser  Dörfer  außerhalb  des  Ortes,  was  nur 
gegen  eine  ursprüngliche  Dorfanlage  sprechen  kann.  Dazu  stimmt 
dann  auch  das  Bild,  das  wir  aus  den  Urkunden  über  die  Besiedelung 
anseres  Gebietes  gewinnen  können.  Die  villicatio  in  Vorwalde  cum 
Omnibus  appendiciis  suis,  die  Graf  Friedrich  von  Hohenburg  vor 
1201  an  Ältenburg  schenkt,  wird  gewiß  den  größten  Teil  des  Ortes  ab- 
sorbiert haben.^)  Der  Vergleich  zwischen  den  Markgrafen  von  Hohen- 
burg und  dem  Kloster  Altenburg  von  1237  wird  abgeschlossen  super 
qnibusdam  prediis  et  curiis  villicalibus  et  quibusdam  areis  et  pascuis 
et  nemore');  es  fehlen  die  beneficia  oder  mansi,  die  man  nach  dem 
gewöhnlichen  Sprachgebrauch  unfehlbar  erwarten  würde.  In  dem 
gemischten  Stiftsbrief  von  S.  Nikolai  werden  die  Orte  Burgerwiesen, 
Strogen  und  Neubau  bloß  als  curiae  angeführt,  was  doch  zumindest 
für  die  Zeit  der  Fälschung  zutre£fen  mußte.^)  Wenn  1346  ein  Hof 
zu  St.  Bernhard  als  Engelbrechtshof,  ein  anderer  bereits  öder 
außerhalb  des  Dorfes  als  Eisenreichshof  ^X  ein  Hof  in  nicht  näher 
bezeichneter  Lage  im  Homer  Becken  als  Pilgreimshof  ^)  (1319),  ein 
einzelnes  Lehen  zu  Stockern  1314  als  das  > Königreich«  bezeichnet 
wird'),  so  ist  eine  Erklärung  dafür  doch  nur  darin  zu  finden,  daß 
diese  Höfe  ursprünglich  nicht  neben  anderen  gleichartigen  Be- 
hausungen im  Dorfe  lagen,  sondern  mit  allen  ihren  Pertinenzen  je 
eine  geschlossene,  für  sich  benannte  Siedelungseinheit  bildeten.   Zu 

^)  Ein  Ort  innerhalb  dee  freisingischen  Besitzes  um  Ebersdorf  der  c.  1115 
a]«  novale,  quod  armentarins  suus  Enziman  possederat  erscheint  (Fontes,  XXXI. 
Nr.  95),  heißt  1144  Enzimansweichofen  (Mon.  boica.  IV,  pag.  311),  jetet  öd. 

2)  Fontes,  XXI,  Nr.  4. 

3)  Ebenda.  Nr.  7. 

*)  Urkundenbach  des  Landes  ob  der  Enns.  II,  113. 
*)  Fontes,  VI,  247. 
^)  Ebenda.  S.  266. 
')  Fontes,  XXI,  135. 


58  I>r.  Frans  Heilsberg. 

dem  gleichen  Schiasse  zwingt  die  Tatsache,  daß  jedes  Dorf  mehrere 
Herrenhöfe  anfweist,  während  in  einem  von  vorneherein  einheitlich 
angelegten  doch  nur  einer  möglich  wäre.^) 

Das  alles  sind  Tatsachen,  die  nns  den  Schluß  aufnötigen,  daß 
hier  die  Dorfsiedelung  erst  nach  und  nach  in  ziemlich  unregel- 
mäßiger Weise  aus  einer  ursprünglichen  Villikationssiedelung  hervor- 
gegangen ist.  Damit  würde  sich  auch  die  große  Zahl  der  Wüstungen 
im  Homer  Becken  am  besten  erkläreu.  Es  sind  eben  zahlreiche 
Villikationen,  die  dieser  Änderung  des  Siedelungstypus  zum  Opfer 
gefallen  sind. 

Zu  dieser  Annahme  einer  ursprünglichen  grundherrlichen 
Siedelung  stimmt  auch  die  Art  der  Feldeinteilung  ebenso  im  Homer 
Becken  wie  im  Süden  an  der  Donau.  Die  Ackerfiuren  in  den 
Weilern  und  Dörfern  des  ganzen  Gebietes  sind,  wie  eine  Durch- 
sicht der  Katasterkarten  ergibt,  durchaus  unregelmäßig  in  einzelne 
Blöcke  und  Streifen  aufgeteilt.  Wir  erklären  diese  Tatsache  am 
einfachsten,  wenn  wir  annehmen,  daß  die  ursprünglich  zu  einem 
Gutshof  gehörigen  Feldstücke  nach  und  nach  an  einzelne  Bauern- 
wirtschaften  aufgeteilt  wurden.  In  Übereinstimmung  damit  sind  in 
den  Dörfern  des  Homer  Beckens  die  bäuerlichen  Lehen  so  ungleich, 
daß  kaum  zwei  in  demselben  Dorfe  gleich  viel  zinsen.^) 

Und  nun  paßt  zu  dieser  Entstehung  der  ganzen  Siedelung 
auch  die  Art  des  bäuerlichen  Besitzrechtes,  wie  es  uns  für  einen 
Teil  unseres  Gebietes,  den  Besitz  des  Klosters  Walderbach  an  der 
Donau  zu  Gottsdorf  und  Metzling  überliefert  ist.  In  einer  Urkunde 
von  1282  wird  dieses  Recht  dahin  bestimmt:  quod  coloni  eiusdem 
ville   nee  ias  civile   nee  empticium   nee   hereditarium   nee   feodale 


^)  Z.  B.  minor  curia  in  FUrwald  neben  der  TiUicatio  der  Grafen  von 
Hohenbnrg  (Fontes,  XXI,  19),  superior  curia  in  Weiden  (1.  c.  S.  24),  curia  circa 
ecdesiam  situata  in  RSlirenbach  (S.  32),  curia  apud  stratam  sita  su  Frauen- 
hofen  (S.  65),  der  Hof  bei  der  Kirche  zu  Molt  (8.  86),  alle  diese  durch  das  unter- 
scheidende Beiwort  auf  die  Existenz  mindestens  noch  eines  Hofes  in  demselben 
Orte  hinweisend;  drei  HOfe  zu  Mtthlfeld  (S.  137,  153). 

*)  Zu  Poigen:  Dienste  ron  4  ß  22  d-,  4  ß,  5  ß  und  zwei  HQhner  (Fontes,  VI, 
230,  XVI,  265);  zu  Neukirchen:  5  ß  24  »  und  75  »  (a.a.  O.  VI,  2Ö1-XXI,  63); 
St.  Bernhard:  5  ß  10  0*.  5  ß,  i/j  ijf  (a.  a.  O.  VI,  248,  XXI,  63),  auch  sonet  gewinnt 
man  aus  den  Urkunden  Ton  St.  Bernhard  und  Altenburg,  aus  dem  Vorwiegen 
von  Höfen,  HofstKtten  und  einzelnen  Liegenschaften  den  Eindruck,  daß  hier  yon 
einer  strengen  Durchführung  der  Hufenverfassung,  aber  auch  von  einer  ursprüng- 
lichen Dorfsiedelung  nicht  die  Rede  sein  kann, 


GeBcHchte  der  Kolonisation  des  WaldvierteU.  59 

nec  personale  habere  valeant  in  eadem,  sed  solns  abbas  potestatem 
babeat  constitnendi  et  destitaendi.^)  Das  ist  ein  Recht,  wie  es  in 
den  Glebieten  östlich  der  Elbe  nicht  den  deutschen  Kolonisten,  son- 
dern den  Slawen  zakommt.^  Nur  wo  Hörige  als  Kolonisten  an- 
gesetzt wurden,  konnte  ein  solches  prekäres  Besitzrecht  entstehen, 
das  wir  dem  sogenannten  Freistiftrecht  der  Alpenlander,  dem  lassi- 
tischen  Recht  Norddeutschlands  an  die  Seite  stellen  müssen. 

Für  jede  mittelalterliche  Kolonisation  ist  auch  ihr  Verhältnis 
zu  den  kirchlichen  Gewalten  bedeutsam,  die  Beziehung  zum  Landes- 
bistum, za  der  zumindest  rechtlich ')  von  diesem  ausgehenden  Rege- 
lang der  Seelsorge  und  des  Zehentbezuges  durch  GrtLndung  von 
Pfarren  einerseits,  die  Gründung  neuer  Klöster  im  Kolonisations- 
gebiete oder  die  Dotierung  auswärtiger  anderseits.  Suchen  wir  auch 
hier  zunächst  die  bedeutsamen  Unterschiede  gegenüber  der  nord- 
deutschen Kolonisation  festzustellen,  so  treten  diese  zunächst  in  der 
Zebentfrag^  hervor.  Es  ist  bekannt,  was  für  eine  bedeutende  Rolle 
diese  im  Norden  gespielt  hat.  Der  Wunsch,  den  vollen  Ertrag  des 
Zehents,  wie  er  von  deutschen  Bauern  entrichtet  wird,  zu  erlangen, 
wird  zu  einem  Hauptmotiv  der  Kolonisation.  Die  Bischöfe  schließen 
mit  adeligen  Unternehmern  Verträge  zur  Kolonisation  großer  Land- 
striche und  verleihen  dabei  einen  Anteil  am  Zehent  als  Entgelt^), 
Landesfürsten  suchen  den  Zehent  eines  großen  Gebietes  znr  Be- 
soldung ihrer  ritterlichen  Lehensleute  zu  erlangen.^)  In  ähnlicher 
Weise  sacht  man  die  Pfarrgründungen  nach  einheitlichen  Gesichts- 
punkten za  regeln.  Bei  Verträgen  über  Kolonisation  eines  größeren 
Gebietes  wird  gleich  die  Anlegung  der  nötigen  Anzahl  von  Pfarr- 
kirchen vorgesehen,  eine  bestimmte  Anzahl  von  Hufen  und  bestimmte 
Abgaben  zur  Dotation  der  Pfarre  festgesetzt.®)  Auch  in  unserem 
Gebiete  Sachen  sich  die  weltlichen  Gewalten,  der  Landesfürst  und 
die  Grundherren  einen  Anteil  am  Zehentbezug  zu  sichern.  Aber 
von  einer  einheitlichen  Regelung  ist  nicht  die  Rede,  für  jede  Pfarre, 

')  Winter,  n.-0.  Weistümer.  II,  S.  743  Anm.,  vgl.  Dopsch,  Urbare.  £in- 
leitang.  S.  142. 

*)  Schröder,  Rechtsgeschichte.  I,  S.  416,  Anm.  43a. 

^  Lamprecht,  Wirtschaftsleben.  I,  114. 

*)  S.  ».  B.  Ernst,  Kolonisation  Mecklenburgs.  S.  27  f. 

*)  So  K.  B.  1210  der  Markgraf  von  Brandenburg,  1196/ 97  Herzog  Bernhard 
TOB  Sachsen  (Pas so w,  1.  c.) 

^  Z.  B.  ad  minus  decem  mansos  ....  dare  tenebuntur  ecclesie  in  villis 
td  minus  centum  mansornm  construende  (Cod.  dipl.  Prussiae.  I,  pag  60). 


60  ^r.  Franz  Ueilsberg. 

ja  für  jedes  Dorf  wird  über  die  Verteilung  des  Zehentbezuges  be- 
sonders verfügt.  Die  größte  Zersplitterung  desselben  ist  die  Folge. 
Und  so  entstehen  auch  die  Pfarren  nicht  nach  einheitlichem  Plane 
zugleich  mit  der  Kolonisation,  sondern  allmählich  durch  Ausscheidung 
neuentstandener  Dörfer  aus  älteren  Pfarrgebieten  folgt  die  kirch- 
liche Organisation  dem  Gange  der  Besiedelung.  Es  ist  derselbe 
Gegensatz,  der  uns  hier  wie  in  allen  Organisationsformen  der  Koloni- 
sation entgegentritt. 

In  unserem  Gebiete  hatten  wir  weder  das  Bistum  Passau  noch 
irgendein  Kloster  unter  den  die  Kolonisation  organisierenden  Grund- 
herren zu  nennen.  Erst  nachdem  die  Kolonisation  durch  den  welt- 
lichen Adel  zwar  noch  nicht  vollendet,  aber  doch  bereits  in  feste 
Bahnen  gelenkt  worden  war,  haben  auch  die  geistlichen  Gewalten 
sich  hier  festgesetzt.  Das  Bistum  Passau  hat  zwar  nur  im  Süden 
des  Wald  vierteis  durch  Gründung  der  Pfarren  Weiten^),  St.  MichaeP.\ 
Krems^),  Meisling^)  die  erste  kirchliche  Organisation  selbst  durch- 
geführt, doch  hat  es  seine  Zehentansprüche  gegenüber  den  Grund- 
herren dieses  Gebietes,  die  weder  durch  übermäßigen  Grundbesitz 
noch  auf  Grund  einer  besonderen  politischen  Stellung  dem  Bistum 
eine  halbwegs  ebenbürtige  Macht  gegenüberzustellen  vermochten, 
behauptet.  Alle  die  Klöster,  die  Passau  namentlich  im  XI.  Jahr- 
hundert zur  Organisierung  und  Sicherung  seiner  Machtstellung  be- 
gründet hat,  sind  mit  Zehnten  im  Waldviertel  dotiert.  St.  Nikolai 
hat  solche  am  Ostabfalle  des  Ostrong,  nördlich  von  Persenbeug  und 
im  Homer  Becken*),  St.  Polten  den  Weinzehen t  in  der  Wachau^\ 
Göttweig  den  Zehent  der  Pfarren  Kottes')  und  Mühlbach^)  {bereits 
1083),  einen  Teil  des  Weinzehents  von  Krems  und  Langenlois^). 
das  Stift  St.  Georgen  a.  d.  Traisen  besitzt  Zehent  in  der  Gegend 
von  Theras,  Pernegg,  Drosendorf  und  Raabs. ^®) 

I)  Weiten  steht  noch  im  XIV.  Jahrhundert  unter  dem  Patronate  ron  Passau. 

*)  Meiller,  Regesten.  S.  1  und  4. 

*)  Ebenda  8.  4  und  9. 

*)  Necrologiam  St.  Polten.  Fontes,  XXI,  523  f. 

^)  Meiller,  Regesten.  S.  10,  Nr.  2  und  Mon  boica.  IV,  pag.  311. 

*)  Nach  der  Schenkung  der  Pfarre  St.  Michael  an  St.  Florian  in  Gemein- 
schaft mit  diesem. 

"0  FonteiP,  VIII,  52. 

^)  Ebenda,  pag.  7. 

^)  Ebenda,  pag.  3,  auch  zu  Diendorf,  Haindorf,  Ravelsbach,  Pernegg. 
^")  Dotation surkunde    dieses   Stiftes  (Herzogenburg)    von  1112,   Archiv  f.  ö. 
G.  IX.  S.  230.     Nach    dieser  Urkunde   und    der  Stiftungsurkunde  für  St.  Nikolai 


Geschichte  der  Koloniflation  dei  Waldviertels.  gl 

Der  Klosterbesitz,  der  sich  sonst  hier  bildet,  entspricht  darch- 
aos  dem  Charakter  dieser  Kolonisation.  Der  schenkende  Adel  steht 
in  innigem  Zosammenhange  mit  den  Klöstern  der  übrigen  bayrischen 
Gebiete.  Dabei  werden  nicht  die  älteren,  karolingischen  Klöster, 
sondern  jüngere  Gründungen  bevorzagt.  Einige  dieser  Geschlechter 
haben  noch  im  bayrischen  Matterlande  ihren  Schwerpunkt,  dort 
gründen  sie  ihre  Familienklöster  und  dotieren  sie  mit  Gütern  im 
Eolonisationslande.  Daneben  werden  natürlich  auch  die  neuen 
passauischen  Gründungen,  die  naturgemäß  auch  gegen  Passau  als 
ihren  Mittelpunkt  gravitieren,  nicht  vergessen.  Die  Burggrafen  von 
Regensburg  dotieren  die  von  ihnen  1143  gegründete  Zisterzienser- 
abtei Walderbach  mit  ihren  Gütern  zu  Gottsdorf  und  Ärtstetten, 
Bischof  Heinrich  von  Freising  seine  Gründung,  die  Propstei  Neustift 
zu  Freising,  mit  einem  Teile  seines  Hausbesitzes  an  der  Mündung 
des  Weitenbaches  ^),  der  Edle  Waldo,  die  Geschlechter  von  Ranna 
und  Grie')  begründen  durch  ihre  Schenkungen  den  Besitz  Göttweigs  zu 
Ranna,  Liutkard,  die  Gemahlin  des  Grafen  Friedrich  von  Bogen,  Dom- 
Togtes  von  Regensburg,  Tochter  des  Grafen  Udalrich  von  Radelberg, 
schenkt  ans  ihrem  reichen  Besitze  am  Unterlauf  des  Kamp  an  Ad- 
mont,  Formbach,  Nieder- Altaich  und  St.  Nikolai  0,  das  Gut  zu  Meiers 
bei  Gars  schenken  die  Burggrafen  von  Regensburg  an  Göttweig,  auch 
im  Homer  Becken  erwirbt  dasselbe  Stift  Besitz  durch  Schenkungen 
freier  Geschlechter.  Doch  macht  sich  daneben  im  Homer  Becken  auch 
eine  gewisse  Ablösung  von  Bayern  in  kirchlicher  Beziehung  geltend.  Die 
Grafen  von  Rebegau-Poigen  stiften  hier  um  die  Mitte  des  XII.  Jahr^ 
handerts  die  Benediktinerabtei  Altenburg,  die  Grafen  von  Pernegg 
das  Prämonstratenserkloster  Geras-Pernegg,  dessen  Mutterkloster 
Selau  in  Böhmen  ist,  ungeftlhr  um  dieselbe  Zeit.  Es  entspricht  bereits 
ganz  dem  Charakter  dieser  Kolonisationsepoche,  daß  das  in  völlig 
besiedeltem  Lande  angelegte  Kloster  Altenburg  allem  Anscheine  nach 
weder  an  der  Rodung  noch  an  der  Kolonisation  Anteil  nimmt,  wäh- 
rend wir  für  Pernegg  bei  dem  Mangel  an  Urkunden  aus  dem  ersten 
Jahrhundert  seines  Bestandes  keine  Aussage  zu  machen  imstande  sind. 

Räumlich  erstreckt  sich  die  so  charakterisierte  Kolonisation 
über  die  Bezirke  Persenbeug  (mit  Ausnahme  des  Ispertales),  Pögg- 

•cheint  doch   aach   die   KirchengrttndnDg    im  Horner  Becken   and   nOrdlich  Ton 
Metern  wenigstem  teilweise  von  Passaa  ausgegangen  zu  sein. 

^)  Die  frohere  Nachweisung  des  weltlichen  Besitzes  war  nur  nach  den 
S^enknngen  möglich,  gilt  also  auch  fUr  diese. 


62  I>r.  I^^ftoz  Ueilsberg. 

stall,  Ottenschlag,  Spitz,  den  östlichen  und  südlichen  Teil  von 
Krems,  dann  in  einem  schmalen  Streifen  den  Kamp  aufwärts  bis 
zum  Homer  Becken,  worauf  sie  sich  in  diesem  ausbreitet  Eine 
scharfe  chronologische  Scheidung  liegt  der  Trennung  dieser  Koloni- 
sationsphase  von  der  folgenden  in  unserer  Darstellung  nicht  zugrunde. 
Wohl  können  wir  im  allgemeinen  sagen,  daß  die  dargestellte  Koloni- 
sation dem  elften  Jahrhunderte  vor  allem  angehört,  daß  sie  1150 
(nach  der  Gründung  der  Klöster  Altenburg  und  Geras-Pemegg)  ihren 
Höhe-  und  Endpunkt  zugleich  erreicht,  daß  ihr  eine  Kolonisation 
anderer  Art  folgt,  die  vor  allem  dem  zwölften  Jahrhunderte  ange- 
hört. Aber  diese  zweite  Phase  der  Kolonisation,  die  Wirksamkeit 
der  für  sie  bestimmenden  Kräfte  beginnt  doch  bereits  im  elften 
Jahrhunderte,  während  anderseits  die  Kolonisation  der  dargestellten 
Art  bis  in  das  XIII.  Jahrhundert  hinein  einen  allerdings  geringen 
räumlichen  Fortschritt  vom  Gebiete  des  oberen  Weitenbaches  bis 
gegen  Groß-Gerungs  aufweist. 

Für  den  weiteren  Fortschritt  bis  zum  endgültigen  Abschluß 
der  Besiedelung  ist  die  vorwiegende  Bedeutung  des  Markgrafen 
und  der  Ministerialen  als  Organisatoren  der  Kolonisation  charakte- 
ristisch. Bereits  im  XI.  Jahrhundert  durchsetzt  markgräflicher 
Besitz  an  zahlreichen  Stellen  das  Okkupationsgebiet  des  bayrischen 
Adels.  Der  Markgraf  erwirbt  jedenfalls  noch  in  diesem  Jahrhundert 
das  Gut  Nöchling^)  von  den  bayrischen  Herzogen,  das  Schloß  und  Gut 
Persenbeug  teils  als  Lehen  vom  Kloster  Ebersberg  2)^  teils  von  der 
Kaiserin  Agnes,  der  Mutter  Heinrichs  IV.  ^),  durch  Tausch  von 
St.  Nikolai  weiteren  Besitz  daselbst.^)  Die  Stadt  Krems,  teils  Eigen- 
tum des  Reiches^),  teils  des  Bistums  Passau ^),  mag  schon  in  diesem 
Jahrhundert  in  den  Lehensbesitz  des  Landesherrn  gekommen  sein. 
Es  ist  femer  landesfürstlicher  Besitz  zu  Rohrendorf  ^),  Langenlois^). 
Plank^)  aus  sehr  früher  Zeit  bezeugt,   zu  Gars  und  Eggenburg  er- 


^)  GoBchichtliche  Beilagen  zur  Eonsist-Kurr.  Yon  St  Polten.  IV,  S.  305  ff. 

2)  M.  G  SS.  IX,  pag.  14  and  40.  Abhandlungen  der  bayrischen  Akademie. 
XIV,  3,  S.  104. 

3)  Dopsch,  LandesfÜrttliche  Urbare.  8.  46,  Nr.  Iö8,  Note  1. 
*)  Meiller,  Begeeten.  S.  21,  Nr.  55. 

^)  Ebenda.  S.  2,  Nr.  1. 

6)  Mon.  boica.  XXVUI 6,  pag.  164. 

7)  Meiller.  S.  13,  Nr.  12. 
•)  Ebenda.  S.  28,  Nr.  24. 
9)  Meiller.  S.  13,  Nr.  12. 


Geschichte  der  KoloniBation  des  Waldviertels.  63 

beben  sicli  landesfürstliche  Burgen^),  auch  der  Besitz  zu  Weiters- 
feld reicht  sicher  schon  in  das  XI.  Jahrhundert  zurück.^)  Doch 
aoch  weiter  in  das  Land  dringt  dieser  Besitz  schon  ein.  Der 
Gföhler  Wald,  das  Gebiet  der  Pfarren  Meisling  nnd  Alt-Pölla  wird 
als  landesherrliches  Eigen  beansprucht^),  dieses  umfangreiche  Ge- 
biet damit  der  freien  Okkupation  verschlossen.  Und  wo  der  Landes* 
herr  Besitz  erwirbt,  schließen  sich  ihm  die  Ministerialen  an.  Schon 
die  wenigen  Schenkungen  an  Ministeriale,  die  wir  besitzen,  weisen 
auf  diesen  Zusammenhang  zwischen  markgräflichem  und  Ministe- 
rialgut  hin.^)  Im  Westen  an  der  Donau  findet  sich  dafür  aller- 
dings nur  ein  Beispiel;  ein  Zweig  des  Ministerialengeschlechtes  von 
Stiefem  siedelt  sich  am  unteren  Weitenbache  an  und  nennt  sich 
nach  dem  neuen  Sitze  von  Streitwiesen.  ^)  Dagegen  drängen  sich  im 
Osten  die  Ministerialengeschlechter  und  ihre  Burgen;  Senftenberg 
and  Imbach  an  der  Krems,  die  Kuenringe  zu  Kühnring,  Gobelsburg, 
Bnmn,  am  Kamp  die  Ministerialen  von  Schönberg,  Stiefem,  Flank, 
Büchberg,  Kaya-Kamegg,  außerdem  zu  Zebing,  Eggenburg,  Kattau, 
die  Burggrafen  von  Gars.®) 

Ihrem  ganzen  Charakter  nach  schließt  sich  diese  Siedelnng 
zunächst  eng  an  den  bereits  in  den  Nachbargebieten  ausgebildeten 
Kolonisationstypus  an.  Im  Süden,  im  Gebiete  des  Gföhler  Waldes 
vor  allem  überwiegt  auch  auf  dem  Besitze  des  Landesherrn  zunächst 
die  Villikationssiedelang.  Gföhl  selbst  ist  zunächst  ein  grundherr- 
licher Hof  des  Landesfürsten,  den  er,  wie  schon  der  Name  Jaidhof 
sagt,  vor  allem  des  Jagd  Vergnügens  halber  aufsucht.')  Aber  gerade 

-)  Die  zu  Gan  bereits  1122  bezeugt.  L.  c.  pag.  15,  Nr.  22. 

^  Wenn  der  Markgraf  bis  1135  den  Zehent  zu  Weitersfeld  anrechtmäßiger 
Weise  besaB,  so  wird  er  sieb  dabei  wohl  der  Sitte  der  Zeit  gem&ß  auf  seine 
Eigenschaft  als  Gmndherr  und  Gründer  der  Kirche  gestützt  haben. 

3)  FUr  den  Gföhler  Wald  siehe  oben  S.  62,  Anm.  8,  für  Meisling  und  PöUa 
siehe  oben,  Anm.  2. 

*)  Die  Schenkung  an  Azzo  (Meiller,  S.  8,  Nr.  2)  erfolgt  ob  petitionem 
Emusti  (marchionis),  die  an  Ulrich  von  Stiefem  bezeichnet  Herzog  Heinrich  aU 
regali  donadone  meo  obtentu  erfolgt  (Notizenblatt.  Y,  S.  470). 

^)  Der  Zusammenhang  der  Geschlechter  von  Stiefem  und  Streitwiesen  er- 
beUt  aus  den  Urkunden:  Fontes,  IV,  103,  Nr.  477,  und  Mon.  boica.  IV,  311, 
<üe  sich  beide  auf  das  Gebiet  am  unteren  Weitenbache  beziehen  und  ungefähr 
gleichzeitig  in  der  Zeugenreihe,  die  auch  sonst  in  den  Namen  teilweise  überein- 
stimmt, einmal  einen  Ozo  de  Stivene,  das  andere  Mal  Ozo  de  Streitwisen  nennen.. 

*)  Für  den  Nachweis  im  einzelnen  ist  auf  das  Register  zu  Meiller  zu  rerweisen. 

S  Meiller,  S.  149,  Nr.  5. 


54  D'<  Franz  Heiiaberg. 

auf  dem  an  den  Gföhler  Wald  anschließenden  landesftLrstlichen 
Besitz  tritt  zirka  1 100  eine  leise  Änderung  in  der  Art  der  Koloni- 
sation ein.  In  dem  modernen  Siedelnngsbilde  zeigt  sich  freilich  kein 
wesentlicher  Unterschied  gegen  den  sonst  in  der  Umgebung  herr- 
schenden Typus  von  Weilern  und  kleinen  Dörfern.  Diese  sind 
ebenso  wie  die  am  Weitenbache  und  östlich  an  der  Krems  aus 
Villikationen  erwachsen.*)  Sie  zeigen  auch  genau  dieselbe  Flurform 
wie  alle  anderen  Weiler  der  Umgebung,  das  Ackerland  ist  im  all- 
gemeinen in  unregelmäßigen  Blöcken  aufgeteilt,  nur  hie  und  da 
zeigt  ein  größeres  Feldstück  eine  gewannähnliche  Einteilung.  Auf 
diesem  Gebiete  aber  erscheint  zuerst  die  unterscheidende  (wenn 
auch  nicht  ausschließlich  herrschende)  Namensform  des  appellativen 
Genetivs  des  Personennamens.  Nun  wäre  dies  ziemlich  bedeutungs- 
los, wenn  sich  zeigen  ließe,  daß  diese  Art  der  Namenbildung  an 
Ort  und  Stelle  entstanden  wäre,  etwa  in  der  Weise,  daß  allmählich 
die  Gewohnheit  sich  herausgebildet  hätte,  aus  der  volleren  Bezeich- 
nung Dorf  oder  Gut  des  N.  das  selbstverständliche  Bestimmungs- 
wort wegzulassen  und  nur  das  unterscheidende  Beiwort  zu  ge- 
,  brauchen.  Aber  gerade  das  Gegenteil  ist  der  Fall.  Einer  dieser 
Orte  im  oberen  Kremsgebiete  wird  kurz  nach  seiner  Gründung 
als  predium  quod  vocatur  Liupoldi  bezeichnet.^)  Da  ist  wohl  nur 
der  eine  Schluß  möglich,  daß  diese  Form  der  Namengebung  als 
eine  bereits  fest  ausgeprägte  in  dieses  Gebiet  übertragen  worden  ist 
und  zwar  aus  einem  Gebiete,  das  von  dem  Mutterland  der  bisherigen 
Kolonisation  verschieden  gewesen  sein  muß.  Zumindest  eine  Ände- 
rung in  der  Stammeszugehörigkeit  der  Kolonisten  muß  hier  vor  sich 
gegangen  sein.  Sollten  wir  aber  finden,  daß  sich  bald  auch  Ände- 
rungen in  der  Anlage  der  Kolonisation  einstellen,  so  werden  wir 
diese  mit  der  Namensänderung  in  Verbindung  zu  bringen  suchen 
und  sehen,  ob  wir  für  beide  Veränderungen  ein  bestimmtes  Ur- 
sprungsgebiet im  Mutterlande  nachzuweisen  imstande  sind. 

Im  Nordosten  des  Waldviertels  schließt  sich  die  Kolonisation 
der  Ministerialen  ziemlich   eng  an  den  im  Viertel  unter  dem  Man- 

^)  Am  Weitenbache,  siehe  im  allgemeinen  die  Urkunden:  Fontes,  XXXI. 
Kr.  94 — 98,  die  wohl  nur  an  den  Bestand  einer  Villikationssiedelang  denken  lassen. 
Für  nnser  Qebiet  erhellt  dies  aus  der  Bezeichnung  einzelner  dieser  Orte  als  predia 
(Fontes,  VIII,  Nr.  116,  215),  bei  einigen  solchen  predia  werden  Ministerialen  des 
Markgrafen  als  Besitzer  angeführt  (Fontes,  VIII,  265). 

2)  Fontes,  VIII.  Tradition,  Nr.  116. 


Geichichte  der  Eoloniafttion  des  WaldvierteU.  55 

hartsberg  darcbgeführten  Typus  an.  Zwischen  die  Dörfer,  die 
ebenso  wie  die  des  Homer  Beckens  eine  blockfbrmige  Aufteilung 
des  Ackerlandes  zeigen,  von  denen  wir  also  annehmen  können,  daß 
sie  aus  ursprünglichen  Villikationen  hervorgegangen  sind  (Rein- 
prechtspölla,  Bnrgschleinitz,  Kühnring,  Zogeisdorf),  schieben  sich 
hier  Oewanndörfer  derselben  Art  ein,  wie  wir  sie  im  Viertel  unter 
dem  Manhartsberg  kennen  gelernt  haben  (Gauderndorf,  Kattan, 
Theras,  Rassingdorf,  Starrein);  die  Anlage  des  Dorfes  selbst  ist 
allerdings  insofern  verschieden,  als  wir  es  hier  mit  weitaus  kleineren 
Dörfern  zu  tan  haben,  die  keinen  regelmäßigen  Bauplan  aufweisen. 
Wir  haben  hier  ein  Gebiet  vor  uns,  in  dem  sich  zwei  Siede- 
langstypen  ziemlich  regellos  ineinanderschieben,  und  wir  sind 
keineswegs  imstande  die  Siedelungen  mit  Blocklage  der  Äcker  den 
freien  Geschlechtem  des  Homer  Beckens,  die  Gewanndörfer  den 
Ministerialen  zuzuweisen.  Weiter  im  Norden  an  der  mährischen 
Grenze  ist  dann  bei  den  markgräflichen  Gründungen  Langau  und 
Weitersfeld  die  Übereinstimmung  mit  den  Eolonistendörfem  des 
östlichen  Niederösterreichs  in  der  Dorf-  und  Flurform  eine  voll- 
ständige, nur  daß  hier  im  Dorfe  alles  weiter  auseinandergerückt, 
die  schmale  Dorfstraße  vor  allem  zu  einem  Anger  erweitert  ist. 

Nördlich  von  dem  landesfürstlichen  Besitz  am  oberen  Krems- 
bache, im  Westen  des  Horner  Beckens,  erhält  dann  die  Koloni- 
sationsanlage ihre  Ausbildung,  die  für  das  innere  Waldviertel 
charakteristisch  ist,  hier  setzt  etwas  nach  1100  die  Kolonisation 
der  Ministerialen  wieder  ein.  Zwischen  Kamp  und  Krems,  etwas 
östlich  von  Zwettl,  sind  die  nahe  verwandten  Geschlechter  von 
Rastenberg,  Ottenstein  und  Hohenstein,  die  Tursen  von  Lichtenfels, 
die  Herren  von  Lichtenegg,  von  Grünbach  ansäßig,  gegen  Norden 
folgt  der  große  Besitz  der  Kuenringe  zu  Krumau  und  um  Zwettl. 
Dann  finden  wir  um  Allentsteig  viele  der  Geschlechter  wieder,  die 
im  Osten  des  Waldvieiiels  namentlich  am  Kamp  ansässig  sind,  so 
die  Herren  von  Imbaeh.  von  Kaya-Kamegg,  von  Thunau,  die  Kuen- 
ringe. die  Burggrafen  von  Gars,  das  Ministerialengeschlecht  der 
Truchsen  (Trixen  in  Steiermark)  hat  einen  Zweig  hieher  entsendet; 
ebenso  das  der  Streune,  die  sich  nun  nach  dem  Orte  Schwarzenau 
nennen.  Einige  dieser  Geschlechter  sind  dann  noch  weiter  westwärts 
vo^edrungen,  so  haben  namentlich  die  Kuenringe  einen  ursprüng- 
lich einheitlichen  Besitz  von  Zwettl  bis  Weitra  und  darüber  hinaus 
bis  an  die  heutige   böhmische   Grenze   noch   im  XII.  Jahrhundert 

Jalirbaeh  d.  Y.  f.  Landeiknnde.  1907.  5 


66  I>r.  Frane  Heilsberg. 

erworben,  die  Herren  von  Grünbach  sind  die  Gründer  von  Riegers, 
westlich  von  Zwettl,  noch  etwas  weiter  westlich  besitzen  die  Otten- 
steiner  und  die  ihnen  verwandten  Geschlechter  den  Schickenhof. 
Güter  zu  Marbach,  Böhmsdorf,  Warmbrand.  Anderseits  werden  sie 
in  ihrem  Vordringen  durch  andere  Geschlechter  überflügelt.  Noch 
im  Xn.  Jahrhundert  sind  Ministerialen  zu  Waidhofen,  im  Anfang 
des  XIII.  solche  zu  Heidenreichstein  ansäßig.  Das  Geschlecht  von 
Stiefern-Streitwiesen  erwirbt  das  Waldland  südlich  von  Weitra,  wo 
später  der  Ort  Oberkirchen  entsteht^);  die  Orte  Kirchbach  und 
Griesbach,  die  sie  bis  Ende  des  XIII.  Jahrhunderts  besitzen  ^),  mögen 
zu  diesem  Gebiete  gehört  haben.') 

Von  dieser  Kolonisation  der  Ministerialen  im  Gebiete  von 
Zwettl  und  Weitra  hebt  sich  die  des  nördlich  anschließenden  Ge- 
bietes von  Raabs-Litschau  deutlich,  zumindest  der  anfänglichen 
historischen  Entwicklung  nach,  ab.  Wurde  jenes  Gebiet  im  Westen 
den  Ministerialen  zu  freier  Okkupation  überlassen,  so  schien  es  hier, 
als  sollte  ein  umfangreicher  Besitz  des  Landesherm  erstehen  und 
ihm  damit  die  Aufgabe  der  Kolonisierung  vor  allem  zufallen.  Eine 
Beihe  kaiserlicher  Schenkungen  konnte  wenigstens  die  rechtliche 
Grandlage  für  eine  solche  Entwicklang  bieten.  1048  erhielt  der 
Markgraf  auf  diese  Weise  das  noch  unbenannte  Gebiet  am  Zusammen- 
fluß der  beiden  Thayabäche,  wo  sich  dann  Burg  und  Stadt  Raabs 
erheben.^)  1051  folgt  die  Schenkung  von  30  Hufen  bei  Grafen- 
berg^);  auf  diesem  Gebiete  wird  dann  vermutlich  die  landesfürstliche 
Burg  zu  Eggenburg  gebaut.  1058  wird  Besitz  zu  Ortwinesdorf 
und  Pirchehe  durch  Schenkung  erworben,  den  man  im  allgemeinen 
auf  dieses  Gebiet,  auf  die  Orte  Rotweinsdorf  und  Pyhra,  bezieht^) 


i)  Notizenblatt.  V,  8.  470. 

-)  Lichnowsky,  Habsburger-Begesten.  I,  Nr.  994. 

3)  Wo  weiter  nichtB  angegeben  ist,  ist  der  Nachweis  nach  dem  Zwettler 
Stiftungsbuche  geführt. 

*)  Meiler,  Regesten.  S.  6,  Nr.  11. 

i)  Ebenda.  S.  7,  Nr.  16. 

^)  Ebenda.  S.  8.  Nr.  8.  Als  so  ganz  feststehend  möchte  ich  diese  Identi- 
fizierung nicht  betrachten,  vor  allem  aus  sprachlichen  Gründen;  die  älteste  ur- 
kundlich bezeugte  Form  fUr  Rothweinsdorf  ist  Radwansdorf  (1290,  Fontes,  XXI, 
8.  57),  die  sich  dann  mit  größter  Konstanz  erhielt  (Fontes,  XXI,  128;  Fontes,  VI, 
Nr.  16,  99,  121 — 127).  Sie  kann  auf  den  slawischen  Personennamen  radu,  der  sich 
auch  sonst  im  Waldriertel  findet  (Radwans  bei  Zwettl  [Fontes,  UI,  64]),  aber  kaum 
auf  Ortwin  zurückfuhren. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldriertels.  Q^ 

Es  folgt  1074  eine  Schenkung^),  die  dann  1076  vermehrt  wird 2), 
die,  das  Waldland  zwischen  Eggenbnrg  und  Raabs,  den  soge- 
nannten Baabser  Wald  betreffend,  jedenfalls  eine  Verbindung 
dieser  Punkte  bezweckt.  Wie  sehr  dabei  die  Reichsgewalt  zurück- 
tritt, das  Interesse  des  Landesfürsten  allein  maßgebend  wird,  erhellt 
aas  der  ganz  auffalligen  Betonung,  die  der  Umstand  erfährt,  daß 
die  Schenkungen  auf  Bitte  des  Markgrafen  erfolgen.^)  Doch 
entspricht  diesem  anfänglichen  energischen  Eingreifen  des  Mark- 
grafen nicht  die  weitere  Entwicklung.  Bereits  um  1100  ist  die 
Burg  Raabs  im  Besitze  der  Grafen  von  Raabs,  der  älteren  Burg- 
grafen von  Nürnberg.^)  Durch  eine  Schenkung  Kaiser  Eonrads 
dehnte  sich  dieser  Besitz  dann  in  westlicher  Richtung  bis  über 
Dobersberg  hin  aus.^)  Aber  auch  sie  haben  die  Kolonisation  dieses 
Gebietes  keineswegs  einheitlich  durchgeführt.  Nördlich  von  ihnen 
ergreifen  die  Ministerialen  von  Zebing  von  einem  Gebiete  Besitz, 
in  dem  sie  den  in  ihrer  Familie  häufigen  Namen  Wichard  ihrer 
Gründung,  dem  Orte  Weikertschlag,  beilegen.®)  Aber  auch  im  Ge- 
biete der  Raabser  Grafen  selbst  sind  zahlreiche  Rittergeschlechter, 
Raabser  Ministerialen,  bereits  im  XIII.  Jahrhundert  bezeugt^),  die 
ihre  Stellung  jedenfalls  neben  ihrer  militärischen  Aufgabe  auch  der 
Durchführung  der  Kolonisation  im  einzelnen  verdanken.  Weiter  im 
Westen  schließt  dann  der  Besitz  der  Grafen  von  Hirschberg-ToUen- 
stein.  die  Grafschaft  Litschau,  die  wir  bereits  im  Anfange  des 
XHL  Jahrhunderts  im  Besitze  dieses  Geschlechtes  finden  ^),  die  Ost- 
mark überhaupt  ab.    Es   ist  wohl   nur   die  Annahme  möglich,  daß 


^)  Meiller,  Eegesteo.  S.  9,  Nr.  10. 

«)  Fontes  IV,  188. 

^)  1074:  qaod  petiit,  firmando  ei  tradidimoB.  1076:  Qaoi  in  Bervitio  nostro . . . 
pexBeyerare  yelle  yidemns,  libenter  in  snia  petitionibus  cito  volamus  ezaudire . . . 
Petitionen!  eins  fieri  adiudicavimus.  Si  qnidem  petitio  eins  talis  est,  ut  .  .  . 

*}  Cosmas  von  Prag  (M.  6.  SS.  IX,  pag.  106)  und  Wendrinskj  in  Blätter 
für  Landeskunde.  Bd.  XII. 

^)  De  possessionibus  regia  anctoritate  parentibus  suis  coUatis  schenkt  Graf 
Konrad  ron  Raabs  c.  1150  an  Garsten  den  Wald,  an  dessen  Stelle  dann  der  Ort 
Mftnichreith  entsteht,  c.  1 160  sein  Sohn  den  Ort  Gastem.  Urknndenbuoh  des  Landes 
ob  der  Enns.  I,  8.  128. 

^  Blatter  fär  Landeskunde.  Bd.  XXXIII,  S.  342. 

^)  Grossau  1204  (Fontes,  III,  S.  111),  Speisendorf  1204  (I.  c.  S.  436), 
Lindau  1263  (S.  173),  Liebenberg  1265  (S.  331),  Kolmitz  1291  (S.  290),  Lieb- 
nite  1294  (XXI,  S.  79). 

«)  Fontes,  HI,  111. 

5* 


6g  Dr.  Frans  HeiUberg. 

verwandtschaftliche  Beziehungen  zu  den  Grafen  von  Raabs  sie 
hiehergeführt  haben.  Die  Grafschaft  Litschan  stellt  dann  das  einzige 
größere  Gebiet  im  Waldviertel  dar,  fQr  das  uns  keine  Ritter- 
geschlechter und  dementsprechend  auch  keine  Villikationen  in  den 
Urkunden  genannt  sind,  dessen  Kolonisation  also  einen  rein  bäuer- 
üchen  Charakter  trägt. 

Dieses  ganze  Gebiet  nun,  fttr  das  wir  die  ursprüngliche  Besitz- 
verteilung kennen  gelernt  haben,  stellt  sich  uns  in  Beziehung  auf 
die  Kolonisation  als  Einheit  dar,  einerseits  infolge  der  überwiegenden 
Anteilnahme  der  Ministerialität  an  der  Organisation  desselben,  wenn 
wir  von  den  Verhältnissen  des  Litschauer  Gebietes  absehen, 
anderseits  wegen  des  einheitlichen  Charakters  der  resultierenden 
Besiedelung  sowohl  in  der  Benennung  der  Ortschaften,  als  auch  in 
der  Dorf-  und  Flurform.  Ein  Bild  des  Vorganges  bei  dieser  Koloni- 
sation zu  erlangen,  ist  äußerst  schwierig  infolge  des  völligen  Mangels 
jeder  anderen  Überlieferung,  außer  der  zufälligen  und  indirekten, 
wie  sie  uns  in  den  Urkunden  über  Besitzverhältnisse  zu  Gebote  steht. 

Daß  wir  es  hier  mit  einer  sehr  energisch  fortschreitenden 
Rodung  zu  tun  haben,  lehren  uns  die  ziemlich  zahlreichen  Ortsnamen 
auf  -reith  und  -schlag,  die  unser  Gebiet  aufweist,  die  nächst  den 
genetivischen  Ortsnamen  am  häufigsten  sind.  Dasselbe  lehrt  uns 
schon  die  einfache  Tatsache,  daß  ein  Zisterzienserkloster  inmitten 
dieses  Gebietes  angelegt  wurde.  Für  die  Rodungen  dieses  Ordens 
hatte  sich  aber  eine  gewisse  Norm  ausgebildet,  die  wohl  auch  hier 
zur  Anwendung  kam:  »Vor  den  Arbeitern  her  ging  der  Abt,  in  der 
einen  Hand  das  Kreuz,  in  der  anderen  einen  Weihkessel;  angelangt 
inmitten  des  Gehölzes,  pflanzte  er  dort  das  Kreuz  in  die  Erde; 
darauf  besprengte  er  alles  ringsum  mit  Weihwasser,  nahm  die  Axt 
und  schlug  einige  Sträucher  nieder.  Nun  gingen  alle  Mönche  ans 
Werk  und  in  wenigen  Augenblicken  hatten  sie  mitten  im  Walde 
einen  lichten  Raum  geschaffen,  der  ihnen  als  Mittel-  und  Ausgangs- 
punkt diente.  Die  Mönche,  welche  den  Boden  urbar  machten,  waren 
eingeteilt  in  drei  Abteilungen;  die,  welche  fällten,  die,  welche  die 
Stämme  ausrodeten  (exstirpatores),  und  die,  welche  allen  Abfall 
verbrannten  (incensores).«  *)  Stellt  man  diese  fast  militärisch  orga- 
nisierte, durch  Sakralakte  in  ihrer  Bedeutung  gebührend  hervor- 
gehobene Handlung  neben  die  Bifangrodung  der  Karolinger-Zeit,  so 

^)  Winter,  Zistenienser  des  nordöstlichen  Deutschland.  II.  Bd.,  S.  170f. 
Ohne  Angabe  der  Quelle. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldriertels.  g9 

erhält  man  doch  eine  Ahnung  von  der  Entwicklung,  die  hier  statt- 
gefunden hat,  wenn  uns  auch  die  Quellen  über  diese  Dinge  nichts 
za  sagen  wissen.  Die  Ministerialen  haben  aber  das  Stift  Zwettl  in 
der  Durchführung  der  Rodung  noch  ttbertroffen.  Das  erhellt  schon 
aus  den  Abmachungen  des  Abtes  Hennann  mit  Pilgrim  von  Zwettl, 
aas  dem  Hause  der  Kuenringe,  der  das  Stift  um  Überlassung  immer 
neuen  Waldlandes  zur  Anlage  Ton  Rodungen  drängt J)  Dasselbe 
zeigt  uns  aber  auch  der  Überblick  über  die  Besitzverhältnisse.  Wenn 
wir  eine  große  Anzahl  von  Ministerialengeschlechtern  zuerst  am 
Kamp,  dann  wieder  westlich  vom  Homer  Becken,  dann  im  Westen 
gegen  Weitra  auf  einen  verhältnismäßig  engen  Raum  zusammen- 
gedrängt und  in  raschem  Vordringen  gegen  Westen  sehen,  so  zeigt 
uns  das  wohl  die  außerordentliche  Energie  ihrer  Rodung. 

Auf  Grund  dieser  Rodungen  haben  dann  die  Ministerialen 
selbst  auch  die  Ansiedelung  durchgeführt,  ihren  Gründungen,  nach 
der  zuerst  im  Gebiete  der  Eremsbüche  durchgeführten  Art,  ihre 
eigenen  Namen  beigelegt.  So  kann  man  die  verschiedenen  Neunzen 
(Nizonis),  Albern,  Manshalm  (Anshalms),  Hörmans  (Hadmars)  Harmann- 
stein (Hadmarstein)  unbedenklich  den  Kuenringen  zuweisen.^)  Allent- 
steig den  Ministerialen  von  Kaya-Eamegg,  in  deren  Familie  allein 
der  Name  Alolt  (Aloldestey)  *'')  vorkommt,  Riegers  (Rudegers)  dem 
Rüdiger  von  Grttnbach.^)  Die  unfreien  Rittergeschlechter  aus  dem 
Gefolge  dieser  Ministerialen  mögen  an  der  Gründung  einzelner 
dieser  Orte  beteiligt  gewesen  sein.  Wahrscheinlich  ist  dies  bei  Lang- 
schlag, wo  in  unmittelbarem  Zusammenhang  mit  der  Gründung  des 
Ortes  auch  ein  solches  Rittergeschlecht  daselbst  ausgestattet  wird^), 
ebenso  bei  Preinreichs,  Riegers,  Waldreichs,  Zierings,  Freitzenschlag, 
wo  dann  im  XHI.  Jahrhundert  solche  nach  dem  Orte  sich  nennende 
Ritte^;eschlechter  ansässig  sind.^) 

Die  selbstverständliche  Voraussetzung  dafür^  daß  wir  überhaupt 
Veranlassung  haben,  auf  die  Organisierung  dieser  Eolonisation  be- 
sonders einzugehen,   ist   die  Tatsache,   daß   hier   an  die  Stelle   der 


^)  Fönte»,  m,  pag.  46  f. 

')  Fflr  einen  Fall  direkt  bezeagt:    silva  (früher  Dorf)  adhac  retinet  nomen 
Albern  lecnndom   nomen  Alberonis  fundatorie  zwetl.  monasterii.  Fontes,  III,  57. 
3)  Ebenda,  8.  488,  539. 
«)  Ebenda,  8.  96. 
>)  Mon.  boica.  XXIX  b,  68. 
^)  Der  Nachweis   ist  auch  hier  nach   dem  Zwettler  Stiftangsbuch    geführt. 


70  I^r.  Franz  Heilsberg. 

Weilersiedelong,  wie  sie  im  südlichen  und  östlichen  Waldviertel  ur- 
sprünglich vorherrschte,  eine  dorfmäßige  Siedelung  getreten  ist. 
Während  im  Homer  Becken  die  unregelmäßigen  Dorfformen  allein 
schon  die  Annahme  einer  ursprünglichen  Villikationssiedelung  nahe 
legen,  verwehrt  dies  hier  der  regelmäßige,  einheitliche  Charakter 
der  Anlage.  Es  herrscht  die  von  Meitzen  als  »slawisches  Straßen- 
dorf« bezeichnete  Form.  Wir  haben  bereits  gesehen,  daß  kein  Grund 
vorliegt,  an  dem  slawischen  Ursprung  dieser  Anlage  zu  zweifeln. 
Nicht  darin  liegt  aber  in  diesem  Zusammenhange  die  Bedeutung 
dieser  Anlage,  sondern  vielmehr  in  dem  Umstände,  daß  sie  als  eine 
einheitliche  und  planmäßige  von  den  Ministerialen  für  ihre 
Gründungen  übernommen  wurde.  Das  Verhältnis  des  kleinen,  dabei 
doch  gemächlich  sich  ausbreitenden  Straßendorfes  des  Waldviertels, 
das  bei  aller  Regelmäßigkeit  des  Planes  doch  zahlreiche  Ab- 
weichungen im  einzelnen  und  Abänderungen  im  Laufe  der  Zeit  ge- 
stattet, zu  dem  großen,  streng  einheitlichen,  keiner  Entwicklung 
fähigen  Kolonistendorf  im  Osten  entspricht  sehr  wohl  dem  der  in 
kleineren  Verhältnissen  sich  bewegenden  Kolonisation  der  Ministe- 
rialen, die  einer  streng  einheitlichen  Leitung  entbehrt,  zu  der  groß- 
zügigen Kolonisation  der  Beichsgewalt  an  der  Ungarngrenze. 

Das  schönste  Beispiel  eines  solchen  Straßendorfes  dürfte  wohl 
Rabesreith  (zwischen  Raabs  und  Weikertschlag)  sein,  wo  die  einzigen 
Häuser,  die  nach  der  Bauart  in  den  Plan  nicht  hineinpassen  und 
zugleich  außerhalb  des  Dorfes  stehen,  die  Schmiede  und  das  Dorf- 
wirtshaus sind.  Häufiger  auftretende  Abweichungen  von  diesem 
Plane  sind: 

1.  spätere  Zubauten  auf  dem  Dorfanger  (Klein-Zwettl^Rudmans); 

2.  der  Bau  zweier  Reihen  von  Häusern  an  den  beiden  Enden 
des  Dorfes  quer  über  den  Anger  (Zissejrsdorf,  Frtihwärts),  wodurch 
sich  die  Anlage  der  des  Rundlings  nähert; 

3.  ein  weites  Auseinanderrücken  der  Häuser  in  Anpassung  an 
örtliche  Unebenheiten  (Eggmanns,  Riegers); 

4.  daneben  findet  sich  dann  eine  Verengung  des  Angers  zur 
einfachen  Straße,  ein  enges  Aneinanderrücken  der  Häuser  wie  im 
Viertel  unterm  Manhartsberg ;  doch  begründet  noch  immer  die  weit- 
aus kleinere  Anlage,  das  Fehlen  des  charakteristischen  Reihenhofes, 
vor  dem  im  Waldviertel  überhaupt  der  Hakenhof  bevorzugt  wird  ^), 
einen  wesentlichen  Unterschied. 


^)  Siehe  Dachler  in  Blätter  für  Landeskunde.  Bd.  XVII. 


Getchichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  71 

Daneben  weist  nun  auch  die  Flurteilnng  in  diesem  ganzen 
Oebiete  einen  durchaus  einheitlichen  Charakter  auf.  Wir  haben  es 
dorcliaas  mit  Gewannfluren  zu  tun,  die  aus  sehr  großen,  regel- 
mAfiigen,  in  nicht  allzubreiten  Streifen  aufgeteilten  Gewannen  bestehen, 
ebenso  wie  im  Viertel  unterm  Manhartsberg.  Betrachten  wir  hier 
die  von  Meitzen  im  einzelnen  beschriebene  und  in  seinem  Werk 
nach  der  Katasterkarte  reproduzierte  Anlage  von  Tallisbrunn  als 
Tvpus,  so  ergeben  sich  für  unser  Gebiet  noch  weitere,  bis  ins 
einzelne  gehende  Übereinstimmungen.  Auch  bei  einer  ganzen  Anzahl 
von  Dörfern  unseres  Gebietes  sind  alle  Gewanne  parallel  zueinander 
in  ein  und  derselben  Richtung  aufgeteilt,  das  Dorf  liegt  nicht  in 
der  Mitte,  sondern  beinahe  am  Rande  der  Ackerflur J)  Daneben  ist 
allerdings  noch  eine  zweite  Art  der  Gewanneinteilung  ziemlich 
häufig,  daß  nämlich  zwei  Gruppen  von  Gewannen,  zu  beiden  Seiten 
der  Dorf  Straße  gelegen,  durchaus  parallel  aufgeteilt  sind,  so  daß  sie 
fast  den  Eindruck  eines  einheitlichen  Gewannes  machen,  das  von 
der  Dorfstraße  durchschnitten  wird.  Eine  dritte  Gruppe  von  Ge- 
wannen liegt  dagegen  senkrecht  zu  diesen  an  der  einen  Schmalseite 
des  Dorfes,  ebenfalls  in  durchaus  parallele  Streifen  aufgeteilt,  die 
also  senkrecht  zu  den  Streifen  der  ersten  beiden  Gewanne  stehen. 
Das  Dorf  liegt  in  diesem  Falle  so  ziemlich  in  der  Mitte  der  Feld- 
dur.^)  In  beiden  Fallen  aber  ergibt  sich  mit  zwingender  Notwendig- 
keit die  Annahme  einer  einheitlichen  Durchführung  dieser  Anlagen; 
eine  allmähliche  Entstehung  derselben  ist  durchaus  undenkbar.  Auch 
der  Zusammenhang  mit  der  Siedelung  des  Viertels  unterm  Manharts- 
berge  läßt  sich  schwerlich  verkennen. 

Wir  konnten  also  feststellen,  daß  namentlich  die  Ministerialen 
im  inneren  Waldviertel  von  einer  allmählichen  grundherrlicheu 
Expansion  zu  planmäßiger  Kolonisation  vorgeschritten  waren.  Aber 
schon  das  heutige  Siedelungsbild  zeigt  uns,  daß  diese  Kolonisation 
ihren  engen  Zusammenhang  mit  der  grundherrlichen  Villikations- 
üiedelung  der  benachbarten  Gebiete  noch  nicht  völlig  aufgegeben 
hatte.  Neben  die  Dörfer  des  Gebietes  zwischen  Zwettl  und  Weitra 
tritt  noch  eine  Hofsiedelung  eigener  Art.  Die  Ministerialen  waren 
zur  Haltung    eines   zahlreichen   militärischen  Gefolges   verpflichtet. 

^)  Z.  B.  Ober-GrUnbach.  Edelbach,  Alt-Pölla,  StSgeribach,  Ober-  und  Nieder- 
Stnhlbach,  Engelbrechtt,  Weifienbach. 

^  Z.  B.  Alt-MeloD,  Pehendorf,  Wurmbrand,  Ober-£dlitz,  Beibers,  Waiden- 
fctein,  Orofi-Neufliedl,  Groß-Oloboitz. 


72  I>r.  Franz  Heiisberg. 

Ihre  Okkupation  größerer  Landstriche  hatte  wohl  auch  den  Zweck, 
von  diesem  Lande  ein  bestimmtes  ritterliches  Aufgebot  unterhalten 
zu  können.  Das  war  aber  doch  nur  in  der  Weise  möglich,  daß 
dem  einzelnen  Ritter  neben  Einkünften  von  bäuerlichem  Besitz 
auch  ein  Stück  Landes  zu  eigener  Bewirtschaftung  zugewiesen 
wurde.  Die  so  entstandenen  Ritterhöfe  heben  sich  von  den  ur- 
sprünglichen Dorfgrtindungen  des  Gebietes  von  Zwettl  und  Weitra 
scharf  ab.  Der  erste  derartige  Ritterhof,  der  urkundlich  bezeugt  ist, 
ist  der  Schickenhof  bei  Rosenau.^)  Die  im  Stiftungsbuch  von  Zwettl 
genannten  Kuenringischen  Lehensleute  dürften  wenigsten  zum  Teil 
auf  solchen  Höfen  gesessen  sein,  so  die  von  Sazze,  Rosenau,  Guten- 
berg,  Mazzolter,  Wasen,  Lainsitz.  ^)  Die  Höfe  des  Weitraer  Gebietes 
dürften  zum  großen  Teil  auf  diese  militärische  Kolonisation  zurück- 
gehen. Ihre  Besitzer  erscheinen  als  armigeri  in  den  Weitraer  Ur- 
kunden. 3)  Daneben  ist  aber  auch  die  Gründung  einheitlicher  Dörfer 
mit  der  Anlegung  von  Villikationen  verknüpft. 

Daneben  können  wir  aber  auch  wieder  durch  unsere  kompara- 
tive Methode  die  Mittelstellung  unserer  Kolonisationsbewegung 
zwischen  einer  rein  grundherrlichen  Expansion  und  der  planmäßigen 
norddeutschen  Kolonisation  bezeichnen.  Die  unterscheidenden  Merk- 
male der  norddeutschen  Kolonisation  sehen  wir  dabei  vor  allem 
darin,  daß  Kolonisationsverträge  für  große  Gebiete  einheitlich  ab- 
geschlossen werden,  in  denen  also  auch  die  Rodung  einheitlich 
erfolgen  soll;  zweitens  in  der  Tatsache,  daß  die  Kolonisation  über- 
haupt auf  Grund  solcher  Verträge,  also  gewissermaßen  als  Geschäft, 
durchgeführt  wurde,  und  in  der  eigentümlich  bevorrechteten  Stellung, 
die  bei  solchen  Verträgen  dem  Unternehmer  eingeräumt  wird, 
drittens  aber  darin,  daß  auch  die  Rechtsstellung  der  Kolonisten 
selbst  vertragsmäßig  festgestellt  wird,  sei  es  auch  nur  in  der  Form, 
daß  ihnen  ganz  allgemein  deutsches,  fränkisches  oder  flämisches 
Recht  eingeräumt  wird.  Vergleichen  wir  damit  in  allen  drei  Be- 
ziehungen die  Verhältnisse  im  Waldviertel. 

Greifen   wir    für    die    norddeutsche,    speziell   die    preußische 
Kolonisation  einige  Beispiele  heraus,  so  ünden  wir  da  Verleihungen 


^)  Fontes,  III,  372,  1220  curia,  quam  Pilgrimus  miles  cognomento  Schike 
a  me  tenait  sab  iure  feadali. 

2)  Pontes,  III,  95. 

^)  Nach  gütiger  KitteUung  des  Herrn  P.  Benedikt  Hammerl,  StiftsarchiTar 
in  Zwettl. 


Geachichte  der  KoloniBation  des  Waldviertels.  73 

von  300,  1000  und  selbst  2500  Hufen  zu  Eolonisationszwecken  ^), 
während  in  unserem  Gebiet  nur  gerade  die  Landschenkungen  an 
der  Ungargrenze  einen  größeren  Umfang  erreichen;  doch  selbst 
diese  übersteigen  nicht  das  Ausmaß  von  150  Hufen.  ^)  Sonst  aber 
finden  wir  selbst  in  den  Schenkungen  an  die  Markgrafen,  bei  denen 
wir  doch  von  vorneherein  den  größten  Umfang  erwarten  sollten, 
namentlich  im  Waldviertel  Beträge  von  20—40  Hufen.  In  dieser 
Tatsache  scheint  uns  nun  ein  Problem  verborgen  zu  liegen,  das 
allerdings  unseres  Wissens  noch  nirgends  berührt  worden  ist.  Diese 
Schenkungen  bilden  die  Grundlage  für  umfangreiche  landesfürstliche 
Besitzxmgen,  die  sich  über  viele  Dörfer,  viele  hunderte  von  Hufen 
erstrecken,  während  jede  solche  Schenkung,  selbst  wenn  wir  die 
Hofe  nicht  als  Flächenmaß,  sondern  als  Bezeichnung  einer  selb- 
ständigen Bauernwirtschaft  mit  ihren  Wald-  und  Weidenutzungen 
nehmen,  nicht  mehr  als  ein  Dorf  umfassen  kann.  Sollen  wir  da 
nan  annehmen,  daß  für  jedes  Dorf  eigene  derartige  Schenkungs- 
nrknnden  ausgestellt  worden  wären,  die  nun  bis  auf  geringe  Reste 
verloren  gingen,  oder  daß  von  allen  Schenkungsurkunden  gerade 
nnr  die  über  kleine  Gebiete  sich  erstreckenden  erhalten  geblieben 
seien?  Dieses  Problem  scheint  uns  nun  in  der  Annahme  seine  Lösung 
ZQ  finden,  daß  die  Art  der  Rodung  sich  hier  von  der  grundherrlichen 
Rodung  des  Mutterlandes  nicht  weit  entfernte,  und  nur  deswegen 
hat  für  uns  diese  Frage  einige  Bedeutung.  Die  Schenkung  erfolgt 
nur  zur  Begründung  eines  ersten  rechtlichen  Anspruches.  Hier 
können  wir  dann  den  oben  angeführten  Bericht  über  die  Begründung 
des  Klosters  Scheiern  zur  Illustration  heranziehen.  ^)  Auf  dem  Boden 
der  königlichen  Schenkung  erheben  sich  die  legitima  curtifera,  der 
rechtskräftig  erworbene  Besitz,  von  dem  aus  dann  die  Rodung  in 
den  >gemeinen<  Wald  (silva  communis)  in  gewohnheitsrechtlichen 
Formen  (populari  more)  erfolgt.  Wir  haben  es  dann  eben  mit  einer 
Form  der  Kolonisation  zu  tun,  die  der  allmählichen  Innenkolonisation 
des  Mutterlandes  weit  näher  steht,  als  den  großzügigen  Unter- 
nehmungen des  Ordenslandes  und  der  benachbarten  Gebiete. 

Gegenüber  der  großen  Zahl  von  Lokationsverträgen,  die  den 
Fortgang  der  Kolonisation  in  Norddeutschland  bezeichnen,  haben 
wir  ftr  unser  Gebiet   eine   einzige  Aufzeichnung,   die  ihrem  Inhalt 

^)  Cod.  dipl.  Prossiae.  I,  pag.  45,  167,  60. 
^  Boczek,  Cod.  dipl.  Mor.  I,  118. 
'}  Siehe  oben,  S.  o6. 


74  ^^'  Fnmz  Heilsberg. 

nach  einem  solchen  Vertrag  sich  annähert.  Es  ist  dies  der  Bericht 
über  das  Übereinkommen,  das  c.  1150  zwischen  dem  Stifte  Zwetd 
and  Pilgrim  von  Kaenring  zustande  kam.  Inhalt  und  Form  dieser 
Aufzeichnung  zeigen  uns  aber  aufs  deutlichste  den  Unterschied 
gegenüber  der  norddeutschen  Kolonisation  und  zugleich  die  Sii^- 
larität  dieser  Erscheinung  für  unser  Gtebiet.  Der  Bericht,  in  dem 
es  sich  um  das  heutige  Dorf  Ober-Strahlbach  handelt,  lautet:  venit 
ad  nos  (Abt  Hermann  von  Zwettl)  dominus  Pilgrimus  consulens 
nobis,  ne  silvam  nostram  negligeremus  sed  excoleremus,  quod  ex 
magna  parte  iam  ceciderat.  Cui  respondimus  nee  facultatem  habere 
nee  homines,  qui  id  facerent,  congregare  posse.  lUe  autem  se  ob- 
tulit  dicens,  id  se  facturum,  si  ei  permitteremus  locum.  Kobis  autem 
renuentibus  et  dicentibus,  quia  si  excoleret  ipse  locum  non  nobis 
redderet,  sed  omnino  alienaret,  tunc  omnino  promisit  se  id  non 
facere,  sed  causa  anime  sue  volle  excolere  et  post  mortem  suam 
nobis  reddere.  Quibus  bonis  promissionibus  eius  consensimus  et 
permisimus  ei  locum  ad  excolendum.  Unverkennbar  müssen  wir  diesen 
Bericht  seinem  Inhalt  nach  den  Lokationsverträgen  völlig  an  die  Seite 
stellen.  Auch  im  Norden  gibt  es  eine  ganze  Reihe  von  Lokations- 
Verträgen,  durch  die  der  Unternehmer  der  Kolonisation  zum  Grund- 
herrn des  neu  zu  besiedelnden  Gebietes  wird.^)  Auch  daß  das  Geschäft 
sich  seiner  Rechtsform  nach  als  Prekarie- Vertrag  darstellt,  und  zwar 
als  precaria  data,  die  als  Entgelt  für  die  Durchführung  des  Ansiede- 
lungsgeschäftes gewährt  wird,  findet  seine  Parallelen  in  der  norddeut- 
schen Kolonisation,  wenn  auch  solche  Verträge  dort  nur  eine  Aus- 
nahme bilden.^)  Die  Unterschiede  liegen  zunächst  auf  formalem 
Gebiete.  Der  Satz,  der  den  ursprünglichen  Bericht  abschließt:  hec 
autem  omnia  ego  H.  abbas  diligenti  et  simplici  narratione  volui 
annotari,  ut  in  posterum  nota  futuris  essent,  zeigt  uns,  daß  wir  es 
mit    einer    formlosen    Aufzeichnung    nach    vollzogener    Handlung, 

1)  Fontes,  m,  47. 

^)  S.  Kötzschke,  Daa  Unternehmertum  in  der  ostdeutschen  Kolonisation  des 
Mittelalters.  S.  32  f. 

^)  Z.  B. :  Die  Annalen  des  Domkapitels  su  Kolberg  berichten  sum  Jahre  1306: 
£rbot  sich  L.  G.,  ein  Ritter,  daß  er  das  verwüstete  Dorf  C.  wieder  mit  Leuten 
besetzen  und  die  Ländereien  vOllig  urbar  auf  seine  Kosten  machen  wollte.  Pa- 
gegen er  sich  auf  Lebenszeit  den  halben  Zehent  ausbedinge.  Nach  seinem 
Tode  falle  alles  ans  Kapitel  zurttck,  außer  daß  zwei  Hufen  dem  Schulzen 
freibleiben  sollten.  Dies  alles  akzeptierte  das  Kapitel  und  wurde  darttber  ein 
förmlicher  Kontrakt  errichtet.  Kötzschke,  1.  c.  S.  Hl  f. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  75 

einer  notitia,  zu  tun  haben,  während  die  Lokationsverträge,  wie 
sie  uns  für  den  Norden  in  fortlaufender  Reihe  seit  der  Bremer 
Urkunde  von  1106  überliefert  sind,  in  der  Form  vollgültiger,  an 
sich  beweiskräftiger  Urkunden  abgeschlossen  werden.  Abgesehen 
davon,  daß  die  Rechtsstellung  der  Kolonisten  in  diesem  Bericht 
nicht  berührt  wird,  fehlt  auch  jede  Andeutung  über  die  Begründung 
eines  Erbschulzenamtes,  die  doch  bei  den  Lokationen  im  Norden 
die  Regel  bildet.  Vor  allem  aber  geht  das  Stift  so  ungern  und 
halb  gezwungen  auf  die  Sache  ein,  steht  ihr  mit  solchem  Miß- 
trauen gegenüber,  daß  man  sieht,  daß  man  es  hier  mit  einer  neuen, 
singulären  Erscheinung  zu  tun  hat,  die  sich  später  auch  nicht  mehr 
wiederholt.  So  wie  wir  bei  der  Besprechung  der  Kolonisation  des 
Viertels  unterm  Manhartsberg  zu  der  Annahme  gelangten,  daß  ihre 
Übereinstimmung  mit  den  Kolonisationsanlagen  des  Nordens  auf 
die  Gleichheit  der  sachlichen  Voraussetzungen  und  nicht  auf  Be- 
einflussung von  Norden  her  zurückzuführen  sei,  so  werden  wir 
anch  für  das  Waldviertel  annehmen,  daß  hier  der  Gang  der 
Kolonisation  selbst  zu  ähnlichen  Formen  hindrängte,  wie  sie  im 
Norden  bestanden,  und  daß  uns  ein  Ansatz  zur  Ausbildung  der- 
selben in  unserem  Berichte  vorliegt. 

So  wenig  unser  Bericht  die  Rechte  der  Kolonisten  berührt, 
30  wenig  wissen  wir  auch  sonst  von  einer  vertragsmäßigen  Rege- 
lang  derselben.  Die  Lage  des  Bauernstandes  wird  uns  in  den 
Traditionsbüchem  der  österreichischen  Klöster  ebenso  wie  in  denen 
des  bayrischen  Mutterlandes  durch  den  massenhaften  Übertritt  von 
Hörigen  und  Freien  in  den  Stand  der  Censualen  gekennzeichnet. 
Wenn  uns  für  das  Waldviertel  dieser  Vorgang  nur  vereinzelt^) 
überliefert  ist,  so  haben  wir  daraus  nicht  zu  schließen,  daß  eine 
neae  Art  der  Kolonisation  diesen  Umschwung  herbeigeführt  hat, 
sondern  der  Umstand,  daß  diese  Standesverschiebung  auch  sonst 
ihr  Ende  erreicht,  vielleicht  auch  nur  der  Mangel  an  Traditions- 
bQchern  in  den  Klöstern  des  Waldviertels  finden  darin  ihren  Aus- 
draek.  Die  Tatsache,  daß  das  bäuerliche  Besitzrecht  durch  die 
Übertragung  in  dieses  Kolonialland  keine  einheitliche  Abänderung 
erfuhr,  zeigt  sich  schon  darin,  daß  es  an  einer  technischen  Be- 
zeichnung für  dieses  normale  Besitzrecht  fehlt.  Nur  wo  es  mit 
einem  anderen  Besitzrecht  bestinmiter  Art  in  Gegensatz  zu  bringen 

^)   Die   letzten    Freilatsangen   von    Censualen   im    Weitraer   Gebiet    1287. 
Kootes,  m,  213.  Nappersdorf  und  Hatlau  1285.  Ebenda,  S.  247. 


76  I>r.  Franz  Heilsberg. 

ist,  da  wird  es  als  behaustes  Gut^)  oder  als  Gut,  das  mit  einem 
Holden  besetzt  und  zinsbar  sein  soIP),  unterschieden,  sonst  ist  nur 
eine  negative  Bestimmung  desselben  möglich.  Diese  aber  beruht 
darauf,  daß  wir  es  nicht  mit  einem  yertragsmäflig  festgestellten 
bäuerlichen  Besitzrecht,  sondern  mit  gmndherrlichem  Eigen  zu  tan 
haben,  an  dem  sich  gewisse  Nutzungsansprttche  der  Kolonen  nur 
gewohnheitsrechtlich  herausgebildet  haben.  Die  Beurkundung  der 
Rechte  des  Klosters  Walderbach  zu  Gottsdorf  und  Metzling^) 
scheint  auch  für  das  innere  Waldviertel  zuzutrefTen.  Dabei  erscheint 
die  potestas  instituendi  et  destituendi^),  das  Recht  des  Stiftens 
und  Störens^)  als  das  Wesentliche  an  der  grundherrlichen  Gewalt 
über  das  untertänige  Gut  in  solchem  Maße,  daß  mit  dem  Fort- 
bestande dieses  Rechtes  allein  auch  das  grundherrliche  Verhältnis 
fortbesteht,  selbst  wenn  der  Zinsbezug  an  einen  Dritten  übertragen 
wird.®)  Dieses  Recht  Stiftens  und  Störens  bedeutet  aber  nichts 
anderes,  als  daß  mit  jedem  Aufgeben  des  untertänigen  Besitzes 
durch  den  Grundholden,  sei  es  durch  Tod,  Verkauf  etc.,  das  volle 
grundherrliche  Eigentum  wieder  auflebt.  Der  Käufer  oder  der  ge- 
setzliche Erbe  werden  nicht  durch  den  Kauf  oder  durch  den  Todes- 
fall ipso  facto  rechtmäßige  Besitzer,  sondern  nur  durch  Verleihung 
und  Besitzeinsetzung  von  Seiten  des  Grundherrn,  der  beim  Kauf 
die  Auflassung  des  Gutes  durch  den  Verkäufer  an  den  Grund- 
herrn vorangehen  muß.^)  Demgegenüber  kann  in  unserem  Gebiet 
Erbrecht  an  Bauemland  nur  vertragsmäßig  für  jeden  einzelnen 
Fall  b^ründet  werden,  und  zwar  erfolgt  hier  diese  Umgestaltung 
durch  Übertragung  städtischer  Leiheformen,  vor  allem  des  Burg- 
rechtes auf  ländlichen  Besitz. 

Noch  klarer  werden  wir  wohl  den  Charakter  unserer  Koloni- 
sation herauszuarbeiten  imstande  sein,  wenn  wir  ein  ganz  spezielles. 
ähnlich  geartetes  Gebiet  zum  Vergleiche  heranzuziehen  imstande 
sind.     Ein  solches  bietet  sich  uns  nun  in  Obersachsen,  dem  Lande 

^)  Winter,  NiederOsterreichische  Weistttmer.  Bd.  II,  S.  832,  Z.  27 
(Zwettl). 

')  Archiv  für  österreichische  Geschichte.  I,  S.  62. 

')  Siehe  oben,  S.  58. 

')  Fontes,  XXI,  6ö  and  sonst  hänüg. 

^)  Ebenda,  196,  222,  288;  WeistUmer.  8.  1015,  18;  1039,  34;  1047,  1. 

«)  Fontes,  XXI,  332. 

^  WeistOmer.  Bd.  II,  247,  35;  745,  20;  872,  22;  987,  9;  994,  10.  Vgl. 
dasn  Dop  seh.  Urbare.  Einleitung,  8.  142  f. 


Geiehichte  der  KoloniMtion  dei  WaldTiertels.  77 

zwischen  Saale  and  Elbe,  das  um  diese  Zeit  fast  vollständige 
Gleichheit  mit  dem  Wald  viertel  aufzuweisen  beginnt.^)  Die  militä- 
rische und  politische  Organisation  dieses  Gebietes  ist  unter  den 
s&chsischen  Kaisem  vollendet  worden.  Fern  von  den  Grenzkämpfen 
gegen  die  Slawen  setzt  hier  mit  dem  Ende  des  XI.  Jahrhunderts 
eine  friedliche  Kolonisation  ein,  die  namentlich  die  ausgedehnten 
Waldmassen,  die  zwischen  den  slawischen  Siedelungen  bestehen, 
and  den  Abhang  des  Erzgebirges,  einen  Teil  des  böhmischen 
Grenzwaldes,  in  Angriff  nimmt.  Den  Beginn  dieser  Kolonisation 
können  wir  mit  Hilfe  der  Pegauer  Annalen  genau  verfolgen.^) 
Diese  berichten  ad  a«  1104:  Dominus  Wigbertus  (Wiprecht  von 
Groitzsch)  novale  quoddam  in  Merseburgiensi  dioecesi  fecit  exarari 
partesque  Franconiae  adiens,  ubi  dominam  Sigenam,  matrem  eins, 
im  Legenfelt  fuisse  maritatam  nos  ante  retulisse  meminimus,  plurimos 
eiasdem  provinciae  colonos  inde  transtulit,  qnos  praefatum  pagum 
Silva  funditus  extirpata  praecipit  incolere  et  hereditario  iure  deinceps 
possidere;  ac  ut  ridiculosum  quiddam  inseramus,  quemlibet  illorum 
cum  familiolae  suae  contubemio  villam  vel  possessionem  proprio 
labore  conditam  et  iam  ex  suo  nomine  nuncupare.  Die  Dörfer,  die 
dieser  Kolonisation  ihre  Entstehung  verdanken,  heißen:  Dittmanns- 
dorf,  Heinersdorf,  Reichersdorf,  Nenkersdorf,  Hartmannsdorf,  ihre 
Flaren  sind  in  Gewanne  aufgeteilt. 

Schon  dieser  Bericht  zeigt  uns  auffallende  Übereinstimmungen 
mit  der  Kolonisation  des  Waldviertels,  die  durch  Heranziehung  des 
übrigen  Materials  noch  vermehrt  werden.  Die  adeligen  Grund- 
herren sind  die  Organisatoren  der  Kolonisation,  von  ihnen  geht  die 
Rodmig  aus;  mit  welcher  Energie  sie  diese  durchzuführen  suchten, 
erhellt  ftlr  Obersachsen  aus  den  uns  noch  vorliegenden  Beweisen 
eines  heftigen  Widerstandes  der  Landesfttrsten  gegen  diese  rasch 
vordringende  Kolonisation.^)  Hier  wie  im  Waldviertel  führt  diese 
Entwicklung  für  große  Gebiete  schließlich  dahin,  daß  in  jedem 
Dorf  ein  Rittergeschlecht  ansässig  ist,  das  sich  nach  dem  Dorfe 
nennt.  Dabei  bleiben  aber  diese  Ritter  und  Ministerialen  immer 
(.Ttnindherren,    nie    werden    sie    zu    eigentlichen    Lokatoren,    kein 


')  Siehe  namentlich  £.  0.  Schulze,  Kolonisierung  und  Germanifierung 
der  Gebiete  zwischen  Saale  und  Elbe. 

^)  M.  6.  SS.  XVI,  pag.  247;  dazu  Meitzen,  Bd.  II,  S.  441  f. 

')  Vgl.  die  Mandate  des  Landgrafen  Ludwig  II.  von  Thüringen  gegen 
solche  Rodungen  (c.  1150)  bei  Meitzeu,  11,  466. 


78  ^f*  Franz  Heilaberg. 

Lokationsvertrag  ist  uns  für  das  ganze  Gebiet  fränkischer  Koloni- 
sation in  Sachsen  erhalten.  Diese  Übereinstimmung  erstreckt  sich 
dann  auch  noch  auf  die  Anlage  der  Siedelungen  zum  Teil,  indem 
namentlich  die  Dörfer  der  Ebene  um  Leipzig  den  Typus  des 
slawischen  Straßendorfes  zeigen  und  von  ähnlich  regelmäßigen 
Gewannfiuren  umgeben  sind,  wie  die  des  Waldviertels  und  des 
östlichen  Niederösterreich.  Auch  in  der  Ortsnamengebung  zeigt  es 
sich,  daß  in  beiden  Fällen  eine  von  der  sonst  in  dem  betreffenden 
Eolonisationslande  üblichen  abweichende  Form,  die  nur  die  Per- 
sonennamen (wenn  auch  in  verschiedener  Weise)  verwendet,  nicht 
allmählich  sich  herausbildet,  sondern  mit  einem  Schlage  von  außen 
her  übertragen  wird. 

Um  so  auffälliger  sind  bei  dieser  weitgehenden  Übereinstim- 
mung die  Unterschiede  der  beiden  Kolonisationsgebiete.  Schon  der 
Bericht  der  Pegauer  Annalen  hebt  die  besondere  Rechtslage  der 
fränkischen  Kolonisten,  ihr  Erbrecht,  hervor,  und  trotzdem  jeder 
Lokationsvertrag  fehlt,  erscheint  doch  stets  das  Recht  der  Kolonisten 
als  ein  besonderes,  nicht  mit  der  allgemeinen  Rechtslage  der  slawi- 
schen Bauern  übereinstimmendes;  wenn  es  auch  nirgends  im  einzelnen 
präzisiert  wird,  so  wird  es  doch  wenigstens  im  allgemeinen  als  das 
hereditarium  ins  Francorum  bezeichnet.^)  Femer  erscheint  die  6e- 
watinanlage  der  Kolonien  des  Wiprecht  von  Groitzsch  keineswegs 
als  die  für  die  fränkische  Kolonisation  charakteristische;  es  ist 
vielmehr  die  Waldhufe,  die  bei  dieser  so  sehr  vorherrscht,  dal^ 
schließlich  in  Sachsen  wie  in  Schlesien  die  fränkische  Hufe  durchaus 
mit  der  Waldhufe  gleichgesetzt  wird.  Schließlich  ergibt  sich  aber 
auch  ein  Unterschied  in  der  Namengebuug  insofern,  als  es  im 
Waldviertel  vor  allem  die  Namen  der  grundherrlichen  Geschlechter, 
in  den  Kolonien  des  Wiprecht  von  Groitzsch  die  Namen  der 
bäuerlichen  Kolonisten  selbst  sind,  die  in  den  Ortsnamen  wieder 
erscheinen. 

Da  scheint  sich  nun  allerdings  der  äußerste  nordwestliche 
Winkel  des  Waldviertels,  das  Litschauer  Gebiet,  zum  Vergleiche 
anzubieten,  das  überhaupt  so  eigenartige  Verhältnisse  aufweist,  daü 
wir  es  nun  noch  gesondert  für  sich  betrachten  müssen.  Die  Koloni- 
sation dieses  Gebietes  scheint  von  den  Grundherren,  den  Grafen 
von  Hirschberg,  für  das  ganze  Gebiet  einheitlich  ohne  Heran- 
ziehung der  Ministerialen  durchgeführt  worden    zu    sein.     Es   fehlt 

>)  Ebenda.  S.  443. 


Geschiebte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  79 

hier  die  große  Zahl  von  RittergeschlechterD,  die  für  alle  anderen 
Teile  des  Waldviertels  bereits  im  XIII.  Jahrhundert  bezeugt  ist. 
Wenn  wir  hier  trotzdem  eine  so  große  Zahl  genetivischer  Orts- 
namen finden,  so  werden  wir  die  Kolonien  des  Wiprecht  von 
Groitzseh  ganz  speziell  zur  Erklärung  heranziehen  können,  wo 
auch  die  Namengebung  nach  den  kolonisierenden  Bauern  und  nicht 
naeh  Rittergeschlechtern  erfolgt.  Damit  dürfen  wir  dann  wohl  auch 
die  für  das  Waldviertel  durchaus  singulä,re  Erscheinung  in  Zu- 
sammenhang bringen,  daß  gerade  nur  im  Litschauer  Gebiet  im 
Urbar  von  1369  jedes  Dorf  ein  eigenes  Amtmannslehen  aufweist.  0 
Ursprünglich  dürfte  wohl  dieses  Lehen  überall  Abgabenfreiheit  ge- 
nossen haben,  da  sonst  die  gesonderte  Anführung  derselben  in 
einem  Urbar  nicht  zu  verstehen  wäre.  Zur  Zeit  der  Abfassung  des 
Urbars  besteht  diese  Vergünstigung  allerdings  nur  mehr  in  einem 
Orte  fort.  2) 

Die  Bauern  des  Litschauer  Gebietes  sind  femer  mit  einem 
sehr  geringen  Zins  belastet^)  und  scheiden  sich  schon  dadurch 
scharf  von  den  Kolonisten  der  übrigen  Waldviertels.  Für  die  Be- 
sitzer, die  Grafen  von  Hirschberg,  war  eben  Litschau  ein  gänzlich 
abgelegenes,  schwer  zu  nutzendes  Gebiet;  war  es  doch  überhaupt 
ein  vergessener  Waldwinkel,  der  nicht  einmal  für  die  Grenzwehr 
in  Betracht  kam,  wie  eben  das  Fehlen  von  Burgen  und  Ritter^ 
geschlechtem  beweist.  Es  liegt  auch  ganz  abseits  von  der  all- 
gemeinen Auswanderungsbewegung,  die  einerseits  gegen  Nordosten, 
anderseits  donauabwärts  nach  Ungarn  führt.  Aus  diesen  Umständen 
ist  die  Eigenart  dieser  Kolonisation  zu  verstehen.  Der  Grundherr 
mnß  den  Ansiedlem  besonders  günstige  Bedingungen  gewähren, 
um  sie  überhaupt  zu  gewinnen,  und  er  kann  es  tun,  weil  ja  dieses 
Gebiet  für  ihn  zunächst  gänzlich  wertlos,  auch  der  geringste  Nutzen, 


1)  Notizenblatt.  III,  S.  2d5ff. 

')  Im  Gegensätze  dazu  hat  z.  B.  nach  dem  Z wettler  Urbar  der  Amtmann 
Dar  bestimmte  Grundstücke  frei  and  sonst  einige  Zinsnachlässe,  wobei  die  Zins- 
pflicht im  übrigen  ansdrücklich  betont  nnd  hinzugefügt  wird:  hec  relazantnr  ei 
ad  aibitriom  abbatis  (Fontes,  III,  499),  oder  es  heißt  überhaupt  nur:  quicquid  ei 
abbas  et  cellerarius  roluerint  de  servicio  relaxare  (Ebenda,  S.  501). 

^  In  drei  Dörfern  dient  das  Lehen  je  ISO*,  in  sieben  je  156*,  daneben 
kommen  Dienste  ron  10,  20  und  30^  vor,  gegen  Osten  steigen  sie  auf  3  und 
4ß.  In  Pommersdorf  dient  das  Lehen  zu  6  Metzen  Korn  und  Hafer,  während 
nach  dem  landesfürstlichen  Urbar  je  1  Mut  (=  30  Metzen)  ein  gewöhnlicher 
Dienst  ist. 


80  ^r.  Frans  HeOtberg. 

den  er  davon  zieht,  reiner  Gewinn  ist.  Um  so  charakteristischer 
ist  es,  daß  trotzdem  die  rechtliche  Lage  der  Kolonisten  keine  nr- 
knndliche  Fixiemng  and  dem  übrigen  Waldviertel  gegenüber  keine 
rechtliche  Änderung  erfährt. 

Damit  hängt  es  dann  wohl  auch  zusammen,  daß  die  Besiede- 
lung  dieses  Gebietes  so  spät,  sicher  nicht  vor  Ende  des  XII.  Jahr- 
hunderts erfolgt.  Damit  ist  aber  auch  die  Möglichkeit  gegeben,  daß 
in  der  ganzen  Art  der  Kolonisation  sich  Beziehungen  zu  dem  be- 
nachbarten Böhmen  herstellen,  das  ja  auch  im  Laufe  des  XIII.  Jahr- 
hunderts seine  deutsche  Bevölkerung  erhält.  Hat  sich  wahrschein- 
lich, wie  wir  aus  der  Art  der  Ortsnamengebung  schließen  dürfen, 
die  Kolonisation  von  Litschau  nordwärts  in  das  Gebiet  von  Neu- 
haus und  Landstein  ausgebreitet^),  so  weisen  die  Namen  auf -achlag 
auf  den  westwärts  anschließenden  Teil  von  Böhmen  bis  an  die 
Moldau  und  auf  das  Mühlviertel  hin,  und  damit  stimmt  es  überein, 
daß  im  Westen  von  Litschau  an  der  Landesgrenze  ein  schmaler 
Streifen  von  Waldhufendörfern^)  aus  dem  benachbarten  Böhmen  in 
das  Waldviertel  hineinragt.  Suchen  wir  nun,  auf  diese  Beziehungen 
gestützt,  die  rechtliche  Lage  der  Kolonisten  des  südlichen  Böhmens 
zur  Beleuchtung  der  Verhältnisse  des  Waldviertels  heranzuziehen, 
so  sehen  wir,  daß  auch  hier  die  Lokationsverträge  des  Nordens 
fehlen,  daß  Elrbrecht  an  bäuerlichem  Besitz  zumindest  nicht  die 
Regel,  sondern  die  Ausnahme  bildet,  so  daß  erst  seit  der  zweiten 
Hälfte  des  XIV.  Jahrhunderts  das  Heimfallsrecht  der  Grundherr- 
schaft an  den  Gütern  der  Untertcmen  durch  besondere  Privilegien 
aufgehoben,  diesen  Erbrecht  an  ihren  Gütern  zugestanden  wird.*') 
Auch  hier  finden  wir  demnach  nichts,  wasüber  den  grundherrlichen 
Typus  der  Kolonisation  hinausweist,  wie  wir  ihn  im  Waldviertel 
kennen  gelernt  haben. 

Suchen  wir  also  der  Kolonisation  des  Waldviertels  endgültig 
ihren  Platz  in  der  deutschen  Kolonisation  des  Mittelalters  anzu- 
weisen, so  sehen  wir,  daß  wir  dem  Waldviertel  eine  Mittelstellung 
einzuräumen  haben  zwischen  den  Gebieten,  in  denen  die  Kolonisation 


^)  Siehe  oben,  S.  17. 

-)  Zuggen,  Schönan,  Schlag,  Klein-Radischen,  Reichenbach,  WiUings, 
Griesbach,  Illmans,  Reingen,  Hirschenschlag,  Eberweis. 

')  Schmidt,  Beiträge  Eur  Agrar- und  Kolonisationsgeschichte  der  Deatschen 
in  Böhmen.  In:  Mitteilungen  des  Vereines  für  Geschichte  der  Deatschen  in 
Böhmen.  Bd.  XXXV  und  XXXVI. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  gl 

aosgesprochea  militärischen  Charakter  trug  (östliches  Niederösterreich, 
Brandenburg,  Neamark,  preußisches  Ordensland),  und  denen,  wo  sie 
zanächst  nur  eine  wirtschaftliche  Expansionsbewegung  war  (Mühl- 
Tiertel),  wir  sehen  femer,  wie  wir  gerade  im  Wald  viertel  den  Übergang 
vom  bloß  grundherrlichen  Ausbau  zur  Anlegung  von  Kolonistendörfern 
im  Bauplan  der  Ortschaften  und  der  Anlage  ihrer  Feldfiuren  deut- 
lich vor  Augen  haben,  daß  es  aber  zu  einer  Verselbständigung  der 
Masse  der  Kolonisten  gegenüber  den  kolonisierenden  Grundherren, 
wie  sie  in  den  Lokationsverträgen  Norddeutschlands,  in  der  vertrags- 
mäßigen Regelung  der  Rechtslage  der  Kolonisten,  der  generellen 
Gewährung  von  Erbrecht  am  Bauerngut,  der  Stellung  des  Lokators 
ihren  Ausdruck  findet,  hier  nicht  gekommen  ist.  Wir  sahen  dann, 
wie  die  von  Franken  ausgehende  Kolonisation  Obersachsens  in  allen 
diesen  Beziehungen  spezielle  Ähnlichkeiten  mit  unserem  Gebiete 
aufweist,  daß  auch  hier  den  Grundherren,  Rittern  und  Ministerialen 
ein  bis  ins  einzelne  gehender  Anteil  an  der  Organisierung  der 
Kolonisation  zukommt,  daß  aber  nichtsdestoweniger  Sachsen  durch 
die  allgemeine  Rechtslage  der  fränkischen  Kolonisten  (Erbrecht)  der 
Kolonisation  östlich  der  Elbe  um  einen  Schritt  näher  gekommen  ist. 

Diese  Ähnlichkeit  zwischen  Obersachsen  und  dem  Waldviertel 
letrt  uns  aber  nun  auch  die  Frage  nach  der  Abstammung  der 
Kolonisten  des  Waldviertels  nahe,  ob  etwa  die  überraschenden 
Parallelen  dieser  beiden  Siedelungen  und  damit  überhaupt  die  Eigen- 
tümlichkeiten der  Besiedelung  des  Waldviertels  in  der  fränkischen 
Abstammung  der  Kolonisten  ihre  Erklärung  finden. 

Anfangs  wurde  eine  rein  bajuvarische  Einwanderung  als  selbst- 
verständlich angenommen,  bis  zuerst  Dachler  aus  der  weiten  Ver-  ' 
breitung  der  fränkischen  Hausform  auf  einen  Anteil  des  fränkischen 
Stammes  an  der  Kolonisation  der  Ostmark  schließen  zu  müssen 
glaubte.')  Ihm  gegenüber  hat  dann  Grund  nachgewiesen,  daß  das 
tränkische  Haus  seinen  Namen  mit  Unrecht  führt,  daß  es  auch  in 
rein  bajuvarischen  Gebieten  vorkommt,  daß  man  also  aus  seiner 
Verbreitung  überhaupt  keinen  Schluß  auf  die  Stammesart  ziehen 
kann,  dagegen  schließt  er  aas  der  ganzen  Art  der  Kolonisation  darauf, 
daß  hier  ein  Einschlag  nichtbajuvarischer,  also  am  ehesten  doch 
fränkischer  Bevölkerung  vorhanden  sein  müsse.^)  Dann  hat  wieder 
Dachler  durch  die  Ergebnisse  der  Dialektforschung  seine  Annahme 

')  Blätter  für  Landeskunde.  Bd.  XXVI. 
^  Grund,  Topographie  des  V^Tiener  Beckens.  S.  67. 
Jalirbach  d.  V.  f.  Landeskunde.  1907.  6 


82  I>r*  Franz  Heilsberg. 

ZU  Stutzen  gesucht.  Er  geht  dabei  von  der  Voraussetzung  aus,  daß 
die  Einwanderung  aus  dem  Nordgau,  dem  Gebiete,  das  sich  längs 
des  Böhmerwaldes  von  Begensburg  bis  gegen  Nürnberg  erstreckt, 
erfolgt  sei,  und  daß  die  Bevölkerung  dieses  Gebietes  zum  großen 
Teile  dem  fränkischen  Stamme  angehöre.')  Alles  das  soll  natürlich 
nur  für  die  Ostmark  nördlich  der  Donau  und  östlich  des  Wienerwaldes 
gelten.  Für  das  angrenzende  Mühlviertel  hat  Hackl^)  neben  der 
bajuvarischen  auch  fränkische  Einwanderung  angenommen. 

Infolge  des  grundherrlichen  Charakters  der  Kolonisation  wird 
für  die  Frage  nach  der  Abstammung  der  Kolonisten  die  der  Grund- 
herren von  wesentlicher  Bedeutung  sein.^)  Finden  wir  also  im 
Süden  des  Waldviertels  die  rein  bayrischen  Geschlechter  vou  Teng- 
lingen  (am  Waginger  See),  die  Grafen  von  Radelberg,  unzweifelhaft 
bayrische  Klöster  und  Bistümer  begütert,  zum  Teil  aus  dem  sicher 
bajuvarischen  Viertel  ober  dem  Wienerwald  vordringend,  so  kann 
man  an  der  bajuvarischen  Abstammung  der  Kolonisten  nicht  wohl 
zweifeln.  Dasselbe  gilt  auch  für  den  Besitz  der  in  der  Nähe  von 
Regensburg  (zu  Stefling  und  Bogen),  also  in  noch  unzweifelhaft 
bajuvarischera  Gebiete  ansässigen  Burggrafen  und  Domvögte  von 
Regensburg.^)  An  der  Ostgrenze  des  Waldviertels  haben  sich  dann 
die  aus  der  südlichen  Oberpfalz  stammenden  Geschlechter  von 
Schwarzburg-Nestach  und  Falkenberg  angesiedelt.  Auch  die  an 
der  mährischen  Grenze  vorkommenden  Namen  Drosendorf,  Retz. 
Hardegg  finden  sich  an  der  bayrisch-böhmischen  Grenze  bei  Cham 
wieder.*)  Hier  kann  allerdings  ein  stärkerer  Einschlag  fränkischer 
Bevölkerung  angenommen  werden.  Aber  die  Auswanderung  in 
die  Ostmark  kann  doch  nur  sehr  gering  gewesen  sein,  da  dieses 
Gebiet  selbst  erst  seit  dem  zehnten  und  elften  Jahrhundert  stärker 
besiedelt  wurde.^)  Die  Grafen  von  Hirschberg  sind  zwar  auf  frän- 
kischem Gebiet  in  der  Umgebung  von  Eichstädt,  aber  ebenso  auf 
rein  bayrischem  Gebiet  um  Freising  begütert.")  Dagegen  weisen  die 


1)  Zeitschrift  für  österreichische  Volkskunde.    lid.  VIII. 
')  ForschuDi^en  zur  Landes-  und  Volkskunde.  Bd.  XIV,  S.  4H. 
^)  Siehe  den  Bericht  der  Pegauer  Annalen. 

*)  Archiv    für    österreichißche    Göschichte.    Bd.  XII,  S.  2.")1,  und   Riezler 
Geschichte  Bayern».  Bd.  I,  Anhang. 

•')  Blätter  fiir  Landeskunde.  Bd    XIX,  S.  :U>i>,  und  Bd.  XII,  S.  59. 
^)  Moitzen,  1.  c.  II,  f?.  417  f. 
')  Kiezler.  1.  c.  S.  877. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  g3 

Grafen   von   Raabs,   als   Burggrafen  von   Nürnberg,  auf   fast   rein 
fränkische  Gebiete  bin. 

Mit  großer  Sicherheit   ist  aber   fränkische  Einwanderung  erst 
seit  dem  Eingreifen   der  Markgrafen   in   die  Kolonisation   zu   kon- 
statieren. Unser  Beweis  stützt  sich  dabei  auf  Ortsnamen  und  Besitz- 
Verhältnisse.    Vom  Algäu  abgesehen,   finden   sich  die  genetivischen 
Ortsnamen  unseres  Gebietes  in  größerer  Zahl  nur  in  der  Umgebung 
von  Fulda.  Fulda  kann  als  der  Mittelpunkt  angesehen  werden,  von 
dem  aus  sie,  immer  spärlicher  werdend,  nach  allen  Richtungen  hin 
aasstrahlen.  Doch  umfassen  sie  weder  bedeutendere  Siedelungen  in 
größerer  Zahl,  noch  sind   sie  so  zahlreich,   daß  sie  der  Ortsnamen- 
gebung  vorwiegend  ihren  Charakter  aufprägen.  Schon  das  muß  uns 
darauf  führen,    daß   wir  es    hier   mit   einer  späten  Bildung  zu  tun 
haben,  was  sich  denn  auch  anderweitig  bestätigt  findet.')    Von  den 
in  den  Fnldaer  Traditionen  genannten  genetivischen  Ortsnamen  gehören 
nur  zwei  dem    neunten  Jahrhundert   an,    den    vier  darauffolgenden 
dagegen  je  zwölf,  fünf,  sechs  und  zwei.  Der  grundherrliche  Charakter 
dieser  Siedelungen,  der  sich  allein  schon  aus  dem  Namen  erschließen 
ließe,  ist  uns  auch  überall  dort  bezeugt,  wo  die  so  benannten  Orte 
nfther  bezeichnet  werden.^)  Wir  haben  es  nicht  mit  Dörfern  sondern 
mit  ursprünglichen  Bifang-Rodungen  zu  tun.  Beides  aber,  der  grund- 
herrUche  Charakter  der  Siedelung    und  das  Fehlen  der  Dorfanlage 
ist  auch  für  das  Gebiet  an  der  oberen  Krems  charakteristisch,  wo 
wir  die  genetivischen  Ortsnamen  zuerst  im  Waldviertel  finden.  Wir 
haben  uns  auch   zu  der  Annahme  gezwungen  gesehen^),   daß  diese 
Ortsnamen  nicht  wie  in  der  Umgebung   von  Fulda  sich  allmählich 
hpraosgebildet  haben,    sondern   daß    wir  es  mit  einem  vom  Anfang 
an  fixierten  Gebrauch    zu   tun   haben,   der   also   nur  von  außenher 
durch  Einwanderung  hieher   übertragen    sein    kann.     Dazu   kommt 
dann   noch,    daß    uns   im    Gebiete   um    Fulda    für    das  XII.  Jahr- 
huudert  eine  Übervölkerung  bezeugt  ist,  die  zur  Auswanderung  ge- 
neigt machen  mußte.*)    Untersuchen  wir  dann   die  Ortsnamen  nach 
den  bei  ihrer  Bildung   verwendeten  Personennamen,   so   finden  wir 


')  Siehe  aach  Arnold,  Ansiedelungen  and  Wanderangen  etc. 

^)  Dronke,  cod.  trad.  Fuld.  Nr.  694:  Liannand  tradidit  prediam  Buam  in 
löco  qai  dicitur  ad  Liunnandes,  Nr.  269:  ipsam  capturam  nominamus  Engiiricbes, 
Nr.  757:  Folcboldes  and  daneben  Folcholdesbivanc,    Nr.  663:  captura  Hiltiriches. 

^)  Siebe  oben,  S. 

*)  Lamprecht,  Wirtschaftsleben.  I/l,  S.  164. 

6* 


84  ^'  ^tkhz  Ueilaberg. 

allerdings,  daß  hier  mit  einer  einzigen  Ausnahme  (Motten)  kei 
Übereinstimmung  aufzufinden  ist,  und  auch  sonst  zeigen  die  in  d 
Ortsnamen  des  Waldviertels  vorkommenden  Personennamen  ke 
speziell  fränkisches  Gepräge,  wir  finden  sie  in  ganz  gleicher  Weii 
in  den  Zeu^enreihen  der  Traditionen  bayrischer  Klöster  wie  in  den 
von  Falda  wieder.  In  dieser  Beziehung  können  wir  also  keinen  lückenl 
geschlossenen  Beweis  für  die  Beziehungen  zwischen  dem  Waldviert 
und  dem  fränkisch-hessischen  Gebiet  erbringen;  auch  ein  ander 
für  das  Waldviertel  charakteristischer  Ortsname,  Nondorf  (=  Neii^ 
dorf ),  führt  uns  hier  nicht  weiter,  weil  er  eben  nur  hier  im  WaM 
viertel  vorkommt. 

Gehen  wir  nun  zu  den  Besitzverhältnissen  über,  so  finden  wir 
in  Franken  südöstlich  an  das  Gebiet  der  genetivischen  Ortsnamei^ 
anschließend  das  Gebiet  alten  babcnbergischen  Hausbesitzes  uml 
Schweinfurt  und  Würzburg. ^)  Noch  viel  auffälliger  erscheint  eal 
aber,  daß  gerade  von  jenem  Waldo,  der  neben  dem  Markgrafen' 
als  Besitzer  des  Gebietes  an  der  Krems  erscheint.  Verwandtschaft- 
liehe  Beziehungen  zu  Franken  ausdrücklich  bezeugt  sind.^)  Über 
die  Abstammung  der  Ministerialität  freilich,  die  hier  allein  nocii 
einen  Schluß  auf  die  Bevölkerung  überhaupt  gestatten  würde,  die 
sogar  in  dieser  Beziehung  ausschlaggebend  wäre,  läßt  sich  urkund- 
lich nichts  feststellen.^)  Dabei  können  wir  allerdings  annehmen, 
daß  die  Reichsministeriali  tat  der  fränkischen  Kaiser  ebenso  wie  di«" 
Hausministerialität  der  Babenberger  vor  allem  dem  fränkischen 
Stamme  angehört  haben  wird. 

Trotzdem  also  ein  zwingender  Beweis  auf  keinem  Gebiete  zu 
führen  ist,  so  können  wir  doch  immerhin  eine  Einwanderung  aus 
Unter-Franken  in  das  innere  Waldviertel  mit  großer  Wahrschein- 
lichkeit annehmen.  Allerdings  von  einer  rein  fränkischen  Siedelunir 
dürfen  wir  da  noch  keineswegs  reden.  Wenn  eine  ursprüglich  einem 
bestimmten  Stamme  angehörige  Art  der  Ortsbennung  in  einem  Gebiete 
gebräuchlich  wird,  so  kann  sie  auch  von  Kolonisten  anderer  Stammes- 
zugehörigkeit übernommen  werden.  Zur  Vorsicht  muß  auch  das 
Vorkommen  des  Namens  Frankenreith  im  westlichen  Homer  Becken 
und  südlich  von  Zwettl  mahnen;  ein  solcher  Name  kann  doch  nur 


^)  Stein  in  Forschungen  zur  deutschen  Geschichte.  Bd.  XII. 
-)  VV.  uxorem  ducens  de  partibus  Franconiae.  Meiller,  Regesten. 
^)  Ein  Chono  de  Chunringin    erscheint   als  Zeuge    in  der  Stiftungsurkunde 
von  Alpirsbacb,  also  im  schwäbischen  Gebiet.  (Mon.  Zollerana.  Bd.  I.  Nr.  10.) 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  g5 

zar  Bezeichnung  einer  Siedelung  des  betreffenden  Stammes  in  einer 
andersartigen  Umgebang  dienen.  Daß  die  Einwanderung  aus  den 
benachbarten  bayrischen  Gebieten,  mit  denen  man  immer  noch  in 
(ien  mannigfachsten  Beziehungen  stand,  gänzlich  aufgehört  haben 
sollte,  ist  doch  nicht  anzunehmen.  Wir  werden  immer  nur  von 
«iaem  starken  Einschlag  fränkischer  Bevölkerung  reden  dürfen. 
Dieser  ist  aber  nur  eine  Folgeerscheinung  der  politischen  Entwicke- 
lung,  der  Loslösung  von  Bayern,  die  ein  Werk  des  fränkischen 
Kaiserhauses  wie  des  fränkischen  Markgrafengeschlechtes  ist. 

Versuchen  wir  nun  die  Wirksamkeit  der  kirchlichen  Gewalten, 
ihren  Einfluß  auf  die  Kolonisation  seit  dem  ersten  Eingreifen  des 
Markgrafen  und  seiner  Ministerialen  zusammenzufassen.  Wo  der 
Landesherr  grundherrliche  Rechte  erworben,  da  hat  er  auch  Kirchen 
gegründet,  bei  diesen  ebenso  wie  bei  denen,  die  er  bereits  vorfand, 
Pätronat  und  Zehent  beansprucht  kraft  eigener  grundherrlicher 
Gewalt.  Es  gelang  dem  Bischof,  den  Markgrafen  zum  Verzicht  auf 
diese  Ansprüche  zu  bewegen^),  und  fortan  scheint  der  rechtliche 
Anspruch  des  Bischofs  auf  den  Zehent  nicht  mehr  bestritten  worden 
ZQ  sein.  Praktisch  war  damit  nicht  viel  gewonnen.  Die  Kirchen- 
gründung  wurde  dem  Bistum  doch  durch  die  weltlichen  Grundherren 
ans  der  Hand  gewunden.  Die  Belehnung  des  Gründers  mit  Pätronat 
und  Zehent,  sobald  ein  angemessener  Anteil  daran,  gewöhnlich  ein 
Drittel,  zur  Dotation  der  Pfarre  angewiesen  ist,  kann  nicht  wohl 
verweigert  werden.  So  besitzt  denn  das  Bistum  im  XIV.  Jahrhundert 
im  inneren  Waldviertel  fast  kein  Kirchenpatronat  mehr  ^)  und  große 
Zehentkomplexe  sind  in  der  Hand  des  Landesfürsten  und  einzelner 
hervorragender  Adelsgeschlechter  vereinigt ')»  die  sie  dann  in  kleineren 
StQcken  weiter  verleihen.  Es  scheint  sich  sogar  der  Gebrauch 
herauszubilden,  daß  bei  einer  Dorfgründung  die  nach  Dotierung  der 
Pfarre  verbleibenden  zwei  Drittel  des  Zehents  mit  der  grundherr- 
licben  Gewalt,  dem  ins  fundi,  dem  in  dem  Dorfe  angesetzten  Ritter- 
geschlecht übergeben  werden.^)  So  ganz  ist  die  Verfügung  über  die 
Pfarren  den  weltlichen  Gewalten  anheimgefallen,  daß  sie  vom 
Landesfürsten    zur    Dotierung    seines    Kanzleipersonales,    von    den 

^)  Meiller,  Regeeten.  S.  20,  Nr.  52  =  Mon.  boica.  XX,  Nr.  52. 
^  PfarrreneichniB  Mon.  boica.  XXVIII  b,  489  ff. 
^  Siehe  das  Maißauische  und  die  landeifilrstlichen  LehenbUcher. 
*)  Stiftangiarknnde  von  Langschlag,    die  gewiß  keinen  singulären  Fall  be- 
zeichnet. Mon.  boica.  XXIX  b,  S.  68. 


86  I>r.  Frans  HeiUberg. 

Adelsgeschlechtem  zur  Apanagierung  von  Familienmitgliedern  ver- 
wendet werdend) 

Wir  hatten  bei  der  Darstellung  der  Kolonisation  wieder  wenig 
Veranlassung  der  Klöster  zu  gedenken.  Man  kann  im  allgemeinen 
im  Waldviertel  eine  Abnahme  des  Klosterbesitzes  gegen  Norden 
und  Westen  konstatieren.  Wo  sich  aber  solcher  findet,  beruht  er 
meist  auf  dem  Erwerb  bereits  kolonisierten  Landes.  Die  Stellung 
des  Stiftes  Zwettl  zur  Kolonisation  des  Landes  erscheint  uns  be- 
sonders bedeutsam,  sie  zeigt  uns  auch  wieder  einen  charakteristischen 
Unterschied  unserer  Kolonisation  von  der  des  Nordens.  Die  erste 
Dotation  des  Stiftes  Zwettl  bildet  ein  ziemlich  geschlossener,  nicht 
übermäßig  großer  Gutskomplex,  der  sich  vom  Stifte  aus  weiter 
gegen  Norden  und  Osten  als  gegen  Süden  und  Westen  ausdehnt. 
Für  die  weitere  Entwickelung  dieses  Besitzes  ist  nun  einerseits  die 
Anlage  der  Grangien,  anderseits  der  Fortschritt  der  Kolonisation 
der  Ministerialengeschlechter,  vor  allem  natürlich  der  Stifterfamilie^ 
der  Kuenringe,  maßgebend.  Zunächst  wird  im  Gebiete  der  ersten 
Dotation  eine  Überzahl  von  Grangien,  jedenfalls  auf  Grund  eigener 
Rodung,  angelegt^),  die  sich  auf  so  engem  Räume  nebeneinander 
auf  die  Dauer  gar  nicht  behaupten  können.  Durch  eine  Reihe  von 
Schenkungen,  die  um  1170  erfolgen,  wird  der  Grund  gelegt  zu  den 
Grangien  Neunzen,  Rafing,  Hadersdorf  ^j,  auf  einem  von  den  Kuen- 
ringen  c.  1208  geschenkten  Grunde  erwächst  die  Grangie  Neustift 
bei  Elrems^)  und  schließlich  wird  die  zu  Heubach  im  Anfang  des 
XIII.  Jahrhunderts  von  Lilienfeld  auf  zufällig  wüst  liegendem  Boden 
angelegt^),  um  in  der  zweiten  Hälfte  des  XIII.  Jahrhunderts  an 
Zwettl  überzugehen.  Alle  diese  Grangien  sind  in  bereits  kolonisiertem 
Lande  von  Zwettl  aus  gegen  Süden  und  Osten  angelegt  der  Raum 

*)  Die  Pfarre  Gars  ist  fast  ständig  dem  Kanzler  zugewiesen  (Notizenblatt  V, 
S.  343  ff.),  zur  Pfarre  Weitra  präsentiert  Herzog  Albrecht  1291  seinen  Protonotar 
(Lichnowsky,  Habsburger-Regesten.  II,  Nr.  7),  Ulrich,  Pfarrer  zu  Kirchberg. 
Protonotar  unter  Herzog  Friedrich  IL  (Fontes,  III,  113,  Ilö,  120),  Pilgrim  von 
Kuenring,  Pfarrer  zu  Zwettl  (Ebenda,  S.  45  f.),  Härtung  von  Lichtenfels,  Pfarrer  von 
Friedersbach  (Ebenda,  S.  3ö8),  Hertwic  aus  dem  Ministerialen  geschlecht  der  Tachel, 
Pfarrer  zu  Vitis,  in  dessen  Umgebung  seine  Familie  vor  allem  begütert  ist  (Fontes, 
XXI,  84). 

^)  Ratschenhof,  DQrrenhof,  Gaisruck,  Pützles,  Edelhof,  Kitzmanns;  die  vier 
letzten  sind  bereits  1315  als  Grangien  aufgelassen  (Fontes,  III,  89). 

3)  Fontes,  III,  5H. 

*)  Ebenda,  S.  74. 

*)  Ebenda,  S.  272  ff. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  Waldviertels.  87 

daza  zum  Teil  durch  Bauernlegung  gewonnen J)  Die  Erwerbungen 
im  Norden  und  Westen  dagegen  werden  begründet  durch  Schen- 
kungen der  Ministerialen  geschlechter,  sie  erfolgen  nach  der  Durch- 
führung der  Kolonisation  am  Ende  des  XII.,  Anfang  des 
Xm.  Jahrhunderts.  Zwettl  hat  also  wohl  bedeutenden  Anteil  an  der 
Rodung  in  der  Nähe  des  Klosters,  an  der  Ansetzung  von  Kolonisten 
dagegen  so  gut  wie  keinen  genommen. 

Dadurch  steht  aber  Zwettl  im  ausgesprochenen  Gegensatz  zu 
den  Zisterzienserklöstern  im  Slawenlande  östlich  der  Elbe,  die  von 
dem  Adel  mit  der  ausgesprochenen  Absicht  gegründet  wurden, 
dadurch  Siedler  anzulocken.^)  Wieder  können  wir  aber  die  Ver- 
hältnisse in  Obersachsen  zum  Vergleiche  heranziehen,  wo  das 
Zisterzienserstift  zu  Pforta  seinen  Besitz  ausbreitet  durch  Schen- 
kungen des  von  den  Rittergeschlechtern  bereits  kolonisierten  Landes, 
wo  dieser  Besitz  ebenfalls  durch  Legung  der  bereits  angesiedelten 
Bauern  in  Grangien  verwandelt  wird.^) 

Haben  wir  den  Grund  für  diese  Erscheinung  vor  allem  in  der 
Ordensregel  zu  suchen,  die  den  Lebensunterhalt  nur  durch  eigene 
Arbeit  nicht  durch  den  Erwerb  arbeitslosen,  grundherrlichen  Ein- 
kommens zu  gewinnen  gestattete,  die  dann  erst  im  XIII.  Jahrhundert 
eben  durch  die  Teilnahme  des  Ordens  an  der  Kolonisation  des 
nordöstlichen  Deutschlands  durchbrochen  wurde,  so  war  es  doch 
auch  ein  anderer  Umstand,  der  den  Zisterziensern  Österreichs 
überhaupt  die  Möglichkeit  einer  Beteiligung  an  der  Kolonisation 
nahm.  Die  Klöster  des  Nordens  standen  im  Filiationsverhältnis  zu 
den  zahlreichen  Stiftungen  Thüringens,  Westfalens,  der  Rheinlande.  •*) 
Das  erste  österreichische  Kloster,  Heiligenkreuz,  war  von  Morimund 
aas  gegründet.  Während  dort  die  Mutterklöster  den  Töchtern  leicht 
die  Dötigen  Kolonisten  liefern  konnten,  fehlte  hier  das  Hinterland 
und  die  Isolierung  wurde  noch  vergrößert,  indem  nach  dieser 
Gründung  jede  Verbindung  mit  dem  Auslande  abgeschnitten  wurde; 
für  alle  übrigen  österreichischen  Klöster  (Zwettl,  Waldhausen, 
Lilienfeld  etc.),   wurde  Heiligenkreuz  Mutterkloster   und  damit  war 


^)  Z.  B.  hec  ville  Albern  et  Neytzen  ....  postea  Bunt  coniancte  et  una 
grangia  ibidem  constnicta;  m.  beneficia  in  Rafing,  ubi  nanc  locata  est  grangia 
(Fönte«,  m,  57). 

-)  Winter,  Zisterzienser  des  nordöetlicben  Deutschlands.  II,  S.  184 ff. 

')  £.  O.  Schulze,  Niederländische  Siedelungen.  8.   IHlff. 

*)  Winter,  1.  c. 


88  Dr.  Franz  Heilsberg. 

jede  Möglichkeit  der  Teilnahme  an  der  Kolonisation  genommeD. 
Bereits  wenige  Jahre  nach  der  Gründang  klagt  man  in  Zwettl 
über  Menschenmangel. ») 

Das  Zurücktreten  der  bayrischen  Beziehungen  zeigt  sich  auf 
das  klarste  in  dem  völligen  Mangel  bayrischen  Klosterbesitzes  im 
inneren  Waldviertel.  Von  oberösterreichischen  Klöstern  erwarb 
Kremsmünster  einen  Wald  am  Weitenbache,  aus  dem  der  Ort 
Martinsberg  entstand^),  ebenso  gründete  Lambach  Ort  und  Pfarre 
Oberkirchen  ^),  Garsten  Münichreith,  während  ihm  Gastem  bereits 
besiedelt  übergeben  wurde.*)  Von  niederösterreichischen  Klöstern 
erwarb  Klostemeuburg  bereits  nutzbaren  Besitz  am  Weitenbache 
und  um  Eggenburg*),  Heiligenkreuz  einigen  Besitz  um  Zwettl,  wohl 
infolge  seines  Anteiles  an  dieser  Stiftung.^)  Von  einheimischen 
Klöstern  ist  Altenburg  nur  unwesentlich  über  das  Horner  Becken 
gegen  Westen,  Geras-Pernegg  nicht  über  Waidhofen  mit  seinem 
Besitz  hinausgelangt.  Die  Grafschaft  Litschau  blieb  lange  Zeit  über- 
haupt frei  von  klösterlichem  Besitz.  Aufs  klarste  zeigen  uns  diese 
Tatsachen  den  weltlichen  Charakter  der  Kolonisation,  namentlich 
des  inneren  Waldviertels. 


Anhang. 


I.  Verzeichnis  slawischer  OrtsBamen  im  Waldnertel. 

Es  warde  verwendet:  Miklosich,  Slawische  Ortsnamen  aus  Personennamen 
(in  Denkschriften  der  Wiener  Akademie,  phil-hist.  Klasse.  Bd.  XIV)  {=  M.  14.) ; 
Derselbe,  Slawische  Ortsnamen  ans  AppellatiTen  (1.  c.  Bd.  XXI 11)  (=  M.  23.), 
sowie  die  Ortsrepertorien  von  Böhmen,  Mähren,  Steiermark,  KSxnten  und  Krain, 
endlich  Müller,  Vorarbeiten  zur  altösterreichischen  Ortsnamenkunde  (Blatter  des 
Vereines  für  Landeskunde.  Bd.  XVUI— XXVI  und  XXXIV).  Von  irgend  welcher 
Sicherheit  der  gewonnenen  Resultate  im  einzelnen  kann  freilich  nicht  die  Rede 
sein.  Scheint  dies  doch  selbst  dem  geschulten  Philologen  nicht  möglich,  wie  die 
Arbeiten  von  Müller  zeigen,  die,  nachdem  sie  zuerst  slawischen  Einfluß  in 
grofiem  Maßstabe  angenommen  hatten,  nun  einen  solchen  fast  g&nzlich  leugnen. 
(Vgl.  auch  Vancsa,  a.  a.  O.) 

1)  Fontes,  III,  47. 

*)  Urkundenbneh  des  Landes  ob  der  Enns.  II,  724  ff. 

3)  Notizblätter.  V,  470  ff. 

*)  Urkundenbach  des  Landes  ob  der  Enns.  I,  121,  n.  IX  und  128,  n.  XIV. 

i)  Fontes,  IV,  Nr.  477.  346,  638,  680  etc. 

")  Ebenda,  III,  95. 


Geschichte  der  Kolonisation  des  WaldvierteU.  89 

B5hmsdorf,  0.-6.  Wnrmbrand,  6.-B.  Gr.-Gerongs. 

Böhmzeil,  G.-B.  Schrems. 

Dobersberg,  Toebetmensperg  in  Notizblatt  V,  357,  offenbar  Schreibfehler, 
ionst  Dobrosperg  etc.,  siehe  Dobra.  Müller,  Blätter  des  Vereines  für  Landes- 
kunde. Bd.  XXIV,  239. 

Doberndorf,  Dobrantendorf,  Dorpendorf,  siehe  Dobra. 

Dobra,  O.-G.  Kmmao,  G.-B.  Gföhl,  dobry  bonus  M.  23.  157.  Zahlreiche 
Orte  dieses  Namens  in  Böhmen. 

Dölla,  O.G.  Pöbring,  G.-B.  Pöggstal,  dol  forea  M.  23,  157,  DöUacb, 
Kärnten. 

Drösle  dl,  G.-B.  Saabs,  di^essidlo  (Topographie)? 

Drösiedl,  O.-G.  Pfaffenschlag,  G.-B.  Waidhofen. 

Eibenstein,  G.-B.  Raabs,  ira  salix  M.  23,  173,  Eibiswald.  Eibenschuß, 
Kirnten.  Müller,  Blätter  des  Vereines  für  Landeskunde.  XXIV,  245. 

Eibenstein,  Groß-  nnd  Klein-Eibenstein,  G.-B.  Schrems. 

Feistritz,  O.-G.  Mannersdorf,  G.-B.  Pögstall,  Vostrizze  1120,  bystr  citas 
M.  23,  150.     Müller,  Blätter  des  Vereines  für  Landeskunde.  XXV,  69. 

Fi  st  ritz,  G.-B.  Waidhofen,  siehe  Feistritz. 

Fratres,  G.-B.  Dobersberg.  Müller,  Blätter  des  Vereines  für  Landeskunde. 
XXVI,  103. 

Geras,  jaros  M.  14,  73.   Vgl.  Blätter  für  Landeskunde.  Bd.  XXV,  S.  31. 

Globnitz,  G.-B.  Zwettl,  Glokkenz,  Glokniz  etc.  glog.  Crataegus  M.  23.  162. 

Goggitsch,  G-B.  Geras,  cokdas  c.  1260? 

Gradnitz,  G.-B.  Zwettl,  Gradenze  1138,  grad  M.  23,  165. 

Granitzhäusel,  O.-G.  Dorfstetten,  G.-B.  Persenbeug,  granica  M.  23,  166. 

Granz,  O.-G.  Marbach,  G.-B.  Persenbeug,  wie  oben. 

II  Im  au,  G.-B.  Dobersberg,  jilem  ulmus  M.  23,  173,  Jilem,  Jilemnice,  Böhmen. 

Jassnitz,  O.-G.  und  G,-B.  Waidhofen,  Jeznich  c.  1260,  jasna  M.  23,  175, 
Jaäenica,  Mähren. 

Kottann,  G.-B.  Geras,  Chodaun  1291,  chody  M.  14,  68,  Ohodau,  Chodaufi, 
Cäodor  etc ,  Böhmen. 

Krems,  Chremesa,  kremj  silex  M.  23,  188. 

Langenlois,  liubisa  c.  1080,  siehe  Loiben. 

Leinsitz,  O.-G.  St.  Martin,  G.-B.  Weitra,  Luensnitz,  luia  palus  M.  23, 198. 

Lexnitz,  O.-G.  nnd  G.-B.  Dobersberg,  les  silva  M.  23,  194,  Lesniza  in 
Kärnten,  Lesniz  auf  Bügen,  Leschnitz,  Lesnice,  Böhmen. 

Liebnitz,  O.-G.  Speisendorf,  G.-B.  Raabs,  lipa  tilia  M.  23,  195,  Lipnice, 
Lipenc,  Lipnik. 

Li  tschau,  li§  M.  14,  41,  Litschau,  Litschkau,  Litschnitz,  Böhmen. 

Loiben,  G.-B.  Krems,  ad.  liupinam,  Ijub  M.  23,  197. 

Loibenrent,  O.-G.  Alt-Pölla,  G.-B.  AUensteig,  siehe  Loiben. 

Loiberdorf,  G.-B.  Pöggstall,  siehe  Loiben. 

Loiwein,  (9.-B.  Gföhl,  Loiban  c.  1260,  siehe  Loiben. 

Loja,  O.-G.  Gtottsdorf,  G.-B.  Persenbeug,  Lohov,  Lohowitz,  Lojowitz,  Böhmen? 

Meisling,  G.-.B.  GfShl,  muzzliche  1135,  Tgl.  Kämmel  S.  171. 

Metzling,  O.-G.  Gottsdorf,  G.-B.  Persenbeug,  Moczelicz  1282,  moöilo 
M.  23,  302. 


90  I>r*  Franz  Heilsberg. 

Mixnitz,  6.-B.  Eggenburg,  msich  monachiu,  M.  XXIII,  201.  Michnits, 
MidmicOi  Böhmen? 

Modlitich,  O.-G.  Schwarzenan,  6.-B.  AUenteteig,  modlisse  1150,  modlice 
M.  14.  47,  MoUiöe,  Kärnten. 

Mottsiedl,  O.-B.  Raabs,  Mutsidel  c.  1260,  moälo  M.  23,  202,  Maädlo, 
Böhmen,  Motachiedl,  Kärnten.^) 

Naglitz,  G.-B.  Weitra,  naklo,  nakalce  M.  23,  205,  Nagles,  Nakel,  NakloT, 
Böhmen. 

Ostra,  G.-B.  Krems,  ostry  acntas  M.  23,  211. 

PI  eissing,  O.-G.  Fritzeisdorf,  G.-B.  Persenbeag,  siehe  Plessberg,  Pleschnitz, 
Böhmen? 

Pleissing,  O.-G.  Pöbring,  G.-B.  Pöggstall. 

Plessberg,  O.-G.  Kaatzen,  G.-B.  Dobersberg,  pleso  palos  M.  23.  215,  Pless- 
dorf,  Steiermark;  Pies  zahlreich  in  Böhmen. 

Plessberg,  O.-G.  Kirohschlag,  G.-B.  Ottenschlag. 

Preisegg,  O.-G.  Mödelsdorf,  G.-B.  Spitz,  preseka  M.  23,  221,  Preisegg  in 
Oberösterreich. ' 

Pölla,  G.-B.  Aliensteig.  Pollan  llHo,  poljana  campns  M.  23,  218,  PöUand, 
Krain;  PöUaa,  Steiermark. 

Baabs,  Kogatz,  rogoz  M.  23,  227. 

Raabs,  Klein-,  O.-G.  Alt-Pölla,  G.-B.  Allensteig. 

Radessen,  O.-G.  Drösiedl,  G.-B.  Raabs,  Radoz  c.  1260,  radiöi  M.  14.  bS, 
Radis,  Radisch,  Radischen,  Böhmen. 

Radischen,  G.-B.  Litschan,  Radeschen  1368,  siehe  Radessen. 

Rad  seh  in,  O.-G.  Reinberg-Dobersberg,  G.-B.  Dobersberg,  grad  castellam 
M.  23,  166,  Radsin,  Hradschin,  Böhmen. 

Ranna,  O.-G.  Mühldorf,  G.-B.  Spitz,  rauna  c.  1100,  raven  planus  M.  23,225. 

Rassingdorf,  O.-G.  Höfiein,  G.-B.  Geras,  Rassendorf  c.  1150.  rasin 
M.  14,  55,  Raschln,  Böhmen? 

Reicha,  O.-G.  Ostra,  G.-B.  Krems,  Radichove  1154,  radikor  M.  14,  53, 
Radechan.  RadechoT,  Radikov  etc.,  Böhmen. 

Reinprechtspölla.  G.-B.  Eggenbarg,  siehe  Pölla. 

Röschitz,  G.-B.  Eggenbnrg,  repa  M.  23,  227.  repisäe,  RepÖiÖ,  Krain, 
Repöice,  Böhmen. 

RoBsa,  G.-B.  Raabs,  Bazzoch  1369? 

Stihaditz,  O.-G.  Rabesreitb,  G.-B.  Raabs,  Schottizt  c.  1260? 

Schetttz,  O.-G.  Ladings,  G.-B.  Gföhl,  Shibz  1216,  Schibitz,  Mähren. 

Schiader,  G.-B.  Waidhofen,  slatina  palas  M.  23,  324,  zlato  aaram  261. 
Schiada  häufig  in  Böhmen;  Scblatten,  Mähren,  Schladnitz,  Steiermark. 

Schleinitz,  Burg-,  G.-B.  Eg^renburg.  slunice,  Slnnce,  Böhmen. 

Schrems,  der  Torbeifließende  Bach  als  schremelize  1179,  kfemj  wie  Krems. 

Starrein,  G.-B.  Geras,  star  vetas,  starin,  starina  M.  23.  238. 

Stojes,  O.-G.  Jaudling,  G.-B.  Waidhofen,  stojice  M.  14,  61,  Stojanowice, 
Böhmen. 


')  Ffir  die  Ort«  Heisling-Mottsiedl  siehe  allerdings  jetzt  die   abweiohenden  Erklirongeo  us 
dem  Dentsehen  tod  Richard  Mftller  im  VI.  Bande  der  »Topographie  von  Nieder6sterreichc. 


Geschichte  der  KoloniBation  des  Waldviertels.  91 

Straning,  G.-B.  Eggenbnrsr,  strana,  regio,  M.  23,  239,  Straning,  Kärnten. 

Syrnan,  O.-G.  nndG.-B.  Zwettl,  sirek,  sorgum  M.  23,  232,  airnicha.  Sirming. 

Taabitz,  G.-B.  GAShl,  Tonpbezze  1242,  Tapeiy,  Tnpes.  Böhmen. 

Thana,  G.-B.  AllenUteig,  Tuchen  1150? 

Thanres,  G.-B.  Allentsteig,  siehe  Thores. 

Thaares,  G.-B.  Litschau,  siehe  Thnres. 

Thaya,  G.-B.  Waidhdfen? 

Theisa,    G.-B.  Krems,    Tiscizin  c.   1110,    tis  pinus  M.  23,  247.   Tisovica. 
Tisice,  Böhmen. 

Th&rnau,   G.-B.  Geras  tm  spina  M.  23,  249,    der  Name   häafig  in  allen 
slawischen  Gebieten. 

Thnma,  G.-B.  Raabs,  Tamme  1369,  tma,  tenebrae  BL  23,  251.   Tomovka 
Böhmen. 

Thnres,    O.-G.  Rossa,    G.-B.  Raabs,  Tnrezz  1369,   tur  tanros  M.  23,  250 
tory  M.  14,  66,  Tanrow,  Tutez,  Böhmen.  Müller,  Blätter  des  Vereines  für  Landes- 
kunde. XXIV,  217. 

Tremm egg,  O.-G.  Pajerstetten,  G.-B.  Pöggstall,  Trevenize,  c.  1115,  traya, 
trarnik  M.  23,  248?  Treunitz,  Böhmen. 

Triglas,  O.-G.  Kantzen,  G.-B.  Dobersberg,  tri,  tria  M.  23,  249.  Tfiklasowitz, 
Böhmen,  vgl.  Triglav. 

Tröbings,  O.-G.  Radi,  G.-B.  Raabs,  tfebiti,  pnrgare  M.  23,  248. 

Troibetsberg,  G-B.  Pöggstall,  wie  Tröbings. 

Vitis,  G.-B.  Schrems,  Vitisse  ll50,  vitov,  vitice  M.  14,  22.  Vitice.  Böhmen. 
Blätter  des  Vereines  für  Landeskunde.  XXVI,  113. 

Weitra,  Withra  1183,  vitr,  Wind,  vgl.  Gesch.  Beil.  Bd.  VI. 

Windigsteig,  G.-B.  Waidhofen. 

Windiscendorf,  Wüstung  bei  Meisling,  G.-B.  GfÖhl,  Gesch.  Beil  Bd.  lU, 
Pf.  Meisling. 

Witschkoberg,  G.-B.  Weitra,  vitov,  vitkov  M.  14,  22;  Vidkov,  Viökovice, 
Böhmen. 

Wnltschan,  G.-B.  Schrems,  vlk,  volöe  M.  33,  255,  Vlöoves,  Böhmen. 

Zaingrnb,  G.-B.  Hörn,  sanikov  vor  1140,  Sanik,  Sanov,  ^ankov,  Böhmen. 
Müller,  Blätter  des  Vereines  für  Landeskunde.  XVIII,  425. 

Zettlitz,  G.-B.  Geras,  selo  sedes,  sedlice  M.  23.  231,  Zettlitz  und  ähnUche 
Bildungen  häufig  in  Kärnten,  Sachsen  und  Böhmen. 

Zwettl,  swietl  M.  23,  243.  vgl.  Fontes.  III,  30. 

Klein-Zwettl.  O.-G.  Gastern,  G.-B.  Dobersberg,  im  M.-A.  (ze  den)  Zwettlem. 

Zwinzen,    O.-G.  Bernschlag,  G.-B.  Alientsteig,    zwinsse  1150,    svinija  sus, 
mnica  M.  23,  S.  243,  Zweinitz,  Kärnten,  Svince,  Zwinzen,  Böhmen. 


Es  ist  selbstverständlich,  daß  in  einem  Gebiete,  in  dem  wir 
es  nicht  mit  Wanderungen  von  Stämmen  zu  tun  haben,  die  noch 
ziemlich  scharf  geschieden  sind,  sondern  mit  einer  grundherrlichen 
Siedelung  einer  Zeit,   in   der  sich   die  Stammesunterschiede   bereits 


92       l^f-  Franz  Heilsberg,  Geschiebte  der  Kolonisation  des  Waldviertels. 


Stark  verwischt  haben,  und  zwar  doch  zuerst  in  den  am  leichtesten 
beweglichen  grandherrlichen  Kreisen,  wo  ferner  die  Kolonisation 
rasch  vor  sich  geht  also  gar  keine  Zeit  bleibt  zur  Ausbildung  von 
Unterschieden  in  der  Ortsnamengebung,  daß  in  einem  solchen  Gebiete 
uns  die  Ortsnamen  kein  Bild  der  Siedelungsgeschichte  geben  können. 
Nur  in  einer  Beziehung  ist  die  Anordnung  der  Ortsnamen  charakte- 
ristisch. Die  genetivischen  Ortsnamen  fehlen  im  Süden  und  Osten 
in  den  Bezirken:  Persenbeug,  Pöggstall,  Spitz,  Krems,  Langenlois. 
Geras;  dafür  fehlen  die  Ortsnamen  auf  -dorf  im  Norden  und  Westen, 
wo  die  genetivischen  Ortsnamen  vorherrschen,  in  den  Bezirken: 
Dobersberg,  Litschau,  Waidhofen,  Weitra,  Zwettl,  Schrems.  Es 
spiegelt  sich  in  diesem  Gegensatze  der  der  Villikationssiedelung  im 
Süden  und  Osten  gegen  die  bäuerliche  Weiler-  und  Dorfsiedelung. 
die  sich  mehr  im  Nordwesten  konzentriert;  im  wesentlichen  deckt 
sich  dieser  Gegensatz  aber  auch  mit  dem  der  Ansiedelung  des 
bayrischen  Adels  gegen  die  der  Ministerialen. 

n.  Ortsnamentabelle. 


Bildungen  aus 

i               Endungenauf 

Bezirk           1 

1 

Apella- 
tiven 

1 
Personen- 
namen 

-dorf 

-schlag 

-reith 

1 
GenitiT-B 

Allentsteig  .    . 
Dobersberg 
Eggenbarg 
Geras  .... 
Gföhl  .    . 
Groft-Gerangs 
Hörn    .    .    . 
Krems     .    .    . 
Langenlois  . 
Litschau 
Ottenschlag 
Persenbeng     . 
POggstall     . 
Raabs      .    . 
Schrems  .    .    . 
Spitz    .... 
Waidhofen     . 
Weitra    .    . 
Zwettl     .    . 

20 
14 
9 
12 
21 
59 
30 
14 
Iß 
9 
75 
86 

131 
45 
64 

108 
37 
86 
72 

1 

37 
31 
20 
15 
14 
30 
23 

9 

9 
24 
51 

7 

2 
15 
15 

6 
29 
23      1 

30    ; 

1 

1 

20 

14 

3 

4 

19 

12 

8 

6 

8 

20 

13 

1 

,      1^ 

1 

3 
2 

1 

3 

17 

4 
1 
2 
3 
2 
5 

2 
2 

5 
1 
8 
4 

1 

1 
3 

2 

6 

3 
5 

28 
23 

"8     ! 
19 

3 

___     1 

15 
27 

4 

'[ 

23 
14 
19 

Summe  . 

849 

390   ; 

1 

144 

49 

45 

195 

DAS 


FRAUENKLOSTER  HIMMELPFORTE 


IN     WIEN 

VOH 

P.  ALFONS   ZÄK. 

(SCHLÜSZ.) 


L 

(Fortsetzung.)  *) 

Zar  Zeit  der  großen  Kirchenvisitation  1543 — 1544  stand  der 
Himmelspforte 

Benedikta  Asenpanm 

von  Lassee  als  Priorin  vor.  Sie  erklärte,  daß  nur  der  Landesfürst 
der  Schatzherr  ihres  Klosters  sei  und  daß  die  meisten  Stifts- 
und Lehensbriefe  bei  dem  Feuer  im  Jahre  1525  verbrannt  oder  zu 
Kriegszeiten  verloren  gegangen  sind.  Aus  den  von  ihr  vorgewiesenen 
30  Urkunden  wären  heute  manche  wichtig,  wenn  man  sie  nur  hätte. 2) 
So  sahen  die  Visitatoren  eine  Urkunde  vom  21.  Juni  1388,  den 
Weingarten  »Weidner«,  eine  vom  22.  April  1442  (?),  den  Wein- 
garten »Stainbüchel«  in  Nußdorf  von  der  Schwellerschen  Stiftung 
(Sonntag  vor  Martini),  eine  vom  5.  März  1466,  den  Weingarten  in 
Perchtoldsdorf,  und  eine  vom  4.  Juni  1482,  den  Weingarten  am 
Stainberg,  der  von  Ulrich  von  Haringsee  erkauft  wurde,  betreffend. 
Ein  Kaufbrief  vom  13.  Dezember  1437  bezog  sich  auf  fünf  Holden  in 
Simonsfeld,  ein  anderer  vom  21.  September  1443  auf  das  Gut  Aindleiff- 
lehen,  alles  dies  vom  Abte  Wilhelm  von  Geras,  Verweser  des  Klosters 
Pemegg,  verkauft  3);  dann  waren  zwei  Stiftsbriefe  über  die  Paradeis- 
müUe,  ein  Kaufbrief  wegen  des  Holzes  Ellweiß,  erkauft  von  Veit 
von  Ebersdorf  (1470,  Februar  1),  ein  Freibrief  des  Königs  Ladis- 
laus  wegen  des  Holzes  im  Wiener  Wald  (1456,  Jänner  3),  ein  Gab- 
brief des  Herzogs  Friedrich  vom  9.  Oktober  1458,  womit  er  dem 
Kloster  60  Fuder  Salz  von  Hallstatt  schenkte,  ein  Brief  um  8  Pfund 
Pfennig  Burgrecht  vom  10.  September  1518,  gelegen  auf  Dr.  Leopold 

^)  Den  Anfang  des  I.   Teiles  siehe  Jahrbuch  für   Landeskunde  IV  und  V 
(1905  und  1906),  S.  137-224. 

2)  Bekannt  sind  bloß    die  Urkunden  von    1270,    März  23;    1267,    Juli  18; 
^^0,  Juli  15  und  1413,  Oktober  12,  von  denen  früher  die  Kede  war. 

3)  Stimmt  mit  den  Vereinsblättern,  1899,  S.  161,  überein. 


96  Alfons  ik\L. 

Jordans  Methk eller  in  Wien,  nnd  14  Bestand-  oder  Leibgedingbriefe 
wegen  der  Klosterweingärten  vorhanden. 

Ferner  sagte  die  Oberin  aus,  daß  das  Kloster  zuerst  für  12  Jung- 
frauen gestiftet  war,  jetzt  aber  nur  11  im  Kloster  seien,  die  zwölfte 
jedoch  täglich  von  Prag  erwartet  werde.  Sie  alle  singen  die  Mette, 
das  Amt,  die  Hören  und  die  Vesper  nach  den  Ordensstatuten.  An 
Einkommen  besaß  die  Himmelpforte:    Von  elf  Lehen  in  Weikers- 
dorf  13  Pfund,  von  fünf  Holden  in  Simonsfeld  4  Pfund  7  Schilling 
15  Pfennig,  von  acht  behausten  Gütern  auf  der  Landstraße  4  Pfund 
1  Schilling  29  Pfennig,  von  einem  Holden  (Konrad  Kharner)  2  Schilling, 
von  der  Fleischbank  am  Lichtensteg  8  Pfund  Burgrecht,  vom  Meth- 
keller  des  Hans  Jordan  in  Wien  Burgrecht  8  Pfund,  von  49  Vierteln 
Weingärten    zu    Ottakring    und    Breitensee    8   Pfund    7    Schilling 
10  Pfennig,  von  65  Vierteln  Überlflnd  ebenda  10  Pfund  3  Schilling 
10   Pfennig,    5   Viertel   von    dem   Burgfeld    1    Pfund    1   Schilling 
12    Pfennig,     vom    Greifling-Weingarten     (9  Achtel)     2    Schilling 
12  Pfennig,  von  2V2  ^och  Acker  5  Schilling,  von  vier  Joch  Wein- 
gärten   Uberländ   um   Wien    1    Pfund    5    Schilling    8   Pfennig,  in 
Brunn  Uberländdienst  4  Pfund,  von  den  Weingärten  zum  Halbbaa 
47  Pfund,  von  der  Paradeismtihle  Zins  24  Pfund,  von  den  Wiesen 
in    Salmansdorf    1    Pfund     3    Schilling,     Getreidedienst     ebendort 
32  Hetzen,   von  acht  Joch  Acker  am  Sporkenbüchel   5  Mut  Korn, 
Wiesmat  36  Tagwerk,  vom  Grundbuch  über  2  Pfund  jährlich.  Die 
in  eigener  Begie  befindlichen  Klosterweingärten  waren  im  ziemlicheD 
Bau  und  gaben  im  Jahre  1543  zwölf  Dreiling  Wein.  Ausgaben  hatte 
das  Kloster,  außer  eigenem  Haushalt,  für  verschiedene  Professionisten, 
für  einen  Weingarten-  und  Wagenknecht,  einen  Organisten,    einen 
Kirchendiener,  eine  Köchin,  eine  Wäscherin,  eine  Meierin  und  einen 
Viehhalter.     Es   wurde   auch   ein   deutscher   und   ein    ungarischer 
Beichtvater  honoriert.     Vor  zirka  14  Jahren    entlehnte   die  Priorin 
vom  Abte  zu  Geras  wegen  der  Armut  ihres  Klosters  und  zur  For- 
derung der  Weingärten  112  Pfund,  vom  Wiener  Domherrn  Anibros 
Salzer  10  Pfund  Pfennig  und  mußte  mehrere  Weingärten  auf  etliche 
Jahre  versetzen.     Sie  klagte  über  das  Unglücksjahr  1525  und  das 
Feuer;    vorher   waren    im    Kloster   Kinder   vom  Adel    und   andere 
Frauen   in   Kost   und  Erziehung,   jetzt   kann   man   sie    dort   nicht 
unterbringen.     Das  Salzamt,   welches   dem    Kloster  60  Fuder   Salz 
jährlich  geben  soll,  gab  sie  nur  nach  seinem  eigenen  Gutdünken  und 
nicht  die  volle  Zahl.     Vor  dem  ersten  Ttirkenkrieg  gab    das  Hub- 


Daa  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  97 

haas  dem  Erlöster  wöchentlich  2  Pfund  gestiftete  Güter,  aber  seit 
dem  Jahre  1529  nicht  mehr,  weswegen  die  Priorin  Benedikts  um 
weitere  Ansfolgang  batJ)  Im  Jahre  1550  erscheint 

Helena  Schwarz 

als  Priorin  zur  Himmelpforte.  Sie  ließ  die  Klostermtthle  im  Para- 
deis  an  der  Wien,  welche  bisher  der  jüngst  verstorbene  Andreas 
Rottmair,  Müller  and  Bürger  zn  Wien,  mit  seiner  Hausfrau  Ottilie 
in  Pacht  hatte,  dem  Meister  Hans  Hegner,  Müller  und  Bürger  zu 
Wien,  und  Agnes,  seiner  Gattin,  auf  ihrer  beider  Lebenszeit  zu 
Bestand  und  Leibgeding  gegen  26  Pfund  Pfennig  und  andere  fest- 
gesetzte Verbindlichkeiten.  Der  Bestandbrief  wurde  von  der  Priorin, 
vom  Konvent,  vom  Hof  kaplan  Valentin  Sixtl,  vom  Klosteranwalt  und 
dem  Geraser  Abte  Balthasar  besiegelt.  (Wien,  1550,  Juli  17.)^)  Als 
dann  die  Schwellersche  Stiftung  am  Frauen  altar  durch  das  Ableben 
des  Domkapitulars  Georg  Huetter,  Meisters  der  freien  Künste  und 
der  Philosophie,  frei  wurde,  meldeten  sich  zwei  Supplikanten, 
Niklas  Hertzeberger  und  Paul  Rattich.  Das  Patronat  stand  dem 
Domdechant  Johann  Rath,  dem  Meister  der  freien  Künste  und  Prior 
des  erzherzoglichen  Studienkollegs,  Christophor  von  Kaschau,  und 
der  Priorin  der  Himmelpforte  zu.  Die  Priorin  wollte  mit  ihrem  Kon- 
vente nur  den  Priester  Hertzeberger,  ihren  Beichtvater,  zum  Bene- 
fiziaten  haben.  Dieser  wurde  denn  auch  vom  Wiener  Bischöfe  Friedrich 
am  12.  November  1550  bestätigt,  nachher  durch  Überreichung  des 
Meßbuches  und  Aufsetzung  des  Birettes  installiert.  Er  sollte  jedoch 
d»  n  Weingarten  im  Nußpachten  in  Heiligen  Stadt  dem  Paul  Rettich 
zum  Nutzgenuß  lassen  und  erst  nach  dessen  Ableben  genießen.^) 

Am  19.  September  1561  gab  Ferdinand  I.  nach  der  jüngst 
abgehaltenen  Visitation  der  fünf  Wiener  Frauenklöster  dem  Wiener 
Bischof  Anton  Brus  von  Müglitz  die  geistliche  Gerichtsbarkeit  über 
die  Himmelpforte  und  das  Kloster  bei  St.  Anna  (Klarissen),  da  das 
erste  Frauenkloster  zwar  bei  der  jüngst  gehaltenen  Visitation  den 
Abt  von  Geras  als  Visitator  und  Oberen  anerkannte,   dieser  sich 

^)  yisitationsprotokoll  vom  Jahre  1533 — 1544  im  k.  and  k.  Haas-,  Hof-  nnd 
StaatnrchiTe  in  Wien.  Bd.  II,  Fol.  481  sq.  Ähnliche  Protokolle  anch  im  k.  k. 
Arehiye  für  NiederMerreich  in  Wien.  Vgl.  Klein  a.  a.  O.  IV,  100. 

*)  Nach  einer  Kopie  im  Stiftsarchive  sn  Geras.  Der  Müller  Hans  Heg^er 
bteaA  auch  eine  MOhle  in  Schwechat. 

*)  Original  Pergament  im  fUrsterzbischOflichen  Konsistorialarchire  zu  Wien. 
Jahrbuch  d.  Y.  f.  Landeskunde.  1907.  7 


98  Alfo&i  ihk. 

aber  wegen  der  großen  Entfernung  um  das  Kloster  wenig  annahm. 
St.  Anna  hatte  jahrelang  gar  keine  geistliche  Oberen,  »dardnrch 
dann  beede  Clöster  nit  in  geringen  Abfall  khomen«.  Zu  Kommis- 
sären für  beide  Frauenklöster  ernannte  der  Kaiser  seine  Räte  Hans 
Freiherm  von  Carling  und  Dr.  Johann  Qösl.*) 

Nach  einer  kaiserlichen  Resolution  sollten  die  Klarissen  von 
St.  Anna  mit  ihrem  Einkommen  dem  Kloster  Himmelpforte  inkor- 
poriert  werden;  die  Äbtissin  wurde  aber  zu  St.  Hieronymus  verordnet 
und  sollten  fttr  ihren  Unterhalt  30  Pfund  gezahlt  werden.^) 

Mit  dem  Prämonstratenserorden  stand  es  gerade  jetzt  im 
Lande  sehr  schlecht.  In  Pemegg  blieb  um  1551  nur  eine  einzige 
Klosterfrau  Rosina  Aichinger  (f  1585),  mit  welcher  das  dortige 
Frauenkloster  ausstarb  und  aufhörte;  es  wurde  später  in  ein  Prä- 
monstratenser-Chorherrenstift  umgewandelt.  Ähnliches  geschah  in 
den  mährischen  Frauenklöstern.  Im  Jahre  1561  waren  der  Abt  in 
Geras  und  der  Propst  in  Pemegg  ganz  allein.  Die  Himmelpforte 
bekam  schon  längere  Zeit  hindurch  neue  Priimonstratenserinnen 
aus  Ungarn,  die  dort  von  den  Türken  aus  ihren  Klöstern  ver- 
trieben worden  waren  und  nun  nach  Wien  kamen.  So  bat  z.  B.  am 
5.  August  1563  diePriorin,  daß  die  kaiserlichen  Kommissäre  demKloster 
die  Administration,  Siegel  und  Grundbücher  wieder  übergeben  und 
die  Aufnahme  von  fünf  oder  sechs  Schwestern  aus  Sellesch 
in  Ungarn  gestatten  mögen,  was  ihr  bewilligt  wurde.  Am  17.  No- 
vember d.  J.  wurde  der  Fürstbischof  von  Gurk  Urban  Sagstetter, 
Administrator  der  Wiener  Diözese,  befragt,  ob  man  wegen  der 
Entfernung  des  Stiftes  Geras  die  Himmelpforte  der  Jurisdiktion 
des  Wiener  Bischofs  unterordnen  solle.  Der  Abt  von  Geras  wäre 
zuvor  Visitator  des  Klosters  gewesen,  dann  seien  aber  der  Dom- 
propst und  Georg  Prandstetter  zu  Kommissären  verordnet  worden.  ^) 
Das  Stift  Geras  forderte  zweifelsohne  seine  alten  Rechte.  Leider 
mehrten  sich  die  Klagen  über  die  schlechte  Wirtschaft  der  Priorin 
zur  Himmelpforte.  Es  war  dies 


^)  Ebenda.  Der  Bischof  war  ■chon  zuvor  Ordinarius  der  übrigen  drei  Wiener 
Frauenklöster. 

^)  Wiener  Stadtarchir.  Im  Jahre  1570  starben  die  letzten  drei  Kloster- 
frauen bei  St.  Anna  an  einer  Seuche;  die  noch  allein  übrige  kränkliche  ÄbtiBsin 
kam  im  April  1572  in  das  Jakobskloster,  wo  sie  bald  starb.  Klein,  a.  a.  O.  IV,  S.  215. 

3)  Vereinsblätter.  1896,  S.  452,  454,  und  1899,  S.  233,  240—242. 


Das  Fraaenkloster  Hinimelpforte  in  Wien.  99 

Lncia  von  Schintha, 

yennaüicli  ans  Ungarn  gebürtig,  weil  ungarische  Prämonstratense- 
rinnen  in  dem  kleinen  Konvente  schon  die  Mehrzahl  bildeten,  da- 
her eine  Ungarin  zur  Oberin  wählten.  Häufige  Veräußerung  des 
Elostergutes  und  viele  Schulden  drohten  das  arme  Kloster  gänzlich 
zu  vernichten. 

Am  1.  Februar  1566  teilte  die  niederösterreichische  Regierung 
und  Kammer  dem  Kaiser  und  seinem  Rate,  dem  Bischof  Sagstetter. 
den  Vorschlag  der  Kommissäre  Matthias  Werdtwein,  Dompropstes 
bei  St  Stephan,  und  Sebastian  Weiller  mit,  über  die  Himmelpforte 
wegen  Un Würdigkeit  und  übler  Haushaltung  der  Oberin  die  Kuratel 
zu  verhängen  und  einen  Schaflfer*  (Hans  Römer,  Wiener  Bürger) 
ZOT  Ordnung  der  Klosterwirtschaft  einzusetzen.  Nach  einem  späteren 
Vorschlag  (Wien,  1Ö66,  Februar  0)  dieser  Kommissäre  sollten  die 
Schulden  bei  St.  Agnes  (708  Gulden,  13  Schilling,  22  Pfennig)  0 
teilweise  durch  Verkauf  der  Holden  in  Niederrußbach,  der  über- 
lände  zu  Weikersdorf,  die  mehr  Schaden  als  Nutzen  abwarfen,  und 
eines  Zubaues  am  Kloster  (das  Ziegelhaus)  getilgt  werden.^)  1567 
löste  Kaiser  Maximilian  ü.  der  Himmelpforte,  wie  auch  den  Jesuiten, 
dem  Stifte  Klosterneuburg  und  St.  Dorothe  ihr  Eigentum  im 
Prater  ein,  um  dort  ein  Jagdrevier  einzurichten.^) 

Im  Jahre  1568  hatte  die  Schwellersche  Stiftung  in  der 
Ynzinger  Kapelle  bei  der  Himmelpforte  der  genannte  Dompropst 
Matthias  Werdtwein  inne.  Er  kaufte  am  24.  April  d.  J.  von  Wolf- 
gang Ebmansperger,  Bürger  zu  Korneuburg,  und  Barbara,  seiner 
Gattin,  mit  Zustimmung  des  Stadtrichters  Christoph  Kharoman  und 


^)  Der  niederösterreichische  Landschaft  -  Steucrriickstand  (1556— 15B4) 
278  fl.  3  ß  22  ^,  Seb.  Guetrater  100  fl.,  der  Stadt  Wien  Steuerrückstand  28  fl., 
dem  Stift  Klostemenburg  fUr  Zehent  und  Bergrecht  30  fl.,  dem  Bischofshof  84  fl., 
dem  Steinmetz  24  fl.,  Kristof  Taintzsch  20  fl.,  dem  Schmied  21  fl.,  den  Kauflentcn 
B  fl.,  an  Machelohn  3  fl.,  dem  Apotheker  3  fl.  4  ß,  an  Lohn  für  den  Wagen-  und 
Weingartenknecht  und  die  Mairin  51  fl.,  dem  Stantzel  ö8  fl.  6  ß,  was  alles  die 
obige  Summe  Schulden  ergibt.  Dagegen  dienten  die  Untertanen  in  Niederrußbach 
2fl.  2ß,  11  Lehen  in  Weikersdorf  (zu  1  fl.  30  ß)  16  fl.,  behauste  Gülten  18  fl., 
Oberlände  321  fl.  20  ß,  zusammen  402  fl.  20  ß,  wovon  jedoch  die  Landsteuer 
za  entrichten  war. 

^  Ein  Konzept,  ein  Original  und  zwei  Beilagen  im  fÜrsterzbischOflichen 
Konsiitorialarchive  zu  Wien. 

^  Tschischka,  Geschichte  der  Stadt  Wien.  S.  H15;  B ermann,  a.  a.  O. 
8.  765  und  771. 


'^f\f2  ^ 


100  Alfons  ikk. 

der  Stadt  Korneuburg  2  Pfund  Burgrechts,  gelegen  auf  einem  Hause 
zu  Korneuburg,  um  50  Pfund  Pfennige  für  sein  BenefiziumJ) 

Nach  längeren  Unterhandlungen  verkaufte  die  Priorin,  Lucia  von 
Schintha,  am  8.  Dezember  1570  »wegen  der  Notdurft  ihres  Klosters 
mit  kaiserlichen  Konsens  vom  2.  Oktober  d.  J.<  dem  Wiener 
Bürger  Sebastian  Pestler,  Obervater  der  Armen  bei  St.  Marx,  und 
Elisabeth,  dessen  Gattin,  den  vorderen  und  hinteren  Stock  samt 
Zimmern,  Kammern,  Kellern,  Stallungen,  Fenstern,  Hof  und  Brunnen 
ihres  freieigentümlichen  halben  Ziegelhauses  in  der  Traibotenstraße, 
welches  einerseits  nächst  der  anderen  seiner  von  Anna  Ehnin,  ge- 
borenen Liessin,  erkauften  Hälfte  desZiegelhauses,  anderseits  neben  dem 
Hause  des  Sebastian  Weiler,  Bürgers  in  Wien,  gelegen  war.  Am  6.  August 
1571  verkaufte  diese  Prior  in  mit  demselben  KonsensdemHansSchadner, 
kaiserlichen  Rat  und  Landgrafen,  und  seiner  Gattin  Cäcilia  das 
Freihaus  in  der  Traibotenstraße,  wo  ein  Steinmetz  wohnte.  Dieses 
stiefi  oben  an  die  Mauer  des  Klostergartens,  unten  an  das 
Klostertor  bei  der  Einfahrt.^)  Im  Wiener  Stadtarchive  liegen 
ganze  Faszikel  Klosterakten  unter  dem  Titel  »Himmelpforte«, 
welche  die  übel  geführte  Wirtschaft  des  Klosters,  zahlreiche  Kom- 
missionen, Forderungen  des  Klosters  St.  Jakob,  Rechnungen  der 
Handwerker,  Schuldscheine,  eine  Menge  Suppliken  der  Priorin 
Lucia  and  ihrer  Nachfolgerin  Martha,  die  Paradeismühle  u.  a.  (1565 
bis  1579)  betreffen.  Die  Paradeismühle  an  der  W^ien  hatte  bis  1570 
Agnes,  Witwe  nach  Erhard  Falckh,  Müller,  nachher  Barbara 
Siebenbtlrger  inne,  gegen  welche  die  Priorin  Lucia  viele  Beschwerden 
führte  (Wien,  1570,  Juni  1).  Die  Mühle  ist  von  den  Türken,  des- 
gleichen 1552  von  den  Spaniern  verbrannt,  dann  aber  wieder  auf- 
gebaut worden;  sie  war  einstöckig  und  etwas  baufUlig. ') 

^)  Original  Pergament  im  k.  und  k.  Haas-,  Hof-  und  Staatsarchive  za 
Wien.  QaeUen,  a.  a.  O.  I,  2,  Nr.  1975. 

-)  Zwei  Originale  auf  Pergamenl.  Das  erste  im  Wiener  Stadtarchive, 
das  zweite  im  k.  und  k.  Haus«.  Hof-  und  Staatsarchive  zu  Wien.  Q eilen,  a.  a.  0. 
1,  2,  Nr.  1977.  Hier  ist  auch  Jakob  Öchsl,  kaiserlicher  Rat  und  Kommissir, 
Siegler. 

^)  Im  Jahre  1577  wurde  diese  Mühle  dem  Thomas  Siebenbürger  ver- 
pachtet; für  die  Jahre  1577 — 1579  bezahlte  die  Steuer  J.  B.  SiebenbUrger,  die  Jahre 
1580—1592  blieb  er  schuldig,  welche  Schuld  dann  135  Pfund,  2  Schilling,  12  Pfeonig 
ausmachte.  Sie  wurde  am  14.  September  1592  bei  dem  Wiener  Steueramte  von  der 
Witwe  J.  B.  Siebenbürgers,  Barbara,  beglichen.  Für  die  Jahre  1573—1576,  wo  die 
Himmelpforte  die  Mühle  in  eigener  Regie  hatte,  muflte  die  bteuer  vom  Kloster 
selbst  den  Chorfrauen  bei  St.  Jakob  gezahlt  werden. 


Das  Frauenkloster  Himmelpfurte  in  Wien.  JOl 

Am  3.  April  1569  bat  Jakob  Rumor,  Bürger  zu  Mödling,  den 
Kaiser  um  VerlängeruDg  des  Leibgedings  von  einem  zur  Himmel- 
pforte gehörigen  Weingarten  (am  Brunnerberg,  »der  Meserl«  ge- 
nannt), den  Magdalena  Grießgöttin,  Priorin  des  Klosters ^),  dem 
Ycrstorbenen  Martin  Eckhel,  Bürger  zu  Mödling,  und  seiner  Qattin 
Lncia  verlassen  hatten. 

In  den  Jahren  1568 — 1571  unterhandelte  Priorin  Lucia  mit 
den  Elosterräten  und  der  Universität  in  Wien  wegen  der  Zäpflischen 
Stiftung  (vom  Jahre  1513),  des  Ereuzaltars  und  der  Benefizien  bei 
der  Himmelpforte.  Sie  verlangte  namentlich  die  seit  Jahren  aus- 
ständige Leistung  per  12  Pfund  4  Schilling  aus  der  Zäpflischen 
Stiftung  von  der  Universität,  die  übrigens  vom  Buchbinder  Gregor 
Eberhart,  der  im  Klosterbause  in  der  Weihburg  wohnte,  ganz 
widerrechtlich  20  Gulden  Zins  eingenommen  hatte.  Der  Ausfall 
der  jährlichen  Leistung  und  andere  Ausstände  betrugen  bereits 
9j7  Gulden  4  Schilling.  Noch  am  15.  Mai  1571  bat  Priorin  Lucia 
den  Statthalter  um  Erledigung  ihrer  Geldforderung.  Im  übrigen 
wurden  am  28.  Oktober  1568  und  23.  August  1569  zwischen  der 
Universität  und  dem  Kloster  eigene  Verträge  wegen  der  Benefizien 
abgeschlossen.  ^) 

Seit  dem  Jahre  1568,  unter  Kaiser  Maximilian  11.,  handelte 
es  sich  um  gänzliche  Aufhebung  des  vormals  den  Dominikanern 
gehörigen  Klösterleins  der  Klarissen  bei  St.  Peter  in  Wiener- 
Keustadt.  Die  Güter  dieses  Hauses  wurden  beschrieben  und  sollten 
verkauft  werden.  Im  Jahre  1574  erfolgte  wirklich  die  Aufhebung. 
Die  letzten  drei  Ordensfrauen  wurden  nach  Wien  zur  Himmel- 
pforte übersetzt  und  diesem  Kloster  einverleibt,  das  Kloster  St.  Peter 
aber  wurde  vom  Neustädter  Bischof  Lambert  Grutter,  einem  ge- 
lehrten Niederländer,  der  beini  Kaiser  Maximilian  II.  und  auch 
seinem  Nachfolger  Rudolf  II.  in  großem  Ansehen  stand,  über- 
nommen. Der  Bischof  versprach  mit  Revers,  den  ausgewanderten 
Nonnen,  so  lange  sie  leben,  jährlich  150  Gulden  zu  zahlen.  ^)  Im 
Jahre  1575  hieß  die  Priorin  bei  St.  Agnes  zur  Himmelpforte 

Martha  Zoltan. 


^)  Ist   nicht   näher    bekannt.    Es    muß  eine  Priorin  des  Wi.  Jahrhanderts 
gewesen  sein,  deren  Wirkongszeit  leider  in  Vergessenheit  kam. 
*)  Wiener  Stadtarchiv. 
')  FQrsterzbischöfliches  Konsistorialarchiv  in  Wien.  Klein,  a.  a.  O  IV,  215. 


102  Alfont  ikk. 

Unter  ihr  wurde  der  Dreikönigsaltar  durch  den  Tod  des 
kaiserlichen  Hofalmoseniers  Johann  Densin  frei,  der  übrigens  nur 
durch  einen  Stellvertreter  den  Gottesdienst  sehr  nachlässig  hatte  ver- 
sehen lassen.  Nach  dem  Willen  des  Kaisers  sollte  jetzt  Dr.  Paul  Marche- 
sinus  das  Benefizium  erhalten,  aber  Martin  Engelhart,  Vizedechant, 
Johann  Equellus,  Prior  des  erzherzoglichen  Kollegiums,  und  Priorin 
Martha,  verliehen  es  am  25.  Mai  1575  dem  Bittsteller  Kanonikus 
und  Professor  Mag.  Peter  Muchitsch,  der  bisher  kein  Benefizium 
besaß,  daher  zur  Versehung  der  Stelle  tauglich  war,  seinen  Ver- 
pflichtungen persönlich  und  genau  nachkam  und  auch  vom  Bischof 
bestätigt  wurde  (1575,  28.  Mai).*) 

Auf  Befehl  des  Erzherzogs  Ernst,  Statthalters  von  Österreich, 
fand  am  24.  Februar  1577  eine  genaue  Visitation  der  Himmel- 
pforte statt,  welche  Greorg,  Propst  von  St.  Dorothe  in  Wien, 
Dr.  Christoph  Hillinger,  kaiserlicher  Rat,  und  Matthäus  Preuer, 
kaiserlicher  Klosterrat,  vorgenommen  haben.  Der  umfangreiche 
Visitationsbericht  mit  seinen  31  Punkten^)  ist  uns  recht  willkommen, 
da  er,  wenn  auch  nur  unwesentlich,  manche  unangenehme  Lücke 
ausfüllt,  welche  aus  Mangel  an  Quellen  des  XVL  Jahrhunderts  in 
der  Geschichte  des  Klosters  verblieb. 

Die  Klosterfrauen  gelobten,  den  Visitatoren  in  allem  Gehorsam 
zu  leisten  und  bekannten  sich  als  Prämonstratenserinnen  nach  der 
Regel  des  heiligen  Augustin.  Im  Kloster  waren  nur  sechs  Schwestern, 
nämlich  die  Priorin 

Katharina  von  Schamatin, 

Martha  Soltain  (Zolta),  Ursula  von  Schamatin,  Elisabeth  von  Kanizsa, 
Katharina  von  Väsdrhely  und  Elisabeth  von  Brück  an  der  Leitha, 
also  offenbar  fCüDif  Ungarinnen  und  eine  einzige  Deutsche.  Vor 
Jahren  war  der  Abt  von  Geras  ihr  Snperior  oder  Visitator,  aber 
keine  der  anwesenden  Schwestern  konnte  sich  erinnern,  das  er  sie, 
so  lange  sie  hier  waren,  visitiert  oder  sich  ihrer  angenommen  hätte. 
Wäre  es  möglich,  dann  wollen  sie  gerne  einen  Superior  oder  Visi- 
tator aus  dem  Prämonstratenserorden  haben,  wenn  nicht,  dann 
überlassen    sie  es   dem   Kaiser    oder  dem  Erzherzog    Ernst.    Die 

I)  Ebenda. 

^)  Original  im  fOrttenbisehOflichen  KontiitorialarehiTe  in  Wien.  Eine  Ab- 
schrift im  k.  and  k.  Haas-,  Hof-  nnd  Staatsarchire  sa  Wien.  Cod.  100,  Fol.  287 
bis  306. 


Das  Fraaenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  103 

Priorin  war  seit  Bartholomfti  1576  im  Amte.  Sie  kam  mit  fünf 
anderen  Schwestern  ans  Ungarn  bieher,  von  denen  zwei  schon 
gestorben  sind,  und  fand  mit  Erlaubnis  der  damals  verordneten 
Kommission  bei  der  Himmelpforte  freundliche  Aufnahme.  Sie  wurde 
vom  ganzen  Konvente  im  Beisein  der  Klosterräte  zur  Priorin  des 
Klosters  gewählt,  welches  schon  damals  so  arm  war,  wie  jetzt.  Alle 
Schwestern  sind  katholisch,  arm,  alt,  halten  fleißig  den  Gottesdienst, 
beschäftigen  sich  mit  Spinnen,  Nähen  und  anderen  Handarbeiten. 
Der  Ordenshabit  wird  immer  in  und  außer  dem  Kloster  getragen. 
Überhaupt  gibt  es  ohne  Wissen  der  Priorin  keinen  Ausgang  der 
kSchwestern.  Ab  und  zu  reisen  sie  nach  Ungarn,  wo  noch  zwei 
absterbende  Klöster,  St.  Jakob  in  Möriczhida  (Diözese  Raab,  am 
Raabflusse  gelegen)  und  St.  Lambert  in  ApÄca- Vasdrhely  ^) 
(Diözese  Veszpr^m,  sieben  Meilen  von  Raab  entfernt,  am  Bakonyer 
Walde)  waren,  von  wo  sie  noch  einiges  Einkommen  als  Hilfe  erhalten, 
was  auch  durch  eine  entsprechende  Urkunde  gesichert  ist.  Da  sie 
zom  Teile  schwächlich  sind,  können  sie  im  Chore  nicht  singen, 
sondern  beten  täglich  die  Prim,  Terz  und  Sext,  haben  ein  ge- 
songenes  Amt,  und  falls  sie  andere  Priester  bekommen,  so  werden 
drei  Messen  in  der  Kirche  gelesen. 

An  Einkommen  hatte  das  Kloster:  von  behaustem  Gut  auf 
der  Landstraße  Orunddienst  4  fl.  5  ß  3  ^  (darunter  2  fl.  unrichtig); 
Oninddienst  von  2  Weingärten  am  Rennweg  5  ß  22  d,  von  den 
Weingärten  Ober-  und  Unter-Hard  33  fl.  1  ß  10  *  (richtiggestellt 
anf  15  fl.  5  ß  17  *);  Steigerungszins  von  58  Vierteln  Weingärten 

^)  In  M6ricKhida  (Pons  S.  Manritii)  bestand  eine  alte  Prämonstratenser- 
propitei  für  Chorherren,  die  nach  der  Schlacht  von  Mohäca  yerlassen  nnd  erst 
1553  Ton  Prämonstratenserinnen  bezogen  wurde.  Diese  begaben  sich  nach  der 
Beietsong  von  Raab  1594  nach  Tymaa  in  das  Klariseenkloster,  wo  sie  mit  dem 
Sigentomsrechte  in  den  Orden  aufgenommen  worden.  Auch  das  Frauenkloster  in 
Viiarhelj  kam  in  den  Besitz  der  Klarissen.  Andere  Frauenklöster  des  Prämonstra- 
tenserordens  jenseits  der  Leitha  werden  in  Irania  (Erzdiözese  Agram),  Drozo 
(£ndi5zese  Erlau),  dann  mit  unbekannter  Lage  Chasma,  Opatinecz  und  Reme- 
tiner  erwähnt.  Hago,  Annal.  Praem.  Fuzhoffer-Czin&r,  Monaster.  Regni 
Hong.  II,  46  und  67.  Hugo  nennt  noch  ohne  Bürgschaft  die  Frauenklöster  Topissa 
(SndiOzeee  Erlau),  Thimerocz  (Erzdiözese  Gran),  Salanghem  (Erzdiözese  Kalocsa) 
and  zum  Heiligen  Geiste  in  Szigetb.  Nach  derselben  Quelle  stand  das  Kloster 
St.  Lambert  früher  fttnf  Stunden  von  VÄsarhelj  entfernt  und  wurde  erst  1517 
mit  Zustimmung  des  Generalkapitels  von  Pr^montr^  und  anf  Bitten  der  Bevölkerung 
ui  die  Stadt  transferiert.  Hier  mußte  es  aber  1562  der  eyangelischen  Lehre 
weichen.  (Hugo,  a.  a.  O.,  11,  15.) 


]04  Alfons  ikk, 

in  Grinzing,  Sievering,  Bronn,  Ottakring,  Perchtoldsdorf,  Gantrams- 
dorf,  Meidling  und  Weinhaas  (worüber  einige  Bestand-  und  Lieib- 
gedingbriefe,  aach  kaiserliche  Konsense  vorhanden)  118  fl.  Von 
einer  Fleischbank  am  Lichtensteg  10  fi.,  von  einem  Haus  Bargrecht- 
zins  10  fl.,  von  einem  Krautgarten  aufier  der  Landstraße  Zins  4  fl., 
von  der  Universität  Wien  fttr  zwei  Benefizien  75  fl.,  vom  Kaiser 
für  den  Prater  als  Zins  83  fl.  4  ß,  aus  dem  Hubhaus  jährlich  52  fl., 
Überländdienst  zu  Simonsfeld  von  etlichen  Feldlehen  16  fl.  4  ß,  von 
zwei  Untertanen  in  Niederrußbach  Grunddienst  2  fl.  8  ^;  von  der 
Paradeismühle  vor  dem  Stuben tore,  die  Thomas  SiebenbUrger  leib- 
gedingweise  innehat,  Jahreszins  26  fl.,  an  Hauszins  für  einzelne 
Gemächer  im  Kloster  37  fl.,  Grundbucfaerträgnis  16  fl.,  Salz  (jähr- 
lich 60  Fuder)  75  fl.,  an  Erträgnis  der  Wiesen  (36  Tagwerk)  36  fl. 
Was  die  Schwestern  durch  Handarbeiten  verdienen,  behalten  und 
brauchen  sie  selbst. 

An  Benefizien  waren  vier  vorhanden :  1.  St.  Katharinenaltar, 
wozu  auch  ein  Häusel  beim  Ämtshaus  und  zwei  Weingärten  ge- 
hörten; es  gehörte  dem  Benefiziaten  Lucius  Ferotta,  der  wöchent- 
lich zwei  Messen  lesen  sollte.  2.  Der  Dreikönigsaltar  hatte  auch 
ein  Häusel  beim  Amtshaus,  dreizehn  Untertanen  zu  Kiederleis  und 
drei  Weingärten  (Nnßberg,  Rabengstetten  und  Bisamberg).  Der 
Benefiziat  Dr.  Peter  Muchitsch  sollte  zwei  Messen  wöchentlich 
lesen  und  zwei  Ämter  singen.  3.  Heiligenkreuzstift  mit  etlichen 
Weingärten  gehörte  der  Wiener  Universität,  die  dafür  dem  Kloster 
jährlich  75  fl.  zahlte  und  wöchentlich  einige  Messen  lesen  ließ. 
4.  St.  Paulusaltar  mit  einem  Weingarten  in  der  Niederen  Hohen- 
wart  bei  Döbling,  dessen  Benefiziat  Domdechant  Kaspar  vod 
St.  Stephan  dafür  wöchentlich  eine  Messe  liest. 

Die  Schwestern  beichteten  und  kommunizierten  an  hohen 
Festen.  Ihr  Beichtvater  war  ein  des  Ungarischen  mächtiger  Jesuit 
Sie  fasteten  ordentlich,  da  sie  ohnehin  arm  waren.  Außer  den  sechs 
Klosterfrauen  gab  es  an  besoldetem  Personal  einen  Hofmeister  (Hans 
Heinrich  Finckh),  der  nebst  Quartier  jährlich  20  fl.  hatte.  Die 
Köchin  bekam  täglich  eine  Halbe  Wein  und  5  fl.,  der  Weingarten- 
knecht 1  Achtrein  und  12  fl.,  der  Wagenknecht  1  Achtrein  und 
10  fl.,  der  Kirchendiener  4  fl.,  der  Hausdiener  3  fl.  Lohn.  Ein  un- 
besoldetes Dienstmädchen  bediente  die  Priorin,  half  im  Chore 
singen  und  hatte  nur  die  Verpflegung.  Zwei  Kostmädchen  lernten 
im  Kloster  nähen  und  zahlten  40  fl.  Dann  gab  es  eine  unbesoldete 


Das  FrauenkloBter  Himmelpforte  in  Wien.  X05 

Magd,  ein  altes  Weib  bei  der  Pforte  und  ein  Weib  für  die  Schwester 
Martha  Soltain  (Helena  Marin),  die  jedoch  jährlich  ihr  Kostgeld  zahlte. 
Alle  waren  katholisch,  im  Gottesdienste  fleißig,  nur  der  Hofmeister 
war  ziemlich  nachlässig,  und  die  Priorin  konnte  sich  nicht  erinnern, 
wann  er  trotz  öfterer  Befehle  in  den  Weingärten  nachgesehen  hätte. 

Von  den  Verwandten  hatte  die  Priorin  niemand  im  Kloster 
als  jenes  arme  Dienstmädchen,  welches  in  der  Kirche  sang.  Elloster- 
ämter  waren  nicht  eingeführt,  nnr  die  eine  oder  die  andere  Schwester 
versah  das  Kelleramt  und  die  Sakristei;  was  sich  die  Schwestern 
darch  ihre  Handarbeit  verdienten,  behielten  sie  für  sich,  mußten 
sich  aber  selbst  davon  bekleiden.  Die  Profeß  legten  sie  ab,  wie  es 
von  alters  her  gebräuchlich  war,  die  älteren  Schwestern,  die  zuvor 
in  Ungarn  die  Profeß  abgelegt,  wurden  durch  die  ungarischen  Bischöfe, 
die  hier  angenommenen  durch  den  päpstlichen  Legaten  »geweiht«. 
Spiele  und  Lustbarkeiten  kamen  keine  vor,  da  die  Schwestern 
ohnehin  alt  sind,  auch  keine  Besuche,  außer  etwa  zu  Kirchtagen 
von  Seiten  der  Bürgerschaft. 

Wein-  und  Getreideernte  wußte  weder  die  Priorin  noch  der 
Schaffiier  mit  Gewißheit  anzugeben.  Da  das  Kloster  bei  9  Joch 
Acker  vor  dem  Schottentore  hatte,  die  bei  5  Mut  Getreide  tragen, 
schlug  man  es  mit  zirka  60  fl.  an.  Von  den  Untertanen  zu  Simons- 
feld kamen  bei  16  Metzen  und  auch  aus  Ungarn  kam  etwas  Getreide 
dem  Kloster  zu  Hilfe.  Die  Weingärten  wurden  an  verschiedenen 
ehrten  in  eigener  Regie  gebaut,  so  am  Greif,  am  Bennweg,  in  Nußdorf, 
Matzleinsdorf,  Teufelskhott,  Pötzleinsdorf.  Grinzing  und  am  Brunner- 
berg, bei  35  Viertel,  die  in  mittleren  Jahren  bis  200  Eimer  trugen. 
Das  ganze  Getreide  wurde  mit  dem  Zuschuß  aus  Ungarn  im  Kloster 
verbraucht,  an  Wein  wenigstens  100  Eimer,  die  anderen  100  Eimer 
H-urden  mit  150  fl.  angeschlagen.  Die  Ernte  und  das  Dreschen  der 
Feld f rächt  kostete  10  fl.,  der  Weingartenbau  bei  262  fl.,  der  Überbau 
l  Dünger  etc.)  30  fl.  jährlich.  Die  Weinlese,  der  Fuhrlohn,  der  Bin- 
der, die  Zehente  und  Bargrechte  nach  Klosterneuburg  und  in  den 
Bischofshof,  seit  einigen  Jahren  ausständig,  machten  77  fl.  aus. 

Täglich  verrechnete  die  Priorin  die  Ausgaben  ftLr  die  Küche, 
für  Fleisch,  Fische  u.  a.,  wöchentlich  4  fl.,  jährlich  200  fl.  Der 
Organist  kostete  10  fl.,  Messen,  Wachs,  Öl  und  andere  Kirchen- 
erfordemisse  25  fl.,  allerlei  Handwerker  50  fl.,  das  Gebäck  10  fl., 
Hafer  und  Fütterung  der  Pferde  60  fl.,  Holzhacker  und  Heumahd 
b  fl.    Alle  Urbare  sind  als  unrichtig  befunden  worden.     Es  waren 


106  Alfons  ihk. 

2  Wagenpferde,  3  Kühe.  3  einjährige  Kälber  und  5  Schweine 
vorhanden. 

Die  Kirche  war  im  guten  Bauzustande  und  mit  aller  Zier 
versehen,  aber  das  Kloster  war  baufällig.  Die  Felder  und  Weingärten 
verödeten  und  niemand  war  da,  der  sich  ihrer  annähme;  sie  wurden 
gar  nicht  gedttngt. 

Seit  ihrem  Antritt  machte  die  Priorin  keine  Schulden,  sondern 
zahlte  bis  300  fi.  alte  Schulden  aus  dem  Überschuß  der  Weinlese  ab. 
Schulden  waren  noch:  Landsteuer  mit  Zinsen  250  fl.,  dem  Bischof 
an  Zehent  7 1  fl.,  dem  Propst  von  Klosterneuburg  an  Bergrecht  und 
Zehent  120  fl.,  dem  Fleischhacker  16  fl.,  dem  Schmied  15  fl.,  dem 
Binder  24  fl.,  dem  Riemer  13  fl.,  dem  Organisten  14  fl..  dem  Bäcker 

3  fl.  Der  Müller  Siebenbürger  von  der  Paradeismühle  ließ  seine 
Forderung  mit  28  fl.  derart  nach,  daß  ihm  das  Kloster  den  Wein- 
garten Greif  in  Grinzing  um  einen  billigen  Zins,  wie  ihn  andere 
zahlten,  überließ;  andere  23  fl.  Schuld  sollten  vom  Mühlpacht  (26  fl.) 
abgezogen  werden.  Dem  Hofmeister,  dem  Hans  Christoph  Kastner. 
Joachim  Wiser  war  das  Kloster  je  20  fl.  schuldig.  Dem  letzteren 
haben  die  Klosterfrauen  auch  einen  silbernen  Becher  versetzt. 
Weil  er  jedoch  für  das  Zimmer,  das  er  bewohnte,  laut  Kontrakt 
vom  Jahre  1662  noch  40  fl.  schuldete,  ordneten  die  Visitatoren 
an,  daß  er  den  Becher  und  20  fl.  innerhalb  14  Tage  dem  Kloster 
zurückgebe,  die  Wohnung  jedoch  weiter  beibehalten  dürfe.  Die 
Summe  der  Schulden  betrug  also  589  fl.,  lauter  liquidierte,  richtige 
Steuer-,  Zehent-  und  Bergrechtschulden,  die  hoffentlich  bald  durch 
gute  Wein-  und  Getreideernte  abbezahlt  werden  dürften.  Wie  man 
jedoch  der  Armut  des  Klosters  abhelfen  sollte,  dafür  wußten  die  Kloster- 
frauen kein  Mittel  und  baten  inständig  um  Rat.  Über  sämtliche 
Ausgaben  und  Einnahmen  legte  die  Priorin  genaue  Aufzeichnungen 
vor;  es  fehlten  nur  4  fl.  und  ein  Ausstand  von  einem  15  Eimerfaß. 
Vorrätig  waren  6  Metzen  Getreide  und  150  Eimer  Wein.  Zwei 
große  und  ein  kleines  Konventsiegel  hatte  die  Priorin  in  Verwah- 
rung zur  Fertigung  der  Bestand-,  Leibgedingbriefe  u.  dgl. 

Vermißt  wurden  17  fl.  3  ß  23  d  Grunddienst  in  der  Stadt 
und  auf  der  Landstraße,  die  nicht  zur  rechten  Zeit  eingefordert 
wurden.  Die  Universität  hat  durch  zwei  Jahre  auf  Jordans  Meth- 
keller  10  fl.  Burgrecht  entzogen.  Von  einem  Weingarten  in  Brunn 
fehlten  4  *  Grunddienst;  von  fünf  Holden  in  Simonsfeld  4  fl.  7  ß  15  * 
Dienst.  Die  Untertanen  in  Simonsfeld  dienten  früher  1  Mut  12  Metzen. 


Das  FrauenkloBter  Himmelpforte  in  Wien.  107 

jetzt  nur  16  Metzen  Weizen.  In  Simmering  fehlten  6  Tagwerk 
Wiesen«  worüber  man  nachfragen  soll.  Man  fand  laut  vorhandenen 
Urkunden  und  Grundbüchern  noch  manche  andere  längst  ver- 
schwondene  Elostergttter^  von  denen  schon  bei  der  Visitation  1566 
keine  Meldung  geschah  und  die  jetzt  auszuforschen  seien.  Einige 
Streitigkeiten  mit  Hans  Schadner,  der  1571  dem  Kloster  den  Frei- 
hof  abgekauft  hatte,  wären  gütlich  beizulegen.  Der  Müller  Sieben- 
bOrger  weigerte  sich,  von  der  gepachteten  Paradeismühle  der  Stadt 
Wien  die  Steuer  zu  zahlen,  da  die  Mühle  ein  Eigentum  des  Klosters 
bildet.  Die  Steuer  vom  Handwerk  werden  jedoch  die  Wiener  vom 
Malier  einzufordern  wissen. 

Die  Kontribution  wurde  dem  armen  Erlöster  erlassen,  aber 
aa  Landsteuem,  die  jahrelang  nicht  beglichen  wurden,  verblieb  die 
Schuld  samt  Zinsen  bei  250  fl.  Die  Klosterfrauen  hielten  wöchent- 
lieh  zweimal  das  Kapitel,  täglich  ihre  Lektionen,  lebten  im  Frieden, 
aber  die  vom  Kaiser  aufgetragene  Reform  wurde  nicht  gehalten 
und  war  überhaupt  unbekannt.  Die  Inventare  wurden  revidiert  und 
ohne  Mangel  befunden. 

Am  13.  April  1577  machte  dann  der  Klosterrat  an  Erzherzog 
Ernst  positive  Vorschläge  wegen  der  Himmelpforte.  Da  der  Abt 
von  Geras  zu  entfernt  sei,  sich  seit  Menschengedenken  um  das 
Kloster  auch  gar  nicht  annahm,  und  keine  Aussicht  sei,  daß  er 
sich  seiner  noch  annehmen  oder  sein  Amt  ausüben  werde,  in 
diesem  Falle  aber  das  Konzil  von  Trient  solche  Superioritäten  ganz  auf- 
gehoben und  den  Diözesanbischöfen  zugeeignet  hat:  so  wäre  die 
Himmelpforte  vor  allem  der  Jurisdiktion  des  Wiener  Bischofs  zu 
nnterstellen.  Die  Benefiziaten  sollen  den  Gottesdienst  fleißiger  ver- 
richten. Wegen  der  Armut  des  Klosters  sollten  Stiftsmessen  bis  zur 
Höhe  von  25  fl.  gegen  Verrichtung  anderer  Gebete  aufgelassen 
werden.  Der  jährUche  Ertrag  der  Stiftungen  per  75  fl.,  welche 
die  Universität  zahlen  mußte,  sollte  durch  drei  Jahre  zur  Hand  der 
Superintendenten  erlegt  und  zur  Verbesserung  des  baufälligen 
Klosters  und  der  öden  Weingärten  verwendet,  diese  Stiftungen  ein- 
gestellt und  durch  andere  Andachten  ersetzt  werden.  Die  schuldigen 
Landsteuem  sollten  in  zwei  Jahren,  die  dem  Schottenabte  schuldigen 
47  fl.  6  ß  15  ^  Grunddienst  ehestens  gezahlt  werden.  Für  das 
Kloster  wurden  zwei  Superintendenten,  der  kaiserliche  Hofrat  Dr. 
Georg   Eder^)   und  Domdechant  Kaspar,   beantragt,   die  vor  allem 

^)  Klein,  IV,  243. 


108  Alfons  ikk. 

einen  tüchtigen  Elosterschaffner  anstellen  sollten.  Aach  sollte  eine 
Reformations-  und  Instraktionsordnung  über  das  Kloster,  nach 
welcher  es  künftig  verwaltet  werde,  dem  Elosterrate  zar  Genehmi- 
gung vorgelegt  werden.  Am  1 9.  April  1577  erwiderte  der  Wiener  Bischof 
Johann  Easpar  Nenböck  dem  Erzherzog  Ernst,  daß  er  mit  allen 
diesen  Punkten,  die  Messenreduktion  ausgenommen,  übereinstimme. ) 
Von  dem  Wiener-Neustädter  Bischöfe  Lambert,  der  sich  be- 
kanntlich für  die  letzen  drei  zur  Himmelpforte  transferierten  Nonnen 
von  St.  Peter  (in  Wiener-Neustadt),  so  lange  sie  lebten,  jährlich 
150  fl.  zu  zahlen  verpflichtet  hatte,  konnten  die  HimmelpförtnerinneD 
jahrelang  nichts  erhalten.  Sie  beschwerten  sich  deshalb  im  Jahre 
1579  beim  Erzherzog  Ernst,  da  die  Forderung  bereits  600  fl.  be- 
trug. Am  14.  Juni  und  10.  Oktober  1579,  dann  am  6.  Mai  1580 
und  3.  April  1581  gab  der  Erzherzog  dem  Bischof  wiederholt  den 
Auftrag,  die  Pension  der  letzten  Elosterfrauen  von  St.  Peter  aus- 
zuzahlen, weil  die  armen  Nonnen  täglich,  ja  stündlich  deswegen 
bei  ihm  anfragten.  Der  Bischof  suchte  sich  zu  entschuldigen  und 
die  Verweigerung  der  Zahlung  zu  begründen.  Am  23.  Juni  1581 
erging  von  Erzherzog  Maximilian,  am  16.  September  1581  vom 
Erzherzog  Ernst  wieder  ein  Befehl  an  den  Bischof  Lambert  in 
dieser  Sache.  Es  lebte  nur  mehr  eine  einzige  Klosterfrau  von 
St.  Peter  bei  der  Himmelpforte,  für  die  der  Bischof  jährlich  150  i 
zahlen  sollte,  widrigenfalls  das  Kloster  St.  Peter,  welches  dem  Bis- 
tum Wiener-Neustadt  inkorporiert  wurde,  wieder  für  Nonnen  eiji- 
gerichtet  werden  würde.  Sowohl  der  Bischof  von  Wien  als  auch 
der  gewandte  Dr.  Georg  Eder  nahmen  sich  dieser  Sache  kr&ftig 
an.  Über  Drängen  der  Himmelpförtnerinnen  wurde  vom  Kaiser 
eine  Kommission  angeordnet,  die  nach  längeren  Verhandlungen  am 
4.  Mai  1582  stattfand.  Der  Bischof  Lambert  ließ  sich  endlich  her- 
bei, der  letzten  Nonne  von  St.  Peter  die  auf  sie  fallende  jähr- 
liche Rate  zu  zahlen,  wollte  jedoch  nur  100  fl.  geben,  da  er  selbst 
karg  dotiert  sei.  Noch  am  20.  Juni  1582  klagte  die  arme  Nonne, 
daß  sie  ihre  Pension  nicht  erhalten  habe,  und  es  sollte  diese  Sache 
vor  Gericht  ausgetragen  werden.  '  Der  Ausgang  ist  nicht  bekannt; 
wahrscheinlich  starb  sie  bald  darauf,  und  damit  hörten  auch  die 
Klagen  auf. 

^)  Eine  Spezifikation  des  Weinzehents,  den  das  Kloster  in  den  Bischofshof 
znWien  vom  Jahre  1571— 1578  schuldete,  ergab  (im  Jahre  1578)  50  fl.  1  ß  29  i^, 
wovon  die  Hälfte  dem  Bischof  gehörte. 


Das  Fraaenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  109 

Das  Katharinenbenefizium  hatte  1580  noch  immer  Lucius 
Perotta,  Kanonikus  bei  St.  Stephan,  inne;  am  23.  April  1580  bc* 
kam  er  vom  Kaiser  den  Befehl,  die  schuldigen  Steuern  zu  be- 
zahlen.^) Schon  am  3.  September  d.  J.  präsentierten  die  Himmel- 
pfortnerinnen  den  bischöflichen  Hofkaplan  und  Domherrn  bei 
St.  Stephan  in  Wien  Georg  Khlay  auf  das  Benefizium,  übergaben 
ihm  das  fläusel  an  dem  Steig  gegenüber  der  Klosterkirche,  die 
Weingärten  und  alles,  was  dazu  gehörte,  damit  er  alles  treu  ver- 
walte und  wöchentlich  selbst  oder  durch  einen  Priester  zwei  Messen 
in  der  Katharinenkapelle  besorge.  Wegen  der  Schwellerschen  Stif- 
tung am  Dreikönigsaltar  ließ  Erzherzog  Ernst  am  13.  April  1581 
die  Klosterfrauen  bei  St.  Agnes  mahnen,  daß  dieses  Benefizium 
vom  Domdechanten  bei  St.  Stephan,  vom  Prior  des  erzherzoglichen 
Kollegiums  und  von  der  Priorin  bei  St.  Agnes  als  Kollatoren  einem 
^Studierenden  der  Theologie  und  Kollegiaten  des  Studienkollegiums 
zu  verleihen  sei.  Am  16.  August  1582  bewilligte  der  Erzherzog, 
die  zu  dieser  Stiftung  von  dem  verstorbenen  Dr.  Matthias  Werthwein, 
Dompropst  bei  St.  Stephan  und  Domherrn  in  Brixen,  durch  einige  Jahre 
aach  Inhaber  der  Schweller-Stiftung,  testierten  100  Pfund  Pfennig 
fiir  das  baufällige  Kloster  Himmelpforte  verwenden  zu  dürfen. 
Doch  mußten  dem  jeweiligen  Benefiziaten  (gegenwärtig  Gerhart 
Oemer,  Erzherzog  Ernsts  Hofkaplan  und  Kanonikus  bei  St  Stephan) 
4  Pfand  Pfennig  gegeben  werden.  Deshalb  wurde  die  vordere 
Straßenfront  des  Klosters  gegen  die  Weihburg  verpfändet. 

Schon  am  26.  Oktober  1579  befahl  der  Erzherzog  dem 
Wiener  Bischöfe  Johann  Kaspar,  mit  dem  Klosterrate  wieder  die 
Himmelpforte  zu  visitieren  und  zu  beraten,  wie  das  Kloster  in 
ireistlichen  und  zeitlichen  Dingen  reformiert  werden  könnte,  damit 
ei  nicht  gänzlich  in  Verfall  gerate  und  ihm  wieder  auf- 
geholfen werde.  Am  7.  Februar  1582  wurde  wegen  der  Verfinde- 
ning  iD  der  Hofmeisterei  des  Klosters  eine  Revision  der  Kloster- 
«ktfn  durch  zwei  Kommissäre  angeordnet.  Im  nächsten  Jahre  wurde 
wieder  die  Visitation  des  Klosters  veranlaßt.  Da  entschuldigte  sich 
^  17.  Februar  1583  Martin,  Generalvikar  von  Wien  und  Propst 
von  St  Dorothe,  bei  dem  Bischöfe,  daß  er  krank  sei  und  als 
Ordensmann  von  der  Visitation  lieber  wegbleiben  möchte.  Der 
Klosterrat    wollte   zwar   früher   den  Abt   von   Geras   wegen   seiner 

^)  Eine  ganze  Sammlung  von  Rechnangen,  Zuschriften  etc.,  dieses  und  die 
^bri^n  Benefizien  betreffend,  im  Wiener  Stadtarchire  (tit.  »Himmelpforte«). 


110  Alfons  Ikk. 

alten  Rechte  über  die  Himmelpforte  einvernehmen;  weil  sich  aber 
die  ge&hrlichen  Zeiten  dermaßen  verändern,  und  die  armen  Kloster- 
frauen ohne  geistlichen  Vorstand  nicht  bleiben  können,  das  Stift 
Geras  jedoch  seine  Gewalt  gar  lange  nicht  aasübte,  ersuchte  der 
Klosterrat  den  Wiener  Bischof  als  Ordinarius,  die  Himmelpforte  md 
Supplement  um«  und  »per  modum  substitutionis«  in  seine  bischöfliche 
Gewalt  zu  nehmen  und  bis  auf  weiteres  alles  zu  tun,  was  sonst  der 
genannte  ordentliche  Visitator  selbst  tun  und  reformieren  mä£te 
(Wien,  1583,  Dezember  3).  Man  sehe  aber  zu,  wie  sich  die  dor- 
tigen Verhältnisse  gestaltet  haben.  Als  Oberin  (die  letzte)  des  Prä- 
monstratenserinnen-Klosters  fungierte 

Katharina  Falasthy 

aus  VdsÄrhely.  Sie  bat  am  10.  Dezember  1583  den  Wiener  Bischof 
Johann  Kaspar,  sich  ihrer  beim  Klosterrate  anzunehmen,  da  die 
Jungfrau  Elisabeth,  die  einzige  deutsche  Schwester  in  dem  kleinen 
Konvente,  und  dann  ein  böses,  altes  Weib,  die  Meirin,  sie  fälsch- 
lich beim  Klosterrate  verklagt  haben,  als  ob  sie  die  Pretiosen  in 
ihre  Heimat  nach  Ungarn  bringen  wollte.  Tatsächlich  versperrte 
der  Klosterrat  alles  mit  etlichen  starken  Schlössern,  gab  der  Oberin, 
der  Jungfrau  Elisabeth  und  dem  Hofmeister  je  einen  Schlüssel  bis 
auf  weiteres,  aber  mit  Unrecht.  Denn  obwohl  die  meisten  Kelche, 
Ornate  etc.  aus  den  ungarischen  Klöstern  hieher  kamen,  so  war  die 
Oberin  doch  nicht  bedacht,  sie  zurückzuschicken,  weil  sie  selbst 
schon  vor  mehr  als  30  Jahren  (1551);  in  dieses  Kloster  aus  Ungarn 
gebracht  worden  war.  Damals  war  sie  erst  22  Jahre  alt,  jetzt  im 
Alter  sei  sie  einem  solchen  Spott  ausgesetzt.  Im  Konvente  herrschte 
kein  Friede  mehr,  denn  Elisabeth  wäre  selbst  gerne  statt  ihrer 
Oberin,  sei  stets  ungehorsam  und  verachte  sie  mit  dem  Wunsche. 
sie,  die  Oberin,  solle  nach  Ungarn  zurück,  die  doch  ihre  Würde 
niemals  angestrebt  und  immer  gut  gewirtschaftet  habe. 

Die  Visitation  war  wirklich  notwendig,  und  trotzdem  weigerte 
sich  der  Bischof  von  Wien,  Johann  Kaspar,  sie  gleichsam  nur  in 
Vertretung  (in  supplementum  des  Unfleißes  anderer*)  oder  per  mo- 
dum substitutionis)  vorzunehmen,  da  ihm  schon  nach  der  Balle 
Innozenz  VHI.  vom  Jahre  1491  als  Bischof  von  Wien  die  ordent- 
liche  Jurisdiktion  über  das  Kloster  zustehe.     Er  protestierte  gegen 


^)  Gemeint  ist  das  Süft  Geras. 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  Hl 

das  Ansinnen  des  Elosterrates  (1583,  Dezember  15)  and  beschwerte 
sich  darüber  beim  Erzherzog  Ernst  (1583,  Dezember  16). 

Mit  Beginn  des  Jahres  1584  wurde  das  Katharina-Benefizinm 
bei  St.  Agnes  darch  den  Tod  des  Domherrn  Georg  Khlay  erledigt. 
Sofort  meldeten  sich  darum  einige  Bewerber,  so  der  alte,  arme 
nnd  kranke  Domherr  Augustin  Rauch  bei  St.  Stephan^),  der  von 
Dr.  Georg  Eder  beim  Bischof  von  Wien  empfohlen  wurde,  dann 
Matthäus  Otto,  Chorkaplan  bei  St.  Stephan  (30.  Jänner),  und  Se- 
bastian Schlick,  ein  SOjähriger  Benefiziat  ebenda,  der  dem  Bischof 
gefiel  (2'6.  Jänner).  Trotzdem  präsentierten  die  Priorin  und  der 
Konvent  bei  St.  Agnes  am  26.  Jänner  1584  den  Domherrn  Rauch  auf 
(la^s  Benefizium^),  der  dann  am  10.  März  1584  vom  Bischof  be- 
stätigt wurde.  £r  resignierte  aber  bald,  worauf  dann  am  9.  Septem- 
ber 1584  der  bischöfliche  Kaplan  Johann  Regulus  präsentiert  und  am 
17.  November  d.  J.  installiert  wurde. ^)  Auch  der  alte  Domherr  Se- 
bastian Schlick  von  St.  Stephan  hat  sich  wieder  um  das  Eatha- 
rinen-Benefizium  beworben  (1584,  November  10  und  11).  Am  29.  Jänner 
15S5  wurde  der  Levit  bei  St.  Stephan  Nikolaus  Schultheis  für 
dieses  Benefizium  vom  Kloster  präsentiert. 

Auch  die  Schwellersche  Stiftung  am  Dreikönigsaltar  war  durch 
iie  Resignation  des  Hofkaplans  Gerhart  Gemer,  Dechants  in  Kim- 
berg, seit  Michaeli  1584  erledigt,  worauf  dann  vom  Erzherzog  Ernst 
der  kaiserliche  Hofkaplan  Georg  Kirchmayr  dem  Wiener  Bischof 
empfohlen  (8.  November  1584)  wurde,  der  auch  das  Benefizium  er- 
hielt (1585,  Juli  24,  Wien). 

Der  Streit  zwischen  dem  Bischöfe  von  Wien  und  dem  Abte 
von  Geras  um  die  Jurisdiktion  über  die  Himmelpforte  zog  sich 
immer  mehr  in  die  Länge.  Am  4.  Februar  1584  fragte  der  Bischof 

^)  £r  hatte  beim  Domstift  seine  Jagend  Engebracht,  in  der  Chnr  8  Jahre 
&U  Chormeister,  dann  ala  Domherr  gedient,  nnd  gab  an,  vom  bloßen  Kanonikat 
nicht  entsprechend  leben  zu  können  (15S4,  Jänner  21,  Wien). 

-)  8ie  entsohaldigten  sich  deswegen  am  28.  Jänner  1584  beim  Bischöfe, 
3er  den  ^'achweis  ihres  Fat ronatsr echtes  betreffs  der  Katharina-Stiftung  verlangte. 

^)  Original  Pergament  im  fürsterzbischöf  liehen  KonsistorialarchiTe  zu  Wien. 
Dort  liest  man  n.  a.:  .  .  .  beneficium,  caius  coUatio  ac  praesentatio  seu  qnaeuis 
&iia  dispositio  iaxta  fundationis  tenorem  quotiescunqne  yacaverit  ...  ad  nos  et  con- 
rentum  nostmm  tanquam  voras  coUatricea  spectare  et  pertinere  dignoscitur  .  .  . 
Datum  Viennae  ez  Monasterio  nostro  Coeliportarum  die  9.  Sept.  A.  84.  Indorsat : 
Praetent.  10.  Sept.  ad  scrutandum  committimus  Dno.  Martine,  praep.  ad  S.  Doro- 
theam,  ricario  nostro  in  spir.  —  Installatio  facta  est  per  D.  Praep.  et  officialem 
17.  Not.  1584. 


112  Alfons  2äk. 

bei  der  niederösterreichischen  Regierung  an,  ob  der  Prälat  von 
Geras  (dUrfite  noch  Balthasar  Bolzmann,  Chorherr  von  Kloster- 
nenburg  and  Administrator  des  Stiftes  Geras  1580 — 1584^)  ge- 
wesen sein)  in  den  nächsten  Tagen  bei  der  Himmelpforte  Joris- 
diktionsakte  Temehmen  wollte,  was  unstatthaft  und  nach  der  Bulle 
vom  Jahre  1491  ungültig  wäre.  Am  25.  Mai  1584  berichtete  der 
Hofmeister  bei  St.  Agnes,  Matthias  Wagner,  an  den  Elosterrat  über 
die  finanziellen  Verhältnisse  des  Frauenklosters.  Die  Einnahmen  be- 
trugen 1582  928  fl.  7ß  3»,  1583  nur  821  fl.  6ß  7»;  die  Aus- 
gaben 1582  1070  fl.  iß  11»,  1583  jedoch  1065  fl.  1  ß  ÖV^». 
Daran  wäre  zum  Teil  der  Umstand  schuld,  daß  durch  die  ungari- 
schen Klosterfrauen  Uneinigkeit  im  Kloster  entstanden  sei.  Wenn 
er  von  der  Priorin  bessere  Ordnung  verlange,  so  sagt  sie,  man  soll 
eine  andere  Priorin  einsetzeu,  ja  sie  begehrt  darum.  Auch  seien 
manche  Dienstboten  überflüssig,  da  sie  nur  singen  und  trinken; 
endlich  sei  auch  der  Verwalter  unredlich. 

In  dem  Streite  um  die  Jurisdiktion  sieht  man,  daß  der  Kloster- 
rat die  vermeintlichen  Rechte  des  Stiftes  Geras  nicht  ganz  ver- 
werfen wollte.  Die  Notwendigkeit  einer  Visitation  der  Himmelpforte 
war  evident,  die  Klosterfrauen  baten  selbst  darum;  der  Erzherzog 
Ernst  drängte  den  Bischof,  weil  es  bei  St.  Agnes  »fast  ergerlich 
vbl  vnnd  gefährlich,  auch  mit  größter  Vnordnung  vnnd  Widerwillen 
vnnter  den  Klosterschwestern  gehausst  werde,  also  da  nicht  zeit- 
liches Einsehen  beschähe,  das  Closter  zu  eussersten  Verderben  gehen 
möchte«  (1584,  Juli  5  und  30),  aber  der  Bischof  verlangte  die  or- 
dentliche Jurisdiktion,  nicht  aber,  wie  der  Klosterrat  sagte,  quasi 
in  supplementum,  und  wollte  sie  gegen  die  Ansprüche  des  Abtes 
von  Geras  durch  den  Erzherzog  geschützt  wissen  (1584,  Juli  3  etc.). 
Als  dann  der  Hofmeister  von  St.  Agnes  zum  Bischof  vorgeladen 
wurde,  um  die  Klosterrechnungen  vorzulegen,  drückten  die  Kloster- 
räte am  9.  August  1584  dem  Bischof  ihr  Befremden  aus,  weil  es 
eine  Temporalangelegenbeit  sei,  die  nicht  einem  Visitator.  sondern 
dem  Kaiser  allein  unterstehe.  Auch  noch  am  18.  September  1584 
beauftragte  Erzherzog  Ernst  den  Klosterrat,  den  Himmelpförtne- 
rinnen und  ihrem  Verwalter  zu  befehlen,  dem  Bischöfe  von  Wien 
ungeachtet  seines  Streites  mit  dem  Stifte  Geras  bei  der  vorzu- 
nehmenden Visitation  Gehorsam  zu  leisten.  Diese  blieb  aber  noch 
immer  aus. 


0  Vgl.:  Vereinsblätter.  1899,  8.  249. 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  X[3 

Indessen   erhielt  das  Stift  Geras  im  Laufe   des   Jahres  1584 
einen  neuen  Prälaten,  Longin  Haberler  (1584 — 1599). 

Im  Jahre  1585  schleppte  sich  die  Angelegenheit  der  Visitation 
weiter.  Am  20.  Februar  befahl  wieder  Erzherzog  Ernst  mittels 
Hofdekret  dem  Bischöfe  Johann  Kaspar  Neuböck  in  Wien,  der 
Klostervisitation  bei  St.  Agnes  nach  dem  Vorschriften  des  Kaisers 
Ferdinand  I.  und  Maximilian  11.  in  spiritualibus  beizuwohnen, 
während  die  Temporalien  vom  Klosterrate  geprüft  werden  sollten; 
doch  könnte  die  Visitation  beider  gleichzeitig  geschehen.  Bald  darauf 
wurde  dem  Elrzherzog  gemeldet«  daß  die  Priorin  zur  Himmelpforte 
mit  gefährlicher  Leibesschwäche  beladen  und  ihr  Aufkommen 
schwerlich  zu  erhofien  sei.  Sie  begehrte  selbst  flehentlich,  daß  man  statt 
ihrer  eine  andere  taugliche  Klosterfrau  zur  Priorin  verordne.  Da- 
rum verlangte  der  Erzherzog  vom  Bischöfe  zu  Wien,  ihm  alsbald 
eine  tangliche  Klosterfrau  von  St.  Agnes,  und  falls  dort  keine  taug- 
liche zu  finden,  eine  von  St.  Jakob  oder  St.  Laurenz  als  künftige  Oberin 
namhaft  zn  machen  (1585,  März  27).  Der  Bischof  erklärte  nun 
endUch,  an  der  Visitation  bei  St  Agnes  teilzunehmen,  protestierte 
aber  gegen  seinen  Ausschluß  in  Temporalsachen,  welche  geist- 
fiche  Güter  seien  und  von  den  Spiritualien  nicht  leicht  getrennt 
werden  können  (1585,  April  2).  Nach  einem  Fragebogen  des  Bi- 
schofs an  die  Priorin  bei  St.  Agnes  über  den  Stand  des  Klosters 
(1585,  April  3)  fand  bald  darauf  die  langersehnte  Visitation  statt. 
Den  Gottesdienst  betrafen  3,  die  Regel  6,  die  Klausur  4  und  die 
Ökonomie  14  Fragen.  Der  Spätherbst  brachte  nach  Wien  die  Pest, 
and  wie  die  Pestkommissäre  dem  Erzherzog  Ernst  am  18.  De- 
zember 1585  berichteten,  starben  kurz  vorher  auch  bei  St.  Agnes 
drei  Klosterfrauen  an  dieser  bösen  Krankheit.  Die  vom  Hofe  zur 
strengen  Handhabung  der  Infektionsordnung  entsendeten  Kommis- 
säre, welche  die  infizierten  Zimmer  vorschriftsmäßig  zu  visitieren  und 
za  sperren  hatten,  fanden  jedoch  an  der  Ellausur  des  Klosters  ein 
Hindernis  in  ihrer  Amtstätigkeit.  Da  aber  der  Wiener  Bischof  am 
4.  Jftnner  1586  erklärte,  er  wolle  ihnen,  wenn  sie  ihm  präsentiert 
werden,  gerne  die  Betretung  der  Klausur  gestatten,  zeigte  ihm  die  nieder- 
österreichsiche  Regierung  am  31.  Jänner  1586  an,  daß  der  Erzherzog 
Ernst  den  Kommissären  den  Auftrag  gab,  des  Bischofs  Vorschlage 
hinsichtlich  der  infizierten  Zimmer  im  Frauenkloster  zu  beachten. 

Mit  dem  Tode  der  drei  Klosterfrauen  verblieb  nur  eine  ein- 
zige Prämonstratenserin  bei  der  Himmelpforte,  Katharina  Palasthy 

Jakrbaeh  d.  V.  f.  LMidetlcande.  1907.  8 


114  AlfonB  ikk, 

von  Vas&rhely.^)  Das  Kloster  schien  bereits  verloren.  Dakamplötz* 
lieh  die  Rettung,  zugleich  eine  merkwürdige  Wendung  der  Geschichte 
für  die  Himmelpforte  von  einer  Seite,  wo  man  den  besten  Erfolg 
erhoffen  konnte,  vom  Äugustiner-Chorfrauenstifte  St  Jakob  in 
Wien.  Die  Himmelpforte  sollte  mit  St.  Jakob  uniert  werden.  Der- 
gleichen Vereinigungen,  selbst  von  Klöstern  verschiedener  BegeL 
waren  damals  schon  längst  durchaus  nichts  seltenes,  vielmehr  gern 
gewählt,  um  mancher  in  ihrem  Bestand  bedrohten  Stiftung  oder 
Pfründe  aufzuhelfen.  Das  Prämonstratenserstift  Greras  erhielt  den 
Augustiner-Chorherm  Balthasar  Bolzmann  zum  Administrator,  des- 
gleichen das  Prämonstratenserinnenkloster  Pernegg  den  Chorherm 
Georg  Sumperer  zum  Propste,  während  die  beiden  Orden  dieselbe 
Regel  beobachten.  Das  Wiener  Kloster  St  Jakob  war  mit  Vor- 
liebe bei  derlei  Maßnahmen  ins  Auge  gefaßt  worden;  schon  1533 
wollte  man  St.  Magdalena,  1558  St.  Klara  in  Wien  mit  ihm  vei^ 
einigen.     Im  Jahre  1575  erhielt  nun  St  Jakob  in  der  Person  der 

Dorothea  von  Puchheim 

eine  tüchtige,  energische  Meisterin,  die  mit  ihrem  eigenen  Erbgute 
und  durch  Einfluß  an  maßgebenden  Stellen  ihr  verarmtes  und  bau- 
fälliges Kloster  emporzuheben  trachtete.  Sie  war  eine  Tochter  des 
Erasmus  von  Puchheim,  Freiherrn  auf  Raabs  und  Krumbach,  und 
der  Elisabeth  von  Hoyos.  Vom  Anfang  an  hatte  sie  in  ihrer  Würde  mit 
verschiedenen  lästigen  und  ärgerlichen  Angelegenheiten  zu  kämpfen.-) 
Von  augenfälliger  Not  gedrängt,  stellte  sie  schon  1585  die  Bitte 
um  Einverleibung  eines  verödeten  Frauenklosters,  etwa  Traun- 
kirchen,  St.  Bernhard,  Imbach,  Schlierbach  o.  dgl.  Nun  stand 
das  nahegelegene  Kloster  Himmelpforte  bis  auf  eine  einzige  Ordess- 
Schwester,  eine  alte  Ungarin,  fast  ganz  verlassen  da.  Dorothea  von 
Puchheim  schlug  daher  am  25.  Jänner  1586  dem  Erzherzog  Ernst  die 
Vereinigung  der  Himmelpforte  mit  St  Jakob  vor.  >  Sollte  des 
Gotteshaus  Himmelpforten  geringes  aber  dennoch  allein  zum  Gottes- 

^)  Eine  merkwürdige  Fügung  wollte  es,  dafi  auch  das  PrämonetraseiiBerinneo- 
kloster  Pernegg,  V.  O.  M.  B.,  Tochteretift  von  Geras,  mit  dem  Tode  der  letztes 
Klosterfrau  Rosina  (f  am  23.  Dezember  1585)  in  demselben  Monate  und  Jahre, 
wie  die  vorletzten  Himmelpförtnerinnen,  ganz  ausgestorben  ist. 

-)  Vereinsblätter.  1878,  S.  25.  Regesten  zur  Geschichte  der  Erzdiözese  Wien. 
I,  8.  384  ff.  Berichte  und  Mitteilungen  des  Altertumsvereines  zu  Wien.  XXXII 
S.  69 ff.  Wiedemann,  Reformation  und  Gegenreformation.  II,  168  und  198. 


Bas  Fraaenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  115 

dienst  gestiftetes  Einkommen«,  schrieb  sie,  »etwa  in  weltliche  Hände, 
TOQ  danen  anch  nur  die  weltliche  und  wenig  Gottes  Ehr  zu  er- 
warten, geraten?  Wollt  ich  zu  billicher  Erhaltung  und  Auferbau- 
ang  dessen  das  Möglichste  mit  meinen  Conventschwestern,  da  es 
mir  anzubefehlen  gewürdigt  werden  solle,  mit  der  Hülfe  des  All- 
mächtigen einen  Weg  als  den  anderen  darinnen  zu  thun  an  mir 
diesfalls  nicht  erinnern  lassen.  Es  könnte  einem  Kloster  durch  das 
andere  geholfen  werden.« 

Am  12.  Februar  1586  erstattete  der  Klosterrat  dem  Erz- 
herzog Ernst  den  Bericht  über  die  Supplik  der  Meisterin  von  Puch- 
heiuL  die  über  die  schlechte  Lage  ihres  Klosters  bei  St.  Jakob,  dem 
sie  ihr  ganzes  Vermögen  geopfert  und  dort  viel  eingebüßt  habe, 
klagte,  weil  sie  ihren  stark  besetzten  Konvent  nicht  erhalten  könne. 
Die  Kirche  und  das  Kloster  bei  St.  Jakob  ^  sind  stark  baufällig. 
Um  das  Kloster  zu  retten,  bat  die  Meisterin  um  Vereinigung  mit 
der  Himmelpforte  oder  St.  Hieronymus,  welche  Frauenklöster  zwar 
arm  und  schlecht,  aber  mit  Klosterfrauen  nicht  stark  besetzt  seien. 
Sie  wollte  etliche  Jungfrauen  ihres  Klosters  dahin  stellen,  damit 
sie  den  Gottesdienst  fleißig  verrichten.  Nun  sei  aber  die  Himmel- 
pforte fast  ausgestorben,  bis  auf  eine  Person,  die  bisher  Superiorin 
war,  eine  Ungarin  und  alt,  die,  weil  sie  sich  mit  den  deutschen 
Schwestern  nicht  vertragen  konnte,  öfter  in  ihr  Profeßkloster  VA- 
sarhely  nach  Ungarn  zurückzukehren  begehrte.  Man  habe  aber  ihren 
Wunsch  nicht  erfüllt,  weil  die  anderen  Schwestern  zu  jung  waren, 
als  daß  man  ihnen  hätte  das  Amt  einer  Priorin  anvertrauen  können. 
Die  letzte  Schwester  Katharina  wolle  auch  die  Wertsachen,  die  sie 
aus  ihrem  Kloster  in  Ungarn  heraufgebracht  hatte,  wieder  mit- 
nehmen« Nun  sei  das  Klostergebäude  baufällig,  die  Gründe  seien  mei- 
stens öde,  daher  wäre  eine  energische  Meisterin  nötig.  Da  es  aber  be- 
kannt sei,  daß  Dorothea  von  Puchheim  das  Kloster  St.  Jakob  wacker 
verwaltet,  wäre  es  empfehlenswert,  die  Himmelpforte  St.  Jakob 
auf  eine  Zeitlang  zu  inkorporieren,  was  jedoch  bei  der  Ver- 
schiedenheit des  Ordens  nur  mit  päpstlicher  Dispens  geschehen 
müßte.  Die  Meisterin  würde  dann  etliche  Klosterfrauen  von  St. 
Jakob  zur  Himmelpforte  senden  und  dort  eine  Oberin  oder  Meisterin 
anstellen,  sie  selbst  aber  die  Aufsicht  führen,  damit  durch  gute 
Wirtschaft  beiden  Klöstern  geholfen  werde. 

^)  Heute  noch  die  Jakobergasse  und  der  ehemalige  Jakoberhof  in  Wien,  I., 
ZOT  Erinnening. 

8* 


116  Alfoni  ikk. 

Am  6.  März  1586  befürwortete  der  Klosterrat  bei  dem  Erz- 
hwzog  Ernst   und   dem  Wiener  Bischöfe   die  Bitte    der   alten  ge- 
breehlichen  Superiorin  bei  St.  Agnes,    die   allein  noch  im  Kloster 
übrig  war,  da  die  anderen  drei  Schwestern  mit  zwei  Mädchen,  die 
im  Chorgesang  mithalfen,  im  Jahre  1585  an  der  Pest  gestorben  waren. 
Man  sollte  laut  dieser  Bitte  wenigstens  drei  fremde  Nonnen  zur  Himmel- 
pforte   senden,    damit   der   Chor-  und   Gottesdienst   in  der  bevor- 
stehenden Osterzeit  gehalten  werden  könne;  auch  die  Meisterin  von 
St.  Jakob  hatte  gebeten,  Nonnen  nach  St  Agnes  geben  zu  dürfen. 
Nach  einigem  Bedenken  stimmte  der  Bischof  Johann  Kaspar  Neuböck 
in  Wien  am  21.  März  1586  der  Union  der  Klöster  St.  Agnes  und  St 
Jakob  bei,  doch  fürchtete  er,   daß  die  Superiorin  (»die  alte  Unga- 
rin») wieder  Ungelegenheiten  und  Widerwillen  stiften  würde.  ^  End- 
lich kam   die  Union  auf  Befehl   des  Kaisers   zustande,    und   am 
19.    April   1586  übernahm   Dorothea    von    Pachheim,    Oberin    bei 
St.     Jakob,     das    ehrenvolle    Amt    der    Administration    bei    der 
Himmelpforte,    indem    ihr   das   Inventar    des    Klosters    übergeben 
wurde.  Ein  Verzeichnis  der  wertvolleren  Kirchengeräte  und  Klein- 
odien des  Klosters  St.  Agnes,  die  der  Meisterin  Dorothea  zur  Auf- 
bewahrung eingehändigt  wurden,  erwähnt  2  silberne  Becher,  1  altes 
silbernes  Becherl,  2  große  silberne  Konventsiegel,  1  hohen  Schein- 
becher auf  drei  Füssen,    2  silberne  Monstranzen,    1  silbernes  Re- 
liquienkreuz, 1  silbernes  Rauchfaß,  1  silbernes  vergoldetes  Geschirr, 
2  silberne  Opferkännchen,  6  silberne  Kelche  mitPatenen,  2  andere 
silberne  Kelche  mit  Patene,  2  neue  silberne  Kännchen,  1  silbernes 
Kreuzchen,   6  kostbare  Rosenkränze.  Die  Übergabe  geschah  durch 
JUDr.  Matthäus  Ferabosco,  kaiserlichen  Rat  und  Kommissär,    und 
Andreas  Gäßtl,  Sekretär  des  Klosterrates. 

Daß  die  letzte  Prämonstratenserin  bei  St  Agnes,  Priorin 
Katharina,  unter  dem  neuen  Regiment  der  Augustiner-Chorfranen 
nicht  zufrieden  war,  erhellt  aus  ihrer  Bitte  vom  15.  Juni  1586  an 
den  Wiener  Bischof,  ihr  die  von  der  Meisterin  bei  St.  Jakob  über 
sie  vorgebrachten  Klagen  zukommen  zu  lassen.  Hier  findet  sich 
auch  ein  neues  aufgedrücktes  Siegel,  dessen  Bild  von  nun  an  das 
Wappen  der  Himmelpforte  bildete:  Ein  stehendes,  nach  rechts  ge- 

')  Laat  Indorsat  leitete  nan  der  Erzherzog  die  Hauptsachen  wegen  der 
Union  beider  KlOster  an  den  Kaiser.  Damit  der  Gottesdienst  in  der  bevorstehenden 
heiligen  Osterzeit  gut  y errichtet  werde,  soll  der  Bischof  als  Ordinarias  die  Sa- 
periorin  der  Himmelpforte  mahnen. 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  117 

wendetes  und  zurückschauendes  Lamm  {Agnus  Dei  in  bezug  auf 
die  heilige  Agnes  und  das  römische  Pallium  der  Erzbischöfe),  rück- 
wärts einen  schrägstehenden  Kreuzstab  mit  einer  Fahne  stützend, 
der  von  den  Buchstaben  A  und  G  begleitet  ist. 

Als  nun  der  neue  Abt  von  Geras,  Longin  Haberler,  von  der 
Union  der  Himmelpforte  mit  St.  Jakob  erfuhr,  erhob  er  »vermüg 
seiner  habunden  priuilegien  als  unwidersprechlicher  Visitator  apud 
Celiportas«  am  8.  Juli  1586  seine  Stimme  beim  Erzherzog  Matthias 
dahin,  daß,  wenn  die  Meisterin  von  St.  Jakob  dem  Kloster 
St.  Agnes  helfen  und  aus  ihrem  Konvent  etliche  Jungfrauen  dahin 
senden  wolle,  diese  Klosterfrauen  die  Prämonstratenser-Regel  (als 
die  strictior)  annehmen  sollen.  Sonst  wären  auch  drei  Jungfrauen 
bei  der  Himmelpforte  vorhanden,  die  in  den  Prämonstratenser- 
Orden  einzutreten  gedenken.  Damit  alle,  auch  des  Visitators  Rechte 
geschützt  werden,  bat  der  Abt  von  Geras,  die  Union  inzwischen 
einzustellen.  Der  Bischof,  der  das  Gesuch  des  Abtes  zur  Äußerung 
bekam  (15.  Juli),  protestierte  vor  dem  Erzherzoge  Matthias  gegen 
die  Behauptung  des  Abtes,  als  ob  das  Visitationsrecht  bei  St.  Agnes 
nicht  dem  Bischöfe  von  Wien  gehörte  (novae  leges  corrigunt  anti- 
qaas  novaque  privilegia  mutant). 

Die  letzte  Prämonstratenserin  bei  St.  Agnes  sehnte  sich  nach 
Ungarn  zurück.  Sie  bestellte  sich  einige  Bürger  aus  der  Stadt 
Vdsirhely  nach  Wien  zur  Besprechung,  welche  auch  Ende  August  1580 
hieher  kamen  und  den  Bischof  um  Erlaubnis  baten,  mit  der  Frau 
»Äbtissin«  sprechen  zu  dürfen,  was  dieser  gestattete,  doch  nur  in 
Gegenwart  eines  Klosterratssekretärs  (23.  Augast).  Die  Bürger  von 
Väsärhelj  wiederholten  bald  ihre  Bitte  an  den  Bischof,  weil  die 
Meisterin  von  St  Jakob  die  Unterredung  nicht  erlauben  wollte.  Den 
beiden  Abgesandten,  die  im  Namen  der  zwei  Schwestern  Anna 
und  ihrer  Schwester  Katharina  bei  St.  Agnes  baten,  antwortete  der 
Bischof,  daß  er  die  Wegführung  der  Schwester  Katharina  nach 
Ungarn  derzeit  nicht  erlauben  könne.  Die  Bittsteller  sollten  sich 
an  den  Erzherzog  Ernst  wenden  (25.  August).  Das  haben  sie  sofort 
getan  und  baten  neuerdings  den  Bischof  von  Wien,  mit  der  Priorin 
bei  St.  Agnes,  Katharina,  allein  reden  zu  dtlrfen,  da  dies  die 
Meisterin  von  St.  Jakob  noch  immer  verbiete.  Die  Meisterin  wurde 
nun  vom  Bischof  beauftragt,  die  Priorin  Katharina  alsbald  zu  ihm 
ZOT  Audienz  gehen  zu  lassen.  Nach  einigen  Verhandlungen  kam 
die  Sache   zum  Abschluß.     Laut  Bericht   des   Klosterrates   an   den 


118  Alfoni  ikk. 

Erzherzog  Ernst  vrm  4.  Oktober  1586  ist  Katharina  Palasthj  mit 
anderen  Klosterfrauen  vor  Jahren  mit  Bewilligung  des  verstorbenen  Kai- 
sers Ferdinand  I.  vom  ungarischen  Kloster  Väsarhely  wegen  der  Türken- 
gefahr zur  Himmelpförte  transferiert  worden  und  hat  damals  etliche 
Kleinodien  und  Ornate  hieher  gebracht  Weil  nun  das  bis  auf  sie 
ausgestorbene  Kloster  St.  Agnes  neulich  der  Meisterin  von 
St.  Jakob  eingeräumt  wurde,  bat  Katharina  um  Herausgabe  dieser 
Wertsachen  von  Väsirhely  im  Beisein  einer  Kommission,  der  auch 
ein  ungarischer  Kommissär  beizuziehen  wäre.  Das  Begehren  der 
Klosterfrau,  nach  Ungarn  in  ihr  Profeßkloster  zurückkehren  zu 
dürfen,  möge  vom  Erzherzog  bewilligt  werden.  Die  Herausgabe 
der  Wertsachen  aber  empfehle  sich  nicht,  weil  Katharina  und  die 
andere  Schwester,  die  mit  ihr  nach  Ungarn  zurückkehren  will, 
alt  seien,  und  so  möchten  diese  Wertsachen  nach  ihrem  Tode 
verschleppt  oder  gar  von  den  Türken  geraubt  werden.  Auch  habe 
Katharina  nicht  nachgewiesen,  welche  Wertsachen  von  V&sÄrhely 
stammen.  Der  Klosterrat  glaubte,  die  Wertsachen  des  ungarischen 
Klosters  sollten  bei  St.  Jakob  in  sichere  Verwahrung  genommen 
und  deponiert  werden.  Eine  andere  Frage  betraf  die  Urkunden  von 
VÄsÄrhely.  Da  der  kaiserliche  Rat  und  ungarische  Sekretär  be- 
stätigte, daß  in  Ungarn  Kopien  nicht  viel  Wert  besitzen,  sondern 
daß  man  da  Originalbriefe  vorweisen  müsse,  so  seien  der  »Äbtissin«, 
die  Originalurkunden,  die  sie  zur  Erhaltung  ihres  Ordens  und  Klosters 
dringend  brauchte,  gegen  Empfangsbestätigung  auszufolgen,  damit 
sie  in  Wien  nicht  aufgehalten  werde. 

Noch  an  demselben  Tage  bekam  der  Wiener  Bischof  den  Be- 
richt des  Klosterrates  zur  schnellen  Begutachtung,  »weil  die  beiden 
Klosterfrauen  nun  mehr  etliche  Wochen  auf  schwerer  Zt&rxmg  albie 
ligen«.^)  Der  Bischof  billigte  es,  daß  die  ungarische  Klosterfrau 
und  die  »Äbtissin«  von  Y&sarhely,  Katharina  Palasthy,  nicht  bleiben, 
sondern  nach  Ungarn  ziehen  wollten.  Man  solle  sie  nicht  aufhalteo, 
sondern  mit  Reisegeld  versehen  und  fortlassen,  zumal  sie  mit  großen 
Kosten  außerhalb  des  Klosters  bei  einem  Bürger  und  unter  Laien 
hier  in  Wien  wohnen,  Zeit  und  Geld  unnütz  vergeuden  und  so- 
gar Ärgernis  geben  könnten.  Die  Wertsachen  soll  man  ihnen  wegen 
der  Türkengefahr  nicht  ausfolgen.    Von  den  Urkunden   sollte  man 

^)  Wahrscheinlich  war  es  eine  zweite  ungarische  Nonne,  weiche  mit  der 
letzten  Pr&monstratenserin  bei  St.  Agnes  in  Wien  die  Wohnung  teilte  und  mit 
ihr  nach  Ungarn  ziehen  wollte. 


Da8  FranenkloBter  Himmelpforte  in  Wien.  1X9 

ihnen  nur  Kopien  wegen  derselben  Gefahr  geben,  aber  weil  sie  so 
dringend  bitten,  könnte  man  ihnen  schließlich  die  Originale  aus- 
folgen, da  sie  für  die  Himmelpforte  keinen  Nutzen  hätten.  Zum 
Andenken  wäre  ein  Vidimus  zu  besorgen  und  bei  den  Wertsachen 
aufzubewahren  (1586,  Oktober  8). 

Nun  konnte  Katharina  Palasthy  ruhig  nach  Ungarn  zurück- 
kehren, Yon  wo  die  EQmmelpforte  seit  ihrem  Bestände  zum  wieder- 
holten Male  Schutz,  Wohlwollen  und  Unterstützung  erfahren  hatte. 
Mit  dieser  Übersiedlung  1586  hörte  eigentlich  der  Prämonstra- 
tenserorden  bei  der  Himmelpforte,  seiner  einzigen  Niederlassung 
in  Wien,  auf,  wenn  auch  die  Union  des  Klosters  mit  St.  Jakob 
eigentlich  ein  Interim  war,  und  später  noch  (1603 — 1604)  der  Prä- 
monstratenserorden  gegen  den  Verlust  der  Himmelpforte  prote- 
stierte 0?  bis  endlich  Papst  Paul  V.  am  1.  Juni  1605  durch  seine 
Bulle  »De  provida  sedis  apostolicae«  das  Rechtsverhältnis  des 
Klosters  einmal  für  immer  geregelt  hat.  Somit  fällt  der  Teil  der 
Geschichte  des  Frauenklosters  St.  Agnes  zur  Himmelpforte  seit 
1586  dem  Orden  des  heiligen  Augustin  zu. 

n. 

St.  Agnes   zur  Himmelpforte  als  Augustiner-Chorfrauen- 
stift (1586—1783). 

Der  Augustinerorden  sollte  dem  Frauenkloster  zur  Himmel- 
pforte eine  neue  Lebenskraft  bringen,  uachdem  es  durch  mehr  als 
drei  Jahrhunderte  dem  Prämonstratenserorden  angehört  hatte. 

Dort  erschienen  die  beiden  Königinnen-Witwen  Konstanzia 
und  Agnes,    sowie   der  Wiener  Pfarrer  Meister  Gerhard  2)   als   die 

')  Kegesten  zur  Geschichte  der  Erzdiözese  Wien.  I,  66,  Nr.  140.  Quellen. 
I,  5,  Nr.  4767. 

')  Nachträglich  entdeckte  ich,  daß  dieser  Mann  schon  zum  Jahre  1246  am 
9.  Joni  im  Lager  vor  Piesting  bei  Pottendorf  als  plebanas  de  Gorse  Zeuge  einer 
Schenkung  des  Herzogs  Friedrich  in  Ebersdorf  an  die  bayrische  Prämonstratenser- 
propstei  Neustift  war.  Vgl.  Mon.  Boic.  IX,  582.  Archir  für  Kunde  österreichischer 
Gesehichtsquellen.  XII,  304.  Beilage  zam  Diözesan-Blatte  von  St.  Polten.  III,  545. 
Dann  zum  Jahre  1261  und  1265  in  Fontes.  I,  159  und  161,  zum  Jahre  1265, 
1266  und  1268  im  Niederösterreichischen  Urkundenbnch  I,  96,  108,  118—119, 
ond  Quellen  zur  Geschichte  Wiens.  2,  II,  R.  1511,  1512,  1514  und  1515.  Zum 
Jahre  1266  in  den  Quellen,  1.  c,  R.  1261,  zum  Jahre  1269  in  den  Fontes,  I, 
96—97.  Vgl.  auch  Beilagen  zum  Diözesan-Blatt  von  St.  Pulten.  VIII,  451  sq.  — 
Die   Satzungen    des    mit    der    Himmelpforte    gleichzeitig    errichteten    Spitals    zu 


120  Alfoni  tkk. 

haupsächlichsten   Förderer,    sozasagen    Stifter    des    altehrwürdigen 
Gotteshauses,  welches  im  Jahre  1686  fast  verlassen  dastand. 

Dorothea  Freiin  von  Pachheim, 

die  berufstreae,  energische  Oberin  des  Angustiner-Chorfrauenstiftes 
bei  St  Jakob  in  Wien,  war  es.  die  acht  Jahre  hindurch  (1586  bis 
1594)  die  Schicksale  der  unierten  Franenklöster  St.  Jakob  und 
Himmelpforte  ^)  mit  viel  Geschick,  aber  auch  unter  schwierigen 
Verhältnissen  leitete.  Sie  trachtete,  der  Dürftigkeit  ihres  eigenen 
Stiftes  durch  Überlassung  ihres  Erbes  abzuhelfen  und  bemühte 
sich  auch,  Töchter  aus  vornehmen  und  reichen  Familien  für  den 
Orden  zu  gewinnen,  um  einerseits  durch  den  Glanz  der  Namen 
das  Ansehen  des  Stiftes  zu  heben,  anderseits  durch  eine  reiche 
Mitgift  dessen  materielle  Lage  zu  bessern.  Ob  nun  die  Union  mit 
der  Himmelpforte  (19.  April  1586)  wirklich  die  gehofften  Vorteile 
für  St.  Jakob  brachte,  bleibe  dahingestellt!  Die  ökonomische  Lage 
des  einverleibten  Klosters  war  nach  dem  Berichte  der  Oberin 
Dorothea  an  den  Erzherzog  Ernst  (25.  Jänner  1586)  keine  günstige. 


St.  Job  (1266)  Bind  aach  bei  M.  Fischer,  Das  Dorotheaatifi  in  Wien,  8.  222, 
abgedrackt.  —  Ober  dae  Wiener  ProvinBialkonzil  1267  yerOffentliehte 
P.  Konstantin  Prins  Hohenlohe  in  der  »Koltnr«  (Wien  190d,  8.  441  ff.)  eine 
ausführliche  Studie;  nach  Dr.  H.  Markgraf  (Zeitschrift  des  Vereines  für  Ge- 
schichte und  Altertum  Schlesiens.  V,  1,  99)  mfissen  jedoch  der  Srxbischof  ron 
Salzburg,  der  Patriarch  von  Aquüeja,  die  BischSfe  von  Olmttti  und  Breslau  aus 
der  Reihe  der  Teilnehmer  gestrichen  werden,  dafür  scheint  König  Ottokar  n. 
selbst  anwesend  gewesen  au  sein  (Mon.  Boie.  XXIX,  471).  —  Die  liebliche 
Sage  Ton  der  »Himmelspf^rtnerinc  wurde  neuerdings  als  dramatische  Legende 
von  Adele  Beschenhofer  (BeligiOse  Schauspiele.  II,  Wien  1904,  8.  43—103) 
bearbeitet  —  Kleine  Nachträge  aum  ersten  Teile  der  Klostergeschiehte  enthalten 
auch  die  QaeUen  zur  Qeschichte  Wiens.  I,  1,  K.  1043,  demnach  Himmelpforte 
und  St.  Laurenz  1530  als  Wohnung  der  obdachlosen  Nonnen  ron  St  Niklas, 
St.  Klara  und  St.  Magdalena  in  Aussicht  genommen  war,  und  R.  1111,  laut 
dessen  Kaiser  Maximilian  II.  1571  rier  Tagwerk  Wiesen  zwischen  Ebersdorf  und 
Simmering,  die  der  Himmelpforte  gehörten,  gegen  andere  austauschen  wollte. 

^)  Nach  der  Erzählung  der  letzten  KouTentschwester  bei  der  Himmeipforte, 
die  nach  Ungarn  zog,  h&tte  das  leere  Kloster  in  ein  Blockhans  umgewandelt 
werden  sollen.  Doch,  weil  zu  Terschiedenen  Zeiten,  besonders  nachts  über 
dem  Kloster  die  Engel  gehört  worden  sind,  und  Erzherzog  Ernst  ron  dem 
Wiener  Bischöfe  Johann  Kaspar,  dem  dieses  Kloster  sehr  am  Herzen  lag,  Ton 
seinem  Vorhaben  abgehalten  wurde,  kam  das  öde  Kloster  auf  Befehl  beider  Obrig- 
keiten an  St  Jakob  zur  Administration.  (Alte  Klosterchronik.) 


Das  Frauenklotter  Himmelpforte  in  Wien.  121 

Das  Eonventgebäude  sah  nach  einer  Äußerung  Elesls  einer  gemeinen 
Tafeme  gleich. 

Die  ersten  sechs  Chorfrauen,  welche  von  Dorothea  aus  dem 
Jakobskloster  zur  Himmelpforte  übersetzt  wurden,  hießen  Barbara 
Augenthaler  (frtlher  Novizenmeisterin  bei  St.  Jakob,  jetzt 
Dechantin  ^)  bei  der  Himmelpforte),  Ursula  Hueber,  Elisabeth  Braun, 
Sibylla  Ox,  Anastasia  Moller  und  Barbara  Dorothea  Bauhofer.  Die 
letztere  beklagte  sich  als  Gewandmeisterin  im  EQost^r  in  einem 
Schreiben  an  den  Wiener  Bischof  über  ungehorsame  Nonnen 
(ddto.  Wien,  1589,  8.  Jänner). 

Am  19.  April  1593  wurde  die  Oberin  Dorothea  von  den 
niederösterreichischen  Landschaftsverordneten  in  Wien  gemahnt, 
die  seit  1575  von  der  Dreikönigstiftung  bei  der  Himmelpforte 
(aach  Schwellersche  Stiftung  genannt,  errichtet  1469)  schuldige 
Landsteuer  per  134  fl.  zu  bezahlen. 

In  demselben  Jahre  begann  ein  ärgerlicher,  bis  1601  fort- 
dauernder Prozeß  mit  dem  Inhaber  eben  dieses  Benefiziums  Georg 
Eirchmayr,  der  schon  1584  für  das  erledigte  Benefizium  als 
kaiserlicher  Hofkaplan  vom  Erzherzog  Ernst  empfohlen  und  1585 
präsentiert  wurde.  Er  war  jetzt  Domherr  bei  St.  Stephan  und  be- 
saß außer  dem  Dreikönigstift  bei  St.  Agnes  auch  noch  das  Bene- 
fizium bei  St.  Salvator  in  Wien.  Schon  am  10.  Juli  1593  wurde 
ihm  vom  Elosterratspräsidenten  Abt  Kaspar  von  Melk  angedeutet, 
sich  ruhig  zu  verhalten  und  die  Resolution  des  Erzherzogs  Matthias 
in  seinem  Streite  mit  der  Oberin  Dorothea  von  Puchheim  ab- 
za warten.  Diese  bat  am  5.  September  1593  den  Erzherzog,  am 
14.  Oktober  den  Bischof  um  Absetzung  des  Benefiziaten  Eirch- 
mayr, der  »viel  Mibe.  Arbeit,  Trübsal  und  Bekhümmernußc  verursacht, 
und  dem  sie  das  Benefizium  bereits  gekündigt  hat.  Da  die  Oberin 
14  >Besehwär-  und  Beger- Artikel«  gegen  Kirchmayr,  der  den  Gottes- 
dienst nicht  ordentlich  hielt,  vorbrachte  (4.  November),  befahl  ihm 
der  Bischof  am  5.  November,  sich  innerhalb  acht  Tagen  auf  diese 
Klage  zu  verantworten,  worauf  er  den  Streit  entscheiden  werde. 

Eirchmayr  bat  indessen  am  10.  November  den  Bischof  Easpar, 
dem  Eloster  Himmelpforte   die  Zahlung   von   den   ihm   schuldigen 


*)  In  den  Aagostiner-Chorfraaenstiften  stand  analog  den  Chorherren 
&n  der  Spitze  der  Kommunität  die  >0bri8tin«  (praepotüa,  früher  Meisterin  ge* 
nannt;  die  Chorherren  haben  einen  Propst  zum  Ordens  vorstand)  und  die 
Dechantin,  die  beide  anf  Lebensdauer  gewfthlt  wurden. 


122  Alfon«  ikk. 

36  fi.  Oranddienst  aufzutragen  und  im  Weigerungsfälle  das  Inter- 
dikt anzudrohen.  Der  Bischof  befahl  der  Oberin,  die  Schuld  binnen 
drei  Tagen  zu  zahlen  (18.  November)  und  dem  Benefiziaten  den 
Orunddienst  zu  leisten,  bis  der  Streit  entschieden  sei  (26.  Noyember). 
Man  drohte  der  sich  weigernden  Oberin  sogar  mit  der  Exekution. 
Nun  beklagte  sich  Dorothea  von  Puchheim  wiederum  beim  Erz- 
herzog Matthias  über  den  »rebellischen«  Benefiziaten  Eircbmayr. 
der  jahrelang  keine  Steuer  zahle,  gegen  die  Konventschwestem 
unhöflich  und  gegen  die  Untertanen  hart  sei.  Sie  führte  auch  Be- 
schwerde darüber,  daß  sie  nach  dem  Ausspruche  des  Wiener  Bi- 
schofs nicht  befugt  sein  solle,  ihren  Benefiziaten  aufzukündigen, 
was  doch  das  Recht  eines  jeden  Patrons  sei,  dann  über  den  Zah- 
lungsauftrag und  das  angedrohte  Interdikt.  Die  Beschwerde  wurde 
am  3.  Dezember  dem  Bischöfe  zugestellt,  der  sie  dem  Benefiziaten 
zur  Beantwortung  schickte.  Kirchmayr  bestritt  am  23.  Dezember 
in  einem  Briefe  an  den  Bischof,  daß  die  Oberin  bei  St.  Agnes 
seine  Lehensherrin  sei  und  ihn  eigenmächtig  entfernen  könne  und 
begehrte,  daß  das  Interdikt  über  die  Himmelpforte  verhängt 
werde. 

Am  6.  April  1594  richtete  Dorothea  von  Puchheim  ihre 
Klagen  gegen  Kirchmayr  an  die  Klosterräte  mit  der  Bitte,  den 
Wiener  Bischof  darüber  zu  vernehmen  und  demselben  dann  an- 
zuzeigen, wie  der  Streit  zu  schlichten  sei. 

Durch  das  fortwährende  Sorgen  um  die  Sicherung  der  Exi- 
stenz der  unierten  Klöster  und  durch  die  herben  Erfahrungen  und 
Unannehmlichkeiten  in  der  Leitung  derselben  war  die  Gesundheit 
der  Oberin  Dorothea  tief  erschüttert  und  ihre  Energie  gebrochen. 
Schon  am  27.  Februar  1593  klagte  sie  dem  Wiener  Bischöfe  über 
die  Widerspenstigkeit  einiger  Klosterfrauen  und  auch  die  Union 
von  St.  Jakob  mit  St.  Agnes  erwies  sich  eher  nachteilig  als  nütz- 
lich. Darum  wurde  die  Oberin  amtsmüde,  und  ihr  Alter  und  immer* 
währende  Leibesschwäche  und  die  Unfähigkeit,  den  vereinigten 
Klöstern  mit  ziemlich  jungen  Klosterfrauen  vorzustehen,  vor- 
schützend, bat  sie  um  eine  Koadjutorin  und  um  Trennung  der 
beiden  Klöster. 

Am  9.  Mai  1594  wendete  sich  der  Wiener  Bischof  an  den 
Erzherzog  Matthias  mit  der  Bitte,  dem  Gesuche  der  Oberin  Dorothea 
um  Bestellung  einer  Koadjutorin  mit  dem  Rechte  der  Nachfolge 
zu  willfahren  und  Kommissäre   zur  Übergabe   der  Temporalien  an 


Das  Frauenkloster  Himmel pf orte  in  Wien.  123 

die  Erwählte  zu  bestellen.  Beides  wurde  genehmigt,  aber  wegen 
der  Forderung  der  landesfürstlichen  Kommissäre,  die  Klausur  des 
Klosters  zu  betreten,  entspann  sich  ein  lebhafter,  für  die  damaligen 
kirchenpolitischen  Verhältnisse  bezeichnender  Briefwechsel  zwischen 
dem  im  »christlichen  Feldtlager  vor  Gran«  weilenden  Erzherzog 
Matthias  und  dem  Bischöfe.  Endlich  fiel  am  28.  Juni  1594  die 
Entscheidung  des  Klosterrates  dahin,  daß  für  diesmal  die  Wahl 
nach  alter  Gepflogenheit  nur  im  Beisein  des  Bischofes  sich  voll- 
ziehen, die  Übergabe  der  Temporalien  aber  außerhalb  der  Klausur 
durch  die  kaiserlichen  Kommissäre  erfolgen  solle;  im  ähnlichen 
Sinne  hat  schon  am  16.  Juni  Matthias  im  Feldlager  ein  Dekret 
erlassen.  Zu  kaiserlichen  Kommissären  bei  der  Wahl  wurden  die 
Rlosterräte  Georg  Christoph  von  Homberg  und  Adam  von  Alten- 
steig bestimmt. 

Die  Wahl  der  Koadjutorin  fand  am  6.  Juli  1594  in  Gegen- 
wart des  Bischofs  Neuböck,  des  Dompropstes  Klesl  und  des  OfGzials 
Heinrich  Härtung  statt.  Nach  dem  Wahlprotokolle  waren  20  Profeß- 
schwestem  zugegen,  deren  älteste  44  Jahre  zählte.  Zu  Koadjutorin 
wurde  einstimmig  die  bisherige  Dechantin 

Agnes  Hießler  (Hirschler), 

34  Jahre  alt.  19  Jahre  Profeß,  gewählt,  leistete  die  Angelobung 
und  wurde  installiert.  Dorothea  von  Pachheim  lag  während  des 
Wahlaktes  krank  im  Kloster  Himmelpforte;  daß  sie  gleich  nach 
der  Wahl  der  Koadjutorin  resignierte,  bleibt  ohne  Belang.  Man 
weiß  nicht  einmal  ihren  Sterbetag.  Da  aber  ein  Dekret  des  Dom- 
kapitels vom  23.  Oktober  1595  nur  einer  Oberin  der  vereinigten 
Klöster  zu  St.  Jakob  und  Himmelpforte,  aber  keiner  Koadjutorin 
erwähnt,  dürfte  Dorothea  am  genannten  Tage  nicht  mehr  am  Leben 
gewesen  sein. 

Am  9.  August  1594  starb  der  Wiener  Bischof  Neubück, 
worauf  das  Domkapitel  von  St.  Stephan  während  des  folgenden 
Interregnums  (1594 — 1698)  die  Diözese  leitete.  Durch  ein  scharfes 
Dekret  des  Domkapitels  am  23.  Oktober  1595  wurde  der  Oberin 
bei  St.  Jakob  und  Agnes  aufgetragen,  die  Klausur  genau  zu  beob- 
achten. Es  scheint  nach  dem  Tode  der  strengen  Dorothea  eine 
Lockenmg  der  Disziplin  eingetreten  zu  sein,  denn  das  Dekret  droht 
der  Oberin  mit  dem  großen  Banne  und  anderen  kirchlichen  Strafen, 
wenn    sie  »nicht   zue   geringer   schmach  und  verschimpfung  geist- 


124  Alfont  ikk, 

licher  Jurisdiction,  zuwider  Ihrer  Profeß  vnd  gewissen«  den  Befehl 
des  Kapitels,  Fremden,  insbesondere  sektischen  Personen  den  Ein- 
tritt in  die  beiden  Klöster  zu  verbieten,  unterlassen  sollte.  Auch 
die  Vermögensverwaltung  dürfte  keine  tadellose  gewesen  sein.  Als 
nämlich  1599  die  Oberin  Agnes  einige  Schwestern  von  St.  Jakob 
nach  Imbach  versetzen  wollte,  protestierte  der  Wiener  Offizial 
Dr.  Baltasar  Scultetus  energisch  dagegen,  machte  der  Oberin  heftige 
Vorwürfe  und  gab  dem  Klosterrate  zu  verstehen,  daß  er  an  dem 
zerrütteten  Zustande  der  beiden  Klöster  St.  Jakob  und  St  Agnes 
Schuld  trage.  Er  dulde,  daß  mehr  Schwestern  aufgenommen  werden, 
als  ernährt  werden  können,  und  daß  bei  St.  Jakob  viele  fremde 
Personen  wohnen,  die  dem  Kloster  zur  Last  fallen.^) 

Indessen  dauerte  der  Streit  zwischen  der  Oberin  bei  der 
Himmelpforte  und  dem  Benefiziaten  Kirchmayr  fort.  Am  3.  März 
1596  bat  Agnes  Hießler,  Oberin,  Heinrich  Härtung,  Domdechant 
und  Mag.  Leopold  Widmer,  Prior  des  erzherzoglichen  Kollegiums, 
die  Klosterräte,  daß  die  Mietleute  der  Klosterhäuser  dem  Georg 
Kirchmayr  keinen  Zins  bezahlen  sollten,  bis  Kirchmayr  die  ausstän- 
digen Steuern  erlegt  habe.  Am  22.  September  1597  hielten  die 
kaiserlichen  Kommissäre,  Abt  Kaspar  von  Melk.  Präsident  des 
Klosterrates,  und  JüDr.  Karl  Stredele,  niederösterreichischer  Re- 
gimentsrat, eine  Kommission  bei  St.  Agnes  in  Angelegenheit  des 
Dreikönigstiftes,  wozu  auch  Isaak  Seidner,  Prior  auf  der  löblichen 
Universität,  eingeladen  wurde.  Durch  die  Entscheidung  des  Erz- 
herzogs Matthias  vom  30.  September  1597  verlor  Kirchmayr  das 
Benefizium  bei  St.  Agnes,  und  es  sollte  künftig  nur  einem  solchen 
Priester  verliehen  werden,  der  es  wohl  versehen  könne. 

Am  15.  Mai  1600  bat  Kirchmayr  die  niederösterreichische 
Regierung,  die  angeordnete  Sperre  der  Hauszinsen  für  ihn  in  den 
Himmelpforthäusern  wieder  aufzuheben,  und  noch  im  folgenden 
Jahre  bat  er  beim  Konsistorium  um  Begleichung  seiner  Forde- 
rungen (sieben  Punkte,  zusammen  868  fl.  66  kr.)  durch  die  Oberin 
bei  St.  Agnes,  unbekannt  mit  welchem  Erfolge. 

Agnes  Hießler  verpflichtete  sich  am  22.  Dezember  1600,  daß 
sie  die  Hauszinsen,   die  sie  zur  Ausbesserung  der  Dreikönigkapelle 

')  Die  Oberin  lenkte  die  Aufmerkfamkeit  des  Erzherzoge  Matthiae  auf 
das  faet  leere  Frauenkloster  Kirchberg  am  Wechsel,  welches  dann  tat^Schlich 
nach  längeren  Verhandlungen  im  Jahre  1608  von  St  Jakob  besetzt  wnrde. 
Cf.  Wiedemann,  IV,  3y4. 


Das  Franenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  125 

benützte,  wieder  zurückerstatten  wolle,  falls  sie  für  andere  Zwecke 
bestimint  seien.  Sie  meldete  sich  schon  1596  um  die  rückständigen 
jährlichen  75  Golden,  welche  die  Universität  Wien  dem  Kloster 
Himmelpforte  von  den  Stiftungen  seit  1584 — 1596  schuldete,  wo- 
durch der  Rückstand  bis  auf  843  fl.  6  kr.  anwuchs. 

Ihre  Vorgängerin  Dorothea  von  Puchheim  hatte  ihrer  Schwester 
Barbara  von  Puchheim,  verheiratet  mit  Siegmund  von  Landau,  aus 
den  Renten  der  beiden  Klöster  St.  Jakob  und  St  Agnes  4000  fi. 
vorgeschossen,  und  wie  es  scheint,  ohne  genügende  Hypothek. 
Darum  ließ  sich  Agnes  Hießler  die  Renten  am  8.  April  1601  auf 
die  Herrschaft  Dümkrut  versichern.^)  Einige  Tage  vorher  (3.  Jänner) 
bat  der  Wiener  Offizial  Balthasar  Scultetus,  Doktor  der  Heiligen 
Schrift,  den  Wiener  Domdechant  Härtung,  die  Oberin  bei  St.  Agnes 
und  den  Prior  des  erzherzoglichen  Kollegiums,  Mag.  Lambert  Luc- 
tanus,  um  Verleihung  des  Dreikönigbenefiziums,  da  Qeorg  Eörch- 
mayr  desselben,  sowie  auch  seines  Kanonikates  und  des  Benefiziums 
bei  St.  Salvator  in  Wien  entsetzt  worden  sei. 

Das  Jahr  1602  brachte  wieder  eine  Visitation  bei  St.  Jakob. 
Man  fand  das  Kloster  in  Ordnung,  nur  die  Klausur  wurde  neuer- 
dings strenge  eingeschärft  (15.  April  1602).  Die  Chorfrauen  nahmen 
die  Mahnung  hin,  meinten  aber,  der  Offizial  solle  seines  Versprechens 
eingedenk  sein  und  die  Himmelpforte  von  St.  Jakob  abtrennen. 
Das  Inventar  der  Kirchenomate  und  Wertsachen  bei  St.  Agnes 
am  19.  Februar  1603)  ergab  u.  a.:  32  diverse  Meßgewänder, 
17  Antipendien,  12  Kelche,  1  Monstranze,  1  Agnus  Dei,  4  Kann- 
chen,  1  Kreuz,  1  Thuribulum,  2  Humerale,  1  Chorkappe,  einige 
Reliquienschreine  etc.  Am  12.  Jali  1603  verlangte  die  Oberin  bei 
St  Jakob,  Agnes  Hießler,  vom  Klosterrate  in  einer  ausführlichen 
Denkschrift  die  Abtrennung  der  Himmelpforte,  da  die  Vereinigung 
nur  für  ein  Jahr  eingegangen  worden  sei  und  für  eine  längere 
Union  weder  ein  kaiserliches  noch  ein  päpstliches  Dekret  vorliege. 
Diesmal  sollte  das  Verlangen  von  Erfolg  gekrönt  sein,  indem  sich 
eine  einflußreiche  Persönlichkeit,  die  seit  20  Jahren  die  Schicksale 
der  Himmelpforte  beobachtete,  der  Sache  annahm,  nämlich  Melchior 
Klesl,  seit  1602  ernannter  Bischof  von  Wien  und  nachher  Kar- 
dinal Er  gilt  als  der  dritte  Stifter  des  EQosters  zur  Himmelpforte 
und  wurde  auch  als  solcher  von  den  Chorfrauen  gefeiert. 

^)  Wifgrill,  Schauplatz.  V,  423.    Blätter   des  Vereines  für  Landeskunde. 
1878,  8.  25. 


126  ^fona  ikk. 

Im  Jahre  1604   wurden   die  Verhandlungen  wegen  der  Tren- 
nung ernst  aufgenommeu.     Klesl  verteidigte  sich  zuerst  gegen  den 
Vorwurf,  als  ob  er  die  wegen  der  Reform  der  Klöster  St.  Jakob  und 
St.  Agnes  vom  Klosterrate  abzuhaltende  Kommission  vereitelt  hatte. 
In   einem   ausführlichen  Memorandum    (1604)   berichtete    er    dann 
dem  Erzherzoge  Matthias   über   den  Stand   der  Himmelpforte.     Er 
erinnerte  an  die  Bulle  des  Papstes  Innozenz  VIII.  (1491),    der  ge- 
mäß nicht  mehr  der  Abt  von  Geras,  sondern  der  jeweilige  Wiener 
Bischof  die   Jurisdiktion   über   St.  Agnes   habe.     Das  Kloster    sei 
lange  Zeit  öde  gestanden.  Die  Gattin  des  König  Matthias  Corvinus 
habe   drei  Nonnen   aus  Ungarn   daher   gebracht,    aber    bei    diesen 
habe  sich  nie  ein  Visitator  gemeldet;   sie   versetzten  und  verkauften 
die  Güter.  Auf  Anordnung  des  Erzherzogs  Ernst  habe  er  1582  das 
Kloster  visitiert,    aber   gleich    wieder  um  Enthebung  gebeten,    weil 
das  Kloster  einer  gemeinen  Taferne   gleich   sah.     Niemand   wollte 
sich  dann  des  Klosters  annehmen,  bis  es  der  Bischof  Neuböck  tat. 
Er  bewog  die  Chorfrauen  von  St.  Jakob,  das  Kloster  St.  Agnes  zu 
übernehmen,    damit    dort   für   die   Nachbarschaft   Gottesdienst   ge- 
halten werde.  Dabei  habe  sich  kein  Visitator  gemeldet  oder  protestiert 
Die    letzte    ungarische    Klosterfrau    kam    nach    Ungarn.     Wieviel 
tausend  Gulden   das  Jakobskloster   zur  Tilgung  der  Schulden  ver- 
wendete, werden  die  Rechnungen  ergeben.     Er,   Klesl,   habe   unter 
den  hinterlassenen  Schriften   des   verstorbenen   Bischofes   Neuböck 
viele  Dekrete  an  die  Oberin  von  St.  Jakob  gefunden,  daß  sie  sich 
beim   Papste    um    Dispens    völliger   Inkorporation   anmelden   solle, 
weil  sich  sonst  täglich  viele  Konfusionen  ereignen,  aber  die  Oberin 
habe   immer   den  Bischof  durch   lauter  Vertröstungen  aufgehalten. 
Nach    der  Abdankung    der   Oberin   (1594)    wurden    beide    Klöster 
durch   den   Bischof  Neuböck   und   Melchior   Klesl   visitiert,    wobei 
sich   herausstellte,    daß   alle  Konfusionen   sich    aus   der  Union  der 
beiden  Klöster  ergeben.     Klesl  aber  wartete   so  lange   zu,    bis   die 
Oberin  von  St.  Jakob    und   ihr  Konvent   selbst   um    die  Trennung 
anhalten,    und  gab  ihnen    fast  zwei  Jahre  keinen  Bescheid,   bis  sie 
ihn  jetzt   ungestüm   um   seine  Befürwortung   ersuchten.     Denn  es 
kommt  der  Abt   von  Strahow,    Johann  Lohelius,    derzeit  Weih- 
bischof von  Prag   und   selbst   vom  Papste  Paul  V.   hochgeschntzt, 
und  meldet  sich  als  Visitator  durch  den  Abt   von  Geras,    Johann 
von  Beyrer,  verhandelt  mit  den  Chorfrauen  bei  der  Himmelpfoi*te 
und  hernach  mit  Klesl,   daß   dieses  Kloster  dem  Prämonstratenser- 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  127 

orden  gehöre  und  daher  seiner  Jurisdiktion  unterstehe.  Klesl  reiste 
lur  selben  Zeit  selbst  nach  Prag,  wo  er  den  Generalabt  der  Prä- 
monstratenser  und  den  Prälaten  von  Strahow  angetroffen  und  sich 
ihnen  gegenüber  geäußert  hat,  daß  ihm  ^d^r  Orden  bei  der  Himmel- 
pforte unbenommen  sei,  das  Kloster  Himmelpforte  jedoch  fbr  jeden 
Fall  seiner  bischöflichen  Visitation  und  Jurisdiktion  unterstehe. 
Weil  das  Jakobskloster  in  Wien  für  St.  Agnes  etliche  tausend 
Gulden  verwendet  hatte,  müßte  es  also  vom  General  der  Prämon- 
stratenser  entschädigt  werden.  Da  kein  Kloster  der  Prämonstra- 
tenserinnen  in  Niederösterreich  besteht,  mQßte  der  Generalabt  mit 
Wissen  des  Erzherzogs  fremde  Klosterfrauen  seines  Ordens  bei 
der  Himmelpforte  einführen  und  ihren  Lebensunterhalt  sichern, 
damit  das  Kloster  nicht  wieder  in  Schulden  gerate  und  niemand 
wäre,  der  sich  dann  seiner  annähme.  Übrigens  dürfte  der  Erz- 
herzog fremde  Prämonstratenserinnen  kaum  zulassen,  und  von  den 
gegenwärtigen  Chorfrauen  bei  der  Himmelpforte  würde  keine  den 
Prämonstratenserorden  annehmen.  Da  hat  sich  der  Generalabt  nicht 
weiter  einlassen  wollen.  Weil  nun  dem  Himmelpfortkloster  unmög- 
lich anders  zu  helfen  ist,  als  eben  mit  dem  Orden  des  hl.  Augustin 
wie  er  jetzt  bestellt  ist,  und  weil  man  dort  eine  dem  ganzen 
katholischen  Herrenstande  willkommene  Mädchenerziehungs- 
anstalt, ein  Seminar  für  die  weibliche  Jugend  »sondergleichen  wie 
es  in  Deutschland  wenige  gibt«,  gründen  kann,  wodurch  man  nicht 
bloß  dem  Kloster,  sondern  auch  dem  ganzen  adeligen  weiblichen 
Geschlechte  helfen  soll,  dazu  aber  das  Kloster  aufs  neue  fundiert 
und  erweitert  werden  muß,  also  meinte  Klesl,  daß  sich  der  Protektor 
Kardinal  Dietrichstein  von  Olmütz  beim  Papste  um  entsprechende 
Dispens  verwenden  solle,  die  gewiß  ohne  jede  Schwierigkeit  erteilt 
werden  wird. 

In  einem  anderen  Entwurf  (1604)  meldete  Klesl  dem  Erz- 
herzoge Matthias  die  bedrängte  Lage  der  Himmelpforte,  die  »an 
Geben,  Gütern  und  Persohnen  weit  herabgekommen«.  Der  Abt 
von  Geras  meldet  sich  als  Visitator,  aber  diese  Äbte  haben  sich 
seit  Menschengedenken  nie  um  die  Himmelpforte  gekümmert.  Das 
Jakobskloster  verlangt  von  der  Himmelpforte  1000  Gulden.  Die 
lokorporation  bringt  große  Schwierigkeiten  mit  sich,  und  darum 
möge  sich  Kardinal  Dietrichstein  bemühen,  die  Transferierung  der 
Klosterfrauen  bei  St.  Agnes  in  den  Augustinerorden  auch  in  Rom 
zu  bewirken. 


128  Alfons  ikk. 

Nach  der  alten  Klosterchronik  wäre  bereits  1603 

Barbara  Dorothea  Bauhoferin, 

eine  aus  den  ersten  sechs  Aogostiner-Chorfraaen,  die  1586  von 
St.  Jakob  zur  Administration  des  öden  Klosters  St.  Agnes  über- 
setzt worden  sind,  zur  ersten  selbständigen  Oberstin  bei  der  Himmel- 
pforte  erwählt  worden.  Am  20.  Februar  1603  berichtete  Johann 
von  Beyrer,  Abt  von  Geras,  von  Wien  aus  an  den  Abt  von  Kloster- 
brück,  Sebastian  Chotiebor,  über  die  Verhandlungen  wegen  der 
Himmelpforte,  deren  Verlust  er  dem  Prämontratenserorden  er- 
sparen und  darum  nach  Rom  appellieren  wollte;  tags  vorher  wurden 
die  beiden  Wiener  Klöster  getrennt,  wozu  er  gar  nicht  eingeladen 
wurde.  Die  Oberin  wollte  ihn  gar  nicht  empfangen,  weil  es  unter 
der  Strafe  des  Kirchenbannes  verboten  wäre.^)  Aber  alle  Versuche 
blieben  vergeblich.  Der  laute  Protest  des  Geraser  Abtes  gegen  die 
Übergabe  der  Himmelpforte  an  die  Augustiner-Ghorfrauen  soll  ihm 
die  Ungnade  des  mächtigen  Bischofs  Klesl  und  später  (1615)  sogar 
die  Resignation  auf  die  äbtliche  Würde  verursacht  haben  ^),  aber 
eine  Visitation  in  Geras  vom  Jahre  1615  belehrt  uns  eines 
anderen.^) 

Am  7.  Mai  1604  erinnerte  Erzherzog  Matthias  den  Bischof 
Klesl,  dasjenige  durchzuführen,  was  betreffs  der  Klöster  St.  Jakob 
und  St.  Agnes  resolviert  wurde.  Wenn  die  Oberin  von  St  Jakob 
noch  »widersessig«  sei,  so  solle  sie  der  Bischof  selbst  mit  Arrest 
bestrafen. 

Endlich  wurde  am  1.  Juni  1605  von  Paul  V.  in  Rom  die 
Bulle  »De  provida  sedis  apostolicae«  ^)  an  den  Bischof  Klesl  er- 
lassen, welche  die  Lage  der  Himmelpforte  für  die  Zukunft  de* 
finitiv  regelte.  Die  Geschichte  des  Klosters  kurz  berührend,  er- 
klärte der  Papst,  er  treffe  zur  Beruhigung  der  EUosterfrauen  und 
auf  die  Bitte  des  Erzherzogs  Matthias  hin  die  Verfügung,  daß  der 
Prämontratenserorden  bei  der  Himmelpforte  (omnemque  statum, 
naturam,    essentiam   et  dependentiam   reguläres  . . .  iurisdictionem, 


^)  Regelten  zur  Geschichte  Wieni.  1,  V,  B.  4767. 

-)  B  rann  er,  Ein  Chorherrenbach.  S.  108.  Topographie  von  NiederOster- 
reich.  III,  392.  Hormsjr,  Wien  and  seine  Geschichte.  II,  3.  S.  57. 

3)  Vgl.  Blätter  für  Landeskande  von  NiederOsterreich.  1900,  S.  241  and  248. 

*)  Eine  beglaabigte  Kopie  vom  Jahre  1628  im  fÜrsterzbischOflichen  Kon- 
sistorialarchiTe  ssa  Wien. 


Das  Franenklotter  Himmelpforte  in  Wien.  129 

visitadonem  ant  aliqnam  aliam  snperioritatexn)  aufgehoben  und  er- 
loschen sei,  und  daß  dieses  Erlöster  an  den  Angostinerorden  mit 
allen  Rechten  der  Aogustiner-Chorfranen  übergehe.  Die  Angostine- 
linnen  sollen  vom  Kloster  Besitz  nehmen  und  nach  einem  Probe- 
jahre die  Profeß  nach  dem  Ritas,  wie  er  bei  St.  Jakob  üblich  ist 
abl^en.  Die  Jorisdiktion  über  das  Kloster  gebühre  für  immer  dem 
Bischöfe  von  Wien. 

Eine  zweite  gleichlautende  Bulle  Pauls  V.  vom  13.  Juni  1605 
erfloß  in  Rom  an  den  Olmützer  Bischof  Elardinal  Dietrichstein,  der 
mit  der  Promulgation  in  Wien  betraut  wurde.  ^) 

Nach  Erlaß  dieser  Bullen  war  die  Trennung  der  beiden 
Frauenklöster  in  Wien  leicht.  Zwar  entstanden  noch  Zweifel,  ob 
die  von  St  Jakob  nach  St  Agnes  transferierten  Augustiner-Chor- 
frauen  nach  dem  Wortlaut  der  Bulle  eine  eigene  Oberin  wählen, 
Novizinnen  aufnehmen  und  dieselben  zur  Profeß  zulassen  dürfen, 
worüber  Dr.  Kaspar  Schwab  sein  bejahendes  G-utachten  abgeben 
mußte. 

Am  21.  Jänner  1607  befahl  Klesl  seinem  Offizial  und  Kon- 
sistorium, alle  Parteien,  die  bei  der  Neuaufrichtung  des  Klosters  be- 
teiligt waren,  für  den  25.  Jänner  in  das  Kloster  St.  Agnes  vorzuladen. 
Am  22.  Jänner  lud  Dr.  Balthasar  Scultetus,  apostolischer  Protonotar, 
Domscholaster  in  Wien,  Domherr  von  Breslau,  bischöflicher  Offizial 
and  Qeneralvikar  in  Wien  die  Oberin  des  Jakobsklosters  zu  dieser 
Verhandlung  ein.  Aber  die  Verhandlungen  dauerten  noch  das 
ganze  Jahr  hindurch.  Schon  gegen  Elnde  des  Jahres  1607  bat 
Dr.  Adam  Latomus,  Dechant  in  Kimberg,  als  Stellvertreter  des  verreisten 
Bischofs  Ellesl  den  Erzherzog  Matthias,  er  möge,  nachdem  er  das 
»in  Grundt  verfallene  und  verbrendte  armselige  Jungfrauenkloster 
bey  den  Hinunelporten«  wieder  aufgebaut,  in  demselben  auch  eine 
Heisterin,  Priorin  oder  Äbtissin  installieren  lassen,  sonst  ginge  das 
Kloster  wieder  zugrunde.  Der  Erzherzog  ordnete  am  23.  November 
1607  eine  Konunission  an  und  betraute  damit  den  Regimentsrat 
Matthias  Puchelmayr  und  den  Klosterrat  Cyprian  Manicor.  Endlich 
kam  es  am  15.  Jänner  1608  in  Beisein  dieser  zwei  landesfUrst- 
lichen  Konunissäre,  der  Vertreter  des  Domkapitels  Job.  Lentl  und 
H.  WinterhoUer  zur  Wahl  und  Installation  der  Oberin  Barbara 
Bauhoferin,  bei  welchem  Akte  Dr.  Latomus  im  Namen  Klesls 
und  als  Delegierter    des  wegen   Unpäßlichkeit  in  Olmütz  verhin- 

^)  Kopie  im  fOnterzbiBchSflichen  Koiuistorialarchire  zu  Wien. 
JüirVach  d.  Y.  f.  Laadeskonde.  1907.  Q 


130  Alfoni  ikk. 

derten  Kardinals  Dietrichstein  den  Vorsitz  führte  und  die  erwähnte 
päpstliche  Bolle  vom  13.  Juni  1605  im  Namen  des  Kardinals  pro- 
mulgierte.^) Von  da  an  war  das  Kloster  zur  Himmelpforte  definitiv 
ein  selbständiges  Stift  der  Augnstiner-Chorfirauen.  Sollte  sich  je- 
doch das  Chorfrauenstift  bis  zu  der  ihm  zugedachten  hohen  Stufe 
emporschwingen,  dann  waren  ihm  viele  materielle  Mittel  notwendig, 
und  diese  erhielt  es  durch  Klesl,  seit  1614  wirklichen  Bischof 
von  Wien  und  Wiener-Neustadt  (1616  Kardinal),  dem  die  Himmel- 
pforte eine  Lieblingsstiftung  geworden  ist.^  Er  beglich  die  Ver- 
bindlichkeiten des  ruinierten  Hauses,  baute  ein  neues  Kloster- 
gebäude  auf  eigene  Kosten  aus,  legte  fbr  dasselbe  eine  reiche  Stif- 
tung bei  dem  Wiener  Bistum  an,  sicherte  die  freie  Wahl  der 
Oberin  durch  die  Klosterfrauen,  schärfte  die  Visitation  und  die 
Klausur  ein,  machte  andere  gute  Ordnung  durch  die  von  ihm 
selbst  mit  der  neuerwählten  ersten  Oberin  Barbara  Bauhoferin 
verfaßten  Hausstatuten  und  beschenkte  das  Kloster  mit  geistlichen 
Schätzen^),  so  daß  er  der  dritte  Stifter  des  Klosters  genannt  and 
als  dessen  größter  Wohltäter  verehrt  wurde. 

Auch  andere  Wohltäter  fanden  sich  ein.  Am  24.  November 
1608  gaben  Kaspar,  Abt  von  Melk,  Michael,  Stiftsprior  und  der 
ganze  Konvent  den  Ohorfrauen  bei  St.  Agnes  2000  fl.  zur  Er- 
bauung ihres  Klosters;  dafür  sollen  diese  täglich  bei  der  heiligen 
Messe  des  Stiftes  Melk  mit  einer  Kollekte^)  und  nach  der  Messe 
mit  dem  Psalm  50  »Miserere«  gedenken.^) 

Am  26.  September  1612  versprachen  die  Zechmeister  Wolf 
Endrefi  und  Mathes  Denckh  ttber  Aufforderung  der  Oberin  Barbara 

^)  Kodex  100,  50,  Nr.  28,  fol.  306.  im  k.  n.  k.  Haas-,  Hof-  und  Staate- 
arohivo  sa  Wien.  Dtircli  die  Trennang  Tenninderte  rieh  die  Zahl  der  Chorfranen 
bei  St.  Jakob  um  ein  bedeutendes. 

')  Kletl  trat  schon  früher  oft  als  Viritator  and  Q^nner  yerschiedener 
KlSster  auf.  Vgl.:  Anton  Kerschbaumer,  Kardinal  Kleri.  2.  Aufl.  (Wien  1905). 
S.  24  ff. 

^)  Z.  B.  mit  Reliquien  (Rippe  und  Haare)  der  hl.  Agnes,  mit  Gebeinen 
der  11.000  (!)  Genossinnen  der  hl.  Ursula,  mit  einem  Krurifiz,  dessen  Verehrung  er 
seine  Genesung  aas  einer  gef&hrlichen  Krankheit  xuschrieb  etc.  (Alte  Klosterchronik). 

*)  Ein  eigenes  Gebet  im  Mefibach. 

^)  Original  Pergament  mit  Siegel  im  fÜrsterzbischOflichen  Konsistorialarchiire 

zu  Wien.  Nach  Hormayr,  1.  c,  S.  59,  kam  Ton  dem  Geschlechte  des  Sainthilier  = 

Saint-Hilalre,    der  K.  Ferdinand  II.  mit  den   Dampierreschen  Kürassieren  errettet, 

der   Schlegelhof    und    anderes    Gut    zu   Ebersdorf  an   die  Himmelpforte.    (Ohne 

Datum.) 


Das  Fraaenkloster  Bimmelpforte  in  Wien.  131 

das  fehlende   Inventar,    z.  B.  Mefigewänder,    Kelche  etc.    bei    der 
Bflckerzeche  (gestiftet  1452)  binnen   einigen  Jahren   za   ergänzen.^) 

Das  neue  Elostergebäade  bei  St.  Agnes  wurde  in  den  Jahren 
1614 — 1617  aufgeführt.  Es  sind  noch  zahlreiche  Rechnungen  der 
beim  Bau  beschäftigten  Handwerker  im  fUrsterzbischöflichen  Eon- 
sistorialarchive  zu  Wien  vorhanden.  Den  Bau  beaufsichtigte  der 
Klosterbeichtvater  Fr.  Johann  Bemardinus,  der  auch  alle  Rech- 
Qongen  signierte  und  sie  zum  Begleichen  an  Dr.  Karl  Htitten- 
dorfer,  Domherrn  von  Breslau  und  Olmütz,  schickte. 

Im  Jahre  1617  wurde  auch  ein  eigener  Stiftbrief  fbr  die 
Himmelpforte  vom  Kardinal  Bischof  Ellesl  entworfen.  Von  Prag 
aus  sandte  der  Kardinal  am  17.  Mai  den  Chorfrauen  den  Entwurf 
des  neuen  Stiftbriefes  zum  E^mauem  in  einen  Stein  des  Kapitel- 
hauses.  Am  24.  Mai  machte  ihm  Barbara  Bauhoferin  einige  Mit- 
teilungen über  das  Kloster,  am  31.  Mai  gab  wieder  der  Kardinal 
den  Chorfrauen,  »seinen  lieben  Kindern«,  einige  Verhaltungsmaß- 
r^ln  und  ersuchte,  ihm  die  Klosterstatuten  nach  Prag  zu  schicken 
and  drei  Messen  wöchentlich  fUr  ihn  zu  beschließen.  Aus  Dank- 
barkeit gegen  ihn  beschloß  der  Konvent  bei  St.  Agnes  einhellig 
im  Kapitel  am  1.  August  1617,  für  Klesl  wöchentlich  drei  Messen 
(Montag,  Mittwoch  und  Freitag)  lesen,  alle  Quatember  und  zu 
Michaeli  ein  Lobamt  halten  zu  lassen  und  jeden  Samstag  ein  Salve 
Regina  für  ihn  zu  beten.  Jeden  Freitag  soll  dies  im  Kapitel  zu 
ewigen  Zeiten  vorgelesen  werden.  Ebensoviele  Requiemsmessen  und 
Amter  mit  vorangehenden  Vigilien  sollen  nach  dem  Tode  des  Kar- 
dinals für  ihn  gehalten  werden.  Die  Franziskaner  sollen  den  Qottes- 
dienst  verrichten. 

Im  Stiftbrief  selbst  sagt  Klesl,  daß  das  ganz  und  gar  herab- 
gekommene Frauenkloster  St.  Agnes  Prämonstratenserordens  in  ein 
Aogusttner-Chorfrauenstift  umgewandelt,  und  da  die  Union  mit 
St  Jakob  nicht  gedieh,  als  selbständig  erklärt  wurde,  und  zwar 
vornehmlich  zur  Erziehung  der  adeligen  weiblichen  Jugend,  da 
die  Kinder  in  adeligen  Häusern  leider  meistens  große  Freiheit, 
Genußsucht  und  Leichtfertigkeit  sehen.  Diese  Umwandlung  bilb'gte 
auch  der  Papst,  dessen  Bulle  vom  1.  Juni  1605  Klesl  am  26.  Jänner 
1607  in  der  Klosterkirche  bei  St  Agnes  während  des  Heiligengeist- 
amtes publizierte  und  die  erste  Oberin  Barbara,  die  bei  St.  Jakob 
die  Profeß  abgelegt  hatte,   einsetzte.     Dann    wurde    von   ihm   der 

0  Wiener  Stadtarchir. 

9* 


132  Alfont  Ük. 

Konvent  eröffnet,  das  römiflclie  Brevier  eingeführt,  die  Statateo 
wurden  in  vielen  Punkten  reformiert  und  alles  wurde  vom  Heiligen 
Stuhle  genehmigt.  Da  jedoch  die  Zahl  der  Klosterfrauen  taglich 
zunahm  und  für  sie  kein  genügender  Raum  in  dem  armseligen  Kloster 
vorhanden  war,  so  hat  er  ihnen  als  Bischof  größtenteils  auf  seine 
Kosten  ein  neues  Kloster  erbauen  lassen,  welches  1617  vollendet 
wurde,  und  erhielt  dafür  aus  Dankbarkeit  durch  den  Kapitelbeschlnß 
die  erwähnten  Messen  bei  der  Himmelpforte. 

Von  Kardinal  Ellesl  kennt  man  auch  zahlreiche  Briefe  an 
adelige  Frauen,  da  er  mit  weltlichen  und  geistlichen  Fürsten  eine 
lebhafte  Korrespondenz  unterhielt,  z.  B.  an  die  Erzherzogin  Maria, 
Ferdinands  U.  Mutter  zu  Oraz,  an  die  sächsische  Kurfttrstin- Witwe 
Hedwig,  an  die  Gräfinnen  Elhevenhiller  und  Mansfeld,  an  die  Freün 
Popel  von  Lobkowitz  usf.  Sie  wurden  nebst  hunderten  anderen 
von  Hammer-PurgstalP)  mit  viel  Mühe  und  Fleiß  gesammelt  und 
herausgegeben.  Unter  diesen  Briefen  ist  eine  ganze  Serie  bemerkens- 
wert, welche  das  Kloster  Himmelpforte,  Klesls  Lieblingsstiftung, 
betriffi;;  die  meisten  davon  und  ein  Autograph  Klesls  befinden  sich 
in  Hainfeld.  ^) 

Am  19.  März  1609  gab  König  Matthias  den  Wünschen  der 
österreichisch-evangelischen  Stände  nach,  und  es  folgte  nach  län- 
geren Unterhandlungen  zu  Wien  die  Resolution  (von  den  Evan- 
gelischen auch  Kapitulation  genannt),  die  in  unserer  Religions- 
geschichte ebenso  merkwürdig  ist,  als  der  später  (am  9.  Juli  1609) 
von  Kaiser  Rudolf  den  böhmischen  Ständen  ausgefertigte  Majestftts- 
brief.  Klesl  war  über  die  erfolgte  Resolution  untröstlich;  er  sah 
die  Vorwürfe  des  Hofes  zu  Madrid,  wo  die  Erzherzogin  Margarete, 
Ferdinands  Schwester  und  eine  eifrige  Katholikin,  sehr  einflußreich 
war,  gegen  Matthias,  ihren  Oheim,  voraus.  Darum  schrieb  er  schon 
sechs  Wochen  nach  der  Kapitulation  an  die  Ohorfrau  Q-rttn- 
bergerin  bei  der  Himmelpforte,  die  mit  Margarete  im  regen  Brief- 
wechsel stand,  ein  vertrauliches  Schreiben,  »das  Sy  soliches  in 
Hispanien  schickhen  soll  der  Khünigin  Margreth«  (Wien,  3.  Mai 
1609).^)    Er   ließ   zwar  darin  seinem  Schmerz   freien   Lauf,    ent- 

^)  Hammer-Pargstall,  EhlesU  Leben.  4  Bände  (Wien  1847—1851). 

2)  Propst  Weintritt  ron  NikoUborg  schenkte  den  Briefwecheel  Kleilt  mit 
den  Chorfraaen  der  Himmelpforte  dem  Sehloßarchive  bu  Hainfeld. 

>)  Hammer-Pargstall,  1.  c.  U,  S.  173—174  und  Urkunde  Nr.  256, 
S.  167—170.  Kerachbaumer,  Kardinal  Kleil.  S.  105.  Die  Chorfrau  war 
keine  Oberin. 


Dm  Fraaenklosttr  Himmelpforte  in  Wien.  133 

schuldigte  nichtsdeBtoweniger  den  König,  der  nur  unter  dem  Drucke 
der  absoluten  Notwendigkeit  die  Beligionsfreilieit  zugestand,  haupt- 
^flchlich  um  die  eyangeliBchen  Stttnde  sur  vereinigten  Huldigung 
zu  bewegen.  Kiesl  bat  darum  die  Chorfrau  Grttnbergerin,  um  ihres 
Bräutigams,  d.  i.  Christi  willen,  der  Königin  Margarete,  mit  deren 
Mutter  und  Bruder  er  vertraut  sei,  zu  schreiben,  auf  den  König 
Matthias  Einfluß  zu  nehmen.  Margarete  war  dem  Bischof  Klesl 
nicht  besonders  gewogen,  da  sie  ihm  die  Zugeständnisse  des  Königs 
&n  die  Protestanten  zuschrieb.  Sie  beantwortete  den  Brief  der  Chor- 
frau Grünbergerin  und  schrieb  auch  während  drei  Monaten 
(30.  Augast,  27.  September  und  24  Oktober  1609)  nacheinander 
an  Matthias  und  Klesl  Briefe,  worin  sie  ihrem  Oheim  verschiedene 
Vorwürfe  äußerte.  Matthias  ttberließ  es  dem  Bischöfe,  der  Königin 
gegenüber  als  sein  Verteidiger  aufzutreten  und  Ferdinands  Dazwischen- 
knnft  zur  Beruhigung  der  Königin  zu  ersuchen.  Klesl  tat  es  am 
8.  Dezember  1609  und  sagte  unumwunden  die  Wahrheit,  um  seinen 
Herrn  zu  rechtfertigen.') 

ESn  anderer  Brief  Kiesls  an  die  Oberin  Bauhoferin  und  das 
Kloster  Himmelpforte  stammt  aus  jener  Zeit,  da  Klesl  im  Jahre 
des  höchsten  Glanzes  seiner  Würde,  des  Kardinalats,  das  Chor- 
franenstift  neu  ausgebaut  hatte.  Der  Brief  ist  datiert  zu  Prag,  am 
28.  Dezember  1616  und  enthält  als  Neujahrsglückwünsche  geistliche 
Lehren  und  Ermahnungen,  welche  von  Klesls  tiefer  Frömmigkeit 
Zeugnis  geben.  ^) 

Von  PreSburg  aus  gab  der  Kardinal  am  26.  März  1618  der 
Oberin  Weisungen  über  die  streng  zu  haltende  Klausur  bei  der 
Himmelpforte.  Frau  Kollonitsch  soll  man,  wenn  sie  ihre  Tochter  bringt, 
einlassen,  weil  sie  dem  Kloster  viel  G-utes  tat  und  selten  kommt.  Freiin 
von  Teufel  ist  mit  der  Tochter  zu  ihren  Kindern,  die  sie  im  Eüoster  hat, 
allezeit  zuzulassen,  falls  es  nicht  zu  oft  geschieht,  und  wenn  die  Schwe- 
stern nichts  zu  tun  haben  oder  der  Andacht  obliegen.  Aber  keine 
Dienerin  darf  die  Klausur  betreten,  da  sie  die  Schwestern  in  ihren  Zellen 
nur  stören  möchte.  Fürstin  von  Liechtenstein,  ihre  Schwester  und  ihre 
Hofmeisterin  Regina,  welche  die  Kinder  erzieht,  können  einmal  zu- 
gelassen werden,   aber  erst  nach  der  geschlossenen  Zeit.     Ob  Frau 

^)  Hammer-Pargitall,  I.e.  H,  168—170.  Urknnde  Nr.  263,  8. 180—188. 
Kttriehbanmer,  1.  c.  8.  105. 

^  Hammer-Pargstall,  1.  c.  III,  Urkande  638,  8.497.  Kerschbaamer, 
y  c  143. 


134  Alfoni  iäk. 

▼on  Stotzingen  ilire  Kinder  zur  Himmelpforte  gebe  oder  nicht,  sei 
ihm  gleichgültig;  sie  hat  eben,  nicht  aber  das  Kloster,  daram  er- 
sucht Die  Schwestern  seien  ja  nicht  ihre  Kindsmädchen,  und  wenn 
die  Frau  ihre  Kinder  in  ein  minder  strenges  Kloster  geben  wolle, 
stehe  es  ihr  frei.  Selbst  im  Königinkloster,  wo  doch  die  Klansur 
so  streng  gehalten  wird,  gebe  es  keinen  Mangel  an  Zöglingen.^) 

Am  20.  Juli  1618  geschah  die  Entführung  Klesls  aus  der 
Wiener  Burg  über  Schottwien  und  Brück  an  der  Mur  nach  TiroL 
Sie  wurde  von  Siegfried  Freiherm  von  Brenner,  Klesls  G^ner, 
besorgt,  der  sich  so  oft  bemüht  hatte,  den  Kardinal  beim  Elaiser 
zu  stürzen.  Aber  auch  in  der  Klosterhaft  zu  Gborgenberg 
vergaß  KlesI  keineswegs  seiner  Lieblingsstiftung,  deren  Oberleitung 
er  sich  vorbehielt.  Die  Oberin  Barbara  Bauhoferin  mußte  ihm  ab 
und  zu  berichten,  wie  viel  sie  zum  Neubau  des  Klosters  verwendet 
habe.  Am  8.  Juni  1619  schrieb  sie  ihm^),  daß  sie  wegen  Armut 
nicht  viel  für  das  Klostergebftude  tun  könne.  Die  besten  Einkünfte 
des  Klosters  bildete  die  Hitgift  adeliger  Klosterfrauen,  die  sich 
bei  der  Himmelpforte  häufig  meldeten.  Schwester  Katharina  brachte 
5000  fl.,  von  denen  1000  fl.  verbaut  wurden,  und  mütterlicherseits 
erhielt  sie  240  fl.  Agnes  von  Brenner  brachte  200  fl.  und  wird 
noch  von  ihrem  Vater  1500  fl.  bekommen.  Anna  Maria  Harracb 
brachte  297  fl.  4  ß  (von  ihrem  Bruder,  es  hätten  aber  800  fl.  sein 
sollen)  und  erwartet  noch  2000  fl.  Franziska  von  Rappach  hat 
nur  wenig.  Konstanzia  Rutinstein  nur  das  Kostgeld,  die  beiden 
Schwestern  Brenner  haben  5000  fl.  und  von  einer  Erbschaft 
1400  fl.,  Sabina  Haffnerin  1500  fl.,  Eva  Vidlerin  1000  fl.  gebracht. 
Für  Klara  Prutenlin  hat  sich  der  Vater  zu  einer  Mitgift  schriftlich 
verpflichtet.  Cäcilia  Köckhstäterin  brachte  300  fl.,  Maximiliana 
Überwein  200  fl.  Von  anderen  Personen  liefen  580  fl.,  an  Straf- 
geld etc.  2507  fl.  36  kr.  ein.  Dies  alles  wurde  teils  zum  Bau,  teils  zum 
Unterhalte  des  Klosters  verwendet,  worüber  ordentliche  Rechnungen 
vorlagen. 

Während    der   Verbannung    des   Kardinals    verwaltete    seine 
Einkünfte  in  Wien   sein   vertrautester  Freund   und  Rat  Fr.  Peter 


^)  Hammer-Purgstallf  1.  c.  Urkunde  1004.  Kerichbaamer,  l  c.  262. 
Auch  Regelten  snr  Geschichte  der  EndiOseie  Wien.  I,  8.  67,  Nr.  156,  ddto. 
Wien,  ö.  März  1618. 

*)  An  Melchior  Kleal  sa  Wien  und  NeniUdt  Biwhof,  kais.  geh.  Bat, 
Direktor  und  ihren  Vater. 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  135 

Hüttner,  Dominikanerprior.     Da  es  hieß,  daß  KlesI  einst  3000  fl. 
für  den  Bau  der  Himmelpforte  versprochen  habe,  wendete  sich  die 
Oberin  Barbara   direkt   an   den   Kaiser,    als   ob  Hüttner   das  Geld 
Dicht   herausgeben    wollte.     Der  Kaiser  ernannte  den  niederöster- 
reichischen  Kammerpräsidenten  Hans  Balthasar  Freiherm  von  Hoyos 
und    den    kaiserlichen   Beichsho&at   Job.  Baptist  Weber   zu  Kom- 
missären  in  dieser  Angelegenheit,    und   am   9.  März  1620   erhielt 
Hüttner  das  kaiserliche  Dekret  zur  Äußerung,   warum    er  das  von 
Elesl  versprochene  Geld  nicht  hergegeben,  die  Chorbücfaer,  Musik- 
instrumente und  Handwerker  nicht  bezahlt  habe.     Hüttner  verant- 
wortete sich  in  einem  ausführlichen  Briefe.     Als  treuer  Diener  des 
Kardinals  kenne   er  dessen  Wohlwollen   gegen   die   Himmelpforte 
und  habe  über  dessen  Wunsch  das  Kloster  immer  mit  Wein,  Gerste 
und   Korn    nach    Möglichkeit    der    beiden    Bistümer    (Wien    und 
Wiener-Nenstadt)  unterstützt.  Allein  von  einer  gewissen  Summe  Geldes, 
die  Klesl  zum  Klosterbau  bestimmt  hätte,   sei   ihm  nichts  bekannt. 
Zwar  habe  sich  einmal  Klesl  für  zwei  Parteien  bei  dem  verstorbenen 
Kaiser  verwendet   und   dafür  von   ihnen   die  Zusage   von  3000  fl. 
erhalten,  welche  Summe  er  zum  Klosterbau  widmete,  aber  wer  das 
Geld  eingenommen  habe,  und  wie  es  verwendet  worden,  müsse  der 
kaiserliche  geheime  Sekretär  Christoph  Draxler  am  besten  wissen. 
Wie  es   den  kaiserlichen  Kommissären  Helfried   von  Meggau-Straß 
und  Marx  von  Trautmansdorf,  die  nach  der  Wegführung  Klesls  in 
dessen  Wohnung   die   Inventur   vorzunehmen   hatten,    bekannt  sei, 
bekam  er,  Hüttner,  3000  fl.  zur  Abfertigung  des  Kardinals,  welche 
Summe  jedoch  ungenügend  war,   so   daß  noch  Wein  und  Getreide 
verkauft  werden  mußten.    Also  auch  hierin  wisse  er  kein  Deputat- 
geld zur  Vollendung  der  Gebäude   bei  der  Himmelpforte.     Es   sei 
gleich  anfangs  von  der  Oberin  gefehlt  gewesen,    daß   sie   die  Vor- 
sätze Klesls  mit  dem  Bau  vermengt  habe  und  alles  auf  einmal  er^ 
zwingen  wollte.     Denn   inzwischen   ergaben   sich  über  kaiserlichen 
Auftrag  viele  andere  große  Auslagen  aus  den  Einkünften  der  beiden 
Bistümer  Klesls,  so  2000  fl.  für  Zündstricke  und  Pulver,    1000  fl. 
für  die  Trauerkleidung  der  verstorbenen  Kaiserin,  2600  fl.  zur  Ab- 
fertigung der  Pfarre  Rußbach,  etliche  tausend  Gulden  für  die  Bluts- 
verwandten   des    Kardinals,    dann    2000   Eimer    Wein,    100    Mut 
schweres  Getreide  und  100  Mut  Hafer  in  die  kaiserliche  Proviant- 
kammer. Beide  Bistümer  seien  tief  erschöpft,   wozu  noch  der  Ein- 
fall der  beiden   großroächtigen  Kriegsheere   kommt,    wodurch    das 


136  Alfons  ^.&k. 

Wiener  Bistum  rainiert  worden  ist.  Oberstleutnant  Causse  und  nacb 
ihm  die  florentinischen  Reiter  haben  die  ganze  Getreidefechsong 
und  Zehente  in  Laach  ausdreschen  und  verkaufen  lassen,  des- 
gleichen hat  Michna  Difur  mit  der  Fechsung  zu  Altmansdorf  arg 
gehaust,  die  Ungarn  haben  den  Stadl  in  St  Veit  geleert,  so  daS 
das  Wiener  Bistum  1619  keine  Getreidefechsung  hatte.  Auch  die 
Weinfechsung  war  ganz  mißraten.  Der  päpstliche  Nuntius  Verospi^ 
der  in  causa  Klesl  nach  Wien  gekommen  ist,  verlangte  anfier 
anderen  Sachen  4000  fl.  zum  Unterhalte  Klesls  in  Born,  so  daß  er. 
Httttner,  Tag  und  Nacht  nachdenke,  wo  er  diese  notwendigen  Aus- 
gaben hernehmen  solle.  Binnen  drei  Monaten  seien  4600  fl.  dem 
Abte  von  St.  Gteorgenberg  fQr  Klesl  zu  erlegen.  Darum  sollen  die 
Chorfrauen  von  der  Himmelpforte,  denen  Klesl  so  viele  Wohl- 
taten erwiesen,  nicht  begehren,  daß  er  jetzt  Not  und  Hunger  und 
über  sein  Gefkngnis  noch  andere  Beschwerden  leide,  wenn  man 
ihm  seinen  notwendigen  Unterhalt  verkürzen  sollte,  denn  dies  wäre 
nicht  nur  unchristlich,  sondern  gar  unmenschlich.  Der  Papst  be- 
fahl dem  Wiener  Bistum  durch  den  genannten  Nuntius,  dem  Erz- 
herzog Leopold,  Bischof  von  Straßburg  und  Passau,  primo  loco 
13.968  fl.  zu  bezahlen.  Darum  wolle  der  Kaiser  dem  um  die 
Katholischen  hochverdienten  Kardinal  noch  die  kurze  Zeit  »sein 
Stügkhl  Brodt  und  nothwendige  Unterhaltung  allergnädigst  erfolgen 
lassen«  und  die  Klosterfrauen  von  der  Himmelpforte  mit  ihrem 
Begehren  abweisen. 

An  einen  ungenannten  Freiherm  schrieb  Fr.  Httttner  die- 
selben Entschuldigungen  mit  der  Angabe,  daß  er  für  Klesl  und 
seine  Wache  in  Georgenberg  10.000  fl.  ausgegeben  habe  (1620). 

Kurz  bevor  Klesl  seine  Klosterhaft  verließ  und  nach  Rom 
ttbersiedelte  (23.  Oktober  1622),  machte  er  noch  seinem  dank-  und 
freudenerfüllten  Herzen  in  zwei  Briefen  Luft,  die  er  an  die  Oberin 
und  die  Chorfrauen  zur  Himmelpforte,  >seine  Kinder  insgemein c, 
schrieb.  *) 

Im  ersten  Briefe  (10.  Oktober  1622)  tröstet  er  sie  oder  viel- 
mehr sich  selbst  ttber  sein  Schicksal.  Die  Klosterfrauen  mögen  nur 
mit  ihrer  Lebensweise  zufrieden  sein  und  von  der  betrügerischen 
Welt  mit  Leib  und  Seele  abgesondert  bleiben.  Sie  mögen  beten, 
daß  Gott  die  Augen  seiner  Feinde  öffne  und  sie  zur  Buße   bringe. 

0  Hammer-PargBtall,  IV,  8.  202,  Nr.  957  (angeblich  von  Rom  am 
gesendet)  and  S.  230,  Nr.  956.  Kerichbaumer,  1.  c.  8.  247  und  248. 


Daa  Fraaenkloster  Hiinmelpforte  in  Wien.  137 

Nach  vier  Jahren  Betrübnis  führe  ihn  endlich  Gbtt  zn  sich  nach 
Rom,  und  die  Schwestern  mögen  für  ihn  beten,  daß  er  dort  nichts 
weiter  als  Gottes  Willen  tne.  Er  nimmt  von  ihnen,  denen  er 
41  Jahre  in  geistlichen  Ämtern  vorgestanden,  Urlaub  und  wünscht 
ihnen  nach  seinem  Tode  einen  Hirten  und  Vater,  der  hundertmal 
mehr  Geist  habe  als  er.  Da  er  zwischen  den  drei  Wiener  Frauen- 
klöstem:  Himmelpforte,  St.  Jakob  und  St.  Laurenz  keinen  Unter- 
schied mache,  als  den,  daß  er  der  Stifter  und  Gründer  des  ersten 
sei,  so  möchten  sie  diesen  Brief  auch  den  zwei  anderen  Klöstern 
mitteilen  und  dann  aufbewahren. 

Im  zweiten  Briefe  (anfangs  Oktober  1622)  lobt  er  die  kind- 
liche Ergebenheit  des  Konvents  gegen  ihn,  die  er  dem  Schreiben 
der  Oberin  entnommen  habe.  Die  Klosterfrauen  sollen  vom  Gebete 
f^  ihn  nicht  ablassen,  da  er  sich  auf  Gott  allein,  nicht  aber  auf 
die  Menschen  zu  verlassen  habe.  Die  Regeln  und  Statuten  der 
Himmelpforte  seien  in  Rom,  wo  er  sie  fleißig  betreiben  will.  Der 
Offizial  habe  ihm  Gutes  vom  Kloster  erzählt,  nur  der  Fürwitz  der 
Freiin  von  Rappach,  die  aus  dem  Kloster  in  die  Fremde  ging. 
Wäre  ein  Ärgernis  und  habe  ihn  tief  betrübt.  Er  wisse  wohl  die 
Gründe  des  Austrittes,  und  es  war  nicht  gut,  daß  sie  ihm  nichts 
davon  mitteilte.  Der  Konvent  soll  nur  fest  und  beständig  bleiben, 
damit  das  Kloster  bei  den  anderen  zwei  (St.  Jakob  und  Lorenz) 
nicht  den  bösen  Namen  >der  Für  witzigen«  bekomme.  Der  Offizial 
selbst  wird  etliche  Anordnungen  bringen,  bei  denen  es  bleibt,  und 
sie  sollen  ihn  wie  den  Ordinarius  selbst  ehren. 

Von  Rom  aus  schrieb  Klesl  am  4.  März  1623  an  die  Oberin 
Baohoferin  voll  Unmut  wider  die  Chorfrau  Franziska  von  Rappach, 
die  hinter  seinem  Rücken  ein  päpstliches  Breve  erwirkt  hatte,  um 
in  ein  anderes  Frauenkloster  nach  Brunn  versetzt  zu  werden.  Da 
jedoch  solche  Erlaubnis  vom  Papste  nach  dem  Trienter  Konzil  nur 
mit  Wissen  des  Ordinarius  gegeben  wird,  Klesl  aber  als  Bischof 
von  Wien  davon  nichts  wufite,  konnte  er  diese  Veränderung  wohl 
einstellen,  ließ  es  aber  diesmal  sein  und  verbot  für  die  Zukunft 
nnter  der  Strafe  des  Bannes  ähnliche  Resolutionen  der  Schwestern 
ohne  sein  Wissen.  Bauhoferin  scheint  sich  irgendwie  entschuldigt 
zu  haben,  denn  schon  am  15.  März  1623  schreibt  ihr  der  Kardinal 
kategorisch  streng  als  »seinem  gehorsamen  Kinde«,  daß  sie  ihm, 
dem  geistlichen  Vater,  kraft  ihrer  Profeß  in  allem  den  Gehorsam, 
den  sie  beschworen,   ohne  Ausrede   leisten   müsse.    Den  Gehorsam 


138  Alfons  Z4k. 

muß  jedes  Kind  wissen,  nur  der  von  Paechheim  allein  hat  er  ge- 
mangelt, da  sie  alles  nach  ihrem  Einfiall  tan  wollte,  und  dadurch 
ist  sie  in  die  Tiefe  der  Sünde  gekommen.  Auch  der  Offizial  werde 
von  seinem  Befehl  nicht  ein  Haar  weichen.  Obwohl  viel  beschäftigt 
schreibt  er  dennoch  eigenhändig  an  sein  geliebtes  Kloster,  dem  ein 
solcher  Spott  wegen  der  Rappach  widerfahren.  Ein  solcher  Fall 
dürfe  sich  nicht  mehr  wiederholen.  Von  den  Chorfrauen  darf  keine 
mit  der  Rappach,  auf  die  er  so  viel  gehalten,  mit.  Wer  von  den 
Laienpersonen  im  Kloster  nicht  bleiben  will,  kann  fort.  Tut  die 
Oberin  ihre  Pflicht,  bleibt  sie  seine  liebe  Tochter,  wenn  aber  nicht, 
wird  er  sie  so  wenig  wie  andere  verschonen,  und  er  wird  sie  auch 
bei  anderen  Klöstern  entschuldigen,  damit  ähnliches  nicht  mehr 
vorkomme.^) 

Am  21.  Oktober  1623  mußte  Barbara  Bauhoferin  dem  Kar- 
dinal über  sein  Verlangen  nach  Rom  einen  Rechnungsextrakt,  über 
die  Namen  der  neuen  Klosterfrauen  und  ihre  Mitgift  berichten.  Das 
Jahreseinkommen  des  Klosters  betrug  2152  fl.,  und  zwar:  840  fl. 
Interessen  von  14.000  fl.  Kapital,  welches  im  Landhause  angelegt 
war,  wozu  noch  21.000  fl.  kamen,  davon  11.000  zu  6  und  10.000 
zu  5Vo  Angelegt.  Von  der  Mühle  zahlte  frtlher  Herr  Kaufmann 
160  fl..  jetzt  war  sie  in  eigener  Regie,  da  es  besser  sei.  Hauszins 
120  fl.,  von  den  zwei  Häuseln  Zins  214  fl.,  Praterzins  83  fl.,  von 
der  Universität  75  fl.  jährlich.^)  Dagegen  an  Ausgaben  für  Korn 
11  Mut  300  fl.,  Weizen  wöchentlich  15  fl.,  Rindfleisch  259  fl.. 
Jungfleisch  z.  183  fl.,  Hafer  6  Mut  90  fl.,  Gterste,  Brein,  Linse  und 
Erbsen  um  400  fl.,  Schmalz,  9  Zentner  zu  112  fl,,  (reib wachs 
IV3  Zentner,  1  Pfund  um  4  fl.,  Besoldung  der  Priester  226  fl.. 
Holz  50  Klafter  um  460  fl.  etc. 

Die  obgenannten  21.000  fl.  Kapital  kamen  durch  die  Schwestern 
her,  und  zwar  brachte  die  von  Rappach  3000  fl.  von  ihrer  Mutter, 
die  von  Brenner  3000  fl.  von  ihrem  Vater  Seifried,  Schwester 
Prudentia  1000  fl.,  von  Hoyos  4000  fl.,  von  Eck  8000  fl.,  die  alte 
Frau  Carninin  2000  fl.,  andere  Schwestern  hatten  200  bis  300  fl.. 
wovon  ein  Teil  für  das  Kloster  und  die  Kleidung  verwendet  wurde. 

Am  29.  Juli  1624  eröffneten  Offizial  Tobias  Schwab  und 
Notar   Dr.  Abraham   Barth   im  Namen   der   bischöflichen   Kanzlei 

^)  Hammer-Purgstall,  IV,  Nr.  965  und  968. 

^)  Diese  werden  seit  fttnf  Jahren  nicht  aasbeEahlt,  wie  anch  die  Untertaneo 
wegen  der  Rebellion  nichts  zahlten. 


Das  FranenkloBter  Himmelpforte  in  Wien.  139 

ZQ  Wien  dem  Kloster  Himmelpforte  ein  streoges  Dekret  des  Kar- 
dinals Klesl  über  die  Klausnr,  die  vermöge  des  Eorohenrecbtes,  he- 
sonders  aber  laat  Bestimmung  des  Trientiner  Konzils  von  keiner 
Person  beiderlei  Geschlechtes  ohne  Wissen  und  schriftliche  Ein- 
willigung des  Ordinariates  unter  der  Strafe  der  Exkommunikation 
(ipso  facto  latae)  verletzt  werden  dürfe J)  Am  7.  September  1624 
sehrieb  EÜesl  selbst  von  Rom  ans  an  die  Klosterfrauen,  daß  sie 
ohne  sein  Wissen  oder  Bewilligung  des  Generalvikars  weder  geist- 
liche noch  weltliche  Personen  in  ihr  Kloster  aufiiehmen  sollen. 

Im  Herbste  erkrankte  die  Oberin  Barbara  schwer,  und  als 
die  Dechantin  dem  Kardinal  nach  Rom  über  ihren  hofifnungslosen 
Zustand  berichtete,  gab  dieser  am  9.  November  1624  einige  Wei- 
sungen wegen  der  Bestattung  und  der  Neuwahl.  Da  die  Himmel- 
pforte von  ihm  aufgerichtet  wurde  und  kein  Inventar  hat,  kann 
auch  keine  männliche  weltliche  Person  zur  Übergabe  hineinkommen, 
sondern  es  wird  so  gehalten,  wie  im  Königinkloster,  worüber  auch 
sein  Offizial  eine  entsprechende  Instruktion  erhält.  Ist  die  Oberin 
gestorben,  so  wird  sie  vor  dem  Hochaltar  begraben,  und  der  Grab- 
stein erhält  die  Aufschrift: 

Barbara  Baohofferin  Erste  ObrUte  in  disem  Neaerbawten  ynd  reformiiten 
Closier   der   Regl    des    H.   AaguBtini    Canon.    Regal,    ist    gestorben    deß 

Jahr  ....  den  Tag  .... 

Darauf  folgt  die  Wahl  mit  Vorwissen  und  Anordnung  des 
Offizials  nach  der  Regel  und  den  Ordensstatuten.  Auch  Schwester 
Franziska  von  Rappach  ist  als  wirkliche  Konventschwester  ein- 
zuladen und,  ob  sie  kommt  oder  nicht,  hat  sie  ihre  Stimme  wie  die 
Siebenbürgerin.  Die  Wahl  ist  Sache  der  Schwestern,  die  auf  den 
Heiligen  Geist  vertrauen  sollen.  Die  Zeit  erfordert,  daß  die  Bauhoferin 
eine  richtige  Nachfolgerin  erhalte.  Ist  sie  adeliger  Abkauft,  wird 
das  Ansehen  des  Klosters  gehoben  werden,  vor  allem  sei  sie  seelen- 
gut und  bestens  qualifiziert.  An  der  schlechten  materiellen  Lage 
des  Klosters  sind  diejenigen  schuldig,  die  ihn  von  Wien  weg- 
genommen und  seines  Vermögens  entledigt  haben.  Bauhoferin  hatte 
eine  Freude  an  vielen  Schwestern  und  machte  seinerzeit  aus  in- 
brünstigem  Eifer  die  Rechnung  ohne  Wirt.  Aber  Gott  ist  noch 
da,  und  er,  Klesl,  habe  das  Kloster  der  heiligen  Agnes,  deren  ganzer 
Leib  in  Rom  ruht,   empfohlen  und   den  Klosterfrauen   soeben   ein 


')  Hammer-PargBtall,  IV,  Nr.  989. 


140  Alfons  ikk. 

Almosen  verordnet^)  Indessen  starb  Barbara  Dorothea  Bauhof erin 
am  27.  Oktober  1624 

Am  7.  Dezember  1624  schrieb  die  Dechantin  an  Elesl,  daß 
nach  achttttgigem  Gebet  nnd  Anrafang  des  Heiligen  Geistes,  nach 
408tündiger  Andacht,  Beicht  und  Kommunion  die  Chorfrau 

Viktoria  Heizenbergerin, 

also  keine  Adelige,  am  3.  Dezember  1624  in  Gegenwart  des  Offizials 
Dr.  Tobias  Schwab  und  des  damaligen  Beichtvaters  Fr.  Martin 
Didacus  0.  S.  Fr.,  zur  Oberin  erwählt  worden  sei,  deren  bisheriger 
Wandel  verbürge,  daß  sie  dem  Kloster  eine  gute  Mutter  sein 
werde. ^)  Darauf  schrieb  Klesl  von  Rom  am  28.  Dezember  1624 
an  seinen  Offizial  Dr.  Tobias  Schwab,  daß  er  die  einhellig  mit 
27  Stimmen  erfolgte  Wahl  approbiere.  Der  Offizial  soll  die  neue 
Oberin  installieren  und  die  Schwestern  den  Gehorsam  angeloben 
lassen.^)  Ein  ähnliches  Schreiben  gleichen  Datums  erließ  er  an  die 
Klosterfrauen,  die  auf  der  Wahl  der  sich  weigernden  Schwester 
Viktoria  einhellig  bestanden  haben.  Bezüglich  der  Kleidung  habe 
es  bei  der  von  ihm  eingeführten  Ordnung  zu  bleiben,  da  ein  Untei^ 
schied  zwischen  der  Regel  des  heiligen  Franziskus  und  der  des  hei- 
ligen Augustin  sei,  welch  letzterer  die  Himmelpförtnerinnen  angehören. 
Bei  der  Installation  soll  nur  die  würdige  Mutter  (Oberin)  und  die 
Dechantin  in  der  Kirche  erscheinen,  die  anderen  Schwestern  bleiben 
im  Chore. ^)  Die  Installation  erfolgte  erst  am  6-  August  1626  durch 
Bischof  Karl  Weinberger  0.  S.  Fr.  und  mit  Überreichung  der 
Schlüssel  durch  die  kaiserlichen  Kommissäre. 

Das  Gelöbnis  der  neuen  Oberin  ist  noch  vorhanden  und 
lautet : 

Ich  Schwester  Victoria  Hätzenpergerin,  diaes  wQrdigen  Qottee-Haaß  md 
Jungfrawen  Cloaters  Sanct  Agnetis,  bej  der  Himmelportten  genant,  des 
Ordens  rnd  Regel  Sanct  Angnstini,  ordentlich  erwOlte  Maisterin  vnd  Obriste 
gemeltes  Oottshanfl,  Sage  sne  und  gelobe  vor  Qott  vnd  seinen  HeiUigen,  vnd 
in  gegen wUrt  meiner  Connent  Schwestern  threw,  ynderthenig,  gehorsamb  mA 
ehrerbttettig  zu  sein,  zu  forderst  meiner  Matter  der  KhOrchen  Wienn,  md 
dem  Hochwürdigisten  in  Oott  Vattern,  Fürsten  vnnd  Herrn  Herrn  Melchioren 

^)  Fdrsterzbischöfliches  Konsistorialarohir  zu  Wien.  Himmelpforte  Nr.  163. 
Hammer-Pargstall,  IV,  Nr.  992  und  S.  204. 

3)  Hammer-Pargstall,  IV,  S.  20d.  Der  Brief  ist  nicht  abgedruckt. 
')  Fttrsterzbischöfliches  Konsistorialarohir,  1.  c.  Nr.  164. 

4)  Hammer-Pargstall,  IV,  S.  205  und  Nr.  995. 


Das  FraneDkloflter  Himmelpforte  in  Wien.  141 

der  BSmischen  Khüzche  Tnder  dem  titnl  Ynier  lieben  Frauen  des  Fridens 
Priester,  Cardinal,  dises  Bistnmbs  Wienn  md  Neostatt  ordentlichen  Bischoff, 
H Orten  vnd  Vorstehern,  auch  dessen  ordentlichen  nachuolgem,  nach  Satzungen 
▼nd  Statuten  der  hellligen  Canonen  Tnd  geistlichen  Bechts  md  wie  es  ge- 
büettet  oder  beuilcht  die  mwidersprechliche  authoritet  der  Romischen  Papit: 
all  mir  Gott  helffe,  md  dift  sein  heilligs  Enangelium.^) 

Der  Briefwechsel  des  Kardinals  Elesl  mit  der  neuen  Oberin 
Viktoria  begann  bald  nach  ihrer  Bestätigung  durch  den  Offisial 
in  Wien.  Am  10.  Jali  1625  stellte  Papst  Urban  VIII.  in  Rom  der 
Klosterkirche  bei  der  Himmelpforte  einen  Ablaßbrief  für  das  Fest 
der  heiligen  Agnes  aus.  Am  6.  September  1625  schrieb  ELlesl  an  die 
Oberin,  daß  er  ihren  Brief  vom  6.  August  erhalten  habe,  gibt 
einige  Mahnungen  für  sie  und  die  Klosterfrauen,  denen  er  teils 
das  Ordenskleid  gegeben,  teils  die  Profeß  abgenommen  habe;  die 
er  nicht  kennt,  seien  ja  auch  seine  geistlichen  Töchter.  An  seiner 
Rückkehr  zweifle  er  nicht,  wisse  aber  die  Zeit  nicht.  Er  empfahl 
sie  alle  der  heiligen  Jungfrau  Agnes  in  Rom  und  versicherte  das 
Kloster  seiner  weiteren  Fürsorge.^)  Am  25.  Oktober  bestätigte  er 
den  Brief  vom  30.  September,  lobte  die  Aufnahme  dreier  adeliger 
Kostkinder,  während  die  frühere  Oberin  gegen  seinen  Willen  zu 
viele  Leute  unbedenklich  aufgenommen  habe  und  freute  sich,  daß 
wieder  drei  Schwestern  die  Profeß  abgelegt  haben.  Am  20.  Dezember 
1625  bestätigte  er  die  Briefe  vom  5.  und  19.  Dezember;  man 
könne  nicht  wissen,  was  er  mit  dem  Kloster  vorhabe  und  wenn 
er  zurückkomme,  so  werde  er  viel  ausführlicher  mündliche  Be- 
lehrungen geben.  Am  St.  Agnesfeste  könnten  einige  Schwestern 
des  Ablasses  halber  einem  anderen  Beichtvater  beichten.  Für  das 
neue  Sprechzimmer  (parlatorium)  verordnete  er  durch  den  Offizial 
100  fl.,  warnte  jedoch  vor  dem  Verkehre  mit  der  Außenwelt.  Auf 
einen  Brief  der  Oberin  vom  31.  März  1626  dankte  Elesl  am 
25.  April  für  ihr  Verlangen  nach  seiner  Rückkehr  und  mahnte 
zur  Schonung  der  Gesundheit,  indem  manche  ums  Leben  gekommen 
seien,  da  sie  mit  Gewalt  alles  auf  einmal  tun  wollten.  Auch  er 
habe  das  Kloster  nicht  in  einem  Jahre  erbaut  oder  bestiftet  und 
werde  noch  weiter  daftlr  sorgen.^) 


^)  Original   mit   abgeriMenem    Siegel   im   ftiTBterzbischOflichen    Archiy   in 
Wien  (Himmelpforte,  Nr.  165). 

>)  Hammer-Purgstall,  lY,  S.  281,  Nr.  1004. 

^  Hammer-PargBtall,  17,  Nr.  1010,  1019  nnd  1024. 


142  ^^ona  Zik. 

Am  4.  Juli  1626   beantwortete  Klesl   die  Briefe   Tom  6.  und 

13.  Mai  und  ersuchte  die  Schwestern,  sich  gegen  den  P.  Kom- 
missär freundlich  zu  betragen,  der  gegen  seinen  Willen  nichts 
unternehmen  werde.  Auch  die  Väter  (PP.  Franziskaner)  werden 
nicht  geändert.  Den  Unterhalt  des  Klosters  wolle  er  bestimmt 
sichern,  seine  Rückkehr  hänge  aber  vom  Papste  ab.  Bei  der  Jubel- 
profeß  der  Dechantin  wäre  nur  eine  intime  Feier  empfehlenswert: 
ein  Dreifaltigkeitsamt  mit  Tedeum,  worauf  die  Dechantin  mit  einem 
Kranz  ins  Refektorium  zu  begleiten  und  ihr  dort  der  erste  Sitz 
wie  einer  Braut  anzuweisen  wäre.  Ein  besserer  Tisch  wäre  an 
diesem  Festtage  erlaubt,  die  Eintragung  ins  GFedenkbuch  vor- 
geschrieben. Die  augenleidende  Schwester  Elisabeth  soll  sich 
pflegen,  weil  die  Portierin  gute  Augen  haben  muß. 

Am  30.  Jänner  1627  dankte  Klesl  fttr  die  Neujahrswünsche 
der  Oberin  Viktoria  (vom  30.  Dezember  1626),  billigte  ihre  An- 
ordnungen für  das  Klostergebäude,  staunte  aber  über  die  un- 
günstigen Gesundheitsverhältnisse  im  Kloster,  das  er  doch  so  luftig 
und  schön  gebaut  hatte.  Wenn  er  zurückkomme,  werde  er  die 
Oberin,  die  mehr  melancholisch  als  krank  wäre,  aufmuntern  und 
heilen,  nur  mögen  alle  Schwestern  um  seine  baldige  Rückkehr 
beten.  *) 

Nach  einem  Jahre  (25.  Jänner  1628)  war  es  Klesl  vergönnt; 
im    Stephansdom     seinen     feierlichen     Einzug     zu     halten.     Am 

14.  April  1628  schickte  er  »seiner  lieben  Frau  Tochter,  der  wür- 
digen Frau  Viktoria«  ein  Bildchen,  das  ihm  am  liebsten  unter 
allen  gewesen  und  von  einer  heiligen  Person  herrührte,  zum 
Osterei.  Wegen  der  Ordnung  bei  der  Mette  (matutinum)  wolle  er 
selbst  mit  der  Oberin  sprechen.  Vorderhand  solle  folgende  Ord- 
nung eingehalten  werden:  Jede  Schwester,  die  nicht  aufstehen  kanO) 
soll  allezeit  um  Erlaubnis  bitten.  Sonst  ist  jede  Schwester  schuldig, 
um  4V4  früh  im  Chore  die  Mette  zu  beten.  An  Sonn-  und  Feier- 
tagen müssen  alle  erscheinen.  Diejenigen,  die  nicht  erschienen  sind, 
müssen  einen  Rosenkranz  pro  defunctis  beten,  die  verschlafen 
haben,  sollen  gestraft  werden.  Nur  die  Verordnung  des  Arztes 
komme  einer  Dispens  gleich. 

Am  4.  Juli  1628  erließ  Klesl  in  Wien  ein  scharfes  Dekret 
an  das  Kloster  Himmelpforte,  wo  einige  Schwestern  den  Elardinal 
um  Befreiung   von    der    nächtlichen   Mette    baten,    weil    das  Auf- 

>;  Hammer-Purgstall,  IV,  Nr.  1038  und  1036. 


Daa  FrauenkloBter  Himmelpforte  in  Wien.  143 

stehen  der  Gesundheit  schade.  Er  befahl  darin  die  tägliche  Mette 
um  Ifittemacht,  wollte  das  Begehren  der  Schwestern  geheim  halten, 
damit  es  die  anderen  FrauenklOster  wegen  des  Spottes  nicht  er- 
fahren, und  hat  daher  dieses  Dekret  selbst  geschrieben J) 

Schon  am  7.  Juli  berichtete  die  Oberin  dem  Kardinal,  daß 
sie  sein  Dekret  dem  Konvente  vorgelesen  habe  nnd  dankte  ihm 
im  Namen  aller  fttr  die  Sorge  um  ihr  Seelenheil. 

Nach  seiner  Rückkunft  aas  Rom  hat  Klesl  seine  junge  Nichte 
Eva  Rosina  (Euphrosina)  Klesl  dem  Kloster  Himmelpforte  zur  Er- 
ziehung anvertraut  und  dabei  verschiedene  Verfügungen  getroffen. 
Von  seinen  verstorbenen  Eltern  Melchior  und  Margarete  erbte 
Klesl  das  Haus  »bei  dem  blauen  Esel«  (später  »zum  eisernen 
Mann«)  in  der  Kärtnerstraße  und  genoß  es  ruhig  etliche  Jahre, 
^ach  dem  Tode  seines  Vetters  Magister  Georg  Klesl  und  dessen 
Gattin  Franziska  gab  er  im  Jahre  1623  die  Einkünfte  dieses 
Hauses  oder  dessen  Kaufschilling  per  1500  fi.  den  zwei  verwaisten 
annen  Nichten  Eva  Rosina  und  Anna  Maria  freiwillig  bis  auf 
weiteres  zum  Unterhalte,  worüber  die  Universität  Wien  als  Obrig- 
keit des  verstorbenen  Georg  Klesl  zwei  Doktoren,  Wilhelm  Manig- 
eeta  und  Peter  Hofimann,  zu  Vollstreckern  verordnete.  Da  aber 
Anna  Maria  starb,  und  Eva  Rosina  allein  blieb,  bestimmte  der 
Kardinal,  daß  die  Einkünfte  des  Hauses  ihrer  Muhme  Maria  de 
Valerisin,  die  das  Mädchen  bisher  erzogen  hatte,  als  Erziehungs- 
beitrag ausbezahlt  werden. 

Da  nun  Eva  Rosina  dem  Himmelpfortkloster  zur  Erziehung 
gegeben  wurde,  beließ  der  Kardinal  die  Nutznießung  des  Hauses, 
solange  das  Mädchen  im  Kloster  bleiben  und  vor  ihrer  Mündigkeit 
Dicht  anders  darüber  verfügen  wird,  ihrer  bisherigen  Erzieherin 
Maria  de  Valerisin  und  ihrer  Tochter  Margarete.  Im  Falle  aber 
Eva  Rosina  im  Kloster  minderjährig  oder  ohne  Verfügung  stürbe, 
dann  soll  das  Haus  den  beiden  Valerisin  gehören;  sollten  aber 
diese  früher  sterben  und  Eva  Rosina  bis  zu  ihrer  Mündigkeit  keine 
andere  Verfügung  getroffen  haben,  dann  soll  die  Himmelpforte  das 
Haus  erben  (Wien.  22.  Juni  1629).2) 


^)  Hammer-Purgstall,  IV,  Nr.  1053  und  1056. 

2)  Hammer-Parg8tBll,  IV,  246  und  Nr.  1065.  Ähnliche  Mitteilang  an 
^en  Kektor  der  UniTersitftt  vom  Jahre  1627  (?)  im  fttrsterzbischOflichen  Kon- 
nttoiialArchire  in  Wien  (Himmelpforte  Nr.  167). 


144  Alfont  ikk. 

Ein  Brief  Klesls  vom  10.  Jänner  1629  an  die  Oberin  ist  eh 
Dankschreiben  für  die  Nenjahrswttnsche  des  Klosters  Himmelpfort 
and  voll  Sehnsucht  nach  Ruhe,  ein  zweiter  vom  21.  April  162{ 
betri£ft  die  kleine  Nichte,  stets  »das  Maidl«  genannt,  die  der  Kar 
dinal  den  Chorfrauen  zur  Erziehung  übergeben  hatte,  ein  zartei 
Mädchen,  welches  sie  gut  pflegen  und  mütterlich  behandeln  sollen 
nicht  vielleicht,  um  es  geistlich  zu  machen.  Besuche  von  Bekanntei 
soUen  nur  in  Gegenwart  einer  Schwester,  eine  Dienstmagd  abei 
gar  nicht  gestattet  sein,  außer  wenn  es  die  Oberin  wünscht.  Ei 
selbst,  Klesl,  wolle  am  nächsten  Tage,  wenn  möglich,  auf  eim 
Stunde  kommen  und  die  Nichte  aufmuntern.^) 

Eva  Rosina  blieb  im  Kloster  als  Chorfrau  unter  dem  Namen 
Viktoria  und  verschenkte  später  (als  Priorin?)  das  ihr  vom  Kanf- 
schilling  des  Hauses  »zum  blauen  Esel«  zugedachte  Kapital  von 
1500  fl.  aus  Dankbarkeit  ihrer  Muhme  Margarete,  verwitweten 
Delagarbin,  gebornen  Valerisin  (Wien,  4.  Oktober  1636).^) 

Am  10.  August  1629  beauftragte  Klesl  von  St.  Veit  aus  die 
Oberin  Viktoria,  der  Frau  unverzagt,  die  viel  Qutes  tat,  aus- 
nahmsweise das  Speisen  im  Kloster  zu  gestatten;  sonst  sei  dies 
verboten,  »damit  das  Kloster  nicht  etwa  einen  bösen  Namen  als 
Wirtshaus  bekäme.«  Am  22.  November  1629  ließ  Klesl  durch  ein 
apostolisches  Breve  vom  20.  August  1627  die  alten  Statuten  bei 
St.  Agnes  als  sehr  untauglich  außer  Kraft  setzen  und  verfaßte 
neue,  die  er  jetzt  bei  St.  Agnes  einführte.  Am  Vorabende  seines 
Todes  hielt  Klesl  sein  Wort,  und  was  er  früher  oft  versprochen, 
vollbrachte  er  in  wahrhaft  fürstlicher  Weise  in  seinem  Testamente, 
welches  er  am  14.  September  1630  im  Bischofshofe  zu  Wiene^| 
Neustadt  den  drei  apostolischen  Protonotaren  Tobias  Schwab,  | 
Kanonikus  von  Wien  und  Olmütz,  Kustos  nfid  Of&zial  der  Diözese  | 
Wien,  Matthias  Gaißler,  Offizial  in  Wiener-Neustadt,  und  Johann  j 
Augustin  Zwerger,  Domherrn  bei  St.  Stephan,  diktierte.  Von  seines  | 
bedeutenden  Vermögen  (fast  eine  halbe  Million  Gulden)  vermachte  i 
er  u.  a.  100.000  fl.  in  kaiserlichen  Schuldbriefen  dem  von  ihzn| 
von  Grund  aus  erbauten  Kloster  Himmelpforte  zum  ewigen  Genasse 
der  Zinsen,  damit  dort  für  ihn  beim  Gottesdienste  Tind  andächtigen 
Gebete  an  ihn  gedacht  werde.  Es  war  eine  Liebe  und  Freigebig- 
keit, die  mit  den  Legaten  an  andere  Wiener  Klöster  in  gar  keinem 

^)  Hammer-Parc^itall,  IV,  240—241,  dann  Nr.  1061  nnd  1064. 
3)  Ebenda.  8.  345,  Nr.  1074. 


Dai  Frauenkloiter  Himmelpforte  in  Wien.  145 

Verhaltnisse  stand.  ^)  Seiner  Nichte  Eva  Rosina  vermachte  er 
20.000  fl.  in  kaiserlichen  Schuldbriefen  zn  einem  Heiratsgat,  wenn 
gie  das  Kloster  yerlassen  sollte,  oder  als  Mitgift,  falls  sie  im  Kloster 
bleiben  wollte.^ 

Von  EJesl  wurde  auch  eine  schöne  Orgel  der  Himmelpforte 
gespendet,  worauf  sein  Name  zu  lesen  war.  Als  nun  dieser  Wohl- 
täter des  Klosters,  auch  >  Stifter  €  genannt,  am  18.  September  1630, 
im  78.  Lebensjahre,  starb,  war  das  Himmelpfortkloster  in  tiefe 
Trauer  versetzt.  Aus  Dankbarkeit  ließen  die  Klosterfrauen  alle 
Jahre  am  Dreikönigstage  (Klesls  Namenstage)  und  an  seinem  Todes- 
tage einen  Leuchter  mit  einer  zweipfttndigen  Wachskerze,  die  mit 
einem  Rosmarinkranzel  umwunden  war  und  von  frühe  an  bis 
abends  nach  der  Vesper  brennen  mußte,  auf  sein  Grab  setzen.') 

Am  28.  Mai  1633  wurde  zwischen  der  Oberin  Viktoria  und 
Frater  Anton  a  Mutina,  Generalminister  in  Rom,  im  Namen  des 
Kapuzinerordens  eine  geistliche  Konföderation  geschlossen.  Am 
13.  Jänner  1634  fragte  der  Wiener  Bischof  Anton  bei  der  Oberin 
ron  St  Agnes  an,  ob  nicht  zwei  vertriebene  Benediktinerinnen 
als  Exulanten  für  eine  Zeit  bei  der  Himmelpforte  gastliche  Auf- 
nahme finden  könnten.  Der  erste  Bericht  über  die  neue  Verfassung 
im  Kloster  datiert  vom  Jahre  1637.  Es  war  ein  Probejahr  (Novi- 
ziat) eingeführt,  nachdem  die  Kandidatin  vorher  Iftngere  Zeit,  sei 
es  als  Zögling  oder  als  Postulantin  (Säkularnoviziat)  im  Kloster 
zugebracht  hatte.  Schon  bei  der  Einkleidung  erhielt  jede  Schwester 
einen  neuen  Klostemamen  mit  dem  Vornamen  Maria  und  legte 
nach  dem  Probejahre  die  feierliche  Profeß  ab.  Kurz  vor  der  Profeß 
wurde  von  dem  eigens  dazu  delegierten  bischöflichen  Kommissär  ein 
Examen  gehalten,  wobei  die  Novizin  folgende  elf  Punkte  zu  be- 
antworten hatte:  Wie  sie  heiße,  wie  alt  und  wo  sie  geboren  sei, 
wer  ihre  Eltern   seien,    wie   sie   heißen,    ob  katholisch,    ob  sie  die 

>)  Daa  Königin-,  Jakob-,  Laurenz-  und  NiklMkloster  erhielt  nur  je  2000  fl., 
das  Kapnxinerkloeter  500  fl.,  die  Paoliner  in  Wiener-Neustadt  ÖOO  fl.  oiw. 

*)  Hammer-Pnrgstall,  IV.,  S.  244  und  Nr.  1075.  Kerichbanmer, 
I.  c.  8.  290  ff.  Das  Testament  wurde  erst  am  31.  Oktober  1630  echriftlich  auf- 
geeetit  Eine  kollationierte  Kopie  des  Testamentee  erliegt  im  Wiener  StadtareliiTe. 
Sbendort  ein  Abeolutorinm  der  Oberin  Viktoria,  ddto.  Wien,  30.  Dezember  1631, 
ftuigeetellt  dem  JUDr.  Oeorg  Packer,  niederOsterreichischem  Begimentsrat,  für  Eva 
Klesl,  nebst  anderen  Empfangsbestätigungen  bis  zum  Jahre  1637. 

')  Hammer-Purgstall,  IV,  Nr.  1013,  und  einige  Betrachtrmgen  8.  242 
imd  247,  die  jedoch  Ansichtssache  bleiben.  Schier,  Hist.  Episc.  Vien.  Pag.  67. 
Jakrbseh  d.  Y.  f.  Ludaiknnd«.  1907.  10 


146  Alfons  ikk. 

Einwilligang  gegeben,  was  der  Bewe^mnd  zum  Eintritt  ins 
Kloster  wäre,  ob  die  Novizin  die  Regel  gelesen  habe,  ob  sie  sich 
diese  zu  halten  traue  und  ob  sie  niemand  die  Ehe  versprochen 
habe.  So  wurde  es  am  25.  August  1637  gehalten,  als  Schwester 
Viktoria  Klesl  (früher  Eva  Bosina)  und  Cacilia  (Maria  EUsabeth; 
von  Herberstein  ^)  geprüft  wurden.  An  der  Spitze  des  Frauen- 
klosters stand  die  würdige  Mutter  »Oberstinc,  ihr  zur  Seite  war 
die  «Dechantin«,  die  übrigen  Chorfrauen  bekleideten  verschiedene 
Hausämter  oder  waren  als  Lehrerinnen  und  Erzieherinnen  an  der 
Klosteranstalt  tätig.  Viele  von  ihnen  waren  vom  hohen  Adel.  Die 
häuslichen  Arbeiten  besorgte  eine  größere  Anzahl  von  Laien- 
Schwestern,  die  zwar  auch  die  feierliche  Profeß,  jedoch  keine 
Stimme  bei  der  Wahl  der  Oberstin  hatten.  Die  Tracht  der  Kloster- 
frauen war  ein  Kleid  von  schwarzer  Serge;  ein  weißes  Band  von 
Linnen  bedeckte  Stirn  und  Haar,  eine  weißleinene  Guimpe  Hak 
Schultern  und  Brust,  und  auf  dem  Kopfe  trugen  sie  einen  von 
außen  schwarzen,  innerlich  weißen  Schleier,  im  Chore  einen 
schwarzen  Mantel.  Nur  bei  den  Novizinnen  und  Laienschwestem 
war  der  Schleier  auch  äußerlich  weiß. 

Am  15.  Dezember  1637  wurde  den  Klöstern  zur  Himmel- 
pforte, St  Jakob  und  St.  Laurenz  die  Wahl  eines  außerordent- 
lichen Beichtvaters  in  der  Weihnachtszeit  gestattet.  Kurz  darauf 
starb  Viktoria  Bosina  Heizenberger  am  23.  Dezember  1637.  Schon 
Mitte  Jänner  meldete  der  Wiener  Offizial  Dompropst  Tobias 
Schwab  der  Dechantin  bei  St.  Agnes,  daß  ihm  der  25.  Jänner 
(Pauli  Bekehrung)  zur  Wahl  einer  Oberstin  und  Vorsteherin  an- 
genehm sei,  wenn  bis  dabin  zwei  kaiserliche  Kommissäre  ernannt 
seien;  sind  die  Chorfrauen  ziemlich  einig,  so  wird  er  allein  als 
Vertreter  des  Ordinarius  der  Wahl  beiwohnen.  Die  Wahl  fand 
wirklich  in  seiner  Gegenwart  an  dem  genannten  Tage  statt,  and 
Dr.  Schwab  meldete  tags  darauf  seinem  Bischöfe  die  Vorgänge 
bei  dem  Wahlgange.    Berechtigt  zur  Wahl  waren  24  ChorfrauenH 

^)  Die  entere,  Tochter  des  yerstorbenen  Qeor^  Kled,  wurde  ra  Pfingiten 
1636  eingekleidet  nnd  war  19,  die  Eweite  17  Jahre  alt. 

2)  Begesten  sur  Geschichte  der  Erzdiöseee  Wien.  I,  8.  71,  Nr.  203  (Be- 
richt Tom  Jahre  1654)  sprechen  nur  yon  14  Wählerinnen,  aber  dieie  Kopie  i>t 
unvollständig.  Im  städtischen  Archive  erliegt  das  Original-WaUinstrument  rom 
25.  Jänner  1637,  gefertigt  von  der  neuen  Oberstin  Elisabeth  Agnes,  der  De- 
chantin Anna  Marina  Densakchin  und  den  übrigen  Chorfranen,  zusammao 
24  Namen. 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  147 

deren  Namen  lauteten:  Elisabeth  Agnes  von  Brenner,  Anna  Marina 
Deasakchin,  Maria  Schiltzin,  Maximiliana  Oberweinin,  Anna  Bri- 
gitta  Ton  Trantsohn,  Ursula  Regina  von  Bartenstein,  Felicitas  Apol- 
lonia  Wöckhin,  Bosina  Schifferhaberin,  Polyxena  von  Brenner, 
Anna  Magdalena  von  Unverzagt,  Febronia  Janickhin,  Johanna 
Sophia  von  Stotzing,  Marianna  von  Eckh,  Snbolita  von  Stotzing, 
Regina  Franziska  von  Pötting,  Barbara  Beatrix  von  Richter,  Elisa- 
beth von  Puechheim,  Ursula  Sophia  Veitin,  Marie  Hermine  von 
Sakchen.  Dorothea  von  Hoyos,  Teresie  Veitin,  Cäcilia  von  Herber- 
stein, Viktoria  EQesl  und  Barbara  Seibin. 

Vor  der  Wahl  richtete  Dr.  Schwab  sieben  Fragen  an  die 
Votantinnen  und  schritt  dann  zum  Wahlakte  selbst.  Gewählt 
wurde  die  würdigste  Schwester 

Elisabeth  Agnes  Freiin  von  Brenner, 

etwa  43  Jahre  alt,  seit  ihrem  elften  Jahre  durch  32  Jahre  im 
Kloster.  Mitkompetentin  war  Schwester  Dorothea  von  Hoyos.  Die 
Chorfrauen  hatten  diesmal  eine  ausgezeichnete  Wahl  getroffen. 

Bei  dieser,  wie  auch  bei  frtlheren  Wahlen  waren  keine 
kaiserlichen  Kommissäre  zugegen,  auch  nahmen  sie  keine  Inventur 
oder  Sperre  vor.  Die  Installation  der  neuen  Oberin  nahm  der  Fürst- 
bischof AntoD  erst  am  dritten  Osterf eiertag  (6.  April  1638)  im 
Chore  vor,  wobei  nur  sein  Notar  und  die  Geistlichkeit  assistierten. 
Die  kaiserlichen  Kommissäre  verblieben  in  der  Kirche  und  nach 
vollzogener  Bestätigung  stellte  der  Bischof  bei  offener  Türe  der 
Sakristei,  die  in  die  Kirche  ging,  die  neue  Oberin  den  zwei  Kom- 
missaren vor,  von  denen  sie  im  Namen  des  Kaisers  die  Schlüssel 
empfing.  Das  Gelöbnis  der  Oberin  ist  mit  jenem  vom  Jahre  1624 
ziemlich  gleichlautend. 

Die  neue  Oberin  Elisabeth   war   eine  vornehme  Erscheinung. 

Ihr  Vater    war    der   Hauptfeind    und   Geleitmann  Klesls    aus    der 

Wiener  Burg   nach  Tirol.     Ihr  jüngerer  Bruder  Philipp  Friedrich 

von  Brenner   (geb.  1598)    war   Domdechant    und  Weihbischof   zu 

Olmtttz,    Propst    zu    Brunn,     Domherr    und    Bistumsverweser    zu 

Breslau,  1639—1669  Fürstbischof  in  Wien.  Klesl  hatte  ihre  Eltern 

getraut,  sie,  die  Oberin,  selbst  getauft,  als  Novizin  eingekleidet  und 

zur  Profeß  zugelassen.    Bei   der  Einkleidung   hatte   sie  ihm  ihren 

abgeschnittenen    Haarzopf    geschenkt,     der     mit     der    eigenhän- 

10* 


148  Alfoni  24k. 

digen    Authentik  Elesls  nach   der   Aafhebung   der   Himmelpforte 
weiter  kam.^) 

Während  seines  Aufenthaltes  in  Rom  wechselte  Klesl  nicht 
nnr  mit  der  Oberin  Viktoria  Geschäftachreiben  als  Ordinarius  und 
Leiter  des  von  ihm  gebauten  und  reformierten  Klosters  Himmel- 
pforte,  sondern  auch  mit  der  Schwester  Elisabeth  von  Brenner 
sehr  freundschaftliche  und  väterliche  Briefe  voll  Gemtttstiefe  als 
geistlicher  Führer  und  Seelenfreund.  Dabei  erwähnte  er  oft  eines 
Kreuzes,  das  er  selbst  als  liebwertes  Andenken  dem  Kloster 
Hinmielpforte  verehrt  hatte  und  der  Fürbitte  der  in  Rom  ruhenden 
heiligen  Agnes. 

Laut  Brief  ddto.  4.  März  1623  erfahren  wir,  daß  Siegfried 
von  Brenner,  Vater  der  Schwester  Elisabeth,  auch  Ursache  gewesen 
ist,  daß  Klesl  das  ganze  Kloster  gebaut  habe.  Darum  war  Klesl 
nach  seiner  verstorbenen  Mutter  dieser  Ghorfrau  am  meisten  ver- 
pflichtet und  auch  sie,  Schwester  Elisabeth,  sollte  ab  Anfängerin 
des  Baues  dem  Kloster  treu  ergeben  und  beständiger  als  die  an- 
getreue Schwester  von  Rappach  sein;  sie  möge  immer  im  Kloster 
verharren,  sein  Kreuz  behalten,  für  ihn  beten,  ihn  ihrem  Vater. 
der  immer  sein  guter  Freund  gewesen,  ihrer  Mutter,  den  Schwestern 
von  Harrach  und  Bernstein  (»seinen  lieben  Kindern«)  empfehlen.^) 
Als  ihm  dann  Elisabeth  von  Brenner  am  1.  April  1625  schriftlich 
wie  durch  eine  neue  Profeß  immer  im  Kloster  zu  bleiben  gelobte. 
dankte  Klesl  am  22.  April  1625  für  dieses  schöne  Beispiel  'der 
Treue.  Das  geschenkte  Kreuz,  das  ihm  lieber  war,  als  sein  ganzes 
Vermögen  und  alle  Schätze  der  Welt,  soll  für  immer  bei  der 
Himmelpforte  aufbewahrt  bleiben. 

Bald  darauf  erhielt  Elisabeth  durch  ihren  Beichtvater,  der 
zum  Jubiläum  nach  Rom  gereist  war,  Grüße  von  Klesl,  wofür  sie 
am  6.  August  1625  dankte  und  schon  am  6.  September  von  Klesl 
einige  heilsame  Ermahnungen  bekam.^)  Am  20.  August  1625  mel- 
dete Elisabeth  dem  Kardinal  das  Ableben  ihrer  Mutter,  einer  noch 
jungen   starken  Frau,    worauf   ihr  Klesl    am  27.  September  1625 

^)  Er  kam  an  den  NikoUbarger  Propst  Sebastian  Weintritt,  von  ihm  an 
Uammer-Porgstall  und  durch  diesen  nach  Hainfeid.  Cfr.:  Hammer-PnrgstsH, 
IV,  205. 

i)  Hammer-Pargstall,  IV,  209  und  Nr.  966.  Eersehbauxiier, 
1.  c.  312. 

3)  Hammer-Purgstall,  IV,  209,  dann  Nr.  998  nnd  1005.  Der  B«ieb^ 
Tater  war  offenbar  Dr.  T.  Schwab. 


Das  FntaeDkloBter  Himmelpforte  in  Wien.  149 

kondolierte  und  um  näheren  Bericht  über  den  Tod  der  Mutter  er- 
suchte. Dies  tat  Elisabeth  am  1.  Oktober  und  erhielt  dann  ein 
abreiben  Elesls  ddto.  Rom,  25.  Oktober  1625,  wo  die  Bedeutung 
seines  Kreuzes  bei  der  Himmelpforte  erörtert  wird.  Demnach  hatte 
einst  Elesl  das  ungarische,  dann  das  dreitägige  und  das  tägliche 
Fieber  gehabt,  welches  sich  veränderte,  er  mußte  aber  21  Wochen 
liegen.  Der  Arzt  prophezeite  ihm  bereits  den  Tod.  Da  zog  sich  Elesl 
ganz  allein  zurück,  legte  sich  auf  den  Boden,  nahm  das  Kreuz  zu 
sich,  hielt  ein  Gespräch  mit  Christus,  schlief  um  1  Uhr  ein  und 
war  von  nun  an  fieberfrei.  Deswegen  war  ihm  das  Kreuz  so  lieb 
and  teuer.  ^)  Am  19.  November  dankte  Misabeth  für  dieses  Schreiben 
und  am  20.  Dezember  versprach  ihr  Klesl  das  Elreuz  in  seinem 
Testamente  als  Erbteil  zu  vermachen,  femer  auch  den  erbetenen 
Rosenkranz  zu  senden  und  einige  Reliquien  der  heiligen  Agnes  zu 
erwirken.^ 

Dieses  Kreuz  ließ  dann  Elisabeth  Agnes  von  Brenner  als 
Oberin  aus  Liebe  zum  Konvent  auf  den  Magdalenenaltar  im  Ejreuz- 
gange  zur  besseren  Verehrang  setzen.  Unter  der  Oberin  M.  Mag^ 
dalena  Klugin  kam  das  Kreuz  auf  eine  Tafel  in  das  Kranken- 
zimmer (28.  November  1703),  unter  der  Oberin  Nigrelli  wurde  es 
erneuert  (1744)  und  gelangte  nach  der  Aufhebung  der  Himmel- 
pforte 1783  in  das  Kloster  der  PP.  Serviten  auf  dem  Mariahilfeiv 
berge  bei  Gutenstein,  wo  es  sich  heute  noch  mit  einer  Inschrift 
auf  dem  Rücken  des  Kastens  befindet.^) 

Einen  Brief  der  Schwester  Elisabeth  vom  4.  Februar  1626 
beantwortete  Klesl  am  7.  März,  dem  er  Rosenkränze  für  die  Frau 
von  Stotzing  und  ihre  Kinder  beilegte,  dagegen  aber  den  für  die 
Adressatin  bestimmten  Rosenkrauz  persöi^^ch  zu  überreichen 
wünschte.  Am  nächstfolgenden  Tage  sollten  die  Verhandlungen 
wegen  seiner  Abreise  von  Rom  beginnen.  Es  drängte  den  Kardinal 

i)  Hammer-Pargatall,  IV,  209—210,  dann  Nr.  1006  und  1009.  Im 
Briefe  rom  2ö.  Oktober  1625  grOAt  Klesl  zum  SchluMe  die  Schwestern  von  Uar- 
rsch,  Konnorizin  seiner  Nichte  Eva  Rosina. 

«)  A.  a.  O.  IV,  210,  Nr.  1018. 

^  Urbar  des  Servitenklosters  zu  Gutenstein.  S.  210.  Das  Kreuz  befindet 
sich  dort  an  einem  Seitenaltare  in  der  Kirche  und  kam  1800  durch  eine  Eznonne 
▼on  der  Himmelpforte  dahin.  (Topographie  you  Niederösterreich.  VI,  143.)  Vgl. 
auch  Hammer-Purgstall,  IV,  Nr.  1012,  1013  und  1014.  Die  Nr.  999  und 
1011^  die  denselben  Gegenstand  betreffen  sollten  (IV,  8.  210,  Anm.  3),  fehlen  in 
der  Sammlung. 


150  Alfom  ihk. 

nach  Wien  zu  kommen  und  den  armen  Klosterfrauen,  die  nichtsi 
zu  essen  hatten,  zn  helfen.  Vor  allem  soll  aber  Elisabeth  ihren 
Vater,  seinen  alten  Freund,  gar  freundlich  grüflen  und  dahin 
wirken,  daß  er  seinen  Sinn  ändere  und  sich  mit  Klesl  aussöhne. 
Elisabeth  schrieb  ihm  am  31.  März  und  am  25.  April  antwortete  Klesl, 
indem  er  sie  wiederum  versicherte,  die  »Beten«  (Rosenkranz)  selbst  zu 
übergeben  und  dem  ^Kloster  aufzuhelfen.  Sie  möge  immer  ein  Bei- 
spiel der  Vollkomii  iiheit  geben,  weil  sich  das  adelige  Geblüt  am 
besten  in  Tugend^tf'  zeigt')  Am  20.  Mai  1626  sehnte  sich  Elisabeth 
nach  seiner  Rückkefvf  und  am  4.  Juli  schrieb  Klesl,  daß  der  Papst 
eben  darüber  beratschlage;  man  solle  nur  weiter  beten,  die  Schwe- 
stern Polyxena  von  Brenner  und  Veronika  von  MoUarth  von  ihm 
grüßen.  Für  die  Neujahrswttnsche  vom  30.  Dezember  1626  nannte 
Klesl  seine  liebe  Schwester  Elisabeth  eine  Predigerin,  wünschte  ihr 
Beständigkeit  und  Eifer  im  Quten,  grüßte  die  Schwester  von  Mol- 
larth  und  Stotzing  und  fragte  um  die  von  Harrach,  Brenner  u.  a. 
Es  war  vermutlich  sein  letzter  Brief  aus  Rom  an  die  Schwester 
Elisabeth  (30.  Jänner  1627).2)  gie  dürfte  ihm  ein  Heiligenbild  ver- 
ehrt haben,  dessen  Inschrift  bei  der  Beschlagnahme  der  Schriften 
Klesls  unter  diesen  gefunden,  im  k.  u.  k.  Staatsarchiv  zu  Wien 
aufbewahrt  ist.^) 

Das  nächste  Jahr  nach  der  Wahl  der  Schwester  Elisabeth 
Agnes  von  Brenner  zur  Oberstin  bei  der  Himmelpforte  bestieg  ihr 
Bruder  Philipp  Friedrich  den  Bischofstuhl  von  Wien  (1639—1669) 
und  war  dem  Kloster  stets  sehr  gewogen.  Am  29.  Juni  1641  teilte 
ihm  die  Oberstin  mit,  daß  sie  mit  dem  Konvente  während  seiner 
Reise  eifrig  für  ihn  gebetet  und  den  Klosterhof  zu  Atzelsdorf  den 
Herren  von  Penzing  vgn  3400  fl.  verkauft  habe;  am  19.  September 
1641  bat  sie  ihn  um  Erlaubnis,  die  Ordensregel  drucken  und  die 
Messe  in  einem  neuerbauten  Elrankenstübchen  lesen  lassen  za 
dürfen,  welch  letzteres  auf  sieben  Jahre  gestattet  wurde. 

Mit  den  Franziskanern  im  nahen  Kloster  bei  St  Hieronymus 
in  Wien  wurde  1640  ein  Übereinkommen  dahin  getroffen,  daß  die 
Patres  den  ganzen  Gottesdienst,  Predigt-  und  Beichtstuhl  bei 
St.  Agnes  versehen  sollten,  wofür  ihnen  die  Klosterfrauen  jährlich 
900  fi.  Almosen  geben  würden.  Auch  wurde  zwischen  der  Himmel- 

M  Hammer. Pargitall,  IV,  Nr.  1021  und  1026. 
«)  A.  a.  O.  Nr.  1034  und  1037. 
3)  A.  a.  O.  IV,  8.  211. 


Das  Fraaenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  151 

pforte  und  der  österreichischen  Franziskaner-Ordensprovinz  samt 
d^i  Ellarissen  eine  Konföderation  0  errichtet  Ahnliche  Konfödera- 
tionen kamen  später  mit  den  unbeschnhten  Augustinern  (27.  Juni 
1644),  Serviten  (28.  August  1647)  und  Franziskanern  (2.  März 
1661)  zustande.  , 

Am  6.  Dezember  1641  errichtete  Elisabeth  Agnes  von 
Brenner  einen  Stiftsbrief  nach  Frau  JoiIaii;*^a  CoUona  von  Felß, 
geborene  Freiin  von  Hoyß,  die  in  ihrem  T»  tamente  ddto.  Wien, 
15.  Juli  1638  dem  Kloster  1500  fl.  (&  if)  kr.  der  15  Batzen)  ver- 
machte, welchen  Betrag  die  Freiherren  %  Felß  baar  bezahlt 
haben.  Dafür  mußte  das  Kloster  dieser  Stifkerin  eine  Gruft  in  der 
Klosterkirche  erbauen  und  einen  Jahrtag  mit  einem  gesungenen 
Hochamte  errichten.^ 

Am  6.  Februar  1642  wurde  der  freie  unbelehnte  Edelmanns- 
sitz in  Pötzleinsdorf,  der  von  der  verstorbenen  Jakobina  Frau  von 
Schönkirchen,  geborenen  Landspergerin,  testamentarisch  an  das 
Kloster  gekommen  war,  samt  ZubehOr^)  dem  Wiener  Domherrn 
Anton  Leupen  von  Leupenstein,  apostolischen  Protonotar  und  comes 
palatinns,  um  3400  fl.  verkauft.^) 

Am  15.  Juli  1652  wurde  das  Gut  Johannstein  (Sparbach  bei 
Hiuterbrtthl)  dem  Stifte  Heiligenkreuz  um  15.000  fl.  und  100  Reichs- 
taler Leutkauf  verkauft  und  der  Kaufschilling  bis  zum  Jahre  1660 
beglichen;  ein  Streit  mit  demselben  Stifte  wegen  der  ausständigen 
Landstenem  der  Untertanen  in  Bierbach  (1648 — 1651)  wurde  am 
15.  Juni  1660  gtttlich  beigelegt.^) 

In  Wien  selbst  wollte  die  Oberin  das  knapp  neben  dem 
Kloster  gelegene  Häuschen  »auf  der  Dogga«,  Eigentum  des  Hans 
Maurer,  käuflich  erwerben,  da  man  von  jenem  fast  inmitten  des 
Klosters   gelegenen  Hause  in  die  Klosterzellen  steigen  konnte,  und 


^)  Ein  Vertrag,  die  geistlichen  Verdienste  sich  gegenseitig  zukommen  zu 
Isann.  Der  gedruckte  »Filiationsbrief  des  Fraters  Franz  Maxenz  ron  Arko, 
Generalkommissärs  O.  8.  Fr.<  ddto.  Wien,  Konvent  bei  St.  Antonin,  6.  November 
1640,  im  Wiener  Stadtarchive. 

^)  Original  Pergament  im  k.  n.  k.  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchive  zu  Wien. 
Vfl.  Quallen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  I,  1,  Beg.  2018. 

*)  Untertanen,  OrundbQcher,  Bergrecht,  Brunnen,  Wasserwerke,  Wein- 
gärten (ein  Viertel  »daa  Prunsitzlc,  zwei  in  der  Hohen  wart,  eins  im  Ströbel«), 
ein  Teichtel,  ein  Meierhof,  Vielutand,  Hausgeräte,   Äcker,    Wiesen,  Überländ  etc. 

*)  Vgl.  Quellen,  1.  e.  Keg.  2019. 

^)  Wiener  Stadtarchiv. 


152  Alfons  ikk. 

weil  von  dort  von  den  Schustergesellen  stets  weltliche,  ketzerische 
Lieder  zur  Störung  des  Gottesdienstes  gesungen  wurden.  Sie 
wendete  sich  am  21.  Juni  und  wiederum  am  23.  Juli  1649  an  den 
Wiener  Stadtrat  um  Einwilligung  zum  Kaufe,  erhielt  jedoch  zur 
Antwort,  daß  dieses  Begehren  den  Stadtprivilegien  zuwider  sei, 
und  sie  daher  »sich  selbsten  zu  verscheiden  wissen  wirdtc.  Das 
Jahr  darauf  empfahl  der  Wiener  Fürstbischof  selbst  zweimal 
(21.  März  und  17.  Juni  *1650)  das  Ansuchen  der  Klosterfrauen  dem 
Stadtrate  auf  das  wftrmdte. 

Im  Jahre  1660  verkaufte  das  Kloster  sein  Haus  in  der 
Riemerstraße,  neben  dem  Weißen  Roß  liegend,  welches  ihm  von 
Johann  Georg,  Bischof  in  Regensburg,  Grafen  von  Herberstein, 
am  4.  Dezember  1657  geschenkt  wurde,  dem  Wiener  Bürger  G^org 
Widtmann,  Sanitätsärarkassier,  mit  Zubehör  um  4200  fl.  und 
100  Taler  Leutkauf,  und  am  5.  Dezember  1670  einen  Garten  in 
dem  Wiesel  vor  dem  Gartor  um  700  fl.  dem  Wiener  G-ärtner 
Georg  Seitz.  Am  6.  Jänner  1661  machte  Anna  Lukretia  Sieben- 
bürgerin, geborene  von  Püchl,  das  Kloster  Himmelpforte  zum 
Universalerben  und  stiftete  220  Messen  für  die  im  Testament  ge- 
nannten Personen  bei  St.  Agnes  mit  3000  fl.  Von  diesen  Messen 
sollten  die  PF.  Franziskaner,  Kapuziner,  Augustiner,  Pauliner  und 
Serviten  je  44  lesen;  auf  Bitten  der  Oberin  erlaubte  jedoch  der 
Fürstbischof  am  11.  Februar  1664,  daß  sie  auch  von  anderen 
Priestern  gelesen  werden  dürfen.  Am  2.  Februar  1665  gestattete 
er  die  Aussetzung  des  Allerheiligsten  an  mehreren  Tagen  ^)  in  der 
Klosterkirche  bei  St.  Agnes. 

Der  Fürstbischof  befahl  ferner,  den  Gottesdienst  bei  St.  Agnes 
entweder  durch  die  PP.  Franziskaner  oder  durch  die  Domkaraten 
von  St.  Stephan  halten  zu  lassen  und  erlaubte  den  Klosterfrauen 
zwei-  oder  dreimal  die  Wahl  eines  fremden  Beichtvaters  (14.  Ok- 
tober 1648).  1654  wurde  eine  Inventur  der  Kirchensachen ^)  bei 
St.  Agnes  und  ein  Bericht  über  die  Wahlen  der  Oberin  vom 
Jahre  1625   und  1638  abverlangt.  Ein  ähnlicher  Bericht  wurde  am 


^)  An  allen  Marienfesten,  zu  Weihnachten,  Nenjahr,  Epiphania,  St.  Agnes, 
Ostern,  Christi  Himmelfahrt,  Pfingsten,  Dreifaltigkeit,  St.  Angustin,  St.  Johann 
Bapt.,  Peter  and  Panl,  Valentin,  Büchael,  Allerheiligen  und  St.  Katharina. 

')  Darunter  waren  2  Monstranzen,  1  Gießbecken,  1  Weihwasserkessel, 
1  Banchfafi,  2  Kruzifixe,  10  Kelche,  21  Kasein,  7  Ornate,  21  Antipendien,  viel 
Kirchenwasche  etc. 


Daa  Fraaenkloiter  Himmelpforta  in  Wien.  153 

17.  Dezember  1667  erstattet.  Kurz  vor  dem  Tode  der  Oberin  von 
Breimer  erlaubte  Leopold  L  ausnahmsweise  dem  Kloster  Himmel- 
pforte ttber  dessen  Bitten,  in  Hinkunft  die  genügende  Hypothek 
und  Versicherung  der  Kapitalien  gültig  vornehmen  zu  dürfen,  weil 
es  außer  Pötzleinsdorf  nebst  einigen  Untertanen  und  Weingärten 
sonst  nur  angelegte  Kapitalien  besitze,  die  leicht  gekündigt  werden 
könnten.^) 

Aufler  der  zahlreichen  Korrespondenz  und  einer  Unzahl  von 
Rechnungen  der  Oberin  von  Brenner,  die  im  Wiener  Stadtarchive 
aufbewahrt  werden,  sind  noch  verschiedene  Protokolle  des  bischöf- 
lichen Kommissfirs  bekannt,  welche  dieser  beim  Examen  der 
Klosterfrauen  vor  ihrer  Einkleidung  und  Profeß  im  Kloster  selbst 
Torgenommen  hat  Sie  sind  für  den  Personalstand  des  Klosters 
7on  Wichtigkeit  und  lassen  uns  in  die  inneren  Angelegenheiten 
des  Konventes  einigen  Einblick  gewähren.  ESs  ergibt  sich  folgender 
Schematismus: 

1.  Jadith ^Gräfin  Salm,  Tochter  der  verstorbenen  lutherischen 
Eltern  Weikhart  Graf  Salm  und  dessen  Gattin  Sidonie,  geborene 
Winkowitz,  zu  Tobitschau  in  Mahren,  bis  zum  13.  Lebensjahre 
lathensch  erzogen,  27  Jahre  alt,  examiniert  am  17.  September 
1643  vor  der  Einkleidung. 

2.  Anna  Hortensia  Gräfin  Cavriani,  geboren  3.  Juli  1630 
in  Wien,  katholisch,  eheliche  Tochter  des  Franz  Friedrich  Grafen 
Cavriani  und  dessen  Gattin  Elisabeth,  geborene  Gräfin  Meggau, 
seit  neun  Jahren  im  Kloster,  eingekleidet  am  25.  Dezember  1646, 
zur  Profeß  examiniert  am  1.  April  1648. 

3.  Maria  Renata  von  Sprinzenstein,  16  Jahre  alt,  geboren 
zu  Sprinzenstein  (Oberösterreich),  Tochter  der  verstorbenen  Eltern 
Johann  Rudolf  und  Elisabeth  von  Sprinzenstein,  3  V2  Jahre  im  Kloster, 
examiniert  am  9.  März  1647  zur  Einkleidung  und  am  4.  Mai  1648 
zur  Profeß. 

4.  Mechthildis  Jager,  geboren  zu  Melk,  23  Jahre  alt,  Schlossers- 
tochter, über  ein  Jahr  im  Kloster,  examiniert  am  9.  März  1647 
zur  Einkleidung  und  am  4.  Mai  1648  zur  Profeß. 

5.  Maria  Christine  Elatharina  Pacher  von  Pachburg,  geboren 
am  1.  November  1629  in  Wien,  Tochter  des  verstorbenen  Jörg 
Pacher  und   der  Anna  Katharina,   geborene  Geißlerin,   im  Kloster 

^)  QaellAü,  1.  c.  Reg.  2035.  Sonst  war  es  laut  »Generale  rom  20.  Oktober 
1669  Terboten,  weltliche  Güter  an  die  Geistlichkeit  zu  widmen. 


154  Alfons  ikk. 

etwa  zwei  Jahre,  eingekleidet  am  5.  Mai  1647.  Am  1.  April  1648 
erhielt  sie  von  ihrer  Mntter  Katharina  von  Zetwitz,  zuTor  Fächer, 
geborene  Gäßler  zum  Rottenhof,  wegen  ihres  verstorbenen  Vaters 
Jörg  Fächer  von  Fachbarg  anf  Hohenstein,  geheimen  Rats  des 
Erzherzogs  Leopold  Wilhelm  (Testament  ddto.  24.  November  1647) 
kontraktmäßig  20.000  fl.  zugesprochen  und  wurde  am  6.  August 
1648  zur  Frofefi  examiniert. 

6.  Katharina  Friska  Spitzweckh,  geboren  15.  März  1639 
in  Frag  als  Tochter  des  Oberstleutnants  Sigismund  Helfiried  Spitz- 
weckh und  dessen  Gkttin  Mechthildis  Eusebia,  kam  anfangs  Ok- 
tober 1648  ins  Kloster;  eingekleidet  am  13.  August  als  Schwester 
Kunigund,  Frofeß  am  24.  Jänner  1650,  ohne  Vermögen. 

7.  Ursula  Ebner,  Bürgerstochter  aus  Kilb,  24  Jahre  alt, 
kam  am  Dreifaltigkeitsfeste  1648  ins  Kloster,  eingekleidet  and 
Frofeß  mit  der  Schwester  Kunigund.  Ihr  Klostername  war  Schwester 
Gertrud;  sie  hatte  ebenfalls  kein  Vermögen,  war  eine  Laienschwester 
und  konnte  nicht  lesen.*) 

8.  Chorfrau  Maria  Apollonia  (vorher  Barbara)  Berchtold, 
17  Jahre  alt,  geboren  in  Wien  als  Tochter  des  verstorbenen  Phi- 
lipp Jakob  Berchtold  und  dessen  Gattin  Regina  Katharina,  im 
Kloster  seit  Michaeli  1649,  eingekleidet  am  24.  Jänner  1650, 
examiniert  zur  Frofeß  am  2.  August  1651. 

9.  Chorfrau  Maria  (vorher  Regina)  Kholler,  20  Jahre  alt, 
geboren  in  Wien  als  Tochter  eines  Bürgers  und  Handelsmannes, 
kam  ins  Kloster  am  26.  Dezember  1649,  eingekleidet  am  24.  Jänner 
1650,  examiniert  zur  Frofeß  am  2.  August  1651. 

10.  Chorfrau  Maria  Faula  (vorher  Marianne)  Gräfin  Khurz. 
17  Jahre  alt,  geboren  in  Wien  als  Tochter  des  Ferdinand  Sieg. 
Grafen  Khurz,  kaiserlichen  geheimen  Rates,  und  der  verstorbenen 
Gräfin  M.  Elisabeth  Merte,  geborenen  Muschinger,  war  Kostfräulein 
seit  acht  Jahren  im  Kloster,  eingekleidet  am  24.  Jänner  1650,  exami- 
niert zur  Frofeß  am  2.  August  1651.  Ihre  leibliche  Schwester  war 

11.  Chorfrau  Domicella  Emerentiana  (früher  Franziska) 
Gräfin  Khurz,  16  Jahre  alt,  geboren  in  Hom,  mit  sechs  Jahren  ins 
Kloster  gebracht,  examiniert  zur  Einkleidung  am  24.  Jänner  1652, 
zur  Frofeß  am  16.  September  1654.  Sie  erhielt  9000  fl.  Mitgift 

^)  Im  Jahre  1660  waren  bei  der  Himmelpforte  im  ganzen  50  PereoneD^ 
darunter  drei  KostfrXoIein:  die  Grilfinnen  Cayriani  (10  Jahre  alt)  nnd  KhereD- 
hüller  (8  Jahre)  and  Frftnlein  von  Qaeitenberg  (13  Jahre). 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  155 

12.  Maria  Sophia  Blasy,  Laienschweater,  geboren  zu  Qraz, 
23  Jahre  alt,  Tochter  eines  Tiergärtners. 

13.  Maria  Rosalia  Räschitz,  Chorfrau,  geboren  in  Wien, 
19  Jahre  alt,  eine  Schreiberstochter.  Beide  examiniert  zur  Ein- 
kleidung am  19.  November  1650,  zur  Profeß  am  24.  No- 
vember 1651. 

14.  Chorfrau  Maria  Klara  (früher  Katharina)  von  Scheften- 
berg,  18  Jahre  alt,  geboren  in  Wien  als  Tochter  des  Hans  Wil- 
helm von  Scheftenberg  und  dessen  Gattin  Maximiliana,  geborene 
Harrach,  seit  dem  siebenten  Lebensjahre'im  Kloster,  war  ein  Jahr  im 
Säkalamoviziat,  examiniert  zur  Einkleidung  am  13.  Jttnner  1656, 
zur  Profeß  am  20.  Juli  1657. 

15.  Anna  Beinp recht,  Laienschwester,  20  Jahre  alt,  aus 
Schamdorf,  seit  einem  Jahre  im  Kloster  und 

16.  Anna  Maria  Agatha  Mergel,  Laienschwester,  aus  Potten- 
dorf, 24  Jahre  alt,  seit  Michaeli  1657  im  Kloster,  beide  examiniert 
zur  Einkleidung  am  18.  November  1658  durch  den  Dompropst 
S.  Zwirschlag. 

17.  Chorfrau  Maria  Augustina  (vorher  Susanna)  Gräfin 
Cavriani,  geboren  in  Wien,  17  Jahre  alt,  Tochter  des  Grafen 
Franz  Friedrich,  Obersthofmeisters  der  Kaiserin,  und  dessen  Gattin 
Elisabeth,  geborene  Gräfin  von  Meggau,  war  schon  vom  siebenten  bis 
zwölften  Lebensjahre  im  Kloster,  kam  daher  wieder  am  28.  August 
1659  und  wurde  eingekleidet  am  29.  September  1659.  Sie  brachte 
3000  fl.  mit  Am  2.  Oktober  1660  wurde  sie  zur  Profeß  examiniert. 

18.  Chorfrau  Anna  Leopoldine  (vorher  Elisabeth)  Dillherr 
aas  Wien,  bei  30  Jahre  alt,  im  Kloster  seit  Magdalena  1659,  war 
schon  mit  Josias  von  Persing  verlobt,  der  jedoch  gestorben  ist. 
Nun  faßte  sie  den  Entschluß,  ins  Kloster  zu  gehen  und  wollte 
Klarissin,  Dominikanerin  oder  Karmelitin  werden,  da  sie  aber 
schwächlich  war,  wählte  sie  einen  milderen  Orden.  Sie  wurde  am 
19.  November  1659  zur  Einkleidung,  am  12.  Oktober  1661  zur 
Profeß  examiniert. 

19.  Maria  Klara  Gräfin  Brenner,  geboren  1639  in  Wien  als 
Tochter  des  Grafen  Ernst  Ferdinand  und  der  Gräfin  Elisabeth  Poly- 
xena,  geborene  Gräfin  Stahremberg,  21  Jahre  alt,  kam  ins  Kloster 
acht  Tage  vor  Weihnachten  1660,  wollte  freiwillig  schon  vor  drei 
Jahren,  obwohl  schwächlich,  eintreten,  examiniert  zur  Einkleidung 
am  21.  April  1660. 


156  Alfons  ikk. 

20.  Anna  Theresia  von  Enilleberg,  geboren  1640  in  Wien, 
Tochter  des  Philipp  von  Knilleberg  und  der  Elisabeth  Veronika, 
geborenen  Baronin  de  Losy,  seit  2.  Juni  1660  im  Kloster,  dann 

21.  Maria  Theodora  (vorher  Rosina)  Kaper,  geboren  in 
Wien,  21  Jahre  alt,  Tochter  des  Registrators  bei  der  geheimen 
Hofkanzlei,  seit  Ostern  1660  im  Kloster,  and 

22.  Eva  Regina  Stegmiller,  eine  Bäckerstochter  aas  Wien, 
16  Jahre  alt,  seit  25.  Juli  1659  im  Kloster,  alle  drei  am  10.  Ok- 
tober 1660  eingekleidet  and  am  12.  Oktober  1661  zur  Profeß 
geprüft. 

23.  Chorfraa  Maria  Michaela  (vorher  Katharina)  von  Himmel- 
berg aas  Klagenfurt,  22  Jahre  alt,  seit  Pfingsten  1661  im  Kloster, 
geboren  als  Tochter  des  Georg  Ohristophor  von  Himmelberg  und 
der  Maria  Sophia,  geborenen  Reinboldt,  examiniert  zur  Einkleidung 
am  12.  Oktober  1661,  zur  Profeß  am  1.  Juni  1663. 

24.  Maria  Valentina  Burschinitz  aus  Brunn,  16  Jahre  alt, 
seit  12  Jahren  im  Kloster,  examiniert  zur  Einkleidung  am  12.  Ok- 
tober 1661. 

25.  Chorfrau  Maria  Regina  Franziska  von  Pötting  war  eine 
der  ältesten  Klosterfrauen  (Profeß  vor  1643),  als  sie  im  Juli  1662 
ihre  Oberin  und  Mitschwestem  beim  Bischöfe  in  13  Punkten  ver- 
klagte. Sie  wurde  aber  nach  einem  mündlichen  und  schriftlichen 
Verfahren  verurteilt  und  es  wurde  ihr  vom  Bischöfe  eine  >ge- 
mildertec  Strafe  auferlegt.  An  ihre  frühere  Stelle  sollte  sie  erst 
nach  gänzlicher  Besserung  gelangen.  Im  Oktober  1662  verordnete 
der  Fürstbischof,  nicht  allzuviele  und  gemeine  Weibspersonen,  die 
keine  Verwandten  im  Kloster  haben,  bei  St.  Agnes  einzulassen. 

26.  Anna  Antonia  (vorher  Eusebia)  Gräfin  Brenner,  ge- 
boren in  Salzburg,  18  Jahre  alt,  Tochter  des  Grafen  Seifried  Lin- 
hart  und  der  verstorbenen  Gräfin  Anastasia,  geborenen  Teuffiin,  seit 
zehn  Jahren  im  Kloster,  ein  Jahr  im  weltlichen  Noviziat,  examiniert 
zur  Einkleidung  am  1.  Juni  1663,  Profeß  16b5. 

27.  Anna  Maria  Haffner,  Bürgerstochter  aus  Wien,  ge- 
boren 1644,  schon  ein  Jahr  im  Säkularnoviziat,  eingekleidet  am 
19.  März  1664. 

28.  Maria  Franziska  von  Puchheim  focht  1667  in  Rom 
ihre  Profeß  an,  indem  sie  dieselbe  zu  jung  und  aus  Furcht  ab- 
gelegt habe.  Papst  Klemens  IX.  befahl  dem  Fürstbischöfe  zu  Wien 
und    dem  Oberen    der   Augustiner,    zu    untersuchen,    ob    die  Vor- 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  157 

Schriften  des  Trientiner  Konzils  eingehalten  worden  und  ob  schon 
fOnf  Jahre  seit  der  Ablegung  dieser  Profeß  verflossen  seien  (Rom, 
1667.  13.  August). 

Oberin  Elisabeth  Agnes  von  Brenner  starb  im  Kloster  am 
26.  Dezember  1670,  mittags  um  12  Uhr.  Als  sie  schon  hoffnungs- 
los damiederlag,  sandte  der  Fürstbischof  etwa  drei  Tage  vor  ihrem 
Tode  ein  kleines  Memorial  an  den  Kaiser,  daß  die  kaiserlichen 
Kommissäre  wegen  des  Inventars  die  Klausur  nicht  verletzen,  und 
es  wurde  ihm  versprochen.  Am  27.  Dezember  1670  kamen  jedoch 
der  Regierungs-  und  Klosterrat  Michael  Seiz  und  sein  Sekretär 
Ferd.  Haunthaller  ins  Kloster  und  verlangten  die  Sperre  im  Rede- 
zimmer außerhalb  der  Klausur.  Die  Dechantin  Anna  Hortensia 
Gräfin  Cavriani  lehnte  ab  mit  dem  Hinweise,  daß  seit  der  Reforma- 
tion des  Klosters  durch  Klesl  nie  eine  Inventur  durch  kaiserliche 
Kommissäre  stattgefunden  habe.  Die  Herren  gingen  fort,  über- 
gaben jedoch  der  Dechantin  die  geistliche  Verwaltung.  Alle  Schwestern 
bestätigten  es,  und  es  war  auch  ein  Instrument  darüber  vorhanden, 
daß  weder  1644  noch  1638  eine  Sperre  vorgenommen  wurde,  und 
daß  die  kaiserlichen  Kommissäre  der  neuen  Oberin  nach  der 
Benediktion  nur  einen  Schlüssel  unter  der  Türe,  wo  man  aus  der 
Kirche  in  den  Kreuzgang  geht,  übergeben  und  damit  die  Tempo- 
ralien  anvertraut  haben.  Die  Oberin  stand  innerhalb  des  Kreuz- 
ganges, die  Herren  außerhalb  in  der  Kirche.  0  Auf  Befehl  des 
Fürstbischofs  Wilderich  von  Walderdorff  kam  nun  der  Offizial  mit 
dem  Notar  zur  Himmelpforte  und  übergab  der  Dechantin  im  Red- 
haus (auch  Grundstube  genannt)  die  Administration  der  Spiritualien 
und  Temporalien  ohne  Inventur.  Da  jedoch  kein  Inventar  vor- 
handen war,  überdies  im  Jahre  1670  viel  gemacht  wurde,  sollte 
das  Kloster  ein  ordentliches  Inventar  aufrichten. 

Am  7.  Jänner  1671  kam  auf  Bitten  der  Dechantin  Anna 
Hortensia  der  Fürstbischof  selbst  in  Begleitung  des  Offizials  und 
des  Chormeisters  Dr.  Münzer  zum  Examen  der  Chorfrauen  in  das 
Himmelpfortkloster.  Am  19.  Jänner  1671  war  die  Wahl  der 
Oberstin,  die  in  Vertretung  des  verreisten  Bischofes  der  Dompropst 

^)  Am  16.  Juni  1654  erging  in  Wien  bei  St.  Jakob  der  Auftrag  der 
niederOeterreichitchen  Begierang,  eine  Sperre  in  der  Grandstube  Torzanehmen, 
die  wirklieh  geschehen  ist.  Nun  wollte  man  eine  lolche  auch  bei  der  Himmel- 
pforte  einführen.  Vgl.  auch  Kegelten  zar  Geschichte  der  Erzdiözese  Wien.  1, 
i?.  400,  Nr.  116. 


158  Alfons  ikk, 

als  Offizial  mit  Dr.  Mttnzer  in  der  Klausur  leiteten.  Der  Notar 
Dr.  Michael  Zwickh  blieb  in  der  Kirche.  Vor  der  Wahl  mahnten 
die  kaiserlichen  Kommissäre  den  Konvent  im  Bedhaus,  eine  taug- 
liche Oberin  zu  wählen.  Gewählt  wurde  Schwester 

Anna  Jakobina  von  Questenberg, 

geboren  1637,  die  schon  mit  13  Jahren  Kostfräulein  bei  der 
Himmelpforte  gewesen.  Am  Sonntag,  den  26.  April  1671  instal- 
lierte der  Offizial  im  Namen  des  nach  Würzburg  verreisten  Bischofes 
die  neue  Oberstin  in  der  Kirche  und  im  Chore,  worauf  dann  die 
kaiserlichen  Kommissäre  in  Gegenwart  des  Dr.  Münzer  und  des 
bischöflichen  Notars  Zwickh  die  Installation  in  temporalibus  im 
Redhaus  vornahmen. 

Die  neue  Oberin  entstammte  einem  alten  Geschlechte.  Aus 
der  Patrizierfamilie  von  Questenberg  zu  Köln  kam  Kaspar  (ge- 
boren 1571)  nach  Prag,  wo  er  Profeß  und  Prälat  des  Prämon- 
stratenser-Chorherrenstiftes  Strahow  wurde  und  1640  als  General- 
vikar seines  Ordens  starb.  Seine  Brüder  Gerhard  und  Hermann 
traten  in  den  Dienst  der  Kaiser  Ferdinand  II.  und  III.;  ihre  Nach- 
kommen trugen  bereits  den  Grafentitel. 

Schon  am  Tage  nach  der  Installation  erhielt  die  Oberstin 
ein  bischöfliches  Schreiben  (ddto.  Wien,  27.  April  1671),  laut 
dessen  manche  bei  der  letzten  Visitation  vorgefundene  Mängel 
verbessert  werden  sollten.  Mithin  war  von  nun  an  die  Begel 
des  heiligen  Augustin  wöchentlich,  die  Statuten  vierteljährig  zu 
lesen.  Die  Klosterfrauen  sollten  früh  nach  der  Prim  eine  halb- 
stündige Betrachtung,  abends  eine  viertelstündige  Gewissens- 
erforschung halten,  und  ein  Priester  sollte  ihnen  alle  zwei  bis 
vier  Wochen  die  Ordensregel  erklären.  Sie  bekamen  vier  außer- 
ordentliche Beichtväter  (zwei  Jesuiten  und  zwei  Franziskaner). 
Im  Kloster  war  alles  gemeinsam;  keine  der  Schwestern  durfte 
ohne  Erlaubnis  der  »würdigen  Mutter«  das  Sprechzimmer  (parla- 
torium,  Redhaus),  welches  ein  Gitter  hatte,  betreten.  Der  Keller 
mußte  gesperrt  sein.  Jede  Schwester,  die  ein  Amt  bekleidete,  sollte 
den  betreffenden  Abschnitt  der  Hausstatuten  haben.  Die  Schwestern 
sollten  besonders  Kinder  vornehmer  Eltern  erziehen.  Die  Novizinnen 
hatten  vor  der  Profeß  Exerzitien  zu  machen.  Die  Dechantin  sollte 
allen  ein  gutes  Beispiel  geben,  und  der  Oberstin  mußte  besonders 
beim   Kapitel    von   allen    Schwestern   Ehrfurcht  erwiesen   werden. 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  159 

Kam  der  hohe  Adel  zam  Besuche  der  Zöglinge,  dann  sollte  es 
nur  nachmittag  vor  6  Uhr  geschehen. 

Am  26.  Juli  1676  gestattete  der  Fürstbischof,  in  der  Eranken- 
kapelle  bei  der  Himmelpforte  die  heilige  Messe  zu  lesen,  was  der 
Klosterbeichtvater  tat.  Am  13.  Jali  1679  bat  ihn  Franziska  Beck, 
die  wahrscheinlich  im  Kloster  verköstigt  wurde,  daß  sie  bei  der 
Himmelpforte,  wo  sie  so  glücklich  lebe,  auch  weiter  verbleiben 
dtbrfe. 

Am  14.  Mai  1680  wurde  Martin  Friedrich  Härtl  vom  Kloster 
als  Hausmeister  im  Thurnhof  zu  Simmering  angestellt.  Am  20.  Juni 

1680  vertauschten  Anna  Jakobina  von  Questenberg  und  das  Kapitel 
des  adeligen  Stiftes  zur  Himmelpforte  die  klösterlichen  Untertanen 
und  Oülten  zu  Niederleis  und  Pttrstendorf  gegen  andere  zu  Sim- 
mering und  Oberlaa  an  das  Stift  Heiligenkreuz.  ^)  Am  18.  Oktober 

1681  wurden  im  niederösterreichischen  Landschaftsgültbuch  zehn 
behauste  Untertanen  in  Simmering  und  Laa  mit  2  A  7  ß  6  d* 
&ült  an  das  Kloster  zur  Himmelpforte  vorgemerkt,  welche  die 
Oberstin  an  das  Dreikönigsstift  gebracht  hatte.  Das  Vermögen 
dieser  Stiftung  war  mit  jenem  des  EJosters  längst  verschmolzen. 
Äußer  den  zahlreichen  Briefen  der  Oberstin  Anna  Jakobina  sind 
noch  sehr  viele  Akten  aus  dieser  Zeit  vorhanden,  welche  die 
Oberstin  als  Grundobrigkeit  in  Simmering  ausstellte.^)  Am  5.  März 
1685  kaufte  das  Kloster  von  Katharina  Salzbrunner  ein  Grund- 
stück in  Obersievering  »in  Klaitzing«  um  55  fl.  und  verkaufte  am 
1.  April  1685  dem  JUDr.  Michael  Zwickh,  bischöflichem  Notar. 
nnd  dessen  Gattin  Maria  Theresia,  geborenen  von  Vestenberg, 
20  Quadratklafter  Weingarten  vor  dem  Stubentore  zur  Erweiterung 
seines  Gartens  um  30  fl.  Kurz  darauf  starb  Anna  Jakobina  von 
Qaestenberg  am  15.  Juli  1685. 

Schon  am  20.  Juli  ließ  der  Klosterratssekretär  dem  bischöf- 
lichen Notar  Dr.  Zwickh  bedeuten,  daß  er  bei  der  Himmelpforte 
<lie  Inventur  der  Temporalien  vorzunehmen  gedenke,  bekam  aber 
ZOT  Antwort,  daß  es  dort  früher  nie  ttblich  war,  man  daher  nichts 


^)  Original  Pergament  mit  den  Siegeln  der  Oberetin  von  Qaestenberg  nnd 
der  Dechantin  Anna  Hortensia  von  Cavriani  im  Stiftsarohiye  eu  Heiligenkreaz. 
^'gi.  QaeUen  zar  Geschichte  der  Stadt  Wien.  I,  1,  Reg.  707.  Ebendort  eine 
Spezifikation  aller  Einkünfte  der  Himmelpforte  in  Niederleis,  PUrstendorf  und 
Nieder-Bnßbacb  vom  Jahre  1680  (Reg.  708). 

*)  Wiener  Stadtarchir. 


160  -^i^^oi^«  ^• 

neues  anfangen  solle.  Das  ganze  Zeremoniell  bei  der  Wahl  und 
der  Installation  der  Oberin  wird  uns  überliefert.  Der  Vorgang  war 
wie  1671. 

30  Tage  nach  dem  Tode  der  Oberin  bat  die  Deohantin  mit 
dem  Konvent  den  Fürstbischof  und  den  Kaiser  um  die  Neuwahl 
Am  Wahltage  selbst  kam  der  Fürstbischof  mit  seinem  General- 
vikar  um  8  Uhr  früh  in  die  Klosterkirche,  wo  auch  die  kaiser- 
lichen Kommissäre  sich  eingefunden  haben.  Nach  der  vom  Kloster- 
beichtvater zelebrierten  Heiligengeistmesse  betrat  der  Fürstbischof 
mit  dem  Offizial  zur  Wahl  die  Klausur,  wo  ihn  die  Klosterfrauen 
knieend  mit  brennenden  Kerzen  erwarteten.  Die  kaiserlichen  Kom- 
missäre gaben  den  Klosterfrauen  eine  Mahnung  im  Namen  des 
Kaisers,  blieben  aber  mit  dem  bischoflichen  Notar  im  Hofmeister- 
zimmer zurück,  bis  die  Wahl  vorbei  war.  Die  Wahl  fand  im  Re- 
fektorium statt.  Nach  dem  Veni  Sancte  kam  die  Absolution  und 
Beeidigung  der  Votanten  und  die  Abgabe  der  Stimmen  auf  ge- 
schriebenen gerollten  Zetteln  in  einen  Kelch.  Dann  wurde  das 
Resultat  verkündet  Die  Schwestern  blieben  im  Refektorium  und 
gratulierten.  Die  Stimmzettel  wurden  verbrannt,  worauf  sich  der 
Fürstbischof  in  die  Kirche  zurückbegab  und  den  kaiserlichen  Kom- 
missären in  der  Sakristei  den  Namen  der  Neugewählten  mitteilte 
mit  der  Bitte,  es  nicht  früher  zu  offenbaren,  bis  der  S^iser  die 
Bestätigung  erteilt  haben  würde. 

Bei  der  Installation  kam  der  Bischof  tags  vorher  oder  am 
Tage  selbst  in  das  Refektorium,  wo  er  der  neugewählten  Oberin 
in  Gegenwart  aller  Schwestern  die  Bestätigung  erteilte  und  eine 
Lehre  gab.  In  der  Kirche  fand  ein  Hochamt  statt.  Nach  dem  6ra- 
duale  setzte  sich  der  Zelebrant  in  der  Mitte  des  Altares  auf  einen 
Thronsessel  nieder;  die  neue  Oberstin  trat  zu  Beginn  des  Hoch- 
amtes aus  der  Klausur  mit  schwarzem  Schleier  im  Angesicht  in 
Begleitung  der  Dechantin  und  der  Seniorin  durch  die  sonst  ver- 
schlossene Sakristei  heraus  zum  Hochaltar,  in  der  Hand  die  auf 
Pergament  geschriebene  und  von  ihr  gefertigte  Eidesformel  haltend. 
durch  das  Volk  in  die  Kirche  und  blieb  hinter  dem  Klerus  knieen. 
Nach  dem  Graduale  legte  sie  knieend  vor  dem  Bischöfe  ihren  Eid 
ab,  das  Evangelienbuch  berührend  und  übergab  ihm  die  Schrift 
Dann  legte  sie  sich  auf  die  Erde  nieder,  während  die  Allerheiligen- 
litanei und  andere  Gebete  nach  dem  römischen  Pontifikale  gebetet 
wurden.  Nach  diesen  empfing  sie  knieend  vom  Bischöfe  die  Regel, 


Das  Fraaenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  161 

einen  goldenen,  mit  Diamanten  besetzten  Ring  und  die  Klausor- 
schlflBsel.  Zum  Offertorium  opferte  sie  brennende  Fackeln,  zur 
Kommunion  empfing  sie  die  heilige  Hostie.  Vor  dem  Segen  wurde 
sie  auf  einen  Stubl  an  der  Evangelienseite  gesetzt  und  gesegnet. 
Es  folgte  noch  das  Te  Deum,  der  Gang  in  die  Klausur,  wo  die 
Schwestern  mit  brennenden  Kerzen  warteten,  die  Inthronisation  im 
Chore,  wo  die  neue  Oberstin  ihr  Stallum  einnahm^  der  Zelebrant 
aber  im  Stallum  der  Dechantin  stand.  Die  Schwestern  kamen  paar- 
weise, umarmten  ihre  Oberin  und  gelobten  ihr  Liebe  durch 
einen  Friedenskuß.  Der  Zelebrant  begab  sich  dann  zurück  zum 
Hochaltar  zum  feierKchen  Segen  und  SchlußevangeHum.  Eine  feine 
Tafel  vereinigte  endlich  mittags  den  2^1ebranten  mit  vielen  vor- 
nehmen geistlichen  und  weltlichen  Gästen  im  Gasttrakte,  während 
der  Konvent  die  neue  würdige  Mutter  im  Refektorium  feierte. 

Der  Wahltag  mußte  diesmal  (1685)  lange  aufgeschoben  werden, 
weil  der  neue  Wiener  Fürstbischof  Ernst  Graf  Trautson  von  Rom 
noch  nicht  bestätigt  war,  also  auch  nicht  früher  konsekriert  werden 
konnte.     Bei  der  Wahl  am  23.  September  1685  ging  die  Chorfrau 

Maria  Augustina  I.  Gräfin  Cavriani, 

geboren  1642  in  Wien  als  Tochter  des  Obersthofmeisters  der 
Kaiserin,  Profeß  im  Jahre  1660,  mit  Stimmenmehrheit  aus  der 
Urne  hervor  und  wurde  am  6.  Dezember  1685  vom  Fürstbischöfe 
benediziert  und  installiert.  Aus  ihrer  kurzen  Regierungszeit  ist  nur 
bekannt,  daß  sie  am  30.  Jänner  1686  den  Fürstbischof  um  Er- 
laubnis bat,  10.500  fi.  ausleihen  zu  dürfen,  weil  im  E^oster  kein 
Geld  vorhanden  war,  um  die  Türkensteuer  zu  zahlen.  Mit  dieser 
Sanune  haben  die  päpstlichen  Kommissäre  das  Drittel  der  seit 
60  Jahren  erworbenen  Güter  des  Klosters  geschätzt  Am  19.  Fe- 
bruar 1686  gab  der  Fürstbischof  seine  Erlaubnis.  Merkwürdiger- 
weise weiß  man  nichts  weiteres  als  das  Gelöbnis  der  nächstfolgen- 
den Oberin 

Anna  Antonia  Gräfin  Brenner 

bei  ihrer  Installation  im  Juli  1687.  Diese  wurde,  wie  man  oben 
sah,  1645  in  Salzburg  geboren,  Profeß  1665.  Mit  ihrem  Regiment 
war  jedoch  der  Konvent  wenig  zufrieden.  Bei  der  Visitation,  die 
der  Fürstbischof  Graf  Trautson  vom  12.  bis  15.  Juli  1689  bei 
der  Himmelpforte   vornahm,   wurde   die  Oberstin   viel   beschuldigt, 

Jikrtedi  d.  y.  f.  LudMWndt.  1907.  11 


162  Alfons  ikk. 

als  ob  sie  streng,  rttcksichtslos,  liberal,  oft  kleinlich  und  anderes  wäre, 
worüber  der  Visitator  allen  ein  strenges  Stillschweigen  auferlegte.  Aus 
dem  Visitationsprotokoll  lernen  wir  viele  neue  Klosterfrauen  kennen. 
Nach  der  Oberstin  und  der  Dechantin  wurden  nach  der  Reihe 
31  Ohorfrauen,  6  Chornovizinnen,  9  Laienschwestem  und  3  Laien- 
novizinnen,  zusammen  51  Klosterfrauen  examiniert.*) 

Die  Folge  der  Visitation  waren  zwei  bischöfliche  Erlässe  vom 
30.  August  1689.  Der  erste  war  in  sieben  Punkten  an  die  Kloster- 
frauen gerichtet  und  wurde  noch  an  demselben  Tage  dem  Konvente 
verkündet:  die  Fehler  der  Klosterfrauen  dürfen  nicht  Weltlichen 
gesagt  werden,  Exerzitien  mitzumachen,  die  einmal  im  Jahre  unter 
der  Direktion  der  PP.  Franziskaner  oder  Jesuiten  stattfinden,  steht 
frei,  aber  die  jährliche  Rekollektion  bleibt  vorgeschrieben.  Außer- 
ordentliche Beichtväter  sind  erlaubt.  Die  Schwestern  müssen  das 
Silentium  halten.  Trotzige  sollen  von  der  Oberin  gestraft  und 
heimliche  Zusammenkünfte  der  Schwestern  verboten  werden. 
Der  zweite  Erlaß  galt  der  Oberstin,  die  mild  beim  Strafen  sein, 
nichts  aus  dem  Kloster  Laien  mitteilen  und  die  Geistlichen  nie 
im  Kapitel  tadeln  sollte.  Männer  sollen  nur  vor  zwei  Schwestern 
ins  Parlatorium  Zutritt  finden.  Die  Oberin  soll  die  Schwestern 
visitieren,  diese  dürfen  an  den  Bischof  Rekurse  schreiben,  die 
Exerzitien  dürfen  ihnen  nie  verboten  werden  und  geringe  Dinge 
nie  strenge  geboten  sein.  Überhaupt  ist  der  Verkehr  mit  Welt- 
lichen möglichst  einzuschränken.  Die  alte  Dechantin  soll  das  Amt 
niederlegen  und  eine  neue  soll  gewählt  werden. 


^)  Chorfraaen :  Konstanzia  (Seniorin),  Anna  Katharina  Bibonin,  Renata  ▼od 
Sprinzenstein,  ApoUonia  Berchtold,  Rosalia  R&schitz,  Emerentiana  von  Kharz, 
M.  Klara  von  Scheftenberg,  Anna  Leopoldina  DiUherr,  Anna  Theresia  ron  Knille- 
berg,  M.  Theodora  Kaper,  M.  Michaela  von  Himmelberg,  Sebastiana  Baccelleni, 
M.  Floriana,  M.  Oktavia  de  Galle,  M.  Barbara,  Bi.  Ignatia  Gstettner,  M.  Magda- 
lena Klug  Yon  Grttnenberg,  M.  Eleonora  von  Moßheimb,  M.  Xaveria  Sartorin, 
M.  Anna  SchefHer  von  Rosen  au,  M.  Angela,  M.  Baptista  HOrman,  M.  Elisabeth 
Haffner,  M.  Radegonda  von  der  Hayd,  Anna  Maria  Moraxin  von  M5hrenthal, 
M.  Genovefa  NoldOlßin,  M.  Amanda  Regondin,  M.  Margarete  Rofimanin,  M.  Ur- 
sula Feiglin,  M.  Eleonora  von  Strassoldo  und  M.  Susanna  de  Schott.  —  Chor- 
novizinnen: M.  Antonia  de  Althan,  M.  Augustina  von  Cavriani,  M.  Aloisia  von 
Glück,  M.  Agnes  Künin,  M.  Rosa  Hökhmann,  M.  Eusebia  von  Gabbelshoffen.  — 
Laienschwestem:  Schwester  Marta  Marzella  Graber,  Ottilia  Zuebrecht,  S.  Marina. 
Dymphna  Stengl,  Walburgis  Hüßler,  Rosina  Barnabas,  Petronilla  Regin,  Thekla 
Giilfort;  Novizinnen:  Gertrud  Stromanz,  Helena  Salzer  und  Sidonia  Ertlin. 


Das  Frauenkloäter  Himmelp forte  in  Wien.  X63 

Von  der  Gräfin  Anna  Antonia  Brenner  rühren,  als  sie  noch 
eiofache  Chorfraa  war^  die  Konföderationsbriefe  mit  dem  Franzis- 
kanerorden (Wien,  5.  Mai  1679  nnd  1680,  13.  Mai)  und  mit  der 
Tiroler  Provinz  desselben  Ordens  (Wien,  20.  September  1698)  her. 
Am  7.  April  1687  verkaufte  dajB  Kloster  das  gegenüberliegende 
Haus  in  Wien  mit  Branntweinhandel  am  6650  fl.  dem  bürgerlichen 
Bianntweiner  Johann  Adam  Artner.  Am  1.  Jali  1688  pachtete  Josef 
Ponzan,  bürgerlicher  Handelsmann,  vom  Kloster  einen  neuen  Ziegel- 
ofen auf  60.000  Ziegeln.  Am  29.  Jänner  1689  verkaufte  das 
Kloster  dem  Jobann  Wilhelm  Anton  ^ichsgrafen  Dann,  kaiser- 
lichem Kämmerer  und  Generalfeldmarschalleutnant,  das  Haus  in 
der  Riemerstraße  (sogenanntes  »Herbersteinsches  Haus«)  um 
3500  fl.  rheinisch  und  kaufte  am  7.  August  desselben  Jahres  von 
den  EIrben  des  Stift  Ellosterneuburger  Hofmeisters  und  Grund- 
sehreibers  Gerhard  Kannegießer  die  Mühle  in  Ebersdorf  um 
1700  fl. 

Im  Jahre  1695  besaß  das  Kloster  zur  Himmelpforte  den 
Tnrtihof  zu  Simmering^)  (Freihof,  auch  »Käsmacherhof«  genannt) 
mit  Zubehör,  einen  Hof  zu  Pötzleinsdorf  und  einen  zu  Währing, 
dann  die  Benefizien  der  heiligen  drei  Könige  und  der  heiligen 
Katharina.  Von  alledem  wurde  im  Landhause  160  fl«  2  ß  10  ^ 
Landsteuer  entrichtet.  Im  Freihof  zu  Sinmiering  wurde  am  8.  Fe- 
bruar 1695  das  dort  befindliche  Leitgebhaus  mit  der  Fleisch-  und 
Schlachtbank  dem  Fleischhacker  Matthias  Sand  um  250  fl.  jähr- 
lich auf  drei  Jahre  verpachtet,  desgleichen  mit  dem  Käsemacher 
Franz  Mayr  in  Simmering  ein  Bestandkontrakt  wegen  der  Kühe, 
Milch  etc.  pro  1695 — 1698  eingegangen. 

Am  15.  Jänner  1695  verkaufte  das  Kloster  seine  Mühle  in 
Hietzing  (Gottesfeldmühle)  mit  drei  Gängen  und  Zubehör  dem 
Reichsgrafen  Seifried  Christoph  von  Brenner  auf  Staatz,  Freiherrn 
in  Fladnitz  und  Rabenstein  um  3000  fl.  und  100  Dukaten  Leitkauf, 
kaafte  aber  am  29.  Juni  desselben  Jahres  von  Johann  Karl  Edlen 
von  fihrenberg  das  öde  Häusel  oder  Brandstatt  samt  Zubehör  in 
der  kaiserlichen  Herrschaft  Ebersdorf  liegend  samt  63  Joch  Äcker 

^)  Diesen  Tomhof  hat  einst  der  V^Tiener  Bürger  Andreas  Dümbaoher  mit 
•einer  Hausfrau  Barbara  mit  30  Joch  Acker,  Gärten  und  Wiesen  und  15  Unter- 
tanen besessen  nnd  am  1.  Mai  1573  dem  Freiherm  Blichael  ron  Eitsing  auf 
Kaja,  Erbkämmerer  in  Osterreich  verkauft.  Zeugen  des  Kaufbriefes  waren  Kaspar 
Erlbeckher  zu  VOsendorf  nnd  Kaspar  Liechtenberger«  kaiserlicher  Hofdiener. 

11* 


164  Alfoni  ikk. 

und  16  Tagwerk  Wiesen  um  3500  fl.  Der  Kirche  bei  St  Agnes 
gegenüber  erbaute  das  Kloster  ein  neues  Wohnhaus,  welches  an 
Zinsparteien  vermietet  wurde.  So  hatte  dort  z.  B.  am  30.  September 
1689  Christian  Freiherr  zu  Eckh,  am  12.  Juli  1695  Jodok  von 
Caffas,  hochfürstlich  Croyscher  Rat  und  Intendant,  am  24.  Sep- 
tember lb95  Ferd.  Gury,  fiofkammerkonzipist,  eine  Jahres wohnung 
um  450  fl.  jährlichen  Mietzins  inne.  . 

Im  Jahre  1695  wurde  in  Wien  eine  türkische  Sklavin  des 
spanischen  Hauptmannes  Hieronymus  Judici  vom  Kardinal  Leopold 
Grafen  KoUonitsch  bei  St.,  Ursula  getauft  und  sollte  im  Erlöster 
zur  Hinmielpforte  erzogen  werden.  Die  Chorfrauen  protestierten 
gegen  die  Aufnahme  des  Madchens,  da  sie  lauter  adelige  Zöglinge 
hatten,  dieses  aber  eine  Sklavin  war.  Selbst  der  Kaiser  gab  ihnen 
am  3.  September  1695  recht,  und  als  sich  der  Hauptmann  am 
12.  September  an  das  Wiener  Konsistorium  mit  der  Bitte  wendete, 
die  Aufnahme  der  Sklavin  in  die  Klosterschule  bei  der  Himmel- 
pforte zu  erzwingen,  wurde  er  am  16.  September  abgewiesen. 

Am  21.  März  1696  bat  der  Simmeringer  Pfarrer  Johann  Kon- 
rad Molitor  die  Frau  Oberstin  von  Brenner,  die  ihm  seit  drei 
Jahren  ausständigen  18  Metzen  Korn  und  einen  Taler  zu  verab- 
folgen, die  ihm  schon  seit  25  Jahren  von  dem  Inhaber  des  Gutes. 
Franz  Grafen  von  Felß,  dann  vom  Herrn  Datteneder  und  aucb 
vom  Klosterkasten,  beziehungsweise  Hofrichter  des  Himmelpfort- 
klosters stets  anstandslos  verabfolgt  wurden. 

Am  14.  Juli  1696  verkaufte  das  Kloster  dem  Reichsgrafen 
Adolf  Michael  Thomas  von  Sinzendorf,  kaiserlichem  Erbschatz- 
meister, im  Namen  der  Chorfrau  M.  Alcantara  de  Latere  den 
vierten  Teil  des  Gutes  Streit  wiesen  um  13.000  fl. 

Hinter  der  Himmelpforte  hatte  der  Wiener  Münzamtsverwalter 
Wolf  Andreas  Hueber  von  Felsenkron  in  der  Ballgasse  ein  eigenes 
baufälliges,  dem  Schottenstifte  dienstbares  Haus,  welches  er  einer 
gewissen  Dame  um  11.000  fl.  zum  Kaufe  anzutragen  im  Begriffe 
war,  dies  aber  verschob,  weil  die  Käuferin  das  Haus  neu  erbauen 
wollte.  Dazu  verweigerte  jedoch  das  Himmelpfortkloster  die  Ein- 
willigang, weil  man  von  diesem  Hause  in  den  Klosterhof,  ins  Re- 
fektorium, Badhaus  etc.  sehen  konnte.  Um  einem  etwaigen  Pro- 
zesse vorzubeugen,  wünschte  die  Oberin  Gräfin  Brenner  selbst 
dieses  Haus  um  11.000  fl.  zu  kaufen  (10.  März  1698)  und  wurde 
dabei  vom  Fürstbischöfe   bei   der   niederösterreichischen  Regierang 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  Ig5 

unterstützt.  Dieses  Haus  war  ohnehin  ein  uraltes,  unter  dem  Schutze 
des  Fflrstbiflchofs  stehendes  Benefiziatenhaus,  welches  statt  der 
beiden  Tor  zehn  Jahren  verkauften  bürgerlichen  Häuser^)  dem 
Kloster  um  so  mehr  zu  vergönnen  war,  als  das  meiste  Geld  zu 
diesem  Kaufe  von  der  Erbschaft  des  Klosters,  auch  aus  dem  Er- 
lose beim  Verkauf  des  Güteis  Hirschstetten  an  den  Grafen  Hohen- 
feld  und  Streitwiesen  an  den  Grafen  von  Sinzendorf  verwendet  und 
an  einem  solchen  Hause  gut  angelegt  wurde. 

Sara,  Witwe  nach  Wolf  Khain,  gewesenem  kaiserlichem  Ungelt- 
ofSzier,  erbte  ein  Haus  bei  der  Himmelpforte,  worauf  ein  Satz  per 
100  Pfund  Pfeninge  haftete,  welche  das  Kloster  der  Hausbesitzerin 
geliehen  hatte.  Da  Christoph  Liechtmayr,  Bürger  zu  Wien,  in 
seinem  Testamente  vom  Jahre  1617  100  fl.  für  einen  Jahrtag  bei 
der  Himmelpforte  widmete,  wurde  dieses  Kapital  am  28.  Juni 
1698  als  Satz  der  Frau  Sara  Khain  ins  Wiener  Grundbuch  auf- 
genommen, die  dann  immer  am  1.  Juni  dem  Kloster  5  Pfund 
zahlen  mußte.  *^ 

Am  21.  Mai  1699  verkauften  die  Verordneten  der  nieder- 
österreichischen  Landschaft  dem  Kloster  den  Taz  (doppeltes  Zapfen- 
maß)  auf  dem  beim  Sperkenbichel  (Klostergrund)  neuerstandenen 
Fttrst  Liechtensteinschen  Brauhaus,  den  das  Kloster  von  nun  an 
nach  der  kaiserlichen  Taxordnung  vom  23.  Jänner  16Ö9  ein- 
nehmen durfte.  3) 

Die  Klagen  über  die  allzu  große  Strenge  der  Oberstin  Anna 
Antonia  wollten  nicht  verstummen.  Am  30.  April  1700  beschwerte 
sich  die  Oberstin  beim  Bischöfe,  daß  er  am  Palmsonntage  alle 
Strafen,  die  sie  gegeben,  aufgehoben  habe  und  bat  um  Mitteilung 
der  Klagen,  die  wider  sie  eingelaufen  sind.  Sie  schrieb  weiter,  daß 
es  im  Kloster,  seitdem  sie  keine  Strafe  mehr  auferlegen  dürfe,  nicht 
mehr  zum  Aushalten  sei;  nur  die  Dechantin  und  drei  Schwestern 
leisteten  Gehorsam. 

Diesen  Zwistigkeiten  ging  vom  27.  März  bis  3.  April  1700 
eine  Visitation  des  Klosters  voran,  welche  der  Fürstbischof  Graf 
Trantson    mit    dem  Dompropst   und  General vikar  JUDr.  Klaudius 


*)  Eines  in  der  Riemergasse  an  Grafen  ron  Traun,  das  andere  in  der 
Weihbnrggasse  an  einen  Branntweiner  rerkanft. 

•)  Quellen  zxa  Geschichte  der  Stadt  Wien.  IT,  2,  Reg.  2017. 

^)  Ebenda.  Ueg.  2046.  Original  mit  sechs  Siegeln  im  k.  a.  k.  Haas-,  Uof- 
ond  Staatsarchiv  zu  Wien. 


166  AlfooB  iiik. 

Klöckler  und  dem  Elanonikas  Th.  Dr.  Franz  Habermann,  Notar  bei 
der  Himmelpforte,  vorgenommen  hat.  Die  Oberstin  war  krank  und 
mußte  das  Zimmer  hüten;  das  Skrutinium  fand  im  Refektorium 
statt.  Nach  dem  Visitationsprotokoll  lebten  im  Stifte  41  Chorfrauen 
und  11  Laienschwestem;  die  Seniorin  war  71  Jahre  alt  und  57  Jahre 
Frofeß,  die  jüngste  Schwester  16  Jahre  alt  und  vier  im  Kloster, 
eine  Chorfrau  (Dillherr)  war  krank  und  konnte  nicht  erscheinen. 
Nach  der  Oberstin  kam  dem  Range  nach  die  Dechantin,  Dach 
dieser  die  Seniorin.  An  Hausämtern  gab  es  eine  Kranken-,  Chor-. 
Novizenmeisterin.  Ökonomin.  Keller-,  Küchenmeisterin,  Sekretärin. 
Kastnerin,  Pförtnerin,  Präfektin  des  Juniorats  und  eine  Reihe 
von  Lehrerinnen.^) 

Da  das  Murren  der  Klosterfrauen  gegen  die  Oberin  nicht  auf- 
hörte, fand  sich  diese  veranlaßt,  auf  ihre  Würde  zu  verzichten.  Sie  ver- 
langte jedoch  die  Exemption  von  der  nächsten  Oberstin  und  die  erste 
Stelle  nach  ihr,  außerdem  freie  Kost,  E[leidung,  Medikamente  und 
600  fl.  jährlich  in  vierteljährigen  Raten  zur  eigenen  Disposition, 
einen  beliebigen  Beichtvater,  Arzt  und  Barbier,  zwei  Zimmer  wie 
bisher  als  Wohnung,  einige  Schwestern  zur  Bedienung,  einen  Diener 
als  Boten,  Freiheit  der  Briefe  und  der  Besuche  im  Redhaus  und 
Versicherung  des  Friedens  von  Seite  der  Bestraften.  Am  14.  Hai 
1700  nahm  der  Fürstbischof,  am  25.  Mai  auch  Kaiser  Leopold  I. 
die  Resignation  der  Oberstin  Brenner  an,  lobte  sie,  daß  sie  nach 
dem  Türkenkriege  viel  gutes  in  der  Umgebung  Wiens  gestiftet  and 
genehmigte  ihre  Forderungen  im  Kloster.  Sie  scheint  übrigens  die 
Resignation  nicht  lange  überlebt  zu  haben,  weil  sie  im  nächsten 
Personalstand  des  Klosters  vom  Jahre  1705  nicht  mehr  vorkommt. 


^)  Von  den  im  Jahre  1689  angeführten  Chorfrauen  lebten  noch :  Sebactiana 
Bucceleni  (Dechantin),  Anna  Katharina  Bibonin  (Seniorin),  dann  Schwester  Bo* 
salia.  Anna  Leopoldina,  M.  Theodora,  M.  Oktavta,  M.  Ignatia,  M.  ICagdaleoft. 
M.  Eleonora,  M.  Xaveria,  M.  Anna,  M.  Baptista,  M.  Elisabeth,  BL  Badegandi, 
Anna  Maria,  M.  Oenovefa,  M.  Amanda,  M.  Margarete,  M.  Ursula,  M.  Eleonora 
und  M.  Susanna.  Alle  sechs  Chomoyinnnen  ron  damals  waren  jetzt  l&ngst  Cho^ 
frauen  und  als  neue  sind  zu  verzeichnen:  M.  Bonaventura  Borschedin,  M.  Jo- 
hanna von  Ungrechtsberg,  M.  Franziska  von  Buechstein,  M.  Alcantara  de  Latere. 
Anna  Augustina  Vogtin  von  ThumfelB,  Anna  Antonia  Tripodin,  M.  Josefa  von 
Traun,  M.  Benigna  von  Zinzendorf,  Martina  Kaiser,  M.  Bemardina  Scbmid. 
M.  Philippina  Höffler,  M.  Aurelia  Plüml  und  M.  Emestioe  von  Traun.  Von  den 
damaligen  Laienschwestem  lebten  M.  Marta  und  Marina  nicht  mehr,  die  drei 
Novizinnen  waren  schon  13  Jahre  Profeßschwestem  und  Schwester  Martha  Binder 
vermehrte  ihre  ZahL 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  167 

Am  11.  Joni  1700  wurde  dann  die  Chorfrau 

Maria  Magdalena  Kluegin  von  Grünenberg. 

vorher  Krankenmeisterin,  40  Jahre  alt,  Profeß  1675,  zur  Oberstin 
gewählt  und  am  20.  Juni  installiert. 

Die  Frucht  der  letzten  Visitation  war  wieder  ein  bischöflicher 
Erlaß,  der  sieben  Punkte  der  Disziplin  zu  beobachten  vorschrieb 
und  die  Weisungen  vom  27.  April  1671  erneuerte.  Die  achttägigen 
Exerzitien  waren  frei,  bloß  mit  den  Beichtvätern  war  es  zu  sprechen 
erlaubt,  nur  Freunde  und  Wohltäter  durften  drei-  bis  viermal  die 
Klausur  überschreiten,  anläßlich  der  Einkleidungen  durften  keine 
Laien  innerhalb  der  Klausur  speisen,  nichts  sollte  aus  dem  Kloster 
Laien  erzählt  werden,  niemand  durfte  nach  8  Uhr  abends  ins  Red- 
haus gehen  und  beim  Abendläuten  war  dieses  zu  verlassen. 

Gleich  die  erste  Zeit  hatte  die  neue  Oberstin  mit  der  früheren 
einige  Konflikte  und  verteidigte  sich  schriftlich  am  4.  Juli  1700 
beim  Wiener  Dompropste,  um  den  Klagen  der  Gräfin  Brenner  zu- 
vorzukommen, desgleichen  an  den  beiden  nächstfolgenden  Tagen 
mit  der  Beschwerde,  daß  ihre  Vorgängerin  Unfrieden  stifte.  Am 
7.  September  1700  vermachte  Michael  Manhardt,  Bürger  und  Brannt- 
weiner in  der  Himmelpfortgasse,  und  Helena,  seine  Gattin,  dem 
Kloster  aus  Liebe  ein  Marienbild  mit  vergoldetem  Silberschein  und 
Zubehör,  welches  sie  seit  1666  zu  Hause  verehrten^  samt  100  Talern 
fQr  das  Licht  vor  diesem  Bilde  beim  Pauli-Altar  an  allen  Samstagen 
and  marianischen  Vigilien.  Als  Dechantin  tritt  M.  Baptista  Hür- 
manin^),  als  Klosterprediger  P.  Klemens  Höß  0.  S.  Fr.  auf.  Am 
14.  März  1701  machte  Johann  Albert,  bürgerlicher  und  kaiserlicher 
Hofglaser  in  Wien  eine  Stiftung  zum  Hochaltar  bei  der  Himmel- 
pforte mit  2000  fl.  auf  eine  Wochenmesse  am  Montag,  vier  Messen 
au  Donnerstagen  der  Quatemberwoche  und  eine  Messe  in  der  Aller- 
seelenoktav. Die  dem  Stiftsbriefe  aufgedrückten  elliptischen  Siegel 
der  Oberstin  M.  Magdalena  und  der  Dechantin  M.  Baptista  sind 
gleich  groß,  zeigen  beide  das  übliche  Klosterwappen  (ein  nach  rechts 
schauendes,  stehendes  und  nimbiertes  Lamm  Gottes  —  agnus  Dei, 
St.  Agnes    —    eine   kleine,   am  Kreuzstabe  hängende  I H  S  -  Fahne 

1)  Geboren  1657,  ProfeO  1679.  Vor  ihrer  Profeß  schenkte  M.  Baptista 
(rorber  Rosalia)  Hörmanin  ihr  väterliches  Erbteil  dem  Kloster  Himmelpforte,  das 
mütterliche  aber  ihren  drei  Geschwistern  Sidonie,  Elisabeth  und  Eleonora  za 
gleichen  TeUen  (34.  Juli  1679). 


168  Alfons  2&k. 

tragend)  mit  der  Legende:  SIGILLVM  PRAEPOSITAE 
(CAPITVLI)  AD  COELI  PORTAM  VIENNAE. 

Im  Jahre  1702  vertauschte  M.  Magdalena  Einegin,  Oberstm 
des  fürstlichen  Stiftes  und  Klosters  zur  Himmelpforte,  mit  dem 
Schottenstifte  ihre  auf  der  Landstraße  liegende  Behausung  »bei  dem 
Rothan«  und  die  Hofstatt  dahinten,  dem  Kloster  2  Pfund  behausten 
Grunddienst  schuldig  und  an  Frau  Maria  Eytelsperger,  Witwe,  ge- 
schrieben, gegen  das  Rescalische  Haus  in  der  kleinen  Ballgasse,  im 
Jahre  1698  von  der  Himmelpforte  erkauft,  4  Pfund  behaustcD 
Dienst  dem  Schottenstifte  schuldig  und  an  Wolf  Andre  Hnber, 
kaiserlichen  Münzverwalter,  mit  seiner  Gattin  Theresia  Dorothea, 
geborenen  Rescalin,  geschrieben. 

Im  Jahre  1703  mußte  das  Kloster  Himmelpforte,  wie  schon 
oft  vordem  (1674,  1688,  1695)  die  600  fl.  urgieren,  welche  die 
verstorbene  Kaiserin  Anna  laut  Testamentes  ddto.  Wien,  10.  No- 
vember 1618  dem  Kloster  aus  Pietät  jährlich  auf  ewig  vermacht 
hatte.  Das  Greld  sollte  von  der  Herrschaft  Krumau  in  Böhmen,  wo 
die  Spenderin  eine  Summe  Geldes  liegen  hatte,  gegen  Quittung  ab- 
gefordert werdend)  Am  22.  Mai  1707  stiftete  Augustin  von  Himeiß, 
kaiserlicher  Rat  und  Wiener  Stadtratsenior,  eine  Messe  bei  der 
Klosterkirche  mit  500  fl.,  die  nach  seinem  Tode  zu  erlegen  waren. 
Am  1.  September  1713  stiftete  Christoph  Schmidt,  kaiserlicher 
Hofseilermeister  in  Wien,  eine  wöchentliche  Messe  beim  Hochaltar 
zur  Himmelpforte  am  Montag  für  seine  Familie  mit  1000  fl.,  wovon 
der  Priester  38  fl.  für  Messen,  das  Kloster  12  fl.  für  Wachs  und 
Opferwein  bezog.  Dieser  Stifter  hatte  vier  Töchter,  denen  er  zu- 
sammen ein  Haus  auf  der  Landstraße  in  Wien  nebst  Weingärten 
in  Perchtoldsdorf  und  Liesing  im  Werte  von  25.000  fl.  vermachte. 
Eine  der  Töchter  war  M.  Bemardina  (vorher  Magdalena)  Schmidt 
Chorfrau  bei  der  Himmelpforte,  dritte  Gewandmeisterin,  geboren 
1678,  Profeß  1696,  die  sich  am  6.  Februar  1714  wegen  des  Erb- 
teiles mit  ihren  Eltern  verglichen  hat.  Am  30.  Juni  1716  verpachtete 
das  Kloster  den  von  den  niederösterreichischen  Verordneten  in 
Bestand  genommenen  Fleischaufschlag  in  Simmering  und  Kledering 
auf  drei  Jahre  dem  Fleischhauermeister  Franz  Neumair. 

Der  Wiener  Fürstbischof  Franz  Anton  Graf  von  Harrach 
(1702—1705)  nahm  am  31.  März  1705  mit  seinem  Offizial  Hermann 

>)  Die  erste  Summe  wurde  am  18.  November  1620  gezahlt  und  so  fortas. 
Das  Stiftungskapital  betrug  10.000  fl. 


Dm  FranenkloBter  Himmelpforte  in  Wien.  159 

Klaadias  Klöcker  und  Kanzler  Josef  Breitenbttcher,  Kanonikus, 
eine  Klostervisitation  bei  der  Himmelpforte  vor,  deren  Ergebnis 
günstig  war.  Die  Schwestern  sollen  die  Oberin  mehr  ehren,  die 
Statuten  genau  beobachten,  dürfen  niemand  in  ihre  Zellen  führen, 
nur  mit  Erlaubnis  der  Oberin  ins  Bedhaus  gehen  oder  Briefe 
schreiben,  sollen  einander  schwesterlich  lieben,  und  die  Ungehor- 
samen von  der  Oberin  Strafen  empfangen.  An  neuen  Hausämtern 
findet  man  eine  Jung-,  Bücher-,  weiße  Leinwand-,  Fräulein-,  Habit- 
and  Rentmeisterin,  eine  Gärtnerin,  Küsterin,  Schaffnerin,  Adlaten 
and  eine  Bedienerin  des  Gnadenbildes  der  Hausmutter. 

Nach  der  Klosterchronik  war  es  das  alte,  bekannte  Mutter- 
jETOttesbild  der  »Himmelpförtnerin«,  welches  beim  Neubau  des 
Klosters  unter  Klesl  und  Barbara  Banhofer  in  einem  Winkel 
des  Hauses  gefunden,  gesäabert,  wieder  zur  Verehrung  aufgestellt 
and  zur  Hausmutter  des  Klosters^)  gewählt  wurde.  Während  der 
fürchterlichen  Pest  in  Wien  1679  blieb  die  Himmelpforte  verschont, 
was  man  der  Fürbitte  Maria  zuschrieb.  Die  Kaiserin  lüaudia  Feli- 
zitas,  Leopolds  I.  Gemahlin,  verehrte  dieses  Marienbild  so  sehr, 
daß  sie  es  vom  Fürstbischof  Wilderich  der  Oberin  A.  J.  von 
Qaestenberg  ermöglichte,  dasselbe  jährlich  acht  Tage  (7.  bis 
15.  August)  unter  großem  Zulaufe  des  Volkes  feierlich  ausstellen 
za  lassen.  Die  Augustiner-Barfüßer  besorgten  den  Gottesdienst, 
anter  anderen  später  P.  Abraham  a  S.  Clara.  Die  Kaiserin  Maria 
Theresia  nahm  an  der  Säkularfeier  1780  andächtig  teil  und  über- 
gab den  ganzen  Schmuck  dazu  dem  Kloster  als  Geschenk.^) 

Bei  der  Visitation  am  31.  März  1705  waren  60  Klosterfrauen 
zagegen.^) 

^)  Jedes  Fraaenkloater  in  Wien  verehrte  im  Chore  oder  im  KapiteUaale 
eine  Marienatatue  als  »Haosrnntterc  nnd  bekam  -die  Erlaabnis,  sie  durch  eine 
Oktay  aach  dem  Volke  zur  Verehrang  in  der  Kirche  ausstellen  zu  dürfen;  so 
bier,  so  bei  8t.  Niklas,  St.  Lorenz  und  St.  Jakob,  daher  der  Name  »Hausmutter c 
▼«rscbiedenen  Statuen  zukommt. 

-)  L.  Donin,  Die  Marianische  Austria.  Wien  1884,  8.  24—25. 

^)  Obristin  Maria  Magdalena,  Dechantin  M.  Baptista  von  Hörman,  dann 
die  Cborfrauen  M.  Theodora  Kuper,  M.  Oktavia  de  Qalle,  M.  Ignatia  Gstettner, 
M,  Eleonora  ron  Moßheimb,  M.  Xaveria  Sartorin,  M.  Elisabeth  Hafiner,  M.  Rade- 
ganda  von  der  Hajd,  Anna  Maria  Moraziu  von  Möhrenthal,  M.  Anna  Scheffler 
▼on  Rosenau,  M.  Genovefa  Noldaßin,  M.  Amanda  Regondin,  M.  Margarete  RoA- 
niuiin,  M.  Ursula  FeigLin,  M.  Eleonora  von  Strassoldo,  M.  Susanna  ron  Schott, 
M.  Antonia  de  Althan,  M.  Augustina  von  Cavriani,  M.  Eusebia  von  Gabbelshoffen, 
M.  Agnes  Künin,    M.  Rosa  Hökhmann,    M.  Aloisia   von  Glück,    M.  Bonaventura 


170  Alfons  ikk. 

Auch  der  neue  Wiener  Fürstbischof  Franz  Ferdinand  Frei- 
herr von  Rummel  (1706 — 1716)  visitierte  unter  der  Oberstin 
M.  Magdalena  die  Himmelpforte  im  Jahre  1710  am  8.  April  in 
Begleitung  des  Dompropstes  und  General vikars  Josef  Breitenbücher, 
wobei  40  Chorfrauen,  4  Junioren  und  20  Laienschwestern  er- 
schienen sind.^)  Am  S.Juni  1710  sandte  er  den  Klosterfrauen  seine 
Äußerungen,  ungehalten  darüber,  daß  die  Schwestern  nichts  über 
die  Uneinigkeit  im  Kloster  aussagten,  die  er  anderweitig  erfahren. 
Chorfrau  M.  Alcantara  wurde  von  ihrer  Anklage  freigesprochen, 
die  Oberin  sollte  strenger  sein,  das  Schwätzen  mit  Laien  und  jedes 
unnütze  Gespräch  im  Arbeitszimmer  war  zu  meiden,  die  theologi- 
schen Bücher  sollten  konfisziert  und  die  Statuten  genau  beobachtet 
werden.  Am  3.  Juni  brachte  auch  der  Dompropst  im  Kloster 
wieder  alles  in  Ordnung.  Am  2.  Oktober  bat  ihn  die  kranke 
Oberstin  um  Besuch,  zwei  Tage  darauf  berichtete  ihm  die  Dechantin 
M.  Baptista  über  den  Verlauf  der  Krankheit.  Am  10.  November 
1716  verschied  die  Oberstin  M.  Magdalena  gegen  4  Uhr  früh.  Am 
12.  November  segnete  der  Generalvikar  selbst  die  Leiche  ein  und 
hielt  das  Requiem.  Den  Sarg  trugen  die  Franziskaner.  Tags  darauf 
hielt  der  Propst  von  St.  Dorothea  ein  Requiem  ab. 

Am  10.  Dezember  bat  die  Dechantin  Maria  Baptista  ab 
Administratorin  des  Stiftes  den  neuen  Fürstbischof  Siegmund  Grafen 
von  KoUonitz   um  Neuwahl   der  Oberin.     Diese   wurde   nach    dem 


Bonchedin,  M.  Johanna  von  Ungrechtaberg,  M.  Franziska  von  Baechstein,  M.  Al- 
cantara de  Latere,  Anna  Aogastina  Vogtin  von  Thamfel0.  Anna  Antonia  Tripo- 
din, M.  Josefa  von  Traun,  M.  Benigna  von  Zinzendorf,  Martina  Kaiser,  M.  Ber- 
nardina Schmid,  M.  Aureiia  Pifiml.  M.  Emestine  von  Traun,  M.  lUaminata  Blani. 
M.  Dominica  Sixt,  M.  Theresia  von  Hiemeyß,  M.  Valentina  von  Auß wegen. 
M.  Magdalena  Baamgartner,  M.  Cäcilia  Summer  und  M.  Klara  von  AuOwej^er, 
zusammen  42.  Femer  die  Laienschwestem :  M.  Marzella  Grueber,  Ottilia  Zuebrecbt 
Dymphna  Stenzl,  Walburgis  Hilßler,  Rosina  Bamabns.  PetrontUa  Regin,  Thekli 
Gillfort,  Helena  Salzer,  Gertrud  Stromanz,  Sidonia  Ertlin,  Marta  Binder,  Justios 
FrOflchl,  Maria  Httrdin,  Monika  Dickin;  Paula  Pillmann  (geistliche  Novizin).  Eli- 
sabeth von  Gillich  und  Mechthildis  Mader  (weltliche  Novizinnen),  M.  Barbara 
Schertlin  (Klesls  Verwandte,  70  Jahre  alt,  zwölf  Jahre  im  Kloster,  von  der 
Oberstin  Breuner  als  Donata  mit  dem  Habit  ohne  Zeremonien  eingekleidet,  auf 
dem  Spital  herausgenommen). 

^)  Im  Vergleich  mit  dem  Verzeichnisse  vom  Jahre  1705  fehlt  darin  M.  I^ 
natia  Gstettner,  die  gestorben  ist,  dafür  findet  man  als  sorores  juniores  M.  Sophie 
von  Gillich,  M.  Innozentia  Gräfin  Nigrelli,  M.  Mechthildis  Mader  und  M.  JoiiaDS 
Schramb. 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  171 

vorgenommenen  Skratiniam  (21.  Dezember)  der  46  Votantinnen 
(darunter  sechs  Junioren)  am  22.  Dezember  1716  unter  dem  Vor- 
sitze des  Fürstbischofs  und  des  Generalvikars  im  Refektorium  vor- 
genommen, während  die  landesfürstlichen  Kommissäre  Graf  von 
Oedt,  Herr  von  Althan  und  von  Schmid  in  der  Kirche  zugegen 
waren.  Mit  34  Stimmen  wurde  die  zweite  Chor-  und  zugleich 
Habitmeisterin 

Maria  Antonia  Gräfin  Althan, 

44  Jahre  alt,  30  Jahre  im  Kloster,  zur  Oberstin  gewählt^),  am 
31.  Dezember  1716  vom  Kaiser  bestätigt  und  am  Sonntag,  den 
3.  Jänner  1717  vom  Fürstbischöfe  installiert.  Dabei  saßen  an  der 
Epistelseite  im  Presbyterium  der  Generalvikar  und  der  bischöf- 
liche Notar,  links  die  Beichtväter,  rechts  die  neue  Oberin  mit  der 
Dechantin  und  Seniorin,  im  ersten  und  zweiten  Betstuhl  die  Kom- 
missäre mit  dem  Sekretär  und  Kanzlisten. 

Nach  der  Klosterchronik  setzte  1716  der  kaiserliche  Reichs- 
kanzlist und  Taxamtsverwalter  Andreas  Hitauer,  der  ledig  im 
hohen  Alter  zu  Wien  starb,  zu  seiner  Universalerbin  die  »weinende 
Mutter  Gottes«  bei  St.  Stephan  ein  und  gab  dem  Kloster  Himmel- 
pforte 6000  fl.  auf  eine  für  ihn  an  jedem  Montag  zu  persolvierende 
heilige  Messe.  Seine  Nichte  Maria  Magdalena  Baumgartner,  die  als 
Chorfrau  im  Himmelpfortkloster  lebte,  bekam  von  ihm  separat 
lOOO  fl.  >zu  ihrer  Recreation«.  Am  31.  Dezember  1717  stellte  der 
Wiener  Bürgermeister  Dr.  Josef  Hartmann  einen  Stiftungsbrief  für 
die  1713  bei  der  Himmelpforte  errichtete  Christoph  Schmidsche 
Messenstiftung  aus.  Das  KoUaturrecht  der  Stiftung  hatte  der  Wiener 


^}  Auf  die  Chorfrau  M.  Augnstina  Gräfin  Cavriani,  zweite  Pförtnerin,  ent- 
fielen nenn,  anf  die  erste  Frftnleinmeisterin  M.  Eleonora  von  Strassoldo  nnd  die 
Dechmnün  je  eine  Stimme.  —  Im  Yer^^leich  mit  dem  Verzeichnis  vom  Jahre  1705 
fehlen  diesmal  die  seitdem  yerstorbenen  Chorfraaen  M.  Ignatia,  Kadegunda,  Amanda, 
Eoaebia,  Bonaventara  and  MechthilJis.  Als  nene  Chorfraaen  werden  genannt: 
H.  Sophia  von  Gillich,  M.  Innozentia  Qrfifin  Nigrelli,  M.  Juliana  Schramb, 
M.  Katharina  ron  Pachberg,  dann  die  Janioren  Anna  Magdalena  Federlin, 
M.  Viktoria  ron  Haitzenberg,  M.  Amalia  Gräfin  NigrelU,  M.  Rosalia  Ganßerin, 
M.  Ignatia  von  Seeau  and  M.  Katharina  von  Karaffa.  —  Von  den  Laiensohwestem 
fehlen  M.  Biarzella,  Ottilia,  Dymphzia,  VValburgis,  Rosina,  Gertrud  und  Marta, 
d&für  lebten  jetzt  M.  Rita  Schönwaizin,  Barbara  FUchslin  und  Floriana  Rathin, 
^^Q>ainmen  11. 


172  Alfons  24k. 

Bürgermeister,  der  sie  am  29.  Dezember  1713  dem  Ignaz  Winkler, 
Beichtvater  bei  St.  Stephan,  verliehen  hat^) 

Ein  Schriftstflck  vom  Jahre  1722  belehrt  uns,  wie  es  bei  der 
Einkleidung  eines  adeligen  Fräuleins  zuging.  Chorfrau  Maria 
Michaela  Gräfin  Engel  von  Wagrain  erhielt  2000  fl.  Kapital  nebst 
Einrichtung  und  Geschirr  und  800  fl.  zur  Einkleidung,  wovon 
z.  B.  für  das  Brautkleid  330  fl.,  an  Arbeitslohn  20  fl.,  ftlr  das 
Hochamt  39  fl.,  für  die  Assistenz  20  fl.,  für  das  Wachs  20  fl.,  für  den 
bischöflichen  Kranz  12  fl.,  für  zwei  Brautführerkränze  16  fl.,  zwei 
Kranzelfräulein  10  fl.,  dem  Beichtvater  12  fl.,  Opferdukaten  4  fl.. 
fUr  Kirchendiener  4  fl.,  für  die  Mahlzeit  72  fl.  9  kr.^,  zusammen 
560  fl.  9  kr.,  ferner  für  einen  langen  Pelz  20  fl.,  einen  Schurz- 
und  einen  Leibpelz  16  fl.,  zwei  Tuchhabite  48  fl.,  zwei  Röcke  18  fl., 
einen  schwarzen  Mantel  22  fl.,  sechs  schwarze  Weihel  9  fl.,  drei 
Gürtel  6  fl.,  ein  Brevier  24  fl.,  ein  Diurnal  3  fl.,  ein  Psalter  mit 
Proprien  6  fl.  etc.,  zusammen  899  fl.  56  kr.  gezahlt  wurden.  Zur 
Profeß  waren  160  fl.  9  kr.  notwendig. 

Sigismund  Graf  von  Kollonitz,  Fürstbischof  von  Wien,  nahm 
als  Bischof  zur  Zeit  der  Oberstin  Gräfin  Althan  zwei  Visitationen 
vor,  die  beide  zu  seiner  Freude  und  Zufriedenheit  ausfielen.  Die 
erste  dauerte  vom  26.  bis  28.  Februar  1717  und  betraf  43  Chor-, 
10  Laienschwestem,  3  Junioren  (Probeschwestern  »im  Junghaus«) 
und  3  Novizinnen,  die  andere  war  im  Dezember  1720  und  betraf 
45  Chor-  und  8  Laienschwestem,  im  Junghaus  3  Chor-  und  3  Laien- 
schwestern, 3  Chor^  und  1  Laiennovizin,  zusammen  63  Klosterfrauen.^) 

Anna  Antonia  Gräfin  Althan  starb  am  24.  Dezember  1723 
um  5  Uhr  früh  und  wurde  am  26.  Dezember  begraben.  Bei  der 
Neuwahl  am  4.  Februar  1724  wurde  die  Chorfrau 

Maria  Augustina  IL  Gräfin  Cavriani, 

schon  1716  Kandidatin,    60  Jahre   alt,    38   Jahre   im  Kloster  und 
durch  31  Jahre  Pförtnerin,   zur  Oberstin  erwählt   und  am  25.  Fe- 

^)  QaeUen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  U,  2,  Keg.  2053. 

')  Dmbei  erhielt  jede  Klosterfrau  V^  Pfund  Zuckerbaokwerk. 

^)  Die  Reihenfolge  der  Chorfrauen  von  oben  (1716)  setzten  fort:  Maria 
ThaddAa  KhOmblin,  M.  Antonia  von  Scherfftenberg,  M.  KaroUna  ron  Selb, 
M.  Michaela  Qrftfin  Engel,  Bf.  Aldegund  Ditzin,  M.  Raymanda  Sandtner,  M.  Ga- 
briela von  Dillherr,  M.  Emerentiana  Baechner,  M.  Alezia  Bißreither  und  die 
Laienschwestem:  M.  Disma  Fuchsin,  M.  Floriana  Raffelsperger,  M.  Angela  Weber 
und  M.  Walburga  Steinlechner. 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  X73 

braar  1724  von  Sigismund  Grafen  von  KoUonitz,  diesmal  schon 
Fürsterzbischof  von  Wien,  installiert.  Bei  der  Wahl  waren  49  Vo- 
tantinnen)  von  denen  zwei  Kranke  nicht  erschienen.  M.  Angastina 
erhielt  36,  M.  Benigna  von  Zinzendorf,  zweite  Fräulein-  und  dritte 
Chonneisterin,  10,  M.  Baptista  Hörman,  Dechantin,  Anna  Eleonora 
Ton  Strassoldo,  erste  Fräuleinmeisterin  und  M.  Martina  Kaiser, 
Küchenmeisterin,  je  1  Stimme.  Die  Wahl  dauerte  von  V2^  ^^^ 
11  Uhr  vormittags.^) 

Am  29.  und  30.  März  1736  hielt  der  Fürsterzbischof  wieder 
eine  Visitation  im  Kloster  zur  Himmelpforte,  welches  damals 
43  Chor-,  15  Laienschwestem,  1  Chor-  und  2  Laiennovizinnen  zählte, 
und  schärfte  mehrere  Punkte  ein,  z.  B.  wegen  der  Klausur,  die 
nur  der  Beichtvater,  Arzt,  Barbier  und  Bader  betreten  durften. 
Die  Oberin  wurde  zur  Strenge,  die  Chorfrauen  zur  Abhaltung  der 
Exerzitien  und  zur  Mäßigkeit  gemahnt;  die  Kirche  durfte  nur  in 
Abwesenheit  der  Fremden  betreten  werden.  Die  Schwestern  sollten 
das  Silentium  halten,  Konventikel  und  Taschenuhren  blieben  ihnen 
verboten. 

Am  20.  September  1725  verkaufte  das  Kloster  einen  Grund 
in  Simmering  an  Jakob  Landerhauser  um  30  fi.  Am  12.  Februar 
1730  verglich  sich  die  Oberin  Maria  Augustina  mit  dem  Stifibs- 
propst  von  St.  Polten,  Michael,  wegen  der  von  weiland  Charlotte 
Eleonora  von  Maderna,  geborene  von  Langenau,  Witwe  (gestorben 
1729  in  St.  Polten),  dem  Kloster  Himmelpforte  vermachten  500  fl., 
die  erst  nach  dem  Tode  ihres  26jährigen  Sohnes  Albert  Maderna, 
reg.  Chorherrn  in  St.  Polten,  dem  Kloster  ohue  Interessen  aus- 
bezahlt werden  sollten.  Das  Kloster  zur  Himmelpforte  wollte  sich 
mit  250  fl.  zufrieden  geben,  wenn  diese  sofort  bezahlt  würden,  was 
auch  geschah.  Femer  wurde  eine  Wiener  Stadtbankobligation  vom 
19.  Mai  1718  per  1000  fl.,  welche  Frau  Madema  noch  bei  Leb- 
zeiten der  Himmelpforte  in  Verwahrung  gegeben,  dem  Stifte 
St.  Polten  zurückgestellt,  wovon  der  genannte  Chorherr  Albert 
lebenslänglich  60  fl.  Zinsen  beziehen,   nach   seinem  Tode  aber  das 


1}  Eine  Beschreibung  dieser  Oberinnenwahl  (auch  vom  Jahre  1735)  und 
cier  Visitationen  nebst  den  bei  diesen  Anlassen  gehaltenen  Ansprachen  des  Fürst* 
erzbischofs  Grafen  von  Kollonitz  1722—1751  in  den  Frauenklöstem  St.  Jakob, 
^>t.  Laurenz,  Himmelpforte,  bei  den  Elisabethinerinnen,  Ursulinerinnen  und  Sale- 
Bianerinnen  erliegt  im  fürstetzbischöflichen  Konsistorialarchive  zu  Wien.  XLIX, 
»Frauenkloster  St.  Jakob  auf  der  Hülbenc,  Nr.  286. 


174  AlfouB  ihk. 

Stift  St.  Polten  500  fl.,  die  Himmelpforte  ebenfalls  500  fl.  er- 
halten sollte. 

Im  Jahre  1731  verkaufte  die  Oberin  Cavriani  wiederholt 
Grundstttcke  am  sogenannten  Sporkhenbttchel  in  Wien  um  zu- 
sammen 344  fl.  Am  12.  März  1732  erhielt  M.  Aogastina,  Oberstis. 
Anna  Antonia  Tripodin,  Dechantin.  und  das  Kloster  zur  Himmel- 
pforte von  David  Ernst  Haffner  5100  fl.  auf  wöchentlich  sechs 
heilige  Messen,  am  5.  Mai  1732  1000  fl.  auf  jährlich  52  Messen 
und  einem  Jahrtag  am  18.  August  (Sterbetag  seiner  Gattin).  In 
seinem  Testamente  vom  16.  Juli  1735  wünschte  Haffner  ohne  Ge- 
pränge des  Nachts  in  der  Elostergruft  bei  St.  Agnes  neben  seiner 
Frau  begraben  zu  werden.  Er  legierte  500  Messen,  den  Horner 
Piaristen  840  fl.,  der  Michaelskapelle  in  Eggenburg  auf  ein  ewiges 
Licht  600  fl.,  seinen  Verwandten  8000  fl.,  seinem  Firmgöd  Norbert 
von  Sprengsegg,  Prämonstratenser-Chorherrn  in  Pemegg,  100  fl.  auf 
ein  Memento.  Das  Kloster  zur  Himmelpforte  erhielt,  wie  gesagt 
6100  fl.  Stiftungsgeld  und  einen  silbernen  Kreuzpartikel. 

Am  1.  Juni  1732  wurde  zwischen  dem  Kloster  und  dem 
Klosterbrauer  Josef  Gigel  in  Simmering  ein  Pachtvertrag  ab- 
geschlossen,  laut  dessen  der  Pächter  das  Brauhaus  im  guten  Stand 
halten,  zu  jedem  Gebräu  34  Motzen  Gerste,  7  Pfund  Hopfen. 
2  Klafter  weiche,  '/2  Klafter  harte  Scheiter  bekommt,  dafür  aber 
jährlich  50  Eimer  Bier  und  15  Maß  Branntwein  der  Herrschaft  in 
natura  liefern  oder  durch  Geld  reluieren  muß.  Auch  wegen  der 
Knechte,  Wohnung,  Beheizung,  Fässer,  Futter  Vorräte,  Bierkreuzer  etc. 
wurden  entsprechende  Vereinbarungen  getroffen. 

Am  1.  Mai  1733  vereinbarte  das  Kloster  mit  dem  Stitte 
St.  Dorothea  in  Wien,  daß  von  der  neu  zu  erbauenden  Stiege  auf 
dem  Sporkhenbüchel  das  Dorotheerstift  ein  Drittel,  die  Himmel- 
pforte zwei  Drittel  der  Kosten  zu  tragen  habe.^) 

Am  14.  Juni  1735  wurde  neuerlich,  wie  1699,  der  Taz  von 
den  Verordneten  der  niederösterreichischen  Landschaft  dem  Kloster 
verkauft.^) 

^)  QaeUen  snr  Qeschichte  der  Stadt  Wien.  II,  2,  Reg.  2.574.  Am  Sporken- 
büchel  und  Liechtental  besaß  das  Kloster  den  sogenannten  Himmelpfortgrand. 
Ober  den  öfter  Streit  mit  den  benachbarten  Dorotheern  wegen  des  anstoßenden 
Qäßchens  and  der  Stiege  zur  Verbindung  beider  Gründe  entstand,  wie  auch  mit 
dem  erzbischöflichen  Zehentamte. 

•)  Quellen  cur  Geschichte  der  Stadt  Wien.  II,  2,  Reg.  2060.  Das  Ksof- 
gesneh    hatte    noch    die  Obristin  Carriani    eingebracht,    starb   aber   indessen  am 


Das  FraaenkloBter  Himmelpforte  in  Wien.  175 

Am  10.  August  1735  starb  die  Oberstin  Maria  Augostina  II 
und  wurde  am  Hausmutterfeste,  den  12.  August,  begraben.  Der 
Klosterrat  verlangte  die  Sperre  und  Inventur,  wogegen  sich  die 
Dechantin  und  Administratorin  Anna  Antonia  Tripodin  energisch 
wehrte  und  sich  sogar  beim  Kaiser  darüber  beschwerte.  Nach  ein- 
geholter Information  tlber  die  Exemption  der  Himmelpforte  von 
der  Sperre  und  Inventur  bat  der  Fürsterzbischof  selbst  den  Kaiser 
um  Schutz  gegen  das  Vorgehen  der  Klosterräte,  aber  trotz  aller 
Proteste  wurde  die  Inventur  vorgenommen. 

Während  des  Interregnums  trat  am  14.  September  die  De- 
chantin das  stiftliche  Haus  in  Ebersdorf  (Schlegelhof)  samt  Zugehör 
dem  Rudolf  Josef  Koritensky  Qrafen  von  Tereschau,  k.  k.  wirk- 
lichen Kämmerer  und  königlich  böhmischen  Vizekanzler,  gegen 
Zedierung  von  5  Joch  Acker  bei  den  Wassergräben  in  Simmering 
ab,  wovon  2V2  Joch  der  Himmelpforte,  2V2  Joch  dem  Bürgerspital 
dienen  mußten;   beides   wurde   gegenseitig   auf   1000  fl.  geschätzt. 

Am  20.  September  1735  wurde  die  Fräuleinmeisterin 

Maria  Innozentia  Gräfin  von  Nigrelli, 

geboren  1691,  seit  1706  im  Kloster,  zur  Oberstin  gewählt  und  am 
30.  Oktober  durch  den  Fürsterzbischof  installiert.  Von  den  43  ab- 
gegebenen Stimmen  erhielt  sie  31,  die  Dechantin  3,  M.  Viktoria  von 
Haitzenberg  5,  M.  Katharina  von  Caraffa  und  drei  andere  je 
1  Stimme. 

Die  neue  Oberin  sollte  sich  einer  33jährigen,  ruhigen  Regie- 
gierung  unter  wohlgeordneten  Verhältnissen  und  blühendem  Zu- 
stande des  Klosters  erfreuen.  Im  Wiener  Stadtarchive  erliegen 
Konföderationen  des  Signor  Nigrelli  mit  den  Kapuzinern  (Rom, 
13.  November  1662),  des  Oktavius  Nigrelli  mit  den  Paulinem  (Tal, 
15.  September  1701)  und  M.  Magdalena  Nigrelli  mit  den  Kapuzinern 
(Wien,  12.  Jänner  1703),  wahrscheinlich  Familienandenken  der 
neuen  Oberstin. 

Kardinal  Ftlrsterzbischof  Graf  von  Kollonitz  visitierte  1739 
und  1742  das  Kloster  und  war  zufrieden.  Im  Jahre  1739  lebten 
dort  60,  1742  aber  61  Klosterfrauen  (39  Chorfrauen,  9  junge  und 
13  Laienschwestem).     Bei   seiner  Visitation   im  März  1745   lebten 

10.  Aagmt  1735,  und  lo  warde  der  Eaaf  ihrer  Nachfolgerin  Gräfin  Nigrelli  be- 
willigt Zwei  laldierte  QaittuDgen  Aber  700  fl.  und  1500  fl.  tragen  das  Datum 
vom  22.  November  1735. 


176  ^^n«  i^^' 

dort  45  Chor-  and  5  junge  Schwestern,  im  April  1749  waren 
44  Chor-,  13  Laienschwestem  und  8  Novizinnen,  1758  waren 
46  Chor-  und  14  Laienschwestem.^) 

Beim  Examen  vor  der  Profeß  der  Schwestern  stellte  der 
Kommissär  an  die  Novizin  15  Fragen,  welche  diese  im  Protokoll 
eigenhändig  bestätigen  mufite,  z.  B.: 

Ich  hier  Endes  eigenhändig  nnterschriben  vnd  geferttigte  Bekhenne 
hiemit  der  lieben  Wahrheit  zu  stener,  daß  mich  aof  alle  gegenwärthige  mir 
gestellte  Frag  stück  bejfolgend  gesagte  Antworthen  mit  guten  reinen  ge- 
wissen freywillig  vnd  vngezwnngen  auch  ohne  aller  Gemüthshinterhaltang 
von  mir  recht  getreulich  gegeben. 

Wien,  den  29.  Mai  1753. 

8ehw.  Maria  Leopoldine  Kuffstein 
Ord.  can.  Beg.  St.  P.  Aug. 

Als  Dechantin  stand  der  Oberin  Nigrelli  zumeist  Anna  An- 
tonia  Tripodin,  seit  1750  Maria  Gabriela  von  Dillherr  treu  zur 
Seite;  die  letztere  war  noch  1771  Dechantin  des  Stiftes. 

Laut  Hofdekret  vom  17.  April  1742  gestattete  Kaiserin  Maria 
Theresia  den  drei  oberen  Herrenständen  das  dritte  Drittel  Land- 
steuer  um  600.000  fl.,  die  sie  für  militärische  Zwecke  dringend 
brauchte,  mit  der  Befugnis  des  Weiterverkaufes  zu  überlasseu.  Das 
Kloster  Himmelpforte  steuerte  demnach  über  Abzug  der  16ö6jäh- 
rigen  öden  und  1683jährigen  attestierten  und  der  schon  vorhin  er- 


^)  Fortsetzung  der  Chorfrauen  vom  Jahre  1720:  Anna  Angustina  von  Mt- 
holani,  M.  Nepomacena  Anlauff,  Maria  Anna  von  Hackelberg,  iH.  ApoUonia  de 
Pauli,  M.  Sigismunda  Hueber,  Anna  Jakobina  Sarasin,  M.  Xaveria  ron  Hille- 
brand,  Maria  Wilbelmina  von  HlUebrand,  Anna  Esther  von  TrautmansdorfT, 
M.  Benigna  Hueber,  M.  Bemardina  Binerin,  M.  Johanna  Murin,  M.  Frideriks 
von  Sailer,  M.  Elisabeth  Firman,  M.  Amanda  Domatisch,  M.  Agnes  Bonh&mer, 
Eva  Begina  Weger,  M.  Konstanzia  Schmid,  M.  Franziska  Eirbser,  M.  Kreszenzis 
Wositka,  M.  Benedikta  von  Maholani,  M.  Innozentia  von  Reizenstein,  M.  Sophia 
Maerin,  M.  Ferdinanda  Scbmid,  M.  Theresia  von  Hackelberg,  M.  Josefa  Schmid. 
M.  Baptista  Hirneis,  M.  Leopoldine  Gräfin  Kuefstein  (Profefi  1753),  M.  Aloisia 
Ulrichin  (1753),  M.  Seraphina  von  Sorgo  (1753),  M.  Susanna  von  Rohr,  M.  Antonia 
Schmid,  M.  Eleonora  Moratelli,  M.  Kosa  Mayer  (eingetreten  1755),  M.  Alexandra 
von  Schellenberg,  M.  Christina  von  Panizza,  M.  Cftcilia  von  Pelikan,  Anna 
Theresia  von  Strassoldo,  M.  Magdalena  von  Culmer,  M.  Ignatia  von  Hiller, 
M.  Peregrina  Schikinin  und  M.  Augustina  von  Singer  (1768).  —  Laienschwestem 
seit  1720  bis  1768:  Veronika  Schenherr,  Maria  Linzhueber,  Barbara  Hftberl. 
Agatha  Mllrz,  Ottilie  GstOttner,  Gertrud  Schaffenrader,  Marie  Dietmar,  PetroniU« 
Stendelwftger,  Juliana  Haffner,  Thekia  Estner,  Dominika  Stanner  (Profeß  1753). 
Monika  Pettrin,    Notburga  Tinclin    und  Paula  Beringer  (1768  weltliche  Novizin). 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  177 

kauften  ersten  Drittelsteuer  zusammen  760  fl.  6  ß  bei^),  und  zwar 
vom  Kloster  selbst  5  fl.  2  ß  7  *,  wegen  Pötzleinsdorf  von  12  fl.  Iß 
20  ft,  wegen  Währing  von  13  fl.  1  ß  22  *  und  wegen  des  Turnhofs 
zu  Simmering  von  7  fl.  2  ß  20  *,  von  jedem  Drittel  das  Kapital 
"^it  5%  gerechnet. 

Am  12.  März  1745  stellte  Anna  Maria  von  Hornigk,  geborene 
SlabL  dem  Kloster  einen  vom  kaiserlichen  Rat  und  Senior  des 
inneren  Stadtrates  -  Jos.  Hartmann  bezeugten  Schuldschein  über 
300O  fl.  au5,  die  sie  sich  von  dem  Kloster  ausgeliehen  hatte. 

Im  Jahre  1748  lebte  im  Kloster  St.  Laurenz  zu  Wien  eine 
uDzufriedene  Nonne,  Schwester  Franziska  Klemm,  welche  von  dort  zur 
Himmelpforte  transferiert  werden  wollte;  sie  kam  jedoch  nach  Raab 
zu  St.  Ursula  und  von  dort  1750  wieder  zurück  ins  Laurenzkloster. 
*  Anläßlich  einer  Wertangabe  der  Grundstücke  in  Neustift  bei 
Wien  im  Jahre  1749  wurden  drei  Viertel  Weingarten,  der  Himmel- 
pforte gehörig,  auf  375  fl.  geschätzt.  2)  In  demselben  Jahre  genehmigte 
Benedikt  XIV.  am  13.  September  durch  zwei  Ablaßbriefe  einen 
privilegierten  Altar  bei  der  Himmelpforte  zu  allen  Messen  für  ver- 
storbene Klosterfrauen,  ihre  Verwandten  bis  zum  zweiten  Grade 
inklusive  und  alle  Guttäter.  Dieser  Papst  dehnte  das  von  ihm  schon 
am  18.  Dezember  1743  den  Altären  des  heiligen  Ubald  in  den 
Kirchen  der  Lateranenser- Chorherren  und  Chorfrauen  verliehene 
Privilegium  am  13.  November  1754  auch  auf  die  Altäre  bei 
St.  Agnes  in  Wien  aus.  Die  Himmelpforte  beobachtete  zwar  die 
Regel  des  heiligen  Augustin  und  die  Statuten  der  Kongregation  der 
Lateranenser- Chorherren,  war  aber  nicht  unter  deren  Leitung. 

Beim  Verkaufe  der  übriggebliebenen  vizedomischen  Untertanen, 
Stücke  und  Gülten  kaufte  das  Kloster  am  9.  September  1752  sieben 
Holden  zu  Pötzleinsdorf  um  437  fl.  30  kr.^)  Im  Jahre  1753  wurden 
für  das  Kloster  der  Büßerinnen  in  Wien  neue  Hausstatuten  ent- 
worfen. Die  Oberin  sollte  dort  wenigstens  von  mittlerem  Adel 
und  eine  verständige  Frau  sein;  im  Falle  sich  dort  keine  geeignete 
Person  findet,  so  wäre  eine  solche  dem  Ursulinen-  oder  dem  Himmel- 
pfortkloster zu  entnehmen,  die  nach  drei  Jahren  wieder  zurück- 
zukehren das  Recht  hätte. 


^)  Original    Pergament    mit    sechs    Siegeln    im    k.  u.  k.  Haus-,    Hof-   und 
Staatsarchir  zu  Wien.  Quellen  zur  Geschichte  der  Stadt  Wien    II,  2,  Reg.  Nr.  2063. 
«)  Quellen,  1.  c.  I,  3,  Nr.  2597. 
3)  Quellen,  1.  c.  II,  2,  Nr.  2067. 
Jfthrbach  d.  Y.  f.  Landeskunde.  1907.  12 


]178  Alfons  7.hk. 

Im  Jahre  1760  wurde  die  Hillebrandsche  Stiftung  errichtet. 
Schon  am  25.  April  1736  erhielt  die  Chorfrau  M.  Xaveria  (vorher 
Theresia)  von  Hillebrand  als  väterliches  Erbe  9315  6.  6  kr.*)  Ihre 
Schwester  M.  Wilhelmina  (vorher  Josefa)  von  Hillebrand  erhielt 
9819  fl.  23  kr.2j  Am  20.  April  1740  hat  sich  die  Mutter  der  beiden 
Chorfrauen,  Witwe  Maria  Theresia  von  Hillebrand  mit  dem  Kloster 
darüber  verglichen.     Ihr  Sohn  Franz  Xaver  Edler  von  Hillebrand 


? 


k.  k.  Hofkriegsratpsekretär,  wollte  am  14.  .Jänner  1760  eine 
wöchentliche  Segenmesse  bei  St.  Agnes  stiften,  starb  aber  am 
4.  Februar.  Über  Bitten  seiner  Mutter  als  Universalerbin,  ddto. 
Wien,  3.  März  1760,  stellte  der  FUrsterzbischof  Kardinal  Migazzi 
am  10.  MUrz  den  Stiftsbrief  aus,  demnach  die  Witwe  ein  Kapital 
von  1300  fl.  bei  der  Hiramelpforte  auf  eine  wöchentliche  Segen- 
messe (am  Mittwoch)  zu  Ehren  des  heiligen  Johann  Nepomuk  für  ver- 
storbene Hillebrandsche  Freundschaft  und  separat  700  fl.  auf  ein 
gesungenes  Amt  mit  Beleuchtung  am  4.  Februar  (Sterbetag  ihres 
Sohnes)  für  den  verstorbenen  Sohn  und  die  ganze  Freundschaft 
und  auf  >1  Vierding«  Wachs  für  jede  Klosterfrau  erlegte.^)  Am 
30.  Mai  1763  bat  die  Oberstin  des  fürstlichen  Stiftes  zur  Himmel- 
pforte das  fUrsterzbischüfliche  Konsistorium  um  Genehmigung  einer 
Stiftung  des  Grafen  Seeau  mit  8000  fl.  Als  Beichtväter  bei  St.  Agnes 
fungierten  bekanntlich  die  Franziskaner  und  öfter  bat  die  Oberin 
den  P'ürsterzbischof  um  Jurisdiktion  für  sie,  so  z.  B.  am  30.  August 
1762  für  P.  Nikolaus  Schwambacher,  der  auf  ihr  Verlangen  vom 
P.  Provinzial  beim  letzten  Ordenskapitel  dazu  bestimmt  worden, 
am  14.  September  1764  für  P.  Eduard  Sing,  am  30.  August  1765 
für  P.  Bernardin  Azula,  Lektor  und  Provinzdefinitor  (auf  drei  Jahre 
erteilt)  und  am  16.  September  1768  für  P.Alexander  Fleischmano, 
Definitor.  Diesmal  wurde  zwar  noch  die  Jurisdiktion  erteilt,  jedoch 
mit  dem  Vermerk,  dsiß  die  Oberstin  künftig  keinen  Beichtvater 
mehr  vorzuschlagen,  sondern  um  Bestätigung  des  vorigen  oder  um 
Ernennung  eines  neuen  zu  bitten  habe. 


')  Davon  Auslagen  bei  der  Einkleidung^  und  für  die  Einrichtung  1372  fl 
2  kr.,  zur  Profeß  778  fl.  '20  kr.  Ihr  Vater  war  Andreas  Elias  von  HiUebraad, 
gewesener  innerer  Rat  zu  Wien.  Die  Mutter  Maria  Theresia,  1740  Witwe,  besaC 
ein  Haus  in  der  Wollzeile. 

')  Davon  Auslagen  1578  fl.  2ö  kr. 

^)  Origioal  Pergament  mit  einem  Siegel  im  Wiener  Stadtarchiv  und  ein 
anderes  im  ffirsterzbischöflichen  Konsistorialarchive. 


Das  Fraaenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  179 

Nach  dem  Tode  der  Oberin  Gräfin  Nigrelli,  die  am  6.  Oktober 
1768,  78  Jahre  alt,  gestorben  ist,  wurde  die  Dechantin  M.Gabriela 
Dillberr  von  Altbcnn  zur  Administratorin  bestellt.  Tags  darauf 
wurden  die  Domherren  Karl  Anton  Serdagna  und  Adam  Dwerditsch 
vom  Konsistorium  angewiesen,  die  Sperre  bei  St.  Agnes  vorzunehmen. 
Da  jedoch  der  Weihbischof  Marxer  rechtzeitig  von  der  Reise 
zurückkam,  nahm  er  selbst  am  9.  Oktober  mit  dem  Kanzler  Job. 
Bapt.  von  Zeller  die  Sperre  bei  der  Himmelpforte  vor.  Am  21.  No- 
vember bat  die  Dechantin  den  Kardinal  Migazzi  um  die  Neuwahl 
und  legte  am  22.  November  das  Inventar  vor.^)  Am  29.  November 
fand  das  Skrutinium  des  Konventes  (44  Chor-,  15  Laienschwestern 
und  eine  weltliche  Novizin)  statt,  wobei  die  Administratorin  21  und 
jede  Schwester  11  Fragen  beantwortete.  Am  29.  November  1768 
wurde  die  Wahl  unter  dem  Vorsitze  des  Kardinals  mit  dem  Weih- 
bischofe  abgehalten,  wobei  die  Kellerraeisterin 

Anna  Augustina  Freiin  von  Maholani, 

69  Jahre  alt,  51  Jahre  im  Kloster,  einhellig  zur  Oberstin  gewählt 
und  am  6.  Deeember  unter  genau  festgesetztem  Zeremoniell  vom 
Kardinal  Migazzi  installiert  wurde.  Sie  starb  aber  schon  am  21.  Mnrz 
1771,  worauf  die  Dechantin  und  Administratorin  M.  Gabriela  von 
Dillherr  am  10.  Mai  den  Kardinal  um  die  Neuwahl  bat.  Das  Skru- 
tinium fand  am  16.  Mai  statt,  und  es  waren  wieder  44  wahlberech- 
tigte Chorfrauen  bei  St.  Agnes.  Bei  der  Wahl  am  17.  Mai  1771 
wurde  die  erste  Krankenmeisterin 

Maria  Theresia  Freiin  von  Hackelberg  und  Landau, 

€3  Jahre  alt,  40  Jahre  im  Kloster,  gewählt  und  am  28.  Mai  in- 
stalliert. Es  war  die  letzte  Oberstin  bei  der  Himmelpforte.  Mit  dem 
Jahre  1774  begann  eine  gewaltige  Umwälzung  auf  dem  Gebiete 
des  Volksunterrichtes.  Die  Chorfrauenstifte  St.  Laurenz  und  zur 
Himmelpforte  in  Wien  wurden  beauftragt.  Normalschulen  für 
Mädchen  zu  errichten  (1775).  Die  Kosten  der  Umgestaltung  der 
ehemaligen  Klosterschulen  in  Normalschulen  hatten  diese  fast  allein 


^\  In  der  Kirche  gab  es  unter  anderem  zwei  Monstranzen,  zwei  Ziborien, 
sieben  Kelche,  zwei  Thuribula,  zwei  Kandeln,  zwölf  silberne  Leuchter  etc.  Das 
Inrentar  ist  von  der  Dechantin  and  von  der  Seniorin  M.  Valentina  von  Aus- 
wegen gefertigt. 

12* 


180  ^IfoDs  ZAk. 

zu  trageD,  der  vom  Staate  geleistete  Beitrag  betrug  nur  50  fi.  jähr- 
lich. Am  22.  Februar  1776  traf  das  fürsterzbischöfliche  Konsistorium 
Anordnungen  bezüglich  Erteilung  des  katholischen  Religionsunter- 
richtes, wobei  das  Himmelpfortkloster  einen  Franziskaner  als  Kate- 
cheten in  Vorschlag  bringen  mußte. 

Der  letzte  Akt  des  Klosters  als  Herrschaft  in  der  Gemeinde 
Himmelpfortgrund  (jetzt  Wien  IX.)  betraf  am  29.  März  1775  eine 
Administrationsrechnung  über  die  Verlassenscbaft  des  stiftlichen 
Grundholden  Adam  Schmatzl,  Hausbesitzer  »zur  blauen  Weintraube« 
am  Sporkenbüchel,  der  die  Pfarre  Liechtental  zur  Universalerbin 
einsetzte.*)  Am  2.  Oktober  1776  bat  Petrus  Ancona,  Priester  der 
Diözese  Görz,  um  die  Schmidsche  Stiftung  bei  St.  Agnes.  Keue 
Messenstiftungen  bei  St.  Agnes  errichteten  Theresia  Jaizin,  Uni- 
versalerbin  des  Anton  Schneider,  Kirchendieners  im  Kloster,  laut 
dessen  Testament  vom  7.  Jänner  1782,  mit  250  fl.  auf  acht  Messen 
(1782,  4.  März),  und  Maria  Anna,  Witwe  von  Rezern  mit  50  fl. 
auf  zwei  Messen  (1783,  31.  Juli);  alle  diese  Messen  sollten  durch 
die  PP.  Franziskaner  bei  St.  Agnes  persol viert  werden. 

Am  21.  April  1777  empfahl  das  fürsterzbischöfliche  Kon- 
stistorium  der  niederösterreichischen  Regierung  die  Bitte  des 
Klosters  Himmelpforte  um  Nachlaß  des  Fortifikationsbeitrages  von 
547  fl.  12  kr.  2  Pf.  wegen  erlittenen  Feuerschadens,  weil  durch 
die  Feuersbrunst  die  Einkünfte  des  Klosters  um  2000  fl.  jährlich 
geschmälert  wurden.  Am  1.  Dezember  1778  vermietete  das  Kloster 
sein  in  der  kleinen  Himmelpfortgasse  stehendes:,  an  das  Kloster  an- 
gebautes sogenanntes  Thonamonisches  zweistöckiges  Kostfräuleinhaus 
mit  Zugehör  dem  k.  k.  niederösterreichischen  Regierungsrat  Wenzel 
Reichsgrafen  von  Paar  um  jährlichen  Zins  per  1500  fl.  Dort  be- 
fand sich  eine  Kapelle  mit  Meßlizenz,  welche  laut  Weihebrief  am 
5.  September  1734  vom  Graner  Weihbischofe  Grafen  Emmerich 
Esterhdzy  zu  Ehren  des  heiligen  Franz  Xaver  mit  Erlaubnis  des 
Wiener  FUrsterzbischofes  geweiht  und  mit  einem  Ablasse  versehen 
wurde. 


^)  Noch  am  3.  Dezember  1780  führte  die  Gemeinde  Himmelpfortgrund 
eine  Beschwerde  gegen  den  Pfarrer  von  Liechtental.  Im  Jahre  177Ö  war  Philipp 
Hirsch  Pfarrer  in  Liechtental.  Er  berichtete  dem  Kloster  über  einen  frommen, 
angefährlichen  Mann,  namens  Johann  Herrwarter,  Baumwollspinner,  der  auf  dem 
Himmelpfortgrunde  einigen  Leuten  ein  Kreuz  zum  Kusse  gereicht  hat  (17  «5. 
1.  Mai). 


Das  Frauenkloster  Himmelpforte  in  Wien.  Igl 

Die  letzte  Oberstin  erbat  sich  von  Rom  viele  Ablaßbreven  für 
ihre  Klosterkirche,  so  von  Plus  VI.  am  28.  April  1777  für  den 
iSonntag  nach  St.  Anna  und  für  die  Quatemberwochen,  am  2U.  Mai 
1778  für  jeden  ersten  Monatsfreitag  (Herz  Jesu-Andacht),  am 
25.  Februar  1779  für  das  Fest  Maria  Himmelfahrt,  der  heiligen 
Agnes  und  für  zwölfmaligen  Besuch  des  Hochaltars  und  der  sechs 
Seitenaltäre  (Kapellen)  bei  der  Himmelpforte,  am  18.  Februar  1780 
für  das  Hausmutterfest  (8.  August)  und  dessen  Oktav.  Und  als 
Pias  VI.  1782  in  Wien  weilte,  teilte  der  Fürsterzbischof  Graf 
Migazzi  den  Klosterfrauen  bei  St.  Agnes  mit,  daß  der  Papst  wegen 
der  Kürze  seines  Aufenthaltes  in  Wien  ihnen  seinen  Segen  nicht 
geben  konnte,  ihn  aber  mündlich  beauftragte,  ihnen  zu  sagen,  daß 
er  allen  Profeßschwestern  und  Novizinnen  an  allen  Marienfesten 
für  die  Beichte,  Kommunion  und  die  üblichen  Gebete  einen  voll- 
kommenen Ablaß  verleihe  (Wien,  30.  April  1782).*) 

Seit  dem  Jahre  1768  traten  folgende  Chorfrauen  bei  der 
Himmelpforte  ein :  Maria  Gabriela  Sonnenmayer,  M.  Michaela  Damin 
(lirofeß  1777),  M.  Aloisia  Erdin  (1778),  M.  Aquinata  Keindlin  (1778), 
M.  Katharina  Mariana  Gergerin  (1779),  M.  Salesia  Franziska  Her- 
mannin (1779),  M.  Ernestina  Solarzin  (1779),  M.  Emanuela  Kordula 
von  Winkler  (1781),  M.  Nepomucena  Anna  Suttner  (1781),  M.  Va- 
lentina  Agatha  Simetin  (1781),  M.  Ferdinanda  Elisabeth  Hueber 
(1781).  Außerdem  als  Laienschwestern:  M.  Floriana  Stephan  fPro- 
feß  1777),  M.  Angela  Dorin  (1777),  M.  Agatha  Therese  Hackin 
(1779),  M.  Veronika  Heidinger  (1782),  M.  Disma  Juliana  Ran- 
ninger  (1782). 

Aus  dem  am  12.  Jänner  1782  aufgehobenen  Kloster  der  un- 
beschuhten  Karnielitinerinnen  »bei  den  sieben  Büchern«  am  Salz- 
griea  erklärten  18  Nonnen  im  März  in«  andere  Klöster  übertreten 
zu  wollen.  Die  letzte  Priorin,  Augastina  Theresia  von  Sorgo,  aus 
Hailand  gebürtig,  77  Jahre  alt,  wählte  mit  zwei  anderen  Nonnen 
das  Kloster  zur  Himmelpforte.  Nach  Vorschrift  des  Trientiner  Konzils 
maßten  Nonnen,  die  aus  aufgehobenen  Klöstern  in  andere  eintraten. 


^)  Am  16.  JuU  1782  suchte  die  Obentin  von  liackelberg  bei  der  nieder- 
Siterreichischen  Kegierang  um  das  vorgescbriebene  placetum  regium  für  den 
Ablaßbrief  der  Franz  Xaver-Kapelle  (vom  Jahre  1734)  und  für  17  verschiedene 
päpstliche  Ablaßbreven  bei  der  Himmelpforte  (vom  Jahre  1304,  1470,  1474,  1500, 
1743,  1749  (zwei  Stück),  1754,  1777  (zwei  Stück),  1778,  1779  (vier  Stück),  1780 
and  1782  an. 


182  Alfons  ikk. 

ein  neues  Noviziatjahr ')  machen.  Anna  Augustina  von  Sorgo  legte 
im  Mai  1783  bei  der  Himmelpforte  die  Profeß  ab,  während  die 
anderen  zwei  Exkarmeliterinneu,  die  Chorschwestern  Kajetana  Do- 
minika  Nette  und  die  Laienschwester  Anna  Wedlin  am  14.  Fe- 
bruar  1783  säkularisiert   wurden    und   in   die  Welt  zurückkehrten. 

Desgleichen  traten  die  Exklarissinnen  Schwester  Hortulana 
Andresin  aus  dem  aufgehobenen  Kloster  St.  Nikolai  am  26.  Mai^ 
Schwester  Ludovika  Gräfin  von  Seilern  und  Schwester  Alkantara 
Oroßeßkin,  beide  aus  dem  aufgehobenen  EOniginkloster  in  Wien, 
bei  der  Himmelpforte  ein  und  legten  dort  am  24.  Juni  1783  die 
Profeß  ab;  sie  beschließen  die  lange  Reihe  der  Chorfrauen  des  alt- 
ehrwürdigen Stiftes,  dessen  letzte  Stunde  bald  geschlagen  hat.^) 

Am  23.  September  1783  teilte  die  niederösterreichische  Re- 
gierung dem  fürsterzbischöflichen  Konsistorium  mit.  daß  laut  aller- 
höchster Entschließung  vom  18.  September  1783  alle  drei  Wiener 
Augustiner-Chorfrauenstifte  St.  Agnes  zur  Himmelpforte,  St.  Jakob 
und  St.  Laurenz  aufgehoben  seien.  Innerhalb  drei  Tagen  werden 
die  Kommissäre  kommen,  und  jede  Klosterfrau  soll  ihnen  in  einem 
versiegelten  Zettel  ihre  Erklärung  abgeben,  ob  sie  auszutreten  oder 
im  Kloster  zu  bleiben  gedenke.  Aus  der  Zahl  wird  sich  bestimmen 
lassen,  ob  zur  Unterbringung  der  letzteren  eines  oder  zwei  Klöster 
erforderlich  sein  werden,  und  in  diesem  Falle  kommen  die  Nonnen 
in  ein  aufgehobenes  Mannskloster  nach  Wiener-Neustadt  zam 
Unterrichte  der  weiblichen  Jugend.  Das  zweite  Kloster  verbleibt 
in  Wien.  Sollte  aber  ihre  Zahl  für  zwei  Klöster  nicht  genügen, 
dann  verbleiben  sie  in  Wien,  und  das  Kloster  zur  Himmelpforte 
wäre  als  das  angemessenste,  weil  in  der  Mitte  der  Stadt  gelegen, 
zu  belassen. 

Somit  hätte  die  Himmelpforte  fast  noch  weiter  bestehen 
können;  aber  es  hat  sich  aus  allen  drei  Klöstern  keine  genügende 
Anzahl  Schwestern  hiefür  gefunden.  Das  fürsterzbischöfliche  Kon- 
sistorium wurde  um  die  nötigen  Dispensen  für  die  Exnonnen  er- 
sucht. Zum  landesfUrstlichen  Kommissär  wurde  Herr  Christian  von 
Wallenfeld  bei  der  Aufhebung  aller  drei  Klöster  bestimmt  und  mit 
den  nötigen  Vollmachten  ausgestattet. 

Am  24.  September  1783  teilte  das  fürsterzbischöfliche  Kon- 
sistorium der  Oberin  bei  der  Himmelpforte  die  Aufhebung  mit  und 

^)  Sonst  waren  bei  der  Himmelpforte  Kwei  Jabre  Noviziat  eingeführt. 
-)  Dr.  C.  Wolfsgruber,  Kardinal  Migazzi  (i^aulgau  1891).  S.  546. 


Das  Frauenklotter  Hiromelpforte  in  Wien.  ]gj 

gebot  den  Schwestern,  sich  wegen  der  Klausur  sowohl  als  wegen 
sonstiger  Befehle  in  allem  dem  landesfUrstlichen  Kommissär  zu 
fügen.  Im  ganzen  wurden  61  Nonnen  säkularisiert.  15  gleiche,  kurze 
Gesuche  auf  je  einem  Bogen  sind  noch  vorhanden;  sie  lauten: 

Hochwärdig  ErzbischÖfTl.  Wienner  Constrm. 

Unterzeichnete  bittet  um  die  gnädige  DiBpensation,  um  in  die  Welt 
treten  zu  können,  weilen  das  Kloster  zur  Himmelpforte  alhier  aufgehoben 
worden. 

Wien,  den  9.  Oktober  1783. 

N.  N. 

Khorfrau  (LajschweBter)  bey  der 
Himmelspforten  m.  p. 

Es  waren  die  Chorfrauen  M.  Christina  von  Panizza,  M.  Ema- 
naela  von  Winkler,  Anna  Theresia  von  Strassoldo,  M.  Seraphina 
von  Sorgo,  M.  Gabriela  Sonnenmayer,  Anna  Antonia  von  Schmid, 
M.  Raymunda  Sandtner,  M.  Sophia  Maerin,  M.  Anna  von  Hackel- 
berg, M.  Katharina  Gergerin,  M.  Agnes  Bonhamerin  und  Bernar- 
dina Binerin,  dann  die  Laienschwestern  M.  Dominika  Stanner, 
M.  Agatha  Hackin  und  M.  Veronika  Heidinger. 

Der  Fürsterzbischof  meldete  den  Klosterfrauen  am  20.  Ok- 
tober 1783,  daß  sie  von  ihrer  Profeß  nicht  befreit  werden,  daß  sie 
aber  auf  ihr  Ansuchen  austreten  können,  da  ihnen  der  Eintritt  in 
ein  anderes  Kloster  verwehrt  sei.  Doch  müssen  sie  ein  anständiges 
Kleid,  darunter  ein  Zeichen  ihres  Ordens  tragen,  in  ehrsamen 
Häusern,  möglichst  mehrere  beisammen  wohnen  und  statt  des  Bre- 
viers täglich  den  Rosenkranz  mit  der  lauretanischen  Litanei  und 
sieben  Vaterunser  zur  Anbetung  des  Allerheiligsten  und  zur  Ver- 
ehrung der  heih'gen  fünf  Wunden  beten,  überhaupt  ein  frommes 
Leben  führen. 

M.  Leopoldine  Grfifin  Kuefstein  begab  sich  zu  ihrer  Schwester 
Frau  von  Legner  nach  Eisenstadt,  M.  Esther  von  Trautmansdorf 
nach  Graz,  M.  Aquinata  Keindlin  nach  Linz,  M.  Alexandra  von 
»"^cbellenberg  zu  ihrer  Mutter  nach  Wiener-Neustadf,  M.  Antonia 
von  Schmid  und  Gabriela  Sonnenmayer  nach  Matzleinsdorf.  M.  Anna 
von  Hackelberg  und  M.  Sophia  Maerin  nach  Klosterneuburg.  In 
Wien  verblieben  die  Chorfrauen:  M.  Seraphina  von  Sorgo  bei  ihrem 
Schwager  von  Pachner  in  der  Jakobergasse,  M.  Christina  von  Pa- 
nizia  bei  ihrem  Bruder  auf  der  Landstraße  Nr.  115,  M.  Ignatia 
Hiller  mit  der  Laienschwester  M.  Maria  Dietmar  in  der  Alserstraße 


184  Alfons  ikk. 

Nr.  28,  M.  Agnes  Bonhamerin,  M.  Bernardina  Binerin  und  die 
Laienschwester  M.  Agatha  Hackin  aaf  der  Landstraße  Nr.  128 
>beim  roten  Herzen«,  die  Laienschwester  M.Gertrud  Schaffenreder 
wohnte  in  der  Roßau  im  Melker  Haus,  die  Laienschwester  Dominika 
Stanner  übersiedelte  nach  Enzersdorf  bei  Brunn  am  Gebirge.  Das 
Schicksal  der  übrigen  ist  nicht  bekannt. 

Die  letzte  Oberstin  des  aufgehobenen  Stiftes  M.  Theresia 
Freiin  von  Hackelberg  verlangte  800  fl.  Pension,  da  sie  vor  den 
kaiserlichen  Kommissären  mit  Ring  und  Stab  installiert  wurde 
(Wien,  1.  Dezember  1783).  Das  Vermögen  des  Stiftes  wurde  auf 
rund  400.000  fl.  geschätzt.^)  Die  Kirche  wurde  exekriert  und  mit 
dem  Kloster  und  Zuhaus  an  Private  verkauft.  Bald  wurde  der 
ganze  Gebäudekomplex  demoliert,  mußte  spurlos  modernen  Bauten 
weichen,  und  nur  die  Gasse  hat  bis  heute  den  Namen  des  alten 
Klosters  beibehalten.^) 

Über  Bitten  des  Kirchenmeisters  bei  St.  Stephan,  Andreas 
Furtmoser  (27.  Dezember  1783)  kam  der  Leib  des  heiligen  Valentin 
ohne  Fassung  von  der  Himmelpforte  in  die  Metropolitankirche. 
wo  schon  eine  Kapelle  und  ein  Altar  des  Heiligen  bestand  (7.  Jänner 
1784),  und  auch  das  alte  Bild  der  »Hausmutter«  (22.  März  17841 
welches  zuerst  in  der  £ligius-(Herzogen-)Kapelle  Ttächst  dem  Riesen- 
tore autbewahrt,  im  Jahre  1892  renoviert  wurde  und  noch  immer 
in  großer  Verehrung  steht.  In  früherer  Zeit  mit  kostbarem  Stofife 
bekleidet,  erscheint  jetzt  die  Uolzstatae  von  einem  schönen  Kerzen- 
kranze umgeben. 


Zum  Schiasse  sollen  hier  noch  die  Ordensper^onen  der  Himmelpforte,  die 
Benefizien  und  Altäre,  auch  deren  Inhaber,  welche  in  der  ersten  Perlode  (1267 
bis  1586)  vorkommen,  in  chronologischer  Ordnung  aufgezählt  werden. 


^)  S.  Brunner,  Die  Mjrsterien  der  Aufklärung  in  Österreich.  Mainz  1869, 
S.  371. 

^)  Das  Klostergebäude  stand  auf  dem  Räume  der  späteren  Häuser  Nr.  921. 
927,  930,  931,  948,  949,  950  und  951  alt  in  der  Rauhenstein-,  Himmelpfort-  und 
Ballgasse,  nächst  dem  ehemaligen  städtischen  Amt-  oder  Gefangenhaus  (Diebs- 
haus), wo  die  Verbrecher  zum  Tode  geführt  wurden.  Auch  besafl  das  Kloster  ein 
Grandbuch  über  ein  Haus  in  der  Stadt,  über  mehrere  Häuser  auf  der  Landstraße 
(Ungargasse),  unter  den  Weißgerbern  und  den  Himmelpfortgrund.  —  In  der 
Klosterkirche  war  außer  einigen  Grabsteinen  der  Familien  Zelking,  Strein  von 
Schwarzenau  und  Hillebrand  nichts  geschichtlich,  genealogisch  oder  heraldisch 
Merkwürdiges  anzuführen.  (Hormajr.) 


Das  Fraaenkloster  Himmclpforte  in  Wien.  X85 

I.  Als  Oberia  des  Kloster«,  mit  dem  Titel  Meisterin,  erscheint:  Adelheid 
11270,  gegen  die  Schwester  Wendla),  Gertrud  (1272),  Engel  (1327  und  1328), 
Acrnes  Snaeczel  (1330—1303),  Katharina  Maer  (1355—1360),  Margarete  Vierdung 
(1369—1370),  Kunignnd  von  Grinzing  (1870—1371).  Von  da  an  mit  dem  Titel 
Priorin:  Margarete  Vierdung  (1371 — 1376),  Kunignnd  von  Grinzing  (138 >), 
Katharina  von  Passau  (1383),  Agnes  Maer  (13S4 — 138Ö),  Perchta,  die  Ameiserin 
•  1393—1403),  Agnes  Maer  (I407j,  Katharina  Häwninger  (1409—1434),  Elisabeth 
lU47;,  Magdalena  (1447—1463),  Margarete  Zeller  (1465—1482),  Margarete  Strein 
•1493— 15')d),  Magdalena  (1516?),  Banedikta  Asenpaum  (1544),  Helena  Schwartz 
llööO).  Lncia  von  Schintha  (1569—1571),  Martha  Zoltan  (1575),  Katharina  von 
u^chamatin  (1576—1577),  Katharina  Palasthy  von  VisArhely  (1583—1586). 

II.  Der  Oberin  zur  Seite  stand  mit  dem  Titel  Prior  in:  Elzbet  (1327  bis 
1328),  Margarete  (1330),  Elisabeth  (1342).  Agnes  (1319),  Margarete  (1351—1365), 
Kathrei  von  Passau  (1369),  Konigund  von  Grinzing  (1370),  Margarete  Andrein 
f.  1370- 1371). 

III.  Snperiorinnen:  Gertrud  (1327),  Margarete  (1349),  Christine  von 
^r.  Palten  (1351),  Elisabeth  Hungersbergerin  (1383),  Margarete  Vierdung  <1395), 
Katharina  H&wninger  (1407),  Anna  Ersam  (1416—1417),  Barbara  Walthauser 
(U35),  Katharina  Palasthy  (1583). 

IV.  Einfache  Klosterfrauen:  Margarete  (1326),  Margarete  Snaeczel  mit 
Elisabeth  Snaeczel  und  Klara  Maeserlin  (1338),  Elisabeth  und  Christina  Pilgram 
I13T0),  Barbara  Walthauser  (1409),  Anna  Vorkusch  (1421),  Dorothea  Kren  (1484), 
Johanna  Marchart  <1470),  Anna  Prechsner  (1472),  Agnes  Zeller  (1478),  Martha 
i^oltan  mit  Ursula  von  Schamatin,  Elisabeth  von  Kanisza,  Katharina  Palasthj  von 
Va^&rhely  and  Elisabeth  von  Brück  an  der  Leitha  (1577).  ^  Unbekannten  Datums : 
Chorfrau  Dorothea  und  Priorin  Margarete  Ma'iwerbergerin  {Necrolog.  Oeraa.)  und 
Priorin  Mvgarete  GrieOgöttin  (XVI.  Jahrhundert). 

S&mtliche  Klosterfrauen  gehörten  dem  Prämonstratenserorden  on. 

V.  Von  den  Prämonitratenser-Chorherren  aus  Geras,  die  hier  als  Beicht- 
väter angestellt  waren  und  die  Seelsorge  leiteten,  kommen  vor:  Propst  Konrad 
>1270),  ein  angenannter  Prior  (zum  Jahre  1236),  Fr.  Arnold,  Prior  (1323  mit 
Fr.  Niklas,  Amtmann  und  Pfleger  des  Klosters),  Niklas  (1347),  Bernardin  (1514), 
dann  laat  dem  Geraser  Nekrolog  die  Prioren  Winrich  und  Christian.  Auch  Konrad 
foo  Blamao,  Pfarrer  zu  Japons  und  dann  Kaplan  bei  St.  Agnes  (1368),  scheint 
ein  Chorherr  von  Geras  gewesen  zu  sein.  Dagegen  waren  Ortolf  (1338),  Reicher 
's'346j  und  Jans  (1369),  Kapläne  bei  St.  Agnes,    wahrscheinlich  nur  Benefiziaten. 

VI.  Altäre  und  Kapellen  waren  folgende:  1.  St.  Agnes-Altar  (der  »ver- 
liere«, i.  e.  Hochaltar,  seit  1330).  2.  St.  Paulas-Altar  (seit  13H7).  3.  Dreikönig- 
Altar  {trhim  Heffitm)  (1348).  4.  Frauen-Altar,  später  Unserer  Lieben  Frau-,  auch 
Inzingers  Kapelle,  hinten  gelegen  (seit  1349).  5.  Katharina- Kapelle  ^  mit  dem 
gleichnamigen  Altar  (1359).  6.  Elisabdth- Altar  (1371).  7.  Kreuzaltar  (1385). 
8.  St.  Erhard-  und  Wolfgang-Altar  der  BHckerzeche  (1452).  9.  Nikolai-Altar 
11474).    10.  St.  Andreas-Altar  (1482)      11.  Anna-Altar  (1513). 


^)  Seit  1433  fdhrt   sie   öfcer    auch    den  Titel:    St   Johann-  und  Ka:harina- 
l^apelle,  an  das  Kloster  anstoßend. 


186  Alfoos  ^.kk. 

VII.  Benefizien: 

1.  Am  St.  Agnes-Altar,  gestiftet  von  Friedrich  Gnämhärtel  (Fruhmei^ 
Stiftung,  1337).  Erster  Kaplan  war  Reicher,  Pfarrer  za  Ebersdorf  (1337). 

2.  St.  Fan  las- Altar,  gestiftet  1346  Tom  Kaplan  Reicher.  Kaplane:  Peter 
(1346—1347),  Jans  (1350),  Pilgrim  (1363),  Hans  von  Theras  (1384).  Ulrich, 
Pfarrer  von  Burgschleinitz  (1892  <,  Mag.  Hans  Seider  (1432),  Simon  von  Meißau 
(1473),  Andreas  von  HUttendorf,  Pfarrer  zn  Enzeredorf  (1491),  Gabriel  FQrsich 
und  Mag.  Christoph  Piscator  (1525),  Gregor  Khlett  (1527),  Damdechant  Kaspar 
(1577). 

3.  DreikOnig-Stift  (Stifterin  Peters  Macr  von  Niederleis,  1348).  KapIäne: 
Veit  von  Kiedeileis  (1849),  Niklas  von  Feldsberg  (1351  —  1362),  Georg  Parssen- 
prunner,  Pfarrer  zu  Fraundoif  (1875—1378),  Konrnd  Maer  (1416),  Konrad  Katz- 
pecher  (1432—1443),  Simon  Pukwicz  (1446),  Mag.  Lienhart  von  Perching  (1455), 
Seebold  Hertzog  (1474).  Mag.  Michael  ^Ruepp  von  Vitis  (1491).  —  Ebenda  haftete 
auch  die  Seh  well  er  sehe  Stiftung,  errichtet  vor  1469  fUr  einen  Priester,  der  ao 
der  Universität  Wien  die  Theologie  studierte,  oder  einen  anderen  gelehrten 
Priester,  der  Mitglied  des  erzherzoglichen  Kollegiums  war.  (Patrone  waren  der 
Domdechant,  der  Prior  des  erzherzoglichen  Kollegiums  und  die  Priorin  zur  Himmel- 
pforte.) Kapläne:  Stephan  Popp  (1469—1477),  Matthias  Schweller  (1488-1491). 
Gabriel  Rabl  (1496?),  Martin  Hosnestl,  Pfarrer  in  Stronsdorf  (1496),  Kosinas 
(1545),  Georg  Hueter  (1545—1550),  Nikolaus  Hertzeberger  (1550),  Johann  Densin 
und  Mag.  Peter  Muchitsch  (1575),  Dr.  Matthias  Werthwein  (1568),  Gerhart  Gemer 
(1582),  Georg  Kirchmayr  (1584). 

4.  Katharinen-Stift  (auch  Stettner-Stiftung,  errichtet  von  Ulrich,  Pfarrer 
von  Stetten,  1359).  KaplMne:  Ulrich  von  Stetten  (1359),  Ulrich  von  Aspam  (1365 , 
Martin  von  Stetten  (1376),  Philipp  und  Andreas  von  Zwettl  (1383),  Erhard  Greiäf 
(1408—1433),  Stephan  Henigler  (1433—1438),  Andreas  Roser,  Pfarrer  zu  Gmunden 
(1446),  Mag.  Hans  von  Arcum  (1466),  Paul  Obermais  (1458),  Ulrich  Entzberger 
von  Ror  (1470),  Lucius  Perotta  (1577—1580),  Georg  Khlay  (1580—1584),  Augusiin 
Rauch  (1584),  Jobann  Regulus  (1584),  Niklas  Schultheis  (1585). 

4.  Heiligenkreuz-Stift.  Als  Kapläne  des  Kreuz-Altars  kommen  vor: 
Thomas  Sulzer  (1413—1435),  Hans,  Pfarrer  von  Gars  (1447),  Nikolaus  de  Cbrin 
zenach  (1470).  Aber  auch  die  beim  DreikCnigs- Altare  angeführte  SchwellerscBe 
Stiftung  kommt  hie  und  da  unter  dem  Titel  des  Kreuz-Altares  oder  der  Frauen- 
Kapelle  vor. 

VIII.  Stiftungen  und  Jahrtage.  1.  Friedrich  Gnämhärtel,  FrfihmeC- 
stiftung  am  Agnes-  und  2.  zweite  Stiftung  am  Paulus* Altare,  1337.  3.  Herzog 
Otto,  1342.  4.  Kaplan  Reicher  (zum  Paulus-Altar),  1346.  5.  Peters  Maer  von 
Niederleis.  134S.  6.  Christino  Morlinger  (zum  Frauen- Altar),  1349.  7.  Kanonikus 
Dietrich  (ebenda),  1349.  8.  Katharina  Regensburger,  1351.  9.  Pnrcharb  Chnewzzer, 
1359.  10.  Ulrich  von  Asparn,  1365.  11.  Konrad  Goarzz,  1372.  12.  Kunigonde 
Roichenateiner,  1383.  13.  Rampersdorfer,  vor  1385.  14.  Konrad  von  Zwettl, 
1393.  15.  Hans  Wachsgießer,  1898.  16.  Heinrich  Lenberck,  1415.  17.  Anoa 
von  Waldersberg,  1416.  18.  Kristan  Reutter  von  Rotenberg,  1419.  19.  Peter 
Aldermann,  1422.  20.  Meister  Hertlein  Ziegiprenner,  1422.  21.  Hans  Mo«- 
prunner,  1425.    22.  E.  Kindberg  und  die  Bäckerzeche,  1459.    23.  Ulrich  Schochtel, 


Alfons  2ak,  Das  Frauenkloeter  Himmelpforte  in  Wien.  137 

1463.  24.  Anna  Rodanner  (zur  Fraoen-Kapelle),  1467.  25.  Gregor  und  Margarete 
Schweller  von  Korneu bnrg,  Tor  1469.  26.  Heinrich  und  Anna  Halden,  1470. 
37.  Agnes  Khuefnesser  (Frtthmeß8tiftung\  1482.  28.  Elisabeth  Gtildein,  1482. 
29.  Siegmand  Gwaltzhofer,  Tor  1481.  80.  Mert  Deymel  (Bäcker-AlUr),  1493. 
Sl.  und  32.  Matthias  Schweller,  1496  und  1504.  33.  Hans  Harrer,  1498. 
34.  Paul  Temer,  1499.  35.  Wolfgang  Platzer  von  Niederleis,  vor  1499? 
36.  Familie  Tanicher,  1505.    37.  Cyriak  Zäpd  (Anna-Altar),  1513. 

IX.  Ali  Kapläne  und  Messeleser  dieser  Stiftungen  erscheinen:  Beim 
Frauen-Alter  (Dietrichs  Stiftung):  Wolfgang  von  Feldsberg  (1349),  Niklas  von 
Aiparn  (1367),  Konrad  von  Zistestorf  (1379),  später  dann  Erasmus  Guetenberger 
und  Valentin  Sixtl,  Pfarrer  bei  St.  Michael  (1536);  bei  Reutters  Stiftung  (vom 
Jahre  1419):  Wolfgang  Egker  (1457),  Mag.  Paul  Schweigker  von  Bamberg  (1463), 
Hans  Payr  (1477),  Wolfgang  G5ppinger  (1491);  bei  der  Rodauner  Messe:  Hang 
von  Perchtoldsdorf  (1467);  bei  der  Haiden-Messe  vom  Jahre  1470:  Gabriel  Rabel 
(1479);  bei  der  Kuefuesser- Messe  am  Andreas-Altar:  Michael  Sikh  (1482);  bei  der 
Backer-Messe  vom  Jahre  1459:  Martin  Dejmel,  Pfarrer  von  Stammersdorf  (vor 
1493). 


NACHTRAGE 

ZUM 

AGGSBACHER  URKUNDENBÜCH, 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

Dk.  JOSEF  LAMPEL. 


JLtwa  vor  Jahresfrist  hat  die  kaiserliche  Akademie  der  Wissen- 
schaften zu  Wien  alter  Gepflogenheit  gemäß  wieder  einen  Band 
niederösterreichischer  Klosterurkunden  erscheinen  lassen,  und  zwar 
diesmal  »Urkunden  und  Regesten  zur  Geschichte  der  aufgehobenen 
Kartause  Aggsbach«.  Mit  Recht  hofft  der  Herausgeber  Dr.  P.  Adalbert 
Fuchs  O.  S.  B.  durch  diese  Veröffentlichung  wieder  einen  wert- 
vollen Beitrag  zur  Quellenkunde  unseres  Kronlandes  geboten  zu 
haben.  Für  die  Zeit  bis  zum  Ende  des  XV.  Jahrhunderts  hat  Fuchs 
411  Stücke  auftreiben  können. 

Von  den  verschiedenen  Beständen,  die  diesfalls  zu  Rate  ge- 
zogen werden  mußten,  kommen  vor  allen  die  des  k.  u.  k.  Staats- 
archives  in  Wien  und  des  gräflich  Falkenhaynischen  Archives  in 
Walpersdorf  in  Betracht.  Dieses  bot  ihm  insofern  mehr,  als  es  drei 
umfangreiche  Kartalarien  und  einen  höchst  wertvollen  Archiv- 
katalog von  Aggsbach,  die  sogenannte  Registratura  besitzt,  welche  so 
ziemlich  den  ganzen  Aggsbacher  Urkunden  bestand  bald  nach  1720 
zur  Anschauung  bringt.  Nach  einer  sehr  ansprechenden  Vermutung 
des  Herausgebers  (Einleitung.  S.  XXIII  f.).  zu  der  er  auf  Grund 
einer  meiner  Untersuchungen  »Zur  Geschichte  der  Kartause  Aggs- 
bach«^; gelangt,  dankt  dieses  umfängliche,  dreibändige  Werk  seinen 
Ursprung  dem  gelehrten  Gehilfen  eines  Bernhard  Pez,  dem  Gaminger 
Leopold  Wydemann,  seinen  Ursprung;  es  ist  so  sorgfältig  gearbeitet, 
daß  Fuchs  es  als  Grundlage  seiner  Ausgabe  hätte  aufstellen  können. 
Leider  hat  er  das  offenbar  nicht  getan,  sonst  würde  er  seine  andere 
Vorratskammer,  das  Wiener  Staatsarchiv,  sorgfältiger  nach  Aggs- 
bacher Originalen  durchforscht  haben. 

Im  Wiener  Staatsarchive  sind  dem  Herausgeber  entgegen 
heutiger  Gepflogenheit  die  Repertorien  nicht  vorgelegt  worden. 
Vielmehr  wurden  ihm  auf  seinen  Wunsch  die  Urkunden  selbst  zu- 
sammengestellt, wobei  man  sich  begreiflicherweise  auf  jene  Stücke 
beschränken    mußte,   deren  Regest   im  Repertorium  das  Stichwort 

^)  Blätter  des  Vereines  fdr  Landeskunde  von  NiederUsterreich.  XXXIII,  351. 


192  Dr.  Josef  Lampel. 

Aggsbach  beigesetzt  war,  das  dann  auch  im  Index  erscbeint.  Ohne 
diese  Indizes  wftre  es  uns  überhaupt  nicht  möglich  gewesen,  Herrn 
Dr.  Fuchs  innerhalb  der  gewünschten  Frist  zu  bedienen. 

Infolge  dessen  aber  ist  ihm  etwa  ein  Drittel  der  einschlägigen 
Originalurkunden  vollständig  entgangen.  Statt  nur  76,  wie  er  in  Zu- 
sammenstellung mit  den  67  Walpersdorfern  angiebt,  besitzt  nach 
meiner  gegenwärtigen  Schätzung  das  Wiener  Staatsarchiv  109  Urkun- 
den der  Kartause  Aggsbach;  von  den  übrigen  33  sind  4  dem  Heraus- 
geber  gänzlich  unbekannt  geblieben,  andere  12  kennt  er  nur  aus 
den  höchst  dürftigen  Vermerken  der  Registratura,  die  restlichen 
17  Stück  kann  Fuchs  nur  aus  den  Walpersdorfer  Kartalarien 
herausgeben,  während  er  nach  strenger  Editionsregel,  die  er  auch 
regelmäßig  praktiziert,  das  Wiener  Original  hätte  in  den  Vorder- 
grund stellen  sollen.  Es  sind  dies  die  Nummern  16,  19,  20,  26,  35. 
36,  45,  139,  143,  162,  179,  195,  209,  216,  253,  340,  und  372 
seiner  Ausgabe.  Diese  hier  nach  dem  Originale  zu  veröffentlichen, 
würde  zu  weit  führen.  Wohl  aber  erachtet  es  der  Verein  für  Landes- 
kunde von  Niederösterreich,  der  ja  auch  der  heimatlichen  ürkunden- 
publikation  sehr  nahe  steht,  für  entsprechend,  jene  anderen  16  Stücke. 
die  Fuchs  ganz  oder  fast  ganz  hat  durchfallen  lassen,  hier  nack- 
tragsweise  zu  bringen.  Ja,  eine  bestimmte  Erwägung,  die  sich 
anstellen  läßt,  empfiehlt  diesen  Vorgang  geradezu  als  eine  Vor- 
sichtsmaßregel. 

Von  im  ganzen  53  Stücken,  die  Fuchs  nur  aus  der  Regi-j 
stratura  bringt  und  fast  regelmäßig  als  > verloren  gegangen«  be- 
zeichnet, weisen  8  den  Vermerk  »ist  nicht  eingetragen«  auf.  Das 
bedeutet  nicht  Verlust,  nur  unterlassene  Eintragung  in  eines  der{ 
Kopialbücher.  Aber  doch  fehlen  derzeit  6  davon,  nur  2,  die  Num- 
mern 269  und  395,  konnten  aus  dem  Staatsarchive  beigestellt 
werden.  Was  aber  könnte  erst  mit  solchen  Stücken  geschehen,  die 
nun  Fuchs  als  »verloren«  beklagt,  obwohl  sie  vorhanden  sind?  Die 
könnten  nachträglich  anstandslos  verschwinden  —  »eben  schon  1906 
waren  sie  abgängig«.  —  Freilich  zollt  der  Herausgeber  der  Sorg- 
falt und  Pflichttreue  derjenigen  Archivare,  die  jetzt  Aggsbacher 
Urkunden  hüten,  volles  Lob,  allein  auch  nach  seiner  Auffassung 
scheinen  jene  Tugenden  nicht  immer  vorgewaltet  zu  haben.  Uod 
freilich  haben  bedenkliche  Traditionen  im  Staatsarchive  niemals  vor- 
geherrscht;  könnte  es  aber  nicht  eines  Tages  mit  Elementen  in 
Verbindung  treten,  denen  derlei  Traditionen  im  Blute  liegen,  denen 


Nachträge  zum  Aggsbacher  Urktmdenbnch.  J93 

Archivalien  noch  anderen  als  wissenschaftlichen  Wert  haben.  Was 
für  eine  schöDC  Gelegenheit  fände  sich  da.  Also  heraus  mit  ihnen. 
Wer  keine  Butter  auf  dem  Kopfe  hat,  mag  an  die  Sonne  treten!  — 


1. 
1319,  April  3,  Rom. 

Johannes,  Bischof  von  Nepi,    papstlicher  General vikar,    erteilt 

tuf  Bitten   eines   gewissen   Otto  Auxwuerw  der   St.   Peterskirche   zu 

Gerolding  (Gerulfin)  40tägigen  und  20tngigen  Ablaß  zu  erteilen.*) 

Orig.  im  k.  a.  k.  Haus-,  Hof-  and  Staatsarchiv,  Pergament,  Siegel  fehlt.  Rückaufschriften 
1.  Alt,  rielleicht  gleichzeitig,  in  der  rechten  Ecke :  Otto  Aurtoaerb.  2.  Bis  auf  duligenettu  (?)  nnlesbar. 
3.  :>pfttere  (dnrchstrichen)  N 9,  daneben  N  1.  4.  Jüngste;  J.  N.  6  in  einer  aach  in  anderen  Aggs- 
ba-fker  Denualnotizen  begegnenden  Schrift.  —  Fehlt  in  FRA.>,  LIX,  woselbst  sie  die  dritte  Stolle 
etnncIiiDen  würde. 

Universis  ^)  presentes  licteras  inspecturis  frater  Johannes  miseratioce  divina 
episcopus  Nepisinus  et  domini  pape  in  urbe  in  spiritaalibus  vicarius  generalis 
salutem  in  domino.  Quoniam,  ut  ait  apostolas,  omnes  stabimus  ante  tribunal  Christi 
receptari  proat  in  corpore  gessimus,  sive  bonum  fuerit  sive  malum,  oportet  nos 
diem  messionis  extreme  misericordie  operibus  pre^enire,  ac  eternorum  intuitu 
femiDare  in  terris,  quod  reddento  domino  cum  multiplicato  fructu  recolligere 
de-ieamus  in  cells,  firmam  spem  fiduciamque  tenentes,  quoniam  qui  parce  seminat 
pQrce  et  metet,  et  qui  seminat  in  benedictionibus  de  benedictionibus  et  metet 
vitam  etemam.  Cum  igitur  ex  parte  dilecti  filij  nostri  Otto  Auxwuerw-)  nobis 
foerit   humilitur    supplicatum,    ut  omnibus   venientibus    ad  ecciesiam    sancti  Petri 


*)  Wie  sich  schon  aus  der  dritten  textkritischen  Note  ergibt,  war  der  Ab- 
laßbrief ursprünglich  für  eine  andere  Kirche  erteilt,  deren  Name  wegradiert  und 
dorch  den  übrigens  nicht  ganz  gut  verstandenen  von  Gerolding  ersetzt  wurde.  Dem 
gegenüber  muß  auffallen,  daß  nicht  auch  der  Name  des  Supplikanten  —  fuerit 
humiliter  supplicatum  —  auf  Rasur  steht.  Sollte  nicht  jener  Otto  Äuxwnerw 
oder,  wie  er  in  dorso  rechts  unten  heißt:  Otto  auxwuerh  fUr  jene  andere  Kirche 
sQppliziert  und  man  nur  yergessen  haben,  seinen  Namen  durch  den  des  Qeroldinger 
Supplikanten  zu  ersetzen!  Leider  ist  eben  das  Faktum  von  1319  in  der  Nieder- 
österrcichiBchen  Topographie  noch  nicht  verwertet  worden,  dort  wilrde  man  Auf- 
schluß über  den  rätselhaften  Namen  des  Ablaßwerbers  suchen  dürfen.  An  ein  ver- 
derbtes Pseudonym,  etwa  ein  in  tiefgehender  Demut  erwähltes  »Auswurf«  möchte 
kh  doch  nicht  denken,  natürlich  auch  nicht  an  einen  Bischof  von  Augsburg,  der 
damalige  war  Friedrich  I.  Späth  von  Faimingon.  Aber  vielleicht  liegt  in  auxicuenc 
ein  verderbtes,  mißverstandenes  »Augsburg«  vor. 

^)  £s  folgt  Rasur. 

^)  Beide  Namen  von  anderer  Hand  in  einen  aufgesparten  Raum  ein- 
getragen, denselben  nicht  ganz  füllend. 

Jakrbaeh  d.  T.  f.  Landeskunde.  1907.  13 


194  ^^'  Josef  Lampel. 

in  Geralfin^),  velimas  indolgentiam  exlbere.  Nos  vero  de  omnipotentis  dei  mUeri- 
cordia  et  beatoram  Petri  et  Pauli  apostoloruin  eiu8  aactoritate  confisi  omnibos- 
vere  penitentibas  et  confessis  qui  vel  quo  predictam  visitaverint  ecclesiam  in 
ipsius  festivitatibus  seu  etiam  sollempnitatibus  ^) :  Nativitatis  domini,  circumcisionis, 
epiphanie,  resurrectionis,  asscensionis,  pentecoBtes,  trinitatis,  dedicationia  ecclesie, 
•ancti  JohanoiB  bapti^te^  sanctorum  apostoloruin  Petri  et  Pauli  et  aliorum  aposto- 
lorum  et  in  festo  oiUDium  sanctorum  ac  per  eorum  octavas^j,  manusque  porreKeriot 
adiutrices,  quadraginta  dies  de  iniunctis  sibi  penitentijs  misericorditer  in  domino 
relazamus.  Ceteruin  cum  maxima  devotio  a  populo  habeatur,  cum  corpus  Cbrieti 
ad  infirmoB  a  sacerdote  defertur,  auctoritate  nostra  concedimus  predicte  ecclesie' 
sacerdoti,  ut  cum  eum  contingat  corpus  Cbristi  infirmis  deferre  indulgentiam  possit 
dare  viginti  dierum,  dummodo  ad  id  diocesanus  eius  concedat  assensum.  In  cnios 
rei  tostimonium  presentibis  nostrum  sigillum  duximus  apponendum.  Datum  Kome 
apud  ecclesiam  sanctorum  Laurentij  et  Damassi,  die  IIj  mensis  aprilis,  pontificatus 
domini  Johannis  XXij  anno  tertio. 

Auf  der  Plika  zwischen  den  beiden  Siegelschnitten  ^*^  (40)  dies  indtt!- 
ffentiarum,  rechts  davon  gleichsam  tur  Erfifänzung  von  anderer  Hand  in  ziemlich 
verblaßter  Schrift:  et  omnes  qui  tHattu»  .sue  {siol)  porrejrerint  ad  litteras  (ö  rc/ 
officium  (?  beldemale  stark  gekürzt)  nd  in  extremia  omnes  participes. 


1398,  März  24. 

Die  beiden  Töchter  weiland  Hansen  Haffenbeck,  Bürgerinnen 
zu  Weitra,  vergleichen  sich  mit  ihrer  Stiefmutter  Anna  und  deren 
jetzigem  Gatten  Stephan  hinsichtlich  ihrer  Ansprüche  auf  das  Haus 
ihres  Vaters  zu  Weitra. 

Orig.  im  k.  n.  k.  Haus.,  Hof-  und  Staatsarchiv  zu  Wien,  Pergament,  zwei  Siegel  fehlen.  — 
Rftckanfschriften :  1.  Älteste  oben  am  Rande,  stark  verblaßt:  Litttra  coneordie  quondam  (f) pro  qnadam  t' 
domo  in  Weytra;  alienum  (?)  no'>ia  {!)  est.  Si.  Wenig  jQngor  am  linken  Bande:  bencht  br(ief)  umb  a«» 
kau«  tu  Tfey/ra.  3.  Unmittelbar  unter  der  ältesten  Aufschrift  der  Regii»tnUarvermerk :  1393.  -    J  4.    - 

VerticKtßbriff  über  ain  hanß  au  Wcittraeh,  4.  Weiter  unten  von  späterer  Hand  A".  tS.  Die  Daten  von 
Nr.  S  stimmen   bis  auf  die  geänderte  Reihenfolge  mit  dem  Vermerk   im  Archivkataloge  von  Agg«baefa 

überein.  Vgl.  FRA.  Dipl.  59,  S.  15S,  Nr.  ICC. 


^)  Desgleichen,  und  zwar  auf  Rasur,  die  unmittelbar  nach  sei  beginnt  und 
erst  etwa  drei  Buchstaben  nach  dem  Beistriche  endet.  £s  stand  mithin  dort  ur- 
sprünglich ein  längerer  Name;  doch  auch  von  diesem  weggelöschten  Namen  i^t 
der  aufgesparte  Platz  nicht  ausgefüllt  worden. 

^)  Dasselbe  Wort  darüber  noch  einmal  mit  großem  Initiale  und  gleicher 
Abkürzung   Omibz. 

'-')  Hier  ist  nachträglich  eine  Vertikallinie  eingesetzt  worden,  auf  die  am 
linken  Kande  durch  ein  Kreuz,  am  rechten  durch  ein  laugobardisches  a  mit  Ab- 
kürzungszeichen aufmerksam  gemacht  wird. 

^j  Vor  octavag^  womit  die  Zeile  beginnt,  ein  Merkzeichen  am  Rande. 

' )  Auch  an  die  beiden  Enden  dieser  mit  dem  Satzanfange  Ceterum  be- 
ginnenden Zeile  sind  Zeichen  (drei  oder  vier  mit  einem  Kolon  ein  Kreuz  bil- 
dende Punkte)  angesetzt. 


Nachträge  zum  AggBbacher  Urkundenbuch.  X9o 

Ich  Margret  die  Voglerinn^),  ich  Kathrey  Symon  des  Sneyder  hans- 
fraw,  sweetem,  bnigerinn*)  ze  Weytra,  Hannssen  des  Haffenpekchen  3)  seligen 
toehter^)  wir  rergechen  fUr  uns  and  für  all  unser  erben  und  tun  cbund  offenleich  mit 
dem  brif  allen  leuten  gegenburtigen  und  cbunftigen,  daz  wir  uns  mit  wolbedachten 
mut  und  nach  ratt  unser  nächsten  und  besten  frewnt  und  ander  erber  leut,  zU 
der  seit  do  wir  es  wol  getün  mochten,  liebleich  und  frewntleich  verricht  und  ge- 
ebent  haben  mit  unser  lieben  stefmuter  frawn  Annen,  weilent  des  egenanten 
unters  rater  seligen  hausfraw,  und  mit  Steffann  irem  wirt  umb  alle  die  ansprach 
rechten  und  vordrang  so  wir  gehabt  haben  auf  das  haus  ze  Weytra,  gelegen  an 
dem  Ekk  ze  nächst  Lippleins  haus,  daz  des  egenanten  unsers^)  vater  seligen  ge- 
wesen ist,  mit  aller  ^')  zugehorung,  ez  sein  holden  pheninggult  ekcher  wismad  gerten 
oder  welherlai  dar  zu  gehört,  wie  daz  genant  oder  wo  daz  gelegen  ist,  ze  veld 
oder  in  der  stat,  ez  sei  gestift  oder  ungestift,  und  auch  auf  alle  de^  hab  and 
g:üter  die  der  selb  unser  vater  seliger  hinder  im  gelassen  hat,  ligund  oder  vorond 
^üt,  wie  daz  genant  ist,  nichts  ausgezogen,  da  für  si  uns  geben  haben  newnzwanzik 
phant  pheningy  der  wir  ganz  und  gar  verricht  und  gewert  sein  zu  rechten  tagen  an 
all  schaden,  also  daz  wir  noch  all  unser  erben  noch  niemant  anders  von  unsem 
wegen  nu  furbas  hinz  der  vorgenanten  frawn  Annen  unser  stefmuter  und  Steffann 
irem  wirt  und  hinz  allen  iren  erben  von  des  vorgenannten  haus  wegen  mit  aller 
^agehomng  und  ander  hab  ligunder  und  vorunder,  als  vor  benant  ist,  chain  an- 
sprach rechten  noch  vordrung  nimmer  mer  haben  noch  gewinnen  schullen  noch 
weilen  mit  Worten  noch  mit  werichen,  mit  recht  noch  an  recht  in  chainen  wegen 
angever,  and  mugen  auch  furbas  all  iren  frumen  da  mit  schaffen  verseczen  vor- 
chiofen  ^)  schaffen  machen  und  geben  wem  si  weilent,  an  all  unser  und  unser  erben 
irnmg  angever  wissenleich  mit  kraft  des  brifs.  Und  wann  wir  vorgenant  Margret 
und  Kathrey  nicht  aigen  insigil  gehabt  haben,  so  hab  wir  mit  fleizzigen  petten 
gepeten  den  edeln  herren  hern  Otten  von  Meysaw,  daz  er  sein  insigil  an  den  brif 
gehsngen  hat,  und  die  erbern  weisen  die  burger  daselbs  ze  Weytra,  daz  si  ir  stat 
insigil  zasambt  des  egenanten  hern  Otten  von  Meysaw  insigil  an  den  brif  gehangen 
haben,  dar  ander  wir  uns  verpinden  mit  unsem  trewn  an  aides  stat  und  an  gever, 
alies  das  stet  ze  haben  daz  an  dem  brif  geschriben  ^  stet,  doch  dem  egenannten  herren 
Otten  von  Meysaw  und  den  burgern  an  schaden.  Der  brif  ist  geben  nach  Christi 
gepnrd  dreuzehenhundert  jar  dar  nach  in  dem  acht  und  neunzigisten  jar,  an 
dem  santag  als  man  singet  Judica  in  der  vasten. 


*)   Voglerim. 

')  hurgerim. 

^)  p  aus  langem  9,  mit  dem  es  ligiert  scheint. 

^)  Dieses  und  der  Auslaut  des  vorangehenden  Wortes  übersehreiten  den 
nchten  Rand  bedeutend;  entweder  ist  tochter  vom  Schreiber  ursprünglich  weg- 
gelassen und  später  nachgetragen  worden,  oder  er  gedachte  anfangs  die  Schrift 
mehr  an  den  rechten  Rand  zu  führen. 

^)  8chlu0-8  nachgetragen. 

*")  Über  der  Zeile  nachgetrgen. 

■)  80! 

*)  80! 

^  ge  zweimal,  das  erstemal  am  Zeilenrande. 

13* 


196  ^^-  Josef  Lampel. 


3. 
1419,  März  12. 

Kathrey  Fleischefl  verschreibt  ihrem  Manne  Mathes  als  rechte 

Morgengabe  Hftnser  und  Gülten  in  Spitz  and  Umgebung. 

Original  im  k.  und  k.  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchiv,  Pergament.  Ton  sechs  Siegeln  fehlt  du 
vierte,  die  fthrigen  zeigen  gröfitenteils  sehr  guten  Erhaltungszustand:  1.  IV,  AB  (Wappen  nicht  erkenn- 
har):  ^Si^Uvm.  Maorieii  de  SpicM.  —  2.  (Desgl.):  t  S.  Uatnu  *Stra»9er.  —  S.  lY.  Cl  (in  Vierpafi)  . 
t  Stefan  Be-idelUrgtr,  —  4.  Fehlt.  —  5.  IV,  A2  (Ochsenkopf):  f  S,  Jörg  Chelberkarder  ...  6.  IV.  A 2 
(ein  von  herald,  rechts  hereinragender  Arm!):  i  S.  Vlrieh  Jlftcnoe/Jor/er  (in  ilterer  MAJaskel,  vergleirhf 
die  Namensschreibung  in  der  Urkunde).  —  Rflckaufschriften :  1.  Altere  rechts  oben:  Vermcrhlrirf 
Katherine  Jdaihea  Fleueh&iten  (!)  Jtaue fluten.  Darinn  eein  anuaigt  dienst  des  Otten  von  M«i0$aa  die  ms 
ZH  sdten  gehürm.  2.  Darunter  fast  gleichzeitig  XVlib.  vnUdüig  su  SpjitM—ltem  mer  XV  Hb.  —  3.  Beckts 
unten  gleichzeitig  nochmals  Vnechiig  tu  Spye».  —  4.  Am  oberen  Räude  umgekehrt:  Spsfcz  VnadUu-k 
30  lib.  —  5.  Links  unten :  1419  —  nteAi7  ad  not  —  18.  —  Vermackthritf  Catharina  Fleisckttterm 
gegen  ihren  haußwUrlh  Malheß  FleiachtsseriH  (!)  underschiedtliche  heuser  und  grund*tuekh  tu  und  umh 
Spiet  nach  lengß  hierinen  hegriftn.  —  A*.  B.  —  Jedenfalls  identisch  mit  der  von  Fuchs,  a.  a.  0.  S.  til, 
Nr.  260,  nur  im  Regest  gebrachten,  im  flbrigen  als  »im  Original  nicht  mehr  vorhandene  bezeiehueten 
Urkunde.  Offenbar  li^  auch  in  keinem  der  drei  Aggsbacher  Kartulare  eine  Abschrift  vor,  sonst  würde 
dies  Fuchs  em&hnen.  Bedauerlicherweise  hat  er  den  Aggsbacher  Archivvermerk  nicht  w6rtlich  abg^ 
druckt,  wie  es  beim  nächsten  Stücke  der  Fall  i^X. 

Ich  Kathrey  Mathesen  des  Fleischessen  hausfraw  vergich  ofTendleich  mit 
dem  brief  allen  lauten  di  in  sechent,  hörent  odSr  lesent,  lembtig  und  künftig. 
das  ich  mit  wolbedachtem  muet  und  guetleichem  meinem  willen,  nach  rat  und 
gunst^)  willen  aller  meiner  nächsten  eriben  und  pesten  frewnt,  erberr  llfut 
Weisung,  sa  der  zeit  und  weil  do  ich  das  an  all  zuesprüch  und  hindern üss  aller 
meinSr  eriben  mit  recht  wohl  getuen  möcht,  recht  und  redleich  wissenleich  gemacht 
und  geben  hab  mit  kraft  dicz  briefs  meinem  lieben  eleichen  mann,  Mathessen  dem 
Fleischess  zu  rechter  marigengab  meinew  stukch  und  guet^r  di  her  nach  mit  nam 
geschriben  Stent:  item  von  erst  meinew  zwai  hdusser  gelegen  zu  Spjcz  unter  dem 
haus  zu  nächst  des  PUschinger  und  des  Gorigen  hSussSr,  da  Ton  man  järleich  dmet 
drei  Schilling  wjenner  pfenning  zu  parkchrecht  an  sand  Michels  tag  meinem  gen^ 
digen  herren,  Otten  von  Meyssaw,  item  ain  fleiscbpankch  gelegen  zu  nächst  des 
Rawbdr  fleiscbpankch  in  dem  markcht  zu  Spycz,  da  von  man  järleich  dioet  fünf- 
zechen  pfunt  unslid  zu  sand  Merten  tag  und  sechsthalben  pfenning  an  sand 
Michels  tag;  item  ain  fleiscbpankch  gelegen  daselbs  zu  nächst  des  Maryczen  fleiscb- 
pankch, da  von  man  järleich  dinet  funfzechen  phunt  unslid  '/u  sand  Merten  ta^ 
und  funfthalben  pfenning  an  sand  Michels  tag  meinem  gen^digem  herren  Otten 
von  Meissaw,  item  ain  aw,  gelegen  in  der  Tuenaw,  da  von  man  järleich  dloet 
zwen  pfenning  gein  Tirnstain  auch  meinem  genödigen  herrn  von  Meissaw,  item 
ain  Weingarten  genant  der  Moczingdr  gelegen  an  der  A*chleytten  unter  des 
Maryczen  Weingarten,  davon  man  järleich  dinet  vir  pfenning  meinem  genldigea 
herrn  von  Maissaw,  item  ain  Weingarten  genannt  der  Lütring  gelegen  zu  Sand 
Johanns  zunächst  des  Polans  Weingarten,  einer  genant  der  Glaczman,  da  von  man 


^)  Nach  Versicherung    meines    Kollegen  Archivar  Anthony    von  Siegenfeld 
das  Wappen  der  Truchsesse  von  Lengbach. 
'^)  Statt  gunH  und. 


Nachträge  zum  Aggsbacher  Urkundenbuch.  197 

järleich  d!net  drei  helbling  dem  richter  in  das  ambt  gein  Arnstorff,  daa  do  gehöret 
gein  Salczparkch  in  das  h5chw!rdig  pistnmb;  itom  ain  Weingarten  genant  der 
Tanprukfir  gelegen  an  dem  £rzperg  ob  Pauleins  Schaffer  Weingarten  zu  Spycz,  da 
von  man  järleich  dlnet  sechs  pfenning  an  sand  Michels  tag  in  des  von  Starhen- 
berkch  ambt  zn  Spycz.  Ich  hab  auch  meinen  egenannten  lieben  mann  Mathesen 
den  Fleischess  des  vorbenanten  gemfichts  auf  meinen  obgenannten  stukchen  all^r 
iren  zaegehöningen,  nichtes  ausgenumen,  vor  allen  andern  meinen  eriben  recht 
vertig  und  richtig  gemacht  mit  meiner  genddigen  lechenherren  und  pnrkchherren 
banden  und  mit  allSr  stat  di  dar  zue  gehört  und  der  er  durich  recht  dar  zue  be- 
dorf,  in  solicher  beschaiden,  ob  das  wdr  das  er  mein  egenanter  lieber  mann  ab- 
ging mit  dem  t£d  ee  wenn  ich,  des  got  nicht  engeb,  so  suUen  dew  vorbenannten 
stokch  allew^  mit  irer  zuegehorung  und  alles  das  guet,  es  sei  irib  oder  vörund  guet, 
ledichleich  und  an  trrung  her  wider  gevallen  und  eriben  auf  mich  obgenantew 
Kathrey  oder  dar  nach  auf  mein  nächst  eriben,  dar  auf  es  hin  rechtleich  eriben 
sjI.  Wer  awgr  das,  das  ich  obgenantew  Kathrey  ab  g!ng  mit  dem  töd  ee  wenn 
mein  egenant^r  lieber  mann,  so  mag  er  mit  den  obgenannten  stukchen  und  guetern 
and  allem  dem  gtiet,  es  sei  erib  oder  vörund  guet  und  was  ich  hinder  mein  las, 
besucht  und  unbesuecht  nichtes  ausgenumen  unj^everleich  allen  seinen  frumm  da 
mit  schaffen  mit  verseczen  machen  schaffen  verkaufen  gewen  wem  er  wil;  des  hat 
er  ganzen  vollen  gewalt  von  mir  und  allen  meinen  eriben.  Und  pin  auch  des  ob- 
genannten gemachtes  meines  egenanten  lieben  mann  sein  recht  gewSr  und  fuer- 
stand  für  all  ansprach,  wo  oder  wann  'im  des  not  und  dürft  geschiecht,  als  sölichs 
gemachtes  recht  ist.  Ging  Im  awdr  daran  icht  ab,  das  sol  er  haben  dacz  mir, 
meinen  trewn  and  meinen  eriben  und  ze  all  andrem  meinem  guet,  was  ich  des 
kinder  mein  lass,  nichtes  ausgenumen.  Mit  Ürchund  dicz  briefs  den  ich  Ym  dar 
ober  gib  versigellen  mit  meines  lieben  vettern  Maryczen  zu  Spjcz  aigen  anhangun- 
den  insigel,  di  zeit  verwes^r  des  ambts  meines  genSdigen  herren  Otten  von  Meissaw, 
and  mit  des  erbem  und  weisen  Hannsen  des  Strassfir  aigen  anhangunden  insigel, 
di  zeit  phlegSr  zu  Arnstorff  des  hochwürdigen  pistumb  zu  Salczburkch,  und  mit 
des  erberen  und  weisen  Steffann  des  Heidelberger  eigen  anhangenden  insigel,  di 
zeit  phleger  zu  Tyerenstain,  die  ich  all  drei  darumb  mit  fleiß  gepetten  hab,  das  si 
Trew  insigel  an  den  brief  gehangen  habent;  so  hab  ich  auch  mit  fleiß  gebetten  den 
erberen  und  weisen  Steffann  den  Kolbing^r  die  zeit  schaffdr  zu  SchönnpUchel  meines 
genSdigen  herm  von  Starhenwerkch  der  nicht  aigen  insigel  enhat;  so  hat  er 
sich  verpanden  an  seiner  stat  hinder  den  erberen  und  weisen  KUnraten  den  mar- 
schalich  mit  seinem  aigen  anhangunden^)  insigel  und  der  obgenanten  vir  an  stat 
meiner  gen^digen  lechenherren  und  purkchherren  banden;  und  dew  saeh  bestltt 
aach  durch  meiner  fleissigen  pett  willen  der  erber  und  weis  Gorig  der  Kelbgrs- 
harder,  die  zeit  lantrichter  zu  Pekstal  und  der  erbdr  und  weis  Vlreich  von 
Emdörff')  mit  Iren  beiden  anhangunden  insigeln,  di  si  zu  gezeugnuzj^  an  den  brief 
gehangen  habent  in  und  allen  Iren  eriben  an  schaden,  darhind^r  ich  mich  ver- 
pint  mit  meinen  trewn  an  aides  stat,  alles  das  war  und  stAt  zu  halten,  das  an 
dem  brief  geschriben  stet,  der  geben  ist  noch  Kristi  gepürd  tausend  vlrhundert 
jar  dar  nach  in  dem  neunzechenten  jar,  an  sand  Gregorigen  tag  etc. 


^)  g  aus  h, 

-)  Die  Siegelumschrift  hat:    Virich  Mierveldor/er. 


198  ^^-  Josef  Laropel. 

4. 
1419,  April  22,  Melk. 

Abt   Niklas    von    Melk    verleiht    dem    Pertlein    Stephansharder 

eine    GUlte    auf   xwei    Lehen    zu   Hkmkd^)  in  Geroldinger  Pfarre,  die 

Hertl  der  Tieminf^er  vermacht  hat. 

Original  im  k.  u.  k.  Hans-,  Hof-  und  Stutsarchive  zu  Wion,  Pergament.  Siegel  fehlt.  —  Bftekacf- 
schriften:  1.  Alteste  links  nnton  in  der  Ecke:  Kin  (1)  haws{JI)  in  tiamadm.  —  8.  G^leleh darunter oirat 
Tiel  jftngor:  Lechen'-riff  ipsi  Steffanffatuharder  (!)  a  quo  nos  illa  bona  efNifntw.  Darunter  Ton  jbngt>r 
Hand:  J.  J.  —  S.  Darflbor  von  Hand  des  XVI.  Jahrhunderts:  Zv  Haejfttted  ij  Uhen  und  tn/ßmät. 
4.*In  der  Mitte  der  Bfickseite  fiber  der  PrcKi^el:  t4t9  (gegen  sonst  etwas  nach  rechts  versrhob<*ni  J7 
(fiber  radiertem  K 16,  was  sich  dann  in  älterer  i^ehrift  auf  der  Pressel  wiederholt)  Lekenbr.  ron  Skly 
abten  xu  Melkh  übtr  2.  lehefi  tu  Hatnodt,  holz  und  wijimath.  —  5.  Links  Ton  der  Pressel :  X  3. 
6.  Auf  der  Pressel:  A'  t7  —.  Anoh  die  Dorsnalnotiz  4  stimmt  bis  auf  die  Folge  der  einzelnen  Te:l> 
und  die  Orthographie  genaa  mit  dem  Vermerk  in  der  Aggsbacher  Registratura.  Vgl.  FRA.*,  LIX.  2^'. 
Nr.  261    nur  nach    diesem  Vermerk  und  mit  der  Notiz,  daB  die  Urkunde  »verloren  gegangen«  sei. 

Wir  Nicias  von  gots  genaden  abbt  zo  Melkch  bekennen  mit  dem  ofFenn- 
brief,  das  für  uns  kome  der  erber  HSrtel  der  Thiemynger  und  bat  uns  mit  vleizs. 
das  wir  geruchten  zeverleihen  in  gem^chts  weis  dem  erbern  Pertlein  dem  Stephans- 
harder  seinem  vettern  die  newn  Schilling  phening  gelts  wienner  munüzs  auf  zwaia 
lehen  ze  HÄmfid,  holz  und  wismad  mit  aller  ander  zugehorung,  die  von  alta 
darzu  gehörnt,  gelegen  in  Geroltinger  pharr,  die  von  uns  und  unserm  gotshaazs  ic 
lehen  ruerent,  wenn  er  im  die  vermacht  biet;  doch  in  selber  beschaiden,  ob  der 
egenant  IlSrtel  Thiemjnger  an  leiberben  abgieng  und  das  gut  unverkumert  hinder 
sein  liezs.  Nu  haben  wir  angesehen  sein  vleizzig  gebet  und  haben  dem  benanttn 
Pertlein  Stephansharder  die  egenant  newn  Schilling  phening  gelte  holz  und  vr'i»- 
mad  und  mit  ander  zugehorung  auf  den  benanten  zwain  lehen  zu  Hl^mSd  in  ge* 
mechts  weis  verliehen  und  verleihen  im  auch  die  wissen tleich  mit  kraf(  des  briefi^. 
alles  das  wir  im  daran  ze  recht  und  pilleicb  verleihen  suUen  und  mugen,  aU 
selbes  gemechts  und  lehens  recht  und  des  landes  recht  ist  ze  Österreich,  doch  un? 
und  unserm  gotshauß  an  der  lehenschaft  unvergriffenleich.  Mit  urkund  des  brief? 
mit  unserm  kleinern  angehangunden^)  insigel  besigelt.  Geben  ze  Melkch,  an  sambs- 
tag  vor  sand  Gorgen  tag,  nach  Kristi  geburd  virzehenhundert  jar  und  darnach 
in  dem  nennzehenten  jare. 

6. 
1423,  April  22,  Melk. 

Derselbe  belehnt  den  Hans  Portschalich  und  Erben  mit  dem 
Pleidhof  in  Geroldinger  Pfarre. 

Original  im  k.  n.  k.  Haus«,  Hof-  und  Staatsarchive  in  'NVien,  Pergament  mit  Stegelreit.  —  Kfick- 
aufschriften :  1.  Älteste  zn  beiden  Seiten  des  Siegels  :  A'.  U.  —  Leichbriff  ul>fr  den  JUaidkof.  —  2.  Reclil« 
davon:  In  tnulti^itierit  habes  quod  totum  in»  transUitum  tat  a  iltlicensibua  in  alias.  Über  dieser  Noti: 
vom  oberen  Rande   an:   t433   —    Weytn  Verleihung  daß  lehen  über  die  Baidtheff.   —   />— 8b  -.  J^.  4. 


^)  Fuchs  erblickt  a.  a.  O.,  S.  227,  Anm.  1.  eine  Spur  dieser  verschollenen 
Ortschaft  im  Einöd-  oder  Groißbach,  der  bei  Groißbach  in  die  Donau  mUndet: 
die  zweite  Bezeichnung  dieses  Gewässers  als  Krebsenbach  hat  sich  eben  in  Groiß- 
bach erhalten. 

^)  So!  Siehe  Anm.  2  zur  folgenden  Urkunde. 


Nachträge  zum  Aggsbacher  Urkundenbncb.  199 

i*:t?n  leiste  Notiz  der  Hauptsache  nach  ftbercinstimmend  mit  dem  Vermerk  in  der  A^gsbachor  Registra- 
tira,  TU  nur  noch  bemerkt  wird,  dafi  das  St&ok  »niekt  ein{fetragen* ,  d.  h.  wohl  nicht  kapiert  sei.  — 
Vji.  Fnchs  in  FBA.«,  LIX,  S.  282,  Nr,  2G9,  nur  nach  diesem  wörtlich  abgedruckten  Vermerk,  im 
"übrigen  mit  der  Notiz,  daß  der  Vermerk  leider  die  Namen  der  Beteiligten  unterdrücke. 

Wir  Nicias  ron  gotes  genaden  abbt  ze  Melkch  bekennen,  das  für  uns  kome 
der  erber  Hanns  Ton  Portschalich  und  bat  uns  mit  vlfiz?.  das  wir  im  und  seinen 
erben  geruchten  zu  verleihen  den  HaidhofT  mit  aller  seiner  zugehorung  in  Gerol- 
tinger  pharr  gelegen,  der  von  uns  und  unserm  goczhaus  ze  lehen  rürt.  Nu  haben 
wir  angesehen  des  egenanten  Hannsen  von  Portschalich  vleissig  gepett  und  dinst 
und  haben  im  und  sein  erben  siin  und  tachtern  den  obgenanten  hoff  mit  seiner 
ingehorung ')  verlihen  und  leihen  in  auch  den  wissenileich  mit  kraft  des  briefs  was 
wir  in  daran  ze  recht  und  pilleich  leihen  suUen  oder  mUgen,  also  das  sie  den 
v.Tgenannten  Haidhoff  mit  seiner  zugehorung  von  uns  und  unserm  goczhaus  in 
Gehens  weis  innhaben  nuczen  und  gemessen  sullen,  als  lehens  und  landes  ze  Oster- 
reich recht  ist,  doch  uns  und  unserm  gotzhaus  unvergriffenleich  an  der  lehen- 
schaft. Mit  nrkund  dicz  briefs  mit  unserm  klainern  angehangunden  insigel.-)  Geben 
ze  Melkch,  an  phinztag  vor  sand  Gorgentag,  nach  Kristi  gepurd  virzehenhundert 
jir  and  darnach  in  dem  drew  und  zwainzigisten  jare. 


6. 
1437,  AprU  4. 

Ursula  Tochter  weil.  Andres  Kalberharder,  Hausfraw  des  Hans 
Grabner,  verzichtet  durch  ihren  Schwager  Hans  Fleischeß  zu  Groß- 
magel  auf  alle  Erbansprüche  an  die  Hinterlassenschaft  ihres  ersten 
Mannes  Mathes  Fleischeß. 

Original  im  k.  n.  k.  Hans-,  Hof-  nnd  Staatsarehiv  zu  Wien,  Pergament  mit  dem  ersten  ron  zwei 
N'l?^]»,  das  zweite  fehlt.  1.  wohlerhalten,  IV,  1  A  8:  7  S.  Hanns  Grahner.  —  Rdckanfschriflen :  I.Älteste 
iii  itr  Mitte  ;  Liitert.  -D —  UrsuU  (F/eyjcÄM,  durchstrichen,  darüber :)  Andrea  tUa  Kdberharder  lochter 
i^'tutfraw  dorchstrichen)  ridetur  peritinere  (Auslaut-e  ans  a)  ad  Grasinugl  8ub  titulo  alienorum.  D. 
2.  Dartber  Archi rvermerk :  1437,  — A' —  8  —  Venichtßbr.  UrnUa  Andre  Khelherharder  tochter  gegen 
MiAes  Flei$eheßer8  erlttn  —  3.  Gaoz  unten:  N.  16.  (Diese  Nummer  unterhalb  der  ältesten  Dorsoal- 
'totiz)  (1).  —  Ob  auch  dieser  Teil  der  Biickaufschrift  mit  dem  Vermerk  im  Archivkataloge  fibereiu- 
Ftiraint.  Ufit  sich  derzeit  nicht  sagen,  da  Fuchs  a.  a.  0.  diesmal  nicht  den  Vormerk  wörtlich  abdruckt, 
«ofidern  ein  selbst  konzipiertes  Regest  bringt.  Der  SchluOsatz  der  Anmerkung  dürfte  das  Richtige 
treffen.  Vgl.  FHA.*,  LIX,  276,  Nr.  320  statt  819,  mit  dem  es  den  Platz  tauschen  müßte. 

Ich  Vrsula  Andres  des  Kelberharder  seligen  tochter  und  Hannsen  des  Grabner 
elciche  hausfraw  vergich  faer  mich  und  all  mein  erben  und  tun  chünde  offen- 
leichen  mit  dem  brieff  allen  den  er  furkumbt,  die  den  brief  sehent,  lesent  oder 
borest  lesen,  die  nu  lebent  und  hernach  künftig  werdent,  daz  ich  mich  mit  güt- 
leicben  willen  unbetwQngenleichen  nach  des  benanten  meines  lieben  manns^^)  und 
aii^err  meiner    frewnde    rat    unde    gevallen    mit   wolbedachtem  muet,    zu  derzeit 


^)  z  an  Stelle  eines  anderen,  nicht  radierten,  aber  auch  nicht  mehr  lesbaren 
Buchstaben. 

')  Siehe  die  textkritische  Note  zur  vorhergehenden  Urkunde. 
^)  Aus  monns. 


200  ^^-  Josef  Lampel. 

da  ich  daz  mit  recht  wolgetiin  mocht  gensleichen  venigen  und  farzicht  getan 
han,  und  verzeich  mich  auch  wittenleichen  in  kraft  des  briefs  aller  der  eribgüeter, 
wie  die  genannt  und  wo  die  gelegen  sinde  nichtz  hindan  gesatzt,  die  weilent  mein 
erer  man  Mathes  Fleischess  seliger  hinder  im  gelazsen  hat,  die  er  mir  für  haini- 
stewer  marigengab  unde  Widerlegung  rermacht  und  verschriben  het,  daz  mich 
darumb  umb  solhe  mein  haimstewer,  marigengab  und  Widerlegung  ganz  und  gar 
nach  allem  meim  gutleichem  willen  enricht  habent  des  vorgenannten  Mathesen  des 
Fleischess  bruder  Hanns  der  Fleischezz  von  Grozzen  MQgel  und  sein  sun  aacb 
Mathes  Fleischezz,  daran  mich  also  wolbenttegt,  und  han  in  auch  da  durich  Qber- 
gegebn  sollich  gemdchtbrief  und  bestdtt  brief,  so  ich  dann  umb  solhe  mein  haim- 
stewer morigengab  und  Widerlegung  gehabt  han  und  sallen  noch  wellen  auch  ich. 
vorgenante  Ursula,  all  mein  erben  noch  niemant  von  nnsern  wegen  hin  für  zu 
den  vorgenannten  Hannsen  dem  Fleischezz,  Math  essen  dem  Fleischezz  seim  ailn 
und  hinz  Enndlein  des  benanten  Hannsen  des  Fleischezz  brttder  kinde,  daz  sew 
innhaben  und  noch  nicht  vogtper  ist  und  allen  im  erben  noch  hinz  niemant 
von  im  wegen  noch  hinz  sölhen  guetern  so  mir  dann  für  haimstewer  morgen- 
gab  und  Widerlegung  verschriben  sein  gewesen,  noch  hinz  a)lem  anderm  irm 
guet,  erib  und  varunder  hab,  so  sew  ietz  haben  oder  noch  furbazzer  gewinnen« 
dhein  anspräche,  Zuspruch  noch  vordrung  nimer  mer  haben  noch  dheins  rechtens 
darzu  jehen,  so  wir  daran  haben  selten,  weder  mit  recht  noch  au  recht  vi! 
noch  wenig  in  dheinerlaie  weise  ungevSrleich,  dann  nQr  aupgenomen  ob  der 
benant  mein  erer  man  weilent  Mathes  Fleischezz  icht  beraitschaft  biet  hinder 
im  gelazzen  die  noch  herfur  ch^me  oder  fanden  wurde  von  weme  dez  w^r. 
waz  ich  daran  erben  und  haben  soU),  des  han  ich  mich  noch  mein  erben  nich-) 
verzigen.^  Und  daz  die  Verzeihung  und  farzicht  hinfur  in^)  o2>geschribner  ) 
mainung  und  rechten  also  ganz  stdtt  unverchert  und  auch  unzerprochen  beleih 
und  gehalten  werde,  darüber  zu  eim  vesten  sichtigen  urchunde  gib  ich  vor- 
genante Ursula  in  den  brief  besigelten  mit  des  vorgenannten  meines  lieben 
manns  Hannsen  des  Grabner  anhangunden  insigel,  den  ich  mit  fleizz  dar  umb 
gepeten  han,  das  er  sein  insigel  an  meiner  stat  an  den  brief  gehangen  hat,  dar- 
under  ich  mich  für  mich  selb  und  für  all  mein  erben  mit  meinen  trewu  an  aides 
stat  genzleichen  verpunden  han,  alles  daz  vollekleichen  steet  zu  halten  waz  dann 
an  dem  brief  geschriben  stet,  wann  ich  iecz  diezeit  dhein  gegraben  insigel  nicht 
enhab.  Und  des  ist  gezeug  durich  meiner  fleizzigen  bet  willen  der  edel  Jorig: 
der  Hochstetter  auch  mit  seinem  angehangenn  insigel  im  und  seinen  erben  an 
schaden.  Geben  nach  Cristi  gepurde  virzehundert")  jsr  und  darnach  in  dem  sib^n 
und  dreizzigisten  jare,  and  sand  Ambrosjen  tag. 


^)  80  auf  Rasur. 

2)  So! 

^)  g  aus  cz, 

*)  Siehe  die  folgende  Note,  *oge»chriebet\er^  für  obg. 

^)  jn  und  das  folgende  o  auf  Kasur  und  durch  senkrechten  Strich  getrennt, 
weil  nämlich  diese  nachträglich  eingezwängten  Buchstaben  einander  allzunabe 
geriickt  sind. 

ß)  Sol 


Nachträge  zum  Aggsbacher  Urkundenbuch.  201 

7. 
1438,  Jäimer  27. 

Jörg     Schauer     za     Seiterndorf^)     yermacht    seiner     Hausfrau 

Dorothea,   Tochter  Heinrich  des  Zebleins    zu  PömroerstalP)    mehrere 

Lehen,  Weingärten   und  Ackergriinde,  dazu  die  Fahrhabe. 

Original  im  k.  and  k.  Haas-,  Hof- and  Staatsarchiv,  Wien,  Pergament,  beschädigt;  Schrift  von 
i\v  24.  Zeile   an  gedrängt  and  mit  verändertem  Charakter,    von  drei  Siegeln  fehlt  das  erste  ganz,  von 

4*ffi  beiden  anderen  sind  nar  klägliche  Brachstflcke  erhalten  (2: (Zwinge)«u2or/'.  S.)    —   Rück- 

scfsehriflea :  1.  am  oberen  Bande:  Litter^  Sehaur  von  Seittemdorff,  6,  b.  2.  Gleich  darunter  aber  am- 
:>  kehrt:  1*38.  Yon  i*  flehen  zue  Seheittemdorff^  darvon  man  dem  Gattshauß  dient  85  ^  3  metMen  habern ; 
■!'*  kabem  hatt  ein  am  .  .  rnann^)  bis  dato  eingenommen  etc.  K  9,  —  y.  5,  Tgl.  damit  den  Wortlaut 
ie-  Vermerkes  in  den  Kogistratura  der  Kartause  Aggsbach  bei  Fuchs,  FRA-,  LIX,  276  f.,  Nr.  321,  wo 
i.t  Vrkande  als  »verloren  gegangen«  bezeichnet  wird. 

Ich  Jorig  Schawr  zu  SejterndoriF  bekenn  für  mich  und  all  mein  erben  und 
taen  kund  offenleich  mit  dem  gegenbnrtigen  brief  allen   lAuten    den    er  furkumbt 
Dod  gezaigt  wirdt,    das    ich    mit    wolbedachten    muet    und  gueten  willen  und  mit 
parkherren  band,    zu  der    zeit  da  ich  das  mit    recht   wolgetuen  macht,    recht  und 
redleich  durch  snnder  lieb  und  trew  willen    gefuegt  und  gemacht  hab,    fueg  und 
mach    auch    wissenleich    in    kraft    des    briefn    meiner    lieben    eleichen    hausfrawn 
Dorochtea*)  Hainreichs  des  Zebleins  ^)  zu  Permanstal  tachter  nach  dem  landes'')  recht 
m  Osterreich  die  hernach  geschriben  stuckh :  item  von  erst  das  halb  lechen  gar  das 
ich  zu  ir  pracht  hab  und  da  wir  iecz  haosleich  auf  siezen  und  auch  mein  tail  an 
dem  halben  lechen    das    wir  mit  ein    ander  erchauft  haben,  und  von  dem  ganzen 
lecben  allen  mann'^)  jerleich   dient  zu  dem  gotzhaus  gen  Axpach  funfthalben  und 
achtzigkch  phening    an  sand  Michels  tag  und    drei  meczen  habern  auch  an  sand 
Michels  tag,  und  zwen  ches  zu  den  phingsten;    item  mein  tail  an  aim  Weingarten 
g'enant   der  Tallinger  gelegen  im  Chirichgraben,    den    wir  auch  mit  ein  ander  er- 
chaafc  haben,    da    von    man   jerleich    dient    zu   dem    gotzhaus  gen  Pebrann*^)  vir 
phentDg  an  sand  Michels  tag  zu  ainem  jartag;  item  mein  tail  an  aim  akcher  den 
mr  aach    mit  ein  ander  (er)kauft^)    haben    und  da  von  man  jerleich  dient  zwen 
phening    an  sand  Michels  tag  auch  zu  dem    goczhaus  gen  Pebrann^)  zu  dem  iecz 
benanten   jartag,    item    ain  wissen  gar  gelegen  zu  Princzeldarff,   da  von  man  jer- 
leich dient  zu  der  herschaft  gen  Mollenberg  ain  wienner  helbling  an  sand  Jorigen 
tag,   item  aber  ain  wissen  genant  die  Tal  wissen,    dew  ich  zu  ir  pracht  hab  auch 
gelegen    zu  PrinczeldarfT   und    da   von    man  jerleich    dient  in   der  Raydin  hoff  ze 
Princzeldarff  ain  phening  an  sand  Michels  tag.    Ich  hab  ir  auch  die  obgenannten 
stückch  alle  gefuegt  und  gemacht  in  solicher  mainung:    ist  das  ich  und  mein  ob- 
^nante  liebe  hausfraw  chinder  mit  einander  gewunen,  dar  auf  soll  dann  erst  nach 
anser  paider  tod  die  obgenanten^)  stukch  mit  all  ir  zue  gehorung  ledigkleich  erben 

1)  Bei  Weiten. 

-)  Bei  Pöggstall. 

^)  Amtmann? 

*)  So! 

^)  Lücke  im  Pergament,  meist  durch  Moder  und  Bug  bewirkt,  in  einem 
Falle  (erkauft)  größer. 

^)  Pebran  mit  allgemeinem  Abklirzungsstrich  über  dem  zweiten  Wortteil, 
man  wurde  Pebram  erwarten,  gemeint  ist  Pöbring  bei  Pöggstall. 


202  I>f-  Josef  Lampel. 

und  gefallen  an  alle  irrung.    WAr  aber  das  ich  mit  dem  tad  abgieng,    ee  dan  die 
benant  mein  liebe  hausfraw  und    ich  ir  nicht  cbinder  lies,    dew  wir  mit  einander 
bieten  oder  ob  ich  ir  chinder  lies  dew  wir  mit  einander  bieten,    dew  auch  vor  ir 
eo  abgiengen  dan  si,  so  ecboll  si  dannoch')    die  obgenanten  stnkcb  alle  mit  all  ir 
zuegehorung    unverchilmert   ir    lebtäg    inhaben    n&czen    und    niessn,    als     solichs 
gemechts    und  landes    in  Österreich  recht  ist,    und    dan    nach  irem  tad  her  wider 
erben  und  gefallen  auf  mein  nagst  erben,  da  hin  es  dan  rechtleich  erben  und  ge- 
fallen soll  angevSr.    Auch  hab  ich   der  vorbenanten  meiner  lieben  eleichen  haas- 
frawn  ledigkleich  vermacht  all  mein  varunde  hab  wie  ich  dew  mit  tad  hinder  mein 
las,  nichts  dar  in  ausgenomen  noch  hin  dan  gesac/t;   da  mit  mag  si  wol  all  iren 
frnmen  geschaffen,  wir^)  ir  das  am  pesten  fuegt.    an  all  meiner  erben  irrung  und 
bindernuss  angev4r.  Auch  pin  ich  obgenanter  Jorig  Schawr  und  all  mein  erben  der 
egenanten  meiner  hausfrawn    des  vorgenanten  gemechten  ir  rechter  geber  scherm 
und  furstand  für  all  ansprach,  wo  ir  des  mit  recht  nat  beschiecht.   als  solichs  ge- 
mechts und  varunder  hab  zu  verlarem  guet  im  land  se  Österreich  recht  ist;  gieng 
ir  aber  daran  icht  ab  oder  ob  ir  chrleg  oder  ansprach  darumb  icht  auf  erstund^, 
es  wAr  von  mir  oder  mein  erben  oder  von  wem  das  war,  mit  dem  rechten  davon 
si  in  Bcheden  cbem,  den  selben  schaden,  wie  der  genant  ist,  soll  ich  ir  genzleich 
ablegen  und  widerkeren,  und  soll  si  auch  das  alles  haben  dacz  mir,  meinen  erben 
und  auf  allen  ünserm^)  guet,  wo  wir  das  indert  haben  gewinen  oder  hinder  unser 
lassen,    es  sei  erib  oder  varundguet,    nichts  darin  ausgenomen,    da    soll    si  dan  ir 
scheden  aller  genzleich  [von]-'')  bechomen  als  recht  ist,  als  lang  unz  sei^)  wolgenuegt: 
das  ist  unser  guetleich  wil  und  wart,  wie  sein  lembtig  oder  tad.  Und  des  zu  ainer 
waren  urkund  u[nd]^)  sicherhait  des  ob  geschriben  gemechts  so  gib  ich  obgenanter 
Jorig  Schawr  für    mich  und  all  mein  erben    meiner    vorbenanten  lieben  eleichen 
hausfraun  [den]  offen  brief  besidelten ')  mit  des  erbirdigen  und  geistleichen  herren 
herrn  Vinczencen  die  zeit  prior  ze  Axpach  anhangunden  insigel  und  mit  des  edeln 
Erharten  des  Zwingendarffer    die  zeit  purkgraf  zu  MoUenberg,  und  Mathessen  da 
Fleischezzen  zu  Streytbessen  auch  paider  an  hangunden  insigeln,  darumb  ich  sew 
all  drei  mit  vleis  gepeten  hab,  das  sew  das  obgeschriben  gemecht  damit  bestet  und 
auch  bezeugt  habent  in  und  all  iren  erben  an  schaden  und  dem  gotzhaus  ze  Axpach 
und  der  herschaft  zu  MoUenberg  unengolten  an  iren  rechten  und  under  die  dretr 
insigeP)  ich  mich  obgenanter  Jorig  Schawr  und  für  all  mein  erben  verpind  mit  memen 
trewn  an  aid  stat,  alles  das  war  und  stete  ze  haben  das  an  dem  brief  geschrieben 
stet.  Der  geben  ist  am  mantag  nach  sand  Pawls  tag  seiner  becherung,  nach  Christi 
gepurdt  vierzehen  hundert  jar  dar  nach  in  dem  acht  und  dreisigtisten  jare  etc. 

^)  Zwei  Punkte  über  dem  zweiten  n. 

')  Siehe  oben,  r  wohl  statt  e  und  nicht  etwa  das  dialektische  vokalische 
r  statt  a;  auch  könnte  r  als  eine  Art  Trennungslaut  zwischen  die  beiden  »-Laute 
eingeschoben  sein,  endlich  aber  auch  das  folgende  tV  Einfluß  genommen  haben 
auf  die  Schreibung  des  vorhergehenden  Wortes. 

^)  Das  übergeschriebene  o  eher  einem  großen  Punkte  vergleichbar;  el 

^)  Im  folgenden  beginnt  die  gedrängte  Schrift. 

'•)  Größere  Moderlücke  am  Schriftrande. 

^)  Ä'*!/  für  81/  oder  new  =  sie. 

')  Siehe  unten,  S.  206,  Anm.  2. 

^)  Aus  inseyel. 


Nachträge  zum  Aggsbacber  Urkundenbacb.  203 

8. 
1441,  Dezember  4. 

Mitglieder  der  Familie  Fleischeß  teilen  durcb  Lob  die  Hinter- 
!:\s.«enscbaft  ihres  Vetters  Mathes  Fleischeß  mit  Ausnahme  derVeste 
^ireltbesen  sammt  Zugehör  und  eines  Drittels  von  Wein-  und  Ge- 
treidezehent  zu  Mollendorf,  die  sie  sich  noch  ungeteilt  vorbehalten. 

Ori^inAl  im  k.  and  k.  Ilaus-,  Hof-  nnd  Staatsarchiv,  Pergament  mit  f&nf  zum  Toll  beschädigten 

-  <ch.  1.  IV,  A  2  igevierter  Schild)  Hanria  Flcischeße.  2.  Desgleichen:   *5.  Mathes  Fleisches.  3.  lY.  A2 

•  'iTald.  rechts  i^ewendetcr  Kabe):  Jixeob  Schratt.  4.  IV,  Cl  (stark  beschädigt): ochsteter. 

V  ?  :  (»lark  beschädigt):  *S.  Tkcmi  ....  ChoIb)en  —  Rfiekaafschriftcn :  1.  Alteste:  Kon  pertinet 
■•  noa  proprie  (st»rk  verblaßt).  8.  Darunter  (XVII.  Jahrhundert):  Tailbrieff  Mathes  Fteischef  und  seiner 
:■  r&K'Steret  xe   Grosmiigl.  —  3.  t44t.  —   T.   14,   —   TheilWrifJf  Jea  Hei»ches*eriackcn  erben  underachiedt- 

*"-  heusrr  und  giieter  narh  tertgß  hicrinen  eivgefiiehrt.   -    .V.  12.  Dieses  letzte  Regest  deckt  sich  trotz. 

•  '  ii;«r  Abweichungen    (besonders  Fleischesaerin    statt  dr>m    richtigeren  Fleischesaeric}>en)   mit    dem  Ver- 

-  ^'k  in  Archirkatalogen  von  Aggsbach.  der  nach  Fachs,  a.  a.  0.  283,  Nr.  329  »die  einzige  karze  Über- 
!«>ferDng  der  verloren  gegangenen  Urkunde«  ist. 

Ich  Mathes  Fleysches,  ich  Kathrey,  Jacob  des  Scbartten*)  eleiche  hausfraw 
asd  ich  If argredt  Niklasn  des  Driimlein  eleiche  hausfraw  alle  drew  geswistredt 
uad  Hannsen  des  Fleisches  zu  Grassenmugel  kinder,  wir  bekennen  all  ainhelligk- 
leich  mit  dem  offen  brief  far  Uns  und  all  unser  erben  und  tuen  menikchleich  kunt 
illen  leuten  gegenburtigen  und  künftigen,  den  der  brief  furkumbt  auch  gelessen 
nod  gezaigt  wirdt  von  alles  des  güts  nnd  hab  wegen,  so  weilent  Mathes  Fleysches 
unser  lieber  veter,  der  des  obgenanten  ünsers  lieben  vater  rechter  prueder  ist  ge- 
messen, mit  tod  und  seine  kinder  hinder  inn  gelassen  haben t,  es  sein  erib  gneter 
atgen  leben  purgkchrecht,  uberlent  wehauste  gueter  weingerten  paumgerten  wismad 
«aid  holz  ekcher,  es  sei  acligkünt  oder  varUntguet,  versuecbt  oder  unversuecht, 
wie  das  alles  genant  oder  wo  es  gelegen  ist,  nichts  darin  ausgenomen,  dasselb 
alles  haben  wir  obgenante  drew  geswistredt  nach  rat  gunst  willen  und  wissen 
Qosers  obgenanten  lieben  vater,  unserr  frewnt  und  ander  erber  weisser  leut  rat 
cnd  mit  anserm  verainten  gnetleichen  und  wolbedachten  willen,  das  alles  mit 
einander  zu  furzicht  und  mit  las  getailt  und  was  des  iedem  zu  seinem  tail  ge- 
falen-)  ist^),  als  das  ndmlich  alles  hernach  geschriben  stSt,  damit  ledigkchleich 
sU  sein  früm  zu  schaffen  an  alle  irrung  und  hindernUss  der  andern  geswistredt 
nnd  aller  irerr  erben,  dan  ausgenomen  di  vesten  Streytbessen  mit  aller  irer  zue- 
^ehorang  in  urbar  zu  dorf  zu  veld  zu  holz,  es  sei  waid  wismad  ekcher  oder  paun- 
gerten  nichts  dovon  gesundert  noch  her  dan  gesaczt  und  auch  ausgenomen  ain 
drittail  wein  und  getrait  zehent  za  MoUendarflf  und  Vlreichs  des  leitgeben  hoff 
doselbs  und  Erfaarts  hoff  an  dem  weinperg,  das  do  Angnessen  der  Raydin  ver- 
macht ist  zu  leibgeding  von  dem  obgenannten  Mathessen  dem  Fleysches  unserm 
retem,  dem  got  genad,  das  alles  haben  wir  uns  obgenanten  drew  geswistredt  noch 
UQgetailt  varbebalten  zu  uns  und  unserr  erben  banden,  und  hinfur  damit  handien 
za  anserm  frftm  nnd  nilcz,  es  sei  mit  verkaufen  oder  wie  uns  das  am  pesten 
ftiegsam  ist,  ainem  als  geleich  als  dem  andern  trewleich  und  ungeverlich.  Item  so 


')  Siehe  oben  die  Siegel  vermerke,  Schar  Uen  statt  Schratten. 
-)  n  auf  Rasur,  siehe  die  folgende  Anmerkung. 

^)  Nachträglich    eingeschoben,    um  Platz  zu  schaffen,  ist  vom  vorhergehen- 
den gefallen  das  zweite  /  radiert  und  n  gleich  an  das  erste  angeschlossen  worden. 


204  ^^'  Josef  Lampel. 

ist   mir   obgenanten  Mathes    dem  Fleisches    zu   meinem  tail    gefallen  die  bernscb 
benanten  grünt  und  gneter:    item  von  erst  das  bans  gelegen  under  der  vesten  za 
Spicz  and  doselbs  ain  weingrueb  und  mitsambt  den  pressen  and  ein  garten  do  pei 
gelegen    ze  nagst  des  Schrekcben    Ray  ff   haas:    item    ain  waingarten,    genant  di 
Gras  purgkcb  gelegen  ze  nagst  des  Plfikolbem  weingartn;  item  ain  weingartn  genant 
der  Spilbergkcb    gelegen    am  Zombergkch  zenagät    des  Saezzen    pennt;    it«m  am 
weingartn  genant  der  Tanprukcber  an  dem  vadem  Erzperg  gelegen  ob  der  Schek* 
eben  Weingarten;  item  ain  Weingarten  genant  die  Klayn  Pargkch  gelegen  ob  des 
Tbaman    am    Art    Weingarten:    item    ain  holz    im  Öeegraben.    Die    iecz  benanten 
stokcb    and    gaeter    alle    mit    allen    iren    zaegehorangpen    sol    und    mag   ich   ob- 
genanter  Mathes  Fleysches    ledigkleichen    und    freileichen    all    mein    frttm   domit 
schaffen.    Item    so    ist    mir    obgenanten  Katbreyn  Jacoben    des    Schratten   eieicbe 
haasfraw  zu  meinem  tail  gefallen  die  hernach  benanten  stukch  und  gueter:   item 
von    erst,    item    ain    behausts    guet    und    ain    Weingarten    gelegen  zwiacben  Sand 
Johanns    und  Mawttaren;    item    ain    weingarten    gelegen  do  selbs  zu  Mawttaren: 
item  ain  weingarten  genant    die  Wenyg  Vokchenleytten    za  nagst  des  Scharken  ^i 
Weingarten;  item  ain  holz  ekcher  wismad  genant  das  Hymelreich  gelegen  an  dem 
Krilmmicb    ze    nngst  Hannsen    des   schuester    zu    Streytbessen    akcher;    item  ain 
zehent  zu  L^skch  des  ain  drittail  ist;  item  ain  akcher  genant  der  Gredler  gelegen 
ob    Streytbessen     und     stozzt    auf    die     lantstrazz;     item     zwo    wissen    gelegen 
zwischen  Wirenstorff  und  Tutschaym    zu    nagst  Pauleins  Rawchen  zu  Tntachajm 
wissen;    item    ain    wissen    gelegen    under  Pekstall    pey    dem  ziegelstadell  zena^?t 
Nikieins    des     sneider     zu    Pekstal    wissen;    item    ain    akcher   gelegen    ze  Tut- 
schaym under  dem  Steffans  ze  Tutscbaim  akcher;  item  ain  weingarten  genant  das 
Kdlhell  gelegen  ze  nagst  des  Stumbmer  weingarten;  item  zwo  fleiscbp^nkcb  gelegen 
zu  Spicz  in  dem  roarkcht.  Die  iecz  benanten  stukch  und  gueter  alle  mit  allen  iren 
zuegehorungen    soll    und    mag    ich  obgenante  Kathrey    ledigkchleichen    und  frei- 
leichen   all    mein  frUm  damit  geschaffen.    Item  so  ist  mir  obgenanten  Margreden. 
Nikiassen  des  Dramlein    eleiche    haasfraw,    za    meinem    tail    geffallen  di  hernach 
benanten  stükcb  gült  und  gaeter  mit  allen  iren  zuegehorungen:  item  von  erst  der 
halb  hoff  zu  Pergaren    mit  sambt    den    holden  halbem    mit    zina    galten  mit  aiier 
gerechtikait,  so  zu  dem  halbem  hoff  und  den  holden  gebort;    item  ain  weingarten 
zu  Spicz,    genant    die  6?as  Vokchenleiten  gelegen   ze  nagst  des  Hewndleins  wein- 
garten;   item    ain    weingarten    do  selbs    zu    Spicz    an  der  Ecbleiten    genant  der 
Moczinger  gelegen  zunagst  des  weingarten  der  do  gebort  in  sand  Maryczen  zech; 
item    ain    weingarten    genant    der  Frawn weingarten    gelegen   an    der  pargkch  ^e 
nagst  des  Irrentancz    weingarten,   der    do  gehört  in    die  zech.    Die  iecz  benanten 
stukch  gult  und    gneter  alle  mit    allen   iren  zuegehorungen    soll  und  mag  ich  ob- 
genante Margredt  auch  ledigkchleichen  und  freileichen  all  mein   friim  da  mit  ge- 
schaffen.   Und   das    dew  tailung    also  hinfur    also  stSt    unzebrochen  nnd  unwider- 
ruefleich  beleih  in  obgeschribmer  mainung,  darumb  geben  wir  obgenante  geswistredt 
den  offen  gegenburtigen  tailbrieff  und  des  iecz-)  geswistredt  ainen  hat  in  geleicher 
laut.  Mit  urkunt  des  briefs  besigelten  mit  unsers  obgenanten  lieben  vater  Hannsen 
des  Fleisches    und  mit    meins    obgenanten  Mathes  des  Fleisches   unser  paider  an- 


^)  r  nachtriiglich  eingefügt. 
2)  D.  h.  «cdez. 


Nachträge  zam  Aggsbacher  Urkundenbach.  205 

liaBgnnden  ioBigel.  Und  wann  ich  obgenante  Kathrey  iecz  gegraben i  sigel 
mcht  enhab,  so  hab  ich  mit  vleis  gepeten  meinen  lieben  deichen  man 
Jacoben  den  Schraten,  das  er  die  sach  an  meiner  stat  beatet  hat  mit  seinem 
uhaagmiden  insigel,  dar  ander  ich  mich  verpint,  alles  das  war  und  stet  zu 
h&ben  pei  meinen  trewn  das  an  dem  briefF  geschriben  stet,  doch  im  an 
ichsden;  nnd  wan  ich  obgenante  Margredt  auch  aigen  insigel  nicht  enhab,  so 
bah  ich  mit  yleis  gepeten  den  edeln  Jorigen  den  Hochsteter  zu  Seyttemdarff,  das 
er  die  sach  an  meiner  stat  best^t  hat,  doch  im  und  sein  erben  an  schaden, 
darander  ich  mich  verpint,  alles  das  war  nnd  stet  zu  haben  pei  meinen  trewn  das 
an  dem  brieff  g^chriben  stet.  Darzue  so  haben  wir  obgenante  drew  geswistredt 
oiit  Tleis  gepeten  den  edeln  Thaman  den  Cholbem,  das  er  sein  insigel  zu  gezeug- 
D358  an  den  brieff  gehangen  hat,  im  und  all  sein  erben  an  schaden.  Der  geben 
ist  nach  Christi  gepurt  virczehen  hundert  jar  und  in  dem  ains  und  virczigkisten 
jare,  des  mantag  nach  sand  Andrestag  des  heiligen  zwelifpotten. 

9. 
1441,  Dezember  22. 

Anna,  Michel  und  Wolfgang,  Kinder  des  Peter  Kolben,  ver- 
zichten   gegen    Abfertigung    auf    alle   Ansprüche    an    die    Erbschaft 

Dach  Mathes  Fleischeß  und  seinen  Kindern. 

Original  im  k.  d.  k.  Haas-,  Hof-  nnd  Staatsarchiv,  Wien,  Pergament  mit  dem  zweiten  wohlorhaltenen 
"crwei  Siegeln  (das  erste  fehlt):  2.  IV,  A2:  (Runkelrübe)  f  S.  Prmhart.  Frtiitstnger.  —  Rftckauf- 
sfbrifteD:  1.  1441  y  I,  19  (die  arabische  Ziffer  dorehstrichcn,  dafQr  weiter  unten  nach  dem  Kcgest):  NofG. 
Zviscben  beidien  ZifFergrnppen :  Versteht  etlicher  erben  umb  ihre  empfangene  erbsehaft  attß  Mathe»  Fleisch- 
**iert  verloßtutchaft.  2.  In  der  rechten  Ecke  unten :  Spruchbrieff  d-ß  Kolben  Kinder.  C.  —  Fontes  Rar. 
Acstriacamm,  LIX,  8.  283,  Nr.  S2>(  bringen  nur  den  mit  der  ersten  Dorsualnotiz  ziemlich  gleichlanten- 
i'^sYenDcrk  im  Aggsbacher  Archivkatalog,  I,  71,  II,  E.  2,  III,  V.  7  und  bezeichnen  die  Urkunde  selbst 
» ».  »terioren«. 

Ich  Anna,  ich  Michell  und  ich  Wolfgang,  alle  drew  geswistredt,  Pettern  des 
l  bolbelns  selligen  kinder,  wir  bekennen  für  Uns  und  all  unser  erben  und  miterben 
UDverschaidenleich  und  tuen  kunt  offenleich  mit  dem  gegenbürtigen  brief  allen 
Icuten  den  er  fÜrkUmbt  und  gezaigt  wirdt,  von  B2)Iher  zusprüch  und  vadrung 
wegen,  so  wir  gehabt  haben  hincz  Mathesen  dem  Flejeches  und  Kathrein  Jacoben 
des  Schraten  eleiche  hausfraw  seiner  swester,  und  hincz  Margrethen  Niklas  des 
Drümlein  eleiche  haasfraw,  unser  lieber  veter  und  mueraen,  von  alles  des  guets 
und  hab  wegen,  so  weilent  Mathes  Fleysches  und  seine  chinder  selige  mit  tod  hin- 
<I?r  in  lassen  habent,  es  sein  hfiusser  aigen  leben,  wehaüste  gueter,  weingerten 
prangerten  wismad  ekcher  holz  waid  varündgUet,  nichts  darinn  ausgenomen 
noch  hin  dan  gesaczt,  sunder  alles  darinn  beloszzen,  und  da  für  Uns  früm  leüt  von 
den  obgenanten  Mathesen  dem  Fleisches,  Kathrein  und  Margrethen  unserm  vetern 
Qnd  müemen  ain  sUm  gelts  gesprochen  habent,  dar  an  Uns  wol  genüegt  hat  und 
der  wir  auch  von  inn  ze  rechten  tfigen  ausgericht  und  bezalt  sein  an  all  unser 
oue  und  scheden,  dar  umb  wir  uns  und  all  unser  erben  und  mit  erben  nnverschai- 
denleich  verzeichen  aller  obgemelter  zuesprUch  eribschaft  und  rechten,  so  wir  an 
den  vorgenanten  guetern  gehabt  haben  oder  gehaben  bieten  mUgen^)  und  tuen 
uns  der  auch  in  kraft  des  briefs  für  uns  und  all  unser  erben  und  mit  erben  un- 


^)  Ist  zuviel;  entweder  gehabt  hieten  oder  gehaben  mdgen. 


206  I>r.  JoBef  Lampel. 

venchaidenleich  genzleich  zu  furzicht,  aUo  das  wir  noch  all  unser  erben  noch 
ander  iemant  von  unsern  wegen  hinfar  darumb  gegen  den  obgenannten  Mathes 
Fleisches,  Kathrein  und  Magrethen  und  hincz  alfen  Iren  erben  chain  znesprüch 
noch  vadrung  nimmer  mer  haben  schallen  noch  wellen  weder  mit  recht  noch  ao 
recht,  geistleich  noch  weltleich,  ze  chainerlai  weis,  weder  wenig  noch  vil,  nnge- 
verlieh.  £s  mUgen  und  schullen  dew  obgenanten  Mathes  Fleisches,  Katbrey  and 
Margreth,  unser  reter  und  muemen  und  all  ir  erben. aach  nU  lurbas  mit  den  Tor- 
genanten  gaetern  allen  iren  frumen  und  nücz  woU  geschaffen  noch  allem  irem  wol- 
geffallen^),  wie  sew  verlilst  an  alles  widersprechen  unser  und  aller  unserr  erben  and 
mit  erben  unverschaidenleich  und  menikchleichs  von  unsern  wegen  irrung  und 
hindernuss  ungeverlich.  Gieng  in  aber  dar  an  icht  ab  oder  ob  in  icht  chrieg  zQe> 
sprUch  do  von  auf  er^tüenden  von  uns  oder  Unsern  erben  oder  von  wem  das  wir 
von  unsern  wegen,  des  sew  mit  recht  schaden  n^men,  das  schullen  und  wellen 
wir  in  alles  ausrichten  und  genzleich  widerkeren  an  all  ir  mue  und  scheden  uod 
schallen  aach  si  das  haben  dacz  uns  und  unsern  erben  und  miterben  unTerscbai- 
denleich,  darzue  auf  allen  unserm  guct,  wo  wir  das  indert  haben  oder  hinfar 
gewinnen  inner  lands  oder  ausser  lands,  es  sei  erib  oder  varundgüet,  wie  das 
alles  genant  oder  wo  es  gelegen  ist,  nichts  ausgenomen.  Das  ist  alles  genczleicb 
unser  will  und  wart  an  all  auszüg  und  widersprechen,  wir  sein  lembtig  oder  tod. 
Und  des  zu  ainer  waren  urkunt  und  sicherhait  der  obgeschriben  sach,  so  geben 
wir  obgenant  Anna,  Michel  und  Wolfgang  alle  drew  geswistred  fQr  Qns  und  all 
unser  erben  und  mit  erben  unverschaidenleich  den  vorgenanten  Mathessen  dem 
Fleisches,  Kathrein  Jacoben  des  Schraten  eleichen  hausfrawn  und  Margretben, 
Niklasen  des  Dr&mlein  eleichen  hausfrawn  und  allen  iren  erben  den  offen  brief 
besidelteu')  mit  des  edeln  Niklasen  des  Senginger  zu  Senging  anhangunden  insigel. 
den  wir  mit  vleis  darumb  gepeten  haben,  damit  er  dew  obgeschriben  sach  bestet 
hat,  im  und  all  sein  erben  an  schaden,  und  under  das-^)  insigel  wir  uns  obgenant 
Anna,  Michel  und  Wolfgang  far  Uns  und  all  unser  erben  und  miterben  unverschai- 
denleieh  verpinden  mit  unsern  trewn  an  aid  stat,  alles  daz  war  und  st^t  ze  haben, 
das  an  den  brief  geschriben  stet.  Darzue  so  haben  wir  mit  vleiss  gepeten  den 
edelen  Pernhartten  den  Frejssinger  zu  Pergaw,  das  er  sein  insigel  zu  gezeugnus« 
an  den  brief  gehangen  hat,  im  und  all  sein  erben  an  schaden.  Der  geben  ist 
nach  Christi  gepurt  virzehen  hundert  jar  und  in  dem  ains  und  virzigkisten  jare,  am 
freitag  nach  sand  Thamans  tag  des  heiligen  zweliffpotten  etc. 


10. 
144^,  März  23. 

Katharina,  Hausfrau  des  Jakob  Schratt,  Tochter  des  Hanns 
Fleischeß  von  Oroßmugl,  verkauft  ihrer  Schwester  Margarethe. 
Hausfrau  des  Niklas  Drumlein,  die  ihr  in  der  Erbteilung  zugefalle- 
nen Güter,  die  der  Herrschaft  Pöggstall  leisten. 

1)  So! 

^)  So!  besiegelten;  siehe  oben  S.  202,  Anm.  7. 

^}  So!  richtiger  des^  für  > dessen«. 


Nachträge  zum  Aggsbacher  Urkandenbuch.  207 

Original  im  k.  u.  k  Hftns-,  Hof-  and  Staatsarchiv,  Wien,  Pergament  mit  zwei  von  drei  Biegein, 
i-.r«.!  zweites  stark  gelitten  hat  (S.  Liehart  ....  pergtr)^  während  das  dritte  gut  erhalten  ist:  IV,  A,  2. 
.  5.  CkätnrM,  Sehawmffer.  —  Das  erste  fehlt.  —  Kückaof Schriften:  1.  1442.  J.  16  (dio  arabische  Ziffer 
dtirehstrichen,  daneben  Ton  viel  späterer  Hand)  S.  45,  —  2.  Oegen  die  rechte  Ecke:  Liiere  venditioni* 
ue  Fleieekea  de  gr^ßmugh  apparet  quod  niekil  ad  nos  pertineat.  Ultra  90tm  anno»  enanarunt.  — 
■ .  Unter  der  darchstrichenen  Ziffer :  Khau/brif  über  etliche  etuekh  und  gründ  auß  voratehundter  thaillung. 
4.  l'W  der  Jahreszahl  umgekehrt;  Großmuegel.  —  Fontes  ror.  Anstriacamm,  LIX,  S.  290,  Nr.  839  nach 
<>a  Termerk  im  Aggsbacher  Arehivkatalog,  welcher  die  ftbliehen  Abweichangen  vom  Dorsnal vermerk 
kr  rrknnde  aafweist:  das  Wort  aue  voretehender  thaiUung  in  beiden  bezieht  sich  auf  Nr.  828  der 
Facksschen  Edition;  oben  Nr.  9.  von  1-141  Dez.  22. 

Ich  Kathrey  Jacoben  des  Schratten  haasfraw  und  Hannsen  des  Fleysehet 
von  Graamngel  tachter  bekenn  mit  dem  offen  brief  far  mich  und  all  mein  ejrben 
aDTonchaidenleich  and  tuen  künt  allen  leüten  gegenbartigen  und  künftigen  den 
er  farkOmbt  und  gezaigt  wirdt,  das  ich  mit  gueten  willen  und  wolbedachten  mUet 
and  XU  der  zeit  da  ich  es  mit  recht  wotgetun  macht,  recht  und  redleich  verkauft 
hab  die  hernach  benanten  stükch  und  grünt,  dew  mir  zu  tailUng  an  meinen  tall 
gerallen  sind:  von  erst  ain  wissen  genant  di  Lankch  Wisen  gelegen  zu  Wirens- 
tarf.  do  Ton  man  jfirleich  dient  ze  purkchrecht  zu^)  der  herschaft  Pekstal  vir 
Wienner  phenning  nnd  nicht  merr;  item  zwo  wissen  gelegen  ze  Wirenstorf  ze 
nagst  Pauleins  ze  Tütschaim  wisen,  do  von  man  jerleich  dient  zu  purkchrecht  zu 
der  herschaft  Pekstal  vir  phening^);  item  und  ain  akcher  gelegen  ze  Tütschaim, 
du  van  man  man  jerleich  dient  zu  purkchrecht  zu  der  herschaft  Pekstall  vir 
phenning  nnd  nicht  mer;  item  und  ain  wissen  gelegen  zu  Pekstall  pei  dem  ziegel- 
stadei.  dovon  man  jdrieich  dient  zu  purkchrecht  zu  der  herschaft  Pekstall  zwenn 
Wienner  phening  und  nicht  mer,  alles  an  sand  Michelstag.  Dew  iecz  benanten 
•tokch  und  grünt  mit  allen  iren  zaegehorungen  hab  ich  verkauft  und  kftUfleich  zu 
kaafen  geben  den  edelen  Margrethen  Niklasen  des  Drumlein  hausfrawn  meiner 
lieben  swestern  und  Thaman  dem  Volkchlein  irem  sun  meinem  lieben  vetern  und 
allen  Iren  erben  umb  ain  süm  gelts,  der  ich  schön  von  in  ausgericht  und  bezalt 
äeio  ze  rechten  tSgen,  an  all  mein  m&e  und  scheden ;  und  ich  hab  in  auch  dew 
benanten  stukch  und  grünt  mit  allen  iren  zuegohorungen  in  geantbürt  mit 
purkeheren  banden  und  mit  aller  stet  als  dar  zue  gebort,  aus  meiner  nücz  und  ge- 
wer inn  ir  nücz  nnd  gewer,  also  das  sew  nu  furbas  all  iren  frumen  da  mit  woU  mügen 
ßefchafTen  mit  verseczen  verkauffen  schaffen  machen  und  geben  wem  sew  wellent  an  all 
ciein  und  meiner  erben  irrnng  und  hindernüss  ungeverlich.  Ich  pin  auch  obgenante 
Kathrej  und  all  mein  erben  unverschaidenleich  der  obgenanten  Margrethen  meiner 
lieben  swestern  und  Thaman  des  Volkchlein  meins  lieben  vetern  und  aller  irer  erben 
daramb  ir  rechter  schermb  und  gewer  für  all  rechtleich  ansprach  als  solichs  kaufs 
purkebrechts  und  landes  ze  Österreich  recht  ißt.  Gieng  in  aber  darin  icht  ab  oder 
ob  in  krieg  zuesprQch  darinn  auferstünt  von  uns  oder  unsern  erben  oder  von  wem 
das  wir  von  unsern  wegen  mit  recht,  das  scbuUen  und  wellen  wir  in  richtig 
machen  an  all  ir  mue  und  scheden  und  schuUen  auch  das  alles  haben  dacz  mir 
and  unverschaidenleich  dacz  allen  mein  erben  und  dar  zue  auf  aller  unser  hab, 
^0  wir  dew  haben  gewinnen  oder  hinder  unser  lassen  in  dem  laut  ze  Österreich, 
nichts  ausgenomen,  als  lang  uncz  sew  ir  scheden  genczloich  do  von  bekoment, 
ali  recht  ist.  Das  ist  alles  unser  gncter  wil  und  wort,   wir  sein  lembtig  oder  tod. 

^)  zw  aus  ze. 

')  phing,  Abkürzungsstrich  vergessen. 


208  ^'^^  ^^^^^  Lampel. 

Mit  urkant  der  briefs  besigelt;  und  wann  ich  obgenante  Kathrej  iecz  gegraben« 
insigel  nicht  enhab,  so  hab  ich  mit  vleis  gepeten  meinen  lieben  eleichen  man 
Jaboben  den  Schratten,  daa  er  den  kauf  an  meiner  etat  mit  seinem  anhaognnden 
insigell  bestet  bat,  im  an  schaden,  darunder  ich  mich  obgenante  Kaihrey  für 
mich  und  all  mein  erben  y erpint  mit  meinen  trewen  an  aider  stat,  alles  das  war 
und  stSt  ze  haben,  das  an  dem  brief  geschriben  stet.  Darzue  so  hab  ich  mit  rleis 
gepeten  den  edeln  Lienhartten  den  Lasperger,  die  zeit  purgkgraff  und  landrichter 
ze  Pekstall,  dss  er  den  obgeschriben  kauf  mit  seinem  anhangnnden  insigel  bestet 
hat  im  und  all  sein  erben  an  schadn  und  der  herschaft  zu  Pekstall  unentgoUen 
an  iren  rechten.  Das  bezeugt  durch  meiner  vleisigen  pet  willen  der  edel  Chanrat 
Schauehinger  die  zeit  phleger  zu  Pebraren  mit  seinem  anhangunden  insigel,  im 
und  sein  erben  an  schaden.  Der  geben  ist  nach  Christi  gepurt  virzehenhandert  jar 
und  darnach  in  dem  zwai  und  virzigkisten  jar,  an  freitag  ror  dem  heiligen  palein 
tag  etc. 

11. 
1443,  Janner  17. 

Margret,    Hausfrau    des    Niklas   DrUmlein,    Tochter    Hanns   de» 

Fleischeß,  verkauft   ihrem   Sohne   Thomas   dem   Völklein   ihr   Erbteil 

von  den  Kindern   weiland  ihres  Vetters.  Mathes  des  Fleischeß. 

Original  im  k.  u.  k.  Haus-,  Hof-  nnd  Staatsarchiv,  Wien,  Pergament,  von  drei  Siegeln  fehlt  ia^ 
mittlere,  die  beiden  anderen  sind  wohlcrhalton :  1.  IV,  A 2:  (K&lberkopf)  f.  S.  JUry.  Ch'fiberharritr.  — 
3.  IVA  2:  (Runkelrübe^  t  .S.  Ptruhart  .  Freissin-jer.  —  RQckaufschriften :  1.  UiS^  J  t6.  Diese  araMs.^ 
Ziffer  durchstrichen:  statt  dessen  unter  drm  Begest:  K.  i2.  Zwischen  beiden  das  Kege&t:  Khnufbr- 
ithfr  etliche  atukh  und  gueter  a^ß  der  Fieis^hesserischen  thaiUnng  Tkitman  VbOcheln  gegtl*.n,  —  In  Fnat-  < 
rcr.  Austriacarnm,  LIX,  S.  290  nach  Kr.  319.  wohin  sie  gehören  wftrde,  nicht  enthalten,  obwohl  &::• 
zweifelhaft  dem  Aggsbachcr  Archiv  angehörend 

luh  Margret  weilent  Hannsen  des  Fleisches  Billigen  tachter,  dem  got  genad. 
und  icczund  Niclasen  des  Driimleins  eicicbo  hausfraw  vergich  filr  mich  unJ  all 
mein  eriben  und  tun  kund  oflft*nlich  mit  dem  brief  allen  leuten  lembtigen  nni 
künftigen,  das  ich  mit  wolbedächtem  muet  mit  guetem  willen,  nach  rat  frummer 
leat,  zu  der  zeit  da  ich  daz  rechtlich  wol  getun  mocht,  recht  und  redlich  verkauft 
hab  alles  daz  guet  und  eribtail  so  mich  anerstorben  ist  von  meines  vettern  Mztbesec 
des  Fleisches  säligen  kinderen,  den  got  genädig  sei.  Item  von  ers^t  ain  drittail  an 
der  vessten  Streytwisen  mit  seiner  zuegebörung,  item  drei  Weingärten  gelegen  z  \ 
Spicz,  ainer  genant  di  Vockenleyten,  der  ander  genant  der  Moczinger,  der  dritt 
genant  daz  FrawnweigArtel  di  all  drei  purkrecht  sind  von  der  herrschaft  z. 
Spicz;  item  den  halben  hof  zu  Pergaren  mit  seiner  zuegehfirung,  gelegen  ob 
Poxstal,  der  da  lehen  ist;  item  und  ain  drittail  aus  ainem  leibgeding  gelegen  ?" 
Mollendörf,  da&  auch  lehen  ist,  und  auch  ander  guet,  es  sei  eribguet  oder  varnDtl* 
guet,  in  welichor  herrschaft  daz  gelegen  ist,  nichcz  ausgenommen  an  gev&r.  Da5* 
selbig  alles  hab  ich  obgenante  Margret  zu  kaufen  gegeben  meinem  lieben  ȟn 
Thoman  dem  Volklein  und  allen  seinen  eriben  umb  ain  summ  geltz  der  ich  ucii 
all  mein  eriben  von  im  und  seinen  eriben  gänczlich  ausgericht  und  wezalt  sein  lu 
rechter  zeit  an  allen  schaden.  Ich  hab  im  auch  daz  alles  aufgeben  und  in  geantwnit 
aus  meiner  nucz  und  gewer  in  sein  nucz  und  gewerschafr,  allen  seinen  frummeo 
hinfur  damit  zu  schaffen,   wie  in  verlust,  mit  verseczen  verkaufen  schaffen  macben 


Nachtrag  zam  Agg^sbacher  Urkandenbach.  209 

imd  geben  wem  er  wil,  an  mein  und  aller  meiner  eriben  frewnt  and  an  minikleichs 
Ton  mein  wegen  krieg  irrang  und  widersprechen.  Ich  pin  aach  des  kaufs  sein 
rechter  gewer  schermb  und  ftlrstant  für  all  rechtleich  ansprach,  als  solichs  aigens 
gnetz,  lehens  und  purkrechts  schermbs  recht  ist  in  dem  lande  ze  Ostereich.  Gieng 
im  aber  an  der  gewerschaft  hinfQr  icht  ab  oder  ob  im  icht  krieg  oder  ansprach  darinn 
anfent&nd  mit  recht,  des  er  oder  sein  eriben  zu  schaden  kämen  von  mir  oder  meinen 
eriben,  denaelbigen  schaden  allen  gelob  ich  im,  obgenante  Margret  ganz  abtragen, 
ausrichten  und  widercheren  an  all  sein  müe  und  schaden,  und  schol  daz  haben 
za  mir  und  zu  allen  meinen  eriben  unverschaidenleich  und  auf  aller  meiner  hab 
ond  guet  daz  ich  indert  hab  oder  hinfilr  gewinn,  es  sei  eribguet  oder  varundguet, 
nichts  ausgenomen,  ungevärlich;  daz  ist  allzeit  mein  gaeter  will,  ich  sei  lembtig 
oder  tod.  Und  des  zu  nrkünd  gib  ich  obgenante  Magret  dem  obgenanten  meinem 
liaben  san  Thoman  dem  Volklein  und  sein  eriben  für  mich  und  all  mein  eriben 
den  prief  besigelten  mit  des  edlen  Jörigen  des  Kelberharder  d'iezeit  phleger  zu 
Spicz  und  parckherr  der  obgenanten  dreier  Weingärten,  was  er  zu  recht  daran  be- 
stitten  schol  oder  mag,  anstat  des  durchleuchtigen  hochgeporen  fUrsten  und  herren 
bem  Albrechten  pfaltzgraf  bei  Rein  herzogen  in  Bajren  und  grafen  zu  Yoburg  etc. 
anhangunden  iosigel,  den  ich  obgenante  Magret  mit  sunderem  vleis  darumb  ge- 
peten  hab,  im  und  allen  seinen  eriben  an  schaden.  Und  wann  ich,  obgenante 
Margret,  ai^en  insigel  nicht  enhab,  so  hab  ich  doch  mit  vleis  gepeten  den  edlen 
Wolfgangen  den  Missinger,  daz  er  den  kauf  an  meiner  stat  mit  seinem  anhangunden 
insigel  best&tt  hat,  im  und  seinen  eriben  an  schaden,  hinder  den  ich  mich  verpint 
mit  meinen  trewn  alles  daz  war  und  statt  zu  halten  was  oben  an  dem  brief  ge- 
schriben  stet.  Des  ist  gezeug  durch  meiner  vleissiger  gepet  willen  der  edel  Perenhart 
i'Veysinger  auch  mit  seinem  anhangunden  insigel,  im  und  seinen  eriben  an  schaden. 
Geben  an  sand  Anthony  tag  des  heiligen  abbts,  als  man  zalt  von  Cristi  gepürd 
vieizehen  hundert  jar  und  darnach  in  dem  dreu  und  vierzigisten  jare. 

12. 
1443,  Angnst  13. 

Peter  Stern  und  seine  Hausfrau  Kathrei  verkaufen  dem  Thomas 


V5lls,    Bürger  zu  Spitz,  ihren  Weingarten   bei  Wesendorf,    der    drei 
Wiener  Pfund  jährlich  zu  Burgrecht  dient. 

Origiml  in  k.  nnd  k.  Hans-,  Hof-  und  Staatsarchiv,  Wien,  Pergament,  zwei  Siegel  fehlen.  — 
BfickaafKliriften:  1.  Älteste,  swisehen  den  beiden  Pressein:  K IS  (durchstrichen,  daneben)  19  (gleichfalls 
darekätriehen)  damnter:  An{1)  den  VoU»erkaufbr.ttrvatur{1)  etitkm super protteHonem(1).  2.  Jflnger darfiber: 
!M.  —  H  —  20  (darcbstrichen,  daneben:)  K.  108,  darunter:  Kluatfhr.  umh  ein  Weingarten  *u  Weeen- 
^.  Von  denselben  Hfinden,  die  anch  jene  anderen  Dorsnalnotizen  auf  Aggsbaeher  Urkunden  gesetzt 
kst«n,  -welche  sich  mit  den  Yennerken  in  der  Begistratura  decken.  Ygl.  besonders  die  Vermerke  auf 
Qi*5«rer  Hr.  17  (Fachs  359).  Ich  glaube  daher  auch  nicht  recht  an  das  Fehlen  dieses  Eintrages  in  die 
B«fistntara,  um  so  weniger,  als  die  zugehörige  Urkunde  doch  eine  unzweifelhafte  Ei^änzung  zu 
5r.  SIO  bUdet. 

Ich  Peter  Stemn  zu  Achspach  und  ich  Kathrei  sein  hausfraw  bekennen  für 
02»  und  all  unseren  erben  und  tun  kund  offenleich  mit  dem  brief  allen  den  er 
foikumbt,  das  wir  mit  guetem  willen  und  wolbedachtem  muet,  zu  der  zeit  do  w¥r 
du  mit  recht  wolgetQn  möchten  und  mit  purgkherren  banden  verkauft  haben 
OBseren  ledigen  unverkumerten  Weingarten  gelegen  bei  Wesendorf  zenagst  des 
Jahrbuch  d.  Y.  f.  Landeskunde.  1907.  14 


210  ^'-  «^oBef  Lampel. 

Zawner   von  Steir   Weingarten,   dovftn  man  jerleich  ze  purgkrecht  geit  Wolfgaa^ 
dem  Habragker   ze  Wesendorf  in    sein    haus,    das  Thomans   des  Habrngker  seins 
▼ater  daselbe  geweien  ist,    an    sand  Michels  tag    drei  wienner  phening  and  nicht 
mer  den  iczbenanten    Weingarten  mit  seiner  zugehörang    als    wir   den   in  pürgk- 
rechts   gewer  unversprochenleich    innegehabt   haben,    haben    wir  recht   und  red- 
leichen  verkauft   und  ze  kaufen  geben    dem  erberen  Thoman  dem  YOliaen  barger 
ze  Spicz  und  seinen  erben    nmb  ain  sum  gelte,   der  wir   von    im  ganz  ansgericht 
und  bezallt  sein  ze  rechten  tagen  an  all  schSden,  in  solher  mainung  and  gerecbtig- 
keit,    das    er  und    sein  erben    den  obgenanten  Weingarten  f&rbass  ledigkleich  and 
yreileich  suUen  innhaben,    nuczen  und  niessen  und  allen  iren  Irnmmen  damit  be- 
trachten,  rersetzen,  rerkaufen,    schaffen,   machen  und  geben  wem  si  wellent,  an 
uns,    unser  erben  und  an  menigkleichs  irrung  und  widersprechen.    Wir  und  ooier 
erben  sein  auch    des  obgenanten  Weingarten    und  kaufe   Vr   recht   gewer  schermb 
und  fUrstand    für  all  krieg  und    ansprach,    alsoft   in    des   notdurft  beschiecht  mit 
recht,  als  dann  selbes  kaufs  und  purgkrechts  scherembs  recht  ist  in  dem  lande  ze 
Osterreich.  Gieng  in  aber  daran  icht  ab  oder  das  in  icht  krieg  zAsprüch  oder  anfell 
daran  auferstunden  von  uns,    unseren  erben    oder  von   wem  das  wSr,    Ton  onsern 
wegen  mit  recht,  des  sew  ze  scheden  kernen,  dieselben  scheden  geloben  wir  in  ab- 
zetragen    und   söleich  krieg  und  ansprach  ganz  richtig  ze  machen,    an  all  ir  muc 
und  scheden;  und  suUen  si  das  alles  haben  ze  ans,  unseren  erben  onTerschaiden- 
leich  und  darzQ  auf  allem  unserm  gut  erb  und  yarunder  hab,  so  wir  indert  haben, 
gewinnen  und  hinder  unser  lassen    in  dem  lande  ze  Osterreich    oder    wo  wir  dai 
haben,  nichts  darinn  ausgenomen,  das  ist  unser  g^ter  will,  wir  sein   lembtig  oder 
tod  ungeverleich.    Mit  ttrkund  des  briefs,    bestät   mit  des  obgenanten  pUrgkherren 
Wolfgang  des  Habrngker  bestättung,  den  wir  vleissigkleich  darumb  gebeten  haben. 
Und  wann  ich  tczbenanter  purgkherr  selbs  aigen  insigel  nicht  enhab,    so  hab  ich 
rleissigkleich  gebeten  den  erberen  Stephan  von  Lewbein,  burger  ze  Wesendorf,  da« 
er  den  obgeschriben  kauf  an  meiner  stat  bestAt  hat  mit  seinem  anhanganden  insigel 
Im  und  mir  und  unseren  baiden  erben  an  schaden.   Und  des  Ist  gezeog  der  erber 
Paul  Wellmingkcher   ze  Jewching  mit   seinem  anhanganden  insigel,  den  ich  Tor- 
genanter  Peter  Sternn  und    ich  Kathrei    sein  hausfraw    mit  vleiß  daramb  gebeten 
haben,  im  un  seinen  erben  an  schaden,  darhinder  wir  uns  mit  unseren  trewn  rer- 
pinden,  war  und    st&t    ze  halten    was   an  dem  brief  geschriben  stet.    Gtoben  nacb 
Christi  geburd  im  Tirzehenhundert  und  drewundvirzigistem  jar,  an  eritag  nach  aand 
Larenczen  des  heiligen  martr^r. 


13. 
1448,  Aag:n8t  14. 

Kathrej,    Hausfrau    des    Jakob  Schratt,   verkauft  ihrem  Vetter 

Thomas  Völklein  ErbschaftsansprUche  auf  Güter  und  Gründe  in  der 

Pfarre  Groflmugl. 

Originsl  im  k.  und  k.  Hans-,  Hof-  und  Staatsarehiv,  Pergament,  drei  Sie^l  fehlsn.   Bfick»&f' 

sehriften:   1.  Alteste,  wahrscheinlich  gleichseitige,   unmittelbar  über  den  Siegelsohnikten :   Bee  Uiurt 

perfinent  auper  eunam  in  Gro*»enmugel   el   eoneordia  pnerorum    euni  Panyrodo  Jtojcfcag,   qae  t^^ 

diUfietUer  tervari  pro  pueri*  VoVdmi  et  etiam  nobi*  ex  parte  euri«  empte  ab  pmtri»  VoOUimi.  2.  Jlüigcre 

Begifttratarvennerk)   1443  K  10^   darunter   dan  Regest :    Vernch^fibritf  am  kqf  au    Gräften  Mufl  ^ 


Nachträge  zum  Aggsbacher  Urkondenbach.  211 

miere  gnatdMtßekh  aldort  gOegen  gegen  Tkoman  ToftAeln.  3.  Dunntar  ganz  jang :  N.  97.  —  Fontes 
Ber.  Attstriaeftrnm.  LIX,  S.  299,  Nr.  842,  nach  dem  Termerk  im  Agfsbacber  Archiykataloge.  I.  76; 
II,  H.  10,  welcher  Vermerk  wörtlich  mit  dem  Begistratnnrermerk  anf  der  Urkunde  übereinstimmt, 
cur  daS  der  Ziflemteil  daselbst  voraasgeht  und  im  Archivkatalog  durch  dt  aimo  an  das  Regest  an- 
gtgliedert  ist. 

Ich  Kathrei,  Jacoben  des  Schraten  haiufraw  and  Hannsen  des  Fleischessen 
dLligen  tochter,    ich  Jacob  Schrat  ir  man    bekennen   für  ans  and  all  unser  eriben 
and  tuen  kund  offenleich  mit  dem  brief  allen  leuten,  lembtigen  and  künftigen,  amb 
all  die  eribschaft  und  gerechtikait  so   ich  gehabt  hab  an  den  hernach  geschriben 
Stacken  gaetem  and  grünten:    item  von   erst    der   hof  gelegen    sbu   Grossenmugel 
zenagst  des  Schalhasen  von  dem  man  jftrleich  dient  an  sand  JOrgen  tag  ain  pfund 
phonning    and    an   sand  Michelstag   ain   pfand    phennlng    and   rierundzwainzick 
phenning  ze  weisat;   item  sechs  jeach  acker  genant  der  geren,    davon   man  dient 
ze  parckrecht    an  sand  Michelstag  von  ieder  jeachart  zwen  phenning;    item  ain') 
acker  genani  der  Weingartacker,  des  fünf  jeach  sind,  davon  man  dient  ze  parck- 
recht an  sand  Michelstag  von  ieder  jeachart  zwen  phenning;  item  and  zwai  vier- 
iail  Weingarten  gelegen  am  Parckstal,    davon  man  dient  ze  perckrecht  von  iedem 
nertail  weigarten  ain  viertail  most,  den  vorgenanten  dienst  parkrecht  and  perck- 
recht alle«  gehört   ze  dienn  za    dem  erwirdigen  gotzhaas    dem  prior  zu  Achspach 
Unser  frawn  partten,   Karthaser   ordens,   and    allen    iren    nachkomen;    item    und 
aio  viertail  Weingarten  gelegen  zu  Stainenprann,    daz  da  parckrecht  ist  von  dem 
edlen  Wolfgangen    dem  Missendorffer  und   dient  im  jirleich  davon  zu  parckrecht 
an   sand  Michelstag   acht  phenning;    item   und   ain    werd   und    acker  gelegen  ze 
Kaseldorf,    davon  man    dient  ze  parckrecht   an  sand  Michelstag  in  das  hnebambt 
gen  Newnbargk  fünfzick  phenning  und  daz  alles  gelegen  in  Grossenmugler  pfarr. 
In   den   vorgenanten  stucken    gaetem    grünten  allen    hab   ich  obgenante  Kathrei 
ain   drittail    von   eribtails    wegen   gehabt   und  das  mir   von  meinem  lieben  vater 
Hannsen    dem  Fleischess  eiligen   mit  tod    ledig  warden   ist  und  darinn  hat  mein 
Uebe  steufmueter  Dorothea   auf  dem    vorgemelten  hof  halben   und  auf  dem  vor- 
genanten   acker   genant   der  Geren  und  auf  den  vorgenanten    zwain  virtal    Wein- 
garten gelegen  am  Purckstal,  daraaf  hat  sie  leibgeding  nach  landesr echten  ir  leb- 
t^g.-)  Die  Torgemelt  mein  eribschaft  und  gerechtikait  an  den  vorgenanten  stucken 
goetem  and  grünten  allen  mitsambt  der  vorgemelten  Wartung  in  dem  allen,  nichtz 
auigenomen,    hab   ich   obgenante    Kathrei   recht   und    redleich  ze    kaufen    geben 
meinem  lieben   vettern  Thaman   dem  Völklein  and  sein  eriben  umb^)    ain   summ 
geltz,    der  ich  ganz  und  gar  ausgericht    und    gewert  bin  zu  rechten  tdgen  an  all 
schaden«    Es    mag  auch  nu  hinfdr  der  vorgenant  mein  veter  und  sein  eriben  mit 
dem  vorgemelten    eribtail   und    gerech tigkait   mitsambt   der  vorgemelten  Wartung 
schaffen  all  ir  frumen,  wie  sew  verlust,  mit  verkaufen  verseczen  schaffen  machen 
and  geben    wem  sew  wellent  an  mein   und  aller  meiner    eriben  und  mdnickleichs 
von  mein  wegen  krieg  und  widerred.  Ich  pin  auch  darumb,  ich  obgenante  Kathrei, 
für  mich  und  all  mein  eriben  des  obgenanten  meins  lieben  vettern  und  aller  seiner 
eriben  des  ir   rechter  gewer  scherem    und  fürstant  für  all  rechtleich  ansprach  als 
soleichs  kaa&  diensp^rs  gutz  purckrechtz  perckrechtz  und  landes  ze  Osterreich  recht 

^)  Durch  Hasur  gebessert  aus  tmtf,  vgl.  die  Eingänge  der  folgenden  Absätze. 

')  Uhtt^g  aus  lentt^g. 

')  Wiederholt;  das  erstemal  gebessert  aus  vmd. 

14* 


212  ^r.  Josef  lAmpel. 

iit.  Gieng;  in  aber  darinn  icht  ab  oder  ob  in  icht  krieg  zOsprlich  oder  infSlI  darinn^ 
auferstunden  von  uns  unseren  eriben  oder  von  wem  daz  wir  Ton  unseren  wegen 
mit  recht,  das  schüUen  wir  in  alles  richtig  machen  an  all  ir  müe  und  schMen 
und  sullen  auch  daz  alles  haben  zu  uns,  unseren  eriben  unverschaidenleich  und 
darzue  auf  allen  unsem  eriben  und  guetem,  es  sei  erib  oder  Tanindgut  nichts 
ausgenomen,  daz  wir  icznnd  haben  oder  hinfilr  gewinnen,  davon  mögen  sew  aller 
ir  schaden  wechömen,  so  sew  nagst  und  rechtleich  ist  mttgen^),  alles  trewlich  und 
ungeverleich;  und  das  ist  alles  unser  gtttleicher  will,  wir  sein  lembtig  oder  tod. 
Und  des  zu  urkund  so  gib  ich  obgenante  Kathrey  für  mich  und  all  mein  eriben 
dem  obgenanten  meinem  lieben  vettern  Thaman  dem  Vdlktein  und  allen  seinen 
eriben  den  offennbrief  besigelten  mit  des  erwirdig^n  geistleichen  herren  hern 
Yincenczen,  prior  zu  Achspach  Unser  frawn  partteo,  Kartuser  ordens,  anhangun- 
den  insigel,  im,  seinen  goczhaus  und  nachkomen  an  schaden  und  un vergriffen* 
leich  an  iren  rechten,  darumb  ich  in  mit  sunderem  fleis  gepeten  hab,  darunder 
ich  mich  verpint  mit  meinen  trewn  an  aides  stat  alles  daz  war  und  st4t  zu  habend 
was  an  dem  brief  geschriben  stet.  Und  das  westAtt  auch  mein  lieber  man  Jacob 
Schrat  auch  mit  seinen  anhangunden  insigel,  dabtnder  ich  mich  auch  verpint. 
wann  ich  selber  iezuud  aigen  insigel  nicht  enhab.  Und  daz  bezeugt  durch  meiner 
fleizzigen  gepett  willen  der  edel  Thaman  Cholb  auch  mit  seinen  anhangunden 
insigel,  im  und  seinen  eriben  an  schaden.  Qeben  an  unser  lieben  frawn  abent 
asBumpcionis,  als  man  zait  von  Christi  gepürd  vierzenhundert  jar  und  darnach  in 
dem  drew  und  vierzigisten  jar. 

14. 
1448,  September  13,  Wien. 

Kardinaldiakon  Johannes  tit.   Sti.   Angeli,  päpstlicher  Spezial- 

legat,    erteilt   allen,    welche  die  Kirche  St.  Johanns    des  Täufers   in 

Gerolding    besuchen,    oder    ihre    Einkünfte    vermehren,    lOOtägigen 

Ablaß  der  Sündenstrafen. 

Original  im  k.  und  k.  Haas-,  Hof-  und  Staatoarehiv,  Wien ;  Pergament,  Siegel  fehlt.  Rflckaaf- 
Bchriftan :  1.  Ältere:  Johanneti  S,  Angeli  eardmali*  legatus  a  latere  e  die*  tndtttfftntiarum  m  eceletiaat 
S.  Johannu  in  OeroUing.  2.  Später:  X.  1.  —  N.  1,  (diese  etwas  Utor).  8.  Jangster  Registratarrerm«'k : 
144S,  iJ.  9  — .  J.  N.  3. 

Johannes  miseracione  divina  sancti  Angeli  sacrosancte  Bomane  ocelesie 
diaconüs  cardinalis  in  Germanie  et  nonnulis  aliis  partibus  apostolie  sedis  de 
latere  legatus  specialiter  deputatus  universis  Christi  fidelibns  presentes  litteras 
inspecturis  salutem  in  domino  sempitemam.  Splendor  pateme  glorie  qui  sua  mnn- 
dum  illuminat  ineffabili  claritate  pia  vota  fideliam  de  ipsius  dementissima  maie- 
State  sperantium  tunc  precipue  benigno  favore  prosequitur,  cum  devota  ipsonun 
humilitas  sanctorüm  precibus  et  meritis  adiuvatur. ')  Cupientes  igitur,  ut  ecdesia 
parrochialis  sancti  Johannis  baptiste  in  Gerolting,  Pataviensis  diocesis,  congruis  fre- 
quentetur  honoribus  fidelesque  ipsi  eo  libencius  devocionis  causa  oonfluant  ad 
eandem,  quo  ibidem  dono  celestis  gracie  uberius  conspezerint  se  refectoa,  a  Christi 

^)  darjfin  ans  darinn. 

')  So! 

^)  adiuftatur. 


Nachträge  zum  Aggsbacher  Urkandenbach.  213 

qooqae    fidelibns    ingiter  Teneretor,    de  oniDipotentia  dei  miiericordia  et  beatomm 

Petri  et  ^[lali,  apoBtolorum  eias,  aactoritate  conüii  omnibas  vero^)  penitentibus  et 

confeMie    qui    dictam    eccleBiam  in   Nativitat»,    circumcisionis,    epjphanie,  reeur- 

rectionis,    ascensionis  et  corporis    domiui    noatri  Jesa  Christi  ac  penthecostesi   nee 

Bon  in  natiritatis  porificacionis  annänciacionis    et  assümpcionis  sancte  Marie  vir- 

ginis  ae  natiritatis   aancti  Johannis  baptiste   dictoram  Petri  et  Pauli  apostolornm, 

tancti  Johannis    prefali  decoUacionis  ac  ipsius   ecciesie   dedicacionis  festivitatibus 

omntunaqae  sanctomm  celebritate  ^)  derote  yisitarerint,  annfiatim  et  ad  reparacionem 

ipsius  ecciesie  calicnmque  librorum  et  aliorüm  ornamentomm  pro  divino  cultu  inibi 

eelebrando  neeessariorum  conservacionem  ac  eiusdem  ecciesie  redditüäm  angmenta- 

cionem    qnocienscunqne   manäs   porrexerint   adintrices,   nos    cordinalis  et  legatus 

prefatus  pro   qnalibet   ipsarum    celebritatis    et  festivitatum  centum  dies  indulgen- 

eiarum  de  iniänctis  eis  penitentiis  misericorditer  in  domino  relazamüs,  presentibus 

▼ero  perpeti'iis   f^taris   temporibus  duratnris.    In    quorum   omniüm   et  singuUorum 

6deni  et  testimoninm  premissomm  presentes  litteras  exinde  fieri  et  per  secretarium 

aoitmm    subscribi  nostriqne    sigilli   oblongi   iussimus  et  fecimns  appensione  com- 

moniri.  Datnm  Wienne  Pataviensis  diocesis,  sub  anno  a  nativitate  domini  millesimo 

qaadringentesimo  quadragesimo  octavo,  indictione  undecima,  die  Tero  tertiadecima 

mensis  septembris,  pontificatus  sanctissimi,  in  Christo  patris  et  domini  nostrii  domini 

Kicoial  divina  providencia  pape  qninti  anno  secundo. 

Anf  der  PHm  :  1  in  der  Mitte  iwisehen  den  SiegvUehnitten :  e  diet  indutgeneiarum.  2  rechts : 
/0.  VttuUier,  »ecrttariu».  e.  d.  Diese  zwei  Bachstaben,  welche  centum  die*  bedenten,  wieder  von 
anderer  Hand. 

15. 
1458,  Mars  10. 

Geschwister   Kiegler  zu  Wesendorf  und  Gebrüder  Schrautann 

▼  erkaufen  dem   Hanns  Biegler  und    seiner  Hausfrau  ihren  Teil  am 

Weingarten  zur  Püchel-  peunt^)  um  lOV]  Pfund  Pfennig. 

Original  im  k.  a.  k.  Haas-,  Hof-  und  Staatsarehiv,  Pergament;  von  zwei  Siegel  fehlt  das 
«ist«  bis  aaf  die  Pressel,  am  zweiten  ist  nur  erkennbar,  dafl  es  als  IV,  C,  ins  Schema  gehört;  die  Um- 
schrift ist  abgebröckelt.  —  Bttckanfsehriften :  1.  Bechts  unten:  ÄhUuung  vinw  Peuntel  per  Rigler  ab 
cmicis  tm*.  2.  Unmittelbar  darunter  in  blasserer  Schrift:  Apparei  t»ae  vinea  Rigler  prope  Weiseen- 
breheH.  2J.  8.  Links  oben  in  der  entgegengesetzten  Ecke:  Sichü  video  pro  nobie  poete.  4.  In  der  Mitte 
oben,  von  verschiedenen  Binden:  1462' — H —  2i  (dies  durchstrichen  statt  dessen  unten):  N.  6t. 
Zwischen  beiden  Ziffern :  Kkuwjhfrit^f  iiter  am  toetni^arfen  lu  Pi^lpeünt  b.  Auf  und  neben  den  Pressein : 
K  29  (durchstrichen)  28  (8  durchstrichen,  daneben :)  4 ;  anf  der  Pressel :  28.  — >  Mit  der  Aufschrift  4  deckt 
»eh  grdfltenteils  der  Vermerk  im  Archivkatalog,  wie  ihn  Fuchs  a.  a.  0.  803,  Nr.  359,  bringt.  Seine 
y«mutnng  Ober  die  Lage  des  Weinberges  bei  Joching,  woselbst  dieser  auch  laut  Administrativkarte 
Nr.  48  links  oben,  zu  suchen  ist,  deckt  sich  wohl  mit  der  des  Schreibers  der  zweiten  Dorsualnotiz. 

Ich  Wolfgang  Rigläri  ich  Jorig  Riglar,  ich  Erhart  Riglar,  al  drei  gesessen  zu 
Wessendorff,  und  ich  Vrsula,  Anna,  Barbara  und  Elspet,  al  vier  swestem  der  obgenanten 
Biglär,  bechennen  ainhellichleich  auf  einem  tail,  und  ich  Petter  Schrawtann  und 
ich  Chunz  Schrawtann  gebrueder  desjtndem  tails,  bechennen  für  uns  und  für  al  unser 
eriben    and    miteriben  und  tfln  chund  offenleich  mit  dem  brieff  allen  den  er  für- 


^)  Statt  vere, 

^  a  Korrektur. 

^  Über  die  Örtlichkeit  gibt  die  zweite  RUckaufschrift  Auskunft. 


214  ^f*  Josef  Lampel. 

chumpt  ^e  genburtigeii  und  chunftigen,  dM  wir  veraintleich  und  mit  wol verdachtem 
mUett  und  gnetem  willen,  bq  der  seit  do  wir  das  mit  recht  wolgetanD  machten  ond 
mit  porkcherren  handen  Tercbanft  und  absalossen  geben  haben  nnsem  Weingarten, 
der  do  gelegen  ist  eu  PQchelpennt  znnagst  des  Zawnner  Weingarten  von  Steir;  Ton 
dem  Weingarten  man  jerleich  gibt  bo  purkchrecht  drei  phenning^)  an  sand  Micheb  tag 
und  nicht  mer,  dem  Chreinlein  zu  Jenching  in  sein  haus.  Den  obgenanten  Weingarten, 
nuczen  und  rechten  so  darzne  gehorrent  und  dovan^)  bechommen  mag,  haben  wir 
also  verchanft  und  absulossen  geben  Hanssen  dem  fiiglär  und  Barbara  seiner 
hausfrawn  und  irren  beiden  eriben  zu  seinen  rechten  und  eribtaillen,  ao  er  mit 
sambt  uns  daran  gehabt  hat,  umb  ainlefthalb  phund  phenning^),  der  wir  ron  inn 
ganz  und  gar  ausgericht  und  bezalt  sein  zu  rechten  tSgen  an  all  scliAden  hin* 
für  ledichleich  allen  irren  frum  damit  schaffen,  inhaben,  nuczen  und  geniessen, 
verscezen,  Terchauffen,  schaffen,  machen  und  geben  wem  und  sew  wellent  ann 
alle  irrung  und  hindemus.  Wir  sein  auch  dee  obgenanten  chanfs  und  ablQssiug 
ir  rechter  gewer  schermb  uud  furstand  fai  all  rechtlich  ansprach  als  chauli  ab- 
lossung  und  porkchrecht  recht  ist  in  dem  land  zu  Osterreich;  und  was  inn  mit 
recht  daran  abget,  des  si  zu  schaden  chOmen  dieselbing  schaden  wellen  wir  imi 
ablegen  und  widercherren  an  widerred;  und  das  schnllen  si  haben  auf  ans  allen 
unyerschaidenleich  und  auf  unsem  eriben  und  miteriben  und  darzue  auf  aller 
unser  hab,  wir  sein  lembtig  oder  tod.  Mit  nrehund  des  briefs  bestet.  Und  wann 
ich  obgenanter  purkcherr  aigen  insigdel')  nicht  enhab,  so  hab  ich  doch  mit  rhh 
gepeten  den  edeln  Hannssen  den  Lilingvelder  gesessen  zu  Jeuching,  das  er  sein 
insigdel ')  an  meiner  stat  an  den  brieff  gehangen  hat,  doch  im  und  mir  und  unter 
baiden  eriben  an  schaden;  und  des  ist  auch  gezeug  durich  unser  aller  obgenanten 
▼leissiger  gebet  willen  der  edel  Jorig  Uanber  diezeit  hoftnaister  in  Poltinger  hoff 
zu  Jeuching  auch  mit  seinem  anhangunden  insigdeP),  doch  im  und  seinen  eriben  an 
schaden ;  und  darunder  wir  uns  all  obgenant  verpinten  an  aides  stat,  alles  das  war 
und  stät  zu  haben  das  oben  an  dem  brieff  geschriben  stet.  Der  geben  ist  nach 
Christi  gepurd  yierzehenhundert  jar  und  darnach  im  zwaiundfunfchkisten^)  jar, 
des  freitags  von  sand  GregOring  tag  des  heiling  lerrer. 

16. 
1457,  April  7. 

Der  Sohn  und  die  beiden  Stieftöchter  des  Stephan  Schauer   tu 

Seiterndorf  verzichten    zu  dessen  Gunsten  gegen  eine  Geldentschi- 

digung  auf  ihr  mütterliches  Erbteil. 

Original  Im  k.  n.  k.  Haot-,  Hof-  und  Staatsarcbir,  Wien,  Peifunent,  teilweise  mit  enger  Sekhft, 
mit  Tinte  bespritst.   tnmal   die  lehr  sehmele  Plica:    drei  Siegel  fehlen;    loser  Siegelrett,  der  einen 

Plag    la   zeigen    scheint  und   den  Bchlnfi   der  Umschrift fif  (7);   ob  hieher  gehörig?  Blkekuf- 

sehriften :  1 .  Seitlich  am  linken  Rande :  Litttra  Hans  Sekateer  in  Stiterdcrff,  —  2.  Darunter  rerteidt- 
IfHtff  darinn  angtuaigt  ein  dienat  gein  Axspaeh  gehorind  bb.  a,  a.  (diese  letzten  zwei  darehetriehen).  -> 
S.  Unterhalb  der  Mitte:  14S7  —  K—  i8  (darchetriehen,  statt  desaen  weiter  nnten,  ^Vo. P.  Daswisehen: 


^)  Ausgeschrieben. 

')  douan. 

3)  So! 

*)  So!  statt  S3  funfzchkisien. 


Nachträge  zum  Aggsbacher  Urkandenbach.  215 

VerädUrifHef  eüiehar  erften  teegen  empfangener  erbsehaft  von  einem  guet  su  Scheittemdor/.  —  R&ckaaf- 
lekrifien  fkst  vdrüieb  Uberaiiiftininend  mit  dem  ton  Fachs  •.  ».  0.  S.  811,  Nr.  878  eingerflokt«n 
Tomerk  ms  dem  ▲rchtrskatalog  der  Kartaase  AggsVaeh.  Aach  hier  meint  der  Heransgeber  »obige 
ürkonde  mnfi  als  rerloren  geltenc.  Über  die  Art  wie  sie  ins  Aggsbacher  Archiv  gelangt,  stellt  er  eine 
geviA  ntreffende  Yermatong  auf;  es  könnte  auch  Deponierang  stattgefonden  haben. 

Ich  HannB  Schawer  gesessen  zn  Seittemdorf,  ich  Kathry  Hannsen  des  Majr 
SU  Setttemdorf  eleiehe  hausfraw,  ich  Elspett  Kolmans  des  Lneffen  zu  Tölan  eleiche 
bAasfraw,  alle  drew  geswistred,  b'ir  bekennen  offenlich  mit  dem  brief  füer  uns  und 
ill  unser  erben  and  tiln  mSnigkleich  künd  allen  lenten  gegenbttrtigen  und  künf- 
tigoi  von  aller  der  zQspräch  nnd  Tadrong  wegen  so  wir  gehabt  haben  hinz  mein» 
obgenanten  Hannsen  rechter  vater  and  anser  obgenanter  baider  swester  stewf- 
Tftter  Stephan  dem  Schawer  zu  Seyttrendorf  von  alles  des  güts  and  hab  wegen  so 
onier  liebe  rechte  maeter  Margreth  sein  erere  eleichew  haasfraw,  der  got  genad, 
in  sein  gewaltsamb  bracht  hat,  es  sei  erib  oder  Tarondgüt  oder  was  sew  baide 
miteinander  mit  gesambter  hant  erkanft  erarbait  and  zuwegen  bracht  haben  and 
was  des  die  obgenannt  Margreth  anser  rechte  miieter  mit  tod  hinder  Xr  gelassen 
hat,  nichts  darinn  aasgenomen  and  besanderleich  von  der  hernach  beschriben 
Btüpcch]^)  grünt  and  güeter  wegen:  von  erst  das  lehen  za  Seittemdorf  gelegen  za 
nagst  Ylreichs  de[s  Tjanner  lehen  daselbs  davon  [man  j6r]leich  dient  za  dem 
erwirdigen  gotzhaafi  gen  Agspach  Unsrer  frawn  porten  CharttUser  or[dens]  ain 
halb  phant  phenning  [an]  sand  Michelstag  and  die  halb  wisen  im  Nassenlach, 
daron  man  dient  dem  pharrer  za  Lostorf  drei  helbling  and  die  wisen  za  Cher- 
bach,  davon  man  dient  Jorigen  des  HOchstetter  seligen  chinder  in  Iren  hof  za 
Sejttmdorf  virdhalben  phenning  and  ain  acker  za  Mörens  in  Rewtern,  davon 
man  jerlich  dient  gen  Eberstarf  aaffem  perg  in  den  ambthof  vier  phenning,  and 
adn  acker  za  Tolan  in  Beatteren,  davon  man  dient  newn  phenning;  die  iecz- 
benanten  parkrecht  dient  man  albe^)  an  sand  Michelstag.  Die  ieczbenanten  stükch 
grfint  and  gtteter  habent  die  obgenanten  anser  rechter  vater  and  stewfvater  and 
QBser  rechte  müeter  baide  miteinander  gekanft,  and  dieselben  halbe  mit  halber 
zngehörOng  wlren  nach  des  obgenanten  ansers  vater  and  stewfvater  mit')  tod 
auf  ans  obgenante  geswistred  gefallen,  was  ans  za  unsrem  tau  and  unseren  erben 
darinn  rechtlich  geparet  biet  von  erbleicher  gerechtikait  wegen.  Umb  die  vor- 
genanten  Zuspruch  vadrttng  wartüng  and  gerechtikait  all,  so  wir  oder  anser  erben 
darinn  gehabt  bieten  oder  hinfuer  gehaben  bieten  mögen,  daramb  habent  ans 
frnmb  erber  weis  leat  baidtail  mit  anser  baidertail  willen  and  wissen  miteinander 
gericht  and  geaint,  dabei  es  hinfiir  beleibn  schol  an  all  aaszüg  getrewlich  and 
QDgeverlicb,  also  das  ans  der  obgenant  anser  rechter  vater  and  stewfvater  faer 
die  vorgemelten  anser  zusprach  vadrnng  and  wartang  ain  beraite  snmb  gelcz 
gegeben  hat,  der  wir  von  im  and  seiner  deichen  haasfrawn  Elspeten  ganz  and 
gar  gerieht  and  bezalt  sein  za  rechten  tagen  an  allen  schaden.  Daramb  so  ver- 
zeich wir  uns  der  obgenanten  stÜkch  grünt  and  güeter  aller,  daengegen  chain 
zäsprüch  zu  haben  weder  mit  recht  noch  an  recht,  geistleich  noch  weltleich  in 
chainerlai  weis  angeverleich,  dann  aasgenommen,  ob  mir  obgenanten  Hanns 
Sehawrer  der  tod  icht  geh,  das  ich  rechtleich  erben  schol  von  vätterleichs  erbtails 

i)  []  Tintenfleck. 

*)  So!  halbe?  gewifi  nicht,  eher  allbeg  =  allewege. 

^  Scheint  überflüssig. 


216  ^^'  Josef  Lampel,  Nachtr&ge  zum  Ag^gsbacher  Urkundenbuch. 

wegen,  des  veneich  ich  mich  nicht.  Es  schOUn  und  mögen  aach  der  benannt 
Stephan  Schawrer,  Elspet  sein  hansfraw  mit  den  benanten  stakchen  und  grflnten 
nnd  mit  aller  varanden  hab  damit  schaffen  all  ir  frttmb  mit  verseczen,  Terkanfen, 
schaffen,  machen  und  geben  wem  sew  wellen  an  uns,  aller  unser  erben  and  an 
m€nigkleich[s  vo]a^)  unsern  wegen  irrung  und  hindemttss  ungeverlich.  Bescbich 
aber  das  in  icht  krieg  oder  ansprach  darinn  aaferstUenden,  es  war  von  qdi. 
unsern  erben  oder  von  wem  das  war  von  uneem  wegen,  das  sew  zuschaden 
kernen  mit  dem  rechten,  dieselben  schaden  schüllen  sew  haben  und  der  bekomen 
zu  uns,  all  unseren  erben  und  darzu  auf  all  unsern  erben  und  guftte[m  so]-)  wir 
haben  gewQnen  oder  binder  unser  lassen,  nichts  darinne  ausgenomen;  davon 
mOgen  sew  aller  irer  scheden  bekOm[en]^),  so  sew  nächst  und  rechtlichist  m5gtn, 
das  ist  unser  guttlicher  will  an  all  auszüg  und  widerred  getrewlich  und  ung^e- 
verlieh,  wir  sein  lembtig  oder  tod.  Und  des  zU  urkund  geben  wir  obgenante 
geswistred  für  uns  und  all  unser  erben  den  offenn  brief  dem  benanten  Stephao 
Schawrer  meins  obgenanten  Hanns  Schawrer  rechter  vater  und  unser  baider 
swestem  stefvater  und  Elspeten  seiner  eleichen  hausfrawn  und  iren  beiden  erben 
besigelten  mit  des  erwirdigen  geistleichen  herren  hem  Thoroann  prior  des  ob- 
genanten gotzhauss  zu  Agspach  anhangunden  insigill,  darumb  wir  in  mit  vUbi 
gepeten  haben,  doch  im  und  seim  gotzhaus  an  schaden  und  an  iren  rechten  nn- 
vergriffenleich,  darhinder  wir  uns  obgenante  geswistred  verpinden  mit  unsern 
trewn  an  aidestatj  alles  das  war  und  stet  zu  haben  das  an  dem  brief  gescbribcs 
stet,  und  besigelt  mit  der  edeln  frawn,  frawn  Vrsula  Fridreichs  des  Hochsteter 
seligen  witlb  anhangunden  insigel,  gerhaberinn  des  obgenanten  Höchsteter  kinder, 
ir  und  iren  erben  an  schaden  und  den  benanten  kinden  an  irem  purkrecht  an- 
▼ergriffenlich;  und  das  bezeugt  durch  unser  vleissigem  pet  willen  der  edel  vest 
Thoman  Kolb  mit  seinem  anhangunden  insigil,  auch  im  und  sein  erben  so 
schaden.  Geben  an  phinztag  vor  dem  pluemüstertag,  nach  Kristi  gepürd  vineben 
hundert  jar  und  darnach  in  dem  siben  und  filnfzigistem  jare. 


1)  [  ]  Tintenfleck. 

*)  []  Tintenfleck. 

^)  [  ]  Tintenfleck;  von  hier  ab  rllcken  die  Zeilen  näher  zusammen,  um  des 
Text  noch  aufs  Pergament  zu  bringen;  es  war  höchste  Zeit,  wenn  noch  für  die 
Plica  etwas  erübrigen  sollte.. 


BIN  rechtssfrtjoh: 

ÜBBB  DIE 

BURG  STOCKERN 

IDS  DEM  IV.  JiHBHDNDEET. 


VOK 

DB.  JOSEF  EALLBBUNEB. 


Jliine  Stunde  westlich  etwa  von  dem  alten  Städtchen  Eggenburg 
liegt  das  Dorf  Stockern,  allenthalben  bekannt  als  Fundstätte  früh- 
geschichtlicher  Gegenstände.  Daselbst  steht  auch  das  Schloß  Steckern, 
einst  der  Stammsitz  des  weithin  berühmten  Geschlechtes  der  Stock*« 
horner.  Als  sie  in  der  zweiten  Hälfte  des  XV.  Jahrhunderts  die 
Barg  verloren,  behielten  sie  zwar  den  alten  Namen  bei,  nannten 
sich  aber  auch  nach  ihrer  Burg  Starein,  die  nicht  eben  sehr  weit 
nördlich  von  Stockem  liegt,  Stockhorner  von  Starein,  unter  welchem 
Namen  sie  noch  hente,  freilich  längst  nicht  mehr  in  der  alten 
Heimat,  blühen.  In  unseren  Tagen  ist  dem  Geschlechte  aus  der 
Familie  selbst  ein  Historiker  erstanden,  der  mit  Liebe  und  Sorgfalt 
dem  Geschicke  seiner  Vorfahren  nachging.  Seitdem  seine  Darstel- 
lung erschien^),  hat  sich  ein  Dokument  gefunden,  das  für  die 
Geschichte  des  Geschlechtes  und  der  Burg  von  Interesse  ist,  indem 
es  gerade  auf  die  bis  jetzt  recht  dunkel  gebliebenen  Geschicke  der 
Familie  sowie  der  Feste  in  der  zweiten  Hälfte  des  XV.  Jahrhunderts 
einige  Streiflichter  zu  werfen  vermag,  und  das  hier  über  Anregung 
des  Herrn  Otto  Freiherrn  von  Stockhorn  und  mit  dessen  gütiger 
Unterstützung  zum  ersten  Male  veröffentlicht  wird. 

Dieses  Stück  ist  die  Bestätigung  eines  Urteiles  über  die  Burg 
Stockem  durch  König  Ferdinand  I.  vom  8.  November  1639. 2)  Das 
Urteil  selbst,  von  der  niederösterreichischen  Regierung,  der  kom- 
petenten  ersten  Instanz   in  Streitsachen   des   nicht  landständischen 


^)  »Die  Stockhomer  tob  Starein«.  Versuch  einer  DarstelluDg  der  Geschichte 
Hves  Geschlechtes  von  Otto  Freiherr  Stockhomer  von  Starein.  Wien  1896. 

^)  Originftl-Pergamentlibelli  31  Folien  mit  Pergamenteinband,  Siegel  ans 
rotem  Wachs,  an  dem  Rande  beschädigt,  an  gold-rot-silbern-blaner  Schnur  an- 
hangend. Dieses  Libell  wurde  im  Jahre  1904  mit  mehrerei\  anderen  auf  Stockhorn 
beaSglichen  Urkunden  von  der  Krahaletz-Gesellschaft  in  Eggenburg  bei  einer 
Auktion  der  Firma  Gilhofer  und  Ranschberg  in  Wien  erstanden  und  dem  Archive 
de«  Krahnletz-Vereines  einverleibt.  Für  die  gütige  Überlassung  des  Libells  für 
diese  Publikation  sei  dem  Vorstände  des  Krahuletz-Mnieums  hiemit  der  wärmste 
Dtnk  ausgesprochen. 


220  ^^-  «^o«ef  Kallbruner. 

Adels,  geschöpft,  beschloß  einen  Prozeß,  der  auf  Klage  der  Brüder 
Martin  und  Leonhard  Stockhomer  und  des  Erasmus  Schneckenreiter, 
als  Vertreters  des  dritten  Bruders  Christoph,  geführt  worden  war.^i 
Beklagt  war  wegen  unrechtmäßigen  Besitzes  der  Feste  des  Ubrich 
von  Haselbach  Witwe  Regina.  Der  Prozeß  endete  mit  einer  Ab- 
weisung der  Kläger.  Die  Art  des  Prozesses,  die  ausführliche  Wieder- 
holung der  von  den  Klägern  und  Beklagten  eingebrachten  Klage- 
und  Beweisschriften  in  der  Urteilsbestätigung  bringt  es  mit  sich 
daß  wir  eine  Anzahl  Nachrichten  über  die  Genealogie  und  die  Ge- 
schichte des  Geschlechtes  aus  der  zweiten  Hälfte  des  XV.  und 
dem  Beginne  des  XVI.  Jahrhunderts  daraus  erfahren. 

Die  eingebrachten  Schriften  der  Kläger  und  Beklagten,  aus 
denen  sich  samt  den  Entscheidungen  des  Gerichtes  unser  Stück 
zusammensetzt,  sind  mit  aller  Verschrobenheit  und  Spitzfindigkeit 
der  spätmittelalterlichen  Prozeßführung  abgefaßt,  gefallen  sich  in 
weit  hergeholten  lateinischen  Floskeln  und  einem  ganz  ungeheuer- 
lichen Satzbau.  Der  Gang  der  Beweisführung  macht  es  für  die 
beiden  Parteien  wiederholt  nötig,  Urkunden  zu  zitieren.  Leider  ist 
aus  denselben  weit  weniger  zu  entnehmen,  als  man  von  vornherein 
erwarten  könnte.  Denn  in  den  allermeisten  Fällen  wird  über  den 
Inhalt  der  Urkunden  so  wenig  gesagt,  daß  wir  den  Schluß,  den 
die  Partei  aus  dem  Inhalte  zieht,  nicht  zu  prüfen  imstande  sind. 
Und  wenn  es  dann  etwa  vorkommt,  daß  die  beiden  Parteien  ans 
ein  und  derselben  Urkunde  etwas  ganz  verschiedenes  herauslesen, 
so  sehen  wir,  wie  sehr  hier  Vorsicht  geboten  ist.  Daß  natürlich 
auch  sonstige  Angaben  recht  tendenziös  gefärbt  sind  und  die  beiden 
Parteien  sich  oft  in  der  Erzählung  eines  Vorganges  sehr  wide^ 
sprechen,  braucht  ja  kaum  gesagt  zu  werden. 

Die  angeführten  Umstände  werden  eine  kurze  Inhaltsübersicht 
nicht  unwillkommen  erscheinen  lassen. 

Der  König ^)  tut  kund,  wie  am  3.  März  lö29  bei  der  nieder- 
österreichischen Regierung  von  den  Brüdern  Mert  und  Lienhart 
Stockhorner  und  Erasmus  Schnecken reiter  für  Christoph  Stockhorner 
eine  Klage  gegen  Regina  von  Haselbach,  des  Ulrich  von  Hasel- 
bach Witwe,  auf  Herausgabe  der  Feste  Stockhorn  eingebracht  worden 


^)  Siehe  Stammbaam. 

^)  Von  ihm  wird   im  gansen  Stück,    da  er    der  AaesteUer   der  Beetiti^og 
iet,  in  der  enteD  Person  gesprochen. 


Ein  Becbtsspruch  über  die  Borg  Stockem  ans  dem  XVI.  Jahrhundert.     221 

sei.  Sie  allein  seien  die  rechten  Erben  des  Ernst  Stockhorner^),  des 
letzten  Besitzers  der  Feste  aas  ihrem  Hause. 

Regina  von  Haselbach  bestreitet  die  Ansprüche  der  Stock- 
homer und  verlangt  von  ihnen  vor  allem  eine  Legitimierung.  Sie 
behauptet,  es  gar  nicht  mit  Stockhomem  zu  tun  zu  haben,  sondern 
mit  den  Stockhingern  ^).  Hätten  sie  aber  wirklich  einmal,  was  sie 
nicht  glaube,  gezeigt  daß  sie  Stockhorner  seien,  so  müßten  sie  erst 
nachweisen,  daß  sie  für  eine  Intestaterbenfolge  nahe  genug  ver- 
wandt seien.  Auf  etwas  anderes  als  die  Legitimation  einzugehen,  sei 
sie  vorderhand  nicht  gewillt. 

Die  Kläger  bestreiten  die  Behauptung  der  Beklagten  und  ver- 
sprechen, jeden  Beweis,  den  sie  als  Begründung  für  diese  Anschul- 
digung vorbrächte,  widerlegen  zu  wollen.  Die  Feste  Stockhom, 
sagen  sie  weiter,  sei  zur  Zeit  der  ungarischen  Wirren  ihrem  Ge- 
schlechte genommen  worden  und  die  Bestimmung  des  Preßburger 
Friedens^),  daß  ^esitzveränderungen,  die  eine  unmittelbare  Folge 
des  Krieges  seien,  rückgängig  gemacht  werden  müßten,  hätte  doch 
auf  diesen  Fall  Anwendung  zu  finden.  Nach  einer  umständlichen 
aber  belanglosen  Antwort  der  Beklagten,  schreiten  nun  die  Kläger 
an  ihre  Legitimation.  Vor  allem  führen  sie  eine  Reihe  von  Dokumenten 
auf.  mit  denen  sie  dartun  wollen,  daß  sie  wirklich  immer  für  Stock- 
homer gehalten  wurden.*)  Dann  weisen  sie  Wappen  von  ihren  Vor- 
fahren auf,  die  ebenso  wie  sie  den  Halbmond  führten.     Dann  ver- 

<)  Siehe  den  Stammbanm. 

^  Daß  die  KIftger  wirklich  Stockhorner  waren,  geht  schon  aus  dem  Stamm- 
baam  ganz  klar  hervor.  Wie  kam  aber  die  Gegenpartei  überhaupt  zu  diesem  Ein- 
wand? Sie  kann  Urkunden  anführen,  sogar  solche,  die  von  BrUdem  »Stockhinger«, 
die  den  gleichen  Vornamen  wie  die  Klftger  tragen,  ausgestellt  wurden  und  die 
aach  zeitl^h  durchaus  stimmen.  Hier  handelt  es  sich  wahrscheinlich  um  eine  an- 
dere Bezeichnung,  die  für  den  Kenner  des  Dialektes  nichts  Befremdliches  hat. 
Noch  heute  nennt  man  im  Volke  einen  Einwohner  von  Stockem  einen  Stockinger, 
wie  etwa  einen  von  Schiltern  Schiltinger  etc.  Daß  Namen  in  Urkunden  stark 
variieren,  ist  bekannt. 

5)  7.  November  1491. 

*)  In  der  ersten  dieser  Urkunden  tritt  ein  Niklas  Stockinger  als  Siegler  auf. 
Unbescbadet  unserer  früheren  Vermutung  sei  die  Möglichkeit  dieser  Tatsache  zuge- 
geben. Fieilich  maß  man  sich  immer  vorhalten,  wie  wenig  verläßlich  hier  zitiert 
wird  and  daß  die  Klftger  in  diesem  Falle  Interesse  hatten,  einen  Stockhinger,  der 
ein  von  dem  ihren  verschiedenes  Wappen  hatte,  anzuführen.  Wir  konnten  von 
einem  Getchlechte  der  Stockhinger  zu  dieser  Zeit,  das  in  diese  Verhftltnisse  paßt, 
nichts  finden. 


222  ^r.  Josef  Kallbraner. 

suchen  sie  die  Aufstellung  eines  Stammbaumes,  um  ihre  Verwandt- 
schaft mit  Ernst  von  Stockhom  zu  zeigen.  Darauf  folgt  die  Erzählung 
der  Geschicke  der  Feste  und  des  Geschlechtes  nach  dem  Aussterbeo 
der  älteren  Linie.  Die  nächsten  Erben  Ernsts,  ihr  Vater  Georg  und 
sein  Bruder  Wolfgang,  seien  bei  dessen  Tode  außer  Landes  gewesen. 
Da  hätte  denn  der  Kaiser  das  ledige  Erbe  Hans  dem  Wulferstorfer 
verliehen.  Doch  sei  es  dann  ihrem  Vater  zur  Zeit,  da  der  König 
Matthias  von  Ungarn  im  Lande  mächtig  war*),  gelungen,  durch 
diesen  zu  seinem  rechten  Erbe  zu  kommen.  Freilich  habe 
er  dann  bald  genug,  als  der  Wulferstorfer,  der  Wiener-Neustadt 
als  des  Kaisers  Hauptmann  gegen  den  Ungarkönig  verteidigte,  um 
den  Preis  der  Wiedererlangung  seines  Lehens  verriet,  auf  Befehl 
Matthias'  1487  aus  seinem  rechtmäßigen  Besitz  weichen  müssen. 
Den  Befehl  selbst  legen  die  Kläger  vor.  Alle  Anstrengungen,  die 
ihr  Vater  dann  beim  Kaiser  gemacht  hätte,  seien  fruchtlos  geblieben, 
besonders,  da  ihm  auch  die  Geldmittel  fehlten,  seine  Sache  mit  dem 
nötigen  Nachdrucke  zu  betreiben.  So  sei  es  denn  auch  beim  Tode 
des  Wulferstorfer  gewesen,  worauf  dann  Stockhom  Ulrich  von  Hasel- 
bach durch  seines  Schwagers,  des  Kardinals  von  Salzburg^)«  mäch- 
tige Fürsprache  erlangt  habe. 

Die  Beklagte  antwortet  nun,  ein  Beweis  der  Kläger  erscheine 
ihr  nach  keiner  Richtung  erbracht.  Was  den  Stammbaum  betrifil 
so  weist  sie  besonders  darauf  hin,  daß  beim  Fehlen  der  oberen 
Glieder  —  und  hier  hat  sie  recht  —  die  Verwandtschaft  der 
Kläger  mit  Ernst  unbewiesen  sei.  Die  sonstigen  Bedenken  verwirren, 
ohne  einen  stichhaltigen  Einwand  zu  bringen. 

Beide  Parteien  rufen  nun  die  Entscheidung  des  Gerichtes  in 
der  Frage  der  Legitimation  an.  Diese,  am  14.  Dezember  1530  er- 
flossen,  erklärt  die  Legitimation  als  nicht  gelungen. 

Wieder  suchen  die  Stockhorner  ihren  Stammbaum  zu  festigen 
mit  Urkunden  und  Anbietung  lebender  Zeugen  für  die  späteren 
Partien.  Die  nahe  Verwandtschaft  der  oberen  Glieder  des  Baumes 
suchen  sie  durch  die  Tatsache  zu  stützen,  daß  ihr  Urgroßvater 
Georg  —  Georg  I.   im   Stammbaume    —    wiederholt   als  Vormund 

*)  Diese  Vorgänge  fallen  in  die  siebziger  and  achtziger  Jahre  des  XV.  Jsb^' 
hunderts.  Vgl.  die  entsprechende a  Kapitel  bei :  H aber,  österreichische  Geschieht«.  Hl 

^)  Regina  von  Haselbaoh  war  eine  geborene  Lang  von  Wellenboxg'  und  die 
Schwester  des  einflußreichen  Katgebers  Kaiser  Maximilians  und  späteren  £r>' 
bischofs  von  Salzburg  Matthäus  Lang. 


Ein  Bechtasprnch  Qber  die  Burg  Stockern  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     228 

Ton  Angehörigen  der  älteren  Linie  sich  nachweisen  lasse.  Sonst  bringen 
sie  nichts  Neues  vor.  Ebensowenig  Wichtiges  enthält  die  Antwort 
der  Gegenpartei.  Die  Schreiben,  die  sie  vorlegen,  weil  darin  von 
Stockhingem  gesprochen  wird,  lassen  sich,  wenn  man  sie  genau  prüft, 
keineswegs  zu  einem  ernst  zu  nehmenden  G-egenbeweis  gebrauchen. 
Mit  dem  auf  Wunsch  beider  Parteien  von  der  niederösterrei- 
chischen  Regierung  gefällten  Urteile  vom  8.  Juli  1531  tritt  der 
Prozeß  doch  in  eine  neue  Phase.  Die  Legitimation  der  Kläger  wird 
anerkannt.  Wohl  wird  vom  König  auf  eine  Supplikation  der  Hasel- 
bach ein  Urteil  gefUlt,  das  den  Klägern  nicht  so  recht  gibt  wie 
die  Entscheidung  der  Regierung.  Wohl  folgt  jetzt  noch  derjenige 
Teil  der  Urteilsbestätiguog,  der,  arm  an  sachlichem  Inhalt,  voll  von 
juristischen  Spitzfindigkeiten  nichts  anderes  enthält  als  einen  Streit 
um  Worte,  wie  des  Königs  Urteil  auszulegen  u.  s.  w.  Aber  schließlich 
nach  einem  Urteil  der  Regierung  vom  25.  August  1534,  das 
wieder  mehr  zugunsten  der  Legitimation  lautet,  sind  doch  die  Be- 
klagten in  die  »Hauptsache«,  d.  h.  auf  die  Beweisgründe  der 
Kläger,  die  nicht  zur  Legitimation  gehören,  eingegangen. 

Zuerst  gehen  sie  nochmals  den  Stammbaum  durch.  Die 
Prüfung  ist  diesmal  doch  viel  objektiver.  Und  wenn  sie  auch  einige 
Bedenken  im  einzelnen  haben,  so  richtet  sich  doch  ihr  Hauptvor- 
worf  gegen  das  Mangeln  der  oberen  Glieder  des  Stammbaumes. 
Sie  machen  eine  Probe,  ob  die  Verwandtschaft  zwischen  Ernst  Stock- 
homer und  den  Klägern  im  oder  unter  dem  zehnten  Gliede  sei, 
wie  dies  zur  Erbenfolge  ohne  Testament  des  Erblassers  nötig  war, 
and  kommen  zu  einem  negativen  Resultate  für  die  Kläger.  Weiter 
sagen  sie,  sei  doch  bekannt,  wie  Kaiser  Friedrich  III.  damals, 
als  es  gegen  Mayreß  ^)  gegangen  sei,  Stockhorn  wegen  des  Aufruhrs 
der  Besitzer  gebrochen  und  die  Feste  und  die  dazugehörigen  GtLter 
konfisziert  habe.  Damit  sei  doch  jedes  Recht  der  Stockhorner  für 
immer  aufgehoben. 

Dazu  legen  sie  den  Lehenbrief  des  Kaisers  vom  Jahre  1484 
für  Hans  den  Wulferstorfer  vor,  wodurch  dieser  mit  Stockhorn  be- 
lehnt wird.^  Von  der  Konfiskation  bis  1484  habe  der  Kaiser  Stock- 
horn mit  den  Eggenburger  Gütern  verwalten  lassen.  Gegenüber  dem 

^)  Maires  oder  Meires  bei  Windigsteig^  im  Bezirke  Waidhofen  a.  d.  Thaya, 
▼gl.  jetBt:  NiederOsterreichische  Topographie.  VI,  S.  352  ff. 

^)  Vielleicht  identisch,  jedenfalls  inhaltlich  nahestehend  dem  Revers  des 
Wnlferstorfers  Tom  10.  September  1484.  »Stockhorner«.  B.  162. 


224  ^'*  Jo*«^  KAllbnmer. 

Fiskus  vor  allem  müßten  die  Kläger  ihre  Ansprüdie  erheben.  Aber 
längst  schon  seien  die  Rechte  der  Stockhomer,  die  schon  über 
60  Jahre  nun  nicht  mehr  im  Besitze  der  Feste  wären,  verjährt,  wo 
doch  40  Jahre  zur  Verjährung  genügten.  Dann  erzählen  sie.  wie 
auch  Kaiser  Maximilian  die  Feste  erst  dem  Wulferstorfer  und  dann 
1504  dem  Wolf  gang  von  Entzersdorff  verliehen  habe.  Schon  im 
folgenden  Jahre  sei  dann  Ulrich  von  Haselbach  in  Besitz  von  Stock- 
horn  durch  des  Kaisers  Brief  gekommen.  Als  dann  der  Besitz  von 
&ben  des  Wulferstorfers  aus  einer  Seitenlinie  den  Haselbachs  an- 
gefochten worden  sei  und  sie  beim  Kammergericht  1512  den  Prozefi 
gewonnen  hätten,  da  wäre  nie  von  einem  Anspruch  der  Stockhomer 
etwas  vernommen  worden.  Was  sie  vorgebracht  hätten,  daß  ihr  Vater 
Georg  1487  von  Stockhorn  durch  Matthias  vertrieben  habe,  also 
die  Feste  innegehabt  haben  müsse^),  sei  doch  nicht  von  Belang,  da 
es  sich  nicht  um  einen  rechtmäßigen  Besitz  gehandelt  habe. 

Folgt  eine  Antwort  der  Stockhomer.  Daß  die  Beklagten  sie 
fortwährend  Stockhinger  nennen,  würde  für  sie  späterhin  den 
Gegenstand  zu  einer  Klage  wegen  dieser  schweren  Beleidigung 
bilden.  Bedenken  müsse  man  doch  auch,  daß  ihnen  viele  Dokumente. 
54  wissen  sie,  verloren  gegangen  seien.  Wenn  die  Beklagten  von 
einem  Heimfall  Stockhorns  sprechen,  sei  das  unrichtig,  weil  die 
Feste  immer  freieigenes  Gut  und  kein  Lehen  gewesen  sei.  Vod 
einer  Vertreibung  des  Ernst,  auf  die  die  Kläger  angespielt  hätten, 
könne  keine  Rede  sein.  1475  habe  er  noch,  sie  legen  dafür  ein 
Dokument  vor,  Stockhorn  als  sein  freies  Eigen  behandelt.  Die  Ver- 
fügung des  Matthias  von  1487  habe  doch  als  die  eines  eingedruD- 
genen  Landfeindes  keine  Rechtskraft. 

Nochmals  kommen  die  Beklagten  zur  Antwort.  Sie  fangen 
zuerst  wieder  mit  den  Stockhingern  an.  Gleichheit  des  Wappens,  die 
auch  angeführt  ward  zum  Beweis,  daß  die  Kläger  Stockhomer  seien, 
bedeute  nicht  so  viel.  Sie  verdächtigen  dann  die  Kläger,  die  nach 
dem  Tode  Ulrichs  von  Haselbach  zu  ihnen  gekommen  seien  und 
sich  das  Kirchbuch  aufschlagen  ließen,  sie  hätten  daraus  erst  ihre 
Beweismittel  genommen.  Beim  Heimfall  anderer  Sockhomiscber 
Lehen,  etwa  von  Puchberg^)  oder  Walkerskirchen')  hätte  man  von 

^)  Siehe  oben,  8.  222. 

3)  Puchberg  am  Kamp,  Bezirkhaaptmannichaft  Hom.  V^^I.  dazn:  »Die  Stock- 
homer«, besonders  8.  152 — 154. 

')  Walterskirchen  bei  Pojsdorf,  Besirkshauptmannsehaft  Mistelbaeh. 


Ein  Rechtsspruch  über  die  Borg  Steckern  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     225 

Ansprüchen  der  jüngeren  Linie  nichts  gehört.  Die  Konfiskation  sei 
genügend  dargetan;  hier  von  der  Unmöglichkeit  eines  Heimfalls 
reden,  heiße  die  ganze  Sache  durch  eine  Dentelei,  die  nicht  am 
Clatze  sei,  verschleppen.  Das  Dokument  aus  dem  Jahre  1475,  das 
die  freie  Verfügung  Ernsts  über  Stockhorner  Güter  dartun  solle, 
betreffe  nicht  solche  sondern  ganz  andere.  Von  dem,  was  sie  sonst 
noch  vorbringen,  ist  etwa  von  Interesse,  daß  Ulrich  von  Haselbach 
an  Stockhorn  die  Schäden,  welche  die  Eroberung  der  Burg  ange- 
richtet hatte,  wieder  gut  zu  machen  sich  bemühte  und  etwa  7000  fl. 
darauf  verwendete. 

Im  folgenden  legen  dann  die  Stockhomer  noch  zwei  Doku- 
mente vor,  von  denen  sich  das  eine  als  eine  Begnadigung  des  Kaisers, 
das  andere   der  Hauptleute  desselben  für  die  Stockhorner  ausgibt. 

Von  dem,  was  noch  folgt,  sei  höchstens  noch  erwähnt,  daß 
die  Haselbach  sich  erbieten,  Zeugen  der  Erstürmung  Stockhoms 
darch  den  Kaiser  vorzuführen  und  daß  sie  darauf  hinweisen,  nirgends 
in  diesen  Begnadigungen  sei  von  einer  Belassung  der  Güter  für  die 
Begnadigten  die  Bede.  Nach  einer  Zusammenfassung  aller  ihrer  Be- 
weisgründe durch  die  Haselbach  folgt  das  Urteil. 

Das  Urteil,  gefällt  am  2.  Mai  1536,  spricht  eine  Abweisung 
der  Kläger  aus. 

Es  ist  noch  unsere  Aufgabe,  einige  Worte  zu  sagen,  inwieweit 
durch  das  Urteil  unsere  Kenntnis  der  Geschichte  der  Feste  und  des 
Geschlechtes  bereichert  wurde.  Da  ist  einmal  die  Genealogie  des 
Geschlechtes.  Weniger  fällt  hier  das  in  die  Wagschale,  was  neu 
erfahren  warde  als  die  Bestätigung  dessen,  was  schon  bekannt  war. 
Was  in  mühseliger  Einzelforschung  zusammengetragen  war,  findet 
hier  seine  Bestätigung.  Einzelne  Korrekturen  hat  aber  unser  Stück 
immerhin  ermöglicht.^) 

Für  die  Zeit  vor  dem  Verluste  Stockhorn  s  ist  für  die  Geschichte 
des  Geschlechtes  kaum  viel  zu  gewinnen.  Einzelne  Verwandtschafts- 
verhältnisse etwa  und  noch  einiges,  was  wir  über  die  Geschichte 
Stareins  erfahren.  Wie  es,  von  alters  ein  Hardeggsches  Lehen  2), 
durch  die  Floyten  in  die  Familie,  dann  später  von  der  älteren  zur 
jüngeren  Linie  durch  Kauf  kam. 


^)  So  die  richtige  Einordniing  Kaspars  in  die  jüngere  Linie  und  Wolfgangs, 
des  Vaters  Ernsts  und  Ortolfs. 

^  Siehe:  »Stockhorner«.  S.  153. 
JfthrbiLcli  d.  y.  f.  Landeskunde.  1907.  15 


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iän  Rechtsspruch  über  die  Burg  Stockem  aas  dem  XVI.  Jahrhundert.     227 

Die  Geschicke  der  Feste  seit  1474  sind  eher  noch  etwas  be- 
leuchtet worden.  1474  ist  wohl  das  Jahr  der  Einnahme  der  Feste 
durch  die  Kaiserlichen.  Das  besagt  schon  eine  Wiener  Quelle  ^\  aber 
auch  wenn  in  unserem  Stück  davon  die  Rede  ist,  daß  es  1535  in 
die  60  Jahre  sei,  daß  Stockhorn  aus  dem  Besitz  seiner  alten  Herren 
gekommen,  so  stimmt  das.  Dann  heißt  es,  die  Burg  sei  mit  des 
Kaisers  Eggen  burger  Gütern  verwaltet  worden,  bis  sie  dann  1484 
an  den  Wulferstorfer  verliehen  worden.  So  sagen  die  Beklagten. 
Die  Kläger  sagen,  bis  zu  seinem  Tode  sei  Ernst  der  Inhaber  Stock- 
horns  gewesen.^)  Aber  für  die  Beklagten  spricht  doch  die  Urkunde 
vom  10.  September  1484^),  worin  es  heißt,  der  Kaiser  verleihe  dem 
Wulferstorfer  die  Güter  und  Untertanen,  die  weiland  den  Stock- 
hörnern  abgesprochen  worden,  und  gestatte  ihm,  die  gebrochene 
Feste  wieder  aufzubauen.  Dagegen  vermag  die  »Absolution«  der 
Kläger  wahrlich  nicht  viel!  Es  ist  doch  recht  wahrscheinlich,  daß 
Ernst  Stockhomer  sein  Erbe  wegen  Aufruhrs  für  immer  verlor. 
Der  Wulferstorfer  wird  sich  des  Besitzes  nicht  lange  erfreut  haben. 
Für  ihn  gab  es  anderes  zu  tun.  Er  hat  im  Kriege  gegen  Matthias 
Corvinus  über  ein  Jahr  Wiener  Neustadt  gehalten.  Daß  er  es  ver- 
raten habe,  weiß  keine  einzige  Quelle  sonst  zu  berichten.  Man  wird 
aaf  diese  Nachricht  unserer  Quelle  am  besten  kein  Gewicht  legen. 
Inzwischen  hatte  sich  in  der  Feste  der  Vater  der  Kläger,  Georg, 
wieder  festgesetzt.^)  Er  war  wohl  auch  gekommen,  da  des  Kaisers 
Feinde  ins  Land  gezogen  waren.  Aber  er  muß  dem  Machtgebot  des 
Ungamkönigs  schon  1487  wieder  weichen.  Der  wollte  sich  auch 
tüchtigen  Männern,  wie  dem  Wulferstorfer,  freundlich  erweisen. 
Bis  zu  seinem  Tode  lö04  hat  er  die  Feste  besessen.  Ob  inzwischen 
die  Stockhorner  wirklich  Bemühungen  machten,  wieder  zu  ihrem 
Besitz  zu  kommen,  ist  doch  recht  fraglich.  1504  kam  Stockhorn 
an  Wolfgang  von  Entzersdorf,  schon  im  folgenden  Jahre  an  Ulrich 
von  Haselbach,  den  Verweser  der  kaiserlichen  Güter  in  Eggenburg. 
Sein  mächtiger  Schwager,  Herr  Matthäus  Lang,  mag  ihm  dabei 
immerhin  geholfen  haben  Wieder  sollen  damals,  so  behaupten  die 
Kläger,  die  Stockhomer  Ansprüche  erhoben  haben. 

^)  Siehe:  > Stockhorner«.  S.  46 f. 

^  Wann  Ernst  gestorben  ist,   ist    nicht  sicher.    Die  letzte  urkundliche  Er- 
wähnung ist  1480.  Fontes  rer.  Austr.  II,  Bd.  LV,  S.  159. 

3)  Siehe:  »Stockhomer«.  S.  152. 

*)  Georg  II.,   Hauptmann   auf  G5ttweig.    Fontes   rer.    Austr.  II.   Bd.  LV, 
8.  326  ff. 

15* 


228  ^r*  Jo8«^  Kallbruner. 

Äußer  dem  Prozeß  selbst  weiß  die  Quelle  nichts  mehr  zu  be- 
richten und  so  mag  denn  jetzt  der  Text  folgen.  ^) 


Königliche  Urteilsbestätigung  vom  8.  November  1539. 

Wir  Ferdinannd  von  gottes  genaden  römischer,  zn  Hangern  and  Behaim  etc. 
kanig,  infant  in  Hispanien,  erzherzog  zu  Osterreich,  herzog  zu  Burgondi,  Sterr, 
Kamndtn,  Crain  und  Wiertemberg,  grave  zu  TyroU  etc.  bekennen :  das  am  midcfaeD 
nach  dem  sonntag  Oculi  in  der  vasten  den  dritten  tag  marcii  des  funfzehenhcii- 
dertisten  und  neanunzwainzigisten  jars  negstvergangen  vor  unserm  statfaalter  and 
regenten  derselben  zeit  unserer  niderosterreichischen  lande  unser  getreu,  lieb  VLai 
und  Liennhart  gebrueder  die  Stockhornner  und  Erasm  Sneckhenreiter  durch  iren 
volmachtigen  gewaltrager  erschinen  sein  und  haben  daselbs  wider  die  erbem  an- 
dechtigen  Regina  weilend  Ulrichen  von  Haslbach  gelassen  wittiben,  tochtem  and 
erben  als  inhaber  der  vesten  Stockhorn  zusambt  derselben  ein-  und  znegehonmgeo 
laut  ainer  ladung,  die  si  in  gericht  einlegen,  in  recht  clagweise  zu  erkennen  ge- 
ben lassen,  wie  bemelte  vest  Stockhorn  mit  aller  irer  zuegehorung  als  ain  frei 
aigen  gaet  inen  rechtlichen  zuegehore  und  nach  absterben  Emnsten  Stockhornner 
ires  vettern  seligen  erblichen  an  si  kumen  und  gevallen  sei.  Si  mochten  aber 
solcher  vesten  mit  aller  ein-  und  zuegehorung  sampt  den  aufgehaben  nutzongen 
von  den  obgemelten  wittib  und  erben  als  inhaber  und  besitzer  on  recht  nit  b^ 
kumen;  baten  und  begerten  darauf  die  genanten  Mert  und  Liennhart  die  Stock- 
hornner gebrueder  in  recht  zu  erkennen,  dass  die  gedachten  wittib  and  erben  Ton 
Haslbach  inen  als  den  rechten  erben  Stockhorn  mit  seinen  zuegehornngen  sambt 
aufgehaben  nutzungen  abzutretn  und  einzeantworten  schaldig  sein,  sovil  inen 
baiden  gebruedern  zu  irem  gebuerenden  tail  rechtlich  zuegehort  und  gebuert.  Der- 
gleichen bäte  und  begerte  obgenanter  Erasm  Sneckhennreiter  auch  in  recht  ni 
erkennen,  das  Cristoffen  Stockhornner,  dem  der  drit  tail  neben  obgedachten  seinen 
gebruedern  aus  Stockhorn  zu  seinem  tail  rechtlichen  zuegehort  und  erblichen  auf 
ine  gevallen,  solchen  seinen  gebuerenden  tail  er  Cristoff  Stockhornner  ime  dem 
Sneckhennreiter  rechtlichen  übergeben  und  wol  übergeben  hab  mugen,  Inhalt  des 
ubergabbriefs,  den  er  in  gericht  einlegte,  und  das  deshalben  die  bemelten  wittib 
und  erben  ime  als  cessionario  ^)  solchen  des  Christoffen  Stockhornner»  gebuerenden 
tail  sambt  den  aufgehaben  nutzungen  auch  abzutreten  und  einzeantworten  schaldig 
seien.  Und  das  solches  alles  billich  und  recht,  seczten  die  obgenanten  Stockhornner 
und  Sneckhenreiter  mit  vermeldung  ires  darlegen  zu  rechtlicher  erkantnus. 

Daentgegen  erschinen  die  vorgenanten  wittib  und  erben  von  Haslbadi 
durch  iren  volmachtigen  gewaltrager  auch  vor  gericht  und  haben  daselbs  schrift- 

^)  Die  Edition  sucht  besonders  durch  Auslassung  von  Konsonantenhäufungen 
die  damalige  Schreibweise  der  modernen  etwas  näher  zu  bringen.  Die  Vokale 
wurden  belassen,  sonst  nach  den  üblichen  Prinzipien  bei  wissenschaftlichen  Editionen 
vorgegangen. 

^)  Derjenige,  an  den  die  cessio  (Abtretung)  erfolgte. 


Ein  ReehtBspruch  über  die  Buig  Stockern  aas  dem  XVI.  Jahrhundert.      229 

liehen  forbiingen  lassen,  das  vor  allen  dingen  die  personen  des  rechtens  suUen 
legitimiert  und  si  zuvor  zn  antworten  nicht  schuldig  noch  si  die  widerparthei 
diser  seit  für  teuglich  clager  zu  erkennen.  Das  wellen  si  also  einfuem,  nemblich 
das  sich  Mert  und  Liennhart  die  Stockhinger  für  sich  selbe,  Erasm  Sneckhenn- 
röiter  auf  ain  übergab  von  Cristoffen  Stockhinger  des  dritten,  für  weilend  Emnsten 
Stockhomners  vettern  ausgeben,  von  dem  die  vest  Stockhorn  mit  aller  znegehorung 
erblich  an  si  kumen  sein  suUe,  bringen  aber  deshalben  in  was  grad  und  sibschaft 
ii  bemeltem  Emnsten  Stockhomner  verwont  in  glaubwürdigem  schein  nichts  für, 
dammb  li  Iren  plossen  Worten  und  beruemen  nit  schuldig  glauben  zu  geben,  das 
Stockhomner  des  namen  stamen,  sonder  die  clager  Stockhinger  haissen.  Doch  wo 
d  lieh  darüber  Weisung  unterstienden  ^),  dawider  behalten  si  inen  gegen  Weisung 
and  alle  notdurft  bevor.  Und  sodann,  wie  obvermelt  der  clager  person  vor  ver- 
fachimg  des  kriegs^)  sullen  legitimiert  werden,  so  sein  si  schuldig  ir  beweiste 
fruntschaft,  wie  nachent  und  in  welchem  grad  si  Ernnsten  Stockhomner  verwont 
gevresen,  furzubringen,  ob  si  auch  Stockhomner  oder  Stockhinger  haissen  gleiche 
namens  and  stamens,  dagegen  behalten  si  inen  bevor  ir  notdurft  und  dennocht, 
wenn  solches  beschiecht,  des  si  nit  verhoffen,  zu  seiner  zeit  rechtmässig  Ursachen 
daizabringen,  das  ir  vennaint  dag  wider  si  nit  stat  hab  und  billich  davon  sullen 
absoWiert  werden;  vermelden  sonst  ir  darlegen  und  behalten  inen  weiter  bevor 
tlle  notdurft. 

Auf  das  Mert  und  Liennhart  die  Stockhomner  gebrueder  und  Erasm 
Sneckhenreiter  schriftlich  furgaben,  si  nemb  wunder  der  widerparthei  fluchtigen 
and  weitschwaifigen  eingelegten  schrift,  die  sich  nuer  zu  verlengerung  und  flucht 
entrecket,  nemblichen  und  zu  dem  ersten:  Das  die  gemelten  wittib  und  erben  von 
Hasibach  einfaeren  und  begem  ain  legitimation.  Nun  sei  menidichen  wissent  und 
u&  tag,  was  namens,  stamens  und  herkumens  si  sind  und  von  kaiserlicher  und 
königlicher  majesteten  auch  uns  und  sonst  von  aller  weit  und  meniglich  für 
Stockhomner  erkennt,  gebalten  und  genant  und  nicht  Stockhinger  und  di  si  auch 
der  der  warhait  sind.  Wo  aber  die  widerparthei  ainicherlai  Weisung,  als  si  sich 
^niemen,  dawider  furbringen  wurden,  das  si  Stockhinger,  wie  si  die  achten, 
wellen  li  hören  und  inen  ir  gegenweisung  und  alle  notdurft  bevor 'behalten  und 
>^t  ir  fluchtige  Schriften  abgelaint  haben. 

Zum  andern,  so  ist  wissent  mit  was  mass  und  titl  und  als  den  rechten,  natur- 
Hchen  erben  Stockhorn  mit  aller  ein-  und  zuegehorung  ans  ir  gewalt  kumen,  si 
denelben  possession  entsetzt  und  entwert  ^)  und  in  frembt  hent  gestellt,  das  aUes 
m  den  vergangen  hungerischen  kriegsleufen  beschehen.  Dieweil  aber  der  aufgericht 
traktat  zu  Prespnrg^)  beschehen  vermag,  das  ainem  jeden  naturlichen  erben  sein 
^et,  Bo  in  den  hungerischen  kriegsleufen  abgednmgen,  wider  eingeantwort  sol 
'erden,  des  si  sich  dann  als  die  rechten  naturlichen  erben  die  Stockhomner  mit 
recht  darznezukumen  zu  lassen  undertheniglichen  versechen  und  der  widerparthei 
nicht  (olch  ungegrundt  flucht  gestatten,  sonder  si  auf  ir  dag  inhalt  der  ladung 
iiicht  allain  zu  antworten,    sonder  auch  nach  vermugen  des  tractats,   zu  Prespurg 


0  Den  Beweis  auf  sich  nehmen. 

')  Beginn  des  Rechtsstreites. 

^)  Ans  der  G«were  (Besitz)  gesetzt. 

0  Friede  von  Preßburg,  7.  November  1491. 


230  l^r.  Josef  Kallbrnner. 

aafgericht,  der  dann  in  sein  wurkang  und  craft  gangen,  and  nun  etlicbmal  ror 
disem  gericht  inhalt  desselben  tractats  geurtlt  und  die  entwerten  irer  posfession 
wider  eingesetzt  worden,  ine  Stockbom  als  die  entwerten  sambt  den  aufhaben 
nuzungen  und  den  erlitten  schaden  abzedreten,  einzeant werten  und  zu  bezalen 
schuldig  seien.  Das  solchs  billich  und  recht,  das  wellen  si  zu  rechtlicher  erkant* 
nus  gesetzt  haben,  gesteen  inen  durchaus  irer  fluchtigen  schrift  nicht,  mit  vor- 
behält aller  notdurft,  cost  und  darlegen. 

Dawider  des  von  Haslbach  wittib  und  erben  sagen  lassen,   die  Stockhioger 
Fambt  dem  Sneckhenreiter  bedürfen  sich  irer  rechtmassigen  ezcepcion^),    die  auf 
ainen  bestandigen  g^unt  gestellt,  wie  die  recht  solchs  zuelassen,  nicht  verwundern. 
noch  das  für  ainen  fluchtigen  und  weiten  ausschwaifens  zu  flucht  und  rerlengeroog 
der  Sachen  achten,    sonder  sich  ist  mer  an  irem  eitl  und  muetwilligem  furgebeo. 
das  doch  an  allen  grünt  beschiecht,  wie  hernach  volgt,  zu  verwundern.  Und  damit 
dannocht  das  gericht  irer  rechtmessig  excepcion  ainen  grünt  haben,    das  di  inen 
zu  notdurft  und  kainer  ausflucht  gestellt,    so  wellen  und  ervordem  die  recht,  das 
die  personen  derselben  vor  allen  dingen  sullen  legitimiert  werden.  Nun  gesteen  »i 
aber  den  Stockhingem  und  dem  Sneckenreiter   auf  sein  vermainte  übergab  kains 
warhaften  und  bestandigen  gemainen  geschrai-),    das   si  Stockhornner  des  namen 
und  stamen,    wie   si   sich  mit  laren  und  plossen  werten  beriemen,    oder  das  »i  je 
von  kaiserlicher  majestat  noch  uns  darfur  gehalten,  allain,  was  si  sich  mit  eitlkait 
selbe  beruemen  eingedrungen  dafür  ausgeben    und    auf   ir   ungegrundx  anbrin^n 
beschehen  mocht  sein,  dem  si  aber  kainen  glauben  geben,  noch  deshalben  ainicher 
lai  in  glaub  wird  igen  schein  dargebracht  wirdet;  stet  also  der  besluss  irer  excepcion 
ungeswecht,   dieweil  si  den  Stockhingem  und  Schneckhenreiter  nit  gestandig,  di$ 
si  des  Stockhornner  frund  und  erben,  darfur  si  sich  ausgeben,  gewesen,  deshalben 
si  aiuicherlai  zu  begem  bieten. 

Weiter  gesteen  si  den  Stockhingem  nit,  ob  si  gleich,  unbekent,  beiriseo 
und  darbrachten,  das  si  Stockhornner  und  in  sibschaft  so  nachent,  das  si  der 
Stockhornner  erben  mochten  sein  und  derselben  was  si  erblich,  darumb  inen 
doch  nit  wissen t  noch  hiemit  zu  ainicherlai  wellen  bekennt  haben,  erblich  mochten 
nachsteen,  dieweil  doch  die  rechten  ausgedruckte  mass  seczen,  wie  lang  ncd 
in  was  grad  der  sibschaft  ainer  für  ainen  erben  geacht  und  in  erbechaft  muge 
zuegelassen  werden.  So  aber  die  Stockhinger  ir  beriemen  ausgeben  und  ir 
yemainen  nit  darbringen  und  die  Weisung  unrechtmässig  auf  si  laiten  woiten« 
dabei  zu  versteen,  das  si  ir  beriemen  und  furgeben  nit  weisen  mugen,  vi^ 
wohl  si  das  vor  allen  dingen  zu  tbuen  schuldig,  ei  enim  qui  dicit  incumbit 
onus  probandi'),  wen  in  also  di  auferlegt  und  si  darzue  gelassen,  alsdann  be- 
halten  si  inen  gegenweisung,  das  si  Stockhinger  und  nit  Stockhornner,  und  alle 
notdurft  bevor.  So  ervolgt  abermals  ir  furgeben  und  beslus,  war  zu  sein,  das  si 
nit  Stockhornner  oder  derselben  grad  und  sibschaft.  Wes  sonst  die  Stockhinger 
vermainter  weis  einfueren,  wiewol  dasselb  on  allen  grünt  beschiecht,  gebort  in  die 
haubtsach  und  ist  dieser  zeit  Verantwortung  nit  wirdig.  wellen  inen  auch  de«* 
halben  stilUchweigund   nichts    bekennt   haben,   dieweil    si  sich  dann  irer  notdurft 


')  Klageeinwand. 

^)  Klage.  • 

3)  Dem,  der  eine  Behauptung  aufstellt,  obliegt  auch  der  Beweis. 


Ein  Bechtssprnch  über  die  Borg  Stockem  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     231 

uod  kainer  flacht,  wie  si  die  Stockhing^r  an  allen  beständigen  gmnt  beschnldigen, 
gebrauchen,  das  si  auch  nit  glaubwirdig  darbringen,  das  si  des  ersten  Stock- 
hornners  erben  und  dermassen  in  grad  und  sibschaft  verwont,  das  si  in  erben  und 
dem  erblich  oder  ainicherlai  hinder  sein  verlassen  nachsteen  mochten,  dadurch  ir 
person  legitimiert,  das  vor  allen  dingen  beschehen  soll,  so  begeren  si  sich  von  ir 
selbs  mnetwilligen  und  erdichten  clag  zu  absolvieren;  vermelden  sonst  ir  darlegen 
und  behalten  ine  weiter  bevor  alle  notdurft. 

Auf  diese  der  witiben  und  erben  von  Haslbach  eingefuert  schrift  gaben  die 
^tockhomner  gebrueder  und  Sneckhenreiter  verrer  nachvolg^nt  underricht  zu  ver- 
neinen, wellen  auch  damit  ir  person  zu  den  rechten  legitimiert,  gewidmbt  oder 
geewigt  und  darzne  die  injurien,  das  inen  die  antworter  im  rechten  namen  ver- 
kem  wolten  und  Stockhinger  genennt,  beherzigt  haben.  Wann  und  zu  dem  ersten, 
si  nicht  die  Stockhinger  sonder  die  Stockhornner  genennt  werden,  wie  dann  auch 
ir  Yorfordern  also  g^haissen  haben  und  si  jeczo  von  meniglich  des  namen  und 
stamen  der  Stockhornner  geacht  und  gehalten  werden  und  die  si  auch  in  warhait 
$ein,  das  si  also  darbringen  und  glaublich  anzaigen  thuen  wellen. 

Zum  ersten  sein  viererlai  geslacht:  Stockhinger,  Stockhamer,  Stockher  und 
^to€khornner•  Und  damit  das  gericht  zu  grundlicher  erkantnus  kumen,  so  sint  im 
iand  Osterreich  gewesen  edlleut,  so  die  Stockhinger  gehaissen,  haben  in  irem 
Wappen  und  schilt  gefuert  ain  Weinreben  nnd  zwai  weinper.  Solch  Stockhinnger 
dem  namen  Stockhornner  nlt  gfrundt  gewesen  sonder  mit  dem  namen  und  wappen 
▼on  einander  getaut  und  gar  kein  gemainschaft  gehabt  haben.  Bringen  desbalben 
biemit  für  ain  papieren  brief  oder  aufsant^)  von  Margrethen,  Nidausen  Stock- 
hornner gelassen  witib,  irer  andl,  so  Jörgen  Grabmers  tochter  gewesen,  ausgangen, 
velcfaen  brief  Niclaus  der  Stockhinger,  so  des  graven  von  Maidburg  hofrichter  ge- 
weien,  mit  seinem  iosigl  verfertigt  hat,  mit  A.  bezaichnet;  und  darneben  ain  ciain 
zetl  nut  bemeltes  Nidausen  Stockhingers  secret  verfertiget,  und  aber  dameben 
ainen  versiglten  kaufbrief  von  n.  Wechslperger  ausgangen,  den  bemelter  Stockhinger 
mit  Minem  sigl  verfertigt,  alle  mit  A.  signiert. 

Zu  dem  andern  zaigen  si  an,  das  der  namen  und  das  geschlacht  Stock- 
hornner in  irem  insigl  und  wappen  ainen  halben  mon^)  gefuert  haben,  und  si  als 
derselben  erben  noch  fueren,  sein  bringen  hiemit  für  ainen  brief,  so  Jörg  Stock- 
hornner ir  vater  neben  Hannsen  Hauser  und  Leo  Sneckhenreiter  sein  Erasm 
Sneckhenreiter  vatem  versigit  und  gevertigt,  mit  B.  signiert.  Und  zu  merer  be- 
creftignng  des  bringen  si  für  ainen  pergamenen  satzbrief^)  von  Caspam  Stock- 
hornner aosgeund,  so  ires  vatem  und  vettern'*)  als  gebruedem  gerhaben ^)  und  ires 
een  Niclausen  Stockhornner  brueder  gewesen,  auf  Margretn  Hanusen  Schuczen 
eeliche  haußfruwen  lautund  mit  dem  puechstaben  C.  signiert.  Bringen  verrer  zu 
bekreftignng  diser  obgezaigter  Sachen  für  ainen  lehenbrief,  von  graf  Michaeln  von 
Maidburg  ausgangen,  mit  dem  er  Niclasen  Stockhornner  irem  een  Starein,  das  er 


^)  Eine  Urkunde,  durch  die  ein  Lehen  aufgesendet,  d.  h.  dem  Lehensherm 
von  dem  Lehensträger  wieder  zur  Verfügung  gestellt  wird. 
'}  Mond. 

^)  Hjpothekurkunde. 
*)  Hier  Oheim  von  väterlicher  Seite. 
*)  Vormund. 


232  ^r.  Josef  Kallbraner. 

Mert  Stockhomner  noch  hab,  zu  lehen  geliben  and  für  ainen  Stockhomner  erkennt 
bat,  mit  D.  signiert.  Bringen  noch  verrer  for  zwai  briefl  von  herzog  Albrechten 
und  ains  von  jetziger  kaiserlicher  majestat  ausgangen,  mit  den  puechstaben  £.  F.  G. 
signiert,  mit  denen  si  und  ir  vorfordem  von  den  hochloblichen  fursten  von  Oster- 
reich ir  genedigist  herren  und  landsfursten  für  Stockhornner  gehalten  nnd  Stock- 
homner genennt  worden  und  in  warhait  und  ongezweiflt  des  namens  Stockhomner 
seien.  Solcher  und  dergleichen  vil  mer  brief  zu  beweisung  der  Sachen  si  furbringen 
mochten,  achten  aber  nicht  von  noten  zu  sein;  doch  wellen  si  sich  kaines  vortls 
begeben  haben,  verhoffen  also,  was  den  namen  und  stamen  Stockhomner  betrifft,  der 
widerparthei  anfechtung  abgelaint  und  ir  person  genuegsam  gelegitimiert  za  haben. 

Dann  was  die  sibschaft  und  die  frnntschaft  betrifft,  geben  si  zu  vemembeni 
das  Hainrich,  Ernnst  und  Ortolf  drei  brueder  mit  einander  gewesen.  Hainrich 
Anthonien  Stockhornner,  so  ain  Floittin  gehabt,  zu  ainem  sun  hinder  sein  ge- 
lassen. Aber  Ortolf  Stockhornner  der  ander  brueder  Hannsen  Stockhomner  und 
Hanns  verrer  Wolfganngen  und  Wolfganng  Stockhomner  Ortolfen  und  Ernnsteo. 
welcher  Ernnst  dann  zu  Stockhom  gesessen  ist  und  daselbs  gestorben,  hinder  inen 
verlassen  haben.  Verres  gaben  si  zu  erkennen,  das  Hainrich,  Ernnst  und  Ortolf 
drei  gebrueder  Jörgen  Stockhornners  ires  ureen  negst  frund  und  vettern  gewesen, 
wann  auch  Georg  Stockhomner  Hannsen  und  Anthoni  di  vettern,  zwaier  brueder 
sun,  vergerhabt  hat  als  seine  nagste  frund  laut  der  quittung  und  gerhabbrief,  so 
si  auch  furbringen  mit  J.  und  H.  signiert.  Obgemelter  Jörg  Stockhomner  ir  ureen 
hat  hinder  sein  gelassen  Nidausen  Stockhomner  iren  een  und  seine  brueder, 
welcher  Niclaus  drei  sun  Wolfganngen,  Jörgen  und  Leopolden  hinder  sein  gelassen, 
des  Jörgen  si  Mert,  Cristoff  und  Liennhart  gebrueder  sun  seind  und  also  die  letzten 
dises  namen  Stockhornner  und  die  rechten  erben  zu  Stockhom  seind.  Verhoffen 
also,  was  die  fruntschaft  und  sibschaft  betrifft,  auch  genuegsam  gewisen  zu  haben, 
das  die  vettern  des  namen  Stockhomner  einander  vergerhabt  und  als  die  rechten 
negsten  erben  geerbt  haben.  Bringen  auch  für  zu  ainer  augenscheindlichen  an* 
zaigung  ain  aufmerkung  aines  paumbs. 

Zuletzt  zu  ainer  merern  beweisung  geben  si  dise  underricht,  das  nach  ab- 
sterben Ernnsten  Stockhornners  des  lessten  Inhabers  Stockhom  ir  vater  und  vetter 
Jörg  und  Wolfganng  ausser  lands  gewesen  und  also  in  irem  abwesen  Hanns 
Wulferstorffer  von  kaiser  Fridrichen  Stockhom  auspeten  und  für  ain  gab  erlangt 
hat,  wiewol  nichtiglich;  darauf  Jörg  Stockhomner  ir  vater  von  kunig  Mathias,  so 
dieselb  zeit  das  laut  inngehabt,  Stockhom  wider  erlangt,  desselben  in  possess 
kumen  und  guete  zeit  in  nutz  und  prauch  gewesen  ist.  Hat  nachmals  Hanns 
Wulferstorffer  kunig  Mathias,  als  er  vor  der  Neustat  gelegen,  die  Neustat  anders 
nicht  auf-  oder  übergeben  noch  einantworten  und  abtreten  wellen,  dann  kunig 
Mathias  that  im  Stockhom  wider  einantworten  und  zuesagen,  das  dann  also  be- 
Bchehen  und  darauf  Wulferstorffer  die  Nenstat  übergeben  und  ernstlich  bevelch 
an  iren  vatern  Jörgen  Stockhomner  anspracht  mit  K.  signiert;  darauf  dann  ir 
vater  aus  vorcht  des  gewalts  kunig  Mathias  Stockhom  abtreten  muessen.  Brachten 
deshalben  kunig  Mathias  bevelch  vor  gericht  für,  mit  dem  die  Sachen  war  zu 
sein  bewisen  wirdet,  mit  K.  signiert,  aber  dermassen  dem  Wulferstorffer  als  ainem 
haubtman  die  Neustat  überzugeben  und  den  rechten  naturlichen  erben  ire  gueter 
mit  poser  vinanz^)  auszebitten  nit  gebuert  hat. 

1)  Betrug. 


Ein  Rechtsspruch  über  die  Burg  Stockem  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     233 

Nach  absterben  der  Wulfer«torffer  Ulrich  yon  Haslbach  durch  hilf  seines 
5wager  des  cardinals  von  Salzburg^)  abermals  inen  den  rechten  erben  lu  nachtail 
and  mit  uo grünt  Stockhorn  auspeten  hat,  wann  anzaigt,  wie  Stockhorn  kaiser- 
licher majestat  haimgevallen  wäre,  das  aber  nit  beschehen,  die  weil  ir  vater  Jörg 
Stockhomner  der  recht  erb  noch  in  leben  gewest.  Solches  auspittens  sich  ir  vater 
Jörg  Stockhomner  bei  der  kaiserlichen  majestat  bedagt,  dem  hof  lang  nachgeraist 
aber  auf  die  leczt  armuet  halben  der  sachen  nit  nachkumen  noch  zu  ende  bringen 
iDugen,  wann  der  von  Haslbach  durch  hilf  des  cardinals  iren  vatem  ausgeharrt 
bat.  Das  auch  der  Yon  Haslbach  und  der  cardinal  gewest,  das  Stockhorn  inen  mit 
kainem  rechtlichen  titl  zuegehort,  mag  leichtlich  aus  dem  puechstaben  des  un- 
gewendlichen  lehenbriefs,  mit  L.  signiert,  so  si  vor  gericht  furbracht  aber  das 
original  die  antworter  beihendig  haben,  verstanden  werden. 

So  ist  dennocht  die  warhait,  das  Stockhorn  das  freieigen  je  und  je  und 
kain  lehen  nie  gewesen  ist,  das  si  auch  mit  dem  tail vertrag  und  an  andern  briefen 
weisen  magen,  darumben  kaiserlicher  majestat  nit  haimgevallen,  die  hassigen 
auspiter  auch  den  rechten  erben  zu  nachtail  nit  lehen  machen  haben  mngen,  und 
also  alle  ir  handlung  ain  nichtigkait  und  uns  den  rechten  erben  on  nachtail  sein 
sol.  Rnefen  dennocht  unverhindert  der  antworter  vermainten  flucht  laut  irer  ladung 
und  clag  amb  recht  an,  wellen  ir  darlegen  und  abgenomen  nutzung  gemelt  und 
inen  all  rechtlich  behelf  vorbehalten  haben. 

Darauf  die  frau,  witib  und  erben  von  Haslbach  iren  rechtsatz  wider  Mertn 
und  Lienharten    die    Stockhinger   und    Erasm   Sneckhennreiter   getan    und   sagen 
lassen:    Obgleich  vier  gslecht,  das  inen  zu  guet  komb,  Stockhinger,  Stockhomner, 
Stockher  und  Stockhamer,  so  gesteen  si  doch  den  clagern  nit,  das  das  herkumen 
in  auf-  oder  absteigunder  Uni  und  beseitz,  wie  si  furgeben,    mit   den    eingelegten 
briefen    und   gemalten   paum    bewisen,    den    si   ires    gevallens  stellen  und  malen 
mugen  lassen;  dann  daraus  nit  verstanden,  wer  Petrucius  oder  pro  communi  stipite') 
gegen  dem  Eranst  Stockhomner,    den  die  dager  dem  gepliet  nach  vermainen  zu 
erben,   gehalten    solle    werden,    und    waserlai  gestalt  die  sibschaft  in  den  graden 
berfliess,    noch  die  brief  solchs  austrucken  und  aus  andern  Ursachen  darinnen  an- 
gezogen   ausgangen   sambt   dem,   das   namen   und  wappen    mit   iren  färben   und 
feldung  an  der  gestalt  muessen  gewisen  werden,    das  sich  auch  wol  zuetregt  und 
beweislich,   das  zwaierlai  underschiedliche   geslacht  aines  gleichmassigen  wappen. 
Weiter  gesteen  si  nit,  das  mit  den  eingelegten  briefen  und  geraalten  paumb 
zomal  gegen  dem  ersten  Stockhomner,   daran  doch  der  grünt  ligt,  auf  plosse  wort 
gestellt  gewesen,   das  die  dager  dem  Emnsten  Stockhomner  des  leczten,    des  fall 
und  erbschaft  si  kriegen  und  vermainen  zu  erben,  mit  namen  und  stamen,  wappen 
und  sibschaft  dermassen  in  dem  grad  und  stafiFl  des  gepliets  so  nahent  befreundt, 
das  si  nach  aosweisung   kaiserlichen    rechten   ervordert  und  in  erbschaft,    wie  si 
vermainen,    znegelaasen   wurden,    wiewol    si   in   damit  zu  nachtail  nit  wellen  be- 
kennt,  das   die   dager   dem  ersten  Stockhomner  weder  vil  noch  wenig  befreundt 
gewesen.    So  gesteen    sie    den  clagern  nit,  das  si  ir  namen  verkeren  und  ires  ge- 
miets  je  gewesen  si  zu  injuriem,    sonder  sich  allain  irer  notdurft  zu  gebrauchen, 
das  die  recht  ainem  jedem  erlauben;    dann   sie  sich  erbieten  zu  weisen,    das   die 


0  Siehe  Einleitung,  S.  222,  Anmerkung  2. 
^)  So  viel  wie  Stammvater. 


234  ^^'  Joaef  Kallbraner. 

clager  Stockhing^er  und  nit  Stockhornner  haissen,  von  uns  und  andern  dafür  ge- 
halten, das  Bi  nit  widenprechen  sonder  selbs  darober  brief  verfertig;!,  damit  si 
sich  darzne  bekennt,  zn  welcher  Weisung^  si  die  antworterinnen  billich  gelassen 
haben,  auch  die  clager  mit  den  eingelegten  briefen,  die  von  iren  personen  kain 
meidung  thuen,  nit  bewisen,  das  si  Stockhornner,  dann  sovil  unser  beTeich,  darüber 
per  errorem  cognominis  aasgangen,  damit  aber  allain  auch  nichts  bewiesen. 

Was  sonst  weiter  mit  brieven,  copeien  und  andern  durch  die  dager  an- 
gezaigt  und  eingefnert,  das  gebort  in  die  haubtsach  diser  zeit  und  ror  legitimation 
der  person  und  verfahung  des  kriegs  nnnot  zu  verantworten.  Und  sodann  si  die 
wittib  und  erben  den  clagem  ires  furgeben  nit  gestandig  und  sonderlich  rer- 
nainen  und  zum  höchsten  widersprechen,  das  mit  iren  furgebrachten  briefen  asd 
geschriften  ir  person  mit  dem  grad  und  staffl  der  sibschaft  zu  dem  rechten  legi- 
timirt,  der  Ursachen  biten  und  begem  si  sich  mit  abtrag  der  scheden^)  ledig  zu 
erkennen;  doch  wo  inen  darwider  auf  ir  erbieten  ainicherlai  Weisung  aufgelegt, 
wellen  si  sich  damit  angeboten  und  die  sach  zu  recht  gesetzt  haben. 

Die  Stockhornner  gebrueder  und  Sneckhenreiter  auch  im  rechtsatz  getoc 
und  sagen  lassen,  si  gesteen  der  wittib  und  erben  von  Haslbach  ires  furgebens 
nicht  und  ruefen  Inhalt  irer  nagsten  eingefuerten  schriffc  umb  recht  an. 

Die  wittib  für  sich  selbs  und  anstat  irer  tochter  will  laut  irer  Schriften. 
rechtsatz  und  angeboten  Weisung  auch  beslossen  haben. 

Auf  solch  beder  partheien  furhringen,  auch  ir  getan  rechtsatz  und  besluss 
ist  durch  die  vorgemelten  unser  stathaJter  und  regenten  des  mitichen  nach  Lucie 
den  vierzehenden  tag  decembris  des  verschinen  dreissigisten  jars  zu  recht  erkennt: 
Die  weil  die  jeczgenannten  wittib  und  erben  den  clagem  irer  sibschaft,  davon  in 
dem  arbor  zu  recht  eingelegt  meidung  beschiecht,  nicht  gestandig,  sein  die  clager 
dieselb  ir  sibschaft  des  zu  recht  genueg  zu  beweisen  schuldig.  Doch  der  gemelten 
wittib  und  erben  ir  einred  und  all  notdurft  und  rechtlich  behelf  vorbehalten. 

Damach  des  freitags  vor  letare  den  sibenzehenten  marcii  des  verschinen 
ainunddreissigisten  jars  sein  die  vorgemelten  Stockhornner  gebrueder  und  Sneckfaen- 
reyter  widerumb  vor  gericht  erschinen  und  auf  vorig  ergangen  urtl  ir  weisnng 
nachvolgunder  mainung  volfuert. 

Zu  dem  ersten,  das  Georg  und  Wolfganng  die  Stockhornner  zwen  eleiblicb 
bruoder  mit  einander  gewesen,  des  haben  si  zwen  tailbrief  von  Wolfganngen  und 
Jörgen  Stockhornner  jedem  besonder  ausgangen  in  gricht  furbracht,  der  dato  eten. 
zu  Bosennberg  am  montag  nach  unser  lieben  frauen  liechtmestag -)  in  dem  fanf- 
zehenhundertisten  und  dridten  jar. 

Zu  dem  andem,  das  si  die  dreu  gebrueder  Mert,  Cristoff  und  Liennhart  die 
Stockhornner  Jörgen  Stockhoraners  eeleiblich  sun  sein,  das  mugen  si  mit  leben- 
digen personen  genuegsam  weisen,  versehen  sich  aber  nnnot,  dieweil  di  sach  noch 
in  frischer  gedechtnns  ist.  Doch  wo  je  von  noten  und  si  umzogen  sollen  werden. 
so  benennen  si  zu  zeugen  Leo  Sneckhenreiter,  Sebastian  Grabmer,  Hannsen  und 
Liennharten  die  Praschen. 

Zum  dritten,  das  weilent  Niclas  Stockhornner  ir  een  Jörgen  Stockhomners 
ires  vatern  vater  gewesen,    wirdet  mit  dem  bewisen,   das  Caspar  Stockhornner,  so 


^)  Begleichung  der  Gerichtskosten. 
2)  Februar  6. 


Ein  Rechtsspruch  über  die  Burg  Stockem  aas  dem  XVI.  Jahrhundert.     235 

sein  Nidasen  Stockhomners  braeder  gewesen,  bemelts  Niclasen  sun  mit  namen 
Wolfganngen,  Jörgen  und  auch  Leopolden  gerhab  gewesen  ist.  Des  brachten  si 
for  ainen  gerhabbrief  von  demselben  Caspam  Stockbornner  ausgangen,  des  dato 
steet  nach  Cristi  gebuerd  tausent  vierhundert  und  darnach  in  dem  neunundsech- 
zigistea  jar  an  erichtag  vor  sand  Michelstag  ^)  sambt  ainer  aufsant,  so  von  irer 
andl  Jörgen  Grabmers  techter  ausgangen  und  auf  Kadolten  von  Waching  lantund, 
der  Yor  in  gericht  eingelegt  worden. 

Zum  vierten,  das  Georg  Stockbornner  ires  vatern  vater  Niclas  Stockhomner 
ir  een  gewesen  und  derselb  Niclas  Jörgen  Stockhomners  ires  ureen  sun  geweson, 
wirdet  mit  dem  bewisen,  das  Cristan  Stockhomner  bemelts  Niclasen  Stockhomners 
braeder  gewesen,  und  derselben  baider  vater  Jörg  Stockhomner  ir  ureen  gewesen, 
laut  zwaier  brief,  so  si  in  gericht  furbrachten,  des  ainen  briefs  datum  stet  am 
lambstag  vor  letare-)  in  der  vasten  nach  Cristi  gebuerd  vierzehenhundert  und  im 
dreinndvierzigisten  jar,  des  andern  briefs  dato  am  phintztag  nach  Ostern^)  obberurts 
Ti'erzehenhundertisten  und  neunundvierzigisten  jar,  baid  von  Cristan  Stockhomner 
tusgangen. 

Zu  dem  fünften  zaigen  si  an,  das  Jörg  Stockhomner  ir  uren,  Niclas  ir 
een,  Jörg  Stockhomner  ir  vater  etliche  gueter  herkumend  von  Ernnsten,  Ortolfen 
und  Hainrieben  den  Stockhomnem  iren  vetern  an  si  pracht,  und  si  sich  selbs 
darch  einander  auch  die  Floiten  und  ander  far  frand  und  vetem  erkennt  haben 
laut  zwaier  brief,  so  si  in  gericht  legten,  des  ainen  dato  an  sand  Margreten  tag^), 
dei  andern  dato  stet  an  sand  Peter  und  Pauls  der  heiligen  zwelfpoten  tag  ^)  des  drei- 
zdienhundertisten  und  darnach  in  dem  vier  und  in  dem  funfundneunzigisten  jarn. 

Und  sonderlich  ist  Starein,  das  er  Mert  Stockhomner  noch  besitzt,  von 
Kmnsten  und  seinen  bruedern  den  Stockhomnem  an  Jörgen  Stockhomner  iren 
vettern  mit  kauf  kumen,  und  nachmals  Niclas  Stockhomner  von  graf  Micheln  von 
Maidbarg  als  sein  vaterlich  erb  zu  lehen  emphangen,  inhalt  des  lehenbriefs  von 
graf  Micheln  von  Maidburg  auf  Niclasen  Stockhomner  iren  een  lautund  aus- 
sogen, den  si  fnrbrachten;  nach  absterben  Niclasen  Stockhomners  ires  een  und 
graf  Micheln  von  Maidburg  ist  bemelt  Starein  von  graf  Hainrichen  von  Harrdegg 
irem  vatern  und  seinem  bruedern  Wolfganngen  den  Stockhomner  zu  lehen  ver- 
lihen  worden,  inhalt  des  lehenbriefs,  den  si  in  gericht  f erbrachten.  Zuletzt  ist 
bemelt  Starein  ime  dem  Merten  Stockhomner  auch  als  ain  vaterlich  erb  and  als 
ainen  Stockbornner  von  graf  Johannsen  zu  Harrdegg  zu  lehen  verliben  inhalt 
beder  obgemelter  lehenbrief,  so  si  in  gericht  einlegten. 

Nachmals  brachten  si  für  ainen  gerhabbrief  von  Ortolfen  und  Hainrichen 
gebraeder  der  Stockhomner  kinder,  so  Hanns  und  Anthoni  gehaissen,  welcher 
klader  ir  ureen  Jörg  Stockbornner  als  negster  frund  und  gewartunder  erb  gerhab 
gewesen,  Inhalt  desselben  gerbabbriefsi  so  vor  auch  in  gericht  eingelegt.  Verrer 
brachten  si  für  ain  quittung  von  Hannsen  Stockhomner  ausgangen,  darinnen  er 
Jörgen  Stockhomner  iren    ureen   für   seinen   vettern  erkennt    und  seiner  gerhab- 


^)  September  26. 
')  März  30. 
>)  April  17. 
*)  Juli  13. 
')  Juni  19. 


236  ^^-  «'^^Bef  Kallbruner. 

Schaft  quittiert.  Weiter  brachten  si  far  ainen  schuh  *)  Ton  herzog  Albrechten,  daricn 
er  auch  Jörgen  Stockhornner  iren  ureen  Hannsen  und  Anthonien  die  Stockhomner 
für  vettern  erkennt.  Weiter  brachten  li  für  ain  quiitnng  von  Sigmunden  Stock- 
hornner ausgangen,  der  dann  des  Anthonien  Stockhornner  sun  gewesen,  darinn  er 
auch  iren  ureen  Jörgen  Stockhornner  für  seinen  vettern  und  frnnd  erkennt.  Nach- 
volgund  brachten  si  für  ainen  gnadenbrief,  von  weiland  unserm  lieben  uranherm 
kaiser  Fridrichen,  dieselb  zeit  romischer  kunig  loblicher  gedechtnus  ausganges, 
damit  bewisen,  das  Hanns  und  Wolfgang  die  Stockhornner  Stockhom  inngehabt 
und  Wolfgang  Stockhornner  Ortolfen  und  Emnsten  der  lezten  inhaber  Stockhom 
vater  gewesen,  des  dato  stet  zu  Wienn  am  freitag  nach  sand  Pangratzen  tag  nach 
Cristi  gebuerd  vIerzehenhundert  und  darnach  im  vier  und  vierzigisten  jar.-)  Der- 
gleichen das  Ortolf  und  Ernnst  des  Wolfganng  Stockhornner  kinder  gewesen,  des 
legten  si  ain  urlaubbrief  ein  von  graf  Micheln  von  Maidburg  ausgangen,  des  dato 
steet  zu  Wienn  am  montag  nach  sand  Lucietsg^)  nach  Cristi  gebaert  vIerzehen- 
hundert und  im  funfundfnnfzigisten  jar. 

Aus  dem  allen  wellen  si  eingefuert  und  bewisen  haben,  das  si  und  ir  vor- 
fordern  Ernnsten  Stockhomners  des  letztn  Inhabers  Stockhom  und  seiner  vorfo^ 
dem  die  rechten  nagsten  frund  und  gewartunden  erben  ains  namens  und  stamenä 
gewesen  sein  und  noch  sind,  und  Stockhom  gotlich  und  rechtlich  inen  und  nie- 
mants  andern  zuegehort  und  kainem  landsfursten  als  ain  frei  aigen  guet  nie  haim- 
gevallen  ist,  und  aus  oberzelten  titlen  erblicher  gerechtigkait  und  als  negster 
rechter  frund  und  erb  Jörg  Stockhornner  ir  vater  Stockhom  ingehabt  und  in  der 
possess  gewesen,  aber  aus  kunig  Mathias  als  aines  eindrangen  frembden  farsteo 
bevelch  geweltiglich  und  unrechtlich  der  possession  wider  absteen  muessen  laat 
desselben  bevelchs,  des  dato  steet  zu  Sand  Polten  an  sand  Barbaratag  anno 
domini  etc.  im  sibenundachtzigisten.  Und  zu  uberfluß  erscheint,  das  all  Stock- 
hornner ain  ainigs  gleichs  insigl  gehabt  und  gebraucht,  das  die  vorangezaigtea 
brief  mit  iren  anhangunden  insigln  ausweisen,  und  ir  vater  und  vetter  auch  si 
als  Jörgen  Stockhomners  eeleiblich  sun  sich  des  gebrauchen.  Auf  solches  alles 
verhoffen  und  getrauen  si,  haben  der  gegeben  urtl  ain  genuegen  getan  und  die 
sibschaft  und  ir  personen  zu  dem  rechten  legitimiert  und  bestatt  und  riefen  darauf 
inhalt  irer  ladung  umb  recht  an  mit  vermeldung  der  abgenomen  nutzung  und  er- 
litten schaden  etc. 

Dawider  weilend  des  vorgedachten  Ulrichen  von  Haslbach  gelassen  wittib 
und  erben  diso  mainung  furbrachten:  Wenn  die  jungst  ergangen  urtl  gesebea, 
legt  si  Merten  und  Liennharten  den  Stockhingern  gebruedem  und  Erasm  Schneckben- 
reiter als  dagem  auf,  das  si  ir  sibschaft,  deren  si  inen  nit  gestandig  und  dzTon 
in  dem  arbor  zu  recht  eingelegt  meidung  beschiecht,  des  zu  recht  genueg  zu  be- 
weisen schuldig,  des  si  aber  nit  getan.  Nemblichen  so  haben  si  nit  gewisen  des 
zu  recht  genueg,  das  Ernnst  Stockhornner  der  letzt  der  Stockhom  inngehabt  den 
si  laut  irer  ladung  und  dag  vermainen  zu  erben,  ir  vetter  und  inen  innerhalb 
des  zehenden  grads,  darüber  die  recht  in  erbschaft  niemand»  zuelassen,  mit  dem 
grad  der  sibschaft  verwont.    Das  vermugen  weder  die  eingelegten  brief  noch  der 

')  Aufschubbrief.  Es  handelt  sich  wohl  um  eine  Belehnung. 

2)  Mai  15.  Siehe:  »Stockhorner«,  S.  146. 

3)  Dezember  15. 


Ein  Rechtsspruch  über  die  Barg  Stockem  aus  dem  XV^I.  Jahrhundert.     237 

arbor,  daraaf  die  weiiung  auf  ir  vemainen  gestellt,  das  si  aliqno  vinculo  atti- 
nenciae,  dleweil  sein  und  seines  bruedem  Artolf  cellula  gfegen  der  obristen,  darinnen 
der  alt  Emnst  Stockhomner  und  Artolf  sein  brueder  sullen  herkamen,  dergleichen 
der  beseitzerben  zu  linker  haut,  davon  die  clager  sullen  herkamen  und  Ernnsten 
den  letzten  rermainen  zu  erben,  an  alle  pand  frei  gemalt  sten  und  kainen  stipitem, 
daron  die  clager  und  si  heerknmen,  dardurch  man  wahrhaftig  erkundigung  mochte 
haben,  das  si  inen  in  ainicherlai  staffl  innerhalb  des  zehenden  oder  darüber  gesibt 
pluetfreund  gewesen,  daran  doch  grund  der  sachen  gelegen,  dawider  den  dagem 
ir  rennaint  brief,  quittung  und  aufsandung  ganz  unfurtraglich.  Dann  obgleich 
Mert,  Cristoff  und  Liennhart  drei  gebrueder  von  Jörgen  Stockhinger  irem  vater 
heerkumen,  so  ist  doch  nindert  bewisen,  das  Jörg  Stockhomner,  des  Niclasen, 
Criätan  und  Caspam  vater,  der  clager  ureen  gewesen,  die  weil  si,  wie  sich  in 
beslns  irer  geschrift  befunden,  aines  andern  namen.  Und  ob  gleich  dem  unbekennt, 
al9o  das  dennocht  mit  nichte  gewisen,  das  si  mit  ainicherlai  grund  und  staffl 
Efimsten  Stockhomner  des  lessten  besitzer  zu  Stockhorn  befreund t,  darumb  si 
dem  sitz  Stockhomn  mochten  nachsteen. 

Was  si  sonst  mit  Starein  und  der  Floiten  halben  und  das  si  sich  hin  und 
wider  frund  genent,  einfaem,  thuet  nichts  ad  propositum,  dieweil  die  urtl  spricht, 
daä  si  ir  sibschaft,  davon  in  dem  arbor  meldung  beschiecht,  des  zu  recht  genueg 
zu  beweisen  schuldig,  das  nit  bescheben,  noch  si  zu  verrer  Weisung  bewilligen, 
dieweil  si  die  zwischen  den  rechten  volfaeren  sullen.  Ob  si  gleich  mit  lebentigen 
zeagen.  wie  si  die  benennt,  mochten  weisen,  die  inen  doch  unfurtraglich,  das  der 
Jörg  ir  vater  gewesen,  dann  darumb  nit  bewisen,  das  si  dem  Ernnst  so  nachent 
befreandt  gewesen,  das  si  in,  wenn  si  gleich  unbekennt  des  namens,  ab  intestato^) 
mochten  erben  sambt  dem,  das  seit  der  zeit  und  die  brief  von  kaiser  Fridrich  in 
dem  vierzehenhundertisten  und  vierundvierzigisten  jar  ausgangen  und  der  brief 
von  burggraf  Michel  von  Maidburg  bezaichend  in  dem  vierzehenhundertisten  und 
fanfondfnnfzigisten  jar  ansgangen,  Stockhorn  mit  rechtlichem  besass  nie  bei  den 
Stockhomnem  gewesen,  wie  sich  dann  aus  kunig  Mathias  brief  befindet,  das 
Stockhomn  weilend  Hannsen  Wulferstorffer  geben,  dabei  in  nachmals  kaiser 
Fridrich  lassen  beleiben  und  nach  abgang  gedachts  von  Wolferstorf  laut  kaiser 
Maximilian  brief,  davon  die  widerparthei  abgeschrift  vor  gericht  eingelegt,  ge- 
nediglich  verlihen  und  znegestellt. 

Deshalben  si  die  clager  nit  allain  aus  mangl,  das  die  sibschaft  das  zu 
recht  genueg  nit  bewisen,  sonder  aus  veijarung,  dann  seit  derselben  zeit  und  nach 
abgaog  des  Ernnsten  weder  durch  si  noch  iren  vater  nichts  rechtlichs,  dardurch 
die  Tsrjarang  interumpiert  und  unterprochen,  furgenomen,  auch  aus  anderer  ge- 
rechtigkait  inen  und  iren  vorfordem  darzue  erwachsen  si  Stockhomn  nit  mochten 
nachsteen;  das  si  vor  gericht  allain  diser  zeit  underrichtweise  demnach  ir  person 
noch  zu  dem  rechten  nit  legitimiert,  das  si  gegen  inen  ainen  unbillichen  krieg 
ieben  angezaigt  und  ir  furgeben  mit  den  briefen  sumarie  und  mit  der  kurz  ver- 
ftntwort  und  abgelaint  wellen  haben. 

Und  sodann  die  clager  inen  zu  nachtail  mit  irer  sibschaft  nichts  beweisen 
^  ihnen   auch  dawider  all  einred  und  rechtlich  behelf  einzufueren  vorbehalten, 


^)  Ohne  daß  er  sie  zu  Erben  eingesetzt  hat. 


238  ^r*  Josef  Kallbniner. 

wellen  bI  wider  ir  sibschaft,    dai   si    des  zu  recht  ^enneg  nit  gewieen,   ir  jetzver- 
melt  einred  emeaen  und  sagen  weiter,  das  si  inen  nit  geständig,  das  si  des  namens 
und  stamens  der  Stockhornner  noch  sich  derselben  mugen  annemben,    wie  in  den 
eingelegten  briefen  und  iren  schriften  davon  meidung  bescbiecht.  Und  su  bewarnng 
des  widerspils,    das    si  Stockhinger  und  nit  Stockhornner,    darfnr  von  menigUch 
geacht  und  gehalten,   brachten  si  des  ersten  in  gericht  far  fünf  missif  und  lend- 
brief  an  weilend  Ulrichen  von  Haslbach  iren  hauswiert  und  vater  ausgaogen  mit 
A.  B.  C.  D.  und  £.  verzaichent,    darinnen  si  von  weilend  Wolfgfanngen  Matseb«r 
für  Stockhinger   gehalten   und  dermassen  geschriben ;  mer   ain    schreiben   mit  £. 
verzaichent  von  Abissa  Stockhingerin  irer  swagerin,  die  ires  vatem  brueder  eelicb 
gehabt,  an  gedachten  Ulrichen  von  Haslbach  lautund  ausgangen ;  mer  uin  Bchreibeo 
mit  F.  verzaichent  von  Eustachie  Raben  an  jetz  gemelten  Ulrichen  von  Haslbach 
lautund  ausgangen,  darinnen  er  Ulrichen  von  Haslbach  von  wegen  n.  Stockhingers 
holden  schreibt  und  ainen  recht  tag  benennt;  mer  ain  tagsatzung  mit  G.  verzaicii* 
net  von  uns  ausgangen,    darinnen  Mert   für   ain  Stockbinger   und    kalnen  Stock- 
hornner angszaigt  wirdet;    item   mer  ain   nrfech^)  mit  H.  verzaichent  von  Petern 
Sunberg  aussgangen,  die  durch  Merten  Stockbinger  verfertigt,   das  si  also  bishe«r 
unwiderredt   geduld   und    inen   dermassen  zueschreiben    auch   darfur  achten  uod 
halten  nit  widersprechen,  dawider  den  clagem  das  ainig  unser  schreiben  oben  io 
recht  eingefnert,   darinnen  dem  Merten  als  Stockhornner  und  nit  Stockbinger  ge- 
schriben, unfnrtreglich.  Dann  das  widerspill  mit  merer  briefen  und  das  Mert  selbi 
als  ain  Stockbinger  die  urfech  verfertigen  helfen    wie  ob  vermelt  bewisen  wirdet, 
dawider  gedacht  unser  ainig  schreiben  per  errorem  ausgangen    nit    stat  het  noch 
den  vorigen  und  merem  derogieret.  Dieweil  dann  der  clager  person  nit  legitimiert, 
demnach  si  ir  sibschaft,  wie  davon  in  dem  arbor  zu  recht  eingelegt  meldong  be- 
scbiecht, das  zu  recht  genueg  nit  bewisen,   das  si  auch  für  Stockbinger   nnd  nit 
für  Stockhornner  gehalten,  selbs  als  Stockbinger  brief  verfertigt  —  baten  and  be- 
gerten  sich  die  gemelten  wittib  und  erben  von  der  clager  vermainten  unbillichen 
clag  zu  absolviem  und  inen  ain  ewig  stillschweigen  zu  pieten.  Vermelten  sonet  ir 
darlegen  und  behalten  inen  weiter  bevor  alle  notdurft. 

Und  als  bed  partheien  auf  die  einkomen  Weisung  verrer  mit  irem  bebelf 
und  allem  dem,  so  si  zu  genissen  vormainten,  auch  iren  gethanen  rechtsatien 
schriftlichen  und  mundlichen  verfaren  und  beslossen,  ist  weiter  des  sambstag  vor 
Margrethe  den  achten  julii  des  verschinen  ainunddreissigisien  jars  durch  die  vor- 
gemelten  unser  stathalter  und  regenten  zu  recht  erkannt:  Die  vorgenanten  clager 
baben  auf  ir  furgebracht  ladung  und  clag  auch  die  jungst  ergangen  urtl  in  person 
genuegsam  zum  rechten  legitimiert;  desshalben  sein  die  gedachten  wittib  und 
erben  von  Haslbach  auf  die  berurt  der  clager  ladung  und  clag  zu  recht  eiogefurt 
schuldig  zu  antworten  und  soll  alsdann  weiter  beschehen  was  recht  ist. 

Diser  gesprochen  urtl  haben  sich  des  von  Haslbach  wittib  und  erben  be- 
swart  und  an  uns  supliciert.  Darauf  wir  an  die  vorgemelten  unser  canaler  aoa 
regenten  unser  bevelch  ausgeen  lassen,  darinnen  wir  inen  bevolhen,  das  si  Q^' 
auf  solch  suplication  mit  widersendung  derselben  underricht  der  handlung  i^^^ 
den  einkomen  actis,  uns  darinnen  zu  ersehen  und  alsdann  verrer  über  der  sapb- 
kanten  begem  zu  entsliessen  haben,  zueschicken  und  mitler  zeit  die  sacken  berueen 


1)  Urfehdebrief. 


Ein  Bechtsspruch  über  die  Borg  Stockern  ans  dem  XVI.  Jahrhundert.     239 

lassen.  Und  als  wir  nun  dieselb  unserer  regierung  underricht  und  die  acta  em- 
pfangen, haben  wir  die  Sachen  übersehen,  die  aigentlich  und  notdurftiglich  er- 
regen und  verrer  obgemelter  unser  regierung  disen  bevelch  geben,  das  si  baid 
obgenannt  partheien  far  sich  beschaiden  und  inen  anzaigen,  das  si  auf  vorgeiebte 
bandlang  weiter  wie  sich  geburt  in  recht  verfaren  und  all  ir  notdurft  gerichtlich 
repetiem  und  verrer  fnrbringen  mugen,  darauf  alsdann  weiter  was  recht  ist  be- 
^chehen  und  ergen  sol. 

Das  ist  also  volzogen  und  jeder  parthei  auf  ir  verfolgen  abschrift  von 
disem  nnserm  bevelch  zuegestellt  worden. 

Auf  solches  haben  die  oftgemelten  wittib  und  erben  von  Haslbach  in  recht 
weiter  schriftlich  furgeben :  Si  wellen  wider  Martin  und  Liennharten  die  Stockhinger 
gebmeder  und  Erasm  Sneckhenreiter  auf  vorgeiebte  handlung  all  ir  eingebracht 
gerichtlich  handlung  hieheer  repetieren  und  irer  notdurft  nach  verrer  wie  sich 
gebort  verfara.  Und  gesteen  anfangs  den  dagem  durchaus  nicht,  das  si  des  Emnst 
Stockhomner,  des  Ortolfen  brueder,  und  letzten  zu  Stockhom  besitzer  erben.  Weiter 
gesteen  si  inen  nit,  das  si  bemeltem  Stockhomner  mit  ainicherlai  grad  und  sib- 
schaft  weder  in  dem  zehenden  noch  nachnem  grad,  citra  vel  infra^),  verwont  ge- 
wesen, und  doch  gemaine  recht  über  den  zehenden  grad  niemands  in  erbschaft 
zaeiassen.  So  gesteen  si  auch  den  clagem  ire#  eingelegten  arbor  wie  der  gestellt 
darebaos  nicht,  der  auch  ain  nichtigkait  ist  und  ad  propositum  ganz  undienstlich 
noeb  sich  jemands  daraus  zu  verrichten  wais,  dann  darinnen  kain  stipes  weder  in 
anfsteigunder,  absteigunder  noch  collatoralen  linien  ain  stipes  mag  angezaigt 
▼erden  daraus  befunden,  das  die  clager  dem  Emnst  Stockhomner  mit  sibschaft 
and  grad,  in  erbschaft  zuelassig,  befreundt,  das  si  doch  schuldig  zu  beweisen  und 
zu  erklaren;  dawider  si  inen  alsdann  ir  gegenweisung  und  alle  notdurft  vor- 
^balten  wellen  haben;  der  Ursachen  er  durchaus  unwurklich  verdechtlicht  ires 
geraDens  aufgericht  und  inen  ganz  unschedlich.  Vermelden  hiebei,  das  der  arbor 
zu  recht  eingelegt  davon  inen  abschrift  geben,  nit  gleich  sonder  underschiedlich 
sein,  das  in  gericht  verpoten  und  nit  ain  daine  straf  auf  ime  tregt,  darumben  si 
inen  ir  notdurft  deshalben  dawider  einzefuern  vorbehalten  wellen  haben. 

Dergleichen  gesteen  si  den  clagem  nit,  das  mit  allen  iren  eingelegten  briefen 
&iiiieberlai  grad  und  sibschaft,  damit  si  dem  Emnst  letzten  besitzer  zu  Stockhom 
verwont,  desbalben  ir  clag  mocht  stat  haben,  darauf  si  zu  verfaren  schuldig.  Und 
10  dann  aus  disem  iren  anzaigen  und  voreingefuerten  repetierten  notdurft  sich 
befindet,  das  der  clager  vermainten  clag  wider  si  nit  stat  hab,  sonder  in  die  ex- 
ception,  tu  non  es  heres^),  inen  conpetiert  und  dienstlich  ist,  auch  vor  allen  dingen 
di«  Personen  zu  dem  rechten  sollen  legitimiert  werden,  so  begem  si  sich  davon 
ZQ  absei viem  und  ledig  zu  erkennen.  Vermelden  sonst  ir  darlegen  und  behalten 
inen  weiter  bevor  alle  notdurft. 

Die  Stockhomner  gebmeder  und  Sneckhenreiter  wider  der  wittib  und  erben 
▼on  Haslbach  jezt  eingelegten  schrift  sagen  lassen:  Si  haben  mit  urtl  und  recht 
bebabt^,   das  si  ir  person  zum  rechten  legitimiert,    darauf  wir  unserer  regierung 

0  Innerhalb  oder  unterhalb. 

*)  Die  Exzeptionen  (Einreden),  die  Tatsachen  zur  Entkräftung  der  Klage- 
t&tsachen  enthalten,  waren  im  römischen  Recht  in  bestimmte  Formeln  gebracht. 
^)  fiechtlich  erkannt. 


240  Dr-  Josef  Kallbraner. 

geschriben  und  bevolheiii  anangesehen  der  ■apliciemng,  den  clagem  recht  ergeen 
zu  lassen;  das  wirdet  yerstanden  in  der  baubtsach  nicbt  in  neaen  flachten.  Riefen 
hierauf  auf  die  menigfeltig  ungehorsam  umb  ain  endurtl  bei  der  straf  confessa- 
torum  umb  recht  an. 

Die  wittib  und  erben  von  Haslbach  sagen,  es  sei  von  der  urtl  zu  «ineci 
kuniglichen  bevelch  knmen,  demselben  gemäss  haben  si  gehandlt  und  eingelegt. 
Oesteen  sonst  dem  gegentaiP)  kainer  flucht  noch  ungehorsam,  thnen  inen  dann 
gewalt  und  unrecht,  wie  dann  das  widerspiP)  aus  den  actis  gefunden  wirdet 
Gesteen  sonst  irer  auslegung  mit  dem  kuniglichen  bevelch,  das  der  auf  die  haabt- 
sach')  zu  versteen,  nicht,  dardurch  inen  diser  rechtlich  behelf  genommen.  Sagen 
auch  das  vermaint  begem  sub  pena  confessatoruro,  damit  zu  frue  ausgesprengt 
hab  zu  diser  zeit  und  wider  ir  rechtmassig  einleg  nicht  stat. 

Die  Stockhornner  gebrueder  und  Sneckhenreiter  sagen,  si  gesteen  kainer 
rechtmassigen  einlage,  ruefen  nochmalen  auf  die  gegeben  urtl  und  TÜfeltig  un- 
gehorsam umb  recht  an. 

Die  wittib  und  erben  von  Haslbach  ruefen  auf  ir  jetz  eingelegte  sehrif^ 
auch  umb  recht  an. 

Darauf  ist  in  gericht  den  sechsundzwainzigisten  tag  junii  des  ▼erschinea 
dreiunddreissigisten  jars  verlassen:  Wellen  die  Stockhornner  gebrueder  ani 
Sneckhenreiter  auf  der  gedachten  wittib  und  erben  jungst  eingelegte  schrift  weiter 
verfam  und  ir  notdurft  für  bringen,  das  sol  gebort  werden,  si  tuen  das  oder  nicbi. 
verrer  beschehen  was  recht  bt. 

Nachmain  des  Erichtag  nach  unser  lieben  frawen  gebuerd  den  neonten  tag 
septembris  obberurts  dreiunddreissigisten  jars  die  Stockhornner  gebmeder  und 
Sneckhenreiter  verrer  schriftHchen  f urbringen  lassen :  Wiewol  si  sich  solcher  jeti- 
ergangen  beschwarlichen  beiurtl  wider  die  vorig  gotlich  gegrundt  und  gerecht  in 
diser  sach  urtl,  so  am  Sambstag  vor  Margaretha  den  achten  jnlii  anno  etc.  im 
ainunddreissigisten  ist  ausgangen,  gar  nit  versehen  bieten,  sonderlich  dieweii  « 
in  irem  vor  jüngstem  gethanen  rechtsatz  in  albeg  bei  derselben  beliben,  mit  nicbte 
daraus  zu  geen  noch  si  fueren  zu  lassen  lauter  verstanden  worden,  und  dasselb 
verhoffen  auch  billich  getan  und  rechtlich  thun  mugen;  wenn  die  gemelt  voric 
gotlich  urtl  nicht  wie  die  jungist  ain  plosse  beiurtl  genent  mag  werden,  sonder 
das  si  kraft  ainer  unwiderrieflichen  endurtl  auf  ir  tragen  hab,  ainen  aentets 
habens  vim  divinitive  und  execucionem  paratam  in  dorso^),  dieweii  gewinn  der 
baubtsach  daran  gelegen  und  si  über  ainen  entlichen  auszogt)  gangen,  sagen  and 
erhalten  mugen,  das  dann  der  gegentail  wol  geschmeckt  und  von  der  ordenlicbeo 
gerichtlichen  zwischen  irer  ausgangen  Instanz  bisheer  ergangen  gerichtsacta  aacb 
solcher  irer  gotlichen  und  gerechten  urtl  si  zu  dringen  sich  understanden  oad 
sovil  sich  hierin  bemuet  und  geuebt,    das  so  si  ordenliche  rechtmassige  mittl  der 


^)  Gegenpartei. 

-)  Gegenteil. 

^)  Die  im  Prozesse  selbst  zur  Erörterung  kommenden  Materien  im  Gt^^' 
satze  zur  Legitimation. 

*)  Mit  der  Kraft  eines  Endurteiles  und  der  Absicht  dessen  folgender  Voll- 
ziehung. 

^)  Klageeinwand. 


Ein  Bechtnprach  über  die  Burg:  Stockem  aas  dem  XVI.  Jahrhundert.     241 

ippeUieron^  ron  derselben  gerechten  nrtl  nit  haben  mugen;  vermaint  si  alle  vor- 
b«tcheehne  gerichtliche  and  ordentliche  handlang,  die  für  si  and  wider  die  wittib 
und  erben  ist,  sa  verwerfen  and  si  darvon  durch  aiuen  berelch,  den  si  ires  ge- 
Ulens  rersien  und  auslegen,  gewaltiglieh  zu  ziehen,  jedoch  das  si  solches  gar  nit 
weder  fueg  noch  recht  haben;  und  das  jetzbemelter  beTeich  im  grund  und  rechts" 
reritands  nit  das  yermag,  wie  si  es  für  sich  gern  reimen  wolten,  das  inen  erlaubt 
sein  solt,  un  neuen  process  wider  si  anzefahen  und  alle  vorige  acta,  Schriften  und 
ir  oft  beruert  behabt  urtl  tod,  ab  und  gerallen  sein  solt,  oder  das  si  immer  mer 
rechtlich  Terkehrt  und  geendert  mug  werden,  wann  man  schon  hundertmal  diso 
instanz  anfkhen  und  repetieren  that  und  alles,  was  vor  eingebracht  und  eingefuert, 
soft  Tleissigiet  übersehen,  erwogen  und  erkennt  sol  werden,  das  nimer  kain  got- 
liebere,  gerechtere  und  billichere  urtl  geschöpft  noch  gesprochen  mug  werden.  So 
wellen  si  solchs  alles  mit  Yorbehalt  und  über  das,  das  dieselb  urtl  nit  der  natur 
QDd  aigenschaft,  das  si  so  leicht  und  dergestalt  wie  gemain  ploss  beiurtl  zurück- 
legt und  ombkert  mug  werden,  aufs  kurzist  anzaigen  und  damit  jungist  beiurtl 
lin  genuegen  thuen  nachvolgund  also. 

Der  ansgangen  kuniglich  beyelch,  daraus  die  widerparthei  iren  grund  nimbt 
and  spricht,  well  darauf  wider  si  repetiem  und  yerfarn  etc.,  setzt  austrucklich 
und  lauter,  das  si  auf  vorgeiebte  handlung  weiter  wie  sich  gebuert  in  recht  Ter- 
faren  und  all  ir  notdurffc  gerichtlich  repetieren  und  verrer  furbringen  mugen, 
darauf  alsdann  weiter  was  recht  ist  beschechen  und  ergeon  soll  etc.  Das  seien 
gleich  die  wort  dickbemelts  bevelchs,  den  die  widerparthei  nit  recht  versteen  noch 
demselben  gemäss  und  gehorsam  leben  thuen,  wenn  dieweil  si  bald  tail  auf  ror- 
beschehen  handlung  weiter  wie  sich  gebuert  in  recht  yerfaren  sollen,  und  die 
merbestimbt  vorig  gerecht  urtl  auf  alle  dieselb  handlung  wie  vor  steet  ergangen, 
ianter  die  wort  in  sich  holt,  das  zwischen  ir  beder  tail  zu  recht  erkant:  »Die 
clager  haben  auf  ir  furbracht  ladung  und  clag  auch  die  jungist  ergangen  urtl  ir 
peFMn  zum  rechten  gennegsam  legitimiert;  deshalben  sein  die  gedachten  wittib 
üod  erben  von  Haslbach  auf  die  beruert  der  dager  ladung  und  clag,  zu  recht 
eiogefaert.  schuldig  zu  antworten  und  soll  alsdann  weiter  beschehen  was  recht 
Ute  etc.  So  hiet  darauf  der  der  widerparthei  gebuert  nach  vermugen  des  bevelchs 
sowol,  als  nach  inhalt  derselbigen  urtl,  das  si  dermassen  nun  in  der  sach  ver- 
faern,  das  ai  auf  ir  ladung  und  clag  antwurteten  und  die  haubtsach  anfiengen, 
nicht  auf  irem  auszug,  der  inen  nun  aberkennt  und  abgeschnitten,  verharreten 
and  ausflncbt  damit  suechten.  Das  hiess  wie  sich  geburt  im  rechten  verfarn  und 
das  ist  der  recht  verstand,  wie  wir  als  herr  und  landsfarst  unser  bevelch  als  lieb- 
haber  der  gerechtigkeit  ausgeen  lassen,  und  wir  bieten  ir  vorig  urtl  nit  aufheben 
wellen,  mueat  der  bevelch  wol  änderst  gelaut  haben,  wo  dasselbig  verstanden  solt 
werden,  und  wirt  auch  solchs  durch  nachvolifund  deusl  im  bevelch,  das  si  all  ir 
Dotdurft  gerichtlich  repetieren  mugen  etc.,  nicht  ausklaubt  noch  einzogen,  wie  die 
widerparthei  leicht  maint,  wenn  solch  rescript  und  bevelch  gegen  den  partheien 
sein  stuck  interpretacion  aines  ainigen  verstand  und,  was  der  puechstaben  darinn 
nit  Unter  austruckt,  solt  niemand  mit  zuesatz  auslegen.  Und  dieweil  der  bevelch 
nicht  spricht,  das  alle  acta  und  vorergangen  handlung  sollen  repetiert  werden, 
Bpncht  auch  nicht,  das  ir  oftgemelt,  behabt  und  gerecht  urtl  soll  retractiert  und 
aufgebebt  oder  nichtig  sein  verstanden  werden,  also  das  unangesehen  des  alles, 
was  vor  der  widerparthei  mit  recht  und  urtl  aberkennt  und  abgeschnitten,  das 
Jakrlmeh  d.  Y.  f.  LMdesknnde.  1907.  16 


242  ^'-  ^^^^^  Kallbruner. 

dertelb  wider  geafert  wider  angebebt  and  die  sach  wider  Ton  neuem  angefangea 
und  kriegt  soll  werden  etc.,  so  sollen  si^s  aucb  nicht  sprechen  noch  den  Tentant 
darinn  mit  ichte  weitern,  zu  voran,  so  derselb  jemand  zu  merklichen  abprach 
und  nachtail  raichon  mag;  das  dann  hierin  dergestalt  beschach,  das,  wo  du 
widerumb  repetiert  solt  werden,  das  ainmal  mit  urtl  und  recht  schon  erledigt  und 
genalich  entschaiden.  wo  es  wider  zurückgelegt  und  in  neuen  krieg  und  zweifi 
gezogen  solt  werden,  künden  si  nicht  anders  versteen,  dann  das  dasselb  dem  gt- 
rieht  nicht  wenig  verklainung  und  inen  als  clagern  ainen  unwiderbringlichen 
schaden  nicht  allain  am  gut  sonder  irem  namen,  geschlecht,  freundschaft  and 
herkumen,  das  si  aufs  höchst  beherzigen,  geberen  wurde. 

Glauben  auch  nicht  das  solches  unser  roainung  oder  will  je  gewesen,  wenn 
man  auch  nindert  findt,  das  weder  in  appellierten  noch  suplicierten  sacken  soDde^ 
lieh  nach  prauch  dises  gerichts,  wie  wissen  und  offenwar  ist,  der  alt  process  damit 
aufgebebt  und  ain  neuer  angehebt  wurde,  sonder  der  gemain  und  gewondlicb 
stilus  ist,  das  der  richter  darzue  man  appelliert  oder  suplieiert  nichti  über  die  ror 
eingebracht  Schriften  und  acta  weiter  einzulegen  zuelasst  und  allain  auf  vorige 
handlung  erkent  und  mit  kurz  dieselbig  appellierung  oder  suplicierung  der  gestslt 
erledigt,  das  übel  geurtlt  und  wol  appelliert  oder  suplieiert  worden,  will  er  anden. 
das  di  vor  ergangen  urtl  retractiert  und  aufgebebt  verstanden  werd.  Demiisch 
muesst  auch  unser  bevelch,  darauf  die  widerparthei  also  wider  si,  von  neuem 
unangesehen  der  vorigen  gerichtlichen  handlungen  und  urtl,  herein  fert  wo  io 
dasselbig  gestatt  ward,  in  albeg  dergleichen  wort  und  mainnng  inngehaiten  und 
austmckt  haben,  nem blich  das  wir  die  suplicierung  dermassen  angenomben,  d^ 
vor  ubl  geurtl  und  wol  oder  billich  suplieiert  war,  und  das  si  ir  person  zu  rechtoen 
nit  gennegsam  legitimiert  bieten,  darumb  die  wiederparthei  von  inen  ledig.  Sonst 
dieweil  nichts  deshalben  noch  dergleichen  in  dem  oft  gemelten  bevelch  befanden, 
so  soll  und  mags  auch  kainer  addiern  und  weiter  geen,  dann  der  ploss  paech- 
staben  begreifen  thuet. 

Gesetzt  aber,  unbegeben  der  worheit,  das  diso  mainung  schon  furgenomes 
war  worden  in  bevelch  zu  komen,  so  biet  es  dennoch t  den  mengl,  das  es  nicht 
genueg  zum  rechten,  sonder  durch  Ordnung,  mass  und  form  ainer  urtl  und  nicht 
aines  solchen  gemainen  stilus  aines  bevelch  dasselb  aufgericht  sollt  sein  worden. 
Dann  mit  ploasen  bevelhen,  so  nit  auf  anbringen  der  partheien  ausgeen  und  er- 
langt, tapher  gerichtprocess  und  urtl,  sonder  von  ainem  loblichen  und  höchsten 
regiment  mit  tapherm  rat  geschopht,  wem  nit  leichtlich  retractiert  noch  wider* 
rueft  mugen  werden;  oder  wo  das  auch  schon  nicht  gemanglt,  so  mochten  si  doch 
sprechen  das,  wo  wir  je  beten  wellen,  das  alle  vorige  acta,  handlung  and  nrü  wie 
vorgemelt  retractiert  und  aufgebebt  sollen  werden  und  das  dasselb  rechtlich  sein 
mugen,  so  biet  dasselb  anders  und  lauterer  in  dem  bevelch  austruckt  und  speei- 
ficiert  steen  und  begriffen  sein  muessen,  dann  durch  das  ainig  wartl  repetieren« 
das  die  widerparthei  für  sieh  ausklaubt  und  einziehen  thuet;  wie  dann  ans  dem 
vorgeschriben  genuegsam  verstanden  und  das  gericht  als  die  hochventandigen 
pass  dann  si  einfuem  konden  des  abzenemen  wissen,  wann  auch  anders  und  oer 
darzue  gebort  ain  gerichtliche  offne  ergangne  urtl  aufzeheben  und  zu  verwerfen, 
zu  voran  in  disem  fall  wenn,  wiewol  man  findt,  das  ain  ainiger  richter  sein  selbs 
und  aigens  blos  beiurtl  jebo  aufheben  und  verkeren  mag,  so  ist  es  doch  da  weder 
durch  unser  bevelch  noch  durch  unser  regierung  beschehen,   mochte    auch  recht- 


Ein  Bechiasprach  über  die  Barg  Stockern  ftaa  dem  XVI.  Jahrhundert.     243 

lieber  ordnnng  nach  unser  regienmg  daaselb  nicht  thaen;  wenn  ir  rorgeeprochen 
gerecht  nrt]  im  ainanddreissigisten  jar  nit,  wie  vor  auch  steet,  ain  plotse  beiartl 
fenennt  mag  werden,  sonder  ain  solche,  die  craft  ainer  enduril  auf  ir  tragen,  ist 
die  nicht  also  leicht  wie  gemain  plosg  beiurtl  rerkert  mugen  werden.  Und  das 
oDser  regiening  die  jetztgemelt  nrtl  vor  auch  selbst  gleichförmig  ainer  endnrtl 
erkent,  geacht  and  gehalten,  so  erscheinet  das  aas  dem,  das  si  gleich  mit  den 
Worten  aod  form  durch  gedachte  nnser  regierang  gesprochen,  geschriben  und 
gdoffent  worden  ist,  wie  man  sonst  in  allen  endurtln  phlegen  thnet,  darinn  dann 
aldo  der  anfang  laut:  »Zwischen  n.  und  n.  ist  zu  recht  erkennt  etc.«  die  wort 
steeo  austrackt  in  der  dick  gedachten  urtl.  Aber  wo  ain  plosse  gemain e  beiurtl 
fei,  da  spricht  man:  »Ist  in  gericht  verlassen«,  wie  dann  derselben  j angist  er- 
gangen beiartl  lauter  auch  spricht.  Ziehen  sich  deshalben  in  dieselben  urtl  baide. 

Das  aber  der  bevelch  inen  erlaubt  ir  notdurft  zu  repetieren,  das  hat  den 
verstand  und  mag  in  dem,  das  si  vor  eingefaert  von  dem  ausbiten,  von  der  ver- 
jarang,  und  das  si  nie  rechtlich  oder  genuegsam  die  sach  vor  ersacht  sollen 
haben,  davon  die  antworter  in  irem  vergangen  rechtsatz,  den  si  am  ersten  tag 
jalii  im  ainunddreissigisten  jar  than  haben,  meldung  thuen,  und  das  zu  der  haubt- 
ach  gebort,  was  verificiert  worden.  Und  sol  aber  noch  mag  gar  nit  auf  das,  so 
vor  mit  recht  und  urtl  erledigt,  gezogen  werden,  wenn  dasselb  wider  zu  repetiem 
kain  notdarft  sonder  ain  uberfluss  wäre,  dann  der  bevelch  zu  repetiern  nicbt  er- 
laubt, auch  nicht  wol  sonderlich  der  eingefuerten  knndschaft  auch  die  nit  zum 
andern  mal  examination  leiden  mugen,  repetiert  mocht  werden. 

Das  wollen  si  darumb  also  mit  etwas  leng  und  wenig  der  wort  eingefuert 
baben,  das  irer  notdurft  nicht  dain  daran  gelegen,  die  inen  farzubringen  unser 
regienmg  jungist  beiartl  erlaubt,  und  wellen  damit  derselben  ain  genuegen  than 
baben  in  ganzer  hofnung,  unser  regierung  werde  gar  nit  inen  weiter  auflegen, 
^as  ri  alles,  das  vor  zwischen  inen  beden  tailen  nach  lengs  und  nach  notdurft 
ordenlich  und  mit  genuegsamer  anzal  irer  Schriften  ist  eingefuert  und  disputiert 
worden  und  darauf  nicht  ain  verlassung  in  gericht  als  ain  siechte  beiurtl  sonder 
ain  ordenliche  rechtmassige  erkann tnus  in  gericht  durch  unser  regierung  be- 
icbehen  und  offenlich  eroffent  und  dardurch  weiter  dem  gegentail  dasselb  ein- 
zafneren  and  vemeuen  aberkennt  und  abgeschnitten  und  inen  auferlegt,  das  auf 
ir  ladong  und  klag  zu  recht  eingefaert  schuldig  zu  antworten  etc.,  widerumb  sollen 
anüaben  zu  kriegen  und  si  von  irer  gerechten  und  behabten^)  urtl  weiter  ziehen 
und  foern  lassen  und  urtl  über  urtl  vor  ainem  ainigen  richter  als  widerwertig 
gewarten.  Yerhoffen  des  nicht  schuldig  zu  sein  und  rechtlich  nit  sein  mag,  sonder 
das  tmaer  regierung  vorig  urtl  in  ir  kraft  gangen  sei  und  si  darbei  irem  rechten 
ucfa  und  unserer  regierung  gericht  und  derselben  person  zu  eeren  handgehabt 
•ollen  werden,  das  auch  darwider  di  antworter  nicht  helfen  solt,  das  si  sich  ge- 
feiter unser  regierung  jüngsten  beiurtl  weiten  behelfen  und  sprechen,  dieweil  in 
darinn  aufgelegt,  das  si  sollen  auf  ir  jangst  eingelegt  geschriften  verfam,  das 
<lvamb  si  mueeeten  irem  neuen  anfachen  nachwelligen.  Wenn  das  nicht  von  noten 
daraus  verstanden  noch  rechtlich  sein  mocht,  wie  oben  bisheer  vemomen  und 
ucb  ans  dem  erscheint,  das  dieselb  beiurtl  zu  der  obbemelten  dausl  von  stund 
an,  darnach  die  dausl  darzue  gesetzt,    das  si  ir  notdurft  mugen  furbringen.    Das 


^)  Rechtlich  erkannten. 

16* 


244  ^'  J<>*®^  Kallbniner. 

thuen  n  hiemit  und  wellens  also  in  der  pesten  fonn  gethan  haben,  sein  darauf 
nngesweifelter  liofhang,  berorte  unser  regierang  werd  si  bei  ror  of^dachter  irer 
urtl,  aach  bei  dem  offewaren  gerechten  eingefnerten  brief  nnd  sigihi  nnd  be- 
weisten  fVeandschaften  ungewaigert  beleiben  lassen  nnd  den  antwortern  auflegen 
si  derselben  nach  auf  ir  ladung  und  dag  rerfaren.  Nachdem  auch  unbegeben 
gesetzt,  das  die  jetzgemelt  jungist  beiurtl  schon  mit  ichte  wider  si  an  dem  ror- 
erselten  geschehen  oder  yerstanden  mocht  werden,  so  mocht  inen  dennoch t  dasaelb 
nit  schaden  noch  irrung  bringen,  dieweil  wie  vor  angezaigt  dieselb  nur  ain  pIoBse 
beiurtl  und  ain  jeder  richter  nach  pesser  Information  nnd  underricht  dieselb  leicht 
verkeren  mag,  wiewol  wie  vor  gesagt  im  grund  sich  nit  befinden  mag,  das  io 
summa  sich  die  widerparthei  weder  solcher  beiurtl  noch  des  berelchs,  wi  si  leidit 
maint,  wurklich  wider  si  behelfen  wird  mugen. 

Und  über  das  Torgeschriben  alles  und  unbegeben  desselben  zu  uberflus  irw 
fuegs  und  rechtens  hierinn,  so  sagen  si  auch  demnach  abermals  das,  wann  tansend- 
mal  ir  voriger  krieg  und  strittiger  artid  ires  namens,  freundschaft  und  legiämierong 
irer  person  zu  disem  rechten  sollen  wider  eingefnrt,  verhört,  examiniert  werden,  eo 
wurd  doch  nit  änderst  befunden  dann,  das  es  gewiss  und  entlichen  waar  ist,  das 
si  Stockhomner  und  nit  Stockhinger  genannt  und  derselben  pluet,  freundschaft 
und  sipschaft,  gleich  wappen,  schilt  und  helbm  und  die  rechten  plneterben  nod 
zu  disem  rechten  genuegsam,  wie  unserer  regierung  vorig  urtl  spricht,  legitimiert 
und  das  der  widertail  wider  gott  und  recbt  thuet,  das  er  si  so  lang  «damit  auf- 
zeucht und  unbillich  umbfuert.  Solt  das  sein,  das  si  nicht  genuegsam  iren  names, 
geschlacht  und  freundschaft  gewisen  und  darpracht  hetten,  mainen  si  es  ward 
kain  geschlacht  schier  im  land  sein,  das  besteen  und  so  lang  nnd  weit  ir  fmnd- 
Bchaft  und  namen  änderst  oder  genuegsam  darbringen,  auch  die  widerparthei  aU 
ir  tag  kain  andern  titl  nie  als  ain  verpotnen  auspeten  titl  gehabt  nnd  weisen 
wurd  mugen. 

Unser  regierung  habe  zu  bedenken  und  zu  ermessen  zu  was  abfall  usd 
beswarung  es  disem  land  raichen  und  zu  voran,  da  nicht  prauch,  das  man  durch 
notari  nnd  offen  Instrument,  da  der  vater  des  con  traben  den  albeg  benennt  wirdet 
brieflich  urkund  werden  aufgericht,  dardurch  man  leichter  an  ain  grad  nnd  sip- 
schaft kumbt  dann  durch  ir  landleufig  brief  und  sigil,  dardurch  nicht  etwo  ain 
snn  sein  vater  weisen  mocht  geschweigen  verrern  grad.  So  mugen  si  Stockhornner 
auch  mit  grund  sagen,  das  si  iren  namen,  geschlecht,  brieflich  urkund  auf  wenigisk 
under  vierundfunfzigen  in  anzal  durch  gerhabschaft  verloren  haben  und  inhalt 
des  Vertragsbrief  darumb  komen  sein,  daraus  wol  anzunemen,  das  wo  si  dieselben 
verbanden  noch  leichter  und  überflüssig  si  das  gewisen  haben  wolten,  das  inen 
die  antworter  gern  noch  vemainen  und  wider  ir  vorig  disputacion  damit  siechen 
thaten.  Aber  gott  ist  selbst  am  rechten  gesessen  und  ist  solches  mit  ainer  recht- 
lichen gotlichen  urtl  abgeschnitten,  des  ziechen  si  sich  in  die  vorigen  acta;  aber 
nit  das  si  dieselben  wider  disputieren  und  vemewen  wellen,  sonder  ungeweigert,  ine 
bisheer  oft  gemelt,  darbei  beleiben,  derselben  vorigen  urtl  als  creftig  und  unwide^ 

« 

rneflich  in  all  weg  anhangen  und  mit  nichte  daraus  gangen  oder  darvon  ge- 
wichen verstanden  werden,  das  si  hierin  der  peaten  fonnb  beaeugen.  Und  riefen 
auf  dieselbig  ergangen  urtl  und  auf  ir  ladung  und  dag  mit  Vermeidung  ires  da^ 
legen  und  abgenomben  nutzung  umb  recht  an. 


Ein  Rechtwpnich  ttber  die  Barg  Stockern  aus  dem  XVI.  Jahrhandert.     245 

Wider  das  die  rorgenanten  weilend  Ulrichen  von  Haslpach  gelassen  wittib 
aod  erben  dapUcando  wie  hernach  volgt  fnrbringen  lasseUi  doch  hiemit  offenlich 
QDd  laater  protestierende,  das  si  weder  durch  vorig  noch  jetzig  ihr  schriftlich 
oder  mandlich  farbringen  auf  vorgenanter  yermainter  clager  voreinbrachte  gar 
nichtige  und  anbeschließliche  dag  and  ladang  kainesweegs  geantwort  oder  den 
krieg  bevestigt  haben,  sonder  wellen  sich  ansers  hievor  aberantworten  bevelcha 
and  anserer  regierang  darauf  ergangen  rechtmassigen  urtl,  so  jungst  der  sechs- 
andxwainzigisten  tag  junii  des  verrackten  dreiunddreissigisten  jars  eröffnet,  halten, 
dem  anhangen  und  si  davon  kainswegs  weisen  lassen. 

Und  das  erstlich  gegen tail  in  bemelter  seiner  replioum  unsem  ausgangen 
beTeich  zu  disputieren  und  umbzustossen  und  das  vermaint  beiurtl,  den  achten 
jnlli  des  ainunddreissigisten  jar8  ergangen,  gross  aufzunatzen  und  durch  plossen 
eitln  schein  an  ainichen  grund  das  gerlcht  mit  vil  unnotdurftiger  leng  belestigt, 
wellen  si  alles,  dieweil  das  nicht  besleast,  in  gemain  widersprechen  doch  auch  in 
nichts  stilschweigund  bekennt  haben  und  sagen  karzlich,  das  di  ursach  ihres 
•apUclem  aus  deme  herfleust,  das  si  je  und  albeg  darauf  behart  und  mit  grund 
des  rechten  und  warhait  noch  beharren,  das  der  vermainten  clager  person  wider 
«i  dieser  Sachen  halb  im  rechten  zu  steen  nit  faeg,  ja  auch  gar  kain  recht,  ge- 
rechtigkhait  oder  aetion  haben,  derhalb  si  inen  zu  antworten  nit  schuldig  sein,  vil 
woniger  wo  si  ainich  clag  betten  ir  person  durch  anzaigung  ires  namens  und 
stimeu  zu  solcher  clag  legitimiert  haben,  dieweil  erb  sein  durch  solch  anzaigang 
von  rechts  wegen  nit  beslossen  werden  mag,  sonder  sich  vor  Verfassung  beruerts 
ortl  wol  gebuert,  weiten  anders  die  clager  zu  irer  clag  legitimiert  worden  sein, 
^M  ä  auch  erben  zu  sein  bewisen  betten.  Denn  gesetzt,  aber  doch  unbekennt  und 
an  nachtail  der  warhait,  das  die  vermainten  clager  durch  das,  so  von  inen  ein> 
gefaert,  ain  siecht  oder  gemain  anzaigen  getan  betten,  das  si  Stockhornner  und 
desialben  namen  und  wappen  waren,  des  widerspil  doch  nemblich,  das  si  die  ge- 
bnidder  Stockhinger  und  nit  Stockhornner  genannt  werden,  durch  si  hievor  ein- 
gefaert  und  ihres  hoffens  genuegsam  dargethan  ist,  so  ervolgt  doch  daraus  nit, 
kin  auch  gar  kain  rechtmassige  consequens  oder  vermuetung  sein,  das  si  darumben 
Ernsten  und  Artolfs  der  Stockhornner,  so  za  weilend  hochloblicher  gedechtnus 
ktiser  Fridrichs  zelten  de«  gegentails  f argeben  Inhaber  des  sloss  Stockhorn  ge- 
vesen  sein  sollen,  erben  seien,  dieweil  si  gar  kain  sipschaft,  damit  si  denselben 
rerwont,  anzaigen  oder  beweisen?  Wie  kan  dann  gesagt  werden,  das  die  ver- 
mainten clager  dem  jetzgedachten  beiurtl,  am  mitichen  nach  Lucio  des  dreissigisten 
jars  ergangen,  genueg  getan  und  ir  sipschaft  das  zu  recht  genoeg  gewisen  haben 
und  wellen  si  derhalb  in  Iren  aigen  eingelegten,  irrigen  und  weitschwaifigen 
trborem  an  das  beiurtl  und  die  acta,  darinnen  auch  gar  kain  attiaencia  angezalgt 
oder  befanden,  doch  als  vil  die  für  si  thuen  und  nit  weiter  auch  in  gemaine  recht 
gezogen  haben.  Derhalb  si  sich  der  vermainten  beiurtl,  den  achten  tag  juUi  des 
ainonddreissigisten  jars  ergangen,  dardurch  der  clager  person  zum  rechten  ver- 
maintlich  legitimiert  und  si  in  antwort  erkennt  wie  gemelt  billich  beschwart,  da- 
wider dann  unser  beveleh  auch  das  urtl  den  sechsundzwainzigisten  tag  junii  des 
negstrerschinen  dreiunddreissigisten  jars  rechtmassiglich  und  billich  ergangen. 

Und  ob  gleich  durch  vilgedacht  vermaint  clager  etlichermassen  angezalgt 
were,  das  ire  elter  etwo  ainen  Stockhornner  als  vettern  oder  gerhaben  verwont 
gewesen,   das   doch    nindert   laater   erscheint,    daraus    ervolgt   abermals   nit,    das 


246  ^^'  «'osaf  Kallbraner. 

darumb  die  ▼ermainten  clager  Stockhomner  Bein  und  haiasen  noch  vil  weniger 
daB  Bi  des  ErDnsten  and  Artolfen  erben  sein.  Dann  dergestalt  so  man  also  ar- 
gnieren^)  wolt,  mocht  ain  jeder  des  andern  erb  sein,  weil  rii  sind  bevorab  ander 
dem  adl,  die  aneinander  vettern  nennen  aaeh  aines  namens  wappens,  und  doch 
gar  nichts  in  sipschaft  aneinander  verwont  sein.  So  waiss  meniglich,  das  gerhab- 
Schaft  kain  sipschaft  arguiert  and  hat  also  stat,  das  im  rechten  gesagt  wirt:  Non 
probat  hoc  esse  quod  ab  hac  conttngit  abesse. 

Ob  auch  die  vermainten  clager  noch  über  das  auch  dargethan  betten,  das 
si  den  bemelten  Ernnst  und  Artolfen  den  Stockhornnern  in  ainicher  sipschaft  zn 
recht  zuelassig  verwont,  ja  auch  erben  waren,  der  doch  kaines  dargebracht  ist, 
noch  mit  warhait  darbracht  werden  mag,  sagen  demnach  hiebei  und  allain  zu 
underricht,  das  nber  die  vermeldt  beiartl,  an  sambstag  vor  Margrethe  des  ainnnd- 
dreissigisten  jar  ergangen,  kain  endartl  noch  namen  derselben  gehaben,  davon  es 
mit  unserm  bevelch  and  jüngster  urtl  kamen,  daranf  kain  ezecotion  sa  ervolgen. 
dieweil  si  nit  in  die  haubtsach  kamen.  Si  wissen  nit,  was  si  geschmeckt  haben, 
aber  das  wissen  si  wol,  das  die  clager  nie  gewisen  haben  noch  weisen  mögen, 
daran  doch  grundshandl  dises  streite  and  der  legitimation  gestanden,  das  si  die 
clager  dem  Ernnst  Stockhomner  des  letzten  besitzer  zn  Stockhom  in  der  zehenden 
sipt  weder  verrer  noch  nachner,  dardurch  si  in  erbschaft  znelassig,  befrenndt  ge- 
wesen noch  befanden  mag  werden. 

So  haben  si  die  clager  von  ainlcherlai  wider  recht  zu  dringen  nichts  ander- 
standen auch  si  anders  nit  bemuet  noch  gelebt,  allein  so  vil  inen  di  recht  ans  za 
ersuechen  zuelassen,  die  wir  hierinnen  genedigist  mit  ainem  bevelch  furgesehen. 
den  si  nit  ires  gevailens  gewaltiglich  ziechen,  versteen  nnd  auslegen  wellen,  vie 
si  sich  unbillich  beschulden,  sonder  bei  seiner  Inhalt  und  wie  es  unser  regiemng 
erkennt  haben  der  laut  beleiben  lassen.  Aber  das  widerspü  erfindt  sich  bei  den 
dagern,  das  si  die  antworter  gern  daraus  wolten  fuern.  Si  hahen  es  far  ain  alten 
oder  neuen  process,  will  si  wenig  beknmem,  sonder  inen  ist  genueg,  das  si  nit 
irer  geschrift,  den  zwainzigisten  tag  junii  ingelegt,  darzue  inen  wol  die  urtl  den 
sechundzwainzigisten  tag  junii  zu  statten  kumbt,  unserm  bevelch  gemäss  gehandlt 
haben.  Das  sich  aber  di  sach  mit  unserm  bevelch  verändert  und  von  der  urtl,  des 
sambstag  vor  Margrethe  des  ainunddreissigisten  jars  ergangen,  kumen,  die  alten 
acta  und  geschriften  der  clager  halben  tod  abgevallen  und  inen  ganz  unfurtreglicfa. 
darzue  nit  von  noten  hundert  sonder  allain  ainmal  vleissig  zuschauen,  das  wellen 
si  also  darbringen  und  einfuem;  nemblich  das  si  zuegeben  und  beschehen  lassen. 
wie  die  clager  selbs  aus  not  und  zu  hilf  der  warhait  sich  za  unserm  bevelch  be- 
kenen,  das  si  auf  vorgelebte  handlang  weiter  wie  sich  gebuert  in  recht  verfarn 
und  all  ir  notdnrft  gerichtlich  repetiern  und  verer  furbringen  mugen,  darauf  als- 
dann weiter,  was  recht  ist,  beschehen  und  ergeen  soll,  das  solchs  auch  unser 
ernstliche  mainung.  Weiter  spricht  unser  bevelch:  Wir  schicken  euch  auch  daranf 
di  acta,  so  ir  uns  deshalben  gesandt  habt,  hiemit  widerumb  zue.  Daraus  volgt,  das 
si  über  die  vorigen  acta  weiter  zu  verfaren  und  all  ir  notdurft  zu  repetiern  ver- 
gunt,  das  auch  solches  unser  ernstliche  mainung  und  zuvor  di  acta  bei  geriebt 
widerumb  ubergesendt  besehen,  das  an  not  getan,  wo  es  bei  der  vernaelten  ort! 
unverändert  beleiben  soll,    sambt  dem,  das  ain  richter  aus  rechtmässigen  Ursachen 


^)  Beweis  führen. 


Ein  RechtBipmch  über  die  Barg  Stockern  aus  dem  XYI.  Jahrhundert.     247 

ain  beiartl  mag  aufheben  und  in  ainen  andern  weeg  nach  gelegenhait  der  sachen 
itellen  und  das  uns  die  hand  nit  zu  aperen. 

Zu  Tolziehung  angeregtes  unsers  bevelchs  seien  si  mit  ainer  schrift  den 
zwainsigisten  tag  junii  des  vergangen  dreuunddreissigisten  jars  verfaren,  und  wie- 
wol  die  clager  aus  ainem  missverstand  desselben  daran  verhindern  wellen,  so  ist 
inen  doch  solches  den  sechsundzwainzigisten  tag  junii  darnach  durch  ain  urtl  be- 
nomen  und  abgeschnitten  worden,  Si  haben  oft  gesagt  und  sagen  es  noch,  das  es 
mit  anserm  bevelch  von  der  urtl,  die  gegentail  oft  repetiert  darzue  von  wort  zu 
«ort  inseriert  und  sonst  nichts  wais  einzufiem,  kumben,  damit  aber  gedachtem 
onserm  bedelch  von  der  widerparthei  kain  benuegen  beschiecht.  Gesteen  hiebe! 
den  dagem  durchaus  nit,  das  ir  personen  zue  dem  rechten  genuegsam  legitimiert, 
wie  es  sich  in  volfierung  der  sachen  befinden  sol.  Das  si  auf  die  ladung  und  dag 
in  der  haubtsach  zu  verfaren  schuldig,  das  vermag  unser  bevelch  nit,  darüber  si 
ioen  ires  frembden  glosiern  und  auslegen,  indem  si  ir  notdürftige  exeption  den 
zwiinzigisten  junii  eingelegt  für  ain  vermainte  ausflucht  wellen  achten  und  das- 
leib  abgeschnitten,  nit  gestandig,  noch  inen,  wie  si  verfahren  sollen,  darinnen  si 
sich  ausserhalb  ires  darthuen  wol  wissen  zu  halten,  mass  zu  geben  haben.  Sagen 
ilao  mit  beständigem  grund,  was  si  in  irer  jüngsten  eingelegten  geschriften  auf 
Torgeiebte  handlung  gerichtlich  repetiert  und  furbracht,  das  solches  on  allen 
zuesatz  aus  warem  und  rechtem  verstand  unsers  bevelchs  gemäss  geschriben,  dann 
sich  lauter  daraus  befindt,  das  die  clager  dem  Ernnst  Stockhornner,  den  si  ver- 
neinen zu  erben,  weder  in  dem  zehenden  stafFl  auch  verrer  noch  nachners  grads 
mit  der  sipschaft  befreundt,  das  si  wider  si  zu  clagen  und  personam  standi  in 
jadicio^)  bieten. 

Aber  wenn  die  clager  all  vorgelebte  handlung  sambt  irem  unbeslieslichen 
and  ungegmndten  paum  in  dem  pausch,  wie  si  inen  selbst  erdacht,  gemalt,  ge- 
Sechen,  wirdet  sich  daraus  nit  befinden,  das  si  des  Ernnst  Stockhornner  des  letzten 
blaetfireund,  daramb  si  nach  gemainem  rechten  in  erbschaft  zuelassig.  Und  daran 
hangt  diser  zeit  der  punkt,  wenngleich  die  sach  tausend  jar  sol  disputiert  werden, 
dawider  si  den  clagem  kainer  urtl,  die  nit  aufgebebt  und  davon  es  nit  zu  ainer 
miss^  kumen  oder  das  inen  solch  notdurftig  repetierung  abgeschnitten,  nit  ge* 
ständig,  noch  jemand  damit  verclaint,  die  weil  gemaine  recht  suplicationes  und 
appellacionea  zuelassen,  und  vll  mer  für  ain  verklainung  zu  achten,  wenn  uns  als 
der  höchsten  haubt  ainem  die  hand  selten  gespert  werden.  Und  so  es  also  mit 
nnserm  bevelch,  der  ain  mass  austrukt  aus  rechtem  verstand  wie  ob  vermeldt  von 
der  urtl  kumen  mugen,  die  clager  mit  grund  und  warhait  nit  sagen,  das  es  ioen 
ainen  unwiderbringlichen  schaden  nit  allain  am  gaet  sonder  irem  namen,  geslacht, 
frenndschaft  und  heerkumen,  das  inen  auf  das  höchst  zu  beherzigen,  gebern 
worde,  angesechen  das  uns  aus  angeborner  guet  und  gerechtigkait  den  partheien 
mit  repetierung  aller  notdurft  auf  vorgelebt  handlung  genedigist  zuelest,  wes 
wellen  sich  dann  die  clager  besch waren.  Aber  si  geben  dabei  selbe  zu  versteen, 
wenn  si  ir  vergeiebt  handlung  repetiern,  das  sich  daraus  nit  befinden  noch  damit 
bewisen,  das  si  dem  Ernst  Stockhornner  des  letzten  besitzer  mit  ainicherlai  grad 
und  sipschaft  in  recht  zuelassig  verwont,    allain,   was  si  mit  vil  gehäuften  briefen 


^)  Und  sie  vor  Gericht  kommen  zu  lassen. 
')  Entscheidung. 


248  ^^'  ^^^^^  Kallbruner. 

■ambt  ainem  angerelmbten  arbor,  der  auch  auf  künftig  unrecht  befunden  soll 
werden,  die  doch  auf  ir  rernainen  gar  nichta  ad  propoBituin  thuen,  dag  gericht 
und  8i  irrig  su  machen  understanden. 

Damit  aber  clager  sich  dennocht  ainicherlai  Übereilung  nit  an  besware» 
bieten,  so  ist  inen  nochmal  ir  notdurft  deshalben  furzubringen  yorbehalten,  das 
auch  in  unserer  macht  dem  gericht  kain  Terklainuog.  Aber  si  kinden  und  wissen 
weiter  nichts  ansuzaigen  und  beweislich  das  zu  reicht  genueg  darzubringen,  das  li 
des  freundschaft  und  erben  mit  Emnsten  Stockhomner,  den  si  rermainen  zu 
erben,  das  si  seine  erben  ime  in  der  zehenden  weder  verrer  oder  nachner  sipt 
befreundt  gewesen,  und  der  Ursachen  in  erbschaft  selten  zuegelassen  werden.  Was 
wellen  si  dann  mit  beherzung  und  in  ander  weg  vil  daraus  machen,  das  es  inen 
nit  allein  an  dem  guet  ainen  unwiderbringlichen  schaden  sonder  irem  namen,  ge- 
schlacht,  freundschaft  und  heerkumen  gebern  wurde,  des  si  inen  nit  gestandig'? 
Ware  unbillich,  das  der  ander  tail  darumb  beswert  und  das  sein  verlieren  soU, 
und  dem  rechten  sein  gang  nit  gelassen  soll  werden?  Si  muessen  sich  anders 
darsue  halten,  wellen  si  des  Ernnsten  und  Ortolfen  erben  sein.  8i  werden  sich  nit 
also  überhäufen  und  oft  repetierten  Worten  überreden  lassen,  dann  si  auf  solch 
Veränderung  in  ainem  andern  strit  sein. 

Obgleich  die  wort  >ubl  geurüt«  und  »wol  supliciert«  in  dem  bevelch  nit 
ausgedruckt,  das  an  not  getan,  sonder  ist  genueg,  das  er  mass  gibt,  wie  hierinnen 
weiter  gehandlt  solle  werden,  welche  wort  mit  der  mainnng  ain  gleiche  wurknng 
haben :  Nihil  enim  refert  quid  ex  equipollentibus  fiat.  ^)  Und  wäre  wol  uns  als  dem 
nit  mass  zu  geben  nit  aine  daine  smach,  wenn  uns  in  dergleichen  vail  die  hend 
gespert,  welcher  bevelch  nit  plosslich  und  auf  anbringen  sonder  in  betrachtung  der 
Ursachen,  uns  von  dem  gericht  vor  zuegeschriben,  mit  verrer  erwegung  und  er* 
kanntnuss  au  den  actis,  dem  gericht  widerumben  zuegesendt,  ausgangen,  daraus 
si  nichts  anders  klauben  allain  was  die  Inhalt  irer  notdurft  nach  ervordert.  Dann 
obgleich,  nnbekennt,  die  gesprochen  urtl  des  ainunddreissigisten  jars  kraft  ainer 
endurtl,  das  aus  denen  werten  erscheinen  soll  >zwiBchen  n.  und  n.<,  und  kain 
beiurtl,  des  wir  nit  gestandig,  dieweil  weiter  handlung  zu  erwarten  und  der  krieg 
noch  nie  in  der  hanbtsach  verfangen,  deshalben  die  partheien  die  mass,  in  dem 
bevelch  angezogen,  schuldig  anzunemen,  und  das  erfindt  sich  aus  den  werten: 
»ist  unser  bevelch,  das  ir  die  partheien  für  euch  beschaiden«. 

Damit  wellen  si  der  clager  einfnerung  und  ausleg,  den  bevelch  auf  das 
ausbitten  und  verjarung  zu  laiten,  davon  gewisslich  ir  rechtsatz  nit  principaliter 
allain  incidenter-)  meidung  mochte  thuen,  verantwort  und  inen  ires  furgebeni 
durchaus  nit  gestanden  haben.  So  gesteen  si  inen  nit,  das  solch  repetier nng,  wie 
unser  bevelch  vermag,  kain  notdurft  sonder  ain  uberfluss,  dieweil  si  noch  bisher 
in  glaub wirdigem  schein  beweislich  nicht  dargebracht,  das  si  dem  £rnnst  Stock- 
homner in  der  zehenden  verrer  oder  nachnern  sibt  verwont,  darumb  si  als  erben 
und  clager  in  recht  zuezulassen.  Weiter  gesteen  si  inen  nit,  das  si  mit  solcher 
einfuerung,  das  allain  plosse  wort  und  ungegrundt,  dem  kain  glauben  zu  geben 
noch  ainicherlai  damit  bewisen,  unser  regierung  jüngsten  urtl  und  inen  auf  ir 
rechtmassig  vemainen  ain  benuegen  getan;    dann  von  den  vorigen  geschriften  ist 


^)  Es  trägt  nichts  aus,    welches  von  gleichbedeutenden  Worten  man  setzt. 
^)  Noch  dazu. 


Ein  Bechtespnich  über  die  Barg  Stockem  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     249 

M  cu  onaerm  aasgangen  bevelch  kamen,  dem  si  gemäss  gehandU  und  si  daraas 
nit  wellen  lassen  faem,  dawider  si  den  dagem  kains  behabten  urü,  die  in  ir 
craft  gangen,  noch  ainigs  aberkennen  oder  das  si  abgeschnitten  waren  gestandig; 
dartos  rolgt,  dieweil  si  di  schibschaft  nicht  bewisen,  daran  grand  der  sachen  ge- 
itsnden,  darzne  inen  die  jangst  gegeben  artl,  das  die  clager  auf  ir  geschrift,  nach 
aoigangen  bevelch  eingelegt,  schaldig  zu  rerfaren,  ganz  dienstlich,  das  si  auf  die 
dag  nit  schaldig  za  antworten. 

Und  wenngleich  zu  tausendmal,  wie  die  clager  selbs  sagen,  der  strittig 
artickl  der  sipschaft  yerhort  und  examiniert,  so  gesteen  si  inen  doch  nit  anders 
befunden,  dann  das  es  gewiss  und  entlich  war,  das  si  Stockhornner  und  nit 
Stockhinger  genennt,  derselben  pluet,  freundschaft  und  sipschaft,  dann  sich  daraus 
nindert  befinden  wirdet,  das  si  dem  Emnsten,  dem  letztn,  den  si  wellen  erben,  in 
der  zehenden  oder  nachnern  sipt  befreundt  gewesen.  Gesteen  in  deshalben  des 
eingelegten  arbor  und  briefen  nit.  das  die  sipschaft  wie  jezt  vermelt  damit  be- 
wiesen, sonder  sol  sich  in  ainem  gedieht  befinden  durch  ir  selbs  eingelegt  brief; 
wenn  es  zu  repetierung  der  sachen  kumbt  der  ungegrundt  arbor  am  tag,  darauf 
ni  handien  forgenomen.  Ir  begeren  der  sibschafk  halben,  darinnen  gemaine  recht 
msss  geben,  sein  die  clager  dieselb,  dieweil  über  die  zehent  sibt  niemands  zue- 
gelassen,  zu  weisen  schuldig,  es  sei  mit  instrumenten  durch  notari  aufgericht  oder 
sndem  briefen,  dawider  si  inen  kains  landsbrauch  abfall  und  beschwarung  des 
Unds  gestandig,  oder  das  ioen  Inhalt  ainicherlai  Vortrags  die  brief,  damit  si  die 
lipschaft  weisen  sullen,  von  banden  kumen,  so  ist  es  dannocht  nichts,  das  si  zu 
den  beclagten  guetem  kainen  andern  titl  als  das  ausbitten  haben  sollen. 

Denn  obgleich  die  sipschaft  bewisen,  das  unmuglich  wi  aus  irer  jüngsten 
eingelegten  schrift  und  replikn  verstanden,  so  mochte  dennocht  dargepracht  werden, 
du  si  und  ir  vorfordem  solche  gueter  in  die  sechzig  jar  mit  guetern  titl  rueblich 
besessen,  damit  si  vil  mer  als  zu  einfuerung  der  lengsten  verjarung  not  will  sein, 
forgeeehen.  Darzue  Ulrich  von  Haslbach  ir  hauswiert  und  vater  der  gueter  halben 
wider  Hannsen  von  Wulfensdorf  erben  recht  und  urtl  erhabt  sambt  der  confis- 
cation  und  ander  gerech tigkait,  so  si  zun  Stockhomnem  haben,  das  si  diser  zeit 
tllsin  underricht  weiss.  Und  das  die  clager  sogar  ain  unbilliche  und  muetwillige 
clag  gegen  inen  ieben  und  mit  nichte  si  damit  in  der  haubtsach  einzulassen  an- 
gezaigt,  das  si  hiemit  auf  das  zierlichist  protestiert  und  bezeugt  wellen  haben. 
Was  wellen  dann  die  clager  daraus  machen  und  ainen  neuen  unwurklichen  krieg 
erwecken?  £s  sei  nun  der  almechtig  got  oder  die  menschen  an  dem  rechten  ge- 
i»essen,  das  inen  unnot  zu  disputiem  und  vil  wort  davon  zu  machen  dann  sonst 
goet  wissen,  woran  diser  zeit  die  sach  gestanden  und  wie  sich  die  verändert, 
damit  es  von  der  beiurtl,  darauf  die  clager  dringen,  zu  unserm  bevelch  kumen, 
der  si  auf  vorgelebte  handlnng  all  ir  notdurft  zu  repetiem  und  farzubringen  zue- 
lasit.  Und  aber  das  ir  notdurft  ist,  die  sipschaft  anzufechten,  so  die  clager  nit 
gewisen  noch  ewiglich  weisen  mugen,  das  si  dem  Ernnst  Stockhornner  in  der 
zehent  oder  nachnern  sipt  befreundt,  darumb  si  erben  und  wider  si  zu  clagen 
betten,  dessbalben  in  exceptio,  tu  non  es  heres,  inen  zu  statten  kumbt  und  den 
widertail  repelliert,  demnach  ist  ir  rechtmassig  begem,  wie  vormals,  si  von  der 
vermainten  clager  nichtigen  und  unbesliessigen  clag  zu  absolviern  mit  abtrag  er- 
Uten  cossten  and  schaden.  Behalten  inen  sonst  bevor  all  rechtlich  notdurft. 


250  I>r-  JoBof  Kallbnmer. 

Darauf  Mert  und  Liennhart  gebrueder  die  Stockhomner  für  lich  selbs  nnd 
Erasm  Schneckhenreiter  als  cessooarius  iren  rechtsats  oder  besloMschrift  wider 
weilend  Regina  Ulrichen  von  Haslbach  gelassen  wittib  nnd  erben  eingelegt,  wie 
bemach  volgt.  Zu  dem  ersten  erneuen  nnd  repetiem  si  die  vor  eingebrachten 
brief,  sigil  un#  acta  und  repetiem  zu  dem  andern  die  urtl  des  vergangen  ainund- 
dreissigisten  jars,  den  achten  tag  juUi  eroffent.  auf  welcher  nrü  si  als  aaf  sin 
rechten  grundfelsen  verharren,  wann  solch  urtl  von  unserer  regiemng  als  unserer 
nachgeseczten  obrigkait  zeitigem  rat  wolbedachtlich  eroffent  und  nit  ain  plosse 
bei  urtl  ist  sonder  craft  hat  ainer  endurtl  nnd  unwiderbringlich  und  unwiderraef- 
lich  ist,  auch  mit  kainem  gueten  grund  von  dem  richter,  von  dem  si  geschöpft 
verändert  oder  widerrueft  mag  werden. 

Dann  was  dawider  die  antworter  in  negster  irer  geschrift  den  awelften  tag 
januarii  eingelegt,  hat  alles  kainen  grund.  Sein  auch  die  dager  Stockhomner  inen 
zu  guet  durchaus  nichts  bekanntlich.  Gesteen  sonderlich  nit,  das  si  kain  gerechte 
jus  oder  Interesse  zu  clagen  haben,  dieweil  ir  interesse  oder  gerechtigkalt  mit 
den  actis  und  unser  regierung  darauf  geben  urtl  vorhin  si  genuegsam  darbracht 
haben.  Dabei  es  die  dager  noch  beleiben  lassen.  Also  auch  die  clager  Stock- 
homner mit  nichte  gesteen,  das  er  durch  nnserm  bevelch  von  des  gerichts  urtl 
kumen  oder  das  die  vorigen  acta  dardurch  tod  und  ab  seien.  Und  ob  gleich,  wie 
die  antworter  furgeben,  inen  erlaubt  sei  ir  gerechtigkalt  und  jus  weiter  repetiem, 
so  ist  doch  das  gleicher  mass  den  Stohkhomner  clagera  auch  erlaubt,  das  si  also 
thuen  und  gleich  ire  vorige  acta  und  gerichtlich  urtl  widerumb  von  neuem  re- 
petiem und  in  craft  neuer  producta  und  acta  repetiert  wellen  haben,  und  damit 
weiter  nicht  gestandig  sein,  das  dardurch  das  jungst  urtl,  ob  si  weiter  verfaren 
sollen  etc  ,  inen  was  benumen  sei.  Dann  je  dasselbig  urtl  vermag,  ob  si  weiter 
verfaren  wellen  etc.,  das  si  dann  also  gethan,  unsem  bevelch  verantwort.  den 
antwortern  kainer  rechtmassigen  exeption,  das  es  von  der  urtl  kumen,  nit  ge- 
standen wellen  haben. 

Und  nach  repetierung  voriger  acta  schliessen  die  clager  also:  Sagen,  das 
si  vorergangen  urtl  ain  genuegen  getan  und  ir  person  übrig  legitimiert  haben, 
solches  ziechen  si  eich  in  die  acta  und  gemaine  recht  von  kurzwegen,  aambt  dem, 
das  der  erworben  und  eingelegter  bevelch  den  clagern  den  Stockhornnem  ganz 
unschedlich  und  die  zeitig  urtl  mit  nichte  widertreiben  mag,  aus  Ursachen,  das 
ain  urtl,  so  mit  zeitigem  rat  auf  genuegsam  wol  erwogen,  brieflich  urkund  und 
gerechtigkait  zuvor  von  einem  ansehlichen,  tapfern  gericht  hochgeachten,  gelerten 
und  erfarnen  personen  geschöpft  und  eroffent,  mit  plossen  bevelhen,  die  nit  mit 
zeitigem  rat  noch  von  ainem  hohem  taphem  gericht  auf  vorig  acta  sollen  noch 
muessen  retractiert,  verändert  und  nit  leichtlich  widerrueft  mugen  werden,  sonder 
auf  vorig  acta  zu  creften  oder  uncreften,  ob  wol  oder  ubl  geurtlt,  erkennt  mness 
werden;  wann  das  haisst  ain  fürstliche  oder  kunigliche  declaration,  wo  bald  par- 
theien  ervordert,  mit  iren  gerech tigkaiten  genuegsam  verhört  werden,  quia  com 
causae  cognicione  res  decidi  debet^),  wann  das  haisst  und  ist  ains  höchsten  farsten 
will,  mainung  und  bevelch,  wann  derselbig  nach  der  Obrigkait  nach  dem  verstand 
gemainer  rechten  reguliert  wirt,  also  das  er  ist  von  rechts  wegen  sein  soll,  quia 
voluntas    principis   in    rescripto  vel  commissione  intelligitur  esse  talis,    qualis  de 

^)  Weil  die  Sache  mit  Kenntnisnahme  der  Klage  entschieden  werden  soll 


Ein  Rechtsspruch  über  die  Barg  Stockem  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     251 

jare  esse  debef;  eo  quod  princeps  non  intelligitur  uti  postate  absoluta  sed  ordi- 
oaria.^)  Und  das  aus  erzelten  Ursachen  die  clager  die  urtl  an  dem  sechsund- 
zwainzigisten  tag  junii  des  rerriikten  dreuunddreissigisten  jars  auch  unserm  be- 
velch  ain  genuegen  getan,  deshalben  bei  den  vorigen  actis  beleiben  sollen  und  die 
antworter  in  der  hau^tsacben  bei  straf  bekanntnus  der  sachen  zu  antworten 
schuldig.  Seesen  die  clager  Stockhornner  und  Sneckhenreiter  mit  Vermeidung  der 
abgenomen  nutzung  und  gerichtscbaden  im  namen  gots  au  recht. 

Auf  disen  rechtsatz  haben  weilend  des  von  Haslbach  gelassen  wittib  und 
erben  in  irer  dritten  Schriften  verrer  fnrbringen  lassen  dise  mainung:  Wiwol  si, 
osangesehen  der  Stockhinger  und  Erasm  Sneckhenreiter  eingefnert  frembt  dispu- 
tation  und  undienstlich  furgeben,  vermug  unsere  bevelchs,  in  massen  auch  die 
jangst  urtl  den  sechsundzwainzigisten  tag  junii  des  dreiunddreissigisten  jars  eroffent 
genuegsam  verstand  gibt,  si  zu  der  repetierung  diser  action  und  zu  einfuerung 
merer  irer  notdurft  kumen  zu  lassen  kainen  zweifei  seczen,  so  mugeh  si  doch 
aber  vorig  ir  gegrundt  schriftlich  und  sumari  furbracht  bewegnus,  die  si  sambt 
allen  vorigen  actis  hieher  gezogen  wellen  haben,  un verhindert  der  widerpartheien 
ubereillchen  rechtsatz,  zu  besluss  diser  Instanz  noch  mer  grundlicher  erleuterong 
and  onderschaid  ires  widertails  hochangezogen  brief  und  erdichten  paumbs,  darauf 
ti  iren  grund  stellen,  zu  ablainung  desselben  weitern  bericht  nachvolgunder  massen 
ir  notdurft  nach  einzufueren  nit  umbgen. 

Und  sagen  also  mit  bestandiger  warhait,  das  durch  der  widerparthei  repe- 
tierung  und  emeuerung  irer  brief,  sig^l,  acta  und  erdichten  gemalten  paumb  wider 
die  antworter  ir  personen  zu  legitimiem  durchaus  nichts  bewisen  sei.  Wie  dann 
vormals  lauter  und  augenscheinig  aus  irer  selbst  einfuerang  befunden,  nemblich 
das  sich  die  brief  und  der  erdicht  arbor,  so  durch  die  widerparthei  selbst  ein- 
gelegt, grundlich  nindert  nit  mit  einander  vergleichen,  si  auch  damit  zu  nachtail 
nichts  bewisen  sei,  noch  si  daraus  mit  warhait  nit  befindet,  das  die  clager  dem 
Emnsten  Stockhornner  als  letzten  besitzer,  den  si  vermainen  zu  erben,  in  der 
zehenden  oder  nachnern  sibt,  darumb  si  in  erbschaft  zuelassig,  befreundt  gewesen 
and  zu  clagen  gevuert.  Wie  mugen  si  dann  mit  wahrhait  sagen,  das  si  ir  person 
za  dem  rechten  legitimioTt;  deshalben  ir  exeption,  tu  non  es  heres,  darazr  doch 
grand  diser  sachen  gestanden  und  noch  steen  wirt,  stat  hat,  und  durch  den  nich- 
^MS^i^  gemalten  paumb  und  undienstiiche  brief  nichts  lauters  abgelaint  wirdet, 
»onder  allain  gehäufter  weis  das  gericht  und  si  arglistig  zu  übereilen  und  irrig  zu 
machen  angesechen  ist,  das  also  wir  genedigist  bewegen  beten  und  deshalben  mit 
inen  der  repetierung  vorgelebter  handlnng  zuegelassen. 

Wellen  demnach  zu  ausfuerung  irer  obvermelten  merem  underschiedlichen 
erleutrung  greifen.  Und  furnemblich  wirdet  ain  brief  seines  Inhalts  befunden,  der 
da  spricht:  »Ich  Caspar  Stockhornner  bekenn  für  mich  Wolfganngen,  Jörgen 
und  Leopolden  die  Stockhornner  meines  lieben  bruedem  herm  Niclasen  seligen 
kinder  etc.«,  der  im  tausend  vierhundert  und  neunnndsechszigisten  jar  ausgangen. 
Dagegen  soll  der  arbor  lauter  besehen  werden,  wo  diser  Caspar,  Wolfgang,  Jörg 
ond  Leopold  seien,    wo  auch  Niclas  ist,    der  des  Caspam  brueder  gewest  und  ain 


*)  Weil  der  Wille  des  Fürsten  im  »Reskript«  oder  > Kommissionsbefehl « 
80  ist,  wie  er  von  Rechtswegen  sein  muss,  da  ihm  doch  nicht  eine  unbeschränkte, 
sondern  ordnungsgemäße  Gewalt  zusteht. 


252  ^'-  Jo*^f  Kallbnmer. 

■an  gehabt  Jörgen,  wer  auch  konde  iprechen,  das  der  Niclas  im  arbor  sm,  dsr 
ainen  Tater  aach  lunen  eon  gehabt,  die  all  bed  Jörgen  gehaiesen  haben,  ond  doch 
der  Jörg  im  arbor,  der  det  Niclaeen  Täter  eein  solle,  kainen  aan  gelaiien  haben, 
sonder  allain  Hannsen  und  Anthoni  gerhab  gewest  sei,  pionlich  in  der  Scheiben 
geschriben  steet.  So  mag  der  Nicias  kainen  Tätern  gehabt  haben,  eo  ist  der 
Leopold  und  Wolfganng  auch  Caspar  nindert  eingesaichet,  derhalben  der  arbor 
mit  disem  brief  sich  angerecht  and  erdicht  befindt. 

Zum  andern,  so  ist  der  Oeorg,  der  ain  gerhab  des  Hannsen  und  Anthonien 
sol  gewest  sein,  auch  on  ainen  Tatern  gestellt  and  steet  an  der  krampen  Uni  der 
Emnst  allein.  Hinwider  steet  ain  Emnst  in  der  hoch,  der  der  angesaigten  braeder 
Tater  gewest  sein  soll,  welcher  braeder  kainer,  allain  der  Artolf  befanden  wiidet. 
der  hat  ainen  sun  gehabt  Hannsen.  Neben  Artolfen  findt  man  auch  Heinrichen, 
der  ainefa  san  gehabt  hat,  Anthonien  genannt.  Nan  ist  nichts  anders  sa  gedenken, 
der  Jörg,  io  ob  dem  Nidasen  steet,  der  sei  ain  gerhab  des  Hannsen  and  Anthonien 
gewest,  so  doch  derselb  Jörg,  in  dem  arbor  gemalt,  ains  alters  and  in  der  Uni 
gen  dem  Hannsen  und  Anthonien  gleich  sehen  ond  sich  nackend  Tergleichen. 
Weiter  ist  ein  brief  des  datum  Tiersehenhandert  darnach  im  sehenden  jar  der 
spricht:  »Ich  Jörg  der  Stockhomner  bekenn  offenlich  anstat  sein  selbs  seinei 
Tettem  Anthoni«,  welcher  Georg  ist  im  arbor  der  des  Nidasen  san  gewest  wie 
ob  Termelt,  so  der  brief  des  datum  aiotausent  Tierhnndert  nnd  nennandseehzig 
jar  alt  ist.  80  ist  ain  brief  des  datum  atntansent  dreahandert  ond  fanfundsibenzi; 
jar  der  spricht:  »Ich  Emnst,  ich  Artolf  die  gebrueder  die  Btockhomner  die 
sprechen,  das  si  sa  kaufen  haben  geben  irem  lieben  Tettem  Jörgen  Stockhomner 
etlich  gult.«  Also  war  diser  Jörg,  der  den  Anthoni  and  Hannsen  Tergerhabt,  ob 
Til  jam  alt  gewest,  so  doch  dem  arbor  angemass  and  nit  zu  Tergleichen. 

Mer  ist  ain  brief,  des  datnm  aintaasent  Tierhaadert  und  im  neonondrier- 
sigisten  jar,  der  spricht:  »Ich  Cristan  Stockhomner  Tergich  etc.  su  kaufen  geben 
meinem  bruedern  Nidasen  Stockhomner. c  Nun  mag  es  der  Nidas  nit  sein,  der 
den  Casparn  zu  ainem  bruedern  gehabt  und  der  ain  sun  mit  namen  Wolfganngen* 
Jörgen  ond  Leopolden,  also  ist  in  dem  arbor,  weder  Jörg  nicht  recht  gestellt,  eo 
ist  Caspar,  Cristan,  Bemnhart,  Leopold  gar  in  den  arborem  nicht  gestellt,  sonder 
ausgdassen,  die  weil  dann  befanden,  das  Hanns  Stockhomner  des  Artolfen  enn 
den  Wolfganngen  tu  aioem  sun  gehabt;  nun  kan  es  aber  der  Wolfganng  nicht 
sein,  der  des  Nidasen  sun  gewest  als  ain  brueder  des  Jörgen  ond  Leopolden.  Alio 
muess  derselb  Wolfganng  auch  nicht  im  arbor  sein,  wiewol  die  dager  ain  brief 
einlegen,  des  datum  im  funfsehenhondertisten  oad  im  dritten  jar  darnach,  ain 
brief  Ton  seinem  bruedern  Jörgen,  der  dager  Tater  gewest,  derselb  Wolfganng  ist 
auch  nicht  in  dem  arborem  gestellt. 

Verrer  so  ist  ain  brief,  des  datum  siecht  gestellt,  im  sibenzigisten  jar  der 
spricht:  »Ich  Niclas  Stockhinger  meines  genedigen  herm  Ton  Maidbarg ^)  etc.  hof- 
rlchter«,  Terror  ist  ain  brief  des  datum  im  viersehnhondertisten  uod  dreaand- 
sechzigisten  jar,  der  also  stet:  »Ich  Hanns  Waixbuiger  etc.  nimbt  zo  geseagnns 
den  edlen  Testen  Nidas  Stockhinger  des  Ton  Maidbarg  hofrichter.«  Also  sein  die 
namen  widerwertig.  Ainer  nennt  sich  Nidas  Stockhinger,  des  Ton  Maidborg  hof- 
richter,  der  ander  schreibt  sich  Niclas  Stockhiuger.    Nun   ist   nit   mer  dann   ain 


^)  Gemeint  ist  wohl  Michael  Graf  Ton  Hardegg,  Burggraf  zu  Maidbnrg. 


Ein  ReditMprach  Ober  die  Borg  Stockem  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     263 

Niclaa   im   arbor.    Wer  kan  sprechen  ohe  Nidae  Stockhinger,   der   dann   ain   eun 
^abft,  gewest  oder  obs  der  Nidae  Stockhinger,   der  des  ron  Maidbarg  hofirichter 
fsweatf  im  arbor  steen.    Und  ist  wissentlich,   die  clager  bekennen  selbs,   das   ain 
gesiecht  die  Stockhinger  gehaissen  rerhanden  gewest.  Wer  kann  wissen,  wie  diser 
arbor  gestellt?    Der  ain  hat  kainen  ratern,  der  ander  kainen  san,   oder  wie  sich 
au  diser  sipschaft  za  rerrichten?   Dann  der  Niclas,   so  ain  sun  gehabt,   kan  und 
mflLg  nicht  der  sein,   so  in  dem  arbor  steet,    sonder  ist  ain  vater  Jorgens   gewest 
imd  ainer  der  clager.   Daraus  Tolgt,    das  palt  der  Niclas,  der  im  arbor  steet  und 
in  briefen  Stockhinger  des  von  Matdburg  hofrichter  gewest  ist,  dardnrch  der  arbor 
mit  dem  Niclasen  auch  ungerecht   und    kainen    grond   anf  im  tregt.     Verrer  der 
Qeorg,    so   oben  neben  Ernnsten  Stockhornner  stet,    kan   und   mag   des  Ernnsten 
brneder  noch  sun  nit  gewest  sein.  Dann  Erndst,  Artolf  und  Hainrich  sprechen  in 
dem  brief  >wir  haben  yerkauft  unserm  lieben  vettern  Jörgen c,    wer  ist  dann  des- 
selben Jörgen  retter  gewest  oder  wie  gehört  er  in  die  sipschaft?   Also  ist  derselb 
Jörg  wider  gegen  dem  Niclasen  anzusechen.    oder   wer  ist  des  Niclasen  yater  ge- 
wesen und  Ton  wem  si  herkamen?  Weiter  wie  ob  rermelt,    da  der  brief  mit  dem 
nomero  im  rienehenhundertisten  und  neunundsechzigisten  jar,   darinn  der  Niclas 
Stockhornner  mit  den  drei  sunen  stet;    nun  ist  der  Georg,  des  suns,  der  im  arbor 
ob  dem  Niclasen  steet,  vil  ob  ain  hundert  jar  elter  gewest  als  der  Niclas  im  arbor, 
dann  derselb  Jörg  in  dem  brief  mit   numero   im    dreizehenhundert  und  funfund- 
uebenzigisten  jar  geschriben  steet.    Weiter  so  ist  der  Ernost  und  Artoli,    so   die 
leiten  besitzer  zu  Stockhom  gewest,   allain  gestellt  und  im  arbor  gleichförmig  mit 
der  npschaft  gemalt  die  dann  vor  fünfzig  jarn  gestorben  und  die  clager  dieselben 
nie  erkennt  haben. 

Aus  dem  allen  volgt,  das  di  clager  mit  dem  eingelegten  erdichten  arbor 
and  briefen  durchaus  wider  di  antworter  nichts  bewisen,  das  si  dem  Ernnsten 
Stockhornner  in  dem  zehenden  grad  oder  daruLder  mit  sipccbaft  verwont  und  ein 
recht  zu  elagen  beten,  desshalben  si  billich  mit  abtrag  der  schaden  absolviert 
iollen  werden.  Dawider  inen  unser  nrtl,  den  achten  julii  des  vergangen  ainund- 
dreisigisten  jars  eroffent,  unschedlich,  si  sei  nun  mit  rat  und  wolbedechtlich  ge- 
•ehopfl  wie  si  wel,  und  die  widerparthei  mit  grosmachung  vermaint  herfurzubringen, 
das  inen  unnot  zu  disputiem  und  vil  wort  davon  zu  machen;  sonder  ine  ist  ge- 
naeg,  das  es  mit  unserm  bevelch,  der  die  repetierung  zuelast,  davon  kumeo,  und 
damit  die  sach  in  ainen  andern  stand  kumen.  Deshalben  sich  die  clager  vast 
irren,  wellen  inen  auch  des  durchaus  nit  gestanden  haben,  das  anf  solcher  auf- 
gehebten  nrtl  als  ainen  rechten  grundfels  zu  verharren,  das  es  auch  nit  ain 
plosse  beiurtl,  sonder  craft  ainer  endurtl  unwiderbringlich  und  unwiderrueflich, 
dia  die  nit  verendert  oder  widerrueft  mocht  werden,  des  si  in  durchaus  nit  ge- 
stendig  und  das  widerspil  mit  ermeltem  unserm  bevelch  am  tag,  daranf  si  auch 
entlieh  verharren. 

Sagen  weiter,  das  ir  schrift,  den  zwölften  tag  januarii  eingelegt,  gegrundt 
nnd  dermaasen  mit  der  warhait  und  mit  dem  rechten  beclaidt,  das  die  von  den 
dagem  nit  mag  aufgelöst  noch  umbgestossen  werden.  Das  si  aber  kain  jus  zu 
dagen  haben,  ist  ron  inen  warhaftig  dargebracht,  da  wider  inen  die  acta,  damit 
nichts  und  sonderlich  die  sipschaft  nit  bewisen.  Von  der  urtl  ist  es  auch  mit  un- 
lerm  bevelch  kumen,  dabei  si  es  auch  lassen  beleiben;  und  ist  war,  das  unser 
beTeich,   damit  es  von  der  urtl  kumen,    und  die  clager  deshalben  ihres  dürftigen 


254  ^''>  «'otef  Kallbruner. 

▼ermainen  und  das  si  sich  k&iner  rechtlichen  exception  gestendig  uberwiaen 
werden,  in  ir  jus  zu  repetiem  erlaubt.  Lassen  auch  f argen,  das  es  inen  sowol  all 
den  Stockhingern  erlaubt,  damit  si  sich  gegen  uns  kainer  eil  und  das  man  si  mit 
irer  repetierung  nit  hören  wellen  zu  besch waren  bieten. 

Wenn  aber  dise  und  vorig  der  dager  rapetierung  und  acta  geaechen,  so 
findt  sich  nindert  daraus,  noch  damit  bewisen,  das  si  taugenlich  clager  dem 
Ernnsten,  den  si  vermainen  zu  erben,  in  der  zehenden  oder  uachnem  sip  befreandt 
gewest  und  aus  dem  grund,  das  si  vor  und  jetzo  mit  repetierung  die  sipschaft 
nit  gewisen  und  unangesehen  der  vorigen  paumb,  acta,  brief  und  sigil,  von  der 
nrtl  zu  dem  bevelch  kumen,  sonst  biete  es  bei  der  aufgehebten  urtl  an  verändert 
beleiben  muessen,  aus  demselben  grund  irer  vorigen  und  jetzigen  repetiening 
sollen  si  von  der  clager  vermainten  dag  mit  abtrag  der  schaden  ledig  erkeoDt 
werden. 

Weiter  gesteen  «i  den  dagern  nit,  das  si  das  urtl,  die  inen  auf  unsere 
bevelch  und  exception  zu  verfam  auferlegt,  ain  benuegen  gethan.  Si  gesteen  io 
auch  nit,  das  si  ain  notdurft  geschweigen  ibrigs  ir  person  legitimiem  wellen,  sieb 
auch  des  in  ire  acta  gemaines  rechten  gezogen  haben,  inen  ist  nit  weiter  von 
noten  das  urtl,  das  gericht  gelerter  und  ertarner  person  zu  disputiem,  sonder 
genueg,  das  es  mit  unserm  bevelch,  deren  hend  und  gewalt  nit  zu  sperren,  davon 
und  in  ain  andern  stand  kumen,  dabei  si  es  lassen  bleiben  und  uner  absolutori- 
nrtl  wellen  versechen.  Das  der  bevdch  cum  causae  cognicione  ausgangen,  das  er- 
findt  sich  aus  dem,  das  wir  die  acta  ervordert,  ubersechen,  unser  regierung  wider 
zugesendt  und  darauf  unser  bevelch  ausgangen;  dabei  si  es  lassen  bleiben  und 
und  durch  der  clager  frembt  und  ungegrundt  einfierung  mit  frembder  einpildang 
das  gericht  zu  bewegen,  des  si  sich  aber  irem  begern  volg  zu  thun  nit  versechen; 
welcher  bevelch  dennocht  nach  gemainem  rechten  und  unverkerlichem  verstsnd 
dahin  zu  versteen,  das  er  bestand  haben  soll  ans  dem  grund,  die  dann  clager 
weder  vor  noch  jetzo  die  sipschaft,  so  die  rechten  ervordem,  bewisen. 

Gesteen  inen  auch  nit,  das  wir  uns  unsere  gewalts  absolute  sonder  ordeo- 
lich  gebraucht,  die  weil  die  sach  durch  supliderung,  ervordmng  und  ubereechoni! 
der  acta  zu  unserm  bevelch  kumen,  darauf  si  die  mit  der  repetiernng  dahin  ge- 
bracht, da«  die  clager  des  Ernnst  erben  nit,  weder  in  der  zehenden  noch  nschnem 
sipt  befreundt,  darumb  si  in  erben  mochten,  dieweil  dann  aus  der  clager  voriges 
einfuemng  und  neuer  repetierung  sich  nit  befindt,  das  si  unser  bevdch  und  ort! 
den  sechsundzwainzigisten  junii  des  vergangen  dreiunddreissigisten  jar  eroffent 
auf  ir  rechtmassig  repetierten  exception  kain  benuegen  getan;  dann  si  bis  auf  die 
stund  nichts  bewisen  und  dargebracht,  das  zu  recht  genueg,  das  si  des  Ernnsten 
Stockhornner  lezten  besitser  zu  Stockhom  negsten  erben  und  pluetfrennd,  ime  in 
der  zehenden  sipt  oder  nachner  befreundt,  damit  si  taugenlich  clager  und  ir  penos 
zu  dem  rechten  legitimiert;  deshalben  die  zwen  sprach  der  rechten,  taa  non 
interest^  et,  tu  non  es  heres'  stat  baben.  Gleich wol  daneben  in  wesentlicher  re- 
petierung, so  es  darzne  kumbt,  wie  si  sich  versechen,  vil  merer  gegrandt  Ursachen 
anzuzaigen  haben,  das  nit  allain  geacht  sonder  greiflich  gespuert  soll  werden,  die 
widerparthey  zu  dagen  weder  fueg  noch  recht  hab,  dann  si  inen  nit  mit  hassigen 
auspiten,  darauf  ir  titl  nach  irem  furgeben  gestellt  solle  sein,  des  si  inen,  wo  es 
darzue  kumbt,  nit  gesteen  werden,  sonder  mit  bebabten  gerichten  und  artlbriefen 
aufrechten  kundschaft  und  sonst  in  ander  weeg  gegrundten  Ursachen  zu  begegnen 


£in  Rechtaspmcb  über  die  Burg  Stockem  aus  dem  XVL  Jahrhundert.     2Ö5 

vigsen;  doch  entlich  veraechen,  weil  die  coUateralen  über  den  zehenden  grad  in 
kain  erbschaft  eingelassen  werden,  vil  weniger  si  umb  dieselb  erbschaft  clagen 
iDOgen,  das  aber  die  vermainten  clager  des  letzten  Emnst  Stockhornner  im  zehenden 
oder  nachner  grad  gesipt  freund  ze  sein  nit  bewisen  und  durchaus  in  gründlicher, 
ai^entllcher  und  rleissiger  erwegung  des  erdichten  paumbs  und  eingeftierten  briefen 
nit  befinden  werde,  ziechen  si  sich  in  obangezaigt  warhaft  underschid.  Darumben 
äiwr  vermainten  clager  clag  wider  si  zu  fuem  mit  nichte  gebnert,  si  inen  auch 
zQ  antworten  nit  schuldig  sein,  und  aUer  pillichkait  nach  mit  abtrag  ires  dar- 
ie^ens  Ton  solcher  nichtigen  clag  geledigt  und  bemuessigt,  dazne  inen  ain  ewiges 
stillschweigen  billich  aufgelegt  werde.  So  also  mit  vorbehält  aller  rechtlichen  be- 
helf  und  notdnrft  rechtlicher  erkantnus  seczen,  in  recht  zu  erkennen  biten  und 
begeren. 

Die  Stockhornner  und  Sneckenreiter  iren  rechtsatz  darauf  getan  und  sagen 
Ussen,  si  gesteen  der  wittib  und  erben  von  Haslbach  ires  fnrgebens  nicht  und 
^czen  die  sach  Inhalt  der  acta  zu  recht. 

Die  wittib  und  erben  gesteen  dem  gegentail  seines  furgebens  auch  nit  und 
wellen  laut  der  acta  beschlossen  haben. 

Daranf  ist  am  erichtag  nach  Bartholomey  den  funfundzwainzigisten  augusti 
anno  etc.  im  vierunddreissigisten  weiter  zu  recht  erkennt  also:  Wellen  des  ge- 
melten  von  Haslpach  wittib  und  erben  auf  die  ergangen  urtl,  der  dato  steet  am 
sambstag  vor  Margrete  den  achten  julii  des  verschinen  ainunddreissigisten  jars 
ond  den  kuniglichen  bevelch,  darinnen  den  partheien  die  repeticion  zuegegeben, 
wider  der  genanten  clager  namen,  sipschaft,  erbschaft  oder  anders  in  der  haubt- 
sach  durch  repeticion  antwortweise  ichtes  weiter  im  rechten  furbringen,  das  soll 
gebort  werden.  Si  thuen  das  oder  nicht,  soll  verrer  beschehen  was  recht  ist.  Doeh 
den  dtgem  all  ir  einrede  und  notdnrft  dagegen  vorbehalten. 

Auf  disee  urtl  volgend  bemelts  von  Haslpach  wittib  und  erben  den  ain- 
Uften  tag  jaauarii  des  fonfunddreissigisten  jars  in  recht  weiter  schriftlich  fur- 
bringen lassen :  Wiewol  si  sich  versechen,  weil  si  den  clagem  ir  beruemen  durchaus 
und  siecht  vemaint  und  weil  auch  ir  vemainen  in  der  clagem  aigen  eingelegten 
briefen  lauter  verstanden  wirdet  und  sonst  die  natur  und  recht  geben,  das  ain 
jeder,  der  sich  ichtes  beruemet.  sein  beruemen  auf  das  vemainen  zu  weisen  schuldig, 
•okb  recht  were  dizmal  auch  gegen  inen  gebraucht,  also  das  die  clager  iren 
oftmen,  ire  sipschaft  zum  Artolffen  und  Ernnsten  den  Stockhornnern  zu  weisen 
seholdig  und  das  si  solches  bisheer  nit  getan,  ausserhalb  ires  verrems  anzaigen 
^^ig  gewesen  wäre,  damit  aber  unserer  regierung  jungst  beschehen  erleuterung, 
du  si  die  repeticion  wider  der  clager  namen,  sipschaft,  erbschaft  oder  anders  in 
der  hanbtsachen  antwortweis  im  rechten  furbringen  sollen,  und  weil  durch  jetzig 
nnierer  regierung  verlassen^)  alle  unnotdurftige  disputation,  deren  sich  die  clager 
in  irer  jüngsten  Schriften,  den  nennten  septembris  des  dreiunddreissigisten  jars 
eingelegt,  gebraucht,  abgeschnitten  ain  benuegen  thuen,  wellen  si  ir  entlich  und 
ptremptori  auszug^)  und  ezeption  nachvolgunder  mainung  einfueren: 

Erstlichen  erneuen  si  den  auszug  des  namens,  das  si  den  clagern  nit  ge- 
standig, das   si  Stockhornner  sooder  Stockhinger  haissen,    haben  si  des  ain  glaub- 


0  Erlafi. 

^)  Ein  auf  dauerndem  Grund  fußender  Klageeinwand. 


256  ^^'  ^<»^^  Kallbnmer. 

wirdigen  scbain  farbracht,  namblicben  das  ri  von  andern  des  adls  peiBonen  und 
si  sicb.selbs  Stockhinger  genennt  haben,  damit  ir  bememen  lauter  bewisen.  Und 
obgleich  si  jetzt  Stockhornner  haissen  wellen,  so  steet  inen  des  sn  rerweiflen,  du 
si  den  namen  Stockhinger  gedoldet  und  wegsl  im  namen  gebranchen,  denselben 
wechsl  des  namens  si  anznnem  nit  schuldig,  weil  derselb  inen  prejudideni  and 
und  zu  nachtail  kumen  soll. 

Und  gesetzt,  mit  nichten  doch  bekennt,  das  di  dager  des  namens  der 
Stockhornner  seien,  so  sagen  si  zum  andern  und  principaliter  noch  mit  bestandiger 
warhait,  das  die  clager  ir  sipschaft  zu  Artolffen  und  Emnsten  den  Stockhomnem 
gebmedem  und  des  namens  der  lesstn  Inhaber  der  yesstn  Stockhom  in  nahenden 
noch  rerrem  graden  nit  gewisen.  Und  damit  die  clager  sehen  und  greifen,  des  si 
iren  erdichten  paumb  mit  iren  eingelegten  briefen  nit  bewisen,  und  lauter  Ter- 
standen  werde,  das  si  das  gericht  mit  ihren  überhäuften  irrigen  forgeben  rer- 
Bchimpfen  wellen,  so  legen  si  hiemit  ain  paumb  ein,  der  aus  der  clagern  brief 
gezogen  ist: 

Erstlichen,  ist  ainer  Jörg  Stockhornner  genannt.  Der  ist  die  würzen,  daron 
etlich  absteigund  Stockhornner  kumen.  Von  disem  Jörgen  Stockhornner  beechicht 
meidung  in  dem  brief  durch  die  clager  eingelegt  numero  viere,  in  welchem 
Cristan  Stockhornner,  Jörgen  Stockhornner  seinem  Tätern  ain  todbrief  gibt,  dei 
dato  steet  vierzehenhundert  dreiundvierzig.  Diser  Jörg  Stockhornner  hat  gehabi 
drei  sune  Caspam,  Kidasen  und  Cristan,  Caspar  Stockhornner  nennt  Nidasen 
Stockhornner  seinen  bruedern  in  dem  brief  numero  zwai,  darinn  er  sich  bemembt 
Nidasen  Stockhomners  gelassen  kinder  mit  namen  Wolfganngen,  Jörgen  und 
Leopolden  gerhaben  ze  sein  und  seine  schwagerin  umb  ir  heiratsTermacht  ab- 
richtet'), des  dato  steet  vierzehenhundert  neunundseohzig.  Cristan  Stockbomoer 
nennt  Niclasen  seinen  brueder  in  dem  brief  numero  fünfe,  darine  er  ime  etlich 
Weingarten  verkauft,  des  dato  steet  vierzehenbundertneunnndvierzig;  und  das  i<t 
der  ander  grad.  Verrer  Niclas  Stockhornner  hat  gehabt  drei  sune  mit  namen  Wolf- 
ganngen,  Jörgen  und  Leopolden ;  das  weist  aus  der  brief  numero  zwai,  davon  obeo 
meidung  beschehen,  item  der  brief  numero  drea,  des  dato  steet  vierzehenhundert- 
ainundfunfzig;  und  das  ist  der  drit  grad.  Jörg  Stockhornner  solt  gehabt  habeo 
drei  sune  Herten,  Leoiinharten  und  Cristoffen,  welche  die  clager  »ollen  sein. 
darumb  dann  nichts  dann  ir  beruemen  verbanden;  und  weil  si  in  erster  irer 
exeption  furgebracht,  das  die  dager  nach  gemainem  geruech,  item  von  adlslenteiit 
item  si  sich  selbs  Stockhinger  genennt,  so  seien  si  disem  beruemen  also  plosslicb 
gelanben  ze  geben  nit  schuldig  und  wogleich  die  clager  des  Jörgen  Stockhomnen 
sune,  so  seien  mit  Georgen  des  ersten  wurzn  im  vierten  grad.  Und  damit  ist  die 
ain  Seiten  des  paumbs  erleutert. 

Die  ander  selten  des  paumbs,  weil  dieselb  änderst  dann  nach  den  jaren  nit 
ausgerait  noch  gezaigt  mag  werden,  wellen  si  von  jüngsten  und  lessten  grad  aber 
sich  steigent  anfahen  zu  raiten.  Artolf  und  Erost  gebrueder  die  Stockhornner  and 
so  die  lessten  sollen  gewesen  sein,  welche  Stockhomn  inngehabt  sollen  habeo,  dt« 
werden  als  gebrueder  von  graf  Micheln  zu  Maidburg  in  ainem  urlaubbrief  seiner 


^)  Der  Vormund  mußte  der  Witwe  des  Verstorbenen  das,  was  ihr  aus  dem 
gemeinschaftlichen  Vermögen  gebührte,  vor  allem  das  unbewegliche  Gut,  das  lid 
in  die  Ehe  mitgebracht  hatte,  entrichten. 


Ein  Rechtsspruch  aber  die  Burg  Steckern  ans  dem  XVI.  Jahrhundert     257 

I«lieD  genennt  numero  sechzehne,  des  dato  steet  vierzehenhnndertfanfnndfnnfkig. 
Und  wer  dieser  zwaier  vater  gewesen,  uügt  kain  brief  und  weilen  die  zwen'  den 
ain  grad  lassen  sein,  doch  unbegeben  der  warhait.  Zum  andern  finden  sich  elter 
Stockhornner  namblich  Wolf  Stockhornner  und  Hanns  Stockhomner  desselben 
Wolfen  rater.  Das  zaigt  aus  katser  Fridrichen  gnadenbrief  numero  funfoehoe,  des 
dato  steet  vierzehenhundertTiernndYienig  und  also  nach  aal  der  jam,  dann  ge- 
bloets  halben  kain  anzaigen,  ist  Wolfganng  der  ander  grad  und  Hanns  sein  vater 
der  dritt  grad.  Und  zaigt  kain  brief  aus,  das  der  Wolfganng  ainichen  snn  oder 
absteigunden  erben  gehabt  hab.  Und  diso  zwen  haben  Stoekhorn  ingehabt  und 
zaigt  sonst  kain  brief  auf  ainen  inhaber  Stockhomn.  Jetzbenannter  Wolfganng 
Stockhomner  hat  ain  vettem  gehabt  Sigmund  Stockhomner,  welcher  der  Hanns 
Stockhomner  gerhab  gewesen.  Das  weist  aus  desselben  Sigmunden  quitbrief, 
darinnen  er  Hannsen  Stockhomner  seinen  vettern  der  gerhabschaft  quittiert, 
nomero  vierzechne,  des  dato  steet  vieraehenhnndertsibenunddreissig.  Und  findet 
fich  ausdrücklichen  nindert,  wer  dises  Sigmunden  rater  gewesen  und  ron  gleieh- 
hait  der  jar  haben  si  denselben  neben  Wolfganngen  in  andern  grad  gesetzt.  Vor- 
gioanter  Hanns  Stockhomner  hat  ain  vettem  gehabt  mit  namen  Anthoni  Stock 
bornner.  Diso  zwen  vettera  haben  Georgen  Stockhornner  iren  Tettem  zu  gerhaben 
gehabt,  und  das  si  vettern  zaigen  aus  des  Jörgen  Stockhomner  bestandbrief^) 
nomero  ainliffe,  des  dato  vierzehenhundertzechne,  item  Hannsen  Stockhomner  für 
sich  und  anstat  Anthoni  Stockhomner  seines  vettern  qnittbrief,  den  er  Oeorgeu 
Stockhomner  gibt  numero  zwelfe,  des  dato  vierzehenhundertzechne,  item,«  herzog 
Albrechten  numero  dreizechne,  des  dato  vierzehenhundertsechaechne.  Und  haben 
also  diaen  Anthoni  nach  der  jarzal  und  nit  nach  der  sipschaft  in  dritten  grad 
neben  den  Hannsen  gesetzt  und  zaigt  kain  brief  ans,  das  Anthoni  kinder  oder 
erben  gehabt.  Dergleichen  zaigt  kain  brief  ans,  wer  diser  zwaier  vettern  vater 
oder  wie  nachent  si  gefettert  sein.  Verrer  und  nach  den  jarn  finden  sich  noch 
elter  Stockhomner,  drei  brueder  Emnst,  Artolf  und  Hainrioh  die  Stockhomner. 
Das  zaigt  aus  ein  kaufbrief,  welchen  die  genannten  drei  brueder  dem  Jörgen 
Stockhomner  irem  vettern  geben  und  darin  si  Starein  ime  verkaufen  numero 
sibene,  des  dato  dreizehenhundertfunfundneunzig.  Und  zaigt  kain  brief  aus,  das 
diM  drei  brueder  kinder  verlaasen  und  setzen  also  nach  den  jara  und  nit  nach 
dem  ansgezaigten  geblnet  diso  drei  brueder  im  vierten  grad  mit  Artolffen  und 
£mnstn  den  losten  Stockboranem  diser  lini.  Dise  drei  brueder  Ernnst,  Artolf 
und  Hainrich  haben  ainen  vater  gehabt  mit  namen  Jörgen,  den  zaigt  an  Nielsen, 
Herten  und  Gilgen  der  Fleutn  kaufbrief,  den  si  bemelten  dreien  bruedern  und 
Jörgen  derselben  vatern  Starein  halben  geben  numero  sechse,  des  dato  steet  drei- 
zehenhundertvierundneunzig.  Und  ist  also  diser  Jörg  der  stipes  und  die  würzen 
nach  den  jarzaln  allain  und  der  fünft  grad  mit  den  awaien  Stoekhorn nern 
Ernnsten  und  Artolfen  den  letzten  innhabera.  Und  findet  sich  also,  das,  woverr 
der  clager  vater  Jörg  Stockhornner  gehaissen  und  nit  Stockhinger,  das  der  elter 
Jörg  ir  urene  ist  gewesen,  und  woverr  der  erzelten  personen  der  andern  lini 
lipschaft  gewisen  und  in  dem  grad,  wie  die  jar  allain  und  nit  die  succession 
anszaigt,  stuenden,  das  der  ander  Georg  des  Ernnsten  und  Artolffen  grossurene 
were   und   der   fünft    grad,   und   das    sich   nindert    findet   wie  der  clager    urene 


0  Pachtbrief. 
Jahrbaeh  d.  T.  f.  Landeaktinde.  1907.  l7 


258  Dr.  Joief  Kallbraner. 

mit  namen  Jor^  dem  andern  Jor^n  der  andern  lini  gefreandt  oder  mit  tipechaft 
verwont  eel.  Und  das  ist,  das  si  in  iren  Torgeeuden  Schriften  albeg  gesa^, 
das  die  clager  ir  sipschaffc  eu  den  zwaien  Artoiffen  und  Ernnsten  noch  inner 
sehenden  noch  ▼errern  grad  des  geblnets  nindert  bewisen  und  verhoffen,  si  haben 
hiemit  und  mit  gmnd  anxaigt,  das  die  clager  über  Termog  and  inbalt  irer  aigen 
brief  ain  erdichten  paomb  fnrbracht  haben. 

Und  damit  si  ioen  ainist  gar  antworten,  to  haben  si  in  iren  Torgeeodeu 
Schriften  an  hilf  genomen  nemlichen,  das  si  die  clager  und  ir  vorfordem  mit  den- 
selben Stockhornnem  der  andern  lini  aines  namens,  item  aines  schilt  und  helbeo. 
item  an  ander  Tottem  genent,  wider  das  alles  sagen  si,  das  gleichait  dea  namens 
kain  sipschaft  beweist,  dergleichen  auch  wappen  und  dainat  und  sagen,  ob  tiI- 
leicht  aus  gleichait  des  namens  und  gleichait  des  wappen  ain  freundschaft  ver- 
muet  mocht  werden,  so  wirdet  aber  damit  das  erbrecht  oder  gerechtigkait  zu  der 
erbschaft  nit  bewisen.  Also  ist  zwischen  weilend  den  von  Ejtzing  zu  Schretentall  etc. 
und  den  von  Ejtzing  zu  Haagstor  ff  und  Leo  Sneckhenreiter  von  wegen  Albrechten 
von  E/tziog  zu  Losdorff  gelassen  guetern  geurtailt,  und  wiewol  namen,  schilt  und 
heim  und  benennung  der  vetterschaft  zwischen  den  dreien  geschlaehtern  Ton 
Eytzing  gleich,  jedoch  ist  kaines  des  andern  ab  intestato  *)  ain  erb  worden  oder 
ab  erben  zuegelassen.  Und  ob  gleich  die  namen  und  freuudschaft  beweist,  den- 
nocht  weil  kain  würzen,  daraus  diso  zwen  Jörgen  erwachsen  vorhanden,  worden 
si  der  erbschaft  nit  zuegelassen.  Also  haben  zu  der  Apolonia  von  Winden  gelssien 
hab  uiid  gueter  sich  vil  beruemt  und  auch  mit  briefen  bewtsen,  das  si  des  nameni 
und  herkomens  deren  von  Winden  waren,  und  weil  die  erbschaft  der  Windiscben 
guetern  zu  tochtern  komen  und  dieselben  begerten  sich  nach  vermögen  aines 
landsbrauch  und  der  verzichten  zuezulassen  weil  aber  kain  tail  zu  der  wann  be- 
wisen, ist  bonorum  possessio  der  einsatz  der  erbschaft  allain  auf  den  negstn  be- 
seito  grad  von  ainem  pand  zuegesprochen  worden,  daraus  zu  versteen,  das  nit 
genueg  namen  schilt,  und  freundschaft  zu  weisen,  sonder  den  grad  und  die  ur- 
sprüngliche wurzn  mness  gewisen  werden.  Das  zaigen  die  recht  auch  ain  wissent- 
licher landsbrauch  lauter  aus. 

Zum  dritten,  principaliter,  wo  gleich  diso  zwo  lini  zesamen  durch  ain  wnns 
sagen  wurden  und  zusamen  sagten,  so  findt  sich,  das  die  zwen  Jörgen  bmeder  nit 
gewesen.  Dann  nit  zu  vermueten,  das  die  zwen  Jörgen  brueder  gewesen,  die  jtf 
zaigen  das  widerspil  aus,  und  das  der  Jörg,  so  der  clager  ureene  sein  soll,  ato 
vater  gehabt,  der  vielleicht  des  andern  Jörgen  brueder  gewesen  sein  solt,  so  wurde 
derselben  vater  stipes  die  würzen  sein  und  also  die  clager  mit  Ernnsten  und 
Artoiffen  den  letzten  innhabem  Stockhomn  in  dem  aindliften  grad  geArenndt  sein. 
Nun  ordnen  die  recht,  das  kainer  über  den  zehenden  grad  zu  den  beseiterben  in 
erbschaft  zuegelassen  soll  werden,  sonderlich  weil  in  imdzwischen  mittein  graden 
sich  kain  vall  zuegetragen,  das  die  zwo  lini  zusamen  geerbt  haben,  und  also  m 
entlich  auszug»  wo  gleich  die  sipschaft  bewisen  und  aber  die  clager  über  den 
zehenden  grad  befreundt  weren,  das  si  zu  diser  erbschaft  kain  suegang  betten, 
des  si  sich  in  die  recht  zeuchen. 

Und  hiemit  ist  lauter  und  mit  grund  dargethan,  das  di  clager  des  namens 
nit  seien  und  ob  si  gleich  des  namens  seien,  so  haben  si  nit  bewisen,  das  si  und 

1)  Siehe  S.  237. 


Ein  Rechtsspruch  über  die  Burg  Stockem  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     259 

ir  Torfordem  Stockhomn  je  innengehabt,  und  ob  des  wäre,  so  haben  si  nit 
bewisen,  das  si  den  lessten  inhabem  dermaasen  und  in  disen  grad  befreundt, 
das  si  derselben  ab  intestato  erb  mochten  sein  und  als  erben  zuegelassen  soltn 
irerden. 

Zum  vierten  principaliter  und  un  begeben  hievor  eraelter  entlicher  ezeption, 
10  zaigen  si  verrer  mit  grund  und  warhait  an,   ob   gleich    die    dager  der  Stock- 
honmer,   so  des  namens  die  lessten  Inhaber  der  Testen  Stockhomn  und  derselben 
zoegehomngen  gewesen,  erben  sein  möchten,  so  ist  doch  bewist,  das  kaiser  Fride- 
rich  hochloblicher  gedechtnus  umb  der  Stockhomner   ungehorsam   und  verhandlen 
die  Testen  Stockhomn   als    der   landveinten  haimbwesen  niderreissen  lassen,    die 
^eter  eingezogen  und  umb  solch  verhandlen  die  Inhaber  auch  yertriben,  inmasseo 
axid  gleicher    weis    zu  derselben  zeit  mit  Meyriss^)  und  den  Mejressem  auch  ge- 
handlt  worden,  dardurch  und  mit  solcher  confiscation  die  Stockhomner  das  aigen- 
thumb,  soTil    si    des    an  Stockhom  und  derselben  zuegehorungen  gehabt,    rerlom 
nnd  Terworcht.  Und  legen  derhalben  hiemit  abschrift  ainer  gab  -)  ein,  welche  kaiser 
Friderich  Hannsen  Wulffenstorffer  gethan  und  darinn  er  anzaigt,  wie  er  umb  ver- 
bandlung  der  Stockhomner  die  vest  Stockhomn  zerrissen  etc«  des  dato  steet  yierzehen- 
hnsdertrierundachzig;  und  wellen  die  recht,  das  ain  stat  oder  sloss  umb  yerhand- 
laog  niderzebrechen  der  grossten  straf  aine  sei,  item  das  auch  durch  solche  straf 
die  confiscation  der  gueter  verstanden,    sonderlich  wann  dieselb  durch  fiscnm  ein- 
gezogen werden,   inmaasen    es    in    dem  vall  beschehen,    dann  bewisst,    das  kaiser 
Friderich  dise  gueter,    nachdem   die  vest    zerrissen,    etlich    jar  in  sein  camer  ge- 
braucht   und    so    lang    bis    er    dieselben    dem  Wulferstorffer  anno  etc.    vierzehen- 
huDdertvienindachzig  gegeben  innengehabt  und  mit  den  Egenburgerischen  ambtern 
rerwalten  lassen.    Es  wellen  auch  die  recht,  das  fiscus,  wann  er  lenger  dann  vier 
jar  sin  guet  unangesprocben  bezizt,    umb    sein   innhaben   zu    antworten   niemand 
Echnldig.    Item    weil  den  Stockhomnem  umb  ir  ungehorsam  und  ander  pos  handl 
aU  lindveint  ditz  guet  abgedrungen,  so  haben  si  kain  zuegang  zu  demselben  mer, 
wirdet  auch  mit  andern  derlai  abgedrungen  guetem  gehalten    und    mochten    hier- 
omben  gleich  vaal  anzaigen.   Daraus  si  zum  dritten  schliessen,  obgleich  die  clager 
des  namens  und  stamens  des  lesstn  inhabem  weren,  und  weil  aber  die  lesstn  inn- 
haber  ir   recht  und  gerecfatigkait  in  massen  wie  anzaigt  verwarcht,    das  si  kain 
zoegang   mer  zu  den   guetern  haben.    Und  ob  gleich  solchs  sein  solt,    so  stuende 
imi  unserer  vorfordern  confiscation  zu  verantworten  und  nit  inen.   £s  wurde  auch 
uns  bevorsteen  der  peenfalP'),  welche  Stockhomner  verworcht,  zu  ersuechen. 

Verrer  und  zum  fünften,  doch  unbegeben  voreinknmener  exeption,  prin- 
dpaliter  gesetzt  und  mit  nichte  bekennt,  das  diese  confiscation  unbillichen  be- 
tcbehen  und  wiewol  hievor  vermelt,  das  die  veijarung  der  vier  jar  in  causis 
fiicalibns  den  clagem  ain  stillschweigen  auferlegt,  jedoch  zu  hilf  derselben  sagen 
and  setzen  si  war  und  recht  sein,  das  sich  durch  der  clager  selbst  bekennen 
findet,  das  si  und  ir  verfordern,  item  ires  namens  verwonten,  deren  erben  si  sein 
wellen,  nun  lenger  dann  in  sechzig  jam  irem  vermaintn  rechtn  nie  nachclagt, 
weil  doch  mitler  zeit  guet,  offen,  christlich  recht  im  land  gewesen.  Und  sagen  die 


^)  Siehe  S.  223. 

*)  Hier  so  viel  wie  Lebenbrief. 

')  Strafe. 

17* 


260  I^r-  Jo«ef  Kallbniner. 

recht,  welcher  ain  gaet  Tienüg  jar  one  gerichtlich  ansprach  erseMen,   dat  derselb 
amb  die  poseee  noch  amb  dai  aif^nthamb  bedagt  soll  werden. 

Zum  lechiten  principaliter,  weil  kaiser  Friderich  nneer  nranherr  etc.  die 
vest  Stockhom  aus  rechtmaisigen  anachen  niderprochen  und  die  soegehönmgen 
einzogen  and  also  yü  jar  anangesprochen  inngehabt  und  rerrer  Hannsen  WaIf«Ds- 
torffer  amb  seiner  getrenen  dienst  willen  freigeben,  and  rerrer  derselb  Walfenstorffer 
von  Kaiser  Maximilian  hochlobilchster  gedachtnus  dieselben  gaeter  zu  leben 
emphangen,  Inhalt  hiebeiligunder  abschrift,  und  nachdem  derselb  Wnlffenitorffer 
kain  erben  absteigander  Uni  gehabt  und  yerlassen.  darauf  solch  neu  leben  erben 
und  fallen  mögen  oder  sollen,  und  also  durch  sein  absterben  das  leben  Termtnt). 
apert  und  ledig  worden,  do  hat  unser  anherr  kaiser  Maximilian  solch  leben  erst- 
liehen  Wolfganngen  Ton  Enntzessdorff  anno  etc.  funfzehenhundert  und  rien, 
volgents  Ulrichen  von  Haslpach  irem  hauswirt  vatem  und  s wehem  im  fanfxeben- 
hundert  und  fünften  jare  geliehen;  welchs  leben  gedachtes  Wulfennstorffers  beseit- 
aber  nit  absteigund  erben  anno  etc.  funfzehenhundert  und  achten  vor  Kaiser 
Maximilian  der  nlderosterreichiscben  lande  chamergericht  angefochten,  und  weil 
ditz  leben  neu  ist,  gedachter  von  Haslpach  anno  etc.  fanfzehenhundert  und  im 
zwölften  von  der  clag  muessig  und  ledig  erkennt  worden,  Inhalt  hiebeiligunder 
urtailsbrief  copi. 

Aus  denen  und  doch  unbegeben  voriger  entlicher  exception,  si  schliesseo. 
das  die  clager  inen  und  irem  hauswiert,  vater  und  sweher  gwalt  und  unrecht 
thuen,  das  der  von  Haslpach  ichtes  den  Stockhornnern  sonderlich  den  clagern 
zuegehorig  ausgebeten  und  mit  hassigem  verpotnen  titl  an  sich  gebracht.  Ziebeo 
si  in  erzelt  handlung  und  darüber  ausgangen  brieflichen  Urkunden.  Zum  andern 
sliessen  si,  weil  nun  dits  guet  Stockhorn  mit  seiner  zuegehorungen  jetzt  snni 
sechstenmal  als  ain  belebend  guet  gelihen  worden  und  in  die  vierzig  jar  ab  sin 
belebend  guet  unangesprochen  ersessen  worden,  das  er  als  ain  belebend  guet  ge- 
acht  und  wie  vormaln  als  amb  ain  belebend  guet  geurtailt  worden,  noch  darfur 
erkennt  und  geurtailt  soll  werden.  Daraus  auch  zum  dritten  ervolgt,  das  di  clager. 
wo  si  ainich  gerecbtigkait  darzue  gehabt,  das  si  solches  durch  verjarte  lehenschaft 
verloren,    sonderlich    aber,    das   nun  wie   umb  ain  belebend  guet  darüber  geartaiit 

• 

worden  und  woverr  die  clager  ainiche  gerecbtigkait  darumben  gehabt  betten,  •> 
in  solcher  rechtvertigung,  so  fünf  jar  gewert,  ire  gerecbtigkait  melden  sollen.  Die- 
weil  si  aber  solches  nit  allain  in  disen  fünf  sonder  bis  in  die  fünfzig  jsm  nit 
getan,  und  ir  hausswirt,  vater  und  sweher  ditz  guet  mit  gerichtlichem  titl  abo 
erhalten  und  innengehabt,  so  thuen  si  inen  gwalt  und  unrecht,  das  si  oder  ir 
vorfordem  solch  guet  mit  posem  glauben  ersessen  sollen  haben.  Zum  vierten,  du 
durch  solch  nit  allain  inen  sonedr  auch  dem  lehenherrn  ain  gerecbtigkait  er- 
wachsen und  dem  lehenherrn  sein  recht  zu  schützen  gebuert,  wellen  auch  unser 
regierung  als  welche  sonst  in  unsern  lehensachen  erkennen  ditz  vermant  habeo. 
Und  das  aber  die  clager  vermainter  weis  furgeben,  das  si  Joig  Stock* 
homner,  so  ir  vater  gewesen  soll  sein,  anno  etc.  im  vierzehenhundert  und  sieben- 
undachtziglsten  Stockhorrn  inngehabt  soll  haben  und  durch  kunig  Mathiaa  ans 
dem  inhaben  geschafft  worden,    das  gibt  den  clagern  kainen  titl.    Dann  ob  gleicb 


^)  Ohne  Lehensmann. 


Ein  RechtMprnch  Aber  die  Burg  Stockem  auf  dem  XVI.  Jahrhundert.     261 

Georg  Stockhomner  der  clager  Tster  in  die  powess  der  gneter  Stoekhomn  kumen, 
ist  aber  danimben  and  damit  der  letsten  inhaber  erb  nit  wozden,  hat  auch  ime 
damit  kain  gerechtigkait  gemacht.  Dann  weil  unser  oranherr  kaiser  Friderich  die 
vMten  niderprechen  lassen  und  die  gneter  eingesogen  item  auch  nach  langem 
ionhaben  rergeben,  do  hat  dem  Stockhomner  nit  gebuert  sich  dermassen  und  one 
nebt  wider  seinen  landsfürsten  einsedringen ;  und  sovil  er  Stockhomner  tätlich  in 
die  possess  knmen  nnd  tatlich  durch  kunig  Mathias  daraus  geschafft  worden,  seien 
za  Terantworten  nit  schuldig  xusambt  das  nach  denen  allen  ain  titl  aus  verjartem 
innbaben  erwachsen. 

Und  aus  allen  obenerzelten  ezceptionen,  so  si  je  aine  der  andern  zu  hilf 
eingefnert  und  ain  jede  für  sich  selbst  ain  peremptori  auszug  ist  und  solche 
camulation  inen  die  recht  zuegeben,  sliessen  si,  das  die  clager  des  namen  Stock- 
homner nit  seien,  zum  andern,  ob  si  gleich  des  namens  und  herknmens  der  Stock- 
homner seien,  so  seien  si  doch  die  Stockhomner  nit,  welcher  Yorforder  Stockhorn 
inneogehabt,  nemblichen  das  si  nit  bewisen,  das  si  derselben  ab  intestato  erben 
Mira  oder  sein  mögen,  dann  si  zu  kainer  wurzn,  welcher  bedeneit  lini  die  würzen 
mit  namen  Jörgen  zusamenbring,  gewesen.  Zum  dritten,  gesetzt  und  doch  mit 
sichten  bekennt,  das  die  clager  zu  solcher  wurzn  gewisen,  so  findet  sich,  das  si 
ober  den  zehendan  grad  gefreundt  waren.  Zum  viertn.  ob  des  auch  nit  wäre,  weil 
Aber  mnb  Verhandlung  der  inhaber  die  vest  Stockhoran  durch  den  landsfürsten 
terrissen  und  nidergebrochen  und  die  zuegehorungen  eingezogen  und  confisciert 
lach  Ton  dem  landsfürsten  als  solch  confisciert  guet  weiter  Tergeben  und  zu  leben 
mn  oftermaln  gelihen  nnd  als  umb  ain  belebend  guet  geurtailt  wordn,  auch  solch 
einzieeben  und  confiscation  und  leben  in  die  sechzig  jar,  und  ain  solch  Terjart 
innhaaben  ainen  jeden  besitzer  sichert,  unangefochten  beliben  und  dardurch,  wo 
die  clager  ainiche  gerechtigkait  gehabt,  verlorn  betten,  demnach  bitten  und  begem 
•i  rieh  Ton  der  verweenden  clagern  vermainte  clag  mitsambt  abtrag  der  gerichts- 
cosstsn  muessig  und  ledig  zu  erkennen  mit  vorbehält  verrer  irer  notdurft. 

Auf  diso  der  wittib  und  erben  von  Haslpach  eingelegte  schrift  sain  Mert 
und  Leonnhart  die  Stockhomner  und  Erasm  Schneckhenreiter  wider  die  gemelten 
wittib  und  erben  mit  irer  notdurft  in  recht  weiter  also  furkomen:  Zum  ersten 
thaen  si  ir  vor  eingelegt  Schriften  und  acta  repetiem  und  erneuen  sonderlich,  was 
di  TOFTemielt  protestation  irer  namen  Stockhomner  belangt,  mit  bezeugnns  solche 
Mhomphierung  seinerzeit  wie  sich  gebuert  zu  verantworten  und  zu  affem  nicht 
ZQ  anderlassen. 

Zum  andern  bezeugen  si  abermals,  das  si  sich  unserer  regierung  gericht 
gehalten,  den  process  und  gesprochen  urti  nicht  wellen  noch  sollen  disputiern  oder 
za  achimpfiern  sonder  wellen  demselben  processurtl  vesstiglich  anhangen,  inen 
daiaos  noch  darvon  nicht  fuern  lassen  und  si  derselben  in  albeg  betragen,  wann 
üDser  regierung  dem  rechten  und  aller  billichhait  gesprochen  haben.  Was  aber  ir 
widerparthei  dawider  einfuern  und  soviel  das  wider  si  sein  mocht^  sein  si  der 
wideiparthei  durchaus  zu  guet  nichts  bekanntlich,  dieweil  sie  zuvor,  wie  unserer 
regierung  urtl  am  sambstag  vor  Margrethe  den  achten  tag  julii  des  verschinen 
tinonddreissigisten  jars  dar  und  lauter  spricht,  darein  si  sich  referiern,  ain 
Waegen  than  wellen,  auch  damit  irer  widerparthei  ir  lange  geschrift,  was  sie 
Bit  inn  furgeben  und  darthuen,  abgelaint  haben. 


262  ^'  Jos®'  KsUbrimer. 

Doch  wellen  ei  abenoiLls  rermeU  haben,  das  darch  ires  ralem  Tormonder 
oder  gerhaben  inen  ire  brif  nemblich  in  die  yienindfiinfug  verloren  sein,  wie  dann 
der  vertragsbrief,  so  darch  vil  eerlich  leat  aufgericht  worden  and  vorhin  bei 
gericht  erlegt,  clarlich  ausweist,  welche  wo  si  die  beihendig  on  zweifei  ain  meres 
und  nberflnss  gewisen  wolten  haben,  das  si  dann  nnser  regierang  za  beherzigen 
andertheniglich  bitten,  darinn  clarlich  befanden,  wo  si  Stockhomner  oder  Stock- 
hinger gehalten  worden. 

Weiter  als  die  antworter  fargeben,  ansem  vorfordem  sollen  solche  gneter 
haimbgoTallen  sein,  dardurch  si  dieselben  verleihen  magen,  sein  si  inen  iret  for- 
gebens  mit  nichte  geständig,  dieweil  die  gaeter  je  und  je  frei  aigen  und  nie  lehea 
gewesen. 

Wierdt  auch  nimer  bewisen  werden,  das  Ernnst  Stockhomner  ainicherlii 
was  verprochen,  derhalben  er  von  den  guetem,  wie  ir  widerparthei  fargibt,  rer- 
triben  gewest  sein  solt,  dann  je  wissentlich,  das  Ernnst  Stockhomner  ir  vetter  dn 
gaeter  bis  in  sein  tod  als  sein  aig«nschaft  guet  ersessen.  Des  sa  warem  arkusd 
si  hiemit  einlegen  ain  gerichtsbrief  von  Cristoffen  von  Liechtensstain  als  deneibeo 
seit  landmarschalch  in  Osterreich  ander  der  Enns  aasgangen,  des  datum  steet  am 
phinstag  nach  sand  Steffanstag  seiner  erfindnng^)  tausend  vierhondert  vierandneiiuf 
jar,  mit  dem  lauter  bewisen,  das  si  nit  die  Stockhinger  sonder  die  Stockhonmer 
genennt  sein.  Zum  andern,  das  Ernnst  Stockhomner  das  guet  bis  in  sein  tod 
innengehabt  und  als  sein  frei  aigen  guet  verkauft  und  damit  gehandlt  hat,  veist 
aus  der  brief,  so  sie  hiemit  einlegen,  des  datum  ist  am  phinztsg  sand  Bartimestag -^ 
anno  im  viersehenhundert  funfundsibenzigisten.  Verhoffen  damit  vil  mer  slf  tot 
gewisen  und  nnser  regierung  urtl  noch  mer  becreftigt  zu  haben.  Daraus  errol^ 
das  ir  widerparthei  ernennten  Iren  vettern  Emnsten  Stockhomner  ganz  anbülieb 
als  ain  verstorbnen  injuriert,  solchs  auch  seiner  zeit  pass  zu  verantworten  nicht 
underlassen  (wellen  si  protestiert  und  bezeugt  haben),  auch  damit  unsem  vor- 
fordem  rechtlich  nie  haimfallen  mögen. 

So  haben  auch  ir  widerparthei  kain  andern  titl,  dann  das  si  aus  gnaden 
durch  furpet  des  cardinals  zu  Saltzburg  in  die  possess  kumen  (doch  unrechtlicb 
inen  verlihen),  dann  Stockhoren  nie  haimbgevallen,  wann  das  es  irm  vatem  Jörgen 
Stockhomner  mit  gewalt  durch  kunig  Mathias  als  eindrungnen  lindafarsten 
abdrungen,  wie  dann  der  vor  eingelegt  kuniglich  bevelch  solchs  ausweist  und 
darnach  durch  den  Wulffenstorffer  und  andern  auspittem  inen  als  erben  an  sachtl 

« 

nicht  thun  mögen,  auch  solch  lehen  inen  kainen  nachtl  pringen  mugen,  waoo  sie 
durchaus  mit  nichte  gesten,  das  Stockhorn  je  haimbgevallen. 

Und  mit  dem  wellen  si  irer  widerparthei  lang  Schriften  in  der  gemain  rer- 
antwort,  abgelaint  und  inen  zu  guet  nichts  bekennt  haben  sonder  bei  irer  dif 
beleiben.  So  vermag  dennocht  der  lehenbrief  von  unserm  anherm  kaiser  Haximilii» 
loblicher  gedechtnus,  anno  funfzehenhundert  and  fünften  ausgeund,  mit  Uoter 
ausgedruckten  werten  also  »doch  uns  und  unsem  erben  und  sonst  meniclicb  ^ 
seinen  rechten  unvergriffenlich  und  unschedlichc,  wie  dann  nach  vermagen  der 
rechten  in  allen  lehenbriefen  und  gaben  von  den  fnrsten  und  herrn  ausgeund 
solch  kleissl  begriffen  sein  maessen,  und  wo  gleich  solchs  nicht  beschiecht  es  doch 

^)  August  6. 
-)  August  24. 


Ein  BechtMprach  über  die  Bujg  Stocken!  ans  dem  XVI.  Jahrhundert.     263 

tacite  verstanden  wirdet,  demnach  aolch  vermaint  verleihong  inen  ale  den  rechten 
erben  unschedlich  nnd  on  schaden  sein  soll,  dann,  das  nicht  sein  ist,  verrer  nicht 
vergeben  mag.  Darauf  ruefen  si  laut  irer  ladnng  und  clag  umb  recht  an.  Wellen 
hiemit  ir  erlitten  schaden  und  die  abgenomen  nutsung  gemelt  haben  mit  rorbehalt, 
wo  ir  widerparthei  ichtes  mer  furbringen  wolt,  aller  rechtlichen  behelf  hierinn 
anbegeben. 

Hierauf  haben  die  wittib  und  erben  von  Haslpach  verrer  schriftlich  ein- 
fuem  lassen:  Erstlich  wellen  si  wider  die  Stookhinger  und  Erasm  Soeckhenreiter 
ir  vor  einknmen  Schriften  erneuen,  beaeugen  auch,  das  si  clager  ir  gegrundte 
dieptionen  und  ir  entlich  aussug  stüschweigund  bekennen,  dann  sie  noch  der 
zeit  mit  kainem  grund  die  awaiung  der  namen  Stockhinger  und  Stockhomner 
abgelaint,  und  sagen  noch  wie  vor  gemelt,  das  gleichait  der  wappen  den  namen 
oit  gibt  noch  auch  glaichait  des  namens  die  sipschaft  noch  erblichen  titl  gibt; 
und  xaigen  des  wappen  halben  zu  noch  merer  underricht  an,  das  kaumb  vierzehen 
tag  nach  absterben  ires  hanswierts  nnd  vaters  die  clager  geen  Stockhom  kumen 
nnd  inen  die  kirchen  anfthuen  lassen  und  erst  glaichait  der  wappen  aus  dem 
^iicbgemal^)  gesoecht,  des  inen  nit  von  noten  gewesen,  wo  si  ainlchen  grund  und 
wiiwnhait  der  Sachen  gehabt  betten.  Dergleichen  mit  gleichait  des  namens  zu 
lagen  und  zu  underricht  si  auch  anzaigen,  das  di  clager  Andreen  Stockhomner 
za  Wslckherskhirchen^),  so  vor  wenig  jaren  gestorben,  nit  geerbt,  sonder  denselben 
die  Drachssassen  ^)  geerbt  haben.  Und  warumben  seien  si  mit  glaichait  des  namens 
and  Wappens  in  dieselb  erbschaft  nicht  gestanden?  Dergleichen  haben  si  die  Stock- 
kornner,  so  au  Puecbperg  auf  dem  Kamp*)  gesessen  nit  geerbt.  Und  daraus 
encheint,  das  si  nit  unbillichen  den  namen  angefochten,  weil  si  au  solchem  selbst 
urvachen  geben  haben. 

Zum  anderm  bekennen  si  stüschweigund,  das  si  zu  der  würzen  des  stammens 
3ad  heerkumen  der  Stockhomner  nichts  gewisen  und  haisst  nit  in  häufen  reden 
'der  iit  mein  vetter,  darumben  bin  ich  sein  erb«,  sonder  es  muessen  die  grad  mit 
Damen  nnd  je  ainer  nach  dem  andern  benennt  werden.  Und  bekennen  auch  die 
diger  verrer,  ob  si  gleich  des  namens  und  heerkumen  der  Stockhomner  zu  Stock- 
koren warn,  des  nit  ist,  das  si  dennocht  über  den  zehenden  grad  der  beseitenlini 
(^pt  waren.  Und  damit  die  clager  soeben,  das  si  zu  kainer  würzen  weisen, 
>o  legen  si  hiemit  ein  ain  brief  von  Jörgen  Stockhomner  ausgangen,  darinn  er 
bekennt  Otto  Stockhomner  seinen  vettern  zu  sein.  Desselben  brief  dato  steet 
^nzehenhnndertneunundsiebenzigisten  jar;  und  derselb  Otto  wirdet  nach  zal  der 
jam  der  sechst  grad  der  andern  lini  und  zu  den  dagem,  woverr  si  zu  der  würzen 
S^wiaen  betten,  des  nit  ist,  auf  das  wenigist  der  zwelft  grad  sein,  in  welchem 
P^  die  recht  kain  beseiterben,  weil  sie  in  mitlen  graden  kain  faal  znegetragen, 
zader  erbschaft  zuelassen,  daraus  beschlossen  wirdet  die  ezception,  sua  non  interest.'^) 
Verrer  und  zum  dritten,  sovil  si  weiter  gesagt,  ob  gleich  die  obenerselten 
exceptionen  durch  die  clager  abgelaint  wem,  so  sleussen  die  clager  von  diser  clag 


^)  Kirchbuch. 

-)  Siehe  »Stockhoraer«.  S.  53. 

^  Vgl.:  »Die  Stockhoraer«.  S.  38. 

*)  Vgl.:  »Die  Stockhoraer«.  S.  39. 

^)  Seine  Sache  kommt  nicht  in  Betracht. 


264  I^r-  JoMf  Kalibraner. 

ant,   das   Stoekhoren   mit   Miner   zuegehorong   amb  Ortolffen   und  Emnat  Stock- 

homner  und  der  leMten  diies  namens  inhabem  rerhandlnng  durch  kaiser  Fridrichen 

einsogen  und  confisciert  worden.  Und  will  si  nichts  bekumem,  das  die  clager  inen 

die  teutseh  verkem,  des  si  nit  thuen  sollen,  und  sagen,  das  Stockbomn  nie  haimb- 

geTailen  der  erblosen  guetern«    sonder  Ton   oonfiscation   umb   Torhandlnng   reden. 

die  gleichwol  mit  und  in  guetem  so  erben  haben  beschehen  mag.  Und  das  solche 

«onfiscation  mit  disen  guetem  beschehen,  das  auch  dieselben  gueter  als  confisciert 

verrer    lehens weiss    verlihen,    haben   si    mit   dem   eingelegt   gab   und    lehenbrief 

genuegsamliehen  darthan  und  bewisen.  Und  des  zu  noch  mererm  berieht  legen  sie 

hiemit  ein  des  Wulfennstorffer  revers  abschrift,  welches  original  in  unser  registratar 

gefunden  wirdet,  des  datum  steet  zu  der  Neustat  freitags  nach  unser  lieben  fraaen- 

tag  natiritatis^)  anno  vierzehenhundert  achtundneunsigisten,  dergleichen  noch  ain 

lehenbrief  von  kaiser  Maximilian  ausgangen,  des  dato  stee  zu  Costnitz^)  am  ersten 

tag  julii  anno  funfzehenhundert  und  sibendisten.    Und  ist  in  diser  confiscatioo  nit 

nUain  8tockhomn    sonder   auch  Meyriss')    und  ain   hof,   so   heutigens    tags   geeo 

Omundt  gebraucht  wirdet,  hingangen.  Und  wellen  zu  hilf  und  für  si  den  urtlbrief 

durch  die  clager  eingefuert  auch  nennen,  des  copi  si  hiemit  wider  einlegen,  darinn 

verstanden  wirdet,  das  Wulfennstorffer  auf  vermag  der  kaiserlichen  gab  und  confi«* 

cation  umb  die  zuegehorung  gen  Stockbomn  gerichtlichen    geclagt  und  das  Knef- 

«tainer  sich  darwider  betragen,   das  die  angeclagte  Weingarten   in  die  confiscation 

nit  kumen  dann  dieselben  ee  dann  die  confiscation  beschehen  durch  StockboniDer 

vergeben  weren  und  darauf  geurtailt  worden,    und  also  die  gab  in  denen,   was  in 

die  confiscation  komen,  für  kreftig  erkennt  worden.  Und  also  hoch  zu  verwundern. 

das  die  clager  über  so  vil    kaiserliche   und   kunigliche  gaben,   lehenbrief  und  die 

ergangen    urtln    und    damit   die   confiscation    umb    Verhandlung   bewisen,    dieselb 

dannocht  so  plosslich  vemainen    thuen    und    solches   alles    sonst  wissentlich   und 

bewisen  mocht  werden,  nemblicben  das  noch  kundschaften,  so  zu  ewiger  gedechtniu 

aufgenomen  worden,  vorhanden,   derselben  si  sich  auch  nit  begeben  wellen  haben. 

So  wirdet  mit  dem,  das  Eranst  Stockhomner  ain  Weingarten  in  Khueorioger 

herrschaft  gelegen  versetzt  oder  verkauft,    nit  bewisen,    das  er  Stockbomn   bis  in 

sein  absterben  innengehabt,  dieweil  das  gesunderte  gueter  seien:  Quia  non  probst 

hoc  esse  quod  ab  hoc  contingit  abesse.    Und  in  albeg  so  sleussen  die  clager  aas, 

das  si  ir  Interesse  umb  die  angeclagten   gueter   nit  bewisen  und  noch  der  ansing 

stat  hat:  Sua  non  interest.  Und  das  si  und  ir  vorfordem  auch  ain  verjart,  rneblieb, 

anansprechig  recht  und  gereehtigkait  in  weeg  und  durch  mittl  in  voriger  schriften 

durch  si  angesaigt  ersessen  haben,    so  gibt  den   dagem   das  geweitig   eindringen. 

so  Jörg  der  clagera  vater  mit  Stockbomn  getan  kain    titl   oder   gereehtigkait,  es 

haisst  die  posses  non  vi,  non  dam,  non  precario^)  zu  erhalten,   welche  umbstend 

hieriun   nit  vermnet   und   nit   allain   nit  vermuet   sonder   das   widerspil  bewisen 

wirdet.    Dann  mit  kunig  Mathias  beveleh  ist  bewisen,    weil  Wulffenstorffer  in  der 

Neustat  und  in  kaiser  Fridrichen  diensten  belegert  gewesen    und  der  clager  vAt«r 


^)  September  14. 
^)  Konstanz. 

3)  Siehe  Einleitung,  S.  223. 

*)  Nicht  durch  Gewalt,  nicht  durch  List,    nicht  dureh  Bitten    (dabei  ift  «a 
das  weiter  oben  erwähnte  »hassige  anspitten«  zu  denken). 


£in  Rechtisprach  über  die  Burg  Stockem  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     265 

londer  zweifi  auch  kaiseriBch  gewesen,  das  er  sich  wider  des  k aisers  dienstleat  and 
lo  ▼on  irer  dienst  wegen  in  geverlichait  ires  leibs  und  guets  gestanden,  auf- 
geworfen beschedigt  hat  und  dieselben,  die  er  zu  retten  schuldig  gewesen  und 
darumben  sehen  die  dager  mit  was  glimpfen  er  dieselben  angriffen  und  entwert 
bat  ond  das  Wulffennstorffer  von  dem  feind  erlassen  gewesen  von  dem  freund 
gedulden  muessen  und  mocht  sich  der  clager  vater,  wo  derselb  lebet,  kainer  ent- 
wenmg^  beclagen,  wie  er  dann  auch  vil  jar  darnach  gelebt  und  sich  mit  dem 
weni^isten  nit  beclagt  hat.  Und  vilmer  stuende  dem  Wulfenstorffer  jus  postliminii^) 
bevor  und  ist  abo  ervolgt,  das  kunig  Mathias  so  sich  gweltig  und  in  kriegslenfen 
eindrangen  billichen  aasgeschafft ;  und  ist  aber  der  clager  vater  kaiserlicher  veind 
gewesen  nnd  durch  hilf  kunig  Mathias  einkamen,  wie  si  selbst  bekennen,  so  hat 
in  sein  herr  billichen  aasschaffen  mögen  nnd  mag  also  nit  sagen,  das  er  die 
possees  on  gwalt  und  mit  recht  erlangt  hab. 

Und  verrer  zu  gründlichem  bericht  ir  und  irer  vorfordem  berneblichen 
innhabena  zaigten  si  an,  wie  nun  kaiser  Fridrichen  die  confiscierte  gueter  etliche 
jar  mit  den  Egennburgerischen  ambtem  verwalten  und  auch  Caspar  von  Rogenn- 
dorff  diesaelben  gueter  ain  zeit  lang  innengehabt  und  volgends  den  Wulffenstorffer 
gegeben  worden,  item  nach  Walfennstorffers  absterben  dem  Enntzendorffer  und 
weiter  irem  haaswiert  und  vater  gelihen  worden  und  welche  er  auch  mit  urtl  und 
recht  erhalten  hat;  das  hierüber  gemelter  ir  hauswiert  und  vater  volgends  den  sitz 
von  frrund  auf,  auch  die  Wassergraben,  mairhof,  acker  mit  grossem  uncosten 
erpaat  und  zu  notzgebraeht,  auch  wenig  jar  vor  seinem  absterben  vil  grund  zu 
teichtn  erkauft  und  die  teicht  gemacht  and  Stockhornn  angeben  und  zuegehorungen 
über  aibentausend  gülden  gepessert;  and  das  die  clager  negstneben  und  bei 
Egennbnrg  und  Stockhom  gesessen  nnd  solche  erpaunng  nie  widersprochen  noch 
sich  ainich  recht  oder  gerechtigkait  darzue  zu  haben  beruembt,  und  also  die  recht 
und  urtl  nbergeen,  auch  die  verjarung  verlaufen  lassen.  Und  mit  was  grund  mögen 
si  nun  solch  ir  stilschweigen  ausreden?  Und  haben  über  das  alles  die  sachen  erst 
nach  ires  hauswierts  und  vaters  und  von  stund  nach  seinem  absterben  angefangen 
und  81  mit  recht  beclagt  kainer  andern  mainung  dann  si  armb  wittib  und  waisen, 
und  welche  der  sachen  kain  bericht  gehabt  zn  übereilen  und  si  also  muetwillig  in 
uncosten  nnd  schaden  zu  fnem. 

So  thuet  auch  wider  so  offenware  auszug  nichts  weisen  noch  stiessen,  das 
die  clager  fnrgeben,  wie  ire  gerbaben  vierundfunfzig  brief  verlorn  haben,  dann 
nit  gesagt  mag  werden,  das  dieselben  auf  diso  Stockhomner  welche  Stockhornn 
inngehabt  geläutt  oder  gezaigt  haben,  weil  si  oben  anzaigt  das  mer  Stockhom ner 
gewesen  dann  si  und  zu  welchem  si  nit  geerbt  haben;  und  des  noch  so  vil  mer, 
das  die  clager  eüich  und  so  vil  brief  irem  beruemen  nach  zum  tail  auf  dem 
Gotweich,  daselbst  ir  vater  haubtman  gewesen  und  von  meniclich  Stockhinger 
genennt  worden,  item  zun  sand  Dorothee,  item  zu  Schotten  alhie  zu  Wienn  gefunden 
und  auf  solch  gefunden  brief  erst  ir  herkomen  nach  dem  kirchengem al  ausgeraidt 
haben  und  sonder  zweifl  also  auf  dieselben  gefanden  brief,  deren  si  nach  Inhalt 
vermaintes  spmchbriefs  mangl  gehabt,  die  rechtsachen  angefangen.  Nun  tÜun  aber 
diso  plosse  vermuetung  wider  so  offenware  recht,  brief  und  urtl  und  ander  excep- 
tionen  nicht  sliessen. 


^)  Wiedererlangung  eines  zeitweilig  aufgehobenen  Rechtes. 


266  I>r.  Josef  Kallbruner. 

Und  der  Ursachen  wellen  si  von  kurz  wegen  der  clager  forbiingen  Ter- 
antwort  und  in  der  gemain  widersprochen  und  stillschweigend  su  guet  nichts 
bekennt  haben.  Thuen  auch  von  kurz  wegen  ir  einkomen  ezception  sambt  Torigen 
begem  erneuen  und  zu  unserer  regierung  erkantnus  setzen  mit  Tenneldung  der 
gerichtscosten  und  vorbehält  verrer  irer  notdurft. 

Dawider  haben  die  Stockhomner  in  irer  dritten  sobriften  anfänglich  den 
ganzen  process  auch  die  ergangen  unserer  regierung  urtl  dem  sambstag  vor 
Margrethe  den  achten  julii  des  ainunddreissigisten  jars  erneuen  und  repetiern 
lassen,  dabei  si  es  von  kurz  wegen  lassen  beleiben.  Wellen  kainen  neuen  process 
anfahen  noch  demselben  stat  thuen,  und  was  di  antworter  darwider  einfaem  hat 
kainen  grund,  seien  inen  auch  zu  guet  nichts  bekenntlich.  Si  wellen  auch,  was 
si  schmachweiss  den  namen  Stockhomn  belangt,  mit  bezeugnus  und  proteeta^on 
vermelden,  wie  vorm  allen  ir  protestation  in  den  actis  genuegsamb  anzaigt,  darein 
si  sich  referiem,  seinerzeit  Ire  spruoh  wie  sich  gebuert  zu  afem  nicht  underla&sen. 
Was  aber  ir  widerparthei  darwider  einftiem,  tregt  kainen  grund  auf  im,  sonder 
nner  unser  regierung  irrig  zu  machen,  damit  sich  die  sachen  in  verlengerunp 
Verzug,  wie  dann  bisheer  beschehen. 

Gesten  auch  weiter  nicht,  was  die  antworter  von  der  poseession  einfaem 
und  von  haimbgevallen  confisciem  disputiem.  Ist  kainer  Verantwortung  nicht 
wierdig  noch  von  noten,  das  kaiser  Friderich  Stockhomn  confisciert  hab  oder 
confisciem  mugen  über  die  nachvolgund  begnadung.  Und  damit  si  den  antwortem 
kain  lenger  freid  lassen,  damit  si  ir  verstorben  vettern  und  pluetfreund  mit  ireo 
ungegrundten  darthun  iniuriem,  so  legten  sie  hiemit  ein  kaiser  Fridrichs  aboolnticD 
oder  begnadung  und  daneben  die  thäding,  so  durch  die  haubtleut  beschehen. 
daraus  unser  regierung  als  die  richter  und  liebhaber  der  gerechtigkait  abnemen 
mugen,  ob  kaiser  Friderichen  die  gueter  nie  rechtlich  in  fiscum  kumen  sein  sunder 
was  durch  das  hässig  ausbitten  beschehen,  das  si  gott  dem  höchsten  verhoffen  in 
irem  jus  an  nachtl  sein  wirdet.  Damit  wellen  si  ir  widerparthei  allen  iren  ver- 
mainten  behelf  abgelaint  und  verantwort  haben. 

Si  mochten  auch  (aber  ires  achtens  ganz  unnot)  noch  vil  mer  gerechtigkait 
furbringen,  so  wellen  si  doch  unser  regierung  damit  nit  bemueen  noch  sich  selber 
aufziehen;  verhoffen  darauf  zu  gott  unserer  regierung  und  dem  gütlichen  rechten, 
si  haben  ir  clag  sambt  erlitten  cost,  schaden,  abgenomen  nutzungen  und  wie  za 
recht  genuegsam  gewisen.  Setzens  darauf  im  namen  gots  zu  recht,  lauter  umb 
gottes  und  der  gotlichen  gerechtigkait  willen  bitten,  unser  regierung  welle  den 
antwortern  kainen  verzug  mer  gestatten. 

Auf  diso  der  Stockhomner  dritte  schrift  sein  die  wittib  und  erben  von 
Haslpach  also  verfaren  uud  anzaigen  lassen:  Si  haben  jungst  den  vierten  jnnii 
verschines  funfzehenhundertisten  und  funfunddreissigisten  jars  der  Stockhinger 
gebruederj  so  sich  jetzo  Stockhomner  nennen,  auch  Erasm  Sneckhenreiters  schriAen 
jetz  angezaigtes  tags,  durch  si  in  gericht  under  dem  titl  ainer  sluss  und  dritten 
schrift  eingelegt,  mit  offenlicher  protestation  änderst  nit,  also  so  weit  dieselb 
annemblich  und  zuelasslich  sei,  copi  emphangen.  So  aber  dieselb  mit  aigentlicher 
erwegong  recht  angesehen  wirdet,  si  nit  ain  dritte  nach  der  gemelten  dsger 
verkerlichen  intitulation  sonder  ain  vierte  Schriften  ze  sein  befunden,  dann  unver- 
naintlich,    das  nach  gebrauch    dises    lands  und  gerichts  die  ladung    und    clag  für 


Ein  Rechtmprach  über  die  Burg  Stockern  aus  dem  XVI.  Jahrhundert.     267 

ain  libell  und  erste  des  dagers  Schriften  geacht  ist,    darüber   aber  die  vermainten 

ela^r  seit  des  königlichen  berelchs  ausser  der  schriftlichen  und  mundlichen  recht- 

fttz,  die  inen  durch  gerichtlich  verlass  und  urtl  aufgehebt,  yorhin  dreu  wesenlich 

Schrift  in  gerieht  ligen  haben,  des  si  sich  in  die  acta  siechen.    Und  so  nun    nach 

Gerichtsordnung  und  gebrauch    bisheer  jedlicher   partheien   zumall    in   der   haubt- 

stehen  mer  nit  wenn  drei  schrift  suegelassen,    sich  aber    die  clager  über  ir  vorig 

drei  Schriften  jetzo  noch  ainer  vierten    Schriften    gebrauchen  und  hierinnen  wider 

Gerichtsordnung  gehandlt,    sollen  si    mit  derselben   jüngsten    Schriften    nit   gehört 

noch   znegelassen  sonder   inen  Vorgericht  wider   hinausgeben    oder   darauf  nichts 

ITdhandlt  werden.    Zudem  wo  eben  solche  jungst   der  clager  eingelegte  schrift  für 

atn  vierte  schrift    nit   geacht,   so  kan  doch    nit  vernaint  werden,    das  dieselb  der 

dsger  lesete   und  slusschriften  sei,    so  aber  mit   gerichtsordnung   heerbracht    und 

fargeeehen  wie  auch  ganz  rechtlich    beschehen    in  lesster  Schriften  kain  neuerung 

anzufuem  und  also  den  partheien  sich  vor  nenrung  in  schluss  und  lessten  Schriften 

ZD  enthalten  vilveltigUch    bevohlen   und    auferlegt,    dawider   aber   die    clager  nit 

aUün  in  diser  irer  lessten  schriften    neu   Sachen  einfuem   sonder   erst  von  neuen 

dingeu  brieflich  Urkunden  einlegen,    darvon  in  vorigen   ganzen  process   nie   kain 

wort  melduBg  beschehen;    derhalben  abermal    dieselb  mer  angeregt   Schriften    der 

gebrauchten  neuerung  wegen    in    gericht  unzuelasslich   ist   und    billich  verworfen 

koch  den  clagem  wider  hinausgehen  wirdet,  si  auch  darauf  als  dem  gerichtsbrauch 

zuwider  zu  verfam    mit   nichte  schuldig.    Dann   wo   solches   gestatt   wurde,    sich 

dessen  ain  jedliche  parthei,    so  vor  unserer  regierung  und  ander  in  disem  rechten 

ze  thaen  betten,   gleichmassiger  haudlung  gebrauchen    und  dise  zuelassung  almall 

zn  ezempl  anzaigen  wellen,  des  dann  zu  aufzuglichkait  der  partheien  und  grosser 

aaderang  der  gerichtsordnung  und  prauch  raichen  wurde. 

Jedoch  so  wellen  si,  allain  damit  gegentail  und  zuvor  unser  regierung  nit 
gedenken,  solch  der  clager  wider  gerichtsordnung  gebrauchten  neurung  nit  abzu- 
l&inen  wessten  und  solche  vermeldung  inen  zu  fluchtiger  verzugligkait  nit  gemessen 
weide,  mit  hienach  volgunder  Verantwortung  verfaren,  doch  in  albeg  obgemelt  ires 
billichen  anzaigen  unbegeben,  erafern,  repetiern  und  vemeuen  also  zu  besluss  der 
sacheo  mit  kurz  alles  und  jedes,  so  nachlengs  hievor  durch  si  in  diser  rechtsachen 
schriftlich  and  mundlich  furgebracht. 

Sonderlich  für  das  erst,  doch  kainesweegs  bekentlich,  sagen  si:  Wo  di 
clager  eben  schon  zu  recht  genueg  bewisen  und  darthan,  das  si  Stockhornner  und 
Bit  Stockhinger  waren  und  hiessen  und  also  ires  achtens  ir  person  zu  recht 
legitimiert  betten,  der  kains  genuegsamlich  beschehen,  so  ist  doch  offenwar  und 
un  tag,  das  si  vermug  unser  regierung  urtl  am  mittichen  nach  Lucio  den  vier- 
zeheoden  deeembris  anno  etc.  im  dreissigisten  eroffent,  ir  sibschaft  Artolffen  und 
Bniniten  Stockhornner  zu  erben  des  zu  recht  genueg,  wie  si  vermug  solchs  urtls 
intern  worten  schuldig,  inen  auch  als  clagem  zu  bestattung  ires  vermainten  für- 
geben  rechtlich  erben  ze  sein  von  notten  gewesen  mit  dem  wenigisten  nit  bewisen; 
wie  lieh  dann  noch  heutiges  tags  zwischen  inen  und  Emnst  Stockhornner  des 
»chloGs  Stockhomn  lessten  innhaber  gar  kain  sibschaft  noch  attinencia  gar  in 
k&ioem  grad  befindt,  so  nachent  gefreundt  sein,  das  si  denselben  Emnst  Stock- 
bornner  nach  Ordnung  der  geschriben  landsbreuchlichen  rechten  erben  mochten; 
wie  gl  dann  auch  nit  allain,   das  si  weder   die  Stockhornner   zu  Waltersskhirchen 


268  I>>^-  JoMf  Kftllbniner. 

noch  Puechperg  nit  geerbt  aonder  auch  zu  der  wund  des  stammens  und  heer- 
knmens  Emnst  Stockbomners  nichts  gewisen  stUachweigend  bekennen,  welch  ir 
bekantnuBi  li  also  bezeugen  mit  dem  beitet  ir  exception^  tibi  non  compotit  actio, 
tu  non  ee  heret  et,  tua  non  intereet  noch  auf  yestem  gmnd  der  rechten  welche« 
alles  aus  ursach  im  rechten  gegrnndt,  so  durch  si  hivor  genuegaam  eingefuert 
Tom  gegentail  mit  nichte  abgelaint  kan  werden  noch  umbgestoisen  ist 

Si  die  dager  haben  mit  herbringung  der  sachen  diser  gueter  und  yesteo 
Stockhornn  einziehung  halben,  umb  Ortolffen  und  Emnsten  hoche  verschulduDg 
beschehen«  genuegsam  furbracht  und  wo  weiter  nit  solche  rerschuldung  mit  den 
zeugen  zu  ewiger  gedachtnus  rerhSrt  als  si  verhoffen  nit  weniger  zu  beweisen  ist. 
der  si  sich  kaineswegs  yerzigen  wellen  haben,  welches  alles  uns  die  clager  mit 
irem  neu  furgebrachten  kaiser  Fridrichs  begnadungbrief  und  seiner  majestat  hsabt- 
leut  begnadung  nit  ablainen  mugen.  Nemblich  ans  disen  Ursachen,  das  wisBlich. 
und  als  si  verhoffen  in  obgemelter  zeugen  sag  zu  ewiger  gedechtnuss  yethort  licb 
weislich  befinden  wirdet,  das  Stoekhomn  mit  gewalt  eingenomen  und  die,  bo  zq 
zeit  kunig  Mathias  oroberung  darinn  g^west,  hin  und  wider  an  die  paumb  erhenkht 
worden,  das  kainer  absolution,  begnadung  noch  gnetigen  be tadigten  abtretang  im 
grund  nit  gleich  siecht,  sonder  des  widerspil  vil  glaublicher  und  spärlich  danas 
abgenomen  wirdet,  wie  si  auch  mit  nichte  gestandig,  das  dieselb  gnad,  absolntion 
und  begnadnng  ainicherlai  wurkung  erlangt  noch  gehabt  und  zumal  in  zeit  des 
sloss  gewinung,  so  mit  bewerter  hand  besohehen. 

Dann  gewisslich,  wo  dieselben  zu  wurkung  kumen  war,  der  vesten  geweltife 
eroberung  und  die  erhengkung  der  darinn  ergriffen  gefangen,  zumal  weil  mit  der 
betadigung  nach  derselben  puechstaben  all  gefangen  und  unserer  yorfordem  wider- 
wärtig geledigt  und  gefreit  worden,  gar  nit  yon  noten  gewest.  So  ist  wisslich,  das 
kaiserliche  majestat  die  gueter  almal  in  henden  gehabt,  dieselben  kainem  tos- 
pitter  sonder  erstlich  den  yon  Egennburg  und  andern  ambtsweis  zu  handln  bevolben 
und  verlassen,  mit  dem  auch  die  auspittung,  wie  die  clager  geren  verständigen 
wolten,  der  Vergebung  und  nachvolgunder  vergleicbung  gar  kain  ursach  geben 
worden. 

Vilgewisser  auch  Emnst  Stockhomner,  wo  er  wurklich  absolviert  und 
begnadt  gewest,  weil  im  die  gueter  zu  beleiben  nach  ausweisung  der  verweaden 
betadigung  geaignet,  noch  dieihenen,  so  ine  billich  erben  mugen,  solche  goeter 
weder  kaiser  Fridrichen  und  hernach  kaiser  Maximilian  hochloblicher  gedachtnas 
noch  auch  denen,  so  solche  gueter  von  ir  bai  der  kaiserlichen  majestat  ambts-  osd 
lehenssweis  innegehabt,  sovil  lange  zeit  jetio  seit  der  vermainten  betadigung  und 
begnadung  in  die  zwaiundsechzig  jar  nacfaet  über  topelte  veijarung  unemoecbt 
in  henden  und  gwalt  nit  lassen  noch  zu  den  sachen  still  schwigen  betten;  «eich 
lange  zeit,  und  weil  oder  doch  merers  tails  die  clager  und  sonderlich  ir  vater  im 
land  und  zunächst  bei  Stockhornn  heuslich  und  sonst  gesessen  und  gewont  haben 
und  also  zu  all  solcher  kaiser  Fridrichs  confiscierung,  einsiechnng,  brauchosg. 
vetlassung  und  Vergebung  auch  volgende  kaiser  Maximilians  vergleicbung  aod  i' 
vater  mit  urtl  und  recht  erlangung  innhabnng,  erpaunng  und  niesanng  gensiieheo 
stillschweigund  gesechea,  gewisst,  gebitten  und  kainmal  nie,  allain  was  si  jetzo 
mit  diser  muetwilligen  rechtvertigung  allererst  nach  der  clager  hauswiart  and 
vaters  absterben  nit  on  sonder  rank  angefangen,  widersprochen  noch  geandt  haben. 


Ein  Rechtsspruch  über  die  Borg  Stockem  aus  dem  XYl.  Jahrhundert.     269 

•cnder  also  xa  volkamener  rechtlicher  ersitznng,  yeijarnng  und  prescription  kumen 
and  erwachuen  lassen  also,  wo  eben  die  dager  ainicherlai  libschaft  bewisen  und 
hierin  ^rechtigkait  und  interesse  gehabt  hetten,  der  kains  doch  weder  im  g^chicht 
Doch  recht  befunden  wirdet,  nichts  minder  si  durch  gar  rechtmasaige  und  schier 
mer  als  topelte  rerjarung  und  prescription  ausgeslossen  werden. 

Des  Ziechen  si  sich  erstlich  in  gemaine  geschribne  und  landspreuchige  recht 
Qiid  nachrolgund,  sovil  es  die  geschieht  belangt,  in  der  clager  aigen  und  jungst 
selbst  eingelegt  brieflich  urkund,  doch  nit  weiter  ab  botiI  dieselben  für  si  thuen, 
daraus  dann  sonderlich  mit  grund  gesehen  und  Terstanden  wirdet,  das  Emnst 
^^tockbomner  gegen  kaiserlicher  .majestat  hoch  strafpar  worden,  sonst  weder 
betadiug  noch  begnadung  nit  not  than. 

Welche  beguadung  und  betadigung  aber  aus  all  enselten,  greif  liehen  und 
spärlichen  Ursachen  in  kain  wurkung  kumen  und  also  die  gegentail  in  iren 
iiiMUicben  rorhaben  gar  in  nichte  furtragen  kan,  sambt  dem  das  kaiserliche 
msjestat  die  wal  gehabt,  ob  sein  majestat  des  sloss  dem  Emnsten  Stockhomner 
wider  lassen  welle  oder  nit,  davon  aber  in  dem  verweenden  begnadungbrief  nichts 
^emelt  und  allain  die  unrolkumenen  betadigung  allain  hofnung  und  kainer  ent- 
liehen wurkung  gestanden,  mit  dem  also  der  clager  selbst  eingelegt  Termaint 
begnsdung^  und  betadigung  mer  wider  si  als  mit  inen  ist. 

Und  so  dann  auch  die  urtl,  den  achten  julii  des  ainunddreissigisten  jars 
ergangen,  darauf  die  clager  jetz  iren  höchsten  behelf  geren  stellen  weiten,  im 
grnnd  nit  dahin  angesehen  ist,  wie  die  clager  inen  zu  glimpfen  geren  teutschten, 
iu  si  Ir  sipschaft  zu  Ortolffen  und  Emnst  Stockhomnem  der  vesten  Stockhomn 
It^ten  innhabern  dardurch  notdurftiglich  und  wie  zu  recht  genueg  gewisen,  sonder 
aÜain  weil  ainem  rechtens  zu  gestatten  ain  klainer  schein  genueg  ist,  damit  si  nit 
rechtlos  gelassen  werden,  wie  dann  auch  ungezweifelt  unserer  regiernng  gemuet 
in  Schöpfung  solcher  urtl  änderst  nit  gestanden  noch  steen  mugen.  Und  also  weil 
mer  wenn  ain  Stockbornner  gesiecht  gewest  von  den  vermainten  clagern  nit  allain 
Qnaasgefnert  beliben,  das  si  dieihenen  Stockhomner  seien,  so  zu  Stockhomn 
gesessen,  darumben  si  inen  kainer  schmahung  gestandig  sonder  auch  aus  menglung 
<ie<  Btamens  und  würzen,  dardurch  die  grad  und  sonst  nit  gerechnet  noch  gezelt 
mugen  werden,  gar  durchaus  nit  ausfundig  gemacht,  das  si  Ortolffen  unst 
Emnsten,  die  sich  selbst  des  schloss  Stockhomn  lest  bezitzer  anzaigen,  in  oder 
nnder  den  zehenden  grad,  darüber  die  recht  kain  erbschafk  zuelassen,  mit  sip- 
%haft  verwont  seien  sambt  dem,  das  si  und  Ire  Toreltem  all  nit  allain  zu  kaiser 
^drichs  confiscation,  einziechung,  brauchung,  verlassung  und  yergebnng  auch 
folgende  kaiser  Maximilians  vergleich nng,  sonder  auch  zu  ires  hauswierts  und 
▼aters  lang  zeit  geuebten  rechtlichen  handlung  und  erlangten  urtl  und  also  zu 
sein  ond  seiner  vordem  Inhaber,  gaber  und  autores  besitznng,  erpauung  und 
oieisang  der  gueter  genzlichen  stilgeschwigen  und  in  die  sechzig  jar  wider  das 
^les  nichts  gemelt,  geriegt  noch  geandt  und  doch  solch  lange  zeit  si  die  clager 
nnd  ir  vater  gar  zu  rechnen  gar  am  hofzaun  gesessen  und  gewont;  allererst  nach 
ires  hanswierts  und  vaters  ableiben  ir  verwende  gerechtigkait  ans  dem  kirchen- 
^mal  gesuecbt  und  so  lange  weilen  almallen  selbst  gezweifit;  das  also  ir  haus- 
siert and  vater  seine  autores  und  gaber  die  gueter  mit  guetem  titl,  urtl  und 
recht  an  sieh  pracbt  und    so  vil   längs  jar   unbetriebt   und   rechtmassiglich   inn- 


3 


270  I^r-  Jo>«f  Kallbraner. 

gehabt,    dea  aliea  inen,    iren  Torsidlen  und  in,  nach  allem  heerkomen  des  sach  » 
rechtmäßiger  ereitzong,  verjaning  and  preecription  mer  wenn  genueg. 

Wie  ei  dann  des  alles  mit  mererm  und  clarem  anzaigen  in  vorigen  i 
Schriften  eingefaert  haben.  Dabei  si  es  beleiben  lassen  und  nochmallen  auf  den 
selben  und  diser  irer  Schriften  verharren.  Daraus  dann  clarlich  erscheint  an^ 
lauter  abgenomen  wirdet,  das  si  durch  die  dager  mit  ainem  ralschen  sipsclisfi 
paum,  der  kainen  stamen  noch  wurzl  hat  und  im  grund  nach  aus  Weisung  irei 
eingelegten  brief  und  sigldata,  ob  dieselben  eben  zusamen  stimbten,  des  doch  ii 
ansechung  der  yU  zu  alten  und  zu  jungen  jam  nit  muglich,  kaumb  in  den 
zwelften  grad  gefunden  werden,  darinn  kain  erbschaft  mer  stat  hmt,  on  sU«s 
grund  in  recht  umbzogen  werden. 

Dem  allem  nach  si  all  und  jed  ir  schrift  und  ganzen  process  erafert.  repe- 
tiert und  remeut  auch  der  gegentail  furbringen  widersprochen  und  darinnen  aL< 
vil  für  si  thuet  und  sonst  gar  nichts  bekent,  derhalben  auch  in  masaen  wie  vot 
gebeten  und  begert  haben  wellen,  und  also  die  sachen  besliesslich  mit  vermeldao^ 
ires  darlegens  cost  und  schaden  unbegeben  weiter  notdurft  und  rechtlichen  behel. 
zu  unserer  regierung  rechtlichen  erkantnuss  im  namen  gottes  setzen. 

Darauf  die  Stockhornner  schriftlich  iren  rechtsatz  gethan,  erneuen  ir  junget 
Schriften  sambt  der  ladong  und  andern  vor  einkumen  acta,  wellen  dem  gegentail 
die  lang  undienstlich  Schriften  damit  verantwort  und  abgelaint  haben  und  sa^. 
das  si  mit  solcher  repeticion  ir  person  zu  dem  namen  und  stamen  des  Stockhornner 
vermug  der  nagsten  urtl,  so  am  achten  julii  im  ainunddreissigisten  jar  ergzngeo. 
genuegsam  legitimiert,  das  auch  ir  vater  Jörg  Stockhornner  und  davor  Ernnti 
Stockhornner  auf  die  begnadung  der  vesten  Stockhornn  mit  aller  zaegehorong  ia 
possession  gewest  und  ir  vater  durch  kunig  Mathias  geweltigUch  daraus  geschah 
dem  Wuferstorffer  abzutreten  durch  ernstlich  bevelch  geweltiglich  gedruDges 
worden,  das  dannocht  ir  vater,  woverr  er  es  erlebt,  auf  den  hungrischen  tnctti 
restituiert  worden. 

Solches  si  alles  genuegsam  dargebracht  Dann  si  der  haubt-  und  Issdleot 
berednus  und  ▼erainigimg  und  darzue  kaiser  Fridrichs  begnadung,  in  negster 
Schriften  einpracht,  sein  si  irer  eem  notdurft  auf  das  geweitig  antasten  der 
gegentail  darzue  verursacht,  zusambt  das  der  wittiben  und  erben  ir  notduri^ 
dawider,  in  irer  dritten  Schriften  furzubringen  vorgestanden,  wol  stat  hui.  L°^ 
ist  war,  wo  si  die  Verantwortung  darwider  nicht  gehabt,  das  auch  die  venDUOt 
prescription  durch  Jörgen  Stockhornner  iren  vatem  bei  kaiser  Maximilian  Tlei^'g 
und  stäter  uebung  underprochen,  und  nach  ires  vatern  absterben  wider  u  ^ 
erben  in  irer  minderjarigkait  die  prescription  nit  geholfen,  zusambt  dem,  ^  ^' 
ire  briefliche  urkund  allererst  vor  kurzer  zeit  der  ladung  zu  iren  banden  gebraciit 
und  schliesslich  das  die  precription  dem  besitzer  unrechtes  titl  und  posses  glsubeB^ 
kain  gerecht igkait  wurkt. 

Dann  was  si  in  ander  weeg  wider  si  einfuern  seien  si  in  dermassen  d'^ 
gestandig.  Hoffen  die  dager  ir  Spruch  der  ladung  und  clag  erlangt  und  beb&bt 
zu  haben.  Wellen  di  sachen  also  Inhalt  derselben  in  dem  namen  des  aUmech^'?^" 
gottes  zum  rechten  gesetzt  haben. 

Hinwiderumben  die  wittib  und  erben  von  Haslpach  auch  iren  rechtsstz 
eingelegt  und  gesagt,  das  durch  ire  furgewendte  Schriften,  acta  und  ganzen  proc^** 


Ein  Rechtsspruch  über  die  Burg  Stochern  aas  dem  XVI.  Jahrhundert.     271 

Bcbtmessig'  und  notdurftiglich  ausgefuert  sei«  das  die  clager  ainen  valscben, 
licbtigen  sipschaftpanm  in  gericht  za  Terfuerang  des  gerichts  fargewendt.  Dann 
ierselb  weder  in  warzl  noch  nach  ir  der  clager  selbst  frurbrachten  brieflichen 
iikunden  jarzal  mit  kainem  gmnd  zasamensage,  und  also  gar  aberall  mit  nichte 
)ewisen  sei,  das  si  der  vesten  Stockhomn  lessten  besiczem  in  nichte  und  far- 
lemblich  so  nachent  gefreundt  seien,  das  inen  hierinnen  zu  clagen  gebaere,  zumal 
reil  nachend  ain  topelte  verjarang  mit  rechtmassigen  titl  enzwischen  erloffen,  wie 
linn  solches  der  zeagen  sag  zu  ewiger  gedachtnus  verhört,  der  sich  die  beclagten 
sit  nichte  begeben  haben  wellen,  auch  ir  der  beclagten  brieflichen  urkanden  in 
«cht  eingebracht  anzweiflich  aasweisen,  darüber  auch  der  von  Haslpach  ir  haus- 
riert  and  vater  mit  urtl  und  recht  erlangt,  des  der  höchst  titl  geacht  wirdet 
md  ist. 

Es  seie  auch  durch  si  die  antworter  genuegsamlich  ausgefuert,  das  gegen- 
taiU  eingepracht  gnadenbrief  und  beredung  in  wnrkung  nie  kumen,  wie  dann 
kai&er  Fridrichen  brief,  der  im  tausend  vierhundert  und  vierundachtzigisten  jar 
aasgangen  und  in  data  nachet  zechen  jar  junger  als  der  widerpartheien  fur- 
geweodte  begnadang  und  betadigung  ist,  darliehen  ausweist,  das  noch  kaiser 
Fridrich,  nnangesechen  und  nach  solcher  verweender  begnadang  und  seiner  majestat 
baabtleat  beredung  data,  diser  gueter  im  brauch  und  innhabung  gewest  sambt 
dem,  das  aach  solch  verweend  begnadang  und  betadigung  durch  die  clager  wider 
ordnong  der  gerichts  mit  ainer  vierten  oder  doch  zum  wenigisten  dritten  Schriften 
als  neumng  eingefuert,  des  in  gericht  sonderlich  verpoten  und  unzulaslich  ist, 
sonst  dem  gerichtsprocess  ain  zerrutHcher  eingang  entsteen  und  ander  partheien 
Eich  gleicher  handlang,  wo  solches  gestat,  gebrauchen  warden,  des  dann  in  sonder- 
ksit  onser  regierang  wol  zu  erwogen  hete;  darumben  ir  der  beclagten  begem  sei 
aaf  dieselben  als  verpoten  und  unzuelaslich  neurang  nichts  zu  handln  sonder  zu 
Kjiciem  und  wider  von  gericht  hinaus  zu  geben. 

Es  werde  auch  aus  kunig  Mathias  bevelch,  durch  die  gegentail  selbst  ein' 
Stiegt,  wo  der  in  data  gegen  kaiser  Fridrichen  brief  des  tausent  vierhundert  und 
nerundachtzigisten  jar  ausgangen  aigentlich  angesehen,  lauter  verstanden,  das 
dem  Walferstorffer  die  vesten  Stockhomn  durch  der  clager  vater  in  kriegsleufen  derzeit, 
M  er  in  der  Neustat  belegert  gelegen,  abdrungen  worden,  wie  dann  die  antworter 
in  iren  Schriften  clerlicher  eingefuert,  des  alles  durch  die  clager  ungeschwecht  und 
Qoabgelaint  beliben. 

Gesteen  sonst  den  gegentailn  kaines  unrechten  titls,  kainer  rechtmassigen 
Q&dersprechang  der  prescription  and  sonst  ires  verweenden  furgebens  gar  durch- 
am  in  gemain  mit  sonder  besliessen  also  verharlich  auf  ir  der  beclagten  fur- 
gevendten  rechtmassigen  peremptori  exception  »tu  non  es  her  es,  tua  non  interest, 
tibi  noD  competit  actio«,  auch  der  darauf  verloffen  prescription,  darüber  behabten 
rechten  und  unserer  ersessen  lehen,  des  alles  durch  die  gegentail  stillschweigend 
bekeat  und  unverantwort  beliben.  Erneuem  sonst  ire  Schriften  und  ganzen  process 
loit  bitt  und  beger,  wie  darinnen  verstanden.  Setzen  also  vorbehaltlich  aller  weiter 
notdnrft  mit  vermeldung  ires  darlegens  die  sachen  Inhalt  derselben  gleichermassen 
im  namen  des  almechtigen  zu  rechtlicher  erkantnuss. 

Also  ist  auf  dag  antwort  ein-  und  gegenred  brieflich  urkund  und  alles  an 
der  der  partheien    einfuern,   auch  auf   ire  eingelegte    rechtsatz  durch  unsere  stat- 


272      ^f-  JoMfKallbraner,  Ein  RechtMpmch  über  die  Barg  Stockem  a.  ■.  w. 

heiter,  canaler,  regenten  and  rate  unser  niderotterreicliiachen  lande  erichtag  d 
andern  tag  maii  dee  fonfzehenhandertiiten  and  Becbsanddreisngistan  jan  neg 
verachinen  sa  recht  erkent:  Die  rorgemelten  weilend  Ulrichen  ron  Haalpach  wii 
and  erben  teien  von  der  gedachten  Stockhomner  and  Sneckhenreiter«  dag 
gericht  angesogen  maessig  and  ledig.  Und  lind  baider  tail  geriehteooetea  w 
schaden  so  si  diser  rechtrertigang  halben  erlitten  aas  beweglichen  nrsachen  gagc 
ainander  aufgebebt  and  vergleicht. 

Und  wiewol  die  oftgemelten  wittib  und  erben  ron  Haslpach  diser  geqproch* 
urtl  verrückten  seit  gerichtsorkund  begerten,  das  inen  auch  durch  anaer  regienu 
zu  geben  erkent  ist,  so  hat  sich  doch  aufrieb tung  solchs  gerichts  bisheer  verzog« 
Das  wir  inen  aber  auf  ir  anlangen  hiemit  ander  unserm  anhangendem  inaigl  gebe 
in  unserer  stat  Wienn  am  achten  tag  des  monats  novembris  nach  Christi  muci 
lieben  herren  gebuerde  funfsehenhundert  und  im  nennunddreissigisten,  onaerer  reie) 
des  romischen  im  neunten  und  der  andern  im  vieraehenden  jsren. 

Commissio  dorn  in  i  regis  in  concilio 

V.  Awrsperg  m.  p. 

Verwalter  .Utlultoraaibt.  ^^^  "«='«''  "  ^''  ^•'"■*«"  ""■  P 

M.  B.  y.  L«.pold.torf  m.  p.  ^""PP  »"^«-  ""•  P" 

canzl«  ^-  Kollonitwsl,.  m.  p. 


REGISTER 

Bearbeitet  von  Dr.  Hans  Prankl. 


Abrabam  a  SanU  Clara,  P.  169. 

Achsptch,  B.  Aggebacb. 

Adelheid,      Meisterin     des    Himraelpfort- 

klotters  in  Wien  185. 
Adelsgeschlechter  86. 
Admont,  Kloeter  61. 
Adrabaicampoi  6,  Anm.  4. 
Adria  47. 

AeUum  Cetium  (St.  Polten)  41. 
Agpbach    (Achspach,    Axpach)    6,    5ö, 

191. 192, 201, 202, 209-212, 215,  216. 

—  ArcbiTkatalog  191. 

—  Kaitaase,     Prioren:     Tbomann     216, 
Vinseni  202,  212. 

—  Peter  und  Kathrei  Sternn  209,  210. 

—  Urkandenbuch,    Nachträge    190—216. 
A^es,    Dentscbe    Kaiserin,     zweite    Ge- 
mahlin König  Heinrichs  III.  62. 

—  Königin     von     Ungarn,     zweite     Ge- 
mahlin König  Andreas  IL  119. 

—  Priorin     des    Hiromelpfortklosters     in 
Wien  185. 

—  St.,  Kloster,    s.   Wien,    Franenkloster 
Himmeipforte. 

Ahoniicns  mon«,  9.  Jauerling. 

Aichinger,  e.  Pernegg. 

AiDdleiffleheo,  Gnt  95. 

^bern,    G.    B.     Qrofl-Gemngs    69     und 

Anm.  2,  87,  Anm.  1. 
Albrecht  I.,    Herzog    Ton  Österreich    86, 

Anm.  1. 

-  U.,  Herzog  von  Österreich  226. 

—  III.,    Herzog   von    Bajern,    Pfalzgraf 
bei  Rhein,  Graf  au  Voburg  209. 
Jahrbftcb  d.  Y.  f.  La&desknnde.  1907. 


Albrecht  III.,  Herzog  von  Österreich  226. 

—  VI.,  Herzog  von  Österreich  232,  236. 
Alderniann,  Peter  186. 

AlgXtt  83. 

AUenUteig  (Aloldestey)  21,  25,  29,  31, 
34,  38,  Anm.  3,  65,  69,  92. 

Alold,  8.  Kaja-Kamegg. 
Aloldefrtey,  s.  Allentsteig. 
Alpenländer  10,  69. 
Alpirsbach  84,  Anm.  3. 
Altaich,  Nieder-,  Kloster  41,  Anm.  1,  44, 
45,  54,  61. 

Altenburg,  Kloster  57,  58,  Anm.  2,  61, 
62,  88,  226;  Mönch:  Ortolf  III.  von 
Stocharn  226. 

—  Deutsch-,  Apollonia  Dörr  226. 
Altensteig,  Adam  von,  Klosterrat  123. 
Altban,  Herr  von  171. 

—  M.  Antonia,  Gräfin  von,  Chornovizin, 
Chorfrau,  dann  Oberstin  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  162,  Anm.  1, 
166,  Anm.  1,  169,  Anm.  3,  171,  172. 

Althenn,  s.  Dillherr. 
Altmann,  s.  Passau. 
Altmansdorf  136. 
AltpöUa,  8.  PöUa,  Alt-. 
Amaliendorf  30. 
Ambros,  Dompropst,  s.  Wien. 
Ämeiserin,  Perchta,    Priorin  des  Himmel- 
pfortklosters in  Wien  185. 

Ammianus  Marcellinus  8. 
Amtmannslehen  79. 

Ancona,     Petrus,     Priester     der     Diösese 
Görz  180. 

18 


274 


Register. 


Andrem,  Margarete,  Priorin  des  Himmel- '  AuOwegen    Valentina,    Chorfraa    ebenda 


pfortklosten  in  Wien  18j. 
Andresin      Hoitalana,        Chorfrau      des 

Kloster«   Himmelpforte   in  Wien  182, 

s.  auch  Wien,  Kloster  St.  Nikolai. 
Anlauff,      Nepomucena,      Chorfran      des 

Klosters   Himmelpforte   in  Wien  176, 

Anm.  1. 
Anschau,  Burg  26. 
Apioa-Visirbely,  s.  VisArhely. 
Araber  40. 
Arbesbach  25. 
Aroo,  B.  Maxens. 

Arcum,  Hans  von,  Magister,  Kaplan  186. 
Arnsdorf  (Arnstorff,  ^rndörff)    196,    197. 

—  Richter  des  Amtes  197. 

—  Hans  Strasser,  Pfleger  des  Bistums. 
Salzburg  196,  197,  Ulrich  (Ülreich) 
Mierveldorfer  196,     197  und  Anm.  2. 

Arnstein,  Dorothea  Tyrna  ron  226, 
Arnstorff,  s.  Arnsdorf. 
Arnulf,  KOnig  des  ostfränkischen  Reiches 
41. 

—  Henog  von  Bayern  47. 
Artner,  s.  Wien,  Bürger. 
Artstetten  24,  54,  61. 

Asenpaum  von  Lassee,  Benedicta,  Prio- 
rin  des  Himmelpfortklosters  in  Wien 
95—97,  185. 

Asparn,  Niklas  von,  Kaplan  187. 

—  Ulrich  von  186. 
Attila,  Hunnenkönig  8. 


169,  Anm.  3,  179,  Anm.  1. 
Auxwuerw  (Auxwuerb),  Otto  193. 
A waren  11,  22.  39. 
A Warenland  39,  41. 
Awrsperg,  s.  Auersperg. 
Axpaoh,  s.  Agg^baeh. 
Azso  (von  Gobaspureh)  63,  Anm.  4. 


Babenberger  26,  53,  84. 

Bamberg,     Magister,     Paal     Schwelgker, 

Kaplan  187. 
Bamabas,     Rosina,     Laieoaehwester   <3es 

Klosters   Himmelpforte    in  Wien  16i, 

Aom.  1,  169,  Anm.  3. 
Bartenstein,     Ursula    Regina,      Chorfrta 

ebenda  147. 
Barth,  Abraham,  Notar  138. 
Bauern,  slawische  78. 
Bauemlegung  87. 
Bauernstand  75. 
Biuboferin,    Barbara  Dorothea,  Chorfria. 

dann  Oberstin    des    Klosters  Himmil- 

pforte   in  Wien  121,    128-131,   133 

bis  135,  137—140,  169;  s.  auch  Wien, 

Frauenkloster  St.  Jakob. 
Baumgartenberg,  Kloster  19. 
Baumgartner,    M.    Magdalena,    Chorfrao 

des    Klosters   Himmelpforte    in  Wien 

169,  Anm.  3,  171. 


Atselsdorf,  Klosterhof  150. 

Auersperg  (Awrsperg)  V.,    Verwalter  des    Bavarii,  s.  confinium. 

niederösterreichitchen  Statthalteramtes  |  Bayern    (Bayren)   39,    42,    44,    53,  54. 

272.  Anm.  3,  61,  85,  209. 

Augenthaler,      Barbara,      Ohorfrau      des,  —  Adel  41,  45,  46,  92. 

Klosters  Himmelpforte  in  Wien   121;    —  BistQmer  41,  46. 

s.    auch    Wien,    Frauenkloster   Sankt    —  Grundherraohaften  22. 

Jakob.  —  Herzoge,  s.  Arnulf,  Albrecht  lü.  und 

Augsburg,  Bischof  Friedrich  I.  Späth  von  Heinrich  II. 

Faimingen  193.  —  Herzogtum  39,  54, 

Augustiner    BarfUDer,     Orden  119,    151,    —  Klöster  41,  42,  46,  47. 

152,  156,  169.  Beck,  Franziska  159. 

Aufiwegen,  Klara  von»  Chorfran  des  Klo-    Benedikt  XIV,  Papst  177. 

sters    Himmelpforte      in    Wien     169,    Berchtold,     Philipp    Jakob     und   R^o< 

Anm,  3.  |        Katharioa  154. 


Register. 


276 


Berchtold   M.  Apollonia  (Barbara),    Chor- 

fraa    des     Klosters    Himmelpforte   in 

Wien  154,  162,  Aom.  1. 
Bergan  (Pergaw)  206. 
—  Pemhartt  (Perenhart)  Freyssinger  206, 

209. 
Borgern    (Pergaren),    O.  G.    Loibersdorf, 

6.  B.  PSggstall  204,  208. 
Herging  (Perching),  s.  Lienhart. 
Beringer,      Paula,      Laiensehwester    des 

Klosters    Himmelpforte   in  Wien  176, 

Anm.  1. 
Berahard,      Heraog     von     Sachsen    59, 

Anm.  5. 

—  St.,   Eisenreiehshof  und  Engelbrechts- 
hof 57. 

-  St.,  Kloster  58,  Anm«  2. 

Bernstein    Ton,    Chorfrau    des    Klosters 

Himmelpforte  in  Wien  148. 
B«yrer,  s.  Geras. 

Bibonin,  Anna  Katbarina,  Chorfiraa  eben- 
da 162,  Anm.  1,  168,  Anm.  1. 
Bierbaeh  151. 
Bifangrodang  68,  82. 
Binder,      Martha,      Laienschwester     des 

Klosters    Himmelpforte   in  Wien  166, 

Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
Biaerin,  M.  Bemardina,  Chorfrau  ebenda 

176,  Anm.  1,  183,  184. 
Biiamberg  104. 
Bdfireither,    M.    Alezia,     Chorfrau    des 

Klosters    Himmelpforte   in  Wien  172, 

Anm.  3. 
Bltsy,  M.  Sophie,  Laienschwester  ebenda 

155. 
Blum,    Iff.  Ilinminata,    Chorfrau    ebenda 

169,  Anm.  3. 
Bhmau  a.  d.  Wild,  s.  Japons. 
Bogen  82. 

-  Orafen  yon,  DomyOgte  Ton  Regens- 
burg  47,  55. 

^  Friedrieh  Graf  Ton,  Domrogt  von  R»- 
gsDibnrg  61,  s.  auch  Liutkard. 

Böhmen  4—6,  12—14,  16—19,  22,  28. 
33,  44,  53,  80. 

-  Herrsebaften  18. 

-  Henoge,  i.  Bfetislay  11.  und  Konrad  I. 


Böhmen,  KOnig,  s.  Georg  von  Podiebrad, 
Matthias  Corvinus  und  Ottokar  II. 

BGhmerwald  47,  82. 

Bohmsdorf  26,  66,  89. 

Böhmseil  89. 

Bolsmann,  Balthasar,  s.  Klostemeuburg. 

Bonbamerin,    M.    Agnes,    Chorfrau    des 

Klosters   Himmelpforte   in  Wien  176, 

Anm.  1,  183,  184. 

BoHvoj,  Bruder  des  Herzogs  Bfetislay  H. 
yon  Böhmen  16. 

Borowani,  s.  Forbes. 

Borschedin,  M.  Bonayentura,  Chorfrau  des 

Klosters   Himmelpforte   in  Wien  116» 

Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Brandenburg  81. 

—  Markgraf  yon  59,  Anm.  5. 

Braun,  Elisabeth,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  121,  s.  aueh 
Wien,  Frauenkloster  St.  Jakob. 

Breitenbficher,  s,  Wien. 

Breitensee  96. 

Bremen  52. 

Breslau,    Bistumsyerweser    und    Domherr 

Philipp    Friedrich   yon   Brenner  147; 

s.  auch  Wien,  Bistum. 

—  Domherren:  Karl  Httttendorfer  131, 
B.  auch  Olmüts.  Balthasar  Scultetus, 
s.  Wien,  Bistum. 

Bfetislay  II.,  Heraog  yon  Böhmen  16. 
Brenner,  Ernst  Ferdinand,  Graf  155. 

—  (Breyner),  Philipp  Friedrich  yon,  siehe 
Wien,  Bistom. 

—  Seifried  (Siegfiried),  Freiherr  yon  134, 
138,  148. 

—  Seifried  Christoph,  Reichsgraf  yon, 
auf  Staats,  Freiherr  in  Fladnits  und 
Rabenstein  163. 

—  Seifrid  Linhart,  Graf  156. 

—  Anastasia,    Gräfin,   geb.  Teufflin  156. 

—  Elisabeth  Polyxena,  Gräfin,  geb.  Grä- 
fin Stahremberg  155. 

—  Anoa  Antonia  (Eusebia)  Gräfin, 
Chorfrau,  dann  Oberstin  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  156,  161—167. 

18» 


276 


Ragtster. 


Breuner,  Elisabeth  A^m,  Freiin  von, 
Chorfrau,  dann  Obersfin  ebenda  134, 
146,  Anm.  2.  147—156. 

—  Maria  Klara,  Gräfin,  Chorfran  ebenda 
155. 

—  Polyxena,  Freiin  von,  Chorfrau  eben- 
da 147. 

Brixen,  Domherr,  Matthias  Werthwein,  s. 

Wien,  BiBtum. 
Brack  a.  d.  Leitha,  s.  fiUaabeth. 

—  a.  d.  Mar  134. 
Brann  63. 

—  am  Qebirge  96,  104,  106. 

—  im  Felde  25. 

Brttnn  137,    156,  s.  auch  Wien,    Bistum. 
Brunnerberg  101. 

Brns  von  Mflglitz,  s.  Wien,  Bistum. 
Bocelleni,     Sebastiana,    Chorfrau,     dann 

Deohantin    des  Klosters  Himmelpforib 

in  Wien  162,    Anm.  1,  166,   Anm.  1. 
Buchberg      (Puchberg,     Puechberg)      am 

Kamp  63,  224. 
Buechner,    M.  Emerentiana,  Chorfrau  des 

Klosters    Himmelpforte  172,    Anm.  8. 
Bnechstein,    M.  Franziska  von,    Chorfrau 

ebenda  166,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
Burgrecht  76. 
Bnrgerwiesen  57. 
Burgschleinita  65,  90. 

—  Pfarrer  Ulrich  186. 

Burschinits,  M.  Valentina,  Chorfrau  dee 
Klosters    Himmelpforte    in  Wien  156. 

C. 

Caffas,  Jodok,  hochfürstlich  Croyscher  Rat 

164. 
Caraffa,    M.  Katharina  von,  Chorfrau  des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  171, 

Anm.  1,  175. 
Carling,  Hans  Freiherr  von  98. 
Carninin,  Frau  138. 
Carolus    com  es,    Erbauer    der  Kirche    zu 

Hom  55. 
Cansse,  Oberstleutnant  136. 
Cavriani,    Franz  Friedrich  Graf,    Oberst- 

bofmeister     der     Deutschen     Kaiserin, 


und  dessen  Gemahlin  Elisabeth,    geb. 
Gräfin  Ton  Meggau  153,  155. 

Cavriani,  Anna  Hortensia,  Gräfin,  Chor- 
frau  und  Dechantin  des  Klosters  Him- 
melpforte in  Wien  153,  157,  l.')9. 
Anm.  1. 

—  M.  Augnstina  (Susanna)  Gräfin,  Chor- 
novizin, dann  Chorfran  und  Obenti'; 
ebenda  155,  161,  162,  Anm.  1,  W, 
Anm.  3,  172—175. 

Cham  82. 

Chasma,  Kloster  103,  Anm.  1. 

Cherbach,  s.  Kehrbach. 

Chlingeins,  s.  Kliogenmtthle. 

Chnewzeer  Porchart  186. 

Chodaun,  s.  Kottaun. 

Chorbisehöfe  41. 

Chotanisriute,  s.  Kottes. 

Chremiesa,  s.  Krems. 

Chrinzenach,  Nikolaus  de,  Kaplan  186. 

Christine  von  8t.  Polten,  Soperiorin  d«< 
Frauenklosters  Himmelpforte  in  Wien 
185. 

Christopl^or    von  Kaschau,    s.  Wien,   en 
herzogliches  Stndienkollegium. 

Chnnradus,  Konrad  I. 

Chunrigin,  Chouo  de  84,  Anm.  3. 

Collona  von  Felß,  Johanna,  geb.  Freiin 
von  Hoyß  151. 

Confininm  Bavariorum  et  Moraveasium  li. 
I  Costnitz,  s.  Konstanz. 

Culmer,  M.  Magdalena  von,  Chorfrau  des 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  176. 
Anm.  1. 


Damin,  M.  Michaela,  Cfaorfrau  de^ 
Klosters    Himmelpforte    in  Wien  181. 

Dampierresche    Kflrassiere  130,    Anm.  .'). 

Datteneder  164. 

Dann,  Johann  Wilhelm  Anton,  Reicb^i- 
graf,  kaiserl.  Kämmerer  und  Genersi- 
feldmarschalleutnant  163. 

Delagarbin,  s.  Valerisin  144. 

Denkh,  Mathes,  Zecbmeister  der  Kloster- 
kirche Himmelpforte  in  Wien  130. 


Register. 


277 


Otsnsin,    Jobanu,    Kaplan   and    Hofalmo- 

»lemer  102,  186. 
DeaMkchin,    Anna  Kariai    Cborfran  und 

Dechantin    des  Klosters  Himmelpforte 

in  Wien  146,  Anm.  2,  147. 
Deutschland  33,  59,  81. 
Dejmel  Mert  187. 
Dickin,      Monika,      Laienschwestor     des 

Klosters   Himmelpforte   in    Wien  169, 

Ann.  3. 
Didacns,    Martin  Fr.,    O.  S.  Fr.,   Beicht- 
Tater   des    Klosters    Himmelpforte    in 

Wien  140. 
Dieodorf  60,  Anm.  9. 
Dietmannsdorf   an   der  Wild  (Dittmanns- 

dorf)  77. 
Dietmar,    M.  Maria,    Laienschwester   des 

Klosters    Himmelpforte   in  Wien  176, 

Anm.  1,  183. 
Dietriehstein,  s.  Olmttts. 
D.far  Michna  136. 
Dillherr,    Anna    Leopoldina    (Elisabeth), 

Cborfran  des  Klosters  Himmelpforte  in 

Wien  155,  162,  Anm.  1. 
-  M.  Gabriela    von    Althenn,    Cborfran 

and  Deobantin  172,  Anm.  3,  176,  179. 
Ditimannsdorf,  s.  Dietmannsdorf. 
I>it£tn,      M.    Adelfpind,      Chorfran     des 

Klosters   Himmelpforte   in  Wien  172, 

Anm.  3. 
Dobemdorf  (Dobrantendorf,    Dorpendorf) 

89. 
Dobersberg  (Oobroeperg)  29,  34,  67, 89, 92. 
DobUng  (Wien),  Niedere  Hobenwart  104. 
^hra,  O.  O.  Kruman  am  großen  Kamp  89. 
Dobrantendorf;  s.  Doberndorf. 
Dobrosperg,  s.  Dobersberg. 
DölJ*  (Tolan,Tölan),  O.  O.  Pöbring  89,  215. 
-,  Lneff,  Kolman  nnd  Elspett  215. 
Döllersheim,  Pfarre  27. 
Domaniuch,    M.  Amanda,    Chorfrau    des 

Klosters   Himmelpforte  176,    Anm.  1. 
Dominikaner  101. 
Domitian  7. 
ßonan  (Tuenaw)  4,    6-13,    19-21,    28, 

24,  27.   44,  46,   50,   55,  58,  63,  82, 

196. 


Donauflotte  7. 

Donau-Limes  7. 

Donaustraße  11. 

Dorfanger  70. 

Dorfformen  14,  61. 

Dorfsiedelong  58  nnd  Anm.  2,  70,  92. 

Dorfstetten  24. 

Dorin,    M.    Angela,    Iiaiensohwester    des 

Klosters  Himmelpforte  181. 
Dorothea,  Chorfrau  ebenda  185. 

—  St.,  Kloster,  s.  Wien. 
Dorpendorf,  s.  Doberndorf. 
Dossein,  Margarete  226. 

Draxler,  Christoph,  kaiserl.  geh.  Sekretär 

135. 
Drei- Eichen  6. 
Drosendorf  13,    21,    27,  37  nnd  Anm.  4, 

60,  82. 
DrOsiedl,     O.    G.    PfaffeuMsklag,     G.    B. 

Waidhofen  a.  d.  Thaya  89. 

—  G.  B.  Raabs  89. 
Droao,  Kloster,  Anm.  1. 

Drttmlein    (Dramlein,    Dr&mlein),  Niklas 

und   seine  Frau  Margareth  203—209. 

Deren  Sohn  Thoman,  s.  Volkchlein. 
Dudlebi,  s.  Teindles. 
Dürnhof  (Dttrrenbof)   bei  Zwettl  31,    86, 

Anm.  2. 
Dttrnkrut,  Herrschaft  125. 
Dürrenhof,  s.  Dürnhof. 
DUrnstein    (Tirnstain,   TjMenstain)    196, 

197. 

—  Pfleger  Steffan  Heydelberger  (Heidel- 
berger) 196,  197. 

Dwerditsch,  Adam,  s.  Wien,  Bistum. 


Eberhart,  Gregor,  Buchbinder  101. 
Ebersberg,  Kloster  46,  62. 

—  Ebersberg-Sempt,  Grafen  von  46,  47, 
54,  55. 

Ebersdorf  (Eberstarf),  O.  G.  Lehen  54  und 
Anm.  6,  57,  Anm.  1,  215. 

—  Kaiser-  (Wien)  119,  Anm.  2,  163. 

—  Herrschaft  163. 

—  Schlegelhof  130,  Anm.  5,  175. 


278 


Register. 


Ebersdorf,  Pfarrer  Reicher  186. 

—  Veit  ▼on  95. 
Eberweis  80,  Anm.  2. 
Ebmansperger,  s.  Komeuburg. 

Eck  (Eckh),  Christian  Freiherr  an  164. 

—  Marianne  von,    Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforie  in  Wien  138.  147. 

Edelbach,   G.  B.  Allentsteig  38,  Anm.  1, 

71,  Anm.  1. 
Edelhof,  O.  O.  Rudmanns  86,  Anm.  2. 
Eder,  Georg,  kaiseri.  Hofrat  107,  108,  111. 
Edlitz,  Ober-  71,  Anm.  2. 
Eggenbnrg,  5,  6,  29,  34,  36,  63,  67,  88, 

92,  219,  226. 

—  Kaiserliche  Ämter  265. 

—  Kaiserliche  Güter  223,  227. 

—  Burg  62,  66. 

—  Krahnleti-Gesellschaft  219,  Anm.  2. 

—  Michmelskapelle  174. 
Eggmanns  70. 

Egker,  Wolfgang,  Kaplan  187. 
Ehnin,  Anna,  geb.  Liessin  100. 
Ehrenberg,  Johann  Karl  Edler   von  163. 
Eibenstein,  G.  B.  Raabs  89. 

—  Grofi-  and  Klein-,    G.  B.  Schrems  89. 
Eichstftdt  82. 

EinOdtbach,  s.  Groifibaoh. 
EinaelhOfe  53. 
Einzelhofsiedelnng  19. 
Eisenreichshof,  s.  St.  Bernhard. 
Eisenstadt,  Frau  von  Legner  183. 
Eitaing  (Eiainger),    Michael  Freiherr  von, 

auf  Kaja,  Erbkämmerer  in  Österreich, 

163,  Anm.  1. 

—  Anna  226. 

Elbe  46,  51,  52,  59,  77,  81,  87. 
Elisabeth  (Elzbet),    Chorfrau,    Priorin  des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  110, 

142,  185. 

—  von  Brück   an    der   Leitha,    Chorfrau 
ebenda  185. 

—  von  Kanissa,  Chorfrau  ebenda  185. 
EUexnits  (Olesnichani)  14,  Anm.  2. 
Ellweiß  95. 

Eis,  Pfarre  27. 

Elzbet,  s.  Elisabeth. 

Emmeran,  fränkischer  Missionär  11. 


Endreß,  Wolf,  Zechmeister  der  Kloster- 
kirche Himmelpforte  in  Wien  130. 

Engel,  Meisterin  des  Klosters  Himmel- 
pforte in  Wien  185. 

—  M.  Michaela,  Gräfin,  Chorfraa  ebends 
172,  Anm.  3. 

Engelbrechts  71,  Anm.  1. 
Engelbrechtshof,  s.  St.  Bernhard. 
Engelhart  Martin,  ^sedechant  102. 
Engelhofer,  Christine  226. 
Engilriches  83,  Anm.  2. 
Enns,  die  9. 
Ennsburg,  die  40. 
Ensersdorf  (Entzersdorf)  184. 

—  Wolfgang  von  224,  227. 

—  Pfarrer,  [Andreas  von  Hatten dorf  186. 
Enzimansweichofen  57,  Anm.  1. 
Equellus,  s.  Wien,  erzherzogl.  Kollegiaco. 
Erbfolgekrieg,  bayrischer  54,  Anm.  3. 
Erbschulzenamt  75. 

Erdin,    M.  Aloisia,  Chorfrau  des  Kloster« 

Himmelpforte  in  Wien  181. 
Erlbeckher,     Kaspar    zu    VGsendorf   163, 

Anm.  1. 
Emdörff,  s.  Arnsdorf. 
Ernst,    Erzherzog    und    Statthalter    von 

Österreich  102,    107—109,  111-113, 

115-118,    120,    Anm.    1,    121,   126. 

s.  auch  Wien,  erzherzogliches  Kollegium. 
Ersam,    Anna,     Superiorin    des    Kloster» 

Himmelpforte  in  Wien  185. 
Ertlin,    Sidonia,    Laienechwester    ebenda 

162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
Erzgebirge  77. 
Esterh&zy,  s.  Gran. 
Estner,  Thekla,  Laienschwester  des  Klosters 

Himmelpforte  in  Wien   176,  Anm.  1. 
Etzen,    G.  B.    Grofi-Gerungs,    Pfarre  27. 
Eystorffer,  Agnes  226. 
Ejstelsperger,  Maria  168. 

F. 

Falkenberg,  Geschlecht  von  82. 

Favianis  9. 

Federlin,   Anna  Magdalena,  Chorfran  de» 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  171 

Anm.  1. 


Register. 


279 


FeigUii,  M.  Unala,  Chorfran  ebenda  162, 

Anm.  1,  169,  Anro.  3. 
Feistriti,  O.  G.  Mannersdorf,  O.  B.  Wgg- 

stall  (Yastrizie)  89. 
Feldb€8tiftiuig  37. 
Feldeberg,  NiUas  von  186. 

-  Wolfgang  Ton  187. 
FeI6,  Freiherren  von  151. 

-  Graf  Pran«  von  164. 

-  8.  auch  Collona. 

FeraboBCo,  Hatthäufi,  kaiierl.  Bat  116. 
Ferdinaid   L,      Deatecher    Kaiser      nnd 

König  97,  113,    118,   219,  220,   223, 

228. 

-  n.,    Deutacher  Kaiser    130,    Anm.    5, 
132.  158. 

-  III.,  Deatscher  Kaiser  158. 
Feaenbninn  36,  Anm.  2. 
Finkeb,   Hans  Heinrieb,    Hofioaeister    des 

Klosters    Himmelpforte   in  Wien  104. 
Firmao,     M.     Elisabeth,     Chorfrau     des 

Klosters    Himmelpforte   in  Wien  176, 

Anm.  1. 
fwtrit»,  G.  B.  Waidhofen  a.  d.  Thaya  89. 
Fladnit»,  g.  Brenner. 
Fleischeß  (Fieyscbes)  Hans  200,  211. 

-  Msthes  199,  200,  205,  206.  208. 

-  Paogracina  210. 

-  Dorothea  211. 

-  Enndlein  200. 

-  Kithrei  (Kathrej,  Kathrein)  205,  206, 
208,  211. 

-  Margreth  (Margredt)  203—205,  206. 

-  Urrola  199,  200. 

-  I.  auch  DrBmlein,  Groß-M agi,  Schratt, 
Spiti,  Streitwiesen. 

Fltiichmann,  Alexander,  s.  Wien,  KlOster. 

Pl«TKhet,  B.  Fleischefi. 

Florentiniscbe  Reiter  136. 

Floriao,  St.,  Kloster  60,  Anm.  6. 

Floyt,  Katharina  226. 

FlorteüuBg  70. 

FlurrerCassong  51. 

Pohra,  0.  0.  Guhwendt  30. 

(olcboldes  (FolcboldesblTanc)  83,  Anm.  2. 

Porb«  (Borowani)  14,  Anm.  2. 

Formbacb,  Kloster  61. 


Franken  81,  84. 

—  Ober-  14. 

—  Unter-  84. 
Frankenreich  39. 
Frankenreith  84. 

Franziskaner  131,  142,  151,  152,  178, 
180. 

—  Ordensprovins,  österreichische  151;  ti- 
rolische 163. 

Fratres  89. 

Franendorf  a.  d.  Schmida,  Pfarrer  Georg 

Parssenprunner  186. 
Frauenhofen  57,  58,  Anm.  1. 
Franndorf;  s.  Frauendorf. 
Freising,  Bistum  44,  45,  46,  47,  Anm.  1, 

50.  Anm.  3,  54,  Anm.  6,  82. 

—  Bischof  Heinrich  I.  ron  Tenglingen- 
Peilstein,  Herr  von  Ebersdorf  54, 
Anm.  6. 

—  Propste!  Neustift  54,  Anm.  6,  61,  119, 
Anm.  2. 

Freifiinger,  s.  Freysinger. 

Freistadt  in  Obei  Österreich  6. 

Freistiftreoht  59. 

Freitaenschlag  69. 

Freysinger  (Freissinger),  s.  Bergan. 

Friedersbach,       Pfarrer      Härtung      von 

Lichtenfels  86.  Anm.  1. 
Friedrich  I.,  Deatscher  Kaiser  16. 

—  I.,  Herzog  von  Österreich  17. 

—  n.  Herzog  von  Österreich  (der  Streit- 
bare) 86,  Anm.  1,  119,  Anm.  2. 

—  III.,  Deutscher  Kaiser  222,  223,  225, 
227,  232,  236,  237,  245. 

—  V.,  Herzog  von  Österreich  95. 

—  Bischof,  9.  Augsburg. 

Fröschl,     Justina,      Laienschwester     des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  169, 

Anm.  3. 
Frtthwärts  70. 
Fncbs,  Elisabeth  226. 
Fuchsin,    M.  Disma,    Laienschwester   des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  172, 

Anm.  3. 
Fflchslin,  Barbara,  Laienschwester  ebenda 

171,  Anm.  1. 
Fulda  83.  84. 


280 


Regiiter. 


FUrsich  Gabriel,  Kaplun  186. 
Furtmoser,    b.  Wien,    St.  Stephaniktrche. 
FOrwald  58,  Anm.  1. 


GabbeUhoffen,    M.    Euaebia    voo,    Chor- 

novizio,    da&n  Chorfrau    des    Klosters 

Himmelspforte  in  Wien  162,  Anm.  1, 

169,  Anm.  3. 
Gaifiler,  s.  Wiener-Neustadt. 
Gaisrnck,    O.    G.    Klein  -  Noonendotf  86, 

Anm    2. 
Galle,     M.     OkUria    de,    Chorfraii    des 

Klosters  Himmelpforte   in    Wien  162, 

Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
Gänfierin^  M.  Sosalia,  Chor£rau  ebenda  171, 

Ann.  1. 
Gara  (Gore«)  6,  24,  55. 

—  Bur^  62,  63,  Anm.  1. 

—  Burggrafen  von  25,  63,  65. 

—  Pfarre  86,  Anm.  1. 

—  Pfarrer  Meister  Gerhard  119,  Anm.  2. 

—  Waldamt  20. 

Garsten,  Kloster  28,  67,  Anm.  5,  88. 
Gäßl,    Andreas,  Sekretjir  des  Klosterratee 

116. 
Gastern  26,  28,  67,  Anm.  5,  88. 
Gauderadorf  65. 
Geifilerin,  s.  Paoher  153. 
Gemer,  s.  Wien,  Bistum. 
Georg  von  Podiebrad,  König  Ton  Böhmen 

38. 
Georgen,  St.,  a.  d.  Traisen,  Stift  60. 
Gtoorgenberg,  St.,  in  Tirol  134,  136. 

—  Abt  von  136. 

Geras  (Jaros)  29,  34,  89,  92,  97. 

—  Kloster  15,  61.  62,  88,  96,  98,  112 
bis  114. 

—  Abt  102,  107,  109,  111.  112,  126. 

—  Äbte:  Balthasar  97,  Johann  von  Bey- 
rer  126,  128,  Konrad  (Propst)  185, 
Longifi  Haberler  113,  117,  Wilhelm  96. 

->  Prioren:  Arnold  185,  Christian  185, 
Winrich  185. 

—  Chorherren :  Bernardin  185,  Johann 
Bernhardinus  131,  Niklas  (Amtmann 
und  Pfleger)  185,  Niklas  185. 


Geras,  Administrator  des  Klosters,  s.  Bolz- 
mann. 

Gergerin,  M.  Katharina  Mariaoa,  Cbo^ 
frau  des  Klosters  Himmelpforte  in 
Wien  181,  183. 

Germanen  8. 

Gerolding  (Gerolting,  Gerulfin),  Kird» 
St.  Johannes  des  Täufers  212,  Siskl 
Peterskirche  193,  194. 

—  Pfarre  198,  199,  s.  auch  Him^d  nod 
Heidhof. 

Gertrud,  Meistarin  des  Klosters  Himmel- 
pforte in  Wien  18.Ö. 

—  Snperiorin  ebenda  185. 
Gerulfin,  s.  Gerolding. 
Gerunch,  dictus  nobilis  54. 
Gerungs,  GroA-  10,  26,  28,  29,  34, 62, 91 

—  Pfarre  27. 

—  Klein-  54. 
Gewanne  71,  77. 
Gewanndörfar  43,  44,  65. 
Gtowannfluren  78. 

Gföhl  26,  27,  29,  34,  63,  92. 

—  Pfarre  27. 

—  Waldamt  20. 

GfÖhler  Wald  20,    21,    27,    29,    63  aad 

Anm.  3,  64. 
Gillfort,      Thekla,      Laiensi^wester    <i«i 

Klosters   Himmelpforte   in  Wien  16i. 

Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
GilUch,     Elisabeth    von,    Lnienschwester 

ebenda  169,  Anm.  3. 

—  M.  Sophie  von,  Chorfrau  ebenda  HO, 
Anm.  1,  172,  Anm.  1. 

Globnita  (Gro6-)  15,  71,  Anm.  2,  89. 

—  Pfarre  27. 

Glück,  M.  Atoisia  von,  Chomovisia,  dasa 
Chorfrau  des  Klosters  Himmelpforte 
in  Wien  162,   Anm.  1,    169,  Anm.  '^. 

Gmünd  (Gmundt)  13,  264. 

—  Pfarre  27. 

Gmunden,  Pfarrer  Andreas  Roeer  186. 

Gnftmh&rtel,  Friedrich  186. 

GoarsB,  Konrad  186. 

Gobelsburg  25,  63. 

Goggitsch  89. 

Göppinger,  Wolfgang,  Kaplan  187. 


Ragister. 


281 


Gtfrz«  Diözese,  a»  A&cona. 

Gosiog  5. 

Gösl,  Johann,  kaiserlicher  Rat  98. 

Grttfritx,  Grofi-,  Pfarre  27. 

GoUsehalk  nnd  Wichard,    die  Brüder  64. 

Gottsdorf,  G.  B.  Persenbeag  24,   54,  56. 

58,  61,  76. 
Göttweig  (Goiweich),  Kloster  20,  Anm.  7. 

24, 30, 54.  Anm.  1,  55,  56,  60,  61,  265. 
— .  s.  Stockhorner  Georg. 
Grabmer  (Grabness),  Jörg  226,  231,  235. 

-  Margarete  226. 

-  Sebastian  234. 

-  s.  auch  Stockhoraer. 

Grabner,  Hans  und  Ursula  199,  200. 

Gndnitx  (Gradenze)  89. 

Grafttnberg  66. 

Gräfflsio,  Diemut  226. 

Gran,  Weihbischof  Emerich  Esterh&zj  180. 

Gnngtea  86,  87. 

Granitshäusel  (Granica),  O.  G.  Dorfstetten 

89. 
Grau,  0.  G.  Marbach  a.  d.  Donau  89. 
Gratzen  18,  Anm.  3. 
Grai  132,  155,  183. 
Graif,  Erhard,  Kaplan  186. 
Grein  7. 

Greazwald,  böhmischer  77. 
Grie,  Qeschlecht  von  55,  617. 

-  and  Ranna,  die  Herren  yon  30. 
Gnetbsch,  G.  B.  Litsohau  80,  Anm.  2. 

-  6.  B.  Grofi-Gerungs  25,  66. 
GriefigOttio,      Magdalena,      Priorin      des 

Klosters    Himmelpforte   in  Wien  101. 
Orinxing  (Wien)  104—106,  s.  auch  Kuni- 

?ood. 
GroiAbaeh    oder     EinOdbacb,     der     198 

Anm.  1. 
Groitxach,  Wiprecht  von  77—79. 
Groisaa,  G.  B.  Raabs  67,  Anm.  7. 
Grofießkio,      Alkantara,      Chorfrau      des 

Klosters   Himmelpforte    in  Wien  182, 

I.  auch  Wien,  Königinkloster. 
Gnieber,  If.  Marzella,  Laienschwester  des 

Klostsrs  Himmelpforte   in  Wien    169, 

Anm.  3. 
Grübsrn  5. 


Grünbach,  Ober-,  G.  B.  Raabs,  Pfarre  27. 

GrOnbach,  die  Herren  von  26,  65,  66. 

—  Radiger  von  69. 

GrQnbergerin,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  132,  133. 

Grttnenberg,  s.  Klag. 

Grundherren  81. 

Grundherrschaft  80. 

Gstettner,  M.  Ignazia,  Chorfrau  des 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  162, 
Anm.  1,    169,  Anm.  3,    170,  Anm.  1. 

Gstöttner,  Ottilie,  Laienschwester  ebenda 
176,  Anm.  1. 

Gnetenberger,  Erasmus,  Kaplan  187. 

Guetvater,  Sebastian  99,  Anm.  1. 

Gnldein,  Elisabeth  187. 

Guntramsdorf  104. 

Gurk,  Fürstbischof  Urbaa  Sagstetter,  Ad- 
ministrator der  Wiener  DiOaese  98,  99. 

Gnry,  Ferdinand,  Hofkammerkonzipist 
164. 

Gutenberg,  die  von  72. 

Gutenbrunn  (Gattenbrunn),  Weinsperg> 
forst  6. 

Gutenstein,  Servitenkloster  149  und 
Anm.  3. 

Gwaltshofer,  Siegmund  187. 


Häberl,  Barbara,  Laienschwester  des 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  176, 
Anm.  1. 

Haberler,  s.  Geras. 

Habermann,  s.  Wien,  Bistum. 

Habsburger,  die  17. 

Hackelberg  und  Landau,  Maria  Anna 
von,  Chorfrau  des  Klosters  Himmel- 
pforte in  Wien  176,  Anm.  1,  183. 

—  Maria  Theresia  von,  Chorfrau  und 
Oberstin  ebenda  176,  Anm.  1,  179, 
181,  Anm.  1,  184. 

Hackin,  M.  Agatha  Therese,  Laien- 
schwester ebenda  181,  183,  184. 

Haderer,  Anna  226. 

Hadersdorf  am  Kamp  6,  86. 

Hadroarstein,  s.  Harmannstein. 


282 


Register. 


Haffner,  David.  Ernst  174. 

—  Anna  Maria,  Chorfran  des  Kloeters 
Himmelpforte  in  Wien  156. 

—  M.  Elisabeth,  Chorfrau  ebenda  162, 
Anro.  1,  169,  Anm.  3. 

—  Juliana,  Laienschwester  ebenda  176, 
Anm.  1. 

—  Sabina,  Chorfran  ebenda  134. 
Halden,  Heinrich  und  Anna  187. 
Haidhoff,  s.  Heidhof. 
Haiudorf  am  Kamp  60,  Anm.  9. 
Hainfeld  182. 

—  Schlofiarchiv  132,  Anm.  ?. 
Haitsenber^,    M.  Viktoria  von,    Chorfrau 

des    Klosters    Himmel pforte    in    Wien 

171,  Anm.  1,  175. 
Hakenhof,  der  70. 
HaUstadt  6,  95. 
HAmdd    (Hdmdd),    TerschoUene   Ortschaft 

in     der    Pfarre    Gerold ing    198    und 

Anm.  1. 
Hardeck,  p.  Plain-Hardeck. 
Hardegg  82. 

—  Heinrich  Graf  von  235. 

—  Johann  Graf  zu  235. 

—  t.  auch  Maid  bürg. 
Hardeggsches  Lehen  225. 
Haringsee,  Ulrich  von  95. 
Harmannstein  (Hadmarstein)  69. 
Harrach,  Franz  Anton  Graf  Ton,  s.  Wien, 

Bistum. 

—  Anna  Maria  von,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  134,  248,  149, 
Anm.  1. 

—  s.  Scheftenberg. 
Harracher,  die  18. 
Harrer,  Hans  187. 
Hartmannsdorf  77. 
Hartmann,  s.  Wien. 
Härtung,  s.  Wien,  Bistum. 

Haselbach  (Haslbach,  Hasipach),  Ulrich 
von  220,  222,  224,  227,  228,  233, 
236,  238,  245,  249,  250. 

—  Regina  von,  geb.  Lang  von  Wellen- 
burg 220  ff. 

Haselbacb,  Groß-,  Pfarre  27. 
Haslau  75.  Anm.  1, 


Hasipach,  s.  Haselbacb. 
HXtsenpergerin,  s.  Heizenberger. 
Hauser,  Hans  231. 
Haunthaller,  Ferdinand  157. 
Hilwninger,  Katharina,  Priorin,  Superioii 

des  Klosters  Himmelpforte  in  Wien  18^ 
Hayd,    M.  Badegunda  von  der,   Charfn] 

des   Klosters    Himmtlpforte    in   Wie! 

162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
Hedwig,    KurfQrstin-Witwe    von    Saebäe« 

132. 
Hegner,  s.  Wien,  Borger. 
Heidelberger,  s.  Dttrnstein. 
Heidenreichenstein  66. 
Heidhof  (Haidhoff),  der,  in  der  Pfarre  G^ 

rolding  198,  199. 
Heidinger,    M.    Veronika,     Chorfran   d^^j 

Klosters    Himmelpfbrt»    in  Wien  ISl 

183. 
Heiligenkreuz,    Kloster  87,  88,  151.  139 
HeiligensUdt  97. 
Heimburg,  die  (bei  Melk)  40. 
Heimfallsrecht  80. 
Heinersdorf  77. 
Heinrich  1.,  Deutscher  König  45. 

—  II.,  Deutscher  Kaiser  46. 

—  II.,  Herzog  von  Bayern  12,  24. 

—  IV.,  Deutscher  König  50,  Anm.  3. 

—  Markgraf  von  Österreich  15. 

—  Bischof,  s.  Freising. 
Heizenberger    (HXtzenpergerin),    Viktoria 

Rosina,    Oberin  des  Klosters  Himmel 

pforte  in  Wien  140  ff. 
Hdmdd,  8.  HAmfid. 
Henigler,  Stephan,  Kaplan  186. 
Herberstein,  Cäcilia  (Maria  Elisabeth)  von, 

Chorfrau  des  Klosters  Himmelpforte  k 

Wien  146,  147. 

—  Johann,  Graf,  s.  Regensburg. 

Hermann,  Abt,  s.  Zwettl. 

Hermannin,  M.  Salesia  Franxisks.  Chor- 
fran des  Klosters  Himmelpforte  i^ 
Wien  181. 

Herrenhöfe  58. 

Herrwarter,      Johann,      BaurowoHspiQ'^''^ 

180,  Anm.  1. 
Hertzeberger,  Niklas,  Kaplan  97,  186. 


Register. 


283 


lartzog,  Seebold,  K«plan  186. 

leraler  9. 

Uubach  38,  Anm.  1,  86. 

liemeyß,  M.  Theresia  von,  Cborfraa  dee 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  169, 
Anm.  3. 

iiefiier  (Hirsehler)  Agnes,  Oberin  eben- 
da 123  ff. 

lietziDg  (Wien),  Oottesfeldmühle  163. 

aHIebrand,  Andreas  Elias  von  178, 
Änm.  1. 

—  Franz  Xaver  von,  k.  k.  Hofkriegsrat- 
sekretär  178. 

—  M.  Wilhelmina  (Josefa)  von,  Chorfran 
des  Klosters  Himmelpforte  in  Wien 
176,  Anna.  1,  178. 

—  M.XaTeria  (Theresia)  ?on  176,  Anm.  1, 
178  und  Anm.  1. 

—  Familie  184,  Anm.  2. 
Hillebrandsche  Stiftnng  178. 

Hiller,  M.  Ignatia,  Chorfran  des  Klosters 
Htmmelpforte  176,  Anm.  1,  183. 

flüHager,  Christoph,  kaiserlicher  Rat  102. 

Uiltricbes  83,  Anm.  2. 

Himmelberg,  Qw>Tg  Ghristophor  von,  und 
Maria  Sophia,  geb.  Reinboldt  156. 

—  H.  Michaela  (Katharina)  von,  Chor- 
hku  dea  Klosters  Himmelpforte  in 
Wien  156,  162,  Anm.  1. 

Himmelpforte,  Franenkloster,  s.  Wien. 

Himmelpfortgrund,  s.  Wien. 

Hiraeij,      M.     Baptista,      Chorfrau      des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  176, 

Aom.  1. 
Hinchberg(-Tollenstein),    die  Grafen    von 

17.  26,  67,  78,  79,  82. 
Hirscheasehlsg,  G.  B.  Litschau  80,  Anm.  2. 
Hirschler,  s.  Hiefller. 
Hirschstetten,  Gut  165. 
Hitauer,    Andreas,     kaiserlicher     Reichs- 

ksQsIist  und  Tazamtsverwalter  171. 
Hoeh«tetter,    Friedreich  und  Ursnla  216. 
H5ffler,    M.     Philippine,      Chorfrau     des 

Klosters   Himmelpforte   in  Wien   166, 

Anm.  2. 
Hoffmann,  Peter  143. 
Hofmsrk,  die  37. 


Hofsledelung  71. 

Hohenburg,  Grafen  (Markgrafen)  von  55, 
57,  58,  Anm.  1. 

—  Friedrich  Graf  von  57. 
Hohenfeld,  Graf  165. 
Hohenfurt,  Kloster  18. 
Hohenstein,  Geschlecht  von  26,  65. 

—  s.  Fächer. 

Hökhmann,  M.  Rosa,  Chornovirin,  dann 
Cborfrau  des  Klosters  Himmelpforte  in 
Wien  162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

HOrman,  M.  Baptista  (Rosalia),  Chorfrau 
und  Dechantin  ebenda  162,  Anm.  1, 
167  und  Anm.  1,  169,  Anm.  3,  170, 
173. 

—  Eleonora,  Elisabeth  und  Sidonie  167, 
Anm.  1. 

HOrmanns  69. 

Hörn  6,  24,  29,  34,  35,  Anm.  1,  38, 
Anm.  3,  55,  92,  154. 

—  Piaristen  174. 

—  s.  auch  Carolus. 

Hornberg,  Georg  Christoph  von,  Kloster- 
rat 123. 

Homer  Becken  5,  13,  20,  21,  24,  26, 
55,  57,  58,  60  und  Anm.  10,  61,  62, 
65,  69,  70,  fc4,  88. 

Hornigk,  Anna  Maria  von,  geb.  Slabi  177. 

Höfi,  Klemens,  F.,  O.  S.  Fr.,  Prediger  im 
Kloster  Himmelpforte  in  Wien  167. 

Hoyos,  Hans  Bnlthasar  Freiherr  von, 
niederösterreichischer  Kammerpräsident 
135. 

—  Elisabeth  von  114. 

—  Dorothea  von,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  147. 

Hoyß,  s.  CoUona. 

Hueber    (Huber),      Wolf    Andreas     von 

Feisenkron,      kaiserlicher    Münsamts- 

Verwalter  164,  168. 

—  Theresia  Dorothea,  geb.  Rescalin  168. 

—  M.  Benigna,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  176,    Anm.  1. 

—  M.  Ferdinanda  Elisabeth,  Chorfrau 
ebenda  181. 

—  M.  Sigismunda,  Chorfrau  ebenda  176, 
Anm.  1. 


284 


Register. 


Haeber  Ursula,  Chorfraa  ebenda  121,  s. 
auch  Wies,  Kloster  St.  Jakob. 

Hueter^  Oeorg,  Kaplan  186,  s.  auch  Wien, 
Bistum. 

Hufenverfassnng  36,  37,  52,  58,  Anm.  2. 

Humist al  20,  Anm.  6. 

Hungerabergerin,  Elisabeth,  Superiorin 
des  Klosters  Himmelpforte  in  Wien  185. 

Hunnen  9. 

HUrdin,  Maria,  Laienschwester  des 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  169, 
Anm.  3. 

Hüfller,  Walburgis,  Laienschweater  eben- 
da 162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Hüttendorf,  s.  Eniersdorf. 

Httttendorfer,  s.  Breslau  und  Olmttts. 

Httttner,  s.  Wien,  Dominikaner. 

I. 

Illmanns  80,  Anm.  2. 
lllmau  89. 
Imbach  25,  63. 

—  Franenkloster  114,  124. 

—  die  Herren  von  65. 
Infektionsordnung  113. 
Inn  47. 

Innerösterreioh  49. 
Innichen  39. 

Innosenz  VIU.,  Papst  110,  126. 
Isper  24. 

—  Fluß  20,  54. 
IsperUl  19,  24,  28,  61. 
Italiens,  Suebenfarst  7. 
Itsehoe  in  Holstein  40,  Anm.  4. 
Ivania,  Kloster  103,  Anm.  1. 

J. 

Jager,  Mechtildis,  Chorfran  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  153. 

Jaidhof  63. 

Jaisin,  Theresia  180. 

Janickhin,  Febronia,  Ghorfrau  des 
Klosters    Himmelpforte    in   Wien  147. 

Jans,  Kaplan  185,  186. 

Japons,  Pfarrer  Konrad  von  Blumau, 
Kaplan  in  Wien  185. 

Jaros,  8.  Geras. 


Jassnits  (Jeanich)  89. 
Jauerling  (Mons  Ahornicus)  44. 
Jesuiten  99. 
Jeuohiag,  s.  Joching. 
Jesnieh,  s.  Jassnits. 

Joching  (Jeuching,   Jewching)  210,  2] 
214. 

—  Chreinletn  214. 

—  Hans  LUingvelder  214. 

—  Paul  WellmiBgkcher  210. 

—  Paltingerhof,  Hofmeister:  Jorig  Bxoih 
214. 

Johann  f  s.  Jans. 
Johann,    St.  (Sand  Johanna)   im   Mao« 
Ule,  O.  O.  Ober-Amsdorf  196,  2(4 

—  Polan  196. 

Johanne«,    Bischof  von  Nepi,    pSpstUcb 
(Jeneralvikar  193. 

—  Kardinaldiakon  und  päpstlicher  Le^i 
212. 

Johannstein,  s.  Sparbach. 
Jordan,  Hans,  s.  Wien. 
Judici,    Hieronymus,     spanischer    HtDp 
mann  164. 


'  Kaja  (Ka7a)-Kamegg,  die  Herren  von  25 
\       63,  65,  69, 
!  —  Alold  69. 

—  8.  Eitsing. 
Kaiser,      M.      Martina,      Chorfrau     d« 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  166 
Anm.  1,  169,  Anm.  3,  173. 

Kalberharder,  a.  Kelberharder. 

Kamegg  6. 

—  die  Herren  von  25  und  Anm.  12. 

—  s.  auch  Kaja. 
Kamles  38,  Anm.  1. 

Kamp  11,   24,   25,   26,   36,   44,  55,  61, 

62,  63,  65,  69. 
Kamptal  6,  24. 
Kaniasa,  s.  Elisabeth. 
Kannegießer,  s.  Klostameuburg. 
Kapueiner  145,  152,  175. 
Karl  der  Große,  Kaiser  20,  39,  40. 
Karlstift  29. 


Reg^ister. 


285 


EsurpathoD  8. 

Kaschau,  Christophor  von,  8.  Wien. 

^macherhof,  s.  Simmering. 

Caspar,  s.  Melk  und  Wien,  Bistum. 

Caatner,  Hana  Christoph  106. 

Katharina    (Kathrei)  von  Passau,    Priorin 

des    Klosters    Himmelpforte    in    Wien ' 

185. 

—  von  Schamatin,  Priorin  ebenda  102 
bis  110. 

—  von  y&aärhely,    Chorfrau  ebenda  102. 
Kattau  63,  65. 

Katzpecher,  Konrad,  Kaplan  in  Wien  186. 

Kaya,  s.  Kaja. 

Kehrbach  (Oherbacb)  215. 

Keindlin,     M.     Aquinata,     Chorfran     des 

Klosters    Himmelpforte    in   Wien  181, 

183. 
Kelberbarder,   Andreas  und  seine  Tochter 

Ursula  199;  s,  Orabner  und  Pögstall. 
Kbain,   Wolf,   kaiserlicher   Ungeltoffizier, 

dessen  Witwe  Sara  165. 
Khamer,  Konrad,  s.  Wien. 
Rharoman,  a.  Korneuburg. 
Rhevenhiller,  OrSfin  132,  154,  Anm.  1. 
Khlay,  Georg,  s.  Wien,  Bistum. 
Kblett,  Georg,  Kaplan  in  Wien  186. 
KboUer,    Maria    (Regina),    Chorfrau    des 

Klosters    Himmelpforte    in   Wien  154. 
Khnefnesser,  Agnes  187. 
Khnenring,  a.  Kuenring. 
KhfimbiD,    Maria  Thaddäa,  Chorfrau    des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  172, 

Anm.  3. 
Khurs,  Ferdinand  Siegmund,  Graf  154. 

—  M.  Elisabeth  Merte,  Gräfin,  geb.  Mu- 
schioger  154. 

~  Domicella  Emerentiana  (Franziska) 
Gräfin,  Chorfrau  des  Klosters  Himmel- 
pforte in  Wien  154,  162,  Anm.  1. 

—  Maria  Paula  (Marianne)  Gräfin,  Cbor- 
fran  ebenda  154. 

Kilb  154. 

Kindberg  £.  186. 

Eirbser,    M.     Franziska,      Chorfrau     des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  176, 

Anm.  1. 


Kirchbacb,    G.  B.  GroDGerungs  25,    66. 
Kirchberg  (am  Wagram?),  s.  Ulrich. 
Kirchberg  am  Wechsel,  Franenkloster  124, 

Anm.  1. 
Kirchmayr,  Georg,  Domherr  bei  St.  Stephan 

in  Wien,    kaiserlicher  Hofkaplan    und 

Benefiziat  111,    121-124,   125,   186. 
Kimberg  an  der  Mank,  Dechante:  Adam 

Latomus  129,  Gemer,  s.  Wien. 
Klagenfnrt  156. 
Klarissen  151. 
Klaudia    Feiizitas,      Kaiserin,     Gemahlin 

Leopold  I.  169. 
Klederling  (Kledering)  168. 
Klemens  VI.,  Papst  156. 
Klesl,  Georg,  Magister  143,  146,  Anm.  1. 

—  Melchior  143. 

—  Melchior,  Kardinal,  Bischof  von  Wien 
und  Wiener-Neustadt,  Offizial  des 
Passauer  Bistums,  Dompropst  von 
Wien  121, 123, 125—130,  130,  Anm.  2, 
131,  132  und  Anm.  2,  133—140,  140, 
Anm.  1,  141—145,  147-149,  149, 
Anm.  1,  150,  157,  169. 

—  Anna  Maria  143. 

—  Franziska  143. 

—  Margareta  143. 

—  Viktoria  (Eva  Rosina  Euphrosina), 
Chorfrau  des  Klosters  Himmelpforte 
143-145,  145,  Anm.  1,  146,  147, 
149,  Anm.  1. 

Klingenmüle    (Klingenmühle,    Chlingeins) 

35,  Anm.  2. 
Klöcker  (Klöckler),  s.  Wien. 
Klöster,  niederösterreichische  88. 

—  oberösterreichiscbe  88. 
Klosterueuburg  183. 

—  Stift  88,  99. 

—  Propst  105,  106. 

—  Chorherr  Balthasar  Bolzmann  112,  114, 
s.  auch  Geras. 

—  Hofmeister  Gerhard  Kannegießer  163. 

Klosterrat,  Präsident  Abt  Kaspar,  s.  Melk. 

Klug,  M.  Magdalena  von  GrQnenberg,  Chor- 
frau und  Oberstin  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  149,  162, 
Anm.  1,  167—170. 


286 


Register. 


Knilleberg,  Philipp  von  156. 

—  Elisabeth  Veronika  voo,  geb.  Baronin 
de  Losj  166. 

—  Anna  Theresia  von,  Chorfraa  dee 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  156, 
162,  Anm.  1. 

KSckhstiterin,    Cftoilia,    Chorfrau  ebenda 

134.1 
Kolb  (Cholb»  Cholbein),  Michell  205,  206. 
— .  Petter  205,  206. 

—  Thaman  205,  206,  212.  216. 

—  Wolfgang  205,  206. 

—  Anna  205,  206. 

Kolberg^    Domkapitel  von,    Annalen    des- 
selben 74,  Anm.  3. 
Kollonitsch,  Frau  133. 

—  s.  Wien,  Bistum. 

KollmitB.  G.  B.  Raabs,  67.  Anm.  7. 
Köln,  s.  Questenberg. 
Kolonisation,  s.  Wald  viertel. 
KolonisationsYerträge  72. 
KolonistendOrfer  53,  81. 
»Königreich«,  s.  Stockern. 
KOnigsfeld,  Anna  von  226. 
Königshufen  49,  50,  Anm.  3. 
KOnigstetten  11. 
Konrad  I.,  Herxog  von  Böhmen  16. 

—  III.,  Deutscher  KOnig  67. 

—  s.  Geras  und  Kttnrat. 
Konstanz  (Costnits)  264. 
Konstanaia,  Königin  Witwe  119. 
Komenburg  (Newnburgk)  211. 

-  Stadtriohter   Christoph    Kharoman  99. 

—  Bürger  Wolfgang  Ebmansperger  und 
seine  Frau  Barbara  99. 

—  Gregor  und  Margarete  Schweller  187. 
Kortenski,    Graf   von    Terenhan,    Rudolf 

Josef,    k.  k,  K&mmerer  und  königlich 

böhmischer  Vizekansler  175. 
Kottann  (Cbodaun)  89. 
Kottes      (Chotanisriute)      16,      20      und 

Anm.  6,  27,  28,  30,  31,  Anm.  5,    56. 

Pfarre  30,  60. 
Krakwits,  Katharina  von  226. 
Krems  (Chremiesa)  6,  10,  29,  34,  44,  60, 

62,  89,  92. 

—  Pfarre  60. 


Krems,  Waldamt  20. 

—  Fluß  20,  25,  26,  28,  64,  65,  83,  84. 
Kremsmünster,    Kloster  41,   42,  Anm.  6. 

43,  46,  88. 
Kremstal  55. 
Kren,    Dorothea,    Chorfran    des   Klosters 

Uimmelpforte  in  Wien  185. 
Kreusfahrer  33. 
Krumau  am  Kamp  25,  27,  65. 

—  Waldamt  20. 

Krumau  in  Böhmen,  Herrschaft  168. 

Krumbach,  G.  B.  Kirchschlag,  b.  Pech- 
heim  Erasmus  von  114. 

Knefstainer  264. 

Kuefstein  (Kuffstein),  M.  lioopoldine  Gri 
fiu,  Chorfrau  des  Klosters  Himinel- 
pforte  in  Wien  176  und  Anm.  1,  lU 

Knenriog  (Khuenring)  226. 

—  Pilgrim  von  74,  s.  auch  Zwettl. 

—  Herrschaft  264. 

—  s.  auch  Kühnring. 
Kuenringe,  die  17,  25,  63,  65,  86. 
Kuenringische  Lehensleute  72. 
KQhDring  24,  25,  65. 

—  die  Kuenringe  an  63. 
Kunigund  von  Grinsing,    Meistens  (Pri 

orin)    des    Klosters    Himmelpforte  io 

Wien  185. 
Kiinin    M.  Agnes,    Chorfrau   ebends  IB^« 

Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
KUnrat,  der  marschalich  197. 
Kuper,    M.    Theodora    Rosina,    Cborfnn 

des    Klosters   Himmelpforte   in  Wicfl 

156,  162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 


I.. 

Laa,  Ober-  159. 

Laaoh  am  Jauerling  136. 

Ladislaus  Posthumus,  KOnig  von  Uofvo 

und  Ershersog  von  Österreich  95. 
Laimbach,  Pfarre  26. 
Lainsita,  die  von  72. 
Lambach,  Kloster  88. 
Landau,  Siegmund  von  125. 
—  s.  Hackelberg. 
Landerhauser,  Jakob  173. 


Rdgistar. 


287 


Landspergerin,  s.  Schönkirchen. 
Landstein     (Landestein)     IS,      17     nnd 

Aom.  5,  18,  80. 
Landstrafie  (Wien)  96,    103,    104,    106, 

183. 

—  »beim  roten  Herxen«  184. 

—  »bei  dem  Eothanc  168. 

Lang  von  Wellenbnrg,  e.  Hasalbach  und 

Salzburg. 
Langau,  G.  B.  Gera«  66. 
Langenau,  8.  Maderna. 
Laogenlois  (Leubs,  Linbisa)  20,  Anm.  8, 

29,  34,  60,  62,  89,  92. 

—  Waldamt  20. 
Langobarden  9. 

Langachlag,  G.  B.  Groa-Geruogs  69,  8d, 
Anm.  4. 

—  Pfarre  ö,  Anm.  1. 
Laeperger,  e.  Pöggetall. 
Lateranenser-Chorherren    und  Chorfrauen 

177. 
Latere,    M.    Alcantara   de,    Chorfrau  des 

Klosters   Himmelpforte   in    Wien  164, 

166,  Anm.  1,  169,  Anm.  3,  170. 
Lauriaenm,  s.  Lorch. 
Lecbfeldschlacht  23,  45. 
Legenfeit  77. 
Legner,  s.  Eisenstadt. 
Leiosits    (Luensnits),   O.    G.   8t.   Martin, 

O.  B.  Weitra  89. 
Leipzig  78. 

Leis,    Nieder-,  s.  Maer,  Platcer  und  Veit. 
Leitgeb,  s.  Mollendorf. 
Leitha  7,    60  und  Anm.  3,   öl,   Anm.  1. 
Lenberck,  Heinrich  186. 
Lengenbach,  die  Herren  von  55. 
LentI,  8.  Wien,  Bistum. 
L«onhard,  8t.  am  Homer  Wald  29. 
Leopold  L,    Deutscher  Kaiser    153,    166. 

—  Wilhelm,  Ershersog  von  öiterreich, 
Bischof  yon  Straßburg  und  Passau 
136,  154. 

Leopoldsdorf,  M.  B.  von,  Kanzler  272. 
Uskch  204. 
Leabersdorf  226. 
Leabs,  s.  Langenlois. 
Leupen,  s.  Wien,  Bistum. 


Lexnitz,  O.  G.  Dobersberg  89. 

Lichtonegg,  die  Herren  tou  65. 

Lichtenfels,    s.  Friedersbach   und  Tnrsen. 

Liebenberg  67,  Anm.  7. 

Liebnitz  67,  Anm.  7. 

Lieohtenberger,  Kaspar,  kaiserlicher  Hof- 
diener 163,  Anm.  1. 

Lichtenstein  (Liechienstain),  Cristoff  von, 
Landmarschall  unter  der  Enns  262. 

-7  Fürstin  von  133. 

—  deren  Hofmeisteria  Regina  133. 
Liechtensteinsches  Brauhaus  165. 
Liechtental  (Wien)  174,  Anm.  1. 

—  Pfarre  180. 

—  Pfarrer  Philipp  Hirsch  180,    Anm,  1. 
Liesing  168. 

Lilienfeld,  Kloster  86,  87. 

Lilingvelder,  s.  Joching. 

Limberg  5. 

Lindau,    O.  G.  Oberndorf  bei  Raabs  67, 

Anm.  7. 
Linz  6,  183. 
Linzhueber,    Maria,    Laienschwester    des 

Klosters   Himmelpforte   in  Wien  176, 

Anm.  1. 
Lissin,  s.  Ehnin. 
Litscbau  13,  28,  29,  34,  35,  Anm.  1,  37, 

Anm.  1,  66,  68,  79,  80,  89,  92. 

—  Grafschaft  26,  38,  67,  68,  88. 

—  Herrschaft  37,  38. 
Litschauer  Gebiet  78,  79,  80. 
Liubisa,  s.  Langenlois. 
Lintkard,  s.  Bogen  und  Radelberg. 
Lobensteiner,  die  20. 
Lobkowitz,  8.  Popel. 

Lohelins,  s.  Prag  und  Strahow. 
Loiben,  G.  B.  Krems  45,  89. 
Loibenreut,  G.  B.  Alt-Pölla  89. 
Loiberdorf,  G.  B.  Pdggstall  89. 
Loja,  O.  G.  Gott9dorf  89. 
Loiwein  89. 

Lokationsvertrftge  73,  74,  75,  78,  80,  81. 
London,  O.  G.  Rottenschachen  30. 
Loosdorf  (Losdorff),  G.  B.  Laa  258. 
Loosdorf  (Lostorf),  G.  B.  Melk  215. 
Lorch  (Lauriacum)  7,  9. 
Losy,  8.  Knilleberg. 


288 


Register. 


Luctanns,  s.  Wien. 

Ludwig  der  Deutsche,    fränkischer  König 

42,  Anm.  5. 
—  IL,     Landgraf     von    ThQiingen    71, 

Ann).  3. 
Lnensnitz,  s.  Lainsitz. 


Machland- Perg,    die  Herren   von  47  und 

Anm.  5. 
Mader,    Mechthildis,    Laienschwester   des 

Klosters    Himmelpforte    in   Wien  169, 

Anm.  3,  170,  Anm.  1. 
Madema,    Charlotte  Eleonara    von,    geb. 

von  Langenau  173.  8.  auch  St.  POlten. 
Madrid  132. 
Maer,  Konrad,  Kaplan  186. 

—  Agnes,  Priorin  des  Klostert  Himmel- 
pforte in  Wien  185. 

—  Katbarina,  Meisterin  ebenda  185. 

—  Peters  Maer  von  Niederleis  186. 

—  M.  Sophia,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  176,  Anm.  1, 
183. 

Maeserlin,    Klara,    Chorfrau  ebenda  185. 

Magdalena,  Priorin  ebenda  185. 

Magyaren  23,  44. 

Magyareneinf&lle  48. 

Mabolani,  Anna  Augusttna,  Freiin  von, 
Chorfrau,  dann  Oberstin  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  176,  Anm.  1, 
179. 

—  M.  Benedikta  von,  Chorfrau  ebenda 
176,  Anm.  1. 

Mähren  4,  Anm.  2,  5,    6,  9,  11-14,  16, 

18,  22,  27,  28,  41,  44,  52. 
Maidbarg,  (Burg-)Graf  von  231. 

—  Michael  von,  Burggraf,  Graf  von 
Hardegg  231,  235-237,  252,  253, 
256,  8.  auch  Stockinger  Nicias. 

Maiers  (Meiers)  24,  56. 

—  Gut  61. 
Mailberg  16. 
Main  4. 

Maires  (Meires,  Mayress,  Meyriss)  223  und 
Anm.  1,  259. 


Mairitz  (Mourichani)  14,  Anm.  2. 
Maissau  (Meissau,  Meissaw,  Mey^aw),  Otto 
von  195-197. 

—  Simon  von,  Kaplan  186. 

—  s.  auch  Spitz. 
Manhardt,  s.  Wien,  Bürger. 
Manhartsberg,  der  4,  5,  10,  11,  13,  24, 5U. 

—  Viertel  ober  dem,  s.  Waldviertel. 

—  Viertel  unter  dem  5,  6,  10,  13.  15. 
24,  25,  51,  Anm.  1,  53,  64,  6ö,  70. 
71,  7ö. 

Manicor,  Cyprian,  Klosterrat  129. 

Maniggeta,  Wilhelm  143. 

Mansfeld,  Gräfin  132. 

Manshalm  (Anshalms)  69. 

Marbach  am  Walde  66. 

Marbod  7. 

Marc  Aurel  7,  8. 

March  4,  Anm.  2,  9,  11,  50,  51,  Anm.  1 

Marchart,        Johanna,        Chorfrau      des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  18? 
MarchesinuB,  Paul  102. 
Margarete,    Erzherzogin    von    Österreich. 

Schwester  Ferdinands  II.  132,  133. 

—  Piiorin,  Superiorin,  Chorfrau  dft$ 
Klosters    Himmelpforte    in  Wien  185. 

Maria,  Erzherzogin  von  Österreich,  Mattet 
Kaiser  Ferdinands  II.  132. 

—  Theresia,  Kaiserin  169,  176. 
Marina,      Laienschwester      des     Klosters 

Himmelpforte  in  Wien  162,    Anm.  1, 
166,  Anm.  1. 
Mark,  böhmische  19,  Anm.  8. 

—  karantinische  41. 

—  sorbische  40. 

—  spanische  40  und  Anm.  1. 

—  s.  Ostmark. 
Markenorganisation  45. 
Mai  ken Verfassung  40. 
Markgrafen  62,  73,  83—85. 
Markgrafengeschlecht,  fränkisches  84. 
Markomannen  6,  7. 
Markomannenkrieg  6,  7,  8. 
Martinsberg  25,  28. 

—  Pfarre  16,  26,  27. 
Marx,  St.  (Wien)  100. 
Marxer,  s.  Wien,  Bistum. 


Kegifter. 


289 


Man,  Agatha,  Laienachwester  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  176,    Anm.  1. 

Matseber,  Wolfgang  238. 

Matthias,  KOnig  von  Böhmen  und  Ungarn, 
Erzheisog  yon  Österreich  117,  121 
bis  124,  124,  Anm.  1,  126-129,  132, 
133. 

-  KorTinus,  KSnig  von  Ungarn  126,  222, 
224,  226,  227,  232,  236,  237,  260  bis 
262,  264,  265,  268,  270,  271. 

Matxleinsdorf  (Wien)  105. 

Maurer,  Hans  151. 

Maaerbergerin  (Mawerbergerin),  Marga- 
rets, Priorin  des  Klosters  Himmel- 
pforte in  Wien  185. 

Mautem  (Mawttaren)  11,  204. 

Maxens,  Frans  von  Arco,  Fr.,  Qeneral- 
kummissär  der  Franziskaner  151, 
Anm.  1. 

Maximilian  I.,  Deutscher  Kaiser  54, 
Anm.  3,  222,  Anm.  2,  224,  237,  260 
bis  262,  264.  268-270. 

-  II.,  Deutscher  Kaiser  99,  101,  113, 
119,  Anm.  2. 

Maximilian,  Erzherzog  von  Österreich  108. 
Majer,    M.  Rosa,    Chorfrau    des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  176,    Anm.  1. 
Mayr  Franz,  s.  Simmering. 
MayreO,  s.  Maires« 
M£chan  (Nichowani)  14,  Anm.  2. 
Meggau,  s.  Cavriani. 

-  -Strafi,  Helfried  von,  kaiserlicher 
Kommissir  135. 

Meidling  (Wien)  104. 

Meiers,  s.  Maiers. 

Meires,  s.  Maires. 

MeialiDg  (Mozzliche),  Ober-  89. 

-  Pfarre  20,  27,  60,  63. 

-  Waldamt  20. 
^leisMD,  s.  Maissau. 
Meiueldorf,  Ornold  von  226. 
Melk  (Melkcb)  40,  153. 

-  Stift  56,  130.  Ibte:  Kaspar,  Präsident 
des  Klosterrates  121,  123,  124,  130, 
Niktas  (Niclas)  198,  199,  Prior  Mi- 
chael 130,  Konvent  130. 

Melkerhans,  s.  Rofian. 

JftkrVaeh  d.  T.  f.  Landwkana«.  1907. 


Meloa,  Alt-  71,  Anm.  2. 

Mergel,  Anna  Maria  Agatha,  Laien- 
schwester des  Klosters  Himmelpforto 
in  Wien  155. 

Merseburg,  Bistum  46. 

—  DiOzese  77. 
Messern  27. 
Meyriss,  s.  Maires. 
Meysaw,  s.  Maissau. 

Metzling  (Moczelica),  O.  G.  Qottsdorf  58, 
76,  89. 

Michael  St.,   O.  O.  WOsendorf,  Pfarre  60 

und  Anm.  6. 
Mierveldorfer,  s.  Amsdorf. 
Mießlingbach  (Mnstrica)  44,  Anm.  4. 
Migassi,  s.  Wien. 
Ministerialen   60,    Anm.  2,   62,    63,   65, 

66,  69-72,  77,  81.  84-87,  92. 
Missendorfer,  Wolfgang  211. 
Missinger,  Wolfgang  209. 
Missionäre,  schottische  89. 
MizniU  90. 
Moczelicz,  s.  Metsling. 
Mödling,     Bürger:     Martin    £ckhel     und 

seine  Frau  Lucia  101. 

—  Jakob  Rumer  101. 
Modlitsoh,  O.  G.  Schwarzenau  90. 
Mob4cs  103,  Anm.  1. 

Möhren thal,  s.  Morazin. 

Moldau  18,  80. 

Molitor,  s.  Simmering. 

Mollarth,    Veronika    von,     Chorfrau    des 

Klostern    Himmelpforte    in  Wien  150. 
Mollenburg  (Mollenberg),  Herrschaft  201, 

202. 

—  Burggraf  Erhart  Zwingendorfer  (Zwin- 
gendorf) 201,  202. 

Mollendorf  (Mollendorf,  MoUendörf)  203, 
208. 

—  Ulrich  der  Leitgeb  203. 

Moller,   Anastasia,    Chorfrau  des  Klosters 

Himmelpforte  in  Wien  121. 
Mold  (Molt)  24,  Anm.  2,  58,  Anm.  1. 
Mondsee,  Kloster  23,  Anm.  3. 
Moratelli,     M.     Eleonora,    Chorfrau     des 

Klosters   Himmelpforte   in    Wien  176, 

Anm.  1. 

19 


290 


Register. 


Moravenges,  s.  cotiBbium. 

Morasin    von    MOhrenthal,    Aona    MAria, 

Chorfrau  dei  KlosterB  Himmelpforte  in 

Wien  162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
Mörenz  (MOrens).    Ö.  O.  Seiterndorf  215. 
M6ricshida  (Urgarn),    Kloster   St.  Jakob 

103. 
Morimund  87. 
Morlinger,  Christine  186. 
Mosbnrg,  Abtei  47  und  Anm.  1. 
Moaelland  32. 
Hofiheirob,    M.    Eleonora,    Chorfran    des 

KloBtera    Himmelpfoite    in   Wien  162, 

Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
Mospmnner,  Hans  186. 
Motten  84, 

Mottaiedl  (Mutaidel)  90. 
Monriberg  sÜTa  21. 
Monrichani,  i.  Mairits. 
MnchitBch,  a.  Wien,  Bistum. 
Mugl,    Groß-   (Graamugel,    Grasaenmngel, 

GroamUgl,      Groaaenmngel,      Grossen - 

mttgel)  199,  200,  208,  206-208,  210, 

211. 

—  Pfarre  210,  211. 

—  Hana  Fleiachefi  (Flei scheu,  Fleyaches) 
199,  200,  205,  205-208;  seine 
Tochter  Kathrej  von  Schratt,  a.  auch 
Drümlein. 

MOglita,  Anton  Brua  von,  n.  Wien,  Bis- 
tum. 

MOhlviertel  6,  10,  11,  18—20,  53,  80 
bia  82. 

MiShlbach,  G.  B.  Ravelsbach,  Pfarre  24, 
60. 

Mtthldorf  27. 

Mühlfeld,  G.  B.  Hörn  58,  Anm.  1. 

Mttnichreith,  G.  B.  Doberaberg  26,  28,  67, 
Anm.  5,  88. 

—  Pfarre  27. . 
Mur  23,  Anm.  1. 

Murin,  M.  Johanna,  Chorfrau  dea 
Kloatera  Himmelpforte  in  Wien  176, 
Anm.  1. 

MurtM  23,  Anm.  1. 

Mfuachinger,  a.  Khurz. 

MustricA,  a.  Mi^ßlingbach. 


Matina  a  Anton,  Fr.,  Generalminister  d«r 

Kapuziner  in  Rom  145. 
Mutaidel,  s.  Mottsiedl. 
Muthathal  30. 
Muzzliche,  a.  Meisling. 


Naglitz  90. 

Napper<(dorf  75,  Anm.  1. 

Nenkersdorf  77. 

Nepi,  a.  Johannea. 

Nestach,  a.  Schwarzburg. 

Nette,   Kajetana,  Dominika,   Chorfrau  de$ 

Kloaters    Himmelpforte    in   Wien  1^2. 
Neubau,  G.  B.  Hörn  67. 
Neuböck,  s.  Wien,  Bistum. 
Neudorf,  a.  Nondorf. 
Neuhaua  in  Böhmen  13,  17,  t-0. 
Nenkirchen  a.  der  Wild  24,  Anm.  2,  58, 

Anm.  2. 
Neumair,    Franz,    Fleischhauer    in  Wit^n 

168. 
Neumark,  die  19,  Anm.  2,  fO,  81. 
Neunzen  (Nizonia,    Nejtzen)  25,    69.  8ti. 

87,  Anm.  1. 
Neuacil,  Fridericua  15. 
Neusiedl,  Groß*  71,  Anm.  2. 
Neuatat,  s.  Wiener  Neustadt. 
Neu8tifti  s.  Freising. 

—  an  der  Donau,  O.  G.  Ünter-Rohren- 
dorf  86. 

—  am  Walde  (Wien)  177. 
Newnburgk,  a.  Kor  neu  bürg. 
Neytzen,  s.  Neunzen. 
Nichowani,  h.  M^chau. 
Niederleia,  a.  Leia. 
Niederöaterreich  4,    Anm.  2,   6,  8,  9,  IN 

18  und  Anm.  3,    19,    51,  65,  78,  81. 
Niederrußbach,  a.  Rufibach. 
Niederschleinz,  s.  Schiein  z. 
Nigrelli,  Oktavias  175. 

—  Signor  175. 

—  Magdalena  175. 

—  M.  Amalia,  Gräfin  von,  Chorfrau  de$ 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  171, 
Anm.  1. 


Reg^iflter. 


291 


Xi^elli,  Maria  Innozentia,  Orifin  tod, 
Chorfrau  und  Oberstin  ebenda,  170, 
Anm.  1,  171,  Anm.  1,  174,  Anm.  2, 
175—179. 

Kikotai,  St.  (bei  Pasaan),  Kloster  24, 
Anm.  2,  46,  67,  60  und  Anna.  10,  61. 

Kikolsbnrjr,  Propst  Sebastian  Weiniritt, 
137,  Anna.  2,  147,  Anm.  1. 

N5(hliDg',  G.  B.  Persenbenp  24,  51. 

-  Gat  62. 

^olddlßin.  H.  Genove^a.  Cborfirau  des 
Klosters  Himpie*pforte  in  Wien  162, 
Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

NoDdorf  (-Nendorf)  30,  84. 

Nordgan  82. 

Xordwald  (nortica  silya)  5,  21. 

Koricum  7,  8,  9,  U. 

Noriker  9. 

Norroalsc  bulen  179,  180. 

Nürnberg  82. 

—  Bnrg^grafen  von,  Grafen  von  Raabs 
26,  67,  82,  s.  Raabs. 

Xnfldorf  (Wien)  95,  105. 


Ob*rkirchen  25,  66,  88. 

-  Pfarre  88- 

OherUa,  s.  Laa. 

Oberroaif,  Panl,  Kaplan  186. 

Oberndorf,  G.  B.  Zwettl  28. 

Oherösterreich  19,  24. 

Oberpfala  82. 

Oberweinin,    Maximiliana,    Cborfrau   des 
Klostera    Himmelpforte   in  Wien  147. 

Obizi  20,  Anm.  6. 

Mal,  Jakob,  kaiserlicher  Rat  100,  Anm.  2. 

Oder  33. 

Odoaker,  Königr  9. 

Ofedf,  Graf  von  171. 

Olesnicbani,  s.  Elleznitz. 

01m ata,  Bistnm.  Bisch«  f:  Kardinal  Diet- 
richstein 127,  129,  130.  W^eihbischof 
nnd  Domdechant:  Philipp  Friedrich 
von  Brenner  147;  s.  anch  Wien.  Dom- 
herren Karl  Hüttendorfer  und  Tobias 
Schwab;  s.  Huch  Breslau. 


Opatinec,  Kloster  130,  Anm.  1. 
Ortolf,  Kaplan  185. 

Ortsnamen,  genetiviscbe  17,  18,  37,  81, 
35,  68.  79.  83,  84,  92. 

—  deutrehe  18. 

—  slawische  10,  13,  14,  88—91. 
Ortwihesdorf,  s.  Rotweinsdorf. 

Österreich  (Austria)  17,  198,  199,  201, 
202.  207,  209,  210,  211,  214,  231, 
232;  s.  Innerösterreicb,  NiederOster- 
reich,  OberOsterreich,  AlbrecBt  VI., 
Ernst,  Friedrich  I.,  II.,  V.,  Leopold 
Wilhelm,  Matthias,  Maximilian,  Otto, 
Ottokar  II.,  Margarete,  Maria,  Eitzing. 

—  unter  der  Eiins,  s.  Lichtenstein. 

Ostmai  k  19,  Anm.  2,  22,  23,  38,  40 
und  Anm.  1,  43-45,  48,  49,  51,  53, 
67,  81,  82. 

Ostmarken  40. 

—  Kolonisation  39. 
Osrra  90. 
Ostrong  24,  60. 
Ostsee  52. 
Oswald,  Bt.  24,  27. 
Ottakring  (Wien)  96,  104. 
Ottenschlag,  B.  H.  Pöggstall  10,    29.  34, 

38,  Anm.  1,  54,  57,  62,  92. 
Ottenstein,  Gesohlecht  von  26,  65.  66. 
Otto  I.,  Deutscher  König  45. 

—  Herzog  von  Österreich  186. 

Ottökar  II.,  König  von  Böhmen  und  Her- 
zog von  Österreich  15,  Anm.  3,  17, 
33,  119,  Anm.  2. 

ötz  30. 

Ox,  Sibylla,  Chorfrau  des  Klosters  Him- 
melpforte in  Wien  121. 

P, 

Paar,  Wenzel  Reicbsgraf  von,  nieder- 
österreichischer Regierungsrat  180. 

Pacher  von  Pachburg  auf  llohenstein, 
Georg  (Jörg),  niederösterreichiscber 
RegimenT^rat  und  Anna  Katharina, 
geb.  Qeißierin  145,  Anm.  1,  153,  154, 
fi.  Zetwit«. 

19* 


292 


Register. 


Fächer,  Maria  Christi oe  Katharina,  Chor- 
frau des  Klosters  Himmelpforte  iii 
Wien  103. 

Pachner,  Herr  von  183. 

Palasthy,  Katharina  von  Visarh^y,  Chor- 
frao,  Saperiorin,  Priorin,  Oberin  des 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  109, 
113,  115,  118,  119.  185. 

Paltingerhof,  s.  Joching. 

Paniua,  M.  Christina  von,  Chorfrao  des 
Kloiters  Himmelpforte  in  Wien  176, 
Anm.  1,  183. 

Pannonien  7,  8,  11,  41,  Anm.  1. 

Paris,  O.  B.  Schrems  30. 

Parmaicampoi  6,  Anm.  4. 

Paradeismühle,  s.  Wien. 

Parssenprunner,  s.  Frauendorf. 

Passau  24,  Anm.  2. 

—  Bistum  12,  16,  45,  46,  48.  Anm.  1, 
53  f,  60,  Anm.  1  und  10,  61,  62,  85. 

—  DiOiese  31,  212,  213. 

—  Bischöfe:  Altmann  24,  30,  54,  Anm.  1. 
Leopold  Wilhelm,  s.  diesen. 

—  s.  Katharina. 

—  Offiiial  für  den  unteröeterreichischen 
Anteil  der  Diözese:  Melchior  Klesl, 
B.  diesen. 

Passauer  Wald  7. 

Patron  at  85. 

Paul  V.,  Papst  119,  126,  128,  129. 

Pauli,    M.    Apollonia  de,    Chorfrau     des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  176, 

Anm.  1. 
Pauliner-Orden  152,  175.  j 

Payr,  Hans,  Kaplan  187. 
Pebrann  (Pebraren),  s.  Pöbring. 
Pegauer  Annalen  77,  78. 
Pehendorf  71,  Anm.  2. 
Peilstein,  Grafen  von  47;    s.  Tenglingen. 
Pekstal,  6.  Pöggstall. 
Pelikan,    M.  Cäcilia   von,    Chorfrau    des 

Klosters    Himmelpforte   in   Wien  176, 

Anm.  1. 
Pensing,  Herren  von  150. 
Perching,  Lienhart  von,  Magister,  Kaplan 

186. 
Perchtoldsdorf  95,  104,  168.  • 


Perchtoldadorf,  Hang  von,  Kaplan  187. 

Perg,  8.  Marehland-Perg. 

Pergaren  (Perlgarn),  s.  Borgern. 

Pergaw,  s.  Bergau. 

Permausta),  s.  Pömmeritall. 

Pemegg  21,  27,  60  und  Anm.  9,  55,  Bl. 

—  Grafen  von  55.  61. 

—  Kloster   (Q«ras-Pemegg)    15,    61,  H2. 
88,  95,  114. 

—  Chorfrau    Rosina    Aichioger  98,    114. 
Anm.  1. 

—  Propst  Georg  Samperer  114. 

—  Chorherr  Norbert  8prengsegg  von  174. 
Perotta.  s.  Wien. 

Persenbeug  10,   29,  34,  44,   46,  54,  60. 
61,  92. 

—  Schloß  und  Gut  62. 
Persing,  Josias  von  155. 
Perthols,  Groß-,  Pfarre  27. 
Pestler,  s.  Wien. 

Peter,  Kaplan  186. 

Pettrin,      Monika,     Laieaseh  wester     de» 

Klosters  Himmelpforte    in    Wi«n  17^. 

Anm.  1. 
Pexstall,  8.  PöggsUll. 
PiaU,  s.  Oberpfals  und  Unterpfalz. 
Pforte,  Zistersienserstift  87. 
Piesting,     O.    B.    Wiener-Nen^udt    11^. 

Anm.  2. 
Pilgram,    Christina  und  Elisabeth,    Chor- 

frauen    des  Klosters    Himmelpfort«  i» 

Wien  185. 
Pilgreimshof  57. 

Pilgrim,  Kaplan  186;  s.  anch  Zwettl. 
Pilbnann,      Paula,      Laiensohvreiiter     d«« 

Klosters    Himmelpforte    in   Wien  IH^, 

Anm.  3. 
Pirchehe,  s.  Pyra. 

Piscator,  Christoph,  Magister,  Kaplan  1^« 
Pius  VI.,  Papst  181. 
Piain-Hardeck,  die  Grafen  von  47. 
Plank  62,  63. 

—  Ober-  226. 
Platzer,  s.  Nieder-Leis. 
Pieissing,  O.  G.  FriUelsdorf  90. 

—  O,  O.  Pöbring  90. 
Plessberg.  O.  G.  Kautzen  90. 


R^g^ister. 


293 


Plessber^,  O.  O.  Kirehscblig,  G.  B.  Ott«n- 
schlag  90. 

Plüml,  M.  Aarelia,  Chorfrau  dei  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  166,  Anm.  1, 
169,  Anm.  3. 

Pöbrini^  (Pebraren,  Pebrann)  201  und 
Anm.  6. 

-  Pfleger  Oinnrat  Schauchinger  208. 
Pö^gstall  (PeksUl,   PexsUl)  10,   29,    34, 

57,  61,  92,  204,  206-208. 

-  Herrachaft  206—208. 

—  Landrichter  Gorig  KolbSrshardftr 
(Jörg  Chelberharder)  196,  197. 

-  Barggraf  and  Landrichter  Lienhartt 
Lasperger  208. 

—  Nikiein  der  Schneider  204. 

Poi^n  58,  Anm.  2;  s.  ancb  Bebegan. 

Poiao,  ■•  Johann,  St.  . 

Polen  15,  53. 

Pr)Ila  (PoUan),  Alt-  71,  Anm.  1,  90. 

-  Pfkrre  27,  63. 

PSiteo,  8t.  (Sand  Polden)  287. 

-  Kloster  60,  173,  174,  Propst:  Michael 
173,    Chorherr:    Albert  Madema  173. 

—  8.  Christine  und  Aelinm  Cetiam. 
Pommern  14. 

Pommendörf  79,  Anm.  3. 
PömmersUlI  (Permanstal)  201. 

—  Heinrich  (Hainreich)  and  Dorothea 
Zeblein  201;  s.  anch  Seiterndorf. 

Poniaa,  s.  Wien,  Bürger. 

Popel  Ton  Lobkowits,  Freiin  132. 

Popp,  Stephan,  Kaplan  186. 

Portsehalieh,  Hans  von  198,  199. 

Pottendorf  155. 

POtting,  M.  Regina  Fransiska  von,  Chor- 

fraa    des    Klosters    Hhnmelpforte    in 

Wien  147,  166. 
Pöuleinsdorf  (Wien)  151,  153,  163,  177. 
PQteles  86,  Anm.  2. 
Prag  127,  131,  133,  154,  158. 

-  Weihbisebof  Johann  Lohelias  126. 
Pramonstrattfnser-Orden  33,  98. 

—  Oeneralabt  127. 

—  Generalrikar  Kaspar  von  Qaestenberg 
158;  f.  anch  Strahow. 


Primonstratenserittn^n,  angarische  99. 

Prandstetter,  Georg  98. 

Prasch,  Hans  and  liiennhart  234. 

Prater,  s,  Wien. 

Prechsner,    Anna,    Chorfrau  des  Klosters 

Himmelpforte  in  Wien  185. 
Preinreichs,  G.  B.  Gf5h],  Waldamt  20. 

—  O.  O.  Warmbrand  69. 
Preisegg,  O.  G.  MödeUdorf  90. 
Prekarie-Vertrag  74. 
Prefibarg  133. 

PreObarger  Friede  221,  229. 

Preaer,    Matthäus,  kaiserlicher  Klosterrat 

102. 
Preufien,  die  33. 

—  Ordensland  81. 

Prinselndorf  (Princse](8)darff,  Prinzelsdorf), 
O.  G.  MOrfelndorf  201. 

—  die  Raydin  201. 

Prudentia,  Chorfrau  des  Klosters  Himmel. 

pforte  in  Wiefi  138. 
Prutenlin,    Klara,    Chorfrau   des  KloBter» 

Himmelpforte  in  Wien  134. 
Pachberg,  s.  Buchberg. 

—  M.  Katharina,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  171,    Anm.  1. 

Pnchelmayr,  Mattbiap,  niederttsterreichi- 
scher  Begimentsrat  129. 

Puchheim,  Erasmns  von,  Freiherr  auf 
Raabs  und  Krambach  114. 

—  Barbara  von  125. 

—  Dorothea  Freiin  von,  Oberin  des 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  114 
bis  117,  120—123.  125;  s.  auch 
Wien,  Kloster  St.  Jakob. 

—  Maria  Franaiska  von,  Chorfrau  eben- 
da 156. 

Puechheim,  Elisabeth  von,  Chorfrau  eben- 
da 147. 
PUchl,  s.  SiebenbQrgerin. 
Pnkwicz,  Simon,  Kaplan  186. 
Pulkau  5. 

Plirstendorf  159  und  Anm.  1. 
Pnsteital  39. 
PUttener  Mark  50. 
Pyra  (Pirchehe?),  O.  G.  Thumeritz  66. 


294 


Register. 


Quaden  4,  Anm.  ^,  6->8,  51,  Anm.  1. 

Questenberg      von,      Patrisierfamilie     in ' 

Köln  168.  I 

—  Gerhard  und  Hermann  von  158.  ' 

—  Kaapar  von,  s.  Prämonitratenserorden. 

—  Anna  Jakobina  von,  Oberin  des 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  lö8, 
159  und  Anm.  1,  169. 

—  Frfiuleiu  von  löl,  Anm.  1. 


Raab  103,  Anm.  1. 

—  Fraaenkloster  177. 

Raabs  (Rogacz,    Rogats,    Rogos)  13,    16, 
21,  29,  34,  60,  90,  92. 

—  Burg  66,  67. 

—  Herrschaft  17. 

—  Grafen    von  (Burggrafen    von    Nürn- 
berg) 26,  28,  67,  68. 

—  Qraf  Konrad  von  67,  Anm.  6. 

—  Pfarre  27. 

—  8.  Pnchheim. 
Raabser  Gebiet  24. 

—  Wald  67. 

Raabs,  Klein-,  O.  G.  Alt-Pölla  90. 
Rab,  Eustachie  238. 
Rabel,  Gabriel,  Kaplan  186,  187. 
Rabengstetten  104. 
Rabensteiu,  s.  Brenner. 
Rabeareith  '<0. 
Racatai  6,  Anm.  4. 
Radelberg,  Gtafen  von  55,  82. 

—  Udalrich    von    61,    dessen 
8.  Liutkard. 

Radessen  (Raduz)  90. 
Radichove,  s.  Reicha. 
Radischen  (Radeschen)  90. 
->  Klein-  80,  Anm.  2. 
Radschin  90. 
Raduz,  8.  Radessen. 
Radwans  66,  Anm.  6. 
Radwansdorf,  s.  Rotweins dorf. 


Rafteist&tten,  s.  ZoUordnaug. 
Rafing  86,  87,  Anm.  1. 
Rampersdorfer  186. 

Ranua  (Rauna)  27,  31,  Anm.  5,  56,  Öl, 
90. 

—  Gesehlecbt  von  55,  61. 

—  8.  Grie. 

—  Nieder-  30. 

Ranninger,     M.    Disma    Juliana,    Lai«n 
Schwester    des  Klosters    Himmelpforte 
in  Wien  181. 

Raper  von  Rosenharts,  Agatha  226. 

Rappacb,  Freün  von  137,  138. 

—  Franziska  von,  Chorfran  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  1-34,  137,  W, 
148. 

Räschitz,  Maria  Rosalia,  Chorfrau  ebenda 

155,  162,  Anm.  1. 
Raseldorf,  s.  Roseidorf. 
Raesiogdorf  (Rassendorf)  15,,  65,  90. 
Rastenberg,  Geschlecht  von  26,  65. 
Rath,  8.  Wien,  Bistum. 
Rathin,     Floriaua,     Laiensehwetter    de« 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  17], 

Anm.  1. 
Ratinc  sclavus  15. 
Ratschenbof  86,  Aum.  2. 
Rattieh,  Paul  97. 
Rauber,  s.  Joching. 
Raneb,  s.  Wien,  Bistum. 
Raana,  s.  Ranna. 
R&velsbach  60,  Aum.  9. 
Raxendorf  21,  54,  56. 


—  Pfarre  2d. 
Tochter,    Rebegau- Poigeu,  Grafen  von  55,  61. 

Rehberg  (Rechberg),  G.  B.  Krems;   borg 

55. 
Regensburg  82. 

—  Bistum  23,  Anm.  3,  56.  Biscbof: 
Johann  Georg  Graf  von  Herbersteio 
152. 

—  Burggrafen  und  Domvögte  veu  25, 
54,  61,  82;  s.  auch  Bogen. 

Regensburger,  Katharina  186. 
Raffelsperger,  M.  Floriana,  Laienschwester   Regln,     Petronilla,     Laieosohweeter    dei 
des   Klosters   Himmelpforte    in    Wien  Klosters   Himmelpforte    in   Wieu  l6i, 

172,  Anm.  3.  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 


Register« 


295 


Begina,  s.  Liechtensteiti,  Fttrstio. 
Begondio,     M.     Amaad«,     Chorfrau    des 

Klostera   Uimmelpforte    in  Wien  162, 

Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Kigulos,  8.  Wien« 

Ueibers  71,  Anm.  2.  . 

Reieha  (Radichove),  0.  G.  Odtra  90. 

Keichenbacb,     O.     Q.     Goppreohts    .80, 

Anm.  2. 
Reichenateiner,  Kuniguude  186. 
Keicfaer,  s,  Kaiser- Ebenidatf. 
Keicbersdorf  77. 
Keicbsministerialien  50. 
Keihenhof,  der  70. 
Kdinboldt,  a.  Himmelberg. 
Hüingers  80,  Anm.  2. 
Kdinprecht,     Anna,    Laienscbwester    des 

Klostera    Himmelpforte   in  Wien  155. 
Heioprechtspölla  37,  65,  90.     . 

Keisensteio,  M.  Innozentia  to&,  Chorfrau 
des  Klosters  Himmelpforte  in  Wien 
176,  Anm.  1. 

Kemetlner,  Kloster  103,  Anm.  1. 

Bescal,  s.  Haeber. 

Reu  82. 

Resern,  Maria  Anna  von  180. 

Rhein,  Pfalzgraf  bei,  s.  Albrecht. 

Rbeio lande  87. 

Richter,  Barbara  Beatrix  von,  Chorfrau 
des  Klosters  Himmelpforte  in  Wien 
147. 

Riegers  (Rudegers),  G.  B.  Zwettl  26,  66, 
69,  70. 

-  Pfarre  27. 

Rietenburg  (verödet)  24,  Anm.  2. 
Ritler  72,  77,  81. 
Rittergeschlechter  85,  87. 
Kitterhöfe  72. 
Ritterorden,  Deutscher  33. 
Ritzendorfer,  Agnes  226. 

-  Ursula  226. 
Ritzmanna  86,  Anm.  2. 
Rodaoner,  Anna  187. 
Rodiogersdorf  38,  Anm.  3. 
Rodungen  68,  69,  72,  73,  77,  86,  87. 
PUgaes  Silva  (im  Raabser  Gebiet)  21. 


Rogacs,  Rogats  und  Rogos,  s.  Raabs. 
Rohr,    M.    Sasanna    von,    Chorfrau    des 

Klosters   Himmelpforte   in  Wieli  176, 

Anm.  1. 

Röhrenbach,  G.  B.  Hörn  24,  Anm.  2,  58, 
Anm.  1, 

Rohrendorf,  G.  B.  Krems  62. 
Rom  136,  137,  138,  148. 

—  s.  Mntina. 
Romanen  9. 

Römer,  E^ans,  s.  Wien,  Börgef.    ' 
Römerkriege  8. 
Römerreich  8. 
Ronthal  5. 

Ror,  Ulrich  Entaberger  von,  Kaplan  186. 
Röschitz  90. 

Roseidorf  (Raseldorf),  G.  B.  .  Stockerau 
211. 

Rosenau,  die  von  72. 

—  s.  Scheffler. 
Rosenauer  Wald  29. 
Rosenberge,  die  17,  18. 
Rosenharts,  s.  Raper. 
Rosinus,  Kaplan  186. 

Roßnu  (Wien),  Melkerbaus  184. 

Roßmanin,  M.  Ma*'garete,  Chorfran  des 
Klosters  Himmelpforte  in  Wien  162, 
Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Rossa  90. 

Rotenberg,  Kristan  Reutter  von  186. 

Rotingen,  die  Freien  von  55. 

Rottenhof,  s.  Zetwitz. 

Rottmair,  s.  Wien,  Bürger. 

Rotweiusdorf     (Radwansdorf,      Ortwines- 

dorf?)  66  und  Anm.  6. 
Rudmanns  70. 

Rudolf  II.,  Deutscher  Kaiser  101,  132. 
Raepp,  s.  Vitis. 
Rngier  9. 
Rugiland  9. 

Rupert,  fränkischer  Missionär  11. 
Rußbach,   Nieder-  99  und  Anm.  1,     104, 

159,  Anm.  1. 

—  Pfarre  135. 

Rutinstein,  Konstanzia,  Choi'frau  des 
Klosters   Himmelpforte   in  Wien  1S4# 


296 


Register. 


Siiale  46,  77. 
Sachaen  40,  78,  81. 

—  Ober-  76,  77,  81,  87. 

—  Henog  Bernhard  59,  Anm.  ö. 

—  8.  Hedwig. 

Sagstetter,  i.  Oork  und  Wien,  Bistum. 
Sailer,    M.  Friederika  von,   Chorfrau  des 

Klosters    Himmelpforte   in  Wien  176, 

Anm.  1, 

Sainthilier  (Saint- Hilaire),  Oesohleeht 
130,  Anm.  5. 

Jäckchen,    Biaria  Hermine  von,  Ctoorfrau 
des  Klosters  Himmelpforte  in  Wien  147. 
Salesianerinnen,  s.  Wien. 
Salhöfe  43. 
Sallingberg  28. 
Sallingstadt,  Pfarre  27. 
Salm,  Weikhart,  Graf  153. 

—  Judith,  Gräfin,  Chorfrau  des  Kloateis 
Himmelpforte  in  Wien  153. 

—  Sidonie,   GrSfin,  geb.  WinkowiU  153. 
Salmansdorf  (Wien)  96. 

Salvator,  St.,  s.  Wien. 

SaUbrunner,  Katharina  159. 

Salsburg  (Salcsbnrkch,  Salcapurkcb)  156. 

—  Bistum  44,  45,  197. 

—  Ersbischof  Ton  41,  Anm.  1. 

—  Enbischof  Kardinal  Matthäus  Lang 
von  Wellenburg  222  und  Aum.  2, 
227,  233,  262. 

—  Pfleger,  s. 

Salser,  Helena,  Laienschwester  des  Klo- 
sters Himmelpforte  in  Wien  162, 
Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Sand,  s.  Simmering. 

Sandtner,  M.  Raymunds,  Choifrau 
ebenda  172,  Anm.  3,  183. 

Sarasin,  Anna  Jakobina,  Chorfrau  ebenda 
176,  Anm.  1. 

Sarmaten  8. 

Sartorin,  M.  Xaveria,  Chorfrau  des  Klo- 
sters Himmelpforte  in  Wien  162, 
Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Snace,  die  von  72. 


Schadits  90. 

Schadner,  Hans,  kaiserlicher  Rat  nnd 
Landgraf  100,  107. 

—  CäciUa  100. 

Schaffenrader  (Schaffenreder),  Gertrud 
Laienschwester  des  Klosters  Uimmet- 
pforte  in  Wien  176,  Anm.  1,  184. 

Schamatin,  s.  Katharioa  and  Ursula. 

Scharndorf  155. 

Schauchinger,  s.  P5bring. 

Scheffler  von  Bosenan,  M.  Anna,  Chor- 
frau des  Klosters  Htmmelpforte  in 
Wien  162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Scheftenberg,  Hans  Wilhelm  von  155. 

—  M.  Klara  (Katharina)  von,  Chorfrau 
des  Klosters  Himmelpforta  in  Wien 
155.  162,  Anm.  1. 

—  Uazimiliaaa,  geb.  Harrach  155. 
Scheiern,  Kloster  56,  73. 
Scheitterndorff,  s.  Seiterndorf. 
Schellenberg,    M.    Alexandra   von,    Chor 

frau    des    Klosters    Himmelpforte   in 

Wien  176,  Anm.  1,  183. 
Schenherr,  Veronika,  Laienachwester  eben- 
da 176,  Anm.  1. 
Scherfftenberg,      M.     Antouia,      Chorfrau 

ebenda  172,  Anm.  3. 
Schertlin,  Barbara,  Laienschwester  ebenda 

169,  Anm.  3. 
Scheits  (ScheuU),  O.  G.  Ladlogs  90. 
Schickenhof,      O.     G.     Schloß    Roseuau, 

G.  B.  Zwettl  66,  72. 
Schifferhuberin,      Rosina,      Chorfrau    de^* 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  147. 

150. 
Schikinin,  M.  Peregrina,  Chorfrau  ebeodi 

176,  Anm.  1. 
Schiltain,  Maria,  Chorfrau  ebenda  147. 
Schintha,     Lucia    von.     Priorin    ebenda 

99—101,  185. 
Schiader  90. 

Schlag,  G.  B.  Litschau  80,  Anm.  2. 
Schleinitz,  Burg-,  s.  Bnrgschleinits. 
Schleim  (Schleiniu),  Kieder-  5. 
Schlesien  52,  53,  78. 
Schlick,  s.  Wien,  Bistum. 
Schtierbach,  Frauenkloster  114. 


Begist0r. 


297 


Schlag],  Kloüter  18. 

Schmatil,  s.  Wien. 

Sehmid,  Herr  von  171. 

*-  M.  Ann«,  Antonia   von,  Chorlrau   dea 

Kloster«   Himmelpfbrte   in  Wien  176, 

Anm.  1,  18a. 

-  M.  BemardiiMt  (Magdalena),  Chorfraa 
ebenda,  166,  Anm.  1,  168,  169, 
Anm.  3. 

-  Ferdiaanda,  Chorfiraii  ebenda  176, 
Anm.  1. 

-  H.  Konstansia,  Chorfraa  ebenda  176, 
Anm.  1. 

-  H.  Joeef«,  Cborfrau  ebenda  176, 
Anm.  1. 

Schmida  (Smida)  226. 

Schmidt,  s.  Wien. 

Sckneckeareiter  (Schneekhenreiter,  Sneck- 
beareiter),  Erasmns  220,  228ff.,  236, 
239.  240,  250,  251,  255,  258,  261, 
263,  266,  272. 

-  Leo  231,  234,  268,  272. 

Schneider.      Anton,      Kircbendiener      im 

Kloster  Himmelpforte  in  Wien  180. 
Schochtel,  Ulrich  186. 
Schooan,  0.  B.  Litechan  80,  Anm.  2. 
Schonberg  am  Kamp,  G.  B.  Langenlois  163. 
Mdnbübel  (ScbönpOohel)  an  der  Donaa, 

Steffan  Kolbingdr,   Schaffer  des  Herrn 

▼on  Starhenwerkeh  197. 
Schönkirchen,    Jakobina  Frau  von,    geb. 

Landspergerin  151. 
SchSnwaisin,  M.  Bita,  Laiensch wester  des 

Klosters   Himmelpforte   in   Wien  171, 

Anm.  1. 
6chrott,  M.  Sasanna  de,  Choifrau  ebenda 

162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
SeboUwien  134. 
t^cbramb,     M.    Jaliana,      Chorfran    des 

Klosters    Himmelpforte   in   Wien  170, 

Anm.  1,  171,  Anm.  1. 
Schratt   (Schrat)   Jakob   und    seine  Frau 

Kathrei  (Kathrej,  Kathrein),    Tochter 

des  Hanns   Fleischess  203—206,    210 

bis  212. 
Scfaraataan    (Scbrawtann),      Chunz    und 

Petter  213. 


Schrems  29,  34,  90,  92. 
Schncs,  Hans  und  Margret  231. 
Schultheis,  s.  Wien^  St.  Stephan. 
Schwab,  Kaspar  129. 

—  Tobias,  s.  Wien  and  Olmütt,   Bistum. 
Schwambacher,  s.  Wien  Franaiskaner. 
Sehwara^    Helene,    Priorin    des    Klosters 

Himmelpforte   in  Wien  97—98,    185. 
Schwaraburg^Keetach,  Geschlecht  von  82. 
Schwaraenau,  s.  Strein  und  Streune. 
Schwechat  97,  Anm.  2. 
Schweiggers  29. 

—  Silva  Swikers  29. 
Schweigker,  s.  Bamberg. 
Schweinfart  84. 

Schweller,  Matthias,  Kaplan  186,  187. 

—  s.  Korneuburg. 

Schwellersche  Stiftung,    s.  Wien,    Kloster 

Himmelpforte. 
Scultetns,   s.  Breslau  und  Wien,    Bistum^ 
Seau,  Graf,  s.  Wien,  Kloster  Himmelpforte. 

—  M.  Ignatia  von,  Chorfrau  des  Kfosters 
Himmelpforte  in  Wien  171,    Anm.  1. 

Seidner,  s.  Wien,  Universität. 

Seilern,    Ludovika,   Gräfin,  Chorfrau   des 

Klosters  Hiromelpforte    in    Wien  182; 

s.  auch  Wien,  KOniginkloster. 
Seiterndorf  (Scheitterndorff,    Seitterndorff,^ 

Sejtemdorf,  Seytemdorff,  Seyttemdorff 

201,  205,  214,  216. 

—  Hochsteter  (HOobstetter),    Jorig  (JOrg) 

200,  205.  215. 

~  MajT  Hanns  und  Kathrj  215. 

—  Schauer  (Sohaur,  Sohawer,  Schawr), 
Jorig  (J5rig)  und  seine  Frau  Doro- 
thea,  Tochter   Heinrich    des    Zeblein 

201,  202,  s.  Pömmerstall. 
^  Elspet  216. 

,  —  Hanns  215,  216. 

—  Margreth  215,  216. 

—  Stephan  214—216. 

—  Tanner  Ulreich  215. 
Seita,  s.  Wien. 

Seic,  Michael,  Klosterrat  157. 
Selau  in  Böhmen,  Kloster  15,  61. 
Selb,     Barbara,     Chorfrau    des    Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  147. 


298 


Register« 


Selb,    M.  Karolica  von,  Chorfrau  ebenda 

172,  Aom.  3. 
Seider,  Hans«  Magister,  Kaplan  186. 
Selesoh  in  Ungarn  98. 
Sempt,  B.  Ebersberg-Sempt, 
Senftenberg  63. 
Sening   (Senging),    Niklas    Senginger   au 

206. 
Serdagna,  s.  Wien,  Bistum  179. 
Serviten  löl,  152 
Severinut  (vita  Severiui)  9. 
Seyterndortif,  s.  Seilerndorf. 
Sido,  Suebenfürst  7. 
Sieben bUrger,  s.  Wien. 
Siedeluug,  s.  Kolonisation. 
Sieveriog  (Wien)  104. 

—  Ober-  159. 
Sigiu  20,  Aom.  6. 

Sikh,  Michael,  Kaplan  187. 
Silva  norticai  s.  Nordwald. 
Simetin,   M.  Valentina,  Agatha,  Chorfrau 

des  Klosters    Himmelpforte    in    Wien 

181. 
Simmering    (Wien)     107,     119,    Anm.  2, 

159,  168.  173,  17ö. 
--  Turnhof  (>Käsmacherhof«),    163   und 

Anm.  1,    177,    Hausmeister    daselbst: 

Friedrich  Martin  HlLrtl  159. 

—  Pfarrer:    Johann  Kourad  Molitor  164. 

—  Brauer:  Josef  Qigl  174. 

—  Fleischhacker:  Matthias  Saud  163. 

—  Käsemacher:  Frana  Mayr  163. 
Simonsfeld  95,  104,  105,  106. 

Singer,  M.  Augustina  von,  Chorfrau  dea 
Klosters  Hin^melpforte  in  Wien  176i 
Anm.  1. 

Sinzendorf,  Grafen  Ton  165. 

—  Adolf  Michael  Thomas  von,  kaiser- 
licher Erbschattmeister  164. 

Sixt,  M.  Domenika,  Chorfrau  des  Klo- 
sters  Himmelpforte  in  Wien  169, 
Anm.  3. 

Siztl,  Valentin,  s.  Wien,  St.  Michael. 

Slabi,  s.  Hornigk. 

Slaynik,  Haus  14. 

Slawen  10,  14,  22,  23,  39,  51,  52,  59, 
77. 


SiawenlXnder,  deutsche  Besiedlnag  83. 
Smida,  s.  Schmida. 

Snaecsel,  Agnes,  Meistarin  de«  Klosten 
HimmelpfDrta  in  Wien  185. 

—  Elisabeth  und  Bfargaretei  Chorfrsoen 
ebenda  185. 

Soeckbenreiter,  s.  Sekneckenreiter. 
Sohof  (Sahor)  14,  Anm.  2. 

—  Gut  17. 

Solanin,  M.  Ernestilift,  Chorfraa  de» 
Klosters    Himmelpforte    in  .Wien  181. 

SolUin  (Zolta)  Martha,  Chori^au  ebsoda 
102.  105. 

Sonnenmayer,  M«  Gabriela,  Cborfiran  eben- 
da 181,  183. 

Sorgo,  Anna  Augustina  Theresia  voo< 
Chorfrau  ebenda  181,  182;  s.  sdcIi 
W^ien,  KarmeUterinn«nkIoat«r. 

—  M.  Seraphina  Ton,  Chorfraa  ebenda 
176,  Anm.  1,  183. 

Spanier  100. 

Sparbach,    G.  B.    Mödling,    Got  Johann- 

stein  151. 
Späth  von  Faimingen,  s.  Augsburg. 
Speisendoif  67,  Anm.  7. 
Spits   (Spics,   Spycs,    SpyU)  29,    34,  hl 
'   62,  92,  196,  197,  208,  209. 

—  Herrschaft  54  und  Anm.  3,  208. 

—  Vesle  204. 

— :  Sand   Marycsen  (Mauiixeu)   aech  204. 

—  Gorig  196. 

—  Hewndlein  201. 

—  Irrentanz  204. 

—  Paeger  Jörig  Kelb«rharder  (Cbelber* 
harder)  208,  209. 

—  Marycz  (Mauriciiis),  Verweser  de» 
Amtes  des  Otto  von  Meiasau  (Meim«' 
196,  197. 

—  Pldkolb  204. 

—  P^Bobinger  196. 

—  Rawb€r  196. 

—  Schrekch,  Rayff  204. 

—  Paulein  SchaffSr. 

—  Starhenberkch,  Amt  des  von  197. 

—  Thaman  am  Art  204. 

—  Thoman  Völle  209,  210. 

—  s.  Fleisches». 


Register. 


299 


Spitier,  Graben  27. 

SpitBweckh,  Sigismand  Uelfried,  Obeist- 
leutuaot  154. 

—  KuEiigaod  (Katharina  Priska),  Chorfrau 
des  Klosters  Himmel pforte  in  Wien  154. 

—  Mecbtildis  Eusebia  1Ö4. 
äporkeabtlchel,  s.  Wien. 
Sprengsegg,  s.  Pemegg. 
Sprinsenstein  153. 

—  Jobann  Rudolf  von  lö3. 

—  ElisAbeth  Ton  153. 

—  Maria  Renata  von,  Choifrau  des  Klo- 
sters Himmelpforte  in  Wien  153,  .162. 
Anm.  1. 

Sprdgnitz  38,  Anm.  1. 
Spycz,  Spytz,  s.  Spiis. 
Suatz,  s.  Brenner  163. 
Suhremberg,  s.  Starhemberg. 
Stainenprnnu,  s.  Steinabrnu. 
Stammersdorf,  Pfarrer  Martin  Deymel  187. 
Siäiide,  böhmische  132. 

—  österreichiscfa-eTangelische  132,  133. 
Sunner,     M.    Dominika,     Laiensuhwesttsr 

des    Klosters    Himmelpforte    in    Wien 
176,  Anm.  1,  183,  184. 
Starhemberg  (Stahremberg,  Starhenberkcb, 
Starhenwerkch),  Haus  25. 

—  i.  Brenner  Elisabeth,  SchdnbQhel  und 
Spits. 

btazrein  (Surein)  65,  90,  235. 

—  Burg  219. 

—  Geschichte  225. 

—  1.  auch  Blockhomer. 
8:ening  in  Bayern  82. 

—  Grafen  von  25,  54. 

^tegmüler,     Eva    Regina,    Chorfrau    des 

Klustars    Himmelpforte   in   Wien  156. 
Steiermark  50. 
Steinabninn    (Siainenprunn),    6.  B.    Sto- 

ckeran  211. 
Stöir,  B.  Weatsndorf. 
Bteinakirchen  23,  Anm.  2,  56. 
Steiniechner,  M.  Walburga,  Laienschwester 

des   Klosters  Himmelpforte    in    Wien 

172,  Anm.  3. 
Stendelwäger,   Petronilla,    Laiensch wester 

ebenda  176,  Anm.  1. 


Stengl«  Dymphna,  Laienschwester  ebenda 
162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Stephan,  M.  Floriana,  Laienschwester 
ebenda  181. 

Stephansbarder,  Pertlein  198« 

Stetten,  G.  B.  Kornenburg,  Pfarrer  Ulrich 
186. 

—  Martin  von,  Kaplan  186. 
Stiefern  44.  63. 

—  Ulrich  von  63,  Anm.  4. 

—  Herren  von  25. 

—  und  Streitwiesen,  Geschlecht  von  63 
und  Anm.  5,  66. 

Stockerau  12. 

Stockern  (Stocharn,  Stockborn,  Stock- 
boren)  217  flf. 

—  Burg  (Schloß)  217,  219. 

—  Doif  219. 

—  Einzellehen  »Königreich«  57. 

—  Stockborner  Güter  225. 

—  8.  Alten  bürg,  Qrtolf. 

—  8.  Stockhomer. 
Stockbamer,  Geschlecht  231,  233. 
Stockher,  Geschlecht  231,  233. 
Stockborner      von     Starein,      Gescblecbt 

219  ff. 
~  Stammtafel  226. 

—  Andre  su  Waleckerskbirchen  263,  267. 

—  Anton  23i.  235,  236,  262. 

—  Bernnhart  252. 

—  Caspar  (Kaspar)  225,  Anm.  1,  231, 
234,  235,  237,  251.  252,  256. 

—  Crisian  235,  237,  252,  256. 

—  Cristoff  (Christoph)  220 ff.,  228  ff,  237, 
256. 

—  Ernst  (Emnst)  211—225,  226  (Hof- 
marschall Hersog  Albrechts  11.  und 
lil.,  227  und  Anm.  2,  228,  229,  232, 
233,  235,  236,  237,  239,  245-249, 
252-259,  262,  264,  267—270. 

—  Georg  (Jörg)  222,  224,  225,  Anm.  1, 
227,  Anm.  5  (Hauptmann  auf  Gott- 
weig),  231  ff.,  251, 252, 253, 256-258, 
260,  261,  263,  270. 

—  Hainrich  (Heinrich)  226  (Schenk 
Horsog  AlbrecbU  III.)  232,  235,  236, 
252,  253. 


300 


Regtater. 


8tockhorner,  Hanns  226  (LandmarichalU 
amUverwMer)  232,  235,  236,  252, 257. 

—  Leonhard  (Lienhart,  Liennbart)  280 IF., 
228  ff.,  236  ff.,  260,  256. 

—  Leopold  232,  235,  251,  252,  256. 

^  Margreth  231    (Toehter  Jörgen  Orab- 

mers). 
~  Martin  (Mort)  220  ff.,  226  ff.,  23B  ff. 

—  Nidas  (Nielaui)  231,  ^32,  234,  235f 
237,  251—253,  256. 

—  Ortolf  (Artolf)  225,  Anm.  1,  285—239, 
245,  246,  248,  252,  253,  255,  256  bis 
258,  264,  267-269. 

—  Otto  216  und  Anm.  1,  263. 

—  Sigmund  236,  257. 

—  Wolfgang  222,  224,  225.  Anm.  1, 
232-236,  251,  252,  257. 

Stockinger  (Stockhinger),  Gescblecht  221 
und  Anm.  2,  224,  229-231,  283, 
234,  238,  244^  245,  249,  254-256, 
257,  262.  263,  265—267. 

—  Abissa  238. 

—  Niolaus  (Kiklas)  221,  Anm.  4,  223 
(Hofrichter  des  Grafen  von  Maidburg) 
231. 

StOgersbach,  G.  B.  Allentsteig  71,  Anm.  1. 
Stoies  (Stoyes),  O.  G.  Jaudling  UO.    ' 
Stotzing,  Frau  von  134,  149. 

—  Johanna  Sophia  von,  Chorfrau  des 
Klosters    Himmelpforte    in  Wien  147. 

—  Subolita  von,  Chorfratt  ebenda  147. 
Strahlbach,  Nieder-  71,  Anm.  1. 

—  Ober-  71,  Anm.  1,  74. 
Strahow,  Kloster,  PrIIat  von  127. 

—  Äbte:  (Prälaten)  Johann  Lohelius  126. 

—  s.  auch  Prag.  Weihbischof;  Kaspar  von 
Qaestenberg  158,  siehe  Primonstra- 
tenser. 

Straning  91. 

Straß,  8.  Meggan. 

Strsfiburg,  Bischof,  s.  Ershersog  Leopold. 

Strassoldo,  M.  Anna  Eleonora  von,  Ghor- 
frau  des  Klosters  Himmelpforte  in 
Wien,  162,  Anm.  1,  169,  Anm.  3, 
171,  Anm.  1,  173. 

—  Anna  Theresia  von,  Chorfrau  ebenda 
176,  Anm.  1. 


Stredele,  Karl,  kaiserlicher  Kommissar 
und  niederOsterreiebiflcher  Regiments- 
rat  124. 

Strein  (Strenn)  von  Sdurarzenan,  Ge- 
schlecht 65,  184,  Anm.  2. 

Streitwiesen  (Str^ytwisen,  Streitbeseo. 
Streytbesaen)  165,  202—204,  208. 

—  Veste  203,  208. 

—  die  Herren  von  25.  - 

—  Erhart  203. 

—  Angneas,  die  Rajdin  203. 

—  Hans  der  Schuster  204. 

—  s.  Fleischess,  Groß-Mngl  und  Stiefeni 
Strogen  24,  Anm.  2,  57. 

Stromane,  Gertrud,  Latenschweater  de> 
Klosters  Himmelpfortv  in  Wien  162, 
Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Stronsdorf,    Pfarrer  Martin  Hosnestl  1^. 

Sudeten  52. 

Sueben  7. 

Sueiko  55. 

Sulxer,  Thomas,  Kaplan  186. 

Summer,  M.  Cftcilia  169,  Anm.  3. 

Sumperer,  s.  Pernegg. 

Sunberg,  Peter  238. 

Snttner,  M.  Nepomncena  Anoa,  Chorfrau 
des  Klosters  Himmelpforte  in  Wien  181. 

Swiet),  s.  Zwettl  91. 

Swikers,  s.  Sehweiggers. 

Syrnan  91. 

T. 

Tadtus  7. 

Taintssch,  Kristof  99. 

Tallesbmnn  (Tallisbrunn)  71. 

Tanicher,  Familie  187. 

Tassilo  39. 

Taubits  (Toupbesse)  91. 

Tectosages,  s.  Volcae. 

Tegernsee,  Kloster  41,  43,  45. 

Teindles  (Dodlebi)  13,  14. 

Tenglingen-Peilstein,    Grafen  von  54  nrd 

Anm.  6,  55,  82. 
Terner,  Paul  187. 
Teufet,  Freiin  von  133;    s.  auch  Breuser 

Anastasia. 


Register. 


301 


Tentoniei  14. 

Thana  91. 

Thaures,    O.  B.  Alleutsteig  36,    Aom.  1, 

91. 
Thanrea,  G.  B.  Li  tschau  91. 
Tbaya,  Flnfi  4,  Anm.  2,  5,  15,  66. 

—  Ort  91. 

Theiß,  6.  B.  Krems  91. 
Theras  60,  65. 

—  Hans  voD,  Kaplan  186. 
Thiemynger,  s.  Tieminger. 
Tnuma  (Tnmme)  91. 
Tbunaa,  die  Herren  von  65. 
Thurea  (Tnrexs)  91. 
Tharingen  87. 

—  s.  Ludwig  II.,  Landgraf» 
Tbürnau  91. 
Thnmfelß,  s.  Yogtin. 
Tieminger   (Thiemyn ger,    HSrtel    (HSrtel) 

19«. 

Tinclia,    Notbnrga,     Laienschwester    des    Tnrezz,  s.  Tbures. 
Klosters   Himmelpforte   in  Wien  176,   Türken  100. 


Trantsohn,  Anna  Brigitta  von,  Chorfraa 
des  Klosters  Himmelpforte  in  Wien 
147. 

Trecento  in  Friaul  47,  Anm.  5. 

Treisma,  die  Herren  von  47. 

Tremmegg,  O.  G.  Pajrerstetten  91. 

Trient,  Konzil  von  107,  137,  139,  157, 
181. 

Triglas  91. 

Tripodin,  Anna  Antoni«,  Chorfrau  und 
Dechantin  des  Klosters  Himmelpforte 
in  Wien  166,  Anm.  1,  169,  Anm.  3, 
174-176. 

Trixen,  s.  Truchsen. 

Tröbings  91. 

Troibetsberg  91. 

Truchsen  (Trixen),  Geschlecht  47,  65. 

Truchel,  s.  Vitis. 

Tuenaw,  tf.  Donau. 

Tumme,  s.  Thuma. 


Anm.  1. 
Timstain,  f.  DQrnstein. 
Tirol  134,  147. 
Tobitscbau  153. 
Tolan  {Tölan),  s.  Ddlla. 
ToUe&stein,  s.  Hirschberg. 
Toraani  14,  Anm.  2. 
Toupbezze,  s.  Taubitz. 
TraditionsbQcher  75. 
Traunkirchen,  Frauenkloster  114. 
Traiseii,  die  11. 

—  Slawensiedelnngen  an  der  41. 
Trano,  Graf  Ton  165,  Anm.  1. 

—  Herren  von  20. 

—  M.  Erneetina  von,  Chorfrau  des  Klo- 
sters Himmelpforte  in  Wien  166, 
Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

—  M.  Josefa  von,  Chorfrau  ebenda  166, 
Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Traunrtein,  Pfarre  26. 
Trautmaosdorf  (Trautmansdorfi),  M.  Anna 
Esther    von,     Chorfiau    des    Klosters 


Tumhof,  F.  Simmering. 
Tursen,  die  von  Lichtenfels  65. 
Tutschaym    (Ttttschaim  [Dietsam  ?  O.  G. 
Pöggstall])  204,  207. 

—  Paulein  Rawch  204,  207. 

—  Steffan  204. 

Tjmau,  Klarissenkloster  103,  Anm.  1. 
Tyerenstain,  s.  DQrnstein. 

U. 

Ulrich,  Pfarrer  zu  Kirch berg  (am  Wagram  ?). 

Protonotar    Hersog   Friedrich   II.    86, 

Anm.  1. 
Ulrichin,  M.  Aloisia,  Chorfiau  des  Klosters 

Himmelpforte  in  Wien  176,  Anm.  1. 
Ungarn  49,  50,  53,  79,  98,  105,  110. 

—  die  136. 

Ungrechtsberg,  M.  Jobanna  von,  Chor- 
frau des  Klosters  Himmelpforte  in 
Wien  166,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Unterfranken,  s.  Franken. 


Himmelpfoite  in  Wien  176,    Anm.  1,  '  Unverzagt,  Frau  von  144. 


183. 
—  Marx  von  135. 


—  Anna  M^gdalera   von,    Chorfrau    des 
Klosters    Himmelpforte    in  Wien  147. 


302 


Register. 


(Jnvioinesdorf  50,  Anm.  2. 
Urban  VIIF.,  Papst  141. 
Ursdorf  23,  Anm.  3. 

Ursula     Ton     Schamatin,     Cborfran     des 
Klosters    Himinelpforte    in  Wien  102, 


Vösendorf,  s.  Erlbeckher. 
Vastriiie.  s.  Feinritz. 


185. 


V. 


Valerisin,  Margareta  143;  verwitwete  De- 
lagarbin  144. 

—  Maria  de  1-13. 

Vi^rhely  (ApAca-)  110,  114,  117. 

—  Kloster  103  and  Anm.  1,  115,  118. 

—  8.  Pala^thy. 
Veit,  8t.  136,  144. 

Veitin,  Theresie,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  147. 

—  Ursula  Sophia,    Chorfrau  ebenda  147. 
Velabrunner,  Rosina  226. 

Verospi,  päpstlicher  Nuntius  136. 

Vespasian,  Kaiser  7. 

Vestenberg,  s.  Wien,  Bistum,  bisehff  flieh  er 

NotAr,  Zwickh.  • 
Vierdung,  Margarete,  Meisterin  (Priorin), 

Superiorin  185. 
Viktorin,  Prina  38. 
Vilükationssiedelung  57,    68,  63,  64,  65, 

6S,  70-72,  92. 
Viiellius  7. 
Vitis  (Vitisse)  28,  91. 

—  Pfarrer  Hertwic  von  Tnchel  86,  Anm.  1. 

—  Magister  Michael  Ruepp,  Kaplan  in 
Wien  186. 

Voburg  209. 

—  p.  Albrecht  III ,   Hereog   von   Bayt-rn. 
Vogtin  von  Thnrnfeiß,    Anna  Augtistina, 

Chorfrau  des  Klosters  Himmelpfoite  in 
Wien  168,  Anm.  1,  169,  Anm.  3. 

Voitschlag  38,  Anm.  1. 

Vcilcae,  Tecto^ages  6. 

Völklein  (Volkchlein,  Volkhel,  VOlkhel, 
Volklein,  VAlktein),  Thomas  (Thaman, 
Thoman),  Sohn  des  Niklas  Drnmiein 
(8.  diesen)  206—212.  . 

Voraha  20,  Anm.  6. 

Vorku^ch,  Anna,  Chorfrau  des  Klosters 
Himmelpforte  in  Wien  185. 


Wachau  36,  44,  54,  55,  60. 
Waching,  Kadolt  von  235. 
WachsgieOer,  Hans  186. 
Waginger  See  82. 
Währing  (Wien)  163. 
Waidhofen  an  der  Thaya  2b,  29,  31,  U, 
37,  66,  88,  92. 

—  Urbar  37,  Anm.  3. 
Walckherskirchen,  s.  Walterskirchen. 
Wald,  böhmiRcher  9. 

—  hersyniacher  4,  6. 
Waidenstein  71,  Anm.  2. 
Walderbach,  Kloster  54,  Anm.  5,  58,  61, 

76. 

Walderdorff,  Wildertch  von,  s.  Wien,  Bis- 
tum* 

Waldersberg,  Anna  von  186. 

Waldhausen  in  Oberösterreich,  Kloster  47, 
Anm.  5,  87. 

Waldhufe  78. 

Waldhufendörfer  18,  43,  80. 

Waldo  (nobilis)  30,  54,  61,  84, 

Waldreichs,  O.  O.  Heinreichi*,  G.  B.  AI- 
lentsteig  69. 

Waldsassen,  Kloster  20. 

Waldviertel,  Orenabildung  18. 

—  Kolonisation  1—92. 

—  kirchliche  Organisation  26  —  28,  31. 

—  eingegangene  Ortschaften  34. 

—  slawische  Ortsnamen  88 — 91. 

—  Waldämter  20. 
W.nlkenstein  (Wolkenstein)  21. 
Walkerskirchen,  s.  Walterskirchen. 
Wallenfeld,  Christian  von  182. 
Walpersdorf,    O.    O.    Insersdorf    ob    dtr 

Traisen,  grftÜich  Falkenbayniscbes  Ar 
chiv  191.  Kartularien  daaelbst  11^1, 
192. 

Walterode  226. 

Wajterskirohen  (Walckherskirchen,  W»!- 
kerskirchen,  Waltersskhirchen)  224, 
263,  267;  s.  auch  Stockhomer. 


Register. 


.303 


W:iiTbai]9er,      Rarbsra,      Chorfrau      und 

Superiorin    des  Klosters  Himmelpforte 

in  Wien  185. 
Waseo,  die  von  72. 
W«ber,    M.  AngeU,    Laienschwester   des 

Klosters    Himmelpforte    in  Wien  172, 

Anm.  3. 

—  Johann  Bapt.,  kaiserlicher  Reichs- 
hofrat 13d. 

Wechsiperger  231. 

Wediin,  Anna,  Laienschwester  des  Klo- 
stert Himmelpforte  in  Wien  182. 

Weger,  Eva  Regina,  Chorfrau  ebenda 
176,  Anm.  1. 

Wehrbach,  der  Ö4.  * 

Weiden,  G.  B.  Hörn  58,  Anm.  1. 

Weiiiburg,  0.  Wien. 

Weikersdorf  96,  99  und  Anm.  1. 

Wtikertschlag,  O.  B.  Raabs  28,  67. 

Weilersiedelnng  57,  70,  92. 

Weiller,  s.  Wien,  Bürger. 

Weinhaus  (Wien)  104. 

Weint)  itt,  s.  Nikolsbnrg. 

Weißenbach  (Oro0-),  O.  B.  Zwetll  71, 
Anm.  1. 

Weifienkirchen  in  der  Wachau  213. 

Weiten.  Pfarre  26,  60  und  Anm.  1. 

Weitenbach,  der  20,  24—26,  54,  61-63, 
63,  Anm.  5,  64  und  Anm.  1,  88. 

Weitersfeld  5,  26,  63  und  Anm.  2,  65. 

Weitra  (Weytra,  Withra)  13—18.  18, 
Anm.  3,  25-30,  34,  65,  66,  69,  71, 
72,  91,  92. 

—  Pfarre  27,  86,  Anm.  1. 

—  HaoB  Haffenbeck  (Haffenpekch)  194, 
195.  Deasen  Töchter,  die  Bürgerinnen : 
KathrejTy  Symon  des  Sneyders  Frau, 
und  Margret  die  Voglerin  195. 

—  Anna,  Steffans  Frau,  früher  Frau  des 
Hans  Haffenbeck  195. 

—  Lipplein  195. 

^Veitraer  Gebiet  75,  Anm.  1. 
Welimingkcher,  s.  Joching. 
Wendla,    Schwester,    Chorfrau    des    Klo- 
sters Himmelpforte  185. 
VVtrd,  die  Herren  von  55. 
Wenhwein  (Werdtwein),  a.  Wien,  Bistum. 


Wesendorf,  s.  Wösendorf-. 
Westfalen  87. 

Wichard,  s.  Gottsobalk. 
Widmer,  s.  Wien. 
Widtmann,  s.  Wien,  Bürger. 
Widukind  46. 

Wien  153-156,  163,  164,  212,  213. 
Bürgermeister:  Dr.  Josef  Hartmann 

171. 
Stadtrat:    Senior    Josef    Hartmann, 
kaisei  lieber    Rat    177.    —     Senior 
Augustin   von  Hirneiß,    kaiserlicher 
Rat  168. 
Bistum  (Erzbistum)    130,    135,    136. 
Konsistorium  129,  182. 
Kanzlei  138. 
Bischof  111,  112.  152. 
Bischöfe      (Fürstbischöfe):     Philipp 
Friedrich  von  Brenner   147,  150: 
8.  auch  Breslau,    Brunn,  Olmütz. 

—  Anton    Brns  von  Müglits    97. 

—  Frani  Anton  Graf  von  Harrach 
168.  —  S.  Klesl.  —  Leopold  Graf 
vou  KoUonitsch,  Kardinal  164.  — 
Siegmund  Grsf  von  Kollonitz  170 
bis  172.  —  Johann  Kaspar  Neu- 
bock  108-110,  113,  116,  118, 
120,  Anm.  1,  123,  126.  —  Fran» 
Freiherr  von  Rummel  170.  — 
Ernst  Graf  von  Trautsou  161.  — 
Karl  Weinberger  140.  —  Wilde- 
rich von  Walderdorff  157,  169.  — 
Anton  II.  Wolfrath  145.  147. 

Fürsterzbiscböfe:  Siegmund  Graf  von 
KoUonitsch,  Kardinal  173  und 
Anm.  1,175,272.  —  GrafMigazzi, 
Kardinal  178,  181. 

Administrator:  Urban  Sagstetter, 
Fürstbischof  von  Gurk  98,  99. 

Weihbischof:  Marzer  179. 

Domkapitel  128. 

Dompröpgte :  Ambros  96.  —  Josef 
Breitenbücher,  General vikar  170. 
Klaudius  KlOckher,  Generalvikar 
166.  —  Tobias  Schwab  146.  — 
Matthias  Werdtwein,  Domherr  von 
Brixen  und   Kaplan  99,  109,  186. 


304 


Register. 


Domkustos:  Tobiu  Schwab  144. 

Domdecbante:  Heinrich  Härtung 
124.  125.  —  Kaspar,  Kaplan  104, 
107.  —  Johann  Rath  97. 

OffiEial:  137,  138,  159,  157,  158. 

Offisiale:  Heinrich  Härtung  123.  — 
Hermann  Klaudiue   Klöcker  169. 

—  Tobias  Schwab  (auch  Domherr 
von  Olmüts)  138,  140,  144,  147. 

—  Baltbasar  Scultetus,  General- 
▼ikar  (auch  Domherr  von  Breslau) 
124,  125,  129. 

Kanzler:  Josef  Breiteubttcher  169.  — 

Johann  Bapt.  von  Zeller  179. 
Domherren:  Adam  Dwerditsch  179. 

—  Gerhard   Gemer,   Dechant   in 
Kimberg,    Hofkaplan    Erzherzog  | 
£rn8t8,   Benefisiat  109,  111,  186.' 

—  Frans  Habermann  bischöflicher 
Notar  166.  —  Georg  Hoetter  97. 

—  Gkorg  Kirchmayr,  kaiserlicher 
Hofkaplao,  Benefisiat  121,  122, 
124,  125.  —  Georg  Khlay,  Hof- 
kaplan und  Benefisiat  109,  111, 
186.  —  Johann  Lentl  129.  — 
Anton  Leupen  von  Leupenstein 
151.  —  Peter  Muchitsch  102, 104. 

—  Lucius  Perotta,  Benefisiat  104, 
109,  186.  —  Augustin  Rauch, 
Kaplan  111.  —  Sebastian  Schlick 
111.  —  Karl  Anton  Serdagna  179. 

—  H.  Winterholler  129.  —  Au- 
gustin Zwerger  140. 

Bischöflicher  Kaplan:  Johann  ReguluB, 
Benefisiat  111,  186. 

Bischöfliche  Notare:  s.  Domherr 
Habermann.  —  Michael  Zwickh 
und  seine  Frau  Maria  Theresia, 
geb.  von  Vestenberg  158,  159. 

Erzbischöfliches  Zehentamt  174, 
Anm.  1. 

St.  Stephan :  Dom-  und  Metropolitan- 
kirche  142,  184.  —  Eligius-  (Her- 
zogen •)Kapelle  184.  —  Hausmutter 
184.  —  Chormeister  Dr.  Münzer 
157,  158.  —  Domkuraten  152.  — 
Chorkaplan  111.    —    Levit  Niko- 


laus   Sehultheifi,   Benefisiat  111, 

186.  —  Beichtvater  Igoas  WlsVler 
172.  —  Kirchenmeister  Andreas 
Furtmoser  184. 

Pfarrer:  Meister  Gerhard  119,  sielie 

auch  Gars. 
St.  Michael:  Pfarrer  Valentin  Sixtl, 

Hofkaplan   und   Benefisiat  97,  IST. 
Männerklöster: 

St.  Dorothea  (Stift)  99,  174.  - 
Propst  170.  —  Pröprte:  Georg  lOi. 
—  Martin,  General  vi  kar  von  Wies 
109. 

Dominikaner:  Prior  Fr.  Peter  Hüu- 
ner  135,  136. 

Fraiisiskaner  131,150,178:  Patres: 
Bemardin  Asula  178u  Alezander 
Fleischmann  178.  NikoisT» 
Schwambacher  178.  Eduard  Sisf 
178. 

Kapuainerkloster  145,  Anm.  1. 

Schotten  (Stift)  161,  168. 
Frauenklöster: 

St.  Anna  97,  98  und  Aum.  2. 

Eiisabethinnerinnen  173,  Anm.  1. 

Si.  Hieron/mus  98,  115,  177. 

Himmelpforte  (St.  Agnes)  93—187. 
Reformation B-  und  Inatmktioi»- 
ordnung  108.  —  VerfaBsung  Uö, 
146.  —  Vereinigung  mit  dem 
Frauenkloster  St.  Jakob  119.  - 
Trennung  davon  128,  129.  — 
Meisterinnen  185.  —  Priorinneo 
185.  —  Superiorinnen  185.  — 
Klosterfrauen  185.  —  Beicht  viter 

185.  —  Altäre  und  Kapellen  1^5. 

187.  —  Benefisien  101,  104,  18:\ 

186.  —  St.  Agnesaltar  186.  - 
Dreikönig-Stiftung  und  Altar 
(Schwellersche  Stiftung)  95,  lOi 
104, 109,  111,  121,  124,  159,  18d. 
Frauenaltar  (Schwellersche  Stif- 
tung) 97,  99.  —  Heilig^nkreiiz- 
Stiftung  und  Altar  (ZSpfltKb« 
Stiftung)  101, 104, 186.  —  St,  Ki- 
tbarinaaltar  und  Stiftung  104,  1C<0. 
111, 186, 187.  >-  Magdalenenalt^r 


Begister. 


30J5 


149.  —  St.  PaolaMatJur  and  Stif- 
taug  104,186.  —  Schmidflche  Stif- 
tung 171.  — •  Graf  SeeauBcbe  Stif- 
tung 178.  —  Stiftungen  und  Jahr- 
tage  186, 187.  —  Meflseleser  und 
Kaplane  187.   —  Siehe  auch  die 
einelnen    Namen.    —     Ynzinger- 
kapelle  91.  —  Oberinnen,  Priorin- 
nen, Dechantinnen,  Snperiorinnen, 
Chorteaen,  NoTiainnen  und  Laien- 
Schwestern,  8.die  einzelnen  Namen. 
—     Hofmeister,    s.    Finkch    und 
Wagner. 

St.  Jakob  98,  Anm.  2.  113—116, 
124  und  Anm.  1,  125—129,  180. 
Anm.  1,  137,  145,  Anm.  1,  146, 
167,  Anm.  1,  169,  Anm.  1,  173, 
Anm.  1.  182.  —  Chorfrauen  100, 
Anm.  3.  —  Meisterin  118,  119, 
120,  Anm.  1.  Meisterin  Dorothea 
von  Puohheim  114—117,  120  bis 
123,  125.  —  Novisenmeisterin 
Barbara  Augenthaler  121. 

Karmeliterinnen  unbeschuhte  »bei 
den  sieben  BQchern«  181. 

St.  Klva  114,  119,  Anm.  2. 

KOniginkloster  134,  145,  Anm.  1 
Schwester  Ludowika,  GrXfin  von 
Seilern  182. 

St.  Laurens  113,  119,  Anm.  2.  137, 
145,  Anm.  1,  146,  169,  Anm.  1, 
173,  Anm.  1,  177,  179,  182.  — 
Schwester  Franziska  Klemm  177. 

St.  Magdalena  114,  119.  Anm.  2,      | 

St.  Niklas  119,  Anm.  2, 145,  Anm.  1, 
169,  Anm.  1.  Schwester  Hortulana  i 
Andresin  182. 

Salesianerinnenkloster  173,  Anm.  1. 

Ursnlinerinneiikloster  164,  173,  An- 
merkung 1,  177. 

St.  Salrator:   Bettefizium,\Benefiziat  ' 
Georg  Kirchmajr  121,  125;  s.  auch 
Wien,  Bistum. 

Universitfit  101,  104,  106,  107, 
125,  138,  143,  186.  —  Prior:  leaak 
Seidner  124. 

Jftkrteck  4.  T.  f.  LMi4Mk«n4e.  1907. 


Ersherzogliches  Studieo^Kolleg 
186.  Prioren:  Cbristophorus  von 
Kaschau  97.  —  Johann  Equellns 
102.  —  Mag.  Lambert  Luctanus 
125.  —  Leopold  Widmer  124. 

BQr gen  Johann  Albert,  kaiserlicher 
Hofglaser  167.  —  Johann  Adam 
Artner,  Branntweiner  163.  —  An- 
dreas DQmbaoher  und  seine  Frau 
163,  Anm.  1.  —  Hans  Hegner, 
Müller,    und   seine  Frau  Agnes  97« 

—  Christoph  Liechtmajr  165.  — 
Michael  Manhardf,  Branntweiner 
und  seine  Frau  Helene  167.  — 
Sebastian  Pestler  und  seine  Frau 
Elisabeth  100.  —  Josef  Ponsau, 
Handelsmann  163.  —  Hans  Bttmer 
99.  -^  Andreas  Bottmair,  Müller 
und  seine  Frau  Ottilie  97.  —  Se- 
bastian Weiller  99,  100.  —  Georg 
Widtmann,  Sanit&tararkassier  152. 

Genannte  Personen:  Gregor  Eber- 
hart, Buchbinder  101.  Erhard  Falckh. 
MttUer,  dessen  Witwe  Agnes  100.  — 
Hans  und  Dr.  Leopold  Jordan  %, 
8.  such  Gebäude.  —  Konrad  Khar- 
ner  96.  —  Christoph  Schmidt, 
kaiserlicher  Hofseilermeister  168.  — 
Georg  Seiti,  Gärtner  152,  s.  auch 
Ehnin,  Finokh,  Huber  (Hueber), 
Neumair. 

BOrgerspital  175. 

Spital  SU  St.  Job  119,  Anm.  2. 

Straßen  und  Gassen:  Alserstrafie 
183.  —  Ballgasse  164,  168.  —  Ja- 
kobergasse 115,  Anm.  1,  183.  — 
Kftrntnerstrafie  143.  —  Lichtensteg 
96,  104.  —  Rennweg  1()3.  — 
Biemerstrafie  152,  163,  165,  Anm.  1. 

—  Traibotenstrsfie  100.  t—  Weih- 
burggasse 165,  Anm.l.  —  WoU- 
seile  178. 

Gebäude  und.Objekte:  Burg  134, 
147.    —  Herbersteinsches  Haus  (in 
der  Rieraerstrsße)  163.  —  Jakober- 
hof 116,  Anm.  1.  —  Jordans  Meth- 
keller     106.    —    Paradeismflble  95, 

20 


306 


Begister. 


9G,  100,  104,  106.  —  ReskaliKhes 
Hans  (in  der  Ballgasse)  168.  — 
ThonamonischeB  Kostfränleinhaus 
180.  —  Frans  Xaver-Kapelle  da- 
selbst 180,  181,  Anm.  1.  —  Weih- 
bnrgr  101,  109.  —  Hans  ^anf  der 
»Dog^ga«  löl.  —  Hans  »bei  dem 
blauen  E^el«  (»zum  eisernen  Mann« 
143,  144.  —  Haus  »zur  blauen 
Weiutraube«  (am  Sporken  bflchel)  180. 

—  S.  Liechtensteinscbes    Brauhaus. 
Tore.     Gartor    152.     —    Schotteotor 

105.  —  Stnbentor  104. 
Qrfinde  nnd  Vororte:  Burgfeld  36. 

—  Am  Greif  105.  —  Himmelpfort- 
grund  174,  Anm.  1,  180  und 
Auni.  1.  —  Öt.  Marx  100.  —  Neu- 
«tift  177.  —  Prater  99,  104.  — 
Sporkenbfichel  96,  16Ö,  174  und 
Anm.  1.  —  Teufelskhott^  105,  siehe 
Breitenüee,  DÖbling,  Griuzing, 
Heiligenstadt,  Hietzing,  L*andstrafl6, 
Liechtenthal,  Mateleinsdorf,  Meld- 
ung, Nufidorf,  Pdtsleinsdorf,  Koßau, 
Sievering,  Simmering,  Währing, 
Weinbaus. 

Provinsialkouzil    von    1267,     119, 
Anm.  2. 
Wtetter  Becken  51,  Anm.  1,  5tS. 
Wiener  Neustadt  (Ncnstatt)  182,  183,  222, 

—  Bistum  185. 

—  Biscbofe:  Georg  272,  Lambert  Grutter 
101,    108.    Melchior  KlesI,    s.    diesen. 

—  bischöflicher  Ofßzial  Matthias  Gaißler 
144. 

—  Bischofshof  144. 

—  Klarissen  kloster    bei    St.    Peter    101, 
108. 

—  PauHaerkloster  145,  Anm.  1. 
Wiener  Wald  7,  48.  50,  82. 

—  Viertel  ober  dem  60,  63—55,  82. 
WMeselburg  23,  Anm.  3. 
Wildberg,  Veste  55. 

Wilderich,  s.  Wien,  Bistnm. 
Wilfersdorf,  G.  B.  Mistelbacb,  s.  Wulfers- 
torfer. 


Willendorf,  O.  G.  Schwallenback  6. 
Willinge,    O.  G.  Gopprechts  80,  Anm.  2. 
Winden,  Apollonia  von  258. 

—  die  Ton  2ö8. 

Wiudiaeendorf,     WOstung     bei    Meisling 

91. 
Windische  Güter  258. 
Windigsteig  91. 
Winfried  (Bonifatias)  41. 
Winkler,  M.  Emanuelv  Kordula  von  181. 

183. 
Winkowits,  s.  Salm. 
Winrich,  s.  Geras. 

Wirenstarf  (Wirenstorff),  •.  Wfirnedort. 
Wiser,  Joachim  lOG. 
Withra,  8.  Weitra. 
Witschkoberg  (G.  B.  Weitra)  91. 
Wtttiugau  18,  Anm.  3. 
Wöckhtn,    Felizitas    Apollonia,    Chorfrsu 

des   Kloeters    Himmelpforte    in   Wie» 

147. 
Wolfrath,  s.  Wien,  Bistum. 
Wösendorf      (Wesendorf,       Weesendorä  \ 

209,  210,  213. 

—  Thoman     und     Wolfgang    Habrufker 
210. 

—  Stephan  von  Lewbein,  Bürger  210. 
~   Anna,  Elspet,    Erhart,    Jorig,    UrsaU 

und  Wolfgaug  Kiegler  (Riglar,  Kigl&r' 
213. 

—  Hans    und    Barbara    Riegler    (RigUn 
213,  214. 

>-  Zawner  von  Steir  210,  214. 
Wositka,    M.     Kreszenzia,    Chorfrau    det 

Klosters    Himmelpfurte    in  Wien  171% 

Anm.  1. 
Wratislaw,  Herzog  von  B^thmen  16. 
Wulferstorfer     (Wnlferstorffer,      Wulffen 

storifer),  Hans  von  Wulferetorf  ;Wiii 

fensdorf  [Wilfersdorf])    222,    223  und 

Anm.  2,  224,  227,  233,  237,  249,  2.  •^ 

260,  262,  264. 
Wnltschau  91. 
Wurmbach  38,  Anm.  1. 
Wurmbrand  26,  66,  71,  Anm.  2. 
W  Urnsdorf  (WirensUrf,  Wirenstorff)  21'4. 

207. 


Register. 


307 


Würeburg  54.  158. 
WüstoDgen  34,  35,  36,  38,  58. 
Wjdemanii,  Leopold  191. 


Ybbsbarg,  die  55,  Anm.  14. 

Z. 

Zaingrub  91. 

Zäpfl,  Cyriak  187. 

Zauner  (Zawner),  s.  Wesendorf. 

Zebiog,  s.  Zöbing. 

Zegersdorf,  s.  Zögersdorf. 

Zei.selberg  6. 

Zelking,  Familie  184,  Anm.  2. 

Zeller,     Agnes,     Choifrau     des     Klosters 

Himmelpforte  in  Wien  185. 
ZettliU  91. 
Zetwitz,     Katbarina    von    (zuvor  Pacber), 

geb.  Gäßler  zum  Rottenhof  154. 
Zieglprenner,  Hertlein,  Meister  186. 

Zierings  69. 

Zinzendorf,  M.  Benigna  von,  Cborfrau  des 
Klosters    Himmelpforte   in   Wien  166, 
Anm.  1,   169,  Anm.  3. 
Zissersdorf,  G.  B.  Geras  70. 
.Zi^terstorf,  Konrad  von,  Kaplan  187. 
iZisterzienserorden  und  Klöster  33,  87. 


Zöbing  (Zebing)  63. 

—  Ministerialien  von  67. 
Zogeisdorf,  G.  B.  Hörn  65. 
Zögeriidorf  (Zegersdorf)  226. 
Zollordnung,  Raffelstättener  11. 
Zolta,  s.  Soltain. 

Zoltan,    Martha,     Chorfrau     und    Priorin 

des    Klosters    Himmelpforte    in    Wien 

100-102,  185. 
Zuebrecht,     Ottilia,     Laienschwester     des 

Klosters    Himmelpforte    in   Wien  162, 

Anm.  1,  169,  Anm.  3. 
Zuggers  80,  Anm.  2. 
Zwettl  (Swiell)  14,    15,    20,    25,   26,  28, 

29,   31,  34,  37,  38,  Anm.  1,   65,    66, 

71,  72,  84,  88,  91,  92. 

—  Kloster  15,  17,  20,  Anm.  9,  28,  31, 
69,  74,  86,  87.  —  Abt  15. 

—  Äbte:  Bohuslaus,  —  Hermann  31,  69. 
74.  —  Mönch:  Ortolf  II.  von  Stocharn 
226.  —  Klosterarchiv  37,  Anm.  2. 

—  Pfarre  27. 

—  Pfarrer  Pilgrim  von  Knenring  31,  69, 
86,  Anm.  1. 

—  Kapläne:  Andreas  und  Konrad  von, 
in  Wien  186.  Philipp  von  186. 

—  Klein-  (Zwettlern)  26,  28,  70,  91. 
Zwingendorf,  s.  Mollenburg. 
Zwinzen  (Zwinsee)  91. 


I 


20* 


V 


Karafai 

Ratscht 


KesKr, 
Kenehl 


Leeder 

Lomhia 
Ji 

-   0 


Heil,  Dl 

MUler. 


^' 


K 
P0l£l,  Ignaz.  Die  lateinische  Bürgerschale  in  Wiener-Neustadt,  1875,  8a.    1*- 

Prokesch,  Anton.  Die  alten  Nußdorfer  Wasserbauwerke,  1876,  Sa.  .  .  —^70 

Prflfl,  Laorenz«  Stand  der  freien  Herrschaft  Medling  und  Veste  Liech- 
tenstein im  Jahre  1678,  1886,  Sa —-70 

—  Historisch-topographische  Darstellung  von  Nieder-  und  Ober- 
hollabrunn, 1885,  ba.  aus  der  »Topographiec 2  — 

Protokoll  der  Hauptversammlung  der  deutschen  Geschichts-  und  Alter- 
tumsvereine in  Wien,  19(Ä ....  —-00 

Sacken,  Dr.  Eduard  Freiherr  von.   Über  die  authentischen  Porträts 

König  Rudolfs  von  Habsburg,  1883 —-70 

—  Carnuntum,  1876,  Sa —-40 

Saxa  loqnontar.  Iliesentor  von  St.  Stephan,  1882 —  *dO 

Bchalk,  Dr.  Karl.   Österreichs  Finanzverwaltung  unter  Berthold  von 

Mangen,  1881,  Sa. —-70 

—  Rechnungen  von  Amtleuten  der  Stiftsherrschaft  Schotten,  1411 

bis  1416,  1883,  Sa 1-40 

—  Die  Finanzverwaltung  Wiens  am  Ende  deft^XIV.  Jahrhunderts, 
1883.  Sa ' 1-40 

—  Geschichte  der  älteren  Wiener  Mafie,  XV.  und  XVI.  Jahrhundert, 
1887,  Sa. 1-40 

Starser,  Dr.  Albert.  Regesten  zur  Geschichte  der  Pfarren  in  Nieder^ 

Österreich,  1890,  Sa 1*40 

—  Regesten  zur  Geschichte  der  Klöster  in  Niederösterreich,  1891,  Sa.  — *70 

Strefflenr,  V.  von.  Zwei  Episoden  aus  der  Geschichte  der  Stifte  Lilien- 
feld und  Melk,  1868 —-70 

—  Die  Verbesserung  der  sanitären  Verhältnisse  Wiens,  1869  .   .   .    1  — 

Vancaa,  Dr.  Max.  Über  die  Gründung  eines  niederösterreichischen 

Landesmuseums — '40 

—  Die    Vorarbeiten    zur   Gründung    eines    niederösterreichischen 
Landesmuseums  in  Wien,  1906 — '50 

—  Die  Stände  des  Erzherzogtums  Österreich  unter  der  Enns,  1906  —-30 

Weißmann,  Dr.  Johann.  Zur  Beantwortung  der  Frage,  was  die  in  der 
Urkunde  des  Herzogs  Leopold  des  Glorreichen  vom  Jahre  12Q8 
genannten  s Flandrensesa  waren,  1876,  Sa —-50 

Wendrinsky,  Johann  Heinrich.  Burggraf  von  Dewin  und  Graf  von 

Hardegg,  1877.  Sa —-40 

—  Die  Herren  von  Schwarzenburg-Nöstach,  1878,  Sa    ......    1*— 

—  Die  Grafen  Raabs,  1879,  Sa.  .   .  • 260 

—  Die  Grafen  von  Plaien- Hardegg,  1880,  Sa 140 

—  Die  Grafen  von  Feilstein,  Burghausen  und  Schala,  1881,  Sa.  •   .    1*— 

Wiehner,  Jakob.  Das  Benediktinerstift  Admont,  1894,  Sa. 2*— 

Wimmer,  Dr.  Ferdinand.  Geschichte  der  Pfarre  St.  Agatha  zu  Haus- 
leiten, 1893.  Sa.  .       2-40 

Winter,  Dr.  Gustav.  Bitte,  die  Sammlung  niederösterreichischer  Weis- 

tümer  betreffend,  1877,  Sa — 40 

—  Das  St.  Pöltener  Sladtrecht  1338,  1884.  Sa 1*60 

Wolf,  G.  Die  kaiserliche  Landesschule  in  Wien.  1878,  Sa —•40 

Wolfi»gniber,  Dr.  Cölestin.    Geschichte  der  Camaldulenser-Eremie  auf 

dem  Kahlenberge,  1892,  Sa 3-20 

2äk,  P.  Alfona  Gebhard.  Die  St  Martinskirche  zu  Drosendorf,  1894,  Sa.    2  60 

—  Eibenstein  und  Primersdorf,  1895,  Sa. 6  — 

—  Chorherrenstift  Pernegg,  19Ü2,  Sa ö*— 

Zeidler,  Dr.  Jakob.  Über  Jesuiten  und  Ordensleute  als  Theaterdichter 

und  P.  Ferdinand  Roßner  insbesondere,  1893,  Sa l'— 

Zitterhofer,  P.  Ambro».    Die  Pfarre  Klein-Engersdorf,  Sa.  1884—1887    8  — 


■  ■       ■ 


JAHRBUCH 


FÜR 


LANDESKUNDE 


VON 


NIEDERÖSTERREICH. 


REDIGIERT 


von 


Dr.  MAX  VANCSA 


NEUE  FOLGE. 
eiKBEJSTTKR    JAHRQANG. 

1908. 


WIEN   1909. 

VERLAG  UND  EIOENTim  DES  VEREINES  FÜR  LA5DESKUKDE  VON  NIEDBROSTERREICU. 

DBUCK  VOH   FBIBDKICB  JASPBIt   Ul   WIEN. 


Verzeichnis  der  beim  Vereine  für  Landeskunde  von 
Niederösterreich  erhältlichen  Dnickschriften. 

(Die  beigesetzten  Preise  gelten  nur  für  Mitglieder.  Für  Nichtmitglieder  werden 
die  Preise  erhöht   —   Die  Druckschriften  werden  gegen  Begleichung  des 

Portos  auch  mit  der  Post  zugestdlt.) 


I.  Haapipabllkatloiieii  des  Terelnea. 

Blatter  den  Vereineg  jflr  Landegkwnde  von  NiedeWteterreich. 

VorrätiR  sind  noch  die  Jahrgänge:  III  (1869)  bis  IV  (1870),  VII  (1873) 
bis  XXlV  (1890),  für  den  Jaiirgang  gebunden  K  b'—,  ungebunden 
K  A-;  XXV  (1891)  bis  XXXV  (1901),  für  den  Jahrgang  gebunden 
K  3*—,  ungebunden  K  2*—. 

Monatgblatt  des  ^Vereine»  für  Landegknnde  von  Nlftderftgterreich. 

Jahrgang  1  (1902)  bis  VII  (1908),  für  den  Jahrgang  K  2—.  (EinEelne 
Nummern  30  h.) 

Jahrbuch  für  Landesknnde  von  NiederflBteireich. 

Jahrgang  I  (1867)  bis  II  (1868—1869).  für  den  Jahrgang  K  4  — .  Neue 
Folge:  Jahrgang  I  (1902)  bis  III  (1904).  VI  (^1907),  VII  (1008),  für  den 
Jahrgang  K2'—  Jahrgang  IV  und  V  (1905  und  1906),  für  diesen 
Doppelband  J^  4  |  . 

Administrativkarte  von  Niederflgterreich  in  111  Sektionen. 

Maßstab  V  =  400«  (1 :  28.800).  Preis  für  die  Sektion  Wien  samt  Um- 
gebung K  2—,  für  Jede  andere  Sektion  K  1  20. 

Topographie  von  Niederflgterreich. 

i.  Band  (11  Hefte),  AUgemeiner  Teil.  U.  Band  (15  Hefte),  Wien  und 
A-E.  III.  Band  (13  Hefte),  F-G.  IV.  Band  (9  Hefte),  H— J.  V.  Band 
(19  Hefte),  K— L.  VI.  Band  (bisher  14  Hefte  erschienen),  M— Mü. 
VII.  Band  (bisher  2  Hefte),  N— Neu.  Preis  eines  Heftes  JBT  1*40;  Preis 
der  bisher  erschienenen  Bände  zusammen  K  116-— ,  welche  jedoch 
auch  in  Monatsraten  zu  K 10*—  beglichen  werden  können.  Für  Schulen 
nnd  Gemeinden,  die  zugleich  Mitglieder  sind,  ist  der  Preis  auf  K  80* — 
herabgesetzt  worden. 

NiedeWteterreichigcheg  ürknndenbneh. 

I.  Teil  Urkundenbuch  des  aufgehobenen  Chorherrenstiftes  St.  Polten. 
2  Bände.  I.  Band  K  10-,  II.  Band  K  6-—. 

Stadien  warn  älteren  flgterreiclügchen  ürknndenwesen. 

Von  Dr.  Oskar  Freiherr  von  Mitis.  1.  Heft  (1906)  IT  1— .  3.  und 
4.  Heft  (1907)  K  2  — . 


II.  GinselauBgaben. 

(Die  B«xeichnnng  Sa.  bedMtot  Sondenbdrnok  »as  den  »Bl&ttern  des  Verelnee  f&r  LandwItoDdec.) 

K 
Adam,  Dr.  Zur  Geschichte  von  Wiener-Neustadt,  1867        —-40 

Bauer,  Dr.  Jogef.  Die  Anfänge  der  Ostmark,  1876,  Sa —'70 

—  Der  Fiscus  regius  unter  den  fränkischen  Königen,  1878,  Sa.     .    1*40 

—  Dr.  Jogef  Ritter  von.   Das  Bruderschaftswesen  in  Niederöster- 
reich, 1885,  Sa .   .  —-70 

Beck  von  Mannagetta,  Dr.  Ottnter.  Die  Nadelhölzer  Niederösterreichs, 

1890,  Sa. 1  — 

Becker,  M.  A.  Emmerberg,  1883.  Sa !•— 


JAHRBUCH 


rÜR 


INDESKÜNDE  von  NIEDERÖSTERREICH. 


UKDIOIKUT 


VON 


Db.  MAX  VANCSA 


NEUE  FOLGE, 
SIEBEN  PER   JAHRGANG 

1908. 


WIEN  19Ö9. 

VBBLAe  UND  BIOKMTUM  DES  VEBBINK6  FÜB  LANDESKaNDK  VON  NIBOKRÖSTKRRBICB. 


DBUCK  VON  FKISDRICH  JA^PKU  IN  WIEN. 


l]s^tl^L^^ 


Seite 
Das   Gemärke  des  Landbnches.  Von  Dr.  Josef  Lampe I.  (4.  Fortsetzung.)  1 

Das   Boliot-Provisorium  für  Niederösterreich  vom  20.  Juni  1796.   Ein  Beitrag 

zur  Geschichte  der  österreichischen  Agrarpolitik  anter  Kaiser  Franz  I. 

Von  Dr.  Viktor  Bibl 235 

l»te    Okkupation  Wiens  und  Niederösterreichs  durch  die  Franzosen  im  Jahre 

1809  und  ihre  Folgen  für  das  Land.  Von  Dr.  Walter  Boguth  ...  277 
Zn    den    Nachträgen  zum  Aggsbacher  Urkundenbuch.    Von  P.  Dr.  Adaibert 

Fr.  Fuchs  und  Dr.  Josef  Lampel 345 

H*^ster.   Von  Julius  Schön 374 


DAS 


gemArke  des  landbüches. 


VON 

DR.  JOSEF  LAMPEIu 

(4.  Fortsetzang.) 


Jahrbacb  f.  Landeskunde.  19U3. 


Die  Grenze  zwischen  Niederösterreich  and  Böhmen. 

In  der  Tat  ein  sehr  merkwürdiges  Zusammentreffen!  —  Der 
Verlauf  der  Grenze  zwischen  Niederösterreich  und  Böhmen,  an  sich 
(i&s  kürzeste  Stück  des  Gemärkes,  kürzer  als  das  gegen  Steiermark, 
Mähren  und  Ungarn,  kürzer  als  der  oberösterreichische  Verlauf, 
zwingt  uns  dennoch,  viel  weiter  auszuholen,  weit  länger  dabei 
zu  verweilen,  als  dies  bisher  bei  irgend  einem  Teil  des  Gemärkes 
der  Fall  gewesen.  Allerdings  bildet  dieser  Abschnitt  der  Untersuchung 
das  historisch  und  topographisch  interessanteste  Stück  der  ganzen 
Erörterung,  auch  ein  in  sich  abgeschlossenes,  dafür  aber  auch  das- 
jenige Stück,  dessen  durchgreifende  und  übersichtliche  Behandlung  die 
(rrüßten  Schwierigkeiten  bietet.  Denn  wir  sind  im  Verlauf  der  Er- 
örterungen wohl  auf  mancherlei  Hemmnisse  gestoßen,  und  es  sind 
ans  Stellen  im  Gemärke  begegnet,  die  mehr  raten  als  feststellen 
ließen,  was  jedesmal  gemeint  sei;  doch  hat  keine  derselben  eine  so 
eingehende  Untersuchung  erfordert  und  keine  derselben  ein  so  un- 
sicheres Ejrgebnis  aufzuweisen  wie  gerade  das  Kapitel,  an  das  wir 
Dimmehr  herantreten  in  der  Absicht,  die  geschichtliche  EIntwickelung 
der  Grenze  zwischen  dem  heutigen  Böhmen  und  dem  heutigen 
Niederösterreich  aufzurollen. 

Die  Worte  des  Gemärkes,  die  hiebei  in  Betracht  kommen, 
sind  folgende:  »(di  Muhel  uf  ze  perge  untz  reht  an  (auf)  den  spitz 
des  Untarnperges);  als  die  regenwazzer  vliezzent  (a)  in  den  Chuniges- 
prann,  (a)  den  Chunigesprunn  nieder  (b)  unz  in  di  Gosteyz,  (b)  von 

Anm. :  Bei  Übernahme  der  Redaktion  war  ein  Teil  dieser  Fortsetzung  des 
Aafiatzes,  dessen  frühere  Abschnitte  in  den  »Blättern  des  Vereines  fUr  Landeskunde 
von  Niederöstorreich«.  XX  (1886),  8.  267-336;  XXI  (1887),  S.  228—310); 
XXX  (1896),  8.  301— 33B;  XXXin  (1899),  S.  371—416,  erschienen  sind,  bereits 
gesetzt.  £e  wird  demnach  hier  die  Fortsetzung,  welche  die  böhmisch-mährische 
and  die  ungarische  Grenze  behandeln  soll  und  welche  der  Verfasser  im  nächsten 
Jahre  zum  Abschlüsse  zu  bringen  hofft,  geboten,  damit  die  für  die  Landesgeschichto 
wichtig^  Untersuchung  kein  Torso  bleibe. 

Die  Redaktion. 
1* 


4  Dr.  Josef  Lampel. 

der  Gosteyz  (c)  unz  in  di  Lfinsnich,  (c)  die  Lünsnich  nider  (d)  unz 
in  die  Owergrube.^) 

Wie  alle  bisher  behandelten  Grenzpunkte  scheint  auch  die 
Reihe  der  hier  genannten  einen  Zusammenhang  darzustellen,  und  zwar 
so,  daß  insbesondere  die  ersten  beiden  Y^  &j  und  die  letzten  beiden 
(c  d)  auch  in  einem  geographischen  System  stehen,  wogegen  von 
b  und  c  dies  anscheinend  nicht  gilt.  Denn  es  ist  ein  anderes,  ob 
ich  sage:  >dieses  Gewässer  nieder  bis  zu  jenem  anderen  Gewässer«, 
oder  ob  ich  sage:  »von  diesem  Gewässer  bis  zum  anderen  Gewässer«. 
Dort  läuft  die  Markung  an  dem  genannten  Grenzobjekte  fort,  bis 
dasselbe  in  ein  neues  übergeht,  hier  kann  sie  das  eine  Grenzobjekt 
wo  immer  verlassen  und  zu  einem  andern  übergehen,  das  in  gar 
keinem  hydrographischen  oder  orographischen  Konnex  mit  dem 
vorigen  zu  stehen  braucht.  Genau  übersetzt  würde  mithin  unserc 
Stelle  folgendermaßen  lauten:  Den  Lauf  des  Königsbrunnens  herab, 
bis  dieser  in  die  »Gosteyz«,  oder  wie  einige  Handschriften  haben: 
»Gostenitz«  mündet,  von  dieser  zur  »Länsnich«  überspringend,  und 
deren  Lauf  hinab  bis  zur  »Owergrube«. 

Allein  was  hilft  uns  die  gewissenhafteste  Auslegung  des  logi- 
schen, beziehungsweise  syntaktischen  Zusammenhanges  unserer  Stelle, 
wenn  der  oro-hydrographische  Befund  der  Auslegung  widerspricht 
oder  wenn  wir  außerstande  sind,  die  Örtlichkeit  der  einzelnen  Objekte 
festzustellen. 

Wo  entspringt  der  Königsbrunnen?  wo  fließen  die  Gk>stenicz 
und  die  Lnnsnich?  wo  liegt  die  Owergrube? 

Zwar  den  drei  letzten  Namen  werden  wir  vielleicht  noch  in 
einer  datierten  Urkunde  begegnen,  mit  der  sich  ein  großer  Teil 
dieses  Abschnittes  beschäftigen  muß,  hingegen  die  Auffindung  des 
erstgenannten  Gewässers,  des  Königsbrunnens,  verursacht  erhebliebe 
Schwierigkeiten. 

Um  nun  aber  den  sehr  ausgiebigen  Stoff,  der  zur  Lösung 
unserer  Frage  heranzuziehen  ist,  ohne  doch  unmittelbare  Angliede- 
rung  an  die  Aufzählung  im  Landbuche  zu  gestatten,  gleichwohl 
in  eine  übersichtliche  Folge  zu  bringen,  teilen  wir  ihn  zunächst 
in  zwei  Hauptgruppen  nach  den  Hauptorten  des  an  Böhmen  an- 
grenzenden Teiles  des  Erzherzogtums,  nämlich  nach  Weitra  und 
Litschau,  ein,  wovon  aber  die  zweite  Gruppe  nur  eine  Nebengruppe 
bildet.    Denn   die   Scheidung   kann   nicht   so   streng    durchgeführt 

^)  Mob.  Oerm.  Deutsche  Chroniken.  HI,  713  f. 


Das  GeiDftrke  des  Landbuches.  5 

werden,  und   es   ist   möglich,   daß  in  der  ersten  Gruppe   auch  auf 
die  zweite  übergegri£fen  wird. 

t)  Die  WeitraipreiuEe. 

Lassen  offenbar  die  Worte  des  Landbuches  den  Königsbmnn 
in  ein  Gewässer  des  Namens  Gostenicz  fließen,  so  scheint  es  ja  hin- 
reichend, ein  Wasser  dieses  oder  eines  ähnlichen  Namens  ausfindig 
za  machen,  um  unter  seinen  Zuflüssen  den  Quellbach  des  Königs- 
brnnn  auszuwählen.  Das  scheint  sich  um  so  mehr  zu  empfehlen,  als 
ja  der  Name  Gostenicz  sowohl,  als  der  unmittelbar  folgende  Luonsnitz 
iKihon  längst  eine  Deutung  erfahren  hat,  deren  Richtigkeit,  wenig- 
stens was  die  Luonsnitz  anlangt,  nfimlich  die  gegen  Ende  vorigen 
Kapitels  genannte  Lainsitz,  kaum  einem  gegründeten  Zweifel 
begegnen  wird.  Demnach  befinden  wir  uns  eben  dort,  wohin  wir 
in  der  Untersuchung  bisher  gelangt  sind,  d.  h.  am  Endpunkte  des 
trockenen  Grenzweges  längs  der  Wasserscheide,  also  etwa  am 
Schanzbei^e  oder  am  Aichelberg,  wo  ja  die  Lainsitz  entspringt,  Berge, 
deren  Bedeutung  für  die  Grenzfrage  wir  im  vorhergehenden  Ab- 
schnitte eingehend  gewürdigt  haben.  Dann  hieß  eben  die  Quelle 
der  Lainsitz  in  alten  Zeiten  Königsbrunn,  oder  es  ist  dies  einer  der 
nächsten  Zuflüsse. 

Freilich  läßt  ja  unser  Bericht  den  Königsbrunn  nicht  in  die 
Lainsitz,  sondern  in  die  Gostenicz  fließen,  was,  wenn  dies  die 
Kosteiniz  oder  der  Kastanitzer  Bach,  im  Unterlauf  auch  Reißbach 
genannt,  ein  nördlicher  rechtsseitiger  Zufluß  der  Lainsitz  sein  sollte, 
schon  geeignet  ist,  einige  Verwirrung  anzustellen.  Allein  man  könnte 
sich  mit  der  Annahme  einer  kleinen  Verwechslung  abfinden,  wie 
wir  das  ja  schließlich  auch  tun  werden  müssen,  im  übrigen  aber 
daneben  die  Möglichkeit  begrüßen,  am  Schanzberg  (1068  m)^)  endlich 
wieder  auf  ein  durch  Namen  gekennzeichnetes  Gemärke  zu  stoßen. 

So  willkonmien  uns  nun  auch  diese  Thatsache  sein  mag,  zur 
Entlastung  dient  sie  nicht;  im  Gegenteile  führt  gerade  sie  uns 
in  mühsame  Untersuchungen  hinein.  Wir  werden  uns  jedoch  den 
B^nn  dieser  Forschung  erleichtern,  wir  werden  den  Faden,  an  dem 
wir  uns  forthelfen  sollen,  sicher  finden,  wenn  wir  zunächst  das  Ab- 
springen  des  Gemärkes   von   der   so  lange  festgehaltenen  Wasser- 

^)  über  das  Verhältnis  dieser  und  der  Nachbarhöhen  zum  österreichisch- 
böhmischen Massiv  siehe  Becker  in  den  Blättern  des  Vereines  für  Landeskunde, 
iron  Xiederösterreich.  XXVIII,  8.  43. 


g  Dr.  Josef  Lampel. 

scheide  unbeachtet  lassen  und  uns  einmal  den  weiteren  Verlauf 
dieses  oro-hydrographischen  Gemärkes  vergegenwärtigen,  genau  so 
eingehend,  wie  wenn  es  das  Gemärke  schlechthin  wäre. 

Die  Wasserscheide  wendet  sich  vom  Schanzberg  etwas  nach 
Nordosten  eine  Höhenwarte  entlang,  die  man  den  Stadelberg  nennt 
und  deckt  sich  mit  der  heutigen  Landesgrenze  bis  zu  dem  Funkte, 
wo  sie  die  Straße  von  Karlstift  nach  Buchers  übersetzt.  Während 
nun  die  heutige  Grenze,  vollends  zur  nördlichen  Richtung  üboqgdieDd. 
alsbald  zu  jener  Lainsitz  hinabeilt,  mit  der  wir  uns  in  der  Folge 
noch  so  viel  werden  beschäftigen  müssen,  so  wendet  sich  die  Wasser- 
scheide vielmehr  in  scharfem  Winkel  nach  Osten,  der  vorber